Erbil – In der kurdischen Autonomieregion (KRG) des Irak wurde erneut ein Soldat der Peschmerga durch eine PKK-Mine verletzt. Wie die Regierung mitteilte, war die Bombe im Amedi Bezirk der Duhok Provinz an einer Landstraße gelegt worden. Der Sprengsatz explodierte demnach, als ein Peshmerga-Fahrzeug passierte. Bei der Explosion wurde ein Soldat verletzt. Wie der stellvertretende Minister SarbastLazgin mitteilte, wird die Straße sowohl von Soldaten als auch von Zivilisten genutzt. Er bezeichnete die PKK „als Bedrohung für Zivilisten und Streitkräfte“.
„Die PKK setzt ihre zerstörerische Arbeit fort, indem sie Bomben gegen Peschmerga-Kräfte und Zivilisten legt“, twitterte Lazgin.
Die Spannungen zwischen den kurdischen Streitkräften und der PKK sind in den letzten Monaten wieder eskaliert. Die PKK beschuldigt die Peschmerga und die Regierung der kurdischen Autonomieregion des Irak, mit der Türkei zusammenzuarbeiten. Im Dezember wurden bei Zusammenstößen zwischen den beiden Seiten im Bezirk Amedi in Duhok ein Peschmerga getötet und drei PKK-Kämpfer schwer verletzt, von denen einer später verstarb. Zwei Peschmerga starben zudem im November bei weiteren Zusammenstößen im selben Gebiet.
Die Regierung der kurdischen Autonomieregion hat die PKK wiederholt aufgefordert, das Gebiet zu verlassen.
„Einige Gruppen berücksichtigen nicht den Frieden und die Sicherheit unseres Volkes und nutzen unsere Gebiete für Angriffe gegen andere. Wo um alles in der Welt würde jemand diese Art von Handlung akzeptieren? Sie kommen hierher, trainieren und greifen andere an, und die KRG und ihre Mitarbeiter zahlen dafür“, zitiert das kurdische Nachrichtenportal Rudaw Präsident Nechirvan Barzani im Dezember 2019.
Barzani sagte zudem, dass die Terrororganisation PKK auch für die Kurden eine Sicherheitsbedrohung darstelle.
„Wir haben versucht zu kommunizieren, dass sie [die PKK] für unsere Geschwister in Nordsyrien eine Gefahr sind“, so Barzani. „Mein einziger Wunsch ist es, dass sich die Kurden von der PKK distanzieren. Die PKK hat versucht, sich über die syrischen Kurden zu legitimieren.
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Moskau – Ein neuer Vertrag mit der Türkei über die Lieferung von russischen Flugabwehrraketensystemen mittlerer bis großer Reichweite vom Typ S-400 könnte bald unterzeichnet werden, sagte der Vorstandsvorsitzende des staatlichen Waffenexporteurs Rosoboronexport (Teil des staatlichen Technologiekonzerns Rostec) Alexander Mikheyev am Montag auf dem internationalen militärtechnischen Forum Army-2021.
„Die Konsultationen gehen weiter und befinden sich in der Endphase. Wir werden bald mit der Ausarbeitung eines Vertrags mit unseren Partnern beginnen“, zitiert die russische Nachrichtenagentur TASSMikheyev.
Die russische S-400 „Triumf“ (NATO-Bezeichnung: SA-21 Growler) ist das neueste Boden-Luft-Raketensystem mit langer und mittlerer Reichweite Russlands, das 2007 in Dienst gestellt wurde. Es ist für die Zerstörung von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen ausgelegt und kann auch gegen Bodeneinrichtungen eingesetzt werden. Die S-400 kann Ziele in einer Entfernung von bis zu 400 km und in einer Höhe von bis zu 30 km unter intensivem feindlichem Beschuss und Störfeuer bekämpfen.
Washington lehnt Kauf der S-400 ab
Washington lehnte die Übernahme des russischen Fliegerabwehrsystems durch die Türkei entschieden ab und suspendierte die Türkei von ihrem Hi-Tech-Kampfjetprogramm F-35, da die S-400 eine Bedrohung für die Stealth-Kampfjets darstelle. Die US-Regierung hatte Ankara auch davor gewarnt, dass es US-Sanktionen nach dem Countering America’s Adversaries Through Sanctions Act riskiert, wenn das S-400-System aktiviert wird. Die Türkei besteht darauf, dass sie gezwungen wurde, das russische System zu kaufen, nachdem Washington sich geweigert hatte, ihm das US-Patriot-System zu verkaufen.
Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu kritisierte die Position der USA zu dem Geschäft und wies darauf hin, dass Ankara das Raketensystem brauche.
„Wenn die Vereinigten Staaten wollen, dass die Türkei Waffen von ihnen kauft, sollten sie diese zu vernünftigen Preisen und mit besseren Bedingungen anbieten“, so Cavusoglu.
Ausschluss aus dem F-35-Programm
Nachdem die Bundesregierung im August 2015 den Abzug der deutschen Patriot-Abwehrraketen aus der Türkei angekündigt hatte, gab Ankara 2017 den Kauf des russischen System S-400 bekannt. Die USA haben dieses Vorhaben Ankaras scharf verurteilt und ihren NATO-Partner aus dem gemeinsamen F-35-Entwicklungsprogramm ausgeschlossen. Die Türkei ist Mitentwickler und Lieferant von etwa 900 Bauteilen.
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„Der Druck war in der Tat beispiellos. Wir begrüßen die ziemlich harte und kategorische Haltung von Präsident Erdogan. Wir glauben, dass nur diese Position es uns ermöglicht, tatsächlich einen freien und souveränen Dialog aufzubauen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in der Sendung „Moskau. Kreml. Putin“ des russischen TV-Kanals Rossiya-1TV.
Ankara – In der Türkei müssen ungeimpfte Personen ab dem 6. September einen negativen PCR-Test vorweisen, wenn sie an gesellschaftlichen Veranstaltungen wie Konzerten teilnehmen oder öffentliche Veranstaltungsorte wie Kinos und Theater betreten wollen.
Die Organisatoren dieser Veranstaltungen und das Personal an diesen Orten werden anhand des HES-Codes der Besucher, einem System zur Ermittlung von Coronavirus-Kontakten, überprüfen, ob sie geimpft oder genesen sind oder spätestens in den letzten 48 Stunden einen negativen PCR-Test vorweisen können, berichtet Hürriyet Daily News.
Laut dem Rundschreiben des Innenministeriums tritt die PCR-Testpflicht für innerstädtischen Reisen mit Flugzeugen, Bussen, Zügen oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln, ausgenommen Privatfahrzeuge, für nicht geimpfte Personen ebenfalls am 6. September in Kraft. Bereits in der vergangenen Woche hatte der türkischee Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigt, dass PCR-Tests im Rahmen der Bemühungen der Regierung, die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen, obligatorisch werden sollen. Nach diesen Plänen müssen sich auch ungeimpfte Lehrer, Angestellte und Universitätsstudenten PCR-Tests unterziehen, da sich die Schulen auf die Wiederaufnahme des Unterrichts am 6. September vorbereiten. Trotz der beschleunigten Impfkampagne liegt die Zahl der täglichen COVID-19-Fälle seit Juli letzten Jahres bei über 20.000, und die Zahl der Todesfälle steigt weiter.
Laut Professor İsmail Balık, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Universität Ankara, bilden ungeimpfte Menschen die größte Gruppe unter denjenigen, die wegen des Coronavirus auf Intensivstationen behandelt werden.
„Die zweitgrößte Gruppe sind diejenigen, die nur eine Dosis des COVID-19-Impfstoffs erhalten haben, gefolgt von den Patienten, die beide Dosen erhalten haben, aber noch keine vollständige Immunität entwickelt haben. Die vierte Gruppe besteht aus Personen, die zwar vollständig geimpft sind, bei denen aber mehr als drei Monate seit der letzten Impfung vergangen sind“, erklärte er gegenüber Hürriyet.
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Osnabrück – Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Amira Mohamed Ali, hat sich für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan ausgesprochen. „Es ist noch völlig offen, wie viele Menschen fliehen werden. Als Deutschland haben wir nach 20 Jahren Militäreinsatz im Land jedoch eine Verantwortung, der wir gerecht werden müssen“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung„. Das beinhaltet für die Linken-Politikerin neben schneller Hilfe vor Ort auch, „dass man Menschen nach Deutschland kommen lässt“.
Allerdings warnte Mohamed Ali den Staat davor, die Verantwortung für Flüchtlinge auf Ehrenamtliche abzuwälzen. „Was sich nicht wiederholen darf, ist, dass man die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer alleinlässt. 2015 ist vom Staat viel zu viel nur auf freiwillige Helfer gesetzt worden, die zu wenig Unterstützung bekamen“, so die Fraktionsvorsitzende.
Mohamed Ali kritisierte zudem die „brachiale Fehleinschätzung der Lage vor Ort“ und wies darauf hin, dass bis vor zwei Wochen noch Menschen aus Deutschland nach Afghanistan abgeschoben wurden. „Dass die Evakuierung trotz rechtzeitiger Hinweise so spät stattfindet, dafür fehlt mir das Verständnis.“
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Ahmad Massoud, Kommandeur der Anti-Taliban-Koalition „Nationale Widerstandsfront von Afghanistan“, fordert im Interview mit dem ARD-Politikmagazin Kontrastevom Westen, und insbesondere von Deutschland Unterstützung. „Der Westen sollte Druck auf die Taliban ausüben, damit sie die Gewalt sofort beenden und eine breit angelegte, inklusive Regierung akzeptieren. Sie müssen akzeptieren, dass es viele Veränderungen gegeben hat und dass sie Frauenrechte, Menschenrechte respektieren müssen. Sie können auch keine fanatische, extremistische Ideologie etablieren“, so Massoud.
Daran sollte ganz besonders Deutschland ein Interesse haben, betont Massoud mit Verweis auf eine drohende Flüchtlingswelle. „Wir haben gerade Hunderttausende in Kabul gesehen, aber es sind Millionen, die aus Afghanistan über die Landesgrenzen nach Iran, nach Pakistan und in andere Gebiete fliehen werden. Und sie sind auf dem Weg in den Westen und nach Europa“. „Mit einem Bruchteil der Mittel, die sie für die Flüchtlinge in ihrem Land ausgeben, mit etwas politischem Druck und mit der Unterstützung des Widerstands können sie tatsächlich einen dauerhaften Frieden erreichen“, so Massoud zu Kontraste.
Die „Nationale Widerstandsfront von Afghanistan“ sammelt sich derzeit im Pandschir-Tal, rund 150 Kilometer nordöstlich der afghanischen Hauptstadt Kabul. Angeführt wird die Truppe von Ahmad Massoud, dessen gleichnamiger Vater bereits als Kommandeur der Nordallianz gegen die Taliban gekämpft hat. Unter seinen Kämpfern, so Massoud Junior, seien auch Angehörige der afghanischen Armee und ihrer Spezialeinheiten.
Unterdessen meldet der arabische Nachrichtensender Aljazeera, dass die Taliban bekannt gegeben haben, sie hätten mehrere Hundert Kämpfer zum Pandschir-Tal beordert, um dort die Kontrolle zu übernehmen. Ob es ihnen gelänge, das Tal zu verteidigen und weite Teile des Landes zu befreien sei unklar, wie Massoud gegenüber Kontraste einräumt.
In dem Tal sollen rund 150.000 Menschen leben, die meisten davon gehören wie auch Massoud der ethnischen Minderheit der Tadschiken an, während die Mehrheit der Taliban ethnische Paschtunen sind. Das Pandschir-Tal war auch während der ersten Herrschaft der Taliban nicht unter deren Kontrolle.
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Der Sohn von Ahmad Schah Massoud, der in den 1980er-Jahren einer der wichtigsten Anführer des antisowjetischen Widerstands in Afghanistan war, erklärte, er werde die von ihm kontrollierten Gebiete nicht an die Taliban abtreten.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat Fehler bei der Unterstützung von Selbstständigen in der Corona-Krise eingeräumt.
„Da hat die Bundesregierung zu spät reagiert. Das betrifft auch die Ausgestaltung der Wirtschaftshilfen. Es hat bis zu den Neustarthilfen gedauert, bis das adäquat wurde“, sagte Heil im Sender phoenixam Montag. Heil sprach sich für die Einführung eines „Sicherungsgeldes“ aus, das Selbstständigen „analog zum Arbeitslosengeld unter dem Dach der Bundesagentur für Arbeit“ bekommen könnten. „Aber das kann man nicht in Krisensituationen aus dem Boden stampfen. Da muss man dann mit Nothilfen arbeiten.“ Nach der Krise müsse versucht werden, Sicherungslücken für Selbstständige, die es im Sozialstaat gebe, auch systemisch zu beheben.
Zur Finanzierung der Kosten der Corona-Krise sprach sich Heil indirekt für Steuererhöhungen für Besserverdienende aus. Spitzenverdiener würden noch länger einen höheren Beitrag zur Finanzierung der Krisenkosten leisten müssen, sagte er. Konkret warb Heil dafür, den Solidaritätsbeitrag, den etwa fünf Prozent der Bevölkerung nach wie vor zahlten, „in den Steuertarif zu integrieren“. Zudem helfe auch der international verabredete Mindeststeuersatz von 15 Prozent, damit Steuerdumping künftig vermieden werde.
Heil sprach sich in der Diskussionssendung „unter den linden“ zudem gegen eine generelle Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 70 Jahre aus. Deutschland habe international bereits „eines der höchsten gesetzlichen Renteneintrittsalter“. Jetzt zu verlangen, eine Krankenpflegerin oder ein Lagerlogistiker könne bis 70 arbeiten, sei zynisch, „weil diese Menschen das nie erreichen werden“. „Das sind Rentenkürzungen“, sagte Heil, der stattdessen für flexible Übergänge in den Ruhestand plädierte. Um das Rentensystem für die Zukunft zu stabilisieren, sei es notwendig, mehr Menschen in sozialversicherungspflichtige Arbeit zu bekommen. „Das stabilste Fundament für eine tragfähige Alterssicherung, das ist am Arbeitsmarkt.“ Die gesetzliche Rente solle auch künftig die tragende Säule der Altersvorsorge bleiben. Gegen zusätzliche betriebliche oder private Altersvorsorge, auch in Form von Aktien, sei als Ergänzung nichts einzuwenden.
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Ein Gastkommentar von Hakan Gördü
Dieser Titel in Kombination mit einem Bild von afghanischen Frauen in kurzen Röcken aus den 60er-Jahren, schmücken immer wieder Beiträge von westlichen Medien, wenn sie für Afghanistan trauern. Diese Trauermomente in Bezug auf Frauen aus mehrheitlich muslimischen Ländern, ist in vielerlei Hinsicht entlarvend für eine verzerrte europäische Wahrnehmung der Geschehnisse.
An diesem Punkt möchte ich meine Unterstützung für das afghanische Volk gegen die Diktatur der Taliban aussprechen. Besonders Frauen leiden unter der erzwungenen Burka, einem Stoffgefängnis, das die afghanische Frau vollständig aus der Gesellschaft verbannen soll. Meine Bewunderung, für die Afghaninnen, die trotz drakonischen Strafen den Mut aufbringen, um gegen diese Unterdrückung aufzustehen.
(Screenshot/NZZ/Welt)Der Minirock, das Gegenteil von Burka?
Nein, außer wir möchten das Thema an der Quantität des getragenen Stoffes festmachen. Viel Stoff schlecht, wenig Stoff gut – so einfach ist es dann allerdings wohl doch nicht.
Wer hat es erfunden?
Das oft zitierte Bild mit den afghanischen Frauen, zeigt einen deutlich erkennbaren westlichen Kleidungsstil. Möglich macht es ein umstrittener Monarch namens Zahir Schah, der Afghanistan über 40 Jahre regierte. Er sah sich als den „Schatten Gottes auf Erden“ und so verhielt sich auch sein Umgang mit Oppositionellen und Medien. Er reihte sich in ein reformierendes autokratisches Herrschergespann mit Atatürk in der Türkei und Reza Schach im Iran ein. Sie alle sind sich einig, die westliche Kleidung steht für Modernisierung und die „traditionell islamische Kluft“ ist der Gegner.
Unsere Aufklärung, ihre Aufklärung?
Durch den Kulturexport unserer „westlichen Werte“, schufen wir uns im kapitalistischen Sinne lediglich neue Abnehmer für unseren kommerzialisierten Lebensstil. Ob Kleidung & Mode, Waffen, Bildung, Kultur, Musik, Autos oder unsere Weltanschauung – wir waren das Erfolgsmodell, dass nun kopiert werden musste. Alles schlüsselfertig verpackt! Jahrhundertelang andauernde Diskurse und all die Kriege, von Scholastik zur Reformation, von Philosophie bis zur Überwindung der Sklaverei, dem Kolonialismus, Faschismus und Nationalsozialismus, das alles konnte man sich ersparen, man musste einfach auf den Zug aufspringen.
Wir befreien euch, ob ihr wollt oder nicht!
Reza Schah, Zahirs Pendent im Iran ging soweit, dass er eine Universität für Pariser Mode erbauen ließ und schließlich am 29. Mai 1936 das Kopftuch verbieten lässt. In der Türkei und später im Iran werden westliche Hüte statt dem traditionellem Fes per Gesetz als Nationaltracht angeordnet und Menschen, die sich in der damaligen Türkei widersetzten, wurden durch „Unabhängigkeitsgerichte“ zum Tode verurteilt. Diese Geisteshaltung wenn auch in abgeschwächter Form, zog sich bis 2010, denn so lange dauerte es, bis das grundrechtswidrige Kopftuchverbot an Universitäten offiziell gekippt werden konnte.
Auf der einen Seite haben wir also fortschrittliche Reformen, die das Wahlrecht und die Emanzipation der Frauen in der Gesellschaft ermöglichen. Auf der anderen Seite wiederum eine Zwangsassimilierung der eigenen Bevölkerung unter drakonischen Strafen bis hin zum Galgen. Wohlgemerkt im Namen einer rigorosen Europäisierung der muslimisch geprägten Länder. Diese jakobinisch aufgezwungene Art der Zwangsmodernisierung gegen die Mehrheitsbevölkerung legt bis heute in diesen Ländern, die zentrale Basis für nachfolgende reaktionäre Bewegungen. Viele dieser konservativ bis extremistisch geprägten Kräfte, bilden nun die Regierungen in diesen Ländern. Ob eine klerikale Mullahregierung in Teheran oder seit letzter Woche zum zweiten Mal die Taliban in Afghanistan.
Selbst in der Türkei, waren die sinnlosen Kopftuchverbote und die damit verbundenen Repressionen gegen Hijabis in den 90er-Jahren ein Grund für den Aufstieg der konservativen Refah-Partei, die ja bekanntlich in der Alleinregierung der AKP mündete. Darüber freut sich Europa noch heute bekanntlich jeden Tag. Eine erzwungene Assimilation kultureller oder religiöser Werte ist ein Verbrechen gegen die Menschheit und keine goldene Ära für das betroffene Volk. Eine künstlich erzwungene Liberalität schafft hausgemachte Gegenreaktionen und das ausnahmslos.
Von Werten und anderen Oberflächlichkeiten!
Aufklärer waren eine Handvoll Philosophen in Europa. Sie boten mit ihren Theorien und Erkenntnissen ein Fundament für eine heranwachsende Gesellschaft. Sie zahlten oft einen hohen Sold für ihre Ideen und Ideale. Politiker hingegen zitieren gerne ebenfalls „unsere Werte“ meinen jedoch etwas ganz anderes. Allzu oft verstehen sie, je nach politischer Gesinnung – einen bestimmten Lebensstil, eine Leitkultur und andere irrelevante kulturelle Eigenheiten.
Um es besser zu verstehen: Meist sind es Rechtspopulisten, die auf die Aneignung europäischer Werte, vor allem bei Migrationsgruppen unermüdlich pochen. Aber sind es doch sie, die stets mit ihren Gesetzesvorstößen wie zuletzt beim Kopftuchverbot in Schulen, unrechtmäßigen Moscheeschließungen, unverhältnismäßigen Hausdurchsuchungen oder Abschiebeorgien mit Charterflügen nach Afghanistan durch österreichische Gerichte zurückgepfiffen werden müssen.
Was sind Werte und Nichtwerte?
Gegebenheiten an der Oberfläche einer Gesellschaft, können zwar auf tieferliegenden Werten fußen, allerdings sind sie selbst nicht der zu vermittelnde Wert, sondern lediglich ein temporäres Produkt dessen.
Beispielsweise ist ein Auto eine technologische Errungenschaft, allerdings ist der dem zu Grunde liegende Wert, der technologische Fortschritt und nicht das Auto selbst. Der Export von Automobilen in die „Dritte Welt“, macht die Bevölkerung vor Ort zwar zu den Käufern unserer Werte, allerdings nicht zu deren Besitzern. Hierbei handelt es sich um das gewinnschöpfende Konzept des Postkolonialismus, der es nicht mehr für nötig hielt, Kolonien vor Ort zu stationieren und Ressourcen mühsam abzuschöpfen. Stattdessen machten wir die Länder der Welt zu unseren Kunden, zahlen durften sie mit Bodenschätzen oder geopolitischen Gefälligkeiten. Wir wurden unseren Müll los und sie ihre Reichtümer.
So war auch der Minirock anfangs ein europäischer Weg, um gegen die Bevormundung von Frauen zu demonstrieren und Selbstbestimmung entgegen gesellschaftlicher Normen zu leben. Denn Frauen richteten sich sinngemäß gegen die Herrschaftsklasse der Männer.
Die mutigen Frauen Europas erkämpften sich keinen Minirock, sondern die Selbstbestimmung das Tragen zu können was sie wollten. In der Türkei, in Afghanistan oder im Iran hingegen war es andersherum. Die Herrschaftsklasse diktierte die westliche Bekleidungsnormen ihrer Bevölkerung. Somit wurde das Symbol gegen das Patriarchat, wie im Falle des Minirocks, selbst zu einem Symbol der patriarchalen Fremdbestimmung. Erneut verkaufte man ein fertiges Produkt an die konsumierenden Massen eines fernen Landes. Die dem zu Grunde liegenden Diskurse, Errungenschaften und Erkenntnisse blieben im Ursprungsland verhaftet.
Ali Seriati, ein iranischer Revolutionär und Religionssoziologe vergleicht dies mit einem geliehenen Garten. Die Saat aus einer fernen Region, einem anderen Klima und Erde keimen nicht in diesen Ländern. Viel zu unterschiedlich sind der Lebensraum und die Gegebenheiten. So erkauft man sich fertige Gärten, mit Stamm und Früchten und setzt sie einem direkt vor die Nase. Ein himmlischer Anblick und ein kurzzeitiges Erfolgsgefühl machen sich breit, bis man nach einiger Zeit merkt, dass auch diese Pflanzen verwelken. Durch eine fortlaufende Abschöpfung eigener Ressourcen erhält man die fremde Oase künstlich am Leben. Sobald die Mittel zu Ende gehen bzw. die Mächte ihren Abzug verkünden, findet man sich in der alten Wüste wieder, die man ursprünglich vorgefunden hatte.
Was über bleibt sind nostalgische Blicke auf Fotos aus der Vergangenheit, auf geliehene Autos, Zigarren, Waffen und Miniröcke.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
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Corona-Krise: ARD kündigt Fernsehgottesdienste auch für Muslime an
Da während der Corona-Krise öffentliche Versammlungen und Veranstaltungen wie Gottesdienste untersagt sind, bieten die Dritten Programme der ARD zusätzliche Angebote für gläubige Menschen in Deutschland an.
Schwere Verläufe von Corona-Infektionen treffen in NRW immer häufiger jüngere Menschen. Das geht aus einer Ergebung des Landeszentrum Gesundheit NRW (LZG) in Bochum hervor, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. Danach waren von 891 Patienten, die zwischen dem 1. Juli und dem 10. August stationär in NRW-Kliniken behandelt wurden, 29,5 Prozent unter 40 Jahre alt.
Auch Jugendliche und junge Erwachsene haben zum Teil schwere Verläufe. Der Anteil der unter 20-Jährigen liegt bei 8,2 Prozent. 30,9 Prozent der Patienten sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. Laut LZG ist der ganz überwiegende Anteil der Patienten nicht oder nicht vollständig geimpft. 87,1 Prozent der im Krankenhaus Behandelten waren nicht oder nur teilweise geimpft, in einigen Fällen war der Impfstatus unklar.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sagte der Zeitung, das Coronavirus sei in Deutschland „heimisch“ geworden. „Wer sich nicht impfen lässt, geht ein sehr hohes Risiko ein, ungeschützt zu erkranken, womöglich sogar sehr schwer zu erkranken und in der Beatmung zu landen“, warnte der CDU-Politiker. „Über kurz oder lang wird ein jeder von uns direkt mit dem Virus konfrontiert“, fügte Laumann hinzu. „Die Frage ist, ob mit oder ohne Impfschutz. Als Gesundheitsminister, aber auch ganz persönlich kann ich da jedem nur den Impfschutz empfehlen.“
Cola, Limo, Energydrinks: Gezuckerte Getränke bergen für erwachsene Frauen, die zwei oder mehr gezuckerte Getränke täglich zu sich nehmen, die Gefahr an Dickdarmkrebs zu erkranken, noch bevor sie das 50. Lebensjahr erreichen. Das Risiko ist laut einer Auswertung der US-amerikanischen Nurses Health Study IIdoppelt so hoch wie bei Frauen, die weniger als einen Softdrink am Tag konsumieren. Das berichtet das Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“.
Schnell steigender Blutzuckerspiegel
Eine der Ursachen vermuten die Forscher im raschen Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels durch Süßgetränke, was wiederum Übergewicht und Typ-2-Diabetes begünstigen kann. Beides erhöht das Darmkrebsrisiko. Wegen des starken Blutzuckeranstiegs sollten Menschen mit Diabetes solche zuckerreichen Getränke außer bei einer Unterzuckerung ohnehin meiden.
Die Zahl der Fälle von Darmkrebs, die vor dem 50. Lebensjahr diagnostiziert werden, auch bekannt als früh auftretender Darmkrebs, hat in den letzten zwei Jahrzehnten in vielen Ländern mit hohem Einkommen zugenommen. Aber es ist nicht klar, warum. In den USA haben Erwachsene, die um 1990 geboren wurden, ein doppelt so hohes Darmkrebsrisiko und ein viermal so hohes Risiko für Rektumkarzinom wie Erwachsene, die um 1950 geboren wurden.
Mit Zucker gesüßte Getränke wie Erfrischungsgetränke, Getränke mit Fruchtgeschmack, Sport- und Energydrinks sind die Hauptquelle (39 %) für zugesetzten Zucker in der US-Ernährung, und 12 % der Bevölkerung trinken täglich mehr als drei Portionen (je 8 fl oz).
Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Sonntag mit dem Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel, telefoniert. In dem Gespräch ging es um regionale Angelegenheiten, insbesondere um die Entwicklungen in Afghanistan und die Migrationsfrage sowie um Maßnahmen zur Verbesserung der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU, so eine Mitteilung des türkischen Präsidialamtes.
In dem Gespräch habe Erdogan betont, dass er sich einen reibungslosen Übergang in Afghanistan wünsche. Der von Afghanistan ausgehende Migrationsdruck werde weiter zunehmen, wenn nicht die notwendigen Vorkehrungen getroffen würden, was eine große Herausforderung für alle Länder darstellen würde. Der türkische Staatschef habe ferner darauf hingewiesen, dass die EU der afghanischen Bevölkerung in Afghanistan und dessen Nachbarländern helfen sollte, und betont, dass die Türkei, die bereits fünf Millionen Flüchtlinge beherberge, keine zusätzliche Migrationslast tragen könne.
Die jüngsten Entwicklungen in Afghanistan zeigten, wie wichtig es sei, dass sich die Türkei dem Pesco-Projekt der EU in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit anschließe, und erklärte, dass die Priorität der Türkei derzeit darin bestehe, in Afghanistan für dauerhaften Frieden und Stabilität zu sorgen und ihre Bürger zu evakuieren. Erdogan habe zudem darauf hingewisen, dass die türkischen Truppen außerordentliche Anstrengungen unternähmen, um die Ordnung in Afghanistan wiederherzustellen und den Flughafen von Kabul ordnungsgemäß zu betreiben, und dass sie dem Ersuchen vieler europäischer Länder um Evakuierung nachgekommen seien.
Auch in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel habe er nochmals gewarnt, dass die Türkei keine „zusätzliche Belastung“ tragen könne, sollte es zu einer massenhaften Flucht von Afghanen kommen. „Eine neue Migrationswelle ist unausweichlich, wenn in Afghanistan und im Iran nicht die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden“, betonte Erdogan demnach gegenüber Merkel. Die Türkei beherbergt etwa fünf Millionen Flüchtlinge, mehr als jedes andere Land der Welt, und ihre Politik, die Flüchtlinge mit offenen Armen aufzunehmen, wurde weltweit als vorbildlich gelobt.
Wie die Tagesschau unter Berufung auf Angaben der stellvertretenden Sprecherin der Bundesregierung, Ulrike Demmer, berichtet, stimmten Merkel und Erdogan jedoch darin überein, dass es „höchste Priorität“ habe, schutzbedürftige Personen aus Afghanistan in Sicherheit zu bringen. Zudem wollen Deutschland und die Türkei ihre Unterstützung für internationale Hilfsorganisationen enger koordinieren, allen voran für das UN-Flüchtlingshilfswerk.