Makabre Cartoons zu Flugzeugabsturz
Russland empört: „Charlie Hebdo“ macht sich über Flugzeugabsturz lustig

Das französische Satiremagazin Charlie Hebdo hat erneut für Aufregung gesorgt. Diesmal ging es um den Absturz einer russischen Passagiermaschine. Karikaturen, die vielfach als pietätlos gegenüber den Opfern des Unglücks empfunden wurden, wurden zum Ziel der Empörung in der russischen Öffentlichkeit.

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Moskau (nex) – Karikaturen des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“, auf das im Januar des Jahres ein Anschlag vonseiten mutmaßlicher Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ verübt worden war, bei dem mehrere Mitarbeiter getötet wurden, haben in der Russischen Föderation Empörung ausgelöst.

Das Magazin hat Karikaturen zum möglicherweise ebenfalls infolge eines Terroranschlags ausgelösten Absturz der russischen Passagiermaschine in Ägypten veröffentlicht, bei dem vor knapp zwei Wochen 224 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Sie zeigen herabstürzende Trümmerteile und Menschen, die auf einen bärtigen Mann fallen. Dazu ist zu lesen: „Die russische Luftwaffe verstärkt ihre Angriffe.“ Auf einer anderen Zeichnung ist ein Totenkopf mit Sonnenbrille zu sehen und eine Warnung vor russischen Billigfliegern. „Das hat weder etwas mit Demokratie noch mit Pressefreiheit zu tun“, sagte Kreml-Sprecher Peskow, der die Zeichnungen „makaber“ nannte.

„Schockierende Sensationsgier“ aufseiten der Karikaturisten

Konstantin Kosatschow, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses beim Föderationsrat, sprach von einer „inakzeptablen Missachtung moralischer Werte“. Die französische Zeitung bereichere sich auf Kosten der Tragödie und ignoriere dabei den Schmerz der Angehörigen. „Ich bin auf keinen Fall ‚Charlie‘, war es auch nie, obwohl auch ich nach den Anschlägen auf die Redaktion betroffen war“, schrieb Kosatschow auf Facebook. Charlie Hebdo zeige eine „schockierende Sensationsgier“, sagte ein anderer russischer Politiker. Ein Aktivist aus Nischni Nowgorod hat im russischen Netzwerk VKontakte eine Aktion unter dem Hashtag #jenesuispascharlie ins Leben gerufen. Auch in anderen sozialen Netzwerken haben die Karikaturen empörte Reaktionen hervorgerufen.

Ein Twitter-Nutzer warf die Frage auf, warum die Mannschaft von Charlie Hebdo keinen Cartoon über die im Januar ermordeten Teamkollegen gezeichnet hätten. „Das wäre doch für sie sicher ein sehr großer Spaß gewesen“, so der sarkastische Kommentar. Der serbische Filmemacher Emir Kusturica sprach gegenüber dem russischen Fernsehsender REN-TV von einer „klaren Provokation“. Andere Nutzer sagten jedoch auch, man solle diese „widerlichen Provokationen“ einfach ignorieren, da ihre Urheber lediglich eine Reaktion provozieren wollten. Insgesamt bleiben die Reaktionen auf die Karikaturen in den russischen sozialen Netzwerken jedoch zurückhaltend. Es wird allerdings vielfach eine Reaktion all jener gefordert, die sich nach den Anschlägen auf die Charlie-Hebdo-Redaktion solidarisch mit den französischen Journalisten gezeigt hatten.

Russen wollten mehrheitlich nie wirklich Charlie sein

In einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts VTSIOM nach den Anschlägen im Januar hatten 30 Prozent der befragten Russen erklärt, die Journalisten von Charlie Hebdo hätten die Tragödie selbst heraufbeschworen, indem sie die religiösen Werte der Muslime herabgewürdigt hätten. 25 Prozent erklärten, die französische Regierung habe versagt, indem sie Schmähungen und Provokationen dieser Art erlaube. Nur acht Prozent sagten, die Extremisten selbst seien allein schuld, indem sie auf das Verhalten der Redakteure mit extremer Gewalt geantwortet hätten. Fünf Prozent der befragten erklärten, sie hätten Verständnis für die Motive hinter dem Anschlag und würden ihn sogar gutheißen, 39 Prozent erklärten zwar, die Motive zu verstehen, aber verurteilten den Anschlag als solchen. 48 Prozent verneinten beides. In der tschetschenischen Hauptstadt Grosny demonstrierten damals mehrere Millionen Menschen gegen islamfeindliche Karikaturen.

Bereits vor einigen Wochen war Charlie Hebdo erneut in die Kritik geraten, nachdem die Zeitung Karikaturen zum Tod des dreijährigen Aylan Kurdi veröffentlicht hatte, der beim Versuch ertrunken war, auf einem Flüchtlingsboot die griechische Küste zu erreichen. Dabei hieß es beispielsweise: „Der Beweis, dass Europa christlich ist: Jesus konnte auf dem Wasser wandeln… Muslime gehen unter.“ Damals wurde die Redaktion von Charlie Hebdo von Social-Media-Nutzern als „Haufen verirrter Rassisten“ bezeichnet, die man nicht „Journalisten“ nennen sollte.

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