Brüssel
Mord an Khashoggi: Deutschland verhängt Einreisesperren gegen 18 Saudi-Araber
Interview
Interview: Unternehmer Remzi Aru über die PKK in Deutschland
Die PKK-Versteher sind die Pegida der Mitte
Unternehmer Remzi Aru äußert sich im NEX24-Interview unter anderem über Wahlen in der Türkei und die Seelenverwandtschaft zwischen Pegida und PKK-Verstehern.
Die AKP hat die letzten Wahlen in der Türkei nicht zuletzt auch des starken Zuspruchs innerhalb der türkischen Diaspora in Deutschland überlegen gewonnen, während die HDP Wahlanalysen zufolge unter anderem auf Grund ihrer unklaren Haltung zur PKK wegen drastisch verloren hat – insbesondere auch innerhalb der kurdischen Volksgruppe. Einsicht ist – anders als beim inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan, der das Agieren der Terrorgruppe und der HDP scharf kritisiert hat – in der deutschen Öffentlichkeit allerdings nicht zu verzeichnen, meint der in Berlin lebende türkische Unternehmer Remzi Aru.
NEX24 sprach mit ihm über aktuelle Entwicklungen.
NEX24: Herr Aru, macht Ihnen als bekanntem Exponenten der türkischen Einwanderercommunity die Pegida-Bewegung Angst?
Aru: Nein, schon als Kind gab es zwei Dinge, die wir nicht hatten: Geld und Angst. Wir konnten uns Letztere einfach nicht leisten. Wer nichts wagt und wer nicht aneckt, der erreicht auch nichts. Und Pegida ist eine Bewegung von Menschen, die sich ihr Leben lang hinter ihrer German Angst verkrochen haben, die auf diese Weise auch nie Probleme mit dem Staat bekommen hatten, weil sie einfach auch nie aufgemuckt haben, aber die eben dadurch auch nichts erreicht haben.
Sie wollen jetzt ihre Form der „Friedensdividende“, ihren Lohn fürs Angepasst sein. Und sehen mit Neid auf Einwanderer, die etwas erreicht haben, weil sie für ihre eigenen Ideale einstanden, ihr eigenes Leben gelebt haben und nicht das, das einem andere zugedacht haben. Es sind sicher nicht alles dumme, bösartige Menschen, die dort marschieren, aber ich kann ihnen nur sagen: Leute, es mag sein, dass Ihr von Eurem Leben bislang weniger bekommen habt, als Ihr meint, dass Euch zusteht. Aber das liegt nicht an uns, das liegt nicht an den Einwanderern.
Steckt Eure Energien in etwas Sinnvolles, Konstruktives, und schafft Euch selbst ein Leben! Statt andere Kulturen herabzuwürdigen, definiert lieber Eure eigene und pflegt sie. Von mir aus muss kein „Weihnachtsmarkt“ in „Wintermarkt“ umbenannt werden, ich halte diesen Kulturkannibalismus vielmehr für einen Irrsinn. Problematischer als das deutsche Randphänomen Pegida ist aber der importierte „Links“-Terrorismus in Deutschland, der sich vor allem in Gestalt der PKK und ihrer Versteher zeigt.
Die Gesinnung ist die gleiche wie die von Pegida, es sind wildgewordene Kleingeister, deren ideologischer Fanatismus sich mit deutschem Maßregelungsdrang paart und die Unterstützer bis in die Mitte der Gesellschaft und in die Parlamente hinein finden. Leute, die ihre Gewalt verleugnen, verharmlosen oder rechtfertigen, aus Geltungsdrang, Türkenhass, Islamfeindlichkeit oder einfach auch nur aus Neid auf Türken, die mit ihrer Herkunft und ihrer Religion im Reinen sind.
NEX24: Woran macht sich das fest?
Aru: Die PKK hat in Europa gemerkt, dass es ihr nicht viel bringt, hier türkische Reisebüros in die Luft zu sprengen. Es ist ihr klar geworden, dass sie mehr davon hat, hier ein ruhiges Hinterland zu genießen, Strukturen aufzubauen, Unterstützer anzuwerben und die Gewalt in den vorpolitischen Raum zu verlagern, also in die Schutzgelderpressung („Revolutionssteuer“) und in den Drogenhandel. Sie wollen die rassistische und religionsfeindliche Grundstimmung in Europa und unter seinen Eliten nutzen, um Rückendeckung für ihren marxistisch-leninistischen Kurs zu finden.
Es gibt nicht nur der PKK untergeordnete, sondern auch ihr ideologisch nahestehende Organisationen, die, sobald der türkische Präsident Erdogan nach Deutschland kommt, zehntausende Leute auf die Straße bringen, sie finden deutsche Journalisten und Politiker, die bereitwillig ihre Propaganda reproduzieren, religiöse türkische Sunniten und nicht assimilierte Muslime zum Feindbild aufbauen und Hetz- oder Einschüchterungskampagnen durchführen. Und es gibt auch Terrortrupps, die schon einmal Moscheen überfallen und Anschläge verüben.

NEX24: Ist das jetzt nicht dramatisiert?
Aru: Nein, alleine seit Beginn der Antiterroroperation der türkischen Streitkräfte gegen die PKK vor einigen Jahren hat es mehrere Anschläge auf türkische Moscheen gegeben. Funktionäre selbst CDU-naher Vereinigungen wie Madlen Vartian hetzen in PI-Manier gegen Muslime und können dabei auf die Rückendeckung vonseiten etablierter Medien und Politiker setzen.

Und dann gibt es noch die Biedermänner wie Ali Ertan Toprak, Multifunktionär und Multipropagandist, der zwischen jesidischen, kurdischen und alevitischen Verbänden switcht wie andere zwischen den 63 Gendern auf Facebook und dem die Grünen trotz Claudia Roth und Cem Özdemir nicht angepasst genug waren, weshalb der in die CDU gegangen ist, weil er sich mit seinem Hass auf den Islam dort am wohlsten fühlte. Das sind die Leute, die, wenn es dem Anbiederungszweck dient, erklären, Aleviten wären keine Muslime, aber sich trotzdem in die Islamkonferenz setzt, weil er sich davon verspricht, die muslimischen Verbände ausbooten zu können.
Sobald Erdoğan Deutschland besucht, marschieren tausende Leute aus diesem Dunstkreis auf und am Rande solcher Demonstrationen kann es auch gerne schon einmal zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Andersdenkende oder Polizeibeamte kommen.
NEX24: Gibt es ein PI der PKK?
Aru: Nicht 1:1, aber es gibt Blogs, die sich selbst und die PKK/PYD gerne als Opfer inszenieren und Politiker von Sevim Dağdelen bis Tobias Huch, die permanent mit Lügen und Hetze gegen die türkische Regierung, Präsident Erdoğan und die übergroße Mehrheit jener türkischen Einwanderer auf den Plan treten, nach dem Motto: „Irgendwas wird schon hängen bleiben.“ Dabei appellieren sie bewusst und gezielt an rassistische Ressentiments innerhalb der Mehrheitsgesellschaft und reden so genannten „islamkritischen“ Kräften von Buschkowsky bis hin zur NPD nach dem Mund, deren Ziel es ist, sunnitische Muslime zu Menschen zweiter Klasse zu stempeln.
NEX24: Aber Huch oder Dagdelen sind doch wohl nicht Meinungsführer im PKK-Umfeld?
Aru: Zweifellos nicht, ich glaube nicht, dass diese Leute von jenen, die sie hofieren, überhaupt für voll genommen werden. Aber sie legen einen Eifer und ein Sendungsbewusstsein an den Tag, das sie dazu treibt, jeden Tag neue unwahre und verdrehte Behauptungen in die Welt zu setzen, um Präsident Erdogan, aber auch die Mehrheit der sunnitischen Muslime in der türkischen Einwanderercommunity, zu dämonisieren.
Sobald die türkischen Sicherheitskräfte gegen kriminelle Elemente, Terroristen oder Parallelstrukturen im Staatsapparat vorgehen, verbreiten sie ihre Märchen von wegen „Anschlag auf die Pressefreiheit“, „Islamisierung“ oder „Verhinderung des Kampfes gegen den IS“ und finden deutsche Journalisten, von Hasnain Kazim über Deniz Yücel bis hin Till Reimer Stoldt, die diese auch noch in deutschen Massenmedien aufbereiten und dem, was diese Leute sich zusammenreimen, auch noch ihren Mainstream-Segen verleihen.
Auf diese Weise stärken sie nicht nur Rechtsextremen den Rücken, sondern vergiften auch das deutsch-türkische Verhältnis. Es ist kein Wunder, dass die Nazis, etwa PI oder „Pax Europa“, einen Ali Ertan Toprak abfeiern und ihn freudig als Ikone für ihre Hetze gegen Muslime bewundern. Toprak, der am laufenden Band Lügen und Hetze gegen sunnitische Muslime verbreitet, macht sich dabei aus rein opportunistischen Beweggründen zum Faktotum rechtsradikaler Kreise und verspricht sich wohl von seinem Auftreten als Einwanderer mit Onkel-Tom-Syndrom – immer nach dem Motto „Wir sind die guten Moslems, die Sunniten die Bösen“ – Impulse für seine Karriere.
NEX24: Reicht die Steuerungsgewalt des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan tatsächlich bis in deutsche Redaktionen und Parlamente?
Aru: Offenbar hat die nächste Generation der PKK-Terroristen ihrem inhaftierten Führer längst die Butter vom Brot genommen. Jüngst hat „Apo“ ja der gesamten Organisation und der HDP die Leviten gelesen und ausrichten lassen, dass sie selbst daran schuld wären, dass die Unterstützung in der Bevölkerung flöten geht, weil sie nicht auf ihn gehört hätten. Das Zusammenspiel zwischen deutschem linksliberalem Mainstream und kommunistischer PKK erinnert an jenes zwischen den Sowjets und den 68er-Hippies im Westen. Die einen suchen sich eine Projektionsfläche für ihre Ideologie der „Befreiung von Zwängen“, die es aus europäischer Mainstreamsicht nur dort gibt, wo Menschen ihr Leben nach religiös begründeten Moralvorstellungen organisieren, die anderen wollen eine Gesellschaft, einen Staat gezielt unterminieren, um dort Macht zu erobern.
In der Türkei ist das die PKK, die immer noch davon träumt, auf türkischem Boden eine eigene, kommunistische Diktatur zu errichten, in Deutschland sind es links- und rechtstotalitäre Kräfte, deren gemeinsame Nenner die „Islamkritik“ und die Gegnerschaft zu Religion, Freihandel und der türkischen Regierung sind. Und am Ende werden die treudoofen Hippies von den zynischen Machtstrategen ausgenutzt und würden diese tatsächlich die Macht übernehmen, wären Erstere die Ersten, die in den Gulag wandern. Das Neue daran ist, dass dieses Zusammenspiel grenzüberschreitend stattfindet und es eine Querfront gegen den Islam gibt, die von der PKK und traditionellen Linksextremisten über Grüne, Feministinnen, selbsternannte Gesellschaftsarchitekten in der SPD, Hardcore-Etatisten und einige Libertäre, Kampfatheisten und christliche Fundamentalisten über Unionskreise bis hin zu PI und NPD reicht.

Und da solche Leute – und Ali Ertan Toprak ist da ein brillantes Beispiel dafür – alle ein Problem mit religiöser Freiheit und religiösen Rechten als solchen haben, klopfen sie sich eben gegenseitig auf die Schulter und ziehen die „Wir gegen die“-Nummer ab, während sie den von ihnen Diffamierten vorwerfen, sie würden „Feindbilder aufbauen“, sobald sie es wagen, sich zu wehren.
NEX24: Aber gibt es nicht auch ein Problem mit radikalen Türken, etwa Demonstranten, die in Berlin auf einer Ditib-Demo antisemitische Parolen wie „Juden ins Gas“ oder „Nieder mit Israel“ riefen?
Aru: Zweifellos gibt es so etwas, auch wenn ich nicht weiß, ob das Türken waren und ich ausschließen kann, dass die Ditib solche Hassparolen billigt. In einer aufgeheizten Stimmung – wie damals auf Grund des Krieges in Gaza – kann man nie ausschließen, dass sich einzelne Personen emotional nicht unter Kontrolle haben und sich in einer Weise äußern, die abstoßend und kontraproduktiv ist.
Ich würde es allerdings auch nicht allen Menschen, die sich mit Israel solidarisch erklären, pauschal anlasten, wenn jüdische Extremisten zur gleichen Zeit in Jerusalem mit Parolen wie „Morgen bleibt die Schule leer – es gibt in Gaza keine Kinder mehr“ durch die Straßen ziehen und Kabinettsmitglieder die Tötung palästinensischer Mütter fordern. Wenn jeder damit beginnen würde, vor der eigenen Türe zu kehren, wäre bald die gesamte Nachbarschaft sauberer.
Die PKK-Extremisten und ihre linksnaiven und islamfeindlichen Kumpane haben den Rückenwind der mit Blick auf die Türkei weitgehend gleichgeschalteten Medien. Die meisten deutschen Fernsehsender und Journalistendarsteller wie Deniz Yücel oder Till Reimer Stoldt reproduzieren die Feindbildrhetorik dieser Leute – gegen Erdogan, gegen den türkischen Staat, gegen die türkische Einwanderercommunity, gegen den Islam. Ihre permanenten Diffamierungen als „Islamisten“, „türkische Nationalisten“, den „Diktator“ Erdoğan sind hierzulande omnipräsent.
NEX24: Auf die türkischen Einwanderer scheint dies aber keine Wirkung zu haben, wenn man die Wahlergebnisse ansieht…
Aru: Das türkische Volk ist nicht nur stolz und mit seinen traditionellen Werten verbunden, sondern politisch auch sehr wach und lässt sich deshalb nichts vormachen. Eine gleichgeschaltete Medienlandschaft gab es vor 2002 auch in der Türkei, und auch dort war das Feindbild Islam auf seine Weise omnipräsent. Auch die Arroganz der Eliten gegenüber dem kleinen türkischen Arbeiter ist in Deutschland heute ähnlich wie in der alten Türkei.
Wenn man nun auch General Kujat erlebt, wie er die Bundeskanzlerin ihrer Türkeipolitik wegen maßregelt, ist das für die Türken auch etwas Vertrautes – nur, dass damals in der Türkei politische Statements der Armee stets unmittelbar bevorstehendes Ungemach bedeuteten und Kujat eher das ist, was man in Österreich als eine „leere Wursthaut“ bezeichnen würde.
Die Türken sind treue Menschen, gegenüber ihrer Religion, ihrer Familie, ihrem Vaterland und sie nehmen ihren Schwur ernst, den sie seit Atatürk geleistet haben. Sie lassen sich nicht unterbuttern, nicht leicht in die Irre führen und schon gar nicht einschüchtern. Das klare Resultat der Wahlen, vor allem auch aufseiten der Türken in Deutschland, ist nicht nur eine Bestätigung für die Politik der AKP, sondern auch eine klare Botschaft an die türkei- und islamfeindlichen europäischen Eliten, an die Terroristen, an Anhänger des Parallelstaates und an die PKK-Versteher: „Eure Wühlarbeit trägt keine Früchte!“
NEX24: Was erhoffen Sie sich von der deutschen Politik?
Aru: Ich erwarte mir von jedem deutschen Politiker und Medienschaffenden, dass er oder sie den souveränen, demokratischen Willen des türkischen Volkes akzeptiert und aufhört, die türkischen Einwanderer für dumm verkaufen zu wollen. Rassismus und eine kolonialistische Attitüde sind nicht nur dann zu verurteilen, wenn sie von Pegida in Dresden artikuliert werden. Sie kommen vielmehr aus der Mitte der Gesellschaft, sie sind so genuin europäisch wie der Börek türkisch ist.
Die Türken lassen sich dies aber nicht mehr gefallen. Es wird Zeit für die deutsche Politik, für deutsche Medien, vor der eigenen Türe zu kehren. Die Skandale rund um den NSU, der gestrige rassistische Übergriff auf eine schwangere Asylbewerberin in Brandenburg: Das sind Dinge, die Euch den Schlaf rauben sollten. Nicht die Tatsache, dass die Türken eine Partei wählen, die Euch nicht gefällt…
NEX24: Herr Aru, wir bedanken uns für das Gespräch.
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Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden
Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung
Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.
Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.
Ausgebildet in Freiburg und Oxford. Stipendiat der DFG und der Alexander von Humboldt -Stiftung. Gerhard Hess Preis der DFG.
Zahlreiche Publikationen (ca. 40 Bücher, u.a. Brill’s Companion to Propertius, Brill’s Companion to Horace) im Bereich der antiken Philosophie und Literatur, der Byzantinistik, Neogräzistik, modernen Literatur und Philosophie, Ethik und Politik. Zahlreiche Versübersetzungen aus dem Lateinischen, Italienischen, Neugriechischen, Georgischen, Japanischen und Chinesischen.
Lehrt regelmäßig in Italien, zahlreiche Gastaufenthalte in der Schweiz, Polen, Georgien, Indonesien, Iran, Seoul, Tokyo und vielen chinesischen Universitäten. Herausgeber mehrerer Buchreihen, im wissenschaftlichen Beirat zahlreicher wissenschaftlichen Zeitschriften.
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„Saat des Terrors“: Die dunkle Seite der Geheimdienste
Pakistan, 2008. Jana Wagner ist für den BND in Islamabad im Einsatz. In enger Zusammenarbeit mit der amerikanischen DEA (Drug Enforcement Administration) ist Jana zuständig für den Kampf gegen die Drogengeschäfte, mit denen die islamistischen Terrorgruppen von Pakistan aus ihre Aktivitäten in Afghanistan und anderen Ländern finanzieren.
Als der gut vernetzte James Logan Davies, ein Informant Janas und ihres amerikanischen Kollegen Stephen Walker, von einem großen bevorstehenden Drogendeal in Lahore erzählt, kontaktieren sie gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten Thomas Günther und den amerikanischen Kollegen Oberst Baqri vom ISI (Inter-Services-Intelligence, pakistanischer Militär-Geheimdienst), der offiziell im Kampf gegen Al Quaida und deren Geschäfte an der Seite des Westens steht.
Doch statt die Drogenkuriere festzunehmen und den westlichen Geheimdiensten zu überstellen, lässt der ISI sie exekutieren. Jana ist außer sich – und ihr Misstrauen Baqri gegenüber ist geweckt. Der sucht zwar ihre Nähe und verweist auf seine Ausbildung in Deutschland. Aber er macht auch deutlich, dass das Misstrauen gegenseitig ist. Solange die Pakistaner vom Westen in der Terrorabwehr gebraucht werden, sind sie willkommene Gesprächs- und Geschäftspartner. Sobald die akute Gefahr abgewendet ist oder die Politik andere Schwerpunkte hat, werden sie wieder fallengelassen.
Der Doppelagent
Jana ist beunruhigt und kann diese Unruhe nur mit dem Sicherheitsbeauftragten Nicholas Krüber teilen, dem sie uneingeschränkt vertraut. James Logan Davies‘ pakistanische Ehefrau Lamia vertraut ihr an, dass ihr Mann ein Doppelagent sei, der seine Arbeit für die westlichen Geheimdienste dazu nutzt, ungehindert im Auftrag der Terrororganisation Laschkar-e Taiba Anschlagsziele in Mumbai auszukundschaften. Jana glaubt Lamia Davies und will ihr helfen, in den Westen zu fliehen.
Aber im Gegensatz zu Nicholas und ihrem einheimischen Übersetzer Tariq Usmani will ihr Chef Thomas Günther nichts von dem Verdacht hören. Er hält das Ganze eher für eine Falle. Und als Jana herausfindet, dass Davies auch für den CIA arbeitet, untersagt Günther ihr strikt, weiterzuforschen. Was wiederum Jana zu denken gibt: Wer hält seine schützende Hand über James Logan Davies? Und warum? Alles was sie über seine Aktivitäten herausfindet bestärkt sie in dem Verdacht, dass Davies tatsächlich ein Doppelagent ist und dass Anschläge in Mumbai unmittelbar bevorstehen.
Zwischen den Fronten
Es ist offensichtlich, dass es Interessen gibt, über die niemand mit ihr reden will und die vermutlich vom CIA gesteuert werden. Inzwischen hält Jana es auch für möglich, dass drohende Anschläge wegen dieser Interessen nicht verhindert werden. Als die Systeme des BND für ihre Recherche über Davies gesperrt werden, kann sie nicht locker lassen.
Sie nimmt offiziell Urlaub und folgt Davies heimlich nach Mumbai, beobachtet und fotografiert, wie er Plätze und Orte auskundschaftet. Aber ihr privater Einsatz bleibt nicht geheim. Nicht nur Davies bemerkt sie, auch der indische Geheimdienst nimmt Kontakt auf. Jana gibt nichts preis, verspricht aber zukünftige Informationen. Zurück in Pakistan greift der ISI sie auf. Jana ist zwischen alle Fronten geraten.
Ihrem Chef Thomas Günther ist ihr Ausflug ebenfalls nicht verborgen geblieben. Die pakistanische Regierung hat sich über Jana beschwert. Doch sie erhält eine Chance: Bei einer Lagebesprechung mit den Amerikanern kann sie ihre Bedenken offen darlegen. Der vorsitzende Geheimdienstler hat ihre These vom Doppelagenten und den drohenden Anschlägen gerade energisch niedergebügelt, als eine Bombe in dem Hotel hochgeht, die Nicholas Krüger das Leben kostet.
Ein Anschlag der Taliban, betont Oberst Baqri, die ihre Taktik zunehmend auf westliche Ziele verlegen. Jana sieht sich auf tragische Weise bestätigt und greift zu einem außergewöhnlichen Mittel: Mit Hilfe von Übersetzer Tariq als Mittelsmann informiert sie den indischen Geheimdienst. Vergeblich. Noch bevor ihr Kontaktmann etwas unternehmen kann, wird er getötet und Jana selbst der Spionage für die Taliban beschuldigt. Sie wird ausgewiesen. Sie ist gerade dabei das Land zu verlassen, als die Nachricht von einer schrecklichen Anschlagserie in Mumbai sich auf der ganzen Welt verbreitet.
Das Erste:“Saat des Terrors“ – Themenabend über die dunkle Seite der Geheimdienste am Mittwoch, 21. November, ab 20:15 Uhr
Die Rolle der Geheimdienste bei der Globalisierung des Terrors durch ihre Einflussnahme auf Terrorzellen ist so problematisch wie umstritten. Terror ist ein Geschäftsmodell und Hebel für politischen Einfluss und Relevanz und reicht vom Hindukusch bis in unsere Gesellschaft hinein. Daniel Harrichs aufwendig inszenierter und prominent besetzter investigativer Fernsehfilm „Saat des Terrors“ (SWR, ARD Degeto, BR, RBB, SR) thematisiert die Arbeitsweise der Geheimdienste und beleuchtet die komplexen Verkettungen des globalisierten Terrors zwischen Pakistan, Indien, Europa und den USA. „Saat des Terrors“ ist ein Politthriller über eine deutsche BND-Agentin, die in Pakistan herausfindet, dass Anschläge in Mumbai unmittelbar bevorstehen. Bei dem Versuch, diese Anschläge in letzter Sekunde zu vereiteln, muss sie erfahren, dass ihre Anstrengungen von unterschiedlichsten Nachrichtendiensten hintertrieben werden. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten. In den Hauptrollen spielen Christiane Paul, Axel Milberg, Heiner Lauterbach, Navid Negahban. Im Anschluss an den Fernsehfilm „Saat des Terrors“ folgt die Dokumentation „Spur des Terrors“ (SWR, Redaktion: Thomas Reutter). Autor Daniel Harrich erzählt darin die Geschichte des US-Geheimagenten David Coleman Headley, der unter den Augen der westlichen Geheimdienste zum islamistischen Doppelagenten und Terror-Mastermind wurde. Dabei hinterfragt der investigative Filmemacher die Rolle der westlichen Geheimdienste, auch des BND: Welche Verantwortung tragen unsere Dienste am Aufbau der Terrorzellen in Pakistan, die später Anschläge in Europa verübten? Exklusive Interviews mit Augenzeugen und Geheimdienst-Mitarbeitern sowie Video- und Gerichtsdokumente belegen fatale Fehler der Nachrichtendienste. „Saat des Terrors“ ist eine Produktion der diwafilm im Auftrag von SWR, ARD Degeto, BR, RBB, SR für Das Erste. Regie: Daniel Harrich, Buch: Gert Heidenreich und Daniel Harrich. Die Redaktion liegt bei Manfred Hattendorf (SWR, federführend), Christine Strobl (ARD Degeto), Claudia Gladziejewski (BR), Verena Veihl (RBB) und Andrea Etspüler (SR).Auch interessant
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In seinem Buch, Cutting the Fuse: The Explosion of Global Suicide Terrorism and How to Stop It (University of Chicago Press, 2010), argumentiert der US-Politikwissenschaftler Robert A. Pape und sein Co-Autor James K. Feldman, dass die ausländische militärische Übernahme einen Anstieg der Selbstmordattentate im Irak geschürt habe und nicht religiöser Extremismus.
US-Wissenschaftler: „Ausländische Besatzung ist der Auslöser für Selbstmordterrorismus“

