Es war an einem Frühlingstag, als ich mit der S-Bahn von der Arbeit nach Hause fuhr. An diesem späten Nachmittag waren viele unterwegs: Pendler, Studenten und Familien. Ich schaute die ganze Zeit aus dem Fenster, denn an diesem Tag bot der Stadtwald ein einzigartiges Panorama.
Am Südbahnhof stiegen viele Fahrgäste aus. An der nächsten Haltestelle, dem Lokalbahnhof, musste ich aussteigen. Kaum war ich aus der S-Bahn ausgestiegen, bemerkte ich, dass ich meine Jacke im Zug vergessen hatte. Als ich mich hastig umdrehte, gingen die Türen der S-Bahn auch schon zu. Ich ärgerte mich maßlos, dass ich meine Jacke im Zug vergessen hatte.
Das Problem war nicht die Jacke, sondern der Fahrzeugschein, den ich in die Jackentasche gesteckt hatte. Während ich zum nächsten Supermarkt lief, um einzukaufen, rief ich beim Service der Deutschen Bahn an. Nach einigen Minuten meldete sich eine freundliche Stimme, die wissen wollte, was denn der Grund meines Anrufs sei.
Sehr aufgeregt erklärte ich der Service-Mitarbeiterin am Telefon, um welche Linie es sich bei der S-Bahn gehandelt hatte, wann ich an der Haltestelle angekommen war und in welchem Waggon ich gesessen hatte. Als das Gespräch beendet war, hatte ich die Hoffnung aufgegeben, jemals meine Jacke wiederzusehen, geschweige denn den Fahrzeugschein meines Autos.
Im Supermarkt angekommen, kaufte ich einige Sachen ein und verließ ihn nach etwa 10 Minuten. Ich lief zur Straßenbahnhaltestelle und schaute auf die Anzeigentafel. Die Tram sollte in 7 Minuten eintreffen. Tatsächlich kam die Straßenbahn pünktlich. Ich setzte mich auf einen freien Platz, bis ich eine E-Mail der Deutschen Bahn in meinem E-Mail-Postfach bemerkte.
Darin stand, die Jacke sei von einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn im Waggon gefunden worden. Die Jackenfarbe stimmte mit meinen Angaben überein, und auch ein Fahrzeugschein befinde sich in der rechten Jackentasche. Ich könne meine Jacke in den nächsten Tagen im Fundbüro der Deutschen Bahn am Frankfurter Hauptbahnhof abholen. In diesem Augenblick fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen.
Am nächsten Tag fuhr ich zum Fundbüro, um meine verlorene Jacke abzuholen. Ich musste eine kleine Gebühr für die Aufbewahrung entrichten und erhielt meine Jacke ausgehändigt. Als Erstes musste ich herausfinden, ob sich der Fahrzeugschein noch in der rechten Jackentasche befand. Siehe da, ich hielt den Fahrzeugschein in meinen Händen. Ich hielt meine Jacke ganz fest in der Hand und bedankte mich beim Mitarbeiter der Deutschen Bahn für den guten Service.
Als Mammad Amin Rasulzade und andere Gründerväter am 28. Mai 1918 die Gründung der Ersten Aserbaidschanischen Republik verkündeten, gab es in diesen Gegenden bereits seit langem deutsche Siedlungen. Steinhäuser, Weingärten und die Türme lutherischer Kirchen prägten das Landschaftsbild. Wie gelangten die Auswanderer aus Württemberg an den Fuß des Kaukasus und welche Rolle spielten sie in der Geschichte der Region?
Das Jahr ohne Sommer
Die napoleonischen Kriege hinterließen Europa, insbesondere Württemberg, in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Im Jahr 1816, dem „Jahr ohne Sommer“, fiel die Ernte aus, und es kam zu einer Hungersnot. Am schwersten hatten es die Pietisten, tiefgläubige Protestanten, die mit der offiziellen Kirche nicht zurechtkamen und auf das baldige Ende der Welt warteten. Viele von ihnen beschlossen, ihr Heil im Osten zu suchen, näher am Ararat (türkisch Ağrı Dağı, heute in der Türkei) und an den heiligen Stätten Jerusalems. Sie wandten sich an Kaiser Alexander I. mit der Bitte, die Auswanderung ins Russische Reich zu genehmigen, und bald darauf setzte sie ein.
Der Weg in den Kaukasus
Der Weg der zukünftigen Siedler war lang und schwer. In zwei Zügen sogenannter Auswanderungsharmonien ging es auf Lastkähnen die Donau hinunter, dann folgte die Überwinterung in Bessarabien und bei Odessa. In den Jahren 1817 und 1818 erreichten sie Tiflis.
Für viele Siedler war dies die erste Station in Südkaukasien; von dort aus erfolgte die Gründung von „Mutterkolonien“. Neben Neu-Tiflis als Handwerkerkolonie entstanden die Siedlungen Marienfeld, Alexandersdorf, Elisabethtal, Neu-Katharinenfeld im heutigen Georgien und weiter im Osten Annenfeld, Katharinenfeld (aufgegeben) und Helenendorf im heutigen Aserbaidschan.
Russland, das die Umsiedlung genehmigt hatte, verfolgte damit eigene Interessen. Im Frieden von Gülistan (1813), der den ersten Russisch-Persischen Krieg (1804–1813) beendete, fiel ein Teil Südkaukasiens, in dem zuvor zahlreiche kleine Khanate bestanden hatten, an Russland.
Industrie gab es in der Region kaum, die Verkehrsinfrastruktur war schwach, und die Wirtschaft stützte sich hauptsächlich auf Ackerbau und Viehzucht. Die Behörden mussten ihre Position in den neuen Gebieten festigen, und dabei sollten ihnen unter anderem auch die deutschen Siedler helfen, denen Land, Steuererleichterungen für einen bestimmten Zeitraum, Befreiung vom Wehrdienst und das Recht auf Selbstverwaltung versprochen wurden. Für die Kolonisten war dies eine Chance, ein neues Leben zu beginnen, und für das Reich eine Möglichkeit, sich in den kürzlich annektierten Gebieten zu etablieren.
Helenendorf und andere Kolonien
Zu Ostern 1819 gründeten 127 Familien Helenendorf. Während die 84 Annenfelder Familien mehrfach den Siedlungsort wechseln mussten, zogen die ursprünglich 135 Familien der Katharinenfelder schon bald aufgrund hoher Sterblichkeit in die Gegend südwestlich von Tiflis (heute Bolnisi).
Später entstanden im heutigen Aserbaidschan die Tochterkolonien Georgsfeld, Grünfeld, Traubenfeld, Eigenfeld, Alexejewka und Elisawetinka. In Todan siedelten sich Schweizerdeutsche an, und in weiteren Orten insbesondere des Gouvernements Elisawetpol (heute Gändschä) lebten deutsche Nachfahren der Kolonisten.
Das neue Land empfing sie nicht gerade freundlich. Hitze, Malaria und ungewohntes Essen führten in den ersten Jahren zu einer hohen Sterblichkeit, ganze Familien kamen ums Leben. Zudem blieb die Region unruhig. Im Jahr 1826 brach der zweite Russisch-Persische Krieg (1826–1828) aus, und die Kolonien standen fast an der Frontlinie. Zum Schutz der Siedler mussten Kosaken hinzugezogen werden.
Trotz dieser Schwierigkeiten überlebten die meisten Familien. Die Menschen arbeiteten, bauten Häuser und erschlossen den ihnen unbekannten Boden. Sie tauschten Erfahrungen mit der lokalen Bevölkerung aus – mit Aserbaidschanern, Armeniern und Georgiern. Für diese Region war eine solche gemischte Nachbarschaft nichts Ungewöhnliches.
(Archivfoto: Privat)
Wein und Öl
Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Helenendorf zu einem wohlhabenden Dorf geworden. Die Kolonisten setzten ihre Erfahrungen im Weinbau und in der Weinherstellung ein, und die natürlichen Bedingungen erwiesen sich dafür als hervorragend. Wein und Cognac aus den deutschen Kolonien wurden im gesamten Reich bekannt. Eine besondere Rolle spielten die Familien Hummel und Vohrer.
Ihre Handelshäuser, die in den 1860er Jahren entstanden, unterhielten Niederlassungen von Baku und Tiflis bis Moskau und Sankt Petersburg. Über diese Kolonisten und Unternehmer berichtet u. a. das Buch „Öl und Wein am Kaukasus“ (2001) der Historikerin und Professorin Eva-Maria Auch, die sich seit rund 40 Jahren mit der Geschichte der Region beschäftigt.
Auch die Region selbst veränderte sich. Mitte des 19. Jahrhunderts begann auf der Halbinsel Abscheron die industrielle Ölförderung, und es kam zu einem Ölboom. Dies wirkte sich auf das Leben und die Wirtschaft des Gouvernements Elisawetpol aus. Die Deutschen beteiligten sich am Bau von Eisenbahnstrecken und arbeiteten in Bergbauunternehmen. Besonders sichtbar war die Spur der Firma Siemens durch den Telegraphenbau und die Elektrifizierung der Region.
Die Gebrüder Siemens eröffneten als Familienunternehmen in Kedabek eines der größten Kupferbergwerke des Russischen Reiches samt Kupferhütte und setzten die damals modernsten Technologien ein. So entstand auch eine erste Pipeline mit nahtlosen Mannesmannröhren zum Transport von flüssigem Brennstoff. Zugleich entwickelten sich die Kolonien weiter.
Es wurden Häuser, Schulen und Kirchen gebaut, unter anderem in Helenendorf, Annenfeld und Georgsfeld. Diese Bauten prägten das unverwechselbare Erscheinungsbild der Siedlungen, die heute zum kulturellen Erbe Aserbaidschans gehören. In einer Region, in der Kirchen verschiedener Konfessionen, Synagogen und Moscheen nebeneinanderstanden, fügten sich die lutherischen Kirchen ganz natürlich ins Gesamtbild ein.
Evangelisch-lutherische St. Johanniskirche in Helenendorf (Heute Göygöl);
Krieg, Revolution und die Erste Republik
Die Schüsse von Sarajevo im Sommer 1914 veränderten die Geschichte Europas und damit auch das Leben der Deutschen in Russland. Auch in Südkaukasien traf dies die Siedler hart.
Hatten sie bis dahin als vorbildliche Untertanen gegolten, so sah man in ihnen nun potenzielle Feinde. Misstrauen und Druck seitens der Behörden sowie Gesetze gegen den deutschen Landbesitz waren ein schwerer Schlag für Menschen, die hier fast hundert Jahre lang gelebt hatten.
Dann kamen die beiden russischen Revolutionen von 1917, auf die der Bürgerkrieg folgte. In Südkaukasien herrschten Chaos und ein Machtvakuum. Doch bereits im Frühjahr 1918 wurden drei unabhängige Republiken ausgerufen – Georgien, Armenien und Aserbaidschan.
Die Gründerväter der Republik Aserbaidschan orientierten sich an fortschrittlichen europäischen politischen Vorbildern und bauten einen modernen, demokratischen Staat auf. Das Parlament wurde zum Zentrum des staatlichen Lebens, und allen Einwohnern wurden Bürgerrechte unabhängig von ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit zugesichert
. Im Parlament waren verschiedene Parteien, Volksgruppen und Konfessionen vertreten. Die deutsche Minderheit wurde durch Lorenz Kuhn aus Helenendorf repräsentiert. Darin zeigt sich, dass es der jungen Republik nicht nur um staatliche Unabhängigkeit ging, sondern auch darum, nationale Minderheiten in das politische Leben einzubeziehen.
Die Sowjetjahre und die Deportation
Doch die Erste Republik bestand nur knapp zwei Jahre. Im April 1920 wurde sie von Sowjetrussland besetzt, und bis 1922 war ganz Südkaukasien sowjetisiert und Teil der neu gegründeten UdSSR geworden.
Die deutschen Kolonisten mussten sich, wie viele andere Völker auch, erneut anpassen. Die Selbstverwaltung der Kolonien wurde aufgehoben, große Betriebe wurden verstaatlicht, und das religiöse Leben geriet unter starken Druck.
In den Jahren der Neuen Ökonomischen Politik (1921–1928) erlebte die Gemeinschaft dennoch einen kurzen Aufschwung. Die bereits im Juni 1920 als „Produktionsverbund der Arbeiterwinzer“ gegründete Weinbaugenossenschaft „Konkordia“ der deutschen Siedlungen, in die auch die früheren Familiengroßbetriebe eingingen, unterhielt ein Handelsnetz in der ganzen Sowjetunion. Kollektivierung und neue Repressionen beendeten diese Phase ab Ende der 1920er Jahre.
Die 1930er Jahre wurden zu einer weiteren Bewährungsprobe. Stalins Repressionen gingen auch an den Siedlern nicht spurlos vorüber. Zu den Verhafteten und Verurteilten gehörte Lorenz Kuhn, der 1942 in Uchta starb, weit entfernt von seinem Heimatort Helenendorf.
Das Jahr 1941 wurde zum endgültigen Wendepunkt. Nach dem Angriff des nationalsozialistischen Deutschlands auf die UdSSR wurde die deutsche Herkunft zum Anlass für kollektiven Verdacht und kollektive Verfolgung. Im Oktober 1941 ordneten die sowjetischen Behörden die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den südkaukasischen Republiken an.
Ein Bleiberecht hatten lediglich Frauen, die mit Männern anderer Nationalität verheiratet waren. Von der Deportation waren in Aserbaidschan rund 23.560 Menschen betroffen. Sie wurden über das Kaspische Meer nach Zentralasien und insbesondere nach Kasachstan zwangsumgesiedelt. Die mehr als 120 Jahre währende Geschichte der deutschen Kolonisten in Südkaukasien wurde damit innerhalb weniger Tage gewaltsam beendet.
Die Bedingungen in der Verbannung waren sehr hart. Männer und Frauen wurden in die Arbeitsarmee eingezogen, Kinder über drei Jahre blieben oftmals ohne Eltern zurück. Selbst nach der Aufhebung des Sondersiedlungsregimes ab 1956 und einer Teilrehabilitierung 1964 war eine Rückkehr an die früheren Wohnorte unmöglich.
Das formelle Rückkehrverbot für die sowjetischen Deutschen wurde erst 1972 aufgehoben, doch da war das Gemeinschaftsleben in den Kolonien längst zerstört. In ihren Häusern wohnten andere Menschen, ihr Besitz war verloren, vieles gehörte der Vergangenheit an. Auch Perestrojka und Glasnost in den 1980er Jahren änderten daran wenig; zu einer massenhaften Rückkehr in die ehemaligen Siedlungen kam es nicht. Dieses Kapitel war für sie abgeschlossen.
Spätestens nach dem Zusammenbruch der UdSSR wanderten viele Nachkommen nach Deutschland aus, wo sie sich bessere Lebensbedingungen und Perspektiven erhofften. Dort wurden sie als Russlanddeutsche bezeichnet – eine Sammelbezeichnung für die Nachkommen verschiedener deutscher Gruppen, die im Russischen Reich und in der UdSSR gelebt hatten. Unter ihnen befanden sich auch Familien, deren Vorfahren einst in Helenendorf, Annenfeld, Traubenfeld und anderen deutschen Kolonien in Aserbaidschan gelebt hatten.
Deutsche Spuren heute
Auch wenn unter der Sowjetherrschaft offiziell über die Zeit des Terrors geschwiegen wurde und der Konflikt um Berg-Karabach mit Flüchtlingen und Zwangsvertriebenen völlig neue Probleme in die früheren deutschen Siedlungen brachte, lebte das deutsche Erbe weiter. Die frühere Lehrerin Valentina Oranskaja und Viktor Klein galten als „lebendes Gedächtnis“ der deutschen Gemeinde von Helenendorf. Mit ihrem Tod endete die gelebte Geschichte an ihrem ursprünglichen Ort. Seitdem ist es zutreffender, von deutschen Spuren zu sprechen.
Zwar sind die Namen Helenendorf, Annenfeld, Georgsfeld, Grünfeld und Traubenfeld längst von den Landkarten verschwunden – die Orte wurden mehrfach umbenannt: Helenendorf heißt heute Göygöl, Annenfeld gehört zu Schämkir, Traubenfeld zu Tovuz –, doch in diesem nordwestlichen Teil Aserbaidschans stehen noch immer die Häuser der Kolonisten, und Friedhöfe sowie Produktionsstätten mit riesigen Weinkellern und Fässern sind erhalten geblieben.
Auch wenn die Friedhöfe und die Grabsteine mit ihren bemerkenswerten Inschriften ständiger Pflege bedürfen und Gebäude oder Kellerräume restauriert werden müssen – was sowohl Geld als auch Engagement erfordert – wurde bereits viel erreicht. Umfangreiche Forschungsarbeiten liegen vor, zahlreiche Projekte – wie die Restaurierung der Kirche von Göygöl mit Hilfe der GIZ und des Vereins EuroKaukAsia e. V. – wurden realisiert.
Im Jahr 2016 beging Aserbaidschan offiziell das 200-jährige Jubiläum der deutschen Siedlungen in Südkaukasien, und 2017 wurde es in das Programm der Gedenkdaten der UNESCO aufgenommen. Das gemeinsame Erbe bleibt für alle Seiten eine Herausforderung: Es bedarf dauerhafter Pflege und einer gemeinsamen Erinnerungskultur.
Die Frage des Gedenkens
Die Geschichte der Deutschen in Aserbaidschan ist nicht nur die Geschichte des Weinbaus, der lutherischen Kirchen oder der Industrie. In erster Linie geht es um die Geschichte der Menschen, die mehr als 120 Jahre lang auf diesem Boden gelebt haben. Sie bauten Häuser, gründeten Unternehmen und beteiligten sich aktiv am Leben Aserbaidschans. Ihre Gemeinschaft wurde durch die grausame und ungerechte Deportation von 1941 zerstört, doch ihr materielles Erbe hat sie überdauert und ist bis heute sichtbar.
Häuser, Friedhöfe und Weinkeller in Göygöl, Schämkir und anderen kleinen Ortschaften erinnern daran, dass sich die Geschichte Aserbaidschans nicht nur aus den Schicksalen eines einzigen Volkes zusammensetzt. Zu ihr gehören auch jene, die von weit her kamen, hier mehrere Generationen lang lebten und zu einem untrennbaren Teil der Geschichte des Landes wurden.
Dieses Erbe zu bewahren bedeutet nicht nur, an die deutschen Siedler zu erinnern. Es geht um den Umgang mit der eigenen Geschichte. Manchmal reicht es schon aus, ein altes Gebäude zu restaurieren, eine Inschrift auf einem Grabstein zu erhalten oder einen historischen Namen wiederherzustellen, damit die Vergangenheit nicht mehr fern und fremd erscheint.
Zum Autor
Toghrul Hasanzade ist politischer Analyst und freier Autor mit Schwerpunkten in der europäischen Außenpolitik, internationalen Beziehungen und dem postsowjetischen Raum. Er hat Europäische Studien an der Europa-Universität Viadrina studiert und war Stipendiat des Internationalen Parlaments-Stipendiums des Deutschen Bundestages. Seine Texte erscheinen regelmäßig in aserbaidschanischen Medien. Zudem tritt er als Experte für europäische Politik in Fernsehsendungen auf.
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Berlin – Eine neue Studie der Freien Universität Berlin zeichnet ein besorgniserregendes Bild: Die Berichterstattung über den Nahostkonflikt setzt deutsche Journalisten massiv unter Druck — von außen wie von innen. Die Ergebnisse liefern erstmals belastbare quantitative Daten zu einem Problemfeld, das bislang nur qualitativ untersucht worden war.
Das Forschungsteam um Prof. Dr. Carola Richter, Dr. Jannis Julien Grimm und Nina Moya Schreieder befragte im Mai und Juni 2026 rund 180 Journalisten, die für deutsche Medien über die Nahost-Region berichten. Von fast 600 systematisch ausgewählten Medienschaffenden nahmen knapp 30 Prozent an der anonymen Online-Befragung teil. „Offensichtlich gab es ein großes Bedürfnis bei mit dem Thema befassten Journalist:innen, sich zu äußern“, sagt Studienleiterin Prof. Dr. Carola Richter.
Zwei Drittel: Pressefreiheit hat sich verschlechtert
Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sich die Pressefreiheit in der Nahostberichterstattung seit dem 7. Oktober 2023 verschlechtert habe. Fast drei Viertel nehmen eine gestiegene Bedrohungslage wahr — und 71 Prozent haben eigene Bedrohungserfahrungen gemacht. Das sind keine abstrakten Zahlen: Hinter jedem Prozentpunkt stehen Journalisten, die Shitstorms erlebt haben, berufliche Konsequenzen fürchteten oder konkrete Drohungen erhielten.
35 Prozent berichten von einem Bedürfnis zur Selbstzensur, weitere 19 Prozent antworteten mit „teils/teils“. Besonders betroffen sind freie Journalisten (52 Prozent) und Medienschaffende mit Migrationsgeschichte (47 Prozent) — also genau jene Gruppen, die ohnehin am wenigsten institutionellen Schutz genießen.
Druck kommt auch aus den Redaktionen
Nicht nur externe Anfeindungen spielen eine Rolle. Die Studie beschreibt auch ein „stellenweise toxisches Diskursklima“ innerhalb von Redaktionen — zwischen Kollegen mit unterschiedlicher politischer Linie und durch Hierarchien, die Themenvorschläge blockieren oder Formulierungen monatelang in Aushandlungsprozessen festhalten.
Reporter ohne Grenzen hatte in einem früheren Bericht ebenfalls festgestellt, dass Aussagen palästinensischer Quellen und Menschenrechtsorganisationen grundsätzlich stärker hinterfragt wurden als die des israelischen Militärs.
Als Gründe für Selbstzensur nennen die Befragten Sorge vor öffentlichen Anfeindungen und Missverständnissen — vor allem aber erwartete berufliche Nachteile. „Dieses Fehlen innerer Pressefreiheit halten wir für bedenklich“, so Carola Richter.
Forderung nach Schutz und klaren Strukturen
Die Forscher empfehlen, dass redaktionelle Entscheidungen fachlich begründet und intern nachvollziehbar sein müssen. „Journalist:innen müssen Entscheidungen hinterfragen können, ohne berufliche Nachteile befürchten zu müssen. Externe Interventionen sollten intern dokumentiert werden, damit ihre mögliche Wirkung auf redaktionelle Entscheidungen erkennbar bleibt“, betont Dr. Jannis Grimm.
Besonders für freie Journalisten und Medienschaffende mit Migrationsgeschichte fordern die Autoren Zugang zu vertraulichen Anlaufstellen sowie rechtlicher und psychosozialer Unterstützung — Strukturen, die im deutschen Mediensystem bislang kaum existieren.
Die Studie erschien im Oktober 2026 als Arbeitspapier des CeMIL (Center for Media and Information Literacy) der Freien Universität Berlin und kann über die Universitätsbibliothek abgerufen werden.
Ich wurde zuletzt mehrfach gefragt, warum ich nicht mehr bei der Berliner Zeitung bin. Schaut euch die jüngste Wochenendausgabe an: Glorifizierung Israels als Titelstory inklusive eines unkritischen Interviews mit Iddo Netanjahu. Das dürfte als Antwort reichen. https://t.co/8LWQ7UkfGU
Sterilisation ist in vielen Bereichen längst nicht mehr nur ein Thema für große Kliniken. Ob Zahnarztpraxis, ambulantes OP-Zentrum, Podologie, Dermatologie oder Tattoo- und Piercingstudio: Überall, wo Instrumente wiederverwendet werden, entscheidet ein dokumentierter Sterilisationsprozess über Patientensicherheit, Vertrauen und rechtliche Absicherung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Hygienevorschriften, Nachweisführung und reproduzierbare Ergebnisse.
Was Klasse B in der Praxis leistet
Die Aussage Ein kleiner Autoklav reicht, Hauptsache heiß greift zu kurz. Autoklaven unterscheiden sich je nach Klasse darin, welche Beladungen sicher sterilisiert werden können. Klasse-B-Autoklaven arbeiten mit fraktioniertem Vorvakuum. So kann Dampf auch in komplexe Geometrien eindringen, zum Beispiel bei Hohlkörperinstrumenten oder bei verpackten Sets.
Ein typisches Beispiel aus dem Alltag: In einer Zahnarztpraxis werden Hand- und Winkelstücke sowie Instrumentenkassetten häufig verpackt gelagert, damit sie bis zum nächsten Termin steril bleiben. Wenn die Dampfpenetration nicht zuverlässig ist, entstehen Wiederholungszyklen, Zeitverlust und im schlimmsten Fall Unsicherheit bei der Freigabe.
Die richtige Gerätegröße entscheidet über den Workflow
Klasse B wird oft mit groß und kompliziert gleichgesetzt. Moderne Geräte gibt es jedoch in unterschiedlichen Kammervolumina, von kompakten Lösungen bis zu Varianten, die mehrere Tabletts pro Zyklus aufnehmen. Für die Auswahl sind weniger Quadratmeter im Aufbereitungsraum entscheidend als konkrete Fragen:
Wie viele Instrumentensets fallen pro Tag an?
Müssen Instrumente verpackt gelagert werden?
Wie wichtig sind kurze Zykluszeiten für die Terminplanung?
Welche Schnittstellen werden für die Dokumentation benötigt?
Wer diese Punkte klärt, kann Kapazität, Taktung und Personalaufwand besser aufeinander abstimmen.
Dokumentation und Validierung als Sicherheitsnetz
Protokolle sind kein Thema nur für große Einrichtungen. Nachvollziehbare Aufzeichnungen sind Teil des Qualitätsmanagements und helfen, Standards einzuhalten. Viele Autoklaven bieten dafür Protokolldrucker oder digitale Speicherung per USB oder SD. Ergänzend sind Validierung und Routinekontrollen wichtig, um die Wirksamkeit des Sterilisationsprozesses nachweisbar zu machen.
Vorreinigung, Wasserqualität und Zubehör
Sterilisation ist nur so gut wie die Schritte davor. In der Praxis hat sich eine Prozesskette etabliert: Reinigung, Desinfektion, Trocknung, Verpackung, Sterilisation, Lagerung. Ultraschallreinigung kann Rückstände aus schwer zugänglichen Bereichen lösen. Auch die Wasserqualität spielt eine Rolle, weil sie Ablagerungen reduzieren und die Lebensdauer von Komponenten positiv beeinflussen kann.
Neben technischen Daten zählen im Alltag Lieferzeit, Garantie und Support. Ebenso wichtig ist, ob Zubehör und Verbrauchsmaterialien wie Filter oder Sterilisationsrollen kurzfristig verfügbar sind. Eine kompakte Orientierung zu Klasse-B-Autoklaven, Ultraschallreinigern und passendem Praxiszubehör bietet b-autoklav.de.
Detroit – Der demokratische Senatskandidat Abdul El-Sayed aus Michigan hat US-Präsident Donald Trump in einem Podcast als „Idioten“ bezeichnet. Auch Vizepräsident JD Vance und Verteidigungsminister Pete Hegseth kritisierte er scharf. El-Sayed könnte der erste muslimische Senator in der Geschichte der USA werden. Die Aussagen fallen wenige Tage nach einem Auftritt Trumps in Michigan, bei dem dieser ihn einen „Dschihadisten“ genannt hatte.
El-Sayed sprach am Mittwoch im Podcast des Komikers Hasan Minhaj. Amerika werde „aktiv von den dümmsten Leuten im Raum gemobbt“, sagte er. Seine längste Attacke galt Trump. „Donald Trump ist ein Idiot“, so El-Sayed zu Minhaj. „Was immer man von ihm hält, er hat ein Genie: das Genie, Aufmerksamkeit zu bekommen, weil, wissen Sie, sein Vater ihm nie genug gegeben hat.“
Trump habe als „Nepo-Baby“ Ressourcen gehabt und schnell gemerkt, dass er nach Aufmerksamkeit verlange. Dann habe er die Mobbing-Taktiken eingesetzt, die er heute anwende. „Aber der Mann ist ein Idiot. Ich meine, wenn es darauf ankommt, einfach ein Narr.“
Vance und Hegseth
Über Vance sagte El-Sayed, der Vizepräsident sei klug, aber das mache dessen Unterwürfigkeit gegenüber Trump nur problematischer. „JD Vance ist ein kluger Mensch, aber er hat keine echte Seele und kein echtes Charisma. Sein Ding ist, sich beim Stärksten im Raum einzuschmeicheln, um dessen Wünsche zu erfüllen.“
Hegseth zählte er zu den „kleinen Mobber-Narren“ um Trump. Das Land werde von einer „ganzen Clique der Dümmsten oder der Feigsten“ geführt, so El-Sayed.
„Wenn man einmal einem Mobber die Stirn geboten hat“
Die Amerikaner hätten laut El-Sayed die Verantwortung, sich Einschüchterung zu widersetzen, statt es mächtigen Amtsträgern zu überlassen, ihr Verhalten zu bestimmen. „Wenn man schon einmal einem Mobber die Stirn geboten hat, weiß man, dass sie sehr zerbrechlich sind“, sagte er. Sobald man die unmittelbare Schikane und die Angst überwunden habe, die sie auslösten, schwinde ihre Macht.
Er wolle niemanden mobben, sagte El-Sayed. „Aber wenn du herumläufst, Leute mobbst und ihnen dadurch Schaden zufügst, tauche ich auf und tue genau das, was du allen anderen antust.“
Trumps Auftritt in Port Huron
Auslöser war ein Wahlkampfauftritt Trumps am Sonntag in Port Huron. Trump nannte El-Sayed dort einen „Dschihadisten“ und sagte, er sei „der einzige Senator, der durch einen Metalldetektor gehen müsste, bevor er in den Senat darf“. Trump sagte auch: „Ich bin hier, um ein Mitglied der Muslimbruderschaft daran zu hindern, US-Senator zu werden.“ Al Jazeera schreibt, es gebe keine Belege dafür, dass El-Sayed je Mitglied der Muslimbruderschaft oder einer ausländischen Organisation war.
Gewinnt El-Sayed am 3. November, wäre er der erste muslimische Senator der US-Geschichte. Trump versucht, ihn als Extremisten darzustellen, und berief sich dabei laut South China Morning Post auch auf den 11. September.
Der Streit um den Namen
Trump nannte El-Sayed wiederholt „Mohammed“. Als man ihm sagte, der Vorname sei Abdul, antwortete er: „Für mich ist es Mohammed.“ Er könne ihn nennen, „wie zum Teufel ich will“. El-Sayed entgegnete, Trump „weiß, dass mein Name Abdul ist“. Der Angriff gelte nicht nur ihm: „Er greift uns alle an.“
Bei einem eigenen Auftritt in Michigan sagte El-Sayed am Sonntag: „Ich verstehe, dass der Präsident an meinem Vornamen persönlich Anstoß nimmt. Er scheint nur Probleme zu haben, ihn auszusprechen, wenn es mein Name ist.“ Es störe Trump offenbar weniger, „wenn es die Katarer sind, die ihm einen privaten Jet im Wert von 400 Millionen Dollar schenken“, und auch nicht, „wenn es die Saudis sind, die das Private-Equity-Geschäft seines Schwiegersohns finanzieren“. Auf Trumps Metalldetektor-Bemerkung sagte er laut mehreren Medien: „Ich werde Senator Mohammed für dich sein, Bro.“
El-Sayed spielt damit auf den Jet an, den Katar Trump 2025 schenkte und der inzwischen als Air Force One dient. Sein Wert wird auf mehr als 400 Millionen Dollar beziffert. Mit den Saudis meint er die zwei Milliarden Dollar, die Jared Kushners Beteiligungsfirma Affinity Partners von einem Fonds unter Leitung des saudischen Kronprinzen erhielt.
Das Rennen um den Senatssitz
El-Sayed ist Arzt und früherer Gesundheitsbeamter. Er bewirbt sich um den frei werdenden Senatssitz des Demokraten Gary Peters. Sein Gegner ist der Republikaner Mike Rogers, ein früherer Abgeordneter, der bei Trumps Auftritt auf der Bühne stand. Gewählt wird am 3. November. Das Rennen gilt als eines von etwa sieben offenen Senatsrennen. Laut einer im Oktober zitierten Umfrage der Marketing Resource Group sehen nur 35 Prozent der Wähler in Michigan Trump positiv.
⛔️ Abdul El-Sayed: „Donald Trump is an idiot“‼️
▪️ Michigan’s Democratic Senate candidate went off on Trump in a new interview on the podcast „Hasan Minhaj Doesn’t Know,“ released today
▪️ „We are being actively bullied by the dumbest people in the room. Donald Trump is an idiot… he has one genius, which is the genius of getting attention“
▪️ He says Trump craves attention „because his dad never gave him enough“ and because „he was a nepo baby“
▪️ He called JD Vance „a smart person“ with „no actual soul,“ and described Pete Hegseth as one of the „mini-fool bullies“ around Trump
▪️ His message to voters: „If you ever stood up to a bully, you realize that they’re very fragile… when you hit them back, they back off“
▪️ This comes days after Trump used a Michigan rally to call El-Sayed a „jihadist“ and push baseless claims that he wants „Sharia law.“ El-Sayed called them „deflections and deceptions based on no evidence“
▪️ He’s in a tight race with Republican Mike Rogers, one that could decide control of the Senate. Election Day is Tuesday, Nov 3
Is El-Sayed right to hit back at Trump this hard?
A) Yes
B) No
**Sources:**
– [Hasan Minhaj Doesn’t Know: „Who is Scared of Abdul El-Sayed?“ (Apple Podcasts)](https://t.co/dSieGwnugR)
– [Episode page and links (Plink)](https://t.co/oY7MEhVWZG)
– [Al Jazeera: El-Sayed responds to Trump’s anti-Muslim attacks](https://t.co/o64EXeEDy8)
– [The Ebro, Laura, Rosenberg Show transcript (Oct 8)](https://t.co/L34zN5K72I)
– [Original clip via @MarcoFoster_]() https://t.co/0URgE3Y9Xv
— Dr.Sam Youssef Ph.D.,Ph.D.,DPT. (@drhossamsamy65) October 28, 2026
Der europäische Anleihemarkt hat sich grundlegend verändert. Nach der langen Niedrigzinsphase im Anschluss an die globale Finanzkrise sind die Renditen europäischer Staatsanleihen seit 2022 deutlich gestiegen. Aus unserer Sicht bewegen sie sich damit wieder auf einem Niveau, das stärker den wirtschaftlichen Wachstums- und Inflationserwartungen entspricht.
Im Vergleich zum vergangenen Jahrzehnt erscheinen die heutigen Renditen hoch, langfristig betrachtet sind sie jedoch keineswegs ungewöhnlich. Für Anleger ist vor allem die höhere Ausgangsrendite entscheidend: Europäische Staatsanleihen bieten inzwischen wieder attraktive laufende Erträge, die einen gewissen Puffer gegenüber moderat steigenden Renditen schaffen. Sollte sich das Wachstum abschwächen oder sollten sich die geldpolitischen Erwartungen verändern, besteht darüber hinaus Potenzial für Kursgewinne.
EZB: Begrenzter Spielraum für weitere Zinserhöhungen
Für die kommenden Monate sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. An erster Stelle steht die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Inflations- und Energierisiken erfordern weiterhin Vorsicht, und weitere Leitzinserhöhungen bleiben möglich. Allerdings sehen wir nur begrenzten Spielraum für einen länger anhaltenden Straffungszyklus, da höhere Renditen und restriktivere Finanzierungsbedingungen die Wirtschaft zunehmend belasten.
Unsere konstruktive Einschätzung europäischer Staatsanleihen setzt keine unmittelbar bevorstehenden Zinssenkungen voraus: Auch ein weniger restriktiver geldpolitischer Kurs, als die Märkte derzeit erwarten, könnte die Anleiherenditen positiv beeinflussen.
Die europäische Wirtschaft hat sich bislang als widerstandsfähig erwiesen, auch wenn die Wachstumsdynamik inzwischen nachlässt. Zugleich beginnen sich die Auswirkungen der geldpolitischen Straffung zunehmend bemerkbar zu machen. Dies begrenzt aus unserer Sicht den Spielraum für einen lang anhaltenden Zinserhöhungszyklus.
Hinzu kommen die Fiskalpolitik und das Angebot an Staatsanleihen. Deutschland erhöht seine Emissionen zur Finanzierung von Investitionen und Verteidigungsausgaben, während Frankreich einen höheren fiskalischen Risikoaufschlag aufweist. Italien hat sich dagegen bislang widerstandsfähiger gezeigt. Diese Unterschiede schaffen Möglichkeiten für ein aktives Management, insbesondere bei der relativen Bewertung einzelner Staatsanleihemärkte.
Europäische Staatsanleihen: Größeres Potenzial am langen Ende
In diesem Umfeld bietet Duration nicht nur die Möglichkeit, laufende Erträge zu vereinnahmen, sondern auch Potenzial für Kursgewinne. Insbesondere längere Laufzeiten können bei schwächerem Wachstum, sinkender Risikobereitschaft oder einem weniger restriktiven geldpolitischen Kurs profitieren und zur Diversifikation beitragen. Steigen dagegen Inflations- und Fiskalrisiken gleichzeitig, ist dieser Diversifikationseffekt weniger zuverlässig.
Vor diesem Hintergrund beurteilen wir europäische Staatsanleihen und insbesondere längere Laufzeiten inzwischen konstruktiver. Wir bevorzugen eine taktische Long-Duration-Positionierung, behalten dabei jedoch die Flexibilität, auf veränderte Wirtschaftsdaten und Marktbedingungen zu reagieren.
Neben der Duration selbst spielt die Positionierung entlang der Zinskurve eine wichtige Rolle. Einzelne Laufzeitsegmente bieten derzeit attraktive laufende Erträge und Roll-down-Potenzial. Selektive Positionierungen auf eine Versteilerung oder Verflachung der Zinskurve ermöglichen es, Ertragschancen zu nutzen, ohne das Durationsrisiko entsprechend stark erhöhen zu müssen. Dies ist gerade angesichts der hohen Volatilität und der Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs von Bedeutung.
Italien bietet Chancen, Frankreich erfordert Vorsicht
Auch die Länderauswahl gewinnt wieder an Bedeutung. In Frankreich haben sich durch die Ausweitung der Risikoaufschläge zwar attraktivere Bewertungen ergeben. Angesichts der anhaltenden politischen und fiskalischen Unsicherheiten bleiben wir jedoch vorsichtig. Eine ausgeprägte direktionale Positionierung erscheint uns unter diesen Bedingungen derzeit schwierig.
In Italien sehen wir dagegen attraktive Möglichkeiten. Die Binnennachfrage hat die Wirtschaft gestützt, und das zusätzliche Staatsanleiheangebot wurde vom Markt gut aufgenommen. Besonders am langen Ende der BTP-Zinskurve erscheinen die laufenden Erträge interessant. Gleichzeitig gilt es, Konzentrationsrisiken zu begrenzen, da Italien möglichen Ansteckungseffekten aus Frankreich ausgesetzt bleibt.
Insgesamt bevorzugen wir eine taktische Long-Duration-Positionierung, kombiniert mit unterschiedlichen Zinskurvenpositionierungen, einer selektiven Länderauswahl und Relative-Value-Ansätzen zu kombinieren. Auch Spread-Strategien und inflationsindexierte Anleihen können dazu beitragen, die Ertragsquellen zu diversifizieren und die Abhängigkeit von einzelnen Risikofaktoren zu reduzieren.
Laufende Erträge und Kurspotenzial
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie anspruchsvoll das Umfeld für Anleiheinvestoren sein kann. Energieschocks, veränderte Erwartungen an die EZB, fiskalpolitische Entwicklungen und steigende globale Renditen haben die Märkte wiederholt belastet. Auch künftig bleibt der US-Treasury-Markt ein wesentlicher externer Risikofaktor.
Wir sehen inzwischen überzeugendere Argumente für europäische Staatsanleihen – sowohl als Quelle laufender Erträge als auch wegen ihres Potenzials für Kursgewinne. Die höheren Ausgangsrenditen und die zunehmenden Auswirkungen restriktiver Finanzierungsbedingungen stützen unsere konstruktivere Haltung gegenüber Duration.
Der Weg dürfte jedoch nicht geradlinig verlaufen. Energiepreise, fiskalpolitische Entwicklungen, das Angebot an Staatsanleihen und die Renditen von US-Treasuries bleiben wichtige Risikofaktoren. Sie erfordern ein aktives Management und eine sorgfältige Bemessung der Positionen, sprechen aber nicht grundsätzlich gegen längere Duration. Wir bevorzugen deshalb eine taktische Long-Duration-Positionierung in Verbindung mit einer selektiven Länderauswahl, Zinskurvenstrategien und Relative-Value-Chancen.
Silvio Vergallo, Head of Euro Government and Inflation Linked Bonds bei Eurizon
Singapur – Die Energiewende steckt seit Jahren in einem klassischen Dilemma: Während Solarparks und Windkraftanlagen im Eiltempo ausgebaut werden, hinkt die Speichertechnologie hinterher. Klassische Lithium-Ionen-Akkus sind zwar leistungsstark, basieren jedoch auf endlichen Rohstoffen wie Kobalt und Lithium, bergen erhebliche Brandrisiken und hinterlassen einen verheerenden ökologischen Fußabdruck.
Nun schickt sich ein tiefgreifender Durchbruch aus der Materialforschung an, dieses Fundament komplett zu erschüttern: Kompostierbare, biegsame und absolut brandsichere Papier-Akkus haben den Sprung aus dem Labor in die kommerzielle Produktion geschafft. Hinter der Innovation steht das Deep-Tech-Unternehmen Flint Labs.
Nach Jahren der Grundlagenforschung gelang es den Ingenieuren, eine völlig neuartige, wasserbasierte und wiederaufladbare Akkugeneration zu entwickeln, deren strukturelles Rückgrat aus biologischen Zellulosefasern besteht. Was auf den ersten Blick wie eine radikale Spielerei klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als industrieller Meilenstein, der globale Elektronikkonzerne und Batteriehersteller gleichermaßen unter Zugzwang setzt.
Das Prinzip: Natur trifft auf Hochleistung
Der Kern des Konzepts liegt in der Nachahmung biologischer Prozesse. Während herkömmliche Batterien auf starre Metallgehäuse, flüssige und oft giftige Elektrolyte sowie komplexe thermische Managementsysteme angewiesen sind, nutzen die neuen Papier-Zellen pflanzliche Zellulose.
Diese natürlichen Fasern dienen als flexible Matrix, die Ionen extrem effizient transportieren und speichern kann – ähnlich wie es Nährstoffe in Pflanzen tun. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die wiederaufladbaren Zellen liefern stabile 4,2 Volt und stehen damit leistungsmäßig konventionellen Lithium-Ionen- oder Alkali-Mangan-Batterien in nichts nach.
Gleichzeitig arbeiten sie in einem thermischen Bereich, der doppelt so breit ist wie bei Standard-Akkus, und zeigen sich selbst unter extremen Umweltbedingungen völlig unbeeindruckt. Das Ende der Brandgefahr und des Elektroschrott-BergsEiner der gravierendsten Nachteile herkömmlicher Energiespeicher ist ihre inhärente Instabilität.
Werden Lithium-Akkus beschädigt, überhitzt oder feucht, drohen Kurzschlüsse, unkontrollierbare Brände (Thermal Runaway) oder die Freisetzung giftiger Dämpfe. Der Papier-Akku bricht mit diesem Dogma. Da die Technologie auf ungiftige, wasserbasierte Inhaltsstoffe setzt und komplett auf entflammbare organische Lösungsmittel oder PFAS („Ewigkeitschemikalien“) verzichtet, führt selbst eine mechanische Beschädigung oder das Eindringen von Wasser zu keinerlei Sicherheitsrisiken.
Geraten die Zellen in Kontakt mit Feuchtigkeit oder werden sie stark beschädigt, entladen sie sich kontrolliert, ohne zu funken oder zu explodieren. Hinzu kommt der ökologische Aspekt am Ende des Lebenszyklus. Herkömmlicher Elektroschrott ist weltweit zu einem der am schnellsten wachsenden Umweltprobleme geworden.
Die neuen Zellulose-Akkus sind so konzipiert, dass sie nach der Entnahme unbedenklicher Komponenten in industriellen Anlagen vollständig kompostierbar sind. Sie hinterlassen keine giftigen Rückstände im Ökosystem und kehren quasi in den natürlichen Kreislauf zurück.
Kommerzielle Skalierung und globale Partner
Der Übergang von der wissenschaftlichen Theorie zur industriellen Realität vollzog sich rasant. Nach ersten Vorstellungen auf internationalen Innovationsmessen hat das produzierende Gewerbe reagiert: Mittlerweile läuft die Serienfertigung hochskaliert an, und namhafte Technologiegiganten wie Amazon oder Logitech binden die neuen Akku-Formate (darunter klassische Bauformen wie AA und AAA) im Rahmen von Enterprise-Projekten in ihre Lieferketten ein.
Besonders attraktiv macht die Technologie die Kostenstruktur. Da die verwendeten Rohstoffe im Vergleich zu kritischen Minenmetallen wie Kobalt nahezu unbegrenzt und ohne geopolitische Abhängigkeiten verfügbar sind, liegen die Produktionskosten – gemessen an der Kilowattstunde – deutlich unter denen klassischer Akkutechnologien.
Experten schätzen, dass durch Skalierungseffekte in den kommenden Jahren ein Preisniveau erreicht werden kann, das die traditionelle Konkurrenz massiv unterbietet.
Ausblick: Vom Smartphone bis zur Medizintechnik
Die Anwendungsbereiche für die biegsamen Energiespeicher sind nahezu unerschöpflich. Neben dem Consumer-Markt – wie Fernbedienungen, Tastaturen, Taschenlampen und tragbaren Gadgets (Wearables) – drängt die Technologie vor allem in sensible Bereiche vor.
Dazu gehört die Medizintechnik, wo auslaufsichere und körperverträgliche Stromquellen für Implantate oder Einweg-Diagnosegeräte gesucht werden, sowie die Raumfahrt und das Internet der Dinge (IoT), wo Sensoren oft jahrelang in unzugänglichen Regionen wartungsfrei arbeiten müssen.
Mit diesem Schritt wandelt sich das Konzept der Energiespeicherung grundlegend: Weg von schwerem, umweltschädlichem Sondermüll, hin zu einer leichten, sicheren und kreislauffähigen Technologie, die zeigt, dass Fortschritt und Umweltschutz Hand in Hand gehen können.
Tel Aviv – Die Knesset-Wahl in Israel hat nach ersten Exit-Polls und einer historisch hohen Wahlbeteiligung kein eindeutiges Ergebnis geliefert.Weder Premierminister Benjamin Netanjahu noch sein Hauptherausforderer Gadi Eisenkot haben einen klaren Weg zur Regierungsbildung.
Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission lag die Wahlbeteiligung um 20:00 Uhr bei beachtlichen 74,3 Prozent (gegenüber 70,63 Prozent im Jahr 2022) – dem höchsten Wert seit Jahrzehnten für diese Uhrzeit.Ein Antrag des Likud-Lagers, die Wahlzeiten angesichts des großen Andrangs zu verlängern, wurde von der Wahlkommission mit Verweis auf den ordnungsgemäßen Verlauf weitgehend abgelehnt.
Block-Patt und ungewisser Ausgang
Ersten Prognosen zufolge verfehlen sowohl das Lager um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch der von Gadi Eisenkot angeführte Block eine klare Mehrheit der 120 Knesset-Sitze. Während das Oppositionslager in den Umfragen leicht vorne liegt, wird im Umfeld von Netanjahu Berichten zufolge bereits erwogen, unabhängig von der Gesamtgröße des Blocks den Regierungsauftrag einzufordern, sofern der Likud stärkste Einzelpartei bleibt.
Die Entscheidung liegt am Ende bei Staatspräsident Isaac Herzog, der nach Vorliegen der offiziellen Ergebnisse Gespräche mit den Parteien führen wird.Angesichts der fragmentierten politischen Landschaft zeichnet sich einmal mehr eine zähe Phase der Koalitionsbildung ab.
BREAKING: No clear winner in Israel’s election – first exit polls
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Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, 120 Sitze in der Knesset und eine entscheidende Personalfrage: Bleibt Benjamin Netanjahu am Ruder oder übernimmt sein Herausforderer? Wer bekommt den Chefsessel – und wer darf künftig entscheiden, wann und wo die nächsten Bomben auf palästinensische Gebiete, in Syrien, im Libanon oder auch im Iran fallen?
Zunächst gab es allerdings Ärger mit der Gästeliste. Die Wahlkommission wollte die arabischen Parteien Ra’am und die Gemeinsame Liste von der Wahl ausschließen. Das Oberste Gericht machte einen Strich durch die Rechnung. Die Parteien dürfen antreten.
Wie ärgerlich! Da möchte man beim politischen Fußball die gegnerische Mannschaft vorsorglich aus dem Stadion werfen, und dann besteht der Schiedsrichter darauf, dass beide Mannschaften mitspielen dürfen. Wo kommen wir denn hin, wenn plötzlich auch noch die falschen Leute im Parlament sitzen?
Nun muss man damit rechnen, dass arabische Abgeordnete Fragen stellen könnten, die man lieber vermeiden würde. Etwa, ob man tatsächlich immer weiterbomben muss, um irgendwann Sicherheit zu erreichen. Unangenehm, wenn plötzlich jemand darauf besteht, dass auch palästinensisches Leben einen politischen Stellenwert hat.
Und dann wäre da noch die Briefwahl.
Wer als gewöhnlicher israelischer Staatsbürger am Wahltag im Ausland ist, kann grundsätzlich nicht einfach per Briefwahl abstimmen. Ob dauerhaft im Ausland oder gerade im Urlaub: Wer wählen will, muss in der Regel persönlich nach Israel zurückkehren.
Andere Länder verschicken Wahlunterlagen. Hier heißt es offenbar: Deine Stimme zählt – sofern du dir das Flugticket leisten kannst und dein Urlaub lang genug ist.
Demokratie als Fernreise. Vielleicht gibt es beim nächsten Mal Bonusmeilen für besonders engagierte Wähler.
Aber kommen wir zur wirklich spannenden Frage: Wer darf künftig die Bomben abwerfen?
Netanjahu oder sein Herausforderer? Wer bekommt das Kommando und wer darf anschließend der Welt erklären, warum die nächste militärische Eskalation leider alternativlos war?
Und ich bin auch gespannt auf die Wahlsieg-Party-Ästhetik: Werden wir dort Galgen für Palästinenser an den Anzügen von Politikern entdecken? Gibt es womöglich sogar Torten mit Galgenmotiven auf den Partys zur Feier des Wahlergebnisses?
Andere feiern Wahlerfolge mit Champagner und Konfetti.
In dieser politischen Patisserie muss man auch mit einer etwas spezielleren Motivwahl rechnen. Vielleicht gibt es irgendwann sogar eine Torte mit der Aufschrift Frieden. Wobei das vermutlich schon als revolutionäre Neuerung durchgehen würde.
Am meisten freue ich mich allerdings auf die Erklärungen unserer deutsch-israelischen Bubble.
Wie wird man uns diesmal erklären, dass die nächste faschistische Regierung in Israel quasi über Nacht vom Himmel gefallen ist? Einfach so. Plumps. Mit Kabinett und Ministerpräsident. Ganz ohne menschliches Zutun.
So ähnlich wie bei uns die AfD. Die stand ja auch eines Morgens plötzlich vor der Tür. Niemand hat sie gerufen, niemand hat sie gewählt. Ein politisches Naturereignis! Vermutlich eine Art Starkregen mit Rechtsruck.
Netanjahu oder sein Herausforderer? Das ist die spannende Frage dieser Nacht. Wer bekommt den Chefsessel – und wer bekommt die Bomben?
Und wenn die nächste Regierung steht, warten wir einfach auf die nächste Erklärung, warum sie niemand gewollt hat.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
Zum Autor
Susanne Mattner wurde im Ruhrgebiet geboren und studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowohl in den USA als auch an der Universität Dortmund. Nach ihren Studienstationen verbrachte sie in den 1990er-Jahren auch einige Zeit im Nahen Osten. Nach ihren längeren Auslandsaufenthalten lebt sie heute verheiratet in Hamburg. In ihren Beiträgen verfolgt sie aufmerksam das internationale Zeitgeschehen mit einem geschulten Blick für mediale Narrative. Ihre Schwerpunkte liegen auf geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, gesellschaftlichen Debatten sowie der kritischen Analyse doppelter Standards in der Berichterstattung.
Die Fed und die EZB dürften diese Woche den Schraubenschlüssel liegen lassen. Beide stehen weiterhin im Tauziehen zwischen Inflationsdruck und Wachstumssorgen. Vor allem die Energiepreise sorgen beidseits des Atlantiks für Kopfschmerzen. In den USA reicht der Preisdruck auf Produzentenebene zudem deutlich über Energie hinaus. Im Euroraum bleibt die zugrunde liegende Inflation bislang ruhiger, während schwaches Wachstum und fiskalische Spannungen den Spielraum zusätzlich begrenzen.
Die Märkte halten eine weitere Zinserhöhung bis Dezember dennoch für wahrscheinlich, was uns jedoch zu ambitioniert erscheint. Der US-Arbeitsmarkt kühlt bereits ab, der preistreibende KI-Boom steht zunehmend auf dem Prüfstand und geopolitische Angebotsengpässe müssen nicht zwingend von Dauer sein. Eine weitere Zinserhöhung wird somit weder Ölfelder erschließen noch Handelsrouten öffnen und deshalb eher Gefahr laufen, einen temporären Angebotsschock mit dauerhafter Nachfrageschwäche zu bekämpfen.
Auch die hohen Anleiherenditen sprechen aus unserer Sicht dafür, vorerst abzuwarten. Sie übernehmen bereits einen Teil der Straffung. Das passt auch zu Warshs zurückhaltendem Einsatz von Forward Guidance. Attraktive Kupons haben zugleich bereits Zuflüsse in Anleihe-ETFs und eine stärkere Nachfrage bei Treasury-Auktionen ausgelöst. Risikoanlagen spüren diesen Druck natürlich von zwei Seiten: durch teurere Finanzierungen und attraktivere Anlagealternativen.
Auch weiterhin gilt: Alle Augen auf KI. Geld ist zu großen Teilen wegen des Kapitalwettbewerbs zwischen Staaten und des KI-Booms so teuer. Sein Bedarf an Strom, Rohstoffen und Infrastruktur verstärkt zugleich aber auch den Inflationsdruck. Die Quartalszahlen müssen jetzt zeigen, ob die Erträge mit den Investitionen Schritt halten.
Eisenbahn und Internet haben vorgemacht, wie eine technologische Revolution in Überinvestitionen münden kann. Kritisch wird es, wenn die Rechnung fällig wird, bevor die erwarteten Erträge eintreffen. Enttäuschen die Zahlen, könnte damit eine zentrale Stütze der Risikobereitschaft ins Wanken geraten. Kühlt der Investitionsboom stärker ab, dürfte auch der Druck auf Kapital und Energie nachlassen und mehr Raum für eine weniger restriktive Geldpolitik entstehen.
Für Bitcoin rollt dieses Umfeld kurzfristig keinen roten Teppich aus. Hohe Finanzierungskosten und attraktive Anleiherenditen erschweren derzeit den Zufluss frischen Kapitals. Gleichzeitig stärkt die Kombination aus fiskalischer Überdehnung und begrenzter geldpolitischer Handlungsfähigkeit jedoch langfristig die These knapper, nichtstaatlicher Vermögenswerte. Bitcoin und Co. leben genau in diesem Spannungsfeld.
Dominic Weibel, Head of Research bei Bitcoin Suisse