Ausland
Albanien: Neue Fluggesellschaft mit Hilfe der Türkei

Tirana (nex) – Der albanische Premierminister Edi Rama hat bekanntgegeben, dass Albanien eine nationale Fluggesellschaft mit Hilfe der Türkei und Turkish Airlines aufbauen wird. Bei einer Pressekonferenz Mitte März sagte Rama, dass der aktuelle Zustand der Flugdienstleistung in Albanien „zu wünschen lässt“. Der Premierminister wollte sich nicht an eine Frist binden lassen. Die neue Fluggesellschaft soll im Laufe eines Jahres gegründet werden. Ein Projektplan soll in den kommenden 90 Tagen aufgesetzt werden, informierte Rama. Der Vorsitzende von Turkish Airlines Ilker Ayci sagte, dass das Unternehmen gegenwärtig an der Umsetzbarkeit des Projekts arbeitet. „Wir werden unser Bestes tun mit all unserer Erfahrung als Unternehmen. Wir teilen das mit unseren albanischen Freunden und Brüdern. Wir gehen mit großer Geschwindigkeit voran, um alle Schritte zur Realisierung des Projekts so schnell es geht einzuleiten“, fügte Ayci hinzu. Auf die Frage, wie der Zugang von Günstig-Fliegern nach Albanien garantiert werden kann, gab Premier Rama zu, dass man sich über die Probleme am Tirana Rinas Flughafen bewusst ist. Die Kosten seien noch hoch. Gegenwärtig werden zwei neue Flughäfen in Albanien errichtet. Eins in Vlore und der andere in Sarandra. Der Flughafen in Vlore wird zusammen mit türkischen Firmen errichtet. Edi Rama hofft, dass sich auf diese Weise die touristische Atraktivität Albaniens steigern wird. Bisher besitzt Albanien nur eine Fluggesellschaft Albawings, die Flüge von Tirana nach Italien anbietet.

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Kampf gegen den Terror
PKK-Ableger YPG schließt Abkommen mit IS

Moskau (nex/eurasia) – Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat am Mittwoch gesagt, dass eine Stellungnahme des russischen Verteidigungsministeriums auf belastbaren Beweisen basiert. Das Ministerium erklärte, die PKK-nahe kurdische YPG-Miliz schloss ein Deal mit der Terrormiliz IS (Daesh), Rakka zu evakuieren. Der Top-Diplomat äußerte in einer Pressekonferenz in Moskau mit seinem Amtskollegen aus Sambia Harry Kalaba, dass das Verteidigungsministerium das Abkommen zwischen Kurden, die von den USA unterstützt werden, und dem IS bestätigte. „Laut den Informationen, die ich habe, weisen die Demokratischen Kräfte Syriens zurück [, die mehrheitlich aus der PKK alliierten YPG bestehen,] eine Einigung mit dem IS zur Schaffung eines Korridors zwischen Rakka und Palmyra für den Abzug militärischer Kräfte getroffen zu haben. Aber unser Verteidigungsministerium bestätigt diese Information, die auf glaubwürdigen Beweisen und Daten basiert. Als diese Nachricht publik wurde, begannen IS-Terroristen, Truppen nach Palmyra von Rakka zu verlegen“, sagte Lawrow. Der Chef des Moskauer Außenministeriums fügte hinzu, Russland wird Kämpfer des IS bombardieren, „wo immer sie sind“. „Die Situation in Rakka impliziert einen Mangel an Koordinierung zwischen beiden Seiten im Kampf gegen den Terror“. „Wir werden warten und sehen, was die USA in Rakka machen werden“, merkte der Top-Diplomat kritisch an. Lawrow sagte in einem vorigen Interview mit der Nachrichtenagentur Sputnik, dass YPG-Kämpfer dem IS einen Fluchtkorridor offen lassen zur Flucht. Aber die „russische Luftwaffe vermochte, diese Entwicklung zu stoppen“. Demnach zerstörten russische Luftschläge 30 Fahrzeuge und töteten 100 IS-Kämpfer. Unterdessen versuchen die syrische Armee von Präsident Assad und pro-iranische Schiiten-Milizen, auf die Deir Zor-Provinz vorzurücken. Es ist anzunehmen, dass die USA mit den Milizen der SDF und FSA in Südsyrien die Deir Zor-Provinz einnehmen wollen. Damit könnten die USA einen neuen Einflussraum im Nahen Osten bilden und Iran von seinen Ablegern und Allierten in Libanon sowie Syrien abschneiden. Die kurdische YPG und ihr politischer Arm PYD unterhalten ideologische und militärische Beziehungen zur kurdischen PKK. Die linksmarxistische Organisation wird von der Türkei, der Europäischen Union und den USA als terroristische Vereinigung gelistet.

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Umfrage unter Finanzämtern 
Steuerzahlerbund: Arbeitnehmer warten im Schnitt 47 Tage auf den Steuerbescheid

Osnabrück (ots) – Deutsche Arbeitnehmer müssen im Schnitt 47 Tage warten, bis das Finanzamt ihre Steuererklärung bearbeitet hat. „Wie schnell der Steuerbescheid kommt, hängt vom Wohnort ab“, teilte der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ unter Hinweis auf eine aktuelle Erhebung mit. „Hamburger Beamte am schnellsten, Bremen Schlusslicht“ Wer in Hamburg wohnt, wird demnach am schnellsten bedient. Der Steuerzahlerbund hat die Finanzverwaltungen in allen 16 Bundesländern abgefragt und bezog sich auf die Steuererklärung, die Arbeitnehmer 2016 abgegeben haben. Das Gesamtergebnis: Hamburgs Finanzbeamte brauchten durchschnittlich nur 36 Tage für die Bearbeitung von Einkommensteuererklärungen. Die Kollegen in Bremen benötigten dagegen fast 65 Tage. Allerdings gehört der Stadtstaat an der Weser auch zu denjenigen, die sich im Vergleich zum Vorjahr am stärksten verbessern konnten. Insgesamt 9 Tage weniger brauchten die Finanzbeamten dort für die Bearbeitung der Erklärungen. Stark verbessert haben sich auch Mecklenburg-Vorpommern mit 53 Tagen Bearbeitungszeit (- 13 Tage) und Niedersachsen mit 57,9 Tagen (- 12 Tage). Schleswig-Holstein liegt mit fast 50 Tagen gleichauf mit früheren Werten. Auf ähnlichem Niveau arbeiten auch die Finanzbeamten in Bayern, Hessen und dem Saarland. Lediglich Brandenburg und Sachsen waren gegenüber dem Vorjahr etwas schwächer, schneiden aber dennoch in der vorderen Hälfte ab. Keine konkreten Angaben machte das Land Nordrhein-Westfalen.

Ausland
Türkisches Statistikinstitut: Fast jeder fünfte Türke fettleibig

Ankara (nex) – Fast jeder fünfte Türke ist laut den Ergebnissen einer am heutigen Mittwoch veröffentlichten Gesundheitserhebung des Statistikinstituts der Türkei (TURKSTAT) vom vergangenen Jahr fettleibig (adipös). Demnach haben 19,6 Prozent der Türken, die 15 Jahre oder älter sind, einen Body-Mass-Index von 30 oder mehr. 2014 hatte er allerdings 19,9 Prozent betragen. Die Fettleibigkeitsrate bei Frauen ab 15 Jahren liege laut Erhebung bei 23,9 Prozent, während 30,1 Prozent kurz vor einer Adipositas stünden. Bei den Männern seien 15,2 Prozent fettleibig, und 38,6 präadipös, was einem BMI von 25 bis 30 entspricht. „Im Vergleich zu Männern haben Frauen einen höheren Östrogenspiegel und mehr Fettgewebe“, erklärt Associate Professor Alev Keser von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Ankara gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, und fügt hinzu: „Andererseits haben Männer mehr Muskelzellen, was den Energieverbrauch erhöht, da diese den Grundumsatz erhöhen.“ Unter Grundumsatz versteht man den Kalorienverbrauch, den ein Mensch im Ruhezustand innerhalb eines Tages hat. Da Männer im Allgemeinen mehr arbeiteten als Frauen und Frauen mehr dazu tendierten, zu Hause zu bleiben, könne dies dazu führen, dass Frauen sich weniger bewegten und mehr Nahrungsmittel zu sich nähmen als Männer, erläutert Keser. Die Expertin warnt, dass Adipositas ein ernstes Gesundheitsproblem geworden sei, vor dem man sich durch einen gesunden Lebensstil, eine ausbalancierte Diät sowie regelmäßigen Sport schützen könne.    

Eurozone
Industrie-und Handelskammertag fordert Investitionsfonds auf EU-Ebene

Präsident Schweitzer: Schwächere Länder bei Strukturreformen begleiten Osnabrück (nex) – Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) hat sich für die Einrichtung eines Investitionsfonds auf EU-Ebene ausgesprochen und dazu Deutschlands Beitrag eingefordert. „Deutschland muss mindestens ein Fünftel einzahlen“ „Ja, es wird uns Geld kosten, wahrscheinlich muss Deutschland dann mindestens ein Fünftel der angepeilten Summe tragen. Aber die Realität zwingt uns dazu“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die EU habe als eine der größten Volkswirtschaften der Welt einen sehr großen Anteil am wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland. Und nur als Union sei Europa stark. Es sei daher dringend nötig, die schwächeren Länder in der EU bei ihren Strukturreformen mehr als bisher zu begleiten, forderte Schweitzer. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Landes sei der Maßstab für die Einzahlungen in den Fonds. Deutschland erwarte starke und kontinuierliche Zuwächse bei den Steuereinnahmen über einen sehr langen Zeitraum. Im Jahr 2020 nehme der deutsche Staat nach der jüngsten Steuerschätzung fast 300 Milliarden Euro mehr ein als 2010. Das sei ein Plus von weit über 50 Prozent. „Damit wir unseren Wohlstand halten können, müssen wir damit jetzt möglichst viele Investitionen in die Zukunft auslösen“, forderte der DIHK-Präsident. Ein solcher Impuls in Deutschland käme auch den Partnern in der Eurozone zugute.

HT-SAAE
Türkei: Chinesisches Unternehmen liefert Solarmodule an europäische Märkte

München (nex) – Die Shanghai Aerospace Automobile Electromechanical Co. Ltd (HT-SAAE), weltweit führender Hersteller von Fotovoltaikprodukten (FV), hat durch den Bau einer neuen Fabrik in der Türkei, die mit Beginn dieses Jahres in Betrieb ging, die nötigen Schritte eingeleitet, Ländern in Europa und den USA umweltfreundlichen Strom zur Verfügung zu stellen. Diese Maßnahme geschieht im Einklang mit der chinesischen „Belt and Road Initiative„, welche die wirtschaftlichen Verbindungen Chinas mit den eurasischen Ländern entlang der Wirtschaftsregion der Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße durch Südostasien und Ostafrika stärken soll. Die Fabrik in der Türkei wird 300 MW Fotovoltaikzellen und 600 MW Fotovoltaikmodule produzieren. So werden im Land ca. 500 Arbeitsstellen geschaffen. Mit Kunden aus der Türkei, Europa und den USA wurden bereits Lieferverträge abgeschlossen, die sich auf mehr als 300 MW belaufen. „Gründe für die Wahl der Türkei als Ort unserer Einrichtung im Ausland waren der Standort und der boomende Fotovoltaikmarkt. Als transkontinentales, eurasisches Land dient sie als Korridor, durch den wir Europa und die USA erreichen können“, sagte , Vizepräsident des Bereiches Fotovoltaik bei HT-SAAE. Die China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC), Muttergesellschaft von HT-SAAE, hat im Jahr 2012 bereits einen Beobachtungssatelliten für die Türkei gestartet. Die Einrichtung der Fabrik in der Türkei bedeutet einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit zwischen China und der Türkei bei Produkten der Luft- und Raumfahrt bis zur Solarbranche. Mit dieser Fabrik ist HT-SAAE in der Lage, Fotovoltaiktechnik und -produkte hoher Qualität auf die Endmärkte des Landes und umliegender Regionen zu bringen und der Bevölkerung so umweltfreundlichen Strom zu bieten. Die von HT-SAAE produzierten Fotovoltaikmodule und -zellen, die breite Nutzung in der Stromerzeugung für Wohnbauten, Gewerbebauten und im Großformat als Kraftwerk finden, ragen in der Fotovoltaikbranche heraus, da nahezu 60 Jahre Erfahrung der Muttergesellschaft CASC in der Entwicklung von Fotovoltaiktechnik und von Solarprodukten hoher Effizienz genutzt werden. Zudem hat HT-SAAE eine vollständig integrierte Lieferkette der Produkte für die Fotovoltaikbranche entwickelt (Polysilizium, Wafer, Solarzellen, Fotovoltaikmodule und -systeme), deren Ausstoßkapazität im GW-Bereich liegt und die im gesamten Produktionsverfahren konsistente Qualität erzeugen und halten kann. HT-SAAE wird mit seinen Vorteilen bei der Produktqualität örtlichen und regionalen Märkten mehr und bessere Fotovoltaik-Produktoptionen zur Verfügung stellen. Die Zukunft der Expansion von HT-SAAE in Europa ist Ruan Zhongli zufolge sonnig. „Der Fotovoltaikmarkt in Europa ist sehr ausgereift und gut entwickelt. Wir werden auch künftig den Markt hier erkunden und weiter expandieren.“ HT-SAAE wird auf der Intersolar Europe mehrere seiner bahnbrechenden Fotovoltaikmodule vorstellen. Diese führende Fachmesse der Solarbranche findet vom 31. Mai bis zum 2. Juni in München statt.

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"Anbindung zur Türkei"
Türkei möchte Handelsvolumen mit Bosnien auf zwei Milliarden US-Dollar anheben

Sarajewo (nex) – Minister Fatih Metin, der am achten Sarajevo Wirtschaftsforum teilnahm, sagte vergangene Woche mit Blick auf Bosnien-Herzegowina, dass politische Stabilität eine solide wirtschaftliche Entwicklung bedingt.

„Bosnien-Herzegowina bildet das Herz der Balkan-Region. Stabilität im politisch fragilen Balkan-Land kann nur mit einer starken wirtschaftlichen Infrastruktur erreicht werden“, kommentierte Metin. „Solche Veranstaltungen spielen eine wichtige Rolle bei der Sicherung von politischer Stabilität. Ein gesund wachsendes Bosnien bedeutet ein gesund wachsender Balkan.“

Die Türkei und Bosnien planen eine Ausweitung des bestehenden Freihandelsabkommens. Die Erweiterung umfasst den Dienstleistungshandel und das öffentliche Auftragswesen. Auf diese Weise kann eine breitere Palette von Produkten importiert und exportiert werden zwischen beiden Staaten.

Minister Metin äußerte, dass der Außenhandel zwischen Bosnien und der Türkei vor zehn Jahren noch bei 160 Millionen US-Dollar kursierte. Inzwischen stieg der Wert auf 600 Millionen US-Dollar. Die Türkei möchte das bilaterale Handelsvolumen auf zwei Milliarden US-Dollar ansteigen sehen, fügte Metin hinzu.

„Zwei der zehn Top-Investorunternehmen in Bosnien-Herzegowina sind türkische Firmen. Wir müssen die Zahl unserer Beteiligung erhöhen“, so der stellvertretende Wirtschaftsminister aus der Türkei weiter.

Die Türkei signalisierte, dass sie den Bau einer Autobahn zwischen Sarajevo und der serbischen Hauptstadt Belgrad finanzieren möchte. Mit diesem Projekt könnte die Türkei nicht nur einen Beitrag zur Annäherung Bosniens und Serbiens leisten, sondern auch beide Wirtschaftsräume enger miteinander Verzahnen. Türkei investiert intensiv in die muslimische Provinz Serbiens Sandschak. Für die Realisierung der Finanzierung wartet die Türkei auf eine Antwort vonseiten Bosniens und Serbiens.

Zuletzt berichtete das türkische Staatsfernsehen TRT, dass die Türkei für den Bau der direkten Straßenverbindung  von Sarajevo nach Belgrad ein Kredit zur Verfügung stellen möchte. Über die Route der Straße sind sich Bosnien und Serbien uneins. Der türkische Botschafter zu Sarejevo Haldun Koc berichtete, dass die bosnisch-serbische Straße der Beginn einer Anbindung zur Türkei werden könnte.

 

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Terrorismus
CDU-Politiker Geerlings wird Chef des neuen Amri-Ausschusses

Bielefeld (nex) – Der Neusser CDU-Abgeordnete Jörg Geerlings (44) soll Vorsitzender des neuen Untersuchungsausschusses des NRW-Landtags im Fall des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri werden. Das erfuhr die in Bielefeld erscheinende Neue Westfälische aus CDU-Kreisen. Die künftigen Koalitionspartner CDU und FDP hatten vor der Landtagswahl in NRW versprochen, auch im neuen Landtag wieder einen Amri-Ausschuss einzurichten. Dies soll bereits in der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags am Donnerstag geschehen. Der im Februar noch vom alten Landtag unter Leitung des SPD-Politiker Sven Wolf einberufene Untersuchungsausschuss hatte wegen der Kürze der Zeit nicht alle Fragen zum Verhalten der NRW-Behörden im Fall Amri untersuchen können. Für den tunesischen Attentäter Amri, der als angeblicher Asylbewerber 2015 nach Deutschland eingereist war, waren NRW-Ausländerbehörden zuständig. Außerdem hatte das LKA NRW ihn über Monate als Gefährder überwacht.

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Flüchtlingspolitik
Bericht: Minderjährige Flüchtlinge sind besonderer Gewalt ausgesetzt

Dokumentation der Antirassistischen Initiative Berlin spricht von Verdoppelung der Delikte seit 2015 Berlin (ots) – Minderjährige Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr in Deutschland ungleich öfter Opfer gewalttätiger Übergriffe geworden als 2015. Mit 134 verletzten Minderjährigen registrierte die Antirassistische Initiative Berlin im Vergleich zum Vorjahr eine Versechsfachung (2015: 23 Körperverletzungen), wie die in Berlin erscheinende Tageszeitung „neues deutschland“ berichtet. Die Zahl der insgesamt auf den Straßen verletzten Flüchtlinge werde in der Dokumentation mit 505 angegeben, was einer Verdoppelung der erfassten Delikte gegenüber 2015 entspreche. In der nunmehr vorgelegten 24. aktualisierten Auflage der Dokumentation „Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen“ sind demzufolge 217 Menschen registriert, die sich seit Beginn der Untersuchung im Jahr 1993 angesichts ihrer drohenden Abschiebung selbst töteten oder bei dem Versuch starben, vor der Abschiebung zu fliehen. 73 davon starben in Abschiebehaft, fünf während der Abschiebung. 1875 Flüchtlinge verletzten sich demnach in diesem Zeitraum aus Angst oder Protest gegen drohende Abschiebung. Die Dokumentation erfasst rund 9000 Geschehnisse, bei denen Flüchtlinge körperlich zu Schaden kamen. Schutzsuchende seien sowohl in den Flüchtlingslagern und Massenunterkünften als auch auf der Straße besonderen Gewaltverhältnissen ausgesetzt, konstatiert die Initiative in einer Erklärung. Die Anzahl der Suizidversuche bzw. Selbstverletzungen von Flüchtlingen sei mit 239 Geschehnissen im Jahre 2016 die höchste, die seit Beginn der Dokumentation erfasst wurde. Sie liege um 70 Prozent höher als im Vorjahr mit 152 Selbstverletzungen.

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Nationalregierung von Südwestkaukasus:
„Der kaukasische Türken-Staat“: Die kurzlebigste Republik Anatoliens

Istanbul (nex/eurasia) – Die provisorische Nationalregierung des Südwest-Kaukasus, auch als Islamischer Rat Kars bekannt, war nicht nur die erste Republik in Anatolien, sondern auch einer der kurzweiligsten Staaten in der Weltgeschichte. Der Staat wurde 1918 in der ostanatolischen Stadt Kars ausgerufen. Die Republik umfasste die Provinz von Kars, die Provinzen Ardahan, Nachitschewan, das heute in Aserbaidschan liegt, und Batum, das heute in Georgien liegt. Der kaukasische Türken-Staat nannte sich „Elviye-i Selase“, was als „die drei Städte“ übersetzt wird. Nach dem russisch-türkischen Krieg von 1877 bis 1878, den das Osmanische Reich verlor, musste Istanbul „Elviye-i Selase“ an Russland als Reparation abtreten. Nach mehr als 40 Jahren, als der erste Weltkrieg ausbrach, marschierte Russland in große Teile Ostanatoliens ein. Unter dem Eindruck der Oktober-Revolution 1917 war Moskau gezwungen, seine Truppen ins Kernland zurückziehen. Der Vertrag von Brest-Litowsk von 1918, der den Krieg zwischen der bolschewistischen Regierung in Russland und den Mittelmächten Deutschland, Österreich-Ungarn, dem Osmanischen Reich und Bulgarien beendete, wurde aufgehoben, als das Deutsche Reich schließlich selbst kapitulierte. Das entstandene Vakuum in Ostanatolien wurde mit einer Volksabstimmung gefüllt. Es ging darum zu entscheiden, ob die Region der Provinz Kars bei Sowjetrussland bleibt oder an das Osmanische Reich abgetreten werden sollte. Die in der Region wohnende Bevölkerung bevorzugte das Osmanische Reich. Die Regierung in Istanbul entschied daraufhin, eine neue zivile und militärische Verwaltung in der Region aufzusetzen. Der alliierte Sieg im Weltkrieg zwang das Osmanische Reich an den Waffenstillstandstisch von Moudros der Entente. Der Vertrag verpflichtete das Reich, seine Truppen aus dem Gebiet der „Eviye-i Selase“ abzuziehen, obwohl sie mehrheitlich von muslimischen Türken besiedelt wurde. Die Entente, insbesondere Großbritannien, zwang die Osmanen, sich hinter die Grenzen in Ost-Anatolien zurückzuziehen, die vor dem Ausbruch des Weltkriegs bestanden. Nachrichten über den Abzug der Osmanen und einen Waffenstillstand verbreiteten sich wie ein Lauffeuer in Anatolien. Sie lösten Chaos in „Elviye-i Selase“ aus. Die Furcht vor einer Rückkehr russischer Streitkräfte war unter der Zivilbevölkerung erheblich. Hinzu kam, dass der Abzug osmanischer Truppen die Region georgischen und armenischen Angriffen aussetzte. Um ein Autoritätsvakuum zu verhindern schlug der osmanische General Yakup Sevki Pascha die Gründung einer unabhängigen Regierung vor. Daraufhin begann die Bevölkerung, eine lokale Regierung auf Basis von „Räten“ in kleinen Distrikten aufzubauen. Am 3. November 1918 wurde die Achalziche Regierung und am 5. November der Islamische Rat von Kars gegründet. Am 15. November wurde der erste Kongress von Kars organisiert und ein vorübergehendes Kabinett eingerichtet, bestehend aus acht Personen. Im Anschluss an den Kongress schlossen sich die anderen kleinen Räte der Region der Schura (Rat) von Kars an. Der zweite Kongress von Kars wurde am 30. November abgehalten. Am Kongress nahmen über 60 lokale Gesandte Teil. Ibrahim Aydin, auch als Cihangirzade Ibrahim Bey bekannt, wurde zum ersten und einzigen Präsidenten des kurzlebigen demokratischen Staates ernannt. Um die Gründung der Republik international bekanntzumachen, entsandte die Schura von Kars unter anderem Telegramm-Nachrichten nach Japan. Am 17. Januar 1919 kam ein neuer Kongress mit 131 lokalen Vertretern zusammen. Der Name der „Schura“ wurde in „Nationalregierung von Südwest-Kaukasus“ umbenannt. Beim historischen Treffen beschloss die junge Regierung eine Verfassung. Der neue Staat organisierte die Bevölkerung in politischen Fragen, vereinigte die lokalen Räte und baute Sicherheitskräfte gegen Angriffe von nationalistischen Georgiern und Armeniern auf. Die Kaukasus-Republik am Rande Anatoliens schickte Dokumente über die Grenzen und Bevölkerungsstatistik der Region nach Istanbul. Demnach umfasste die Bevölkerung 1,7 Millionen Bürger. Davon lebten in „Elviye-i Selase“ 1,534,824 Muslime und 227,324 Christen. Der Staat umfasste auch eine kleine Armee von rund 8,000 Soldaten. Nach der Volksvertreterwahl nahm die Versammlung ihre Arbeit am 1. März auf. Am 25. März erklärte „Elviye-i Selase“ seine Unabhängigkeit. Wenngleich die Regierung in Kars ihre Unabhängigkeit verkündete, war ihr primäres Ziel die Vereinigung mit Anatolien. Die Mehrheit der Bevölkerung des Kaukasus-Staates war türkisch geprägt und fühlte sich mit Anatolien eng verbunden. Die Entente wollte die Region selbst kontrollieren und sie einem armenischen Staat übergeben, der auch die Kars-Region kontrollieren sollte. Im April 1919 besetzte Großbritannien Kars, die Hauptstadt der Kaukasus-Republik, und löste das Kabinett auf. Die Regierung wurde ins Exil nach Malta geschickt. Mit der Okkupation 1919 kam die erste ostanatolische Republik zu einem unverhofften Ende. Armenien besetzte die Region daraufhin, bis der türkische General Kazım Karabekir als Kommandeur der Ostfront der neuen Ankara-Regierung Kars zurückeroberte. Die Nationalregierung des Südwest-Kaukasus war die erste Republik, die auf anatolischem Boden gegründet wurde. Sie war auch einer der kurzweiligsten Staaten in der Weltgeschichte. Der türkische Staat spielte eine wichtige Rolle bei der Eingliederung der gesamten Kars-Region in die Türkei, während die Entente den gesamten Staat Armenien und Georgien zuschlagen wollte. Die Aktivitäten der Schuras mobilisierten die Bevölkerung von „Elviye-i Selase“. Ein weiter wichtiger Beitrag war die Ausformulierung der Forderungen der Lokalbevölkerung, Teil Anatoliens zu bleiben. Mit der Deklaration der ersten Republik Anatoliens wurde ein neues Bewusstsein geschaffen, der den türkischen Unabhängigkeitskrieg tiefgreifend beeinflusste.

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