Eklat um Erdogan-Treffen
Nach Erdogan-Foto: Özil und Gündogan treffen Bundespräsident Steinmeier

Berlin (nex) – Um nach ihrem in Deutschland scharf kritisierten Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan „Missverständnisse aus dem Weg zu räumen“, besuchten die deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan am Samstag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Wie Steinmeier auf Facebook mitteilte, hätten die beiden Spieler den Wunsch geäußert, ihn zu besuchen. Es sei ihnen wichtig gewesen, entstandene Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. „Wir haben lange gesprochen, über Sport, aber auch über Politik“, so Steinmeier nach dem Treffen im Garten von Schloss Bellevue. Der deutsche Fußball habe beide Spieler groß gemacht. Ihre Geschichte spiegele wider, was der Bundespräsident in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit gesagt habe: „Heimat gibt es auch im Plural. Ein Mensch kann mehr als eine Heimat haben, und neue Heimat finden. Das hat die Bundesrepublik für Millionen von Menschen bewiesen und es hat uns bereichert“, so Steinmeier in seiner Mitteilung.  Genauso wichtig wie „der Respekt vor der Vielfalt unserer Wurzeln“, sei das Bekenntnis aller Bürgerinnen und Bürger zu unserem Land und seinen Werten. „Meine Familie stammt aus Dursunbey. Ich bin in Gelsenkirchen geboren. So wie die Heimat meiner Eltern auch ein Stück Heimat für mich ist, so ist Deutschland heute eindeutig mein Land und mein Team“, zitiert Steinmeier Ilkay Gündogan in der Mitteilung. Steinmeiers Antwort an die beiden Nationalspieler: „Und mit Deutschland werden Sie Weltmeister!“ Trikots für Erdogan Bei einem Treffen in London hatten Özil und Gündogan dem türkischen Präsidenten  Trikots ihrer Vereine überreicht. Deutsche Medien und Politiker warfen den Spielern daraufhin vor, Wahlkampf für Erdogan zu betreiben.
(Foto: TCCB)
Auch der DFB kritisierte das Treffen: Die Profis hätten sich für ein Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen, schrieb DFB-Präsident Grindel. „Der Integrationsarbeit des DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen“, so Grindel weiter. Gündogan äußerte sich in einer Stellungnahme:
Zusammen mit Mesut, Cenk und weiteren Sportlern haben wir gestern Abend eine Veranstaltung einer türkischen Stiftung in London besucht. Wir finden es gut, dass es eine Stiftung gibt, die türkische Studenten im Ausland fördert und Ihnen damit eine internationale Karriere ermöglicht. Wir haben den türkischen Staatspräsidenten am Rande der Veranstaltung getroffen. Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet. Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger – für die Geste der Höflichkeit entschieden. Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen. Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst. Fußball ist unser Leben und nicht die Politik.
         

Zeit nach Brexit
Türkei und Großbritannien wollen Gespräche für ein Freihandelsabkommen intensivieren

Ankara (nex) – Die Türkei und Großbritannien werden die Gespräche über das geplante bilaterale Freihandelsabkommen sehr bald intensivieren, so der britische Botschafter in der Türkei, Dominick Chilcott, gegenüber Medien. Das künftige Abkommen ziele darauf ab, Bedingungen zu schaffen, um das Niveau des bilateralen Handels zwischen den beiden Staaten zu erhöhen und werde nach dem bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU in Kraft treten. „Wir legen jetzt den Grundstein und haben eine Arbeitsgruppe für das geplante Abkommen geschaffen, die sich bereits zweimal getroffen hat. Ich denke, die Arbeit dieser Gruppe wird sich in der zweiten Hälfte dieses Jahres intensivieren“, sagte Chilcott auf einer Pressekonferenz am gestrigen Freitag. Begleitet von hochrangigen Regierungsvertretern stattete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in der vergangenen Woche London einen dreitägigen Staatsbesuch ab und traf dabei Königin Elisabeth II. und Premierministerin Theresa May. Chilcott bezeichnete die bilateralen Treffen als „erfolgreich und produktiv“ und im Einklang mit dem strategischen Charakter der Beziehungen zwischen Ankara und London. Das Vereinigte Königreich wird am 30. März 2019 aus der EU austreten, was beide Länder in Bezug auf ihre Beziehungen zu Kontinentaleuropa in eine recht ähnliche Lage bringen wird. Die Türkei und Großbritannien haben seit der Brexit-Entscheidung in einem Referendum im Jahr 2016 hochrangige politische Gespräche aufgenommen, in denen auch Möglichkeiten diskutiert wurden, die Auswirkungen von Brexit auf das bilaterale Handelsvolumen von 16 Milliarden Dollar zu minimieren. Ein irreversibler Prozess würde mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU in Gang gesetzt: „Was für die Türkei wichtig ist, ist die Tatsache, dass das Vereinigte Königreich unser zweitgrößter Partner bezüglich unserer Exporte innerhalb der EU und auf der ganzen Welt ist“, sagte der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci bei einem Besuch Großbritanniens im März vergangenen Jahres. Erhöhung des Handelsvolumens auf 20 Milliarden US-Dollar Wie Erdogan bei einem Besuch der britischen Premierministerin May im Januar letzten Jahres in Istanbul angekündigt hatte, planen London und Ankara, das Handelsvolumen  auf 20 Milliarden US-Dollar zu erhöhen.

Zum Thema

– Invest in Turkey – Forum – Jurgens: Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ankara und London geht es bestens

Rund um Recep Tayyip Erdogans dreitägigen Besuch in Großbritannien gab es eine Vielzahl von Veranstaltungen, die vor allem eines im Mittelpunkt hatten: die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ankara und London. Und denen geht es bestens! NEX24 hatte die Gelegenheit, bei zwei dieser Foren mit dabei zu sein, zu denen waren unter anderem Unternehmer, Rechtsexperten, Handelskammern, Finanzexperten und Ministeriumsvertreter aus beiden Ländern eingeladen waren.

Jurgens: Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ankara und London geht es bestens
   

Türkei
CHP-Kandidat Muharrem Ince droht mit Schließung von US-Luftwaffenstützpunkt Incirlik

CHP-Kandidat Ince droht den USA: Gülen oder İncirlik Von Thomas Bernhard Nach dem amtierenden türkischen Staatsprasidenten Recep Tayyip Erdoğan hat auch der Kanidat der oppositionellen CHP für das Präsidentenamt, Muharrem Ince, von den USA die Auslieferung von FETÖ-Führer Fetullah Gülen an die Türkei gefordert. Sollten die Vereinigten Staaten Gülen nicht noch in diesem Jahr ausliefern, will die CHP im Fall einer Regierungsbeteiligung den internationalen Teil des Luftwaffenstützpunkts im türkischen İncirlik schließen sowie die dort stationierten Soldaten der „United States Air Force“ zurückschicken. „Wenn ihr ihn nicht ausliefert, werden wir Incirlik schließen und die US-Soldaten zum 24. Dezember 2018 nach Hause schicken, so dass sie Weihnachten mit ihren Familien feiern können“, sagte der CHP-Kandidat am Mittwochabend in einem Interview mit dem US-Sender „Fox“. Der Luftwaffenstützpunkt Incirlik (İncirlik Hava Üssü) ist ein im Süden der Türkei in der Region Adana gelegener Militärstützpunkt im Eigentum der türkischen Luftstreitkräfte. Größter Nutzer ist aber seit der Errichtung die United States Air Force, die hier nach dem 11. September 2001 ihr wichtigstes Drehkreuz zur Versorgung der US-Streitkräfte im Irak und in Afghanistan eingerichtet hat. Der Führer der sogenannten Gülen-Bewegung (FETÖ) Fetullah Gülen und die Angehörigen der Organisation waren mutmaßlich an der Vorbereitung und Organisation sowie Durchführung des versuchten Militärputsches vom 15. Juli 2016 in der Türkei beteiligt. Der Putschversuch war seinerzeit von Millionen türkischen Bürgern und loyalen Sicherheitskräften verhindert worden. 249 Menschen, hauptsächlich Zivilisten, wurden von den Putschisten getötet, während mehr als 2.000 Menschen verletzt wurden. Gülen lebt seit März 1999 in den USA. Mehrfach hatte die türkische Justiz durchaus stichhaltige Beweise für die Verstrickung der FETÖ in die Vorbereitung und Durchführung des Putschversuchs, die zuvor erfolgte Unterwanderung bestimmter Teile der türkischen Staatsverwaltung und der Justiz sowie des Militärs der Türkei vorgelegt.

Auch interessant

– Fakenews – WikiLeaks-Gründer Assange verurteilt Falschmeldungen über Putschversuch in der Türkei

WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat am gestrigen Donnerstag darauf hingewiesen, dass die Falschmeldung über den vereitelten Putschversuch in der Türkei in den selbsternannten „Fake News Awards“ von US-Präsident Donald Trump hätten erwähnt werden sollen.

WikiLeaks-Gründer Assange verurteilt Falschmeldungen über Putschversuch in der Türkei

OIC-Gipfel in Istanbul
Gewalt in Gaza: Erdogan fordert internationale Schutztruppe für Palästinenser

Istanbul (nex) – Auf Einladung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan trafen sich die Staaten der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) am gestrigen Freitagabend zu einem Sondergipfel in Istanbul. Der Anlass für das Treffen ist das gewaltsame Vorgehen israelischer Grenzsoldaten gegen demonstrierende Palästinenser am vergangenen Montag.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit OIC-Generalsekretär Yousef al-Othaimeen und dem palästinensischen Premierminister Rami al-Hamdallah sagte Erdogan, dass sie mit diesem Treffen „Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ gezeigt hätten und die notwendigen Botschaften an Israel übermittelt worden seien.

Erdogan kritisierte Washington und sagte, dass die Verantwortung für die Folgen dieser provozierenden Entscheidung, den Friedensprozess zu sabotieren, ausschließlich bei den USA liege.

„Wir werden die rechtswidrige Entscheidung der USA, ihre Botschaft trotz aller Warnungen von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, nicht akzeptieren“, sagte Erdogan. „Wir werden unsere Solidarität mit dem palästinensischen Volk nie beenden.“

Erdogan forderte auch die internationale Gemeinschaft, insbesondere den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, auf, ihren rechtlichen Verpflichtungen gegenüber Palästina nachzukommen.

Er betonte, dass die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe zum Schutz der Palästinenser unerlässlich sei.

Türkischer Außenminister Mevlüt Cavusoglu: Israel massakriert kaltblütig unschuldige Palästinenser „Die USA haben durch den Umzug ihrer Botschaft nach Jerusalem ein sehr provokantes Verhalten an den Tag gelegt und Israel fühlt sich durch diese rücksichtslose Haltung der USA ermutigt und massakriert kaltblütig unschuldige Palästinenser“, so der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu gegenüber Medien. Die muslimische Gemeinschaft müsse „Israels Verbrechen an der Menschheit mit schärfster Kritik entgegentreten“. „Wir alle müssen Verantwortung übernehmen und zur Lösung der Palästinafrage beitragen“, sagte Cavusoglu.

Yousef al-Othaimeen, der Generalsekretär des OIC, sagte in seiner Abschlussrede: „Wir haben die Notwendigkeit bekräftigt, dem palästinensischen Volk internationalen Schutz zu gewähren.“

   

Bildungspolitik
Lehrerverband beklagt „Stillstand“ bei Digitalisierung der Schulen

Düsseldorf – Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat einen „Stillstand“ bei der Digitalisierung der Schulen beklagt. „An vielen Schulen werden Digitalisierungsmaßnahmen gerade zurückgestellt, weil die Einrichtungen alle auf Geld vom Bund warten“, sagte Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbands, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Statt dass die Digitalisierungsoffensive der Bundesregierung eine Beschleunigung bringe, habe sie nun Stillstand zur Folge, beklagte Meidinger. Aus Sicht der Lehrer darf keine Zeit mehr verloren werden. „Die Schulen brauchen dringend die Infrastruktur für die Digitalisierung“, betonte Meidinger. „Viele Schulen haben noch kein W-Lan. Dort, wo es vorhanden ist, läuft es oft viel zu langsam“, kritisiert der Lehrerverbandschef. „Wenn 40 oder 50 Schüler im W-Lan sind, dann ist wegen der langsamen Datenübertragung kein Unterricht mehr möglich.“ Meidinger forderte, dass Bund und Länder nicht mehr länger mit dem Finger aufeinander zeigen sollten. Die für die Digitalisierung zuständige Runde der Staatssekretäre hat seit einem Jahr nicht mehr getagt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervor. „Ob Schulen noch in dieser Wahlperiode mit dem ersten Geld rechnen können, steht in den Sternen“, kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Margit Stumpp. Sie sieht auch die für das Digitalisierungsprogramm notwendige Grundgesetzänderung in Gefahr. „Niemand weiß, wie die Zweidrittel-Mehrheit sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat erreicht werden soll“, sagte Stumpp der „Rheinischen Post“.

Tierschutz
Union stellt Gemeinnützigkeit für Tierschutzorganisation Peta in Frage

Düsseldorf – Als „widerlich“ hat die Unionsfraktion die Öffentlichkeitsarbeit der Tierschutzorganisation Peta bezeichnet und die Gemeinnützigkeit der Organisation in Frage gestellt. „Die Tierschutzaktivisten von Peta treten Menschenrechte mit Füßen“, sagte Unionsfraktionsvize Gitta Connemann der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Peta habe nach dem Rücktritt von NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) die Ministerin auf einer „Abschussliste“ im sozialen Netzwerk Facebook als „erledigt“ gekennzeichnet und daneben unter anderem auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) als weiteres Ziel vorgegeben. Nach Überzeugung Connemanns bliesen die Aktivisten mit ihrem Post „Tierqualprofiteure raus aus der Politik“ zur Jagd auf Politikerinnen. „Petas Hetztiraden, die persönliche Diffamierungen und der Aufruf, Politiker aus ihrem Amt zu entfernen, sind nur eines – widerlich“, unterstrich die CDU-Politikerin. Und sie fügte hinzu: „Petas Aufrufe zur Selbstjustiz haben rein gar nichts mit Gemeinnützigkeit zu tun – im Gegenteil.“

Auch interessant

– Türkei – Tierschutz: Türkische Polizei gründet neues Cyberteam gegen Tierquäler

Die Abteilung für Cybekriminalität der türkischen Polizei hat nun elf neue Teams zur Verfugung. Eines dieser Teams wird Gewalt gegen Tiere online verfolgen.

Tierschutz: Türkische Polizei gründet neues Cyberteam gegen Tierquäler
 

Parteitag der Linken in Leipzig
Wagenknecht wehrt sich gegen Vorwurf, „AfD-nah“ zu sein

Linksfraktionschefin verteidigt Position zu Zuwanderung: „Das hat mit Nationalismus nichts zu tun“ Osnabrück – Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht bringt sich mit klaren Ansagen an ihre Kritiker für den Parteitag der Linken in Leipzig (8. bis 10. Juni) in Position. Im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mahnte Wagenknecht ihre Partei, nicht den Rückhalt bei den Menschen zu verlieren, „denen es nicht gut geht“. Sie nannte „Menschen in prekärer Beschäftigung, Menschen, die mit schlechten Chancen ins Leben starten, weil sie aus einem armen Elternhaus kommen“ sowie Rentnerinnen und Rentner. Die Fraktionsvorsitzende betonte: „Wenn wir die Probleme, die sie tagtäglich erleben, ignorieren, hören sie uns nicht mehr zu. Wer meine Position als ‚AfD-nah‘ diffamiert, ist an einer fairen Diskussion nicht interessiert.“ Wagenknecht erläuterte, für diejenigen, die hoch qualifiziert und mobil seien, hätten sich durch die Internationalisierung neue Chancen ergeben. Ärmere und weniger Qualifizierte dagegen hätten es schwerer. „In Deutschland haben 40 Prozent der Bevölkerung heute ein niedrigeres Einkommen als Ende der 1990er Jahre. Die konzerngesteuerte Globalisierung ist für sie in erster Linie eine Bedrohung: Betriebsverlagerungen und Dumpingkonkurrenz stellen ihren Wohlstand in Frage.“ Diese Menschen könnten von ihrem Staat erwarten, dass er sie schützt. „Das hat mit Nationalismus nichts zu tun.“ Wagenknecht verteidigte zudem ihre umstrittene Forderung nach einer linken Sammlungsbewegung. Eine solche Bewegung solle Menschen zusammenführen, die ein sozialeres und gerechteres Land und eine neue Friedenspolitik wollten. Die Mehrheit in Deutschland wünsche sich mehr sozialen Ausgleich, höhere Löhne, bessere Renten und Investitionen in die Zukunft statt Aufrüstung. Sie könne sich nicht damit abfinden, dass die Regierungen sich über diese Interessen hinwegsetzten. „Aber die Linke allein wird das nicht verändern können“, so Wagenknecht.

London
Premierministerin May spricht von „kurdischen Terrorismus“

London (tp/nex) – Der türkische Staatspräsident Erdogan wurde am Dienstag von der Queen und Premierministerin Theresa May in London empfangen. May betonte bei einer gemeinsamen Presseerklärung, dass die Türkei die Verteidigung der Demokratie nicht aus den Augen verlieren dürfe, während sie den gescheiterten Putschversuch aufkläre, Maßnahmen gegen die Instabilität in Syrien unternehme und dem „kurdischen Terrorismus“ gegenüber stehe. May erklärte am Dienstagabend während der gemeinsamen Presseerklärung, dass die Türkei bei der Verteidigung der Demokratie, die durch den gescheiterten Putschversuch, der Instabilität an der Grenze zu Syrien sowie vom „kurdischen Terrorismus“ außerordentlichen Druck ausgesetzt ist, die Werte die sie verteidigen, nicht aus den Augen verlieren dürfe. May und Erdogan betonten dabei ihre gemeinsamen Bemühungen zur Bekämpfung der Terrororganisation PKK, die nicht nur von Ankara sondern auch von seinen Verbündeten als „Terrororganisation“ bezeichnet wird. May sprach erstmals konkret über die Terrororganisation PKK und deren Wirken in der Türkei und in Syrien und sicherte der Türkei volle Unterstützung zu. „Ich habe Präsident Erdogan heute zugesichert, dass wir demokratische Werte und internationale Menschenrechtsverpflichtungen aufrechterhalten wollen“, fügte sie hinzu. Erdogan erklärte während seiner Rede, dass die Türkei von Großbritannien die Auslieferung von Personen fordert, die man als Terroristen suche. London habe zugesichert, die Türkei dabei zu untertstützen. „Ob Mitglieder der FETO oder PKK, ich habe eine Liste von Terroristen an Frau Ministerpräsidentin May übergeben. Wir haben die Auslieferung der mit der PKK und FETO verbundenen Terroristen gefordert „, sagte er. Erdogan verteidigte die türkische Justiz und erklärte, dass die Türkei nicht 160 Journalisten sondern „Terroristen“ und „Vandalen“ inhaftiert habe, die vor dem Rechtstaat Rechenschaft ablegen müssten. „Nur weil sie Journalisten sind, nur weil sie einen Presseausweis haben, bedeutet das nicht, dass alles erlaubt ist“, sagte er. „Ein Terrorist kann kein Journalist sein.“ fügte Erdogan hinzu. Am Montag verhaftete die Londoner Polizei mehrere Demonstranten, die einem Aufruf eines PKK-nahen Verbandes gefolgt waren. Mehrere Teilnehmer hatten versucht Türken zu attackieren, die einen Blick auf Erdogan erhaschen wollten. Die Polizei ging massiv dagegen vor und nahm Dutzende Protestteilnehmer vorläufig fest, die mit Fahnenstangen auf die Türken losgegangen waren.

Auch interessant

– Zeit nach Brexit – Türkei und Großbritannien wollen Gespräche für ein Freihandelsabkommen intensivieren

Die Türkei und Großbritannien werden die Gespräche über das geplante bilaterale Freihandelsabkommen sehr bald intensivieren, so der britische Botschafter in der Türkei, Dominick Chilcott, gegenüber Medien.

Türkei und Großbritannien wollen Gespräche für ein Freihandelsabkommen intensivieren

Bundesliga
Nico Kovac: Schon als Kind Bayern-Fan

0

Nico Kovac und sein Weg auf die Trainerbank des FC Bayern

München (nex) – Der FC Bayern hat also am Trainer-Transfermarkt zugeschlagen. Ab dem 1. Juli übernimmt Niko Kovac das Zepter in München mit dem Ziel, dem deutschen Rekordmeister den siebten Bundesliga-Titel in Folge zu bescheren. Seine ausgezeichnete Arbeit bei Eintracht Frankfurt, und vermutlich auch seine Vergangenheit bei den Bayern, überzeugte die Führungsetage der deutschen Nummer 1 schließlich davon, dass er der richtige Mann für diesen Job sei (unter Berücksichtigung der zuvor erfolgten Absage von Thomas Tuchel wohlgemerkt). Brisant ist auch der Umstand, dass Kovac jetzt zum Abschluss mit seinem Noch-Arbeitgeber im Finale des DFB-Pokals ausgerechnet auf die Bayern trifft, bevor er dann schließlich im Sommer an die Säbener Straße wechselt. Laut den Buchmachern ist die Eintracht mit einer Quote von 10,00 (Betway – Stand: Ende April) natürlich krasser Außenseiter in diesem ungleichen Duell, dennoch wäre es ein Highlight, würde ausgerechnet Kovac als zukünftiger Bayern-Trainer den Rekordmeister heuer um einen erneuten Gewinn des Doubles oder gar Triples bringen. In diesem Artikel möchten wir die Person Niko Kovac einmal etwas genauer untere die Lupe nehmen sowie seine bisherige Karriere als Spieler als auch Trainer Revue passieren lassen, angefangen bei seinem allerersten Klub, Hertha Zellendorf, bis hin zu seinem nun bevorstehenden Trainer-Engagement beim deutschen Rekordmeister. Das Anforderungsprofil der Bayern Bayern München stellte klar, dass sie einen deutschen Trainer als Nachfolger für Jupp Heynckes haben möchten. Wie kamen sie dann schließlich ausgerechnet auf den ehemaligen kroatischen Nationalspieler Niko Kovac? Nun, tatsächlich wurde Kovac in Berlin geboren und großgezogen. Seine Eltern stammen aus Bosnien-Herzegowina und waren nach Deutschland ausgewandert. Er wäre damals berechtigt gewesen, sowohl für Bosnien, Kroatien als auch den DFB aufzulaufen, aber vor allem bringt er viel deutsche Mentalität mit, und genau danach waren Hoeneß und Rummenigge auf der Suche. Kovacs Anfänge in Berlin bis hin zu seinem ersten Trainerposten Niko und auch sein Bruder Robert sind in Berlin aufgewachsen – genauer gesagt in einem Vorort von Wedding. Hertha Zehlendorf war einer seiner ersten Fußballklubs, von welchem er schließlich den Sprung in die Kampfmannschaft des größten Vereins der Stadt schaffte, Hertha BSC Berlin. Ganze 242-mal lief Kovac für die Hertha auf, wo er durch starke Leistungen den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere sowohl innerhalb Deutschlands als auch im Ausland legte. Schon als Kind war Kovac Fan des FC Bayern – sein damaliges Idol: ausgerechnet Karl-Heinz-Rummenigge, von welchem er sogar ein Poster besaß. Nach weiteren Stationen bei Bayer Leverkusen sowie dem HSV wechselte er schließlich 2001 im Alter von 29 Jahren nach München. Dort holte er sich in seiner ersten Saison gleich den Weltpokal, gefolgt vom Double im zweiten Jahr – er weiß also, wie man mit den Bayern Titel holt. Niko Kovac ist erst der zweite ehemalige Spieler nach Franz Beckenbauer und Jürgen Klinsmann, welcher auf der Trainerbank der Münchner Platz nehmen darf. Er mag vielleicht noch nicht viele Klubs auf europäischer Ebene trainiert haben, dennoch bringt er enorm viel internationale Erfahrung mit. Ganze 83-mal zog er das Trikot der kroatischen Nationalmannschaft über, bestritt unter anderem die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 sowie die Europameisterschaften 2004 und 2008 – viele Spiele darunter auch als Kapitän. Auf Klubebene wechselte er 2006 zum neu gegründeten österreichischen Fußballklub Red Bull Salzburg. Dort erzielte er auch das allererste Bundesliga-Tor für den Verein und holte 2007 sowie 2009 den Meistertitel. Nachdem Kovac schließlich seine Fußballschuhe an den Nagel hing, wurde Salzburg zu seiner zweiten Heimat und auch zu seiner ersten Trainerstation. Er coachte dort zuerst das Reserveteam, bis er schließlich als Co-Trainer auf der Bank der Kampfmannschaft Platz nehmen durfte. Als der damalige Cheftrainer, Ricardo Moniz, entlassen wurde, war Kovac bereit, das Zepter in Salzburg zu übernehmen. Jedoch entschloss sich die Vereinsführung, allem voran Ralf Rangnick, dafür, Roger Schmidt zu engagieren. Kovac, von dieser Entscheidung sichtlich enttäuscht, musste aber nicht lange auf ein erneut attraktives Angebot warten, denn der kroatische Verband bot ihm einen Posten als Cheftrainer der U21 an, was der ehemalige Nationalspieler natürlich dankbar annahm. Nach fünf Siegen in fünf Spielen wurde er plötzlich befördert – zum Cheftrainer der A-Mannschaft im Play-Off-Duell zur FIFA-Weltmeisterschaft 2014 gegen Island. So begann also seine Karriere als erfolgreicher Trainer, welche ihm den Weg auf die Bank des deutschen Rekordmeisters ebnete. Begleitet wird er nächste Saison auch wieder von seinem jüngeren Bruder Robert, der schon den Großteil seines ganzen Lebens an Nikos Seite stand. Sie spielten zusammen bereits bei Teams wie Leverkusen, Bayern sowie der kroatischen Nationalmannschaft, und nun arbeiten sie seit dem Engagement bei der U21 Kroatiens auch als Trainer zusammen. Warum die Wahl der Bayern schlussendlich auf Kovac fiel Niko Kovac weiß, was es bedeutet zu gewinnen – immerhin spielte er bereits für den FC Bayern – allerdings weiß er auch, was es heißt zu verlieren. Einer seiner größten Triumphe in seiner jungen Trainerlaufbahn war das Relegationsspiel zwischen seiner Frankfurter Eintracht und dem 1. FC Nürnberg. Frankfurt konnte sich mit einem Gesamtscore von 2:1 durchsetzen und den drohenden Abstieg abwenden, sehr zum Entsetzen der Nürnberg-Spieler, die nach Abpfiff tränenüberströmt am Feld lagen. Kovac ging daraufhin zu jedem einzelnen Spieler der Verlierer-Mannschaft und tröstete ihn, während sein Team den Klassenerhalt feierte. Er erhielt für diese Geste einen nationalen Fair-Play-Preis. Der in Berlin von kroatischen Immigranten großgezogene Kovac ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Sein ehrlicher Charakter, seine internationale Erfahrung sowie auch seine eher deutsche Mentalität machen ihn aus Bayern-Sicht zu einem idealen Nachfolger für Jupp Heynckes. Noch dazu ist er ein Verfechter des schnellen Spiels über die Flügel, etwas, was bei den Bayern dank Spielern wie Robben und Ribery seit über einer Dekade zelebriert wird. Vielleicht ist die Verpflichtung Kovacs auch ein Grund dafür, warum die beiden Veteranen auch nächste Saison an den Außenbahnen des Rekordmeisters zu sehen sein werden. Auf jeden Fall gelang den Bayern mit der Verpflichtung Kovacs vermutlich die Überraschung der Saison, aber nach genauer Analyse ist das Engagement durchaus nachvollziehbar. Wir dürfen also mit Spannung auf die nächste Spielzeit blicken, wenn der Deutsche Rekordmeister erstmals unter den Fittichen der ehemaligen Bayern-Ikone sowie Kroatien-Legende auflaufen wird.  

Invest in Turkey – Forum
Jurgens: Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ankara und London geht es bestens

Von Klaus Jurgens Türkische Unternehmer und Investoren sehen England als perfekten Standort London – Man darf es durchaus als „Woche der Türkei“ bezeichnen, die letzten Mittwoch am Abend mit der Ankunft der ersten Gäste begann und während dieser Artikel verfasst wird, sogar noch andauert: das Vereinigte Königreich war Schauplatz für eine in dieser Größenordnung und zeitlichen Kompaktheit noch nie gesehene Anzahl von offiziellen Veranstaltungen mit und für offizielle Besucher aus der Türkei. Natürlich ist die Anwesenheit von Präsident Recep Tayyip Erdoğan der eigentliche Anlass; sein Staatsbesuch wird als Ausdruck der besonders guten Beziehungen zwischen beiden Ländern betrachtet und wird hier in politischen Kreisen auch genauso bewertet. Der Präsident selber hatte ein volles Programm, welches Gespräche mit Premierministerin Theresa May und als Höhepunkt einen Empfang bei der britischen Königin Elisabeth II beinhaltete. Hier dürften wohl Themen der globalen Politik ebenso wie zwischenstaatliche Fragen auf der Tagesordnung gestanden haben. Rundherum um seinen dreitägigen Besuch gab es dann aber eine Vielzahl von Veranstaltungen, die vor allem eines im Mittelpunkt hatten: die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ankara und London. Und denen geht es bestens! NEX24 hatte die Gelegenheit, bei zwei dieser Foren mit dabei zu sein, zu denen unter anderem Unternehmer, Rechtsexperten, Handelskammern, Finanzexperten und Ministeriumsvertreter aus beiden Ländern eingeladen waren. Im ersten Treffen ging es um die Frage, wie türkische Investoren und Unternehmer das Vereinigte Königreich (also nicht nur den Finanzplatz London, sondern auch andere gut erreichbare Landesteile) als Drehscheibe für ihre strategischen Partnerschaften weiter nützen und ausbauen könnten. Man stelle sich das so vor: Eine türkische Firma vereinbart mit ihrem britischen Gegenüber, gemeinsam zu produzieren. So lange der Anteil der britischen Komponenten hierbei 20 Prozent nicht unterschreitet, gibt es sogar staatliche Fördermittel oder zumindest Bankgarantien für erforderliche Kredite. Dann wird exportiert und zum Beispiel gemeinsam in Asien verkauft. Britische Firmen haben nun mal extrem gute globale Netzwerke und Absatzmärkte. Türkische Firmen bieten Top-Qualität ihrer Produkte an – perfektes Win-Win. Alternativ kann ein türkischer Unternehmer natürlich auch ganz alleine vorgehen und seine Produkte in eigener Regie in England absetzen. Hierfür braucht man eventuell gar keine eigene Fabrik, sondern nur britische Logistikpartner; es ist eben alles eine Kostenfrage, ob die Produktion vor Ort nicht doch ratsamer ist. Nur als weiteres Beispiel, ohne einzelne Firmen bewerben zu wollen: Zwei türkische Unternehmen sind gerade dabei, den britischen Markt immer weiter zu erobern, Beko und Simit Sarayı. Es gibt Vermutungen in Insiderkreisen, dass Beko bald der bekannteste internationale Haushaltsgerätehersteller hier sein und Simit Sarayı weiter expandieren wird. Zurzeit hat die Kaffeehaus-Kette bereits 22 (!) Niederlassungen im Vereinigten Königreich. Rund 200 türkische Firmen sind bereits im Vereinigten Königreich niedergelassen. Die zweite Gesprächsrunde, an der ich teilnahm, befasste sich mit der umgekehrten Situation: Wie können britische Unternehmer und Investoren dazu verleitet werden, sich noch mehr in der Türkei zu engagieren? Einige Zahlen: Es werden derzeit 92 Produktkategorien zwischen beiden Ländern gehandelt; man spricht hier von Gruppen von Produkten und nicht von Einzelprodukten, also eine enorm hohe Zahl und Vielfalt. Das bilaterale Handelsvolumen spricht ebenso für sich: Wir reden hier von einer Gesamtsumme von 16 Milliarden US-Dollar; Präsident Erdoğan sprach im Vorfeld seines Besuches an, dass sich dies bald auf 20 Milliarden erhöhen könnte. Der Brexit spielte hier natürlich auch seine Rolle; sobald umgesetzt, kann London seine eigenen Freihandelsabkommen abschließen. Die Türkei bliebe zwar weiterhin ein EU-Beitrittskandidat, aber es gibt Hinweise darauf, dass, falls die EU und Großbritannien sich nicht auf eine weitere gemeinsame Marktdefinition einigen und sich eventuell sogar von der gemeinsamen Zollunion verabschieden, dann Ankara und London ohne europäische Vorgaben gemeinsam beraten und verabschieden können. Dieser Punkt wurde hier im Londoner Stadtteil Westminster im sechsten „Invest in Turkey Forum“ in der vergangenen Woche selbstredend breit diskutiert und allem Anschein nach von Rechtsexperten als die wahrscheinlichste Lösung angesehen. Und es gibt da noch einen weiteren positiven Punkt zu berichten. Ankara und London, die Türkei und das Vereinigte Königreich, verstehen sich bestens. Nicht nur die Politiker, sondern auch die Wirtschaftsbosse. Und vor allem die Bürgerinnen und Bürger beider Staaten ebenso. Man besucht sich, man kennt sich, man vertraut sich. Wäre es nicht schön, wenn sich von dieser Positivität, von dieser Normalität einige andere europäische Staaten und ihre Repräsentanten auch anstecken lassen würden?

Zum Thema

Großbritannien und Türkei wollen Handelsvolumen auf 20 Milliarden US-Dollar erhöhen
 
Klaus Jurgens
Klaus Jurgens – London School of Economics Postgraduate Degree Government. Vormals Uni-Dozent Ankara, Schwerpunkt BWL und KMU. Über zehn Jahre vor Ort Erfahrung Türkei. Zur Zeit wohnhaft in Wien. Politischer Analyst und freiberuflicher Journalist.