Hass im Netz
Autorin Sophie Passmann erhält zahlreiche Drohbriefe: „2020 war mehr Todesliste“

Die Autorin Sophie Passmann hat viele negative Erfahrungen mit Hass im Netz gemacht, unter anderem hat sie ihren Namen bereits auf Todeslisten entdecken müssen. „Am meisten Hass generieren Posts über Rechtsradikale, die Polizei oder die Bundeswehr. Da hat man mit beeindruckender Geschwindigkeit organisierte Leute auf der Matte stehen, die einen fertig machen“, sagt sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die 27-Jährige, die Hunderttausende Follower in den sozialen Netzwerken hat, berichtete weiter:
„Am gefährlichsten ist alles mit Nazis. Wenn man etwas Gutes sagt über Geflüchtete, Asylrecht oder immer auch noch Frauenrechte. Alles, was gegen das Kernprogramm der AfD geht, ist das, wo die Drohbriefe kommen, wo man auf Todeslisten steht, wo man den Anwalt einschaltet.“
Schon im Jahr 2019, dem Erscheinungsjahr von „Alte weiße Männer“, habe sie ihren Anwalt wegen Beleidigungen und Drohbriefen einschalten müssen. 2020 habe sich diese Tendenz aber noch verstärkt: 2020 war mehr Anwalt – und mehr Todesliste.“ Passmann, die mit „Komplett Gänsehaut“ gerade einen neuen Roman vorgelegt hat, spricht aber auch über die Corona-Krise, die ihr sehr zu schaffen macht. „Erschöpfung, Dünnhäutigkeit, Nervosität, Depressionen, Angstattacken. Das volle Millenial-Anxiety-Programm“, beschreibt sie die Auswirkungen der Pandemie und des Lockdowns auf sich selbst.

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– Frankfurt – „Miese Türkensau“: Türkische Anwältin von Polizisten bedroht

Die türkischstämmige Rechtsanwältin und Vertreterin der Nebenklage im NSU Prozess, Seda Başay-Yildiz, wurde laut einem Bericht der „Frankfurter Neue Presse“ (FNP) von fünf Frankfurter Polizisten bedroht.

„Miese Türkensau“: Türkische Anwältin von Polizisten bedroht

Buchvorstellung
Rezension: Der Koran und die Frauen

Der Koran und die Frauen von Benjamin Idriz: Eine Rezension von Prof. Dr. Stefan Jakob Wimmer (Ludwig-Maximilian-Universität München)

Benjamin Idriz dürfte der einzige Imam Deutschlands sein, der promovierter islamischer Theologe ist und zugleich auf deutsch schreibt. Beides – die Praxisbezogenheit des Seelsorgers und die wissenschaftliche Vertrautheit mit den Quellen – zeichnet sein neues Buch aus. Mit diesen Qualitäten ragt es aus einer wahren Flut von Veröffentlichungen aller Art über die „Frauenfrage“ im Islam wohltuend heraus.

Der Autor ist seit vielen Jahren weit über die oberbayerische Kleinstadt Penzberg, wo er als Imam wirkt, und über München, wo er das „Münchner Forum für Islam“ initiiert hat, bekannt: Sein Wirken und Schaffen gilt einem authentischen Islamverständnis, das mit den Wertvorstellungen der deutschen und europäischen Gesellschaft unserer Zeit nicht nur kompatibel ist, sondern die gemeinsamen Werte aus den Quellen des Islams – dem Koran und der Tradition der Propheten – ableitet.

Gerade zum Thema „Der Koran und die Frauen“ kann diese Herangehensweise Vielen die Augen öffnen. Denn Idriz leugnet keineswegs die traurigen und oft genug bisweilen schockierenden Realitäten. Er stellt sie schonungslos bloß, ordnet sie als das ein, was sie sind: empörende Verirrungen in der muslimischen Geschichte und leider auch Gegenwart, und zeigt auf, was der Koran wirklich dazu sagt.

Damit spricht er zum einen die breite Öffentlichkeit an, die über die Berichterstattung der Medien wenig bis keine Möglichkeiten hat, sich kompetent informieren zu lassen. Zum anderen aber wendet er sich direkt an Musliminnen und Muslime und fordert vor allem auch sie dazu auf, ihre eingespielten Verhaltens- und Denkweisen zu überprüfen und zu dem zurückzukehren, was Gott im Koran meint und der Prophet in seinen Hadithen wirklich gesagt hat und was nicht.

Er lässt sich somit nicht von einem aktuellen Trend vereinnahmen, den Islam neu zu erfinden, sondern weist kompetent nach, dass und wie der Koran und die Sunna von Anfang an die Befreiung der Frau, ihre Wertschätzung und Gleichstellung bewirken wollten und weiterhin fordern. Das Buch öffnet neue Horizonte für alle, die von der Frage betroffen sind oder meinen, mitreden zu können. Die Debatte über die Frau im Islam in Deutschland kann ohne dieses Buch nicht mehr geführt werden.

Amazon: Der Koran und die Frauen: Ein Imam erklärt vergessene Seiten des Islam

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– Weltfrauentag – Der Prophet Muhammed: Ein Kämpfer für Frauenrechte

„Während andere religiöse Führer seltsam schweigsam über die Unterdrückung der Frauen zu sein schienen, hob Muhammed den Status der Frauen als eine Angelegenheit der religiösen Überzeugung und der staatlichen Politik dramatisch an. Muhammad war mit Abstand der radikalste und ermächtigendste in seiner Behandlung von Frauen. Wahrscheinlich war er der erste Feminist der Geschichte“. Jim Garrison, Huffpost.

Der Prophet Muhammed: Ein Kämpfer für Frauenrechte

Islam
Das Geschenk der Miradsch-Nacht: Liebe zu Gott und zu den Menschen

Von Benjamin Idriz Die heutige Isr‘a und Miradsch-Nacht hat eine besondere Bedeutung für die Muslime. Traditionell verbringen sie diese Nacht im Gebet und im Gedenken. Diese Nacht gilt als segensreich – weil in ihr dem Propheten Muhammad die Himmelfahrt, von Mekka nach Jerusalem und von Jerusalem aus in das Universum, zuteilwurde. Ob es sich allerdings um eine körperliche oder seelische Reise handelt und wie ihr Verlauf aussah, darüber gehen die Meinungen der Gelehrten auseinander. So oder so, diese Himmelreise ist ein Wunder und ein besonderes Ereignis im Leben des Propheten, Friede sei auf ihn. Diese spirituelle Reise ereignete sich zu einer Zeit, in der die Unterdrückung der Muslime in Mekka den Höhepunkt erreichte. Der Prophet hatte seine zwei Unterstützer verloren: seine Gattin Hadidscha und seinen Onkel Abu Talib. Gott, der Barmherzige, nahm seinen in Bedrängnis geratenen Propheten in solch einer Zeit zu sich, um ihn zu trösten und zu ermutigen. Das tägliche Gebet, welches auf dieser Reise als verpflichtet bestimmt wurde, ist der Trost und die Erleichterung für Menschen, die in Schwierigkeiten und Not sind. Die Miradsch bedeutet der Aufstieg eines menschlichen Wesens von der Hilflosigkeit in die Erhabenheit. Das Gebet als “Himmelfahrt der Gläubigen” ist ein Geschenk dieser Nacht. Das Wort für Gebet, arabisch salah, hat die Bedeutung von Verbindung und Beziehung. Salah ist eine transzendente, metaphysische Beziehung zwischen dem Menschen und Gott. Diese Verbindung zwischen Gott und dem Menschen ist ein Zeichen der wechselseitige Liebe zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf. Liebe ist keine Vernunftssache und so ist auch die Beziehung des Menschen zum Glauben eine Sache des Gefühls. Diese Liebesbeziehung ist das Ergebnis des Vertrauens, das tief im Herzen eingepflanzt ist. Das Resultat dieser engen und direkten Beziehung ist gegenseitige Liebe (hubb): „Diejenigen, die Gott vertrauen/glauben, lieben Gott noch mehr!“ (2:165) und Zufriedenheit (rida). Diese zwei Eigenschaften der Beziehung, also Liebe und Zufriedenheit, sind im Koran sowohl für Gott als auch für Menschen bezeugt: „…die Er liebt und die Ihn lieben…“(5:54), “…Gott ist wohlzufrieden mit ihnen, und wohlzufrieden sind sie mit Ihm…“ (9:100). Weiter sehen wir im folgenden Vers, wie diese gegenseitige wohlwollende und aufrichtige Beziehung zur Glückseligkeit im Paradies führt: „Und am Gerichtstag wird Gott sagen: „heute wird ihre Wahrhaftigkeit allen nutzen, die ihrem Wort treu gewesen sind: ihrer werden Gärten sein, durch die Wasserläufe fließen, darin zu verbleiben jenseits der Zählung der Zeit; wohlzufrieden ist Gott mit ihnen, und wohlzufrieden sind sie mit Ihm: dies ist der höchste Triumpf“ (5:119). Aus der engen Beziehung zwischen Gott und Mensch ist ein gemeinsames Attribut entstanden, mit dem Gott und Mensch bezeichnet werden: Vertrauenswürdig. Gott bezeichnet sich selbst als [al-mu’min], der absolut Vertrauenswürdige und derjenige, der das Vertrauen gewährt, und der an Ihn Glaubende heißt ebenfalls [mu’min], ein Mensch, der Gott vertraut und anderen Vertrauen schenkt. Trotz Seiner absoluten Macht ist Gott nicht nur der Herrscher, der von der höchsten Stelle auf den Menschen schaut, sondern auch ein Freund, der neben dem Menschen, in ihm und mit ihm zusammen steht: „Und wenn Meine Diener dich nach Mir fragen – siehe, Ich bin nahe; ich erhöre den Ruf dessen, der ruft, wann immer er zu Mir ruft“. (2:186). Der Glaube an Gott, īmān, ist mehr eine Herzens- und Liebesangelegenheit als eine Sache der Vernunft. So ist es auch mit dieser Himmelreise des Propheten, die unsere Vernunft herausfordern kann. Unsere Vernunft wird nie die Gewissheit des īmān erreichen. Jederzeit kann eine neue Erkenntnis aufkommen, die unser Verstand in Frage stellt. Īmān ist eine angeborene Überzeugung und eine Erkenntnis, die in der Seele verwurzelt ist, die die Vernunft übersteigt und somit Wissen und Herz stärkt. Denn der Glaube spricht eben nicht primär den Verstand des Menschen an, sondern sein Herz. Entscheidend ist, was im Herzen liegt, und nicht auf den Lippen, in Behauptungen und äußerem Schein. Der Prophet bekräftigt das in einer seiner Aussage: „Gott achtet nicht auf euren Äußeres, sondern auf eure Herzen und Taten.“ Der Wert des Menschen bemisst sich also an dem, was in seinem Herzen liegt und was dieses Herz hervorbringt. Hat sich ein Mensch den īmān angeeignet, dann fühlt er diese Wahrheit in seinem innersten Wesen. Īmān umgeht den Verstand und das Herz nicht, sondern er wächst mit beiden, steigt höher und vervollständigt seine Bedeutung.
Amazon: Der Koran und die Frauen: Ein Imam erklärt vergessene Seiten des Islam
Der īmān an Gott ist Vertrauen auf Ihn. Wenn ich also sage: Ich glaube an Gott, sollte das eigentlich bedeuten: Ich glaube Gott, ich vertraue Ihm. Und dieser Glaube sollte sich über Gott hinaus in den Menschen manifestieren. Mit dem Herzen liebt man, fühlt und ahnt man. In der menschlichen Erkenntnisquelle, fu’ad, dem Herzen, ist die Wahrheit über Gott immanent: die Wahrheit über eine erhabene, nicht materielle Welt, der Traum von Ewigkeit. Diese Nacht lehrt uns, dass es lediglich durch aufrichtige Absicht und entschiedene Bemühung möglich ist, höhere Ränge und Gottes Liebe zu erreichen. Die tägliche rituelle Waschung erfrischt und reinigt die äußeren Organe; die täglichen Gebete bescheren den Menschen Entspannung und Ruhe in der hektischen Welt. Das Gebet im Koran wird im Zusammenhang mit der materiellen Unterstützung der Schwachen (107:4-7), mit der Überwindung von Schwierigkeiten durch die Geduld (11:114-115), wie auch mit der schönen Art und Weise des Umgangs mit den Menschen (2:83) erwähnt. Das Gebet im Islam, also, beabsichtigt, den Menschen dazu zu erziehen, täglich zum Frieden und zur Harmonie beizutragen. Das Gebet ist nicht das Ziel, sondern ein Mittel, ein Weg, das Ziel ist Vollkommenheit und Gutes erlangen. Ich wünsche, dass diese segensreiche Nacht Gutes und Segen für unsere Gegenwart und Zukunft bringen möge.

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– Weltfrauentag – Der Prophet Muhammed: Ein Kämpfer für Frauenrechte

„Während andere religiöse Führer seltsam schweigsam über die Unterdrückung der Frauen zu sein schienen, hob Muhammed den Status der Frauen als eine Angelegenheit der religiösen Überzeugung und der staatlichen Politik dramatisch an. Muhammad war mit Abstand der radikalste und ermächtigendste in seiner Behandlung von Frauen. Wahrscheinlich war er der erste Feminist der Geschichte“. Jim Garrison, Huffpost.

Der Prophet Muhammed: Ein Kämpfer für Frauenrechte

Geschichte
Am Bosporus: Seeschwalbe in Mayonnaise für das deutsche Kaiserpaar

Ein Gastbeitrag von Thomas Weiberg – Historiker Zu (Staats-)Besuchen nicht nur fürstlicher Gäste gehören seit je entsprechende Festbankette und ›Arbeitsfrühstücke‹. Heute möchte ich ein festliches ›Frühstück‹ für Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria am 2. November 1889 im Palais der deutschen Botschaft in Konstantinopel vorstellen. Gastgeber war der Botschafter Joseph Maria von Radowitz (1839-1912). Das in Hofkreisen der damaligen Zeit stets sogenannte ›Frühstück‹ entspricht nach unseren heutigen Gepflogenheiten übrigens dem Mittagessen. Im Anschluss an den Kirchenbesuch in der deutschen evangelischen Kirche – es predigte der in Berlin sehr populäre Oberhofprediger Rudolf Kögel (1829-1896) – fuhren die Majestäten, der Kaiser in Generalsuniform, die Kaiserin in einer ›rehbraunen Toilette‹, an diesem zweiten Besuchstag am Bosporus dann durch die Grande rue de Péra (Beyoğlu) zu einem Frühstück in die deutsche Botschaft, von der Gräfin von Keller, die Hofdame der Kaiserin, vermerkte, sie sei wenig schön und im ›Kasernenstil‹ erbaut, aber geschmackvoll eingerichtet und malerisch gelegen. Unterwegs wurden den Majestäten an der Firuz Ağa Camii in Pera von Blumenfrauen (es wird sich vermutlich um Ehrenjungfrauen, die Blumen überreichten, gehandelt haben) noch zwei, mit den preußischen und hohenzollernschen Wappen besticke Seidenkissen übergeben, wie der ›Levant Herald‹ zu vermelden wusste. Auch Rosa von Förster, eine Schriftstellerin aus Berlin, war durch ihre Beziehungen zu General Kurt von Hobe (1843-1928) – dem deutschen Stallmeister Sultan Abdül Hamids II. – und Frau von Radowitz zu dem Frühstück für dreißig Personen sowie dem folgenden Empfang eingeladen. Sie berichtete:
»Ein wohlbekannter Künstler und Professor der Kunstschule, M[onsieu]r Valery, hatte für den Kaiser, die Kaiserin und den Prinzen Heinrich Tischkarten [Menükarten] in Wasserfarben gemalt. Die für den Kaiser bestimmte stellte ein maurisches Portal dar mit einem Türken zu Pferde und Ansichten von Constantinopel. Die der Kaiserin war mit charakteristischen Aufnahmen des Bosporus geziert, in der Mitte war ein Kiosk mit einem offenen Fenster, vor welchem zwei Türkinnen zur Guitarre sangen. Die des Prinzen Heinrich zeigte ein großes Segelschiff mit türkischen Fischern bemannt, in der Ferne sah man die Ufer des Marmarameeres. […] Die übrigen Gäste hatten lithographierte Karten mit einem Bildchen von der Serailspitze.«
Auch Botschafter von Radowitz schrieb über diese künstlerischen Beigaben: »Auf den Menüs waren Ansichten der Serailspitze und der Botschaft; für die Majestäten und Prinz Heinrich hatte ich besondere Aquarelle machen lassen, schöne Blätter von Valery (Kostenpunkt 1000 Franken!) …« Die auf so künstlerische Weise gestalteten Menükarten verzeichneten folgende Speisen: »Bouillon mit Perlgraupen, Gänseleberpastete mit Sauerkraut auf deutsche Art; gedämpfter Ochsenrücken mit Gemüsen; Seeschwalbe in Mayonnaise; gebratene Haselhühner mit Salat und Johannisbeer-Eingemachtem; Grüne Erbsen mit Spargelspitzen, Gefrorenes von Ananas in Schaumwein; Käsestängchen; Früchte und Nachtisch.« Die Chöre des Handwerker-Vereins und der Deutschen Schule sangen unterdessen im großen Saal der Botschaft Volks- und vaterländische Lieder, unter anderem einen speziell für diesen Anlass geschaffenen ›Gruß an die Kaiserin‹, der Ihrer Majestät so gut gefiel, dass er wiederholt werden musste. Es folgte die separate Vorstellung der ›Spitzen der Kolonie‹ — der Kaiserin wurden die deutschen Damen vorgestellt, der Kaiser empfing gemeinsam mit seinem Bruder die Herren. Diese Passage ist meinem Buch entnommen: Mein Sultan möge lange leben! Padişahım çok yaşasın! Sultan Abdül Hamid II. und Kaiser Wilhelm II. Eine deutsch-osmanische Freundschaft? Wer nun neugierig geworden ist, kann es hier als ebook bestellen.

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– Deutsch-osmanische Freundschaft – Vor 120 Jahren wurde der Deutsche Brunnen in Istanbul eingeweiht

Das bedeutendste Denkmal der viel beschworenen und noch mehr strapazierten deutsch-osmanischen Freundschaft befindet sich bis heute gut sichtbar in Istanbul – auf dem repräsentativen Platz zwischen der Hagia Sophia und der Moschee Sultan Ahmeds.

Vor 120 Jahren wurde der Deutsche Brunnen in Istanbul eingeweiht

Rentenbezugsmitteilungen
Steuererklärung 2020: R-AUS für Rentner

Rentenbezugsmitteilungen gehen jetzt raus Am Anfang eines neuen Kalenderjahres verschickt die Rentenversicherung an viele Rentnerinnen und Rentner die sogenannten Rentenbezugsmitteilungen für das Jahr davor. Das bedeutet, dass derzeit die Rentenbezugsmitteilungen für das Jahr 2020 versendet werden. Darin sind unter anderem die Höhe der gezahlten Rente sowie der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge für das vergangene Jahr bescheinigt. Wichtig sind diese Angaben für das zuständige Finanzamt, um anhand der bescheinigten Beiträge die Steuern zu berechnen, die jede Rentnerin und jeder Rentner eventuell zu zahlen hat. Denn seit 2005 müssen immer mehr Rentner eine Steuererklärung abgeben. Die Rentenversicherung übermittelt die Daten auch an das zuständige Finanzamt. Für Rentnerinnen und Rentner bedeutet das: Sie müssen seit diesem Jahr die Werte nicht mehr zwingend in die Vordrucke „Anlage R“ und „Anlage Vorsorgeaufwand“ eintragen. Über ihre Rentenbezugsmitteilung wissen sie, was dem Finanzamt gemeldet wurde.
(Grafik: VLH)
Die Anlage R bleibt Die Anlage R muss grundsätzlich von Rentnerinnen und Rentnern ausgefüllt werden, die eine Rente aus dem Inland erhalten, welche nicht vom Arbeitgeber gezahlt wird. Anzugeben ist zum Beispiel die Höhe der Rente und seit wann die Rente bezogen wird. Rentenanpassungsbeträge, Nachzahlungen für mehrere vorangegangene Jahre und Einmalzahlungen müssen jeweils gesplittet angegeben werden. Darüber hinaus können Rentnerinnen und Rentner ihre Werbungskosten angeben: Dazu gehören alle Ausgaben, die „zum Erwerb, zur Sicherung und zum Erhalt“ der eigenen Renten dienen. Übrigens: Grundsätzlich rechnet das Finanzamt jedem Ruheständler automatisch eine Werbungskostenpauschale in Höhe von 102 Euro im Jahr an. Neu seit 2020: Anlage R-AUS und Anlage R-AV / b-AV Das Rentenrecht und auch das Finanzamt unterscheiden nicht nur zwischen gesetzlicher und privater Rente, vielmehr gibt es noch eine dritte Rubrik: Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen und der betrieblichen Altersvorsorge. Bis 2019 waren die verschiedenen Altersvorsorgeleistungen in der Anlage R aufgelistet. Rentnerinnen und Rentner konnten Zutreffendes ankreuzen und entsprechend ausfüllen. Seit 2020 gibt es dafür die Anlage R-AV / b-AV: Hier werden Leistungen aus inländischen Altersvorsorgeverträgen und aus der inländischen betrieblichen Altersversorgung eingetragen. Dazu gehört beispielsweise die Rente aus einem Pensionsfonds, einer Pensionskasse oder einer Direktversicherung. Die Anlage R-AUS wird ausgefüllt, wenn ein Ruheständler eine Rente und andere Leistungen aus ausländischen Versicherungen, ausländischen Rentenverträgen und ausländischen betrieblichen Versorgungseinrichtungen bezieht. Wichtig: Wird eine Rente aus einer ausländischen Versicherung oder einem ausländischen Rentenvertrag gezahlt, liegen der Finanzverwaltung in Deutschland keine elektronischen Daten vor. Deshalb gilt für alle Rentnerinnen und Rentner, die Bezüge aus dem Ausland erhalten: Sie müssen auf jeden Fall die entsprechende Anlage R-AUS ausfüllen. Übrigens: Wer die Rentenbezugsbescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt schon im vergangenen Jahr angefragt hat, bekommt diese auch jetzt wieder unaufgefordert zugeschickt. Ansonsten können Rentnerinnen und Rentner sie ganz einfach mit ihrer Versicherungsnummer bei der Deutschen Rentenversicherung anfordern unter www.deutsche-rentenversicherung.de/steuerbescheinigung. Die VLH: Größter Lohnsteuerhilfeverein Deutschlands Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) ist mit mehr als einer Million Mitglieder und rund 3.000 Beratungsstellen bundesweit Deutschlands größter Lohnsteuerhilfeverein. Gegründet im Jahr 1972, stellt die VLH außerdem die meisten nach DIN 77700 zertifizierten Berater. Die VLH erstellt für ihre Mitglieder die Einkommensteuererklärung, beantragt Freibeträge, ermittelt und beantragt Förderungen und Zulagen, prüft den Steuerbescheid und einiges mehr im Rahmen der gesetzlichen Beratungsbefugnis nach § 4 Nr. 11 StBerG.

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– Rente – Rentenversicherung lehnt jeden vierten Antrag auf berufliche Rehabilitation ab

Die Deutsche Rentenversicherung lehnt nach einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ jeden vierten Antrag auf berufliche Rehabilitation ab. Demnach wurden bei der Rentenversicherung im vergangenen Jahr rund 403.500 Anträge für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben abschießend bearbeitet.

Rentenversicherung lehnt jeden vierten Antrag auf berufliche Rehabilitation ab

Kriminalstatistik
Kriminalität in NRW auf niedrigstem Stand seit 30 Jahren

Düsseldorf – Laut dem NRW Innenministerium ist die Kriminalität in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr noch einmal zurückgegangen. Die Zahl aller registrierten Straftaten in der Polizeilichen Kriminalstatistik ist 2020 um 12.166 auf insgesamt 1.215.763 Fälle gesunken. Das ist ein Minus von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bereits in den zurückliegenden fünf Jahren nahm die Kriminalität kontinuierlich ab. Im vergangenen Jahr konnte das Innenministerium den niedrigsten Wert seit 30 Jahren vermelden. 2020 hat die Polizei 641.901 Taten aufgeklärt; eine Aufklärungsquote von 52,8 Prozent. Innenminister Herbert Reul: „Die Pandemie wirkt sich deutlich auf die Statistik aus und wir sehen, dass sich die Kriminalität ins Netz verlagert hat. Gleichzeitig freue ich mich, dass wir den Tiefstand halten konnten. Das beweist, dass die Polizei auch in der Krise hervorragende Arbeit leistet.“
(Grafik: © IMNRW)
Minister Reul weiter: „Die Polizeiliche Kriminalstatistik ist eine Corona-Statistik. Da gibt es eine Kriminalitäts-Verschiebung“. Während Wohnungseinbrüche um 2.077 Fälle (- 7,7 Prozent) und Straßenkriminalität um 6.818 Fälle (- 2,3 Prozent) zurückgegangen sind, hat die Polizei 2.071 mehr Fälle von Häuslicher Gewalt (+ 7,7 Prozent), 1.828 mehr Fälle von Taschendiebstahl (+ 5,9 Prozent) und 4.176 mehr Fälle von Computerkriminalität (+ 20,8 Prozent) verzeichnet. Bei der Computerkriminalität sind insgesamt 24.294 Fälle registriert worden, 2019 waren es 20.118 Fälle. Reul: „Hier zeigt sich deutlich der Corona-Effekt auf die Kriminalstatistik. Aufgrund der Pandemie findet das Leben jetzt online statt und das Verbrechen kommt hinterher.“ Gestiegen ist unter anderem der Warenbetrug im Internet: So haben Fälscher die große Nachfrage nach Gesundheitsartikeln ausgenutzt und in Online-Shops gefälschte Desinfektionsmittel, Masken, Tests, Testbescheinigungen und schließlich gefälschte Impfstoffe angeboten. Zum ersten Mal wurde die Polizeiliche Kriminalstatistik für Nordrhein-Westfalen im Hinblick auf Häusliche Gewalt analysiert. Darunter fallen Straftaten, bei denen Opfer und Tatverdächtige im gemeinsamen Haushalt leben. Das Landeskriminalamt hat diese erstmals gesondert für das Jahr 2020 und rückblickend auch für 2019 ausgewertet. Grund dafür war unter anderem die Vermutung, dass durch Corona die Gewalt im häuslichen Umfeld angestiegen sein könnte. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik gab es im Jahr 2020 insgesamt 29.155 Fälle; ein Plus zu 2019 von 7,7 Prozent. Dabei wurden 32.705 Opfer Häuslicher Gewalt erfasst. 22.905 Opfer (70 Prozent) waren Frauen und 9.800 Opfer (30 Prozent) Männer. „Das Dunkelfeld bei Häuslicher Gewalt ist groß. Das müssen wir weiter aufhellen, um die Straftaten noch besser aufklären zu können. Bei diesen Delikten handelt es sich ganz überwiegend um Gewalt gegen Frauen. Sie müssen wir noch besser schützen“, so Reul. Dass die Zahl bei diesem Delikt während der Corona-Pandemie angestiegen ist, war lange vermutet worden und ist nun mit validen Daten belegt. Positiv hat sich die Pandemie auf die Zahlen des Wohnungseinbruchdiebstahls ausgewirkt. 2020 sind diese Fälle von 26.857 auf 24.780 gesunken (- 7,7 Prozent). „Hier setzt sich eine Entwicklung fort, die wir schon vor einigen Jahren angestoßen haben und die Corona verstärkt hat“, sagt Innenminister Reul. In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl des Wohnungseinbruchdiebstahls seit 2017 um 52,9 Prozent zurückgegangen. Ebenfalls positiv beeinflusst hat die Pandemie die Straßenkriminalität. Dazu gehören beispielsweise Raubüberfälle und Kfz-Diebstähle. Hier hat die Polizei 290.870 Fälle registriert. Das waren 6.818 Fälle weniger als 2019 (- 2,3 Prozent). Gestiegen sind im vergangenen Jahr Betrugsstraftaten zum Nachteil älterer Menschen. Dabei versuchen Kriminelle durch Ablenkung oder Täuschung an das Vermögen der Senioren zu kommen. Im Jahr 2020 gab es insgesamt 2.621 Betrugsstraftaten zum Nachteil älterer Menschen. Das ist ein Plus von 718 Fällen oder 37,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Betrüger geben sich längst nicht mehr nur als Familienangehörige aus. Wir hatten es während Corona auch verstärkt mit falschen Ärzten oder falschen Ordnungsamtsmitarbeitern zu tun“, so der Minister. 2020 sind 13,2 Prozent aller Straftaten zum Nachteil älterer Menschen auf den so-genannten Enkeltrick entfallen. 608 Fälle oder 23,2 Prozent sind unter dem Phänomen „falsche Amtsträger“ registriert worden. Die Schadenssumme beläuft sich auf rund 25,3 Millionen Euro (+ 31,8 Prozent). „Nicht messbar ist der seelische Schmerz, den diese Straftaten bei älteren Mitbürgern verursachen. Die Menschen schämen sich, sind gedemütigt und haben teilweise alles verloren – ihr Geld und ihren Glauben an die Gesellschaft“, urteilt Minister Reul. Bei den klassischen Straftaten spiegelt sich das Engagement der Polizei Nordrhein-Westfalen wider: So hat es im vergangenen Jahr 372 Mord- und Totschlagsfälle gegeben; ein Minus von 40 Fällen. Hier ist es in 274 Fällen beim Versuch geblieben. Der Minister sieht dies als eine tolle Entwicklung, die die gute Arbeit der Polizei unterstreicht. Es seien zehn Prozent weniger Menschen, die ihr Leben verloren haben. In Bezug auf Mord und Totschlag verweist Reul auf die beständig gute Aufklärungsquote von 93,8 Prozent. Zurückgegangen ist auch die Gewaltkriminalität, zu der etwa Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung zählen, und zwar auf 43.257 Delikte. Ein Minus von 944 Fällen. Bei der Gewaltkriminalität hat die Polizei 76,5 Prozent aller Fälle aufklären können. Das sind rund 33.000 Delikte. Insbesondere in den Bereichen Kinderpornografie (4.776 Fälle, + 102,5 Prozent) und Kindesmissbrauch (3.553 Fälle, + 19,5 Prozent) ist der Zuwachs der aufgedeckten Fälle auf die Arbeit der Ermittler zurückzuführen. Nach den Missbrauchsfällen in Lügde hat das Innenministerium die Anstrengungen im Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern intensiviert: Vervierfachung des Personals, mehr als 30 Millionen Euro für Technik und ein eigenes Referat im Ministerium. „Die Fälle sind nicht mehr geworden, wir sehen sie nur endlich. Der Anstieg ist ein trauriges Arbeitszeugnis unserer Anstrengungen. Weil wir hinsehen und konsequent verfolgen, finden wir mehr. Wir hellen das Dunkelfeld auf. Dass Kindesmissbrauch überall passiert, muss uns als Gesellschaft noch bewusster werden“, erklärt Reul. Bei Kinderpornografie haben die Ermittler 89,8 Prozent der Fälle aufgeklärt, bei Kindesmissbrauch 81,3 Prozent.

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– Justiz – Koblenz: Gefängnisstrafe für PKK-Führer

Die deutsche Justiz geht weiterhin mit voller Härte gegen die Terrororganisation PKK vor. Nach zahlreichen Festnahmen und Vereinsverboten in den letzten Jahren, wurde am Freitag ein weiteres Führungsmitglied zu einer Haftstrafe verurteilt.

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Masken-Affäre
Schneider: Masken-Deals widersprechen Grundwerten der SPD

Saarbrücken – Der Parlamentsgeschäftsführer der SPD, Carsten Schneider, geht davon aus, dass keine SPD-Bundestagsabgeordneten in dubiose Masken-Deals verstrickt sind. Schneider sagte der „Saarbrücker Zeitung„, für seine Fraktion sei es nach wie vor unvorstellbar, dass ein Mandatsträger das Vertrauen der Bürger verletzte, indem er Kapital aus einer Pandemie schlage. „Das entspricht nicht den Grundwerten der Sozialdemokratie.“ Schneider betonte weiter: „Die Union muss jetzt beweisen, ob sie es ernst meint. Da sind jetzt aber mehr als Worte von Herrn Laschet und Herrn Söder gefragt.“ Der SPD-Politiker ergänzte: „Die kommenden Tage werden entscheidend sein.“ Der Versuch von CDU/CSU, Ordnung in die eigenen Reihen zu bekommen, sei bisher „nicht ganz überzeugend“. So solle es nur einen fraktionsinternen Verhaltenskodex geben. „Es ist aber offensichtlich, dass wir einheitliche verbindliche Regeln für alle Bundestagsabgeordneten brauchen“, so Schneider. Die Union müsse daher endlich den Weg für Reformen in Sachen Transparenz freimachen.

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– Masken-Affäre – Maskenaffäre der Union: „Größte Krise seit der Spendenaffäre“

Stellvertretende Unionsfraktionschefin fordert „Konsequenz und Härte“ bei Aufarbeitung der Masken-Affäre – Middelberg mahnt sorgfältige Trennung von Korruption und Einsatz für den Wahlkreis an.

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Masken-Affäre
Maskenaffäre der Union: „Größte Krise seit der Spendenaffäre“

Osnabrück – Die stellvertretende Unionsfraktionschefin im Bundestag, Gitta Connemann (CDU), sieht ihre Partei wegen der Masken-Affäre in einer großen Krise. Als CDU-Spendenaffäre oder Schwarzgeldaffäre wird allgemein die 1999 aufgedeckte illegale Spendenpraxis der CDU in den 1990er-Jahren unter dem damaligen CDU-Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Helmut Kohl bezeichnet. „Wir befinden uns in der schwersten Krise seit der Spendenaffäre. Nur wenn wir mit aller Konsequenz und Härte reagieren, werden wir wieder Vertrauen zurückgewinnen können“, sagte Connemann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Die Fraktionsführung will Maßnahmen ergreifen, um eine Wiederholung von Fällen wie Georg Nüßlein und Nikolas Löbel künftig auszuschließen. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg (CDU), mahnte allerdings an, zwischen Korruption und dem Einsatz eines Abgeordneten für seinen Wahlkreis sorgfältig zu unterscheiden. „Es ist unser Job als Abgeordnete, sich für die Anliegen der Bürger oder Unternehmen im Wahlkreis einzusetzen. Wir müssen aufpassen, dass wir jetzt nicht Korruption mit dem normalen und gebotenen Einsatz für den Wahlkreis gleichsetzen“, sagte Middelberg der NOZ. „Wenn Abgeordnete irgendwann nicht mehr für die Interessen ihres Wahlkreises eintreten dürfen, wird es schwierig“, meint der Innenpolitiker. Er erklärte, dass er selbst sich zweimal beim Bundeswirtschaftsministerium für das niedersächsische Unternehmen Zender eingesetzt habe, indem er zwei Anfragen in Zusammenhang mit einer bereits laufenden Maskenproduktion weiterleitete – allerdings ohne dies inhaltlich zu kommentieren oder dafür Gegenleistungen bekommen zu haben, wie Middelberg sagt. „Das würde ich auch genauso wieder machen“, so Middelberg weiter.

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Medien
Neu beim ARD-„Mittagsmagazin“: Aimen Abdulaziz-Said

Köln – Im ARD-„Mittagsmagazin” begrüßt ein neues Gesicht die Zuschauer. Seit Montag (8. März) präsentiert Aimen Abdulaziz-Said (33) das Nachrichtenmagazin erstmals gemeinsam mit Susann Reichenbach. Für die neue Herausforderung bringt Abdulaziz-Said Erfahrungen als Reporter beim NDR, beim ZDF und bei funk sowie Moderationserfahrungen beim Format „Diskuthek“ des Stern mit. rbb-Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus: „Aimen Abdulaziz-Said hat uns durch seine vielfältigen Erfahrungen als Reporter und durch seinen Scharfsinn in der Interviewführung überzeugt. Sein politisches, aber lockeres Selbstverständnis wird eine Bereicherung für Redaktion des Mittagsmagazins sein.“ Aimen Abdulaziz-Said: „Ich freue mich sehr, ein Teil der Mima-Familie zu werden. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor der neuen Aufgabe. Das ARD-Mittagsmagazin ist schließlich eine relevante, politische Sendung. Am meisten freue ich mich auf die Interviews mit SpitzenpolitikerInnen, die in der Verantwortung stehen. Gerade jetzt im Superwahljahr empfinde ich das als besonders reizvoll.“ Aimen Abdulaziz-Said wuchs in Hamburg auf und studierte Politikwissenschaften und Rechtswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Anschließend fokussierte er auf Journalismus und Kommunikationswissenschaften an der Deutschen Journalistenschule/ Ludwig-Maximilians-Universität München. Über verschiedene Hospitationen begann er 2015 zunächst als Reporter beim Medienmagazin „zapp“ (NDR). Heute ist er hauptsächlich als freier Reporter für den NDR und als freier Moderator tätig. Abdulaziz-Said stammt aus Eritrea. In einem interview mit dem Sleek Portal sagte er, dass er, obwohl in Hamburg geboren und aufgewachsen, Heimweh habe. „Ich bin ein echter Hamburger. Ich bin in Hamburg Alsterdorf aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Das ist im Nachhinein schön, aber es war auch schwierig, weil der Bezirk ein sehr weiß-bürgerliches Umfeld hat. Für mich ist Eritrea mein Heimatland. Auch wenn ich nur zweimal dort war. Es mag seltsam klingen, da ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, aber ich fühle das innerlich. Ich bin hier „anders“. Hamburg ist mein Zuhause, aber ich habe trotzdem Heimweh“, so Abdulaziz-Said gegenüber der Moderatorin Minh-Khai Phan-Thi.

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– Das Leben des Salt Bae – Gastronomie: Wie viel kostet ein Nusret-Steak?

Seit dieser gutaussehende Mann mit dem abgewinkelten Arm Salz wie Feenstaub über das Steak bei Nusr-Et verteilt, steht die Frage im Raum: Wer ist dieser Salt Bae?

Gastronomie: Wie viel kostet ein Nusret-Steak?
 

Weltfrauentag
Der Prophet Muhammed: Ein Kämpfer für Frauenrechte

Von Benjamin Idriz Wie kein anderer Mensch genießt der Prophet Muhammed eine herausragende Autorität bei Muslimen, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Bei ihm finden die gläubigen Männer und Frauen ≫ein gutes Beispiel≪, so der Koran (33:21). Als Ehepartner war er charmant und liebevoll, ein Gentleman sozusagen, der seine Liebe zu seiner Gattin in der Öffentlichkeit nicht verbarg. Zuhause half er bei der Hausarbeit und in der Küche. Mit aller Härte ging er gegen frauenfeindliches Verhalten in seiner Gesellschaft vor. Sein liebevolles Vorgehen und sein Verständnis für die Bedürfnisse und Erwartungen der Frauen bewogen viele Männer dazu, ihr zuvor grobes Verhalten zu überdenken und zu andern. (siehe: Muhammed war der erste Feminist der Geschichte, Jim Garrison, Anm. Red.) Immer wieder haben Frauen bei Konflikten mit ihren Männern auf das Beispiel des Propheten verwiesen und somit ihre Männer zum Umdenken veranlasst. Ahmad ibn Abdallah at-Tabari (gest. 1295) verfasste ein umfangreiches Werk Uber die Frauen des Propheten. Darin beschreiben die Frauen Muhammed als einen Ehemann, der ≫sanft, romantisch und unkompliziert≪ mit ihnen umging. In einer Zeit und Gesellschaft, in der Frauen nicht geachtet waren, setzte der Prophet den Befehl Gottes im Koran ≫Geht mit euren Frauen auf gefällige Weise um!≪ (4:19) beispielhaft in der eigenen Familie um. Ein enger Freund des Propheten, `Umar ibn al-Khattab (gest. 644), der spätere zweite Kalif, meinte dazu:
≫Ich schwöre, wir haben in der vorislamischen Dschahiliya Zeit die Frauen nicht wertgeschätzt, bis der Prophet die Offenbarung erhielt, in der die Frauenrechte angesprochen wurden und wir unser Verhalten andern sollten.≪
Die Offenbarung des Korans hat die Männer gelehrt, die Mutter, Ehefrauen, Tochter, Schwestern und alle Frauen zu achten und zu respektieren. Den Eltern, damit auch der Mutter, räumt der Koran den höchsten Grad an Achtung nach Gott selbst ein (17:23-24). In Einklang mit diesem Koranvers rief der Prophet die Menschen auf, ihre Mutter zu achten. Es ist schwer, einen Muslim auf der Erde zu finden, der diese Aussage des Propheten nicht kennt: ≫Das Paradies liegt unter den Fusen der Mutter≪ – also fuhrt für den Mann der Weg ins Paradies über die Frau! Dieser Anspruch wurde der Mutter wegen der schweren Mühen während der verschiedenen Lebensstadien ihres Kindes, in der Schwangerschaft, bei der Geburt, in der Stillzeit, und für die geteilte Verantwortlichkeit in der Erziehung des Kindes zugesprochen. Sie ist die Königin des Hauses und Hauptakteurin innerhalb der Familienmitglieder. Merkwürdig ist, dass die Achtung vor der Mutter bei muslimischen Männern völlig unbestritten als wichtig gilt, während es mit der Achtung vor der Ehefrau allzu oft ganz anders aussieht. Die Mutter zu ehren, aber die Ehefrau – die Mutter der eigenen Kinder – zu erniedrigen, ist paradox. Deswegen hat der Prophet Muhammed immer wieder betont, dass die Ehefrau, bzw. die Frau überhaupt, zu achten und zu respektieren ist. Seine bekanntesten Äußerungen zum Verhältnis der gläubigen Männer zu Frauen sind folgende: ≫Die Frauen haben den gleichen Wert wie die Männer. Nur diejenigen, die würdevoll sind, schätzen die Frauen und nur diejenigen, die würdelos sind, erniedrigen sie.≪ ≫Der vollkommenste Gläubige ist derjenige, der das beste Benehmen/Moral hat, und der beste unter euch ist derjenige, der seine Frau gut behandelt.≪ Diesen Äußerungen zufolge ist ein guter Gläubiger, wer gut zu Frauen ist, und wer sie diskriminiert, ist ein schlechter Gläubiger – unabhängig davon, wie viel er betet, den Koran rezitiert oder die Moschee besucht. Muhammed, der seine Emotionen nie verbarg, sagt öffentlich: ≫Auf der Erde wurden mir Frauen und wohlriechendem Duft lieb geheißen; und das Gebet wurde zum Licht meiner Augen gemacht. ≪ Der Prophet hat ganz beispielhaft gezeigt, wie man diese Liebe und Zuneigung demonstrieren soll – und das in einer patriarchalen Gesellschaft, in der nur autoritäres und ≫mannhaftes≪ Verhalten galt. Seine Ehefrau Aischa berichtet beispielweise, dass der Prophet mit ihr zusammen in der Moschee ein Spiel einer Gruppe von Gästen aus Äthiopien ansah und beide dabei Wange an Wange lagen. Sie erzählt sogar, dass sie sich beide zum Duschen gegenseitig mit Wasser übergossen. Auf die Frage, was der Prophet eigentlich zu Hause machte, antwortete sie:
≫Er machte alles, was ein Mann eigentlich zu Hause machen sollte: putzen, waschen, kochen und sich selbst bedienen. Er flickte seine Kleidung, reparierte seine Schuhe und erledigte seine Besorgungen selbst. Er versuchte, niemandem zur Last zu fallen.≪
Sein Verhalten zu den Frauen beschreibt seine Ehefrau Aischa (gest. 678) mit folgenden Worten:
≫Er war sehr humorvoll und lachte. Er hatte den schönsten Charakter, beleidigte nicht, benutzte keine Schimpfworte und wurde nicht laut. Er erwiderte Schlechtes nicht auf gleiche Weise, sondern vergab und verzieh. ≪
Aischa erzählt auch, wie sie den Propheten einmal auf einer Reise begleitete und er die übrigen Begleiter wegschickte und ihr ein Wettrennen vorschlug. Sie gewann. Einige Jahre später, nachdem sie an Gewicht zugenommen hatte, schlug er ihr wieder einen Wettlauf vor. Sie erklärte, dass sie nun aber nicht mehr so schlank wäre wie früher. Muhammed bestand aber darauf und gewann diese Mal. ≫Das ist die Antwort auf jenes Wettrennen≪, scherzte er dann. Der Prophet war also ein Mann, der mit seiner Frau eine unbekümmerte Beziehung führte, und er sprach über seine Liebe zu ihr in aller Öffentlichkeit. Der Prophet Gottes handelte beispiel-und vorbildhaft, zu einer Zeit, als das Schicksal einer jungen Frau von ihrem Vater oder ältesten Bruder vorgegeben wurde. Dies unterstreicht auch folgende Begebenheit: Als eine junge Frau, die von ihrem Vater zur Heirat gezwungen werden sollte, sich beim Propheten beklagte, nahm er sie bei der Hand und ging mit ihr zu ihren Eltern. Er erklärte dem Vater, dass sein Vorgehen für Muslime nicht legitim sei und seine Tochter das Recht habe, sich selbst für oder gegen einen Anwärter zu entscheiden. Darauf wandte sich der Vater an seine Tochter und fragte sie, weshalb sie sich damit an den Propheten gewandt habe. Sie erklärte: ≫Damit alle erfahren, dass muslimische Frauen ihre Ehemänner selbst wählen können. ≪ Ebenso entschieden trat der Prophet gegen Gewalt in der Ehe auf, wie ausführlich dargestellt wurde. (Siehe ab Seite 91). Seine Tochter Fatima (gest. 632) liebte der Prophet Muhammed sehr und zeigte ihr das auch. Kam sie nach Hause, dann stand er auf, um sie zu küssen. Auch wenn ein Vater alle Kinder gleichbehandeln sollte, hatte er eher sie bei der Versorgung bevorzugt als die Söhne: ≫Behandelt eure Kinder gleich, wenn ihr ihnen etwas gebt. Wenn ich einem Geschlecht Vorrang über dem anderen geben musste, wurde ich dem weiblichen Vorrang einräumen≪, sagte er. Er ermutigte die Frauen, in der Öffentlichkeit Präsenz zu zeigen und forderte sie auch dazu auf. So verlangte er, dass Frauen an allen Gemeinschaftsgebeten teilnahmen. Das galt selbst dann, wenn die Gebete spät in der Nacht stattfanden. Frauen waren bei allen Freitags- und Festgebeten genauso selbstverständlich dabei wie Männer. In seiner Moschee fand kein Gebet statt, bei dem Frauen ausgeschlossen gewesen waren und nur Männer anwesend waren. Der Prophet vertrat weder die Position einiger Männer, die dagegen waren, dass Frauen in die Moschee gingen, noch schwieg er dazu, sondern erklärte öffentlich: ≫Ihr dürft eure Frauen nicht daran hindern, in die Moschee zu gehen.≪ Auch als der für Männer vorgesehene Bereich in der Moschee immer voller wurde, lies er nicht zu, dass der Frauenbereich für Männer freigegeben wurde. Heute sind in manchen Moscheen die Bereiche durch einen Sichtschutz getrennt, oft existieren sogar separate Raume, was in der Moschee des Propheten nicht der Fall war. Das politisch-gesellschaftliche Engagement von Frauen ist im Koran selbst ausdrücklich erwünscht. Beim sogenannten ≫Gelübde von Aqaba≪ legten auch Frauen den Treueeid ab (Koran, 60:12), was eine durchaus politische Handlung darstellt. Unter dem Kapitel ≫Die Achtsamkeit des Propheten Muhammed gegenüber den Frauen≪ berichtet Imam Bukhari (gest. 870) in seiner Hadtith-Sammlung, wie der Prophet einem seiner Gefährten empfahl, achtsam mit Frauen umzugehen. Er hat die Empfindsamkeit der Frauen mit einen prägnanten Sprichwort bezeichnet: ≫Rifqan bil qawareer≪. Sie sind wie ein ≫sauberes und durchsichtiges Gefas oder Glasflaschen oder wertvoller Kristall≪ (qawareer), und Manner sollen achtsam, romantisch, sensibel und sanftmütig (rifqan) mit Frauen umgehen. Man kann eine Glasflasche nicht nehmen und umherwerfen oder gar darauf treten oder sie unachtsam fallen lassen. Ehemänner sollen ihre Ehefrauen, Vater ihre Tochter, Bruder ihre Schwestern, allgemein Männer die Frauen so sorgfältig behandeln, wie wir mit Glasflaschen umgehen. Weil der Prophet sich für Schwache und Benachteiligte einsetzte und in der damaligen Gesellschaft Frauen ähnlich wie Waise sozial und wirtschaftlich ausgeliefert und abhängig waren, erklärte er sehr entschieden: ≫Oh Gott! Du weißt, dass ich die Verletzung der Rechte der beiden Schwachen, der Waisen und der Frauen, für schwere Sünde erkläre und dass ich die Menschen vor jeder Verletzung ihrer Rechte streng warne!≪ Der Schwiegersohn des Propheten Ali bin Abi Talib (gest. 661) berichtet, welche die letzten Worte des Propheten waren, bevor er in den Armen seiner Ehefrau Aischa starb, sein Vermächtnis an die Weltgemeinschaft:
≫Ich rate euch, dass ihr euer Gebet verrichtet und euch gegenüber euren Frauen wohl verhaltet≪.
Die prophetische Tradition fordert also eine harmonische und gleichgestellte Beziehung zwischen Männern und Frauen ein: Beide unterstutzen sich gegenseitig, kommen zusammen, kommunizieren vertrauens-und respektvoll miteinander. Dafür wurden hier nur wenige von zahlreichen Beispielen angeführt, die das ganz unzweideutig belegen. Deutlicher kann all jenen nicht widersprochen werden, die den Islam als frauenfeindlich bezeichnen, aber auch jenen Muslimen, die dem Propheten zu folgen vorgeben, aber ihre Frauen, Tochter, Schwestern unterdrucken. Sie stehen im schlimmstmöglichen Gegensatz zu dem Propheten, den sie zum Beispiel und Vorbild nehmen sollten! Wie aber konnte, wenn der Prophet selbst so vorbildhaft gegenüber Frauen war, ein frauenfeindlicher Diskurs entstehen und sich ein entsprechendes Verhalten so sehr verbreiten? Die erste Periode des Islams, zu Lebzeiten des Propheten, war zugleich die fortschrittlichste. Sie war geprägt von den Werten, die zugleich universell und allgemein menschlich sind. Anstatt diesen authentischen islamischen Grundwerten treu zu folgen, vermischten Muslime sie mit ihren hergebrachten Sitten, ihren Stammestraditionen und –kulturen. Hatten sie die mit dem Koran und dem Vorbild des Propheten begonnenen Reformen fortgesetzt, anstatt sie aufzuweichen, zu stagnieren und wieder abzuirren, dann hatten muslimische Frauen schon vor allen anderen volle Gleichberechtigung erfahren und waren darin heute noch vielen anderen Gesellschaften voraus.

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