Kommentar
Deutscher in Kemer: Kommt in die Türkei!

Hallo liebe Freunde, aus gegebenem Anlass möchte ich heute etwas über meine Wahlheimat Türkei berichten, was mich sehr schmerzt. Ein Kommentar.

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Von Florian Schack

Hallo liebe Freunde, aus gegebenem Anlass möchte ich heute etwas über meine Wahlheimat Türkei berichten, was mich sehr schmerzt.

Ein guter Freund hat gestern einen Aufenthalt in meinem Hotel angefragt, ich habe mich sehr darüber gefreut. Heute sprachen wir erneut darüber, und da auch die Presse diese Tage wieder über die Türkei berichtet, hat kamen bei ihm sofort die Gedanken hoch, ob es überhaupt sicher wäre in die Türkei zu reisen, da ja dem „Joghurt“ (türkischer Präsident Erdogan Anm. d. Red.) nicht gestattet wurde, zu seinen Landsleuten am G20-Treffen zu sprechen, was ich persönlich auch richtig finde, aber das nur nebenbei.

Die Frage war: Kann man als Urlauber noch in die Türkei einreisen? Werde ich verhaftet? Gibt es Repressalien gegenüber Deutschen? Werden Frauen schlecht behandelt? O-Ton: „Meine Frau ist blond und sieht gut aus.“ Whatthef…* ging mir durch den Kopf. Es ist schon so, dass es im Moment ein Türkeibashing gibt ohne Ende, und ich möchte darauf hinweisen, dass hier (Wahlergebnis Referendum: 51,41% für die Verfassungsänderung gestimmt haben) knapp 50% der Menschen in der Türkei dagegen waren!

Klar kann man den „Joghurt“ für seine Politik kritisieren, und das ist auch gut so – aber wo ist die Solidarität zu den Menschen, die einen anderen Weg für den Staat Türkei gehen wollen?

Ich lebe als Deutscher unter Türken, und es ist ein schönes Leben. Nie habe ich ein böses Wort gehört, dass ich als Ausländer hier mein Geld verdiene, dass ich beschimpft oder in meiner Lebensweise eingeschränkt wurde. Natürlich ist die politische Kultur in diesem Land eine andere, und es hängt halt mit der Geschichte der Türkei zusammen, die eine andere ist als die Deutschlands. Ich fühle mich hier wohl und angenommen – ja, sogar oft auf Händen getragen.

(Foto: Florian Schack/privat)

Bitte vergesst nicht, dass beim „Pro-Referendum“ gerade die Deutsch-Türken das Zünglein an der Wage waren. Aber meidet ihr nun eure türkischen Freunde, geht nicht mehr beim Türken um die Ecke euer Obst oder Gemüse kaufen? Esst ihr keinen Döner mehr?

Man sollte wirklich mal die Kirche im Dorf lassen.
Gerade die Menschen in den großen Städten, den Tourismuszentren und alle, die eine europäische Türkei wünschen, sind doch auf die Solidarität von uns Europäern angewiesen. Dass diese Menschen nun so vorverurteilt werden, macht mich traurig, denn man bereitet dem „Joghurt“ dadurch nur den Weg und pflastert noch seine Straßen, mit Missgunst, Hass und Vorurteilen. Denkt ihr nicht, dass wir gerade diesen Menschen mit unserem Verhalten den Boden entziehen? Wie sollen diese Menschen ihre Familien ernähren, ihren Kindern europäische Werte vermitteln, wenn wir nicht mehr kommen…

Ja, ich rufe euch dazu auf: Seid politisch kritisch, setzt euch für eure Werte ein, aber vergesst nicht, dass es hier so viele Menschen gibt, die mit uns gehen wollen! Unterm Strich sollt ihr hier euren Urlaub verbringen und damit leistet ihr schon einen Beitrag. Wenn ihr mal da seid, sprecht mit den Leuten auf der Straße, und ihr werdet sehen, was ich meine: Man vermisst uns und man braucht uns.

In diesem Sinne: Ab in die Rinne! Ich mach mir jetz ein Efes auf und trinke auf euch, auf dass auch ihr wieder zur Gesinnung kommen, genauso wie der „Joghurt“!

PEACE

P. S.: Der Shitstorm kann starten!

 

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