Frauen- und Gerechtigkeitsgipfel in Istanbul
Erdogan: Islam erlaubt keine Diskriminierung von Frauen

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Istanbul (nex) – Die Religion des Islam rechtfertigt keine geschlechtsspezifische Diskriminierung von Frauen, sagte der türkische Staatspräsident am Freitag.
Recep Tayyip Erdogan betonte in seiner Ansprache auf dem dritten Frauen- und Gerechtigkeitsgipfel in Istanbul die Gleichstellung von Frau und Mann im Islam.
„Als Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft, die jeden Menschen unabhängig von Geschlecht und Hauptfarbe als ein Geschöpf Allahs betrachtet, ist es uns nicht möglich, Frauen zu diskriminieren“, sagte Erdogan. Er würdigte in seiner Rede die Frauen und bezeichnete sie als unverzichtbar für das Familien- und Geschäftsleben.
In der türkischen Kultur und im Islam sei die Familie durch die gemeinsamen Bemühungen von Frau und Mann geprägt, so Erdogan weiter. Ein Verständnis, das Frauen vom Geschäftsleben und Männer vom Zuhause isoliert, sei gegen das Konzept der Familie.
Für die Verbesserung ihrer Frauen-, Kinder-, Menschen- und Tierrechte, solle sich die Türkei an ihre eigene Geschichte und Kultur orientieren und nicht die der westlichen Länder, die selbst noch keine Lösungen zu diesen Problemen gefunden hätten.
„Es ist für uns nicht verwunderlich, dass die Mentalität, die Frauen in der Vergangenheit als Ware benutzt hat, sie auch heute unter dem Deckmantel der Gleichheit benutzt“, sagte er.
„Das sind 17,5 Prozent des türkischen Parlaments. Dies stellte einen neuen Rekord auf, wenn auch nicht genug“, sagte Erdogan.
Aktive Beteiligung türkischer Frauen am Geschäftsleben
Erdogan erwähnte auch die Rolle der türkischen Frauen in der Politik, in der Wissenschaft und in vielen anderen Bereichen. Im türkischen Parlament mit seinen 600 Sitzen seien 104 Frauen vertreten.
„Das sind 17,5 Prozent des türkischen Parlaments. Es stellte einen neuen Rekord auf, wenn auch nicht genug“, sagte Erdogan.
Er sagte, dass die Quote für die Beteiligung türkischer Frauen am Erwerbsleben während der Regierungszeit der von ihm gegründeten Partei AKP, seit Ende 2002 gestiegen sei.
„An türkischen Universitäten sind fast die Hälfte der Akademiker – mindestens 44 Prozent – Frauen“, sagte er und fügte hinzu, dass dasselbe für Architekten und Anwälte gelte.
„Mehr als 20 Prozent der türkischen Diplomaten sind ebenfalls Frauen“, fügte er hinzu.

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Lirakrise
Türkei: Lira erreicht 15-Wochen-Hoch

Istanbul (nex) – Nach der Abwärtsspirale der ersten Monate diesen Jahres, befindet sich die türkische Währung in den letzten Monaten in einem steten Aufwärtskurs und konnte auch diese Woche ihren Wertzuwachs gegenüber dem Dollar und dem Euro fortsetzen. Am heutigen Donnerstag erreichte die Lira ein erneutes Rekord-Hoch. Sie stieg um 13.20 Uhr (Ortszeit) auf bis zu 5,2871 Dollar und erreichte somit den höchsten Stand seit dem 7. August diesen Jahres als sie für 5,30 gehandelt wurde. Ein Rekord-Tief erreichte die Lira am 12. August wo sie bis auf 7,04 gefallen war. Auch gegenüber dem Euro hat die türkische Währung weiter Boden gut gemacht. Am 13. August erreichte der Euro mit 8,02 gegenüber der Lira einen Rekordwert und fiel seitdem auf den heutigen Tiefstand von 6,0628.

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– Putin in der Türkei – TurkStream Gas-Pipeline: Türkei und Russland möchten Handelsvolumen auf 100 Milliarden Dollar erhöhen

Mit der Fertigstellung der TurkStream-Pipeline werde die Türkei zu einer wichtigen internationalen Energiedrehscheibe, sagte Putin am Montag in Istanbul.

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Börsensturz
USA: Über 1 Billion Dollar Verlust – Technologie-Riesen brechen ein

New York (nex) – Die jüngsten Kurseinbrüche, die seit Montag an der New Yorker Börse für Besorgnis unter den Anlegern führen, haben die Technologie Konzerne am stärksten getroffen. Wie CNN berichtet, betrage der Gesamtverlust bei den sechs Zugpferden der Wall Street 1,1 Billionen Dollar. Die Kurse von Apple, Amazon, Microsoft, Facebook, Netflix und Alphabet Inc. liegen im Vergleich zu ihren Allzeithochs vom Juli-Oktober nun insgesamt 10 % niedriger. Die größten Verluste verzeichneten die Kurse von Apple und Facebook mit über 20 % Rückgang. Technisch betrachtet, befinden sich die Aktien der FAB 6 (Fabulous Six, so werden die sechs größten Technologiekonzerne genannt) nun im Abwärtstrend, ein Zustand, den die Anleger dieser Konzerne selten gesehen haben. Obwohl diesen Kursentwicklungen makroökonomische, wie auch geopolitische Umstände zugrunde liegen, wie die Normalisierung der Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank oder der wieder entfachte Handelsstreit zwischen der USA und China, spielen bei den enormen Verlusten der Technologie Giganten weitere Faktoren eine gewichtige Rolle. Konzerninterne und sektorspezifische Entwicklungen der letzten Monate bewegen die Investoren, die Zugpferd Rolle der FAB 6 zu hinterfragen. Es gebe laut Wall Street Journal Anzeichen, dass kostspielige Gadgets wie Apples iPhone einer sinkenden Nachfrage gegenüberstünden. Apple habe einem Bericht des Wall Street Journals zufolge Aufträge an Zulieferer für die Modelle iPhone XR, iPhone XS und iPhone XS Max gekürzt. Bei Zulieferern von Apple, wie der Foxconn Technology Group aus China, kam es laut Bloomberg zu signifikanten Ausgabenkürzungen für das nächste Jahr. Und CNN berichtete über Warnungen weiterer Zulieferer über Verkaufsrückgänge. Bei Amazon gibt es ebenfalls berechtigte Gründe zur Sorge für die Anleger. Das aggressive Expandieren des Vertriebsriesen in den Einzelhandel, die Cloud Technologie und den Mediensektor, könne laut CNN eine kartellrechtliche Untersuchung nach sich ziehen, wie es im Falle von Microsoft Ende der neunziger Jahre war. Und dann gebe es noch die zunehmend größer werdende Wahrscheinlichkeit von verstärkten staatlichen Eingriffen bei Technologie Konzernen. Die massiven Verletzungen der Privatrechte von Nutzern, wie sie unter anderem beim Cambridge Analytica Skandal von Facebook zutage traten, würden laut Apple`s CEO Tim Cook aufzeigen, dass freie Marktwirtschaft nicht immer funktioniere. Wie er in einem Interview gegenüber HBO erklärte, seien staatliche Regulierungen aufgrund dessen unausweichlich. Solche staatlichen Regulierungen würden für Technologie Konzerne wie Facebook und Google, die auf Werbeeinnahmen stark angewiesen sind, immense Folgen haben. Trotz der massiven Einbrüchen an der Wall Street sind die Anleger laut CNN keineswegs pessimistisch oder gar in Krisenstimmung. Der jetzige Stand der Kurse berge viele Möglichkeiten, günstig in Unternehmen mit aussichtsreicher Zukunft zu investieren. Ob auch die Zukunft der FAB 6 so aussichtsreich erscheine, sei für die Anleger fraglich. Nicht zuletzt, wenn man in Betracht zöge, dass sie immer noch weit über Wert gehandelt werden: Netflix und Google sind an der Börse 60 mal so hoch dotiert, wie sie Gewinnerwartungen für das kommende Jahr prognostizieren. Engin Kara

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– Lirakrise – Anstieg von fast 25 Prozent: Türkische Lira erreicht gegenüber Dollar 3-Monats-Hoch

Die türkische Währung setzt ihren Aufwärtskurs der letzten Wochen gegenüber dem US-Dollar unvermindert fort. Sie erreichte am Dienstag mit 5,33 den höchsten Stand seit dem 12. August, wo ihr Kurs auf 7,0458 gefallen war. Gegenüber dem Euro stieg der Kurs sogar um fast 26 Prozent auf 6,12.

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Syrien
Türkei bohrt Wasserbrunnen für über 400.000 Syrer

Aleppo (nex) – „Die Türkei hat fast 70 Brunnen gebohrt, um den Wasserbedarf von über 400.000 Menschen in Nordsyrien zu decken, in einer Region, die kürzlich von Terroristen befreit wurde“, sagte Mevlut Aydin, der Leiter der staatlichen Wasserbehörde (DSI) der Türkei, am heutigen Mittwoch. Man arbeite hart, um den Wasserbedarf der Menschen in der durch die türkischen Streitkräfte geschaffenen Sicherheitszone zu decken, so Aydin. Die 69 Brunnen deckten den dringenden Trinkwasserbedarf von rund 432.000 Syrern. Die Militäroperation Schutzschild, die von August 2016 bis März 2017 dauerte, beendete die terroristische Bedrohung entlang der türkischen Grenze in den nordsyrischen Regionen Jarabulus, Al-Rai, Al-Bab und Azaz durch den Einsatz der freiheitlichen syrischen Armee, unterstützt durch türkische Artillerie und Luftdeckung. Neben dem Bohren neuer Brunnen habe die türkische Wasserbehörde zudem auch etwa 60 alte Brunnen renoviert, die ungenutzt und verfallen gewesen seien. Auch in den türkischen Provinzen nahe der syrischen Grenze, wie etwa Sanliurfa, Hatay und Kilis, habe die Behörde für den Bedarf von einer halben Millionen Flüchtlingen fast 50 Brunnen gebohrt, so Aydin weiter. Die Türkei beherbergt mit über 3,5 Millionen Flüchtlingen aktuell mehr Flüchtlinge als jedes andere Land, und etwa 3,2 Millionen dieser Flüchtlinge sind Syrer. Nach den Worten des türkischen Innenministers Süleyman Soylu habe die Türkei für die Beherbergung der Flüchtlinge bislang mehr als 25 Milliarden US-Dollar ausgegeben.

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– Humanitäres Engagement – Türkei: Sauberes Wasser für weitere Millionen Menschen in Afrika

Die Türkei wird weitere neun afrikanische Länder in der Wasserwirtschaft unterstützen. Dies gab Minister Veysel Eroglu am Mittwoch in Ankara bekannt. Bis dato sind türkische Projekte zur Wasserversorgung und Aufbereitung in acht Ländern präsent.

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Parteispendenaffäre
Bericht: Weitere Verbindungen der AfD zu millionenschweren Unterstützern

Köln – Offiziell distanziert sich die AfD von einem Verein, der millionenschwere Wahlwerbung finanzierte. Tatsächlich offenbaren interne E-Mails, die WDR, NDR und SZ vorliegen, jedoch bisher unbekannte Verbindungen zwischen der Partei und dem Unterstützerverein.

Öffentlich hat sich die AfD zuletzt stark distanziert vom „Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten“, der in den vergangenen Jahren millionenschwere Wahlkampfunterstützung für die AfD finanzierte. Denn, wenn sich eine enge Verbindung nachweisen ließe, würde sich die AfD dem Verdacht der illegalen Parteienfinanzierung aussetzen.

Diesem Verdacht geht seit zwei Jahren auch die Bundestagsverwaltung nach. Recherchen von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“, zeigen jetzt aber: Die Verbindung zwischen der AfD und dem mysteriösen Unterstützerverein ist deutlich enger als bisher bekannt. Eine Reihe von E-Mails, die vorliegen, legen nahe, dass Hans Hausberger, ein enger Vertrauter von Fraktionschefin Alice Weidel, im Jahr 2017 gezielt den Vereinsvorsitzenden David Bendels eingebunden hat, als es darum ging, Spender für eine parteinahe Stiftung der AfD zu suchen.

Hausberger lebt ebenfalls in Weidels Wahlkreis am Bodensee, sitzt dort inzwischen im Kreisvorstand. In der Partei gilt er als einflussreicher Strippenzieher. Am 10. Juli 2017 schreibt er an den Vertreter der geplanten AfD-Stiftung: „Hier die Mailadresse und Tel-Nr. von Bendels.“ Später wechselte die Organisationsstruktur nochmal, bevor die Stiftung als parteinahe Stiftung ausgewählt wurde.

Dass ein Vertrauter der damaligen AfD-Spitzenkandidatin Weidel bei einem strategisch und finanziell so wichtigen Parteiprojekt auf den Vereinschef Bendels verwies, zeigt, wie eng die Beziehungen zwischen beiden Organisationen damals gerade auch in grundsätzlichen Fragen waren. Hausberger räumt auf Anfrage ein, dass er Bendels kannte und vorgeschlagen habe, mit diesem eine mögliche finanzielle Unterstützung zu besprechen. Tatsächlich habe sich Anfang Oktober 2017, kurz nach der Bundestagswahl, Bendels mit einem Vertreter der geplanten AfD-Stiftung im Hotel Bayerischer Hof in München getroffen.

Bendels soll dabei die Unterstützung seiner „Investoren“ angeboten haben. Bendels selbst ließ eine Anfrage dazu unbeantwortet. An früherer Stelle hat er mitgeteilt, dass er als unabhängiger Verein es sich nicht nehmen lasse, für die AfD zu werben, in der er die einzige derzeit wählbare Partei sehe. Absprachen gebe es jedoch nicht. Die geplante Stiftung brauchte 2017 ein Gründungskapital von 50.000 Euro, um sich überhaupt als Stiftung eintragen lassen zu können.

In diesem Zusammenhang hat Weidel-Vertrauter Hausberger dem Stiftungsmann auch von nicht mehr benötigten Wahlkampfspenden auf einem Konto Weidels in ihrem Wahlkreis am Bodensee berichtet. Dabei handelte es sich laut Hausberger um jenes vor kurzem bekannt gewordenen Konto, auf dem insgesamt 132.000 Euro einer kleinen Schweizer Pharmafirma eingegangen waren.

Allerdings seien von diesem Konto dann keine Gelder an die geplante Stiftung geflossen. Er habe auch nur sagen wollen, „dass das eine Möglichkeit wäre, dass man da sieht, dass also Spenden durchaus zu akquirieren seien, zumal sie Frau Weidel gar nicht gebraucht hat.“ Natürlich habe er auch überlegt, der Herkunft des Geldes nachzugehen und den Spender möglicherweise zu kontaktieren. Dies sei aber nie erfolgt. Alice Weidel teilt auf Anfrage mit, dass sie sich angesichts der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Sie „zu einzelnen Sachverhalten des betreffenden Themenkomplexes zunächst nur gegenüber den Behörden äußern werde“.

Weidel-Vertrauter Hans Hausberger hat zu dem Bendels-Verein offenbar schon länger Kontakte. In einer weiteren E-Mail im Juli 2017 schrieb er, er habe zuvor „schon mal“ für die Stiftung einen Kontakt zu Bendels hergestellt. Damals sei der Kontakt über den damaligen Bundesvorsitzenden der AfD, Konrad Adam, gelaufen. Adam hat dies auf Anfrage schon vor längerer Zeit gegenüber WDR, NDR und SZ eingeräumt. Auch der AfD-Politiker Peter Boehringer, inzwischen Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Bundestag, hatte offenbar Kontakt zum mysteriösen Unterstützerverein.

Am 12. November 2017 schrieb Boehringer eine E-Mail in Kopie an David Bendels, in der er einen späteren Mitarbeiter von Alice Weidel darum bittet, mit Bendels Kontakt aufzunehmen. Bendels, so schreibt Boehringer, stehe „an verschiedenen relevanten Stellen in direktem und indirektem Kontakt mit der AfD und anderen Gleichgesonnenen“.

Auf Anfrage bestreitet Boehringer nicht, diese Mail geschrieben zu haben. Er stellt klar, dass es sich bei der E-Mail um einen trivialen Vorgang handelt. Bendels sei ihm als Publizist bekannt gewesen und hierauf habe sich der Kontakt beschränkt. Sollte sich herausstellen, dass es zwischen Partei und Verein enge Absprachen insbesondere in finanziellen Fragen gegeben hat, könnte die Bundestagsverwaltung Sanktionen wegen illegaler Parteienfinanzierung verhängen.

Für problematisch hält die nun bekannt gewordenen Verbindungen zwischen Parteimitgliedern und dem millionenschweren Unterstützerverein auch die Düsseldorfer Parteienwissenschaftlerin Sophie Schönberger: „Das legt nahe, dass es deutlich intensivere Kontakte zwischen AFD-Funktionären und dem Unterstützerverein gibt, als beide Seiten bisher eingestanden haben. Vor dem Hintergrund scheinen die bisherigen Angaben, dass es auch hinsichtlich der Wahlwerbekampagnen keine Absprachen gegeben hat, als sehr zweifelhaft. Ich gehe davon aus, dass die Bundestagsverwaltung dies prüfen wird.“

Die AfD ging in den letzten Wochen bereits auf deutliche Distanz zum Verein für Rechtsstaatlichkeit und hat ihn jüngst sogar verklagt, weil er den Anschein einer Nähe zur Partei erwecke. Auch der Verein hat immer wieder betont, dass er unabhängig von der Partei agiere. Alle deutschen Parteien sind mit sogenannten „parteinahen“ Stiftungen verbunden. Im Fall der CDU ist dies zum Beispiel die Konrad-Adenauer-Stiftung. Diese Stiftungen werben für die Weltsicht der Partei oder bilden Nachwuchskräfte aus.

Die Stiftungen sind auch finanziell interessant, weil sie staatliche Zuschüsse erhalten. Sie dürfen aber nicht zu nah mit den Parteien verbunden sein. Der Aufbau einer parteinahen Stiftung hatte im Sommer 2017 eine große Bedeutung für die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel und ihr Umfeld. Weidel kannte dem Mailverlauf zufolge offenbar potenzielle Geldgeber. Ihr Vertrauter Hausberger schrieb am 4. Juli 2017 in einer E-Mail an den Vertreter der geplanten Stiftung: „Alice sagte mir eben zu, ein paar Spender an der Hand zu haben, die nicht direkt an die Partei spenden wollen.“

Hausberger sagte dazu auf Anfrage, er hätte Alice Weidel um Hilfe bei der Suche nach Geldern für die Stiftung gebeten. Allerdings seien diese Überlegungen gescheitert. Just zur gleichen Zeit flossen auch die Gelder des anonymen Großspenders aus der Schweiz auf das Konto von Weidels Kreisverband am Bodensee. Doch diesen Spender, so versichert Weidel, kannte sie nicht.

Schlüsseldienstbetrug
Schlüsseldienst: Immer mehr Menschen fallen Betrügern zum Opfer

Schlüsseldienstbetrug erkennen und verhindern
Der Hausschlüssel ist neben der Geldbörse wohl das wichtigste Utensil der Menschen. Nur ungern würde man ihn verlegen oder gar verlieren. Allein schon das Vergessen in den eigenen vier Wänden zieht viele Probleme nach sich. Nicht selten hilft nur noch der Schlüsseldienst. Aber Vorsicht: Viele Unternehmen nutzen die Notsituation ihrer Kunden aus. Häufig kommt es dadurch zum Schlüsseldienstbetrug. Was Schlüsseldienstbetrug genau ist und wie Schlüsseldienstbetrug eigentlich funktioniert und verhindert werden kann, beäugen wir in diesem Artikel etwas genauer. Schließlich kann jeder einmal in diese Situation geraten – und dann ist guter Rat teuer.
Achtung: Ein Schlüsseldienst kann teuer werden
Wenn die Tür ins Schloss fällt und die Schlüssel noch in den eigenen vier Wänden sind, hilft oft nur der Schlüsseldienst. Ärgerlich, denn eine professionelle Türöffnung kann teuer werden. Je nach Wohnort, Lage und Zeitraum kann die Rechnung mehrere hundert Euro betragen. Wie in der Grafik unten ersichtlich ist, dürften die Schlüsseldienste bei einer fairen Behandlung ihrer Kunden aber nur 60-70 Euro verlangen. Oftmals sind Schlüsseldienste aber deutlich teurer. Die Summe setzt sich wie folgt zusammen:
  • Anfahrt: Wie weit ist das Unternehmen vom Wohnort entfernt?
  • Türöffnung: Um welche Art von Tür handelt es sich genau? Was muss der Dienstleister unternehmen?
  • Zuschlag: Muss die Türöffnung an einem Feiertag oder spät in der Nacht durchgeführt werden?
  • Mehrwertsteuer: Ein erheblicher Betrag geht – wie bei jeder Dienstleistung – an den Staat.
Schlüsseldienstbetrug erkennen & Aussperren verhindern Nicht wenige Menschen müssen einmal in ihrem Leben einen Schlüsseldienst kontaktieren. Vielen ist diese Aktion nicht nur peinlich, sondern auch zu teuer. Nicht nur die 44-jährige Hausfrau aus Geretsried musste eine saftige Rechnung bezahlen.  In der Notsituation rät jeder Rechtsanwalt und auch der Verbraucherschutz, ruhig zu bleiben und das betreffende Unternehmen zu prüfen. Eine Nötigung durch einen Schlüsseldienstbetrug kann leicht erkannt werden:
  • Viele Telefonnummern: Bietet ein Schlüsseldienst Telefonnummern aus mehreren Städten an, wird er vermutlich eine weite Anfahrt und riesige Rechnung präsentieren.
  • Keine Preisauskunft: Ist der zu bezahlende Preis nicht leicht ersichtlich oder auch gar nicht erfragbar, hat das Unternehmen vermutlich einiges zu verbergen – und einen heimtückischen Plan mit der Rechnung vor.
  • Mehrere Einträge im Branchenbuch: Sollte das Unternehmen unter mehreren verschiedenen Namen in einem Branchenbuch geführt werden, ist die Gefahr eines Schlüsseldienstbetrugs sehr hoch.
Die deutlich bessere Variante ist ohnehin, dass man das Aussperren grundsätzlich verhindert. Auch dafür gibt es ein paar hilfreiche Tipps und Tricks. Werden diese eingehalten, setzt man sich der Gefahr eines Schlüsseldienstbetrugs gar nicht erst aus.
Die Schlüssel für die eigenen vier Wände sollte man besser nie vergessen. Ansonsten hilft oft nur ein professioneller und seriöser Schlüsseldienst. (Beispielfoto: pixa)
Kontrolle: Bevor die Tür geschlossen wird, sollte man kontrollieren, ob der Schlüssel mitgeführt wird. Schlüssel hinterlegen: Um bei einer Aussperrung nicht den Schlüsseldienst kontaktieren zu müssen, bietet es sich an, bei einem guten Freund oder Familienmitglied einen Zweitschlüssel zu hinterlegen. Schlüssel verstecken: Wer einen großen Garten besitzt, kann sich seinen Zweitschlüssel auch selbst hinterlegen. Ein gutes Versteck ermöglicht den Zugriff zu jeder Tages- und Nachtzeit – und ist sicher!
Vorsicht: So schützt man sich vor Schlüsseldienstbetrug
Bei all der Gefahr von einem Betrug durch den Schlüsseldienst, können sich die Opfer – selbst in einer solchen Notsituation – selbst sehr gut schützen. Wer von den Gefahren und Tipps & Tricks der Betrüger weiß, der kann Gegenmaßnahmen ergreifen, um gar nicht erst in eine solche Situation zu geraten. Denn wurde die Dienstleistung erst einmal durchgeführt und die horrende Rechnung gestellt, ist ein Entkommen aus der Bezahlpflicht äußerst schwierig. Dabei kann man sich vor einem Schlüsseldienstbetrug ganz einfach selbst schützen, indem man ein paar hilfreiche Tipps und Tricks beachtet und befolgt. Unternehmen prüfen: Bevor der Ausgesperrte ein Unternehmen kontaktiert, sollte er sich über die Firma etwas genauer informieren. So kann zum Beispiel die Polizei und die Handwerkskammer befragt werden. Außerdem sind Bewertungen ehemaliger Kunden im Internet sehr hilfreich. Preis verhandeln: Wer den Festpreis und den Preis für die Anfahrt nicht vor der Dienstleistung abspricht, der darf sich über eine hohe Rechnung im Nachhinein nicht beschweren. Deutlich cleverer ist, den zu bezahlenden Preis schon vor der Anfahrt exakt abzusprechen und erst dann die Dienstleistung in Auftrag zu geben. Fragen stellen: Ist der Mitarbeiter des Unternehmens Zuhause eingetroffen, sollten vor dem Start der Dienstleistung noch ein paar Fragen gestellt werden. So ist ein Ausweis der betreffenden Person zu sichten, ebenso wie das Einholen einer Bestätigung bezüglich des Preises. Mit Zeugen warten: Allgemein ist zu empfehlen, dass die ausgesperrte Person nicht allein vor der Wohnungstür auf den Schlüsseldienst wartet. Wer einen Zeugen vorweisen kann – zum Beispiel im Hinblick auf den vereinbarten Preis – hat vor Gericht deutlich bessere Karten, Recht zu bekommen. Alles in Allem kommt ein Schlüsseldienstbetrug zwar durchaus häufig vor, doch die Kunden können sich durch ein kluges Verhalten selbst davor schützen. Wer die Anzeichen eines Schlüsseldienstbetrugs kennt und weiß, wie er diesen begegnen kann, der wird auch mit keiner hohen Rechnung konfrontiert. Doch es gilt zu bedenken: Vorsicht ist besser als Nachsicht, gerade wenn es um einen Schlüsseldienst geht.

Jemen-Krise
Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate kündigen 500-Millionen-Dollar-Hilfe für Jemen an

Riad (nex) – Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, die gemeinsam eine Koalition arabischer Staaten anführen, gleichzeitig im Jemen gegen die Huthi-Bewegung kämpfen, haben am Dienstag ein neues Nahrungsmittelhilfeprogramm für Jemen im Wert von 500 Millionen Dollar zugesagt. „Die Initiative zielt darauf ab, Nahrungsmittel für rund 10 – 12 Millionen Jemeniten zu sichern“, sagte Abdullah bin Abdulaziz al-Rabiah, der Leiter des King Salman Humanitarian Aid and Relief Center, am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Saudi-Arabien, die VAE und Kuwait hätten der UN für humanitäre Hilfe in Jemen insgesamt 1,25 Milliarden Dollar angeboten. „Wir koordinieren uns mit den UN-Organisationen, um den Bedürftigen im Jemen zu helfen“, so al-Rabiah. Mehr als 20 Millionen Menschen, darunter 10 Millionen Kinder, bräuchten dringend humanitäre Hilfe und über 400.000 Kinder seien durch „akute Unterernährung“ dem Risiko des Todes ausgesetzt. Die Situation verschlechterte sich, als Saudi-Arabien im vergangenen Jahr die Grenzen schloss. Die Grenzschließung hat dazu geführt, dass die Auslieferung von Hilfsgütern nahezu zum Erliegen gekommen ist. Die Vereinten Nationen hatten Saudi-Arabien mehrmals aufgefordert, die anhaltende Blockade der Seehäfen des Jemen sofort zu beenden. Der Jemenkonflikt hat sich zur größten humanitären Katastrophe weltweit entwickelt. 21 Millionen Jemeniten sind betroffen. Zwei Millionen Vertriebene, eine Million Rückkehrer, 280.000 Flüchtlinge und Asylsuchende kämpfen derzeit ums Überleben.

Der Jemen befindet sich seit Ende 2014 in einem Bürgerkrieg. Die Huthis und ihre Verbündeten brachten damals die Hauptstadt Sanaa sowie andere Teile des Landes unter ihre Kontrolle. Sie zwangen Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und seine von Saudi-Arabien gestützte Regierung, nach Riad zu fliehen.

Im März 2015 starteten Saudi-Arabien und seine Verbündeten eine massive Militäroffensive im Jemen mit dem Ziel, die von den Huthis eingenommenen Gebiete zurückzuerobern und Hadis angeschlagene pro-saudische Regierung wieder einzusetzen.

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– Hungerkatastrophe – Jemen: „Die größte humanitäre Katastrophe der Welt“

Angesichts der heute in Genf stattfindenden Geberkonferenz für den Jemen warnt das UN-Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) vor weiteren Vertreibungen. Der Konflikt an der Westküste des Landes werde immer heftiger ausgetragen.

Jemen: „Die größte humanitäre Katastrophe der Welt“
 

Wirtschaft
Allianz diskutiert Ausstieg aus Öl-Investments

Frankfurt – Nach dem angekündigten Rückzug aus Investitionen in die Kohle-Industrie diskutiert die Allianz auch einen Ausstieg aus der Öl-Industrie. Auf die Frage nach dem Umgang mit der Öl-Industrie sagte Andreas Lindner, Chefanleger der Lebens- und Krankenversicherungstöchter dem Wirtschaftsmagazin ‚Capital‘: „Die Frage ist berechtigt, und wir führen intern eine Diskussion, die noch nicht abgeschlossen ist.“ Nach Unternehmensangaben debattieren Mitarbeiter der Allianz Investment Management die Öl-Investments, diese Allianz-Gesellschaft legt das Geld für die Versicherungstöchter der Allianz an. Dazu zählen auch die Lebens- und die Krankenversicherung, die mit einem Anlagevolumen von circa 300 Mrd. Euro zu den größten Investoren in Deutschland zählen. Der Versicherer will Papiere von Unternehmen verkaufen, die eine Diskussion über Nachhaltigkeit verweigern Die Allianz-Gruppe hatte bereits 2015 angekündigt, das Geld ihrer Kunden nicht mehr in Unternehmen anzulegen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erwirtschaften. Erst im Mai dieses Jahres hatte die Allianz die Regel präzisiert und angekündigt, ihre Investments in Kohleunternehmen bis 2040 auf null herunterzufahren. Ein Ausstieg aus Ölkonzernen würde diese Linie noch einmal deutlich verschärfen. Kenner der Diskussion räumen ein, angesichts des Klimawandels gebe es für Versicherungskonzerne wie die Allianz starke Argumente, auch aus Öl-Investments auszusteigen. Der Versicherer will Papiere von Unternehmen verkaufen, die eine Diskussion über Nachhaltigkeit verweigern Lindner kündigte darüber hinaus an, die Allianz werde bald erste Konsequenzen aus ihren Bemühungen ziehen, nachhaltiger zu investieren: „Wir haben im Februar Gespräche mit 22 Unternehmen begonnen, bei denen die Nachhaltigkeitswerte nicht unseren Erwartungen entsprechen. Drei Unternehmen haben sich bisher einem Dialog verweigert. Jetzt sind wir kurz davor, abzubrechen und die Papiere zu verkaufen.“ Um welche Unternehmen es sich handelt, wollte Lindner jedoch nicht sagen.

Kommentar
Europäisches Finanzsystem: Die Warnzeichen nehmen zu

Ein Kommentar von Ernst Wolff Zwei Meldungen vom Anfang vergangener Woche sind in den Medien weitgehend unbeachtet geblieben. Am Montag wurde bekannt, dass die neuntgrößte italienische Bank es in der Vorwoche nicht geschafft hat, sich dringend benötigtes frisches Kapital in Höhe von 560 Millionen Euro zu besorgen. Zwei Tage später teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (die Summe aller in einem Jahr produzierten Waren und erbrachten Dienstleistungen) gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent gesunken sei. Unter normalen Umständen wären beide Meldungen in der Tat kaum einen Kommentar wert gewesen. Aber die derzeitigen Umstände innerhalb der EU sind alles andere als normal. Das Euro-System wird seit zehn Jahren durch die EZB künstlich am Leben erhalten und gleicht mittlerweile einem Schwerkranken, bei dem schon kleine Ursachen große Wirkung haben können. Betrachten wir die erste Meldung: Die Banca Carige ist im dritten Quartal dieses Jahres tief in die roten Zahlen gerutscht und braucht daher dringend frisches Geld. Da sie nicht in der Lage ist, sich dieses am Markt zu verschaffen, müsste nun eigentlich geltendes EU-Recht angewendet werden: Anteilseigner, Einleger und Sparer der Bank müssten durch ein Bail-in zur Kasse gebeten werden, um die Bilanzlöcher zu stopfen. Das aber wird verweigert, einerseits von der italienischen Regierung, weil sie weiß, dass ein Bail-in die Bevölkerung gegen sie aufbringen würde, andererseits von den italienischen Banken, weil sie den Zorn der Bevölkerung und einen möglichen Bank-Run fürchten. Also läuft alles auf ein weiteres Bail-out hinaus, eine Rettung mit Hilfe von Steuergeldern oder durch einen Rettungsfonds der italienischen Banken- und Versicherungsbranche. Ein Bail-out aber wird entweder den Staat oder das ohnehin schwer angeschlagene italienische Bankensystem noch tiefer verschulden und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die EU in absehbarer Zukunft rettend eingreifen muss. Die Bürokraten in Brüssel wiederum stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber, denn das italienische Bankensystem ist so groß, dass es auf Biegen und Brechen am Leben erhalten werden muss, da es sonst die gesamte Eurozone und mit ihr das globale Finanzsystem in den Abgrund reißen würde. Hier ist also ein Prozess im Gange, der, egal wie die Akteure handeln, zwangsläufig zum weiteren Zerfall des Euro-Finanzsystems und zum weiteren Auseinanderbrechen der EU beiträgt. Bei der zweiten Meldung, dem Rückgang des deutschen Wirtschaftswachstums, handelt es sich zwar nur um eine Größenordnung von 0,2 Prozent gegenüber dem vorherigen Quartal. Viel wichtiger als die Zahl aber ist die langfristige Tendenz, die sich dahinter verbirgt: Alle Anzeichen, wie zum Beispiel der Rückgang des Aktienmarktes um mehr als zehn Prozent innerhalb eines Jahres, deuten zurzeit darauf hin, dass es in Deutschland und der gesamten Eurozone – wahrscheinlich sogar weltweit – zu einer Rezession, also einer Abschwächung der Konjunktur mit folgender Depression (dem Konjunkturtief) kommen wird. Dieser Abschwung aber fällt in eine Zeit, in der die Zentralbanken gerade eine historische Wende vollziehen: Nachdem sie zehn Jahre lang auf den Finanzmärkten riesige Blasen erzeugt haben, versuchen sie, das Ruder herumzureißen, weniger Geld ins System zu pumpen und die Zinsen zu erhöhen. Das ist in etwa dasselbe, als ob ein Patient, der im künstlichen Koma liegt und dem man gerade wegen der Nebenwirkungen die kreislaufstärkenden Mittel entzieht, einen Schwächeanfall erleiden würde. Das Ergebnis ist mit absoluter Sicherheit eine weitere Verschlechterung seines Zustandes. Da in den vergangenen Jahren riesige Mengen an Aktien und Anleihen auf Kredit gekauft wurden, diese aber seit geraumer Zeit an Wert verlieren, geraten Spekulanten zurzeit immer stärker unter Druck: Ihr Anlagevermögen schmilzt, aber ihre Schulden bleiben und sind im Fall einer Zinserhöhung noch schwieriger zu bedienen. Sie stehen also vor der Alternative: Mit Verlust verkaufen oder das Risiko eingehen, die Papiere zu halten – mit der Gefahr, dass die Kreditgeber ihr Geld irgendwann bei noch niedrigeren Kursen einfordern. Ganz gleich, wie man die Dinge dreht und wendet – die Zentralbanken sitzen in der Falle: Wenn sie die Politik der Verknappung des Geldes fortsetzen, würgen sie die Märkte ab, wenn sie zur expansiven Geldpolitik zurückkehren, riskieren sie ein Platzen der Blasen. Was wir derzeit erleben, ist im Grunde nichts anderes als die Bestätigung zweier allgemeingültiger Wahrheiten: Man kann nicht ungebremst Geld ins System pumpen, ohne riesige Blasen an den Märkten zu erzeugen und das Geld dabei zu entwerten, und man kann die Zinsen nicht bis unter Null drücken, ohne dadurch eine gigantische Schuldenlawine zu erzeugen. Beides ist geschehen und deshalb ist es vollkommen gleichgültig, was die Verantwortlichen in den nächsten Wochen und Monaten unternehmen, um das Finanzsystem noch länger am Leben zu erhalten – ihre Maßnahmen werden so oder so dazu beitragen, es noch weiter zu untergraben und schlussendlich zu zerstören.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Ernst Wolff
Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches Finanz-Tsunami: Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“.
Wolff, geboren 1950, aufgewachsen in Südostasien, Schulzeit in Deutschland, Studium in den USA. Der Journalist und Spiegel-Bestseller-Autor (»Weltmacht IWF«) beschäftigt sich seit vierzig Jahren mit der Wechselbeziehung von Politik und Wirtschaft. Sein Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, mit denen die internationale Finanzelite die Kontrolle über entscheidende Bereiche unseres Lebens an sich gerissen hat: »Nur wer diese Mechanismen versteht und durchschaut, kann sich erfolgreich dagegen zur Wehr setzen.«

Kommentar
Friedrich Merz und die zunehmende Verschmelzung von Politik und Finanzelite

Ein Kommentar von Ernst Wolff Es ist ein Trend, der viel über den Zustand unserer Gesellschaft aussagt: Der immer häufiger auftretende fliegende Personalwechsel zwischen Politik und Wirtschaft, der zu einer zunehmenden Verschmelzung beider Lager geführt hat. Gerhard Schröder verließ nach seiner Wahlniederlage 2005 das Kanzleramt für einen Platz im Topmanagement des russischen Gazprom-Konzerns und arbeitet heute als Vorsitzender des Aktionärsausschusses der Nordstream AG. Sein grüner Vizekanzler und Außenminister Joschka Fischer, ehemaliger Straßenkämpfer, lässt sich seit 2005 u.a. als Berater von seinen ehemaligen Feindbildern Siemens, BMW und RWE entlohnen. Der von den Grünen zur SPD gewechselte Otto Schily sitzt in den Aufsichtsräten zweier Unternehmen für biometrische Anwendungen, für die er sich als Innenminister stark gemacht hatte. Der grüne Atomkraftgegner Rezzo Schlauch, bis 2005 parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, wurde Mitglied im Beirat eines der größten Kernkraftwerksbetreiber und sitzt heute neben seiner Tätigkeit als albanischer Honorarkonsul im Aufsichtsrat eines chinesischen Zahnersatz-Unternehmens. SPD-Mann Peer Steinbrück, als Finanzminister an der Rettung mehrerer maroder Banken beteiligt, wechselte 2016 als Berater zur Großbank ING Diba. Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr von der FDP bekleidet einen Posten im Vorstand des weltgrößten Versicherungskonzerns Allianz SE und sein Parteifreund Dirk Niebel, Ex-Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bezieht sein Gehalt heute vom größten deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall. Dass ein solcher Frontenwechsel auch in umgekehrter Reihenfolge möglich ist, hat vor kurzem Jörg Kukies bewiesen: Der ehemalige Co-Vorsitzende von Goldman Sachs Deutschland arbeitet jetzt als Staatssekretär unter Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz von der SPD. Mit Friedrich Merz ist nun ein weiterer Frontenwechsler in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, der bei einer erfolgreichen Wahl zum CDU-Vorsitzenden sogar von sich behaupten könnte, als erster den Sprung in beide Richtungen geschafft zu haben. Merz wurde 2002 von Angela Merkel von seinem Posten als Fraktionsvorsitzender verdrängt, verlor zunehmend an Einfluss und vollzog 2009 nach verlorenem Machtkampf gegen die Kanzlerin den Wechsel von der Politik in die Wirtschaft. Seitdem saß er in mehreren Aufsichtsräten, u.a. bei der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus, die seit einiger Zeit im Fokus der Justiz steht, weil sie in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt ist, mit denen sich Investoren ihnen nicht zustehende Steuerrückerstattungen aus Aktiengeschäften erschleichen. Außerdem arbeitet Merz als Senior Counsel für die Anwaltskanzlei Mayer Brown LLP, die ihren Kunden unter anderem bei der Bewältigung juristischer Probleme im Zusammenhang mit genau solchen Cum-Ex-Geschäften hilft. Zudem ist er seit Anfang 2016 auch Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Tochtergesellschaft des Hedgefonds BlackRock, der es mit besonders aggressiven Geschäftsmethoden geschafft hat, innerhalb von dreißig Jahren zum größten Vermögensverwalter der Welt aufzusteigen und der durch seine Beteiligungen an allen DAX-Unternehmen erheblichen wirtschaftlichen Einfluss in Deutschland ausübt. Sollte Merz der Sprung an die Spitze der CDU und möglicherweise ins Kanzleramt gelingen, so würde damit ein Vertreter des hemmungslosesten Sektors der Finanzindustrie die Führung von Partei und Regierung übernehmen und damit einem Trend Rechnung tragen, der sich international immer stärker durchsetzt: Der Besetzung hoher politischer Ämter durch Quereinsteiger aus der Finanzwelt. Welche Folgen das für die arbeitende Bevölkerung hat, zeigen vier internationale Beispiele: In Italien und Griechenland leiteten zwei Goldman-Sachs-Banker, die als „Technokraten“ zu Premierministern ernannt wurden, besonders harte Formen der Austeritätspolitik ein. In den USA vertieften Baumilliardär Trump und sein Finanzminister Mnuchin, ebenfalls Goldman-Sachs-Mann, mittels Steuererleichterungen für Ultrareiche die ohnehin gewaltige Kluft zwischen Arm und Reich und in Frankreich führt der ehemalige Rothschild-Banker Macron als Premier einen Feldzug gegen die Rechte der arbeitenden Bevölkerung, um das Land für Investoren attraktiver zu machen. Auf einer Pressekonferenz in dieser Woche sagte Merz, er werde seine beruflichen Erfahrungen auf nationaler und internationaler Ebene in seine zukünftige Tätigkeit einbringen. Aus dem Mund eines Anwalts, der Investoren in Sachen Steuervermeidung berät, für eine wegen ihrer dubiosen Praktiken ins Zwielicht geratene Privatbank arbeitet und eine mit allen Wassern gewaschene Vermögensverwaltung für Milliardäre beaufsichtigt, klingt das wie eine Drohung, die alle arbeitenden Menschen in diesem Land ernst nehmen sollten.
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Ernst Wolff
Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches Finanz-Tsunami: Wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht“.
Wolff, geboren 1950, aufgewachsen in Südostasien, Schulzeit in Deutschland, Studium in den USA. Der Journalist und Spiegel-Bestseller-Autor (»Weltmacht IWF«) beschäftigt sich seit vierzig Jahren mit der Wechselbeziehung von Politik und Wirtschaft. Sein Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, mit denen die internationale Finanzelite die Kontrolle über entscheidende Bereiche unseres Lebens an sich gerissen hat: »Nur wer diese Mechanismen versteht und durchschaut, kann sich erfolgreich dagegen zur Wehr setzen.«