Recherchebericht
Großbritannien: Kranke Flüchtlinge monatelang interniert

London (nex) – Die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtet am Donnerstag von einer schockierenden Untersuchung britischer Asyllantenlager für Asylbewerber, deren Antrag negativ beschieden wurde und die nun auf ihre Abschiebung warten. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Guardian von 11 unabhängigen Anwaltskanzleien und NGOs durchgeführt. Großbritannien ist das einzige europäische Land, in dem Asylanten auf unbegrenzte Zeit interniert werden dürfen, aber die Untersuchung befand, dass 56% der Insassen Erwachsene mit Gesundheitsrisiko, Personen die gefoltert wurden oder zum Suizid neigen. Das widerspricht den Bestimmungen des britischen Innenministeriums. Ein Drittel der Internierten hatte abhängige Kinder in Großbritannien, 84% wussten nicht, wann sie abgeschoben würden. Fast die Hälfte der Insassen hatten nie ein Verbrechen begangen, die Internierung dauert im Durchschnitt 4 Monate. Die Wartezeit dauert bis zu 3 Jahren. Die überwiegend Anzahl der Inhaftierten lebte zuvor über 20 Jahre in Großbritannien. 30 % der Kinder werden in Lagern für Erwachsene interniert. Großbritannien interniert 25.000 Personen pro Jahr; das kostet den Steuerzahler 108 Millionen Pfund. Das Innenministerium besteht darauf, dass Internierung ein unverzichtbarer Bestandteil der Asylpolitik sei. Verbesserungen der Bedingungen der Internierten wurden lange versprochen, aber nie wirklich eingelöst. Die Innenministerin des Schattenkabinetts der Labour Party, Diane Abbot, bezeichnete die Ergebnisse der Untersuchung als schockierend, aber keineswegs unerwartet. Angesichts dieser Studie darf man daran erinnern, dass es bekannt ist, dass eine große Zahl von Kindern in griechischen Flüchtlingslagern Suizidgedanken haben. Die Zustände im australischen Auffanglager in Nauru sind hinlänglich bekannt. Mitarbeiter haben ihre Schließung gefordert. Vor kurzem haben australische Mediziner gefordert, dass zumindest Kinder, die dringend medizinischer Hilfe bedürfen, in australischen Krankenhäusern behandelt werden dürfen. Der Präsident der AMA hat sich an die Regierung gewendet. Der auf sein Christentum stolze Premier Morrison hat das abgelehnt . Es scheint fast so, als ob Großbritannien im eigenen Land ähnlich wie Australien wirtschaftet. (hcg)

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– Flüchtlingslösungen – Polnischer Ex-Premier Tusk: „Die Türkei ist das beste Beispiel für die ganze Welt, wie wir mit Flüchtlingen umgehen sollten“

„Keiner hat das Recht, der Türkei Unterricht darin zu erteilen, was sie zu tun habe“, stellte Tusk klar und fügte hinzu: „Dies ist nicht nur eine politische förmliche Einschätzung meinerseits. Das ist ebenso mein inneres persönlichstes Gefühl.“

Polnischer Ex-Premier Tusk: „Die Türkei ist das beste Beispiel für die ganze Welt, wie wir mit Flüchtlingen umgehen sollten“

Ägypten
Kairo: 17 Kirchen-Bomber zu Tode verurteilt

Kairo (nex) – Ein ägyptisches Militärgericht verurteilte am heutigen Donnerstag 17 Menschen zum Tode. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur MENA waren sie in den Jahren 2016 und 2017 an Bombenangriffen auf Kirchen beteiligt. Für Angriffe auf Kirchen in Kairo, Alexandria und Tanta, seien zudem 19 weitere Angeklagte zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Bei den Angriffen 2016 und 2017, die sich gegen koptische Christen richteten, wurden 74 Menschen getötet. Kopten machen  etwa 10 Prozent der überwiegend sunnitischen muslimischen Bevölkerung Ägyptens aus. Christliche Gotteshäuser in ganz Ägypten sind immer wieder Ziele von Angriffen. Die Terrororganisation IS bekannte sich zu den Anschlägen. Ein Selbstmordanschlag am 11. Dezember 2016 auf die Kirche St. Peter und St. Paul tötete 29 Menschen im Herzen von Kairo. Im folgenden April wurden 45 Menschen getötet, als sich Christen versammelten, um den Palmsonntag in den Städten Tanta und Alexandria zu feiern. Bereits im April dieses Jahres verurteilte ein ägyptisches Gericht in Zusammenhang mit diesen Angriffen 36 Personen zum Tode.      

Türkei
Internationale Konferenz zur muslimischen Umma findet in Istanbul statt

Istanbul (nex) – An einer Universität in Istanbul findet vom 14. bis 16. Oktober die zweite „International Conference on the Muslim Ummah“ statt, an der zwanzig internationale Wissenschaftler teilnehmen werden. Die Konferenz, die von der Sabahattin Zaim Universität Istanbul (IZU) organisiert wird, zielt darauf ab, Probleme in der gesamten muslimischen Welt zu diskutieren. Das Thema der Konferenz ist „Fehlerlinien und Gefahren im Umgang mit muslimischen Gesellschaften: Die Herausforderungen von Sektierertum, Säkularismus, Nationalismus und Kolonialismus.“ „Dies sind einige der Probleme, die in den muslimischen Gesellschaften existieren, die Spannungen und Umbrüche verursachen, und wir versuchen, sie zu analysieren und zu verstehen und Lösungen anzubieten“, sagte Sami Al-Arian, der Nachrichtenagentur Anadolu. Al-Arian, der auch Kurse über Politik und islamische Zivilisation an der Universität unterrichtet, sagte, dass der Nationalismus in Pakistan, Bangladesch und Indien sowie der Nationalismus im Kontext der arabischen Welt erörtert werden sollen. Die Konferenz werde zudem darüber diskutieren, wie sich der Kolonialismus auf den Nahen Osten und den „Siedler-Kolonialismus in Israel/Palästina“ auswirkt. Seit dem Fall des Osmanischen Reiches vor fast einem Jahrhundert und der Entstehung des Nationalstaatssystems in der gesamten islamischen Welt als neue internationale Ordnung hat das Konzept der „muslimischen Umma“ seine historische Bedeutung verloren. In einer Reihe von Vorträgen und Diskussionsrunden wird die Konferenz in Istanbul das Konzept der muslimischen Umma untersuchen und ein neues Paradigma im Kontext der modernen Welt vorschlagen. Sie wird auch einige wichtige Herausforderungen für muslimische Gesellschaften untersuchen, darunter die Frage der politischen Legitimität in muslimischen Mehrheitsländern, die Rolle der islamischen Rechtsprechung (Shari’ah) in modernen muslimischen Gesellschaften, die Herausforderungen von Sektierertum, Nationalismus, Säkularismus und Zivilregierung. Zudem auch sozioökonomische Herausforderungen wie Gleichberechtigung der Frauen, Armut, Arbeitslosigkeit, Produktion, Entwicklung, Finanzierung, Kapital und Globalisierung. Die gegenwärtigen „umstrittenen Beziehungen zwischen der islamischen Welt und den globalen Mächten in einer Welt, die von Hegemonie, Kriegen, Terrorismus, Rassismus und Islamophobie geprägt ist“, so der Veranstalter, ist ebenfalls ein entscheidender Punkt auf der Agenda Ziel der Konferenz sei es, renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachgebieten zu vereinen, um diese wichtigen Themen zu diskutieren. Die Wissenschaftler werden laut Veranstalter durchdachte Dialoge über die Überprüfung wichtiger Themen muslimischer Gesellschaften führen. Einige der wichtigsten strategischen, politischen und sozioökonomischen Herausforderungen, sowie die internen Spannungslinien und externen Bedrohungen für die islamische Welt und angemessene Reaktionen darauf, sollen untersucht werden. Die Diskussionsrunden werden nicht nur diese Themen analysieren, sondern auch versuchen, neue und praktische Lösungen für schwierige Probleme zu präsentieren, so der Veranstalter. Der Begriff Umma bezeichnet im Islam eine Gemeinschaft, die über den Rahmen einer Nation hinausreicht. Sozusagen die internationale Gemeinschaft der Muslime.  

Neue CO2-Grenzwerte
VW-Chef befürchtet bis zu 100.000 Entlassungen

Brüssel (nex) – Die EU will trotz heftigen Widerstand der Autohersteller die Klimavorgaben für Neuwagen verschärfen. VW-Chef Herbert Diess hat das Vorhaben kritisiert. Der Plan werde die Autoindustrie überfordern. In einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ warnte Diess vor einem Verlust von Zehntausenden Arbeitsplätzen. Er bezeichnete die neuen CO2-Grenzwerte als überzogen. In 10 Jahren müssten laut Diess dann etwa ein Viertel der Stellen – etwa 100.000 – in den VW-Werken wegfallen. So ein Wandel sei „kaum zu managen“. „So eine Industrie kann schneller abstürzen, als viele glauben wollen“, sagte Diess. Die EU-Umweltminister hatten sich am Dienstag darauf verständigt, den Grenzwert für die CO-Emissionen von Autos zwischen 2021 und 2030 um 35 Prozent zu senken. Wie die „Tagesschau“ berichtet, gingen sie damit über den Vorschlag der EU-Kommission hinaus, der bei 30 Prozent gelegen hatte. Auch die Große Koalition in Berlin habe diesen Wert favorisiert. Nach Rücksprache mit dem Kanzleramt habe Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD dennoch für die 35-Prozent-Lösung gestimmt.

SOKO Tierschutz Recherchen
Das grausame Geschäft mit kranken Milchkühen

Hannover/Stendal/München – Die deutsche Milchindustrie produziert am laufenden Band verletzte, kranke und sterbende Tiere. Der Preis der Turbokühe sind gebrochene und zerstörte Tiere nach wenigen Jahren. SOKO Tierschutz Recherchen beweisen, dass diese Tiere nicht wie vorgeschrieben notgetötet, sondern hunderte km weit zu Schlachthöfen gebracht werden, die solche Tiere illegal töten. Diese Schlachthöfe sind in der Branche nur Insidern bekannt und sie haben den Ruf alle Tiere anzunehmen, die an anderen Schlachthöfen abgewiesen oder entsorgt werden. Die Tiere sind so schwach und verletzt, dass sie systematisch mit Seilwinden in den Tod geschleift werden. Es kommt bei den Tieren, die sich mit gebrochenen Beinen noch einige Meter schleppen können, zu Elektroschocker-Exzessen. Die Gewalt trifft auch neugeborene Kälber: Die Filmaufnahmen zeigen Tiere, die brutal von der Rampe geworfen werden. SOKO Tierschutz arbeitet seit Anfang letzter Woche mit den Behörden an der Zerschlagung des kriminellen Netzwerkes, an dem ein Dutzend nationale Tiertransportfirmen, Tierärzte und Landwirte beteiligt sind. Ein Betrieb in Bad Iburg Niedersachsen und Schönhausen Sachsen Anhalt wurden von den Behörden geschlossen. SOKO Tierschutz liegen mehrere Terrabyte an Beweismaterial vor. Das Fleisch der Schlachthöfe findet national und international Abnehmer. Zum Kundenkreis der Schlachthöfe gehören eine bedeutende bayerische Fleischfirma, ein belgischer und ein polnischer Fleischkonzern, aber auch diverse regionale Metzgereien und Supermärkte. Das harte Vorgehen der Behörden sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der Tierschutzskandal seine Wurzel in einem Totalversagen der amtlichen Kontrolle in Schlachthöfen, auf den Transporten sowie auf den Milchbetrieben hat. „Wir fordern Haftstrafen für die Täter, sonst findet sich schnell ein neuer skrupelloser Schlachthof für das lukrative Geschäft mit kranken Tieren“, so Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz.  

Film-News
Friedhof der Kuscheltiere: „Manchmal ist es besser, tot zu sein!“

Der Umzug von der Großstadt aufs beschauliche Land geht normalerweise mit einem Zugewinn an Ruhe und Sicherheit einher. Nicht so aber für den Mediziner Louis Creed, als er mit Frau und Kindern in die Provinz zieht, um seinen neuen Posten als Leiter der Krankenstation anzutreten. Denn in den Wäldern direkt hinter dem neuen Zuhause der Familie befindet sich der Tierfriedhof des verschlafenen Städtchens Ludlow. Immer wieder wird die letzte Ruhestätte der tierischen Bewohner von unerklärlichen und mysteriösen Vorfällen heimgesucht, die schließlich außer Kontrolle geraten … Dr. Louis Creed, seine Frau Rachel und ihre beiden Kinder Gage und Ellie entfliehen der Großstadt für ein beschauliches Leben auf dem Land. Ganz in der Nähe ihres neuen Zuhauses und von dichtem Wald umgeben, befindet sich der unheimliche „Friedhof der Kuscheltiere“. Nach einem tragischen Zwischenfall bittet Louis seinen kauzigen Nachbarn Jud Crandall um Hilfe und löst damit ungewollt eine gefährliche Kettenreaktion aus, die etwas abgrundtief Böses freisetzt und das neu gewonnene Familienidyll bedroht. Schnell wird den Creeds klar, dass der Tod manchmal besser ist … Das Regie-Duo Kevin Kölsch und Dennis Widmyer („STARRY EYES“, „HOLIDAYS“) bringt den düsteren Stephen-King-Horrorklassiker in neuem Gewand auf die Kinoleinwand. Neben Jason Clarke („AUFBRUCH ZUM MOND“, „WINCHESTER: DAS HAUS DER VERDAMMTEN“) konnten sie John Lithgow („INTERSTELLAR“, „DIE ERFINDUNG DER WAHRHEIT“) und Amy Seimetz („ALIEN: COVENANT“, „Stranger Things“) für die Hauptrollen gewinnen. Als Produzenten zeichnen Größen wie Lorenzo die Bonaventura („BUMBLEBEE“, „MEG“), Steven Schneider („INSIDIOUS: THE LAST KEY“, „GLASS“) und Mark Vahradian („BUMBLEBEE“, „TRANSFORMERS: THE LAST KNIGHT“) verantwortlich. Executive Producer ist Mark Moran („AMITYVILLE: THE AWAKENING“). Das Drehbuch stammt von Jeff Buhler („JACOB’S LADDER“) und basiert auf Stephen Kings Bestsellerroman.

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Halloween: Polizei warnt vor Rückkehr der Killer-Clowns

„Nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr ist das durchaus zu befürchten“, sagte Mario Lorenz, Kriminaloberkommissar und Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA

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Wurde Khashoggi zerstückelt?
Bericht: Saudische Agenten hatten Knochensäge dabei

Istanbul (nex) – In den bisher detailliertesten Berichten türkischer Medien über das rätselhafte Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi, veröffentlichte die Nachrichtenagentur DHA am gestrigen Dienstagabend Bilder der mutmaßlichen Mörder des Kolumnisten der US-Zeitung Washington Post. Die fünfzehn saudischen Staatsangehörigen seien an dem Tag, an dem Khashoggi verschwand, in zwei Privatjets aus Riad in Istanbul gelandet und hätten, obwohl sie bis zum 5. Oktober Zimmer gebucht hätten, noch am selben Tag das Land wieder verlassen. Wie türkische Medien weiter berichten, checkten die Männer in das nahe des Konsulat gelegenen Wyndham Grand Hotel und Movenpick Hotel ein. Am heutigen Mittwoch veröffentlichte der türkische Fernsehsender NTV Videoaufnahmen von einigen Saudis, die vom Flughafen zum Movenpick Hotel und weiter zum Konsulat fahren. Laut der Nachrichtenagentur AFP, verließ dasselbe Fahrzeug, zwei Stunden nachdem Khashoggi das Konsulat betrat, das Gebäude und fuhr zum Haus des Generalkonsuls. Gegenüber der New York Times, sagte ein hoher türkischer Sicherheitsbeamter, es handele sich bei einem der Männer um einen Gerichtsmediziner und die Männer hätten bei ihrer Ankunft eine „Knochensäge“ dabei gehabt, mit der „Khashoggis Leiche zerstückelt wurde“. Riad bestreitet die Mordvorwürfe vehement und behauptet, dass Khashoggi das Konsulat lebend verlassen habe.      

Dieselkrise
VDA-Präsident kritisiert neue EU-Grenzwerte

Berlin – Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Bernhard Mattes, hat den EU-Kompromiss zu CO2-Grenzwerten für Autos und Lieferwagen kritisiert. Im Inforadio vom rbb nannte der VDA-Präsident am Mittwoch die Einigung in Luxemburg bedauerlich. Sie sorge nicht für eine „Balance zwischen Klimaschutz und Beschäftigung in Europa“, so Mattes. Das Gute sei, „wir haben ja noch die Verhandlungen zwischen der Kommission, dem Rat und dem Parlament, und wir als Automobilindustrie werden mit unseren Argumenten an dieser Diskussion teilnehmen“, so der VDA-Präsident. Angesichts des Urteils zu Diesel-Fahrverboten in Berlin wehrte sich Mattes gegen einen zunehmenden Druck auf die Autobauer. Die sogenannten Hardware-Nachrüstungen alter Diesel-Fahrzeuge lehnte er als zu langwierig ab. Diese seien noch nicht serienreif: „Es sind Entwicklungen von Nachrüstern, die derzeit nicht mal auf dem Markt angeboten werden, und es dauert mindestens zwei Jahre, bis diese dann serienreif entwickelt sind, das ist zu lang.“ Der VDA-Präsident sprach sich stattdessen dafür aus, alte Fahrzeuge schnell durch neue zu ersetzen. Dafür gebe es auch ein entsprechendes Programm.

Digitale Jugendpressekonferenz
Jugendliche wollen mehr Aufklärung zu Fake News und Hassrede im Netz

Repräsentative Befragung der Vodafone Stiftung und erste „Digitale Jugendpressekonferenz“

Berlin – Laut repräsentativer Umfrage der Vodafone Stiftung sind Jugendliche regelmäßig mit Desinformation und Hassrede im Netz konfrontiert, werden aber in der Schule nicht ausreichend darauf vorbereitet
Mehrheit junger Menschen sieht den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland durch „Fake News“ in Gefahr „Fake News“ und „Hate Speech“ gehören zum Alltag von jungen Menschen, die in den sozialen Medien aktiv sind. Die Hälfte der 14- bis 24-Jährigen in Deutschland berichtet, mindestens einmal die Woche in den sozialen Medien auf Falschnachrichten zu stoßen; fast ein Fünftel sogar täglich. In der Schule wird der Umgang mit Falschnachrichten und Hasskommentaren jedoch kaum thematisiert, dabei wünschen sich drei Viertel der Schülerinnen und Schüler mehr Aufklärung hierzu im Unterricht. Derzeit recherchieren die Meisten ihre Fragen zu Social Media allein im Netz. Zwei Drittel der jungen Menschen in Deutschland glaubt zudem, dass die Verbreitung von Falschnachrichten den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland gefährde. Jeder Dritte ist sich aber unsicher, ob er Falschnachrichten sicher identifizieren kann und wie er auf Anfeindungen im Netz reagieren soll. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie unter 14- bis 24-Jährigen in Deutschland im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland, die heute im Rahmen der ersten „Digitalen Jugendpressekonferenz“ veröffentlicht wird. Bei der Fragestunde stellen sich die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, der SPD-Bundestagsabgeordnete Falko Mohrs, die grüne Europaabgeordnete Terry Reintke und die Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Ria Schröder, den Fragen von Jugendlichen zum Thema digitale Kommunikation. Anlässlich der Digitalen Jugendpressekonferenz, sagt die Staatsministerin Dorothee Bär: „Ohne Fakten, ohne gemeinsame Realität kann es keinen gemeinsamen Diskurs geben. „True News“ von „Fake News“ zu unterscheiden erfordert Medienkompetenz. Wir müssen die jungen Menschen gegen Desinformation wappnen und ihnen klarmachen: Ein Hasskommentar sagt mehr über seinen Autor aus als über die Person, die damit kommentiert wird.“ Jugendliche sehen Kampf gegen Desinformation als gesamtgesellschaftliche Aufgabe Junge Menschen in Deutschland sehen mehrheitlich (58 Prozent) die Betreiber von Social Media-Plattformen in der Pflicht, aktiv gegen „Fake News“ vorzugehen. Fast die Hälfte (46 Prozent) findet, die Medien müssen hier aktiv werden; ein Drittel (33 Prozent) möchte, dass die Bundesregierung handelt. 45 Prozent sind aber auch der Meinung, dass sie selbst, also die Bürgerinnen und Bürger verpflichtet sind, Falschnachrichten zu bekämpfen. Viele junge Menschen setzen sich auch schon aktiv gegen Verleumdung und Hass im Netz ein: Knapp die Hälfte (47 Prozent) geht aktiv gegen Falschnachrichten oder Hasskommentare vor, die über Freunde in den sozialen Medien verbreitet werden. Immerhin ein Viertel (26 Prozent) hat schon einmal Falschnachrichten bei den Betreibern sozialer Medien gemeldet. Auch hier werden junge Menschen jedoch oft alleine gelassen: Denn mehr als die Hälfte dieser Beschwerden (56 Prozent) blieb erfolglos oder wurde erst sehr spät bearbeitet. „Kinder und Jugendliche dürfen im Umgang mit Falschinformationen und Hassrede im Netz nicht alleine gelassen werden.“ betont Inger Paus, Vorsitzende der Geschäftsführung der Vodafone Stiftung. „Schulische wie zivilgesellschaftliche Initiativen müssen gemeinsam die Medieninformationskompetenz von Jugendlichen stärken, damit diese als mündige Bürger an einer digitalen Öffentlichkeit teilhaben können. Mit diesem Ziel haben wir in diesem Jahr die Initiative Klickwinkel unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten gestartet.“ Junge Menschen sehen soziale Medien als Chance für Dialog mit der Politik Jugendliche und vor allem junge Erwachsene sehen soziale Medien auch als Chance, sich politisch zu informieren und mit politischen Entscheidungsträgern direkt in Kontakt zu treten. Fast 40 Prozent der Befragten fühlt sich durch Politikerinnen und Politiker, die in den sozialen Medien aktiv sind, motiviert, sich weiter über politische Themen zu informieren. Jeder Dritte (35 Prozent) kann sich vorstellen, politische Entscheidungsträger bei Fragen über soziale Medien direkt anzusprechen. Um den Austausch zwischen Jugendlichen und Politik zu unterstützen, veranstaltet die Vodafone Stiftung Deutschland heute die erste „Digitale Jugendpressekonferenz“ in Berlin. Über einen Livestream und Livechat können Jugendliche bundesweit Fragen rund um das Thema digitale Kommunikation an die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, und die drei digital-affinen Jungpolitikerinnen und -politiker Falko Mohrs (MdB, SPD), Terry Reintke (MdEP, Grüne) und Ria Schröder (JuLib) stellen. Die Politikerinnen und Politiker riefen anlässlich der Jugendpressekonferenz dazu auf, die Stimmen junger Menschen ernst zu nehmen und die Vermittlung von Medienkompetenz an Schulen zu stärken. Falko Mohrs, SPD-Bundestagsabgeordneter: „Der richtige Umgang mit sozialen Medien gehört auf jeden Stundenplan. Laut Studie sehen zwei Drittel der Befragten den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland durch „Fake News“ gefährdet. Dem können wir sehr gut durch Präventionsmaßnahmen in der Schule entgegenwirken.“ Terry Reintke, Abgeordnete der Grünen im Europäischen Parlament: „Soziale Medien sind für mich als Politikerin eine wichtige Möglichkeit, Menschen direkt in ihrer Wirklichkeit und ihrem Alltag anzusprechen, über meine Arbeit zu informieren und für meine politischen Positionen zu werben. Aus der Studie nehme ich mit, dass die jungen Menschen in Deutschland die sozialen Medien sehr kompetent und verantwortlich benutzen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Medienkompetenz und der Umgang mit sozialen Medien in Schulen häufig immer noch stiefmütterlich behandelt werden. Das muss sich ändern.“ Ria Schröder, Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen: „Junge Menschen können mehr als ältere Generationen ihnen zutrauen. Das zeigt auch das Ergebnis der Studie, nach der Jugendliche souverän mit sozialen Medien umgehen, ihre Mediennutzung gleichzeitig aber kritisch reflektieren. Ich finde, auch die Politik muss jungen Menschen mehr zutrauen. Sie wissen ganz genau, wo die Regierung etwa bei Digitalisierung und in der Bildungspolitik verschlafen hat. Es würde Deutschland guttun, wenn verstärkt junge Menschen das ewige „Das haben wir schon immer so gemacht“ infrage stellen. Die „Digitale Jugendpressekonferenz“ verschafft jungen Menschen Gehör und leistet dadurch einen wertvollen Beitrag.“ Die Studie „Engagiert, aber allein“ beruht auf einer Online-Umfrage im YouGov Deutschland Panel, an der im August 2018 664 Personen teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung im Alter von 14 bis 24 Jahren. Die Studie und alle Grafiken stehen im Internet zum kostenlosen Download bereit: socialmedia.vodafone-stiftung.de Die „Digitale Jugendpressekonferenz“ findet am 10. Oktober 2018 von 11-12 Uhr in den Räumen der Bundespressekonferenz in Berlin statt. Unter www.klickwinkel.de/djpk wird die Veranstaltung live übertragen. Ein Livechat ermöglicht Jugendlichen bundesweit, Fragen zu stellen.

Datensicherheit
Bericht: In der AOK-App ließen sich Passwörter auslesen

Leipzig – In der „AOK Bonus-App“ ließen sich vermutlich seit Januar 2017 die Passwörter der Nutzer auslesen. Diese Sicherheitslücke entdeckten MDR-Redakteure und ein unabhängiger IT-Experte während Recherchen zur Datensicherheit von Krankenkassen-Apps. Mit den Passwörtern wird der Zugriff auf persönliche Daten bei der AOK Plus möglich, wie z.B. Bankverbindungen, Arztrechnungen oder Angaben zur Rentenversicherung. Allein in Sachsen und Thüringen nutzen rund 65.000 Versicherte die „AOK Bonus-App“. Die AOK Plus reagierte inzwischen auf die MDR-Recherchen und hat eine aktualisierte Version der Bonus-App veröffentlicht. Die Krankenkasse teilte dem MDR mit: „Danke, dass Sie uns mit Ihrer Recherche auf eine bislang unentdeckte ‚Schwachstelle‘ in unserer Bonus-App hingewiesen haben und uns damit die Chance eröffnen, diese zu verbessern.“ Datenübermittlung auf Server in den USA Mit der Krankenkassen-App können Versicherte Punkte sammeln und so Bonuszahlungen erhalten. Die Versicherten müssen dafür eine zweite Fitness-App benutzen, die ihre Gesundheitsdaten verarbeitet. Die MDR-Recherchen zeigen außerdem, dass dabei die Gesundheitsdaten der Versicherten in die USA übertragen werden. Die AOK Plus begründetet das mit mangelnden Alternativen: „Es gibt leider keinen deutschen Schrittzähler, der an Google & Co. Vorbeiführt.“ Die Datenschutzexpertin und Netzaktivistin Katharina Nocun kritisiert den Umgang der Krankenkassen mit Gesundheitsdaten. Die ehemalige Politikerin der Piratenpartei sagte gegenüber dem MDR: „Die einzig richtige Lösung für Krankenkassen kann sein, möglichst wenig Daten zu sammeln und die Daten auf den Geräten der Nutzer zu lassen.“