Titel, Thesen und Temperamente
Deutsch-türkische Studentenvereinigung verurteilt ARD-Sendung über Dersim-Aufstand

Am 02.12.2019 wurde in der ARD Sendung ・Titel, Thesen und Temperamente・eine sehr einseitige und fragwürdige Sendung in Bezug auf die Gewaltereignisse von Tunceli 1937-1939 (ehemals Dersim) ausgestrahlt. Die Unterstellungen in der Sendung waren eigentlich gezielte Anschuldigungen und Diffamierungen insbesondere gegen den türkischen Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk, der zu diesem Zeitpunkt auf dem Sterbebett lag. Auch wurden in der Sendung weder die historischen noch gesellschaftspolitischen Hintergründe zu diesem Vorfall durchleuchtet, sodass hier auch eine sehr einseitige Wahrnehmung erreicht wurde. Von einem öffentlich-rechtlichen Sender muss man aber schon eine differenzierte und ausgewogen politisch-neutrale Sichtweise erwarten, was in diesem Falle aber nicht der Fall war. Die türkische Regierung hatte eine freundschaftliche Beziehung zu Deutschland aufgrund der freundschaftlichen Beziehungen zum deutschen Kaiserreich und dem Bündnis im ersten Weltkrieg, was als Fortsetzung gesehen werden kann. Über diesen Vorfall gibt es mehrere miteinander konkurrierende Narrative, wobei die ARD allerdings nur eines als einzig wahr verstanden wissen möchte und die von ihr ausgesuchte Lesart breitenwirksam über TV-Kanäle und Internet reproduziert. Jedoch findet ein „Historikerstreit“, ein „Erinnerungskampf“ um „Kampferinnerungen“ sozusagen, über die Einstufung der Ereignisse („blutige Niederschlagung eines Aufstands“ oder „Massaker“? über die Rolle der kemalistischen Führungsriege oder lokaler Akteure sowie die Opferzahl (zwischen 8.000 bis 70.000 Todesopfer) statt. Während die einen von einer blutigen Niederschlagung eines pro-kurdischen Separatistenaufstands lokaler Feudaleliten gegen die republikanische Zentralregierung ausgehen, behaupten die anderen ein gezieltes Massaker an der Zivilbevölkerung, wobei wiederum gestritten wird, ob ethnische (Zazas oder/und Kurden gegen die Türkei) oder konfessionelle (Sunniten gegen Aleviten) Motive für das staatliche Vorgehen eine Rolle gespielt haben. Darüber hinaus wird gestritten, ob überhaupt oder inwiefern der todkranke Staatsgründer Atatürk selbst in die Gewaltereignisse involviert war oder ob dessen Nachfolger überhaupt dafür verantwortlich waren. Das Ganze wird von der als Gedächtnisaktivist tätigen ARD peinlichst verschwiegen und ein Kurden- und Zaza-Thema als ein gesamt-alevitisches Unglück darzustellen, obwohl gerade zusehends in Westeuropa ・ersehen und geleugneten ethnisch türkischen Aleviten in anderen Regionen der Türkei für die anti-islamistisch säkularen Reformen Atatürks besonders dankbar sind und sich nie als Kemalismus-Opfer begriffen haben. Übrigens waren die Gründe für den niedergeschlagenen Dersim-Aufstand der Widerstand der lokalen Feudalherrschaft gegen die von der kemalistischen Führung beabsichtigte Politik zur Entfeudalisierung, Detribalisierung und Turkifizierung der lokalen Clans (Beseitigung von Stammesprivilegien; Enteignung der Clan-Chefs zugunsten der als Staatsbürger geltenden Dorfbewohner) sowie die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols in der bislang jahrhundertelang staatlich kaum penetrierten Provinz und eben nicht: Sunnitische Islamisierung. Bei der Niederschlagung der Erhebung kamen Teile der Zivilbevölkerung, die bei den bewaffneten Aufständischen sich befanden, gewaltsam ums Leben. Überlebende wurden zwangsweise in andere Provinzen umgesiedelt. Vor dem Beginn der Kampfhandlungen wurden Bewaffnete und Zivilisten mehrfach über die bevorstehende Militärintervention gewarnt. Diejenigen, die sich zuvor ergaben, wurden verschont. Ob die Zivilverluste als sogenannter Kollateralschaden gelten oder ob es sich bei dem Vorgehen republikanischer Truppen um eine unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung ablaufende gedeckte Massaker-Kampagne an der Lokalbevölkerung oder um einen von konfessionalistischen bzw. anti-alevitischen Motiven geleiteten Massenmord handelt, ist Gegenstand von ideologisch erhitzten Diskussionen. Zudem begeht auch der Artikel vehemente kategorische Fehler, denn die Türkei ist eine laizistische, säkulare Republik. Darüber hinaus wird eine fragwürdige Analogie und eine Kollaboration mit dem NS-Regime unterstellt. Doch selbst der prominente Kurdologe Martin van Bruinessen lehnt die von der ARD propagierte Völkermordthese ab. Nach der Lektüre von Inspektorenberichten, Durchsicht von Militär-Archiven und der Vergegenwärtigung von den damaligen offiziellen Stellungnahmen kann man auch zu dem Schluss kommen, dass im staatlichen Diskurs und in der damaligen öffentlichen Meinung konfessionelle Faktoren irrelevant bei der Beurteilung der als primitiv und feudal empfundenen Stammesgesellschaft gegen die notwendige Modernisierung“ waren. Vor und nach Dersim gab es auch separatistische Aufstände kurdischer oder zazaischer Clans sunnitischer Herkunft, die auch blutig niedergeschlagen wurden, was auch nicht als „Massaker an Muslimen“ verklärt wird. Dass die Dersimi, im Gegensatz zu ihren sunnitischen Co-ethnics, sich nicht als Kurden oder Zazas, sondern vielmehr „nur“ als Aleviten begriffen haben, muss nicht zwangsläufig heißen, dass sie von Ankara auch als Aleviten betrachtet wurden, zumal die lokalen Clan-Chefs bei ihrer Erhebung den Machtkampf mit dem zentralistischen Einheitsstaat und die Ethnizität-Thematik im Vordergrund sahen. Dieses Dersim-Thema wird zur Heranführung der mehrheitlich türkischen Aleviten auch an pro-kurdischen/zazaischen Aktivisten verstärkt verarbeitet und führt auch zu ihrer weiteren Entfremdung von den anderen Türken in Deutschland. Besonders Atatürk wurde und wird bis heute bei Aleviten als Gegenpol zur Rückständigkeit begriffen, was wieder einige Teile kurdischer oder zazaischer Aktivisten stört. Forscher_innen in Deutschland neigen daher mit gleichgesinnten Verbandsfunktionären in den von alevitischen Kurden und Zazas dominierten Vereinigungen immer mehr dazu, kurdische/zazaische Dersim-Traumata als gesamtalevitisch umzudeuten und dabei völlig die Sichtweise von den von ihnen als „kemalistisches Konstrukt“ geleugnete türkische Aleviten völlig zu ignorieren und somit die kemalistische Ära genau wie alle anderen Epochen in der Türkei auch als eine für alle Aleviten finstere Zeit darzustellen. Merkwürdigerweise sind das dann auch die gleichen Vereinigungen, die selber das Gedenken an den 500. Jahrestag, der mithilfe kurdisch-sunnitischen Talfürsten begangenen osmanischen Massakers an den türkischen Aleviten in 1514, vermutlich auch aus Rücksicht auf kurdische Befindlichkeiten geflissentlich unterlassen haben. Dafür wollen sie lieber die von ihnen vernachlässigten türkischen Aleviten, von denen es auch viele auf dem Balkan in Griechenland und auch in Bulgarien („Alianen“) gibt, weiter entkemalisieren. In der Übergangsphase vom Osmanischen Reich bis zur Gründung und Konsolidierung der Republik gab es lokale Aufstände, die teilweise vom Ausland (westl. Alliierte) unterstützt wurden. Da die Türkei sich innenpolitisch gegen separatistische, feudale und islamistische Widerstände konsolidieren musste, konnte sie keine Ressourcen aufbringen, um andere Regime auch noch normativ zu ächten. Wenn es wirtschaftliche Beziehungen mit Deutschland oder der Sowjetunion gab, war das selbstverständlich und interessengeleitet. Lenin hat übrigens selbst Waffen nach Ankara während des türkischen Unabhängigkeitskriegs (1919-1922) über den Seeweg geliefert, weil westliche Alliierte der gemeinsame Feind waren, was auch dazu führte, dass französische Kanonenboote die Lieferungen mit Angriffen auf die türkischen Schmugglerkreuzer zu unterbinden versuchten. Das muss nicht heißen, dass Atatürk mit dem „KPdSU-Regime“ kollaboriert hat. In der Politik spielen Interessen eine Rolle. Wenn die Türkei heute auch aktuell Waffen gebraucht, dann mussten eben diese importiert werden wie damals, von wem auch immer. Das gilt für aktuelle Thematik mit den F-35 oder für den „S-400 Deal“ der Türkei mit Russland, wo nach einer Einigung ein Vertrag zustande kommt. Mit freundlichen Grüssen Levent Taşkıran Türk-ÜniD e.V. Vorstandsvorsitzender
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– Syrienkrise – Aramäer: „Wo war der Aufschrei, als die YPG christliche Schulen schloss?“

Der Weltverband der christlichen Aramäer (WCA) hat die mediale internationale Anteilnahme für den syrischen Zweig der Terrororganisation PKK, die YPG, verurteilt und in einer Pressemitteilung gefragt, warum die Empörung ausblieb, als vier christliche Schulen der Aramäer in Nordsyrien am 28. August des vergangenen Jahres durch die YPG geschlossen wurden.

Aramäer: „Wo war der Aufschrei, als die YPG christliche Schulen schloss?“

China
Uiguren-Verfolgung: Mesut Özil verurteilt muslimische Medien und Staaten für ihr Schweigen

London – Der ehemalige deutsche Nationalspieler Mesut Özil hat in einem Tweet muslimische Medien und Staaten für ihr Schweigen zur Unterdrückung und Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China scharf verurteilt. “Während in westlichen Medien und sogar Staaten diese Ereignisse seit Wochen und Monaten die Schlagzeilen bestimmen, wo bleiben die muslimischen Medien und Länder? Woran man sich Jahre später erinnern wird, ist nicht die Gewalt der Tyrannen, sondern das Schweigen der muslimischen Brüder. Oh Allah, schütze unsere Geschwister in Ost-Turkestan“, so Özil in dem auf türkisch verfassten Tweet. In einem weiteren Tweet schreibt der Arsenal-Star: „Korane werden verbrannt, Moscheen werden geschlossen, muslimische Schulen werden verboten, religiöse Gelehrte werden einer nach dem anderen umgebracht, Brüder werden gewaltsam in Lager gesperrt. Unsere Geschwister werden gezwungen Chinesen zu heiraten“. Trotz allem schwiegen die Muslime und setzten sich nicht dagegen ein. „Wissen sie denn nicht, dass die Billigung der Tyrannei selbst eine Grausamkeit darstellt“, so Özil weiter. Über eine Million Gefangene Laut Menschenrechtsorganisationen halte China eine unglaublich große Zahl von Personen der weitgehend muslimischen Minderheit in über den ganzen Nordosten verstreuten sogenannten Umerziehungslagern gefangen. Über eine Million, mehr als sieben Prozent der muslimischen Bevölkerung in der chinesischen Region Xinjiang, sind nach Experten der Vereinten Nationen jetzt in einem sich erweiternden Netzwerk von „politischen Umerziehungslagern“ eingesperrt. Der volle Umfang des Internierungssystems war lange Zeit deswegen im Dunkel, weil viele Uiguren sich fürchteten auszusagen, so die Tageszeitung Wallstreet Journal. Jetzt erzählen mehr von ihren Erfahrungen, einschließlich von sechs früheren Häftlingen, die das Journal interviewt hat; sie beschrieben, wie sie oder andere Gefangene an Stühle gebunden wurden oder kein adäquates Essen erhielten. „China Cables“ In im November von der US-Tageszeitung New York Times veröffentlichten Regierungspapieren befiehlt Chinas Staatspräsident Xi Jinping dem Parteiapparat, „ohne Gnade“ in Xinjiang vorzugehen.

Wie Handelsblatt berichtet, hatte ein anonymes Mitglied der chinesischen politischen Elite die Dokumente an die amerikanische Zeitung weitergereicht. Es handele sich nach Einschätzung der New York Times um eines der „bedeutendsten Leaks von Regierungspapieren aus der Kommunistischen Partei Chinas seit Jahrzehnten“, berichtet Handelsblatt weiter.

Der Leak impliziere über Pekings Maßnahmen gegen die Uiguren eine „größere Unzufriedenheit im Parteiapparat als bisher bekannt war“. Die 24 Dokumente auf insgesamt 403 Seiten enthalten Anleitungen zur Überwachung der uigurischen Bevölkerung in Xinjiang, sowie Ansprachen des chinesischen Staats- und Parteichefs. Viele Beamte sähen die derzeitige Vorgehensweise in Xinjiang kritisch, so das Handelsblatt. Im Jahr 2017 sei gegen mehr als 12.000 Parteimitglieder intern ermittelt worden, weil sie im „Kampf gegen den Separatismus“ Fehler begangen hätten. Das war 20-mal häufiger als in den Jahren zuvor.

Für die Inhaftierung von Berichten zufolge mehreren Millionen Uiguren in Internierungslagern wird Peking international scharf verurteilt. Das kommunistische Regime weist alle Vorwürfe zurück und bezeichnet die Lager als „Berufsbildungszentren“ zur Bekämpfung von Extremismus.

Muslimische Staaten ungewohnt ruhig In einem Interview mit Bloomberg Television, sagte der ehemalige und wohl auch zukünftige Premierminister Malaysias Anwar Ibrahim, dass sich muslimische Regierungen „vor China fürchten“ und aus diesem Grund zu den Repressalien Pekings gegen muslimische Chinesen und den sogenannten Umerziehungslagern schwiegen. „Sie haben Angst. Niemand will etwas sagen“, so Anwar in dem  Gespräch mit Bloombergs  Sophie Kamaruddin. Anwars Äußerungen gehören zu den bisher schärfsten eines führenden Politikers in der islamischen Welt, der die Misshandlungen der muslimischen Minderheiten in China verurteilt. Tatsächlich halten sich Regierung muslimischer Länder zu der Situation der Muslime in China mit Kritik zurück, obwohl in den USA und Europa immer mehr Forderungen an China gerichtet werden, die Menschenrechtsverletzungen zu stoppen. Selbst die Türkei, die sich in der Vergangenheit für etwa die turksprachige Minderheit der Uiguren laut machte, bleibt ungewohnt ruhig. Wirtschaftliche Gründe Das zweisprachige malaysische Nachrichtenportal „Free Malaysia Today sieht dafür wirtschaftliche Gründe. China sei eines der größten Wirtschaftspartner vieler muslimischer Länder. Kuala Lumpur habe eine starke Haltung gegenüber Peking eingenommen und vor einer „neuen Version des Kolonialismus“ gewarnt, während Malaysia zudem „Milliardenprojekte annulliert“ habe, die von chinesischen Staatsbetrieben unterstützt würden.    

Islamfeindlichkeit
Rassismus: 187 islamfeindliche Straftaten im dritten Quartal 2019

Berlin (nex) – Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag ersichtlich wird, wurden im dritten Quartal 2019 insgesamt 187 islamfeindliche Straftaten erfasst. Verletzt wurden in diesem Zusammenhang acht Menschen. Im zweiten Quartal dieses Jahres waren bundesweit noch 165 islamfeindliche Straftaten erfasst worden. Damit wurden im neuen Quartal 22 Fälle mehr registriert. Zu den begangenen Strafdelikten zählten neben Beleidigung, Volksverhetzung, Körperverletzung auch Sachbeschädigung sowie die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Straftaten seien mehrheitlich rechts motiviert gewesen. Aber auch extremistische und terroristische Organisationen wie die PKK sind für Moscheeangriffe verantwortlich. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Zahlen vorläufig sind und noch Taten nachgemeldet werden könnten.

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– Umfrage – USA: Juden – die am wenigsten islamfeindliche Glaubensgruppe

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen Umfrage denken eine Mehrheit der jüdischen Amerikaner positiv über Muslime –  und dies beruhe auf Gegenseitigkeit.

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Meinung
Kommentar: Über die Ereignisse in Syrien haben die meisten deutschen Medien völlig einseitig berichtet

Rückkehr nicht erwünscht Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de Es war ein recht warmer Herbsttag, Anfang November, als sich die Familie Awad entschied aus ihrer Wohnung in Gaziantep/Türkei zurück in ihr Anwesen nach Tel Abyad, im Norden Syriens, zurückzukehren. Vor allem die beiden Kinder der Familie, der 12-jährige Tarek und seine 10 Jahre alte Schwester Aischa freuten sich endlich wieder zu Hause zu sein. An jenem Tag spielten beide ausgelassen im hauseigenen Garten, als eine gewaltige Explosion die Freude über ihre Rückkehr zu einem Alptraum werden ließ. Terroristen der YPG/PKK hatten vor ihrer Flucht eine Mine im Garten vergraben. Beide Kinder wurden bei der Explosion schwer verletzt und in ein türkisches Krankenhaus verlegt. Die Ärzte kämpften um das Leben der beiden Kinder. Zum Glück haben beide überlebt, aber Tarek verlor ein Bein. Seitdem die türkische Armee in Nordsyrien militärisch interveniert hat, vergeht kein Tag, an dem nicht ein Zivilist oder Soldat das Opfer einer Landmine geworden ist. Die Terrororganisation YPG/PKK hat in den eroberten Gebieten in Nordsyrien nicht nur gemordet und gebrandschatzt, sondern sie hat überall, selbst in Wohngebieten, tödliche Sprengfallen errichtet. Das lässt darauf schließen, dass eine Rückkehr der ehemaligen Bewohner Nordsyriens, wie die Araber, Turkmenen und Kurden usw., die wegen dem Krieg seit Jahren überwiegend in der Türkei leben müssen, nicht erwünscht war. Seit vielen Jahren leben Millionen von syrischen Flüchtigen in der Türkei. Fast alle haben ein Ziel: Irgendwann wieder in ihre eigene Heimat zurückzukehren. Die Türkei hat diese Flüchtlinge in der Not aufgenommen, aber der Aufenthalt in der Fremde soll nach Regierungsangaben kein Dauerzustand sein. Die türkische Regierung hatte angekündigt syrische Flüchtlinge wieder in ihrer Heimat anzusiedeln und beschloss ein Investitionsprogramm für den Bau von Häusern. Sehr mühsam läuft die Entschärfung von Sprengfallen, weil selbst unter Brücken Minen gelegt wurden. Betroffen war in diesem Fall eine Brücke zwischen Rasulayn und Tal Halaf. Selbst das Krankenhaus in Tel Abyad war vor diesen Extremisten nicht sicher. Es diente als Hauptquartier, Waffen- und Munitionslager und war unterirdisch über ein Tunnelsystem verbunden. Spezialeinheiten der türkischen Armee fanden im syrischen Operationsgebiet in einer Schule, die offensichtlich als Lager diente, 50 Antipanzerminen. Die Minenentschärfungseinheiten arbeiten in Nordsyrien fieberhaft an der Minenräumung in den Städten und Gemeinden, damit die Zivilbevölkerung wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren können.  Die Minen bekommt die Terrororganisation überwiegend aus Italien, Russland und Deutschland geliefert. Nach Angaben der Tageszeitung Sabah handelt es sich bei 60 Prozent der Minen, die die türkischen Sicherheitskräfte bei Operationen sichergestellt haben, um Minen aus Italien. Obwohl Italien die Konvention zum weltweiten Verbot von Antipersonenminen 1997 unterschrieben und 1999 ratifiziert hat, wird die PKK nach wie vor mit diesen gefährlichen Sprengfallen beliefert. Das liegt daran, weil der Vertrag Antipersonenminen so definiert, dass diese […] „eine oder mehrere Personen kampfunfähig macht, verletzt oder tötet.“ Anders ausgedrückt, Minen, die sich direkt gegen Personen richten, sind verboten. Antifahrzeug und Antipanzerminen fallen nicht in diese Kategorie, weil sie sich nicht direkt gegen Personen richten. Trotz des Verbots von Antipersonenminen wurden nach Angaben der türkischen Zeitung Akşam bei Antiterroroperationen der türkischen Armee im Südosten der Türkei die verbotenen Antipersonenminen sichergestellt. Die USA haben übrigens die Konvention für ein weltweites Verbot von Antipersonenminen nicht unterzeichnet. Dieser Konvention ist auch Deutschland beigetreten, aber die PKK wird nach türkischen Presseberichten auch mit deutschen Minen beliefert. Man erinnere sich an die Aufregung in Europa und insbesondere Deutschland vor einigen Wochen, als die Türkei am 9. Oktober 2019 eine Militärintervention in Syrien startete. Was wurde in den Medien nicht alles verlautbart. Es ging sogar so weit, dass einige Politiker einen Ausschluss der Türkei aus der NATO forderten, obwohl die gleichen NATO-Mitgliedsländer nichts dabei finden eine Terrororganisation wie die YPG/PKK mit Waffen zu beliefern. Diese Länder wissen ganz genau, dass sich diese Waffen dann gegen das NATO-Partnerland Türkei richten werden. Eine NATO-Partnerschaft sieht sicherlich anders aus. Es ist nicht verständlich warum zum Beispiel Deutschland syrische YPG/PKK Terroristen mit Minen beliefert, obwohl sich diese Minen gegen die Zivilbevölkerung richten und offensichtlich eine Rückkehr der syrischen Flüchtlinge aus der Türkei in ihre Heimat verhindert werden sollte. Über die Ereignisse in Syrien haben die meisten deutschen Medien völlig einseitig berichtet. Die Berichterstattung war begleitet von Fehlinformationen und Halbwahrheiten. Hier einige Beispiele: Die Terroristen der YPG/PKK feuerten mit Granaten auf zivile Ziele auf türkischer Seite und dabei wurden mindestens 18 Zivilisten getötet. Darüber wurde in den deutschen Medien kaum etwas berichtet. Darüber hinaus waren Journalisten, die von der türkischen Seite der Grenze berichteten, immer wieder das Ziel von Heckenschützen der YPG/PKK. Die Propaganda der Terrororganisation wurde von vielen deutschen Medien als glaubwürdig eingestuft und völlig unkritisch verbreitet. So behauptete die Propaganda der YPG/PKK, die türkische Armee hätte ein Krankenhaus wahllos angegriffen und in einem anderen Fall wäre eine zivile Fahrzeugkolonne aus der Luft angegriffen worden. Beide Berichte haben sich im Nachhinein als unwahr erwiesen. Ein anderes Beispiel für die Verbreitung von Falschinformationen war der angebliche türkische Angriff auf eine armenische Kirche im syrischen Tel Abyad. Tatsächlich hatten die Terroristen der PKK die armenische Kirche als Quartier und Waffenlager benutzt und das Mobiliar der Kirche demoliert. Türkische Aufklärungsdrohnen kreisten über dem Ort und die türkische Armee war darüber informiert, wer sich in der Kirche verschanzt hatte. Darüber hinaus wusste man um den Stellenwert einer Kirche und das Gotteshaus wurde nicht angegriffen. Im Übrigen: Die armenische Kirche wurde inzwischen renoviert und ist vor kurzem wiedereröffnet worden und es finden wieder Gottesdienste statt. Die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten mit dem syrischen Ableger der Terrororganisation PKK, der YPG, begann quasi mit der Gründung einer anderen Terrororganisation, dem sogenannten IS. Die Terroristen des IS sorgten zunächst im Irak und danach in Syrien für Angst und Schrecken, als sie in den eroberten Gebieten öffentlichkeitswirksam auf grausame Art Gefangene enthaupteten und die gemachten Aufnahmen anschließend ins Internet stellten. Der IS brachte innerhalb kurzer Zeit zunächst im Irak und danach in Syrien große Gebiete unter seine Kontrolle. Die Waffenlieferungen der USA an kurdische Terroristen wurde von offizieller Seite mit dem Kampf gegen den IS begründet. Zu diesem Zeitpunkt entschieden sich die Amerikaner die Stadt Rakka vom IS zu „befreien“ und die US-Luftwaffe bombardierte die Stadt so lange, bis sprichwörtlich kein Stein auf dem anderen blieb. Nachdem alles Leben in der Stadt vernichtet war, rückte die YPG/PKK ein. Von einem „heldenhaften und aufopferungsvollen Kampf“ gegen den IS war weit und breit nichts zu sehen. Im Mai 2017 begannen die Waffenlieferungen der US-Armee an die syrisch-kurdischen Terroristen. Mit angemieteten großen Lastwagen wurden über den Irak nach Nordsyrien militärische Gerätschaften transportiert. Die YPG erhielt Waffen, Munition und Fahrzeuge, darunter Anti-Panzer-Raketen, gepanzerte Fahrzeuge und Mörsergranaten. Nachdem die Waffenlieferungen begonnen hatten, gab die US-Regierung gegenüber der Türkei ein Versprechen ab. Alle Waffen würden nach Beendigung der Militäroperation wieder eingesammelt. Das Pentagon führte Buch darüber welche Waffen an die YPG/PKK geliefert wurden. Später erklärte Washington, es sei unmöglich festzustellen, wo sich die Waffen jetzt befänden. Die US-Armee hat die syrisch-kurdischen Terroristen militärisch ausgebildet und unterhält nach wie vor Stützpunkte in Nordsyrien. Mithilfe der Amerikaner eroberten diese 33 Prozent Syriens und in diesem besetzten Gebiet befinden sich 98 Prozent der Erdöl- und Erdgasvorkommen, obwohl die syrischen Kurden vor dem Krieg schätzungsweise nur 8 Prozent der Gesamtbevölkerung Syriens stellten. Nach Ansicht von Militärexperten haben die USA den syrischen Ableger der PKK, die YPG, mit über 30.000 LKW-Ladungen voll mit Waffen versorgt und sich, trotz aller Versprechungen, bisher an keine Vereinbarung mit der Türkei gehalten. Zumindest in Puncto Ehrlichkeit kann man US-Präsident Trump keinen Vorwurf machen. Er erklärte vor kurzem in nüchternem Ton, die US-Armee werde die Ölfelder im Nordosten Syriens vor dem IS beschützen. Wie sagte doch einst der englische Dichter William Shakespeare „Bin ich auch von Natur nicht ehrlich, so bin ich´s zuweilen aus Zufall.“
Zuerst erschienen auf Sicht vom Hochblauen.

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– Militäroffensive Friedensquelle – Assyrisch-christlicher Journalist: Westliche Medien lassen keine kritischen Fragen über PKK oder YPG zu

Assyrische Christen und Aramäer sind frustriert über die Berichterstattung westlicher Medien zur Terrororganisation PKK und ihrem syrischen Ableger YPG. Die Berichte entsprächen nicht der Realität und wer Fragen stelle oder Einwände habe, werde in Europa nicht erhört.

Assyrisch-christlicher Journalist: Westliche Medien lassen keine kritischen Fragen über PKK oder YPG zu

Cross-EM in Lissabon
Militärgruß: Vierte Goldmedaille in Folge für türkische Athletin Yasemin Can

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Die Cross-Läuferin Yasemin Can hat bei den 26. Cross-Europameisterschaften im portugiesischen Lissabon zum vierten Mal in Folge eine Goldmedaille für die Türkei gewonnen. Die Athletin mit kenianischen Wurzeln ging bei dem Rennen der Damen über 8,225 Kilometer als Favoritin und Titelverteidigerin an den Start. Die Rekordhalterin überquerte nach 26:52 Minuten die Ziellinie und ließ ihre engsten Rivalinnen Karoline Grøvdal aus Norwegen (27:07 Minuten) und Samrawit Mengsteab aus Schweden (27:43 Minuten) hinter sich. Mit dem vierten Cross-EM-Titel in Folge setzte Yasemin Can erneut ein Zeichen. Die Läuferin ist damit die erste Frau in der Geschichte, die diesen Titel viermal hintereinander gewonnen hat. Während der Siegerehrung zeigte auch Yasemin Can den obligatorischen Militärgruß, den türkische Sportlerinnen und Sportler bei einem Sieg überall auf der Welt demonstrativ ausführen. Damit drücken die Athleten ihre Solidarität mit der türkischen Armee aus, die mit einer Anti-Terror-Offensive gegen die Terrororganisationen YPG/PKK und ISIS vorgehen.

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– Bukarest – WM: Bronzemedaille für türkische Ringerin Zeynep Yetgil

Die türkische Ringerin Zeynep Yetgil hat bei der U-23 Junioren-Weltmeisterschaft im rumänischen Bukarest die Bronzemedaille gewonnen.

WM: Bronzemedaille für türkische Ringerin Zeynep Yetgil

Türkei
Kommentar: Die deutsche Öffentlichkeit erfährt nichts über die mutigen kurdischen Mütter

Der friedliche Protest der Mütter von Diyarbakır gegen die PKK Von Kemal Bölge – kboelge@web.de In den verwinkelten Straßen der Millionenstadt Diyarbakır ist gerade der Ruf des Muezzins ertönt, als sich am Vormittag des 17. November 2018 der 17-jährige Murat* von seiner Mutter Nevin verabschiedet. Die Mutter hatte Tee gekocht und mit den beiden anderen Kindern wurde gemeinsam gefrühstückt. Murat zieht danach seine Schuhe an und macht die Wohnungstür hinter sich zu. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass die Mutter ihren Sohn lebend gesehen hat. Wenige Kilometer entfernt im Stadtteil Bağlar, Selahattin Eyyubi Str. 343. Hier befindet sich die Provinzparteizentrale der HDP, der verlängerte politische Arm der Terrororganisation PKK. Eine große Menschenmenge hat sich wieder vor dem Gebäude versammelt, die Polizei ist mit mehreren Hundertschaften vor Ort. Vor genau 100 Tagen, am 3. September 2019, begann der Sitzstreik der Mütter von Diyarbakır, die sich gegen die Entführung und Verschleppung ihrer Kinder seitens der PKK stellen. Der Aufschrei dieser tapferen Mütter hat sich in der gesamten Türkei rumgesprochen und es kommen immer mehr Mütter und Väter nach Diyarbakır, denen das Gleiche widerfahren ist. Selbst prominente Politiker, Schauspieler, Ärzte und Anwälte unterstützen den friedlichen Protest der Mütter und besuchen das provisorisch eingerichtete Protestzelt. Ob es regnet oder stürmt, ihrer verschleppten Kinder wegen kommen Sie jeden Tag hierher. Auch die Mutter des vermissten Murat beteiligt sich an dem Sitzstreik. Der jahrzehntelange blutige Terror der PKK hat seine Spuren hinterlassen. Unter der Bevölkerung machte sich ein Klima der Angst und Einschüchterung breit, doch seit geraumer Zeit löst sich das Gefühl der Hilflosigkeit langsam auf. Es sind nicht nur die Söhne dieser Mütter, die als Kinder von den Terroristen entführt wurden, sondern auch junge Mädchen, die nach Angaben des türkischen Innenministeriums mit wagen Versprechungen über einen angeblichen „Freiheitskampf“ in die Berge verschleppt wurden. Zwei Mädchen, die von der PKK im Sommer dieses Jahres entführt wurden, gelang vom Ort des Schreckens die Flucht. Was beide Teenager gegenüber der Polizei ausgesagt haben, klingt wie der blanke Horror. Sie seien mit der Schafsherde ihrer Familie auf der Weide gewesen als PKK-Terroristen sie verschleppt und in eine Höhle in die Berge gebracht hätten. Dort habe man ihnen erzählt sie würden als „Freiheitskämpfer“ eingesetzt. Als die beiden Mädchen das nicht akzeptieren, habe man ihnen tagelang kein Wasser und keine Nahrung gegeben. Man habe sie gefoltert und sexuell missbraucht. Nach diesen traumatischen Erlebnissen können sie sich nicht mehr genau erinnern wie viele Tage sie der Folter und der Vergewaltigung ihrer Peiniger ausgesetzt waren. Nach türkischen Presseberichten hat die Terrororganisation PKK zwischen 2014 und August 2019 etwa 1.107 Kinder verschleppt. Die Parteibüros der HDP funktionieren wie ein Anwerbebüro für die Entführung bzw. Verschleppung von Kindern und Jugendlichen. Die Beweise zu den strukturellen Verbindungen der PKK mit der HDP sind vorhanden, da es hunderte von Aussagen gibt, die diese Annahme stützen. Es gibt hunderte, wenn nicht gar tausende von Eltern, die ihre von der PKK verschleppten Kinder zurückbekommen möchten. Die deutsche Öffentlichkeit erfährt leider nichts über die mutigen Mütter von Diyarbakır, weil die meisten deutschen Medien darüber einfach nicht berichten und es nicht ins negative Türkei-Bild passt. Zumindest einen kleinen Erfolg konnte der Sitzstreik der Mütter von Diyarbakır schon verzeichnen. Der 2015 verschleppte 15-jährige Jugendliche Ramazan U. wurde bei einem Einsatz der türkischen Polizei in Şanlıurfa aus den Händen der PKK befreit und an die Eltern übergeben. *Die Namen wurden zum Schutz der Opfer von der Redaktion geändert
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Zum Thema

– Kurden gegen PKK – Türkei: Mächtige Kurden-Clans schließen sich Protesten gegen HDP an

Seit Wochen protestieren kurdische Mütter vor den Büros der oppositionellen „Demokratischen Volkspartei“ (HDP) in der südosttürkischen Stadt Diyarbakır gegen die Verschleppung und Rekrutierung ihrer Kinder durch die Terrororganisation PKK. Dem Protest, der als einfacher Sitzstreik begann, schließen sich täglich immer mehr Mütter, Eltern und zuletzt auch kurdische Großfamilien an.

Türkei: Mächtige Kurden-Clans schließen sich Protesten gegen HDP an

Flugverkehr
Enger Luftraum: Immer wieder kommen sich Flugzeuge über Deutschland gefährlich nahe

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In den vergangenen vier Jahren kam es im Luftraum über Deutschland zu mehr als 170 potentiell gefährlichen Annäherungen von Luftfahrzeugen. Das geht aus dem NDR vorliegenden Zahlen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hervor. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Alarme von Kollisionswarnsystemen, die Verkehrspilotinnen und -piloten zur sofortigen Kursänderung auffordern. In anderen Fällen wurden gefährliche Annäherungen und Beinahezusammenstöße von den Piloten beobachtet, ohne dass sie zuvor gewarnt worden wären. Luftfahrtexpertinnen und -experten gehen davon aus, dass die Gesamtzahlen noch höher sind, weil Meldungen auch bei anderen für die Luftfahrt zuständigen Behörden eingehen. Zudem gebe es eine erhebliche Dunkelziffer nicht gemeldeter Zwischenfälle. Die Gründe für gefährliche Annäherungen seien vielfältig: immer mehr Flugbewegungen, inkompatible Kollisionswarnsysteme großer und kleiner Flugzeuge, fehlende Funktechnik bei Privatfliegern, aber auch Verkehrspiloten, die aufgrund des Zeitdrucks Abkürzungen durch mit Segelfliegern gemeinsam genutzte Lufträume nehmen. Immer wieder kommt es auch im sogenannten gemischten Luftraum, einer von großen wie kleinen Flugzeugen genutzten Zone, in der weiteren Umgebung von Verkehrsflughäfen zu solchen Zwischenfällen. So gab es im Jahr 2018 alleine in Nordrhein-Westfalen im Umfeld der Flughäfen Weeze und Paderborn in mindestens acht Fällen Annäherungen zwischen Verkehrsflugzeugen und Segelfliegern, bei der Passagiermaschinen in einzelnen Fällen mehrmals ausweichen mussten, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Am 23. Juli 2019 verfehlten sich in Schleswig-Holstein südlich von Lübeck ein Airbus A 321 der Lufthansa und ein Segelflugzeug nur um wenige Meter. „Plötzlich tauchte neben mir ein großer Schriftzug ‚Lufthansa‘ auf, in etwa 40 bis 60 Metern Entfernung“, beschreibt die betroffene Segelflugpilotin im Politmagazin „Panorama 3“ des NDR Fernsehens die Begegnung mit der mit 175 Menschen besetzten Maschine im Anflug auf den Hamburger Flughafen. Ein vorläufiger Untersuchungsbericht der BFU geht davon aus, dass sich sowohl die Segelfliegerin als auch der Lufthansa-Pilot in dem betreffenden Luftraum aufhalten durften. Beide Flugzeuge hatten sich offenbar jedoch aufgrund unterschiedlicher Warnsysteme zuvor nicht wahrnehmen können. Das Segelflugzeug konnte zudem aufgrund fehlender technischer Ausstattung weder von der Lufthansa-Maschine noch vom Fluglotsen auf dem Radar erkannt werden. Ein Lufthansa-Sprecher teilte hierzu mit, man unterstütze bei solchen Vorfällen im Flugbetrieb die Untersuchungsarbeit der zuständigen Stellen, möchte dem Ergebnis aber nicht vorgreifen. Christoph Strümpfel vom Institut für Luft- und Raumfahrt der TU Berlin sieht als einen wichtigen Grund für solche Zwischenfälle den zunehmenden Flugverkehr: „Der deutsche Luftraum ist einer der meistfrequentierten Lufträume in Europa.“ Man setze gerade in gemischten Lufträumen, wo Verkehrsflugzeuge mit Privatfliegern zusammenträfen, auf das fliegerische Prinzip „Sehen und ausweichen“, das aber nicht selten an seine Grenzen komme. Strümpfel sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, hier strengere Regeln zu erlassen. Felix Gottwald von der Vereinigung Cockpit (VC) hält die Gefahr einer Kollision zwischen einer Passagiermaschine mit einem kleineren Flugzeug für absolut realistisch: „Es erstaunt mich schon, dass da noch nichts passiert ist, weil wir genügend Berichte haben, wo es eben ganz knapp war, wo Flugzeuge nur per Zufall aneinander vorbeigeflogen sind. Das hätte auch krachen können. Von daher ist es nur eine Frage, wann so etwas passiert und nicht ob.“ Herbert Märtin vom Deutschen Segelflugverband (DSV) kritisiert die Verkehrspiloten, die aus Zeitdruck immer häufiger auch auf gemischte Lufträume auswichen, obwohl ihnen sichere, kontrollierte Lufträume zur Verfügung stünden: „Gewisse Aufholeffekte im Flugplan der Airlines dürfen nicht auf Kosten der Sicherheit gehen, indem der für den kommerziellen Luftverkehr geschützte Luftraum verlassen wird.“ Märtins Verband setzt gerade mit Blick auf die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G auf technische Neuerungen, „die hier weitere Verbesserungen schaffen werden.“ Eine von der BFU bereits vor zwei Jahren geforderte Pflicht zur Ausrüstung aller Luftfahrzeuge mit sogenannten Transpondern, also Sendern, die die Position und den Kurs eines Flugzeuges ausstrahlen, wird von den meisten Experten jedoch kritisch gesehen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hatte Anfang 2019 durch eine Simulation festgestellt, dass dies zu einer Überlastung der Funkfrequenzen führen würde und der Flugsicherheit eher schade. Das Bundesverkehrsministerium teilte auf Anfrage mit, dass es die Thematik derzeit zusammen mit Experten untersuche: „Als Teil der Flugsicherheitsarbeit werden die relevanten Punkte für eine mögliche Umsetzung identifiziert und betrachtet.“ Eine konkrete Anfrage zu den BFU-Zahlen ließ das Ministerium zunächst unbeantwortet. „Panorama 3“: Mehr zur Sendung: www.NDR.de/panorama3

Meinung
Kommentar: Was über den Krieg in Syrien verschwiegen wird

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge Es ist wirklich schwer nachvollziehbar, dass ein Medium wie die F.A.Z. tendenziös und parteiisch über die Lage in Syrien (F.A.Z. vom 8. Oktober) berichtet. Der Türkei werfen Sie „einen Bruch des Völkerrechts“ vor, obwohl seit Jahren US-Bodentruppen im Osten Syriens sind und durch YPG/PKK-Terroristen zirka 33 Prozent Syriens besetzt halten. Zufällig befinden sich in diesen besetzten Gebieten etwa 98 Prozent von Syriens Erdöl und Erdgas sowie wichtige Trinkwasserreserven. Apropos Völkerrecht: Deutsche Tornado-Kampfflugzeuge und Kampfflieger der USA fliegen regelmäßig über Syrien, obwohl es dazu kein UN-Mandat gibt. Syrien ist ein souveräner Staat und es hat die USA oder einen anderen Staat nicht darum gebeten Streitkräfte in seinem Land zu unterhalten, geschweige denn Aufklärungsflüge über Syrien zu fliegen. Offiziell wird es mit der Gefahr, die durch die Terrororganisation IS ausgeht, begründet. Allerdings hat selbst US-Präsident Trump und Ex-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erklärt, dass der IS in Syrien militärisch besiegt sei. Was in diesem Zusammenhang in großen Teilen der deutschen Medien leider verschwiegen wird ist, dass die USA den IS zu Beginn selbst aufgebaut haben, um Syriens Präsidenten Assad zu stürzen. Das ist keine bloße Behauptung von mir, sondern geht aus den Unterlagen hervor, die in Washington freigegeben wurden. Es geht um die CIA-Unterlagen über die Operation „Timber Sycamore“, die die Waffenlieferungen an IS-Terroristen und andere radikale Terroristen offenlegen. Das kann jedermann nachlesen. Präsident Assad wäre längst besiegt, wenn Russland 2015 nicht in den Syrien-Krieg interveniert hätte. Immer wieder ist die Rede vom Kampf gegen den IS. Tatsächlich haben westliche Staaten den IS unterstützt, um Präsident Assad zu stürzen, aber darüber erfährt man in den deutschen Mainstream-Medien nichts. Um den bösen IS zu „besiegen“ hat der Westen im „Proxy-War“ filmreif eine weitere Terrororganisation massiv unterstützt: Die PYD/PKK. Obwohl die PKK in vielen westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft ist, heißt in Syrien ihr Ableger PYD und weil es positiv klingen sollte, wurde es in „Syrian Democratic Forces“ umbenannt. Die Gründung eines kurdischen Staates wurde gebetsmühlenartig mit dem Vorwand „Kampf gegen den IS“ wiederholt und die PYD als „gute Kämpfer“ in der Öffentlichkeit dargestellt. Mit Unterstützung der USA wurde die PYD vorgeschickt, um gegen die vom IS eroberten Gebieten zu „befreien“, allerdings war dieses cineastische Szenario vorher einstudiert und bis ins letzte Detail geplant. Die PYD mordete und brandschatzte unter Duldung der USA in den eroberten Gebieten. Die dort lebenden Araber, Turkmenen und Kurden wurden mit Gewalt zu Hundertausenden vertrieben. Wenn, wie in dem Artikel geschrieben, von Massenvertreibungen die Rede ist, dann muss man die von der PYD/PKK vertriebenen Araber, Turkmenen und Kurden erwähnen. Hier ein Beispiel für die Massenvertreibungen der kurdischen PYD/PKK. In der nordsyrischen Stadt Tel Abyad bestand die Bevölkerung vor den Vertreibungen zu 90 Prozent aus Arabern. Heute setzt sich die Bevölkerung zu über 70 Prozent aus Kurden zusammen. Man muss das Kind beim Namen nennen: Die kurdische PYD/PKK hat in Nordsyrien eine Politik der verbrannten Erde mit millionenfachen ethnischen Vertreibungen durchgeführt, mit dem Ziel einen ethnisch homogenen kurdischen Staat zu errichten. Dieser Leserbrief ist zuerst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und auf der Webseite Sicht vom Hochblauen erschienen.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

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– Kommentar – Nordsyrien: Europa hat acht Jahre zugeschaut

Der Syrien-Vorschlag der deutschen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbaur ist beim NATO-Treffen auf wenig Interesse gestoßen. Damit ist der Vorschlag, eine international überwachte Schutzzone in Nordsyrien einzurichten, vorerst ausgebremst worden. Ein Kommentar.

Nordsyrien: Europa hat acht Jahre zugeschaut

Nobelpreis
Türkei: Erdogan verurteilt Vergabe des Nobelpreises an Genozid-Leugner Peter Handke

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Nobelpreisverleihung hat sich ideologisiert und damit selbst zerstört Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat bei einer Rede im Rahmen einer Veranstaltung mit dem Titel “Jeder Mensch ist eine Welt” in Ankara die Verleihung des diesjährigen Literaturnobelpreises an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke, der den Völkermord und die Gräueltaten der Serben an die bosnischen Muslime relativiert und gar leugnete, verurteilt. Der türkische Präsident sagte, dies sei der Zeitpunkt, an dem sich der Nobelpreis selbst zerstört habe und nur noch zu einem ideologischen Instrument mutiert sei. In einer weiteren Rede, bei der Erdogan am Abend vor kaukasischen Türken sprach, sagte der Präsident außerdem: „Das man einen Faschisten mit dem Literaturnobelpreis ehrt, ist beschämend und eine Schande.“ Auf die Frage, was er tun würde, wenn er selbst einmal für einen Nobelpreis nominiert werde, antwortete Erdogan: „Ich würde den Preis nicht annehmen.“ Die Türkei hatte sich gemeinsam mit den muslimischen Balkanstaaten Albanien und Kosovo sowie dem katholisch dominierten EU-Mitglied Kroatien darauf verständigt, die heutige Preisverleihung zu boykottierten. Handke, bekannt für seine Unterstützung für den serbischen Kriegsverbrecher und Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic, leugnet den Völkermord von Srebrenica und serbische Gräueltaten an der muslimischen Zivilbevölkerung Bosniens. Während des Kosovo-Krieges hatte er in einem Essay geschrieben: „Steht auf, wenn ihr für Serbien seid“. Er besuchte zudem den serbischen Kriegsverbrecher Milosevic im Gefängnis und hielt eine flammende Rede auf seiner Beerdigungszeremonie. Dabei sagte er unter anderem: „Ich bin hier für Jugoslawien, ich bin hier für Serbien und ich bin hier für Slobodan Milosevic.“

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– Völkermord in Bosnien – Srebrenica-Massaker: Beisetzung weiterer 33 Opfer am 24. Jahrestag

33 weitere identifizierte Opfer des Völkermords von Srebrenica, sollen am 11. Juli, dem 24. Jahrestag des schlimmsten Massakers in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, bestattet werden.

Srebrenica-Massaker: Beisetzung weiterer 33 Opfer am 24. Jahrestag
   

Türkei
Erdogan lobt Ex-Kanzler Gerhard Schröder: Viel von ihm gelernt

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Erdogan sieht Gerhard Schröder als wichtigste Führungsfigur Europas Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat sich im Rahmen einer Veranstaltung zum Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Ankara den Fragen von Jugendlichen und Studenten gestellt. Erdogan lobte auf einer Konferenz mit dem Titel “Jeder Mensch ist eine Welt”, den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit den höchsten Tönen. Auf der Auftaktveranstaltung, die in der Universität Bilkent stattfand, antwortete Erdogan, gefragt nach den wichtigsten Führungspersönlichkeiten der Welt: „Wenn wir die Wegweiser aus historischer Sicht betrachten, dann ist zuallererst unser geliebter Prophet Muhammad für uns der einzige Führer.“ Dem folge der Khalif Omar. Weiterhin habe es bei den Osmanen und Seldschuken wichtige Führungspersönlichkeiten gegeben, so der türkische Präsident. „Merkel profitiert noch immer von Schröders Reformen“ „Wenn wir uns Europa ansehen, dann herrscht derzeit in Europa ein ernstes Vakuum, was Leitfiguren angeht. Ich habe derzeit nicht den Mut zu sagen, dass diese/r oder jene/r ein führendes Beispiel in Europa ist. Jedoch war während meiner Anfangszeit als Ministerpräsident der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder eine Führungsfigur, den ich mochte.“ Erdogan sagte, er habe persönlich sehr viel von der Ehrlichkeit der sozialdemokratischen Leitfigur Gerhard Schröder gelernt. Schröder sei ebenso ein bedeutender Wegweiser für Deutschland gewesen. „Schröder hat wichtige Reformen herbeigeführt und die derzeitige Bundeskanzlerin Merkel hat von der Effizienz dieser Reformen profitiert und sie genutzt. Er war eine wirklich wichtige Persönlichkeit.“ Kampf gegen Terrorismus wird als Menschenrechtsverletzung angesehen Beeindruckt zeigte sich Erdogan zudem von der Direktheit, Offenheit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, des russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie des ehemaligen italienischen Premierministers Silvio Berlusconi. Am Tag der Menschenrechte, das jedes Jahr am 10. Dezember gefeiert wird und an die Verabschiedung der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte, vom 10. Dezember 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen erinnert, gab es von Seiten Erdogans aber auch Kritik an die Adresse des Westens: „Die Geschichte des Westens ist voll mit schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Vergangenheit derjenigen, die unseren Kampf gegen den Terrorismus als Menschenrechtsverletzungen brandmarken, ist voll mit Genoziden. Wohingegen wir nicht auf so eine Schande zurückblicken.“