S-400-Deal
Türkei: Auch andere NATO-Mitglieder nutzen bereits russische Raketensysteme

Auch wenn die USA den Druck auf die Türkei und Indien erhöhen, vom Kauf der S-400 zurückzutreten, waren in den vergangenen Jahren mindestens drei NATO-Mitglieder bereits im Besitz von russischen Raketenabwehrsystemen. 

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Ankara (nex) – Auch wenn die USA den Druck auf die Türkei und Indien erhöhen, vom Kauf der S-400 zurückzutreten, waren in den vergangenen Jahren mindestens drei NATO-Mitglieder bereits im Besitz von russischen Raketenabwehrsystemen.

Nachdem Indien im Oktober 2018 nach umfangreichen Gesprächen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Premierminister Narendra Modi über den Kauf von S-400-Raketenabwehrsystemen ein Abkommen mit Moskau unterzeichnet hat, sollen die Lieferungen im Oktober 2020 beginnen und bis April 2023 abgeschlossen sein. Die Türkei, die 2017 die Verhandlungen über den Kauf aufgenommen hat, wird voraussichtlich in den nächsten zwei Monaten ihre erste Bestellung erhalten.

Bei dem NATO-Verbündeten Türkei ist Washingtons Haupteinwand gegen den geplanten Einsatz russischer Systeme, dass sie nicht mit der NATO-Ausrüstung kompatibel wären und eine Bedrohung für die Jagdflugzeuge F-35 des US-Herstellers Lockheed Martin darstellen würden, bei denen die Türkei ein potenzieller Käufer und Partner in Entwicklung und Produktion ist.

Russland hat die frühere Version des S-300-Systems bisher an rund 20 Länder verkauft, darunter die NATO-Mitgliedsländer wie Bulgarien, Griechenland und die Slowakei. Die S-300-Raketen sind derzeit ein integrierter Bestandteil der Luftverteidigung Griechenlands – einer NATO-Nation – und wurden auch in Griechenland eingesetzt, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu.

Experten gehen davon aus, dass die NATO-Streitkräfte und ihre Jets den in Griechenland stationierten Radarsystemen so stark ausgesetzt sind, wie sie es von dem in der Türkei stationierten Raketenschild her kennen. Es wird vermutet, dass die USA selbst 1994 ein Luftverteidigungssystem S-300 von Belarus gekauft hatten. Die New York Times berichtete jedoch, dass dies dazu gedacht sei, das System zu untersuchen, um seinen eigenen Patriot-Luftabwehrsystem zu modernisieren.

Das S-400 Triumf-Raketensystem wurde vom russischen Almaz Central Design Bureau als Upgrade des S-300-Modells entwickelt und trägt Boden-Luft-Raketen, die eine Vielzahl von Flugzeugen aus Entfernungen von 40 bis 400 Kilometern (25 bis 250 Meilen) anvisieren können. Es wird derzeit als das beste Luftverteidigungssystem der Welt bezeichnet.

Vorteile des S-400

Die S-400-Raketen sind mit modernsten Radarsystemen ausgestattet, die eine mobile Radarstation mit einer Reichweite zwischen 65 und 1.200 km (40-746 Meilen) und einer aktuellen maximalen Kapazität von 100 Zielen ermöglichen.

Während in den USA hergestellte Kampfjets der fünften Generation, wie die F-35, entwickelt wurden, um das S-400-Sytem zu überwinden, wird angenommen, dass andere Flugzeuge wie die F-16 und F-18 Versionen nicht in der Lage sind, dem System auszuweichen.

Betriebsmäßig besteht jedes S-400-Bataillon aus zwei Batterien mit je vier Trägerraketen für insgesamt 40 Trägerraketen in fünf Regimenten – genug, um zwei bis drei Großstädte zu schützen. Sie sind so konzipiert, dass sie alle Luftobjekte einschließlich Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und ballistische Raketen zerstören können.

S-400 internationale Einsätze

Russland verfügt derzeit über fünf S-400-Regimenter in seinem Territorium: zwei in Moskau und je eines in den pazifischen, baltischen und südlichen Militärbezirken, wobei bis 2020 weitere 28 Regimenter geplant sind, die jeweils aus zwei oder drei Bataillonen mit jeweils vier Systemen bestehen, hauptsächlich in See- und Grenzgebieten. Syrien, Belarus und China besitzen derzeit auch S-400-Systeme.

Seit einigen Jahren bildet Russland chinesisches Militärpersonal für die Nutzung des Luftverteidigungssystems aus. China war der erste internationale Kunde, der 2014 einen Auftrag im Wert von drei Milliarden Dollar erteilte.

Während die Türkei und Indien im Rampenlicht der Medien stehen könnten, sind Saudi-Arabien, Ägypten, Irak und Katar weitere US-Verbündete, die derzeit mit Moskau über die Hardware verhandeln. Im Februar 2017 erklärte Sergey Chemezov, CEO der Rostec Corporation – der staatlichen Firma, die die S-400 herstellt -, dass Ägypten an dem Flugabwehrsystem S-400 interessiert sei. Aber die Verhandlungen wurden aufgrund der finanziellen Probleme Ägyptens verschoben, berichtet Anadolu weiter.

Raketensystem S-300, das in 17 Ländern eingesetzt wird, darunter NATO-Verbündete.

Die frühere Version des S-400-Systems verwendet ein identisches Radarsystem und befindet sich derzeit im Besitz von 17 Ländern, darunter Griechenland, die Slowakei und Bulgarien – alle US-Verbündeten. Die Ukraine, Algerien, Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Ägypten, Indien, Iran, Kasachstan, Venezuela, Vietnam, Georgien, Moldawien, Turkmenistan und Usbekistan haben ebenfalls die S-300.

Nachdem die Bundesregierung im August 2015 den Abzug der deutschen Patriot-Abwehrraketen aus der Türkei angekündigt hatte, gab Ankara 2017 den Kauf des russischen System S-400 bekannt.

Die USA haben dieses Vorhaben Ankaras scharf verurteilt und ihren NATO-Partner gewarnt, dass sie, wenn der Kauf voranschreitet, die Teilnahme Ankaras am Jagdflugzeugprogramm F-35 neu bewerten müssten.

„Die Türkei muss sich entscheiden“, warnte der amerikanische Vizepräsident Mike Pence.

„Will sie ein echter Partner im erfolgreichsten Militärbündnis der Geschichte bleiben oder will sie die Sicherheit dieser Partnerschaft gefährden, indem sie solche rücksichtslosen Entscheidungen trifft, die unser NATO-Bündnis untergraben“, fragte Pence. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu drohte daraufhin mit einem Kauf russischer Kampfjets.

„Es gibt die F-35, aber es gibt auch Flugzeuge, die in Russland hergestellt werden. Wenn wir keine F-35 kaufen können, wird die Türkei ähnliche Flugzeuge aus anderen Ländern kaufen. Und das wird so lange so fortgeführt, bis wir mit der Produktion unserer eigenen Kampfjets der fünften Generation beginnen“, zitiert der türkische Nachrichtensender NTV Cavusoglu.

Moskau lobt Erdogans „harte Haltung“

Russland begrüßt die „harte Haltung“ des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegenüber den USA.

„Der Druck ist in der Tat beispiellos. Wir begrüßen die ziemlich harte und kategorische Haltung von Präsident Erdogan. Wir glauben, dass nur diese Position es uns ermöglicht, tatsächlich einen freien und souveränen Dialog aufzubauen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in der Sendung „Moskau. Kreml. Putin“ des russischen TV-Kanals Rossiya-1TV. Russland und die Türkei gehörten laut Peskow zu den wenigen Länder auf der Welt, die souverän und selbstständig handeln könnten.

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