Türkische Rüstungsindustrie
Sicherheitsexperten: Türkische Rüstungsunternehmen bringen israelische Waffenindustrie in große Bedrängnis

Das angespannte Verhältnis zur Türkei wirkt sich negativ auf die israelische Rüstungsindustrie aus, schreibt ein sicherheitspolitisches Fachmagazin. Die Türkei kaufe nicht nur keine Rüstungsgüter für den eigenen Bedarf mehr in Israel, sondern mache dem Land zusätzlich auch noch erfolgreich Konkurrenz auf dem Weltmarkt.

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Jerusalem (nex) – IHLS, eine Fachzeitschrift, die sich mit der israelischen Sicherheitspolitik befasst, hat sich sorgenvoll über strukturelle Probleme der israelischen Rüstungsindustrie und Gefahren geäußert, die für deren Marktposition aus dem angespannten Verhältnis zwischen Israel und der Türkei erwachsen würden. In einem längeren Beitrag diagnostizierte Arie Egozi zum einen schwere hausgemachte Fehler im Bereich der israelischen Verteidigungspolitik, zum anderen eine schwierige Marktlage sowohl im bilateralen Verhältnis zwischen der Türkei und Israel als auch auf den Weltmärkten.

Es wirke sich auf die Position der israelischen Rüstungsunternehmen auf dem Weltmarkt negativ aus, dass – anders als in den USA oder Europa – versäumt worden sei, schlagkräftige große Einheiten aus dem Geflecht der Klein-, Mittel- und Großunternehmen zu schaffen. Die Privatisierung der drei bedeutendsten Akteure, der Israeli Aerospace Industries (IAI), Rafaels und der Israel Military Industries (IMI), zieht sich mittlerweile über Jahre. Da die Regierung immer noch ein Mitspracherecht hinsichtlich des Geschäftsgebarens der betreffenden Unternehmen hat und auch Arbeitnehmervertretungen zahlreiche Entscheidungsmechanismen lahmlegen, haben Israels führende Rüstungskonzerne ein nicht unerhebliches Handicap auf Grund der damit verbundenen Restriktionen. Jeder kämpfe gegen jeden, und mittlerweile würden immer mehr ehemalige Großkunden selbst zu weltmarktfähigen Produzenten. Vor allem die Türkei steche diesbezüglich hervor.

Günstigere Kostenstruktur der türkischen Anbieter

Bis zum Zwischenfall auf der Mavi Marmara im Jahre 2010 habe die Türkei neben Indien zu den ertragreichsten Rüstungsmärkten für Waffensysteme und sonstigen militärischen Bedarf Made in Israel gehört. Dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern nach dieser Eskalation in so tiefgreifender Weise abkühlten, sei nur ein Faktor, der Israels Absatzchancen schade. Die Türkei habe danach nicht nur aufgehört, israelische Rüstungsgüter zu kaufen, sondern auch begonnen, eigene herzustellen. Was anfangs nur als Einzelentscheidung ausgewählter Unternehmen in diesem Bereich ausgesehen habe, sei nun zur türkischen Maxime geworden: „Wir werden ihre Produkte nicht kaufen und machen ihnen auch noch Konkurrenz.“ Dabei gehe die Türkei höchst erfolgreich vor. Die Lohnkosten in der Türkei seien niedriger als in Israel, was den türkischen Rüstungsbetrieben noch zusätzlich einen Vorteil auf dem Weltmarkt verschaffe. Auch reiche das Spektrum der angebotenen Güter weit, so sei etwa die Bedek Aviation Group mittlerweile in der Lage, die gleichen Bereiche zu versorgen wie IAI. Bedek gehöre jetzt schon zu den führenden Dienstleistern, wenn es um die Wiederinstandsetzung und Umgestaltung von Flugzeugen gehe, etwa vom Personen- zum Frachttransport. Das Unternehmen dringe auf Grund seiner günstigen Konditionen nicht nur auf den US-Markt vor, sondern könne auch auf dem eigenen Heimatmarkt punkten. So sei die Türkei auch im Bereich der Wartung nicht mehr auf die Hilfe israelischer Anbieter angewiesen.

US-Firmen arbeiten verstärkt mit türkischer Rüstungsindustrie zusammen

IHLS zitiert eine Quelle aus dem Sicherheitswesen mit den Worten: „Wir haben den türkischen Markt auf allen Feldern verloren, und es sieht so aus, als ob die Türken auch in der Lage wären, mit uns in den Bereichen Wartung und Wiederinstandsetzung in Konkurrenz zu treten.“ Zudem würden US-Unternehmen auch mittlerweile dazu übergehen, Waffensysteme aus der Türkei statt aus Israel zu kaufen.

Gleichzeitig verbessere sich stetig das Knowhow der türkischen Anbieter, da sich diese in den Verträgen mit US-Abnehmern angesichts ihrer günstigen Angebotsstruktur auch Elemente des Technologietransfers sichern könnten, die den türkischen Anbietern weitere technologische Fortentwicklungen ermögliche. IHLS sieht auch aufseiten der US-Regierung keinerlei Bedenken, mit dem NATO-Partner auf diesen Feldern zusammenzuarbeiten, der immerhin, zum Leidwesen Jerusalems, enge politische Beziehungen zur Hamas pflege.

Die Zusammenarbeit zwischen den USA und der Türkei im Bereich der Sicherheit vertiefe sich ungebrochen. Während die Regierung in Washington Signale der Schwäche sende, so Arie Egozi, werde keine dieser legitimen Fragen aufgeworfen. Für Washington seien dies alles Trivialitäten, aber Israel sei auf diesen Rückschlag nicht vorbereitet gewesen. „In Israel gibt es wie üblich keine klare Politik bezüglich des Imports und Exports von Rüstungsgütern“, schreibt der Experte, „und in vielen Fällen hat die Industrie in den vorangegangenen Jahren dadurch einiges an Aufträgen eingebüßt“.

 

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