Staatsbesuch der Bundeskanzlerin
Merkel und EU-Diplomaten besuchen Türkei: Davutoğlu begrüßt Abnahme illegaler Einwanderung

Bundeskanzlerin Merkel und mehrere hochrangige EU-Diplomaten treffen heute in der Türkei zu einem Staatsbesuch ein. Im Fokus steht die Flüchtlingssituation.

Teilen

Ankara (nex) – Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft heute mit mehreren hochrangigen EU-Diplomaten zu einem Besuch in der Türkei ein. Die Umsetzung des Türkei-EU-Deals zur Eindämmung der Migrationsströme funktioniert bislang gut.

Merkel wird in Begleitung von Donald Tusk, dem Präsidenten des Europäischen Rates, und Frank Timmermanns, dem Vizepräsidenten der EU-Kommission, ein Flüchtlingscamp in der südtürkischen Provinz Gaziantep nahe der syrischen Grenze besuchen, das für viele Syrer, die vor dem Konflikt in ihrem kriegszerrütteten Land geflohen waren, ihr neues Zuhause geworden ist.

In einer Mitteilung am gestrigen Freitag sagte Regierungssprecher Steffen Seibert, dass der Schwerpunkt des Besuchs auf der Förderung von Projekten für Flüchtlinge in der Türkei liegen werde. Die drei Politiker planten des Weiteren, so Seibert weiter, ein speziell auf Flüchtlingsfamilien und ihre Kinder zugeschnittenes Projekt zu starten.

Die Türkei habe in der Flüchtlingsfrage große Anstrengungen unternommen, betonte Seibert. Nun teile die EU diese Last mit ihr und bemühe sich, die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu verbessern.

Nach ihrem Treffen mit Flüchtlingen im Camp werde Merkel mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu zusammenkommen. Anschließend würden sie an der Universität Gaziantep eine gemeinsame Pressekonferenz halten, teilte Seibert mit.

Der Regierungssprecher wies darauf hin, dass seit dem Inkrafttreten des EU-Türkei-Deals illegale Migrationsaktivitäten am Ägäischen Meer radikal zurückgegangen seien.

Das EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen zur Eindämmung des Migrationsstroms nach Europa startete am 18. März 2016. Europa erlebt derzeit die größte Migrationskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Eine Million Menschen erreichte die Küsten Europas allein im letzten Jahr. Die meisten von ihnen kamen von der Türkei nach Griechenland mit dem Ziel, in wohlhabendere europäische Länder – besonders Deutschland – zu gelangen.

Der Flüchtlingsdeal sieht neben der Umsiedlung der 2,7 Millionen in der Türkei lebenden Syrer die Bezahlung von sechs Milliarden Euro an Ankara zur Versorgung der Flüchtlinge vor. Des Weiteren hat die EU unter der Bedingung, dass die Türkei die Kriterien fristgerecht erfüllt, die Beschleunigung der EU-Beitrittsverhandlungen und die Lockerung der Visaregelungen für türkische Reisende zugesagt.

Die erste Gruppe der Migranten auf der griechischen Insel Lesbos wurde zu Beginn dieses Monats nach Dikili, eine Stadt in der westtürkischen Provinz Izmir, gebracht.

Davutoğlu, der am vergangenen Mittwoch zu Journalisten sprach, machte darauf aufmerksam, dass die illegale Migration in der Ägäis fast aufgehört habe, da Ankara sich an seinen Teil der Abmachung gehalten habe und wies Behauptungen, der Deal funktioniere nicht, von sich.

„Wir haben die große logistische Herausforderung gemeistert sowie die Grundlagen und Mechanismen zur Umsetzung des Deals erfolgreich vorbereitet“, betonte Davutoğlu. „Die Zahl der Flüchtlinge, die in die Türkei kommen, liegt derzeit täglich bei etwa 300, während einige von denen, die schon da sind, das Land wieder verlassen. Ein gut durchdachter Plan wird derzeit angewendet. Störungen oder Ausfälle bei der Umsetzung gibt es keine.“

Auch interessant

Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“

Tel Aviv - Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat mit neuen, drastischen Äußerungen über den Umgang mit palästinensischen Häftlingen für...

Druck aus Aserbaidschan: Netanjahu blockiert „Völkermord-Resolution“

Tel Aviv - Der diplomatische Diskurs um die historische Einordnung der Ereignisse im Osmanischen Reich von 1915 hat eine unerwartete und weitreichende Wendung genommen. Wie...

Türkei: Die Chronologie des Putschversuchs

  Ein Gastkommentar von Nabi Yücel Zehn Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 haben die türkischen Sicherheitsbehörden erstmals eine detaillierte Chronologie der monatelangen...

New Yorks Bürgermeister Mamdani plant Netanjahu-Festnahme

New York - In den Vereinigten Staaten droht ein beispielloser politischer und juristischer Machtkampf zwischen der Stadtregierung von New York und der Bundesregierung in...

Bundesweit einmalig: Bayerische Stadt zeigt muslimische Gebetszeiten auf Ortsschild

München - Die oberbayerische Stadt Penzberg sorgt mit einer in Deutschland bislang einmaligen Initiative für Aufsehen und setzt ein unübersehbares Zeichen für das interreligiöse...

Headlines

NYC-Bürgermeister Mamdani: Netanjahu ist ein Kriegsverbrecher

New York - New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani hat seine Position als eine der profiliertesten und konsequentesten Stimmen der...

Druck aus Aserbaidschan: Netanjahu blockiert „Völkermord-Resolution“

Tel Aviv - Der diplomatische Diskurs um die historische Einordnung der Ereignisse im Osmanischen Reich von 1915 hat eine...

Israel: „Es wird in Gaza keine Araber mehr geben“

Gaza - In Israel hat ein koordinierter Massenmarsch hochrangiger Regierungsmitglieder und ultranationalistischer Siedlergruppen die völkerrechtlichen und demografischen Pläne der...

Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“

Tel Aviv - Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat mit neuen, drastischen Äußerungen über den...

Meinung

Zum 31. Todestag von Dr. Sadık Ahmet: Das Vermächtnis eines Bürgerrechtlers

Komotini - Jedes Jahr am 24. Juli erinnern Angehörige der türkisch-muslimischen Minderheit in Westthrakien sowie viele Menschen in der Türkei an Dr. Sadık Ahmet....

ARTE-Doku: Drastische Zunahme der Siedlergewalt an Palästinensern

Jerusalem - Eine aktuelle Fernsehdokumentation des europäischen Kultursenders ARTE legt die tiefgreifenden strukturellen und völkerrechtlichen Veränderungen im besetzten Westjordanland offen. Ein zentraler Schwerpunkt der journalistischen...

Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Konuk Yazar: Özgür Çelik Bradley Martin tarafından kaleme alınan ve 4 Mart 2026 tarihinde Wall Street Journal'da yayımlanan "Türkiye'yi Dizginlemek İçin Acil Bir İhtiyaç" (An...

The Economist: Erdoğan, Müslüman dünyasının en popüler politikacısı

Londra - Neredeyse iki milyar insandan oluşan devasa ve çeşitlilik arz eden bir topluluk olan küresel Müslüman topluluğu Umma/Ümmet içinde, birleştirici bir temsilci arayışı...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...