New York
Mamdani nennt Netanjahu „Architekt eines schrecklichen Völkermordes“

New York – Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat seine Kritik an der israelischen Regierung drastisch verschärft. In einem viel beachteten Interview bezeichnete er den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu als „Architekten eines schrecklichen Völkermordes“.

Mamdani äußerte sich in einem Interview im Podcast This Past Weekend sichtlich emotional über die anhaltende Gewalt im Nahostkonflikt. „Wenn Sie mich nach Netanjahu fragen, dann sprechen wir über den Architekten eines schrecklichen Völkermordes“, so der Bürgermeister wörtlich.

Kritik an anhaltendem Militäreinsatz trotz Waffenstillstandsdebatten

Der New Yorker Politiker zog in diesem Zusammenhang die internationalen Bemühungen um eine Befriedung der Region in Zweifel. Während weltweit über einen Waffenstillstand verhandelt werde, halte das Sterben der Zivilbevölkerung unvermindert an.

Als konkretes Beispiel führte Mamdani einen Vorfall an, bei dem das israelische Militär im Gazastreifen einen elfjährigen palästinensischen Jungen getötet habe – und das in einem Gebiet, das offiziell als humanitäre Schutzzone ausgewiesen war.

„Das geht immer weiter“, betonte Mamdani mit Blick auf die fortlaufenden Militäroperationen.

Rückhalt von jüdischen Gruppen in den USA

Während Netanjahu bei seinem UN-Auftritt Ende September behauptete, unter Mamdani würden sich Juden in New York „nicht mehr sicher fühlen“, formiert sich in den USA deutliche jüdische Unterstützung für den Bürgermeister. Progressive jüdische Organisationen weisen Netanjahus Vorwürfe entschieden zurück.

Aktivisten der Organisation Jewish Voice for Peace (JVP), die parallel zu Netanjahus UN-Rede massive Blockaden und Proteste in New York organisierten, sprachen Mamdani ihr Vertrauen aus. Sie betonten, dass die Kritik an der israelischen Kriegsführung notwendig sei und nicht mit Antisemitismus gleichgesetzt werden dürfe.

Auch die landesweite progressive jüdische Vereinigung Bend the Arc: Jewish Action stellte sich hinter den Bürgermeister. Die Organisation erklärte, dass Mamdanis Vision einer multireligiösen und multikulturellen Koalition der beste Schutz gegen Hass und Faschismus sei.

Unterstützer aus der jüdischen Gemeinde hoben hervor, dass Mamdanis Fokus auf bezahlbaren Wohnraum und soziale Gerechtigkeit für viele jüdische New Yorker oberste Priorität habe, während Netanjahu versuche, von der Verantwortung für die humanitäre Katastrophe in Gaza abzulenken.

Zuspitzung einer monatelangen Debatte

Die jüngsten Äußerungen markieren einen vorläufigen Höhepunkt in den Spannungen zwischen dem New Yorker Rathaus und der israelischen Führung. Bereits im Juli hatte Mamdani Netanjahu als „Kriegsverbrecher“ bezeichnet und die US-Regierung aufgefordert, die Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) zu vollstrecken.

Um den Vorwürfen konservativer Rabbiner entgegenzuwirken, stellte Mamdani zeitgleich einen millionenschweren kommunalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Antisemitismus vor, der unter anderem den Schutz von Synagogen finanziert. Mamdani stellte jedoch klar, dass seine Pflicht zum Schutz jüdischer Bürger in New York nichts an seiner scharfen Verurteilung der israelischen Regierungspolitik ändern werde.

 


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NATO
Frankreich und Türkei blockieren neue NATO-Partnerschaften mit Armenien und Aserbaidschan

Brüssel – Neue Pläne der NATO für eine engere Zusammenarbeit mit Armenien und Aserbaidschan stecken seit mehr als einem Jahr fest. Nach Angaben von NATO-Diplomaten verhindern Frankreich und die Türkei jeweils eines der beiden geplanten Partnerschaftsabkommen.

Frankreich blockiert demnach die Vertiefung der Beziehungen zu Aserbaidschan, während die Türkei eine entsprechende Vereinbarung mit Armenien zurückhält.

Nach den Plänen sollen die beiden Länder ihre Zusammenarbeit mit dem Militärbündnis unter anderem durch gemeinsame Übungen, militärische Ausbildung und einen intensiveren politischen Austausch ausbauen. Beide Staaten arbeiten bereits seit Jahrzehnten mit der NATO zusammen. Die Allianz führt Armenien und Aserbaidschan weiterhin als Partnerländer und unterstützt nach eigenen Angaben die Bemühungen beider Staaten um eine dauerhafte Friedensregelung.

Frankreich gegen Aserbaidschan, Türkei gegen Armenien

Der Streit hat nach Angaben von NATO-Diplomaten einen ungewöhnlichen Mechanismus: Frankreich lehnt eine weitere Vertiefung der NATO-Partnerschaft mit Aserbaidschan ab, während Ankara eine entsprechende Vereinbarung mit Armenien blockiert. Die türkische Position besteht demnach darin, beide Partnerschaften gemeinsam zu verabschieden.

Hinter dem französischen Widerstand stehen die seit Jahren angespannten Beziehungen zwischen Paris und Baku. Das französische Außenministerium führt als Gründe unter anderem den Krieg um Bergkarabach und die aserbaidschanische Militäroperation vom September 2023 an. Frankreich habe sich deutlich gegen den Einsatz militärischer Gewalt durch Aserbaidschan positioniert. Zugleich nahm Paris Anfang 2025 den diplomatischen Dialog mit Baku wieder auf.

Auch die Türkei und Armenien haben weiterhin keine regulären diplomatischen Beziehungen. Ankara steht zugleich eng an der Seite Aserbaidschans. Die türkisch-aserbaidschanische Zusammenarbeit wurde 2021 mit der Schuscha-Erklärung zu einer strategischen Partnerschaft ausgebaut.

NATO will Zusammenarbeit ausbauen

Die geplanten Vereinbarungen wären keine NATO-Beitritte. Armenien und Aserbaidschan sind bereits seit 1994 Teil des NATO-Programms „Partnerschaft für den Frieden“. Die Zusammenarbeit umfasst unter anderem Verteidigungsreformen, Ausbildung und die Verbesserung der militärischen Interoperabilität.

Die NATO hat ihr Partnerschaftssystem in den vergangenen Jahren neu geordnet. Heute bilden sogenannte „Individually Tailored Partnership Programmes“ (ITPP) den zentralen Rahmen für eine vertiefte Zusammenarbeit mit einzelnen Partnerstaaten. Sie bündeln politische, sicherheitspolitische und militärische Kooperation in einem mehrjährigen Programm.

Für Aserbaidschan hatte die NATO bereits Anfang 2026 eine weitere Vertiefung angekündigt. Bei einem Besuch der stellvertretenden NATO-Generalsekretärin Radmila Šekerinska in Baku wurde über den Abschluss eines solchen ITPP gesprochen. Das Programm soll unter anderem Verteidigungsbildung, Minenräumung, Cybersicherheit und den Schutz vor Informationsbedrohungen umfassen.

Armenien und Aserbaidschan orientieren sich stärker nach Westen

Der Stillstand kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die außenpolitische Ausrichtung beider Länder verändert. Armenien hat seine Beziehungen zu Russland in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren und treibt seine Annäherung an Europa voran.

Bei der Parlamentswahl im Juni 2026 setzte sich die proeuropäische Regierungspartei von Ministerpräsident Nikol Paschinjan durch. Paschinjan kündigte zugleich an, die Beziehungen zum Westen weiter auszubauen.

Auch Aserbaidschan hat seine internationalen Partnerschaften ausgeweitet. Baku vertiefte zuletzt insbesondere die Zusammenarbeit mit den USA und baute seine Beziehungen zu westlichen Staaten sowie den zentralasiatischen Turkstaaten aus.

NATO-Diplomaten warnen nach Angaben aus Bündniskreisen deshalb davor, dass die Blockade die Bemühungen beider Staaten um eine stärkere Anbindung an den Westen erschweren könnte. Zugleich könnte die festgefahrene Situation die Rolle der NATO im Südkaukasus begrenzen – gerade in einer Phase, in der der Einfluss Russlands in der Region zurückgeht.

Die NATO selbst hat wiederholt erklärt, sie unterstütze die Normalisierung der Beziehungen zwischen Armenien und Aserbaidschan und wolle ihre Zusammenarbeit mit beiden Ländern fortsetzen.

 


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NEX24-Interview
„Der Rechtsruck beginnt dort, wo Ausgrenzung normal wird“

Enis Gülegen über den Rechtsruck, die Sorgen von Menschen mit Einwanderungsgeschichte und die Verantwortung der demokratischen Gesellschaft.

Im Gespräch mit NEX24 spricht der Vorsitzende des Landesausländerbeirats Hessen (agah-hessen) über wachsende Verunsicherung, die politische Normalisierung ausgrenzender Positionen und die Grenzen demokratischer Zusammenarbeit.

Er fordert eine klare Haltung gegen Rassismus und Rechtsextremismus – und mehr gesellschaftliche Teilhabe. Seine Botschaft: Wer Angst hat, soll sich nicht zurückziehen, sondern gerade jetzt seine Stimme erheben.

Die Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben bei vielen Menschen mit Einwanderungsgeschichte Sorgen ausgelöst. Was genau beunruhigt Sie mit Blick auf die politische Entwicklung am meisten?

Mich beunruhigt vor allem, dass Positionen immer mehr Zustimmung erhalten, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrer Familiengeschichte die Gleichwertigkeit absprechen.

In Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD ihr Ergebnis gegenüber 2021 mehr als verdoppelt, und auch in Berlin hat sie deutlich hinzugewonnen. Das kann man nicht einfach als vorübergehenden Protest abtun. Das ist eine Entwicklung, die unserer demokratischen Gesellschaft Sorgen bereiten muss. Denn neu ist sie im Grunde genommen nicht.

Für Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist diese Entwicklung existenzieller. Sie fragen sich nicht nur, welche Partei künftig wie viele Sitze in einem Parlament hat. Sie fragen sich, ob ihre Zugehörigkeit zu diesem Land weiterhin selbstverständlich ist und ob ihre Rechte und ihre Sicherheit auch dann geschützt werden, wenn sich das gesellschaftliche Klima weiter verändert.

Die Verunsicherung entsteht deshalb nicht allein durch Wahlergebnisse. Sie wächst gerade dann am stärksten, wenn innerhalb demokratischer Parteien darüber diskutiert wird, die bisherige klare Abgrenzung zur AfD aufzuweichen oder die sogenannte Brandmauer infrage zu stellen.

Der Vorstoß des hessischen Ministerpräsidenten in der vergangenen Woche ist dafür das jüngste schockierende Beispiel. Für viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist das ein alarmierendes Signal. Sie beobachten sehr genau, ob menschenfeindliche oder ausgrenzende Positionen politisch isoliert bleiben oder ob sie sich zunehmend als normaler Bestandteil des politischen Wettbewerbs etablieren.

Natürlich gibt es auch eine demokratische Zivilgesellschaft: viele engagierte Kommunen, Vereine, Initiativen und Menschen, die dieser Gefahr täglich entgegentreten. Dennoch erwarte ich mehr von der Zivilgesellschaft. Es darf nicht sein, dass am Ende wieder einmal die schweigende Mehrheit durch ihr Schweigen dazu beiträgt, einer menschenfeindlichen und rassistischen Partei zur Macht zu verhelfen.

Sie sprechen davon, dass es für Menschen mit Einwanderungsgeschichte um Sicherheit, Rechte und das Vertrauen in ihre gleichberechtigte Zugehörigkeit geht. Woran machen Sie fest, dass dieses Vertrauen derzeit gefährdet ist?

Wir erleben seit Jahren eine politische Debatte, in der Migration zunehmend mit Krise, Kriminalität oder Kontrollverlust verbunden wird. Wenn Menschen immer wieder hören, dass über sie vor allem als Problem gesprochen wird, bleibt das nicht ohne Folgen. 

Hinzu kommen konkrete Diskriminierungserfahrungen. Untersuchungen des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors zeigen, dass Diskriminierung für viele rassistisch markierte Menschen zum Alltag gehört und dass solche Erfahrungen Auswirkungen auf das Vertrauen in Gesellschaft und staatliche Institutionen haben können und tatsächlich auch haben. 

Vertrauen entsteht nicht allein durch Sonntagsreden. Menschen müssen im Alltag erleben, dass sie bei der Wohnungssuche, auf dem Arbeitsmarkt, in Behörden oder in der Schule gleichberechtigt behandelt werden und dass der Staat sie schützt, wenn sie diskriminiert oder angegriffen werden.

Viele Migrantinnen und Migranten fragen sich angesichts des Erstarkens der AfD ganz konkret: Was bedeutet diese Entwicklung für meinen Alltag, meine Familie und meine Zukunft in Deutschland? Was antworten Sie diesen Menschen?

Ich verstehe diese Sorgen sehr gut, denn ich teile sie – insbesondere mit Blick auf die Zukunft meiner beiden Söhne. Meine Botschaft ist dennoch eindeutig: Wir gehören zu diesem Land und zu dieser Gesellschaft. Unsere Grundrechte gelten nicht abhängig von Wahlergebnissen.

Gleichzeitig wäre es falsch, Ängste kleinzureden oder die Sorgen von Menschen mit Einwanderungsgeschichte zu ignorieren. Politik und Gesellschaft müssen unmissverständlich zeigen, dass sie diejenigen schützen, die von Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus oder anderen Formen der Menschenfeindlichkeit betroffen sind. Hier stehen Politik und Zivilgesellschaft in einer besonderen Verantwortung und in einer großen Bringschuld.

Ich möchte Menschen mit Einwanderungsgeschichte deshalb ausdrücklich dazu auffordern, sich einzumischen und ihre Stimme zu erheben. Das kann in Vereinen, Initiativen, Parteien, Gewerkschaften, Migrantenorganisationen und gerade auch in den kommunalen Ausländerbeiräten geschehen. Demokratie lebt davon, dass Menschen nicht nur betroffen sind, sondern selbst mitreden, mitentscheiden und mitgestalten.

Wir dürfen allerdings auch nicht verschweigen, dass rechtspopulistische Positionen der AfD inzwischen auch unter Teilen der Menschen mit Einwanderungsgeschichte Zustimmung finden. Der kritische Blick auf die eigenen Reihen ist deshalb eine besonders wichtige Aufgabe der migrantischen Gesellschaft. Es reicht nicht, Rassismus und Ausgrenzung nur bei anderen zu kritisieren. Wir müssen uns auch mit den Einstellungen und Entwicklungen innerhalb unserer eigenen Gemeinschaften auseinandersetzen.

Gerade den Ausländerbeiräten kommt dabei eine immense Verantwortung zu. Sie müssen Orte demokratischer Auseinandersetzung sein, in denen unterschiedliche Positionen offen diskutiert, demokratische Werte verteidigt und Menschen zur politischen Teilhabe ermutigt werden.

Sie dürfen sich nicht darauf beschränken, Interessen zu vertreten. Sie müssen auch dazu beitragen, Demokratie zu stärken und menschenfeindlichen, rassistischen und ausgrenzenden Positionen entgegenzutreten – unabhängig davon, aus welcher Richtung sie kommen.

Die AfD hat bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin deutlich an Zustimmung gewonnen. Was sagt dieses Ergebnis aus Ihrer Sicht über die Stimmung in der Gesellschaft aus – und was sagt es möglicherweise nicht aus?

Die Wahlergebnisse zeigen, dass die AfD inzwischen in Teilen der Gesellschaft auf ein Fundament trifft, auf dem ihre Parolen verfangen. Dazu gehören rassistische Ressentiments und die Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion. Gleichzeitig erleben viele Menschen wirtschaftliche Unsicherheit, Abstiegsängste und das Gefühl, dass ihre Sorgen von der Politik nicht ausreichend gesehen werden.

Problematisch wird es dort, wo sich beides miteinander verbindet. Wenn soziale oder wirtschaftliche Unsicherheit mit rassistischen Erklärungen beantwortet wird, entsteht ein gefährlicher politischer Nährboden. Dann werden komplexe gesellschaftliche Probleme auf einzelne Gruppen projiziert und Menschen zu Sündenböcken gemacht.

Deshalb tragen die demokratischen Parteien eine besondere Verantwortung. Sie müssen die sozialen und wirtschaftlichen Sorgen der Menschen ernst nehmen und konkrete Lösungen anbieten, gleichzeitig aber jeder Form von Rassismus und Ausgrenzung klar entgegentreten. Aus der deutschen Geschichte folgt eine eindeutige Verpflichtung. Demokratische Politik muss alles daransetzen, dass rechtsextreme Kräfte niemals wieder politische Macht erlangen.

Sie bezeichnen die AfD als „rechtsextreme Bedrohung für die Demokratie“. Welche konkreten politischen Positionen oder Entwicklungen innerhalb der AfD sehen Sie als besonders problematisch für Menschen mit Einwanderungsgeschichte?

Bei der AfD geht es nicht nur um einzelne Forderungen in der Migrationspolitik. Entscheidend ist das Gesellschaftsbild, das dahintersteht. Immer wieder wird die Zugehörigkeit von Menschen zu Deutschland an Herkunft, Abstammung oder vermeintlich „fremde“ kulturelle Vorstellungen geknüpft.

Dahinter steht ein völkisches Gesellschaftsbild, das Menschen nicht als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger betrachtet, sondern ihre Zugehörigkeit nach Herkunft und Abstammung bewertet. Ein solches Denken hat unser Land schon einmal in Schutt und Asche getrieben.

Das zeigt sich besonders beim Begriff der „Remigration“. Er klingt technisch, meint aber eine Politik massenhafter Deportationen – und ich war überrascht, dass ich mit unserem Bundeskanzler in diesem Punkt gänzlich gleicher Meinung bin: Es handelt sich um ethnische Säuberung. Für viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist das eine direkte Bedrohung ihrer Existenz.

Auch der Verfassungsschutz warnt seit Jahren vor rechtsextremistischen Bestrebungen in der AfD. Für mich ist deshalb klar, dass diese Partei eine ernsthafte Gefahr für unsere Demokratie darstellt. Unser Grundgesetz macht ebenso klar, dass die Würde und die Rechte eines Menschen nicht von Herkunft oder Familiengeschichte abhängen. Ein AfD-Verbot muss jetzt kommen. Denn „nie wieder“ ist jetzt!

In Ihrer Erklärung fordern Sie eine klare Abgrenzung der demokratischen Parteien gegenüber der AfD. Wo beginnt für Sie diese Abgrenzung – und wo wird sie aus Ihrer Sicht derzeit aufgeweicht?

Abgrenzung bedeutet für mich zunächst etwas sehr Konkretes. Keine politischen Mehrheiten, die von der AfD abhängig sind, keine Zusammenarbeit und keine Normalisierung ihrer Positionen.

Aber eine Brandmauer besteht nicht nur aus der Frage, mit wem man abstimmt. Sie betrifft auch politische Sprache und politische Inhalte. Wenn demokratische Parteien Begriffe, Feindbilder oder Erklärungsmuster übernehmen, weil sie hoffen, dadurch Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen, verschiebt sich der gesamte politische Diskurs. Die bessere Antwort ist, ein eigenes demokratisches Angebot zu machen und Probleme tatsächlich zu lösen.

Sie warnen davor, dass demokratische Parteien die Sprache der Rechtspopulisten übernehmen könnten. Welche politischen Debatten oder Formulierungen beobachten Sie derzeit besonders kritisch?

Kritisch sehe ich vor allem eine politische Sprache, in der Migration fast nur noch mit Belastung, Kriminalität oder Kontrollverlust verbunden wird. Das wird der Realität nicht gerecht. Migration prägt unser Land seit Jahrzehnten und ist für unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und unser Zusammenleben vor allem auch eine große Chance.

Wenn Menschen mit Einwanderungsgeschichte trotzdem immer wieder hauptsächlich als Problem dargestellt werden, verändert das den gesellschaftlichen Blick auf sie. Sprache schafft Bilder und diese Bilder haben Folgen im Alltag. Demokratische Politik trägt deshalb eine besondere Verantwortung dafür, wie sie über Migration und über Menschen spricht.

Die Sorgen vieler Menschen mit Migrationsgeschichte richten sich nicht nur auf Wahlergebnisse, sondern auch auf die Frage, ob sie langfristig als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft akzeptiert werden. Was müssen Politik und Gesellschaft konkret tun, um dieses Vertrauen zu stärken?

Zunächst müssen wir Zugehörigkeit selbstverständlich machen. Ein deutscher Staatsbürger mit türkischen, syrischen oder ghanaischen Eltern ist nicht weniger deutsch als jemand, dessen Familie seit Generationen hier lebt.

Zweitens brauchen wir konsequenten Schutz vor Diskriminierung. Dazu gehören funktionierende Beratungsstellen, eine konsequente Verfolgung rassistischer Straftaten und diskriminierungsfreie Behörden.

Drittens braucht es politische Teilhabe. Viele Menschen leben seit Jahrzehnten in unseren Kommunen, dürfen aber aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit nicht an Kommunalwahlen teilnehmen. Deshalb setzt sich die AGAH seit langem für stärkere Beteiligungsmöglichkeiten und ein kommunales Wahlrecht für dauerhaft hier lebende Drittstaatsangehörige ein.

Und schließlich entscheidet sich Zugehörigkeit im Alltag – in Schulen, Betrieben, Vereinen, Verwaltungen und Nachbarschaften.

Außerdem brauchen wir ein Einbürgerungsgesetz, das einem Einwanderungsland würdig ist. Das neue Gesetz wurde als eine Verbesserung gepriesen. In Wahrheit birgt es insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen desolate Erschwernisse. Die Umsetzung des Gesetzes in der Praxis – beispielsweise Wartezeiten bei Einbürgerungsanträgen von bis zu drei Jahren, bevor der Antrag überhaupt bearbeitet wird – spricht Bände darüber, wie wenig wir uns als Einwanderungsland verstehen.

Welche Verantwortung tragen die demokratischen Parteien selbst für den Erfolg der AfD? Gibt es aus Ihrer Sicht politische Themen, bei denen sie den Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern verloren haben?

Wir leben in schwierigen Zeiten. Die Lebenshaltungskosten sind gestiegen, viele Menschen machen sich Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft und erleben gesellschaftliche Veränderungen als Belastung.

Gerade deshalb halte ich es für falsch, wenn demokratische Parteien glauben, sie könnten die AfD schwächen, indem sie ihre Sprache oder Teile ihrer Migrationspolitik übernehmen. Die Verschärfung des Tons, Forderungen nach immer weiteren Einschränkungen des Flüchtlingsrechts und die zunehmende Verrohung der Debatte haben die AfD offensichtlich nicht kleiner gemacht.

Die demokratischen Parteien müssen deshalb wieder stärker eigene Antworten geben, soziale Sicherheit schaffen und zugleich deutlich machen, dass Menschenrechte und das Recht auf Schutz nicht zur politischen Verhandlungsmasse werden.

Sie schreiben, demokratische Politik müsse „durch eigenes Handeln zeigen, dass sie das Leben der Menschen verbessern kann“. Was wären aus Sicht der agah konkrete politische Maßnahmen, die jetzt besonders wichtig wären?

Viele Probleme betreffen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft. Bezahlbares Wohnen, gute Schulen und Kitas, funktionierende Kommunen, eine gute Gesundheitsversorgung und sichere Beschäftigung.

Für Menschen mit Einwanderungsgeschichte kommen zusätzliche Fragen hinzu. Wir brauchen schnellere Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse, ausreichende Sprach- und Integrationsangebote, besseren Schutz vor Diskriminierung und mehr politische Beteiligung.

Ein weiterer Punkt ist die finanzielle Situation der Kommunen. Integration findet nicht abstrakt im Bund oder im Land statt. Sie findet in der Kita, in der Schule, im Bürgeramt, im Sportverein und im Stadtteil statt. Dafür brauchen Kommunen ausreichende Ressourcen.

Welche Rolle spielen dabei Fragen wie Migration, Integration, Einbürgerung und die Bekämpfung von Diskriminierung?

Migration ist für unser Land vor allem eine Chance. Viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte leben seit Jahrzehnten hier, arbeiten, gründen Familien und prägen unsere Gesellschaft mit. Trotzdem erleben sie noch immer, dass ihre Zugehörigkeit infrage gestellt wird oder sie politisch nicht vollständig mitentscheiden können.

Deshalb darf Einbürgerung nicht erst am Ende eines Integrationsprozesses stehen. Sie kann im Gegenteil ein wichtiger Schritt am Anfang gesellschaftlicher und politischer Teilhabe sein.

Wer dauerhaft hier lebt, sollte die Möglichkeit haben, sich auch rechtlich und demokratisch vollständig als Teil dieser Gesellschaft zu verstehen.
Eines der größten Hindernisse dabei bleibt Rassismus. Solange Menschen wegen ihres Namens, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens benachteiligt werden, können wir nicht von wirklicher Gleichberechtigung sprechen.

Viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte erleben derzeit eine Debatte, in der Migration häufig mit Problemen und Gefahren verbunden wird. Was macht diese politische Sprache mit dem gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Diese Sprache hat Folgen, weil sie Menschen vermittelt, dass sie nicht selbstverständlich dazugehören. Wer ständig hört, Migration sei vor allem Belastung, Gefahr oder Problem, erlebt irgendwann auch im Alltag, dass die eigene Zugehörigkeit infrage gestellt wird.

Dabei ist Deutschland längst eine Einwanderungsgesellschaft. Menschen mit Einwanderungsgeschichte tragen dieses Land in allen Bereichen mit und gehören selbstverständlich dazu.

Wenn Politik trotzdem immer wieder über sie spricht, als seien sie ein Problem, schwächt das den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir brauchen deshalb eine Sprache, die nicht trennt, sondern deutlich macht, dass Vielfalt und Einwanderung Teil unserer gesellschaftlichen Realität und eine Stärke dieses Landes sind.

Sie fordern auch in Hessen eine verlässliche Brandmauer zur AfD. Was erwarten Sie konkret von der hessischen Landespolitik und von den Parteien im Hessischen Landtag?

Wir erwarten Klarheit. Demokratische Mehrheiten sollten nicht von Stimmen der AfD abhängig gemacht werden. Gerade Hessen trägt hier eine besondere Verantwortung. Der hessische AfD-Landesverband wird vom Landesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall geführt. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat diese Einstufung im Juni dieses Jahres im Hauptsacheverfahren bestätigt.

Eine klare Abgrenzung bedeutet für uns aber ebenfalls, dass demokratische Parteien nicht versuchen sollten, die AfD sprachlich oder inhaltlich zu kopieren. Wer ihr die Themen und Begriffe überlässt oder sie übernimmt, stärkt am Ende häufig das Original. Wir erwarten deshalb von allen demokratischen Fraktionen eine eigenständige Politik auf Grundlage unserer Verfassung und der gleichen Würde aller Menschen.

Wo sehen Sie in Hessen derzeit die größten Gefahren für ein weiteres Erstarken der AfD – und wo sehen Sie Möglichkeiten, dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

Die größte Gefahr sehe ich darin, wenn Ausgrenzung und rassistische Positionen immer stärker normalisiert werden und demokratische Parteien darauf mit Anpassung reagieren. Das stärkt nicht die Demokratie, sondern verschiebt die Grenzen des Sagbaren.

Gerade in Hessen müssen wir deshalb zeigen, dass eine vielfältige Gesellschaft funktioniert und dass alle Menschen die gleichen Chancen auf Teilhabe haben. Dafür braucht es starke Kommunen, gute soziale Infrastruktur und Orte, an denen Menschen miteinander in Kontakt kommen.

Ausländerbeiräte, Vereine, Schulen und Initiativen leisten dabei einen wichtigen Beitrag. Sie schaffen Begegnung und zeigen im Alltag, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht durch Abgrenzung, sondern durch Beteiligung entsteht.

Welche Rolle können Migrantenorganisationen, Ausländerbeiräte, Vereine, Schulen und Kommunen dabei spielen, dem Rechtsruck etwas entgegenzusetzen?

Eine sehr große. Demokratie entsteht nicht nur im Bundestag oder im Hessischen Landtag. Ausländerbeiräte beispielsweise bringen Menschen in kommunale Entscheidungsprozesse, die sonst häufig zu wenig gehört werden. Sie kennen Konflikte und Probleme vor Ort und können zwischen Verwaltung, Politik und Communities vermitteln.

Schulen vermitteln demokratische Werte. Vereine schaffen Begegnung. Migrantenorganisationen erreichen Menschen, die klassische politische Institutionen teilweise nicht erreichen. Kommunen wiederum sind der Ort, an dem Menschen Demokratie jeden Tag praktisch erleben. Diese Strukturen dürfen deshalb nicht nur gelobt werden. Sie brauchen Ressourcen, Räume und echte Beteiligungsmöglichkeiten.

In Ihrer Pressemitteilung betonen Sie das Engagement vieler Menschen für ein solidarisches Zusammenleben. Wo erleben Sie dieses Engagement derzeit besonders stark – und welche Unterstützung brauchen diese Menschen?

Ich erlebe dieses Engagement überall dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. In Nachbarschaften, Vereinen, Schulen, Betrieben, Religionsgemeinden und natürlich auch in den Ausländerbeiräten. Oft sind es ganz alltägliche Begegnungen, die zeigen, dass unser Zusammenleben viel stärker ist, als manche politische Debatte vermuten lässt.

Diese Menschen brauchen vor allem Anerkennung, verlässliche Rahmenbedingungen und echte Möglichkeiten, sich einzubringen. Wer sich für Zusammenhalt, gegen Rassismus und für Teilhabe engagiert, sollte nicht das Gefühl haben, gegen den Strom arbeiten zu müssen. Politik muss dieses Engagement unterstützen und deutlich machen, dass eine vielfältige Gesellschaft gewollt ist und zu diesem Land gehört.

Was wünschen Sie sich von den demokratischen Parteien: mehr klare Abgrenzung, eine andere politische Sprache oder vor allem konkrete Verbesserungen im Alltag der Menschen?

Ich wünsche mir vor allem, dass die demokratischen Parteien wieder stärker aus eigener Überzeugung heraus handeln. Sie dürfen sich nicht daran orientieren, welche Begriffe oder Forderungen die AfD setzt, sondern müssen selbst deutlich machen, wofür sie stehen. 

Dazu gehört eine klare Abgrenzung gegenüber rechtsextremen Positionen, aber auch eine Sprache, die Menschen nicht gegeneinander ausspielt. Wer versucht, die AfD durch Anpassung zu schwächen, macht ihre Sichtweisen am Ende nur gesellschaftsfähiger.

Demokratische Parteien müssen deshalb Haltung zeigen, Vertrauen schaffen und deutlich machen, dass Menschenwürde, Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht verhandelbar sind.

Und zum Schluss: Was möchten Sie den Menschen mit Einwanderungsgeschichte sagen, die angesichts des politischen Rechtsrucks Angst um ihre Zukunft in Deutschland haben?

Ich möchte ihnen sagen, dass Angst nicht dazu führen darf, sich zurückzuziehen. Gerade jetzt ist es wichtig, sichtbar zu bleiben, sich einzumischen und die eigenen Rechte selbstbewusst wahrzunehmen.

Dieses Land gehört allen, die hier leben. Rechtsextreme Kräfte dürfen nicht darüber bestimmen, wer sich als Teil unserer Gesellschaft fühlen darf und wer nicht.

Das Interview führte Kemal Bölge

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Gastbeitrag
Die „Andonian-Dokumente“ und der Einfluss der Kriegspropaganda

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Die Verfechter der armenischen Genozidthese und ihre Unterstützer versuchen seit Jahrzehnten mit allen Mitteln die Öffentlichkeit von einem Genozid an den Armeniern zu überzeugen. In einigen Landesparlamenten waren sie damit erfolgreich, aber der Grund dafür besteht nicht etwa in der Entdeckung von neuen Archivdokumenten oder dergleichen, sondern in einer guten Lobbyarbeit der armenischen Diaspora.

Die von der Historikerin Tessa Hofmann in ihrem Gasteitrag im Tagesspiegel  vorgetragene Behauptung die „Andonian-Dokumente“ seien echt und damit wäre eine Vernichtungsabsicht bewiesen, entbehrt jeglicher Grundlage.

Bereits in den 90er Jahren hatten Historiker wie Klaus Kreiser, Andrew Mango, Michael M. Gunter oder Erick Zürcher auf die gefälschten Telegramme in den Andonian-Dokumenten hingewiesen.

Kalenderrechnung und Datierungsfehler

Die im Artikel erwähnten beiden Wissenschaftler Şinasi Orel und Süreyya Yuca fanden in den von Aram Andonian 1919 veröffentlichten Papers neben zahlreichen Unstimmigkeiten vor allem die falsche Datierung der Dokumente als entscheidend. Hofmann und Taner Akçam gehen auf diese Details, die ich Anhand von zwei Beispielen erläutern werde, mit keinem Wort ein.

 Ich will es für Laien mit einfachen Worten erklären. Im Gegensatz des in Europa verwendeten gregorianischen Kalenders, wurde im Osmanischen Reich (Ämter, Behörden etc.) zum damaligen Zeitpunkt der Rumi-Kalender verwendet.

Der osmanische Rumi-Kalender weist gegenüber dem gregorianischen Kalender einen Unterschied von 584 Jahren und 13 Tagen auf. Wer beispielsweise vom osmanischen Kalender auf den gregorianischen Kalender umrechnet, muss die Differenz hinzuaddieren. Es gibt aber noch einen weiteren Faktor, der unbedingt beachtet werden muss.

Der Jahresanfang beim Rumi-Kalender beginnt nicht wie beim gregorianischen Kalender am 01. Januar, sondern am 01. März. Die letzten zwei Monate des Jahres sind beim osmanischen Kalender nicht der November und Dezember, sondern der Januar und Februar.

Es sei hier noch erwähnt, dass die Differenz von 13 Tagen 1917 durch ein Gesetz abgeschafft wurde und der Jahresanfang vom 01. März auf den 01. Januar vorverlegt wurde. In einem Dokument, das Andonian veröffentlichte, findet sich das osmanische Rumi-Kalenderdatum 18. Februar 1331.

Wenn man dies in den gregorianischen Kalender umrechnet, 1916 war ein Schaltjahr, der 02. März 1916. Das wäre aber neun Monate nach dem Umsiedlungsbeschluss der osmanischen Regierung. Es handelt sich um ein vermeintliches Telegramm von Bahattin Şakir Bey, den dieser von Istanbul nach Adana übermittelt haben soll, nur befand er sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Istanbul, sondern in der osttürkischen Stadt Erzurum.

Ungereimtheiten bei Unterschriften und Siegeln

Beim zweiten Beispiel handelt es sich um das Dokument Nummer 502 aus den erwähnten „Andonian Papers“. Der ehemalige Gouverneur von Aleppo, Mustafa Abdülhalik Bey, soll ein amtliches Dokument an den damaligen Innenminister Talat Pascha unterschrieben und versendet haben. Datiert ist es auf den 3. September 1331, also nach dem gregorianischen Kalender der 16. September 1915.

Das Problem dabei: Mustafa Abdülhalik Bey wurde erst am 10. Oktober 1915 zum Gouverneur von Aleppo ernannt und trat am 14. Oktober sein Amt an. Folglich kann er dieses amtliche Dokument am 16. September 1915 gar nicht unterschrieben und versendet haben.

Neben dieser Unstimmigkeit ist auch die Unterschrift von Mustafa Abdülhalik Bey eine Fälschung. Ferner fehlt in dem Schreiben auch das offizielle Siegel des Osmanischen Reiches und das Besmele Zeichen. Die gesamte Publikation der „Andonian Papers“ ist durchsetzt mit Fehlern und Unstimmigkeiten und ließe sich fortführen.

Ferner behaupten Hofmann und Akçam, dass die beiden türkischen Wissenschaftler Orel und Yuca in ihrer Arbeit die Existenz des osmanischen Beamten Naim Bey bestreiten, also gar nicht existiert habe. Das ist nicht richtig, weil Orel und Yuca in ihrem Buch von drei Möglichkeiten zur Person von Naim Bey ausgehen:

a) Bei Naim Bey handelt es sich um eine fiktive Person

b) Naim Bey ist ein fingierter Name bzw. ein Pseudonym

c) Naim Bey ist eine real existierende Person

Anders ausgedrückt gehen Orel und Yuca davon aus, dass es unter den vorhandenen Informationen nicht möglich ist, zu einem abschließenden Urteil zu kommen.

Die Mechanik der Kriegspropaganda

Während des Ersten Weltkriegs wurde in Ländern wie Großbritannien, Deutschland, Frankreich und anderen Staaten Kriegspropaganda betrieben. Das Ziel von Kriegspropaganda ist vielfältig, denn die Medien spielen darin eine große Rolle, auch wenn es mit unseren heutigen Maßstäben nicht vergleichbar ist.

Zum besseren Verständnis: Frankreich, Großbritannien und später die Vereinigten Staaten waren Kriegsgegner Deutschlands während des Ersten Weltkriegs. So wurde in diesen Staaten durch die betriebene Propaganda eine regelrechte antideutsche Stimmung erzeugt. In Großbritannien wurde im Wellington House ein „War Propaganda Bureau“ eingerichtet, aber die Existenz eines solchen Büros wurde geheim gehalten.

So gab es immer wieder Berichte über deutsche Gräueltaten in Belgien. Es soll hier aber nicht der Eindruck erweckt werden, dass deutsche Truppen keine Massaker begangen haben. Das Massaker von Dinant/Belgien sei hier als Beispiel genannt. Vielmehr geht es um die Instrumentalisierung für die Kriegspropaganda, denn die Presse, Populärliteratur, Postkarten, aber auch Karikaturen bedienten das Bild des „deutschen Barbaren“, der sich an unschuldigen Frauen vergreift. Der gerade erwähnte Fall von Propaganda ließe sich fortführen, allerdings sollte das kurz als Erklärung angerissen werden.

Historische Aufarbeitung und die Rolle der Verlage

In der Geschichtswissenschaft ist das Thema der Kriegspropaganda während des Ersten Weltkriegs gegenüber Deutschland weitgehend aufgearbeitet und derartige Publikationen werden nicht als seriöse Quellen herangezogen.

Das lässt sich in Bezug auf das Osmanische Reich leider nicht sagen, denn das britische „War Propaganda Bureau“ ließ massenweise Publikationen über angebliche türkische Massaker an Armeniern veröffentlichen. Hier einige Titel, die eindeutig als Kriegspropaganda einzustufen sind. Von Arnold J. Toynbee (1915) Armenian atrocities: the murder of a nation, Viscount Bryce (1916) The treatment of Armenians in the Ottoman Empire. Es handelt sich um die berühmte Propagandaschrift „Blue Book“.

Das Deutsche Reich war mit Österreich-Ungarn, Bulgarien und dem Osmanischen Reich verbündet. Also Großbritannien war Kriegsgegner des Osmanischen Reiches und die Armenier bzw. die armenischen Milizen wurden unter anderem von Großbritannien, Frankreich und Russland unterstützt. Das dritte Buch ist von A.P. Jacowbean und James Bryce (1917) Armenia and the War.

Alle diese Bücher erschienen damals beim gleichen Verlag: Hodder and Stoughton, der noch heute existiert. Wie bereits erwähnt, publizierte Aram Andonian 1919 seine „Andonian Papers“, aber relevant dabei ist, in welchem Verlagshaus er das tat: Bei Hodder and Stoughton.

Der Verlag, der damals Kriegspropagandaschriften im Auftrag des britischen Kriegspropagandabüros veröffentlichte. Die Bücher, die ich genannt habe, werden noch heute als seriöse Quellen seitens der armenischen Diaspora und ihrer akademischen Unterstützer aufgelistet.

Man muss sich das kurz vergegenwärtigen. Kriegspropagandapublikationen, die während des Ersten Weltkriegs über die Kriegsgegner erschienen sind, das Beispiel Deutschland habe ich erwähnt, sind weitgehend aufgearbeitet, aber beim Osmanischen Reich ist das nicht der Fall und es wird noch immer so getan, als ob es sich bei diesen Schriften um Faktenerzählungen handelt, obwohl der propagandistische Zweck offensichtlich war und ist.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei.


 

Warnung vor Rechtsruck
Pantisano attackiert Bundesregierung: Linken-Chef sieht Merz-Politik gescheitert

Berlin – Der Co-Bundesvorsitzende der Partei Die Linke, Luigi Pantisano, hat die Sozialpolitik von Bundeskanzler Friedrich Merz und der CDU scharf kritisiert. In einem Exklusivinterview mit dem Sender TRT Deutsch erklärte der Politiker, die Bürgerinnen und Bürger hätten genug von Sozialkürzungen.

Zugleich warnte er die Christdemokraten vor einer inhaltlichen Entkernung und der Übernahme rechtsextremer Positionen.

Wie Pantisano gegenüber TRT Deutsch betonte, seien die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen eine deutliche Absage an die „Sozialraub-Agenda“ des Kanzlers. Die Menschen litten unter massiven Sozialkürzungen sowie einer verschärften Lebenssituation durch steigende Mieten, Heizkosten und Lebensmittelpreise.

Die Bundesregierung tut nach Auffassung des Linken-Chefs nichts gegen diese Entwicklung, sondern verschärfe die Lage durch ihre Sparpolitik zusätzlich.

Kritik an Äußerungen von Kanzler Merz

Pantisano kritisierte in dem Interview auch das persönliche Auftreten des Bundeskanzlers. Merz habe fleißige Menschen herabgewürdigt und junge Männer mit Migrationsgeschichte wiederholt beleidigt. Dies sei einer der Gründe, weshalb er der unbeliebteste Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik sei.

Um den Alltag der Menschen konkret zu erleichtern, setze Die Linke auf direkte Unterstützung vor Ort. Pantisano verwies auf die Haustürwahlkämpfe seiner Partei sowie auf digitale Werkzeuge wie eine Mieten-App, Heizkostenchecks und mehrsprachige Sozialsprechstunden.

Vielfalt in der eigenen Partei als Vorbild

Auf die Frage nach dem Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt erklärte Pantisano, Parteien müssten den Menschen zuhören und dort präsent sein, wo Menschen mit Migrationsgeschichte lebten. Die Linke setze Diversität auch in den eigenen Reihen konsequent um. Als Beispiele nannte er die Berliner Spitzenkandidatin Elif Eralp, den direkt gewählten Abgeordneten Mustafa Groener in Sachsen-Anhalt sowie seine eigenen italienischen Wurzeln.

Warnung vor inhaltlicher Entkernung der CDU

Mit Blick auf die Zukunft der CDU äußerte Pantisano die Ansicht, dass sich die Partei weit von der Bevölkerung entfernt habe und den Titel einer Volkspartei nur noch aus Gewohnheit trage.

Die eigentliche Gefahr liege jedoch in ihrer inhaltlichen Entkernung. Eine funktionierende Demokratie sei auf demokratische Parteien angewiesen. Die CDU dürfe sich nicht selbst überflüssig machen, indem sie Narrative von Rechtsextremen übernehme. Die Christdemokraten müssten sich nun entscheiden, ob sie eine reine Klientelpartei für Besserverdienende sein oder zu ihrem Anspruch auf sozialen Ausgleich zurückkehren wollten.

 


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USA
US-Senat blockiert Bericht über Tod von neun Amerikanern im Westjordanland

Washington – Der US-Senat hat einen Bericht über die Tötung von neun amerikanischen Staatsbürgern im Westjordanland blockiert. Eine entsprechende Resolution des demokratischen Senators Chris Van Hollen scheiterte am Dienstag mit 47 zu 51 Stimmen. Sie hätte das US-Außenministerium verpflichtet, innerhalb von 30 Tagen einen Bericht über die Fälle und die Menschenrechtslage im Westjordanland vorzulegen.

Die Resolution bezog sich auf neun US-Bürger, die seit Januar 2022 im Westjordanland durch israelische Siedler oder israelische Sicherheitskräfte getötet wurden. Genannt werden unter anderem Omar Assad, die Journalistin Shireen Abu Akleh, Tawfic Abdel Jabbar, Mohammad Khdour, Aysenur Ezgi Eygi und Sayfollah Kamel Musallet.

Bericht sollte Tötungen und Menschenrechtslage untersuchen

Nach dem vorgelegten Text sollte das Außenministerium Informationen über mögliche Ermittlungen zu den Tötungen zusammentragen und bewerten. Außerdem sollte der Bericht die Menschenrechtslage im Westjordanland untersuchen, darunter auch die Behandlung und Inhaftierung palästinensischer Kinder.

Van Hollen und weitere Senatoren hatten die Resolution damit begründet, dass die Tötungen amerikanischer Staatsbürger bislang keine ausreichende Aufklärung und Verantwortlichkeit nach sich gezogen hätten. Bereits im August hatten mehr als 40 Senatoren, darunter fast der gesamte demokratische Senatsflügel, die israelische Regierung aufgefordert, die Fälle zu untersuchen und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Resolution hätte zunächst keine unmittelbare Kürzung von US-Hilfen für Israel bedeutet. Sie stützte sich auf Abschnitt 502B des Foreign Assistance Act und zielte zunächst auf einen Bericht des Außenministeriums.

Nur Rand Paul stimmte bei Republikanern dafür

Die Abstimmung verlief weitgehend entlang der Parteigrenzen. 47 Senatoren stimmten für die Resolution, 51 dagegen. Unter den Republikanern stimmte lediglich Rand Paul dafür. Auf demokratischer Seite war John Fetterman der einzige Senator, der gegen die Resolution stimmte.

Damit scheiterte bereits der Verfahrensantrag, der die Resolution aus dem zuständigen Ausschuss hätte herausbringen können. Der Senat verabschiedete also nicht über den Inhalt des geforderten Berichts, sondern verhinderte dessen weiteres parlamentarisches Verfahren.

Der US-amerikanische Kommentator Cenk Uygur reagierte auf die Abstimmung mit scharfen Worten. Auf X schrieb er:

Jeder Republikaner außer Rand Paul stimmte dafür, eine Untersuchung der von Israel getöteten neun Amerikaner zu blockieren. Fetterman schloss sich ihnen an. Das ist nicht normal. Dass US-Politiker amerikanische Bürger verraten und keine Rechenschaft für deren Ermordung verlangen, ist verrückt. Sie verraten uns jedes Mal für Israel.“

Die Abstimmung erfolgte vor dem Hintergrund der zunehmenden Gewalt im Westjordanland und der anhaltenden politischen Auseinandersetzungen in Washington über das Verhältnis der USA zu Israel. Reuters berichtete, dass Republikaner die Resolution als politisch motiviert kritisierten, während ihre Unterstützer sie als Instrument für Transparenz und Aufklärung über die Tötungen amerikanischer Staatsbürger darstellten.

 


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„Free Palestine“-Tour
Macklemores „Free Palestine“-Konzerte bereits ausverkauft

London – Der US-amerikanische Rapper Macklemore setzt nach den Auseinandersetzungen um seine pro-palästinensischen Äußerungen ein deutliches Zeichen: Seine spontan angekündigte „Free Palestine Tour“ durch europäische Großstädte war in kürzester Zeit vollständig ausverkauft. Die Erlöse der Auftritte fließen direkt in humanitäre Hilfsprojekte für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen.

Wie der Musiker auf seinen Social-Media-Kanälen mitteilte, waren die Tickets für die Shows in Dublin (3Arena), Paris (Accor Arena) und London (OVO Arena Wembley) Ende Oktober blitzartig vergriffen. Macklemore zeigte sich überwältigt von der enormen Nachfrage und erklärte, die Resonanz beweise, dass Kunst immer auch eine Form des Widerstands bleibe.

Konzerte als Reaktion auf Tour-Ausschluss durch Stadionbetreiber

Die Reihe von Benefit-Konzerten ist eine direkte Reaktion auf jüngste Ereignisse im Rahmen der Nordamerika-Tournee des britischen Sängers Ed Sheeran. Macklemore war von den verbleibenden Auftritten der Tournee ausgeschlossen worden, nachdem er während eines Konzerts im US-Bundesstaat New Jersey pro-palästinensische Parolen auf der Bühne gerufen und ein Ende des Krieges gefordert hatte.

Maßgebliche Treiber des Ausschlusses waren Robert Kraft – Besitzer des Gillette Stadiums und der New England Patriots – sowie weitere Führungskräfte von Veranstaltungsorten, die den Schritt mit der Verantwortung gegenüber dem Publikum und den Partnern begründeten.

Macklemore reagierte mit einer ausführlichen Stellungnahme auf Instagram, verurteilte die humanitäre Lage in Gaza und betonte zugleich, dass die persönliche Freundschaft zu Ed Sheeran trotz der Entscheidung der Veranstalter unberührt fortbestehe. Anstatt sich zurückzuziehen, organisierte der Rapper in Eigenregie die dreitägige Europa-Tournee unter dem Motto „Macklemore & Friends“.

Prominente Unterstützung und Hilfe für Gaza

Neben dem schnellen Ticketverkauf erfährt der Musiker auch in der Öffentlichkeit breiten Zuspruch. Unter anderem stellte sich der siebenfache Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton hinter den Rapper und kommentierte dessen Stellungnahme auf Instagram solidarisch. Auch weitere prominente Persönlichkeiten wie Klimaaktivistin Greta Thunberg, die britische Sängerin Paloma Faith und die irische Rap-Gruppe Kneecap sprachen dem Musiker ihre Unterstützung aus.

Sämtliche Einnahmen aus den Ticketverkäufen fließen laut Angaben des Künstlers direkt an humanitäre Organisationen vor Ort. Unterstützt werden unter anderem die Gaza Soup Kitchen, Medical Aid for Palestinians sowie das Palestine Children’s Relief Fund.

Macklemore nutzt seit Monaten regelmäßig seine globale Reichweite, um auf die Lage im Nahen Osten aufmerksam zu machen. Bereits mit seinen Titeln „Hind’s Hall“ und „Hind’s Hall 2“ verarbeitete er die Geschehnisse und kündigte an, seine Stimme auch künftig für humanitäre Anliegen einzusetzen.

 


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Israel-Kritik
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London – In einem aufsehenerregenden Interview mit dem US-Musikmagazin Rolling Stone hat U2-Frontmann Bono den rechtsextremen israelischen Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, scharf angegriffen und dessen Entgleisungen mit der Rhetorik des Nazi-Funktionärs Heinrich Himmler verglichen. Der irische Sänger äußerte sich im Vorfeld des für den 13. November angekündigten neuen U2-Albums.

Bono, mit bürgerlichem Namen Paul David Hewson, betonte im Gespräch, dass die neue Platte der Band in der „wahrscheinlich turbulentesten Zeit, die wir je erlebt haben“, entstanden sei. Dies beziehe sich auf die weltpolitische Lage. Unter anderem verarbeite der Song „The Tears of Things“ die jahrtausendealte Geschichte, die zur aktuellen Eskalation im Gazastreifen geführt habe.

Scharfe Kritik an Ben-Gvirs Äußerungen

Der Rockstar verurteilte zwar erneut den Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel nachdrücklich, zeigte sich gleichzeitig jedoch schockiert über Äußerungen aus den Reihen der israelischen Regierung.

Insbesondere die Aussagen von Polizeiminister Ben-Gvir über die Bevölkerung in Gaza – wonach es dort Menschen gebe, die „nicht das Recht haben zu leben“ oder „nicht einmal menschlich seien“ – stießen beim Sänger auf Entsetzen.

Bono verglich diese Rhetorik direkt mit Äußerungen von Heinrich Himmler, dem Reichsführer der SS und einem der Hauptverantwortlichen für die Planung und Durchführung des Holocausts im Nationalsozialismus.

Gleichzeitig kritisierte der U2-Sänger die politische Rolle von Premierminister Benjamin Netanjahu scharf: Ein Minister, der solche Aussagen tätige, gehöre nicht in ein Regierungsamt. Netanjahu duldete Ben-Gvir jedoch nur, um seine eigene parlamentarische Mehrheit in der Koalition zu sichern.

Zweistaatenlösung und Nakba-Anerkennung gefordert

Bono stellte klar, dass er das Existenzrecht Israels weiterhin unterstütze, aber ebenso an der Seite der Palästinenser und ihres Rechts auf einen eigenen Staat stehe. Er gehe davon aus, dass die Rechtsfragen bezüglich der Handlungen Israels im Gazastreifen letztlich vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) und dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) geklärt werden.

Zudem forderte der Sänger Zugeständnisse, um das historische Unrecht der Nakba – der Massenvertreibung von Palästinensern im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948 – aufzuarbeiten. Die Gerechtigkeit liege schließlich im Herzen des Judentums selbst, betonte Bono im Interview.

Umstrittener Hardliner: Die Kritik an Ben-Gvir

tamar Ben-Gvir gilt bei nationalen wie internationalen Beobachtern, Menschenrechtsorganisationen und politischen Analysten als eine der umstrittensten Figuren der israelischen Politik. Kritiker werfen dem Minister für nationale Sicherheit wiederholt Rechtsextremismus, Rassismus und gezielte Provokation vor.

Bevor er sein Ministeramt antrat, wurde Ben-Gvir mehrfach wegen rassistischer Hetze gegen Araber und der Unterstützung einer jüdischen Terrororganisation juristisch verurteilt; über Jahre hinweg hing in seinem Wohnzimmer ein Porträt von Baruch Goldstein, dem Attentäter des Massakers in der Höhle der Patriarchen.

Internationale Diplomaten sowie israelische Oppositionsmitglieder beschuldigen ihn regelmäßig, durch seine Rhetorik und Handlungen – etwa demonstrative Besuche auf dem Tempelberg oder Aufrufe zur Aushöhlung von Schutzrechten palästinensischer Zivilisten – Spannungen im Nahen Osten systematisch anzuheizen und die Rechtsstaatlichkeit zu untergraben.

 


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Kurdenpolitik und Hamas: Netanjahu plant Klage gegen Erdoğan

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Tel-Aviv – Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat Berichten zufolge ein behördenübergreifendes Juristenteam angewiesen, eine Klage gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vorzubereiten.

Ein Schritt, der die ohnehin angespannten Beziehungen beider Staaten weiter verschärft. Wie der israelische Nachrichtensender i24NEWS unter Berufung auf Insider berichtet, soll der geplante Antrag beim Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag eingereicht werden.

Die juristische Offensive konzentriert sich demnach primär auf das Vorgehen der türkischen Regierung gegen die kurdische Minderheit sowie auf die finanzielle und logistische Unterstützung der Palästinenserorganisation Hamas durch Ankara.

Diplomatische Eskalation nach UN-Vollversammlung

Dem Vorstoß ging eine scharfe rhetorische Eskalation auf internationaler Bühne voraus. Im Rahmen der UN-Vollversammlung hatte Netanjahu den türkischen Staatschef öffentlich als „Tyrannen“ bezeichnet.

Die türkische Führung reagierte umgehend und verwies darauf, dass die Türkei einen Antrag bei Interpol auf eine internationale Festnahmeausschreibung („Red Notice“) gegen Netanjahu gestellt habe. Beobachter werten die israelischen Pläne vorrangig als diplomatisches Druckmittel und politische Abschreckung.Es gilt als unwahrscheinlich, dass der Antrag unverzüglich in Den Haag hinterlegt wird.

Hohe juristische Hürden in Den Haag

Ein mögliches Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof steht vor erheblichen rechtlichen Hindernissen: Weder Israel noch die Türkei sind Vertragsstaaten des Römer Statuts.

Beide Nationen erkennen die Gerichtsbarkeit des ICC nicht vollumfänglich an, weshalb die Zuständigkeit des Gerichts in diesem Fall hochgradig umstritten ist. Zudem birgt die Initiative eine geopolitische Brisanz: Gegen Netanjahu selbst hat der ICC wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Gazastreifen bereits einen Haftbefehl erlassen. 

 


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Rekord: Mamdani lässt zehntausende Bäume pflanzen

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New York – Unter Bürgermeister Zohran Mamdani wurden in der US-Metropole New York im abgelaufenen Haushaltsjahr 2026 so viele Bäume gepflanzt wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr.

Die städtische Parkbehörde NYC Parks setzte insgesamt 18.261 neue Bäume im gesamten Stadtgebiet. Dies entspricht dem höchsten Wert innerhalb eines einzelnen Fiskaljahres seit 2016 und markiert einen bedeutenden Meilenstein für die grüne Infrastruktur der Zehn-Millionen-Stadt.

Ein zentraler Schwerpunkt der Maßnahme lag auf der gezielten Verteilung der Bepflanzungen: Der Großteil der jungen Bäume wurde in Stadtteilen eingesetzt, die im Sommer am stärksten unter extremer Hitze und dem sogenannten „Urban Heat Island“-Effekt leiden.

Durch das zusätzliche Blätterdach sollen dicht bebaute Wohnquartiere spürbar abgekühlt und die Luftqualität nachhaltig verbessert werden. Zudem tragen die Wurzelstrukturen dazu bei, Regenwasser effizienter aufzunehmen und das Risiko von Sturzfluten bei Starkregenereignissen zu mindern.

Um dieses Volumen zu bewältigen, hat NYC Parks die operative Logistik grundlegend umgestellt. Die Pflanzsaison wurde zeitlich nach vorne verlegt, sodass Tausende Exemplare bereits in den Herbst- und Wintermonaten gesetzt werden konnten. Durch verstärktes Bewässern und Mulchen im Sommer gelang es den Teams, die Ausfallquote trotz hoher Temperaturen gering zu halten.

Die Umweltinitiative ist Teil des langfristigen Urban Forest Plan, der darauf abzielt, die Baumkronenabdeckung New Yorks bis zum Jahr 2040 auf mindestens 30 Prozent zu steigern.

Die positive Bilanz stößt auch international auf Interesse und liefert wertvolle Impulse für europäische Kommunen. Während konservative und wirtschaftsnahe Kritiker vor Mamdanis Amtsantritt regelmäßig vor einer angeblich ineffizienten oder rein ideologisch getriebenen Verwaltung warnten, setzt die Stadt nun auf messbare und alltäglich sichtbare Ergebnisse im öffentlichen Raum.

Vom „Kommunisten“ zum Vorbild für Berlin

Diese Meldung fällt in eine Phase in der Mamdanis Politik auch außerhalb New Yorks genau beobachtet wird. In Berlin ist gerade Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken, nach dem Wahlerfolg ihrer Partei in den Mittelpunkt der politischen Debatte gerückt.

Eralp hatte Mamdani bereits nach dessen Wahlsieg als Vorbild für Berlin bezeichnet. Eine Delegation der Berliner Linken war nach New York gereist, um sich mit seiner Kampagne und deren Strategien auseinanderzusetzen. Auch Eralp stand im Austausch mit Mamdanis Kampagnenteam. Deutsche Medien bezeichnete sie nach der Berliner Wahl als „Spree-Mamdani“.

Eralp hatte bereits im vergangenen Jahr erklärt, wenn ein Linker in New York gewinnen könne, könne dies auch in Berlin gelingen. Themen wie bezahlbares Wohnen und die Entlastung bei den Lebenshaltungskosten verbindet sie ausdrücklich mit dem politischen Ansatz Mamdanis.

Damit wird New York auch für die aktuelle politische Debatte in Deutschland zum Vergleichsfall: Während Kritiker sowohl Mamdani als auch die Berliner Linke vor den Folgen ihrer Politik warnen, verweist Mamdanis Verwaltung auf konkrete Maßnahmen.

 


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