Flüchtlingskrise
Erdogan: Die Türkei kann die zusätzliche Belastung durch die Migration nicht tragen

Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Sonntag mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel, telefoniert. In dem Gespräch ging es um regionale Angelegenheiten, insbesondere um die Entwicklungen in Afghanistan und die Migrationsfrage sowie um Maßnahmen zur Verbesserung der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU, so eine Mitteilung des türkischen Präsidialamtes. In dem Gespräch habe Erdogan betont, dass er sich einen reibungslosen Übergang in Afghanistan wünsche. Der von Afghanistan ausgehende Migrationsdruck werde weiter zunehmen, wenn nicht die notwendigen Vorkehrungen getroffen würden, was eine große Herausforderung für alle Länder darstellen würde. Der türkische Staatschef habe ferner darauf hingewiesen, dass die EU der afghanischen Bevölkerung in Afghanistan und dessen Nachbarländern helfen sollte, und betont, dass die Türkei, die bereits fünf Millionen Flüchtlinge beherberge, keine zusätzliche Migrationslast tragen könne. Die jüngsten Entwicklungen in Afghanistan zeigten, wie wichtig es sei, dass sich die Türkei dem Pesco-Projekt der EU in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit anschließe, und erklärte, dass die Priorität der Türkei derzeit darin bestehe, in Afghanistan für dauerhaften Frieden und Stabilität zu sorgen und ihre Bürger zu evakuieren. Erdogan habe zudem darauf hingewisen, dass die türkischen Truppen außerordentliche Anstrengungen unternähmen, um die Ordnung in Afghanistan wiederherzustellen und den Flughafen von Kabul ordnungsgemäß zu betreiben, und dass sie dem Ersuchen vieler europäischer Länder um Evakuierung nachgekommen seien. Auch in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel habe er nochmals gewarnt, dass die Türkei keine „zusätzliche Belastung“ tragen könne, sollte es zu einer massenhaften Flucht von Afghanen kommen. „Eine neue Migrationswelle ist unausweichlich, wenn in Afghanistan und im Iran nicht die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden“, betonte Erdogan demnach gegenüber Merkel. Die Türkei beherbergt etwa fünf Millionen Flüchtlinge, mehr als jedes andere Land der Welt, und ihre Politik, die Flüchtlinge mit offenen Armen aufzunehmen, wurde weltweit als vorbildlich gelobt. Wie die Tagesschau unter Berufung auf Angaben der stellvertretenden Sprecherin der Bundesregierung, Ulrike Demmer, berichtet, stimmten Merkel und Erdogan jedoch darin überein, dass es „höchste Priorität“ habe, schutzbedürftige Personen aus Afghanistan in Sicherheit zu bringen. Zudem wollen Deutschland und die Türkei ihre Unterstützung für internationale Hilfsorganisationen enger koordinieren, allen voran für das UN-Flüchtlingshilfswerk.

Afghanistan-Krise
Taliban-Gegner Ahmad Massoud: „Bereit zu kämpfen“

Kabul – Der Sohn von Ahmad Schah Massoud, der in den 1980er-Jahren einer der wichtigsten Anführer des anti-sowjetischen Widerstands in Afghanistan war, erklärte, er werde die von ihm kontrollierten Gebiete nicht an die Taliban abtreten, berichtet der in Dubai ansässige Fernsehsender Al-Arabiya am Sonntag. Seine Anhänger seien bereit zu kämpfen, falls die Taliban, die sich bisher aus Panjshir herausgehalten haben, eindringen wollten. „Sie wollen sich verteidigen, sie wollen kämpfen, sie wollen Widerstand leisten gegen jedes totalitäre Regime“, so Ahmad Massoud weiter. Massoud betonte, dass sich Regierungstruppen, die gegen die Taliban kämpfen, aus verschiedenen Provinzen in seiner Hochburg, dem Panjshir-Tal, versammelt haben. In einem am Donnerstag veröffentlichten Meinungsartikel in der Washington Post appellierte er an den Westen, ihn zu unterstützen. Panjshir ist eine der 34 Provinzen von Afghanistan. Sie wurde am 13. April 2004 begründet. Die Provinz selber geht aber auf eine Jahrtausend lange Historie zurück. In einem Leitartikel der Washington Post erklärte der 32-Jährige, dass sich Mitglieder des afghanischen Militärs, darunter auch einige Mitglieder der Eliteeinheiten der Special Forces, seiner Sache angeschlossen hätten, und er appellierte an den Westen um Hilfe. „Wir haben Munitions- und Waffenvorräte, die wir seit der Zeit meines Vaters geduldig gesammelt haben, weil wir wussten, dass dieser Tag kommen könnte“, sagte er in dem Leitartikel und fügte hinzu, dass auch einige der Kräfte, die sich ihm angeschlossen hatten, ihre Waffen mitgebracht hätten. „Wenn die Taliban einen Angriff starten, werden sie natürlich auf unseren entschiedenen Widerstand stoßen“, sagte er. Massoud betonte am Sonntag jedoch, dass er auf friedliche Gespräche hoffe. Er rief zu einer umfassenden Regierung auf, die das Land unter Beteiligung der Taliban regieren solle. „Wir wollen nicht, dass ein Krieg ausbricht“, so Massoud. „Wir wollen den Taliban klarmachen, dass der einzige Weg nach vorne über Verhandlungen führt“, sagte er gegenüber Reuters.    

Welt-Uigurenkongress
München: Uiguren wählen weltweit ihre Delegierten

München – Uigurische Gemeinschaften in 25 Ländern weltweit wählen am heutigen Sonntag ihre Delegierten für die 7. Generalversammlung des Welt-Uigurenkongresses (WUC). Dies ist Teil der alle drei Jahre stattfindenden allgemeinen Wahlen, bei denen neue WUC-Vertreter, einschließlich der Vorstandsmitglieder und des Präsidenten, gewählt werden. Aus 25 Ländern sollen insgesamt 200 Delegierte gewählt werden. Seit der ersten Juliwoche, als das Nominierungsverfahren begann, konnte jeder Uigure über 18 Jahren, der die Kriterien erfüllt, für die Wahl kandidieren. An diesem Sonntag wird jedes Land mehrere Delegierte demokratisch wählen, die auf der 7. Generalversammlung des WUC im Laufe dieses Jahres zusammenkommen werden. Während der Generalversammlung werden die Delegierten an den Wahlen für die 16 verschiedenen Ausschüsse und für die Mitgliedschaft im Vorstand, einschließlich des Vorsitzes des WUC, teilnehmen. Da die demokratischen Prozesse für das uigurische Volk in Ostturkestan von der chinesischen Regierung vollständig ausgehöhlt wurden, misst der WUC der Möglichkeit der weltweiten uigurischen Diasporagemeinschaften, die Personen, die ihre legitimen Interessen auch bei nationalen Regierungen und internationalen Institutionen öffentlich vertreten, demokratisch zu wählen, große Bedeutung bei. Der WUC ist eine internationale Organisation von im Exil lebenden uigurischen Gruppen, die das Ziel verfolgt, „die kollektiven Interessen des uigurischen Volkes“ sowohl innerhalb als auch außerhalb der autonomen Region Xinjiang der Volksrepublik China zu vertreten. Der Uigurische Weltkongress bezeichnet sich selbst als gewaltfreie und friedliche Bewegung, die sich gegen die ihrer Ansicht nach chinesische Besatzung Ostturkestans wendet und für die Ablehnung von Totalitarismus, religiöser Intoleranz und Terrorismus als Mittel der Politik eintritt. Der Kongress wurde Mitte April 2004 bei einem Treffen in München, Deutschland, als Zusammenschluss verschiedener uigurischer Exilgruppen gegründet, die für „größere Autonomie“ eintreten, Chinas Verfolgung der uigurischen Minderheit in Xinjiang ist in den letzten Jahren eskaliert und kommt nach Ansicht von Experten einem Völkermord gleich. Man geht davon aus, dass mehr als eine Million Menschen in Internierungslagern festgehalten werden, und es gibt immer mehr Beweise für Umerziehungsprogramme, Einschränkungen religiöser und kultureller Überzeugungen, Zwangsarbeitsprogramme, Massenüberwachung und Zwangssterilisation von Frauen. Auch Zwangsarbeit gehört zu den Vorwürfen. Trotzdem lassen Konzerne dort produzieren. China streitet die Vorwürfe vehement ab

China streitet die Vorwürfe vehement ab und sagt, die Politik diene dazu, den Terrorismus zu bekämpfen und die Armut zu lindern. Offizielle Stellen weisen regelmäßig alle Berichte über Missstände als Erfindungen zurück.

Uiguren sind eine turksprachige Ethnie Uiguren sind eine turksprachige Ethnie, die ihren Siedlungsschwerpunkt im Gebiet des ehemaligen Turkestans hat, insbesondere im heutigen chinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Die Uiguren gehören nahezu alle der Glaubensgemeinschaft des Islam an.

Zum Thema

– Menschenrechtsverletzungen in China – Malaysischer Politiker Anwar Ibrahim: Muslimische Regierungen fürchten China

Anwars Äußerungen gehören zu den bisher schärfsten eines führenden Politikers in der islamischen Welt, der die Misshandlungen der muslimischen Minderheiten in China verurteilt.

Malaysischer Politiker Anwar Ibrahim: Muslimische Regierungen fürchten China

Afghanistan-Krise
Putin und Erdogan vereinbaren stärkere Koordinierung in Afghanistan-Fragen

Moskau – Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan haben in einem Telefongespräch die Lage in Afghanistan erörtert und die Stärkung der „bilateralen Koordinierung in Afghanistanfragen“ vereinbart, wie der Kreml am Samstag mitteilte. Die Staatschefs betonten, dass die Terrorismusbekämpfung und die Bekämpfung des Drogenhandels Priorität hätten, so der Kreml. „Sie hatten eine eingehende Diskussion über die Lage in Afghanistan. Sie stellten fest, wie wichtig es ist, die Stabilität und den zivilen Frieden in diesem Land sowie die strikte Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der Ordnung zu gewährleisten. Es wurde betont, dass die Bekämpfung des Terrorismus und des Drogenhandels vorrangige Aufgaben sind. Der Präsident vereinbarte, die bilaterale Koordinierung in Afghanistanfragen zu verstärken“, heißt es in der Erklärung. Erdogan habe betont, dass die Türkei auch in Zukunft die Verantwortung für die Sicherheit und den Betrieb des Flughafens in Kabul übernehmen könne und dass diese Verantwortung zur Beseitigung der Bedenken aller Parteien, der internationalen Gemeinschaft und insbesondere des afghanischen Volkes beitragen werde, so eine Erklärung des türkischen Präsidialamtes. „Präsident Erdogan drückte die Hoffnung der Türkei auf einen reibungslosen Übergang in Afghanistan aus und betonte, dass es wichtig sei, dass die Taliban die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholten, einen integrativen Ansatz gegenüber allen ethnischen Gruppen verfolgten und ihre Versprechen einlösten“, heißt es in der Erklärung weiter. Erdogan habe ferner darauf hingewiesen, dass die neue Regierung, die in Afghanistan gebildet werden soll, repräsentativ sein sollte, so dass sie die Vielfalt des afghanischen Volkes widerspiegelt. Er habe den Beginn der Gespräche zwischen den Taliban und der Führung in Kabul als vielversprechend bezeichnet und zudem auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Kanäle des Dialogs mit den Taliban während dieses Prozesses offen zu halten und ein schrittweises Engagement anstelle eines auf strengen Bedingungen basierenden Ansatzes zu verfolgen. Die Taliban haben am vergangenen Sonntag ihren „Siegeszug“ gefeiert und die Kontrolle über Afghanistans Hauptstadt Kabul übernommen.    

Schwarzmeerregion
Überschwemmungen in der Türkei: Zahl der Todesopfer steigt auf 82

Kastamonu – Heftige Regenfälle hatten zu den schlimmsten Überflutungen seit Jahren in der türkischen Schwarzmeerregion geführt. Wie die türkischen Behörden am Samstag mitteilten, ist die Zahl der Menschen, die bei den Überschwemmungen ums Leben kamen auf 82 gestiegen. Demnach hat die Stadt Kastamonu allein schon 71 Opfer zu beklagen. Die Hafenstadt Sinop meldet bisher 10 Opfer und Bartin ein Opfer. Die durch sintflutartige Regenfälle ausgelösten Überschwemmungen brachten einige Gebäude zum Einsturz, zerstörten Brücken, verstopften Straßen mit Autowracks und unterbrachen die Stromversorgung. Die Gebirgsregionen entlang der türkischen Schwarzmeerküste sind im Sommer anfällig für Überschwemmungen.
Innenminister Süleyman Soylu bei einem Besuch der Region (Screenshot/Twitter)
Innenminister Süleyman Soylu sagte jedoch bei einem Besuch in dem betroffenen Gebiet am Donnerstag: „Das ist die schlimmste Flutkatastrophe, die ich je erlebt habe“. Die Provinz Kastamonu ist am stärksten betroffen. In der Stadt Bozkurt sind Wohnhäuser eingestürzt, als der Fluss Ezine über die Ufer trat. Von der Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichte Drohnenaufnahmen zeigten umfangreiche Schäden in Bozkurt, wo Such- und Rettungsteams in der Nähe der zerstörten Gebäude nach Vermissten suchten. „Die Wassermassen schleuderten Dutzende von Autos und Trümmerhaufen auf die Straßen, zerstörten Gebäude und Brücken, sperrten Straßen und unterbrachen die Stromversorgung in Hunderten von Dörfern“, hieß es. Mehr als 2.000 Menschen wurden aus den Überschwemmungsgebieten evakuiert, während Dutzende von Dörfern weiterhin ohne Strom sind, heißt es in der Erklärung.

Auch interessant

– Waldbrand-Katastrophe – Waldbrände: Türkei und Griechenland wollen sich gegenseitig helfen

Angesichts der verheerenden Waldbrände in Griechenland hat der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu seinem griechischen Amtskollegen am Freitag eine Beileidsbekundung übermittelt.

Waldbrände: Türkei und Griechenland wollen sich gegenseitig helfen
 

Afghanistan-Krise
SPD-Fraktionschef Mützenich: Gespräche mit den Taliban sind sinnvoll

Berlin – Wie auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, hat sich SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich dafür ausgesprochen, mit den Taliban zu verhandeln. Er sagte am Donnerstag im Inforadio vom rbb, durch solche Gespräche könne auf die Taliban eingewirkt werden. „Wir versuchen eben darüber nicht nur eine gesicherte Ausreise von vielen Ausländern zu schaffen, aber gleichzeitig eben auch für die Ortskräfte etwas zu tun. Und wir stehen ja nun nicht alleine.“ Wenn man mit den Taliban verhandele, bedeute das nicht, ihre Herrschaft in Afghanistan anzuerkennen. Mützenich sagte, er gehe davon aus, dass in Afghanistan zunächst eine Übergangsregierung gebildet werde. „Es hat ja auch gestern Gespräche der Taliban mit Karsai, dem früheren afghanischen Präsidenten, gegeben. (…) Ich glaube, das mag taktisch bedingt sein, dass die Taliban erst mal gesagt haben, sie wären überhaupt nicht in einer solchen Regierung dabei. Darauf deuten einige Zeichen zumindest zum jetzigen Zeitpunkt hin.“ Für die Diplomatie sieht Mützenich nach wie vor Spielraum. Die Taliban könnten nicht das ganze Land beherrschen. „Wir hören von ersten Demonstrationen aus verschiedenen Städten und was wir zurzeit tun müssen, dass es keinen erneuten Bürgerkrieg in Afghanistan gibt. (…) Das große Problem ist das regionale Umfeld, Pakistan, die Volksrepublik China, aber auch der Iran und viele andere Akteure im Hintergrund. Hierauf kann die Diplomatie Deutschlands glaube ich nicht unmittelbar einwirken, aber durchaus zur Mäßigung aufrufen.“ Mützenich sprach sich außerdem dafür aus, die humanitäre Hilfe für Afghanistan fortzusetzen.

Zum Thema

– Afghanistan – Taliban zeigen Bereitschaft für Treffen mit Erdogan

Am Mittwoch hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan angedeutet, dass er möglicherweise ein Treffen mit der Taliban-Führung abhalten könnte. Daraufhin hat gestern auch die Führung der Taliban ihre Bereitschaft erklärt, sich mit Erdogan zu treffen.

Taliban zeigen Bereitschaft für Treffen mit Erdogan

Klage gegen Salt Bae
New York: Weitere Angestellte klagen gegen Nusret „Salt Bae“ Gökce

New York – Erneut haben Angestellte gegen den weltberühmten türkischen Gastronomen Nusret Gökce Klage eingereicht. Diesmal haben fünf Grillköche des Unternehmens eine Klage eingereicht, in der sie behaupten, bei der Bezahlung von Überstunden betrogen worden zu sein. Nach ihren Angaben wurden sie aus der Türkei angeworben um an den US-Standorten des Unternehmens zu arbeiten. In der Klage, die am Dienstag vor einem Bundesgericht in Manhattan eingereicht wurde, wird behauptet, dass Nusret Gokce, der von Internetnutzern den Spitznamen „Salt Bae“ erhielt, die fünf Angestellten fälschlicherweise als Manager einstufte, um die Bezahlung von Überstunden zu vermeiden – obwohl er darauf bestand, dass sie regelmäßig siebzig Stunden oder mehr pro Woche arbeiten. Vier der fünf Männer, Ersel Ok, Muhammet Yilmaz, Emre Isler und Eyüp Yeniceri, leben in Queens. Der fünfte Kläger, Ibrahim Gecit, lebt Medienberichten zufolge in Miami. Alle fünf Männer arbeiteten demnach zuvor in Istanbul im Nusr-Et Steakhouse, bevor sie unter „Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Arbeit in den USA angeworben wurden“, so die Anklage. Den Angestellten sei vorgegaukelt worden, dass sie in eine Führungsposition aufsteigen würden, doch stattdessen erhielten sie eine Pauschalvergütung für lange Arbeitszeiten ohne Überstunden in einer nicht entlohnten Position. In der Klage wird auch behauptet, dass Gökce über die Situation Bescheid wusste und die Arbeit der Kläger persönlich überwachte. Und wenn Gökce anwesend war, so heißt es in der Klage, „wiesen sowohl Gökce als auch die Restaurantmanager die Kläger an, zusätzliche Stunden zu arbeiten, weil der ‚Chef‘ anwesend war“.
Türkischer Stargastronom Nusret Gökce aka Salt Bae (Screenshot/Instagram)
Die Männer wurden auch gebeten, andere niedere Arbeiten zu verrichten, wie z. B. „Müll rausbringen, Geschirr spülen, Herdabdeckungen reinigen, Toiletten putzen, spezielle Mahlzeiten für die Manager und Gökce zubereiten, sowie Besorgungen machen und Produkte kaufen, wenn es in den Restaurants Engpässe gab“, heißt es in der Klage. Während der Pandemie und „in Zeiten sozialer Unruhen in New York“ befahlen die Manager den Männern, Sicherheitsdienste zu leisten, so die Klage weiter. „Gokce hatte einen aggressiven Führungsstil, beschimpfte die Kläger häufig und machte sie für die Fehler anderer Mitarbeiter verantwortlich“, heißt es in der Klage. Die ehemaligen Mitarbeiter fordern ihren nicht gezahlten Lohn sowie Schadenersatz.

230.000 Dollar an Ex-Mitarbeiter

Erst im jahre 2019 zahlte Gökce insgesamt 230.000 Doillar Abfindung an vier Ex-Mitarbeiter. Die Kellner beschuldigten den Instagram-Star, sie aus seinem Restaurant in Manhattan entlassen zu haben, weil sie Fragen zu den Trinkgeldern gestellt hätten. „Salt Bae sollte sich an die Arbeitsgesetze und -vorschriften halten und lernen, diese zu respektieren. Man kann nicht einfach  tun, was immer man möchte, unabhängig von deinem Ruhm oder deinem wirtschaftlichen Status. Wir sind froh, dass wir in einer Rechtsordnung leben, in der die Arbeitnehmerrechte geschützt werden. Es ging uns nicht um das Geld, es ging darum, ein Zeichen zu setzen und für die Rechte aller Arbeitnehmer in den USA zu kämpfen“, sagte der ehemalige Mitarbeiter Batuhan Yunkus der US-Tageszeitung New York Daily News. Das Restaurant habe an gut laufenden Abenden bis zu 130.000 Dollar umgesetzt. Die Kellner hätten wöchentlich Schecks mit Beträgen zwischen 2.000 und 2.500 Dollar erhalten, in denen Trinkgelder bereits enthalten waren.Es sei üblich in der Branche, dass aufgezeigt werde, wie Trinkgelder aufgeteilt wurden. Dies sei in Gökces Restaurant nicht der Fall gewesen. Die Geschäftsleitung von Nusr-Et habe diese Informationen als „vertraulich“ bezeichnet.

„Wir glauben, dass diese vier Arbeiter entlassen wurden, weil sie von ihrem gesetzlichen Recht Gebrauch gemacht haben, sich über das Trinkgeld in Nusr-Et zu beschweren“, sagte Rechtsanwalt Lou Pechman. „Es ist üblich, dass Restaurants Hinweisblätter an ihre Server weitergeben. Die Restaurants, die die Trinkgeldberechnung nicht offen legen, haben in der Regel etwas zu verbergen.“

„F*** deinen Wirtschaftsabschluss“ „Mit seinen Sexy-Image Videos versucht er, seine autoritäre, diktatorische Haltung zu vertuschen“, sagte Yunkus. „Ihm sind die lokalen Gesetze egal.“  Die Ex-Mitarbeiter beschuldigten den Star-Koch auch einer diktatorischen und herablassenden Haltung. Einmal habe er einen der vier entlassenen Kellner, Onur Usluca, gefragt, was er studiert habe, als dieser mit „Wirtschaft“ antworte, habe Gökce mit „F*** deinen Wirtschaftsabschluss“ reagiert. Salt Bae Gökce erlangte internationale Berühmtheit, nachdem er anfing, Fotos seiner theatralischen Salzstreu-Pose in den sozialen Netzwerken zu teilen. Dutzende Restaurants weltweit und ein 50-Millionen-Dollar-Hotel, gehören mittlerweile zu seiner Unternehmensgruppe. Nur fünf Jahre Schule Gökce sei nur fünf Jahre zur Schule gegangen und habe anschließend angefangen, als Metzger zu arbeiten. In Argentinien habe er seine Fleischschneidekünste dann perfektioniert. Kommunikation durch Fleisch Er habe zwar keine Fremdsprachen sprechen können, erzählte er in einem Gespräch mit türkischen Medien, habe jedoch „mit den Menschen durch das Fleisch kommuniziert“. „Die Leute bezeichnen mich als ungehobelt“, sagte er. „Ich bin der Sohn eines Bergarbeiters. Mein Vater und meine Mutter waren Analphabeten. Ich konnte aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen. Ich war 14, als ich bei einem Metzger in die Lehre ging. Fleisch wurde zu meiner Leidenschaft.“

Zum Thema

– Das Leben des Salt Bae – Gastronomie: Wie viel kostet ein Nusret-Steak?

Seit dieser gutaussehende Mann mit dem abgewinkelten Arm Salz wie Feenstaub über das Steak bei Nusr-Et verteilt, steht die Frage im Raum: Wer ist dieser Salt Bae?

Gastronomie: Wie viel kostet ein Nusret-Steak?
   

Glücksspielstaatsvertrag
Bringt die neue Glücksspielregulierung auch Änderungen für Wettanbieter?

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Am 01. Januar 2020 trat eine Übergangslösung des neuen Glücksspielstaatsvertrages (kurz: GlüStV) in Kraft. Bei dieser Gesetzesänderung handelte es sich bereits um die dritte Auflage des Sportwetten Glücksspiel Staatsvertrages. Kein Wunder also, dass viele Wettkunden und Anbieter von Sportwetten von den Neuerungen genervt waren und mit Unverständnis reagierten. Viele Kunden und Buchmacher befürchteten strengere Regeln, mehr staatliche Kontrolle und finanzielle Einbußen. Offiziell wurde der Glücksspiel Staatsvertrag eingeführt, um bundesweit einheitliche Regelungen zu schaffen und den Schutz von Spielern zu stärken. Viel Trubel um den neuen Glücksspiel Staatsvertrag Das alte Lizenzierungsverfahren ist Ende 2019 ausgelaufen. Seit dem 1. Januar 2020 dürfen theoretisch nur noch Buchmacher mit deutscher Lizenz ihre Sportwetten anbieten. Diese Regelung wurde allerdings von sehr vielen Buchmachern nicht umgesetzt. Viele Anbieter beantragten Lizenzen, andere verschwanden vom deutschen Markt. Einige der Buchmacher, die sich zurückgezogen haben, melden sich allerdings bereits im April des gleichen Jahres zurück: Im April 2020 wurde nämlich der dritte Glücksspiel Staatsvertrag in Teilen gekippt. Ein Anbieter von Sportwetten hatte erfolgreich geklagt, weil er die Transparenz des neuen Lizenzierungsverfahrens infrage stellte. Somit stand Deutschland ganz plötzlich wieder ohne gültigen Glücksspielstaatsvertrag da. Einige Buchmacher nutzten diese Gelegenheit und stellten schnell ihre Wettangebote wieder bereit, andere warteten auf den vierten GlüStV, der zum 01. Juli 2021 in Kraft trat. Der vierte Anlauf Die 16 Bundesländer haben sich kürzlich auf eine Neuregulierung des Glücksspiel Staatsvertrages geeinigt. Die neuen Vorgaben gelten seit dem 01. Juli 2021. Von den neuen Regelungen sind sowohl Online Casinos als auch Anbieter von Sportwetten betroffen. Ab dem 01. Juli 2021 vergibt Deutschland eigene Glücksspiellizenzen. Von dieser neuen Regelung verspricht sich der Gesetzgeber in erster Linie mehr Spielerschutz und höhere Steuereinnahmen. Kritikpunkte Viele Branchenkenner haben sich, nachdem der neue Glücksspielstaatsvertrag vorgestellt wurde, kritisch geäußert. Während Politiker betonen, dass es ihnen vorrangig darum geht, den Spielerschutz zu stärken, wird kritisiert, dass es dem Staat in Wirklichkeit um höhere Steuereinnahmen geht. Experten befürchten, dass es den Online Casinos und Anbietern von Sportwetten mit den neuen Regelungen schwerer gemacht wird als zuvor. So müssen die Betreiber einige Vorgaben einhalten, welche dem Spielerschutz dienen. Zudem werden die Unternehmen stärker überwacht. Dies wird von Kritikern als unverhältnismäßige Kontrolle betrachtet. Anbieter müssen zu jedem Zeitpunkt sicherstellen, dass sich keine Minderjährigen bei ihnen registrieren. Außerdem sind sie verpflichtet, Spieler zu blockieren, die mehr als 1.000 Euro pro Monat verspielen. Zudem müssen die Anbieter für jeden Spieler einen Kundenaccount einrichten. Des Weiteren ist vorgesehen, dass die Anbieter ein System einführen, das frühzeitig erkennt, wenn ein Nutzer glücksspielsuchtgefährdet ist. Auf die bestehende oder drohende Spielsucht muss dann umgehend reagiert werden. Die neuen Vorgaben sind für Online Casinos und Wettanbieter mit einem erheblichen Mehraufwand und Zusatzkosten verbunden. Die Unternehmen werden mehr Personal einstellen müssen, um die Vorgaben einhalten zu können. So werden die unternehmerischen Gewinne hinter den Erwartungen zurückbleiben. Zudem müssen die Anbieter zum Teil in neue Software investieren, um beispielsweise das Frühwarnsystem einzuführen. Gerade für neue Anbieter, die (noch) nicht über ein besonders hohes Kapital verfügen, dürfte die finanzielle Belastung groß sein. Dies könnte am Ende zur Monopolbildung führen. Hinzu kommt, dass die neuen Vorgaben noch immer mit vielen Unsicherheiten verbunden sind. Vielen Anbietern ist unklar, wie die einzelnen Vorgaben in der Praxis umgesetzt werden sollen und inwiefern eine Dokumentations- und Beweispflicht besteht. Auch die Frage, ob und in welcher Form Anbieter Werbung machen dürfen, wurde bisher noch nicht final beantwortet. In der Branche herrscht daher aktuell Ratlosigkeit vor. Chancen für Wettanbieter Auf die neuen Regelungen haben Wettkunden und Online Buchmacher erst einmal skeptisch und verhalten reagiert. In der Vergangenheit wurde der Glücksspiel-Staatsvertrag mehrmals überarbeitet, beziehungsweise gekippt, so dass viele Beobachter neue Klagen und Schwachstellen erwarten. Anbieter von Sportwetten auf Sportwettenvergleich.net können vom neuen Glücksspielstaatsvertrag trotz der neuen Herausforderungen auch profitieren. Insbesondere Online Buchmacher sind häufig im Sponsoring aktiv und unterstützen den Profisport finanziell. Aus diesem Grund könnten Sportvereine Werbung für die Wettanbieter machen und so die Bekanntheit und die Reichweite der Buchmacher erhöhen. Dies könnte mittel- und langfristig zu höheren Umsätzen führen. Auch für den Arbeitsmarkt könnte die Legalisierung des Glücksspiels in Deutschland Vorteile mit sich bringen. Einige Glücksspiel Anbieter, die dann eine legale deutsche Konzession bekommen, werden wahrscheinlich schon bald Büros hierzulande eröffnen. Dafür wird Personal gebraucht. Prognosen Branchenexperten rechnen damit, dass auf Grund des neuen Glücksspielstaatsvertrages das Angebot an Online Casinos und Anbietern von Sportwetten kleiner wird. Um eine deutsche Konzession zu erhalten, müssen die Betreiber strenge Anforderungen erfüllen. Manche Anbieter können oder wollen dies nicht.Während sich die einen Buchmacher, wie zum Beispiel der Newcomer BildBet, vergleichsweise ohne Probleme eine deutsche Lizenz sichern konnten, mussten sich andere Buchmacher entweder ganz neu organisieren oder haben bereits beschlossen, sich aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen vom deutschen Markt zurückzuziehen. Folglich wird das Angebot mit Buchmachern nicht mehr so groß und vielfältig sein wie dies aktuell noch der Fall ist. Die bekanntesten und erfolgreichsten Anbieter in der Branche werden ihre Zelte in Deutschland nicht abbrechen. Einige dieser Anbieter konnte sich bereits eine der begehrten deutschen Lizenzen sichern. Aus diesem Grund ist das Wetten bei den Marktführern auch weiterhin ohne Probleme möglich. Neue Anbieter und Start-ups wird jedoch künftig der Zugang zum Markt deutlich erschwert. Für Kunden könnte dies ein großer Nachteil sein. Weniger Konkurrenz auf dem Markt der Wettanbieter dürfte dafür sorgen, dass zum Beispiel Neukunden in der Zukunft nicht mehr so hohe Willkommensangebote erhalten wie aktuell.

Finanzen
Die beliebtesten Online-Zahlungsmethoden der Deutschen

Bezahldienste im Internet haben sich in den letzten Jahren zu einem der großen Trends entwickelt. Immer mehr Menschen bestellen Kleidung, Elektrogeräte und andere Dinge im Internet, statt sich mit dem Auto oder ÖPNV in die Stadt zu bewegen. Internetkäufe sind mit verschiedenen Zahlungsmethoden verbunden Online-Zahlungsmethoden vereinfachen die Bestellung im Internet und boomen seit einigen Jahren stark. Während früher häufig nur der Kauf per Rechnung oder Nachnahme möglich war, sind Lastschriftverfahren, Kreditkarte und weitere Dienste bei den meisten Online-Shops mittlerweile der Standard. Allerdings nutzen die Deutschen nicht jede Bezahlmethode im gleichen Maß. Bei einem genauen Blick ergeben sich teils gravierende Unterschiede in der Häufigkeit. Das E-Commerce-Center Köln (kurz ECC) hat sich in einer aktuellen Studie mit 2000 Befragten mit den beliebtesten Zahlungsmethoden der Deutschen beschäftigt. Umfrageteilnehmer wurden hierzu nach ihren persönlichen Präferenzen bei der Bezahlung von online angebotenen Waren und Dienstleistungen befragt. Kauf auf Rechnung Eine relativ klassische Bezahlmethode ist der Kauf auf Rechnung. Gemäß der ECC-Studie gaben 41 % der Befragten an, bevorzugt auf diese Zahlungsart bei der Bestellung im Internet zurückzugreifen. Beim Rechnungskauf gewährt der Dienstleister dem Käufer das Recht, seine Ware erst nach Erhalt bzw. Versand zu bezahlen. Viele Online-Händler führen eine Bonitätsprüfung aus, um die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls abschätzen zu können. Für den Kunden bietet der Rechnungskauf den Vorteil, die Ware nach Erhalt zu begutachten, bevor der eigentliche Kauf stattfindet. Insbesondere bei Kleidungsstücken ist der Rechnungskauf daher beliebt. Die Zahlung wird in der Regel innerhalb von 14 Tagen oder sofort fällig. Paypal Auf dem zweiten Platz lag in der ECC-Studie mit circa 35 Prozent der Befragten der Online-Bezahldienst PayPal. Der US-amerikanische Dienst bietet Bezahlungen und Überweisungen an Dritte an und fungiert als Mittelsmann. Hierfür registriert sich der Nutzer mit seinen persönlichen Daten und verknüpft in der Regel ein Bankkonto oder eine Kreditkarte mit seinem PayPal-Konto. Wird eine Ware gekauft, belastet PayPal das Konto oder die Kreditkarte des Zahlenden mit dem geforderten Betrag. Alternativ ist es auch möglich, ein Guthaben aufzuladen. Danach erhält der Zahlungsempfänger ohne Verzögerung eine Gutschrift des Kaufbetrags. PayPal wird von vielen Deutschen aufgrund der Anonymität des Dienstes und des Käuferschutzes geschätzt, der bei Unstimmigkeiten eine Rückerstattung des Geldes garantiert. Trustly Neben den bekannten Größen wird der Markt auch von neuen Dienstleistern durchdrungen. In das Terrain der Online-Bezahldienste dringt nun der schwedische Zahldienst Trustly vor. Die Trustly Zahlungsmethode basiert auf dem Prinzip der Zahlungsauslösedienste, für die kein eigenes Kundenkonto benötigt wird. Der Kunde wählt bei der Bezahlung Trustly aus und gibt über diesen Bezahldienst seinen Namen sowie die Kontodaten an. Trustly löst im Anschluss eine Online-Überweisung aus und schreibt den Betrag dem Dienstanbieter gut. Im Anschluss wird die Zahlung an den Händler über den Bezahldienst selbst getätigt. Trustly bietet ebenso Rückzahlungen für Kunden und Einzahlungen auf ein Nutzerkonto, beispielsweise bei Online-Casinos, an. Lastschriftverfahren In der ECC-Studie gaben etwa 8 Prozent der Befragten an, bei Bezahlungen im Internet auf das Lastschriftverfahren zurückzugreifen. Die Methode rangiert damit eher auf den unteren Rängen. Beim Lastschriftverfahren gehen Händler und Kunden einen Kaufvertrag ein, bei dem der Kunde den Händler ein Mandat zur Zahlungsabbuchung per Bankeinzug erteilt. Hierfür werden die Kontodaten des Nutzers angegeben. Im Anschluss bucht der Händler den Betrag vom Konto des Kunden ab. Lastschriftverfahren werden insbesondere bei monatlich wiederkehrenden Zahlungen wie Abonnements eingesetzt. Sofortüberweisung und Vorkasse Vor allem die Vorkasse ist eine wenig beliebte Zahlungsmethode, da bei dieser der Kunde in Vorleistung treten muss. Der Käufer überweist den geforderten Betrag einer Ware per Online-Banking oder über eine gewöhnliche Banküberweisung an den Händler. Sobald dieser beim Online-Shop eingegangen ist, wird das Produkt oder die Dienstleistung versandt. Die Vorteile liegen vor allem auf Händlerseite, da dieser erst nach Eingang des Geldes die angeforderte Leistung erbringt. Bei der Sofortüberweisung werden Nutzer beim Kauf zur Eingabe ihrer Bankdaten aufgefordert, die sie mit dem eigenen Online-Banking-Konto verbinden. In der Regel wird dann eine TAN generiert, mit dessen Hilfe der Auftrag bestätigt wird. Das Verfahren gilt als sicher und nutzerfreundlich, da eine separate Registrierung nicht notwendig ist. Kreditkartenzahlung Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten nutzen die Deutschen in geringerem Maß den Kauf per Kreditkarte. Laut Daten des ECC nutzten im Jahr 2018 unter 10 % der Befragten regelmäßig diese Zahlungsmethode bei der Bestellung von Waren im Internet. Ein Grund für die geringe Beliebtheit der Kreditkarte liegt wahrscheinlich in der Dominanz anderer Bezahlmöglichkeiten im Alltag, darunter der Girocard.

Afghanistan-Abzug
Ex-US-General Petraeus widerspricht dem Vorwurf nach fehlendem Kampfwillen der afghanischen Armee

US-Präsident Biden und die Bundesregierung machen fehlenden Kampfwillen der afghanischen Armee für den Erfolg der Taliban verantwortlich. Im Interview mit dem Onlineformat STRG_F, das der NDR für funk produziert, widerspricht der ehemalige Kommandeur der US-Streitkräfte in Afghanistan, David Petraeus. „Sie hatten plötzlich keine Rückendeckung mehr“, sagt Petraeus mit Blick auf die afghanischen Streitkräfte. „Unsere Luftwaffe war weg“. Das Interview wurde am Freitag, 20. August, um 17.00 Uhr dem Youtube-Kanal von auf STRG_F veröffentlicht. Er habe als Kommandeur in Afghanistan selbst erlebt, in welch riesiger Anzahl afghanische Sicherheitskräfte kämpften und starben. Nach dem Abzug der US-Luftwaffe sei aber die wichtige Rückendeckung aus der Luft weggefallen. „Wie kann man von Streitkräften erwarten, dass sie kämpfen, wenn sie wissen, dass keiner mehr zur Unterstützung kommt?“, so Petraeus. Der US-General widerspricht damit der Darstellung von US-Präsident Biden, der die Schuld für den schnellen Erfolg der Taliban auf die afghanische Armee geschoben hatte. „Amerikanische Truppen können und sollten nicht in einem Krieg kämpfen und sterben, den die afghanischen Streitkräfte selbst nicht zu kämpfen gewillt sind“, hatte Joe Biden diese Woche gesagt. Auch die Bundesregierung hatte sich dieser Darstellung angeschlossen. Man habe die „Durchhaltefähigkeit und den Durchhaltewillen der afghanischen Armee falsch eingeschätzt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die afghanischen Streitkräfte seien nicht bereit gewesen „sich den Taliban entgegenzustellen“, so Außenminister Heiko Maas. US-General Petraeus sagt im STRG_F-Interview, er finde die Aussage von Joe Biden bedauerlich. „Die Fakten sind, dass 27 Mal so viele afghanische Sicherheitskräfte im Kampf für ihr Land gestorben sind als US-Amerikaner“, so Petraeus. Tatsächlich starben nach Angaben der Brown University 2.442 US-Amerikaner und mindestens 66.000 afghanische Sicherheitskräfte in dem 20-jährigen Krieg. Petraeus war von Juni 2010 bis Juli 2011 Kommandeur der US- und Nato-Streitkräfte in Afghanistan, bevor er CIA-Chef wurde. Im STRG_F-Interview kritisiert er die politischen Entscheidungsträger für den chaotischen US-Abzug. „Die Situation, in der sich die afghanischen Streitkräfte als Ergebnis unserer politischen Entscheidung befanden, war eine ausweglose“, so Petraeus. Er selbst und führende Militärs hätten vorgeschlagen, eine geringe Streitkraft mit Drohnen- und Luftunterstützung im Land zu lassen. „Ich glaube, das hätte die jetzige Situation verhindert.“ Petraeus hatte sich in seiner Zeit als Kommandeur dafür eingesetzt, Terrorismusbekämpfung mit dem Aufbau eines funktionierenden Staates zu verbinden, dem sogenannten Nation-Building. US-Präsident Joe Biden sagte dagegen diese Woche, es habe bei dem US-Einsatz nie um den Aufbau eines Staates gehen sollen, sondern rein um Terrorismusbekämpfung. Der US-Präsident verbuchte den Afghanistaneinsatz demnach als Erfolg: „Unsere Mission, die Terror-Gefahr von al Quaida zu reduzieren und Osama bin Laden zu töten, war ein Erfolg“, so Biden. General Petraeus sagte dazu gegenüber STRG_F: „Ich weiß nicht, wie die Machtübernahme der Taliban als positive Entwicklung für die nationale Sicherheit der USA gedeutet werden kann.“