Türkei
Kommentar: Die deutsche Öffentlichkeit erfährt nichts über die mutigen kurdischen Mütter

Was mit dem mutigen Schritt einer kurdischen Mutter im Sommer begann, entwickelt sich allmählich zu einer Bewegung. Immer mehr Kurden trauen sich, gegen die HDP-Partei und die Terrororganisation PKK auszusprechen.

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Der friedliche Protest der Mütter von Diyarbakır gegen die PKK

Von Kemal Bölge – kboelge@web.de

In den verwinkelten Straßen der Millionenstadt Diyarbakır ist gerade der Ruf des Muezzins ertönt, als sich am Vormittag des 17. November 2018 der 17-jährige Murat* von seiner Mutter Nevin verabschiedet.

Die Mutter hatte Tee gekocht und mit den beiden anderen Kindern wurde gemeinsam gefrühstückt. Murat zieht danach seine Schuhe an und macht die Wohnungstür hinter sich zu. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass die Mutter ihren Sohn lebend gesehen hat. Wenige Kilometer entfernt im Stadtteil Bağlar, Selahattin Eyyubi Str. 343.

Hier befindet sich die Provinzparteizentrale der HDP, der verlängerte politische Arm der Terrororganisation PKK. Eine große Menschenmenge hat sich wieder vor dem Gebäude versammelt, die Polizei ist mit mehreren Hundertschaften vor Ort.
Vor genau 100 Tagen, am 3. September 2019, begann der Sitzstreik der Mütter von Diyarbakır, die sich gegen die Entführung und Verschleppung ihrer Kinder seitens der PKK stellen.

Der Aufschrei dieser tapferen Mütter hat sich in der gesamten Türkei rumgesprochen und es kommen immer mehr Mütter und Väter nach Diyarbakır, denen das Gleiche widerfahren ist. Selbst prominente Politiker, Schauspieler, Ärzte und Anwälte unterstützen den friedlichen Protest der Mütter und besuchen das provisorisch eingerichtete Protestzelt. Ob es regnet oder stürmt, ihrer verschleppten Kinder wegen kommen Sie jeden Tag hierher. Auch die Mutter des vermissten Murat beteiligt sich an dem Sitzstreik.

Der jahrzehntelange blutige Terror der PKK hat seine Spuren hinterlassen. Unter der Bevölkerung machte sich ein Klima der Angst und Einschüchterung breit, doch seit geraumer Zeit löst sich das Gefühl der Hilflosigkeit langsam auf. Es sind nicht nur die Söhne dieser Mütter, die als Kinder von den Terroristen entführt wurden, sondern auch junge Mädchen, die nach Angaben des türkischen Innenministeriums mit wagen Versprechungen über einen angeblichen „Freiheitskampf“ in die Berge verschleppt wurden.

Zwei Mädchen, die von der PKK im Sommer dieses Jahres entführt wurden, gelang vom Ort des Schreckens die Flucht. Was beide Teenager gegenüber der Polizei ausgesagt haben, klingt wie der blanke Horror. Sie seien mit der Schafsherde ihrer Familie auf der Weide gewesen als PKK-Terroristen sie verschleppt und in eine Höhle in die Berge gebracht hätten. Dort habe man ihnen erzählt sie würden als „Freiheitskämpfer“ eingesetzt.

Als die beiden Mädchen das nicht akzeptieren, habe man ihnen tagelang kein Wasser und keine Nahrung gegeben. Man habe sie gefoltert und sexuell missbraucht. Nach diesen traumatischen Erlebnissen können sie sich nicht mehr genau erinnern wie viele Tage sie der Folter und der Vergewaltigung ihrer Peiniger ausgesetzt waren.

Nach türkischen Presseberichten hat die Terrororganisation PKK zwischen 2014 und August 2019 etwa 1.107 Kinder verschleppt. Die Parteibüros der HDP funktionieren wie ein Anwerbebüro für die Entführung bzw. Verschleppung von Kindern und Jugendlichen. Die Beweise zu den strukturellen Verbindungen der PKK mit der HDP sind vorhanden, da es hunderte von Aussagen gibt, die diese Annahme stützen. Es gibt hunderte, wenn nicht gar tausende von Eltern, die ihre von der PKK verschleppten Kinder zurückbekommen möchten.

Die deutsche Öffentlichkeit erfährt leider nichts über die mutigen Mütter von Diyarbakır, weil die meisten deutschen Medien darüber einfach nicht berichten und es nicht ins negative Türkei-Bild passt. Zumindest einen kleinen Erfolg konnte der Sitzstreik der Mütter von Diyarbakır schon verzeichnen. Der 2015 verschleppte 15-jährige Jugendliche Ramazan U. wurde bei einem Einsatz der türkischen Polizei in Şanlıurfa aus den Händen der PKK befreit und an die Eltern übergeben.

*Die Namen wurden zum Schutz der Opfer von der Redaktion geändert


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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