Libyen-Krise
Libyen: Kooperation mit der Türkei ist unser Recht

Tripolis – Die Zusammenarbeit mit dem NATO-Mitglied Türkei sei ein natürliches Recht, das sich aus der Souveränität Libyens ergebe, sagte der Untersekretär des libyschen Verteidigungsministeriums am Dienstag. Die Zusammenarbeit zwischen der libyschen Regierung und der Türkei werde in transparenter und klarer Weise umgesetzt. „Die Zusammenarbeit zwischen Tripolis und Ankara steht im Einklang mit dem Völkerrecht“, so Salahuddin Al-Namroush in einem Beitrag auf Facebook. „Der Kriegsverbrecher Haftar zögert nicht, seine Angriffe fortzusetzen, um die Macht zu übernehmen. Doch trotz der Verbrechen und Massaker, die von Haftar begangen wurden, hat er versagt“, sagte Al-Namroush. Am Montag gaben die libyschen Streitkräfte bekannt, dass sie die Kontrolle über den strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt Al-Watiya wiedererlangt haben. Der Stützpunkt war etwa sechs Jahre lang unter der Kontrolle Haftars und wurde für mehrere Angriffe gegen die Regierung genutzt, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu.  Die Truppen unter dem Befehl Haftars wurden gleichzeitig auch aus Vororten Tripolis‘ abgezogen. Trotz Unterstützung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Russland und Ägypten seien die Verbände auf dem Rückzug. Berichten zufolge gebe es große Nachschubprobleme. Die Truppen der Einheitsregierung aus Tripolis, die mittlerweile hauptsächlich von der Türkei unterstützt werden, sind auf dem Vormarsch. Seit Monaten werden Waffen und Munition in das Land gebracht. Das Kriegsgeschehen in Libyen hat sich mit dem militärischen Einsatz der Türkei, der im Dezember vergangenen Jahres begann, verändert. Der von der UN anerkannte libysche Regierungschef Fayiz as-Sarradsch kann sich nach einem Abkommen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan auf Korkut-Flugabwehrysteme und vor allem Bayraktar-TB2-Drohnen aus türkischer Produktion verlassen. Laut der israelischen Fachzeitschrift Israel Defense sei die Bayraktar TB2 eine der besten Drohnen weltweit ihrer Klasse. Hierzu die Augsburger Allgemeine:
In der syrischen Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei begann in diesem Frühjahr eine neue Ära in der Militärpolitik des Nahen Ostens: Zum ersten Mal setzte die Türkei dort moderne Kampfdrohnen gegen die Armee eines anderen Staates ein. Die unbemannten Fluggeräte zerstörten bei Gefechten gegen syrische Regierungstruppen in Idlib viele Panzer und Artilleriestellungen. Zum Dank soll ein syrischer Regierungsgegner sein neugeborenes Kind „Bayraktar“ genannt haben – nach der türkischen Drohne „Bayraktar TB2“.
Nach dem Sturz des verstorbenen Herrschers Muammar Gaddafi im Jahr 2011 wurde die libysche Regierung 2015 im Rahmen eines politischen Abkommens unter der Führung der UNO gegründet.

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– Rüstungsdeal – Ukraine kündigt Kauf von bewaffneten Bayraktar-Drohnen aus der Türkei an

Die Ukraine hat eine Vereinbarung über den Kauf von unbemannten Luftfahrzeugen (unmanned aerial vehicle, UAV) aus der Türkei unterzeichnet.

Ukraine kündigt Kauf von bewaffneten Bayraktar-Drohnen aus der Türkei an
 

Corona-Krise
Lohnfortzahlung für Eltern nicht betreuter Kita- und Schulkinder wird auf bis zu 20 Wochen verlängert

Osnabrück – Eltern, die wegen der coronabedingten Kita- und Schulschließungen nicht arbeiten können, erhalten deutlich länger Lohnersatz vom Staat. Ein entsprechender Änderungsantrag aus dem Bundesgesundheitsministerium, der der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) vorliegt, soll nach Ministeriumsangaben an diesem Mittwoch vom Kabinett beschlossen werden. Demnach soll der Entschädigungsanspruch für Elternpaare in der Zeit, in der wegen der Corona-Epidemie Kitas und Schulen geschlossen sind oder nur Notbetrieb anbieten, von längsten je sechs auf maximal je zehn Wochen verlängert werden. Für Alleinerziehende wird der Anspruch auf bis zu 20 Wochen ausgedehnt. „Das gibt nötige Sicherheit in ungewisser Lage“ „Berufstätige Eltern tragen derzeit eine große Last. Solange Kindergärten und Schulen nicht wieder verlässlich für alle geöffnet sind, brauchen hier viele unsere besondere Unterstützung“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der NOZ. „Deshalb verlängern wir die nachrangige Lohnfortzahlung je Elternteil auf bis zu zehn und für Alleinziehende auf bis zu 20 Wochen. Das gibt die nötige Sicherheit in ungewisser Lage.“ Zunächst hatte die SPD die längere Lohnfortzahlung gefordert. Am Montag hatten sich auch CDU und CSU dafür ausgesprochen. Die Verdienstausfälle für Eltern, die nicht arbeiten können, weil sie ihre Kinder betreuen müssen, werden vom Staat zu 67 Prozent des Nettoeinkommens ersetzt. Die Lohnfortzahlung ist allerdings auf 2.016 Euro pro Monat gedeckelt.

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– Fremdenfeindlichkeit – „Ich bin ein Mensch wie Du“: Der rassistische Mord an Ufuk Şahin

„Ich bin ein Mensch wie Du“. Das waren die letzten Worte von Ufuk Şahin, der vor 31 Jahren in Berlin Reinickendorf im Alter von 24 Jahren von einem Rassisten mit einem Messer ermordet wurde.

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Tourismus
Tui-Deutschland-Chef: Reisen wird in diesem Jahr billiger

Düsseldorf – Urlaube werden laut dem Reiseveranstalter Tui in dieser Saison deutlich günstiger werden als noch in den Vorjahren. „Reisen 2020 wird tatsächlich billiger“, sagte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Flugzeuge und Hotelbetten seien seit Wochen nicht gefüllt. Es gebe extrem viel Angebot, aber wenig Nachfrage. „Nach den Regeln des Marktes werden die Preise also fallen in diesem Sommer. Ich bin Reiseveranstalter und deswegen schmerzt mich das sehr. Aber Touristen können sich freuen“, sagte Andryszak. Mittelmeerziele würden bald gewinnen, das spüre Tui bereits heute etwa in Griechenland und Kroatien. Darüber hinaus sei Bulgarien beliebt. Auch Mallorca und Spanien würden nachziehen. „Fernreisen sind in nächster Zeit erst mal weniger gefragt oder möglich. Ungewiss ist auch, wie die Reiselage für Nordafrika sich entwickeln wird“, sagte der Tui-Deutschland-Chef. Den von Tui geplanten Abbau von 8000 Stellen trotz einer Staatshilfe von 1,8 Milliarden Euro verteidigte der Manager. „Man hat uns quasi ein Berufsverbot auferlegt. Wir sind also vollkommen unverschuldet in eine Krise geraten“, so Andryszak.

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– Tourismus – Flüge in die Türkei: Bald soll es wieder losgehen

Im Zuge der Corona-Krise und den folgenden Flugverboten haben viele Airlines ihre Flüge eingestellt. Auch die Türkei stoppte Flüge in und aus der Türkei bereits im März.

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Corona-Krise
Klein verlangt Vorgehen gegen das Tragen von Judensternen bei Corona-Demos

Düsseldorf – Der Regierungsbeauftragte für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus, Felix Klein, hat ein Vorgehen gegen das Tragen von nachgebildeten Judensternen auf Corona-Demonstrationen gefordert. „Das ist absolut nicht hinnehmbar und sollte gegebenenfalls auch strafrechtlich verfolgt werden“, sagte Klein der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Auf solchen Demos werde die Shoah relativiert, indem etwa die Maskenpflicht mit dem Tragen des Judensterns im Nationalsozialismus verglichen werde. „Mit Sorge beobachte ich auch die Zunahme der Verbreitung antisemitischer Verschwörungsmythen im Netz“, erklärte Klein. Vor diesem Hintergrund solle das Maßnahmenpaket gegen Hass und Hetze „rasch umgesetzt werden“, verlangte Klein. Die aktuelle Weltgesundheitskrise schaffe ein Klima der allgemeinen Verunsicherung, in dem die Anfälligkeit für irrationale Scheinerklärungen steige. Die Gesellschaft sei insgesamt gefordert, diesen Trend zu stoppen. „Wir alle müssen dazu beitragen, Verschwörungsmythen zu entschlüsseln und öffentlich, etwa in den Sozialen Medien, zu widerlegen“, hob Klein hervor.

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– Verschwörungsmythen – Bill Gates und sein angeblicher Plan der Bevölkerungsreduktion

Gleichwie auch Weltkrisen der Vergangenheit – wie etwa die Spanische Grippe Anfang des vergangenen Jahrhunderts mit fast 50 Millionen Toten – hat auch die Corona-Pandemie die skurrilsten Fantastereien und Verschwörungstheorien zum Vorschein gebracht.

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Gesundheitspolitik
Pflegebeauftragter fordert deutlich mehr Befugnisse für Pflegekräfte

Düsseldorf – Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat deutlich mehr Befugnisse für Pflegekräfte gefordert, um den Beruf attraktiver zu machen. „Wir werden das notwendige Personal nicht bekommen, wenn wir den Pflegekräften nicht endlich mehr Kompetenzen geben“, sagte Westerfellhaus der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Die Pflegekräfte müssten stärker eigenständig fachübergreifend mit Heilberufen wie Physiotherapeuten und Ärzten zusammenarbeiten können. „Wir können nicht über Wertschätzung reden, wenn die Kompetenzen der gut ausgebildeten Pflegekräfte verschleudert werden, weil sie nicht nach ihren Fähigkeiten eingesetzt werden dürfen“, betonte der Pflegebeauftragte. Die Pflegekräfte könnten nicht länger nur als Assistenz der Ärzte gesehen werden.
„Sie müssen eigenständig handeln dürfen. Sie brauchen auch Budgetverantwortung.“
Als Beispiel nannte Westerfellhaus die Wundversorgung:
„Pflegekräfte im ambulanten Bereich sind die ersten, die eine chronische Wunde sehen und diagnostizieren. Sie könnten eine therapeutische Entscheidung treffen, dass zum Beispiel eine Wundauflage eingesetzt werden muss. Das könnten sie aufgrund ihrer Kompetenz, dürfen es aber leistungsrechtlich nicht. Das müssen wir ändern.“
Besuchsmöglichkeiten mit Infektionsschutz Westerfellhaus fordert zudem, dass Besuchsmöglichkeiten mit Infektionsschutz zum Standard in Pflegeheimen werden. „Der Schutz der Pflegebedürftigen vor Infektionen darf nicht dazu führen, dass die Menschen vereinsamen“, sagte Westerfellhaus „Rheinischen Post“. Die Bewohner von Pflegeheimen seien nicht nur aktuell durch das Coronavirus gefährdet. Oft genug gebe es in Pflegeheimen auch andere für die Bewohner gefährliche Krankheitsausbrüche, wie zum Beispiel durch das Norovirus. „Zum Standard von Pflegeheimen sollte deshalb künftig gehören, dass es auch in Zeiten von Infektionswellen und Pandemien Besuchsmöglichkeiten gibt – zum Beispiel in abgetrennten Besuchszonen, in denen sich Pflegeheimbewohner und Angehörige in einem wohnlichen Umfeld durch eine Scheibe getrennt sehen können.“ Der Pflegebeauftragte forderte zudem, auch für nicht-mobile Bewohner, Bewohner mit Demenz und andere, die solche Zonen nicht nutzen könnten, Besuchsmöglichkeiten zu schaffen. Er betonte:
„Ganz klar ist für mich auch: Wer im Sterben liegt, muss immer zumindest eine definierte Person zum Abschied bei sich haben können. Wenn wir das nicht sicherstellen, werden viele Menschen Angst vor einem Umzug in ein Pflegeheim haben.“

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Tourismusverband: Jeder dritte Arbeitsplatz könnte verloren gehen

WERBUNG Eine Umfrage zeigt die Angst, die Deutsche während der Corona-Krise vor dem Reisen empfinden. Weiterhin geht aus ihr hervor, dass ein Drittel der Arbeitsplätze im deutschen Tourismus ohne staatliche Hilfe verloren gehen werden und somit die Tourismusbranche vor dem Zusammenbruch steht. Auch Michael Frenzel, der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), bestätigt, dass jeder dritte Arbeitsplatz in der deutschen Tourismusbranche verloren gehen könne, wenn nicht der Staat eingreife. Von den rund 3 Millionen Beschäftigten der Branche in Deutschland seien rund eine Million von Arbeitslosigkeit bedroht. Etwa bereits 70 Prozent gehen im Rahmen einer staatlichen Regelung, die eine Kompensation für Arbeitsausfälle vorsieht in Kurzarbeit. Der BTW-Präsident sagte auch langfristige Veränderungen in der Branche voraus, wobei große Online-Unternehmen den Markt dominieren würden, während kleinere Reisebüros und Reiseveranstalter verschwänden. Frenzel fordert die Regierung außerdem auf, ein Gutscheinsystem einzuführen, das die Bar ausgleiche für Kunden, deren Reisen wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt wurden, ersetzt. Eins ist also klar, die Tourismusbranche in Deutschland dürfte unter der derzeitigen Reisebereitschaft der Deutschen inmitten der Unsicherheiten, die durch die Coronavirus-Krise entstanden sind, leiden. Eine kürzlich durchgeführte YouGov-Umfrage hat ergeben, dass fast die Hälfte der Deutschen (48%) keine Wiedereröffnung der europäischen Grenzen für die Sommerferien wünscht. Seit Mitte März gibt es in Deutschland eine allgemeine Reisewarnung, und die Grenzen sollen frühestens bis Mitte Juni geschlossen bleiben. Rund 42% hatten der Umfrage zufolge darauf verzichtet, überhaupt Urlaub zu machen. Aber 16% wollten trotz Einschränkungen ins Ausland reisen, 13% innerhalb Deutschlands. Normalerweise würden die Deutschen lieber im Ausland als im Inland Urlaub machen. Eine Umfrage ergab, dass 74% der Urlaubsreisen in andere Länder gingen. Der Spieletourismus könnte ab 2020/21 eine Rettung für Deutschland sein – es ist der größte wachsende Wirtschaftsraum Deutschland durchlebt in diesen Tagen eine Fülle von Veränderungen. Angesichts der sich abzeichnenden Rezession stellt sich die Frage, wie man den Zusammenbruch des deutschen Tourismussektors retten kann. Ist das online casino Deutschland die mögliche Antwort zum Problem? Die Glücksspielindustrie ist eine wichtige Facette jeder Wirtschaft. Wenn man bedenkt, dass die gesamte Glücksspielindustrie in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum erlebt hat, wird prognostiziert, dass sie mit jedem Jahr noch weiter wachsen wird. Im Jahr 2018 erwirtschaftete die Branche 135 Milliarden Euro, während das Jahr davor mit einem Umsatz von 115 Milliarden Euro abgeschlossen wurde. Es wird geschätzt, dass 2021 bis zu 180 Milliarden EUR in allen Bereichen des Glücksspiels erwirtschaftet werden, da sich immer mehr Menschen dieser Art der Unterhaltung zuwenden. Im vergangenen Jahr wurde berichtet, dass mehr als 2 Milliarden Menschen an verschiedenen Arten von Glücksspielen, einschließlich Konsolen-, Kasino- und Mobile-Glücksspielen, teilgenommen haben. Was Deutschland betrifft, so erwies sich die erste Hälfte des Jahres 2019 als recht erfolgreich. Der Umsatz mit Videospielen und Spiele Hardware stieg im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres um 11%. Das Wachstum wurde vor allem durch Gebühren für Online-Dienste getrieben, deren Einnahmen im ersten Halbjahr um mehr als 50% gesteigert werden konnten. Nicht alle Zahlen sehen jedoch so rosig aus. Laut dem jüngsten Bericht des Verbands der deutschen Spieleindustrie beschäftigt der Glücksspielmarkt in Deutschland 27.854 Mitarbeiter in allen Bereichen und Positionen. Diese Zahl ist jedoch deutlich geringer als in den vergangenen Jahren. Prozentual gesehen ist die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich im Vergleich zu 2018 um 3,1% zurückgegangen. Die Diskrepanz zwischen der Zunahme des Umsatzes und der Unternehmen und dem Rückgang der mit der Branche verbundenen Personen ist verwirrend. Unweigerlich stellt sich die Frage: Was können wir in der Zukunft des deutschen Glücksspielmarktes erwarten? Im Moment ist es schwierig zu sagen, was die Zukunft für das deutsche Glücksspiel bringen wird. Klar ist jedoch, dass das Land und sein Markt eine langfristige Strategie zur Stärkung der Branche wie auch der gesamten Wirtschaft entwickeln müssen. Das Streben nach einem regulierten Glücksspielmarkt bringt für Betreiber und Unternehmen, die seit Jahrzehnten in diesem Bereich tätig sind, zahlreiche Auflagen und Risiken mit sich, da Einnahmeverluste drohen.

Geschichte
18. Mai 1944: Die Vertreibung der turksprachigen Krimtataren

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge Während des Zweiten Weltkriegs auf der Halbinsel Krim: Die als streng geheim eingestufte Aktion begann am 18. Mai 1944, um drei Uhr nachts. Zu diesem Zeitpunkt kämpften die wehrfähigen Männer in den Reihen der Roten Armee gegen Nazi-Deutschland. Übrig blieben die Frauen, Kinder und Alte. Der sowjetische Staatschef Stalin unterschrieb eine Verfügung, die das Schicksal der über 200.000 turksprachigen Krimtataren besiegelte. Befehlstechnisch unterstanden die Einheiten dem sowjetischen Innenministerium und dem Ministerium für Staatssicherheit. Über 30.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz, die es besonders eilig hatten. Die Bevölkerung wurde aus ihrem Schlaf gerissen und innerhalb von 15 Minuten sollten sich alle Einwohner draußen versammeln. Viele konnte nur wenige Habseligkeiten mitnehmen. Diejenigen, die sich weigerten und ihre Heimat nicht verlassen wollten, wurden noch vor Ort erschossen. Die meisten wurden mit Lastkraftwagen zum Bahnhof gebracht und in Viehwaggons eingepfercht. Nach Einschätzung krimtatarischer Verbände starben etwa 46 Prozent der Verschleppten in den Zügen durch Hunger, Durst und Krankheiten. Moskau deportierte die Krimtataren überwiegend nach Usbekistan, in die anderen zentralasiatischen Republiken und nach Sibirien. Die sowjetische Führung beschuldigte die Krimtataren der Kollaboration mit Nazi-Deutschland bzw. mit der deutschen Wehrmacht nach Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion gemeinsame Sache gemacht zu haben. Doch inwiefern trifft diese Behauptung zu? Der 1917 ausgerufene unabhängige krimtatarische Staat war nur von kurzer Dauer, denn die im Oktober an Macht gekommenen Bolschewiki beendeten dieses Experiment. 1921 wurde die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik Krim ausgerufen und für eine gewisse Zeit galt diese Sowjetrepublik als Beispiel für eine eingeschränkte Autonomie. Krimtatarisch war neben Russisch die offizielle Amtssprache. Die Sprache der Krimtataren wurde gefördert und bestimmte Institutionen gegründet. Den von Stalin ab 1927 befohlenen Säuberungen fielen die führenden Köpfe der Krimtataren zum Opfer. Die zugestandene Autonomie und die Förderung der tatarischen Kultur wurden abgeschafft. Das gleiche Schicksal ereilte auch andere Turkvölker bzw. deren Sprache. Schätzungen zufolge starben durch den Terror Stalins etwa 150.000 Krimtataren. Mit Beginn der Operation Barbarossa und den Einfall in die Sowjetunion durch die Wehrmacht, empfing ein Teil der Bevölkerung auf der Krim die Deutschen als „Befreier“, aber das sollte als Reaktion auf die russischen Repressalien in politischer und kultureller Hinsicht als auch die Veränderungen der demografischen Strukturen gegenüber den Krimtataren verstanden werden. Es wäre vermessen zu behaupten, dass die Krimtataren „gemeinsame Sache mit dem Feind“ gemacht haben, so wie es die sowjetische Propaganda öffentlichkeitswirksam verbreitete. Während des Zweiten Weltkriegs dienten Tausende Krimtataren in der Roten Armee als Soldaten und einige wurden für ihre „Loyalität“ und den „aufopferungsvollen Kampf für das Vaterland“ mit militärischen Orden geehrt.  Nach einer Volkszählung in der UdSSR lebten auf der Halbinsel Krim 1939 insgesamt 1.123.806 Menschen, davon waren 557.449 Russen, 218.492 Krimtataren und 153.478 Ukrainer. Ferner lebten noch eine geringe Anzahl an anderen Minderheiten. Mit dem Abkommen von Küçük-Kaynarca (1774) verlor das Osmanische Reich das Khanat Krim, das sich unabhängig erklärte und 1783 vom Russland einverleibt wurde. Mit der Annexion begann die erste Auswanderung der Krimtataren ins Osmanische Reich. Der von 1853 bis 1856 zwischen dem Osmanischen Reich und Russland geführte Krim-Krieg lieferte Moskau einen weiteren Vorwand, um Besitzungen der muslimischen Krimtataren zu beschlagnahmen und aus den Dörfern und Städten zu vertreiben. Schätzungen zufolge verließen von 1783 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zwischen 100.000-400.000 Krimtataren ihre Heimat. Bei den Tataren handelt es sich ethnisch betrachtet um ein turksprachiges Volk, das ursprünglich aus Zentralasien kam. Neben den Krimtataren gibt es auch die Nogaytataren als auch die Kazantataren. Die jahrzehntelangen Bemühungen der Krimtataren nach einer Rückkehr in ihre alte Heimat trug Früchte. Ab 1987 erlaubte die sowjetische Führung die Heimkehr der Krimtataren in ihre angestammten Siedlungsgebiete. Nach der Ankunft erlebten viele eine Überraschung, denn in ihren früheren Besitzungen wurden russische Familien angesiedelt. Bei einer erneuten Volkszählung im Jahre 1995 waren 67 Prozent Russen, 22 Prozent Ukrainer und etwa 10 Prozent Krimtataren. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde auf der Krim, als Teil der Ukraine, 1991 die Autonome Republik Krim ausgerufen. Allerdings wirkten sich die wirtschaftlichen Probleme der Ukraine auch auf das Leben der Krimtataren aus. Hinzu kamen noch soziale Probleme: Mängel gab es beim muttersprachlichen Unterricht, bei der Informationsfreiheit der Medien und im kulturellen Bereich. Die Unabhängigkeit der Ukraine und der gewährte Autonomiestatus an die Krimtataren ließen in der russischen Bevölkerung auf der Krim separatistische Forderungen immer lauter werden. Die russischen Separatisten auf der Krim forderten zunächst die Loslösung der Republik Krim von der Ukraine und anschließend die Vereinigung mit Russland. Unterstützung erfuhr die russische Bevölkerungsgruppe von nationalistischen Kreisen aus der Russischen Föderation. Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland wirkte sich auf die Krim dahingehend aus, dass die russische Bevölkerung der Krim für den Anschluss an Russland instrumentalisiert wurde. Bis zur russischen Annexion der Krim 2014, gab es um den Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol immer wieder Zwistigkeiten zwischen der Ukraine und Russland, der bis dahin von beiden Ländern als Marinestützpunkt genutzt wurde. Es existieren unterschiedliche Angaben wie viele Krimtataren aus Zentralasien, vor allem aus Usbekistan, in ihre Heimat zurückgekehrt sind und welche Anzahl es vorgezogen hat in den zentralasiatischen Republiken zu bleiben. Eine große Diaspora an Tataren lebt im Ausland, die jedoch nicht aus der Krim entstammen. Diese leben vorwiegend in der Türkei, in den USA, Rumänien, Deutschland und Bulgarien. Vor dem abgehaltenen „Volksentscheid“ kam es am 25. Februar 2014 zu Protesten von Befürwortern des Russland-Anschlusses vor dem Krim-Parlament. Der pro-russische Parlamentspräsident versprach das Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Am selben Tag wollten Mitglieder des krimtatarischen Parlaments eine Kundgebung vor dem Parlament veranstalten, bis paramilitärische russische Kräfte das Parlament belagerten. Trotz aller Widerstände und Einschüchterungen beteiligten sich an den Protesten der Krimtataren etwa 7.000 Teilnehmer und forderten eine Beibehaltung der Krim auf ukrainischem Territorium. Es kam zu Ausschreitungen mit russischen Gegendemonstranten. Im Zuge des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine annektierte Moskau die Halbinsel und ließ anschließend ein Referendum über den Status durchführen. Nach offizieller russischer Mitteilung hatten sich an der Wahl mehr als 82 Prozent beteiligt und davon hätten sich 96 Prozent für einen Anschluss der Krim an Russland ausgesprochen. Es gibt aber Zweifel über die veröffentlichten Zahlen. Die Besetzung der Krim wurde international verurteilt und Sanktionen gegen Russland verhängt. Ein Song, die die Vertreibung der Krimtataren thematisiert, ist das Lied von der ukrainischen Sängerin krimtatarischer Abstammung Jamala, mit dem Titel „1944“, das 2016 den Eurovision Song Contest gewann. Manchmal sagt ein Lied mehr als Tausend Worte, zumal es, wie ich finde, das Leid der Krimtataren so eindrucksvoll beschreibt.

Zum Thema

– Illegale Besetzung der Krim – Krimtatarenführer: Putin könnte wie Hitler enden

„Jetzt sagen die Russen, die Krim gehöre ihnen, das hat seinerzeit Hitler auch gesagt“, warnt Mustafa Abduldschemil Dschemiljew, der ehemalige Präsident des Medschlis des Krimtatarischen Volkes.

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Wirtschaft
Corona-Krise: Immer mehr Länder bevorzugen türkisches Obst und Gemüse

Istanbul – Da es als sicherer gilt, entscheiden sich im Zuge der Corona-Krise immer mehr Länder für die Türkei als Obst- und Gemüselieferant. Während die landwirtschaftliche Produktion in den meisten Ländern stark zurückging, stiegen die türkischen Exporte von frischem Obst und Gemüse. Im ersten Quartal 2020 verbucht der Sektor ein Plus von mehr als 25 Prozent, berichtet TRT Deutsch unter Berufung auf Angaben des türkischen Verbands der Exporteure. „Es gibt einen Anstieg in Kilogramm um 11,3 Prozent und in Bezug auf den eingeführten Devisenbetrag eine Erhöhung um 27,6 Prozent“, so Hakkı Bahar, Vorsitzender der Western Mediterranean Exporters Association gegenüber TRT.  Im Februar erklärte Russland, bei der zusätzlichen Einfuhr von Obst, Gemüse und Meeresfrüchten als Handelspartner China durch die Türkei ersetzen zu wollen, berichtet TRT weiter. Andere Länder und Regionen folgten demnach dem Beispiel Russlands. Das thailändische Ministerium für Landwirtschaft und Genossenschaften habe türkischen Produzenten die Genehmigung für den Import von Obst und Gemüse erteilt. Wie TRT weiter berichtet, gehörte China zu den ersten Ländern, die Gemüse- und Obstimporte aus der Türkei genehmigten. Experten gingen davon aus, Chinas Genehmigung von Kirschimporten aus der Türkei habe eine aktive Rolle für weitere Fruchtexporte auf dem asiatischen Markt gespielt. Ostasiatische Märkte böten ein großes Handelspotenzial für türkische Früchte, so Hayrettin Uçak, Vorsitzender der Aegean Fresh Fruit and Vegetable Exporters, gegenüber TRT.  Indien etwa, mit seinem gigantischen Markt, sei gegenwärtig einer der Hauptimporteure von Äpfeln aus der Türkei. Auch Thailand sei ein wichtiger Abnehmer.  Die Türkei steht bei der weltweiten Apfelproduktion mit jährlich drei Millionen Tonnen an dritter Stelle.

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– Wirtschaft – China: Türkische Kirschen erobern weltgrößten Markt

Die erste Kirschenlieferung des türkischen Herstellers Alanar Fruit erreichte ohne Kältebehandlung die Millionenmetropole Shanghai in China. Das bringt den weltgrößten Markt mit dem weltgrößten Kirschenerzeuger zusammen.

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Türkei
Corona-Krise: EU-Vertreter lobt türkisches Gesundheitssystem

Ankara – Der Leiter der Delegation der Europäischen Union (EU) in der Türkei lobte in einem Interview das türkische Gesundheitssystem. „Wir müssen die Widerstandsfähigkeit unseres Gesundheitssystems stärken. Die Türkei hat ein sehr gutes Beispiel abgegeben“, sagte Christian Berger in einem Gespräch mit der englischsprachigen Tageszeitung Daily Sabah. Das türkische Gesundheitssystem habe es tatsächlich geschafft, mit der Krise gut umzugehen, und zwar deshalb, weil es über die Jahre ein starkes Gesundheitssystem aufgebaut habe, so Berger. „Wenn wir prüfen, wie wir unsere Bereitschaft, unsere Widerstandsfähigkeit aufrechterhalten können, dann müssen wir uns damit befassen“, betonte Berger weiter. Brüssel müsse im Falle einer zweiten Welle sicherstellen, dass es in der Lage ist, vorbereitet zu sein. Die Türkei spiele auch bei der Entwicklung und Produktion von Schutz-Kits eine wichtige Rolle, sagte der Botschafter. Etwa zwei Drittel der Welt, vor allem die am schlimmsten betroffenen, haben die Türkei um medizinische Hilfsgüter zur Bekämpfung des Coronavirus gebeten. Bislang haben 64 Länder medizinische Hilfe erhalten, hauptsächlich medizinische Masken, Schutzanzüge und Handschuhe sowie Desinfektionsmittel.
(Screenshot/Twitter/Daily Sabah)

Zum Thema

– Corona-Pandemie – Corona-Krise: Italien, Spanien und NATO danken Türkei für Hilfe

Zur Bekämpfung des Coronavirus hat die Türkei in die von der Pandemie hart getroffenen Länder Italien und Spanien Hilfscontainer geschickt. Die Außenminister Italiens und Spaniens haben der Türkei am Mittwoch dafür gedankt.

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Corona-Krise
Umfrage: 88 Prozent der Bürger sind in der Krise optimistisch

Adenauer-Stiftung-Umfrage: 88 Prozent der Bürger sind in der Krise optimistisch Osnabrück – 88 Prozent der Bürger bleiben in der Corona-Krise optimistisch und gehen davon aus, „dass alles gut wird“. Jeder Zehnte hat allerdings noch Angst vor der Zukunft. Das geht aus dem aktuellen Krisenbarometer der Konrad-Adenauer-Stiftung hervor, das der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) vorliegt. 69 Prozent der Bürger glauben allerdings, dass die Corona-Krise langfristige, persönliche Folgen für sie haben wird. Das sind zehn Prozentpunkte weniger als Ende April, wo dies noch 78 Prozent annahmen. Insgesamt blicken die Deutschen positiv in die Zukunft. 76 Prozent glauben daran, dass Deutschland die Herausforderungen der Pandemie bewältigen wird. Ende März glaubten daran allerdings noch fast 90 Prozent der Bürger. Dem Satz „Wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz für Deutschland“ stimmen aktuell über 20 Prozent zu. Das Meinungsforschungsinstitut Usuma befragt für das Krisenbarometer der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung seit 30. März jede Woche 300 Wahlberechtigte in immer neuen Stichproben. Die Mehrheit der Bundesbürger vertraut demnach der Bundesregierung in der Krise. Wie die „NOZ“ berichtet, haben 65 Prozent aktuell angegeben, großes oder sehr großes Vertrauen in die Bundesregierung zu haben. Der Wert lag mit 78 Prozent Ende April schon deutlich höher, Anfang Mai mit 61 Prozent aber auch schon niedriger. Ihren jeweiligen Landesregierungen vertrauen sogar noch mehr Menschen in der Krise. 68 Prozent sind es aktuell, Anfang des Monats vertrauten nur 61 ihren Regierungen im Bundesland. Weniger Vertrauen schenken die Bürger ihren Volksvertretern im Parlament in der Bewältigung der Pandemie. 57 Prozent vertrauen dem Bundestag, Anfang des Monats waren es mit 49 nicht einmal die Hälfte der Bürger. Ein Zusammenhang der Werte zu den Lockerungsmaßnahmen ist nur punktuell zu erkennen. Rund um den 6. Mai, der jüngsten Abstimmung von Bund und Ländern, bei dem weitreichende Lockerungen vereinbart wurden, ist eine leichte Zunahme des Vertrauens zu erkennen. Nach wie vor hält die Mehrheit der Bevölkerung die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus für angemessen, berichtet die „NOZ“ aus dem Krisenbarometer. Die hohe Zustimmung zu den Maßnahmen von 88 Prozent Ende März hat seither abgenommen, liegt im aktuellen Krisenbarometer aber immer noch bei 71 Prozent. 11 Prozent sind noch der Ansicht, die Maßnahmen gingen nicht weit genug.

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