Corona-Krise
Studie: Jeder zehnte Händler vor Insolvenz

Düsseldorf – Die Corona-Pandemie hat dramatische Folgen für viele Handelsunternehmen in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), die der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vorliegt. Demnach sieht sich trotz erster Lockerungsmaßnahmen jeder zehnte Einzelhändler aktuell von einer Insolvenz bedroht. Auch sechs Prozent der Großhändler stehen eigenen Angaben zufolge kurz vor der Pleite. Die größten Probleme für die Unternehmen sind die eingebrochene Nachfrage und damit geringere Umsätze bei gleichbleibend hohen Kosten. Von den Anfang Mai befragten 10.000 Unternehmen gaben knapp 40 Prozent an, ihre Investitionspläne für das laufende Jahr zu kürzen. Und knapp jeder dritte Betrieb beklagt massive Liquiditätsengpässe. „Dieses Ergebnis ist erschreckend“, sagte Ilja Nothnagel, Mitglied der DIHK-Hauptgeschäftsführung. „Denn um die Wirtschaft wieder ans Laufen zu bekommen, brauchen die Betriebe finanzielle Beinfreiheit.“ Nur so könnten sie ihr Geschäft, angepasst an Pandemie-Bedingungen, wieder hochfahren. „Deshalb wäre ein umfassendes Entlastungspaket für die Unternehmen das richtige Rezept aus der Krise“, sagte Nothnagel. Immerhin: Rund die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet mit einer Normalisierung des Geschäfts noch in diesem Jahr. 78 Prozent der Einzelhändler rechnen mit einem Umsatzrückgang, bei einer Umfrage im März waren es noch 82 Prozent. Zugleich gab nun ein knappes Drittel der Einzelhändler und 27 Prozent der Großhändler an, so stark von der Krise betroffen zu sein, dass sie Personal abbauen müssen.

TV-Tipp
Kleine Germanen – Eine Kindheit in der rechten Szene

Als Kind hat Elsa mit dem geliebten Opa Soldat gespielt. Mit ausgestrecktem rechtem Arm hat sie „Für Führer, Volk und Vaterland!“ gerufen. „Kleine Germanen – Eine Kindheit in der rechten Szene“, eine Mischung aus Animation und Dokumentarfilm, gibt einen Einblick in das Leben rechtsextremer Familien in Deutschland. Er zeigt auf, wie es ist, als Kind in einem solchen Umfeld aufzuwachsen und beschäftigt sich mit der Frage, welche Auswirkungen dies auf das spätere Leben hat. Der 90-minütige Film von Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger ist eine von fünf Produktionen des SWR in der diesjährigen Dokumentarfilm-Staffel im Ersten, zu sehen am Mittwoch, 10. Juni 2020 um 23:30 Uhr. (Erstausstrahlung ARTE am 8. Juni um 22:45 Uhr) Dokumentarfilm mit der Perspektive der Kinder Elsa blickt heute auf eine Kindheit zurück, die auf Hass und Lügen gebaut war, und versucht zu verstehen, was die Erziehung in einem rechtsradikalen Umfeld aus ihr und ihren Kindern gemacht hat. Ausgehend von dieser authentischen Geschichte, die in animierter Form erzählt wird, gewährt der Film in einer spannenden Verbindung aus Animations- und Dokumentarfilm Einblicke in die Strukturen rechtsextremer Familien. Was heißt es, in einem solchen Umfeld aufzuwachsen und tagtäglich darauf getrimmt zu werden, das vermeintlich „Fremde“ zu hassen? Wie ist es, in einer Welt aufzuwachsen, in der Mitgefühl und Zuneigung zweitrangig sind und der Stolz auf „die Nation“ über allem steht? Und was wird aus diesen „kleinen Germanen“, wenn sie später einmal groß sind? Elsa gelingt zwar der Ausstieg aus der rechtsradikalen Szene, aber die Folgen für sie und ihre Familie sind dramatisch. Rechtsradikales Denken in der Mitte der Gesellschaft „Kleine Germanen“ blickt über die traditionellen Strukturen rechtsextremer Gruppierungen hinaus in einen Teil der deutschen Mittelstandsgesellschaft, der von rechtspopulistischen Strömungen unterspült wird. Er konfrontiert das Publikum mit Protagonistinnen und Protagonisten, die einer Ideologie folgen, die dazu führt, dass sie ihre Kinder im Geist einer demokratiefeindlichen Welt erziehen. Sendung: „Kleine Germanen – Eine Kindheit in der rechten Szene“ ist eine Produktion der brave new work und Little Dream Entertainment in Koproduktion mit Golden Girls Film im Auftrag von SWR und ARTE. Das Erste zeigt den Film am Mittwoch, 10. Juni 2020 um 23:30 Uhr. Auf ARTE ist er am Mittwoch, 8. Juni 2020 um 22:45 Uhr zu sehen. Ab Ausstrahlungstermin ist er für zwölf Monate in der ARD Mediathek verfügbar.

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– Fremdenfeindlichkeit – „Ich bin ein Mensch wie Du“: Der rassistische Mord an Ufuk Şahin

„Ich bin ein Mensch wie Du“. Das waren die letzten Worte von Ufuk Şahin, der vor 31 Jahren in Berlin Reinickendorf im Alter von 24 Jahren von einem Rassisten mit einem Messer ermordet wurde.

„Ich bin ein Mensch wie Du“: Der rassistische Mord an Ufuk Şahin

Fremdenfeindlichkeit
„Ich bin ein Mensch wie Du“: Der rassistische Mord an Ufuk Şahin

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de Ufuk Şahin und sein Kumpel Murat P. waren gut befreundet. An einem Frühlingsabend des 12. Mai 1989 tranken beide zunächst Tee und gingen dann im Märkischen Viertel in Berlin spazieren. Während des Spaziergangs begegneten sie Andreas S. und seiner Verlobten Sabine L. Als sie an dem Paar gerade vorbeilaufen, ruft Andreas S. lautstark „Seitdem diese Ausländer hier sind, gibt es keine Sicherheit mehr. Sieh mal da, zwei Kanaken.“ Ohne etwas gesagt zu haben, gehen Ufuk Şahin und sein Freund weiter. Auf dem Rückweg liefen sie in Richtung des Wohnblocks, wo Şahin wohnte und waren fast schon angekommen, bis sie schließlich wieder auf Andreas S. trafen und dieser beide mit den Worten „Ausländer raus!“, „Kanaken raus!“ und „Deutschland den Deutschen!“ anbrüllt. Ufuk Şahin stellt sich vor Andreas S. und fragte ihn, warum er das gesagt habe. Andreas S. zog daraufhin ein Messer und traf Şahin an der Leiste. Beim Angriff wurde eine Hauptschlagader von Ufuk Şahin getroffen, der noch vor Ort verblutete und starb. Der mit seinen Eltern im Alter von fünf Jahren nach West-Berlin eingewanderte Ufuk Şahin wurde nur 24 Jahre alt und hinterließ eine Frau und ein zweijähriges Kind. Nach seiner Heirat mit seiner gleichaltrigen Frau bekamen sie zwei Jahre vor dem Tod von Şahin einen Sohn. Er machte seinen Realschulabschluss und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Schlosser, die er erfolgreich abschloss. Hauptberuflich arbeitete er bei der Berliner Firma Waggon-Union und bewirtschaftete nebenbei einen kleinen Imbiss. Mit den Eltern wohnte die junge Familie im Märkischen Viertel. Ein junger Mann aus dem Viertel beschrieb Şahin als „höflichen jungen Mann“ und eine alte Dame meinte, er sei „anständig und vernünftig gewesen und habe sachlich und vernünftig auf Jüngere eingewirkt, wenn die mal Quatsch“ gemacht hätten. Die damalige ermittelnde Mordkommission der Kriminalpolizei sah keine Anhaltspunkte für ein fremdenfeindliches Motiv des Täters, obwohl dieser wegen Körperverletzung vorbestraft war, Nachbarn und Zeugen ihn als „Ausländerhasser“ beschrieben hatten, der zum Beispiel mit einem Luftdruckgewehr auf Migrantenkinder gezielt habe, militärisch salutiert und im Wald Wehrsportübungen durchgeführt habe. Nach dem rassistischen Mord an Ufuk Şahin veranstalteten verschiedene Gruppen Trauerkundgebungen, bei dem es zu Angriffen auf die Teilnehmer des Trauermarsches durch Neo-Nazis kam. In Schöneberg zeigten Rechtsextremisten den Trauernden den verbotenen Hitlergruß, wurden rassistisch beleidigt und mit Eiern beworfen. Im Oktober 1989 wurde Andreas S. durch ein Berliner Gericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt. Weder das Gericht noch die Staatsanwaltschaft konnten bzw. wollten Anhaltspunkte für ein rassistisches Motiv des Täters erkennen, wenn auch dieser „Ärger über all die Kanaken“ verlautbart hatte. Beim Märkischen Viertel handelt es sich um eine Plattenbausiedlung, die in den 70er Jahren entstand, um auch Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen eine Wohnmöglichkeit zu bieten. Das Märkische Viertel galt seinerzeit als zweitstärkste Hochburg der Partei „Die Republikaner“, die bei der damaligen Wahl im Januar 1989 ins Abgeordnetenhaus gewählt wurde. Die Entscheidung des Gerichts ist leider kein Einzelfall, weil es sowohl vor der Wiedervereinigung wie in diesem traurigen Fall, als auch nach dem Mauerfall rassistische Angriffe und Mordanschläge auf Migranten gegeben hat und bei den Strafverfolgungsbehörden institutioneller Rassismus existiert. Es sage das deshalb, weil beispielsweise im Fall der NSU-Mordserie an acht türkischen, einem griechischen Kleinunternehmer und einer Polizistin dies ganz deutlich geworden ist. Viele Jahre konnten die Terroristen des NSU ungehindert morden, weil bei den Ermittlungsbehörden niemand auf die Idee des Rechtsterrorismus gekommen war und stattdessen die Familien der Opfer jahrelang von der Polizei beschuldigt wurden mit den Morden etwas zu tun gehabt zu haben. Außerdem haben die Verfassungsschutzbehörden bei den Ermittlungen zur NSU-Mordserie in vielen Fällen ihr Wissen nicht mit den Ermittlungsbehörden geteilt. Die Opferfamilien wurden kriminalisiert und gedemütigt, weil diese in den Augen der Ermittlungsbehörden „Täter“ und „Mitwisser“ waren. Bereits 2006 ging der bayerische Kriminalbeamte und Profiler Alexander Horn in seiner erstellten Fallanalyse über die NSU-Mordserie von einem rechtsextremistischen Hintergrund aus, aber niemand bei der ermittelnden Sonderkommission und auch anderen Behörden wollten die Fallstudie des renommierten Profilers ernst nehmen. Nach dem Mord der NSU-Terroristen an Halit Yozgat in Kassel, demonstrierten in Kassel etwa 4.000 Menschen unter dem Motto „Kein 9. Opfer“ und auf Plakaten wurde Aufklärung über die „rassistischen Morde“ gefordert. Die deutsche Öffentlichkeit bekam von dieser Demonstration weitgehend nichts mit, weil es sich bei den meisten Demonstranten um türkischstämmige Migranten handelte. Ich möchte nicht behaupten, dass es keine Deutschen unter den Demonstranten gegeben hat, die hat es mit Sicherheit gegeben, aber die überwiegende Anzahl der Demonstranten waren Türken und über diesen Protest haben die Medien kaum berichtet. Beim Nagelbombenanschlag des NSU in Köln, am 9. Juni 2004, wurden 22 Menschen verletzt, vier davon schwer. Bei den anschließenden Ermittlungen der Polizei haben Anwohner und Familien in der Keupstraße, wo die Bombe des NSU per Fernzündung zur Explosion gebracht wurde, unabhängig voneinander auf ein rassistisches Motiv hingewiesen. Allerdings haben die ermittelnden Strafverfolgungsbehörden es vorgezogen die Hinweise der Anwohner und Gewerbetreibenden nicht weiterzuverfolgen. Die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland einsetzt, geht von mindestens 208 Todesopfern rechter Gewalt seit 1990 aus und 13 weiterer Verdachtsfälle, wohingegen laut Stiftung die Bundesregierung von 94 Tötungsdelikten rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten ausgeht. In Memoriam an Ufuk Şahin und alle anderen Opfer der rassistisch motivierten Morde in Deutschland!

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– Rechtsextremismus – Mölln 1992: Neonazis ermorden drei Türkinnen

Mölln 1992: Neonazis ermorden drei Türkinnen
 

Corona-Krise
EU-Bank sagt für Türkei Wirtschaftswachstum von 6 Prozent voraus

Brüssel – Wie fast alle Länder weltweit, wird auch die türkische Wirtschaft 2020 unter den Folgen der Coronapandemie leiden, so die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in einer Mitteilung am Mittwoch. Allerdings werde sich die türkische Wirtschaft sehr schnell erholen und bereits im kommenden Jahr mit 6 Prozent wachsen, so die EBRD weiter. Während schwächere Einnahmen aus dem Tourismus und die Exportnachfrage zu den Hauptproblemen gehörten, könnten laut der EBRD niedrigere Ölpreise – durch die Abhängigkeit von Energieimporten und die sinkende Inflation – die Wirtschaft des Landes entlasten. Der Bericht warnt jedoch vor einer Verschlechterung der Qualität der Vermögenswerte im türkischen Bankensektor. „Da die Quote der notleidenden Kredite mit 5,3 Prozent auf einem Zehnjahreshoch liegt, dürfte die Schwäche der Lira und die Schrumpfung im Tourismus-, Einzelhandels- und Exportsektor die ohnehin schon angespannte Vermögensqualität der Banken noch weiter belasten, insbesondere angesichts des großen Überhangs an Devisen denominierten Schulden im Unternehmenssektor. Die Erholung werde von einer allmählichen Lockerung der inländischen Beschränkungen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus und einer Rückkehr zur Normalität in der zweiten Jahreshälfte abhängen, so die EBRD weiter. Auf die Frage, ob die Türkei von den niedrigen Ölpreisen profitieren könne, sagte Roger Kelly, der leitende Regionalökonom der Bank für die Türkei, Rumänien und Bulgarien, gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu:
„Dies ist sicherlich der Fall für die Türkei. Sie ist eines der vielen Länder, die von sinkenden Ölpreisen profitieren. Eine der ständigen Sorgen, die wir wegen der Höhe des Leistungsbilanzdefizits der Türkei haben. Einer der Hauptverantwortlichen für dieses Defizit sind die Energieimporte.“
Er fügte hinzu:
„Die Energiekosten gehen zurück. Wir gehen davon aus, dass ein Ölpreisrückgang um 10 Dollar etwa 3,5-4 Milliarden Dollar [aus dem Leistungsbilanzdefizit] verringern wird. Zusätzlich zu den Auswirkungen auf die Leistungsbilanz gibt es disinflationäre Auswirkungen, ein Ölpreisrückgang um 10 Dollar würde eine Inflation von knapp 1 Prozentpunkt bedeuten. Dies würde auch eine Art Unterstützung für die Türkei darstellen“.
Während die Welt allmählich aus der Krise herauskommt, sei es entscheidend, in eine Zukunft der Zusammenarbeit und einer größeren wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit zu blicken. „Die Krise hat uns massiv getroffen, und es wird eine ebenso große Herausforderung sein, aus ihr herauszukommen. Dies ist nicht die Zeit für wirtschaftlichen Nationalismus und Protektionismus, sondern für die Gestaltung einer besseren Zukunft durch internationales Engagement für Freihandel, Klimaschutz und wirtschaftliche Zusammenarbeit“, so Beata Javorcik, Chefökonomin bei der EBRD.

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– Corona-Krise – USA: Höchste Arbeitslosenquote seit dem Zweiten Weltkrieg

In den USA ist die Arbeitslosigkeit inmitten der Corona-Krise extrem angestiegen.

USA: Höchste Arbeitslosenquote seit dem Zweiten Weltkrieg

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Virtual Reality: Einsatzmöglichkeiten mit Potential

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WERBUNG Die Geschichte der Virtual Reality, kurz VR, reicht bis in die 1960er zurück. So entwickelte damals Ivan Sutherland, Professor an der Universität von Utah, gemeinsam mit einigen Studenten das erste VR-Headset. Allerdings war die damalige Technik bei weitem nicht ausgereift. Sutherlands VR-Headset war deshalb nicht nur sehr schwer, weshalb es zusätzlich an der Decke aufgehängt werden musste. Stattdessen konnten auch nur äußerst simple Objekte animiert und dargestellt werden, weshalb die Erfindung kaum Einsatzmöglichkeiten bot. Die heutige Situation ist eine völlig andere. So konnte sich dank der leichten und technisch leistungsstarken Geräte eine ganze Branche etablieren, die immer neue Lebensbereiche für sich entdeckt. Doch wo kommt die Virtual Reality eigentlich bereits zum Einsatz und in welchen Branchen ist in den nächsten Jahren mit weiteren Fortschritten zu rechnen? Virtual Reality spielt aktuell bereits in der Unterhaltungsindustrie eine große Rolle. Dabei profitiert vor allem die Spielebranche von der Entwicklung. Seit 2016 gibt es eine ganze Reihe von Unternehmen, darunter auch Facebook, Samsung, Lenovo und Valve, die sich positionieren und durch eigene Geräte vertreten sind. Für den Endkonsumenten ergibt sich hierdurch eine große Auswahl an vergleichsweise günstigen VR-Headsets. Gleichzeitig steigt auch das Angebot an Unterhaltungssoftware und Spielen stetig weiter an, da immer mehr Verbraucher über das notwendige Endgerät verfügen. Als ein Durchbruch wurde in diesem Zusammenhang der Release des VR-Spiels Half Life: Alyx angesehen, das Anfang 2020 eindrucksvoll aufzeigte, was in den nächsten Jahren mit dieser Technik möglich sein wird. Allein auf der größten PC-Spieleplattform Steam, die etwa 90 Millionen aktive registrierte Nutzer verzeichnet, verfügen rund 2 Millionen Spieler über ein VR-Headset. Die Revolution der Spielebranche hat demnach bereits begonnen. Doch auch abseits von Videospielen wird die Virtual Reality zunehmend genutzt. Ein Beispiel hier wären VR Online Casinos. In diesen betritt der Nutzer ein gesamtes Casino und kann sich frei in diesem bewegen. So ist es ihm beispielsweise möglich, mit anderen Spielern per Sprachchat an der Bar in Kontakt zu treten oder zu einem Tischspiel zu gehen, um dort Black Jack oder Roulette zu spielen. VR-Casinos stehen dabei noch am Anfang ihrer Entwicklung. Mit der weiteren Verbreitung und Weiterentwicklung dieser Technik dürften sich aber auch zunehmend große VR-Casinos durchsetzen und ein realitätsnahes Spielerlebnis bieten. Bei Online Casinos im Test werden Nutzer also auch zunehmend Ableger der virtuellen Realität vorfinden. Die Virtual Reality kann heute aber bereits mehr als nur Unterhaltung. Stattdessen wird diese Technik bereits seit vielen Jahren beim Militär, im Gesundheitswesen und in der Forschung zu Ausbildungszwecken eingesetzt. Soldaten lernen so beispielsweise einen Panzer in Gefechtssituationen zu fahren, wohingegen Ärzte komplexe Operationen einüben können. All diesen Lernfeldern ist gemeinsam, dass sie Lernsituationen simulieren, die grundsätzlich gefährlich sind oder kaum anders eingeübt werden könnten. In manchen Fällen bleibt der Einsatz von VR aber nicht nur auf Schulungszwecke begrenzt. So lässt sich hierdurch auch eine effiziente Fernsteuerung von Gerätschaften erreichen, indem etwa Chirurgen an einem weit entfernten Patienten über Maschinen und in VR operieren oder Soldaten Drohnen mit dieser Technik steuern. Es gibt darüber hinaus noch zahlreiche weitere Anwendungsfelder, in denen sich die Virtual Reality aber noch nicht vergleichbar durchsetzen konnte. Grund dafür sind unter anderem die weiterhin hohen Gerätepreise, die noch ausbaufähige Technik, ein mangelndes Softwareangebot oder schlicht die noch fehlende Etablierung und Akzeptanz. Beispielsweise verzichtet bisher die Bildungsbranche weitestgehend auf VR-Headsets. Allenfalls kulturelle Institutionen wie Museen und Galerien oder aber private Anbieter erlauben bereits das Lernen und Erleben in einer künstlichen Umgebung. Dennoch gibt es bereits Bemühungen, entsprechende Programme für den Bildungssektor zu optimieren. Andererseits profitierte auch der Sport bisher kaum von der virtuellen Realität. Zwar gibt es bereits die Möglichkeit, sportliche Ereignisse in VR zu verfolgen oder aber selbst an E-Sport Events als VR-Sportler teilzunehmen. Dennoch bleiben diese Möglichkeiten weiterhin ein Nischenangebot, das wohl erst in den kommenden Jahrzehnten sein volles Potential entfalten wird.

Corona-Krise
Ex-SPD-Chef Martin Schulz hält Bundesliga-Start für riskant

Köln – Der frühere SPD-Vorsitzende und Fußballfan Martin Schulz sieht die Fortsetzung des Spielbetriebs in der Fußball-Bundesliga äußerst skeptisch. „Das Ganze kann auch gewaltig schiefgehen“, sagte Schulz in einem Interview des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er freue sich, wenn der Ball wieder rolle. „Doch auf der anderen Seite muss ich auch die verschiedenen Risiken betrachten. Und die medizinischen gibt es definitiv.“ Bei vielen Menschen könnte es zudem „so rüberkommen, dass die Bundesliga privilegiert ist, während der überwiegende Teil der Gesellschaft derzeit auf vieles verzichten und so viel schultern muss“. Dass nach zwei Corona-Fällen die Mannschaft von Dynamo Dresden habe in Quarantäne gehen müssen, zeige „welch dünnes Eis man da betritt“. Wenn das Hygiene-Konzept der Deutschen Fußball Liga funktioniere, wäre das „großartig“, so Schulz. „Wenn es aber schiefgeht, dann wäre einer der größten und wirtschaftlich stärksten Sportverbände der Welt mit diesem Ansatz gescheitert. Und das hätte dann auch große politische und sportpolitische Auswirkungen.“

Verschwörungsmythen
Bill Gates und sein angeblicher Plan der Bevölkerungsreduktion

Ein Kommentar des Herausgebers Gleichwie auch Weltkrisen der Vergangenheit – wie etwa die Spanische Grippe Anfang des vergangenen Jahrhunderts mit fast 50 Millionen Toten – hat auch die Corona-Pandemie die skurrilsten Fantastereien und Verschwörungstheorien zum Vorschein gebracht. Wo früher noch die Bankiersdynastie Rothschilds und später die Unternehmerfamilie Rockefeller sowie jüngst auch US-Investor George Soros für alle Krisen der Welt verantwortlich gemacht wurden, bringen Fans von Verschwörungsmythen in letzter Zeit nun einen „neuen Bösewicht“ mit allem Übel dieser Welt in Verbindung. „Bill Gates regiert die Welt“ Microsoft-Gründer Bill Gates regiere mit seiner Frau Melinda die Welt und plane durch weltweite Zwangsimpfungen Menschen Chips zu implantieren, um diese überwachen zu können. Nach diesen Theorien sollen durch die Impfungen auch heimlich Frauen sterilisiert und dadurch die Weltbevölkerung reduziert werden. Das Coronavirus sei in einem Labor entwickelt worden und Gates stecke höchstpersönlich dahinter. Diese Theorien bekommen weltweit Zulauf. Einige Mythen gehen sogar so weit und behaupten, dass Gates – gemeinsam mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton – Kinder opfere, obwohl er, ganz im Gegenteil zu diesen Vorwürfen, durch Millionenspenden für Polio-Impfungen eigentlich dafür sorgt, dass weltweit Kinder am Leben bleiben. Polio oder Kinderlähmung – abgekürzt für Poliomyelitis anterior acuta oder spinale Kinderlähmung – ist eine hoch ansteckende akute Infektionskrankheit mit dem Polio-Virus. Gates gründete mit seiner Frau Melinda im Jahr 2000 die aktuell größte gemeinnützige Stiftung der Welt mit einem Vermögen von 47 Milliarden US-Dollar, die „Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung“ um diese Krankheiten zu bekämpfen. Gewinnorientiert arbeitet sie nicht – ihr erklärtes Ziel ist es, bis 20 Jahre nach dem Tod von Bill und Melinda Gates alle Finanzmittel aufgebraucht zu haben. Bereits lange vor der weltweiten Corona-Pandemie warnte Gates vor den Gefahren einer solchen Situation. Verschwörungstheorien versprechen einfache Erklärungen In Krisen verbreiten sich Verschwörungstheorien leichter. Sie versprechen „einfache Erklärungen und bestätigen bereits vorhandene Meinungen. Die Theorien fallen also dann auf fruchtbaren Boden, wenn sie ins eigene Weltbild passen, so Andreas Jungherr, Professor an der Universität Konstanz für den Studiengang „Social Science Data Collection and Analysis“ (Sozialwissenschaftliche Datenerfassung und Analyse) gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Mit Verschwörungstheorien um Bill Gates könne man die Schwere der Corona-Pandemie herunterspielen. „Was vorher objektiv notwendig und wissenschaftlich begründet schien, kann jetzt als im Interesse einer globalen Elite diskreditiert werden“, erklärt der Experte für Sozial- und Wirtschaftsdaten. Zudem könnten wirtschaftliche Interessen dahinterstecken. „Verschwörungstheorien sind kontrovers und ziehen Klicks, die werden wiederum durch Werbung monetisiert“, erläutert Jungherr. Vielen gehe es mit ihren Youtube-Channels darum, Besucher anzuziehen. Jungherr: „Hier sind kontroverse Verschwörungstheorien attraktiv.“ Lassen sich aber bestimmte Phänomene nicht mehr abstreiten – beispielsweise Aussagen von Ärzten, die über die schwierige Behandlung von Covid-19-Patienten berichten oder die weltweit steigende Zahl von Todesopfern – werden die Angaben generell angezweifelt oder geleugnet, so der ARD-Faktenfinder. 

 „Diese Annahmen reduzieren Komplexität, gestatten es zudem, eigene Ängste zu binden und Aggressionen berechtigterweise zu äußern – man wird ja schließlich von einer bedrohlichen und viel stärkeren, anonymen Macht verfolgt“, sagte der Sozialpsychologe Dr. Uwe Krüger von der Universität Leipzig, im Gespräch mit dem MDR.

„Es existiert ein hohes Maß an Verunsicherung in der Bevölkerung“, sagt der Kommunikationspsychologe Prof. Tobias Rothmund von der Universität Jena. „Kaum jemand hat eine solche Situation schon einmal erlebt. Menschen haben Angst, suchen nach Erklärungen, wollen die aktuelle Entwicklung am liebsten nicht wahrhaben.“

„Bill Gates scheint da als Projektionsscheibe ideal“, erklärt Nikil Mukerji, der sich als Philosoph in München mit den Phänomen der Verschwörungstheorien beschäftigt, dem Bayerischen Rundfunk. „Gates hat viel Geld – was ihn per se für viele Menschen verdächtig macht – und er hat weit weniger unter der Pandemie zu leiden als wirtschaftlich schlechter Gestellte“, so Mukerji weiter. Viele hätten Angst um ihre wirtschaftliche Existenz oder bereits ernste Schwierigkeiten. Es sei psychologisch nachvollziehbar, so Mukerji, dass man das jemandem in die Schuhe schieben wolle und einen Schuldigen suche.
Was steckt hinter den Gates-Behauptungen? Bill Gates will durch Zwangsimpfungen die Weltbevölkerung reduzieren Die Behauptungen über Gates basieren zumeist auf wenigen Zitaten, die aus dem Kontext gerissen oder bewusst falsch interpretiert werden. Seit Jahren wird im Internet etwa behauptet, der Milliardär habe gesagt: „Impfen ist die beste Art der Bevölkerungsreduktion.“ Die Aussage wird in verschiedenen Versionen verbreitet, mitunter ohne Quellenangabe. Nicht erst seit der Corona-Krise sieht sich Gates persönlich dem Vorwurf ausgesetzt verborgene niedere Beweggründe zu verfolgen. Gehen wir für einen Moment mal davon aus, dass Bill Gates wirklich einen diabolischen Plan zur Bevölkerungsreduktion geschmiedet hat, um die Welt für sich und seine Frau Melinda allein zu haben und seine 106,3 Milliarden US-Dollar (Stand 2020) in Ruhe ausgeben zu können. Solch einen teuflischen Plan würde ein Mann mit der Intelligenz eines Gates mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit jedoch nicht während einer Rede vor Millionen Zuhörern Preis geben. Gates hielt 2010 auf der Innovations-Konferenz „TED-Talks“ in Monterey, Kalifornien eine Rede, in der er verschiedene Ideen erörterte, wie die globalen Kohlenstoffemissionen auf Null reduziert werden können. Er stellt eine Gleichung für den globalen Kohlenstoffausstoß auf, die besagt, dass der globale Kohlenstoffausstoß mit der Anzahl der Menschen auf der Erde in Beziehung stehe. Man muss jedoch zugeben, dass er sich bei dem im Netz millionenfach geteilten Satz unglücklich ausgedrückt hat.
„Erstens, wir haben die Bevölkerung. Die Welt hat heute 6,8 Milliarden Menschen. Diese wird auf etwa neun Milliarden ansteigen. Wenn wir in den Bereichen neue Impfstoffe, Gesundheitsfürsorge und reproduktive Gesundheitsfürsorge wirklich gute Arbeit leisten, könnten wir diese Zahl vielleicht um 10 oder 15 Prozent senken, das wäre jedoch trotzdem ein Anstieg von etwa 1,3 Prozent“
Aus diesem Zitat entstanden im Laufe der Jahre dann Youtube-Videos mit Titeln wie
Bill Gates will eine Milliarde (Menschen) tot sehen! Impfungen und Gesundheitsversorgung erledigen den Job!
Den Zusammenhang von Impfungen und einem schwächeren Bevölkerungswachstum hat Gates bereits in einem offenen Brief aus dem Jahr 2009 beschrieben. Je mehr Kinder demnach geimpft werden, desto länger leben sie. Wenn mehr Kinder überleben, müssen Eltern weniger Kinder in die Welt setzen, um von ihnen später, wenn sie alt werden, Unterstützung zu bekommen. Eine geringere Kindersterblichkeit führt demnach dazu, dass Frauen weniger Kinder bekommen, so der dpa-Faktencheck. Während seiner vielen Studien sah Gates, dass, wenn die Sterblichkeitsrate – konkret unter 10 Todesfälle pro 1.000 Menschen fällt – die Geburtenrate folgt und sich das Bevölkerungswachstum stabilisiert. „Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand“, sagte Gates in einem Gespräch mit dem US-Magazin Forbes 2011. „Wie sich herausstellt, entscheiden sich die meisten Eltern nicht dafür acht Kinder zu haben, weil sie große Familien haben wollen, sondern weil sie wissen, dass viele ihrer Kinder sterben werden“, so Gates. „Wenn eine Mutter und ein Vater wissen, dass ihr Kind das Erwachsenenalter erreichen wird, fangen sie auf natürliche Weise an, ihre Bevölkerungszahl zu verringern“, sagte Melinda Gates. Correctiv zitiert hierzu die US-Factchecking-Website Snopes.com:
„Eine überraschende Erkenntnis war für uns, dass die Verringerung der Zahl der Todesfälle das Bevölkerungswachstum reduziert. […] Im Gegensatz zur malthusianischen Sichtweise, dass die Bevölkerung wächst, solang Kinder ernährt werden können, bekommen Eltern tatsächlich so viele Kinder, dass die Chancen hoch genug sind, dass einige von ihnen überleben, um sie im Alter zu unterstützen. Wächst die Zahl der Kinder, die das Erwachsenenalter erreichen, können Eltern dieses Ziel erreichen, ohne so viele Kinder zu bekommen.“
Hierzu ein Artikel des The Economist:
Die makroökonomische Forschung bestätigt dieses Bild. Die Fruchtbarkeit beginnt bei einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 1.000-2.000 Dollar zu sinken und sinkt bis zum Erreichen des Reproduktionsniveaus bei einem Pro-Kopf-Einkommen von 4.000-10.000 Dollar pro Jahr . Damit wird in etwa der Übergang von der Armut zum Status des mittleren Einkommens und von einer Agrargesellschaft zu einer modernen Gesellschaft verfolgt. […] Der Zusammenhang zwischen Lebensstandard und Fruchtbarkeit besteht auch innerhalb der Länder. Der ärmste Bundesstaat Indiens, Bihar, hat eine Fruchtbarkeitsrate von 4; die reicheren Bundesstaaten Tamil Nadu und Kerala haben Raten unter 2; Shanghai hat seit 1975 eine Fruchtbarkeitsrate von weniger als 1,7; in Guizhou, der ärmsten Provinz Chinas, liegt die Rate bei 2,2. Der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Fruchtbarkeit ist so stark, dass die wenigen Länder, in denen die Fruchtbarkeit nicht sinkt, die vom Krieg zerrissenen Länder wie Kongo, Liberia und Sierra Leone sind, in denen der Lebensstandard nicht gestiegen ist.
Wie Correctiv weiter schreibt, heißt es auf der Website der „Bill and Melinda Gates Foundation“, ihre Impfkampagne wolle „mehr als 11 Millionen Todesfälle, 3,9 Millionen Fälle von Behinderung und 264 Millionen Krankheiten bis 2020 verhindern, durch einen hohen, gerechten und nachhaltigen Impferfassungsgrad“.
(Foto: UN)
„Bill Gates will Menschen über eine Impfung Mikrochips implantieren lassen“ Ein weiterer Vorwurf gegen den 66-jährigen Microsoft-Gründer, der momentan die Runde macht, lautet, dass Gates Menschen über eine Impfung gegen den Sars-CoV-2-Erreger zugleich Mikrochips implantieren lassen wolle, um totale Kontrolle zu erhalten. In einem Diskussionsforum sagte Gates im März 2020, dass es irgendwann eine Art „digitaler Zertifikate“ geben werde, die zeigten, wer die Erkrankung bereits durchgestanden hat, kürzlich getestet beziehungsweise – soweit irgendwann möglich – geimpft worden sei. Gates bezog sich auf digitale Zertifikate als Teil der Bemühungen, eine digitale Plattform zu schaffen, die die selbstverwalteten Tests für Covid-19 zu Hause erweitern würden. Seine Antwort:
Die Frage, welche Unternehmen weitermachen sollen, ist heikel. Sicherlich die Nahrungsmittelversorgung und das Gesundheitssystem. Wir brauchen immer noch Wasser, Strom und das Internet. Lieferketten für kritische Dinge müssen aufrechterhalten werden. Die Länder überlegen noch, was sie weiterführen sollen. Irgendwann werden wir digitale Zertifikate haben, aus denen hervorgeht, wer wieder gesund wurde, wer kürzlich getestet wurde oder, sobald wir einen Impfstoff haben, wer ihn erhalten hat.
Diese Aussage wurde zudem mit vollkommen anderen Projekten vermischt, die von der Gates-Stiftung unterstützt werden – etwa Forschungen zur digitalen Identifizierung, zu einer Technik, die Impfungen im Infrarotlicht auf der Haut anzeigt, sowie zu Verhütungsmethoden via Mikrochips. Mit Corona haben sie nichts zu tun.

„Bill Gates hat die WHO gekauft“

Die „Bill und Melinda Gates Stiftung“ ist ein wichtiger Geldgeber der WHO und finanziert etwa 10 Prozent und nicht wie in den Vorwürfen behauptet 80 Prozent des Beitragsaufkommens. Die WHO finanziert sich zu etwa 80 Prozent aus freiwilligen Beiträgen, wie denen von Bill und Melinda Gates.  

Bildung
Eltern in NRW sind unzufrieden mit Heimunterricht in der Corona-Krise

Düsseldorf – Das Unterrichten ihrer Kinder wird für Eltern zunehmend zum Ärgernis, auch weil es an Unterstützung durch die Schulen fehlt. Knapp ein Drittel von über 1000 befragten Eltern in NRW hatte in der Zeit der Schulschließungen keinen Kontakt zu den Lehrern des Kindes, wie aus einer Umfrage des Elternvereins NRW hervorgeht, die der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vorliegt. Mehr als die Hälfte der Schüler (58,5 Prozent) bekam keine regelmäßige Korrektur oder Feedback auf ihre Aufgaben. Der Elternverein NRW hatte die landesweite Befragung am 25. April gestartet. Binnen zwölf Tagen beteiligten sich 1058 Eltern. Außerdem gaben 28,9 Prozent an, dass ihre Kinder zu Hause überhaupt nicht zum Lernen zu motivieren seien, weitere 51,6 Prozent sagten, dies sei nur in einzelnen Fächern möglich. Für viele Eltern wird der Heimunterricht inzwischen zu einer großen Belastung: Mehr als die Hälfte (51,4 Prozent) muss mindestens zwei Stunden täglich dafür aufwenden. 58,6 Prozent der Kinder können die Lernaufgaben nicht allein bewältigen. In vielen Familien (54,1 Prozent) ist es so aufgeteilt, dass nur ein Elternteil den Heimunterricht übernimmt. „Die Eltern brauchen dringend klare, einheitliche und machbare Konzepte für die nächsten sieben Wochen Homeschooling“, forderte Andrea Heck, Vorsitzende des Elternvereins NRW.

Zum Thema

– Corona-Krise – Lauterbach: „Regulärer Unterricht fällt mindestens ein Jahr aus“

Wegen der Corona-Pandemie sind Schulen seit März geschlossen. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die Lockerungen einiger Bundesländer scharf verurteilt.

Lauterbach: „Regulärer Unterricht fällt mindestens ein Jahr aus“

Corona-Krise
Laschet will Quarantäne-Regeln nach Auslandsreisen lockern

Düsseldorf – NRW-Ministerpräsident Armin Laschet dringt in der Corona-Krise auf weitere Lockerungen. Im Interview mit der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ sagte der CDU-Politiker:
„Dass die Europa-Brücke zwischen Kehl und Straßburg gesperrt ist, schmerzt mich seit Wochen. Dass Sie ausgerechnet nicht nach Schengen über die Mosel dürfen und dort die Fahnen auf halbmast wehen, ist ebenfalls schmerzhaft.“
Ohne den Binnenmarkt mit offenen Grenzen könne auch Deutschland die Krise nicht überwinden. „Bis zum 15. Mai gelten noch die vom Bundesinnenminister verfügten Grenzkontrollen. Wenn Frankreich den Lockdown am 11. Mai beendet, brauchen wir eine Lockerung der Quarantäne-Maßnahmen für Rückkehrer aus den europäischen Ländern“, sagte Laschet. Er sei mit seiner Amtskollegin aus Rheinland-Pfalz und dem Kollegen aus dem Saarland einer Meinung. Laschet ergänzte, der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas gelinge nur gemeinsam:
„Aus meiner Sicht waren die vergangenen Wochen zu sehr nationalstaatlich und zu wenig europäisch geprägt. Die Zukunft Europas macht mir große Sorgen. Wir brauchen neue europäische Ideen in einer Welt nach der Pandemie.“
Laschet lobt enges Verhältnis von Seehofer und Merkel Laschet, hat auf die Frage, was er vom Vorstoß von Innenminister Horst Seehofer (CSU) für eine fünfte Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel hält, das enge Verhältnis der beiden Unionspolitiker gelobt: „Ich freue mich, dass Horst Seehofer und Angela Merkel jetzt so eng beieinander sind, dass er sich das vorstellen kann. Das ist ein gutes Signal für Deutschland“, sagte Laschet der  „Rheinischen Post“. Laschet fügte hinzu: „Darüber hinaus sollten wir respektieren, was die Kanzlerin selbst dazu gesagt hat.“

Musikgeschichte
Erkin Koray: Wegbereiter des Anatolischen Rock

Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de Der bescheidene Musiker mit seiner E-Gitarre – Erkin Koray Im zarten Alter von fünf Jahren brachte ihm seine Mutter das Klavierspielen bei, die als Klavierlehrerin unterrichtete. Erkin Koray, einer der einflussreichsten Musiker der türkischen Rockmusik, gilt als Wegbereiter des Anadolu Rock (Anatolischer Rock) und als einer der Künstler, der den psychedelic Rock in der Türkei etablierte. Dem Musiker schwebte eine Vermischung von anatolischen Musikelementen mit dem psychedelic Rock vor, aber auch der Hippie Rockmusik. Er wurde am 24. Juni 1941 in Istanbul geboren und spielte neben Klavier auch Gitarre. Koray besuchte das deutsche Gymnasium am Bosporus und gründete mit ein paar Schulfreunden die Band „Erkin Koray ve Ritimcileri“ (Erkin Koray und seine Taktgeber). Hin und wieder spielte er mit seiner Gruppe auf kleinen Veranstaltungen, bevor er mit 16 Jahren am Galatasaray-Gymnasium ein Klavierkonzert gab. Seine musikalische Begabung sprach sich rum, fortan spielte er in den Bars und Kneipen der Stadt. Seine ersten beiden Singles hießen „Bir Eylül Akşamı“ (An einem Septemberabend) und der englischsprachige Song „It’s So Long“, die 1961 erschienen. Das erwähnte Lied an einem Septemberabend ist in dem Video übrigens mit deutschen Untertiteln.
1968 nahm Koray am Musikwettbewerb „Altın Mikrofon“ (Das goldene Mikrofon) teil und belegte am Ende den 4. Platz. Eine Plattenfirma brachte die beiden Lieder von Koray „Meçhul“ (Unbekannt) und „Çiçek Dağı“ (Der Blumenberg) auf den Markt und landete damit einen echten Hit. Von beiden sollen jeweils über 800.000 Singles verkauft worden sein.
1969 gründete Erkin Koray die Band „Yeraltı Dörtlüsü“ (Das Untergrund-Quartett) und wurde damit zum Vorreiter der Underground Musik in der Türkei. Es folgten weitere Experimente mit Bandgründungen, aus dem der fast philosophisch anmutende Song „Aşka inanmıyorum“ (Ich glaube nicht an die Liebe) entstand und als die produktivste Schaffensphase dieses großen Musikers angesehen werden kann.
Fast legendär ist das Lied „Fesuphanallah“ (Mein Gott!), das gerne im Chor auf Festen und Clubs noch immer gesungen wird.
Über die melancholische Liebe eines jungen Paares thematisiert das 1974 veröffentlichte Lied „Cemalim“ (Mein lieber Cemal).
Man gerät zwangsläufig ins Schwärmen: Was für eine Stimme von Erkin Koray, die Melodie und der deutlich hörbare Sound der E-Gitarre. Der Künstler lebte viele Jahre in den Niederlanden, Deutschland als auch in Kanada. Nach seiner endgültigen Rückkehr in den 80er Jahren gelang ihm mit dem Song „Çöpçüler“ (Die Müllmänner) ein musikalisches Revival. Ein Lied über Liebeskummer und seine aufrichtige Suche nach dem verlorenen Glück. Hier ein Auszug aus dem Lied, das ich frei ins Deutsche übersetzt habe:
„In der Liebe habe ich kein Glück Ich weine und habe viele Sorgen Ich habe meine Liebe verloren Ich fragte und fragte, aber niemand hat es gefunden“.
https://www.youtube.com/watch?v=rXM9XMhiPx8&list=RDrXM9XMhiPx8&start_radio=1 1996 veröffentlichte Koray das Album „Gün ola Harman ola“ (Morgen ist ein anderer Tag), das die Erwartungen nicht erfüllen konnte, obwohl es gute Kritiken erhielt. Drei Jahre später, 1999, folgte das Album „Devlerin nefesi“ (Der Atem der Giganten). Der bescheidene Musiker, der respektvoll auch „Erkin Baba“ genannt wird, erklärte einmal auf die Frage, wann er denn von der Bühne abzutreten gedenke:
„Wenn die Bühne nicht von mir abtritt, kann ich von der Bühne nicht lassen. Vor allem dann nicht, wenn der Sänger der Rolling Stones, Herr Mick Jagger, nicht aufhört, werde ich erst recht nicht aufhören.“
In diesem Sinne möge Erkin Koray ein langes Leben beschieden sein.

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Kemal Bölge ist Politologe, Historiker, Verleger und freier Journalist