Belgien: P
Brüssel: Premier De Wever am Flughafen mit Erdogan-Revolver

Brüssel – Ein höchst ungewöhnliches diplomatisches Geschenk des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat nach dem NATO-Gipfel in Ankara für erhebliche Aufregung und logistische Herausforderungen bei europäischen Regierungschefs gesorgt.

Wie belgische Medien am Donnerstag berichteten, überreichte Erdoğan den anwesenden Staats- und Regierungschefs als Erinnerung an das Treffen jeweils einen personalisierten, voll funktionsfähigen Revolver inklusive sechs Schuss Munition. Bei der Waffe handele es sich Berichten zufolge um ein historisch bedeutsames Modell, das in den 1990er-Jahren als erster moderner, in der Türkei produzierter Revolver auf den Markt kam und nun auch als Werbebotschafter für die türkische Verteidigungsindustrie dienen sollte.

Der belgische Premierminister Bart De Wever brachte das Präsent, bei dem sein Name in den Lauf eingraviert ist, unbewusst im Delegationsgepäck mit nach Hause. Das Paket wurde erst nach der Landung auf dem Militärflughafen in Melsbroek geöffnet, wo die Delegation die geladene Waffe samt Munition entdeckte. De Wever übergab den Revolver umgehend der dortigen Flughafenpolizei, die das Geschenk vorerst in einem Waffensafe sicherstellte. Das endgültige Schicksal des belgischen Präsents ist bislang noch ungeklärt.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf den höchst unterschiedlichen bürokratischen Umgang der europäischen Partner mit dem brisanten Gastgeschenk. Obwohl Erdoğan eine offizielle Notiz beilegte, die das Geschenk von den türkischen Exportkontrollen befreite, ließen mehrere Regierungschefs die Waffe vorsorglich direkt vor Ort zurück. Der britische Premierminister Keir Starmer erwähnte das Geschenk bereits am Mittwochabend und erklärte, er habe den Revolver in der Türkei gelassen, da eine Einfuhr nach Großbritannien illegal gewesen wäre.

Andere Staaten wählten den diplomatischen Dienstweg zur Sicherung. Ein Sprecher des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz teilte mit, dass die für Merz bestimmte Waffe an die deutsche Botschaft in Ankara übergeben wurde, um sie legal zu importieren und ordnungsgemäß in die offizielle staatliche Geschenkesammlung aufzunehmen.

Auch der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten ließ seine personalisierte Waffe bei der niederländischen Botschaft in der Türkei zurück, damit diese dort unbrauchbar gemacht und sicher gelagert werden kann.

Neben den Regierungschefs erhielten auch EU-Ratspräsident Antonio Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jeweils ein Exemplar. Ein Sprecher von der Leyens bestätigte am Donnerstag, dass die Waffe sicher transportiert und verwahrt werde. Die Kommissionspräsidentin plant demnach, den Revolver nach einer Deaktivierung an ein Militärmuseum zu spenden.

Hintergrund: Ein diplomatisches Marketing-Geschenk
 
Die Gümüşay .357 steht symbolisch für den historischen Startschuss einer gigantischen Entwicklung der Türkei zur Rüstungsgroßmacht. Vor 20 Jahren war das Land noch massiv von westlichen Waffenimporten abhängig. Der Revolver markiert den Beginn der heimischen Eigenproduktion von Handfeuerwaffen. Heute exportiert die Türkei Rüstungsgüter im Wert von 11 Milliarden Dollar jährlich (von Pistolen bis hin zu weltbekannten Kampfdrohnen) und rangiert global unter den Top-Exporteuren. Erdoğan demonstriert den NATO-Partnern damit stolz das technologische Fundament dieses Erfolgs.
 
Die Waffe wurde in den 1990er-Jahren nur in sehr geringer Stückzahl hergestellt. Heute baut die Türkei fast ausschließlich moderne, teilautomatische Pistolen. Dieser klassische Trommelrevolver ist deshalb eine absolute Sammlerkuriosität und ein historisches Statussymbol des Landes – veredelt durch die persönliche Gravur des jeweiligen Staatschefs.
 

 


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F-35-Deal mit Türkei: Hegseth sagt Treffen mit Netanjahu ab

Gastkommentar
Trump und Erdoğan: Warum die Türkei zur Trumpfkarte wird

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Seit Tagen ist in westlichen Medien ein bemerkenswertes Schauspiel zu beobachten. Kaum rückte der NATO-Gipfel näher, häuften sich Analysen über die Türkei. Mal war sie „unberechenbar“, mal ein „Vertrauensproblem“, mal gar eine Gefahr für das Bündnis. Im Vordergrund stand ständig Recep Tayyip Erdoğan, der als “Autokrat” mit Trump geheime Pläne schmiedet.

Parallel dazu trat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in mehreren US-Fernsehsendern auf und warnte eindringlich vor einer militärischen Stärkung Ankaras – insbesondere mit Blick auf die F-35-Debatte.

Und dann geschah etwas Bemerkenswertes. Donald Trump trat bei Ankunft im Flughafen Esenboğa an Recep Tayyip Erdoğan beinahe freundschaftlich und herzlich heran, sprach von einer engen Zusammenarbeit und signalisierte, dass Washington seine Entscheidungen nicht nach den Wünschen Dritter treffen werde. War das ein Wink mit dem Zaunpfahl an Israel?

Auf den ersten Blick mag es so wirken, als habe Donald Trump die Türkei politisch aufgewertet. Tatsächlich jedoch nutzte er lediglich eine bereits bestehende Realität: die gewachsene strategische Bedeutung Ankaras. Indem er diese offen anerkannte, setzte er zugleich Netanjahu Grenzen. Genau hier liegt der zentrale Punkt, den viele westliche Analysen verkennen und stattdessen Erdoğan aufgreifen.

Denn nicht Trump hat die Türkei stark gemacht. Vielmehr ist es eine Kombination struktureller Entwicklungen:

Die Geografie. Der Ukrainekrieg. Die Instabilität im Nahen Osten. Die Energiepolitik Europas. Und die Rückkehr klassischer Machtpolitik.

Diese Faktoren haben die Türkei in eine Position gebracht, die sich nicht mehr ignorieren lässt. Um diese Entwicklung zu verstehen, lohnt ein Blick zurück.
Jahrzehntelang wurde Ankara im Westen oft als schwieriger und unzuverlässiger Verbündeter behandelt, obwohl die Türkei sich als Bündnispartner selten bis gar keine gravierende Fehltritte leistete.

Stattdessen stimmte Ankara den NATO-Beitrittserklärungen Schwedens und Finnland trotz massive Bedenken zu. Solange sie lediglich als südöstlicher NATO-Außenposten galt, schien diese Einordnung ausreichend. Doch die geopolitische Lage hat sich grundlegend verändert.

Heute verlaufen die zentralen Konfliktlinien genau durch jene Region, in der die Türkei seit Jahrhunderten liegt: Schwarzes Meer, Kaukasus, östliches Mittelmeer, Syrien und die Energiekorridore zwischen Asien und Europa. Aus dieser Verschiebung ergibt sich zwangsläufig eine Neubewertung. Mit einem Mal wird aus dem „schwierigen Partner“ ein unverzichtbarer Akteur. Zumindest für Washington.

Genau darin liegt die eigentliche Ironie.

In Washington wurde diese bei ahe feindselige Haltung lange Zeit auch im US-Senat beibehalten. Und heute? US-Senator Lindsey Graham, ein vehementer Verteidiger israelischer-, griechischer- und zypriotischer Interessen, der bis zuletzt gegenüber der Türkei die Krallen ausgefahren hatte, mutiert jetzt zum Schmusekater.

Viele europäische Kommentare interpretieren bis heute jede selbstbewusste türkische Außenpolitik weiterhin als Problem. Tatsächlich ist sie jedoch Ausdruck veränderter Machtverhältnisse. Staaten, deren strategischer Wert steigt, verhandeln selbstbewusster. Das gilt für die USA, für Frankreich, für Israel – und ebenso für die Türkei.

Vor diesem Hintergrund erscheinen auch Netanjahus öffentliche Warnungen in einem anderen Licht. Wenn die Türkei tatsächlich geopolitisch unbedeutend wäre, warum investiert der israelische Regierungschef dann so viel politische Energie, um vor ihrer militärischen Aufwertung zu warnen? Schon diese Frage verdeutlicht, dass Ankara heute anders wahrgenommen wird als noch vor wenigen Jahren.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Trump eine „pro-türkische“ Politik verfolgt.
Im Gegenteil: Trump verfolgt in erster Linie US-amerikanische Interessen.
Und genau deshalb ist die Türkei für ihn relevant.

Sie kontrolliert die Meerengen.
Sie verfügt über die zweitgrößte Armee der NATO.
Sie beeinflusst das Schwarze Meer.
Sie ist in Syrien, sie ist im Irak präsent.
Sie spielt im Südkaukasus eine Schlüsselrolle.
Sie ist Transitland und zunehmend Energie-Hub.

Diese Faktoren machen die Türkei zu einem strategischen Knotenpunkt, den kein US-Präsident auf Dauer ignorieren kann – unabhängig von persönlichen Sympathien gegenüber Erdoğan.

Daraus ergibt sich eine klare Schlussfolgerung.

Die eigentliche Botschaft der vergangenen Tage ist nicht, dass Washington plötzlich Ankara bevorzugt. Vielmehr zeigt sich, dass die Zeit vorbei ist, in der andere Hauptstädte selbstverständlich davon ausgehen konnten, über die strategische Rolle der Türkei mitzuentscheiden und fast schon stiefmütterlich zu behandeln.

Ob CAATSA-Sanktionen, F-35, NATO oder Nahost – am Ende entscheidet Washington nach eigenen Interessen, oft über die Köpfe europäischer Hauptstädte hinweg. Und Ankara handelt nach türkischen Interessen. Das ist weder außergewöhnlich noch skandalös. Es ist Geopolitik.

Genau darin liegt die zentrale Lehre dieses NATO-Gipfels – insbesondere für europäische Analysten und Experten, die jetzt erst eine Welt nachzeichnen, die ihr gerecht wird. Nicht Trump benutzt die Türkei als Trumpfkarte. Die internationale Machtverschiebung hat die Türkei selbst zu einer Trumpfkarte gemacht – und zwingt nun alle Akteure, ihre Strategien entsprechend anzupassen.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Pferde-Eskorte für Trump, Ministerin für Sánchez: Die nüchterne Logik des Protokolls

US-Außenpolitik
F-35-Deal mit Türkei: Hegseth sagt Treffen mit Netanjahu ab

Washington – Der geplante F-35-Verkauf an die Türkei sorgt für massive diplomatische und innenpolitische Spannungen.

Wie ein israelischer Insider der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte, hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ein für Mittwoch geplantes Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz kurzfristig abgesagt.

Es wäre Hegseths erster Besuch als Pentagon-Chef in Israel gewesen. Offiziell hieß es aus israelischen Medienberichten, die Absage sei vor dem Hintergrund der akut steigenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran erfolgt. US-Präsident Donald Trump hatte parallel dazu erklärt, dass das von den USA und Israel initiierte Abkommen zur Beendigung des Iran-Konflikts vorbei sei und er keinen Dialog mit Teheran suche. Die US-Botschaft in Israel lehnte eine sofortige Stellungnahme zu den geplatzten Terminen ab.

Hintergründe des abgesagten Besuchs

Hinter den Kulissen gilt der potenzielle Rüstungsdeal mit Ankara jedoch als der eigentliche Sprengsatz für die Gespräche. Hegseth sollte direkt vom NATO-Gipfel aus der Türkei anreisen.

Dort hatte US-Präsident Donald Trump an der Seite des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan verkündet, die US-Sanktionen gegen Ankara aufheben und eine Lieferung der F-35-Tarnkappenjets definitiv in Betracht ziehen zu wollen. Trump betonte dabei die veränderte Dynamik, da sich die Beziehungen zur Türkei seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 markant verbessert hätten und sich die Türkei in vielerlei Hinsicht loyal verhalten habe.

Zerreißprobe in Washington: Widerstand im Kongress

Dass der geplatzte Besuch in Israel auch dazu dienen sollte, die massiven Bedenken der israelischen Führung zu zerstreuen, verdeutlicht die geopolitische Tragweite. Der potenzielle Jet-Verkauf führt in Washington zu einer echten innenpolitischen Zerreißprobe. Während die Trump-Administration den Deal mit dem NATO-Partner vorantreiben will, formiert sich im US-Kongress, insbesondere aufseiten der Demokraten, aber auch parteiübergreifend, erbitterter Widerstand.

Angeführt von dem Republikaner Mike Lawler und dem Demokraten Brad Sherman warnte eine Abgeordnetengruppe das Weiße Haus in einem Brief vor der antisraelischen Rhetorik Ankaras und dessen Beziehungen zum Iran. Die demokratische Abgeordnete Dina Titus hat zusammen mit 18 weiteren Abgeordneten bereits Gesetzesinitiativen gestartet, um den Transfer von F-35-Jets und Triebwerken an die Türkei gesetzlich zu blockieren.

Auch einflussreiche Senatoren wie Rick Scott betonen, dass ein Verkauf rechtlich so lange blockiert bleibt, bis die gesetzlichen Auflagen bezüglich des russischen S-400-Systems restlos erfüllt sind. Der Kongress beharrt darauf, dass der Präsident bestehende Gesetze nicht einfach per Dekret umgehen darf.

Unterstützt wird diese Blockade von mächtigen Lobbyorganisationen wie dem American Israel Public Affairs Committee (AIPAC). Diese pro-israelische Lobby übt massiven Druck auf Abgeordnete aus und argumentiert, die F-35-Lieferung würde Israels qualitative militärische Überlegenheit in der Region gefährden.

Parallel dazu fordern griechisch-amerikanische Organisationen des Hellenic Caucus den Schutz der Stabilität im Mittelmeerraum und verlangen die Einhaltung bestehender Rüstungsbeschränkungen. Zudem veröffentlichen sicherheitspolitische Think-Tanks wie die Foundation for Defense of Democracies regelmäßige Analysen, die den Kongress explizit auffordern, als gesetzliche Brandmauer gegen Trumps Pläne zu fungieren.

Netanjahu warnt vor Verschiebung der Machtverhältnisse

Israel selbst macht aus seiner Ablehnung kein Geheimnis. Ministerpräsident Netanjahu betonte in einem Interview, dass er den Verkauf von F-35-Jets an die Türkei strikt ablehne und dies auch gegenüber Trump klargestellt habe, da dies das Gleichgewicht der Kräfte im Nahen Osten zerstören würde, weil die Türkei aggressive Ambitionen habe. Israel befürchtet konkret, dass seine eigene Luftüberlegenheit durch moderne türkische Stealth-Jets bedroht werden könnte.

Die Türkei war nach dem Kauf des russischen S-400-Luftabwehrsystems aus dem F-35-Programm ausgeschlossen worden, da Washington Spionage-Risiken für die Jet-Technologie befürchtete. Ankara kritisierte den Ausschluss stets als ungerecht und argumentierte, die USA hätten der Türkei damals keine Wahl gelassen, weil sie die Lieferung von Patriot-Abwehrsystemen verweigerten.

Erdoğan betont seither, dass eine Wiederaufnahme nicht nur gerecht sei, sondern auch die NATO stärken würde. Zudem wirft die Türkei Israel regelmäßig vor, die diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran gezielt zu untergraben.  Die türkische Führung hat das Vorgehen Israels im Gazastreifen mit dem der Nazis während des Holocaust verglichen.

Obwohl Insider berichten, dass Trump fest entschlossen ist, sich hinter den Verkauf zu stellen, bleibt das Vorhaben durch die Gesetzeslage blockiert.

 


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Trump über NATO-Gipfel: Wegen Erdogan gekommen

 

Kommentar
Pferde-Eskorte für Trump, Ministerin für Sánchez: Die nüchterne Logik des Protokolls

Von Polat Karaburan

Unser Bericht über die lautstarke Kritik in den sozialen Netzwerken hat eines deutlich gezeigt: Die Sympathien für den spanischen Premier Pedro Sánchez und seine klare Haltung im Nahostkonflikt sind in der muslimischen Welt riesig. Die Enttäuschung vieler Nutzer darüber, dass Sánchez am Flughafen in Ankara „nur“ von Familienministerin Mahinur Özdemir Göktaş empfangen wurde – während US-Präsident Donald Trump eine feierliche Pferde-Eskorte erhielt –, ist emotional absolut nachvollziehbar.

Ein genauerer Blick auf die Abläufe zeigt jedoch: Ankara hat hier nicht aus Missachtung gehandelt, sondern sich strikt an das weltweite Protokoll gehalten.

Der entscheidende Unterschied liegt im Charakter der Reise. Donald Trump absolvierte parallel zum NATO-Treffen einen offiziellen, bilateralen Staatsbesuch in der Türkei. Ein solches Format verlangt protokollarisch nach den höchsten staatlichen Ehren und dem persönlichen Empfang durch das Staatsoberhaupt.

Pedro Sánchez hingegen reiste – genau wie die über 30 anderen Staats- und Regierungschefs – im Rahmen einer multilateralen Delegation ausschließlich für den NATO-Gipfel an. Bei solchen Großereignissen ist es absolut standardisiert, dass die Gäste von Regierungsmitgliedern am Rollfeld begrüßt werden. Weder der deutsche Bundeskanzler noch der französische Präsident erhielten einen anderen Empfang als Sánchez. von einer „Abwertung“ kann also rein formal keine Rede sein.

Dass die türkische Führung die Arbeit von Sánchez in Wahrheit zutiefst schätzt, zeigte sich ohnehin abseits der Kameras am Flughafen: Trotz des extrem straffen Gipfel-Zeitplans räumte Recep Tayyip Erdoğan dem spanischen Premier ein exklusives, bilaterales Sondertreffen im Präsidentschaftspalast ein – eine Ehre, die keineswegs jedem Delegationsleiter zuteilwurde.

Soziale Medien leben von schnellen Symbolen und dem direkten Vergleich von Bildern. Reale Diplomatie und politische Wertschätzung bemessen sich jedoch nicht nach den Metern des roten Teppichs am Flughafen, sondern nach der Substanz der Gespräche hinter den Kulissen. Und dort haben Ankara und Madrid einmal mehr bewiesen, wie eng sie in den entscheidenden Fragen beieinanderstehen.

 

 


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Türkei: Breite Verurteilung des Sánchez-Empfangs

Intralogistik und Effizienz
Mehr Effizienz im Lager: Warum Struktur oft mehr bringt als zusätzliche Fläche

Wenn ein Lager eng wird, ist die Ursache nicht immer der fehlende Quadratmeter. Manchmal stehen Paletten nur zu lange an der falschen Stelle. Kartons wandern vom Wareneingang in eine Ecke, später in die nächste, und irgendwann weiß niemand mehr genau, ob sie schon geprüft, reserviert oder nur aus dem Weg geräumt wurden.

Der Wunsch nach mehr Fläche ist dann verständlich. Doch häufig beginnt die eigentliche Entlastung früher: bei klareren Wegen, festen Zuständigkeiten und einer Lagerstruktur, die zum tatsächlichen Warenfluss passt.

Ordnung beginnt bei den beweglichen Einheiten

Regale mögen das Bild eines Lagers prägen, ein großer Teil der Arbeit findet jedoch zwischen den festen Stellplätzen statt. Dort werden die Waren geprüft, kommissioniert, umgepackt oder kurzfristig bereitgestellt. Es ist vor allem die Ausstattung des Lagers, die dann darüber entscheidet, ob aus einer Palette eine brauchbare Lagereinheit wird oder ob es sich einfach nur um eine weitere Abstellfläche handelt.

Durch stapelbare Rahmen, passende Behälter und klar erkennbare Transporteinheiten entstehen klarere Einheiten, die sich besser zählen, bewegen und zwischenlagern lassen. Sie schaffen keine neue Fläche, sondern sie machen die vorhandene Fläche besser nutzbar und bringen wesentlich mehr Struktur ins Lager.

Fläche kostet, auch wenn sie nur blockiert wird

Manchmal lassen sich durch das Mieten von neuen Lagerflächen echte Wachstumsprobleme lösen. Manchmal wird dadurch allerdings auch nur eine unübersichtliche Organisation noch unübersichtlicher gemacht.

Hinzu kommt die Frage nach den Kosten, denn die steigenden Mieten in Deutschlands Städten betreffen nicht nur private Haushalte. Auch die Unternehmen müssen genauer rechnen, wenn es um zusätzliche Räume geht. Jeder Quadratmeter, der bloß durch schlecht sortierte Ware belegt wird, bindet Kapital und erschwert die Abläufe.

Materialfluss ist mehr als Transport

Wenn die Ware an der falschen Stelle steht, wirkt ein Lager oft kleiner, als es eigentlich ist. Für den Wareneingang sind andere Flächen nötig als für die Kommissionierung und für Retouren, die Prüfung brauchen. Die Versandware sollte nicht wieder durch den halben Betrieb geschoben werden. Wenn die Wege verschiedener Warenkategorien durcheinandergeraten, kommt es dadurch zu Umwegen. Die Mitarbeiter müssen länger suchen, Stapler rangieren häufiger, und einfache Tätigkeiten ziehen sich hin.

Die folgenden Fragen zeigen schnell auf, wo es an Struktur fehlt:

  • Welche Waren werden täglich bewegt?

  • Welche Artikel liegen lange auf Zwischenflächen?

  • Wo entstehen Suchzeiten?

  • Welche Wege kreuzen sich unnötig?

Es ist wichtig, Probleme in der Organisation konkret zu identifizieren, um sie lösen zu können. Erst wenn diese Schwachstellen sichtbar sind, kann ein Lager sinnvoll umgestellt werden.

Kleinteile stören den Ablauf besonders schnell

Während große Paletten meist leicht zu erkennen sind, wird es bei den kleineren Teilen schwieriger. Angebrochene Kartons, Ersatzteile, Muster, Rückläufer oder Saisonware landen schnell auf Zwischenflächen, weil ihr endgültiger Platz nicht ganz eindeutig ist. Das führt dann zu Suchzeiten, die im Tagesgeschäft vielleicht kaum auffallen, sich aber summieren.

Wenn niemand genau weiß, ob ein Teil geprüft, reserviert oder nur abgestellt wurde, hilft auch ein großes Lager nicht weiter. Daher sind sichtbare Kategorien, feste Zwischenplätze und einfacher Beschriftungen wichtig. Sie können oft wesentlich mehr Ruhe in den Ablauf bringen als zusätzliche Regalmeter.

 

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Vier von zehn Mittelständlern beklagen schweren Zugang zu Krediten

Skandinavisches Lebensgefühl
Hygge, Lagom und Co. – Was wir vom skandinavischen Lebensgefühl lernen können

Skandinavien taucht in den Glücksrankings regelmäßig ganz oben auf. Dänemark landete im jüngsten World Happiness Report auf Platz zwei, Finnland auf dem ersten. Schweden lag ebenfalls weit vorn. Die Erklärung dafür lässt sich nicht allein an Sozialsystemen oder Wirtschaftsdaten festmachen.

Ein Teil der Antwort steckt in der Art, wie Menschen im Norden Europas ihren Alltag gestalten – und in zwei Begriffen, die längst auch hierzulande angekommen sind.

Was Hygge tatsächlich bedeutet

Das dänische Wort Hygge wird häufig mit Gemütlichkeit übersetzt. Das trifft es aber nur halb. Hygge beschreibt eher ein Gefühl der Geborgenheit – Momente, in denen man nirgendwo anders sein möchte. Ein Abendessen mit Freunden, ein ruhiger Sonntagmorgen, das leise Knistern einer Kerze. Nichts Aufwendiges, nichts Inszeniertes. Hygge ist keine Frage der Jahreszeit. Die Dänen leben das im Sommer genauso wie im Winter.

Auffällig ist dabei der Stellenwert von Kerzenlicht. Dänen verbrauchen im Schnitt sechs bis acht Kilogramm Kerzen pro Jahr. In Deutschland liegt der Wert bei zwei bis drei Kilogramm. Kerzenlicht hat in Dänemark eine Bedeutung, die weit über Dekoration hinausgeht. Es strukturiert den Abend, markiert den Übergang vom Arbeitsalltag zur Freizeit.

Kleine Details, große Wirkung

Warmes Licht verändert Räume. Ein schlichter Kerzenhalter auf dem Esstisch reicht manchmal aus, um eine Atmosphäre zu schaffen, die den Feierabend vom restlichen Tag trennt. Kein Designkonzept, keine Anleitung nötig. Einfach eine Kerze anzünden. Die Dänen machen das seit Generationen so – und vielleicht liegt genau darin der Reiz. Es geht nicht um das Objekt, sondern um das Ritual dahinter. Dieses bewusste Innehalten am Abend hat etwas Entwaffnend Simples.

Lagom – Schwedens Antwort auf das „Genug“

In Schweden gibt es ein eigenes Konzept dafür: Lagom. Übersetzt heißt es so viel wie „gerade richtig“. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Lagom ist nüchterner als Hygge, weniger emotional, dafür strukturierter. Es beschreibt eine Haltung, die auf Ausgleich setzt – beim Konsum, bei der Arbeit, im Umgang miteinander. Nachhaltigkeit steckt darin ebenso wie ein gewisser Pragmatismus.

Beide Begriffe lassen sich gut nebeneinander denken. Hygge liefert das Gefühl, Lagom die Struktur dahinter. Zusammen ergeben sie eine Lebensphilosophie, die ohne große Gesten auskommt und trotzdem den Alltag verändert.

Warum das Thema in Deutschland ankommt

Die Sehnsucht nach Entschleunigung ist kein neues Phänomen. Diskussionen um die Vier-Tage-Woche, Achtsamkeitskurse und das Bedürfnis nach kleinen Ritualen im Alltag zeigen das deutlich. Selbst ein bewusster Kaffeemoment kann zum täglichen Ankerpunkt werden – eine Miniatur-Auszeit, die den Kopf für ein paar Minuten frei macht.

Was Skandinavien von anderen Ländern unterscheidet, ist die Selbstverständlichkeit. Hygge oder Lagom sind dort keine Lifestyle-Trends, sondern kulturelle Grundlagen. Laut einer Erhebung von Ernst & Young geben lediglich vier Prozent der Dänen an, Regeln zum eigenen Vorteil zu brechen. In Deutschland sind es 23 Prozent. Das sagt einiges über Vertrauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt aus.

Einen skandinavischen Lebensstil nachzuahmen, indem man sich ein paar Möbel kauft, führt allerdings nicht weit. Die eigentliche Idee dahinter ist simpler:

  • Bewusster mit der eigenen Zeit umgehen, statt sie reflexartig zu füllen

  • Weniger besitzen, dafür gezielter wählen – ob beim Essen, bei der Einrichtung oder bei der Arbeit

Das klingt banal. Ist es im Grunde auch. Man braucht dafür weder ein Sabbatical noch einen Umzug nach Kopenhagen. Manchmal reichen ein freier Abend, ein gedeckter Tisch und ein warmes Licht.

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NATO-Gipfel
Türkei: Breite Verurteilung des Sánchez-Empfangs

Ankara – Der derzeit in der türkischen Hauptstadt stattfindende NATO-Gipfel sorgt nicht nur auf politischer Ebene für weltweite Aufmerksamkeit, sondern bewegt auch die Gemüter in den sozialen Netzwerken.

Besonders die protokollarischen Unterschiede beim Empfang der verschiedenen Staats- und Regierungschefs stehen im Fokus der Kritik.

Während US-Präsident Donald Trump mit einer feierlichen Pferde-Eskorte zum Präsidentschaftspalast begleitet und bereits am Flughafen von Recep Tayyip Erdoğan persönlich begrüßt wurde, fiel der Empfang für die übrigen Staats- und Regierungschefs protokollarisch standardisierter aus.

Dass davon jedoch auch der spanische Premierminister betroffen war, stieß im Netz auf Unverständnis und sorgte für lautstarke Kritik. Sánchez wird in der muslimischen Welt für seine lautstarke Kritik an der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen und seinen Einsatz für die Rechte der Palästinenser gefeiert, weshalb viele Nutzer für ihn denselben glanzvollen Empfang erwartet hatten.

Er wurde am Flughafen von der Ministerin für Familie und Soziales, Mahinur Özdemir Göktaş, in Empfang genommen.

Lautstarke Kritik in den sozialen Netzwerken

In den sozialen Medien löste diese protokollarische Handhabung eine Welle der Enttäuschung und des Unverständnisses aus. Viele Nutzer verwiesen auf die große Beliebtheit des spanischen Regierungschefs in der muslimischen Welt, die er sich durch seine deutliche und lautstarke Kritik an der israelischen Kriegsführung im Gazastreffen erworben hat.

In den Kommentarspalten wird Sánchez fraktionsübergreifend für seinen Mut gelobt, während der offizielle Empfang am Flughafen als unpassend empfunden wird. Ein Nutzer kommentierte enttäuscht: „Ausgerechnet Spanien hätte diesen prachtvollen Empfang verdient gehabt.“ Ein anderer User stimmte dem zu und betonte: „Ein Mann mit echtem Format und Charakter hätte auf allerhöchster Ebene empfangen werden müssen.“

Ein weitere Nutzer schrieb: Warum wird für diesen wertvollen Menschen keine angemessene Begrüßungszeremonie abgehalten, während die Unwürdigsten auf Händen getragen werden – das gibt doch zu denken, oder?

Besondere Aufmerksamkeit in dieser emotionalen Debatte erhielt die Wortmeldung der Social-Media-Nutzerin Hülya N., die den Vorfall in einen größeren, weltpolitischen Kontext einordnete. Sie hieß den spanischen Premier herzlich im Land willkommen und betonte, dass der Respekt vom Volk komme, während das Protokoll eine reine Notwendigkeit sei.

Weiter erklärte sie, dass die Welt nach wie vor denjenigen gehöre, die die Macht in den Händen halten. Man lasse es schlicht nicht zu, dass andere Regeln gelten. Dennoch zeigte sie sich überzeugt von der moralischen Kraft des Handelns, da die Mächtigen nicht über die Herzen und Köpfe der Menschen regieren könnten. Dies sei die einzige verbleibende Kraft der Menschheit. Abschließend merkte sie an, es sei leicht, diejenigen zu kritisieren, die jetzt nicht handeln: „Ich glaube fest daran, dass man sich ihnen eines Tages widersetzen wird, ABER NICHT JETZT…“

Treffen im Präsidentschaftspalast und NATO-Kontext

Nach dem Empfang am Flughafen bewegte sich das diplomatische Protokoll in den geplanten Bahnen. Im Präsidentschaftspalast in Ankara kam es zu einem offiziellen Treffen zwischen dem spanischen Premierminister Pedro Sánchez und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, bei dem die beiden Politiker zu bilateralen Gesprächen zusammenkamen.

Die Begegnung findet vor dem Hintergrund des aktuellen NATO-Gipfels statt, der in diesen Tagen in der türkischen Metropole ausgetragen wird. Das Bündnis berät in Ankara über die künftige strategische Ausrichtung, regionale Sicherheitsfragen sowie die globalen geopolitischen Spannungen.

 

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Trump über NATO-Gipfel: Wegen Erdogan gekommen

Schulpolitik
Mehr als jede dritte Lehrkraft 50 Jahre oder älter

Berlin – Vor dem neuen Schuljahr wird vielerorts über den Lehrkräftemangel diskutiert. Dabei steht häufig auch die Altersstruktur innerhalb der Berufsgruppe im Fokus. Ein Viertel (25,4 %) der Lehrkräfte im Schuljahr 2024/2025 war zwischen 50 und 59 Jahre alt, weitere 10,0 % waren 60 Jahre und älter.

Mehr als jede dritte Lehrkraft (35,4 %) war demnach 50 Jahre oder älter, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt. Im Vergleich dazu fällt der Anteil der jüngeren Lehrkräfte geringer aus: Die unter 35-Jährigen machten gut ein Fünftel (20,3 %) des Lehrpersonals an allgemeinbildenden Schulen aus.

Die Hälfte der Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt ist 50 Jahre oder älter

Hinsichtlich der Altersstruktur bestehen große Unterschiede zwischen den Bundesländern: In Sachsen-Anhalt war gut die Hälfte (50,7 %) der Lehrkräfte 50 Jahre oder älter, in Mecklenburg-Vorpommern 46,8 %. Am niedrigsten war der Anteil dieser Altersgruppe im Saarland (28,6 %) und in Bremen (30,0 %).

43,9 % der Lehrkräfte arbeiten in Teilzeit

Im Schuljahr 2024/2025 waren deutschlandweit 752 100 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen tätig, davon 43,9 % in Teilzeit. Damit war die Teilzeitquote bei Lehrkräften etwas höher als im vorherigen Schuljahr (43,1 %) und auf einem neuen Höchststand. Besonders Frauen reduzieren häufig ihre Arbeitszeit: Im Schuljahr 2024/2025 war die Teilzeitquote bei Lehrerinnen (51,4 %) mehr als doppelt so hoch wie bei Lehrern (23,3 %). Im Vergleich zu anderen abhängig Beschäftigten ist die Teilzeitquote an allgemeinbildenden Schulen überdurchschnittlich hoch: Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg arbeiteten 31,3 % der abhängig Beschäftigten in Teilzeit.

Frauenanteil bei Lehrkräften überdurchschnittlich hoch

Auch der Frauenanteil bei Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen ist überdurchschnittlich hoch. Während Frauen im Schuljahr 2024/2025 fast drei Viertel (73,2 %) des Lehrpersonals an allgemeinbildenden Schulen ausmachten, stellten sie knapp die Hälfte (48,2 %) der abhängig Beschäftigten aller Wirtschaftsbereiche im Jahr 2024.

Mehr als die Hälfte der Lehrkräfte in Bremen und Hamburg arbeiten in Teilzeit

Im Hinblick auf den Anteil der Teilzeitkräfte unter den Lehrerinnen und Lehrern zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während in Hamburg (55,4 %) und Bremen (51,9 %) im Schuljahr 2024/2025 mehr als die Hälfte des Lehrpersonals an allgemeinbildenden Schulen in Teilzeit arbeitete, traf dies nur auf knapp jede vierte Lehrkraft in Thüringen (23,2 %) und Sachsen-Anhalt (23,8 %) zu.

11,2 % wurden über Quer- oder Seiteneinstieg zur Lehrkraft

Aufgrund des Lehrkräftemangels unterrichten an den Schulen immer mehr sogenannte Quer- und Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger, also Lehrkräfte ohne anerkannte Lehramtsprüfung.

Im Schuljahr 2024/2025 traf das auf 11,2 % der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen zu: 84 100 der insgesamt 752 100 Lehrkräfte dort hatten keine anerkannte Lehramtsprüfung. Im Schuljahr 2014/2015 lag der Anteil mit 4,3 % noch deutlich niedriger. Damals unterrichteten 28 500 der insgesamt 664 200 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen ohne anerkannte Lehramtsprüfung.

Noch höher als an allgemeinbildenden Schulen ist der Anteil mit Quer- oder Seiteneinstieg an beruflichen Schulen: Im Schuljahr 2024/2025 hatten 20 800 der insgesamt 124 100 Lehrkräfte an beruflichen Schulen keine anerkannte Lehramtsprüfung (16,7 %). Gegenüber dem Schuljahr 2014/2015 hat sich der Anteil kaum verändert: Damals unterrichteten 20 200 von 122 100 Lehrkräften ohne anerkannte Lehramtsprüfung (16,6 %).

Gordon Hoffmann zu Lehrermangel: „Wir sind nicht in einer idealen Situation“

Brandenburgs Minister für Bildung, Jugend und Sport, Gordon Hoffmann (CDU), rechnet damit, dass im neuen Schuljahr nicht alle Lehrerstellen besetzt werden können.

Er hat am Mittwochmorgen im rbb24 Inforadio gesagt: „Die Leute in den staatlichen Schulämtern arbeiten jeden Tag unter Hochdruck daran, so viele Stellen wie möglich zu besetzen. Wir sehen aber, dass das nicht in allen Teilen des Landes zu 100 Prozent gelingen wird.“

Deshalb wird man laut Hoffmann im kommenden Schuljahr mit „kreativen Maßnahmen“ dafür sorgen, dass alle Schüler ihren Abschluss bekommen können.

„Da werden wir darüber reden müssen, dass wir zum Teil die Zusatzausstattung, also zusätzliche Stunden für Teilungsunterricht und Förderunterricht, leider kürzen müssen. Im Ausnahmefall überlegen wir sogar, dass es dann die Möglichkeit gibt, dass einzelne Schulen von der Stundentafel abweichen dürfen.“

Hoffmann hält es zudem für denkbar, verbeamtete Lehrkräfte zeitlich befristet dorthin zu versetzen, wo sie gebraucht werden. Er betonte, dass er nicht nur Verantwortung für die Lehrerinnen und Lehrer trage, sondern auch für die 320.000 Schülerinnen und Schüler in Brandenburg.

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Analyse belegt: US-Präzisionsschlag traf Mädchenschule in Minab

 

NATO-Gipfel
Türkei und Kanada planen Freihandelsabkommen

Ankara – Die Türkei und Kanada haben offiziell Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (FTA) aufgenommen. Dies teilte das Büro des kanadischen Premierministers Mark Carney am Dienstag am Rande des NATO-Gipfels in Ankara mit.

Erstes Treffen der Regierungschefs seit elf Jahren

Die Ankündigung erfolgte kurz nach einem Treffen zwischen dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem kanadischen Premierminister Mark Carney in der Hauptstadt Ankara. Es handelt sich um den ersten Besuch eines kanadischen Regierungschefs in der Türkei seit elf Jahren. Wie die türkische Direktion für Kommunikationsmedien mitteilte, erörterten beide Politiker die bilateralen Beziehungen sowie regionale und globale Entwicklungen.

Erdoğan betonte während des Gesprächs, dass die Türkei und Kanada ihre Bemühungen zur Stärkung der Zusammenarbeit in einer neuen Ära intensivieren sollten. Dies gelte insbesondere für die Bereiche Handel, Sicherheit, Verteidigungsindustrie und Energie. Das Ausschöpfen dieses Kooperationspotenzials werde beiden Ländern erhebliche Vorteile bringen, so der türkische Präsident.

Erdogan beim Treffen mit Mark Carney am 7. Juli 2026 in Ankara

Fokus auf Verteidigungspolitik und NATO

Im Hinblick auf die Verteidigungspolitik bekräftigte Erdoğan die Unterstützung Ankaras für die Stärkung des europäischen Pfeilers innerhalb der NATO. Er unterstrich jedoch, dass diese Bemühungen die transatlantische Bindung nicht ersetzen dürften. Zudem forderte der Präsident, dass auch Nicht-EU-Verbündete in die Verteidigungsinitiativen der Europäischen Union einbezogen werden sollten.

Der kanadische Premierminister Carney wird im weiteren Verlauf des NATO-Gipfels voraussichtlich über Kanadas Beiträge zum Verteidigungsbündnis, den Aufbau neuer Partnerschaften und die gemeinsame Sicherheit, einschließlich der Unterstützung für die Ukraine, beraten.

Nächste Schritte zum Handelsabkommen

Die formelle Aufnahme der Verhandlungen folgt auf eine Vereinbarung der kanadischen und türkischen Handelsminister aus dem vergangenen Monat, in der explorative Gespräche für ein Freihandelsabkommen vereinbart wurden.

Laut der offiziellen Erklärung Kanadas werden nun die technischen Teams beider Länder die notwendigen Vorarbeiten leisten, um den genauen Umfang und die Ambitionen des Abkommens zu definieren und die erste Verhandlungsrunde vorzubereiten.

 


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Trump über NATO-Gipfel: Wegen Erdogan gekommen

Ankara – Auf einem ausgerollten blauen Teppich und berittenen Ehreneskorten hat US-Präsident Donald Trump seinen zweitägigen Besuch in der türkischen Hauptstadt Ankara begonnen.

Bereits bei seiner Ankunft stellte Trump die Machtverhältnisse klar und nutzte die internationale Bühne für eine massive Charmeoffensive in Richtung des Gastgebers.

„Merhaba asker“: Trumps medienwirksame Ankunft

Als die Präsidenten-Limousine vor dem Staatsakt vorfuhr, wurde Trump von seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan empfangen. Der US-Präsident richtete sich sofort an die angetretene Ehrengarde: Mit einem lautstarken „Merhaba asker“ (Hallo Soldaten) grüßte er die Truppen auf Türkisch.

Gegenüber Reportern sparte Trump nicht mit Lob für den türkischen Staatschef:

„Die Türkei ist militärisch ein SEHR mächtiges Land geworden… Ich habe eine Menge Respekt für den Präsidenten.“

 

Präsident Recep Tayyip Erdogan empfängt US-Präsident Donald Trump am 7. Juli 2026 mit einer offiziellen Zeremonie im Präsidentenpalast in Ankara. (Foto: tccb)

Die Abrechnung mit der NATO

Wie tief die Risse innerhalb der Allianz vor dem offiziellen Gipfelstart sitzen, machte Trump bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Erdoğan deutlich. Auf die Frage, ob er einen Abzug von US-Truppen aus Europa in Erwägung ziehe, wich Trump zwar aus, holte aber zu einem Rundumschlag gegen das Bündnis aus. Er sei „sehr enttäuscht“ von der NATO.

„Und ganz ehrlich: Wenn der Gipfel nicht in der Türkei stattfinden würde, wo mein Freund – ein sehr starker Führer, eine sehr starke Person – regiert, wäre ich gar nicht erst erschienen“, so der US-Präsident. Er sei nur angereist, weil er wisse, dass Erdoğan sich für die Organisation dieses Treffens mächtig ins Zeug gelegt habe.

Neue Verhandlungen über F-35-Kampfjets

Diese demonstrative Nähe könnte nun handfeste geopolitische Folgen haben. Trump zeigte sich nämlich überraschend offen für eine Wiederaufnahme der Türkei in das F-35-Kampfjet-Programm. Während seiner ersten Amtszeit hatte Washington Ankara noch aus dem Programm ausgeschlossen, nachdem die Türkei ein russisches Luftverteidigungssystem gekauft hatte.

Nun stehen die Zeichen auf Annäherung: „Das ist eine Entscheidung, die wir treffen werden“, so Trump auf Nachfrage von Journalisten. „Wir haben eine sehr gute Beziehung. Die Türkei war in vielerlei Hinsicht loyaler als andere Länder, von denen wir eigentlich Loyalität erwarten würden. Es ist definitiv etwas, das wir in Betracht ziehen werden.“ Er lobte die F-35-Jets zudem als die „besten der Welt“.

Iran, Verteidigungsausgaben und der Dauerstreit um Grönland

Neben den bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Ankara stehen beim zweitägigen Gipfel hochkarätige Krisenherde auf der Agenda: von den Rüstungsausgaben der Mitglieder über die Ukraine-Hilfe bis hin zum US-Konflikt mit dem türkischen Nachbarstaat Iran.

Hierbei warf Trump den europäischen Alliierten mangelnde Unterstützung vor: „Wir wurden nicht gut behandelt, weil wir etwas im Iran getan haben. Wir brauchen keine Hilfe, ich wollte sie nicht einmal.“ Es sei unverständlich, dass die USA Billionen Dollar in die NATO investieren, um Europa vor Russland zu schützen, die Europäer im Gegenzug aber keine Gegenleistung erbringen würden. „Europa ist ein ganz anderer Ort als noch vor 20 Jahren. Wir könnten all unsere Soldaten abziehen“, drohte Trump.

Für ungläubige Blicke unter den Diplomaten sorgte Trump schließlich, als er vor Reportern erneut seine Idee aufwärmte, dass die USA die Kontrolle über Grönland übernehmen sollten. Das autonome Territorium gehöre laut Trump unter die Fittiche Washingtons und nicht Dänemarks.

Bereits 1867 und 1946 (unter Harry S. Truman) hatten die USA versucht, die strategisch wichtige Insel zu kaufen – damals für 100 Millionen Dollar. Kopenhagen hat diese Avancen jedoch stets entschieden zurückgewiesen.

 


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