Russlandkrise
EVP-Fraktionschef Weber fordert weitere Sanktionen gegen Russland

Deutsche Staatsspitze sollte Fußball-WM in Russland boykottieren Osnabrück (ots) – Der Fraktionschef der christdemokratischen EVP-Fraktion im Europaparlament Manfred Weber fordert weitere Sanktionen gegen Russland. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte der CSU-Europapolitiker: „Europa muss bei neuen Eskalationen seitens der russischen Regierung zu weiteren Maßnahmen bereit sein.“ Zur Begründung nannte Weber das politische Vorgehen der russischen Regierung, die nach wie vor militärische Gewalt als Mittel der Politik einsetze. „Solange Russland in der Ostukraine einen stillen Krieg führt und mit Desinformationskampagnen Europa destabilisieren will, muss sich Europa verteidigen.“ Seiner Ansicht nach hat Russland „ein schwaches und zerstrittenes Europa als Ziel, um selbst neue Stärke zu gewinnen.“ Er füge hinzu: „Das dürfen wir nicht zulassen – auch wenn wir immer gesprächsbereit bleiben müssen. Das sind die zwei Leitplanken der Russland-Politik.“ Mit Blick auf die Fußball-WM in Russland forderte Weber, die deutsche Staatsspitze sollte nach dem Vorbild der Briten nicht an den Spielen teilnehmen: „Wir dürfen Putin keinen diplomatischen Propaganda-Erfolg gönnen.“ Weber lehnt Sanktionen gegen Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD), der Aufsichtsratschef beim russischen Energiekonzern Rosneft ist und als wichtigster Lobbyist für den russischen Präsidenten Putin gilt, allerdings ab. Der CSU-Politiker sagte: „Jeder Politiker muss selbst überlegen, wie er mit seinem Andenken und seiner politischen Leistung umgeht. Da richtet sich Gerhard Schröder selbst, das muss man nicht weiter kommentieren.“

Syrien
Giftgasangriff: Opferzahl steigt auf über 100

Douma (nex) – Syrische und russische Kampfjets fliegen seit Tagen Angriffe auf die von Aufständischen gehaltene Stadt Douma. Wie Menschenrechtsorganisationen und auch Augenzeugen berichten, sei dabei Giftgas eingesetzt worden. Die syrische Regierung bestreitet das. Bei schweren Luftangriffen auf die südwestsyrische Stadt Douma in Ost-Ghouta  in der Samstagnacht ist möglicherweise Giftgas eingesetzt worden. Wie die syrische Hilfsorganisation Weißhelme und die Syrian American Medical Society berichten, litten Bewohner unter Atemnot, nachdem ein Wohngebiet mit Gas angegriffen worden sei. In Aufnahmen, die seit Samstag über die sozialen Medien verbreitet werden, sind Kleinkinder mit Sauerstoffmasken oder Tote mit Schaum vor dem Mund zu sehen.  Dies spreche für das Giftgas Sarin. Auch die Hilfsorganisation UOSSM geht von einem Giftgasangriff aus. Die Angaben über die Zahl der Toten schwanken. Es wird von bis zu 150 Toten und bis zu 1000 Verletzten berichtet. „Wir dürfen uns nicht an Bilder toter Kinder mit Schaum vor dem Mund gewöhnen – jeglicher Einsatz von Massenvernichtungswaffen darf nicht länger ohne Konsequenzen bleiben“, so Elias Perabo, Geschäftsführer der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Adopt a Revolution, die in Douma seit Jahren zwei Partnerprojekte unterstützt. „Eine internationale Untersuchung ist dringend notwendig, aber das alleine reicht nicht, um solche Taten künftig zu verhindern“, so Perabo weiter. Die EU und Deutschland hätten bislang keinerlei Konsequenzen aus den bisher vorliegenden Ergebnissen der unabhängigen Untersuchungen von UN und OPCW zum Einsatz von Giftgas in Syrien gezogen. „Damit haben sie billigend auch den weiteren Einsatz von Giftgas wie gestern in Douma in Kauf genommen“, betonte Perabo. Politiker verurteilen weltweit den Angriff auf Duma Weltweit haben Politiker den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff verurteilt. Der Sprecher des türkischen Präsidenten, Ibrahim Kalin, sagte am Sonntag, dass das Bashar al-Assad-Regime für wiederholte Angriffe in Syrien verantwortlich gemacht werden müsse. „Wir verurteilen den chemischen Angriff in Syriens Douma, bei dem mindestens 70 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, getötet wurden, auf das Schärfste „, sagte Kalin in einer schriftlichen Erklärung. Trump nennt Assad „Tier“. „Viele Tote, inklusive Frauen und Kinder, nach hirnlosem Chemiewaffenangriff in Syrien. Das Gebiet, in der die Gräueltaten stattfanden, ist von der syrischen Armee abgeriegelt und somit für die Außenwelt völlig unzugänglich. Präsident Putin, Russland und der Iran sind dafür verantwortlich, weil sie das Tier Assad unterstützen. Großer Preis zu bezahlen. Öffnet die Gegend sofort für medizinische Hilfe und Verifizierung. Weiteres humanitäres Unglück aus einem komplett nichtigen Grund. KRANK!“, schreibt US-Präsident Donald Trump auf Twitter. Assad-nahe Medien machen Deutschland verantwortlich Unterdessen berichten Assad-nahe Journalisten, dass Regimekräfte bei der Rückeroberung Ost-Ghoutas „chemische Substanzen, einschließlich Verpackungen von giftigem Chlorgas aus Deutschland“ gefunden hätten. Es wird die Frage gestellt, wie das Verhältnis zwischen der deutschen Fabrik, die diese chemischen Stoffe produziert hat, und den „radikal-islamistischen Terroristen“ in Syrien sei.
(Foto: Screenshot)
 

Türkei
Hatay: Orthodoxe Christen feiern Osterfest in Aziz Nikola Kirche

Hatay (nex) – Mit einem festlichen Gottesdienst wurde in einer griechisch-orthodoxen Kirche in der südosttürkischen Provinz Hatay am gestrigen Samstag das Osterfest gefeiert. Christliche Bewohner von Hatay und Umgebung nahmen in der Aziz Nikola Kirche in Iskenderun an der Osternachtwache teil. Pastor Dimitri Yildirim überbrachte eine Botschaft der Brüderlichkeit und des Friedens während seiner Rede bei der Feier. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde die Kirche mit Lichtern und Kerzen geschmückt. Ostern markiert die Kreuzigung Jesu und seine Auferstehung drei Tage später. Die im Jahre 1879 erbaute Aziz Nikola Kirche wird auch heute noch von orthodoxen Christen aus Iskenderun und Umgebung genutzt. Patriarch Bartholomäus I. betet für türkische Antiterroroffensive Olivenzweig Der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. überraschte im Januar die Öffentlichkeit, indem er seine Unterstützung für die am 20. Januar begonnene Militäroffensive „Olivenzweig“ der türkischen Streitkräfte aussprach. In einem an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan gerichteten Brief schrieb Bartholomeus, dass die griechische Kirche für den Erfolg der Militäroperation in Syrien bete. „Es ist eine Tradition unserer Kirche, dass wir stets für unseren Staat, die Gesundheit unserer Führer und das Wohlergehen und Glück unseres Volkes beten. Wir haben die Hunderttausenden von Menschen unserer Nachbarländer im Süden, insbesondere in Syrien, die aufgrund von Konflikten vertrieben wurden, nicht vergessen“, so Bartholomäus in seinem Brief. Die Kirche bete zu Gott, dass der Frieden in Syrien mit der Offensive „Olivenzweig“ wieder hergestellt würde. „Es ist der Wunsch unserer Gemeinschaft, dass unsere Nation sich sehr bald wieder zu einem sicheren Ort entwickelt und die Krankheit Terror, von dem alle Bürger, aber besonders die im Südosten des Landes, betroffen sind, endlich besiegen kann“, schreibt Bartholomeus. Die Kirche bete, dass Erdogan und die türkischen Streitkräfte Erfolg haben und die Antiterror-Operation Olivenzweig, so wie es der Name verspreche, Frieden in das Gebiet bringen werde.

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– Panagia Phaneromeni Kirche – Türkei: Sanierung einer weiteren Kirche abgeschlossen

Die für ihr „heiliges Wasser“ bekannte Panagia Phaneromeni Kirche wurde 1890 im Stadtteil Kemal Paşa der westtürkischen Stadt Ayvalık in der Provinz Balıkesir erbaut.  Die Kirche hat eine neoklassizistische Architektur und ist vielleicht das bekannteste und wichtigste Bauwerk im Zentrum von Ayvalık.

Türkei: Sanierung einer weiteren Kirche abgeschlossen
     

Terrorismus
Bericht: 48-jähriger Deutscher Jens R. hinter LKW-Anschlag in Münster

Münster (nex) – Ein Kleintransporter ist in Münster in eine Gruppe sitzender Menschen gefahren. Medienberichten zufolge gibt es mindestens vier Tote. Der Fahrer soll sich anschließend selbst erschossen haben. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, handele es sich bei dem mutmaßlichen Täter um den 48-jährigen Jens R. aus Münster. Der 1969 geborene Deutsche soll 2014 und 2016 psychisch auffällig gewesen sein. Seine Wohnung werde derzeit von SEK-Kräften durchsucht. Dem „ZDF“ zufolge war der Kleinlaster auf seinen Namen zugelassen. Vor kurzem soll er versucht haben sich umzubringen. „Ganz Münster trauert über dieses schreckliche Ereignis. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Getöteten. Den Verletzten wünschen wir schnelle und baldige Genesung. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, welche Hintergründe dieses Ereignis hatte, aber ich danke schon jetzt den vielen Einsatzkräften, die unermüdlich hier in Münster im Einsatz sind“, sagte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe in einer Stellungnahme. Wie die „Westfälischen Nachrichten“ unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, sei der Kleinlaster aus Richtung Innenstadt kommend mit hoher Geschwindigkeit in das Kiepenkerlviertel gefahren.  

Gaststätte Kiepenkerl
Münster: Zahl der Todesopfer steigt auf drei

Münster (nex) – Ein Kleintransporter ist in Münster in eine Gruppe sitzender Menschen gefahren. Medienberichten zufolge gibt es mindestens drei Tote. Der Fahrer soll sich anschließend selbst erschossen haben. Die Tat soll sich um 15.27 Uhr am Denkmal „Kiepenkerl“ ereignet haben. „Ganz Münster trauert über dieses schreckliche Ereignis. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Getöteten. Den Verletzten wünschen wir schnelle und baldige Genesung. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt nicht, welche Hintergründe dieses Ereignis hatte, aber ich danke schon jetzt den vielen Einsatzkräften, die unermüdlich hier in Münster im Einsatz sind“, sagte Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe in einer Stellungnahme. Wie die „Westfälischen Nachrichten“ unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, sei der Kleinlaster aus Richtung Innenstadt kommend mit hoher Geschwindigkeit in das Kiepenkerlviertel gefahren. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sind nach aktuellem Informationsstand drei Menschen gestorben. Darunter sei auch der mutmaßliche Täter. Laut Polizeisprecher gibt es rund 30 Verletzte. Die „Westfälischen Nachrichten“ berichten unter Bezugnahme auf den Sprecher der Feuerwehr von bis zu 50 Verletzten. Die Polizei rief die Bürger über Twitter auf, die Innenstadt von Münster zu meiden. Es lasse sich noch nicht sagen, ob es sich um einen Anschlag handele. Im Zentrum von Münster laufe derzeit ein Großeinsatz. https://twitter.com/BreidsamerXXXV/status/982631182088228864

Israel
Gaza: Mindestens ein Journalist von israelischen Soldaten erschossen

Jerusalem (nex) – Der palästinensische Journalist Yaser Murtaja ist am Samstag seinen Verletzungen erlegen. Mit Murtajas Tod ist die Zahl der Opfer der seit dem 30. März andauernden Massenproteste auf 31 gestiegen. Medienberichten zufolge wurde der 30-jährige Journalist von einer Kugel der israelischen Streitkräfte in der Brust getroffen. Einige Medien berichten von einem Schuss in den Bauch. Sieben weitere Journalisten seien verletzt worden. Murtaja, ein Fotograf bei der in Gaza ansässigen Agentur Ain Media, wurde am Freitag in Khuza’a im Süden des Gazastreifens erschossen, so das palästinensische Gesundheitsministerium. Murtaja habe an dem Tag eine Weste mit dem Aufdruck „Press“ getragen und war somit nach außen als Journalist erkennbar. Nach Angaben der palästinensischen Journalistenvereinigung wurde Murtaja 350 Meter vor dem Grenzzaun erschossen. Vor einigen Wochen schrieb Murtaja auf Facebook, dass er Gaza nie verlassen habe und postete ein Luftbild des Hafens. https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1883970868300435&set=a.100942126603327.1895.100000626201179&type=3&theater Auch der Journalist Khalil Abu Akatrah, der unter anderem für die „Deutsche Welle“ arbeitete, sei gestern an der Grenze Gaza/Israel von der israelischen Armee „gezielt beschossen“ worden. Eine Kugel habe ihn am Bein und eine weitere Kugel am Bauch getroffen. Am heutigen Samstag sei er seinen Verletzungen erlegen. Israelischen Streitkräfte: Umstände werden untersucht „Die IDF beabsichtigt nicht, auf Journalisten zu schießen, und die Umstände, unter denen Journalisten angeblich durch IDF-Schüsse verletzt wurden, sind unbekannt und werden untersucht“, so die israelischen Streitkräfte in einer Mitteilung. Menschenrechtsorganisationen verurteilt Schüsse auf Demonstranten Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat die tödlichen Schüsse der israelischen Armee auf palästinensische Demonstranten scharf kritisiert und das Vorgehen Israels bei den Massenprotesten mit mindestens 18 Toten an der Gaza-Grenze verurteilt. Das Vorgehen sei kalkuliert und nicht rechtmäßig gewesen, sagte der stellvertretende Nahost-Direktor Goldstein in Tel Aviv. Für die Toten seien die leitenden israelischen Beamten verantwortlich. Sie hätten den Einsatz scharfer Munition gegen die Demonstranten angeordnet. Israelische Soldaten hätten zudem „exzessive Gewalt“ angewendet. Das Ergebnis seien „vorhersehbare Tode und Verletzungen der Demonstranten“, die dabei keine „unmittelbare Bedrohung für das Leben“ der Soldaten gewesen seien. Bei Protesten waren im Gazastreifen am Karfreitag viele Demonstranten während einer Protestaktion für das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge und deren Nachkommen in das Gebiet des heutigen Israel erschossen worden. Israel lehnt die Rückkehr ab.      

Auto-News
Abgeordnete planen Initiative für Rauchverbot in Autos

Berlin / Saarbrücken – Nachdem auch Österreich ab 1. Mai Autofahrern das Rauchen in Gegenwart von Kindern verbietet, gibt es nun im Bundestag ebenfalls entsprechende Überlegungen. Er werde in sechs Wochen zu einem fraktionsübergreifenden „Nichtraucher-Frühstück“ einladen und dort eine Initiative vorschlagen, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding der „Saarbrücker Zeitung“. „Viele Leute brauchen offenbar ordnungspolitische Vorgaben, damit sie ihre eigenen Kinder schützen“. Der CDU-Abgeordnete Rudolf Henke, ein Arzt aus Aachen, erklärte gegenüber der Zeitung, einen solchen Vorstoß unterstützen zu wollen. Zwar zeigten die meisten Raucher sich ihrer Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen bewusst und verzichteten auf die Zigarette im Auto. Aber manche ignorierten die Gefährdung des Kindeswohls und das schwerwiegende Risiko für die Gesundheit noch immer. „Dann hat der Schutz der Gesundheit für mich einen höheren Stellenwert als die Freiheit zur Ignoranz“, so Henke gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD gibt es zu dem Thema keine Festlegung.

Auto-News
Schulze will Zuschuss für E-Lieferwagen auf 7000 Euro erhöhen

Düsseldorf (ots) – Um die Luftqualität in deutschen Städten zu verbessern, hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) eine deutliche Erhöhung des Zuschusses für Elektrolieferwagen von derzeit 4000 auf 7000 Euro vorgeschlagen. „Viel bewegen ließe sich im Segment der Kleintransporter, insbesondere beim Lieferverkehr“, sagte Schulze der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ am Samstag. Dort könne sich die Elektromobilität als erstes durchsetzen, weil die Strecken meist kurz und gut planbar seien und die Autos nachts aufladen könnten. „Darum setze ich mich dafür ein, dass der bisherige Zuschuss von 4000 Euro für kleine E-Lieferwagen deutlich erhöht wird. 7000 Euro wäre eine Größenordnung, ab der sich die Flottenumstellung für viele Logistiker und auch Handwerker lohnt“, sagte Schulze. Bisher wird der Zuschuss je zur Hälfte vom Bund und von den Herstellern getragen. (ots)

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– Türkei – Erdogan trifft Tesla-Chef: Kommt jetzt das türkische Super-E-Auto?

Der in Deutschland für Häme und Spott sorgende Plan der Türkei, ein eigenes Auto herzustellen, scheint bereits im vollen Gange zu sein.

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Meinung
Kommentar: Die Linke darf Erdogan-Anhänger nicht dämonisieren

Gastbeitrag von Richard Lederer In Deutschland und Österreich leben viele Türken und Türkinnen, die nur deswegen hier sind, weil sie 1980 vor dem grausamen, blutigen Putsch des türkischen Militärs geflüchtet sind. In diesem Putsch kam es zum Verbot von Gewerkschaften, 45.000 Festnahmen, massenhaften Folterungen und Dutzenden Todesurteilen. Die Präsenz des kemalistischen Militärs war in der Türkei allgegenwärtig und dominierte das Leben der Menschen für viele Jahrzehnte und stellte immer klar, dass es alles wegputschen werde, was ihm nicht genehm ist. Als schließlich Recep Tayyip Erdogans AKP im Jahre 2002 an die Macht kam und genau das bekämpfte, wovor sie (oder ihre Eltern) geflohen waren, war es kein Wunder, dass die AKP viele Sympathien bei den in Deutschland und Österreich lebenden Türkinnen und Türken auslöste und sie Erdogan als Befreier empfanden. Das gilt übrigens auch für viel Kurden, die nach dem Machtantritt der AKP viel mehr Freiheiten als zuvor hatten und ihre Sprache wieder sprechen durften. Es gibt Kurdisch als Wahlfach an Schulen, Kurdologieinstitute, einen staatlichen kurdischen Sender, der auf Kurdisch sendet, kurdische Presse und sogar eine kurdische Suchmaschine. Auch der Konflikt mit der PKK war für eine Zeit lang deutlich gelindert. Ich selber bin AKP-Kritiker, war auf Seiten der Gezi Proteste und habe den Einmarsch der türkischen Armee in Syrien verurteilt. Aber was hier an Dämonisierung von AKP-Sympathisanten betrieben wird, ist furchtbar. Man muss kein Erdogan-Fan sein, um zu verstehen, warum viele türkische und kurdische MuslimInnen Sympathien für ihn empfinden. Wenn „Linke“ heute AKP-Wählerinnen und Wähler mit Nazis gleichsetzen, ist das einfach nur eine Frechheit. Wenn auf Demos gegen Rassismus AKP-SympathisantInnen ausgeschlossen werden – wie jüngst in Österreich -, dann schließt man zu einem großen Teil jene aus, die am meisten unter der rassistischen Regierung leiden. Das ist kein Antirassismus! Nach dieser Erläuterung, warum es absolut verständlich ist, dass viele muslimische Frauen und Männer Sympathien für die AKP haben, und die Verteufelung von ihnen als Rechtsextreme, Faschisten oder gar Nazis eine Frechheit ist, möchte ich nun weitergehen und erklären, warum der bisherige Umgang der Linken in Bezug auf den Islam und auch die AKP komplett katastrophal und kontraproduktiv ist. Religiöse Freiheiten sind ein Grundrecht und waren weltweit fast immer zentrale Forderung bei Aufständen. Nur in Diktaturen und unter der Herrschaft von Despoten wurden Religionsfreiheiten von Minderheiten eingeschränkt. Religionen spielten und spielen bei vielen Menschen eine sehr wichtige Rolle und stehen für sie für Gerechtigkeit und Moral.Ich finde, dass man auch als Nichtreligiöser, so wie ich es bin, es schaffen sollte, dieses Bedürfnis ernst zu nehmen und nicht zu bekämpfen. Wenn in der Türkei die Linke also traditionell immer extrem religionsfeindlich eingestellt war und religöse Menschen pauschal als Spinner oder rückständig angesehen hat, bei denen es sich nicht lohnt, sich mit ihnen zu solidarisieren, dann darf man sich eben nicht wundern, wenn genau diese Menschen sich von ihnen überhaupt nicht angesprochen fühlen, sondern sie im Gegenteil als Gegner oder sogar als Feinde wahrnehmen. Auch sollten sich Linke nicht wundern, wenn diese Bevölkerungsgruppen andere Parteien wählen – und zwar jene, welche ihnen glaubhaft versichern, auf ihrer Seite zu sein und für ihr Recht auf freie Religionsausübung zu kämpfen. Weder die türkischen „Sozialdemokraten“, noch die „Kommunisten“ haben sich jemals für diese Leute eingesetzt – sie haben sie sogar dämonisiert. Ich selber hatte einmal Kontakt mit einer in der Türkei lebenden Kommunistin, die in den „ungebildeten Religiösen“ die Hauptgefahr und nicht jene Kraft sah, auf die eigentlich Linke sich fokussieren sollten: die „kleinen Leute“, die unter Not leiden und eine bessere Welt ersehnen. Und wenn in Deutschland oder Österreich „Linke“ lieber muslimische Menschen bekämpfen, dämonisieren und aus Bündnissen rausschmeißen wollen, dann zeigt sich auch hier, dass sie in Wahrheit nur die AKP stärken. Für die meisten muslimischen Menschen ist daher die AKP total alternativlos – was übrigens auch für einen großen Teil der kurdischen PKK-Gegner gilt. Sie betonen immer die Freiheiten, welche Erdogan den Kurden gebracht hat. Seit der AKP dürfen sie ihre eigene Sprache sprechen und ihre Kultur leben, während sie in den Jahrzehnten des Kemalismus wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden. Ich habe am mehreren Stellen schon betont, dass ich sehr AKP-kritisch bin und den Einmarsch der Türkei in Syrien (was ich übrigens für ein traditionell nationalistisches und kein muslimisches Problem halte) verurteile. Diese Ignoranz und Verachtung jener Menschen, die entweder in der Türkei leben oder aus ihr hierher geflüchtet sind, ist aber genau das, was die AKP groß gemacht hat und sie weiter stärken wird. Wenn es uns wirklich darum geht, linkes Gedankengut bei Türken salonfähig zu machen, dann sollten wir das Gegenteil von dem tun was wir bisher praktiziert haben. Wir sollten das religiöse Bedürfnis von Menschen ernst nehmen und uns für ihre Bedürfnisse einsetzen. Wir sollten zeigen, dass eine unterschiedliche Auffassung über Gott und das Paradies nicht dazu führen muss, den anderen die Solidarität zu verweigern. Wir müssen für jene Leute kämpfen, die am meisten unter Not und Militärdiktaturen gelitten haben, egal ob und woran sie glauben. Erst dann wird es für einen großen Teil der Menschen in der Türkei eine ernsthafte Alternative geben. Richard Lederer ist österreichischer Marxist und Musiker.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Erdogans steigende Popularität – Deutsch-Türken: „Deutsche Medien Grund für Erdoğans Popularität“

Nicht wenige Beobachter politischer Entwicklungen in Deutschland und der Türkei diagnostizieren bereits seit Längerem, eine allgegenwärtige Dämonisierung Erdoğans und einseitiger Kampagnenjournalismus bewirkten eine Solidarisierung der Türken mit ihrem Präsidenten weit über die Anhängerschaft der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) hinaus.

Deutsch-Türken: „Deutsche Medien Grund für Erdoğans Popularität“

Korruptionsskandal
Südkoreas Ex-Präsidentin zu 24 Jahren Haft verurteilt

Seoul – Ein südkoreanisches Gericht hat die ehemalige Präsidentin Park Geun-hye zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt. Geun-hye wurde am Freitag in einem Urteil wegen mehrerer Korruptionsvorwürfe, Machtmissbrauch und Nötigung für schuldig befunden. Außerdem wurde sie mit einer Geldstrafe von 16 Millionen Dollar belegt. Park habe Unternehmen dazu gezwungen, Bestechungsgelder in Höhe von 77,4 Milliarden Won (etwa 59 Millionen Euro) zu spenden. Laut Gericht habe sich Park (66) mit einer Bekannten und einem ehemaligen Präsidentenhelfer zusammengeschlossen, um große Unternehmen – darunter auch Samsung – unter Druck zu setzen, an zwei Stiftungen zu spenden, die gegründet wurden, um ihre politischen Initiativen zu unterstützen. Die Staatsanwaltschaft hatte für Park eine Haftstrafe von 30 Jahren gefordert. Park befand sich seit über einem Jahr in Untersuchungshaft. Die Urteilsverkündung wurde live im südkoreanischen Fernsehen übertragen. (aj, ap)