Wie die Anrainerstaaten um knappe Energieressourcen rivalisieren
Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge
Mit Beginn des IV. Kreuzzuges anno 1202, erwarben die damals mächtigen italienischen Stadtstaaten Venedig und Genua Handelsrechte in den ägäischen Inseln und in der Levante. Damit war der Beginn eines Konkurrenzkampfs zwischen den beiden Handelsstädten eingeläutet und die Venezianer setzten sich als Seemacht um 1380 gegen die Genueser durch.
Vor allem die Kontrolle des Gewürzhandels trug zum Aufstieg Venedigs als Handelsmacht bei. In unserer heutigen Zeit geht es in der Levante nicht mehr um den Gewürzhandel, sondern angesichts der weltweit immer knapper werdenden Ressourcen um Erdöl und Erdgas, die zu Beginn der 2000er Jahre unter dem Meeresboden gefunden wurden und von internationalen Energiekonzernen gefördert werden sollen.
Bevor ich auf das Thema eingehe, erfolgt eine kurze Begriffserläuterung zur Seerechtskonvention der Vereinten Nationen. In einem weiteren Schritt erkläre ich die Ursachen der politischen Spannungen zwischen der EU und Türkei hinsichtlich der Aufteilung der Energieressourcen im östlichen Mittelmeer. Am Fallbeispiel des Zypernkonfliktes soll die Genese des Konfliktes aufgezeigt und die unterschiedlichen Interessen der Akteure dargelegt werden. Im Schlussteil soll anhand von Schaubildern und Kartenmaterial der Streit um die Energieressourcen erklärt sowie ein kurzer Ausblick über die Rentabilität der Förderung vorgenommen werden.
Die Seerechtskonvention der Vereinten Nationen
Der Vertrag bzw. die Seerechtsübereinkunft der Vereinten Nationen wurde am 10. Dezember 1982 unterzeichnet und trat am 16. November 1994 in Kraft. Konkret geht es um die juristische Zuordnung von Territorialgewässern sowie deren Ausbeutung und Schutz. Das Vertragswerk beinhaltet insgesamt 320 Artikeln und es geht um Fragen zur Abgrenzung der Meereszonen (Küstenmeer, Anschlusszonen, Meerengen, ausschließliche Wirtschaftszone, Festlandssockel sowie Hohe See). Darüber hinaus geht es um den Schutz der Meeresumwelt und die Regelung des Meeresbodenbergbaus. Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg wäre zum Beispiel eine Institution, die bei Streitfällen zwischen den Staaten zuständig wäre. Aber nicht alle UN-Mitgliedsstaaten sind der Seerechtskonvention beigetreten.
Der Festlandssockel
Der Meeresboden und Meeresgrund gelten nach der Seerechtskonvention der Vereinten Nationen („jenseits des Küstenmeers“) als die natürliche Verlängerung des Festlandssockels.
In der Konvention heißt es im Artikel 76 Absatz 1:
„Der Festlandssockel eines Küstenstaats umfasst den jenseits seines Küstenmeers gelegenen Meeresboden und Meeresgrund der Unterwassergebiete, die sich über die gesamte natürliche Verlängerung seines Landgebiets bis zu einer Entfernung von 200 Seemeilen von den Basislinien, von denen aus die Breite des Küstenmeers gemessen wird, wo die äußere Kante des Festlandrands in einer geringeren Entfernung verläuft.“ (1)
Rechtlich betrachtet gehört es nicht zum Staatsgebiet des betreffenden Staates, aber dieser Staat hat das Recht dort nach Öl und Gas zu suchen und zu fördern.
Wirtschaftszone
Die sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszone beginnt von der Basislinie des Küstenstaates bis zu 200 Seemeilen. Der jeweilige Staat besitzt, wenn auch im begrenzten Umfang, in diesem Gebiet souveräne Rechte, wie die wirtschaftliche Nutzung über und unter dem Meer (Fischerei, Meeresbodenbergbau zur Kies- und Sandgewinnung etc.) sowie Offshore-Windkraftanlagen im offenen Meer zur Stromerzeugung. Bei den Hoheitsbefugnissen geht es um die Erforschung des Meeresbodens, die Errichtung von Bohrtürmen zwecks Ausbeutung von Erdöl- und Erdgas, die unter dem Meer lagern.
Hoheitsgewässer
Als Hoheitsgewässer gilt ab der Basislinie eine 12 Seemeilen-Zone (22 km), in dem der Anrainerstaat seine Souveränität ausübt. Doch die 12 Seemeilen-Zone lässt sich nicht überall auf der Welt praktizieren, weil manche Inseln eines Staates sehr weit vorgelagert sind und dies zu Problemen zwischen den Staaten führen kann.
Spannungen wegen der Ausbeutung von Erdöl- und Erdgasreserven im östlichen Mittelmeer
Zu Beginn der 2000er Jahre haben internationale Energiekonzerne unter dem Meeresboden des östlichen Mittelmeers große Erdgas- und Erdölvorkommen entdeckt. In den letzten Monaten haben sich die Spannungen zwischen der Europäischen Union (EU) und der Türkei über die Ausbeutung von großen Erdöl- und Erdgasreserven im östlichen Mittelmeer verschärft.
Laut dem Tagesspiegel, der sich auf US-amerikanische Schätzungen beruft, werden zirka 3,5 Billionen Kubikmeter Erdgas sowie 1,7 Milliarden Barrel Erdöl zwischen Zypern, Ägypten, Israel und dem Libanon vermutet. (3) Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel schreibt vom Streit zwischen den Anrainerstaaten über Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer. (4) Nach Presseberichten lag der Ausgangspunkt der Spannungen an türkischen Erkundungsschiffen, die vor den Küsten der Insel Zypern nach Erdöl und Erdgas suchen.
Was aber bei der Berichterstattung über dieses Thema kaum erwähnt wird, ist die Tatsache, dass die „Republik Zypern“, also der griechische Teil der Insel, trotz der massiven Proteste der Türkei bei den Vereinten Nationen (UN), 2007 begonnen hatte für 13 Explorationsfelder Lizenzen an internationale Energiekonzerne zu vergeben. Einige der Erkundungsfelder liegen aber auf dem türkischen Kontinentalsockel und in den Wirtschaftszonen, die von der Türkei und der Türkischen Republik Nordzypern (TRNZ) beansprucht werden.
Die Zypernfrage als Zankapfel für die Ausbeutung von Energieressourcen im östlichen Mittelmeer
Nach zyperngriechischem Selbstverständnis repräsentiert die „Republik Zypern“ die gesamte Insel und aus diesem Grund hätte es ein natürliches Recht auf eine Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) von 200 Seemeilen. Ferner behauptet die zyperngriechische Administration, dass die Insel einen Festlandssockel hätte.
Obwohl die ursprünglich 1960 gegründete „Republik Zypern“ eine Partnerschaftsrepublik aus Zyperntürken und Zyperngriechen war, existiert der ursprüngliche Staat aus beiden Volksgruppen nicht mehr. Mit der internationalen Anerkennung als „Republik Zypern“ täuschen die griechischen Zyprer die internationale Staatengemeinschaft, weil nach Christian Rumpf „[…] das Volksgruppenelement das Wesen [Republik Zypern] dieser Verfassung darstellt, ist die Volksgruppenverfassung der Republik Zypern tot.“(6)
Als die griechisch dominierte „Republik Zypern“ 2004 Mitglied der EU wurde, wusste die Gemeinschaft schon damals welche Sprengkraft die Aufnahme der „Republik Zypern“ mit sich bringen würde. Am 19. Februar 1959 schloss die „Republik Zypern“, Griechenland, die Türkei und Großbritannien einen Garantievertrag ab, der eine Mitgliedschaft der „Republik Zypern“ in einer wirtschaftlichen oder politischen Gemeinschaft oder einer Union mit einem Staat verbietet. (7)
Obwohl die EU von diesem Garantievertrag Kenntnis hatte und die Zypernfrage jetzt und zum damaligen Zeitpunkt der Aufnahme in die EU, 2004, nicht gelöst war, hat sich die EU dem Druck des EU-Mitglieds Griechenland gebeugt. Damit hat die EU einen ungelösten Konflikt in die EU importiert. Für den Fall der Missachtung des Vertragswerks erhielten Großbritannien, Griechenland und die Türkei ein Interventionsrecht. (8)
Die zyperngriechische Historiografie beginnt nach eigenem Verständnis erst 1974, mit der Intervention der Garantiemacht Türkei. Die Zyperngriechen betrachten die durch den Garantievertrag von 1959 rechtlich zulässige Intervention der Türkei als „Invasion“ und bestehen auf ihrem Anspruch Gesamtzypern zu vertreten.
Die „Republik Zypern“, die von 1960 bis 1963 existierte, war eine Partnerschaftsrepublik, in dem Zyperntürken und Zyperngriechen bei elementaren Grundsatzentscheidungen ein Vetorecht besaßen. Dieses Vetorecht der Zyperntürken wollte der damalige Präsident Erzbischof Makarios in einem 13-Punkte-Programm abschaffen, da die Verfassung Zyperns den Zyperntürken zu viele Rechte zugestehe. (9)
Die Zyperntürken akzeptierten den Vorstoß von Makarios nicht und lehnten das Programm ab. Eine Annahme des Plans hätte die Entrechtung der Zyperntürken bedeutet. Die Zyperntürken waren durch diese Situation nicht mehr in der Regierung und im Staatsapparat repräsentiert. Damit besaßen die Zyperngriechen die alleinige Macht im Staate. Zyperngriechische Polizeikräfte griffen an Weihnachten 1963 wahllos zyperntürkische Zivilisten an und ermordeten diese. Radikale Zyperngriechen wollten den Anschluss an Griechenland (Enosis) erreichen. Unter den Zyperngriechen gab es eine politische Bewegung, die den Anschluss an Griechenland forderte.
Außerdem gab es eine zyperngriechische Terrororganisation namens EOKA, die mit Gewalt und Anschlägen gegen die Zyperntürken den Anschluss an Griechenaland verwirklichen wollte. Die Situation eskalierte und die Zyperntürken mussten von 1963 bis 1974 in sogenannten Enklaven leben, die über der gesamten Insel verstreut waren. Es wurde ein Waffenstillstand geschlossen, der durch die Entsendung von UN-Soldaten überwacht werden sollte. Die Feuerpause war bis 1974 eher fragil.
Am 15. Juli 1974 wurde der zyperngriechische Präsident Makarios durch einen Putsch der Athener Militärjunta vom Amt
gestürzt und durch Nikos Sampson ersetzt. Der Umsturz hatte das Ziel die Insel an Griechenland anzuschließen. Die Türkei als Garantiemacht sah die Existenz der Zyperntürken akut bedroht und intervenierte am 20. Juli 1974. Bis heute waren alle Versuche diesen ethnisch-territorialen Konflikt politisch zu lösen nicht von Erfolg gekrönt.
Bei der 1960 gegründeten „Republik Zypern“ handelt es sich nicht um den Staat, der 2004 unter völliger Missachtung der Garantieverträge von 1959 EU-Mitglied wurde, sondern um eine von Zyperngriechen dominierte Republik.
Der frühere griechische Ministerpräsident Konstantinos Mitsotakis äußerte sich im Nachhinein zu der 1963 von Makarios angekündigten Abschaffung des Vetorechts der zyperntürkischen Volksgruppe. Im Interview mit der griechischen Tageszeitung Ta Nea vom 02.05.1999 sagte Mitsotakis:
„Wenn ich 1959 Premierminister gewesen wäre, hätte ich das Zypernproblem anhand der Harding-Vorschläge gelöst. Wenn ich Außenminister gewesen wäre, hätte ich die Züricher und Londoner Vereinbarungen nicht unterschrieben. Wenn ich doch unterschrieben hätte, hätte ich diese eingehalten. Die Bemühung um die Abschaffung der Vereinbarungen, die von Makarios selbst unterschrieben worden waren, war ein Fehler und kommt einem Verbrechen gleich. Nach diesen Ereignissen eskalierte die Situation und wurde zu einem blutigen Ereignis, bei dem die Zyperngriechen Gräueltaten an den Zyperntürken verübt haben, die wir nicht leugnen können.“ (10)
Der ständige Verweis der Zyperngriechen als auch der EU auf die internationale Anerkennung als „Republik Zypern“ soll die völkerrechtliche Legitimität begründen und damit auch das Recht der zyperngriechischen Administration in Gewässern im Umkreis von Zypern und darüber hinaus Lizenzen zur Ausbeutung von Erdöl und Erdgas vergeben zu können.
Die EU stellt sich bei dieser Frage hinter die Zyperngriechen, da der griechische Teil der Insel EU-Mitglied ist und vor allem ein Interesse daran hat, dass internationale Energiekonzerne im östlichen Mittelmeer Gas und Erdöl fördern. Die Zyperngriechen erhoffen sich durch die Förderung von Erdöl und Erdgas Milliarden an zusätzlichen Einnahmen. Die „Republik Zypern“ hat mit zahlreichen internationalen Energiekonzernen sowie Anrainerstaaten wie Ägypten, Libanon, Israel Abkommen über die Ausbeutung von Gas und Öl abgeschlossen.
Die größten Gasvorkommen in der Levante werden von Israel und Ägypten beansprucht. Nach Ansicht von Energieexperten gelten das 2010 entdeckte Gasfeld Leviathan und das ägyptische Zohr mit 450 Milliarden Kubikmetern zu den größten Gasfeldern. (13) Das israelische Gasfeld Leviathan sollte diesen Dezember beginnen Gas zu fördern.
Die Grenzen des türkischen Festlandssockels und der Ausschließlichen Wirtschaftszone im Mittelmeer(Screenshot/Anadolu)
Nach der Nachrichtenagentur Anadolu hat die Türkei 2011 mit der Türkischen Republik Nordzypern ein Abkommen über die Ausschließliche Wirtschaftszone abgeschlossen und am 27. November 2019 einen Vertrag mit der libyschen Regierung über die gemeinsame Seegrenze im Mittelmeer unterzeichnet. Der griechische Süden von Zypern habe 2003, ohne die Einbeziehung der zyperntürkischen Seite, über die Ausschließliche Wirtschaftszone ein Abkommen mit Ägypten, 2007 mit dem Libanon und 2010 mit Israel getroffen. (14)
Die Türkei und Nordzypern hätten dagegen Einwände erhoben, weil die Zypernfrage nicht gelöst, die Gleichstellungsrechte der Zyperntürken missachtet und die Vereinbarung mit Ägypten die Grenzen des türkischen Festlandssockels verletze. Die Parlamente von Ägypten und Israel hätten den Vertrag mit der zyperngriechischen Seite abgesegnet. Der Libanon hat hinsichtlich eines umstrittenen Explorationsfelds mit Israel die Umsetzung der Vereinbarung abgelehnt.
Nach Ansicht des türkischen Außenministeriums betrachte die zyperngriechische Administration die Insel Zypern als Festland mit einem Festlandssockel. Bei den Verhandlungen mit Ägypten, Israel und dem Libanon hätten die Zyperngriechen die Grenze zwischen den Staaten ab der Mittellinie (Äquidistanzprinzip) bestimmt. Allerdings sehe die Begrenzung des Festlandssockels und auch der Ausschließlichen Wirtschaftszone dieses Prinzip nicht vor.
Das internationale Recht und die Seerechtskonvention würden eine „gerechte Aufteilung“ vorsehen. Demnach bekämen Inseln weitaus weniger Festlandssockel und Ausschließliche Wirtschaftszone zugesprochen als Staaten mit einer Festlandmasse. Dabei seien viele Faktoren zu berücksichtigen wie die Größe, Beschaffenheit, die Entfernung zum Festland etc. Der am 27. November 2019 mit Libyen unterzeichnete Vertrag beinhaltet die Grenzen des türkischen Festlandssockels und der Ausschließlichen Wirtschaftszone.
Schauen wir uns die Karte einmal näher an. Auf der Karte sieht man an der Linie A die Seegrenze zwischen der Türkei und Syrien und in B (2011 unterzeichnet) die Grenze zur Türkischen Republik Nordzypern. Die Linien C, D und E ist die Grenze des Festlandssockels zwischen Ägypten und der Türkei sowie zwischen E und F die neue Seegrenze zwischen der Türkei und Libyen, deren Übereinkommen im November zwischen beiden Staaten unterzeichnet wurde.
Eigene Tabelle: Bündnisse zwischen den Anrainerstaaten über die Ausbeutung von Erdgas und Erdöl im östlichen Mittelmeer.
Türkei
Die Länder Griechenland, Ägypten, der griechische Teil Zyperns sowie Israel haben gegen die Vereinbarungen zwischen der Türkei und Libyen protestiert, weil es gegen internationales Recht verstoßen würde. Das Abkommen ist eine Reaktion auf das vom griechischen Teil Zyperns und Griechenlands mit Israel, Libanon, Ägypten und Jordanien gegründeten „Eastern Mediterranean Gas Forum“ 2019 in Kairo. (16)
Die Staaten auf der rechten Seite der Tabelle kooperieren in Bezug auf die Ausbeutung der Energieressourcen miteinander. Mit Libyen hat die Türkei eine Vereinbarung über eine gemeinsame Seegrenze getroffen. Das türkische Nordzypern hatte 2011 einen Vertrag mit der Türkei über die Grenze des Festlandssockels und der Ausschließlichen Wirtschaftszone abgeschlossen. Es bleibt abzuwarten wie sich die Geschehnisse um die Ausbeutung von Erdgas und Erdöl im östlichen Mittelmeer weiterentwickeln.
Der Aspekt der Wirtschaftlichkeit bei der Förderung von Erdgas im östlichen Mittelmeer
Wenn Energiekonzerne großes Kapital in die Ausbeutung von Energieressourcen investieren, muss sich das für diese Unternehmen betriebswirtschaftlich lohnen. Das gilt allgemein für alle Projekte mit Erdgas und Erdöl. Es gibt die Möglichkeit das geförderte Gas über eine Pipeline nach Europa zu transportieren, was nach Ansicht von Energieexperten sehr kostspielig ist. Eine Pipeline über das Meer nach Griechenland („East Med Pipeline“) und von dort über den Landweg nach Deutschland würde nach Meinung von Experten rund 7 Milliarden Euro kosten. (17) Eine weitere Variante wäre das verflüssigte Gas mit Tankern zu transportieren.
Es gibt in Europa bereits Gas-Pipelines. Eine Pipeline vom Mittelmeer müsste auf dem europäischen Gas Markt zwangsläufig mit dem Gas aus Russland und auch aus Aserbaidschan konkurrieren. Die geplante Gas-Pipeline am Mittelmeer soll von 2025 an Gas nach Europa liefern. Folgendes Szenario wäre in ein paar Jahren denkbar: Die Gas-Pipeline vom östlichen Mittelmeer liefert Gas nach Europa. Auf dem europäischen Gasmarkt gibt es mehrere Anbieter. Daraufhin senkt Russland die Gaspreise und das würde den Investoren des Erdgases vom Mittelmeer Kopfzerbrechen bereiten, weil diese mit stabilen bzw. nicht mit sinkenden Gaspreisen gerechnet haben.
Deutschland bezieht seit Jahrzehnten Erdgas aus Russland. Das sorgt für Streit zwischen Deutschland und den USA, weil Deutschland mit Russland die „Nord Stream“ Pipeline unter der Ostsee baut. Die Vereinigten Staaten sehen darin ein Problem bezüglich der Dependenz von Russland. Die deutsche Bundesregierung hat es bisher abgelehnt auf die US Forderungen nach einer Einstellung des Projekts einzugehen. In einem Beitrag des Nachrichtensenders n-tv äußert sich die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Claudia Kemfert kritisch über die geplante „East Med“ Gas-Pipeline. Der Energiebedarf Europas werde eher abnehmen, es gebe genug Gas auf dem Markt und eine Gas-Pipeline vom Mittelmeer rechne sich nur bei voller Auslastung. (17)
Zuerst erschienen auf Sicht vom Hochblauen.
Fußnoten:
(1) Vgl. Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen und Übereinkommen zu Durchführung des Teils XI des Seerechtsübereinkommens https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:1998:179:0003:0134:DE:PDF (abgerufen am 28.11.2019)
(2) Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Seev%C3%B6lkerrecht
(3) Vgl. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/konflikt-um-energiereserven-im-oestlichen-mittelmeer-droht-ein-kampf-ums-gas/24529086.html
(4) Vgl. https://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-und-zypern-streiten-um-gas-monopoly-im-mittelmeer-a-1277135.html
(5) Vgl. https://www.spiegel.de/politik/ausland/gas-im-mittelmeer-streit-zwischen-tuerkei-und-zypern-israel-und-libanon-a-1193535.html (03.12.2019).
(6) Hierzu schreibt der Jurist Prof. Dr. Christian Rumpf: „Das, was heute als Republik Zypern völkerrechtlich anerkannt ist und handelt, ist innerstaatsrechtlich – im Hinblick auf die Gesamtverfassung der Insel – nur die griechische Volksgruppe, die sich sowohl der volksgruppenspezifischen Selbstverwaltungs- als auch der Zentralverwaltungselemente bedient, die im Wesentlichen miteinander verschmolzen worden sind.“
(7) Vgl. hierzu den Garantievertrag vom 19. Februar 1959, der am 16. August 1960 in Kraft trat. In Artikel 1 heißt es „Die Republik Zypern unternimmt alle notwendigen Anstrengungen, um ihre Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit und Sicherheit unter Beachtung ihrer Verfassung zu schützen.
Sie unterlässt es, ganz oder teilweise an einer wie auch immer gearteten politischen oder wirtschaftlichen Gemeinschaft mit einem Staat teilzunehmen. Sie erklärt dementsprechend jede, auf die Errichtung einer Union mit einem anderen Staat oder zur Teilung der Insel gerichtete Aktivität, direkt oder indirekt, zu verbieten.“, vgl. unter http://www.verfassungen.eu/cy/garantievertrag60.htm
(8) Vgl. hierzu Artikel 4 des Garantievertrags sowie Rumpf, Christian: Zur Rechtslage Zyperns – Grundlagen und Konfliktlinien (2004), S. 6.
(9) Vgl. Gürle, Cevdet (2002): Zypern in seinen Beziehungs- und Konfliktverhältnissen zu Türkei und Griechenland, Hamburg, Diplomica GmbH, S. 52-53.
(10) Mitsotakis gesteht ein: Wir können die Gräueltaten der Zyperngriechen an den Zyperntürken nicht leugnen, in: Zypern Aktuell, Jahrgang 1 Nr. 4. Juni (1999), S. 1.
(11) https://www.bbc.com/turkce/haberler-dunya-48225246 (abgerufen am 06.12.2019).
(12) Vgl. ebd.
(13) Vgl. https://www.nzz.ch/international/israel-libanon-gespraeche-ueber-erdgas-im-mittelmeer-ld.1485415
(14) Vgl. https://www.aa.com.tr/tr/dunya/turkiye-libya-anlasmasi-turkiyenin-dogu-akdeniz-politikasinda-onemli-kazanim/1662097 (abgerufen am 06.12.2019).
(15) Vgl. ebd.
(16) Vgl. https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/gas-funde-im-mittelmeer-wecken-grosse-begehrlichkeiten,RRISZ2A (abgerufen am 06.12.2019).
(17) Vgl https://www.welt.de/wirtschaft/article203965780/Erdgas-Pipelines-Russland-schafft-neue-Abhaengigkeiten-im-Westen.html
RB Leipzig hat mit dem Online Casino Unibet einen neuen Sponsor
Mit dem neuen Sponsor Unibet hat RB Leipzig einen großen Wettanbieter auf seine Seite gezogen. Wir blicken auf die Frage, was das Engagement für die Zukunft bedeutet.
Der RB Leipzig hat Anfang des Jahres einen neuen Sponsor bekommen. Es handelt sich hierbei um einen der größten und bekanntesten Sportwettenanbieter der Welt, der gleichzeitig auch ein wichtiger Anbieter von Onlinepoker, Casinospielen wie Slots und Bingo ist. Dieser Sponsor stellt das schwedische Unternehmen Unibet dar und fördert das gesamte Team bei RB Leipzig bereits seit einiger Zeit. Wir schauen, was seitdem mit dem Verein passiert ist.
Neue Trikots und ein bedeutender Partner
Zusammen mit Martin Beranek (Country Manager der DACH Kindred Group) hielt Geschäftsführer Oliver Mintzlaff ein Trikot mit der Nummer 21 hoch, während Martin Beranek mit einem breiten Lächeln eines mit der Nummer 20 in den Händen hielt. Unter den großen roten Zahlen war das Wort Unibet zu lesen. Auch Werbekampagnen im TV, LED-Videoleinwände sowie Auftritte im Bereich Social Media und auf der Website können mittlerweile mitverfolgt werden.
RBL-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und Martin Beranek (Country Manager DACH Kindred Group) (Foto: Screenshot/Twitter)
Unibet ist ein bedeutender Partner für den Sportverein. Ein Grund dafür ist die weitreichende Zielgruppe des neuen Sponsors: Insgesamt in 100 Ländern ist die Marke bereits aktiv und bietet seine Dienstleistungen etwa 11 Millionen Kunden an. Auch gilt das Unternehmen als verantwortungsbewusst: Die Unibet Casino Erfahrungen auf besteonlinecasinos.com fallen regelmäßig positiv aus und zusätzlich ist die Marke vor allem für ihr vertrauenswürdiges Spiel bekannt, wofür sie bereits mehrere Preise erhielt.
Unibet ist Teil der Kindred Group, eines führenden internationalen Glücksspielunternehmens im Online-Bereich, welches Verbindungen zu Europa und Australien vorweist. Sponsoring durch Online Casinos ist im Sportbereich nicht ungewöhnlich und eine Partnerschaft, die durchaus oft von den Teams gewählt wird. Neben Unibet ist auch Betway in diesem Bereich sehr aktiv und sponsert etwa die britische Mannschaft West Ham United FC. Auch das 888 Casino ist im Bereich Sportwetten tätig und wurde im Jahr 2010 zum wichtigsten Sponsor der Pferderennbahn Fontwell Park Racecourse erklärt.
Wer nach 13 Spieltagen auf dem zweiten Platz der Bundesliga steht, ist ein Meisterschaftsanwärter. Das gilt vor allem dann, wenn der Klub auf Platz 1 nicht Bayern München heißt. Die Rede ist von RB Leipzig, 2009 gegründet und, wie kicker.de zeigt, 2019 vorläufig auf dem Höhepunkt angelangt. Nachdem 2018 das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern noch deutlich verloren wurde, ist die Ausgangsposition in der Bundesliga derzeit so gut wie nie. Auch in der Champions League erreichte die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann vorzeitig das Achtelfinale.
Die Gründe für den Erfolg sind vielschichtig, beginnen jedoch schon bei der Kaderzusammenstellung, die nach wie vor stark ist. Transfers wie Christopher Nkunku oder Patrik Schick halfen dem ohnehin starken Team weiter. Hier punkten Akteure wie Torhüter Peter Gulacsi mit konstant starken Leistungen, die durch die deutschen Nationalspieler Timo Werner, Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann ergänzt werden. Trotz leichter Schwierigkeiten im Saisonverlauf fingen sich die Sachsen und erreichten einige Kantersiege in Liga und Pokal.
Wie hoch sind nun die Chancen, dass sich RB Leipzig tatsächlich die Meisterschaft sichern kann? Als Hauptkonkurrent darf nach wie vor der Rekordmeister aus München angesehen werden, der unter Hansi Flick einen stabilen Eindruck hinterlässt und auch punkte- sowie leistungsmäßig verbessert auftritt. Borussia Dortmund ist ebenfalls ein Kandidat auf den Titel, hat allerdings mit vielen eigenen Problemen zu kämpfen. Es scheint nicht so, als habe die Mannschaft von Lucien Favre das Potenzial, die wichtigen Partien erfolgreich zu bestreiten.
Bleibt vor allem noch der derzeitige Tabellenführer Borussia Mönchengladbach. Dass ausgerechnet der in den 1970-er Jahren starke Klub vom Niederrhein jetzt wieder um den Titel spielt, ist vor allem bei allen Fußballromantikern eine große Sache. Auf dem Weg im Titelkampf gegen München, Mönchengladbach und Co. begleitet RB Leipzig mit Unibet ein starker Partner. Der Wettanbieter wurde in Deutschland immer bekannter und zahlt RB laut sponsors.de 1,5 Millionen € pro Jahr.
Drei Saisons soll die Vereinbarung zunächst dauern
Bis 2021 soll das Unibet-Logo nun auf den Trikots der Roten Bullen zu sehen sein. Zunächst ist nämlich eine Zusammenarbeit geplant, die bis Ende 2020/2021 dauern wird, also insgesamt drei Spielsaisons lang.
Oliver Mintzlaff wandte sich an die Presse und erläuterte den Wunsch des jungen Vereins nach einer starken Partnerschaft. Die neuen Partner sollten zum Team und zum Weg, den die Mannschaft einschlägt, gut passen, so Mintzlaff. Mit Unibet war es möglich, einen Partner dieser Beschreibung zu finden. Er und das Team der Roten Bullen freuen sich auf die Zusammenarbeit und auch auf die bevorstehenden aufregenden Projekte, die die beiden Marken zusammenbringen sollen.
Mit Unibet ist es dem RB Leipzig gelungen, einen erfolgreichen und international vertretenen Partner zu finden, der für ein positives Image und einen vertrauenswürdigen Service steht. Jenes Image jagt auch RB nach wie vor. Aber auch Unibet kann aufgrund der derzeitigen Bundesliga-Position der Roten Bullen mit Stolz auf die Sponsoring-Entscheidung zurückblicken. Ob es hier am Ende auch gegen Mönchengladbach und Matthias Ginter sowie Bayern und Robert Lewandowski für etwas Großes reicht?
Düsseldorf – Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat einen Doppelpass für ehemalige Gastarbeiter ins Gespräch gebracht.
„Wir würden uns wünschen, dass der Bund der ersten Gastarbeiter-Generation die Möglichkeit einräumt, sich einbürgern zu lassen, ohne den türkischen Pass abgeben und ohne einen Einbürgerungstest ablegen zu müssen“, sagte die Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (CDU), der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Güler sprach von einem „Signal der Wertschätzung ihrer Lebensleistung“.
Viele ältere Migranten, die in den 1960er-Jahren nach einem Anwerbeabkommen der Bundesrepublik mit der Türkei als Arbeitskräfte vor allem ins Ruhrgebiet kamen, scheuten auch nach Jahrzehnten die Einbürgerung, weil sie ihre türkische Staatsbürgerschaft nicht verlieren wollten.
NRW will nun beim Bund Ausnahmeregelungen erreichen. „Das wäre ein ganz starkes Zeichen an die Menschen, die viel für den wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik getan haben, schon lange hier leben und dennoch sehr an ihrem Geburtsland hängen“, sagte Güler.
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– German Medical Award –
Türkischstämmige Dilek Gürsoy wird „Ärztin des Jahres“
Die Ärztin Dilek Gürsoy ist vom German Medical Award als „Medizinerin des Jahres 2019“ ausgezeichnet worden. Die 43-Jährige, die derzeit in einer Herzklinik in Siegburg arbeitet, ist europaweit die erste Frau, die einem Patienten ein Kunstherz eingepflanzt hat.
Düsseldorf – In Nordrhein-Westfalen wird es kein Kopftuch-Verbot in Kindertagesstätten und Grundschulen geben. Die Landesregierung ist von entsprechenden Plänen abgerückt.
„Wir haben uns entschieden, auf ein Verbot zu verzichten und stattdessen gemeinsam mit dem Schulministerium die Aufklärungsarbeit und Elterninformation in Kitas und Grundschulen systematisch zu verbessern. Ein entsprechendes Programm wird gerade erarbeitet“, sagte die Staatssekretärin für Integration der Landesregierung, Serap Güler der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ).
Vor eineinhalb Jahren hatte Güler erstmals Überlegungen öffentlich gemacht, kleinen Kindern weit unterhalb der Religionsmündigkeit von 14 Jahren in staatlichen Einrichtungen wie Kitas und Grundschulen das Tragen von Kopftüchern zu untersagen. Nach eingehender juristischer Prüfung wurden diese Pläne nun verworfen.
„Es ist rechtlich umstritten, ob ein Kopftuch-Verbot als Eingriff in die Religionsfreiheit und in Elternrechte vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand haben würde“, sagte Güler der WAZ. Ein Gutachten, das die Landesregierung in Auftrag gegeben hatte, habe die Bedenken eher verstärkt. Die Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ dagegen halte das staatliche Einschreiten gegen eine Frühverschleierung wegen der religiösen Konditionierung der Kinder sehr wohl für geboten. „Ein langer Rechtsstreit hilft niemandem weiter“, so Güler.
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Kommentar: Wenn die „Islam-Kritiker“ mit dem Schweinefleisch spielen
Wenn du denkst, du hast alle bescheuerten Aktionen bei Facebook längst gesehen, kommt eine noch größere Dämlichkeit daher.
Über die türkische Bestellung von Giftgas aus dem Edeka für die Bevölkerung von „Dersim“
Ein Gastkommentar von Nabi Yücel
Ein TV-Beitrag der „ttt“ in der ARD hat am vergangenem Sonntag die Geschehnisse von 1937 und 1938 in der türkischen Provinz Tunceli (Dersim) behandelt. Unter dem Titel „Wie Kemal Atatürk Aleviten ermorden ließ“ wurde in der TV-Sendung behauptet, wie unter Einsatz von Giftgas aus Deutschland angeblich „Aleviten“ ermordet wurden. Das ist schlichtweg Irreführung der öffentlichen Meinung und ein Schlag ins Gesicht der „alevitischen“ Minderheit in der Türkei.
In dem Dokument den die ARD TV-Sendung „ttt“ hervorgekramt hat und aus dem hervorgehen soll, dass das Giftgas aus Deutschland für die Bevölkerung von „Dersim“ bestimmt war, wird der Name „Dersim“ oder Tunceli nicht einmal erwähnt. Man ist sich aber sehr wohl sicher, dass die Türkei den Einsatz von Giftgas praktisch gegen „Aleviten“ vollzogen hat, nur weil das „Bruderland“ just zu der Zeit ein nationalsozialistisches Deutschland war.
Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die völkischen Kurden und PKK-Versteher gerade deshalb so beherzt daran arbeiten, diese Konstellation mit Rotstift zu unterstreichen. Die sogenannten Belege zeigen jedoch nur auf, dass die Türkei vor dem Zweiten Weltkrieg angeblich Giftgas von Deutschland bezogen haben will. Ob eine Lieferung auf Bitten der Türkei aus Deutschland erfolgte, steht aber noch immer im Raum.
Es steht auch noch im Raum, ob das Dokument, dass die Order für Giftgas beinhaltet, aus dem türkischen Staatsarchiv stammt. Das ist ebenfalls nicht sicher. Es ist sogar die Rede von einer Fälschung, die sich in eine Reihe von vielen gefälschten Dokumenten wiederfindet. Mal davon abgesehen, hatte die Türkei sehr wohl Interesse an chemischen Waffen, aber ein anderes wie man es ihr unterstellen will.
Das türkische Parlament nahm am 4. Mai 1925 das Genfer Protokoll an, die am 17. Juni 1925 in Genf von Unterzeichnerstaaten wie der Türkei dann ratifiziert wurde. Was das ist? Es ist ein völkerrechtlicher Vertrag über das Verbot der Verwendung von erstickenden, giftigen oder ähnlichen Gasen sowie von bakteriologischen Mitteln im Kriege.
Das Protokoll verbot damals den Gebrauch chemischer und biologischer Waffen, es enthielt allerdings keine Vorgaben zu deren Entwicklung, Herstellung und Lagerung. Aus diesem Grund wurden mit der Biowaffenkonvention (1972) und der Chemiewaffenkonvention (1993) im Nachhinein zwei weitere Verträge abgeschlossen, die entsprechende Regelungen zu Rüstungsbeschränkungen und Abrüstungsverpflichtungen enthielten.
Auch die Türkei unternahm damals aufgrund der weltweit herrschenden Giftgas-Gefahr Schritte, um sich militärisch wie zivil abzusichern und Vorkehrungen gegen den Einsatz von chemischen Waffen gegen die Türkei zu treffen. So veröffentlichte 1927 der türkische Generalstab für die gesamten Streitkräfte eine Lektüre, in der über Giftgas-Angriffe Aufklärung betrieben wurde. Man nahm die Gefahr so ernst, dass die Militärangehörigen den Nachweis erbringen mussten, diese Lektüre gelesen oder die Ausbildung darin abgeschlossen zu haben.
Die Zivilbevölkerung wurde mit Aufklärungskampagnen über Giftgas informiert. Es wurden Lektüren veröffentlicht, Plakate aufgehängt, in Zeitungen Hinweise und Handlungsanweisungen bei Giftgas-Angriffen abgedruckt. Man war sich offensichtlich über die schwelende Gefahr eines bevorstehenden Konflikts größeren Ausmaßes bewusst.
Die weltweit aufkeimende Gefahr über die Entwicklung und Einsatz von Giftgas nahm der türkische Generalstab sehr ernst, zumal man deshalb eigens dafür in der Armee eine Unterabteilung für chemische Waffen einrichtete. Der damalige Generalmajor Hüsnü Riza Ünsal veröffentlichte daraufhin als leitender Kommandeur der Abteilung für chemische Waffen eine Lektüre, in der er vor der weltweiten Gefahr von Einsatz von chemischen Waffen gegenüber der Türkei warnte.
Die bedrohliche Wahrnehmung wurde offenbar durch den weltweiten Einsatz von chemischen Kampfstoffen genährt. So verwendete ein Verband der sowjetischen Armee während des Bauernaufstands von Tambow 1920/21 chemische Kampfstoffe zur Bekämpfung der aufständischen Bauern ein. Im Rifkrieg in Nordmarokko setzte Spanien ab 1924 chemische Waffen gegen die aufständischen Rifkabylen, einen Berber-Stamm, ein. Dabei wurde Spanien von Frankreich und in einem Geheimvertrag von der deutschen Reichswehr unterstützt. Die Royal Air Force setzte in der Bekämpfung von Kurden im irakischen Sulaimaniyya zwischen März 1923 und Mai 1924 insgesamt viermal Bombeneinsätze mit Giftgas ein, um den abtrünnigen Anführer Mahmud Barzandschi in die Knie zu zwingen. Ein weiteres Mal wurde Giftgas vom faschistischen Italien im Zweiten Italienisch-Libyschen Krieg sowie im Italienisch-Äthiopischen Krieg (1935–1936) verwendet.
Von den militärischen Warnungen und Hiobsbotschaften inspiriert, nahm sich auch der aus Kayseri stammende Chemiker Salih Turgay dem Thema an und veröffentlichte eine wissenschaftliche Abhandlung über chemische Waffen und ihre Wirkung auf die Zivilbevölkerung. Das Thema nahm solch eine Brisanz an, dass es auch in Schulen im Schulunterricht übernommen wurde.
Wie man erkennen kann zeigte sich die türkische Führung über die weltweite Produktion und Einsatz von chemischen Waffen besorgt, zumal die Briten nach dem Ersten Weltkrieg bis weit in das Jahr 1927 hinein im Nachbarland Irak immer wieder chemische Waffen eingesetzt hatten. In Anbetracht der Tatsache, dass der Erste Weltkrieg nur wenige Jahre zurücklag und der Einsatz von chemischen Waffen den Europäern weiterhin keine Kopfschmerzen bereitete, unternahm die Türkei jedwede Schritte, um dieser Gefahr zu begegnen.
Dazu gehörte offenbar auch, dass man sich chemische Waffen besorgen wollte und damit die Politik der Abschreckung verfolgte. Ob dieses im Raum stehende Giftgas von Deutschland bezogen wurde, ist nicht belegt. Um das zu belegen, müsste Deutschland ihre Archive durchforsten und entsprechende Akten aufzeigen, die eine Lieferung von chemischen Waffen nachweisen.
Der entscheidende Punkt in dieser Thematik ist aber, dass die Türkei offenbar bis weit in den April 1939 hinein kein Giftgas besaß oder in der Lage war, welches selbst zu produzieren. Das geht auch aus britischen Archiven heraus, zumal die türkische Führung nach der Anfrage in Deutschland von 1937, diesmal 1938 das britische Königreich um Lieferung und Ausbildung zu chemischen Kampfstoffen bat, jedoch offenbar auch hier hingehalten wurde. Fest steht aber, dass der letzte Aufstand von „Dersim“ bereits im September 1938 niedergeschlagen wurde. Wie konnte die türkische Armee ohne grundlegende Kenntnisse über chemische Kampfstoffe und Produktionsanlagen bzw. Lieferungen aus dem Ausland dieses angebliche Giftgas-Angriff bewerkstelligen?
Das Bild zeigt einen türkischen Soldaten mit Gasmaske während der Militärübung von 19. August 1939 in Istanbul.
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Zum Thema
– Kommentar –
Der Zeitgeist der „Kurden“ und Atatürk im Lichte der Gegenwart
Ein TV-Beitrag der „ttt“ in der ARD hat am vergangenem Sonntag die Geschehnisse von 1937 und 1938 in der türkischen Provinz Tunceli (Dersim) behandelt. Unter dem Titel „Wie Kemal Atatürk Aleviten ermorden ließ“ wurde in der TV-Sendung behauptet, wie unter Einsatz von Giftgas aus Deutschland angeblich „Aleviten“ ermordet wurden. Das ist schlichtweg Irreführung der öffentlichen Meinung und ein Schlag ins Gesicht der „alevitischen“ Minderheit in der Türkei. Ein Kommentar.
Ein Gastkommentar von Nabi Yücel
Ein TV-Beitrag der „ttt“ in der ARD hat am vergangenem Sonntag die Geschehnisse von 1937 und 1938 in der türkischen Provinz Tunceli (Dersim) behandelt. Unter dem Titel „Wie Kemal Atatürk Aleviten ermorden ließ“ wurde in der TV-Sendung behauptet, wie unter Einsatz von Giftgas aus Deutschland angeblich „Aleviten“ ermordet wurden. Das ist schlichtweg Irreführung der öffentlichen Meinung und ein Schlag ins Gesicht der „alevitischen“ Minderheit in der Türkei. Vor allem ist es eine unwissenschaftliche und nicht objektive Herangehensweise.
In der Türkei und in Deutschland hat der TV-Bericht deshalb für Furore gesorgt und wie ich finde zurecht. Etliche türkische Historiker, Journalisten und Politiker in der Türkei sprechen von Propaganda, die nun aus Deutschland los getreten werde, nach dem es vor Jahren in der Türkei geradezu ausgeschlachtet wurde. Man kann es Propaganda nennen, zumal die Echtheit der zitierten Audioquelle, angeblich vorhandener echter Dokumente oder die Oralhistorie innerhalb der Familien nicht verifizierbar ist oder bewusst aus dem Kontext gerissen wird. Aber zurück zur TV-Sendung:
Max Moor, der Moderator der TV-Sendung, beginnt auch gleich damit, das sogenannte „rückständige“ Osmanische Reich durch Atatürk in die Moderne führen zu lassen. Dabei habe laut Moor Atatürk z.B. die religiösen Führer entmachtet. Moor hat wohl noch nicht begriffen, dass die Moderne längst auch die Fälscher in der Türkei erreicht hat, dass die Moderne derzeit vom Weltklima bedroht wird, der einzige klimaneutrale Staat auf der Erde das „rückständige“ Bhutan ist und nicht das Moderne Deutschland; so leicht kann man sich also irren. Und man irrt sich auch in anderen Themen:
Der wohl entscheidenste Punkt der TV-Sendung bezieht sich auf ein sogenanntes Dokument, das angeblich aus dem türkischen Staatsarchiv stammen soll. Was einem auf Anhieb nicht auffällt, weil ja die Ungeheuerlichkeit einen fesselt, ist, dass die Unterschrift des „Reisi Cumhur“, also des Staatspräsidenten Atatürk auf vielen Heckpartien von Modernen Fahrzeugen klebt. Außerdem ist es doch fast schon merkwürdig, dass die Unterschriften der vielen Minister und Kabinettsmitglieder in den vielen sogenannten „echten“ Dokumenten eins zu eins gleichen. Man muss nur die Suchmaschine Google anschmeißen, um etliche solcher Dokumente mit Haar-gleichen Unterschriften zu finden, die sich exakt gleichen. Wie viele Fälschungen, die angeblich aus dem türkischen Staatsarchiv stammen sollen, will man eigentlich noch auftischen?
Ich erhebe also den Vorwurf, dass das besagte Dokument nicht echt ist, dass dieses Dokument wie mit vielen anderen Dokumenten seit Jahren kursieren, die angeblich dies oder das beweisen sollen. Es ist doch fast schon sicher woher oder aus welcher Ecke dieses Dokument wieder einmal entsprungen ist.
Vor Jahren wurde der groteske Vorwurf schon einmal medial ausgesprochen, die türkische Armee habe Giftgas gegen die Bewohner von Tunceli eingesetzt, man habe dabei die hitlerische Hilfe in Anspruch genommen. Damals waren es sogenannte Journalisten der PKK-nahen Propagandamaschinerie. 2011 setzte dann der Journalist der AKP-nahen „Yeni Şafak“ Yaşar Taşkın Koç unter Verwendung des Dokuments, die „ttt“ ja nun erneut aufgetischt hat, erneut das Gerücht, die heute die Schlagzeilen füllen. Dann, 2014, fällt in diesem Zusammenhang in den türkischen Medien auch der Name des „Dersimer“ Hasan Saltık, der erneut irgendwelche Dokumente vorlegt, aus der hervorgehen soll, dass die türkische Armee Giftgas eingesetzt habe.
Bis heute ist nicht erwiesen, dass die für die Vorwürfe verwendeten Dokument, die „ttt“ selbstbewusst ebenfalls zu Felde anführt, echt sind bzw. aus dem türkischen Archiv stammen. Hunderte türkische Historiker aller ideologischer Richtungen müssen offenbar blind gewesen sein, diese historisch wichtigen Dokumente zu übersehen. Man muss schon ziemlich ideologisch verblendet sein, um dem etwas abzugewinnen.
Zum anderen kann ein einziges Dokument nicht beweisen, dass die türkische Regierung das Giftgas aus Deutschland erworben und auch einsetzen ließ. Man müsste mitunter auch die deutschen Archive durchforsten und sicherstellen, ob denn diese angeblich von der Türkei angeforderte Giftgas-Lieferung erfolgte, ob sie und wo sie vermutlich eingesetzt wurden. Es stellt sich auch die Frage, wie man es damals bewerkstelligt hat, Giftgas-Bomben für Flugzeuge zielgenau auf Höhlen abzuwerfen, ohne dabei Kollateralschäden in Kauf zu nehmen, zumal ja genau das offenbar „bestellt“ wurde; und keine Mörsergranaten mit Giftgas, die ihren Zweck vielleicht erfüllen könnten.
Es ist doch hinlänglich bekannt, dass die damaligen chemischen Kampfstoffe nicht effizient oder im Umgang sehr unsicher waren, was den zielsicheren Einsatz anbelangt. Es stellt sich also die grundlegende Frage, ob denn so etwas zu damaliger Zeit möglich war, ob die Lieferung aus Deutschland tatsächlich erfolgte und ob es ein Kampfpilot im Jahre 1937/1938 geschafft hat, eine Bombe zielgenau auf einen Höhleneingang in einer unwegsamen Region abzuwerfen.
Auf der anderen Seite – sollten die Vorwürfe je zutreffen – muss man sich auch vergegenwärtigen, welcher Zeitgeist damals in Zusammenhang mit Giftgas herrschte. Jetzt in Schnappatmung zu geraten, ist unwissenschaftlich und nicht objektiv. Nach dem Ersten Weltkrieg sah man es in den USA als ein „höchst effektiven und zugleich humansten aller Waffen“ an, wenn man von Giftgas sprach.
Der britische Kriegsminister Winston Churchill meinte zu jener Zeit gar: „Ich verstehe die Zimperlichkeit bezüglich des Einsatzes von Gas nicht. Ich bin sehr dafür, Giftgas gegen unzivilisierte Stämme einzusetzen“, wobei er von der arabischen Bevölkerung im Irak, aber auch den Kurden in Sulaimaniyya sprach. Bis heute hält sich hartnäckig der Verdacht, dass die britische Armee in den Gefangenenlagern auf der Halbinsel Sinai türkische Soldaten mit Giftgas- bzw. Giftbädern zum erblinden brachte. Offenbar wurden sie als lebende Versuchsobjekte für neue chemische Kampfmittel missbraucht.
Zuerst einmal muss man verstehen, dass in der Türkei das Thema „Dersim“ bzw. „Kurden-Aufstände“ seit Jahrzehnten wissenschaftlich, politisch wie medial, öffentlichkeitswirksam behandelt wird. Hier so zu tun, als seien die „kurdischen“ Aufstände ein Tabuthema in der Türkei, ist absurd und entbehrt jedweder Grundlage.
Bereits kurz nach der Niederschlagung des Tunceli-Aufstands waren etliche türkische Abgeordnete darum bemüht, die Umstände und das Leid der Bevölkerung in Tunceli aufzuklären bzw. zu lindern, die durch die Kämpfe verursacht wurden. Vielleicht sollte „ttt“ das mal beherzigen, anstatt so zu tun, als sei die junge Republik stets bestrebt gewesen, unter allen Umständen über „Leichen“ zu gehen und zu versuchen jedwede wissenschaftliche wie öffentliche Debatte im Keim zu ersticken.
Mustafa Kemal Atatürk ist der Gründer der türkischen Republik, ja! Er ist kein Übervater und auch kein Übermensch. Dieser Nationalstaat hat, wie der deutsche TV-Sender ARD diesmal in diesem Punkt richtigerweise festgestellt hat, eine Sprache, eine staatlich gelenkte Religion und viele ethnische Völker vereint. Was Anatolien bzw. die Türkei nach dem Ersten Weltkrieg und während des Befreiungskampfes bis weit in das Jahr 1938 entzweite, war, dass die Siegermächte des Ersten Weltkriegs verschiedenen Stammesführern und religiösen Oberhäuptern Unabhängigkeit oder einen Nationalstaat versprachen, während man den Vertrag von Sèvres formulierte.
Das ist deshalb wichtig, weil manche sogenannten „Experten“ wie der Essener Prof. Burak Copur den Türken insgesamt Nationalismus vorwerfen, als sogenannte Opfer die Koçgiris oder Seyit Rızas Gefolgschaft anführen. Dabei waren doch diese Stammesführer und religiösen Oberhäupter jene selbst, die sich von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs etwas wie einen Nationalstaat bzw. Souveränität erhofften und Hilfen forderten und auch bekamen. Was der exportiere Nationalismus aus Europa in den betroffenen Ländern verursachte, kann man mitunter noch immer im Balkan bewundern.
Es ist doch kein Geheimnis mehr, dass im November 1920, also zu Beginn des türkischen Befreiungskampfes, diese religiösen und ethnisch-nationalen Stammesführer in İmranlı zusammen kamen, um ihre nationalistischen Ziele zu formulieren und zu konkretisieren. Am 8. Dezember 1920 forderten die Führer der Koçgiri dann in einem Telegramm an Mustafa Kemal Pascha die Einrichtung eines unabhängigen Kurdistans. Es sollte die Provinzen Diyarbakir, Mamuret ül-Aziz, Van und Bitlis umfassen. Sie beriefen sich dabei auf den Vertrag von Sèvres und drohten offen mit Waffengewalt. Wenn das kein Nationalismus ist, was dann?
Die provisorische Regierung in Ankara stand nun massiv unter Druck; auch gewollt von den Siegermächten. Um nicht an mehreren Fronten gleichzeitig zu kämpfen, entschied sich das türkische Nationalparlament in Ankara, sich erst mit dem Stamm der Koçgiri zu beschäftigen, das Aufbegehren in „Dersim“ unter dem Stammes- und religiösen Oberhaupts Seyit Rıza vorerst einmal zu ignorieren. Es ging also nicht explizid um „Kurden“ oder „Aleviten“ bzw. „Zazas“, sondern nur um die Durchsetzung der stattlichen Autorität gegenüber kleinen Machtgefügen, die die Staatsmacht in Abrede stellten.
Der Koçgiri-Aufstand wurde trotz mehrfacher und vorheriger Appelle und dringlicher Vermittlungsversuche innerhalb des türkischen Parlaments an kurdische Nationalisten der „Gesellschaft für den Aufstieg Kurdistans“ Mitte Juni 1921 dann vorerst niedergeschlagen, um sich danach der Front gegen die griechische Besatzungsarmee zu widmen.
Damit war zwar der Stamm der Koçgiri und die nationalistische „Gesellschaft für den Aufstieg Kurdistans“ während des Befreiungskrieges gegen die griechische, britische, französische und italienische Besatzungsarmee vom Tisch, der weitaus mächtigere Oberhaupt Seyit Rıza stellte aber weiterhin eine Gefahr für die noch sehr junge Republik dar, was sich auch bald herausstellen sollte.
Deshalb sollte sich das Kulturmagazin des ARD „ttt – titel, thesen, temperamente“ doch bitteschön den damaligen Zeitgeist vergegenwärtigen, um diese Art von Konflikt zu verstehen. Da stehen sich zwei ideologische Gleichgesinnte gegenüber: einmal der türkische Nationalstaatsgedanke der sich aus der Asche des Osmanischen Reiches erhebt und zum anderen der kurdische Nationalstaatsgedanke, der sich aus Feudalherren und religiösen Oberhäuptern zusammensetzt und auf fremde Hilfe angewiesen sind. Letztere hatten auch andere Beweggründe, um Aufstände gegen die Ankaraner Regierung anzuzetteln: die bedrohte Stellung als Oberhaupt, wirtschaftliche Erwägungen, die gepflegte Vielweiberei oder der Analphabetismus, um das untergeordnete Volk weiterhin beherrschen zu können.
Es ist doch völlig absurd, dass gerade die selbsternannten „Sozialisten“, „Liberalen“ oder „Linken“ eine öffentliche Debatte anzetteln, dessen Kernthema sich doch auf Nationalismus, Feudalismus oder religiösen Fanatismus bezieht. Es ist bezeichnend dafür, wie grotesk die hiesige Debatte angestoßen wird, um die türkische Geschichte nach eigenen Maßstäben und aus dem Zeitkontext herausgerissen neu zu bewerten.
Dabei ist doch längst bekannt, wer diesen Feudalismus und diese Stammesstrukturen Ende der 60er Jahre mit bekämpft, dann aber seit Ende der 90er Jahre den völkischen Nationalismus wiederentdeckt hat: der Führer der Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan. Das sich nun gerade jene hervorheben, die diese patriarchalisch-religiöse Strukturen klammheimlich in Abrede stellen – da wird doch die Audio-File eines türkischen Ministers tatsächlich genau darin verkürzt wiedergegeben – oder nicht erwähnen, zeigt doch, auf welchen Pfaden sich diese Herrschaften bewegen, um ihren Nationalismus unbehelligt weiterhin frönen zu dürfen. Es ist der Irrwitz der „kurdischen“ Geschichtsschreibung schlechthin, sich gerade auf solche Herrschaften einzulassen – und die ARD lässt sich dafür auch noch instrumentalisieren oder verfolgt sie dabei gar eine eigene Agenda?
Dienen solche TV-Sendungen eigentlich nun der Aufklärung oder der Verblödung? Der öffentlich-rechtliche TV-Sender ARD hätte sich nicht einseitig mit „Experten“ eindecken dürfen, um diese These in die Welt zu setzen, die die AKP-nahe „Yenisafak“, die PKK-nahe „Özgür Gündem“ vor Jahren schon einmal in die Welt gesetzt hat und seither einen Beweis schuldig blieb. Zudem, böse Zungen würden ja behaupten, dass man hier mit aller Macht versucht Parallelen zur Nazi-Zeit zu ziehen um das deutsche Gewissen zur erleichtern. Nun ist die Shoah mit 6 Millionen vergasten Juden eben kein kleines Delikt wie die Niederschlagung einer nationalistisch-kurdischen Aufstandsbewegung.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
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Kurden-Präsident Barzani: Die Türkei hat kein Problem mit Kurden
Der Präsident der „Autonomen Irakischen Region Kurdistan“ (KRG), Necirvan Barzani, hat sein Volk dazu aufgerufen, sich von der Terrororganisation PKK zu distanzieren.
Ankara – In ihrem Kampf gegen das Rauchen hat die türkische Regierung einen weiteren Schritt angekündigt. Ab dem morgigen Donnerstag sollen alle im Land verkauften Tabakerzeugnisse und Zigaretten mit einfachen, einheitlichen Verpackungen versehen werden. Die bereits hergestellten Produkte sollen noch bis zum 5. Januar verkauft werden dürfen.
Die neue Regel zielt darauf ab, die Attraktivität und die irreführenden Eigenschaften von Verpackungen mit verschiedenen Farben und grafischen Designs zu beseitigen und die abschreckende Wirkung von Gesundheitswarnungen zu verstärken, so der Minister für Land- und Forstwirtschaft der Türkei, Bekir Pakdemirli, in einer Erklärung.
Die neuen Verpackungen werden eine Farbe mit einer Standardformation von Markennamen und anderen notwendigen Informationen haben, aber kein Logo oder andere Unterscheidungsmerkmale.
Warnfotos werden 85 Prozent der Verpackungen abdecken und eine Hotline-Nummer soll Menschen helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Informationen zu Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid werden auf den neuen Verpackungen nicht mehr zu sehen sein. Pakdemirli erklärte, dass die Maßnahme darauf abziele, Menschen vom Konsum von Tabakwaren und Zigaretten abzuhalten.
Yeni düzenlemeyle "Tütün Mamullerinde Düz ve Standart Paket" uygulamasına yarından itibaren geçiliyor. Artık eski paketlerle tütün mamulleri üretilmeyecek.
TEK PAKET DÖNEMİ 📌Sigara paketleri yarından itibaren aynı olacak. 📌Tek tip paketin zemini siyah renk. Üstünde uyarı yazıları ve fotoğrafları var. 📌Sigara markasının logosu vb kaldırıldı, sadece adı, küçük puntoyla yazıyor. pic.twitter.com/IVFLETHIDQ
Berlin – Nach dem Mord an einem Tschetschenen mit georgischer Staatsangehörigkeit in Berlin, hat die Bundesregierung zwei russische Diplomaten ausgewiesen. Sie seien mit sofortiger Wirkung zu unerwünschten Personen erklärt worden, teilte das Auswärtige Amt am Mittwoch mit.
Nach SPIEGEL-Informationen sind sie Agenten des militärischen Geheimdienstes GRU.
Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor die Übernahme der Ermittlungen von der Berliner Staatsanwaltschaft bekannt gegeben und erklärt, dass sie Anhaltspunkte für die Beteiligung staatlicher Stellen in Russland sieht. Das Auswärtige Amt begründete die Ausweisung damit, dass russische Behörden „trotz wiederholter hochrangiger und nachdrücklicher Aufforderungen“ nicht hinreichend an der Aufklärung der Tat mitgewirkt hätten. Die Tat in Berlin ist damit zu einer schweren Belastung für das deutsch-russische Verhältnis geworden, berichtet der Tagesspiegel. „Weitere Schritte in dieser Angelegenheit behält sich die Bundesregierung im Licht der Ermittlungen vor“, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amts.
Der russische Botschafter in Berlin wurde am Mittwochmorgen ins Auswärtige Amt einbestellt, um ihm die Entscheidung mitzuteilen. Bereits vor zwei Wochen war er zum Gespräch gebeten worden, um Russland noch einmal zur Mithilfe bei der Aufklärung des Mordes aufzufordern, berichtet der Tagesspiegel weiter.
Russland kündigte an, mit entsprechenden Schritten zu reagieren. Die Ausweisung der beiden Mitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin sei „unbegründet und unfreundlich“, erklärte das Außenministerium in Moskau. „Wir sind gezwungen, eine Reihe von Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen.“
Das ist eine absolut haltlose Spekulation“, sagte der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow zu dem Verdacht, den er auf „irgendwie aufgebauschte Meldungen deutscher Medien“ schob, berichtet die BILD.
Zelimkhan Khangoshvili war am 23. August im Kleinen Tiergarten in Berlin erschossen worden.
Khangoshvili kämpfte Anfang der Nullerjahre im Tschetschenien-Krieg gegen Russland. Später kooperierte er mit den Sicherheitsbehörden in Georgien und der Ukraine und hat dabei offenbar auch Informationen über russische Spionageaktivitäten geliefert. Vor knapp drei Jahren war er nach Deutschland übergesiedelt und hatte erfolglos Asyl beantragt, berichtet der Spiegel.
"Übernahme des Ermittlungsverfahrens wegen Mordes zum Nachteil des russisch-georgischen Staatsangehörigen Tornike K. / Mitteilung zum Stand der Ermittlungen", Pressemitteilung der #Bundesanwaltschaft vom 04.12.2019 https://t.co/HHHfAEQnFV
Vielen Erwachsenen in Deutschland ist nicht bewusst, dass sie trotz Masernimpfung ungeschützt sind. Wer nach 1970 geboren wurde und in der Kindheit nur eine Impfung erhielt, sollte den Schutz dringend nachholen, wie das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ schreibt. Heute weiß man, dass die erste Dosis nicht immer anschlägt. Seit 2000 werden daher für Kinder zwei Impfungen empfohlen – die erste zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten.
Die Hälfte der Erkrankten musste in die Klinik
Auch wer unsicher ist, ob überhaupt eine Impfung erfolgte, sollte sich immunisieren lassen. „Wichtig ist dies vor allem vor Fernreisen“, sagt Professorin Marylyn Addo, Leiterin der Infektionsabteilung am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Erwachsene sind keineswegs vor der vermeintlichen Kinderkrankheit geschützt.
Bei den jüngsten Masernwellen war etwa die Hälfte der Betroffenen älter als 20 Jahre. Bei ihnen verläuft die Infektion besonders schwer. Etwa die Hälfte der 543 Patienten, bei denen 2018 eine Infektion festgestellt wurde, musste im Krankenhaus behandelt werden – besonders Kinder zwischen einem und vier Jahren sowie Erwachsene zwischen 20 bis 39. Bei bis zu einem Fünftel kommt es zu Komplikationen wie Entzündungen von Mittelohr und Lunge. Bei einem von 1.000 Erkrankten entzündet sich das Gehirn, mitunter mit bleibenden Schäden.
Masern-Erreger sind hochansteckend
Die Masern-Erreger zählen laut Addo „zu den ansteckendsten, die wir kennen“. Für eine Übertragung muss man den Erkrankten nicht einmal berühren. Oft genügt es, wenn man dieselbe Luft atmet. „Schon wer mit einem Infizierten im Bus fährt, kann sich anstecken“, sagt die Expertin. Selbst wenn sich ein Patient zum Beispiel in einer Arztpraxis nicht mehr im Raum befindet, kann es zu einer Übertragung kommen. In feinen Tröpfchen in der Luft überleben die Masernviren bis zu zwei Stunden.
Der Trend ist erschreckend: Immer mehr junge Bundesbürger fühlen sich durch digitale Medien zunehmend gestresst. Waren es im Vorjahr noch 36 Prozent, so liegt deren Anteil in diesem Herbst bereits bei 41 Prozent.
Auslöser sind dabei vor allem die vielen Ablenkungsmöglichkeiten durch Chats, Videos oder Social Media sowie die ständige Erreichbarkeit für Freunde und Familie. Um den Stress durch digitale Medien zu verringern, empfehlen sich digitale Auszeiten – das Erfolgsgeheimnis der „entspannten“ jungen Bundesbürger. Das sind Ergebnisse der Studie „Zukunft Gesundheit 2019“ der Schwenninger Krankenkasse und der Stiftung „Die Gesundarbeiter“. Mehr als 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland zwischen 14 und 34 Jahren wurden dafür befragt.
Vor allem junge Frauen fühlen sich von sozialen Medien unter Druck gesetzt: 78 Prozent erkennen in Chats, Videos und Social Media Stressauslöser, bei den Männern sind es 58 Prozent. „Je jünger die Befragten, desto intensiver nehmen sie Aktivitäten in den sozialen Medien als soziale Verpflichtung wahr. In der Altersgruppe von 14 bis 17 fühlen sich fast neun von zehn gestresst angesichts der Flut von Chats und Statusupdates“, weiß Dr. Tanja Katrin Hantke, Gesundheitsexpertin der Schwenninger Krankenkasse. Mit dem Alter nehme der Social-Media-Stresslevel ab, dafür steige der Druck über die allgemeine Informationsflut an, also z. B. Mails, Newsletter und Nachrichten.
Schlafmangel ausgelöst durch digitale Medien
„Vor allem die erholsame Nachtruhe leidet unter dem digitalen Dauerfeuer“, so Hantke. Auf die Frage, wie sich der Stress bei ihnen auswirke, antworteten die meisten der Befragten mit „Müdigkeit durch Schlafmangel“ (56 Prozent) und „Probleme beim Einschlafen“ (53 Prozent). Knapp jeder Zweite gab auch „Gereiztheit“ und „Erschöpfung“ an.
Die Ärztin warnt vor den Folgen des Schlafmangels: „Insbesondere junge Menschen leiden schnell unter Konzentrationsproblemen und Unaufmerksamkeit.“ Das Bundesgesundheitsministerium hat sich der Empfehlung der Amerikanischen Schlafgesellschaft AASM angeschlossen und empfiehlt eine Schlafdauer von 8 bis 10 Stunden für 13- bis 18-Jährige.
Digitale Auszeit ist wichtig
Knapp acht von zehn Befragten begegnen dem Stress durch digitale Medien mit „analogen“ Hobbys wie Sport, Musik, Kunst oder sozialen Aktivitäten. Als besonders erfolgreiche Strategie erweist sich die „digitale Auszeit“.
Denn von den gestressten Teilnehmern klinkt sich nur jeder Zweite bewusst eine Zeitlang aus dem digitalen Leben aus. Von den nicht gestressten Teilnehmern sind es 76 Prozent, die sagen: „Ich nehme mir digitale Auszeiten, wann und so oft ich will.“
„Ohne digitale Medien geht nichts mehr im Leben junger Menschen. Außerdem erleichtern und vereinfachen Smartphone und Computer das tägliche Leben enorm“, sagt Hantke. „Trotzdem ist es wichtig, zwischendurch alle Geräte mal auszuschalten und sich nur auf sich selbst zu besinnen – ganz ohne Ablenkungen aus der digitalen Medienwelt.“
Die Studie „Zukunft Gesundheit 2019 – Jungen Bundesbürgern auf den Puls gefühlt“ (PDF) finden Sie hier: www.Die-Schwenninger.de/Studie