Köln
934 neue Zivilwagen für NRW-Polizei – Zur Tarnung auch exotische Modelle aus Asien

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Die NRW-Polizei bekommt 934 neue Zivilwagen. Das bestätigte das nordrhein-westfälische Innenministerium dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „In diesem und letzten Jahr haben wir massiv in den Fuhrpark der zivilen Funkstreifenwagen investiert, um den Ermittlern der Kriminalpolizei sichere, moderne und funktionsgerechte Fahrzeuge für ihre tägliche Arbeit zur Verfügung stellen zu können“, sagte Daniela Lesmeister, Abteilungsleiterin Polizei im Ministerium, der Zeitung. Im vergangen Jahr waren 508 Wagen bestellt worden, jetzt kommen 426 Autos hinzu. Insgesamt wurden 30,8 Millionen Euro für die neuen Fahrzeuge ausgegeben. „Mit dieser Investitions-Offensive konnten wir den zu hohen Altersschnitt der zivilen Funkstreifenwagen deutlich senken“, erklärte Lesmeister. Währen sich das Innenministerium beim Kauf von neuen Streifenwagen für den Wach- und Wechseldienst für die Marke Ford entschieden hatte, machen bei den Zivilwagen Modelle von Audi (A4) und BMW (5er Reihe) das Rennen. Wie aus Polizeikreisen zu erfahren war, wurden aber auch Fahrzeuge von Herstellern aus Asien und Skandinavien eingekauft. Mit den eher exotischen Modellen soll die Tarnung der Zivilfahnder verbessert werden.

Tourimus
„Euro-Türken“ geben während den Ferien in den Türkei 3,3 Milliarden Euro aus

Ankara – Türkische Staatsbürger mit Wohnsitz in Europa gaben im vergangenen Jahr während ihrer Ferien in der Türkei 3,3 Milliarden Euro aus. Das berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf eine Studie der Turkey Europe Education and Scientific Research Foundation (TAVAK). Der Studie zufolge besuchten 2018 2,8 Millionen europäische Türken das Land, von denen 1,9 Millionen in Deutschland lebten. Europäische Türken gaben während ihrer Ferien in der Türkei durchschnittlich 1.175 Euro aus, während deutsche Touristen, die das Land besuchten, durchschnittlich 590 Euro ausgaben, sagte TAVAK. Die TAVAK-Studie zeigte auch, dass europäische Türken während ihres Urlaubs durchschnittlich 24 Tage im Land blieben, verglichen mit 16 Tagen, die deutsche Touristen in der Türkei verbrachten. Im Jahr 2015 besuchten rund 5,7 Millionen Deutsche die Türkei, und die Einnahmen aus deutschen Touristen beliefen sich auf 3,9 Milliarden Euro, so die Stiftung. Türken mit Wohnsitz in Europa stellten 460 Euro für die Unterkunft zur Verfügung, während sie etwa 106 Euro für Getränke, Essen und Souvenirs ausgaben und 9 Prozent (etwa 106 Euro) ihrer gesamten 1.175 Euro Ausgaben für Unterhaltung, so TAVAK.
Sie besuchten in der Türkei nicht nur ihre Verwandten, sie bereisten auch beliebte Urlaubsziele wie Istanbul, Antalya, Bodrum, Alaçatı, die Schwarzmeer-Region und den Südosten des Landes.
TAVAK schätzt, dass mehr als 5,7 Millionen europäische Türken in 28 Ländern der Europäischen Union leben, von denen 2,4 Millionen die türkische Staatsangehörigkeit besitzen. Deutschland ist mit etwas mehr als 3 Millionen die Heimat der größten türkischen Gemeinschaft. Die Niederlande und Frankreich beherbergen laut TAVAK 478.330 bzw. 434.540 Türken.

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– Türkei – Bei Deutschen wieder beliebt: Antalya beherbergte 2019 bereits 10 Millionen Touristen

Antalya, eines der beliebtesten Urlaubsziele der Türkei an der Mittelmeerküste, begrüßte vom 1. Januar bis 22. August eine Rekordzahl von 10 Millionen ausländischen Touristen.

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Reparationszahlungen
Rechnung an Deutschland: Polen fordert bis zu 850 Milliarden Dollar

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Warschau – 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges verlangt Polen von Deutschland Reparationen. Präsident Andrzej Duda bekräftigt in einem Interview mit der Bild nun, dass sein Land eine konkrete Summe fordern wird. Wie die Tageszeitung die Welt berichtet, hat der polnische Präsident Andrzej Duda kurz vor den Gedenkfeiern zum Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren die Forderungen seines Landes nach deutschen Reparationszahlungen nochmal bekräftigt. Eine solche Entschädigung sei „eine Frage von Verantwortung und Moral“, sagte Duda der „Bild“-Zeitung. Das polnische Parlament werde dafür „eine Rechnung vorlegen“ Der Krieg habe in Polen gewaltige Schäden verursacht, so Duda. Wie die Welt weiter berichtet, war in Polen 2017 eine Parlamentskommission zu dem Thema eingesetzt worden, die in Kürze ihren Abschlussbericht vorlegen will. Dabei gehe es um 850 Milliarden US-Dollar (766 Milliarden Euro). „Fast sechs Millionen polnischer Bürger wurden ermordet, unsere Städte in Trümmern, unsere Hauptstadt komplett zerstört“, so Duda im Gespräch mit der Bild. Auch Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bestätigte am Mittwoch, dass an ein Abrücken entsprechender Forderungen nicht zu denken sei. „Polen hat von Deutschland bis heute keine angemessene Kompensation für die Greueltaten des Zweiten Weltkriegs bekommen“, sagte Morawiecki den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

USA
US-palästinensischer Mörder Robert Kennedys im Gefängnis mit Messer verletzt

San Diego – Sirhan Sirhan, der US-Palästinenser der 1968 Robert Kennedy ermordete, wurde Freitag in einem kalifornischen Staatsgefängnis mit einem Messer verletzt. Laut US-Medien wurde der 75-Jährige in stabilem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem er von einem anderen Insassen auf dem Hof der J. Donovan Justizvollzugsanstalt nahe San Diego mit einem Messer verletzt wurde. „Die Vollzugsbeamten reagierten schnell und fanden einen Häftling mit Stichverletzungen. Er wurde zu einem externen Krankenhaus für medizinische Versorgung transportiert und befindet sich derzeit in einem stabilen Zustand“, heißt es in einer Mitteilung der Strafanstalt. Die Motive des Angriffs seien unklar. Eine Untersuchung des Falles sei eingeleitet. Sirham und seine Familie, koptische Christen, wanderten als Flüchtlinge in die USA ein. Am 5. Juni 1968 erschoss der damals 24-Jährige mit einer Pistole vom Kaliber 22 den 42-jährigen Bruder des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy. Siram hatte acht Schüsse mit einem Revolver abgegeben. Kennedy wurde am Kopf und an der Schulter getroffen. Neben Kennedy wurden fünf weitere Personen angeschossen und teils schwer verletzt. Sirhan wurde zuerst zum Tode verurteilt. Nach der Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien im Jahre 1972 wurde das Urteil in eine lebenslängliche Freiheitsstrafe umgewandelt  

Arbeitspolitik
Maschinenbauer: Neue EU-Kommission muss Mitarbeiterentsendung ins EU-Ausland erleichtern

Osnabrück – Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer fordert die neue EU-Kommission unter der designierten Behördenchefin Ursula von der Leyen (CDU) auf, die Unternehmen bei der Entsendung von Mitarbeitern ins europäische Ausland von Bürokratie zu entlasten. „Die gegenwärtige Situation bei der Entsendung steht in völligem Gegensatz zur Idee des EU-Binnenmarktes“, sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Brodtmann betonte: „Dieses Thema muss unbedingt auf die politische Agenda der neuen Kommission. Denn die absurde Meldebürokratie bedroht nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen, sondern ruiniert auch den eigentlich guten Ruf des EU-Binnenmarkts bei den deutschen Mittelständlern.“ Als besonders belastend empfinden es vor allem kleine und mittelständische Unternehmen demnach, dass sie vor einem Flickenteppich nationaler Vorschriften stehen. Zudem erschwerten zahlreiche Formalien wie die sogenannte A1-Bescheinigung kurzfristige Reisen ins EU-Ausland beispielsweise zur Reparatur von Anlagen. „Der Ärger über die teilweise absurde Bürokratie bei der Entsendung von Mitarbeitern ins europäische Ausland ist im VDMA-Mitgliederkreis groß“, betonte Brodtmann gegenüber der „NOZ“. Die EU-Meldepflichten erzeugten „nicht nur hohe Kosten, sondern behindern auch den effizienten Handel im Binnenmarkt“. Der VDMA fordert deshalb eine deutliche Reduzierung und Harmonisierung der Meldepflichten in allen EU-Mitgliedstaaten. Die neue EU-Kommission unter Führung von Ex-Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen wird ihre Arbeit voraussichtlich im November aufnehmen.

Russland
Sieg gegen die Nazis: Moskau möchte ukrainischen Präsidenten Selenskij zur Gedenkfeier einladen

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Moskau – Russland wird den ukrainischen Präsidenten Vladimir Selenskij einladen, an den Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des Sieges über die Nazis im Zweiten Weltkrieg teilzunehmen. Die Veranstaltung werde am 9. Mai 2020 in Moskau stattfinden, sagte Kreml-Sprecher Juri Uschakow am Freitag Reportern. „Wir werden an den Präsidenten der Ukraine eine Einladung senden“, sagte er. 17 Staatsoberhäupter hätten bereits bestätigt, an der Veranstaltung teilnehmen zu werden, so Uschakow weiter. „Es wird erwartet, dass es eine große internationale Veranstaltung wird, die einem geschätzten Datum für uns und für alle gewidmet ist“, betonte Uschakow. Zugesagt hätten bereits Frankreich, Indien, Kuba, Venezuela, Weißrussland, Armenien, Bulgarien, Tschechien und Serbien. Auch zahlreiche GUS-Staaten hätten ihre Teilnahme bestätigt, berichtet die Nachrichtenagentur TASS.  

Gesundheit
Nasenbluten: Wie Eltern es richtig stoppen

Zu fest geschnäuzt oder ausgiebig gebohrt – manche Kinder haben häufig Nasenbluten. „Solche Blutungen sind aber fast immer harmlos“, beruhigt Dr. Hermann-Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt aus Düsseldorf, im Apothekenmagazin „Baby und Familie“. Tropft es rot aus der Nase, sollten Eltern ihr Kind zuallererst beruhigen und dafür sorgen, dass es aufrecht sitzt – zum Beispiel auf Mamas oder Papas Schoß – oder zumindest sein Kopf hoch gelagert ist. Das Blut soll abfließen können, daher sollte die Blutung nicht mit einem Wattepad oder Ähnlichem gestoppt werden. Ganz wichtig ist, den Kopf nach vorne hängen zu lassen und nie in den Nacken zu legen. Sonst kann Blut in den Rachen und in die Speiseröhre gelangen, bis in den Magen laufen und Übelkeit und Erbrechen verursachen. Die bessere Alternative ist laut Kahl: „Einen kalten Waschlappen oder ein mit einem Tuch umwickeltes Kühlpack in den Nacken legen oder die vorderen Nasenflügel leicht mit zwei Fingern zusammendrücken. So ziehen sich die Gefäße rasch zusammen, und die Blutung kommt zum Erliegen.“ Ist die Blutung gestillt, wird die Nase vorsichtig vom geronnenem Blut befreit. Nasenspray oder -salbe mit dem Wirkstoff Dexpanthenol beruhigt die gereizte Schleimhaut. Lässt sich das Nasenbluten nicht innerhalb von 10 bis 15 Minuten stillen, ist es ungewöhnlich stark oder geht es dem Kind merklich schlecht, sollte man umgehend zum Kinderarzt gehen. Wenn das nicht möglich ist, einen Notarzt unter 112 rufen.

Balkan
EU: Serbien muss das Abkommen mit der Eurasischen Union kündigen

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Eine klare Botschaft der Europäischen Kommission an Serbien Brüssel – Serbien muss ein neues Handelsabkommen mit der eurasischen Wirtschaftsunion Russlands kündigen, wenn es der Europäischen Union beitritt. „Serbien kann vor dem EU-Beitritt Vereinbarungen mit anderen Staaten oder Organisationen treffen. Im Hinblick auf die Beitrittsverhandlungen hat sich Serbien jedoch verpflichtet, sich am Tag des EU-Beitritts aus allen bilateralen Handelsabkommen zurückzuziehen“, sagte die Kommission. „Der Text des Freihandelsabkommens mit Russland sollte auch eine Ausstiegsklausel enthalten, die garantiert, dass Serbien nach seinem Beitritt zur EU aus dem Abkommen aussteigen kann“, warnte der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments, David McAllister. Die Europäische Kommission hat am Tag nach der Ankündigung des russischen Botschafters in Belgrad Alexander Bozan-Chartschenko, dass Serbien am 25. Oktober ein Handelsabkommen mit der eurasischen Wirtschaftsunion unterzeichnen wird, ihre Position klargestellt. Serbien soll Eurasischer Wirtschaftsunion beitreten In der vergangenen Woche kündigte der russische Botschafter in Belgrad, Bozan-Chartschenko, den Beitritt Serbiens in die Eurasische Wirtschaftsunion an. „Ein Abkommen über die Einrichtung einer Freihandelszone zwischen Serbien und der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) kann am 25. Oktober unterzeichnet werden“, zitierte die Nachrichtenagentur Sputnik den russischen Botschafter Für Belgrad markiere die Umsetzung des Dokuments eine ganz neue Etappe der Präsenz im eurasischen Raum und den Eintritt in einen Markt, der 182 Millionen Verbraucher umfasst und dessen gesamtes Bruttoinlandsprodukt mehr als 1,9 Billionen US-Dollar beträgt, so Botschafter weiter. Die Eurasische Wirtschaftsunion ist ein Zusammenschluss aus fünf Staaten im Nordosten Eurasiens zu einem Binnenmarkt mit Zollunion. Die Wirtschaftsunion ging mit Wirkung zum 1. Januar 2015 aus der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft hervor. Mitgliedsstaaten sind Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland  und Weißrussland.

Saarburg
Krankenpfleger soll Patienten ermordet haben

Saarburg – Bei mehreren verstorbenen Patienten einer saarländischen Klinik werden Wirkstoffe festgestellt, die von den behandelnden Ärzten nicht verschrieben wurden. Relativ schnell gerät ein Krankenpfleger in Verdacht. Dieser sitzt bereits wegen einer anderen Straftat in Haft. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt gegen einen Krankenpfleger wegen fünffachen Mordes und zweifachen Mordversuchs. Der Mann soll Patienten nicht verordnete Medikamente gegeben haben, um sie dann reanimieren zu können, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Wie ntv unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Saarbrücken berichtet, begannen die Ermittlungen gegen den Mann bereits im Juni 2016. Demnach sei er damals in einer Notarztjacke auf eine Intensivstation des Krankenhauses in Saarburg gekommen und habe sich als Arzt ausgegeben. Wie ntv weiter berichtet, sagte er gegenüber dem Personal, er müsse an einem Patienten eine besondere Untersuchung durchführen. Dabei habe er einen Defibrillator sowie einen Monitor dabei gehabt. Bei den Ermittlungen seien bisher sieben Leichen exhumiert und toxikologisch untersucht worden. Bei sechs früheren Patienten seien Wirkstoffe gefunden, die nicht ärztlich verordnet waren und potenziell tödlich sind. Der Mann habe von Januar 2015 bis März 2016 eigentlich als Pfleger in einer Klinik in Völklingen gearbeitet.  

Meinung
Kommentar: Wieso müssen wir unbedingt die ethnische Herkunft von Tatverdächtigen erfahren?

Wie reaktionär ist die Nennung der Nationalität von Straftätern?

Von Yasin Baş

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat angekündigt, die Nationalität von Tatverdächtigen grundsätzlich öffentlich machen zu wollen. Reul sieht dies als Beitrag zur Transparenz. Fachleute halten dagegen wenig davon. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, hält einen grundsätzlichen Hinweis der Nationalität bei Tatverdächtigen nicht für geeignet. Auch der Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI) spricht sich gegen die Pläne aus.

Wieso eigentlich müssen wir unbedingt die ethnische Herkunft von Tatverdächtigen erfahren? Können wir nicht anders als in biologisch-antropologischen „Rassekategorien“ denken? Die soziale, politische, wirtschaftliche Herkunft ist kaum der Rede wert. Warum?

Das Themenfeld Einwanderung, Ausländer und Kriminalität gehört traditionell zu den politischen und ideologischen Minenfeldern des gesellschaftlichen Diskurses. Es polarisiert, kann leicht missbraucht werden und eignet sich wie kaum ein anderes zur politischen Verunsicherung der Bevölkerung“, sagt der Wissenschaftler Frank Gesemann in der wissenschaftlichen Publikation „Berliner Forum Gewaltprävention“ und legt den Finger in eine Wunde, die in bestimmten Zeitabständen immer wieder auseinander klafft.

Es geht um soziale Herkunft

Medien und Politiker/innen betonen des Öfteren, dass Kriminalität und Gewalt unter Migranten ein weitaus größeres Problem sei als unter autochtonen Deutschstämmigen. In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden, dass die Startbedingungen sowie Entwicklungschancen von Menschen ganz unterschiedlich sind.

Etwas Wesentliches muss hier angefügt werden: Es geht in der Diskussion nicht um ethnische Kategorien wie „Migrant“ (Nordafrikaner, Araber, Chinese, Russe etc.) und „Nichtmigrant (Deutscher, Bayer, Thüringer)“. Es geht vielmehr um die Kategorie der „sozialen Herkunft“, der Schicht- und Milieuzugehörigkeit sowie der Bildung und Ausbildung. Wenn es demnach beispielsweise ein Gewaltproblem unter Jugendlichen geben sollte, dann beträfe das in gleicher Weise auch deutsche Jugendliche aus einkommensschwachen Gruppen. Zumindest müsste diese Hypothese erforscht werden. Ähnliches müsste für Sexual- und Raubdelikte gelten. Aus diesem Grunde verzichten immer mehr Fachleute und Wissenschaftler in ihren Berichten die Zahlen zu verurteilten Deutschen und Nichtdeutschen zu bewerten. Damit handeln sie vorbildlich und meiden es, „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“.

Gegenüberzustellen wären höchstens die Zahlen der begangenen Gewalttaten von Deutschstämmigen aus sozial deklassierten Familien mit denen der Einwanderer aus demselben Milieu. Man wird verblüfft sein, wie sehr sich die Zahlen in „schichtspezifischen Delikten“ ähneln. Dr. Christian Walburg vom Institut für Kriminalwissenschaften der Universität Münster, warnt eindringlich vor den oben genannten ethnischen Kategorisierungen und einer Ausblendung der Heterogenität/Sozialstruktur der Täter im Hinblick auf Kriminalität.

Gleiche Gruppen vergleichen

Auch der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Migration und Integration sprach bereits in seinem Jahresgutachten 2010 davon, dass Ausländer an Gewalttaten wie Mord und Totschlag, Raubdelikten oder gefährlichen und schweren Körperverletzungen überproportional häufig beteiligt seien und Gewaltdelikte überproportional häufig von Menschen mit Einwanderungsgeschichte verübt würden, relativierte diese Aussage aber durch folgende Passage: „Um die Kriminalitätswerte realistisch einschätzen zu können, müssten somit repräsentative Gruppen von Deutschen und Ausländern verglichen werden, die nach sozialen und demografischen Faktoren identisch sind.“ Das sei aber derzeit anhand der Datenlage – auch des Bundeskriminalamts (BKA) – gar nicht möglich.

Bessere Integration und Bildung senkt die Gewaltbereitschaft

Auch das Maß der Integration spielt eine wichtige Rolle. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) schreibt in ihrem Forschungsbericht 107: „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“, dass türkische, arabische und nordafrikanisch-arabische Migrantengruppen durchschnittlich schlechter integriert und gebildet seien. Und da der Stand der Integration und Bildung mit dem Gewaltverhalten in Beziehung stehe, ergeben sich für diese Gruppen erhöhte Gewaltraten. Daher kommen die Autoren der Studie zu folgendem Schluss: Eine bessere Integration und Bildung senkt die Gewaltbereitschaft.

Der Faktor „Bildung“ verdient daher eine genauere Betrachtung. So kommt das KFN zu dem Ergebnis, dass die Jugendkriminalität in Deutschland in den letzten zehn Jahren, insbesondere bei Migranten gesunken sei. „Die Kriminalitätsprävention läuft erfolgreich“, sagt Christian Pfeiffer, ehemaliger Direktor der Forschungsstelle. „Es gibt keinen Anlass, die Gewaltbereitschaft der Migranten als zentrales Problem zu benennen.“ Mit besseren Bildungschancen gehe die Kriminalität von alleine zurück. Pfeiffer betont in diesem Zusammenhang: „Nur ein kleiner Prozentsatz der Migranten ist gewalttätig.“

Wichtige Strategie gegen Kriminalität: Präventionsprojekte

Der Wissenschaftler gibt Beispiele für die Stadt Hannover: Hier sei es gelungen, die Mehrfachtäter unter jungen Türken innerhalb von acht Jahren von 15 auf sieben Prozent zu verringern. Dazu hätten zahlreiche Projekte wie beispielsweise kostenlose Nachhilfe oder Mentoring-Projekte beigetragen, wo sich freiwillige Mentoren bereiterklärten, sich um eine hilfssuchende Person (Mentee) zu kümmern.

Durch den Erfahrungsaustausch und den Wissenstransfer mit dem Mentor entwickelt sich zwischen beiden eine vertraute Partnerschaft. Dies stärkt das Selbstbewusstsein des Schützlings und fördert zugleich seine Eingliederung in die Gesellschaft. Das KFN empfiehlt in ihrem Forschungsbericht 109: „Kinder und Jugendliche in Deutschland: Gewalterfahrungen, Integration, Medienkonsum“ des Weiteren die Teilnahme an Gewaltpräventionsmaßnahmen, Kompetenz- und Konfliktlösetrainings sowie Projekte, die Gespräche als Arbeitsmethode gebrauchen.

Prof. Dr. Horst Entorf und Philip Sieger weisen in ihrer Studie für die Bertelsmann Stiftung: „Unzureichende Bildung: Folgekosten durch Kriminalität“ darauf hin, dass die beste Prävention gegenüber kriminellem Verhalten die Erhöhung der Bildungschancen der Jugendlichen sei.

Der Haken

Die Kriminalitätsstatistiken haben aber per se einen „Haken“. Die Aussagekraft der polizeilichen Kriminalstatistik wird vom KFN relativiert: „Die Anzeigebereitschaft der jugendlichen Opfer von Gewalttaten hängt erheblich von der ethnischen Zugehörigkeit der Täter ab.“ Migranten hätten als Täter ein weit höheres Risiko, sich mit ihren Taten vor Gericht verantworten zu müssen als junge Deutsche. „Sie sind dadurch in allen Bereichen und Statistiken der Strafverfolgung deutlich überrepräsentiert.“ Daher könnte man sagen, je unbekannter sich Opfer und Täter zum Beispiel in Sprache oder Herkunft sind, desto größer ist die Tatkraft, dies anzuzeigen.

Zur Verzerrung der Kriminalstatistik führt auch die Tatsache, dass Menschen auf der Durchreise, Touristen, Illegale, Besatzungssoldaten/ausländische Angehörige der Streitkräfte usw. als ausländische Straftäter in der Statistik erwähnt werden. Außerdem können bestimmte Delikte, wie Verstöße gegen Aufenthaltsbestimmungen, Asylverfahren oder Visafälschungen nur von Ausländern begangen werden („ausländerspezifische Straftaten“). Deutsche Staatsbürger können gar nicht gegen Aufenthaltsregelungen, Asyl- und Ausländerrecht verstoßen, weil sie Deutsche sind.

Diese verschiedenen Faktoren sollten bei Diskussionen um Kriminalität bei Migranten nicht außer Acht gelassen werden. Denn das Thema lässt sich zu leicht von rechtsradikalen und neo-rassistischen Gruppierungen und anderen „law-and-order-Populisten“ missbrauchen. Dem kann man entgegenwirken, indem man wie das NRW-Justizministerium 2011 vorsorglich darauf hinwies, dass die Staatsbürgerschaft sich als solche nicht als Kriminalitätsfaktor eigne. „Relevanter wäre ein Vergleich des sozialen Status“, so das Ministerium. Erneut sorgt NRW mit einem Vorstoß in diesem Feld für Furore. Diesmal geht es aber in eine andere Richtung. Und die ist eher reaktionär.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.