Anti-Terror-Maßnahmen
CDU-Außenexperte kritisiert Ausnahmezustand in Türkei und schweigt zu Frankreich

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Düsseldorf (ots) – Der Unions-Außenexperte Jürgen Hardt kritisierte in einem Interview mit der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post den Ausnahmezustand in der Türkei, äußerte sich aber nicht zum neuen, umstrittenen Anti-Terror-Gesetz Frankreichs, das den seit 2015 dort anhaltenden Ausnahmezustand im November ablöste. Der Ausnahmezustand wurde zuvor ohne nennenswerte Kritik seitens anderer EU-Staaten bereits sechs mal verlängert. Mit dem neuen Gesetz wird der Ausnahmezustand in Frankreich gewissermaßen zum Dauerzustand. „Es ist gut, dass die beiden Deutschen jetzt vor Weihnachten aus der Haft entlassen wurden, doch der Fall Deniz Yücel harrt weiter einer Lösung“, sagte Unions-Außenexperte Jürgen Hardt der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Nach wie vor herrscht in der Türkei unter dem Ausnahmezustand ein Rechtsstaat nach Gutsherrenart“, kritisierte der CDU-Politiker. Das neue Gesetz, das im französischen Senat mit einer überwältigenden Mehrheit bereits im Oktober angenommen wurde, erlaubt Behörden etwa ohne vorherigen richterlichen Beschluss Unterkünfte von Personen durchsuchen zu können, die terroristischer Verbindungen verdächtigt werden. Diese Personen dürfen auch bis zu vier Stunden festgehalten werden. Des Weiteren erlaubt das neue Gesetz die Bewegungsfreiheit von Verdächtigen bis zur Dauer eines Jahres einzuschränken und Besitztümer leichter zu beschlagnahmen. Das alte Notstandsgesetz sah demgegenüber vor, dass solche Maßnahmen erst ergriffen werden können, wenn einer Person „eine Aktivität nachgewiesen werden kann, welche die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet“. Ein von der Zeitschrift „Le Monde“ beauftragter Beobachter berichtete über zahlreiche Missbräuche in den ersten Monaten des Ausnahmezustandes. Improvisationen, Aussetzer und brutales Vorgehen gegen die muslimische Bevölkerung seien schon fast an der Tagesordnung gewesen, so Laurent Borredon. Borredon berichtet von einem Vorfall in dem am 19. November 2015 um 04.30 Uhr morgens Spezialeinheiten der französischen Polizei mit Sprengstoff in das Haus einer tunesischen Familie in Nizza eindrangen und die Splitter der Explosion die 6-jährige Tochter an Kopf und Hals verletzten. Da sie sich in der Adresse geirrt hatten, verlassen sie kurz darauf wieder das Haus der Familie. „Wenn Regierungen außergewöhnliche Maßnahmen unter besonderen Umständen nutzen können, müssen sie das mit Vorsicht tun“, warnte der Europa-Chef von Amnesty International, John Dalhuisen, in einer Studie. „Die Realität, die wir in Frankreich gesehen haben, ist, dass umfassende Befugnisse für die Exekutive mit nur wenigen Kontrollen der Umsetzung zu einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen geführt haben“, sagte Dalhuisen. Der Ausnahmezustand in der Türkei wurde fünf Tage nach dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli 2015 eingeführt. Dem gescheiterten Staatsstreich sind 240 Menschen zum Opfer gefallen, weitere 2.200 wurden dabei verletzt.

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Syrien
Erdogan und Putin kündigen gemeinsame Evakuierungsmaßnahme in Ost-Ghouta an

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Damaskus (nex) – Russland und die Türkei werden in einer gemeinsamen Aktion rund 500 Zivilisten aus dem belagerten Damaskus-Vorort Ost-Ghouta evakuieren, gab der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am heutigen Sonntag bekannt. „Etwa 500 Menschen, darunter 170 Kinder und Frauen, benötigen dringend humanitäre Hilfe“, sagte Erdogan vor seiner Abreise zu einem offiziellen Besuch im Sudan. Erdogan habe das Thema bereits mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin besprochen. Ankara habe sich zum Ziel gesetzt, hilfsbedürftige Menschen in die Türkei zu bringen, um ihnen dort medizinische Behandlung und Pflege zu gewährleisten. Die russischen und türkischen Stabschefs würden die Schritte erörtern, die bei dieser Evakuierungsaktion zu unternehmen sind, an denen auch der Türkische Rote Halbmond und die türkische Katastrophen- und Notfallorganisation AFAD beteiligt seien, so Erdogan weiter. Am Donnerstag sagte Jan Egeland, Leiter der UN-Nothilfegruppe (Humanitarian Task Force, HTF) für Syrien, dass mindestens 16 Menschen starben, während sie auf medizinische Hilfe warteten. Die Zahl derer, die dringend evakuiert werden müssten, schrumpfe schnell, so Egeland. „Diese Zahl sinkt nicht, weil wir Menschen evakuieren, sondern weil sie sterben“, betonte er vor Reportern in Genf. Dem von Assad-Regierungstruppen belagerten Ort Ost-Ghouta mangelt es an Medikamenten, Impfstoffen und auch Nahrung. 60.000 der Einwohner sind unter fünf Jahre alt. Die UN spricht von einem gezielten Aushungern der Bevölkerung und hat die Stadt zum “humanitären Notfall” erklärt. Das Leid der 400.000 Zivilisten in der Vorstadt von Damaskus sei unerträglich, so Egeland.

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Nicht Trump, Merkel, Özdemir, Huch oder Macron – weltweit bitten Hunderttausende User in den sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook mit dem Hashtag #ErdoganHelpRohingya vorzugsweise den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan um Hilfe. Deutschtürken richten ihr Augenmerk nun gespannt auf deutsche Medien, Politiker und Nutzer in sozialen Netzwerken – werden auch sie der Kampagne folgen?

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Weihnachten
Käßmann: Wer nicht weiß, warum er Weihnachten feiert, sollte es lieber lassen

Düsseldorf (ots) – Margot Käßmann hat eine verbreitete Inhaltsleere des Weihnachtsfests kritisiert. „Ich weiß nicht, was Menschen am 24. Dezember feiern, die mit christlichem Glauben nichts am Hut haben. Weihnachten ist es jedenfalls nicht“, schrieb die Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum und frühere EKD-Ratsvorsitzende in einem Gastbeitrag für die „Neuß-Grevenbroicher Zeitung“. Eine Weihnachtsfeier ohne Gottesdienst sei für sie undenkbar, schrieb Käßmann: „Neulich sagte mir ein Mann: Wer nicht in der Kirche ist, dem könnten die Firmen die Feiertage doch einfach streichen, der hat ja Weihnachten gar nichts zu feiern. Ein bisschen radikal, ich weiß, aber er trifft einen Punkt.“ Ihretwegen dürfe sich der Einzelhandel an Weihnachten „eine goldene Nase verdienen“, fügte die frühere hannoversche Landesbischöfin hinzu: „Aber wenn diejenigen, die feiern, überhaupt nicht mehr wissen, was sie feiern und warum, dann sollten sie es lieber lassen – oder sich ein ganz neues Fest ausdenken. Das hat ja in einer Welt, die auf Konsum und Kommerz fixiert ist, bei Halloween auch funktioniert.“  

Syrienkonflikt
Syrischer Außenminister: PKK kämpft für den Schutz amerikanischer Interessen

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Aleppo (nex) – Die Terrororganisation PKK ist nach den Worten des stellvertretenden syrischen Außenministers Faisal al-Miqdad nur ein weiterer IS (Daesh). Dies berichtet die iranische Zeitung Al-Alam. Die PKK kämpfe für den Schutz US-amerikanischer Interessen und spalte Syrien, so Miqdad in einer Erklärung gegenüber al-Alam.

„Man kann ihnen nicht vertrauen, denn sie dienen den Amerikanern und den Plänen des Westens gegen das syrische Volk.“

Die PKK wolle, so der Politiker, den syrischen Staat stürzen und das Land zerschlagen, sagte er und ergänzte: „Sie arbeiten nicht für das syrische Volk.“

Miqdad, eine der prominenten Persönlichkeiten der Assad-Regierung, wies des Weiteren darauf hin, dass die PKK-Terrororganisation nicht akzeptiere, Teil der Arabischen Republik Syrien zu sein. Wenn sie weiterhin eine Marionette der USA und der westlichen Länder bleibe, werde sie das gleiche ereilen Schicksal wie den IS  (Daesh). Er behauptete auch in seiner Erklärung, dass die PKK Gebiete unter ihrer Besatzung benutze, die Regierung zur Sicherung  ihrer eigenen politischen Interessen zu erpressen.

Darüber hinaus erklärte Mikdad, dass die von den USA geförderten Friedensprozesse in Riad und Genf gescheitert seien, und betonte, dass in Astana wichtige Durchbrüche erzielt worden seien. Er bestand darauf, dass „der Astana-Prozess fortgesetzt werden müsse“. Er sei überzeugt, dass auf dieser Plattform erfolgreiche Verhandlungen erreicht werden können.

Als Reaktion auf die PKK-kritischen Äußerungen des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad und seines stellvertretenden Außenministers sagte die Terrororganisation, dass „das syrische Regime und die Assad-Administration ihr Verfallsdatum erreicht haben“.

Trotz Ankaras Warnungen, sie seien Ableger der PKK, lieferten die USA der PYD zur vermeintlichen Bekämpfung des IS zu bisher 4000 LKW an Waffen.

Nach wiederholtem Hinweis, dass sie die Gründung eines unabhängigen Terrorstaates entlang ihrer Grenzen nicht zulassen werde, startete die Türkei am 24. August 2016 die Militäroperation Schutzschild Euphrat zur Bekämpfung der PKK/PYD und des IS (Daesh) in Syrien. Die PKK wird von der Türkei, den USA und der EU als eine Terrororganisation eingestuft. Sie hat im Juli vergangenen Jahres ihren 30-jährigen Kampf gegen den türkischen Staat wiederaufgenommen. Seitdem wurden bei PKK-Anschlägen tausende Menschen getötet. Während die Türkei auch die PYD als eine Terrorgruppe einstuft, betrachtete bereits die vorhergehende US-Administration unter Barack Obama diese als einen „vertrauenswürdigen Partner“ im Kampf gegen den IS (Daesh) in Syrien. Diese Politik wird auch unter Präsident Donald Trump fortgeführt.

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Türkei
Präsident Erdogan und Premierminister Yildirim senden Christen Weihnachtsbotschaften

Ankara (nex) – Während bei uns in Deutschland Botschaften der Kanzlerin oder des Bundespräsidenten an Muslime starke Irritationen in der Bevölkerung hervorrufen, gehört dies in der Türkei schon lange zur Tradition. So haben auch dieses Jahr der türkische Staatspräsident Erdogan, Ministerpräsident Yildirim sowie andere Politiker Christen eine Weihnachtsbotschaft gesendet. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat den Christen weltweit zum Weihnachtsfest gratuliert. Dies geht aus einer Erklärung auf der Webseite des türkischen Präsidialamtes hervor. In seiner Ansprache betonte Erdoğan dabei, dass auf den anatolischen Territorien seit Jahrhunderten unterschiedliche Kulturen und Religionen in Frieden sowie Brüderlichkeit zusammengelebt hätten. Diskriminierung jedweder Art habe im Zivilisationsbecken Anatolien nie eine Grundlage gefunden. Die Türkei sei gegen jede Art von Diskriminierung und Rassismus, unterstrich Erdoğan und betonte, dass im Rahmen der Werte der Zivilisation die Existenz unterschiedlicher Religionen und Kulturen als ein Reichtum betrachtet werde. Anatolien habe seit jeher vor Konflikten, Kriegen, Grausamkeit und Unterdrückung geflohenen Menschen ein schützendes Dach und einen sichere Hafen geboten. In seiner Botschaft wünschte Erdoğan allen türkischen Bürgern der unterschiedlichen christlichen Konfessionen, Traditionen und Kirchen ein frohes Weihnachtsfest in Einheit und Gemeinsamkeit. Auch der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hat eine Weihnachtsbotschaft veröffentlicht. “Die jahrhundertealte tolerante Umgebung in unserem Land, das verschiedene Kulturen, Glaubensrichtungen und Ideen Raum geboten hat, führt ihre Existenz auch heute trotz verschiedener Angriffe auf die Einheit unserer Nation und den Frieden fort”, betonte er in seiner Erklärung.

Ausland
Türkei: Seit Regierungsübernahme der AKP 14 Kirchen und eine Synagoge restauriert

Ankara (nex) – In der Regierungszeit der vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegründeten islamisch-konservativen AKP wurden bisher 14 christliche Kirchen und eine jüdische Synagoge restauriert.

Die Große Synagoge in der westtürkischen Provinz Edirne, die griechisch-orthodoxe Aya Nikola Kirche in der Provinz Canakkale, eine syrisch-katholische Kirche in der südosttürkischen Provinz Hatay, die armenischen Kirchen in den Provinzen Diyarbakir und Gaziantep, die griechisch-orthodoxen Kirchen Taksiyarhis in der westtürkischen Provinz Balikesir und Aya Yorgi in Istanbul und die bulgarisch-orthodoxe Kirche Sankt Stefan in Istanbul sind einige der fertiggestellten Restaurierungsprojekte der türkischen Regierung.

Die Wiedereröffnung der eisernen Sankt Stefan Kirche wird am 7. Januar im Rahmen einer Zeremonie stattfinden, an der auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zusammen mit dem bulgarischen Premierminister Bojko Borissow teilnehmen werde.

Die bulgarisch-orthodoxe Kirche Sankt Stefan ist die einzige vollständig erhaltene eiserne Kirche der Welt – eisern, weil als Baumaterial hauptsächlich Gusseisen verwendet wurde. Erdogan habe die Restaurierung auf die Bitte der bulgarischen Minderheit in der Stadt initiiert, sagte Wassil Liaze, Präsident der Bulgarisch-Orthodoxen Kirchenstiftung, gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu: “Er [Erdogan] half uns damals schon, als er noch Istanbuler Bürgermeister war. Und wir sind auch Nachbarn. Er kommt aus Kasimpasa, wir sind aus Balat. Wir haben ihn vor etwa acht-neun Jahren gefragt, und er hat die Restaurierung der Kirche angeordnet.” Die Stadt Istanbul finanziert laut Anadolu die Restaurierung, die etwa vier Millionen US-Dollar kostet. Aber auch die bulgarische Regierung beteiligt sich mit etwa 250.000 US-Dollar am Projekt. Mit seinen vielen Gebetsstätten – Moscheen, Kirchen und Synagogen – ist Istanbul ein Zentrum der Multireligiosität. “Die Kirchen in Argentinien und Österreich wurden im Laufe der Zeit zerstört, nur die Eiserne Kirche in Balat steht noch heute”, betonte Kirchenstiftungspräsident Liaze. Die Restaurierung erfolgte nach dem Reziprozitätsprinzip zwischen den beiden Staaten: Die bulgarische Regierung genehmigte den Wiederaufbau der Dschumaja-Moschee (Freitagsmoschee) in der zweitgrößten Stadt des Landes Plowdiw. Die türkische Regierung ihrerseits ermöglichte die Restaurierung der Eisernen Kirche. Es gibt weltweit lediglich in Argentinien, Österreich und der Türkei drei vorgefertigte Eiserne Kirchen.
(Foto: AA)
Nach einem Brand in einer Holzkirche erhielten die bulgarischen Christen am 25. Juni 1890 vom Sultan die Erlaubnis, neben der Holzkirche ein neues Gotteshaus zu bauen. Die einzelnen Elemente, die zusammen rund 500 Tonnen wogen, seien damals auf kleinen Frachtschiffen von Wien über die Donau, den Bosporus und das Goldene Horn nach Istanbul gebracht worden, so Liaze im Gespräch mit Anadolu. Die Kirche im neugotischen Stil war in zwei Jahren errichtet und 1898 in Balat, dem alten jüdischen Viertel im europäischen Teil der Stadt, eröffnet worden.

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Nach einer Reihe von Projekten, die die Sanierung und Instandsetzung von Gotteshäusern der Minderheiten in der Türkei vorsehen, wurde in Istanbul nun auch der Neubau einer Kirche freigegeben.

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Außenpolitik
Niederländischer Premierminister Mark Rutte wünscht sich bessere Beziehungen zur Türkei

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Den Haag (nex) – Der niederländische Premierminister Mark Rutte hat den Wunsch geäußert, dass sich die „abgekühlten Beziehungen“ zwischen seinem Land und der Türkei wieder verbesserten. „Ich denke, dass es gut wäre, wenn sich die Beziehungen [mit der Türkei] verbessern würden. Die Türkei ist ein NATO-Partner“, sagte Rutte in einem Interview mit der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf und fügte hinzu, dass es nach wie vor keinen Austausch von Botschaftern gebe. Rutte sagte, dass er und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf dem G20-Gipfel in Hamburg im Juli an einem Tisch saßen, aber nicht miteinander gesprochen hätten. Allerdings gebe es zwischen der Türkei und den Niederlanden einen Austausch auf Ministerebene, so Rutte Die Beziehungen zwischen der Türkei und den Niederlanden hatten sich im Vorfeld des Referendums in der Türkei verschlechtert. Die Niederlande hatten dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu, der anlässlich des am 16. April anstehenden Verfassungsreferendums in der Türkei mit türkischen Staatsbürgern in dem Land zusammenkommen wollte, im März dieses Jahres die Einreise wegen „Gefahren für die öffentliche Ordnung und Sicherheit“ verweigert. Dem Flugzeug des Ministers wurde die Landeerlaubnis entzogen. Am selben Abend wurde auch der Diplomatenkonvoi, in dem sich das Fahrzeug mit der türkischen Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya befand, vor dem türkischen Konsulat in Rotterdam gestoppt. Medienberichten zufolge war Kaya von Düsseldorf aus über den Landweg in Richtung Niederlande aufgebrochen, nachdem dem türkischen Außenminister die Einreise in das Land verweigert worden war. Kaya erklärte in einer Livesendung, dass sie daran gehindert worden sei, das türkische Konsulat in Rotterdam zu betreten. „Wir erwarten von den Niederlanden, dass sie zu ihren demokratischen Werten zurückkehren“, forderte sie und ergänzte: „Meinungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, Versammlungsfreiheit – all das wurde soeben außer Kraft gesetzt.“ „Hunderte Sicherheitskräfte haben eine Barrikade zwischen uns und unseren Staatsbürgern errichtet“, twitterte Kaya. „Keine Macht kann unsere Bindung durchtrennen.“ Mehrere hundert Menschen hielten sich vor dem türkischen Konsulat auf. In einer Livesendung des türkischen Nachrichtensenders ntv teilte Kaya mit, dass sie bereits seit Stunden ausharrten und nicht einmal Wasser zu trinken bekommen hätten. „Wir haben in den Niederlanden, die von Demokratie, Freiheiten, Meinungsfreiheit spricht, eine sehr traurige Nacht erlebt“, so die Ministerin in einer Presseerklärung am 12. März in der Türkei und fügte hinzu, dass neben dem Chargé d’Affaires, dem stellvertretenden türkischen Botschafter in den Niederlanden, auch ihre Leibwächter und ihr Berater festgenommen worden seien. Sie selbst sei aus dem Fahrzeug herausgeholt und in Begleitung der niederländischen Polizei zu einer Polizeistation an der niederländisch-deutschen Grenze gebracht worden, wo sie eineinhalb Stunden hätten ausharren müssen. „Wir waren einer sehr groben und harten Behandlung ausgesetzt“, so Kaya. Es sei antidemokratisch, die geplanten Auftritte der Minister zu untersagen, diese Vorgehensweise müsse überprüft werden, betonte sie und ergänzte:
„Wir sind dorthin gegangen, um mit unseren Mitbürgern zusammenzukommen und über die Änderungen, die das neue Regierungssystem bringt, zu sprechen. Die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, all das wurde mit Füßen getreten. Gestern wurden in den Niederlanden alle Freiheiten außer Kraft gesetzt. Unsere Mitbürger, die gekommen waren, um sich dort mit uns zu treffen, waren einer sehr unmenschlichen Behandlung ausgesetzt, sie wurden mit Pferden und Hunden angegriffen.“

Auch der Vorsitzende der größten oppositionellen Partei der Türkei CHP (Republikanische Volkspartei), Kemal Kilicdaroglu, hatte die Verweigerung der Landeerlaubnis für das Flugzeug des türkischen Außenministers scharf kritisiert und mit schweren Sanktionen gegen die Niederlande gedroht, sollte er in dem Land seine geplante Zusammenkunft mit türkischen Community in Rotterdam nicht durchführen können.

„Wer die Demokratie verteidigt, tut so etwas nicht“, erklärte Kilicdaroglu gegenüber Journalisten in Istanbul am darauffolgenden Tag.      

Ausland
Türkei ändert nach Streit mit Emiraten Straßennamen

Ankara (nex) – Der Name der Straße, in der sich die Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) befindet, werde geändert. Das teilte Ankaras Stadtverwaltung am Samstag mit. Demnach würde die Straße in Fahrettin Pasa Caddesi, nach dem osmanischen Gouverneur von Medina Fahrettin Pascha, umbenannt. Dieser regierte Medina von 1916 bis 1919. Diese Ankündigung erfolgt nur eine Woche nachdem der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Abdullah bin Zayed al-Nahyan, in einem Tweet die historischen Beziehungen des Osmanischen Reiches und der arabischen Nationen kritisierte und Fahrettin Pascha beschuldigte, während der Belagerung von Medina 1916 Verbrechen gegen das Volk begangen zu haben. “Diese sind Erdogans Vorfahren und ihre Geschichte mit arabischen Muslimen”, so el-Nahyan. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte am Mittwoch al-Nahyans Tweet in einer öffentlichen Stellungnahme. “Diese Armseligen sind in solch einem Delirium, dass sie ohne Scham sagen können, dass Erdogans Vorfahren das heilige Relikt von Medina gestohlen und es nach Istanbul gebracht hätten!”, sagte Erdogan, ohne Namen zu nennen. “Was aber eigentlich den Sinn hatte, diesen Ort vor Eindringlingen zu schützen, und nicht, Diebstahl zu begehen. Und zwar wae das Schützen im Namen der Aufopferung.” Fahrettin Pascha sei ein Kommandant gewesen, der niemals auch nur “auf einen Stein von Medina ein Auge geworfen habe”, betonte der türkische Präsident und ergänzte, dass er alle Besitztümer der Menschen in der Stadt gesichert habe und nie vom Weg der Gerechtigkeit abgewichen sei. “Du erbärmlicher Mensch, der uns verleumdet: Wo waren deine Vorfahren, als Fahreddin Pascha Medina verteidigte?”, fragte er weiter. Es sei offensichtlich, dass “das Ziel der Feindseligkeit einiger arabischer Offizieller der Türkei gegenüber darin besteht, die eigene Unfähigkeit, den Mangel an Ausdauer und sogar Verrat zu vertuschen”, behauptete er. “Es ist klar, dass Sie nichts über unsere Vorfahren und über Erdogan wissen”, fuhr er fort und hob das “einigende Prinzip des Muslimseins” hervor. “Ihre Verwirrtheit wird Türken, Araber, Kurden und andere Muslime nicht einschränken. Wir werden das Wort niemals denen überlassen, die die muslimische Einheit und Solidarität für ihre persönlichen Interessen verleumden”, fügte Erdogan hinzu. Sie könnten “keinen Schatten auf die türkische Brüderlichkeit mit den arabischen Völkern” werfen. Bürgermeister Mustafa Tuna habe die entsprechende Anordnung erteilt, die 613. Straße im Cankaya Bezirk Ankaras umzubenennen, so die Mitteilung der Stadtverwaltung. Die Änderung werde dauerhaft sein.

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– New York – Sieg für Erdogan: UN-Vollversammlung stimmt gegen Trump-Entscheidung

Am Donnerstag hat die UN-Vollversammlung mit deutlicher Mehrheit die Entscheidung der USA verurteilt. Nur neun Staaten stimmten dagegen, darunter die USA und Israel. 128 Staaten stimmten dafür und 33 Staaten enthielten sich.

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Finanzen
Wirtschaftsweiser Schmidt warnt vor Bitcoin-Risiken

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Düsseldorf (nex) – Nach dem zwischenzeitlichen extremen Kursanstieg beim Bitcoin hat der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt vor den Risiken der Kryptowährungen gewarnt. „Zumindest sind das hoch spekulative Geschäfte, sagte Schmidt der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Dies sei so lange nicht bedenklich, wie Anleger die daraus erwachsenden Risiken aus eigener Kraft tragen könnten. „Zögen ihre Verluste jedoch andere in Mitleidenschaft, weil ihr Erwerb durch Kreditaufnahme finanziert wird, dann würde dies das Risiko für Verwerfungen an den Finanzmärkten erhöhen“, so Schmidt. Der Kurs des Bitcoin war jüngst bis auf 20.000 Dollar gestiegen, ist mittlerweile aber wieder unter 13.000 Dollar gefallen. Der Journalist Ernst Wollf bezeichnete den „Bitcoin-Rausch“ als „größten Hype in der Geschichte des Finanzwesens“. Er ziehe Gelder aus anderen Märkten ab und entspanne dort die Situation leicht. Zum anderen ermögliche er Großinvestoren, in kurzer Zeit hohe Spekulationsgewinne einzufahren und so ihre Verluste durch Zinserhöhungen auszugleichen. Noch viel wichtiger aber sei die Tatsache, dass er sie in die Lage versetze, die Bitcoin-Blase jederzeit nach ihren Wünschen platzen zu lassen. Bereits jetzt befänden sich große Bitcoin-Mengen in der Hand sehr weniger Besitzer – ein Trend, der wegen des Eingreifens institutioneller Anleger in naher Zukunft weiter zunehmen werde. Da das Spekulationsgeschäft in der Hand erfahrener Börsenprofis liegt, zögen diese alle Register und bemühten sich gegenwärtig nach Kräften, die „Gans vor dem Schlachten noch richtig zu mästen“, schreibt Wolff. Dazu gehöre vor allem große Mengen ahnungsloser Kleinanleger in das Geschäft mit hineinzuziehen. Beim Bitcoin-Rausch handele es sich laut Wolff mittlerweile „um den größten Hype in der gesamten Geschichte des Finanzwesens“.

Goldanleihen
Türkei: 5.000 Tonnen Gold „unter den Kopfkissen“

Istanbul (nex) – Dem türkischen Finanzsystem konnten etwa 75 Tonnen Gold, die sich „unter den Kopfkissen“ befanden, wieder zugeführt werden, sagte eine Vertreterin der Branche. Die Regierung habe an neuen Plänen gearbeitet, um diesen Betrag deutlich zu erhöhen, so die Geschäftsführerin der Istanbul Gold Raffinerie (İAR) Ayşen Esen gegenüber Reuters. Sie wies darauf hin, dass sich in der Türkei 2.500 bis 5.000 Tonnen Gold „unter den Kopfkissen“ der Menschen befinde. Das ist eine türkische Redensart, mit der Geld, Gold oder andere Wertgegenstände gemeint sind, die persönlich aufbewahrt werden, häufig tatsächlich unter dem Kopfkissen. Schätzungen zufolge liege der Gesamtwert dieser Goldmenge zwischen 100 und 200 Milliarden US-Dollar. Wie seit Jahrhunderten bevorzugen Türken noch immer Gold als langfristiges Investment und ziehen es vor, dieses im eigenen Haus aufzubewahren. Die Regierung und die Banken arbeiten deshalb daran, die Goldbesitzer davon zu überzeugen, ihr Gold „unter den Kissen“ hervorzuholen und es entweder zu verkaufen oder zur Bank zu bringen, um durch Ersparnisse die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Das türkische Finanzamt kündigte im September die Ausgabe von zwei Arten von Anleihen, um “2.200 Tonnen Gold unter den Matratzen” mit einem Marktwert von rund 100 Milliarden US-Dollar der Wirtschaft zuzuführen, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Mehmet Simsek. Anderen Schätzungen zufolge sollen es sogar 5.000 Tonnen Gold mit einem Wert von 200 Milliarden US-Dollar sein, das sich im Privatbesitz befindet. „Wir haben die technischen Arbeiten für die Ausgabe von neuen Finanzinstrumenten abgeschlossen, die es uns ermöglichen, viele Tonnen Gold unter den Matratzen in die Wirtschaft zu locken”, hatte Simsek bereits im Juli erklärt. Das Gold-Banking in der Türkei steigt laut Esen hauptsächlich aufgrund dieser Maßnahmen. Die erste Emission von Goldanleihen und der goldbasierten Leasingzertifikate startete zwischen dem 2. und dem 6. Oktober 2017. Die erste Phase dieser Emission sei abgeschlossen, bemerkte Esen und ergänzte: „Wir glauben, dass dieser Schritt durchaus sinnvoll ist.“ Elf Banken in der Türkei sammelten letztes Jahr fast 60 Tonnen Gold. Dieser Wert sei dank der Maßnahmen in diesem Jahr auf 75 Tonnen gestiegen. Das sei jedoch nicht genug, sagte Esen und fügte hinzu, dass die Regierung zusätzliche Maßnahmen einleiten sollte, die es ermöglichen, dass viel höhere Goldmengen in das Finanzsystem gelangen, anstatt unter der Matratze versteckt zu bleiben. “Das Finanzministerium hat kein Anleiheproblem”, sagte der Vizepremier Mehmet Simsek im September und ergänzte, dass man die Wirtschaft ankurbeln, Einsparungen erzielen, Ressourcenprobleme lösen und die Ersparnisse der Menschen, die sie zu Hause behielten, der Wirtschaft zuführen wolle. Die Rückzahlung werde in Goldmünzen oder Ein-Kilogramm-Goldbarren erfolgen, die von der staatlichen türkischen Münzprägeanstalt hergestellt würden.