Arbeitsmarktpolitik
Forscher: Reallöhne von Geringverdienenden gestiegen

Berlin – Die Reallöhne von Mindestlohn-Beziehern sind dem Verteilungsforscher Markus Grabka zufolge trotz der hohen Inflation gestiegen. Bundesregierung und Bundestag haben den gesetzlichen Mindestlohn im vorigen Jahr nach und nach angehoben, seit Oktober beträgt er zwölf Euro pro Stunde. „Wer zum Mindestlohn bezahlt wird, hatte zuletzt klare Reallohngewinne – sofern der Arbeitgeber die Arbeitszeit nicht verkürzt hat“, sagte der Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der Tageszeitung „nd„. Grund dafür ist die relativ starke Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro. Gerade die unteren Lohngruppen seien zuletzt deutlich gestiegen, so Grabka. Auch, weil Gewerkschaften wie Verdi seit einiger Zeit in Tarifrunden neben prozentualen Lohnsteigerungen feste Eurobeträge durchsetzten, die besonders Geringverdienenden zugutekommen. Dennoch seien die Verdienste oft immer noch niedrig, betonte der Wissenschaftler. Insgesamt sind laut Statistischem Bundesamt die Nominallöhne in Deutschland zwar gestiegen. Wegen der hohen Inflation sind die durchschnittlichen Reallöhne im letzten Jahr und Anfang dieses Jahres jedoch gesunken.

Türkei
Türkischer Finanzminister Şimşek: „Keine schnellen Lösungen“

Ankara – Der neue Finanzminister der Türkei hat eindringlich darauf hingewiesen, dass es für eine Lösung der aktuellen wirtschaftlichen Probleme des Landes keine Abkürzungen oder schnellen Lösungen gäbe. Er war jedoch sicher, dass zu schaffen sei. „Es gibt zwar keine Abkürzungen oder schnellen Lösungen, aber wir können sicher sein, dass unsere Erfahrung, unser Wissen und unser Engagement uns helfen werden, mögliche Hindernisse zu überwinden. Unsere unmittelbare Priorität besteht darin, unser Team zu stärken und ein glaubwürdiges Programm zu entwickeln“, so Mehmet Şimşek auf Twitter.
Unsere Leitprinzipien für die Schaffung einer wohlhabenderen und widerstandsfähigeren Türkei werden Transparenz, Konsistenz, Rechenschaftspflicht und Berechenbarkeit sein.
Um die „Vorhersehbarkeit zu verbessern“ und zur „Bewältigung der nationalen und internationalen Herausforderungen“, kündigte er eine „regelbasierte Politik“ an. Şimşek bedankte sich bei Präsident Erdoğan für das ihm entgegengebrachte Vertrauen. „Ich bin Präsident Erdoğan dafür dankbar, dass er mich mit der Verantwortung betraut hat, unserem Volk in dieser Funktion zu dienen“, so der Finanzminister.

Şimşek war von 2007 bis 2009 Wirtschaftsminister, und von 2009 bis 2015 Finanzminister. Danach übernahm er das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Er galt bei internationalen Investoren als Garant für eine gute wirtschaftliche Entwicklung.

Şimşek trat 2018 zurück, als Präsident Recep Tayyip Erdoğan seinen Schwiegersohn Berat Albayrak zum Finanzminister ernannte. Die türkische Lira befand sich seit seinem Rücktritt in einem freien Fall, wobei sie um über 400 Prozent – von etwa 4,6  auf über 20 zum Dollar – abstürzte.

Yunus Emre Institut
Frankfurt: Ausstellung über Juden des Osmanischen Reiches

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von Kemal Bölge

Anno 1493, ein Jahr nachdem Christoph Kolumbus Amerika entdeckt hatte, gründeten die Brüder David und Samuel Ibn Nahmias im Istanbuler Stadtteil Ortaköy die erste Druckerei des Osmanischen Reiches.

Es waren sephardische Juden, die mit dem Edikt von Granada zwischen katholischer Taufe und Vertreibung wählen mussten. Am 2. August 1493 begann der Exodus von 150.000 spanischen Juden, die innerhalb weniger Monate ihre Heimat zwangsweise verließen. Etwa 100.000 fanden Zuflucht im Osmanischen Reich. Der osmanische Sultan Bayezid II. ließ ein Dekret veröffentlichen, in dem die spanischen Juden willkommen geheißen wurden. Auf Befehl des Sultans wurde eine Flotte nach Spanien entsandt, um die sephardischen Juden sicher ins Osmanische Reich zu bringen.

Multikulturelles Erbe des Osmanischen Reiches

Die Ausstellung unter der Überschrift „Sepharad – Spuren eines multikulturellen Erbes“ in den Frankfurter Römerhallen zeigt mehr als 70 ausgewählte Werke von den Nachfahren der einst aus Spanien geflohenen Juden. Zu sehen sind Fotografien, Skulpturen, Malerei, Keramik und Collagen von 30 türkisch-sephardischen Künstlern. Organisator der Exposition ist das Yunus-Emre-Institut aus Berlin und das türkische Generalkonsulat in Frankfurt. Eröffnung war am 1. Juni und läuft noch bis zum 14. Juni. Der Eintritt ist frei.

Nahostkonflikt
Kommentar: Israel kann einen Krieg gegen den Iran nicht gewinnen

ein Gastbeitrag von Michael Thomas Wenn wir von Deutschen und Deutschland einmal aus guten Gründen absehen, sieht die übrige Welt schon jetzt die Qalmwolken aufsteigen. Die israelische Regierung steht momentan unter Druck, der von vielen Seiten aus entsteht und den sie sehr bald schon nicht mehr kompensieren kann. Da haben wir die Verabschiedung des Etats für die nächsten Jahre; hier werden gewaltige Mittel aus dem Budget direkt für die Ultraorthodoxen abgezweigt, die ihrerseits durch Mangel an Arbeit keine Steuern zahlen, sondern im Gegenteil auf reichliche Hilfeleistungen vom Staat angewiesen sind. Sie frequentieren Schulen, die naturwissenschaftliche Fächer ausblenden, viele von ihnen arbeiten nicht, sondern geben sich dem Studium der Schriften hin. Die vom Staat beschützte, besondere Stellung ultraorthodoxer Bürger ist seit vielen Jahren Ziel innerisraelischer Kritik, auch da sie sich regelmäßig mit Genehmigung dem Wehrdienst entziehen dürfen. Dann sehen wir die nicht nachlassenden Massenproteste gegen die Justizkastration, gemeinhin als „Reform“ bezeichnet. Die Entmachtung des Obersten Gerichts soll verhindern, dass dieses in Zukunft gegen menschenrechtsbrechende Ausschreitungen der israelischen Armee im Westjordanland einschreitet. Schon zuvor verhinderte das Oberste Gericht nur in seltenen Fällen solche Aktionen; allgemein wird befürchtet, dass die Pläne der Regierung zur fortschreitenden Annexion des Westjordanlandes erheblich brutalere Strategien als je zuvor aufweist. Es werden Berichte laut, dass die Regierung ganz offen über die Notwendigkeit einer „zweiten Nakba“, einer weiteren, umfassenden Vertreibungs- und Vernichtungswelle gegen Palästinenser im Westjordanland spricht. Die Proteste haben längst ergreifenden Einfluss auf das Land; eine Welle von Kriegsdienstverweigerungen, die nach israelischem Recht beinahe unmöglich sind, zeigt, dass eine anwachsende Menge junger Israelis nicht bereit ist, die Ziele der Regierung mit der Waffe durchsetzen zu sollen. Druck aus dem Militär selbst tritt ebenfalls hinzu: Israel besitzt nach inoffizieller Beobachtung eine „erste“ und eine „zweite“ Armee. Während die „erste“ ausschließlich aus Befehlshabern besteht, die fast ausnahmslos von systemtreuen, zumeist ashkenazischen Juden zusammengesetzt ist, rekrutiert sich die „zweite“ aus häufig minderberechtigten Israelis und Arabern. Diese Teilung führt regelmäßig zu Streitigkeiten und unterschiedlichen Urteilen. Die „erste“ Armee befehligt die Einsätze der „zweiten“ – und macht diese oft für illegale Übergriffe und Gesetzesverstöße bei Einsätzen verantwortlich und gleichzeitig werden dieselben Übertretungen Mitgliedern der „ersten“ Armee nachgesehen und nicht verfolgt. Die „zweite“ Armee revoltiert dagegen im Innern und nicht selten setzt sie sich über Vorschriften hinweg, in dem sie etwa von vornherein scharfe Munition und lethale Waffen einsetzt, obschon dies im Vorfeld von Befehlshabern der „ersten“ Armee untersagt wurde. Diese Auseinandersetzungen sind ernster Natur und bieten ein Spannungsfeld, dem Itamar Ben Gvir durch die Schaffung einer „Nationalgarde“ entkommen will. Diese entzieht sich jeder Kritik – und feuert sofort tödlich. Es warten jedoch viele weitere Probleme existenzieller Natur: Netanyahu erhoffte sich vom „Abraham-Abkommen“, unter vollständiger Umgehung der Palästinenser mit benachbarten, arabischen Nationen Verträge abschließen zu können, die diese Länder von jeder Reaktion bei vernichtenden Aktionen gegen das Westjordanland abhalten würden. Das zündet nicht. Die weitaus wichtigsten Verhandlungspartner wie Saudi-Arabien und Jordanien verweigern das Abkommen und drohen im Gegenteil in den letzten Wochen sogar. Andere, die bisher tatsächlich bereits unterzeichnet haben, setzen Teile des Abkommens aus. Bisher muss man feststellen, dass das Abkommen kaum das Papier wert ist, auf dem es geschrieben steht. Schlimmer noch: der Erzfeind Israels, Iran, findet Eingang in den Kreis der arabischen Nationen. Zuvor ein Pariah-Staat, finden nun in rascher Abfolge produktive und konstruktive Gespräche mit Iran statt. So kooperiert neben Saudi-Arabien nun auch Ägypten. Das ist für Israel eine ungeheure Katastrophe. Das neue Kriegsgebrabbel Israels gegen Iran, das soeben die Fertigstellung einer Hyperschallrakete bekanntgegeben hat, ist nach Einsicht von Geheimdiensten vermutlich nichts als eine innenpolitische Aktion, die die Regierung Netanyahu durch Kriegsangst stabilisieren soll. Diese Strategie hat Netanyahu quer durch seine letzten 20 Jahre wiederholt und meist mit überwältigendem Erfolg angewandt. Immer wieder gelang es ihm, durch kriegerische Aktionen Mehrheiten um ihn zu versammeln. Nun will Netanyahu angeblich in Regierungskreisen über Präventivschläge gegen das iranische Nuklearprojekt beratschlagt haben, und diese Nachricht sandte die gewünschte Welle in die Öffentlichkeit aus. Tatsächlich jedoch registriert man keine sonst übliche Aktivierung militärischer Kräfte; es wurden keine Alarmmeldungen und Einsatzvorbereitungen an Heeresteile oder die Luftwaffe ausgegeben. Denn diesen Druck würde Israel nicht überleben: Nach allgemein gültiger Einschätzung befinden sich große Mengen recht zielsicherer und einsatzbereiter, iranischer Kurz- und Mittelstreckenraketen unmittelbar um israelische Grenzen herum. Die shiitische Hisbollah verfügt über diese Systeme, die vor allem den Norden Israels und die nördlichen „Siedlungen“ im Westjordanland unmittelbar im Visier haben. Würde nun Israel tatsächlich Angriffe auf iranische Atomanlangen durchführen, wäre unverzüglich mit der Aktivierung dieser Systeme zu rechnen. Wie die Erfahrung gezeigt hat, wäre das israelische „Iron Dome“-System zu großen Teilen damit vollkommen überfordert und bedeutende Mengen treffgenauerer Raketen wären auf dem Weg in israelische Städte. Parallel zu diesem Schlag käme die militärische Antwort aus Iran selbst. Netanyahu weiß, dass ein solcher Angriff auf Iran dort eine große Welle der Solidarität im Volk auslösen und für eine ungeheure Motivation in den Streitkräften sorgen würde. Über eine solche Lage verfügt Netanyahu nicht. Er sieht seine eigenen Streitkräfte in Teilen durch Desertion, Verweigerung, endlosen Diskussionen, Ernüchterung entzogene Solidarität und Zustimmung bedroht und ist nicht in der Lage, all diese Probleme zu lösen. Internationale Experten schätzen, dass ein Krieg gegen Iran von Israel …. gelinde gesagt, nicht gewonnen werden kann. Viele dieser Probleme Israels sind nicht neu. Deshalb suchte Netanyahu immer wieder seit gut zwei Jahrzehnten in den USA nach militärischer Unterstützung und er hätte sich gewünscht, wenn von dort der Auslöser und Auftakt zum Krieg gegen Iran geliefert worden wäre. Aber nicht erst Donald Trump hat erkannt, dass ein Angriff auf den Iran entsetzliche Verluste und eine sofortige Ausweitung auf die gesamte Region einbringen würde. In extrem kurzer Zeit, womöglich innerhalb weniger Tage, zerbrächen alle Allianzen im nahöstlichen Raum und sämtliche Streitkräfte der USA sähen sich überall Angriffen ausgesetzt. Es entstünde ein Flächenbrand, der sofort außer Kontrolle geraten würde. Alle einschlägigen Planungsspiele der USA liefen ausnahmslos in dieses Szenario. Da auch die mächtigen USA diesen Krieg weder steuern, noch gewinnen könnten, ein zweites Vietnam, aber sicherlich in erheblich größerem Ausmaß vor sich hätten, haben die USA bisher immer abgewunken. Die USA würden sich sicherlich erst an einem Krieg beteiligen – wenn Israel ihn eröffnet haben und somit das Feuer auf sich konzentrieren würde. Der nächste Druck entsteht aus BDS Alle Bemühungen der deutschen Regierungen, diese Aktion als „antisemitisch“ bezeichnen und sie bekämpfen zu wollen, sind bisher tatsächlich jämmerlich gescheitert. Alle anderen, also klügeren Regierungen Europas und der Welt, reduzieren sich zumeist darauf, BDS schlicht totzuschweigen. Selbst in den USA scheitern Vorstöße gegen BDS regelmäßig, wie in Deutschland auch, vor Gerichten. Dennoch verzeichnet diese Aktion immer weitere und größere Erfolge. Auch, wenn das dadurch von Israel abgezogene Kapital das Land nicht zusammenbrechen lassen wird, richtet die Aktion dennoch veritablen Schaden an der israelischen Politik an. Immer mehr europäische Großstädte lösen ihre Politik von der ihrer nationalen ab, thematisieren den Unrechtsstaat Israel und boykottieren ihn. Das wird sich vervielfältigen. Wenn nun die in Israel losgelassenen, faschistischen und rassistischen Kräfte zum Großangriff auf die Palästinenser im Westjordanland blasen, immer mehr und immer hässlichere Bilder von Kindern in die Medien geraten, denen in den Kopf geschossen wurde, werden sich alle zuvor genannten Drücke noch einmal maßgeblich steigern. All die beschriebenen Effekte werden an Intensität und Auswirkung zunehmen. Die Bollwerke der europäischen Medien, die beim Ausschweigen und Tottreten der israelischen Scheußlichkeiten Beistand leisten, werden brechen. Der Punkt wird schnell errreicht sein, an welchem sie ihre Strategie der Berichterstattung verändern und die Wahrheit zeigen und beschreiben müssen, wie sie sich darstellt. Schauen wir hin …. dem Papiertiger Israel brennen schon die Füße.

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor 
Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
 

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Kachowka-Staudamm
Ukraine-Botschafter Makeiev: Russen haben den Damm vermint

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Berlin – Nach der verheerenden Sprengung des Kachowka-Staudamms in der Region Cherson hat der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, im phoenix-Interview von russischer „Folter“ am ukrainischen Volk gesprochen. Angesichts der ausgelösten Fluten erwarte er eine massive Umwelt-Katastrophe. Makeiev warnte, der Vorfall könne sich auch auf das wichtige Kühlsystem des Atomkraftwerks Saporischschja, den Dnipro-Fluss aufwärts, auswirken. „Es ist eine verheerende Katastrophe für die Menschen, für die Umwelt“, so Makeiev. Die Menschen vor Ort müssten das Gebiet, in dem viele Städte und Dörfer überflutet seien, verlassen. „Es ist eine Riesen-Überschwemmung und herzzerreißend, was wir aus der Ukraine berichtet bekommen.“ Während Russland einen angeblichen ukrainischen Beschuss für den Bruch des Staudamms verantwortlich macht, erklärte Botschafter Makeiev gegenüber phoenix: „Die Russen haben den Damm noch im Oktober letzten Jahres vermint. Wir hatten schon unsere Untersuchungen gemacht und vorgewarnt, was passiert, wenn die Russen den Damm sprengen.“ Als Motiv für den Angriff auf das zivile Ziel nannte der Diplomat russische Kriegstaktik: Durch die Überschwemmung der Region versuche Russland, die erwartete ukrainische Gegenoffensive zu stoppen. „Verstehen oder begreifen kann man das nicht.“ Makeiev rief andere Staaten auf, die Sprengung des Damms auf das Schärfste zu verurteilen. Er forderte, „dass diese russischen Handlungen mit weiteren politischen Folgen und Sanktionen“ bestraft werden. „Das war typisch russisch, einfach einen Damm zu sprengen und die Menschen leiden zu lassen.“ Ukraine: 1.700 Menschen nach Explosion am Kachowka-Damm evakuiert Einen Tag nach der verheerenden Explosion am Wasserkraftwerk Kachowka in der Region Cherson in der Südukraine wird erwartet, dass der Wasserstand in den nächsten 20 Stunden noch einmal um einen Meter steigen wird. Aktuellen Angaben der Regionalverwaltung von Cherson zufolge wurden bisher 1.852 Häuser überflutet und 1.700 Menschen evakuiert. Leider konnte das linke Ufer des Dnjepr noch nicht evakuiert werden, so dass viele Bewohner:innen noch auf den Dächern festsitzen. Neben dem steigenden Wasserstand warnt die Hilfsorganisation CARE vor den im Wasser schwimmenden Minen. „Das Gebiet, in dem sich der Kachowka-Damm befindet, ist voll von Landminen, die nun im Wasser schwimmen und eine große Gefahr darstellen. Außerdem bereiten uns die katastrophalen Folgen, die diese Explosion für die Umwelt haben könnte, große Sorgen“, sagt Fabrice Martin, CARE-Länderdirektor in der Ukraine. „Mindestens 150 Tonnen Öl sind bereits in den Fluss Dnjepr gelangt und es besteht die Gefahr, dass weitere 300 Tonnen Öl austreten könnten. Dies könnte dazu führen, dass das Naturschutzgebiet Nyzhniodniprovskyi, das mehr als 80.000 Hektar geschütztes Land umfasst, komplett zerstört wird. Die CARE-Teams vor Ort und ihre Partner reagieren schnell, aber wir brauchen mehr finanzielle Unterstützung, um den am stärksten gefährdeten Menschen zu helfen und lebensrettende Ausrüstungen und Hilfsgüter bereitzustellen.“

Kampf um Au-pairs
Konjunkturumfrage 2023: In Deutschland fehlen die Au-pairs

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Die Nachfrage nach einer flexiblen Kinderbetreuung ist in Deutschland seit Corona stark gestiegen. Au-pairs wären dafür eine ideale Stütze. Doch auch im Au-pair-Wesen macht sich der Personalmangel bemerkbar: Agenturen und Gastfamilien klagen über zu wenig Au-pairs. Visaanträge werden abgelehnt, Kooperationen mit bewährten Herkunftsländern funktionieren nicht mehr. Au-pairs verlassen ihre Gastfamilien vorzeitig, weil sie abgeworben werden. Aber nicht nur der Incoming-Bereich kämpft mit Schwierigkeiten, wie die jährliche Umfragestudie des Au-pair-Versicherers DR-WALTER zutage fördert. Kampf um Au-pairs Sehr viele Au-pair-Agenturen klagen über einen eklatanten Mangel an geeigneten Au-pairs. Sie suchen händeringend nach Bewerber:innen und sprechen schon von einem „Kampf um Au-pairs“. Während der Zeit in den Gastfamilien werden einige Au-pairs für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Ausbildung abgeworben. So bekommen sie einen längerfristigen Aufenthaltstitel und entscheiden sich, ihr Au-pair-Jahr vorzeitig abzubrechen. In den Familien fehlen sie dann sehr. Zahl der Au-pair-Agenturen sinkt weiterhin Es agieren nur noch 112 Au-pair-Agenturen am deutschen Markt, während es 2016 noch 196 gab. Dass immer weniger Au-pairs über professionelle Agenturen vermittelt werden, gefährdet langfristig die Qualität im Au-pair-Wesen. Je mehr die Vermittlung und Betreuung im privaten Bereich und nicht über eine starke Basis von Au-pair-Agenturen stattfindet, desto schwieriger ist es, auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Zudem haben Au-pairs und Gastfamilien keinen Ansprechpartner in Notsituationen. Au-pairs aus wechselnden Ländern 2022 kamen 14.000 Au-pairs nach Deutschland. Das entspricht zwar einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr, erreicht aber nicht das Niveau der Prä-Corona-Zeit. Was die Arbeit der Au-pair-Agenturen erschwert, ist die wechselhafte Visumspolitik der Bundesregierung. Bewährte Partnerschaften u. a. mit der Ukraine, Russland, Turkmenistan, Nepal, Kamerun und Simbabwe wurden aus verschiedenen Gründen erschwert. Zuletzt gehörten Kolumbien, Indonesien und Kirgisistan zu den Top-3-Ländern, aus denen Au-pairs vermittelt wurden. Neuere Entsendestaaten waren unter anderem Indien, Türkei, Uganda, Philippinen und Thailand. Mangel an englischsprachigen Au-pair-Destinationen Da die Bedeutung von Englisch weiter zunimmt, ist die Nachfrage nach englischsprachigen Ländern besonders hoch. Junge Deutsche finden leider nicht das entsprechende Angebot an Gastfamilien. Viele Ziele, in denen sich die Kenntnisse der beliebten Sprache verbessern ließen, bereiten derzeit Probleme. In Norwegen, Australien, Irland und Großbritannien ist das Au-pair-Programm nur mit Einschränkungen bzw. gar nicht möglich. Umfassende Datenquelle Die Konjunkturumfrage „Au-pairs in Deutschland und weltweit“ liefert jährlich aktuelle Zahlen und Fakten zum Au-pair-Wesen. Sie beruht auf einer repräsentativen Umfrage unter 50 Au-pair-Agenturen und Gesprächen mit Au-pair-Experten. Die Studie wird von DR-WALTER Auslandsversicherungen herausgegeben und erscheint im Calypso Verlag.

Gesundheit
5 Regeln für die Kommunikation mit Alzheimer-Erkrankten

Düsseldrf – Die Alzheimer-Krankheit beeinträchtigt nicht nur das Erinnerungsvermögen, sondern ändert auch die Wahrnehmung, das Verhalten und das Erleben der Erkrankten. Menschen mit Alzheimer leben in einer anderen Realität, was den Kontakt häufig erschwert. Die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e.V. gibt Angehörigen fünf Tipps, was sie bei der Kommunikation mit einem Alzheimer-Patienten oder einer Alzheimer-Patientin beachten sollten. Diese und weitere Informationen zum Umgang mit der Alzheimer-Krankheit sind zu finden im Ratgeber „Leben mit der Diagnose Alzheimer“. Der Ratgeber kann kostenfrei bestellt werden bei der Alzheimer Forschung Initiative e.V., Kreuzstr. 34, 40210 Düsseldorf; Telefonnummer 0211 – 86 20 66 0; Website: www.alzheimer-forschung.de/leben-mit-alzheimer. 1. Wertschätzende Haltung Menschen mit Alzheimer leben zunehmend in ihrer eigenen Welt und können oft die Gegenwart nicht mehr von der Vergangenheit unterscheiden. Lassen Sie sich wertschätzend und einfühlsam auf die Realität des Erkrankten ein. Vermeiden Sie Zurechtweisungen und Verbesserungen, denn sie führen zu nichts, sondern sorgen nur für Verärgerung oder Unsicherheit. Behandeln Sie den Patienten oder die Patientin nicht wie ein Kind, sondern mit Respekt und auf Augenhöhe. 2. Einfache Sprache Reden Sie langsam, deutlich und in einfachen und kurzen Sätzen. Komplizierte Sätze, Sprachbilder und Ironie werden von Menschen mit Alzheimer meist nicht verstanden. Wichtige Informationen sollten mehrfach wiederholt werden – wenn Sie dabei die gleiche Formulierung gebrauchen, prägt es sich besser ein. Nimmt der Patient oder die Patientin immer weniger an Gesprächen teil, kann das auch daran liegen, dass das Hörvermögen nachlässt und korrigiert werden muss. 3. Körpersprache und Blickkontakt Verwenden Sie eine deutliche Körpersprache und eine prägnante Mimik und Gestik, um das Gespräch zu unterstützen und das Verständnis zu erleichtern. Wichtig ist außerdem, den Blickkontakt mit dem Patienten oder der Patientin zu halten. Er gibt Halt und Sicherheit und ist am Ende der Krankheit neben Berührungen oft der einzige Weg, miteinander in Beziehung zu treten. 4. Richtig fragen Nutzen Sie Fragen, die mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können oder Fragen mit nur wenigen Antwortmöglichkeiten. Vermeiden Sie sogenannte W-Fragen (wer, wie, was, warum). Es ist zum Beispiel besser, zu fragen „Möchtest Du Orangensaft oder Apfelsaft trinken?“ statt „Welchen Saft möchtest Du trinken?“. Geben Sie dem oder der Erkrankten Zeit, zu antworten. Durch den zunehmenden Verlust von Erinnerung und Sprache brauchen Betroffene oft mehr Zeit, die Frage zu erfassen und eine Antwort zu formulieren. 5. Erinnerungen wecken Wenn Erkrankte bei einem Gespräch nicht folgen können, kann es hilfreich sein, das Thema zu wechseln. Ereignisse aus Kindheit und Jugend können oft noch lange erinnert werden. Über Sinneseindrücke wie Riechen oder Schmecken können Erinnerungen hervorgerufen werden, die das Wohlbefinden des Patienten oder der Patientin stärken. Auf emotionaler Ebene können Erkrankte auch noch im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf erreicht werden. Durch Musik, Berührungen oder das gemeinsame Anschauen von Fotos können Gefühle geweckt und der Kontakt gehalten werden.

Zum Thema

– Medizin – Coburg: Syrischstämmiger Bioanalytikerin gelingt Durchbruch in Alzheimer-Forschung

Nach dem deutsch-türkischen Power-Paar Uğur Şahin (55) und Özlem Türeci (53), die mit ihrem Unternehmen BioNTech den mRNA-Impfstoff BNT162b2 gegen das tödliche Virus Covid-19 entwickelten, könnte einer weiteren deutschen Forscherin mit Migrationshintergrund ein Durchbruch in der Medizin gelingen.

Coburg: Syrischstämmiger Bioanalytikerin gelingt Durchbruch in Alzheimer-Forschung

Aserbaidschan
Taekwondo: Türkische Frauen-Nationalmannschaft Weltmeister

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Baku – Mit der besten Weltmeisterschaftsleistung ihrer Geschichte im Taekwondo erzielte die Türkei in diesem Jahr einen bedeutenden Erfolg. Die türkische Taekwondo-Nationalmannschaft der Frauen hat bei der WM in Aserbaidschan eine Goldmedaille gewonnen. Bei den Taekwondo-Weltmeisterschaften 2023 in Aserbaidschan hat die Türkei einen historischen Erfolg errungen: Das Land wurde mit der Frauen-Nationalmannschaft Weltmeister und gewann zum ersten Mal die Weltmeisterschaft als Team. Die türkischen Athleten beendeten die Meisterschaft mit insgesamt sechs Medaillen, jeweils drei Gold- und Bronzemedaillen. Zum ersten Mal in der Geschichte gelang es den türkischen Taekwondo-Wettkämpferinnen, drei Goldmedaillen bei einer Weltmeisterschaft zu gewinnen. Die Athletinnen Merve Dinçel und Nafia Kuş holten Gold während ihre Teamkollegin Hatice Kübra İlgün die Bronze gewann. Damit hat das Land zum ersten Mal die Weltmeisterschaft als Mannschaft gewonnen. Die Herren-Nationalmannschaft, die mit Hakan Reçber Gold und mit Görkem Polat und Emre Kutalmış Ateşli Bronze holte, belegte den dritten Platz. Unterdessen wurde der technische Direktor der türkischen Nationalmannschaft, Ali Şahin, als bester technischer Direktor der Taekwondo-Weltmeisterschaften 2023 ausgezeichnet.

Zum Thema

– Bari – Taekwondo-EM: Gold für Türkinnen İrem Yaman und Rukiye Yıldırım

Bei der G4 Extra Taekwondo-Europameisterschaft im italienischen Bari haben die türkische Nationalsportlerinnen İrem Yaman und Rukiye Yıldırım jeweils Goldmedaillen gewonnen.

Taekwondo-EM: Gold für Türkinnen İrem Yaman und Rukiye Yıldırım

Management
5 Fehler, die Meetings unproduktiv machen

Diverse Meetings sind ein fester Bestandteil eines jeden Arbeitsalltages. Von vielen Angestellten und Führungskräften werden diese jedoch oftmals als lästige Pflicht angesehen. Häufige Gründe? Weil diese unproduktiv und zeitraubend sein können, wenn sie nicht richtig geleitet werden.

Ob unklare Tagesordnungen, zu viele Teilnehmer oder fehlende Methodik – es gibt viele typische Fehler, die dazu führen, dass Meetings ineffizient und ineffektiv werden. In diesem Artikel zeigen wir 5 häufige Fehler auf, die man vermeiden sollte, damit Meetings sich wieder lohnen.

1. Keine klaren Ziele oder Agenda

Wir alle haben uns wahrscheinlich schon einmal in solchen Meetings wiedergefunden – es gibt keine klaren Ziele und keine Agenda. Ohne diesen klaren Rahmen kann es passieren, dass Diskussionen zu lange dauern oder eine eigenständige Dynamik entwickeln, kein Fortschritt erzielt wird und wichtige Punkte, wie etwa das Erstellen von einem Flussdiagramm, übersehen werden.

Stattdessen sollte die Agenda alle zu diskutierenden Themen in chronologischer Reihenfolge enthalten, Referenten klar benennen und mit einem zeitlichen Rahmen versehen werden. Das gibt allen Beteiligten eine Vorstellung davon, was zu erwarten ist und ermöglicht eine effektive Diskussion.

2. Fehlende Methodik und Moderation

Wenn eine klare und strukturierte Herangehensweise an ein Meeting fehlt und Zwischenschritte oder Ergebnisse nicht festgehalten werden, droht die Besprechung, sich im Kreis zu drehen oder ins Leere zu laufen. Erst recht, wenn es keinen Moderator gibt, der die Besprechung wieder zum Thema zurückführt.

Es ist wichtig, sich bereits bei der Gestaltung der Agenda Gedanken zu machen, welche Tools wann und für welche Zwecke zum Einsatz kommen sollen. Das Erstellen einer online Mindmap kann beim Brainstorming etwa als sehr hilfreiche Visualisierung dienen und funktioniert auch bei Online-Meetings wunderbar. An anderer Stelle kann hingegen eine Abstimmung oder eine andere Methodik Einsatz finden.

3. Falscher Teilnehmerkreis

In einigen Meetings sorgen die anwesenden Teilnehmer dafür, dass die Besprechung nicht vorankommt. Sind es etwa zu viele Anwesende, sodass die Diskussion nicht vorangeht?

Oder fehlt ein wichtiger Verantwortlicher, während andere Teilnehmer nichts zu diesem Thema beitragen können? Dann wurde zu wenig Zeit in die Auswahl der Teilnehmer investiert. Deshalb ist es wichtig, sicherzustellen, dass jeder eine klare Rolle hat und etwas Sinnvolles beitragen kann.

4. Mangelnde Aufmerksamkeit oder Multitasking

Nicht selten sind Teilnehmer nicht ganz mit dem Kopf beim Termin. Noch ein schneller Blick in die Mails oder aufs Handy? Unaufmerksamkeiten und Multitasking hemmen die Produktivität des gesamten Teams. Bei der Planung der Agenda können regelmäßige Pausen jedoch dazu beitragen, dass sich diese auf die Pausenzeiten beschränken und Freizeit und Berufliches besser getrennt werden.

5. Keine konkreten Ergebnisse oder Follow-up Maßnahmen

Wenn es am Ende des Meetings keine konkreten Handlungspläne gibt, kann sich das Treffen als frustrierend und unproduktiv erweisen. Umso entscheidender ist es, Ergebnisse zu dokumentieren und eindeutige Zuständigkeiten zuzuweisen. Wie wäre es etwa mit einem Protokoll, sodass man auch noch Wochen später jederzeit nachschauen kann, was besprochen wurde?

Diese 5 Fehler gehören zu den häufigsten im Meeting-Alltag und können doch so einfach beseitigt werden. Also gilt es: Die Vorbereitung des nächsten Meetings mit diesen Tipps anzugehen und sich über einen produktiven Termin zu erfreuen!

phoenix-Interview
Serbiens Präsident Vucic: Krim und Donbas sind Teil der Ukraine

Bulbuaca – Der serbische Präsident, Aleksandar Vucic, hat am Rande des Gipfeltreffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) in Moldau den Rückhalt Serbiens für die Ukraine betont. „Die Wahrheit, und das wusste Herr Selenskyj auch, ist, dass wir die territoriale Integrität der Ukraine unterstützen“, so Vucic im Interview mit dem Fernsehsender phoenix. Er bekräftigte: „Die Krim und der Donbas sind ein Teil der Ukraine für uns und das wird auch so bleiben“. Es stimme, dass Serbien „unterschiedliche Beziehungen zu Russland“ habe als andere europäische Nationen. Serbien sei einer der „größten Unterstützer der UN-Charta und der Resolution. Wir werden zusammenarbeiten,“ versicherte der serbische Präsident gegenüber phoenix. In Moldau traf Vucic zum ersten Mal den ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Er habe „noch nie so gute Gespräche“ gehabt, auch mit anderen Politikern, darunter mit Polens Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki oder dem irischen Regierungschef Leo Varadkar. „Ich halte es für wichtig, miteinander zu sprechen“, erklärte Vucic, und: „Wir müssen nicht immer abstimmen in diesen Themen. Wichtig ist, präsent zu sein und unseren eigenen politischen Standpunkt vorzutragen,“ lobte Vucic die Vorzüge der informellen Spitzentreffen am Rande des EPG in Moldau. Mit Blick auf den erneut eskalierten Konflikt zwischen Serbien und Kosovo zeigte sich Vucic zuversichtlich, eine Lösung mit dem Kosovo zu finden: „Wir wollen einen Kompromiss finden.“ Er sei optimistisch, „die Situation zu deeskalieren“. Dabei wolle er auch die Vorschläge von Bundeskanzler Olaf Scholz und Präsident Emmanuel Macron hören und „mit einbeziehen“. Am Wochenende hatten militante Serben im Norden des Kosovos bei gewalttätigen Ausschreitungen mehrere Soldaten der internationalen UN-Schutztruppe verletzt.