Gastkommentar
Çelik: Wer entscheidet, ob ein Staat Atomwaffen besitzen darf?

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik In einer Zeit wachsender globaler Spannungen wird immer deutlicher: Die Welt hat ihren moralischen Kompass verloren. Die jüngsten israelischen Angriffe auf iranische Atomanlagen sind nicht bloß eine Eskalation im Nahostkonflikt, sondern Ausdruck einer Weltordnung, in der moralische Urteile zunehmend durch Machtinteressen ersetzt werden. Wer entscheidet, ob ein Staat Atomwaffen besitzen darf? Wer definiert, was Terrorismus ist? Und warum gelten dieselben Maßstäbe nicht für alle? Die Antworten auf diese Fragen offenbaren eine bittere Wahrheit: Es gibt keinen objektiven Schiedsrichter mehr, nur noch geopolitische Zweckmäßigkeit, strategische Narrative und selektive Moral. Israel rechtfertigt seine Angriffe mit der Bedrohung durch das iranische Atomprogramm, während der Iran auf sein Recht zur Selbstverteidigung pocht – unter Verweis auf das Schicksal anderer Staaten, die ohne nukleare Abschreckung dem westlichen Interventionismus zum Opfer fielen. Beide Seiten agieren nicht im luftleeren Raum, sondern in einem System, das von historischen Machtverhältnissen geprägt ist. Es ist der Westen – insbesondere die USA und ihre Verbündeten –, der entscheidet, wer Waffen haben darf, wer als Demokratie gilt, und wer sanktioniert oder bombardiert wird. Das Völkerrecht dient dabei weniger als normatives Fundament denn als flexibel interpretierbares Instrument, das dem geopolitischen Kalkül untergeordnet ist. Diese Dynamik ist kein Einzelfall, sondern Teil eines globalen Machtpuzzles, in dem Begriffe wie „Legitimität“, „Terrorismus“ oder „Freiheit“ stets relational verstanden werden – abhängig davon, wer spricht, wer betroffen ist und welche Interessen auf dem Spiel stehen. Bewegungen wie die Hisbollah gelten im westlichen Diskurs als terroristisch, während andere Akteure, die ebenfalls Gewalt gegen Zivilisten anwenden, in Schutz genommen oder gar unterstützt werden. Der Terrorismusbegriff ist zu einem politischen Stempel geworden, der nicht mehr Sicherheit garantiert, sondern Misstrauen sät – und letztlich die Glaubwürdigkeit internationaler Institutionen untergräbt. Der Nahe Osten wird in diesem Spiel zur Projektionsfläche globaler Machtkämpfe. Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran ist nicht nur ein Kampf zweier Nationalstaaten, sondern ein Stellvertreterkrieg, in dem regionale und internationale Interessen verschmelzen. Der Iran, vielfach isoliert, sanktioniert und durch verdeckte Operationen geschwächt, sieht sich in einem permanenten Belagerungszustand – und instrumentalisiert zugleich selbst Milizen und Konflikte in Syrien, Irak oder Jemen, um seinen regionalen Einfluss zu wahren. Israel wiederum agiert mit dem Rückenwind westlicher Rückendeckung und nutzt das Sicherheitsnarrativ als Legitimation für präventive Gewalt. Beide Staaten sind gleichzeitig Täter und Produkt eines Systems, das instabil bleiben muss, um für globale Akteure lenkbar zu bleiben. Doch nicht nur der Nahe Osten steht im Brennpunkt dieser zersplitterten Ordnung. Auch die Türkei verkörpert exemplarisch die Widersprüche einer Welt, in der Außen- und Innenpolitik untrennbar miteinander verwoben sind. Jahrzehntelang war die Türkei strategischer Partner des Westens – NATO-Mitglied, Grenzwächter, Brücke zwischen Orient und Okzident. Doch dieser geopolitische Nutzen ging einher mit einer tiefgreifenden inneren Zerreißprobe: Der kurdische Konflikt, die Armenierfrage, die Flüchtlingspolitik – all das sind Felder, auf denen externe Akteure gezielt Einfluss genommen haben. Westliche Staaten haben gleichzeitig auf Menschenrechte gepocht und autoritäre Strukturen gestützt, wenn es ihren Interessen diente. Während Politiker sich öffentlich distanzieren, laufen im Hintergrund diplomatische und sicherheitspolitische Kooperationen weiter – pragmatisch, strategisch, scheinheilig. Besonders perfide zeigt sich die globale Strategie der Einflussnahme in der modernen Flüchtlingspolitik. Was früher durch Förderung ethnischer oder religiöser Minderheiten betrieben wurde, wird heute durch die Steuerung von Migrationsbewegungen ersetzt. Flüchtlinge werden zu geopolitischen Spielfiguren: in ihren Herkunftsländern als Druckmittel, in Aufnahmeländern als gesellschaftlicher Sprengstoff. Das humanitäre Engagement des Westens dient dabei oft als Fassade für machtpolitische Kalküle. Instabile Regionen erzeugen Flucht, Flucht erzeugt Verunsicherung, und diese Verunsicherung wird wiederum genutzt, um innenpolitische Agenden zu rechtfertigen – vom Ausbau staatlicher Kontrollmechanismen bis zur ideologischen Mobilisierung gegen „die Anderen“. Auch Europa ist Teil dieses Spiels – aber nicht als souveräner Akteur, sondern als zögerlicher Spieler, der zwischen den Fronten steht. Trotz wirtschaftlicher Stärke und politischer Integration bleibt der Kontinent abhängig von amerikanischer Sicherheit, russischer Energie und chinesischen Märkten. Die Angst vor einer eigenständigen geopolitischen Rolle sitzt tief – getrieben von der Sorge vor ökonomischen Verwerfungen, politischer Instabilität oder militärischer Ohnmacht. Europas Identitätskrise ist dabei mehr als ein inneres Problem: Sie schwächt seine Handlungsfähigkeit in einer Welt, die zunehmend von klaren Interessen, nicht von universellen Werten bestimmt wird. Diese multipolare Welt – so oft beschworen – ist keine Ordnung im klassischen Sinn. Sie ist ein offenes Spielfeld, in dem jede Macht ihre Regeln selbst definiert. Russland stellt sich als Gegengewicht zum Westen dar, während es selbst imperiale Politik betreibt. China baut mit seinen „Belt and Road“-Projekten ein globales Netz ökonomischer Abhängigkeiten auf. Die USA wiederum versuchen, über alte Allianzen neue Ordnungen zu stabilisieren, und greifen dabei auf bewährte Instrumente wie Sanktionen, Regimewechsel und „Demokratieexport“ zurück. Doch alle diese Akteure verbindet eines: Sie nutzen moralische Narrative, um strategische Interessen zu verschleiern – und erzeugen so eine Welt, in der Vertrauen rar geworden ist. Denn Vertrauen ist längst kein politisches Kapital mehr. An seine Stelle ist Misstrauen getreten – zwischen Staaten, zwischen Gesellschaften, zwischen Regierungen und ihren Bevölkerungen. Die politische Psychologie unserer Zeit ist geprägt von Prävention statt Dialog, von Kontrolle statt Kooperation, von Eskalation statt Verständigung. Staaten rüsten auf, nicht um Kriege zu führen, sondern um in Ruhe gelassen zu werden. Diplomatie wird ersetzt durch Sanktionen, Narrative durch Schlagworte, Völker durch Zynismus. Am Ende bleibt eine Weltordnung ohne verlässliche Prinzipien – eine Ordnung, in der Macht über Recht steht, Interessen über Ideale, und in der der Großteil der Menschheit zum Spielball wird. Die Flüchtlinge, die Minderheiten, die oppositionellen Bewegungen, die zwischengeschalteten Staaten – sie alle werden Teil eines Spiels, dessen Ausgang längst nicht mehr in ihren Händen liegt. Was fehlt, ist nicht die nächste Konferenz, der nächste Vertrag oder das nächste Versprechen. Was fehlt, ist ein neues Verständnis von politischer Verantwortung – jenseits hegemonialer Selbstinszenierung, jenseits strategischer Doppelmoral, jenseits des zynischen Spiels mit Hoffnung.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor

Özgür Çelik studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Fachgebiete sind die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie zwischen der EU und der Türkei, türkische Politik, die türkische Migration und Diaspora in Deutschland

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– Gastbeitrag – Çelik: „Für die Türkei ist eine vollständige Abkehr von der NATO unrealistisch“

Zwischen Bündnistreue und strategischer Autonomie: Die Türkei, die NATO und die islamisch-nationalistische Positionierung

Çelik: „Für die Türkei ist eine vollständige Abkehr von der NATO unrealistisch“

Merz-Zitat
Friedrich Merz und das fatale Spiel mit der Sprache „Drecksarbeit für uns alle“

Ein Gastkommentar von Helene Milde Als CDU-Chef Friedrich Merz am Rande des G7-Gipfels in Kanada in ein ZDF-Mikrofon sprach, dürfte ihm die Wirkung seiner Worte bewusst gewesen sein. Und doch sagte er jenen Satz, der seither für massive Irritation sorgt:
Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht, für uns alle.“
Diese Aussage bezieht sich auf die israelischen Luftangriffe auf iranische Militär- und Atomanlagen, aber sie bedroht gleichzeitig die Zivilbevölkerung im Iran. Israel verteidigt diese als notwendig, um den Ausbau des iranischen Atomprogramms zu stoppen. Ein Programm, das von vielen als Bedrohung für die Region und darüber hinaus eingestuft wird. Merz’ Bezeichnung dieser Angriffe als „Drecksarbeit“ mag aus der Perspektive geostrategischer Interessen gemeint gewesen sein. Doch gerade in diesem scheinbaren Realismus offenbart sich ein gefährlicher moralischer Kurzschluss.
Die Problematik in einem Satz
Was Merz ausspricht, ist das, was viele sich vielleicht denken, aber niemand in dieser sprachlichen Brutalität öffentlich formulieren sollte: Dass westliche Demokratien ihre eigenen sicherheitspolitischen Interessen indirekt durch andere Nationen mit Waffengewalt verteidigen lassen. Und dass dabei eine politische und moralische Verantwortung bewusst ausgelagert wird. Denn wer von „Drecksarbeit“ spricht, akzeptiert nicht nur die Gewalt, sondern stellt sie als schmutzige, aber notwendige Pflicht dar. Zum Beispiel als Dienstleistung im Namen einer Gemeinschaft, die selbst lieber nicht direkt eingreift. Es ist ein Satz, der jede Debatte über Völkerrecht, zivile Opfer und diplomatische Alternativen in den Schatten stellt.
Applaus und Empörung
Unterstützung erhält Merz unter anderem vom israelischen Botschafter Ron Prosor, der erklärte, Israel bezahle „den Preis“, um „die Welt vor den Ayatollahs zu schützen“. Auch konservative Stimmen in Deutschland lobten die „Klarheit“ der Aussage. Doch Klartext ist nicht gleich Klugheit. Kritik kam unter anderem von Grünen und Linken, die den Satz als „zynisch“ und „völkerrechtlich brandgefährlich“ einstuften. Der Linken-Politiker Sören Pellmann sprach von einem „Schulterschluss mit einem militärischen Angriffskrieg“. Und selbst innerhalb der SPD rumorte es: So betonte Lars Klingbeil, man müsse militärische Gewalt stets mit Maß und Verantwortung diskutieren und nicht mit zynischen Floskeln.
Verantwortung beginnt bei der Sprache
Der Satz von Merz ist mehr als ein Ausrutscher. Er steht symptomatisch für eine gefährliche Entwicklung in der politischen Kommunikation. Für die Bereitschaft, komplexe moralische Dilemmata mit schlichten Bildern zu übertünchen. Für die Tendenz, schwierige Entscheidungen als alternativlos und vor allem als „notwendige Härte“ zu rechtfertigen. Doch gerade wenn es um Krieg und Frieden, um Leben und Tod geht, dürfen Worte nicht gedankenlos sein. Sie formen Narrative, beeinflussen öffentliche Debatten und legitimieren Handlungen. Wenn Deutschland in außenpolitischen Krisen als Vermittler, als Hüter des Völkerrechts und der Diplomatie auftreten will, dann darf es nicht dulden, dass seine Spitzenpolitiker Gewalt als „Dienstleistung für uns alle“ preisen.
Internationale Reaktionen
Israels Botschafter Ron Prosor stärkte Merz den Rücken und betonte, dass Israel „den Preis bezahle, um die Welt vor den Ayatollahs zu schützen“. Er lobte die deutsche Haltung als Zeichen europäischer Führungsverantwortung und verwies auf das gemeinsame Interesse, den Iran am Bau einer Atombombe zu hindern. Unterdessen telefonierte Merz mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Laut Regierungskreisen habe er in dem Gespräch nicht nur Unterstützung für Israels Sicherheitsinteressen bekundet, sondern auch zur Mäßigung aufgerufen. Deutschland strebe diplomatische Gespräche mit dem Iran in Genf an, um eine zivile Nutzung der Atomenergie im Rahmen internationaler Kontrolle zu sichern.
Innenpolitische Spannungen
Die Grünen forderten Sondersitzungen des Bundestages zu den Ereignissen – insbesondere zu Deutschlands Rolle in der internationalen Abstimmung. Die Forderung blieb bislang ohne Mehrheit, wird jedoch von Teilen der SPD unterstützt. Kritiker werfen Merz weiterhin vor, durch seine Wortwahl außenpolitisches Porzellan zu zerschlagen und sich von völkerrechtlichen Grundsätzen zu entfernen. Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch eine Strafanzeige, die unter anderem von Diether Dehm und Dieter Hallervorden eingereicht wurde. Sie werfen Merz vor, mit seiner Aussage gegen das Friedensgebot des Grundgesetzes zu verstoßen. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob ein Anfangsverdacht besteht.
Polarisierung in der Öffentlichkeit
Während konservative Leitmedien Merz für seine „ehrliche Sprache“ feiern, werfen ihm Kommentatoren aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft eine gefährliche Verrohung politischer Kommunikation vor. Die Diskussion hat sich damit längst von der konkreten Militäraktion hin zur Grundsatzfrage verschoben: Wie viel Pragmatismus verträgt eine wertegeleitete Außenpolitik?
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
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– Geschichte – Palästina: Anschläge jüdischer Terrorgruppen Irgun und Haganah

Die eskalierende Gewalt des Bürgerkriegs 1947-1948 im Mandatsgebiet Palästina war geprägt von brutalen Angriffen, die den jüdischen paramilitärischen Organisationen Irgun und Haganah zugeschrieben werden

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Israel-Iran-Konflikt
Thomas: „Langsam gehen Israel die Abwehrraketen aus“

Ein Gastkommentar von Michael Thomas

Schon bizarr irgendwie. Dem Iran hört niemand zu. Teheran hatte bei dem Schlagabtausch vor einigen Monaten angekündigt und damit gedroht, dass Israel bei einem ernstgemeinten Angriff ein Armageddon erleben würde. Es hatte niemanden so wirklich interessiert.

Sie haben sich im Gegenteil sogar lustig über die paar überzähligen und veralteten Raketen gemacht, deren Start der Iran zu allem Überfluss auch noch vorher angekündigt hatte, damit durch sie bloß nicht zuviel in Israel passiert. Und jetzt regnen modernste Raketensalven auf Israel nieder und verursachen Verwüstungen.

Ob man jetzt vielleicht doch mal zuhört? Der Iran hat nach eigener Aussage noch weitere, stärkere Überraschungen auf Lager – und schon jetzt brennen Tel Aviv, Haifa und weitere Orte. Wenn die USA tatsächlich aktiv mit Luftschlägen und Bombardierungen Teherans eintreten, dann nicht etwa, um ein „Atomprogramm“ zu stoppen, sondern nur, um Israel vor der Vernichtung zu bewahren. Diverse, iranische Atomanlagen werden sowieso gar nicht angegriffen. Denn Wladimir Putin hat mehrere hundert russische Arbeiter und Wissenschaftler in den Iran gebracht, die die mit russischer Hilfe errichteten Anlagen „betreuen“, also in Wirklichkeit als lebende Schutzschilde beschützen. Putin hat die Garantie Israels und der USA, dass in diesen Anlagen kein Schräubchen durch sie verbogen wird. Trump sitzt in der Klemme. Er hat das iranische Versprechen einer Kriegführung bis zum bitteren Ende auf dem Tisch. Daneben stapeln sich die Klagen aus seinen eigenen Reihen (!) gegen eine aktive Kriegsbeteiligung und vor ihm steht ein flennender Netanyahu, der sich völlig verrechnet hat und seine Städte brennen sieht. Wie auch immer das Großmaul entscheidet, wird er Fehler machen – denn wenn er auch nur einem Russen ein Härchen krümmt, dürfte Israel oder der Iran sein geringstes Problem sein. Schießt er aber „nur“ auf Teheran, werden Hunderte oder Tausende seiner Soldaten in Leichensäcken heimkehren. Schießt er gar nicht, hat es mal ein Israel gegeben. Tragisch. Hätte man Iran einmal nur zugehört, gäbe es diese Lage nicht. Israel hat seine Grenzen geschlossen, keiner kommt mehr raus. Sie würden alle gehen und an jeder Tür hinge ein Schild „Niemand mehr da!“. Vielleicht wäre es doch mal an der Zeit, Iran durch ernsthafte Gespräche und Verhandlungen dazu zu bringen, seine derzeit noch zirückgehaltenen „Überraschungen“ ungenutzt im Arsenal zu behalten … denn langsam gehen Israel die Abwehrraketen aus. Auch die schadhaften darunter übrigens, die selbst in israelische Städte einschlugen. Ohne die USA, die noch immer nicht wissen, was sie nun tun oder lassen sollten, wird Israel fallen. Soviel zeichnet sich ab.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

Gastkommentar
Ein Krieg ohne Kompass – Israel, Iran und die Welt, die schweigt

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik

Wieder ist es Israel, wieder ist es Netanjahu. In der Nacht zum Freitag hat die israelische Armee dutzende Ziele im Iran bombardiert – darunter die zentrale Urananreicherungsanlage in Natanz. Hochrangige Militärs und führende Wissenschaftler wurden gezielt getötet, darunter der Kommandeur der Revolutionsgarden sowie zentrale Köpfe des iranischen Atomprogramms.

Der Angriff gilt als die schwerste Militäraktion gegen Iran seit dem Krieg der 1980er-Jahre. Er kommt nicht überraschend. Die Welt wusste, was kommen würde – durch Eskalationsstufen, durch Resolutionen der IAEA, durch wortreiche Drohungen. Und dennoch: Sie sieht zu. Und schweigt.

Generalstabschef Ejal Zamir erklärte den Zeitpunkt für gekommen, weil Israel sich an einem „Punkt ohne Wiederkehr“ befinde. Das iranische Atomprogramm stelle eine existenzielle Bedrohung dar, Iran verfüge laut israelischen Geheimdienstquellen über genug angereichertes Uran für mehrere Atombomben.

Premierminister Benjamin Netanjahu sprach von einer „gezielten Militäroperation“, um das „Herz des iranischen Nuklearprogramms“ zu zerstören. Auch die Atomanlage Natans sowie Raketeninfrastruktur wurden getroffen. Israel ruft den Ausnahmezustand aus, erwartet Vergeltung. Die Revolutionsgarden drohen mit einem „hohen Preis“ für Israel. Die Region steht vor einem Flächenbrand.

Doch dieser Angriff steht nicht isoliert. Er ist eingebettet in eine Dynamik, die sich seit Monaten zuspitzt. Es ist dieselbe Welt, die schweigend zusieht, wie Gaza zerbombt wird, wie zivile Infrastruktur systematisch zerstört wird, wie ein Krieg geführt wird, der längst jede moralische Navigation verloren hat. Und nun trägt Israel dieses Feuer weiter – in ein Land, das zweifellos selbst von Diktatur und Repression geprägt ist, aber längst auch Teil eines globalen machtpolitischen Spiels geworden ist, in dem nicht Raketenanlagen, sondern zivile Stabilität der Preis ist.

Während Israel erklärt, es habe das „Herz der iranischen Kernwaffenanreicherung“ getroffen, drängt sich der Eindruck auf, dass es längst um mehr geht als um Verteidigung. Es geht um Vorherrschaft. Um strategische Dominanz. Um innenpolitischen Machterhalt in Jerusalem. Netanjahu, seit Monaten unter innenpolitischem Druck, scheint erneut den außenpolitischen Befreiungsschlag zu suchen – wie so oft in seiner Karriere.

Nur: Dieser Schlag hat keine klaren Grenzen mehr. Er geht durch Gaza, rollt über Teheran hinweg – und könnte morgen Beirut, Damaskus oder Ankara treffen. Wer wird als Nächstes zur „präventiven Bedrohung“ erklärt?

Die USA betonen, nicht in die Angriffe involviert gewesen zu sein. Doch Netanjahu ist nicht der Premierminister eines unbedeutenden Kleinstaats. Wäre er Regierungschef eines anderen Landes – sagen wir Paraguay oder Pakistan – und würde unter dem Vorwand nationaler Sicherheit gezielte Tötungen, Bombardierungen, Destabilisierung ganzer Regionen verantworten: Wie sähe die Reaktion des Westens aus? Sanktionen? UN-Resolutionen? Militärische Konsequenzen? Oder wenigstens diplomatischer Druck?

Stattdessen herrscht Schweigen. Und mit diesem Schweigen wächst die Doppelmoral. Netanjahu profitiert von einem Schutzschild, das nicht aus moralischer Legitimation besteht, sondern aus strategischen Allianzen und historischen Bündnissen. Internationale Institutionen wie die IAEA wirken wie Statisten, ihre Warnungen wie stumme Mahnungen, übertönt vom Dröhnen israelischer Drohnen und dem Donner von Raketen.

Die Wahrheit ist unbequem. Der Angriff Israels, legitimiert mit der Bedrohung durch ein potenziell nuklear bewaffnetes Regime in Teheran, könnte am Ende genau das zerstören, was er zu schützen vorgibt: internationale Stabilität, multilaterale Ordnung, Glaubwürdigkeit des Völkerrechts. Was, wenn ein anderes Land beginnt, unter Berufung auf „Selbstverteidigung“ präventive Angriffe durchzuführen? Würde man das ebenfalls dulden?

Netanjahu führt einen Krieg, der nicht mehr im Namen des Friedens geführt wird. Und die Welt? Sie sieht zu. Noch.


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Zum Autor

Özgür Çelik studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Fachgebiete sind die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie zwischen der EU und der Türkei, türkische Politik, die türkische Migration und Diaspora in Deutschland
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– Israel – Israelischer Ex-Nationalstürmer Berkovic: Im Finale gegen die Türkei

In einer Livesendung auf dem israelischen Fernsehsender Channel 13 sorgte der ehemalige Nationalspieler und TV-Moderator Eyal Berkovic für Aufregung.

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Digitaler Ausweis
EU Digital Identity Wallet: Was sich ab 2026 für Bürger ändert

Ab 2026 soll eine neue App das digitale Identitätsmanagement in Europa grundlegend verändern. Die sogenannte EU Digital Identity Wallet (EUDI) bringt neue Chancen, aber auch wichtige Fragen rund um Datenschutz und digitale Selbstbestimmung.

Ein digitaler Ausweis für ganz Europa

Die Europäische Kommission treibt mit der Einführung der EU Digital Identity Wallet eine ihrer ambitioniertesten Digitalstrategien voran. Ziel ist es, einen einheitlichen Standard für digitale Identitäten in allen Mitgliedstaaten zu schaffen – sicher, benutzerfreundlich und grenzüberschreitend einsetzbar. Mit der Wallet sollen sich Bürgerinnen und Bürger künftig europaweit in digitalen Räumen ausweisen können. Die App soll persönliche Nachweise wie Namen, Geburtsdaten, Steuer-IDs, Führerscheine oder Bildungsabschlüsse digital und sicher speichern und den Nutzerinnen und Nutzern volle Kontrolle darüber geben, welche Daten sie wann und mit wem teilen. Sei es beim Online-Shopping, bei Behördengängen oder auch bei Unterhaltungsangeboten wie dem Spielen in Online Casinos, die Wallet soll die Prozesse erleichtern. Aber gerade für Glücksspieler bringt die neue digitale Identitätslösung nicht nur Vorteile, es entstehen auch neue Fragen zum Thema Datenschutz und Selbstbestimmung. Viele von ihnen wollen nämlich eh schon mehr Anonymität und Freiheit, weshalb sie oft auf Seiten ausweichen, bei denen kein Verifizieren von persönlichen Daten nötig ist.

Mehr Komfort – aber auch mehr Verantwortung

Was zunächst wie eine Erleichterung klingt, wirft auch grundlegende Fragen auf. Denn mit der wachsenden Bedeutung einer einzigen App für eine Vielzahl sensibler Daten steigt auch das Risiko potenziellen Missbrauchs. Wer garantiert, dass alle Beteiligten, ob Behörden, Dienstleister oder private Unternehmen, tatsächlich nur auf die jeweils erforderlichen Informationen zugreifen? Genau hier setzt das Konzept der Self-Sovereign Identity (SSI) an: Die Kontrolle über die eigenen Daten soll vollständig bei den Nutzerinnen und Nutzern liegen. Die Wallet basiert auf der eIDAS 2.0-Verordnung, deren technischer Rahmen Anfang 2024 festgelegt wurde. Die Architektur ist dezentral gedacht, biometrische Verfahren sollen die Sicherheit erhöhen. Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) soll die Lösung ein hohes Maß an Datensicherheit bei gleichzeitig größtmöglicher Nutzerkontrolle ermöglichen. Dennoch bleibt Skepsis. Die europäische Datenschutzorganisation NOYB warnte im Frühjahr 2025 vor der Gefahr einer schleichenden Zentralisierung sensibler Informationen, auch wenn technisch dezentrale Lösungen genutzt werden.

Vertrauen in digitale Identität noch nicht selbstverständlich

Ein Blick auf aktuelle Umfragen zeigt: Viele Menschen stehen dem Konzept der digitalen Identität mit gemischten Gefühlen gegenüber. Laut Digital Economy and Society Index (DESI) geben 2024 rund 32 Prozent der Deutschen an, besonders sensibel im Umgang mit personenbezogenen Daten im Internet zu sein, ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Besonders technikaffine Nutzergruppen suchen bereits jetzt gezielt nach Alternativen, um ihre Privatsphäre zu schützen. Das betrifft nicht nur Bereiche wie Online-Banking oder Gesundheitsanwendungen, sondern auch alltägliche Services, bei denen bisher keine Verifizierungspflicht besteht. Prepaid-Zahlungsmethoden, datensparsame Apps oder Open-Source-Lösungen spielen hier eine zunehmend wichtige Rolle.

Alternative Wege zur digitalen Selbstbestimmung

Der Wunsch nach digitaler Identität geht oft Hand in Hand mit einem hohen Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Während die Wallet eine standardisierte Lösung für ganz Europa schaffen soll, gibt es auch Stimmen, die individuelle oder technisch unabhängige Wege bevorzugen. Technologien wie dezentrale Identitätslösungen auf Blockchain-Basis, sogenannte Zero-Knowledge-Proofs oder auch klassische Offline-Verfahren gewinnen in bestimmten Kontexten an Bedeutung. Diese ermöglichen den Nachweis bestimmter Merkmale – etwa der Volljährigkeit – ohne dass dabei vollständige persönliche Daten offengelegt werden müssen. Gerade in Bereichen, in denen keine gesetzliche Pflicht zur Verifikation besteht, kann dies ein gangbarer Weg sein. Wichtig bleibt jedoch: Auch alternative Systeme müssen hohen Sicherheitsstandards genügen und transparent über ihre Funktionsweise informieren.

Ein Ausblick auf die Umsetzung in Deutschland

Die Einführung der EU Digital Identity Wallet ist für 2026 geplant, doch schon heute stellt sich die Frage, wie nationale Behörden und Dienstleister die Umsetzung gestalten. In Deutschland ist das Bundesinnenministerium gemeinsam mit dem BSI für die Integration verantwortlich. Erste Pilotprojekte laufen bereits, unter anderem in Kooperation mit der Bundesdruckerei und verschiedenen Krankenkassen. Die Wallet wird langfristig nicht nur den digitalen Alltag verändern, sondern auch neue Standards für Vertrauen und Transparenz im Netz setzen. Damit das gelingt, braucht es klare Leitplanken, verständliche Kommunikation, und die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich aktiv mit ihrer digitalen Identität auseinanderzusetzen. Die Vision der EU Digital Identity Wallet ist ehrgeizig: ein digitaler Ausweis für alle Lebenslagen, europaweit einsetzbar und dabei sicher, schnell und datensparsam. Sie kann Verwaltungsvorgänge vereinfachen, Bürokratie abbauen und den Zugang zu digitalen Services vereinheitlichen. Doch sie bringt auch Verantwortung mit sich, und zwar sowohl für Regierungen und Anbieter als auch für jede und jeden Einzelnen in der Europäischen Union. Die Frage, wie viel Kontrolle wir über unsere eigenen Daten behalten wollen, wird dabei zur gesellschaftlichen Kernfrage und ist einer der Punkte, an denen sich die Gemüter trennen. Ob man künftig mit einem Fingerabdruck Verträge unterzeichnet, Gesundheitsdaten digital weiterleitet oder sich bewusst für datensparsame Alternativen entscheidet, die Entscheidung für oder gegen bestimmte Systeme sollte immer informiert, freiwillig und nachvollziehbar sein, und zwar für jede Bürgerin und jeden Bürger. Denn digitale Identität ist mehr als nur Technik, sie betrifft unser Vertrauen in die digitale Welt.
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– Türkei – Ausländische Unternehmer: Türkei startet TechVisa-Programm

In der Türkei wurde ein neues Visaprogramm vorgestellt, das die Arbeitserlaubnis für ausländische Fachkräfte und Unternehmer mit spezialisiertem Fachwissen vereinfachen soll

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NEX24-Interview
Buchvorstellung: „Die Braut aus dem Osmanischen Reich – Teil 2

Mit dem zweiten Teil ihres historischen Romans „Die Braut aus dem Osmanischen Reich“ mit dem Untertitel „Ein Frauenleben in der jungen Republik Türkei“ (1923 – 1954) legt Autorin Marina Bütün die Fortsetzung einer bewegenden historischen Familiengeschichte vor, die teilweise auf wahren Begebenheiten beruht.

Exakt einen Monat nach Erscheinen des ersten Bandes ist nun die Fortsetzung am 12. Juni 2025 erschienen – und vervollständigt das eindrucksvolle Porträt einer osmanisch-muslimischen Familie im Wandel der Zeit.

Im Mittelpunkt stehen erneut die Erinnerungen und wahren Erzählungen der türkischen Großmutter von Bütüns Ehemann. Diese persönliche Perspektive bildet den roten Faden der Geschichte und ermöglicht einen authentischen Rückblick auf eine Zeit, in der sich persönliche Schicksale und große historische Umbrüche untrennbar miteinander verbanden.

NEX24: Frau Bütün, im Mai erschien der erste Teil Ihres Familienromans „Die Braut aus dem Osmanischen Reich“, Untertitel: Unter der Obhut des Sultans, über die bewegte Zeit des Osmanischen Reiches zwischen 1908 und 1922. Was erwartet die Leser nun im zweiten Band?

BÜTÜN: Der zweite Teil beginnt im Mai 1923, mit dem ersten Monat des Bevölkerungsaustauschs zwischen Anatolien und Griechenland und führt die Leser erst nach Izmir, danach nach Ankara und im Anschluss nach Mimarsinan Köyü bei Kayseri. Es ist eine Zeit voller Unruhe, in der das Osmanische Reich zerfiel und die moderne Republik Türkei unter Mustafa Kemal Atatürk gegründet wurde.

Die Menschen erlebten tiefgreifende Reformen und gesellschaftliche Umbrüche – für die einen war es ein Aufbruch, für andere ein schmerzhafter Abschied, den ihre Familien heute noch nicht vergessen haben.

Die Geschichte führt über den Tod Atatürks hinaus bis zur Amtsübernahme durch seinen Nachfolger İsmet İnönü. Die Leser begleiten eine junge Frau und ihre Familie, die im Jahr 1922 selbst aus dem osmanischen Saloniki, noch vor dem offiziellen Bevölkerungsaustausch, geflüchtet ist, bis ins Jahr 1954 und erhalten einen kurzen, aber realitätsnahen Ausblick auf das weitere Schicksal ihrer Nachkommen bis in unsere Zeit.

NEX24: Schon bei der Vorstellung von Teil 1 Ihres Romans wurde deutlich, wie lange Sie mit dem Gedanken gespielt haben, ein Buch über die Großmutter Ihres Mannes zu schreiben, die Sie selbst noch in den 1990er Jahren in Ankara kennengelernt haben. Dann entschieden Sie sich erst nach über 30 Jahren, diese fragmentarischen Erzählungen in historische Ereignisse von damals einzubinden. Können sich die Leser auch im zweiten Teil des Romans auf viele interessante private Details ab 1923 freuen?

BÜTÜN: Ja, auf jeden Fall. Auch im zweiten Teil steht das persönliche Erleben im Vordergrund – eingebettet in die große Umbruchszeit nach dem Ende des Osmanischen Reichs. Mein Ziel war es, diese Atmosphäre greifbar zu machen, ohne ein trockenes Geschichtsbuch zu schreiben. Es ging um tiefgreifende Veränderungen: neue Gesetze, neue Kleidung, neue Namen. Vieles empfanden die Menschen als Bruch mit ihrer bisherigen Welt.

Wichtige historische Ereignisse wie der Vertrag von Lausanne werden erklärt, aber immer aus der Perspektive der betroffenen Menschen. Eine Zeitleiste im Buch hilft bei der Einordnung – gerade weil es bis heute viele widersprüchliche Behauptungen gibt.

Mir war wichtig, beide Seiten der damaligen Konflikte zu zeigen, ohne zu werten – denn auch heute sind die Debatten über Atatürk und die Republik oft sehr emotional. Es geht mir nicht um historische Figuren, sondern um das Leben einfacher Menschen.

Im Mittelpunkt steht erneut die Geschichte einer jungen Frau, deren Familie eine schicksalhafte Begegnung mit Mustafa Kemal Pascha hatte – der später Atatürk wurde. Ihre Lebensrealität bildet das Herzstück der Erzählung.

NEX24: Der erste Band endete kurz vor der Gründung der Republik Türkei im Jahr 1923 – ein historischer Wendepunkt. Im zweiten Band verlagern sich die familiären Gesprächsszenen nach dem Bevölkerungsaustausch im Mai 1923 von Saloniki nach Anatolien, insbesondere nach Ankara, das zur neuen Hauptstadt wurde.

Die alte Heimat ist plötzlich ein anderer Staat. Die Menschen mussten sich im griechisch gewordenen Teil des Reiches zwingend entscheiden – bleiben und sich einer völlig neuen, christlichen Lebensweise anpassen oder gehen und in einem fremden Teil des früheren Reiches neu anfangen. Das wird im ersten Teil deutlich. Hörten die Probleme dieser Menschen mit der Übersiedelung nach Anatolien auf?

BÜTÜN: Nein! Für viele der Untertanen aus dem Osmanischen Reich waren die vielen Umstellungen sehr dramatisch – von der neuen Staatsform über den Kalender bis hin zur Einführung einer neuen Schrift, vor allem für die älteren Menschen, die nichts anderes als ihr altes Leben kannten und es aufgeben mussten.

Auch konservative Menschen, die auf den Dörfern in Anatolien aufwuchsen, betraf das genauso wie diejenigen, die vom Bevölkerungsaustausch betroffen waren. Während die einen alles bejubelten, empfanden andere dies als Verlust ihrer Identität. Auch die Großmutter meines Mannes, obwohl noch jung, konnte nach der Gründung der Republik bis zu ihrem Ende nur Arabisch schreiben und lesen.

NEX24: Sie sagen also, dass man sich heute kaum vorstellen kann, was die Menschen damals seelisch durchgemacht haben?

BÜTÜN: Ganz genau. Wir, die in Europa oder der Türkei seit Jahrzehnten in Frieden leben, können das Erlebte früherer Generationen nicht wirklich nachvollziehen – weder psychisch noch physisch. Auch Nachkommen dieser Familien kennen nur Erzählungen, nicht aber die tiefen, persönlichen Empfindungen der Betroffenen.

Unsere Generation ist an Sicherheit, Fortschritt und ständigen Informationsfluss gewöhnt. Selbst die heute tragischen Flüchtlingsschicksale berühren uns oft nur aus der Distanz – durch Nachrichten oder Bilder. Doch Zusehen ist nicht dasselbe wie Erleben.

Damals gab es keine Smartphones, keine sozialen Netzwerke, keine Möglichkeit, Verwandte einfach zu erreichen. Wer unterwegs war, konnte oft über Wochen nichts von seinen Liebsten hören. Auch Menschen mit Festnetztelefon und Briefverkehr vor der digitalen Ära fühlten sich im Alltag sicher – ganz im Gegensatz zu denen, die sich einst auf der Flucht befanden.

Die Realität jener Zeit war geprägt von Entwurzelung, Verlust und totaler Orientierungslosigkeit – seelisch wie körperlich. Das können wir heute kaum mehr wirklich nachempfinden.

NEX24: Was ist Ihr ganz persönliches Anliegen bei der Veröffentlichung der beiden Bücher?

BÜTÜN: Wie bereits im ersten Band möchte ich auch im Teil 2 auf keinen Fall dadurch eine politische Position beziehen, sondern die Geschichte einer Familie erzählen, die zufällig zu einer schweren Zeit von großen weltweiten Umwälzungen lebte.

Das möchte ich hier noch einmal ausdrücklich betonen. Es gibt im Internetzeitalter natürlich viele Informationen, allerdings immer nur Fragmente, die so gekürzt sind, dass sie jeder in fünf Minuten lesen kann – doch das reicht nicht aus, um alle Zusammenhänge zu verstehen – wenn man es wirklich will. Ich behaupte, es gibt nur noch ganz wenige Generationen, die gerne Bücher lesen.

Im Band 1, zwischen 1908 und 1922, also von der zweiten osmanischen Verfassungsperiode bis zur Gründung der Republik Türkei, war das Osmanische Reich fast durchgehend in militärische Konflikte verwickelt. In diesen 14 Jahren fanden mehrere große Kriege und zahlreiche kleinere militärische Auseinandersetzungen statt.

Wer von uns kann sich das heute noch vorstellen, wie es wirklich war und was die Menschen durchmachten? Ich behaupte, niemand und vor allem nicht, wenn man nur kleine Zehnzeiler in Social Media liest.

Im Band 2 geht es mit inneren Aufständen Anatoliens weiter, mit großen Veränderungen bezüglich der Gründung neuer Staaten nach dem Ersten Weltkrieg, der Rolle der Briten in diesem Schachspiel der Mächte – Ereignisse, die so umfangreich sind, dass ich sie nur streifen konnte und die jeder gehört hat, aber immer aus der Sicht des eigenen Staates.

Mein größter Wunsch ist es, dass sich die Leser auf Grundlage der belegten historischen Fakten und familiären Dialoge selbst eine Meinung bilden und vielleicht konnte ich das Interesse an dieser historischen Zeit des weltweiten Umbruchs bei einigen wecken.

Ich habe bewusst auf neutrale Darstellung geachtet – beide Seiten sollen zu Wort kommen. Es geht nicht darum, jemanden zu überzeugen, sondern darum, ein differenziertes Bild zu vermitteln. Deshalb habe ich mich an gut belegte Quellen gehalten, die im Anhang des Buches auch dokumentiert sind, natürlich auch unsere familiären Quellen über die privaten Erlebnisse.

Im Zentrum steht das bewegte Leben einer Muslima: der Großmutter meines Mannes. Nach ihrer Hochzeit in Ankara erlebte sie zahlreiche Schicksalsschläge – darunter ein besonders tragisches Ereignis mit unerwartetem Ausgang, welches die Familie heute noch auf ganz besondere Weise prägt.

Abschließend möchte ich zur gestellten Frage noch ergänzend erwähnen:

Ich schreibe ausschließlich über Themen, die mich persönlich berühren oder interessieren – ganz spontan und nur dann, wenn die Zeit dafür reif ist. So war es auch bei den beiden Bänden von Die Braut aus dem Osmanischen Reich“: Es war ein innerer Impuls, der mich dazu gebracht hat, diese Geschichte festzuhalten. Und es machte mir so große Freude, es aufzuschreiben, dass ich fast enttäuscht war, als ich den zweiten Teil beendet hatte. Ich bin täglich beim Schreiben so tief in die Geschichte „eingetaucht“ – es lässt mich auch jetzt noch nicht los.

Mein Antrieb ist immer das Bedürfnis, Wissen, Erfahrungen und Geschichten mit anderen zu teilen – sei es, weil jemand daraus etwas mitnehmen kann oder weil es einfach Freude macht, ein unterhaltsames Buch zu lesen.

Das gilt auch für meine Auswanderer-Tagebücher Weißwurst mit türkischem Tee in drei Bänden, die ebenfalls einen sehr persönlichen Bezug haben. Vielleicht kann der eine oder andere Leser von meinen Erfahrungen profitieren.

Den Ratgeber Auswandern Türkei habe ich erst 18 Jahre nach meiner eigenen Auswanderung geschrieben – als Reaktion auf die zahlreichen Anfragen, die mich über meinen Blog und über Facebook erreichten. Immer wieder wurden mir dieselben Fragen gestellt.

Gleichzeitig war ich beruflich stark eingespannt, da ich 17 Jahre lang gemeinsam mit meinem Mann unsere Firma geführt habe. Aus dieser praktischen Erfahrung heraus entstand später auch der Ratgeber Türkei-Immobilien, in dem ich Tipps zum Bauen, Sanieren, Kaufen oder Mieten gebe. Jedes meiner Bücher hatte einen konkreten persönlichen Anlass, veröffentlicht zu werden – selbst das Orientalische Traumbuch oder das über Human Design.

Jedes Buch hat eine Vorgeschichte und einen triftigen Grund, es zu schreiben – andere Gründe gibt es nicht.

Gaza-Krieg
Hollywoodstar Javier Bardem wirft Israel Völkermord vor

New York – Der Oscar-prämierte Schauspieler Javier Bardem löste während eines Auftritts in der ABC-Sendung The View eine Kontroverse aus, als er Israel beschuldigte, im Gazastreifen einen „Völkermord“ zu begehen, woraufhin das Interview plötzlich unterbrochen und in eine Werbepause umgeschaltet wurde, was im Internet eine breite Debatte auslöste. Bardem, der für seine Rollen in No Country for Old Men und Dune bekannt ist, war in der Sendung, um seinen kommenden Film F1 zu bewerben. Das Gespräch nahm eine ernste Wendung, als die Moderatorin Ana Navarro den spanischen Schauspieler nach seinem Aktivismus fragte. Bardem sprach den anhaltenden Konflikt in Gaza an und äußerte seine tiefe Sorge über das, was er als humanitäre Krise bezeichnete. „Die Situation im Gaza-Streifen hat einen Punkt erreicht, an dem ich den Schmerz nicht mehr in Worte fassen kann, den ich zusammen mit vielen Millionen Menschen dort täglich erleide, wenn ich diese schrecklichen Bilder von ermordeten und verhungerten Kindern sehe“, sagte er unter Hinweis auf die blockierte humanitäre Hilfe und behauptete, dass Israels Vorgehen einen „Völkermord“ darstellt. Der Schauspieler berief sich auf Völkerrechtsexperten, Amnesty International und einige Holocaust-Überlebende, um seine Behauptung zu untermauern:
„Wenn Sie mich fragen, glaube ich, dass es sich um einen Völkermord handelt.“
Er kritisierte die „Straflosigkeit“ der israelischen Handlungen und verwies auf die militärische und wirtschaftliche Unterstützung der USA und das Schweigen Europas als Faktoren, die dazu beitragen. Als Bardem fortfuhr und die Notwendigkeit betonte, „die Menschlichkeit nicht zu verlieren“ und „die anzuprangern, die wir anprangern müssen“, begann die Playoff-Musik der Sendung zu spielen, und die Moderatorin Whoopi Goldberg versuchte, einen Zwischenruf zu machen. Die Sendung ging abrupt in eine Werbepause über und ließ die Zuschauer fassungslos zurück. Eine Quelle von „The View“ erklärte gegenüber Decider, dass die Unterbrechung aus Zeitgründen erfolgte, da der nächste Beitrag bereits aufgezeichnet war, und kein absichtlicher Versuch war, Bardem zu zensieren. Der plötzliche Wechsel löste jedoch Empörung in den sozialen Medien aus, da einige Zuschauer die Sendung beschuldigten, den Schauspieler zum Schweigen zu bringen. Bardems Äußerungen waren nicht auf die Talkshow beschränkt. Später am Abend bei der New Yorker Premiere von F1 bekräftigte er seine Haltung und trug eine Keffiyeh-Anstecknadel als Symbol der Solidarität mit Palästina. Im Gespräch mit Variety sagte er: „In der realen Welt in Gaza sterben Tausende von Kindern an Hunger, und es ist ein Völkermord, der vor unseren Augen in 4K stattfindet. Die amerikanische Unterstützung muss aufhören, Bomben zu finanzieren.“ Die Äußerungen des Schauspielers stehen im Einklang mit seiner Vergangenheit, in der er die Handlungen Israels lautstark kritisierte. Im Jahr 2014 unterzeichneten Bardem und seine Frau, die Schauspielerin Penélope Cruz, einen offenen Brief, in dem sie Israels Bombardierung des Gazastreifens während der Operation „Protective Edge“ verurteilten, was von einigen Seiten den Vorwurf des Antisemitismus nach sich zog. Bardem stellte damals klar, dass sich seine Kritik auf die Handlungen der Regierung und nicht auf das jüdische Volk bezog, und erklärte: „Jude zu sein ist nicht gleichbedeutend mit der Unterstützung dieses Massakers.“
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Israel
Israelischer Ex-Nationalstürmer Berkovic: Im Finale gegen die Türkei

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Von Helene Milde In einer Livesendung auf dem israelischen Fernsehsender Channel 13 sorgte der ehemalige Nationalspieler und TV-Moderator Eyal Berkovic für Aufregung. In einem satirisch gemeinten Vergleich erklärte er, Israel habe im „Viertelfinale“ die Hamas im Elfmeterschießen geschlagen, im „Halbfinale“ den Iran bezwungen und stehe nun „im Finale gegen die Türkei“.
TV-Kommentar aus Israel empört türkische Öffentlichkeit
Was als Witz gemeint war, wurde in türkischen Medien und sozialen Netzwerken keineswegs als harmlos aufgefasst. Vielmehr sehen viele darin eine versteckte Drohung, eine geschmacklose Provokation und eine beunruhigende Normalisierung militärischer Aggression als Unterhaltung.
Echte Konflikte werden zum Fußballspiel
Die Formulierung Berkovics wurde so übermittelt: „…im Viertelfinale gegen die Hamas Unentschieden gespielt und sie im Elfmeterschießen geschlagen. Im Halbfinale den Iran besiegt. Im Finale steht die Türkei.“ Berkovic ist in Israel längst als Medienfigur mit Hang zur Provokation bekannt. Dieses Mal allerdings traf sein Humor in der Türkei auf Unverständnis. Nutzer interpretieren seine Worte offen als Bedrohung. Ein aufschlussreicher Kommentar auf Twitter lautet: „Israeli journalist Eyal Berkovic hints that Israel may attack Türkiye next“ („Der israelische Journalist Eyal Berkovic deutet an, dass Israel als nächstes die Türkei angreifen könnte“)
Zwischen Medienrhetorik und politischer Wirklichkeit
Die symbolische Sprache, wie sie Berkovic verwendet, ist nicht neu. Doch in einem Klima zunehmender Spannungen in Nahost, mit andauernden Kriegen und diplomatischen Zerwürfnissen, wirken solche Aussagen mehr als nur geschmacklos. Sie verschieben die Wahrnehmung realer Konflikte und verpacken sie in ein Format, das Unterhaltung suggeriert. Dabei geht es nicht um eine Äußerung eines Regierungsvertreters. Berkovic ist weder Militär noch Diplomat. Dennoch han­deln öffentliche Persönlichkeiten, insbesondere in Massenmedien, häufig mit implizitem Einfluss: Sie prägen Stimmungen, verstärken Bilder und verlagern Diskurse. Wer Gewalt ins Spiel bringt, spielt mit der Eskalation. Satire hat Raum, doch wenn militärische Auseinandersetzungen als Sportereignisse dargestellt werden, ist die Fallhöhe enorm. Hier geht es nicht nur um Metaphern, sondern um reale Konflikte mit tausenden Opfern. Keine offizielle Reaktion, aber klare öffentliche Wahrnehmung Die türkische Regierung hat bisher nicht reagiert, möglicherweise weil es sich um eine private Meinungsäußerung handelt. Dennoch sind Berkovics Worte medial und gesellschaftlich zum Thema geworden. Sie wird Indikator für eine zunehmende militarisierte Rhetorik im öffentlichen Diskurs. Eyal Berkovics Vokabular ist weit mehr als ein unglücklicher Kalauer. Es zeigt, wie Sprache in Krisenzeiten zu einer Waffe werden kann. Gleichzeitig verdeutlicht er, wie leichtfertig Gewalt verharmlost wird, wenn sie als Unterhaltungstheater inszeniert wird. Seine Metapher, „Finale gegen die Türkei”, ist kein harmloser Gag. Sie ist ein bedenkliches Indiz dafür, wie Konflikte neu erzählt und emotional aufgeladen werden.

Geschichte
Palästina: Anschläge jüdischer Terrorgruppen Irgun und Haganah

Die eskalierende Gewalt des Bürgerkriegs 1947-1948 im palästinensischen Mandatsgebiet war geprägt von brutalen Angriffen, die den jüdischen paramilitärischen Organisationen Irgun und Haganah zugeschrieben werden, deren Aktionen damals eine Spur des Todes und der Verwüstung in den arabischen Gemeinden hinterlassen hatten. Am 1. Januar 1948 erschütterte eine Welle der Gewalt Palästina, als zwei getrennte Anschläge, die den jüdischen paramilitärischen Gruppen Irgun und Haganah zugeschrieben werden, Dutzende von palästinensischen Arabern das Leben kosteten und zu einer weiteren Verschärfung des Konflikts in der Anfangsphase des Bürgerkriegs 1947-1948 im Mandatsgebiet Palästina führten.
Haifa-Anschläge
Am 30. Dezember 1947 ereignete sich vor der in britischem Besitz befindlichen Ölraffinerie in Haifa ein grausamer Anschlag. Mitglieder der Irgun, einer zionistischen paramilitärischen Gruppe, die für ihre aggressive Taktik bekannt ist, warfen Granaten in eine Menge von etwa 100 arabischen Tagelöhnern, die sich auf der Suche nach Arbeit am Haupttor der Raffinerie versammelt hatten. Nach Augenzeugenberichten und lokalen Berichten wurden bei dem Angriff sechs Palästinenser getötet und 42 weitere verwundet. Die wahllose Art des Angriffs wurde weithin verurteilt, und viele bezeichneten ihn als einen Terrorakt, der die arabischen Gemeinschaften in Haifa destabilisieren sollte.
Massaker von Balad al-Shaykh
Am folgenden Tag, dem 31. Dezember 1947, war die Haganah, eine weitere jüdische paramilitärische Organisation, in einen zweiten tödlichen Angriff im Dorf Balad al-Shaykh in der Nähe von Haifa verwickelt. Bei dem sogenannten Massaker von Balad al-Shaykh griffen Haganah-Kämpfer das Dorf an und töteten zahlreiche palästinensische Einwohner. Auch wenn die genaue Zahl der Opfer noch nicht feststeht, wird davon ausgegangen, dass der Angriff viele Menschenleben gefordert hat. Berichte beschreiben ein Bild der Verwüstung, als Häuser angegriffen wurden und Zivilisten in die Gewalt gerieten. Der israelische Historiker Benny Morris schreibt: „Die Haganah überfiel in der Nacht vom 31. Dezember 1947 auf den 1. Januar 1948 die Dörfer Balad al Sheikh und Hawassa, in denen viele Arbeiter der Raffinerie lebten. Der Befehl der Überfallkommandos lautete, „möglichst viele erwachsene Männer zu töten“. Die Angreifer drangen in das Zentrum von Balad al Sheikh ein, feuerten und sprengten Häuser in die Luft, zogen erwachsene Männer heraus und erschossen sie. Nach Angaben des HGS waren „die eindringenden Einheiten … gezwungen, von der vereinbarten Linie abzuweichen und in einigen Fällen Frauen und Kinder zu treffen“, nachdem sie aus Häusern heraus beschossen worden waren. Die Haganah hatte zwei Tote und zwei Verletzte zu beklagen. In den Berichten der Haganah wird die Zahl der arabischen Opfer unterschiedlich angegeben: „etwa 70 Tote“, 21 Tote („darunter zwei Frauen und fünf Kinder“) und 41 Verletzte.“ Die Irgun, die für ihre Ablehnung der britischen Autorität und ihr Engagement für die Errichtung eines jüdischen Staates mit Gewalt bekannt war, hatte zunehmend arabische Zivilisten ins Visier genommen. Die Haganah, die sich oft als diszipliniertere Verteidigungseinheit präsentiert, war ebenfalls in den Kreislauf der Gewalt hineingezogen worden, wobei das Massaker von Balad al-Shaykh eine grausame Eskalation ihrer Operationen darstellte. Örtliche arabische Führer hatten die Angriffe als vorsätzliche Versuche verurteilt, palästinensische Gemeinden zu terrorisieren und zu vertreiben. „Dies sind keine isolierten Vorfälle, sondern Teil einer koordinierten Kampagne jüdischer Terrorgruppen wie der Irgun und der Haganah, um uns aus unseren Häusern zu vertreiben“, sagte ein Gemeindeleiter in Haifa, der aus Angst vor weiteren Repressalien um Anonymität bat.
Britische Soldaten häufig Ziel von Anschlägen
Auch Britische Soldaten waren häufig Ziel von Anschlägen und Entführungen, oft als Vergeltung für Todesurteile gegen Mitglieder von Irgun. Eine typische Aktion der Aufständischen war der Bombenanschlag auf den British Officers Club in Haifa, bei dem 30 Menschen getötet und verletzt wurden. Am 22. Juli 1946 sprengten Irgun-Kämpfer auch einen Flügel des King David Hotels in Jerusalem in die Luft und töteten über 90 Menschen, darunter viele Zivilisten. Am 31. März 1947 zündete die Irgun die Ölraffinerie in Haifa an und legt ein Feuer, das drei Wochen lang brannte. Im Mai griff sie das Gefängnis von Akkon an und befreite eine große Zahl von Häftlingen. Am 29. Juli entführte und erhängte die LHI (Lohamey Heruth Israel – Fighters for the Freedom of Israel) als Vergeltung für die Hinrichtung von drei ihrer Mitglieder zwei Unteroffiziere der britischen Armee. Die Leichen wurden mit einer Sprengfalle versehen, so dass der Offizier, der sie abschnitt, schwer verletzt wurde.

Israel-Iran-Konflikt
Israel bald unbewohnbar“: Iran ruft Israelis zu Flucht auf

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Teheran – In einer dramatischen Eskalation des andauernden Konflikts zwischen Iran und Israel haben die iranischen Streitkräfte am Sonntag eine abschreckende Warnung ausgesprochen und die Israelis aufgefordert, ihr Land zu evakuieren, da es in den kommenden Tagen „unbewohnbar“ werden könnte. Die Erklärung, die im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde, fiel mit einer Flut von Raketen- und Drohnenangriffen auf mehrere israelische Städte zusammen, darunter auch ein Angriff auf Einrichtungen von Rafael Advanced Defense Systems, einem wichtigen israelischen Rüstungsunternehmen. Der Konflikt hat bereits einen hohen Tribut gefordert. Unbestätigten Berichten zufolge, die auf X kursieren, haben die jüngsten Zusammenstöße zu erheblichen Opfern geführt. So soll es 600 Tote in Israel und 1.600 Tote im Iran gegeben haben, wobei diese Zahlen von offiziellen Quellen noch nicht bestätigt wurden. Der Iran hat auch die Verantwortung für Angriffe auf wichtige israelische Infrastrukturen übernommen, darunter ein angeblicher Angriff auf ein Kraftwerk in Haifa.
Bericht: Iranische Raketen treffen israelischen Waffenhersteller Rafael

Die Angriffe markieren eine deutliche Eskalation des andauernden Konflikts zwischen den beiden Staaten, der nun schon den dritten Tag intensiver Luftkämpfe umfasst.

Der Iran führte eine Reihe von Raketen- und Drohnenangriffen auf wichtige israelische Infrastruktureinrichtungen durch, darunter ein angeblicher Angriff auf die Fabrik Rafael Advanced Defense Systems und den internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. Die Angriffe markieren eine deutliche Eskalation des andauernden Konflikts zwischen den beiden Staaten, der nun schon den dritten Tag intensiver Luftkämpfe umfasst. Nach Angaben iranischer Staatsmedien und auf X kursierenden Beiträgen übernahm das iranische Militär die Verantwortung für einen direkten Treffer auf eine Anlage von Rafael, einem großen israelischen Rüstungsunternehmen, das für die Herstellung von Raketenabwehrsystemen wie der Eisernen Kuppel und fortschrittlicher Waffentechnik bekannt ist. Tasnim News, eine halboffizielle iranische Nachrichtenagentur, berichtete unter Berufung auf israelische Medien, dass der Angriff einen massiven Brand in der Rafael-Anlage ausgelöst habe, obwohl der genaue Ort – ob in Haifa oder in der Nähe von Tel Aviv – noch unbestätigt ist. In den sozialen Medien wurden sekundäre Explosionen beschrieben, die auf erhebliche Schäden hindeuten, aber die israelischen Behörden haben den Angriff auf Rafael nicht offiziell bestätigt. Gleichzeitig ließ der Iran eine Flut von ballistischen Raketen und Drohnen auf Tel Aviv los, von denen einige die hochentwickelte israelische Luftabwehr Iron Dome durchdrangen. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA behauptete, es habe zwar Explosionen auf dem Ben-Gurion-Flughafen gegeben, doch seien keine Start- und Landebahnen oder wichtige Einrichtungen beschädigt worden. Die israelische Flughafenbehörde bestätigte jedoch, dass der Luftraum vorübergehend geschlossen war und Flüge gestrichen wurden, wodurch Reisende festsaßen. Lokale Medien berichteten, dass der Flughafen am Montagmorgen seinen Betrieb in begrenztem Umfang wieder aufnahm, aber Fluggesellschaften wie Etihad Airways haben ihre Flüge nach Tel Aviv bis mindestens 22. Juni eingestellt. Die Angriffe am Sonntag folgten auf Israels „Operation Rising Lion“, eine Reihe von Luftangriffen, die am Freitag gegen iranische Nuklearanlagen, Militärbasen und Energieinfrastruktur gerichtet waren. Bei den iranischen Vergeltungsangriffen wurden in Israel mindestens 13 Menschen getötet, darunter auch Zivilisten in Bat Yam, einem Vorort südlich von Tel Aviv, wo ein Wohnhaus zerstört wurde, wobei sechs Menschen ums Leben kamen, darunter ein zehnjähriger Junge und ein neunjähriges Mädchen. Im Iran haben die israelischen Angriffe mindestens 224 Tote gefordert, wobei es in Teheran zu erheblichen Opfern unter der Zivilbevölkerung gekommen ist. US-Präsident Donald Trump äußerte auf dem Weg zu einem G7-Gipfel in Kanada die Hoffnung auf einen Waffenstillstand, lehnte es aber ab, zu bestätigen, ob er Israel aufgefordert hat, seine Angriffe einzustellen. Berichten zufolge hat Trump ein israelisches Ersuchen blockiert, den Obersten Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, zu töten. Anonyme Quellen sagten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Israelis hätten berichtet, dass sie die Möglichkeit hätten, Khamenei zu töten, aber Trump habe ihnen von diesem Plan abgeraten. „Haben die Iraner schon einen Amerikaner getötet? Nein. Solange das nicht der Fall ist, reden wir nicht einmal darüber, gegen die politische Führung vorzugehen“, sagte die Quellen, ein hoher Beamter der US-Regierung, gegenüber Reuters.