Meinung
Kommentar: „Die Doppelmoral der EU gegenüber der Türkei“

Mitglieder von Terrororganisationen werden nicht ausgeliefert

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge – kboelge@web.de 

Die Strafverfolgungsbehörden in der Türkei haben im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 die Auslieferung von nach Deutschland, Griechenland und anderen EU-Mitgliedsländern geflohenen Verdächtigen der Fetullahistischen Terrororganisation (FETÖ) beantragt. Den Tatverdächtigen wird vorgeworfen, an dem gewaltsamen Umsturzversuch gegen die gewählte Regierung in der Türkei teilgenommen zu haben. Bis zum heutigen Tag wurde kein Verdächtiger dieser Terrororganisation an die Behörden in der Türkei ausgeliefert.

Nicht anders verhält es sich mit Mitgliedern der Terrororganisation PKK, die in den EU-Staaten zwar verboten ist, aber über Tarnorganisationen wie Vereinen und anderen Einrichtungen sich weiterhin betätigt. Der europäischen Polizeibehörde EUROPOL ist bekannt, dass die PKK etwa 40 Prozent des Drogenhandels in Europa kontrolliert und auch in den organisierten Menschenhandel verstrickt ist. Trotz dieser Kenntnis und polizeilicher Verfolgung in diesen Staaten gelingt es der PKK weiterhin, die von ihr kontrollierte Organisierte Kriminalität aufrecht zu erhalten, weil die Regierungen in diesen Staaten nicht rigoros gegen sie vorgehen, die für den Tod von mehr als 40.000 Menschen in der Türkei verantwortlich gemacht wird.

Verschiedene Grundsätze gegenüber der Türkei

Die gleichen EU-Mitgliedsstaaten, die eine Auslieferung von Mitgliedern der Terrororganisationen FETÖ oder PKK an die Türkei seit Jahren nicht nachgekommen sind, verlangen jetzt von der Türkei ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) umzusetzen und den ehemaligen Vorsitzenden der HDP S. Demirtaş freizulassen. Ob Ankara das Urteil des Gerichts umsetzt, sei erst einmal dahingestellt, aber die Türkei wäre nicht der erste Staat, der eine Entscheidung des EGMR nicht befolgt.

Fallbeispiel Spanien

Das folgende Beispiel soll zur besseren Veranschaulichung des Sachverhalts dienen und ist aus Spanien. Oriol Junqueras war ein katalanischer Politiker, der von 2009 bis 2012 für die separatistische Linkspartei Esquerra Republicana de Catalunya im Europäischen Parlament saß. Junqueras wurde wegen seiner Beteiligung an dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017 von der spanischen Justiz angeklagt, die ihm „Aufruhr, Rebellion und die Veruntreuung öffentlicher Gelder“ vorwarf.

Am 14. Oktober 2019 wurde er von einem spanischen Gericht wegen Aufruhr und der Veruntreuung von öffentlichen Mitteln zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nach dem Urteil nominierte seine Partei Junqueras im Dezember 2018 für die Europawahl im April 2019. Mit 3,9 Prozent gewann seine Partei 15 Sitze im Europaparlament, in dem auch Junqueras einen Sitz gewann. Der Europäische Gerichtshof entschied im Dezember 2019, dass Junqueras von den spanischen Behörden freigelassen werden müsse, weil er bereits mit der Wahl zum Europaabgeordneten parlamentarische Immunität genieße. Im Januar 2020 wies der spanische Zentrale Wahlausschuss das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zurück, da Junqueras bereits rechtskräftig verurteilt sei und damit sein Mandat als Abgeordneter nicht antreten könne. Wenig später entschied der oberste spanische Gerichtshof, dass das Urteil des Europäischen Gerichtshofs nicht gültig sei.

Der Demagoge Demirtaş ist verantwortlich für den Tod von unschuldigen Zivilisten

Jetzt komme ich auf dem Fall Demirtaş zurück. Dieser hat in seiner Funktion als ehemaliger Vorsitzender der HDP im Gegensatz zu Junqueras tatsächlich zu Gewalt, Aufruhr und Rebellion gegen den türkischen Staat aufgerufen und ist verantwortlich für den Tod von unschuldigen Zivilisten und Sicherheitskräften. Gegen Demirtaş und 108 weitere Beschuldigte hat die Generalstaatsanwaltschaft Ankara im Zusammenhang mit den Ayn el Arap-Vorfällen eine neue Anklageschrift wegen „Verletzung der Einheit und Integrität des Staates“, „37 Morde“ und „31-fachen Mordversuchs“ vorbereitet.

Außerdem verlangt die Staatsanwaltschaft eine Bestrafung der Verdächtigen wegen der „Verbrennung der Staatsflagge“ und dem Widerstand gegen das „Gesetz zum Schutz von Atatürk“. Der Appel von verschiedenen Medien und Menschenrechtsgruppen in Deutschland, die die Freilassung von Demirtaş fordern, ist an Scheinheiligkeit und Doppelmoral kaum zu überbieten, weil sie die über 40.000 Opfer des PKK-Terrors in der Türkei mit keinem Wort erwähnen. Seit über einem Jahr sitzen kurdische Mütter vor der Parteizentrale der HDP in Diyarbakır, um ihre von der PKK verschleppten Kinder wiederzubekommen.

Kurdische Mütter verlangen die Freilassung ihrer durch die PKK verschleppten Kinder

Außer einem Pressebericht in einer bayerischen Zeitung hat bisher kein einziges deutsches Medium über diese mutigen Mütter von Diyarbakır berichtet. In Berlin demonstriert seit geraumer Zeit eine kurdische Mutter vor dem Bundeskanzleramt, um auf ihre von der PKK verschleppte Tochter aufmerksam zu machen. Wo sind all die Menschenrechtsgruppen und Parteien, die sich dieser Sache annehmen und dieser Mutter in Berlin oder in Diyarbakır helfen könnten? Stattdessen wird auf eine dreiste Art die Freilassung eines PKK-Terror-Sympathisanten wie Demirtaş gefordert. Das ist unseriös und zeigt, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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Viele Jahre vor der NSU oder den Ermordungen türkischer Familien in Solingen oder Mölln Anfang der 1990er, kam es bereits in den frühen 1980er Jahren zu zahlreichen tödlichen Angriffen rechtsradikaler Gruppen auf Migranten, insbesondere  Türken. Anfang der 1980er Jahre machten Neonazis bundesweit Jagd auf türkische Migranten.

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Fremdenfeindlichkeit
„Wo wohnen hier noch Scheißtürken?“: Die Ermordung des Seydi Battal Koparan

Ludwigsburg – Viele Jahre vor der NSU oder den Ermordungen türkischer Familien in Solingen oder Mölln, Anfang der 1990er, kam es bereits in den frühen 1980er-Jahren zu zahlreichen tödlichen Angriffen rechtsradikaler Gruppen auf Migranten, insbesondere  Türken. Anfang der 1980er Jahre machten Neonazis bundesweit Jagd auf türkische Migranten. Im Jahr 1981 war der 45-jährige Seydi Battal Koparan das „erste“ Opfer eines rassistisch motivierten Mordes mit türkischer Herkunft. Heute vor 39 Jahren, am 31. Dezember, wurde der 45-jährige türkische Gastarbeiter Seydi Battal Koparan vor den Augen seines geistig behinderten Sohnes durch Mitglieder der rechtsradikalen Motorrad-Gang „Stander Greif“ mit Eisenstangen ins Koma geprügelt. Der „Stander Greif“ gilt als Nachfolger der 1980 verbotenen rechtsterroristischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Damaligen Medienberichten zufolge erlitt Koparan durch Stiefeltritte und Faustschläge Rippenbrüche. Durch Schläge mit Eisenstangen sei ihm zudem die Schädeldecke eingeschlagen worden. Seinem behinderten Sohn schlugen die Angreifer zwei Zähne aus und seine Augen blutig. Koparan erlag fünf Stunden später seinen Verletzungen. Der Spiegel 05.07.1982 Koparan befand sich in der Silvesternacht mit Freunden auf der Suche nach seinem geisteskranken Sohn. Dabei betrat er auch die Gastwirtschaft „Krone“ in Gündelbach im Kreis Ludwigsburg. Dieses Lokal war die Stammkneipe der rechtsradikalen Motoradgang „Stander Greif MC“. Diese Gruppe galt als Nachfolger der 1980 verbotenen rechtsterroristischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“. „Scheißtürken, macht dass ihr wegkommt, haut ab“, rief die Frau des Wirten. Koparan und seine Freunde hätten anschließend das Lokal verlassen und draußen den verlorenen Sohn gefunden. Sechzig Angreifer seien der Gruppe aus dem Lokal gefolgt und hätten sie draußen brutal angegriffen. Koparan, sein Sohn, und auch seine Freunde, wurden dabei schwer verletzt. Nach dem Angriff seien die Rechtsradikalen grölend durch den Ort gezogen und riefen „wo wohnen hier noch Scheißtürken?“. Nur drei der Täter wurden damals in Verbindung mit dem Mord verhaftet. Einer der Täter erhielt eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren und ein zweiter bekam ein Jahr und neun Monate. Der Dritte wurde freigesprochen.

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Am heutigen Montag jährt sich zum 35. Mal die Ermordung des Türken Ramazan Avcı durch eine Horde Neonazis. Am Heiligabend starb der damals 26-jährige an den Folgen seiner schweren Kopfverletzungen.

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Krieg dem Terror
Türkei: Razzien gegen mutmaßliche IS-Mitglieder

Istanbul – Die türkischen Sicherheitsbehörden gehen weiterhin mit voller Härte gegen die Terrororganisation IS (Daesh) vor. Am Donnerstag hat die türkische Polizei bei Razzien in Istanbul im Zuge eines Anti-Terror-Einsatzes 35 Ausländer festgenommen Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass es sich bei den Festgenommenen um Personen handele, die der Verbindungen zur Terrorgruppe IS (Deash) verdächtigt würden, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Demnach führte die Anti-Terror-Einheit der Polizei gleichzeitige Razzien an 34 Adressen in 14 Bezirken der Stadt durch, nachdem sie Informationen über mögliche militante Angriffe über Sylvester erhalten hatte. Staatsanwälte in der Hauptstadt Ankara ordneten demnach die Verhaftung von weiteren 15 Verdächtigen in einer anderen Untersuchung im Zusammenhang mit dem sogenannten Islamischen Staat an. Um Anschläge zu verhindern, gehen türkische Sicherheitskräfte seit Jahren energisch gegen das IS-Terrornetzwerk vor

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Jonathan Pollard
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Tel Aviv – Jonathan Pollard, ein Amerikaner, der 1985 in den USA wegen Spionage für Israel inhaftiert wurde, ist am Mittwoch in Tel Aviv gelandet, wo er von Premierminister Benjamin Netanjahu empfangen wurde. Pollard, 66, saß 30 Jahre im Gefängnis, weil er geheime US-Dokumente weitergegeben hatte. Trotz israelischen Drucks, ihm die Ausreise zu ermöglichen, konnte er seit seiner Freilassung im Jahr 2015 aufgrund von Bewährungsauflagen die USA nicht verlassen. Bei seiner Ankunft in Tel Aviv küssten er und seine Frau Esther den Boden und sagte gemeinsam mit Netanjahu die traditionellen jüdischen Segenssprüche für das lang erwartete Ereignis und für die Freilassung von Gefangenen, bevor er vom israelischen Regierungschef einen israelischen Personalausweis entgegennahm. „Willkommen zurück“, wurde der Regierungschef in einer Stellungnahme seines Büros zitiert. „So gut, dass ihr nach Hause gekommen seid.“ Pollard erklärte, er und Esther seien „ekstatisch, nach 35 Jahren endlich zu Hause zu sein, und wir danken dem Volk und dem Premierminister Israels, dass sie uns nach Hause gebracht haben.“ „Wir hoffen, dass wir so bald und so schnell wie möglich produktive Bürger werden und mit unserem Leben hier weitermachen können“, so Pollard. In den 1980er-Jahren während seiner Tätigkeit für die US Navy hatte Pollard als jüdischer US-Amerikaner für Israel spioniert. Als ziviler Geheimdienstanalyst hatte er Militärgeheimnisse verkauft.

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Sozialhilfe
Spahn: Immer weniger Pflegebedürftige sind auf Sozialhilfe angewiesen

Osnabrück – Immer weniger Pflegebedürftige in Deutschland sind auf Sozialhilfe angewiesen. „Die Zahl derer, die ihre Pflege nicht aus eigenen Mitteln bezahlen können, sinkt. Und das, obwohl die Eigenanteile steigen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Das zeigt: Die Reformen der letzten Jahre wirken.“ Spahn berief sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes, laut denen 2019 nur noch rund 1,6 Prozent der Pflegebedürftigen im ambulanten Bereich die sogenannte Hilfe zur Pflege (HzP) benötigten, um die Kosten für ihre Pflege zu decken. 10 Jahre zuvor mussten mit 4,7 Prozent noch fast dreimal so viele Pflegebedürftige HzP in Anspruch nehmen. Im stationären Bereich ist der Anteil der Sozialhilfeempfänger laut Statistikamt ebenfalls seit Jahren rückläufig. Für den stationären Bereich (ohne vollstationäre Einrichtungen der Behindertenhilfe) lag er 2019 bei 32 Prozent. Zwar haben die Sozialhilfeträger im Jahr 2019 rund 300 Millionen Euro netto mehr für die Hilfe zur Pflege ausgegeben als im Vorjahr. Trotz des seither deutlichen Anstiegs der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen seien damit die Ausgaben der Sozialhilfe für die Hilfe zur Pflege aber nicht höher als im Jahr 2016, betonte das Gesundheitsministerium. Setze man die Ausgaben ins Verhältnis zu den Gesamtausgaben der Pflegeversicherung, werde deutlich: Die Hilfe zur Pflege spiele innerhalb der Finanzierung der Pflege eine immer geringere Rolle. „Damit Familien wissen, womit sie im Pflegefall rechnen müssen, wollen wir den Eigenteil für die Pflege künftig deckeln“, kündigte Spahn in der NOZ an. „So machen wir die Pflegeversicherung in einer älter werdenden Gesellschaft zukunftsfest.“

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Corona-Pandemie
Schäuble: Vorzugsbehandlung für Geimpfte birgt Gefahr der Spaltung der Gesellschaft

Osnabrück – Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat sich klar gegen Lockerungen der Corona-Auflagen für Geimpfte ausgesprochen. „Eine Vorzugsbehandlung für Geimpfte birgt die Gefahr der Spaltung der Gesellschaft. Zwischen bereits Geimpfte und Nicht-Geimpfte dürfen wir keinen Keil treiben“, mahnte Schäuble im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Das Tempo bei der Impfstoffentwicklung sei „absolut beeindruckend“, „daher können wir auch hoffen, dass es bei der Produktion noch schneller gehen wird“, sagte der CDU-Politiker. „Jetzt ist jedenfalls nicht der richtige Zeitpunkt, um über Privilegien für die ersten Geimpften zu streiten, dazu wissen wir noch zu wenig über Dauer und Umfang der Impfwirkung.“ Dass absehbar noch zu wenig Impfstoff für alle da sei, „wird natürlich eine große Geduldsprobe, gerade für jene, die das Virus persönlich fürchten“, räumte der Parlamentspräsident ein. Aber es sei „zum Besten aller, wenn wir nicht nur uns selbst sehen“, appellierte er. Mit Blick auf jüngste Umfragen zur gestiegenen Impfbereitschaft ergänzte Schäuble, es sei „eine frohe Botschaft, dass sich die große Mehrheit der Bevölkerung impfen lassen will“. Er habe Respekt vor denjenigen, die dem Impfstoff mit Skepsis begegneten. „Gleichwohl sollten auch sie akzeptieren, dass es nicht nur auf das eigene Empfinden, sondern auf den Gemeinsinn ankommt, wenn wir die Pandemie überwinden wollen, und das Impfen ist dafür notwendig. Natürlich werde auch ich mich impfen lassen, sobald ich an der Reihe bin!“

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Kommentar
„Alle EU-Staaten tragen an der Destabilisierung des Nahen Ostens eine Mitschuld“

Ein Gastbeitrag von Alexander Tutaß 

Die Flüchtlingsunterkunft Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos musste als alternative Unterbringung für aktuell 7500 Menschen gebaut werden, als das Lager Moria am 9. September 2020 niederbrannte. Laut der Aussage von Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller soll sich die Lage der Flüchtlinge im Lager Kara Tepe nicht verbessert, sondern verschlimmert haben.

Mehr als die Hälfte, der in Kara Tepe untergebrachten Flüchtlinge sind Afghanen, die aus dem Iran anreisten. In den Iran gelangten sie ebenfalls als Flüchtlinge, als der Krieg in Afghanistan sie dazu zwang ihre Heimat zu verlassen. Auf Grund der US-Sanktionierung des Iran, die der Iranischen Wirtschaft und den iranischen Bürgern seit Jahren schwer zusetzen, waren die afghanischen Flüchtlinge erneut dazu gezwungen, weiter zu ziehen.

Im Folgenden verweise ich auf ein Zitat von Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller im Merkur, als er zu seiner Einschätzung der Zustände des Lagers Moria auf Lesbos im Jahr 2018 befragt wurde:

Besonders schlimm ist es für die Kinder, die in Flüchtlingslagern auf die Welt kommen. Ich habe mit auf der Flucht vergewaltigten afrikanischen Frauen gesprochen, die auf dem nackten Boden saßen und auf die Geburt ihrer Kinder warteten. Ohne Hygiene oder ärztliche Versorgung. So sollte kein Leben beginnen. Ich habe Flüchtlingscamps im Nordirak und Südsudan besucht. Nirgendwo herrschten solch schlimme Zustände wie auf Lesbos.“

Dieser menschenverachtende Umgang mit Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union ist eine Schande für die Würde der EU!

Welche Geschehnisse sind mit für die aktuelle furchtbare Situation in Kara Tepe verantwortlich?

Die meisten unserer Bundesbürger mittleren Alters, die im September 2020 eine Aufnahme von Flüchtlingen aus dem griechischen Lager nahe Moria ablehnten, waren still als die USA den Irak am 20. März 2003 mit Krieg überzog, der bis Ende 2011 weit über 100.000 Zivilisten das Leben nahm. Nicht wenige riefen sogar mit Kriegseifer „Weg mit dem Diktator!“.

Der „Sieg“ des Krieges war damals in wenigen Tagen zugunsten der Alliierten entschieden, aber die Folgen des Konflikts halten bis heute an. Die Zahlen der zivilen Opfer dieses Krieges schwanken stark und die genauen Verluste werden nie korrekt ermittelt werden können. Die Zahl von 124.000 zivilen Opfern von 2003 bis 2011 stellt die Schätzung der unteren Skala dar, andere Schätzungen liegen weitaus höher.

Am 14.09.2005 verurteilte das Bundesverwaltungsgericht den Irakkrieg von 2003 als völkerrechtswidrig, zusätzlich stellte der Krieg ein Verstoß gegen Artikel 1 der NATO-Charta dar, da er als Angriffskrieg der USA auf den Irak bewertet wurde.Mit an dem Konflikt beteiligt waren die USA, Großbritannien und eine sogenannte „Koalition der Willigen“, unter anderem Italien, Polen, Ukraine, bis hin zu Japan und viele weitere europäische Staaten.

Als Hauptziel und Grund des Krieges wurden von der damaligen US Regierung unter George W. Bush, die Zerstörung von Massenvernichtungswaffen angegeben, die im Irak vermutet wurden. Zu diesem Zweck wurden von der US-Regierung angebliche Beweise der Öffentlichkeit präsentiert, um diesen Verdacht zu belegen. Es stellte sich später heraus, dass alle der sogenannten Beweise von der US-Regierung bewusst gefälscht bzw. erfunden wurden, um die Alliierten für den Kriegseinsatz zu gewinnen.

Der Irakkrieg bereitete mit der Zerstörung der irakischen Sicherheitsorgane, der wachsenden Not und ausbreitenden Hoffnungslosigkeit im Irak bereits 2003 den Nährboden für das Entstehen der Terror-Miliz Islamischer Staat (IS), eine nach eigenem Bekunden, salafistische Organisation, die allerdings mit den Lehren des Reformers Scheikh Mohammad Abduh, dem Gründer der Salafiya im 19. Jahrhundert, nichts gemein haben. Der IS hat sich unter anderem geschworen, alle Schiiten, aktuell etwa 100 Millionen Menschen weltweit zu töten und ein eigenes Kalifat auszurufen. Die meisten Schiiten leben im Iran, ein weiterer Teil im Irak. Der IS erhielt starken Zulauf militanter Anhänger, sogar aus Europa und wuchs auf mehrere 10.000 fanatisch-militante Anhänger an. Ebenso erhielt die Terrororganisation al-Qaida weiteren starken Zulauf.

Als Folge der Entstehung und Ausweitung von ISIS , sowie der Terrororganisation al-Nusra, im Irak und Syrien, mussten zunächst Iraker und als der Terror sich bis in den Norden Syriens ausbreitete, auch Syrer aus ihrer Heimat fliehen.

 „Es gäbe keinen ISIS, wenn wir nicht in den Irak einmarschiert wären“, Lt. Col. David Kilcullen, ehemaliger Militärberater der damaligen US-Verteidigungsministerin Condoleezza Rice

Die USA ließen ISIS und al-Nusra zunächst freie Bahn und beobachteten die Entwicklung und Ausbreitung der Terrororganisationen, die nachweislich in Folge des Irakkriegs hin entstanden sind, ohne einzugreifen, obwohl die USA seit der Beendigung des Irakkrieges Truppen im Irak stationiert hatte. Möglicherweise hegte die US-Regierung die Hoffnung, dass ein neu entstehendes Kalifat als sunnitisches Bollwerk einen Schutz für Israel gegen Syrien und vor allen den Iran bieten würde, so der Nahost Experte Michael Lüders.

Was auch immer die tatsächlichen Gründe der US-Regierung waren, die USA lies die Ausbreitung des Terrors im Irak und Syrien geschehen. Ebenso hat es auch Großbritannien und die „Allianz der Willigen“ nicht interessiert, dass der Irak, den sie eben mit Krieg überzogen hatten, kurz davor war, im inländischen Terror zu versinken.

Die am Irakkrieg beteiligten EU-Staaten destabilisierten den Irak durch einen sinnlosen, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, ließen nach Ende des Krieges den Irak im Terror versinken, sahen zu und taten nichts!

Den Terror-Freibrief gewährte die USA dem „Islamischen Staat“ solange, bis die Situation für den Irak derart bedrohlich wurde, dass die Irakische Regierung sich veranlasst sah, ihren einstigen Angreifer die USA darum zu bitten, sie im Kampf gegen den IS zu unterstützen. Der IS konnte im Irak zurückgedrängt werden, allerdings unter weiteren Opfern auf Seiten der irakischen Zivilbevölkerung. In Syrien hatte der IS bei seiner Ausbreitung anfänglich ein leichtes Spiel, da das Land sich bereits seit Jahren in einem Bürgerkrieg befand.

In Syrien wurde das Oberhaupt des IS, Abu Bakr al-Baghadi am 27.10.2019, getötet, trotzdem stellt bis zum heutigen Tag der „Islamische Staat“ in Nordsyrien eine Gefahr dar und verbreitet Terror in der Region. Januar 2020: Irak = 1,4 Millionen Flüchtlinge! Ende 2019: Syrien = 6,6 Millionen Flüchtlinge!

Im Herbst 2001 griffen die USA das bereits durch Kriege verwüstete Afghanistan an, mit dem Ziel, die deobandisch-islamistische Taliban-Regierung zu stürzen und die Terror Organisation al-Qaida für ihre, in den USA verübten Terroranschläge, zur Rechenschaft zu ziehen. Neben den USA beteiligten sich von Seiten Europas Deutschland und Großbritannien an diesem Krieg, der 24.155 Tote forderte. Ein Großteil der zivilen Opfer wurde von Anschlägen der Taliban und der Miliz Gulbuddin Hekmatyars verursacht. Laut der Unterstützungsmissionen der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) wurden 3021 Zivilisten Opfer der Kampfhandlungen, von denen 14% durch Operationen der NATO und der afghanischen Armee getötet wurden.

Die Begründung der USA für den Afghanistan-Feldzug, nämlich dass die Terrororganisation Al-Qaida, die für die Anschläge auf das World-Trade Center am 11.09.2001 nachweislich die Verantwortung trägt, von der damaligen Taliban-Regierung Afghanistans unterstützt worden sei, ist umstritten. Bis heute leidet Afghanistan unter den Folgen der Kriege, die das Land verwüsteten und sie leiden weiter unter den Taliban, die nach wie vor einen entscheidenden Machtfaktor in Afghanistan darstellen. Der Terror hat Afghanistan bis heute nicht verlassen! Festzustellen ist, dass der Krieg, den die USA in Afghanistan führten, ein sinnloser Angriffskrieg war! Selbst US-Soldaten sagen zynisch über den Afghanistan-Krieg lt. Bericht der Tagesschau vom 10.12.2019, „Bin Laden würde in seinem Grab lachen“.

Zu Lachen haben die Afghanen nichts, sondern sie hatten unter den Taliban, und 19 Jahre lang unter den USA, unter Deutschland und Großbritannien, auch wenn unsere Truppen vorbildlich die afghanische Bevölkerung beim Wiederaufbau unterstützten, in erster Linie nur zu leiden! Afghanistan ist eines der gefährlichsten Gebiete auf diesem Planeten bis heute, gewalttätige Raubüberfälle, Vergewaltigungen, Entführungen, Terroranschläge, Minen, so das Bundesministerium für Europäische und internationale Angelegenheiten.

Juli 2020: Afghanistan = 2,7 Millionen Flüchtlinge!

Am 12. Oktober 2017 griff die Türkei (NATO-Partner) den Norden Syriens an mit dem angegebenen Ziel, eine Pufferzone/Deeskalationszone für Flüchtlinge zu schaffen, um zu verhindern, dass weitere Kriegsflüchtlinge in die Türkei fliehen. Tatsächlich aber bekämpfte die Türkei die Kurden, teilweise gruppiert in der kurdischen Organisation YPG auf syrischem Gebiet, die sie als eine Gefahr für die Türkei ansah, da die schon seit langem im Norden Syriens lebenden Kurden, sich im Zuge des Bürgerkriegs ein eigenes Staatsgebiet im Norden Syriens erhofften.

Die Türkei betrachtet die YPG als Ableger der PKK, die in der EU als Terror-Organisation eingestuft wird. Gleichzeitig aber war die YPG der wichtigste militärische Verbündete der US-Truppen in Nordsyrien gegen den IS. Unmittelbar vor Beginn der türkischen Offensive hatte, lt. einem Bericht der Zeit, Oktober 2019, Donald Trump 1000 Mann seiner, im syrischen Kurdistan stationierten Truppen abziehen lassen, im sicheren Wissen, damit einen Krieg zwischen Kurden und Türken auszulösen. Des Weiteren schickte der US Präsident 3000 seiner Soldaten nach Saudi-Arabien, um es angeblich gegen einen drohenden iranischen Angriff zu verteidigen, der aber bekanntlich nie stattgefunden hat.

Die Folge des ganzen zynischen „Spiels“ zwischen der Türkei und den USA waren weitere Flüchtlinge aus dem Norden Syriens. Die Rolle Russlands und des Iran soll in diesem Konflikt nicht unerwähnt bleiben, welche beide die syrische Regierung unterstützten. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte den türkischen Präsidenten Erdogan telefonisch dazu auf, die militärische Offensive zu stoppen, da seitens der deutschen Regierung angenommen wurde, dass eine Offensive zu einem Erstarken des IS führen könnte. Das durch die Offensive ausgelöste Chaos führte unter anderem dazu, dass 780 IS-Extremisten aus einem kurdischen Gefängnis fliehen konnten.

Wir Europäer schauten dabei zu, wie zwei unserer NATO-Partner, die Türkei und die USA den Norden Syriens komplett destabilisierten, mit Krieg überzogen und wir taten zu wenig, um dies zu verhindern!

Der UNO-Sicherheitsrat erwies sich bei seiner Sitzung am 11. Oktober 2019 als unfähig, einen Beschluss zum türkischen Angriff zu fassen. Eine offizielle Verlautbarung nach dem Ende der Ratssitzung blieb aus. „Man habe die Türkei nicht zu einem Angriff ermächtigt und man würde reagieren, wenn die Türkei zu weit ginge“ so US-Vertreterin Kelly Craft, soweit die Bewertung des UNO-Sicherheitsrat zu einem durchgeführten Angriffskrieg eines NATO-Mitglieds, das an die NATO -Charta gebunden ist.

Den türkischen Streitkräften, sowie den verbündeten syrischen bewaffneten Gruppen wurden während der Offensive im Nordosten Syriens schwere Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen vorgeworfen. Es wurden Wohngebiete bombardiert, die Erschießung des kurdischen Politikers Hevrin Khalaf durch Mitglieder von Ahrar Al-Shaqiya, Teile der Syrischen National Army (SNA), die von der Türkei unterstützt wird, ist belegt, sowie eine hohe Zahl von schwer verwundeten und toten Zivilsten.

Die Türkei besetzte den Norden Syriens in diesem Angriffskrieg seit über zwei Jahren und es ist unwahrscheinlich, dass sie dieses Gebiet an Syrien zukünftig zurückgeben wird. Telepolis schreibt dazu „Was angeblich anfangs dem Kampf gegen den IS dienen sollte, entpuppte sich als „schleichender Genozid“ an den Kurden, Eziden (auch: Jesiden) und Christen in der Region und als Kampf gegen Autonomiebestrebungen der multiethnischen Bevölkerung Nordsyriens.“ Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Kurden diejenigen waren, die den IS im Häuserkampf in Syrien zurückschlugen, nicht die Türkei, nicht die syrische Armee und nicht etwa die USA.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass wie Europäer, insbesondere NATO-Partner, wie die USA, die Türkei, Großbritannien und Deutschland, die sich der NATO-Charta verpflichtet haben, diese missbraucht haben.

Der Artikel 1 der NATO-Charta lautet:

„ Die vertragschließenden Staaten verpflichten sich, gemäß den Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen jeden internationalen Streitfall, an dem sie beteiligt sein mögen, durch friedliche Mittel in der Weise zu regeln, daß Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit unter den Völkern nicht gefährdet werden, und sich in ihren internationalen Beziehungen jeglicher Drohung oder Gewaltanwendung zu enthalten, die in irgendeiner Weise mit den Zielen der Vereinten Nationen nicht vereinbar ist.

Selten zuvor wurde Artikel 1 der NATO-Charta so in den Schmutz getreten wie in den vergangenen 20 Jahren, seit dem furchtbaren Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001.

Der Angriff auf das World Trade Center hat nicht nur 3000 Leben ausgelöscht, er hat die westliche Welt in den Strudel der Barbarei gezogen.

Seit 20 Jahren destabilisiert insbesondere die USA, aber auch Helfer der NATO die Region des Mittleren und Nahen Ostens mit ihrem Unverstand völkerrechtswidrig und gegen die fundamentalen Prinzipien der NATO gerichtet. Es werden Angriffskriege von NATO-Partnern geführt und wir Deutsche und Europäer haben dabei zugeschaut, schauen immer noch dabei zu, haben im Fall Afghanistans sogar aktiv an völkerrechtswidrigen militärischen Aktionen mitgemacht. (Professor Dr. Norman Paech, Völkerrechtler, Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg)

Wir alle taten viel zu wenig dafür, um diese Katastrophen vor unserer europäischen Haustür zu verhindern und verschließen unsere Augen vor der Wahrheit. Wir glorifizieren unsere westliche Welt zu Unrecht! Statt dass Deutschland und die EU ihre verbündeten NATO-Partner, die USA und die Türkei offen kritisieren und nichts unversucht lassen, um ihre Partner von ihren desaströsen Vorhaben abzubringen, verkriechen wir uns und drücken uns vor unserer Verantwortung, verraten unsere Werte und beschweren uns über Flüchtlinge, die von uns selbst mit geschaffen wurden.

Deutschland liefert aktuell noch Kriegswaffen, so z.B. 6 Jagd-U-Boote an die Türkei, an einen NATO-Partner, der den NATO-Partner, das EU-Mitglied Griechenland erst kürzlich offen mit Krieg bedrohte! Was ist das für eine Form von internationaler Partnerschaft? Was ist die NATO noch wert, wenn einige unserer NATO-Partner ihre grundlegenden Prinzipien verraten und missbrauchen, indem sie andere NATO-Partner mit Krieg bedrohen, oder wie im Fall des Iraks, Afghanistans und Syriens, offen angreifen? Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, kein Angriffsbündnis!

Zum Abschluss bleibt festzuhalten, nicht wir Deutsche und EU-Bürger sind die Opfer, wie uns die AfD weismachen will, wenn wir Flüchtlinge bei uns aufnehmen! Opfer sind die Flüchtlinge aus Syrien, aus Afghanistan, aus dem Irak, aus Libyen und weiteren Ländern, die wir mit unserer Abkehr von der Wahrheit und unserer Feigheit in diese menschenunwürdige Situation gebracht haben.

Alle EU-Staaten tragen an der Destabilisierung des Nahen/Mittleren Ostens eine Mitschuld und daher haben wir alle die Verpflichtung, den Betroffenen zu helfen!

Alexander Tutaß,

30.12.2020


Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Dipl. Inf (FH) Alexander Tutaß Ratsherr in Itzehoe Mitglied des CDU-Ortsverbands Itzehoe, Mitglied der Mittelstand- und Wirtschaftsunion, Kreisverband Steinburg

 

Türkei
Erdogan empfängt „türkische Helden von Wien“ im Präsidialpalast

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Ankara – Die Austro-Türken Mikail Özen und Recep Tayyip Gültekin riskierten während des Terroranschlags in Wien mitten im Kugelhagel ihr Leben, um einem angeschossenen Polizisten und einer älteren Frau zu helfen. Um seinen Dank auszusprechen, empfing der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die beiden am Mittwoch im Präsidialpalast in Ankara. Erdogan dankte den im Netz als Helden gefeierten Männern für ihren Mut. Der türkische Staatschef bedankte sich bereits Anfang November per Videotelefonat bei den beiden. Die Türkei sei stolz auf sie, sagte Erdogan:
Seien Sie den Österreichern gegenüber weiterhin hilfsbereit. Sie verstehen uns vielleicht nicht, aber wir verstehen sie.“
Ehrenmedaille vom Polizeipräsidenten Gültekin und Özen sind Mitte Dezember zudem vom Wiener Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet worden.
Recep Tayyip Gültekin (l.) und Mikail Özen während der Verleihung der Ehrenmedaille durch den Wiener Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl. (Foto: Polizei Wien)
Durch „mutiges und beherztes Handeln“ von Gültekin und Özen sei ein Beitrag geleistet worden, sodass „Menschenleben gerettet werden konnten“, heißt es in dem Dankschreiben. Für das „außerordentliche Engagement“, das die beiden Austro-Türken trotz der schwierigen Lage gezeigt hätten, spreche der Wiener Polizeipräsident seinen Dank und seine Anerkennung aus, berichtete TRT Deutsch. „Terror ist überall Terror“ Er lebe in Österreich und verdiene seinen Lebensunterhalt hier, sagte Gültekin: „Die Polizei, die verletzt wurde, war meine Polizei. Die Menschen, die verletzt wurden, waren meine Leute. Ich spreche dem österreichischen Staat mein Beileid aus und hoffe, dass die Verletzten schnell genesen werden.“ Er fügte hinzu: „Wenn morgen dasselbe passiert, würde ich nicht zögern, Menschen zu retten. Ich möchte keine Diskriminierung zwischen Muslimen, Juden oder Christen sehen. Terror hat in diesen Religionen keinen Platz. Terror ist überall Terror.“

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– “Alptug-Sözen-Station” – Alptug-Sözen-Station: Ehre für den Helden von Frankfurt

Er war noch jung, als er bei einer Hilfsaktion sein Leben verlor. Nun soll eine Gedenktafel an sein heldenhaftes Verhalten erinnern.

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US-Sanktionen
S-400-Raketensystem: Türkei und USA kündigen Arbeitsgruppe an

Ankara – Washington hat die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe vorgeschlagen, in der die US-Sanktionen gegen die Türkei erörtert werden sollen. Wegen des Kaufs des russischen S-400-Raketenabwehrsystems hatten die USA am 13.12. der Türkei Sanktionen auferlegt. Wie der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Mittwoch mitteilte, hätte die Türkei bereits zugestimmt. Cavusoglu erklärte, dass die Türkei bereits zuvor eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu den Sanktionen vorgeschlagen gehabt habe. Cavusoglu erklärte, dass die auch Türkei bereits eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu den Sanktionen vorgeschlagen gehabt habe. „Nun kam der Vorschlag von den USA. Da wir natürlich immer den Dialog bevorzugen, sagten wir ja, und die Verhandlungen begannen auf der Ebene von Experten“, so Cavusoglu.
(Screenshot/Twitter)
Washington verhängte die Sanktionen gegen das Direktorat für Verteidigungsindustrie (SSB),dessen Chef Ismail Demir und drei weitere Mitarbeiter.

„Die Türkei ist ein geschätzter Verbündeter und ein wichtiger regionaler Sicherheitspartner für die Vereinigten Staaten, und wir wollen unsere jahrzehntelange Geschichte der produktiven Zusammenarbeit im Verteidigungssektor fortsetzen, indem wir das Hindernis des türkischen S-400-Besitzes so bald wie möglich beseitigen“, schrieb Außenminister Mike Pompeo in einer Erklärung, in der er die Sanktionen ankündigte.

Es wird erwartet, dass der lang erwartete Schritt die Spannungen zwischen Washington und Ankara in den Wochen vor dem Aufstieg des designierten Präsidenten Joe Biden ins Weiße Haus weiter anheizen und eine Botschaft an ausländische Regierungen senden wird, die zukünftige Waffendeals mit Russland in Betracht ziehen. Trotz Warnungen der NATO, testete die Türkei das von Russland erworbene fortschrittliche Luftverteidigungs-Raketensystem S-400 im Oktober.

Washington lehnte die Übernahme des russischen Fliegerabwehrsystems durch die Türkei entschieden ab und suspendierte die Türkei von ihrem Hi-Tech-Kampfjetprogramm F-35, da die S-400 eine Bedrohung für die Stealth-Kampfjets darstelle. Die US-Regierung hatte Ankara auch davor gewarnt, dass es US-Sanktionen nach dem Countering America’s Adversaries Through Sanctions Act riskiert, wenn das S-400-System aktiviert wird.

Die Türkei besteht darauf, dass sie gezwungen wurde, das russische System zu kaufen, nachdem Washington sich geweigert hatte, ihm das US-Patriot-System zu verkaufen. Ausschluss aus dem F-35-Programm

Nachdem die Bundesregierung im August 2015 den Abzug der deutschen Patriot-Abwehrraketen aus der Türkei angekündigt hatte und Washington sich geweigert hatte, Ankara das US-Patriot-System zu verkaufen, gab die Türkei 2017 den Kauf des russischen System S-400 bekannt. Die USA haben dieses Vorhaben Ankaras scharf verurteilt und ihren NATO-Partner im Juli aus dem gemeinsamen F-35-Entwicklungsprogramm ausgeschlossen.

Die Türkei ist Mitentwickler und Lieferant von  etwa 900 Bauteilen. Schon sehr bald müssten türkische Soldaten, die an dem Projekt mitarbeiten, die USA verlassen. Spätestens im März 2020 soll der Ausschluss der Türkei abgeschlossen sein.

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„Der Druck war in der Tat beispiellos. Wir begrüßen die ziemlich harte und kategorische Haltung von Präsident Erdogan. Wir glauben, dass nur diese Position es uns ermöglicht, tatsächlich einen freien und souveränen Dialog aufzubauen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in der Sendung „Moskau. Kreml. Putin“ des russischen TV-Kanals Rossiya-1TV.

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Balkan
Kosovo: „Bereit für einen NATO-Beitritt“

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Tirana – In einer Ansprache  an die Soldaten der Kosovo-Armee (KSF) erklärte am Mittwoch die amtierende Präsidentin des Kosovo, Vjosa Osmani, gemeinsam mit dem US-Botschafter Philipp S. Kosnett, dass es für die Armee an der Zeit sei, Teil der NATO zu werden. Die neue Armee befinde sich zwar noch in er Aufbauphase, 2020 sei für die Streitkräfte jedoch erfolgreich gewesen. „Während der Pandemie hat die KSF die Institutionen wie gewünscht unterstützt und hat gezeigt, dass sie ihre Hilfe leisten kann“, betonte die kosovarische Staatschefin. „Das Kosovo verfügt heute über professionelle Kräfte, die dem Auftrag entsprechen. Die Zeit ist gekommen, dass unser Militär seinen Beitrag zu den ausländischen Friedenstruppen leistet“, sagte Osmani. https://twitter.com/USAmbKosovo/status/1342192455031152646 Osmani betonte, dass ihre Bereitschaft, dem Land zu dienen, durch „die Hilfe, die sie Albanien gegeben haben und die Bereitschaft, Kroatien zu helfen“, bewiesen wurde. Im Jahr 2018 genehmigte die Versammlung des Kosovo rechtliche Änderungen, um das Mandat der Kosovo-Sicherheitstruppe in eine reguläre Armee umzuwandeln. Der Transformationsprozess der Kosovo-Armee wird voraussichtlich zehn Jahre dauern, berichtet das Nachrichtenmagazin Exit

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Mit seiner Entscheidung, eine erste Nationalarmee zu gründen, schrieb Mitte Dezember nicht nur das kosovarische Parlament Geschichte. Der in einer türkischen Militärflugschule ausgebildete Pilot Afrim Zabeli, schloss nur einen Tag vor der Abstimmung seine Schulung zum Militärhubschrauber-Piloten ab und wurde somit 1. Pilot der kosovarischen Armee. NEX24 Kosovo-Korrespondent Mustafë Mehmeti sprach mit dem 27-Jährigen in der Hauptstadt Pristina.

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