Kommentar
Deutscher in Kemer: Kommt in die Türkei!

Von Florian Schack Hallo liebe Freunde, aus gegebenem Anlass möchte ich heute etwas über meine Wahlheimat Türkei berichten, was mich sehr schmerzt. Ein guter Freund hat gestern einen Aufenthalt in meinem Hotel angefragt, ich habe mich sehr darüber gefreut. Heute sprachen wir erneut darüber, und da auch die Presse diese Tage wieder über die Türkei berichtet, hat kamen bei ihm sofort die Gedanken hoch, ob es überhaupt sicher wäre in die Türkei zu reisen, da ja dem „Joghurt“ (türkischer Präsident Erdogan Anm. d. Red.) nicht gestattet wurde, zu seinen Landsleuten am G20-Treffen zu sprechen, was ich persönlich auch richtig finde, aber das nur nebenbei. Die Frage war: Kann man als Urlauber noch in die Türkei einreisen? Werde ich verhaftet? Gibt es Repressalien gegenüber Deutschen? Werden Frauen schlecht behandelt? O-Ton: „Meine Frau ist blond und sieht gut aus.“ Whatthef…* ging mir durch den Kopf. Es ist schon so, dass es im Moment ein Türkeibashing gibt ohne Ende, und ich möchte darauf hinweisen, dass hier (Wahlergebnis Referendum: 51,41% für die Verfassungsänderung gestimmt haben) knapp 50% der Menschen in der Türkei dagegen waren! Klar kann man den „Joghurt“ für seine Politik kritisieren, und das ist auch gut so – aber wo ist die Solidarität zu den Menschen, die einen anderen Weg für den Staat Türkei gehen wollen? Ich lebe als Deutscher unter Türken, und es ist ein schönes Leben. Nie habe ich ein böses Wort gehört, dass ich als Ausländer hier mein Geld verdiene, dass ich beschimpft oder in meiner Lebensweise eingeschränkt wurde. Natürlich ist die politische Kultur in diesem Land eine andere, und es hängt halt mit der Geschichte der Türkei zusammen, die eine andere ist als die Deutschlands. Ich fühle mich hier wohl und angenommen – ja, sogar oft auf Händen getragen.
(Foto: Florian Schack/privat)
Bitte vergesst nicht, dass beim „Pro-Referendum“ gerade die Deutsch-Türken das Zünglein an der Wage waren. Aber meidet ihr nun eure türkischen Freunde, geht nicht mehr beim Türken um die Ecke euer Obst oder Gemüse kaufen? Esst ihr keinen Döner mehr? Man sollte wirklich mal die Kirche im Dorf lassen. Gerade die Menschen in den großen Städten, den Tourismuszentren und alle, die eine europäische Türkei wünschen, sind doch auf die Solidarität von uns Europäern angewiesen. Dass diese Menschen nun so vorverurteilt werden, macht mich traurig, denn man bereitet dem „Joghurt“ dadurch nur den Weg und pflastert noch seine Straßen, mit Missgunst, Hass und Vorurteilen. Denkt ihr nicht, dass wir gerade diesen Menschen mit unserem Verhalten den Boden entziehen? Wie sollen diese Menschen ihre Familien ernähren, ihren Kindern europäische Werte vermitteln, wenn wir nicht mehr kommen… Ja, ich rufe euch dazu auf: Seid politisch kritisch, setzt euch für eure Werte ein, aber vergesst nicht, dass es hier so viele Menschen gibt, die mit uns gehen wollen! Unterm Strich sollt ihr hier euren Urlaub verbringen und damit leistet ihr schon einen Beitrag. Wenn ihr mal da seid, sprecht mit den Leuten auf der Straße, und ihr werdet sehen, was ich meine: Man vermisst uns und man braucht uns. In diesem Sinne: Ab in die Rinne! Ich mach mir jetz ein Efes auf und trinke auf euch, auf dass auch ihr wieder zur Gesinnung kommen, genauso wie der „Joghurt“! PEACE P. S.: Der Shitstorm kann starten!  

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EU-Türkei-Beziehungen
Ungarischer Außenminister Szijjártó: EU-Kritik am Anti-Terror-Kampf der Türkei unfair

Ankara (nex) – Ungarn könne die Auswirkungen des vereitelten Putschversuchs vom 15. Juli in der Türkei nachvollziehen und betrachte daher die Kritik vonseiten der EU am Anti-Terror-Kampf des Landes als unfair und unbegründet. Dies hat der ungarische Außenminister Peter Szijjarto am vergangenen Freitag in einem exklusiven Interview mit der englischsprachigen Nachrichtenagentur Anadolu erklärt. „Ungarn begrüßt keineswegs die Kritik der EU an der Türkei“, erklärte Szijjarto während seines Türkeiaufenthalts anlässlich des Türkisch-Ungarischen Businessforums in Ankara und ergänzte: „Ungarn kann die Bedeutung des schrecklichen Angriffs auf die Demokratie in der Türkei im vergangenen Jahr nachvollziehen. Wir müssen im Kampf gegen den Terror an der Seite der Türkei stehen, um deren Stabilität zu schützen. Wir müssen den Anti-Terror-Kampf der Türkei unterstützen, um ihre nationale Sicherheit zu schützen.“ Ungarn sei enttäuscht gewesen über die ‚Sorge‘ der EU wegen der Rechte jener, die versucht hätten, den türkischen Präsidenten zu töten, die Demokratie der Türkei, den Präsidenten, Ministerpräsidenten und weitere hochrangige Vertreter zu attackieren, die durch freie Wahlen an die Macht gekommen seien, fuhr er fort.

Verhandlungen zur Visafreiheit für Türken

Der ungarische Außenminister wies auch darauf hin, dass seine Regierung das visumfreie Reisen zwischen der Türkei und der EU unterstütze: „Wir unterstützen die Verhandlungen über das visumfreie Reisen zwischen der Türkei und der EU. Beim Abschluss des Flüchtlingsabkommens [März 2016] zwischen der Türkei und der EU war der Vereinbarung vonseiten der EU-Kommission hinzugefügt worden, dass die Verhandlungen über den Visumprozess gemeinsam mit dem Flüchtlingsabkommen fortschreiten wird.“ Es sei nicht die Schuld der Türkei, sondern der EU-Kommission, und es sei auch nicht fair. Mit Beginn der Verhandlungen hätte man betonen sollen, dass diese zwei Themen separat behandeln würden.

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Türkei
Aufruf zur Tötung Erdogans: Türkische Polizei jagt deutschen Tatverdächtigen

Istanbul (nex) – Türkischen Medienberichten zufolge habe die Istanbuler Polizei in einem Hotel am Gezi-Park einen Drucker sichergestellt, mit dem politische Flugblätter, auf denen zur Tötung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgefordert wurde, gedruckt worden seien. Das Zimmer sei von einem deutschen Staatsbürger mit dem Namen Morius Sebastian Enden angemietet worden. Hotelmitarbeiter hätten die Polizei verständigt, als Hunderte Flyer aus dem Fenster hinabsegelten. Bei Ankunft der Polizei sei der 26-jährige Deutsche aber nicht mehr im Hotelzimmer anzutreffen gewesen. „Netzpolitik“ zufolge nutzte die für die Aktion zuständige Organisation Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) einen Drucker, der über Google Cloud Print ferngesteuert war.

Auf dem Flugplatt wird zum Widerstand gegen die Regierung ausgerufen: „Erdogan und die AKP haben aus der Türkei eine offen totalitäre Diktatur gemacht.“ Die Menschen sollten gegen Erdogan auf die Straße gehen.

Weiter heißt es: „Wir fordern den Rücktritt des Diktators Erdogan und die Ausrufung von freien Wahlen. Wir fordern die Freilassung aller zu Unrecht Inhaftierten.“

Demnach war das Gerät so an einem geöffneten Fenster angebracht, dass Flugblätter, die gedruckt wurden, auf dem Gezi-Park landeten. ZPS zufolge wurden mehr als 1000 Blätter gedruckt. Auf Twitter sind Videos und Fotos von der Aktion zu sehen, die unter dem Titel „Scholl 2017“ durchgeführt wurde. https://twitter.com/markusreuter_/status/881429136534843392
(Foto: DHA)
Um für Verwirrung und politische Spannungen zu sorgen, ist auf dem Flugblatt vermerkt, dass die Aktion von Bayern und der Bundesregierung finanziert worden sei. Türkische Nutzer machen in sozialen Medien bereits die Bundesregierung für die Aktion verantwortlich. Wie türkische Medien berichten, hat die Polizei eine großangelegte Untersuchung des Falles gestartet und fahndet nach Enden. Einige Medien berichten, dass der Tatverdächtige bereits am selben Morgen das Land verlassen habe.  

Kampf gegen den Terror
Sigmar Gabriel gesteht Fehler Deutschlands bei Bekämpfung der PKK-Propaganda ein

Berlin (nex) – Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat Fehler Deutschlands bei der Bekämpfung der Propaganda der Terrororganisation PKK eingestanden. Er glaube, die Türkei habe damit recht, Deutschland zu warnen und zu fordern, nicht zuzulassen, dass die PKK Propagandaaktivitäten in Deutschland durchführe, erklärte er am vergangenen Freitag auf einer Pressekonferenz im Bundesaußenministerium. Er denke auch,  dass es inakzeptabel sei, Auftritte türkischer Politiker zu verbieten, während gleichzeitig Plakate mit Öcalan-Porträts zugelassen würden, so Gabriel weiter. Er spielte damit auf Versammlungen von PKK-Anhängern in Deutschland an, bei denen Flaggen der Terrorgruppe und des Gründers Abdullah Öcalan zur Schau getragen werden. Deutschland hat 1993 die PKK als Terrororganisation eingestuft, aber die Behörden sträuben sich dagegen, strenge Maßnahmen gegen deren Propaganda, Finanzierung und Rekrutierungsaktivitäten einzuleiten. Auch in der EU und den USA wird sie als Terrororganisation gelistet. Die PKK sei nicht nur für die Türkei, sondern auch für Deutschland eine Bedrohung, warnte der Bundesaußenminister. Die PKK sei Anfang der 1990-er Jahre in Deutschland verboten worden, erklärte er.

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Erdogan-Auftritt
Türkische Botschaft: Erdogan bedarf für Auftritt keine Genehmigung der Bundesregierung

Düsseldorf (nex) – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan benötigt nach Einschätzung der türkischen Botschaft in Berlin nicht in jedem Fall eine Genehmigung der Bundesregierung für einen Redeauftritt in Deutschland. „Für einen Auftritt des Präsidenten in einem türkischen Generalkonsulat bedarf es keiner Genehmigung der Bundesregierung“, sagte Botschaftssprecher Refik Sogukoglu der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Diese Entscheidung liege allein bei Präsident Recep Tayyip Erdogan, betonte Sogukoglu. Zuvor hatte die Bundesregierung eine Anfrage Erdogans für einen Auftritt vor oder nach dem G20-Gipfel abgewiesen und eine solche Veranstaltung untersagt. Dem folgte am Freitag ein grundsätzliches Verbot für alle ausländischen Staatsgäste und Oppositionspolitiker, sofern sie in einem Zeitraum von drei Monaten vor einer deutschen Wahl oder einer Abstimmung im jeweiligen Land in Deutschland auftreten wollen. EU-Politiker sind von dieser Regelung ausgenommen.

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Fußball International
Millionen-Transfer: Calhanoglu wechselt zum AC Mailand

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Mailand (nex) – Wie der italienische Pay-TV-Anbieter Sky Italia berichtet, verlässt der türkische Mittelfeldspieler Hakan Calhanoglu Bayer 04 Leverkusen in Richtung AC Mailand. Demnach muss Mailand rund 20 Millionen Euro für Calhanoglu überweisen. 30 Millionen hatte Bayer Leverkusen gefordert. Laut „Reviersport“ (RS) soll in den kommenden Tagen nun endgültig alles unter Dach und Fach sein. Calhanoglus Berater Bektas Demirtas habe gegenüber RS betont, dass alles „ganz gut“ aussehe. „MilanNews“-Reporter Antonio Vitiello zufolge reist der Calhanoglu in den kommenden Tagen nach Mailand, um den Wechsel zu finalisieren. Der türkische Nationalspieler liebäugelte bereits im vergangenen Sommer damit, Bayer Leverkusen zu verlassen, ein Wechsel zu Tottenham Hotspur fand jedoch nicht statt. Wie „goal“ berichtet, sollen auch in den letzten Wochen einige Top-Klubs aus der Premier League ihr Interesse am 23-Jährigen gezeigt haben.

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Verfassungsklage
Ehe für alle: Armin Schuster würde Verfassungsklage unterstützen

Heilbronn (ots) – Armin Schuster, Obmann der CDU im Innenausschuss, sagte der „Heilbronner Stimme“ zur Entscheidung über die „Ehe für alle“: „Eine Verfassungsklage würde ich unterstützen.“ Schuster fügte hinzu: „Das Grundgesetz hat definitiv mehr verdient als die oberflächliche Polarisierung in Konservativ und Modern. Und vor allen Dingen hat es ein würdiges parlamentarisches Verfahren verdient. Genau das hat Angela Merkel angeboten, eine tiefgründige überparteiliche offene Diskussion, aber nicht in drei Tagen. Das wurde von R2G (Rot-Rot-Grün, Anm. d. Red) mit einer infamen Unterstellung ausgenutzt.“ Schuster sagte weiter: „Ich war gestern froh, Angehöriger der einzigen Fraktion gewesen zu sein, die nur ihrem Gewissen folgen durfte. Auf der anderen Seite gab es Zählapelle und Vergatterung. R2G im Bundestag erstmals zu erleben werden viele von uns bis 24.9. nicht vergessen, das war ein maximaler Beweis wie weit die SPD geht, um an die Macht zu kommen!“ Schuster sagte außerdem: „Die Ehe aus Mann und Frau ist ein nicht dem Zeitgeist unterliegendes Institut mit Ewigkeitsgarantie, nur aus ihr entsteht neues Leben. Die Lebenspartnerschaften müssen gleichwohl diskriminierungsfrei gestaltet werden und das haben wir ganz weitgehend vollzogen. Der Staat ist aber nicht verpflichtet Ungleiches gleich zu behandeln.“

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Meinung
Islam: Der Missbrauch einer friedlichen Religion – ein Kommentar

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Von M. Teyfik Özcan

Es vergeht mittlerweile kein Tag, wo nicht die friedvolle Religion „DER ISLAM“ durch seelenlose Terroristen, machthungrige Politiker oder sensationsgeile Medien instrumentalisiert werden und der durch die Manipulation beängstigte Bürger die Friedensbotschaft Allahs/Gottes nicht mehr unvoreingenommen einordnen können.

Das dadurch erzeugte soziale Deutungsmuster gegenüber Muslimen stellt das harmonische Zusammenleben der verschiedenen Religionen in vielen europäischen Ländern nachhaltig auf eine harte Probe.

Ein dunkelhäutiger Mann mit Bart, eine Frau mit Kopftuch, ist der Inbegriff des neuen Feindbildes. Viele Europäer reagieren mittlerweile mit großen Vorbehalten, mit der Konsequenz, dass der religiöse und kulturelle Graben immer größer zu werden scheint. Muslime werden nicht nur medial entmenschlicht und marginalisiert sondern auch für die verfehlte Integrationspolitik der Bundesregierungen verantwortlich gemacht.

Ein Zusammenleben ist unter diesen Vorurteilen schwer vorstellbar, es ist nur noch ein Nebeneinanderleben, was zu Ghettobildungen führt und zu kulturellen Autonomiegebieten innerhalb von Großstädten, mit dem dazugehörigen Verlust an Vertrauen gegenüber der staatlichen Autorität.

Eine freundschaftliche und respektvolle soziale Beziehung mit den Andersgläubigen, mit gegenseitiger Wertschätzung und gemeinsamem Zusammenleben ist im Allgemeinen schwer vorstellbar. Daher wird es jetzt Zeit, dieses Denkmuster, was als Negativbeispiel dient, aufzubrechen und mit positivem Handel zu pushen. Dieses primitive Schubladendenken bedarf dringend einer grundlegenden Revision.

Nur weil die Andersgläubigen offenkundig gläubige Muslime sind, heißt das nicht, dass sie nicht herzliche, friedvolle und tolerante Menschen mit einer gesunden Portion Humor sein können. Spätestens seit dem 11. September 2001, als eine neue Zeitrechnung für die Muslime weltweit begann, stehen sie in unserer Gesellschaft auf der Liste der Feindbilder ganz oben. Auch Berichte über Terrorregime wie die Schreckensherrschaft des Terroristischen Staates (IS) im Irak und in Syrien, haben zu diesem negativen Image beigetragen. Ferner die durchgeführten Terror Attentate in Westeuropa, wo der Islam durch geistig Unzurechnungsfähige als Mittel zum Zweck missbraucht wird.

Der Begriff „Islamismus“, dessen Verwendung ich aktuell konsequent ablehne, ist heute ein gängiger Sprachgebrauch in den deutschen Medien und taucht immer auf, wenn ein Terrorist mit einer muslimischen Glaubenszugehörigkeit unschuldige Menschen tötet, die Opfer wiederum in der Mehrheit muslimischen Glaubens sind. Wenn ein Terrorist mit einem christlichen Glaubensbekenntnis unschuldige Menschen tötet, die Opfer wieder in der Mehrheit muslimischen Glaubens sind, dann wird der Terrorist nicht auf seinen Glauben reduziert, sondern leidet mit großer wahrscheinlich an psychischen Störungen.

In diesem Zusammenhang sollte man die geistige Zurechnungsfähigkeit von Georg Bush Junior, Barack Obama und Donald Trump dringend untersuchen lassen. Das Phänomen des religiösen Extremismus ist nicht nur auf den Islam begrenzt, sondern findet sich u.a. im Christen- und Judentum wieder. In den USA legen vor allem die evangelikalen Kirchen die Bibel wörtlich aus und lehnen z.B. die Evolutionslehre ab und versuchen sie aus den Schulbüchern zu verbannen.

Selbst bei der Rechtfertigung von Gewalttaten kann man in den monotheistischen Religionen viele Parallelen feststellen, wie Steinigungen, die es auch in der Historie im Juden- und im Christentum gab. Nur, dass diese unmenschlichen Rituale, die Relikte aus einer anderen Zeit sind, noch in einigen islamisch geprägten Ländern zur Anwendung kommen, ist ein weiteres Indiz für eine antiquierte Gesellschaftsordnung, wo die Menschenrechte der Beliebigkeit ausgesetzt sind. Trotzdem sollte man sich davor hüten, die heutigen Gewalttaten, die im Namen von Religionen begangen werden und wo auf überlieferte Texte in den heiligen Büchern Bezug genommen wird, gegeneinander aufzurechnen und damit Gefahr zu laufen, wichtige politische und historische Entwicklungen auszublenden.

Zu erwähnen wären da exemplarisch die Kolonialisierung vieler Länder durch die Europäer oder der Amerikaner, die einen erheblichen Anteil bis heute daran hatten, dass sich religiös motivierter Extremismus in weiten Teilen der arabischen Staaten einen fruchtbaren Nährboden fand. Die Gründung vieler religiöser Gruppierungen in den arabischen Staaten, die sich gegen die westliche Dekadenz richten, sind ein Ergebnis des amerikanischen Imperialismus, der Erniedrigung ihrer Glaubensbrüder durch die USA und die Ausbeutung ihrer Bodenschätze von fremden Mächten.

Das Fundament ihrer religiösen Überzeugung ist das heilige und unverfälschte Buch der Muslime, das im Originalarabisch aus dem 7. Jahrhundert vorliegt und glücklicherweise im Gegensatz zur Bibel nicht Opfer einer permanenten Sprachanpassung wurde. Das unverfälschte Wort Gottes, also der Koran wurde durch die Offenbarungen, die in einem Zeitraum von 23 Jahren von dem Propheten Muhammed empfangen wurde, an die Glaubensbrüder weitergegeben. Aufgrund dieser Texttreue lehnt sich die religiöse Auslegung eng an den Koran Text, der so wenig eindeutig ist, wie die Bibel und damit zu verschiedenen teilweise bis zur gegensätzlichen Interpretationen führen kann.

Muslimische Wissenschaftler, Theologen und Autoritäten haben im Lauf der Zeit verschiedene Rechtsschulen und Traditionen studiert, die sich mit der Ableitung von konkreten Lebensregeln aus den religiösen Texten befassen. Neben dem Koran ziehen sie unter anderem die Sunna – die Lebensgeschichte des Propheten – und die Hadithe, Überlieferungen seiner Äußerungen, heran. Ein Beispiel für die breiten Interpretationsmöglichkeiten des Korans ist z.B. der Vers 100 aus der zehnten Sure: „Gott sendet (Seinen) Zorn über jene, die ihre Vernunft und ihren Verstand nicht gebrauchen mögen.“ Es ist eine Frage der Abwägung, ob man sich inhaltlich eng an den Koran anlehnt oder versucht eine situations-, orts- und zeitbedingte eigene Interpretation zuzulassen.

Und genau an diesem Punkt kann der Koran je nach politischer, religiöser oder ideologischer Überzeugung instrumentalisiert werden mit dem Ergebnis, dass jeder mit einem übertriebenen Maß an Flexibilität die Essenz des Korans ad absurdum führen kann. In der Regel sind wir als Laien mit der absolut richtigen Interpretation des Korans überfordert und sollten daher ein gesundes Maß an ethischen Werten als Grundlage unseres Handelns nehmen, um das respektvolle Zusammenleben von verschiedenen Kulturen und Religionen in Westeuropa – im Interesse aller – auf einem stabilen Fundament aufzubauen.

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Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Berlin
AD-Demokraten Vorstand Remzi Aru solidarisiert sich mit Nilgün Demir (SPD)

Berlin (nex) – AD-Demokraten Vorstand Remzi Aru solidarisiert sich mit Nilgün Demir (SPD) und lädt Politiker, die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, zur Mitgliedschaft ein. Die nach eigenen Angaben „freiwillig“ zurückgetretene Ratsfrau aus Schleswig gab als Grund unter anderem die Nachwirkungen eines Interviews vor einem Jahr an. Bei einem Gespräch habe sie versucht, die „Sichtweise der türkischen Bevölkerung“ zu vermitteln. „Er hat viel Gutes für die Türkei getan – und zwar alles auf demokratischem Wege. Die Türkei hat endlich mal eine Regierung, die gut arbeitet.“ Das sind einige der Sätze, mit denen die Schleswiger SPD-Politikerin Nilgün Demir viele ihrer Ratskollegen entsetzte. Man warf ihr daraufhin eine Erdogan-freundliche Position vor. In der Folge soll sie aus ihrer Partei ausgegrenzt worden sein. Nilgün Demir ist nur eine von vielen türkischstämmigen Politikerinnen und Politikern, die systematisch isoliert und aus ihren Parteien ausgegrenzt oder zum Austritt gedrängt wurden. In Deutschland traf es davor bereits Refik Mor (CDU) – auch bei ihm standen ähnliche Vorwürfe im Raum. Europaweit wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur AA knapp ein Dutzend türkischstämmiger Politiker aufgrund pro-türkischer oder vermeintlich Erdogan-naher Positionen diffamiert. Der Vorsitzende der AD-Demokraten Remzi Aru solidarisierte sich nun öffentlich mit allen Politikern, die aufgrund ihrer differenzierten Positionen gegenüber Minderheiten aus ihren Parteien gedrängt wurden und werden. „Es ist unerträglich, wie die deutsche Politik mit ihren eigenen Mitgliedern wegen ihrer Meinung und Herkunft umgeht. Wir laden alle Politiker, die aufgrund ihrer Herkunft und den Parteivorgaben abweichenden Positionen gegenüber Minderheiten aus Ihren Parteien ausgeschlossen wurden dazu ein, sich uns anzuschließen“. Aru führte weiter aus, dass der Rücktritt „symbolisch für die zunehmend türkeifeindliche Stimmung in der deutschen Gesellschaft und Politik“ sei und nun „einen gefährlichen Höhepunkt“ erreicht habe. Medienbeobachter warnen, dass die anti-türkische Stimmung in Deutschland im Wesentlichen durch die Leitmedien unter Anwendung konstruierter Halbwahrheiten und einseitiger Berichterstattung umgesetzt wird. Deutsche Medien und Politiker stünden Aru zufolge schon seit längerem unter Verdacht, aufgrund ihrer Nähe zu transatlantischen Organisationen fremdbeeinflusst zu agieren. Die laufenden de facto-Parteiausschlüsse von Türkischstämmigen aus ihren angestammten Parteien offenbarten gleichzeitig die wachsende Kluft zwischen dem „demokratisch-pluralistischen Selbstverständnis Deutschlands und der gelebten Realität“.

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EU-Türkei-Beziehungen
Ungarischer Ministerpräsident Orban: „Europa braucht die Türkei“

Ankara (nex) – Das visumfreie Reisen nach Europa für türkische Staatsangehörige würde einen großen Beitrag zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen Ankara und Budapest leisten, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim bei einem Treffen mit seinem ungarischen Amtskollegen Victor Orban in Ankara. „Europa gewährt einigen Ländern Visumfreiheit, mit denen noch nicht einmal Verhandlungen aufgenommen worden sind, der Türkei aber, deren Vollmitgliedschaft seit über vierzig Jahren verhandelt wird, zeigt es weiterhin Hindernisse auf“, erklärte Yildirim am heutigen Freitag auf dem Türkisch-Ungarischen Business-Forum in Ankara. Orban stattete der Türkei einen offiziellen Besuch ab, währenddessen er mehrere Treffen absolvierte. „Wir müssen das Visumverfahren vereinfachen, vor allem für Geschäftsleute“, betonte der türkische Ministerpräsident und forderte Orban auf, entsprechende Schritte zu unternehmen. Orban: ‘Europa braucht Türkei’ Nach der Zusammenkunft brachte Orban auf einer Pressekonferenz die Unterstützung seines Landes für die EU-Mitgliedschaft der Türkei zum Ausdruck: „Europa braucht die Türkei“, betonte er und ergänzte: „Wenn eine Verhandlung aufgenommen wurde, sollte sie auf eine seriöse Weise fortgesetzt werden.“ Ungarn unterstütze auf keinen Fall den Abbruch oder ein Einfrieren der Verhandlungen, unterstrich er. „Europa braucht ein großes Abkommen mit der Türkei. Wir unterstützen alle Verhandlungen mit der Türkei.“ Orban wies auf die immense Rolle der Türkei in der Flüchtlingskrise hin und brachte ihr gegenüber „die Wertschätzung und den Respekt Ungarns“ zum Ausdruck: „Die Türkei schützt nicht nur Ungarn, sondern ganz Europa. Dessen sollte sich jeder bewusst sein.“

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