Neue Ebene der Islamkritik
Shitstorm nach Kopftuch-Cover: PI-Nazis wünschen Chefredakteurin den Tod

Nach der Abbildung einer Mutter mit Kopftuch auf dem Cover der Jubiläumsausgabe terrorisierten Rechtsextreme die Redaktion des Magazins „Eltern“. Kommerziell erwies sich die Ausgabe jedoch als Erfolg. Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki will jetzt erst recht muslimische Mütter als Zielgruppe bedienen.

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Hamburg (nex) – Anfang des Jahres feierte die im Gruner + Jahr Verlag erscheinende Zeitschrift „Eltern“ ihr fünfzigjähriges Bestandsjubiläum. Sie gehört zu den beliebtesten Familienmagazinen in Deutschland mit einer verkauften Auflage von etwa 290 000 Exemplaren. Zum Jubiläum gab es fünf unterschiedliche Cover, die jeweils eine Mutter mit ihrem Kind zeigten und mit der Schlagzeile „Warum jede Mutter die beste für ihr Kind ist“. Eines der Cover zeigte auch eine Mutter mit Kopftuch, und vor allem in der türkischen Einwanderercommunity wurde dieses sehr positiv aufgenommen und in kurzer Zeit zigtausendfach in den sozialen Medien verbreitet.

Die Anzahl der rassistischen Zuschriften hielt sich anfangs in überschaubaren Grenzen. Ende Januar äußerte der stellvertretende Chefredakteur Oliver Steinbach noch, Hetze hätte sich einigermaßen in Grenzen gehalten und auch die kritischen E-Mails seien größtenteils sachlich geblieben. Lediglich auf Twitter seien „jede Menge unqualifizierte und dämliche Kommentare“ zu verzeichnen gewesen. Offenbar hat die mutmaßlich größte rechtsextreme Hassseite im deutschsprachigen Raum, das Blog „Politically Incorrect“, erst spät von dem Cover erfahren, denn es dauerte mehrere Wochen, bis eine zweite und wesentlich aggressivere Welle an braunen Wortspenden in der Redaktion eintraf.

Gegenüber dem Fachblatt „Meedia“ erklärte Eltern-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki: „Zunächst bekamen wir für die fünf Cover und die Vielfalt der Mütter in Deutschland, die sie zeigen, sehr positives Feedback. Das Titelbild einer fröhlichen Mutter mit Kopftuch ging unter anderem in den sozialen Medien durch die türkische Community und sorgte dort für wahnsinnig viele gute Reaktionen. Erst in einer zweiten Welle, nachdem das Heft bereits drei Wochen im Handel war, entdeckten uns die braunen Wirrköpfe.“ Auch die Telefonzentrale wurde von den Neonazis heimgesucht, via Mail wünschte man Lewicki unter anderem „einen Tod in der Gaskammer“. Unmittelbar nachdem die Hassplattform einen strafrechtlich nicht fassbaren Beitrag über das Zeitschriftencover gepostet und dahinter Telefonnummer und Mailadresse der Redaktion publiziert habe, habe der Mob die Initiative ergriffen. „Ich kann damit umgehen, wenn man mir an den Kopf wirft, dass ich vergast gehöre, dass ich eine Schande für mein Volk sei oder an die Wand gestellt werden sollte“, erklärte die Chefredakteurin. „Es kann aber nicht sein, dass unbeteiligte Mitarbeiter der Telefonzentrale beleidigt und angepöbelt werden. Da hört es für mich auf.“

Lewicki habe bereits einmal Anfang der 80er Jahre nach einer Reportage über Boat People Erfahrungen mit Rechtsextremen gemacht, die damals ihr Auto zerstört hätten. Die Rassisten würden sie mit ihrer Vorgehensweise jedoch nur in ihrer Entschlossenheit bestärken, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. „Damals habe ich mich nicht einschüchtern lassen und werde es heute erst recht nicht“, betont Lewicki. Gegenüber „Meedia“ äußerte sie weiter, die Resonanz auf das Cover hätte gezeigt, dass muslimische Mütter eine völlig neue Zielgruppe für das Magazin seien: „Diese jungen Mütter haben wir bislang völlig vernachlässigt. Sie sind aber Teil unserer Gesellschaft und haben zudem ein großes Interesse an unseren Themen. Deswegen wollen wir uns künftig verstärkt mit ihnen und anderen gesellschaftlichen Gruppen beschäftigten, die nicht immer in unserem Fokus standen.“ Auch in Zahlen ausgedrückt hatte sich die Jubiläumsausgabe um zehn Prozent besser verkauft als vergleichbare Hefte.

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