Kurden gegen HDP
Kurden an HDP-Politiker: „So kann man nicht seiner eigenen Ethnie dienen!“

Der HDP-Abgeordnete Ziya Pir wollte die Bürger in seinem Stimmkreis gegen die Regierung einnehmen. Deren Reaktion war jedoch nicht die von ihm erwartete.

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Diyarbakır (nex) – Einen Empfang, mit dem er nicht gerechnet hatte, bereiteten kurdische Bürger in dem stark von den Kämpfen zwischen türkischen Sicherheitskräften und der Stadtguerilla der terroristischen PKK Stadtteil Kaynartepe dem örtlichen HDP-Abgeordneten Ziya Pir.

Der Parlamentarier wollte seinen Wahlkreis besuchen, in dem bis vor kurzem noch Gewalt, Zerstörung und Straßenbarrikaden die Szenerie bestimmten. Im Gespräch mit einheimischen Kurden in einer stark von den Unruhen mitgenommenen Geschäftsstraße machte Pir – der Linie seiner Partei entsprechend – die türkische Regierung für das Leid und die Zerstörung in der Gegend verantwortlich.

Was er nicht erwartet haben dürfte, war die Antwort der kurdischen Bürger, die in ihren Aussagen weniger den Staat als vielmehr die Terrororganisation für die Lage verantwortlich machten, die vorgibt, in deren Namen zu agieren. „Ich bin in dieser Straße groß geworden und habe bis zum heutigen Tag nicht erlebt, dass der Staat mit seinen Sicherheitskräften so weit gegangen und eine solche Zerstörung angerichtet hätte“, machte ein Geschäftsmann deutlich.

Pir wird ein zerstörtes Gebäude gezeigt und erklärt: „In dieses Haus ist eine Rakete hineingeschossen worden. Das war nicht der Staat. Wo gibt’s denn so etwas, dass ein Staat eine Rakete in ein Haus hineinschießen sollte?“ Der Bürger redet sich in Rage: „Mann, es befindet sich eine Rakete in dem Haus. Eine Rakete, könnt ihr euch das vorstellen? So kann man sich kein Recht erkämpfen, so kann man kein Recht erhalten. So kann man nicht seiner eigenen Ethnie dienen.“ Auch die HDP selbst kam nicht gut weg. Auf die Frage von Pir an den Bürger, was er denn tun könne, antwortete dieser: „Mach das, was in deiner Hand liegt, wofür du verpflichtet bist. Wenn du gar nichts schaffst, hilf uns, diesen Dreck zu beseitigen. Diese Stadt in der Hand von der HDP ist doch keine vernünftige Gemeinde.“

Die HDP hat sich seit der Rückkehr zur Gewalt vonseiten der PKK noch deutlicher als zuvor zu deren Sprachrohr gemacht. Sie hat in der politischen Debatte fast deckungsgleiche Positionen zu jenen der PKK bezogen und die Regierung für die Zerstörung und das Chaos in südosttürkischen Regionen verantwortlich gemacht. Oppositionsmedien, ausländische Korrespondenten, Politiker und aktivistische Akademiker haben eine ähnliche Auffassung vertreten. Die einfache Bevölkerung in den betroffenen Städten sieht die Sache anders. „Das alles macht doch nicht der Staat“, muss Ziya Pir sich sagen lassen. „Die HDP ist dafür verantwortlich. Das hat nicht der Staat gemacht; diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass die Sicherheitskräfte herausfahren mussten, sind hierfür verantwortlich. […] Seit 50 Jahren hat der Staat niemals so etwas gemacht.“

 

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