TV-News
Ralf Dümmel kritisiert Verbraucherzentrale NRW nach Kritik an „Die Höhle der Löwen“

Düsseldorf (nex) – „Die Höhle der Löwen“-Juror Ralf Dümmel kritisiert die Abrechnung der Verbraucherzentrale NRW mit der Gründershow. „Ich bin wahnsinnig enttäuscht, weil ich die Verbraucherzentrale für seriös gehalten habe“, sagte Dümmel der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Die Verbraucherzentrale NRW hatte kritisiert, dass viele Produkte anfangs teuer seien, aber schon nach kurzer Zeit verramscht würden. „Willkommen in der Marktwirtschaft! Man sollte dort eigentlich wissen, dass der Verkaufspreis weder von einem Gründer noch von einem Löwen, geschweige denn einer Fernsehsendung, vorgeschrieben werden darf, weil das Kartellrecht ganz klar regelt, dass der Handel frei in seiner Preisgestaltung ist – es gibt ja schließlich auch einen Sommerschlussverkauf“, sagte Dümmel der „Rheinischen Post“: „Niemand macht ein Geheimnis daraus, dass es Produkte gibt, die nicht funktionieren. Soll man die Produkte in die Elbe kippen? Das ist doch geschäftlich völlig normal, dass man Waren auch mal reduziert.

Dümmel will keine Autobiografie schreiben

Obwohl ihn die Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ deutschlandweit bekannt gemacht hat, will Ralf Dümmel keine Autobiografie schreiben. „Ich bin ja der Meinung, dass keiner ein Buch von mir lesen will. Ich wundere mich auch bis heute, dass Leute ein Selfie mit mir machen wollen“, sagte Dümmel der  „Rheinischen Post“. Zuletzt hatten aus „Die Höhle der Löwen“ sowohl Judith Williams als auch Frank Thelen eine Autobiografie auf den Markt gebracht. Auch der Investor Carsten Maschmeyer hat schon diverse Bücher veröffentlicht. An Ralf Dümmels Haltung ändert dies jedoch nichts, verriet er der „Rheinischen Post“: „Ich habe momentan nicht das Gefühl, dass ich ein Buch schreiben müsste. Ein Buch sollte ja auch sehr authentisch sein, da müsste ich viel Arbeit reinstecken – im Zweifel habe ich in der Zeit drei Artikel auf den Markt gebracht.“

Türkei
US-Pastor Andrew Brunson auf dem Weg nach Deutschland

Izmir (nex) – Der US-amerikanische Pastor Andrew Brunson hat am späten Freitagabend die westtürkische Stadt Izmir in einem Flugzeug verlassen und befindet sich auf dem Weg nach Deutschland. Von dort soll er dann zwei Tage später weiter in die USA reisen.
Das Weiße Haus bestätigte am Abend, dass die Maschine bereits den türkischen Luftraum verlassen habe.
Am heutigen Freitag hatte ein türkisches Gericht den Hausarrest und das Ausreiseverbot gegen den Geistlichen aufgehoben und entschieden, dass seine Haftstrafe durch die Zeit in Untersuchungshaft abgegolten ist. Brunson saß wegen Terrorismus-Vorwürfen seit dem 7. Oktober 2016 in türkischer Haft und wurde am 23. Juli 2018 in den Hausarrest entlassen. Vertreter westlicher Medien und politischer Parteien hatten den türkischen Staatschef bereits mehrfach aufgefordert, den in der Türkei inhaftierten US-Bürger frei zu lassen. US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Mittwoch, Brunsons Freilassung sei für die türkisch-amerikanischen Beziehungen sehr wichtig. Auch US-Präsident Trump und sein Vize Pence hatten sich wiederholt für die Auslieferung des evangelikalen Pastors eingesetzt. Türkei ist ein Rechtsstaat In einem Gespräch mit Reportern, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass die Türkei ein Rechtsstaat sei und Gerichtsentscheidungen für alle bindend seien. „Ich bin nicht in der Lage, bei der Justiz zu intervenieren, da die Türkei ein Rechtsstaat ist“, sagte Erdogan am Mittwoch gegenüber türkischen Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine, mit der er nach einer zweitägigen Reise nach Ungarn in die Türkei zurückkehrte.  

Kommentar
Wahlen in Brasilien: Der Kriminologe Prof. Dr. Sebastian Scheerer kommentiert für NEX24

Von Prof. Dr. Sebastian Scheerer Bolsonaros Brasilien: Land der Zukunft ? Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird das größte Land Lateinamerikas ab Januar nächsten Jahres von einem Präsidenten regiert, dem der Ruf eines „Trump der Tropen“ vorauseilt. Der Armee-Hauptmann der Reserve und frühere Fallschirmjäger Jair Bolsonaro (63) ist zwar schon bald drei Jahrzehnte auf dem Ticket wechselnder Parteien als Abgeordneter tätig, profitiert aber trotz dieser Verbindungen ins Establishment von seinem Image als enfant terrible und kampfbereiter Saubermann, der frei von der Leber weg sagt, was er meint – und der bei einer erstaunlichen Mehrheit der Bevölkerung trotz oder wegen seiner abwertenden Bemerkungen über Afro-Brasilianer, Frauen, Homosexuelle und Rechtsbrecher offenbar gut ankommt. Gut genug jedenfalls, um aller Wahrscheinlichkeit nach in der entscheidenden Runde der Präsidentschaftswahlen am 28. Oktober einen klaren Sieg einzufahren.
Rechtspopulist Jair Bolsonaro
(Archivfoto: Screnshot/SBT)
Der Wirtschaft dürfte das recht sein. Sie hatte zwar ganz andere Favoriten und hatte den Kandidaten Bolsonaro – der nach eigenem Eingeständnis keine Ahnung von Wirtschaftspolitik hat – wie andere auch lange ignoriert. Doch seit ihre eigentlichen Lieblinge in der ersten Wahlrunde sang- und klanglos der Polarisierung zwischen Rechts (Bolsonaro) und Links (Fernando Haddad von der Arbeiterpartei (PT) zum Opfer gefallen waren und der Präsident in spe zudem angekündigt hatte, dass der international anerkannte Investmentbanker Paulo Guedes seine Wissenslücke kompensieren werde, vollführten die Börsenkurse ebenso wie die Landeswährung bei jedem für Bolsonaro günstigen Umfrageergebnis wahre Freudensprünge. Zwar ist noch keineswegs ausgemacht, welchen wirtschaftspolitischen Weg die neue Regierung einschlagen will. Während der ultraliberale Chicago-Ökonom bereit wäre, zur Sanierung der Rentenkasse das Tafelsilber zu veräußern, hat der Nationalist Bolsonaro ganz im Gegenteil auch schon einmal gefordert, die für die Privatisierung eines staatlichen Bergbauunternehmens verantwortlichen Politiker erschießen zu lassen. Aber selbst solche Differenzen sind angesichts dessen, was die Wähler Bolsonaros eigentlich bewegt, eher nebensächlich. Denn im Vordergrund steht das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit. Vor Überfällen, Vergewaltigungen, Mord und Totschlag. Auf offener Straße beraubt zu werden, gehört zur quasi-normalen Lebenserfahrung. Wenn es glimpflich abläuft, geht man nicht einmal unbedingt zur Polizei. Vor der hat die Bevölkerung laut Umfragen ebenso viel Angst wie vor den bandidos selbst. In viele Delikte sind auch Polizisten als Täter verwickelt. Und das Vertrauen in ihre Fähigkeiten zur Verbrechensaufklärung ist begrenzt. Die Aufklärungsrate bei Mord und Totschlag liegt offiziell bei sechs Prozent. Und die Zahl der vorsätzlichen Tötungen erreicht immer neue Höchststände. Im Jahr 2017 waren es 63 880 (und damit deutlich mehr als in Europa und den USA zusammengenommen). Das entsprach 30,3 Fällen auf 100 000 Einwohner und war neuer Rekord (der alte stammte mit einer Homizidrate von 28,9 aus dem Jahre 2003). In einem Land mit einer unfähigen und korrupten Polizei, in dem Gewalttäter regelmäßig straflos bleiben, ist nicht gut leben. Da kommt leicht Sehnsucht nach einem starken Mann auf. Einem Mann wie Bolsonaro, der schon Fünfjährige auf die Selbstverteidigung mit Schusswaffen vorbereiten will und dessen Markenzeichen – die Geste eines Fingers am Abzug eines imaginierten Gewehrs – von seinen Anhängern im Wahlkampf mit Begeisterung imitiert wurde. Die Selbsthilfe der Bürger ist in Bolsonaros Programm die „erste Verteidigungslinie“ gegen das Verbrechen. Dafür will er Erwerb und Besitz von Schusswaffen erleichtern. Die Effektivität der Arbeit der Polizei will er erhöhen. Dazu müsse sie Kriminelle auch ruhig töten dürfen („Ein Polizist, der nicht tötet, ist kein Polizist“). Statt Verfahren gegen Polizisten einzuleiten, die „10, 15 oder 20“ Kriminelle mit jeweils „10, 20 oder 30 Schüssen“ umbrächten, sollte die Gesellschaft froh und dankbar sein. Außergerichtliche Hinrichtungen durch die Polizei wären allerdings keine Neuheit in Brasilien, wo jährlich Tausende dieses Schicksal erleiden. Wiederholten Versuchen von Reformern, diese tief verwurzelte Tradition zu brechen – etwa in Pernambuco und in São Paulo – war allenfalls kurzfristiger Erfolg beschieden, bevor man wieder zur gewohnten Praxis zurückkehrte. Bolsonaros Äußerungen und seine demonstrative Nähe zum Militär (als running mate hat er sich einen General gewählt) können wohl nicht nur, sondern sollen sogar Erinnerungen an die Zeit der Diktatur (1964-1985) wecken. Gerne provoziert er mit öffentlichem Lob für alles, was damit zusammenhing – wirft den damaligen Generälen aber vor, immer nur gefoltert und nicht genug Gegner umgebracht zu haben. Seiner Meinung nach hätten dreißigtausend mehr schon einen Unterschied gemacht. Wenn also in Bolsonaros Weltsicht auch Lob verdient, was in der Kriminologie als repressives Verbrechen bezeichnet wird, so steht doch ansonsten (eben mit dieser wichtigen Ausnahme) der Kampf gegen die Kriminalität im Mittelpunkt seiner Kampagne. Ob Kleinkriminelle oder Mitglieder des organisierten Verbrechens: Delinquente sollen nicht auf Gnade oder Weichheit hoffen. Wer nicht von der Polizei erschossen wird, darf zumindest nicht straflos bleiben, und die Strafe darf nicht unverhältnismäßig leicht ausfallen. Die Tendenz zu milderen, alternativen Sanktionen oder frühzeitigen Entlassungen auf Bewährung, um den völlig überfüllten Strafvollzug zu entlasten, gefällt Bolsonaro überhaupt nicht. Während der brasilianische Strafvollzug – ähnlich wie derjenige in den USA – weltweit wegen der mass incarceration und der Inhumanität der Haftbedingungen als ein System angesehen wird, das vor allem verkleinert werden muss, um funktionstüchtig zu werden, will das Bolsonar-Lager massiv in den weiteren Ausbau des Gefängnissystems investieren, um auf diese Weise mittelfristig auch die Kriminalitätsrate zu senken. Wer eingesperrt ist, so die Logik, kann zumindest draußen in der Freiheit nicht mehr morden, rauben oder vergewaltigen. Das Problem ist freilich, dass das System schon heute aus allen Nähten platzt. Zählte Brasilien 1990 noch 90 000 Häftlinge, so sind es heute 841 000. Für das Jahr 2025 gehen offizielle Prognosen von einem Anstieg auf 1,47 Millionen Gefangene aus. Der Fehlbestand an Haftplätzen betrug 2016, als die Gefangenenzahlen noch bei 727 000 lagen, nicht weniger als 359 000 und hat sich der halben Million seither weiter angenähert. Heutige Bemühungen in der Kriminalpolitik, mit der vermehrten Nutzung ambulanter Sanktionen, Gnadenerweisen und Strafaussetzungen zur Bewährung der Notlage einigermaßen Herr zu werden, passen nicht zum neuen Autoritarismus, der sich besonders beim Thema Verbrechen und Strafe gefordert sieht. Die immer weitere Kluft zwischen Verurteilten und dem ungenügenden Angebot an Haftplätzen soll künftig durch den Bau von genügend Gefängnissen für alle geschlossen werden. Schon die alte Regierung hatte für die nächsten Jahre die Schaffung von 65 000 zusätzlichen Plätzen beschlossen. Doch selbst das wäre nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen, müsste die Zahl der Haftplätze (und der rund 1430 Haftanstalten) doch in Wirklichkeit verdoppelt und verdreifacht werden. Um das auch nur im Ansatz zu realisieren, wären haushaltspolitisch ganz neue Prioritäten zu setzen. Die bereits prekäre Situation der Bildungs-, Gesundheits-, Renten- und Sozialetats würde durch die Umschichtung auf den Strafvollzug womöglich völlig unhaltbar. Lachender Dritter wären allenfalls Großkonzerne wie die ehemals als Corrections Corporation of America bekannte Aktiengesellschaft, die inzwischen nach allerlei Skandalen als CoreCivic firmiert und für die eine dauerhafte Private-Public-Partnership (PPP) zum Bau und Betrieb eines milliardenschweren südamerikanischen GULAGs in diesem Staat, der flächenmäßig noch vor den USA rangiert, im Hinblick auf die Bevölkerungsgröße weltweit auf dem fünften, was die Gefangenenzahlen angeht, aber jetzt schon mit steigender Tendenz auf dem dritten Platz rangiert, zweifellos ein wahrer Leckerbissen wäre. Dies umso mehr, als eine Politik der Masseninhaftierung unter den speziellen brasilianischen Bedingungen eben nicht zu einem Rückgang, sondern zum immer weiteren Anstieg der Kriminalität – und damit zu einer unerschöpflichen Quelle des Profits für die entsprechenden Konzerne – führen dürfte. Dies gilt insbesondere für die Drogenkriminalität, die zusammen mit Eigentumsdelikten den Großteil der Insassen stellt. Denn erstens reagiert der Drogenmarkt auf die Inhaftierung kleiner Fische ganz unbesorgt mit der Rekrutierung von Nachfolgern, so dass etwa die Inhaftierung von zehntausend Straßendealern eben zehntausend neue Leute für diesen Job mobilisiert (die Reservearmee ist unerschöpflich). Auf die Inhaftierung wichtiger Akteure wird teilweise mit – häufig blutigen – Diadochenkämpfen reagiert. Teilweise führen diese aber ihre Geschäfte auch aus der Haft einfach fort. Die größte kriminelle Organisation Brasiliens, das Erste Kommando der Hauptstadt (PCC), einst als Reaktion auf das Massaker von Carandiru (an unbewaffneten Gefangenen) entstanden, konnte sich überhaupt erst aufgrund der Inhaftierung und dauernden Verlegung ihrer Führungsfiguren erst im Hinterland der Hauptstadt und schließlich im Gesamtstaat fest etablieren und ihre heute Machtfülle erlangen. Da zudem die Mischung aus Bandenherrschaft und Mangel an Vollzugspersonal im Regelfall dazu geführt hat, dass das Personal in vielen Anstalten nur noch im Notfall und nach Absprache die Trakte der Gefangenen betritt – etwa um Schwerverletzte oder Leichen zu bergen – wird auch ein noch so großes Gefängnisbauprogramm die schon bislang bewährte Praxis der Banden, Gefängnisse als Hauptquartiere für Planung und Überwachung ihrer strategischen Maßnahmen zu nutzen, eher fördern als stören. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich den weiteren Gang der Dinge vorzustellen: wie die Gewalt von oben gefeiert, die Freiheit eingeschränkt, die Spaltung der Gesellschaft vertieft und die anfänglich bekämpfte Korruption wieder voll in Staat und Gesellschaft integriert wird – in eine Art Doppelstaat (Ernst Fraenkel), einen permanenten Ausnahmezustand (Giorgio Agamben), der mehr dem Estado Novo der Dreißiger Jahre und der zivil-militärischen Diktatur der Sechziger und Siebziger als dem kurzen Sommer der Demokratie ähneln wird. (Andererseits übertrifft erfahrungsgemäß der Erfindungsreichtum der Realität unsere menschliche Phantasie – in beide Richtungen – bei weitem.) Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass die autoritäre Grundwelle, die jetzt Brasilien erfasst hat, auch schon auf anderen Kontinenten ihre Spuren hinterlassen hat und womöglich mit der Wahl Bolsonaros noch nicht einmal auf dem Höhepunkt ihrer Energie und Wirksamkeit angelangt ist. Die liberale Demokratie, von Francis Fukuyama einst zur endgültigen Siegerin im System-Wettbewerb gekürt, hat auch andernorts an Attraktivität verloren – und dies in den alten und konsolidierten Demokratien wie in den jüngeren und ungefestigten. Und selbst die Entwicklungsländer richten ihre Hoffnungen heute auf die wirtschaftlich erfolgreichen und politisch stabilen Systeme wie etwa Singapur. Dass es sich dabei um durchaus illiberale Demokratien – und manchmal nicht einmal Demokratien – handelt, fällt aus ihrer Sicht heute gar nicht mehr ins Gewicht. Ein untrügliches Zeichen für den Niedergang der liberalen Demokratie liefern die Herrschaftsmethode Rodrigo Dutertes auf den Philippinen und die schulterklopfende internationale Reaktion darauf. Seine Wähler trugen den volksverbundenen Außenseiter im Juni 2016 nicht zuletzt aufgrund seines Wahlversprechens an die Macht, das Drogen- und Kriminalitätsproblem des Landes durch die Tötung von hunderttausend Kriminellen zu lösen und die Fische in der Bucht von Manila mit ihren Leichen zu mästen. Dazu wollte er sich auch der Hilfe von Banden versichern. Bürger und Polizei sollten zudem gleichermaßen aktiv werden und Dealer wie Konsumenten umbringen. Nach einem halben Jahr zählten die Opfer erst nach Tausenden, noch nicht Zehntausenden. Die Kampagne ging weiter und weiter und die Meinungsumfragen zeigten trotz reihenweiser Skandale eine unerschütterliche Popularität des Präsidenten in der Gegend von 80% Zustimmung. Während Obama während seiner letzten Monate im Amt Kritik geäußert hatte und sich dafür von Duterte als Hurensohn beschimpfen lassen musste, gingen seine regionalen Nachbarn pfleglicher mit ihm um. Peking erklärte ebenso wie der Repräsentant Taiwans auf den Philippinen, dass man Dutertes Kampf voll und ganz verstehe und unterstütze; ähnlich äußerten sich Politiker und Polizeichefs aus Singapur, Indonesien und Brunei. Im Mai 2017 rief US-Präsident Donald Trump seinen philippinischen Kollegen nach eigenen Angaben aus dem Bedürfnis heraus an, ihm zu seinem erfolgreichen Kampf gegen die Drogen zu gratulieren und äußerte Verständnis für die angewandten Methoden. Er persönlich, so Trump, wisse nicht, ob das amerikanische Volk schon reif dafür sei, aber er könne nicht verstehen, warum ein Dealer, der im Laufe seines Lebens tausende von Menschenleben auf dem Gewissen habe, nicht die Todesstrafe verdienen sollte (die Abschrift des Gesprächs wurde in der New York Times vom 25. Mai 2017 veröffentlicht und nicht dementiert). Vielleicht steht hinter dem Niedergang der liberalen Demokratie aber nicht nur diese Grundwelle des populistischen Autoritarismus, sondern ein noch tiefgreifenderer ökonomischer Bruch mit dem, was wir einst für selbstverständlich hielten. Spätestens seit dem späten 19. Jahrhundert, als sich der Kapitalismus zu organisieren und zu konstitutionalisieren begann, gehörte es zu den Selbstverständlichkeiten forgeschrittener Gesellschaften, dass sie sich um das Wohlergehen der Massen sorgten. Nicht unbedingt aus Idealismus, sondern weil man einigermaßen gesunde und einigermaßen gut ausgebildete Massen einfach brauchte: als Soldaten für die riesigen Armeen und als Arbeiter für die riesigen Industrien. Das 20. Jahrhundert, so auch Yuval Harari in seinem Buch Homo Deus, war insofern das Jahrhundert der Massen. Das 21. Jahrhundert aber braucht in einer Zeit weiter zunehmender Erdbevölkerung weder riesige Menschenmassen, um künftige Kriege zu führen – noch auch nur annähernd so viele Menschen als Arbeitskräfte. Zahlenmäßig können die neuen Berufe, die durch die Automatisierung und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz geschaffen werden, den Wegfall der alten Berufe (fast aller Berufe!) in der Zukunft auch nicht annähernd kompensieren. Die Folge davon: auf einer Welt mit 10 oder 15 Milliarden Menschen wird die große Mehrheit der Massen nicht nur arbeitslos sein, sondern ökonomisch sogar ganz einfach unbrauchbar und überflüssig. Sie alle aus reiner Nächstenliebe in die Netze der sozialen Sicherung aufzunehmen, ist sicher nicht die nächstliegende Option, wenn man über die wahrscheinlichen Reaktionen der Herrschenden auf diese Situation nachzudenken beginnt. Wo das Zuckerbrot nicht reicht, muss immer öfter die Peitsche her. Die aktuelle globale Konjunktur von außergerichtlichen Hinrichtungen und Masseneinsperrungen in immer weiter expandierenden Gefängnissystemen passt zumindest in das Zeitalter repressiver Kontrolle einer unstrukturierten Bevölkerungsmehrheit, die ökonomisch unbrauchbar und deshalb auch ein dauernder politischer Gefahrenherd ist. Im antiken Sparta lebte die unproduktive Kriegerschicht der Herrschenden ausschließlich von der Arbeit der Heloten, die als Staatssklaven siebenmal soviel an der Zahl waren wie ihre Herren. Das führte dazu, dass die Spartaner praktisch ihre gesamte Kultur an der Antizipation möglicher Revolten ausrichteten. Einmal im Jahr pflegten sie den Heloten förmlich den Krieg zu erklären. Auf diese Weise gaben sie sich selbst die Erlaubnis, die stärksten und mutigsten ihrer Sklaven zu eliminieren, ohne wegen des Mordes an Wehrlosen gegen die Gebote der Götter zu verstoßen. Deutet sich in der unübersehbaren Welle der Re-Barbarisierung so etwas an wie eine neue Aufteilung der Welt in eine kleine Schicht der Herrschenden und eine große Masse „überflüssiger“ neuer Heloten? Der Vergleich muss schon deswegen hinken, weil das Wohlergehen der Spartaner zu hundert Prozent von der Produktivität der Heloten abhing, während die heutigen Massen nicht einmal über diesen relativen Schutzeffekt der Notwendigkeit verfügen. Aber irgendetwas ist doch dran.
Von Prof. Dr. Sebastian Scheerer Nach dem Studium der Rechts- und Erziehungswissenschaft an den Universitäten Köln, Genf und Münster schloss Scheerer sein Studium in Münster als Diplom-Pädagoge ab. Danach promovierte er an der Universität Bremen zum Dr. jur. An der Universität Frankfurt habilitierte er sich für Soziologie. Seit 1988 ist Scheerer Professor für Kriminologie an der Universität Hamburg, inzwischen als Emeritus. Er war zudem geschäftsführender Direktor des Instituts für Kriminologische Sozialforschung.

Wirtschaft
Handelsstreit mit China und Türkei: US-Aktienindex stürzt ab

NYC (nex) – Die Abwärtsspirale des US-Aktienindex Dow-Jones hält weiter an und erreichte am gestrigen Donnerstag mit 24 899,77 Punkten einen neuen Tiefstand. Mit einem Minus von 2,13 Prozent erreichte der Index am Donnerstag einen Endstand von 25 052,83 Punkten. Experten sehen Washingtons Handelsstreit mit China und der Türkei als einen Grund für den Absturz. Die Furcht vor steigenden Zinsen werden als weiterer Grund genannt. Auch der Dollar stürzte weiter ab und viel gegenüber der türkischen Lira auf unter 6,00

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– Türkisch-Afrikanisches-Handesforum – Erdogan an Afrika: Lasst uns in eigenen Währungen Handel betreiben

Seit 2005 gibt es ein verstärktes Engagement zwischen der Türkei und dem afrikanischen Kontinent. Die Türkei ist zu einem wichtigen Partner für Entwicklung, Handel und Investitionen in Afrika geworden.

Erdogan an Afrika: Lasst uns in eigenen Währungen Handel betreiben
 

Fremdenfeindlichkeit
Zahl der Anschläge auf Asylunterkünfte mehr als halbiert

Bundeskriminalamt: Von Januar bis September 110 Straftaten – Täter sind zumeist Rechtsradikale Osnabrück  – Die Zahl der Anschläge auf Asylunterkünfte hat sich in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als halbiert. In den ersten neun Monaten dieses Jahres zählten die Behörden 110 Straftaten gegen Asylunterkünfte, wie das Bundeskriminalamt (BKA) auf Anfrage der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ mitteilte. Das waren weniger als halb so viele (44 Prozent) wie im Vorjahreszeitraum, also von Januar bis September 2017. Während im Gesamtjahr 2017 im Schnitt noch jedes Quartal mehr als 80 solcher Taten verübt wurden, sind es in diesem Jahr nur noch 36 im Durchschnitt. Rein statistisch kommt es aber nach wie vor alle 2,5 Tage in Deutschland zu einem Angriff auf Asylbewerberheime. Es handelt sich dabei um vorläufige Zahlen, in der Regel gibt es später noch eine Reihe von Nachmeldungen. Laut Bundeskriminalamt hatten in den ersten neun Monaten dieses Jahres fast alle Taten (108 von 110) einen rechtsradikalen Hintergrund. In den meisten Fällen handelte es sich um Sachbeschädigung (38), Schmierereien und Propaganda (36), sowie vereinzelt Gewaltdelikte und Volksverhetzung. Somit entspannt sich die Lage weiter. 2017 hatten die Behörden noch 312 Straftaten gegen Asylunterkünfte registriert, 2016 waren es bundesweit 995 und 2015 – auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise – waren es 1031 gewesen. In diesem Jahr könnte wieder der Stand von vor der Krise erreicht beziehungsweise unterschritten wird: 2014 hatte es 199 Angriffe gegeben

Menschenrechtsverletzungen in China
Uiguren: China „legalisiert“ Umerziehungslager

Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Während die VR China bislang die Existenz von Lagern in der Provinz Xinjiang geleugnet hat, hat sie, zahlreiche Quellen berichten, nun eine Kehrtwendung gemacht und die Internierung von ,Extremisten‘ zur Umerziehung ,legalisiert‘.
Der Text der abgeänderten Antiextremistenverordnung für Xinjiang ist im Internet in englischer Übersetzung einsehbar:
Decision to Revise the „Xinjiang Uighur Autonomous Region Regulation on De-extremification
Rechtsexperten sind zwar der Ansicht, dass die Neuregelung immer noch im Rahmen des in China geltenden Rechtes keineswegs ausreicht, auch nur die Dauer der Internierungen ohne Gerichtsverfahren zu rechtfertigen, haben die chinesischen Behörden durch diese Neuregelung die Bestrafung ,fehlerhafter‘ Gesinnung verschärft, sie haben es noch leichter gemacht, Internierung zu verhängen und durchzuführen.
Vor allem wird das ständig wachsende Lagersystem so maskiert. Man spricht davon, die Lager seien Stätten, wo berufliche Bildung erworben, die chinesische Sprache erlernt und zu Extremismus neigende Personen durch Umerziehung wieder in die Gesellschaft eingegliedert würden.
Dass in den Lagern gegebenfalls. bis zum Tode gefoltert wird, Insassen gezwungen werden, ihre Religion aufzugeben, Familien getrennt werden usw. wird natürlich nicht zugegeben. Dies alles widerspricht eminent der chinesischen Verfassung.
In einem Interview gegenüber Radio Free Asia haben chinesische Regierungsvertreter auch zugegeben, dass eine großangelegte Umverteilung der uigurischen Lagerinsassen in weit entfernte Gebiete Chinas erfolgt. Begründet wird das mit Überfüllung.
Die genannten Quellen berichten aber, dass einerseits Gefängnisinsassen aus dem chinesischen Kernland gegen Uiguren ausgetauscht werden, andererseits Uiguren aus dem Süden in den Norden der Provinz gebracht werden und umgekehrt.
Familien werden so bewusst getrennt. Die Verteilung der Lagerinsassen in China ist eine Massendeportation, um die Uiguren umzusiedeln und zu zerstreuen. Dies und die Folter und rücksichtslose Zerstörung von Familien entspricht haarscharf den Methoden Hitlers und Stalins, gerade auch in der perversen Systematik und perfekten Planung.
Die VR China reiht sich so in die Reihe von Systemen ein, die die größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Geschichte verübt haben, und China, eine Supermacht, verübt sie heute am helllichten Tag vor den Augen einer immer noch weitgehend schweigenden Weltöffentlichkeit.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieg gab es so etwas nicht (die Verbrechen der Kriege, der Völkermorde, der Apartheid in Südafrika und Israel etc. standen oder stehen zumindest im Kreuzfeuer internationaler Kritik). Wann wird die Weltöffentlichkeit Xi Jinpings Verbrecherstaat zur Rede stellen?

Zum Thema

– Kommentar – Repressalien gegen muslimische Uiguren: 5 Dinge die jeder dagegen tun kann

Seit die Vereinten Nationen den der CERD vorgelegten Bericht von Human Rights Watch über die exzessiven Menschenrechtsverletzungen und Verfolgung der muslimischen Uiguren durch die chinesischen Behörden in der autonomen Region Xinjiang anerkannt haben, ist nun auch endlich das Medienecho größer geworden.

Repressalien gegen muslimische Uiguren: 5 Dinge die jeder dagegen tun kann
 
Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Lebenslauf Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung

Tourismus
Türkei: Aus „Turkey“ wird „Turkish“

Ankara (nex) – ”Türkisch” statt ”Türkei” in zukünftigen Marketingkampagnen.  In kommenden Kampagnen, die den Tourismus in der Türkei fördern sollen, wird das Wort ”Turkey” mit ”Turkish” ersetzt. ”Ab jetzt werden wir ‚Turkish‘ statt ‚Turkey‘ in unserer Werbung im Ausland benutzen“, so der türkische Minister für Kultur und Tourismus Mehmet Ersoy bei einer Pressekonferenz in Ankara, am 11. Oktober. ”Turkish Airlines” wird bei unseren Werbeaktionen im Fokus sein”, sagte der Minister. Er ging zwar nicht auf alle Details ein, aber das Problem mit dem englischen Begriff ”Turkey” für Türkei, sei schon öfters besprochen worden. Ein weiterer Vorschlag war der türkische Begriff ”Türkiye” statt ”Turkey” zu benutzen, damit englischsprachige Touristen das Land nicht mit dem Truthahn verwechseln.

Haramain Expressway
Saudi-Arabien: Mit über 300 km/h von Mekka nach Medina

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Mekka (nex) – Saudi-Arabien hat am Donnerstag seine erste Eisenbahnlinie zwischen Mekka und Medina eröffnet, so die saudische Presseagentur (SPA). „Der Haramain Expressway von Mekka nach Medina – über Dschidda – wurde heute offiziell in Betrieb genommen“, berichtete die SPA. Die Bahnstrecke Medina–Mekka, auch Hochgeschwindigkeitsstrecke Haramain Express genannt, ist eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, die die Städte Mekka, Dschidda und Medina im Westen des Königreichs Saudi-Arabien verbindet. Laut Projektleiter Saad al-Shehri startete am Donnerstag der erste Zug der neuen Linie mit 417 Passagieren an Bord von Medina nach Mekka. Auch eine Fahrt von Mekka nach Medina mit genau so vielen Passagieren sei erfolgreich durchgeführt worden. Der Haramain Expressway ist eines der ambitioniertesten Verkehrsprojekte der Region. Mit Gesamtkosten von rund zwei Milliarden US-Dollar soll die 460 Kilometer lange Eisenbahnstrecke jährlich bis zu 60 Millionen Fahrgäste befördern. Der Schnellzug kann die Fahrt von Mekka nach Medina mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 Kilometern pro Stunde in nur einer Stunde und 20 Minuten bewältigen. Das Projekt zielt darauf ab, die Mobilität der Pilger zu erleichtern und die Verkehrsüberlastung zwischen den beiden Städten zu verringern. Rumaih Al-Rumaih, Chef der öffentlichen Verkehrsbehörde und amtierender Präsident der saudischen Eisenbahngesellschaft sagte gegenüber Medienvertretern, dass dies eine historische nationale Errungenschaft in Bezug auf den modernen Verkehr in Saudi Arabien sei und äußerte seinen Stolz auf das Projekt. Der Hochgeschwindigkeitszug wird am Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag verkehren, und die Zahl der Fahrten werden allmählich auf alle Wochentage ausgedehnt, sagte er und fügte hinzu, dass die Direktfahrten zwei Stunden und die Fahrten mit Stopps am Bahnhof Dschidda und am Bahnhof King Abdullah Economic City zwei Stunden und 20 Minuten umfassen werden.  

Andrew Brunson-Prozess
Erdogan: Die Türkei ist ein Rechtsstaat

Ankara (nex) – In einem Gespräch mit Reportern, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass die Türkei ein Rechtsstaat sei und Gerichtsentscheidungen für alle bindend seien. „Ich bin nicht in der Lage, bei der Justiz zu intervenieren, da die Türkei ein Rechtsstaat ist“, sagte Erdogan am Mittwoch gegenüber türkischen Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine, mit der er nach einer zweitägigen Reise nach Ungarn in die Türkei zurückkehrte. Er bezog sich dabei auf den Fall des US-Pastors Andrew Brunson. Vertreter westlicher Medien und politischer Parteien hatten den türkischen Staatschef bereits mehrfach aufgefordert, den in der Türkei inhaftierten US-Bürger frei zu lassen. US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Mittwoch, Brunsons Freilassung sei für die türkisch-amerikanischen Beziehungen sehr wichtig. Brunson saß wegen Terrorismus-Vorwürfen seit dem 7. Oktober 2016 in türkischer Haft und wurde am 23. Juli 2018 in den Hausarrest entlassen. US-Präsident Donald Trump genehmigte im August in Folge der Inhaftierung  eine Verdoppelung der Zölle auf türkisches Stahl und Aluminium. Die Türkei reagierte darauf mit einer Erhöhung der Zölle auf US-Autos, Alkohol und Tabakimporte. Am morgigen Freitag soll der Prozess gegen Brunson in der westtürkischen Stadt Izmir fortgesetzt werden.

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– Türkisch-amerikanische Beziehungen – Erdogan: Zusammenarbeit zwischen Türkei und USA wird gestärkt

„Die strategische Zusammenarbeit der Türkei mit den USA wird trotz aller Höhen und Tiefen durch Investitionen und Handel weiter gestärkt“, sagte Erdogan und betonte die Bedeutung des Treffens.

Erdogan: Zusammenarbeit zwischen Türkei und USA wird gestärkt