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Musikgeschichte
Erkin Koray: Wegbereiter des Anatolischen Rock

Im zarten Alter von fünf Jahren brachte ihm seine Mutter das Klavierspielen bei, die als Klavierlehrerin unterrichtete. Erkin Koray, einer der einflussreichsten Musiker der türkischen Rockmusik, gilt als Wegbereiter des Anadolu Rock (Anatolischer Rock) und als einer der Künstler, der den psychedelic Rock in der Türkei etablierte.

(Archivfoto. Screenshot/Youtube)
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Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de

Der bescheidene Musiker mit seiner E-Gitarre – Erkin Koray

Im zarten Alter von fünf Jahren brachte ihm seine Mutter das Klavierspielen bei, die als Klavierlehrerin unterrichtete. Erkin Koray, einer der einflussreichsten Musiker der türkischen Rockmusik, gilt als Wegbereiter des Anadolu Rock (Anatolischer Rock) und als einer der Künstler, der den psychedelic Rock in der Türkei etablierte.

Dem Musiker schwebte eine Vermischung von anatolischen Musikelementen mit dem psychedelic Rock vor, aber auch der Hippie Rockmusik. Er wurde am 24. Juni 1941 in Istanbul geboren und spielte neben Klavier auch Gitarre. Koray besuchte das deutsche Gymnasium am Bosporus und gründete mit ein paar Schulfreunden die Band „Erkin Koray ve Ritimcileri“ (Erkin Koray und seine Taktgeber). Hin und wieder spielte er mit seiner Gruppe auf kleinen Veranstaltungen, bevor er mit 16 Jahren am Galatasaray-Gymnasium ein Klavierkonzert gab.

Seine musikalische Begabung sprach sich rum, fortan spielte er in den Bars und Kneipen der Stadt. Seine ersten beiden Singles hießen „Bir Eylül Akşamı“ (An einem Septemberabend) und der englischsprachige Song „It’s So Long“, die 1961 erschienen. Das erwähnte Lied an einem Septemberabend ist in dem Video übrigens mit deutschen Untertiteln.

1968 nahm Koray am Musikwettbewerb „Altın Mikrofon“ (Das goldene Mikrofon) teil und belegte am Ende den 4. Platz. Eine Plattenfirma brachte die beiden Lieder von Koray „Meçhul“ (Unbekannt) und „Çiçek Dağı“ (Der Blumenberg) auf den Markt und landete damit einen echten Hit. Von beiden sollen jeweils über 800.000 Singles verkauft worden sein.

1969 gründete Erkin Koray die Band „Yeraltı Dörtlüsü“ (Das Untergrund-Quartett) und wurde damit zum Vorreiter der Underground Musik in der Türkei. Es folgten weitere Experimente mit Bandgründungen, aus dem der fast philosophisch anmutende Song „Aşka inanmıyorum“ (Ich glaube nicht an die Liebe) entstand und als die produktivste Schaffensphase dieses großen Musikers angesehen werden kann.

Fast legendär ist das Lied „Fesuphanallah“ (Mein Gott!), das gerne im Chor auf Festen und Clubs noch immer gesungen wird.

Über die melancholische Liebe eines jungen Paares thematisiert das 1974 veröffentlichte Lied „Cemalim“ (Mein lieber Cemal).

Man gerät zwangsläufig ins Schwärmen: Was für eine Stimme von Erkin Koray, die Melodie und der deutlich hörbare Sound der E-Gitarre. Der Künstler lebte viele Jahre in den Niederlanden, Deutschland als auch in Kanada. Nach seiner endgültigen Rückkehr in den 80er Jahren gelang ihm mit dem Song „Çöpçüler“ (Die Müllmänner) ein musikalisches Revival. Ein Lied über Liebeskummer und seine aufrichtige Suche nach dem verlorenen Glück.

Hier ein Auszug aus dem Lied, das ich frei ins Deutsche übersetzt habe:

„In der Liebe habe ich kein Glück
Ich weine und habe viele Sorgen
Ich habe meine Liebe verloren
Ich fragte und fragte, aber niemand hat es gefunden“.

1996 veröffentlichte Koray das Album „Gün ola Harman ola“ (Morgen ist ein anderer Tag), das die Erwartungen nicht erfüllen konnte, obwohl es gute Kritiken erhielt. Drei Jahre später, 1999, folgte das Album „Devlerin nefesi“ (Der Atem der Giganten). Der bescheidene Musiker, der respektvoll auch „Erkin Baba“ genannt wird, erklärte einmal auf die Frage, wann er denn von der Bühne abzutreten gedenke:

„Wenn die Bühne nicht von mir abtritt, kann ich von der Bühne nicht lassen. Vor allem dann nicht, wenn der Sänger der Rolling Stones, Herr Mick Jagger, nicht aufhört, werde ich erst recht nicht aufhören.“

In diesem Sinne möge Erkin Koray ein langes Leben beschieden sein.

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Kemal Bölge ist Politologe, Historiker, Verleger und freier Journalist