Berlin – Deutschland ist das Land mit den meisten Superreichen in Europa — und die Zahl wächst weiter.
Laut dem Knight Frank Wealth Report 2026 leben in Deutschland derzeit 38.215 sogenannte Ultra-High-Net-Worth-Individuals (UHNWIs), also Menschen mit einem Nettovermögen von mindestens 30 Millionen Dollar (rund 25,7 Millionen Euro). Damit führt die Bundesrepublik die europäische Rangliste mit deutlichem Abstand an.
Zwischen 2021 und 2026 kamen in Deutschland 9.273 neue Mitglieder zu diesem exklusiven Kreis hinzu — der höchste absolute Zuwachs aller europäischen Länder. In prozentualen Zahlen bedeutet das ein Plus von 32 Prozent innerhalb von fünf Jahren.
Europa wächst — Deutschland vorn
Insgesamt stieg die Zahl der Superreichen in Europa im selben Zeitraum um 26 Prozent. Von 146.525 im Jahr 2021 wuchs die UHNWI-Bevölkerung des Kontinents auf 183.953 im Jahr 2026 — das entspricht rund 37.400 neuen Einträgen in diesem exklusiven Club.
Fast ein Viertel aller Superreichen weltweit lebt in Europa.
Hinter Deutschland folgen Großbritannien mit 27.876 und Frankreich mit 21.528 UHNWIs. Kein weiteres europäisches Land überschreitet die Marke von 20.000.
Die Schweiz kommt auf 17.692, Italien auf 15.433. Spanien verzeichnet 9.186 Superreiche, Schweden 6.845 und die Niederlande 5.077. Die Türkei liegt mit 4.208 im Mittelfeld, knapp vor Österreich mit 4.188.
Prozentualer Anstieg: Osteuropa holt auf
Betrachtet man das prozentuale Wachstum, zeigt sich ein anderes Bild: Polen verzeichnete mit einem Plus von 109 Prozent den stärksten Anstieg in ganz Europa — die Zahl der Superreichen hat sich dort mehr als verdoppelt.
Dicht dahinter folgen die Türkei mit 94 Prozent und Rumänien mit 93 Prozent. Griechenland, Tschechien und Portugal verzeichneten jeweils ein Wachstum von mindestens 50 Prozent.
Deutschland liegt mit 32 Prozent im soliden Mittelfeld. Großbritannien bildet mit lediglich 12 Prozent das Schlusslicht unter den großen Volkswirtschaften. Schweden verzeichnete mit acht Prozent den niedrigsten Wert aller untersuchten Länder.
Globale Verschiebungen der Vermögen
Weltweit halten derzeit mehr als 710.000 Menschen ein Nettovermögen von mindestens 30 Millionen Dollar. Die USA dominieren mit 387.422 UHNWIs mit weitem Abstand. Liam Bailey, globaler Forschungschef bei Knight Frank, spricht von einer der bedeutendsten Verschiebungen in der weltweiten Vermögensverteilung der neueren Geschichte.
Der Aufschwung sei vor allem durch Gewinne im Technologiesektor angetrieben worden — insbesondere durch den Boom rund um Künstliche Intelligenz.
Der Bericht weist zudem darauf hin, dass steigende Steuern und wachsender Regulierungsdruck die globale Mobilität von Vermögen beschleunigen. Superreiche organisierten ihr Leben laut Knight Frank zunehmend über mehrere Länder hinweg, während Family Offices aktiv Steuer-, Lifestyle- und politische Risiken managen.
Istanbul – Die Türkei hat auf der Rüstungsmesse SAHA Expo 2026 in Istanbul ihre erste Interkontinentalrakete vorgestellt: die Yıldırımhan, entwickelt vom Forschungs- und Entwicklungszentrum des türkischen Verteidigungsministeriums.
Mit einer Reichweite von 6.000 Kilometern könnte die Rakete theoretisch Ziele in weiten Teilen Europas, Russlands, des Nahen Ostens, Afrikas und Indiens erreichen. Die Enthüllung verändert die strategische Landschaft in der NATO — und wirft Fragen auf, die Ankara bewusst offen lässt.
Die viermotorige, mit flüssigem Stickstofftetroxid betriebene Rakete erreicht laut Herstellerangaben Mach 25 — in der oberen Atmosphäre entspricht das über 25.000 km/h. Die angegebene Nutzlast beträgt 3.000 Kilogramm. Bis zu ihrer Enthüllung war Türkeis weitreichendstes Raketensystem die Yıldırım-Familie mit Reichweiten zwischen 300 und 900 Kilometern. Die Yıldırımhan ist eine andere Kategorie.
Sollte die Rakete erfolgreich getestet und operativ werden, würde die Türkei in einen exklusiven Club von sieben bis acht Staaten weltweit eintreten, die über Interkontinentalraketen verfügen — darunter die USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien, Indien und Nordkorea.
Eine Zahl die Fragen aufwirft
Genau diese Nutzlast von 3.000 Kilogramm sorgt unter Experten für Aufmerksamkeit. Beobachter weisen darauf hin, dass diese Größenordnung für konventionelle Präzisionsmunition über interkontinentale Distanzen militärisch keinen Sinn ergibt — moderne Präzisionswaffen sind ein Bruchteil dieses Gewichts. Bei nuklearen Sprengköpfen älterer Generation hingegen entspricht diese Größenordnung dem typischen Gewichtsbereich.
Die Türkei ist Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags und besitzt offiziell keine Nuklearwaffen. Das Rüstungsfachmedium Aviacionline weist zudem darauf hin, dass die Geometrie des Wiedereintrittskörpers der Yıldırımhan auf eine mögliche MIRV-Konfiguration hindeutet — also mehrere unabhängig steuerbare Sprengköpfe oder Hyperschall-Gleitfahrzeuge. Eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor.
Erdoğan 2019: „Warum sollten wir keine Atomwaffen haben?“
Es ist nicht das erste Mal dass Ankara das Thema nukleare Abschreckung ins Spiel bringt. Bereits 2019 fragte Präsident Recep Tayyip Erdoğan öffentlich: „Warum sollten wir keine Atomwaffen haben?“ Und vor der UN-Generalversammlung erklärte er unmissverständlich: „Atomwaffen entweder für alle oder für keinen.“
Außenminister Hakan Fidan legte im Februar 2026 die rhetorische Grundlage für das, was Beobachter als strategische Nuklearambiguität nach israelischem Modell beschreiben — ohne es explizit auszusprechen. Die Yıldırımhan spricht nun die gleiche Sprache — ohne das Wort „nuklear“ zu erwähnen.
Verteidigungsminister Güler: „Wir werden sie einsetzen — ohne zu zögern“
Bei der Enthüllung vor einem großen Publikum aus türkischen Militärkommandeuren ließ Verteidigungsminister Yaşar Güler keinen Zweifel an der Botschaft: „Lasst niemanden daran zweifeln, dass wir sie bei Bedarf ohne Zögern einsetzen werden.“ Güler bezeichnete die türkische Rüstungsindustrie zugleich als strategischen Wirtschaftsvorteil:
„In einer Zeit, in der wirtschaftliche Kosten zur asymmetrischen Waffe geworden sind, bietet die Türkei ihren Verbündeten nicht nur Waffensysteme, sondern auch Technologie und eine nachhaltige Sicherheitswirtschaft.“
Die Türkei hat in den vergangenen Jahren ihre Rüstungsexporte massiv ausgebaut und sich als kostengünstiger Anbieter von Drohnen und Präzisionsmunition weltweit etabliert. Mit der Yıldırımhan signalisiert Ankara nun Ambitionen in einer anderen Liga — und könnte sich laut Aviacionline langfristig als Lieferant oder Partner für europäische Langstrecken-Schlagsysteme positionieren.
Ein Novum in der NATO — ohne Präzedenzfall
Innerhalb der NATO besitzen nur die USA, Großbritannien und Frankreich vergleichbare Langstreckenkapazitäten — und ausschließlich im nuklearen Bereich, submarine-basiert. Frankreichs Force de Frappe folgt einer kohärenten nationalen Doktrin.
Die Yıldırımhan ist das erste System dieser Klasse eines NATO-Mitglieds ohne verifizierten Nuklearstatus, ohne klare Doktrin und mit einer aggressiven Einsatzrhetorik des Verteidigungsministers — eine Kategorie für die es im Bündnis schlicht keinen Präzedenzfall gibt.
Beobachter in türkischen Medien erwarten keine öffentliche Konfrontation innerhalb der NATO, sondern intensive Hintergrundgespräche darüber, wer wann und unter welchen Bedingungen Zugang zu technischen Verifikationsdaten erhält. Die grundlegendere Frage lautet: Wie integriert man ein Mitglied in die kollektive Verteidigung, das eine nationale Erstschlagkapazität besitzt, die keiner NATO-Doktrin unterliegt?
Der Incirlik-Hebel: Wenn Ankara die Verhandlungslogik neu definiert
Eine der unmittelbarsten strategischen Konsequenzen betrifft die US-Nuklearbomben auf der Incirlik Air Base im Süden der Türkei. Die USA lagern dort geschätzt 50 B61-Nuklearbomben als Teil der NATO Nuclear Sharing Arrangements. Bisher war das ein asymmetrisches Verhältnis: Washington hatte die Waffen, Ankara hatte den Boden.
Mit der Yıldırımhan ändert sich diese Verhandlungslogik fundamental. Ankara kann nun implizit argumentieren, es brauche die amerikanischen Waffen auf seinem Territorium nicht mehr als Sicherheitsgarantie — die Türkei verfüge über eine eigene Abschreckungsarchitektur.
Damit wandeln sich die Incirlik-Waffen von einem Druckmittel gegen Ankara zu einem Druckmittel Ankaras gegen Washington. Die USA können sie nicht ohne türkische Kooperation abziehen — und sie können sie nicht beliebig lange behalten, wenn Ankara die Bedingungen neu definiert.
Israel: Kalibrierung statt Panik
Was bedeutet die Yıldırımhan für Israel? Experten sind sich einig: keine Panikreaktion, sondern normale Verteidigungsplanung. Israel wird seine Arrow-3- und David’s Sling-Systeme auf die türkische ICBM-Reichweite kalibrieren — Arrow-3 ist für exo-atmosphärische Abfangmanöver ausgelegt, genau das Profil das gegen eine Rakete auf ballistischer Trajektorie relevant wird.
Was Israel nicht tun wird: einen präventiven Angriff auf türkische Rüstungsanlagen erwägen. Die Türkei ist NATO-Mitglied, hat eine der größten konventionellen Armeen der Welt, und Israels Luftwaffe wäre nicht in der Lage, Ziele auf türkischem Territorium zu erreichen ohne diplomatische und militärische Konsequenzen zu tragen, die es sich — besonders in einem Moment, in dem es bereits an mehreren Fronten engagiert ist — schlicht nicht leisten kann.
Beobachter erwarten stattdessen eine Beschleunigung des israelischen „Hexagon“-Bündnisses mit Griechenland, Zypern, Indien und arabischen Golfstaaten als informelle Eindämmungsarchitektur gegen türkische Machtprojektion.
Kein Test — noch kein operatives Instrument
Ein entscheidender Vorbehalt: Ankara hat bislang keinen erfolgreichen Testflug der Yıldırımhan angekündigt. Starts von Raketen dieser Klasse können von US-Frühwarnsatelliten weltweit erfasst werden und lassen sich nicht verbergen. Ohne verifizierten Test bleibt die Rakete ein politisches Signal — kein operatives Instrument. Der Moment des ersten Tests ist der eigentliche Rubikon: Dann wird aus strategischer Ambiguität operative Realität.
Beobachter gehen davon aus, dass Ankara den Testtermin sorgfältig wählen wird — vermutlich im Kontext einer Eskalation oder einer NATO-internen Konfrontation, nicht als routinemäßige Rüstungsdemonstration.
(Foto: Screenshot/Youtube)
63 Tage bis zum NATO-Gipfel in Ankara
Das Timing der Enthüllung ist präzise kalkuliert. In 63 Tagen empfängt Erdoğan alle NATO-Staats- und Regierungschefs in seinem Präsidialkomplex in Ankara — als Gastgeber am Kopf des Tisches. Auf der Tagesordnung stehen Türkeis Wiedereinstieg in das F-35-Programm, die CAATSA-Sanktionen wegen des S-400-Kaufs und die Eurofighter-Freigabe. Die Yıldırımhan verändert die Gewichte dieser Verhandlungen, bevor sie offiziell begonnen haben.
Israel muss neu kalkulieren, Europa ist überrumpelt, Washington muss seine Positionen überdenken — und Moskau beobachtet still, wie die NATO von innen unter Druck gerät. Erdoğan hat mit der heutigen Enthüllung den Ankara-Gipfel inhaltlich neu definiert, bevor er offiziell begonnen hat.
Strategische Autonomie als Doktrin
Ein hochrangiger türkischer Regierungsvertreter brachte die übergeordnete Logik auf den Punkt:
„Die Tatsache, dass wir NATO-Mitglied sind und Teil der EU sein wollen, bedeutet nicht, dass wir keine besseren wirtschaftlichen und politischen Beziehungen mit Russland, China und den Golfstaaten entwickeln können. Wir wollen von keinem Land abhängig sein.“
Die Yıldırımhan ist die militärische Verkörperung dieser Doktrin. Ankara hat heute demonstriert, dass strategische Autonomie kein Lippenbekenntnis ist — sie ist technologische Realität. Ob die NATO dies absorbiert oder ob es die erste wirkliche Sollbruchstelle seit Frankreichs Austritt aus der integrierten Militärstruktur 1966 darstellt, werden die kommenden Monate zeigen.
Hintergrund: Vom Embargo zur Rüstungngsmacht
Der türkische Verteidigungssektor hat sich zu einer globalen Macht im Bereich der Waffenentwicklung und -herstellung entwickelt — eine Transformation, die aus der Not heraus entstanden ist.
Die Branche gewann nach den westlichen Waffenembargos infolge der Invasion Zyperns 1974 an Dynamik, die Ankara dazu zwangen, in heimische Kapazitäten zu investieren. Was als einfache Montagelinien begann, hat sich in den letzten zehn Jahren dank staatlicher Anreize und eines Booms in Forschung und Entwicklung explosionsartig entwickelt und die Türkei bis 2024 zum 13. größten Waffenexporteur der Welt gemacht.
Heute liefert sie Hightech-Ausrüstung wie Bayraktar TB2-Drohnen — die sich in der Ukraine und in Libyen im Einsatz bewährt haben — in über 30 Länder, neben Korvetten nach Pakistan und Indonesien und T129-Kampfhubschraubern auf die Philippinen und nach Nigeria, und festigt damit ihre Rolle als Brücke zwischen Ost und West in der Verteidigungsinnovation.
Chicago – Robert Pape, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Chicago und einer der weltweit führenden Sicherheitsexperten, der seit 2001 jedes Weiße Haus in Fragen der Militärstrategie beraten hat, stellt Israels Kriegsstrategie grundlegend in Frage.
Gegenüber Channel 4 erklärte Pape, Israels Feldzüge gegen die Hamas und den Iran hätten „mehr Radikale produziert als getötet.“ Eine Aussage, die er in zahlreichen Interviews und Analysen der vergangenen Monate untermauert hat.
„Israels Strategie macht den Feind stärker“
In einem Artikel für Foreign Affairsvom Juni 2024 mit dem Titel „Why Israel’s Failing Strategy Makes Its Enemy Stronger“ legte Pape seine These ausführlich dar: Kollektive Bestrafung — also die Bombardierung ziviler Infrastruktur und die Tötung von Zivilisten — erzeuge Nationalismus und Radikalisierung, anstatt den Feind zu schwächen.
„Der Bombenangriff selbst infundiert Nationalismus im Regime und in der gesamten Gesellschaft“, sagte Pape gegenüber TIME Magazine.
„Und dieser Nationalismus, wie er in die Politik einfließt, radikalisiert und macht das Regime und die Gesellschaft kohärenter gegen den ausländischen Angreifer — williger, Risiken einzugehen, williger, Kosten zu akzeptieren, nicht nachzugeben.“
Die Eskalationsfalle
Pape warnt vor dem was er die „Eskalationsfalle“ nennt — eine Dynamik bei der taktische Erfolge strategische Niederlagen verschleiern. „Taktischer Erfolg ist nicht dasselbe wie strategische Eindämmung“, schreibt er. Präzisionsbomben seien nahezu 100 Prozent taktisch erfolgreich — aber das eigentliche Ziel sei nicht, Gebäude zu zerstören oder Einzelpersonen zu töten.
„Das Ziel ist eine Veränderung der Politik der feindlichen Regierung. Doch selbst bei 100 Prozent taktischem Erfolg bewegt sich die Politik fast immer in die entgegengesetzte Richtung.“
GegenüberDemocracy Nowerklärte Pape: „Iran ist weit stärker als noch vor 40 Tagen. Es kontrolliert 20 Prozent des weltweiten Öls. Es ist jetzt ein aufstrebendes viertes Machtzentrum.“ Der Krieg, so Pape, habe genau das Gegenteil von dem erreicht, was beabsichtigt war.
Geschichte als brutale Lehrmeisterin
Pape zieht eine historische Parallele: Im Ersten Golfkrieg 1991 führten die USA eine 39-tägige Luftkampagne gegen den Irak — und scheiterten trotzdem daran, Saddam Hussein zu stürzen. „Selbst mit unserer Armee auf der anderen Seite der Grenze in Kuwait konnte die Kavallerie nicht rechtzeitig eingreifen“, sagte er gegenüber TIME.
Für über ein Jahrhundert, so Pape, hätten Staaten versucht, Regime durch Luftmacht allein zu stürzen — die USA, europäische Staaten, Russland und Israel. Der Ausgang sei stets der gleiche: Entweder eine leicht modifizierte Version des bestehenden Regimes, oder ein deutlich radikaleres. „Beide sind schlechte Ergebnisse.“
(Foto: Wikipedia)
Das ikonische Bild und seine Botschaft
Das Foto von Faris Odeh — dem 14-jährigen palästinensischen Jungen, der im Oktober 2000 allein mit einem Stein einem israelischen Panzer gegenüberstand — wurde kurz nach seiner Entstehung zum Symbol einer Generation. Wenige Tage nach der Aufnahme wurde Odeh von israelischen Soldaten erschossen.
Papes These legt nahe: Aus den Kindern der 1980er, 1990er und 2000er Jahre — jene die Panzer, Bomben und den Verlust ihrer Familien erlebten — sind jene geworden, gegen die Israel heute kämpft. Und aus den Kindern von heute werden jene von morgen.
„Kollektive Bestrafung wird die Hamas nicht besiegen“, schrieb Pape bereits im Dezember 2023 in Foreign Affairs. Die Geschichte gebe ihm recht — und Israels Strategie widerspreche ihr auf jeder Seite.
Köln – Beim Männerhilfetelefon, das vor sechs Jahren von den Ländern NRW und Bayern ins Leben gerufen wurden, hat es im vergangenen Jahr mit 4051 Kontakten einen Anrufrekord gegeben.
Das berichtet der Kölner Stadt-Anzeigerunter Bezug auf einen wissenschaftlichen Evaluationsbericht, den das NRW-Gleichstellungsministerium beauftragt hat.
„Meine Partnerin schlägt mir häufig ins Gesicht, beschimpft und demütigt mich – was soll ich denn da machen als Mann?“, lautet die Frage eines Anrufers, die auf einem Beratungsflyer nachzulesen ist. Ein anderer berichtet: „Meine Frau beleidigt und erniedrigt mich. Ich habe Angst, dass auch unsere Kinder darunter leiden“, zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger aus dem Bericht.
„Alle Formen von Gewalt müssen verhindert werden. Gewalt an Männern darf dabei kein Tabuthema sein“, sagte NRW-Gleichstellungsministerin Verena Schäffer (Grüne) der Zeitung. Die aktuellen Zahlen machten deutlich, dass das Angebot eine „wertvolle Unterstützung“ biete, die bei den Hilfesuchenden ankomme.
Im Jahr 2023 waren 3311 Anrufe bei dem Männerhilfetelefon gezählt worden – der Zuwachs innerhalb von zwei Jahren beträgt demnach 22,3 Prozent. Die gewaltbetroffenen Männer berichteten in 54 Prozent der Fälle über psychischen Gewalterfahrungen.
Laut der Studie beklagten vier von zehn Anrufern, beständig kontrolliert zu werden. So nahmen die Partnerinnen den Männern zum Teil das Smartphone ab und lasen eingegangene Nachrichten. 39 Prozent der Anrufer berichteten über körperliche Gewalt.
Berlin – Der April 2026 ist der teuerste Tankmonat aller Zeiten, noch nie waren die Kraftstoffpreise im Schnitt so hoch wie im vergangenen Monat.
Für einen Liter Super E10 mussten Autofahrerinnen und Autofahrer im Durchschnitt 2,109 Euro bezahlen, für die gleiche Menge Diesel 2,263 Euro. Damit wurde der Höchstpreis beim Dieselpreis aus dem Vormonat noch einmal um fast zehn Cent überboten, berichtet der ADAC.
Der Preis von Super E10 kletterte über das bisherige Monatsmaximum aus dem März 2022. Im Januar lagen die Kraftstoffpreise im Monatsmittel noch rund 37 Cent je Liter Super E10 bzw. über 57 Cent je Liter Diesel niedriger. Dies verdeutlicht die enorme Preissteigerung der letzten Wochen und die Mehrbelastung der Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind.
Mit 2,446 Euro je Liter Diesel war der 7. April 2026 der teuerste Tanktag seit Beginn der Preisaufzeichnungen. Nur einen Tag vorher erreichte Super E10 mit 2,191 Euro je Liter das Maximum im Tagesschnitt und lag damit nur knapp unter dem Allzeithoch von 2,203 Euro je Liter vom 14. März 2022.
Seit Einführung des Österreich-Modells am 1. April sind die Kraftstoffpreise deutlich gestiegen. Die Regelung, die lediglich eine einmalige Preiserhöhung pro Tag um 12 Uhr mittags erlaubt, zeigt keinen entlastenden Effekt für die Verbraucherinnen und Verbraucher.
So hat sich – trotz eines zum Teil deutlich geringeren Brent-Ölpreises sowie eines besseren Euro-Dollar-Wechselkurses im Vergleich zum März – das Preisniveau im April spürbar erhöht.
Berlin – Wer Blut spendet, kann Leben retten. Und bei manchen Blutspendediensten gibt es dafür Geld. Eine solche Aufwandsentschädigung ist zunächst nicht steuerpflichtig.
Wird allerdings eine bestimmte Grenze überschritten, muss das Ganze versteuert werden. Und die Grenze betrifft alle sonstigen Einkünfte aus Leistungen, also nicht nur fürs Blutspenden. Worauf regelmäßige Spenderinnen und Spender achten sollten und wie hoch die Freigrenze ist, erläutert der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH).
Wie oft Blut und Plasma gespendet werden dürfen
Rund 15.000 Blutspenden werden nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) täglich in Deutschland benötigt, um die Versorgung von Patienten lückenlos sicherzustellen.
Aus jüngsten Zahlen des Paul-Ehrlich-Instituts als zuständige Bundesoberbehörde für die Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit von Blut und Blutprodukten wurden im Jahr 2024 rund 6,9 Millionen Spenden geleistet. Davon waren knapp 3,7 Millionen Vollblutspenden.
Zur Erklärung: Neben der häufigsten Form, der Vollblutspende, gibt es beispielsweise auch Plasma- oder Thrombozytenspenden. Während eine Vollblutspende innerhalb von zwölf Monaten nur höchstens viermal für Frauen und sechsmal für Männer möglich ist, kann Plasma bis zu 60-mal und können Thrombozyten bis zu 26-mal im Jahr gespendet werden.
Aufwandsentschädigung ist grundsätzlich nicht steuerpflichtig
Rein rechtlich darf es in Deutschland für eine Blutspende keine Bezahlung geben – lediglich eine Aufwandsentschädigung ist möglich. Während das DRK für Blutspenden bewusst keine Aufwandsentschädigung zahlt, erhält man bei privaten Plasmaspendezentren, aber auch an einigen Universitätskliniken häufig Geld für eine Blut- oder eine Plasmaspende.
So belohnt beispielsweise Haema als größter privatwirtschaftlicher Blut- und Plasmaspendedienst in Deutschland eine Spende pauschal mit 25 Euro. Ähnlich fällt die Aufwandsentschädigung an Universitätskliniken aus. In Einzelfällen sind auch 30 Euro je Spende oder sogar bis zu 50 Euro für eine Thrombozytenspende möglich. Dabei handelt es sich nicht um eine Bezahlung, sondern um eine Entschädigung für Zeitaufwand und eventuelle Fahrtkosten.
So können Aufwandsentschädigungen doch steuerpflichtig werden
Grundsätzlich ist eine fürs Blutspenden erhaltene Aufwandsentschädigung zunächst nicht steuerpflichtig. Aber: Erreichen die Einnahmen die Grenze von 256 Euro pro Kalenderjahr, werden diese doch steuerpflichtig. Sie gelten dann als sonstige Einkünfte aus Leistungen. Laut Einkommensteuergesetz sind das Einnahmen aus gelegentlichen Tätigkeiten.
Selbst wer auf die Höchstzahl von sechs Vollblutspenden im Jahr kommt und dafür jeweils 25 Euro erhält, erreicht alleine damit noch nicht die Grenze zur Steuerpflicht. Allerdings zählen zu den sonstigen Einkünften aus Leistungen auch noch andere Einnahmen – zum Beispiel gelegentlich erhaltene Vermittlungsprovisionen, Probandenhonorare für wissenschaftliche Tests oder auch Honorare für Gelegenheitsauftritte als Amateurmusiker.
Kommen also zu sechsmal 25 Euro fürs Blutspenden in einem Jahr (150 Euro) beispielsweise weitere 150 Euro aus anderen gelegentlichen Leistungen hinzu, sind das 300 Euro – und damit ist die Freigrenze überschritten. Dann wird nicht nur der Betrag über 256 Euro steuerpflichtig – es müssen die gesamten 300 Euro versteuert werden.
Regelmäßige Blutspenden: So ist die Freigrenze schnell überschritten
Da beispielsweise Plasmaspenden nicht nur bis zu sechsmal, sondern bis zu 60-mal innerhalb von zwölf Monaten möglich sind, müssen regelmäßig Spenderinnen und Spender hier besonders aufpassen. Erhalten sie pro Spende eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro, liegen sie bereits mit elf Spenden im Jahr über der Freigrenze von 256 Euro. Und damit werden die gesamten erhaltenen Aufwandsentschädigungen steuerpflichtig.
In diesem Fall sollten in der Steuererklärung auch mögliche Kosten angegeben werden, die mit der Spende in Zusammenhang stehen. Diese können unter bestimmten Voraussetzungen von den Einnahmen abgezogen werden – wodurch im Optimalfall am Ende doch keine Steuern auf die Einnahmen aus den Blutspenden fällig werden.
Er rettete Tausende Juden aus Konzentrationslagern — und wurde später von zionistischen Extremisten ermordet, weil er das Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge forderte.
Die Geschichte von Graf Folke Bernadotte ist eines der tragischsten und heute kaum bekannten Kapitel der Nachkriegsgeschichte.
Der Mann hinter den Weißen Bussen
Folke Bernadotte, 1895 in Schweden als Neffe von König Gustaf V. geboren, wuchs mit dem Motto auf: „Wir sind nicht auf diese Welt gekommen um glücklich zu sein, sondern um anderen Glück zu bringen.“ Er sollte diesem Motto bis zu seinem letzten Atemzug treu bleiben.
Als Vizepräsident des Schwedischen Roten Kreuzes organisierte Bernadotte in den Jahren 1943 bis 1945 die berühmte „Weiße Busse“-Expedition — eine der größten Rettungsaktionen des Zweiten Weltkriegs. Rund 15.000 Menschen verschiedener Nationalitäten, darunter Hunderte dänische Juden und zehntausende weitere Häftlinge, wurden aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern befreit.
Unter jenen, die er aus dem KZ Theresienstadt rettete, befanden sich etwa 450 dänische Juden und mehr als 30.000 weitere Gefangene.
Der erste UN-Vermittler der Geschichte
Im Mai 1948 erhielt Bernadotte ein Telegramm von UN-Generalsekretär Trygve Lie: Er wurde gebeten, die Rolle des ersten UN-Vermittlers in der Geschichte der jungen Organisation zu übernehmen — mitten im arabisch-israelischen Krieg von 1948. Bernadotte wusste, dass sein Auftrag lebensgefährlich war. Bevor er nach Palästina reiste, verfasste er sein Testament.
In sein Tagebuch schrieb er: „Bei der Vorlage eines Vorschlags zur Lösung des Palästinaproblems muss man die Bestrebungen der Juden, die politischen Schwierigkeiten der arabischen Führer, die strategischen Interessen Großbritanniens, die finanziellen Verpflichtungen der USA und der Sowjetunion sowie die Autorität der Vereinten Nationen berücksichtigen.“
Bereits zwei Wochen nach Beginn seiner Mission gelang ihm das Unmögliche: Am 11. Juni 1948 wurde ein einmonatiger Waffenstillstand vereinbart. Bernadotte nutzte diese Zeit um die humanitäre Lage der palästinensischen Flüchtlinge zu verbessern — seine Initiativen legten den Grundstein für UNRWA, das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge, das bis heute Millionen Menschen versorgt. Gleichzeitig schuf er die Grundlage für UNTSO — die erste UN-Friedensmission im Nahen Osten.
Die Friedenspläne und ihr Scheitern
Bernadottes erster Friedensplan sah eine Union zwischen Juden und Arabern vor, in der der jüdische Teil Israel und der arabische Teil Transjordanien bilden würden. Der Plan wurde von Israel und allen arabischen Staaten außer Transjordanien abgelehnt. Sein zweiter Plan, der das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge vorsah, brachte ihm den Hass der zionistischen Extremisten ein.
Bernadotte schrieb in seinem Bericht an die UN:
„Es wäre ein Verstoß gegen die Grundsätze der elementaren Gerechtigkeit, wenn diesen unschuldigen Opfern des Konflikts das Recht verweigert würde, in ihre Häuser zurückzukehren, während jüdische Einwanderer nach Palästina strömen und zumindest die Bedrohung einer dauerhaften Verdrängung der arabischen Flüchtlinge darstellen, die seit Jahrhunderten in diesem Land verwurzelt sind.“
Ermordung im Sonnenuntergang von Jerusalem
Am 17. September 1948 war Bernadotte auf dem Weg zu Treffen in Jerusalem. Sein Konvoi aus drei Fahrzeugen fuhr durch den von Israel besetzten Stadtteil Katamon — einst ein wohlhabendes, überwiegend palästinensisch-christliches Viertel, dessen Bewohner während der Kämpfe von 1947/48 geflohen waren und deren Häuser vom israelischen Staat übernommen wurden.
Als der Konvoi verlangsamte, stellten drei israelische Soldaten in Khakishorts und mit Maschinenpistolen die Fahrzeuge. Einer der Männer rannte zum Chrysler, schob den Lauf seiner Maschinenpistole durch das geöffnete Heckfenster und feuerte sechs Kugeln in Bernadottes Brust, Kehle und linken Arm.
Neben ihm saß der französische Oberst André Sérot — der an diesem Tag seinen Platz im Konvoi getauscht hatte, um Bernadotte persönlich dafür zu danken, dass er seine Frau aus einem deutschen Konzentrationslager gerettet hatte. Sérot wurde von 18 Kugeln getroffen und war sofort tot. Bernadotte starb kurz nach seiner Einlieferung ins Hadassah-Krankenhaus. Es war 17 Uhr, und die Altstadt badete in einem wunderschönen Sonnenuntergang.
Die Stern-Gang und ihre Hintermänner
Die Täter gehörten zur Stern-Gang — einer ultranationalistischen jüdischen Untergrundorganisation, auch bekannt als Lehi. General Åge Lundström, Bernadottes Stabschef, bezeichnete die Tat bereits am folgenden Tag als „vorsätzlich und sorgfältig geplant.“
Die Ermordung wurde von der Führung der Stern-Gang gebilligt: Yitzhak Yezernitsky — später bekannt als Yitzhak Shamir, Israels Premierminister und einstiger Mentor von Benjamin Netanjahu — sowie Nathan Friedmann und Yisrael Eldad. Der eigentliche Schütze war Yehoshua Cohen.
Obwohl Cohens Beteiligung ein offenes Geheimnis war, wurde er nie angeklagt. Er wurde später enger Freund und Leibwächter von Israels Staatsgründer David Ben-Gurion — der in seinem persönlichen Tagebuch notierte, dass Cohen an der Ermordung beteiligt war, jedoch entschied, die Täter nicht zu verhaften und vor Gericht zu stellen.
Cohen starb 1986 friedlich. Als Eldad, der rechtsextreme Ideologe der Stern-Gang, 1996 starb, nahmen sowohl Netanjahu als auch sein Vorgänger Yitzhak Shamir an der Beerdigung teil.
Mehrere Stern-Mitglieder wurden nach der Tat kurz inhaftiert — jedoch nicht wie gewöhnliche Gefangene behandelt. Das Time Magazine berichtete, die Häftlinge hätten im Gefängnis von Jaffa ihre eigenen Regeln gemacht, Gitterstäbe aus den Fenstern gerissen und Stahltüren eingebrochen. Einige spazieren zur Küste zum Schwimmen, andere entspannten sich mit den Wärtern bei Kaffee in einem nahen Café.
Eine mögliche False-Flag-Operation
Bis heute ist unklar, wer den Auftrag zur Ermordung tatsächlich gab. Obwohl Israel über Bedrohungen gegen Bernadottes Leben informiert war, wurde kein Schutz organisiert. Die Stern-Gang, die ihre Operationen sonst stets öffentlich bekannte, schwieg diesmal.
2005 enthüllten declassifizierte britische Akten einen Brief des belgischen Generalkonsuls von 1949, der darauf hindeutete, dass die Attentäter zwar von der Stern-Gang stammten, jedoch für den israelischen Staat handelten. Als möglicher eigentlicher Auftraggeber wurde Reuven Shiloah genannt — der spätere erste Direktor des Mossad.
Nach der Ermordung war die schwedische Regierung der Überzeugung, dass Bernadotte von israelischen Regierungsagenten ermordet worden war.
Das Vermächtnis — und eine Statue in Gaza
Der Dag-Hammarskjöld-Medaille — die posthum an UN-Friedenssoldaten vergeben wird, die im Dienst getötet wurden — wurde Bernadotte 1998 verliehen. In Gaza existierte eine Statue zu seinem Gedenken — als Erinnerung an den Mann, der die Grundlage für UNRWA schuf und sein Leben für die Rechte der palästinensischen Flüchtlinge einsetzte.
Der Historiker Dan Kurzman fasste Bernadottes Vermächtnis so zusammen: „Die Zwei-Staaten-Lösung starb mit dem letzten Atemzug des ersten UN-Vermittlers Graf Folke Bernadotte in Jerusalem am 17. September 1948.“
Tel Aviv/Athen – Foltervorwürfe und der Verdacht der Hamas-Mitgliedschaft stehen im Mittelpunkt eines Verfahrens gegen zwei Flotilla-Aktivisten, die Israel nach der Beschlagnahme eines Hilfskonvois in internationalen Gewässern nach Israel gebracht hat.
Der brasilianische Aktivist Thiago Avila berichtete seinen Anwälten, er sei von israelischen Kräften so brutal geschlagen worden, dass er zweimal das Bewusstsein verlor. Israel hingegen wirft ihm und dem spanisch-palästinensischen Aktivisten Saif Abu Keshek vor, mit der Hamas in Verbindung zu stehen.
Wer ist Thiago Avila?
Thiago de Ávila e Silva Oliveira, geboren am 26. August 1986, ist ein brasilianischer Humanitär- und Klimaaktivist. Der 38-Jährige ist verheiratet, hat eine eineinhalbjährige Tochter und widmet sich seit über 20 Jahren der Solidarität mit Palästina.
Er ist Mitglied des Lenkungsausschusses der Freedom Flotilla Coalition und war bereits einer der Koordinatoren der Madleen-Mission im Juni 2025 — als israelische Kräfte das Schiff in internationalen Gewässern aufbrachten und die Besatzung festnahm. Damals wurde Avila in Einzelhaft im israelischen Ayalon-Gefängnis gebracht.
Die Flotilla und ihre Festnahme
Die aktuelle Flotilla — bestehend aus mehr als 50 Schiffen — war Mitte April von Frankreich, Spanien und Italien ausgelaufen, um die israelische Blockade Gazas zu durchbrechen und humanitäre Hilfsgüter in das belagerte Gebiet zu bringen.
Am frühen Donnerstagmorgen wurden die Schiffe von israelischen Streitkräften in internationalen Gewässern rund 80 Seemeilen westlich der griechischen Insel Kreta abgefangen. Insgesamt 175 Aktivisten von 21 Booten wurden festgenommen und auf das israelische Schiff NAHSHON gebracht, wo sie laut der Flotilla-Koalition „körperlicher und verbaler Gewalt ausgesetzt“ wurden.
36 Aktivisten wurden bei der Abfangaktion verletzt und nach ihrer Ankunft im Hafen von Lerapetra auf Kreta in ein Krankenhaus gebracht. Bis Freitag hatte Israel alle festgehaltenen Aktivisten freigelassen — mit Ausnahme von Avila und Abu Keshek, die zur Befragung nach Israel gebracht wurden.
Foltervorwürfe und Isolationshaft
Anwälte der israelischen Menschenrechtsorganisation Adalah trafen die beiden Männer am Samstag im Shikma-Gefängnis in Ashkelon. Sie berichteten, Avila habe geschildert, „extremer Brutalität“ ausgesetzt worden zu sein — er sei mit dem Gesicht nach unten über den Boden geschleift und so schwer geschlagen worden, dass er zweimal das Bewusstsein verlor.
Die Flotilla-Koalition zitierte Augenzeugen unter den freigelassenen Teilnehmern, die berichteten, Abu Kesheks Schreie hätten durch das Schiff gehallt, während er nach seiner Trennung von der Gruppe „systematischer Folter“ ausgesetzt worden sei. Auch Abu Keshek wurde laut Adalah „gefesselt und mit verbundenen Augen gezwungen, vom Moment seiner Festnahme an mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden zu liegen“ — bis zur Ankunft in Israel.
Das brasilianische Konsulat bestätigte, dass Avila nach seiner Inhaftierung im Shikma-Gefängnis Folter, Schläge und Misshandlungen gemeldet habe.
Israelische Vorwürfe: Hamas-Verbindung und Iran
Vor einem Gericht in der südisraelischen Stadt Ashkelon verlängerte ein israelischer Richter am Sonntag die Haft der beiden um zwei weitere Tage. Israel wirft den Aktivisten schwere Vergehen vor — darunter „Beihilfe zum Feind in Kriegszeiten“ und „Mitgliedschaft in und Dienstleistungen für eine Terrororganisation.“
Israels Außenministerium erklärte, Abu Keshek sei ein führendes Mitglied der Popular Conference for Palestinians Abroad (PCPA) — einer Gruppe, die Washington beschuldigt, „heimlich im Auftrag der Hamas zu handeln.“
Avila werde ebenfalls mit der Gruppe in Verbindung gebracht und sei „illegaler Aktivitäten verdächtig.“
Dass Israel ausgerechnet Avila — einen bekannten Flotilla-Koordinator — erneut festhält, während die USA und Israel sich im Krieg gegen den Iran befinden, lässt Beobachter spekulieren, ob politische Motive hinter der selektiven Inhaftierung stehen.
Reaktionen und juristische Gegenwehr
Adalah-Anwältin Hadeel Abu Salih erklärte nach der Anhörung: „Wir bestreiten alle vorgebrachten Anschuldigungen und fordern die sofortige Freilassung der beiden Männer.“ Die Anwälte argumentierten, die Festnahme in internationalen Gewässern stelle eine „rechtswidrige Entführung“ dar und Israel habe keine Jurisdiktion über die Aktivisten.
Spaniens Regierung forderte die „sofortige Freilassung“ von Abu Keshek. Der spanische Konsul begleitete ihn zur Anhörung. Auch die Flotilla-Koalition rief die internationale Gemeinschaft und europäische Regierungen auf, die Freilassung der beiden zu fordern und den Einsatz von Folter und rechtswidriger Inhaftierung gegen humanitäre Aktivisten öffentlich zu verurteilen.
Blockade und humanitäre Katastrophe
Israel blockiert Gaza seit 2007. Seit Beginn des Krieges am 8. Oktober 2023 wurden nach palästinensischen Angaben mehr als 72.000 Menschen getötet und über 172.000 verletzt. Rund 1,5 Millionen Palästinenser wurden vertrieben.
Das Gebiet befindet sich in einer beispiellosen humanitären und gesundheitlichen Krise — mit massiven Schäden an der Infrastruktur, darunter Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen. Israel hat die Einfuhr von Hilfsgütern zeitweise vollständig gestoppt.
Die Flotilla-Koalition bezeichnete den Angriff auf die Schiffe als „eine gefährliche Eskalation und ein weiteres Kriegsverbrechen“ des israelischen Militärs. „Dieselben Kräfte, die die Bevölkerung aushungern, haben Zivilisten gefoltert, die versuchten, den Bewohnern Gazas Sicherheit zu bringen“, hieß es in ihrer Erklärung.
An Israeli court extended the detention of two activists from a Gaza flotilla, who were brought to Israel for questioning.
Spanish Saif Abu Keshek and Brazilian Thiago Avila were arrested after Israeli forces illegally intercepted their boat in international waters. pic.twitter.com/upJ0dUibvY
Genf/New York – Zum Weltpressefreiheitstag am 3. Mai hat UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk eindringliche Worte gefunden.
„Israels Krieg in Gaza ist zu einer Todesfalle für die Medien geworden. Mein Büro hat die Tötung von fast 300 Journalisten seit Oktober 2023 verifiziert — viele weitere wurden verletzt“, erklärte er.
Gaza und Libanon: Die tödlichsten Orte für Journalisten
Türk bezeichnete Gaza als das gefährlichste Kriegsgebiet für Medienschaffende der jüngsten Geschichte. Allein seit Januar wurden mindestens 14 Journalisten getötet — und nur etwa jeder zehnte Todesfall der vergangenen zwei Jahrzehnte habe zu einer vollständigen strafrechtlichen Verfolgung geführt.
Für das laufende Jahr sei der Libanon das tödlichste Land für Medienschaffende, so Türk. Der Krieg im Nahen Osten habe den Libanon an die Spitze dieser tragischen Statistik gebracht.
Eines der jüngsten und erschütterndsten Beispiele ist der Fall der libanesischen Journalistin Amal Khalil. Sie hatte zuvor öffentlich gemacht, von Israelis mit dem Tod bedroht worden zu sein. „Sie drohten mir, meinen Kopf von den Schultern zu reißen“, sagte sie in einem Interview. Kurz darauf wurde sie durch israelische Drohnen getötet.
Türks Worte zum Weltpressefreiheitstag
„Wenn Angriffe auf die Medien normalisiert werden, beginnt die Freiheit selbst zu verfallen — und mit ihr die Grundlagen von Frieden, Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung“, warnte Türk in seiner Botschaft zum Weltpressefreiheitstag.
Er würdigte die mutigen Reporter und Fotografen weltweit, „die entsetzliche Gräueltaten dokumentieren, Korruption aufdecken und Geschäftspraktiken unter die Lupe nehmen.“ Journalismus sei heute jedoch „ein unsicherer und bisweilen gefährlicher Beruf“ geworden — Medienschaffende würden „in ihren Autos bombardiert, aus ihren Büros entführt, hinter Gittern zum Schweigen gebracht und aus ihren Jobs gedrängt.“
Auch UN-Generalsekretär António Guterres schloss sich der Warnung an: „In den vergangenen Jahren ist die Zahl der getöteten Journalisten stark gestiegen — oft wurden sie gezielt ins Visier genommen.“
Das bekannte Sprichwort besage, die Wahrheit sei das erste Opfer des Krieges. „Viel zu häufig sind jedoch die ersten Opfer die Journalisten, die alles riskieren, um diese Wahrheit zu berichten — nicht nur im Krieg, sondern überall dort, wo die Mächtigen Kontrolle fürchten.“
Bedrohungen weltweit — kein Land wirklich sicher
Türk warnte, dass „praktisch kein Land wirklich sicher ist für jene, die die Wahrheit zur Macht sprechen.“ Er verwies auf seinen jüngsten Besuch in Mexiko, wo die Berichterstattung über Korruption, Umweltschäden oder organisierte Kriminalität Journalisten, ihre Quellen und sogar ihre Familien schweren Risiken aussetze.
Besonders besorgt zeigte sich Türk über iranische Journalisten im Ausland, die Ziel transnationaler Repression und Überwachung geworden seien. „Medienschaffende sind die primären Ziele einer wachsenden transnationalen Unterdrückung und Überwachung“, sagte er.
Weltweit sitzen derzeit rund 330 Medienschaffende in Haft — dazu kommen etwa 500 Bürgerjournalisten und Menschenrechtsblogger.
Journalisten in Somalia nehmen an einer Pressekonferenz teil. (Archivfoto: UN News)
Frauen besonders betroffen
Online-Belästigung und Missbrauch treffen Journalistinnen überproportional hart — drei Viertel von ihnen haben Missbrauch erlitten, darunter Verleumdungskampagnen und Drohungen mit sexueller Gewalt.
Solche Angriffe riskierten laut Türk „eine Desinformationsgesellschaft zu schaffen, in der die Medien gezwungen sind, Fakten zu verschleiern und Wissenschaft zu leugnen, um in Sicherheit arbeiten zu können.“
Wirtschaftlicher Druck und Medienschließungen
Der wirtschaftliche Druck auf Medien erreiche Rekordniveau. In fast einem Drittel aller Länder zwängen Finanzierungskürzungen und Medienkonzentration lokale Nachrichtenmedien zur Schließung.
Bemühungen, die Presse zum Schweigen zu bringen, seien „beunruhigend kreativ geworden“ — von Zugangsbeschränkungen über Internet-Abschaltungen bis hin zu Nachrichtenblockaden. In manchen Fällen schade „eine unheilige Allianz zwischen politischer, unternehmerischer und medialer Macht der Demokratie und polarisiere Gesellschaften.“
Forderungen an Staaten und Technologieunternehmen
Türk forderte die Staaten auf, „die Verfolgung der Presse zu beenden, willkürliche Beschränkungen aufzuheben, missbräuchliche Gesetze abzuschaffen und die Rechtsrahmen an internationalen Menschenrechtsstandards auszurichten.“
Regierungen müssten Angriffe auf Medienschaffende verhindern, sie vor Überwachung schützen, Verstöße untersuchen und Rechenschaftspflicht sicherstellen.
An Technologieunternehmen appellierte er, wirksame Maßnahmen gegen Online-Missbrauch und Desinformation zu ergreifen. „Journalisten können nicht allein kämpfen“, betonte Türk.
A free press is the oxygen of a free society. Yet efforts to silence the media are becoming disturbingly creative – and normalized.
States must end the persecution of journalists and act to protect them. We must stand with those who stand for truth. https://t.co/pw2DVvk52Bpic.twitter.com/F27HMDQAGV
Ankara – Das Flugzeug des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez hat am Sonntagabend eine Notlandung in Ankara durchgeführt.
Der offizielle Airbus A310 war kurz vor 16:00 Uhr Ortszeit vom Luftwaffenstützpunkt Torrejón de Ardoz bei Madrid in Richtung Eriwan gestartet, als ein technisches Problem auftrat.
Laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE handelte es sich um eine kleinere Fehlfunktion — die Landung in Ankara erfolgte jedoch gemäß den Luftfahrt-Sicherheitsprotokollen. Sánchez und seine Delegation übernachten in Ankara und wollen die Reise früh am Montagmorgen fortsetzen, sobald das technische Problem behoben ist.
Sánchez war auf dem Weg zum 8. Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPC) in Eriwan, das unter dem Motto „Die Zukunft gestalten: Einheit und Stabilität in Europa“ steht und Staats- und Regierungschefs aus fast 50 europäischen Ländern zusammenbringt.
Es ist nicht das erste Mal, dass Sánchez wegen eines Flugzeugdefekts einen Termin zu verpassen drohte. Bereits im September 2025 musste sein Flugzeug auf dem Weg zu einem Ukraine-Treffen in Paris umkehren — Sánchez nahm damals virtuell teil.
In sozialen Medien kommentierten einige Nutzer den Vorfall mit Besorgnis. „This man needs to be protected“, schrieb ein Nutzer auf X. Sánchez gilt als einer der schärfsten Kritiker der israelischen Politik innerhalb der EU und hatte zuletzt vorgeschlagen, das EU-Assoziierungsabkommen mit Israel zu kündigen.
Auch gegenüber Washington hat er klare Kante gezeigt — Spanien verweigerte den USA die Nutzung seiner Militärbasen für den Iran-Krieg. Zuletzt drohte US-Präsident Donald Trump, Spanien aus der NATO auszuschließen.
💥🇪🇸 Pedro Sánchez Plane Broke Down and Made an Emergency Landing in Turkey
This man needs to be protected
He was on his way to the European Union summit in Armenia. He will continue his trip tomorrow. pic.twitter.com/aw2b1JcgkW