Debattenkultur
Mattner: „Nach den Arabern kommen wieder die Juden dran“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Am Wochenende habe ich mir erstmal einen „Doppelten Baldri-Bomber mit Kamilleninfusion“ eingeschenkt. Ihr wisst schon – dieses Getränk, das man braucht, wenn man ahnt, dass die nächsten Minuten im Internet einem die letzten Reste Menschenvertrauen aus dem Körper prügeln werden.

Denn meine Beiträge werden neuerdings ja fleißig in diesen selbsternannten „Freunde Israels“-Gruppen geteilt. Also dachte ich mir: Schauste mal rein. Vielleicht sind das ja einfach engagierte Menschen mit einer etwas… sagen wir… kernigen Diskussionskultur. Spoiler: Nein.

Ich habe ungefähr zehn Minuten damit verbracht, mir kommentierende Profile anzusehen. Zehn Minuten. Und danach hatte ich das Gefühl, ich hätte aus Versehen die Kommentarspalte der Endzeit geöffnet.

Das sind Gruppen, die sich teilweise ernsthaft noch als „links“ verkaufen. Links. Natürlich. Weil nichts mehr für progressive Werte steht als pauschaler Hass auf Araber und Muslime, das Feiern toter Zivilisten und die moralische Eleganz eines Bierzelttisches nach acht Korn.

Und das Perfide daran? Das sind nicht nur irgendwelche Vollhonks mit Deutschlandflagge im Profilbild und der sprachlichen Ausdruckskraft eines kaputten Toasters. Nein, da mischt sich eine hochtoxische Mischung aus geistigen Tieffliegern und offensichtlich gebildeten Leuten zusammen. Stammtisch trifft Akademikerkeller. Eine bösartige Symbiose aus Ressentiment und Selbstgerechtigkeit.

Da wird wirklich jeder tote Palästinenser gefeiert, als hätte der Lieblingsverein gerade die Meisterschaft gewonnen. Gleichzeitig inszeniert man sich als letzte moralische Bastion gegen Faschismus. Das ist ungefähr so glaubwürdig, als würde ein Krokodil behaupten, es sei Veganer.

Und natürlich wird sich bedingungslos hinter Leuten wie Benjamin Netanyahu, Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich gestellt. Egal was gesagt oder getan wird. Galgenfantasien? Ach komm. Todesstrafe relativieren? Kann man mal machen. Kriegsverbrechen kleinreden? Schwierig, kompliziert, Kontext und so.

Aber wehe jemand sagt:
„Vielleicht sollte man nicht ganze Bevölkerungsgruppen entmenschlichen.“

Dann ist plötzlich Alarmstufe Braun aktiviert und der Nazi-Vorwurf sitzt lockerer als die Schrauben bei manchen dieser Kommentatoren.

Das Absurde ist ja: Weder ich noch Menschen, die ähnlich denken wie ich, verteidigen Terrorismus oder feiern Verbrechen an Zivilisten. Aber genau DAS wird einem dort permanent unterstellt – von Leuten, die gleichzeitig jeden zerbombten Häuserblock mit einem moralischen Schulterzucken quittieren.

Und die Gruppenbetreiber? Bitte. Die wissen ganz genau, was dort abgeht. Niemand kann mir erzählen, dass man diesen offenen Hass übersieht. Dafür ist er viel zu offensichtlich. Das ist keine „unglückliche Dynamik“ mehr, das ist ein ideologischer Güllebehälter mit WLAN-Anschluss.

Falls dort tatsächlich noch ein paar anständige linksgrün Versiffte unterwegs sind, die glauben, sie säßen mit den „Guten“ am Tisch: Herzlichen Glückwunsch. Ihr seid gerade dabei zuzusehen, wie aus angeblichem Antifaschismus ein völlig enthemmter ethnischer Hasscocktail wird.

Und Geschichte zeigt leider ziemlich zuverlässig: Wer heute applaudiert, wenn andere entmenschlicht werden, steht morgen selbst auf der Liste.Nach den Arabern kommen wieder die Juden dran. So sicher wie das Amen in der Kirche.

Und das eigentlich Bittere daran?

Dass man inzwischen auf Seiten, die sich „antifaschistisch“ nennen, Aussagen liest, bei denen selbst AfD-Kommentarspalten manchmal wirken wie ein VHS-Kurs in gewaltfreier Kommunikation.

Manche Menschen sind eben nicht gegen Hass. Sie wollen nur die Deutungshoheit darüber, wer gehasst werden darf.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Susanne Mattner zur Israel-Klage gegen die New York Times

Ausland
Israel laut globaler Umfrage „weltweit unbeliebtestes Land“

Jerusalem – Israel ist laut einer im Mai 2026 veröffentlichten internationalen Wahrnehmungsstudie das weltweit am negativsten bewertete Land.

Das geht aus dem „Global Country Perceptions 2026“-Ranking des Forschungsunternehmens Nira Data hervor, das gemeinsam mit dem Democracy Perception Index veröffentlicht wurde.

Für die Studie wurden nach Angaben der Herausgeber mehr als 46.000 Menschen in zahlreichen Ländern befragt. Israel landete dabei auf dem letzten Platz des Rankings – noch hinter Staaten wie Nordkorea, Afghanistan und Iran.

Die Untersuchung sorgt international für Aufmerksamkeit und wird von zahlreichen Medien als Hinweis auf Israels massiv verschlechtertes internationales Ansehen interpretiert. Hintergrund sind insbesondere der Gaza-Krieg, die hohe Zahl ziviler Opfer sowie die zunehmende internationale Kritik an der israelischen Regierung.

Auch in den USA kippt die Stimmung

Parallel dazu zeigen aktuelle Umfragen des [Pew Research Center]() einen deutlichen Wandel der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten.

Laut einer im April 2026 veröffentlichten Pew-Studie haben inzwischen 60 Prozent der US-Amerikaner eine negative Sicht auf Israel. Das ist der höchste gemessene Wert seit Beginn der Erhebungen und ein deutlicher Anstieg gegenüber den vergangenen Jahren. 2022 lag der Wert noch bei 42 Prozent.

Besonders stark fällt der Meinungsumschwung bei jüngeren Menschen aus. In beiden politischen Lagern – sowohl bei Demokraten als auch bei Republikanern unter 50 Jahren – überwiegen inzwischen negative Ansichten über Israel.

Auch Israels Premierminister Benjamin Netanyahu erreicht laut Pew historische Negativwerte. 59 Prozent der Befragten erklärten, sie hätten wenig oder gar kein Vertrauen in Netanyahu.

Weitere Umfragen in den USA deuten ebenfalls auf einen langfristigen Stimmungswandel hin. Laut einer Gallup-Erhebung sympathisieren erstmals seit Jahrzehnten mehr Amerikaner mit den Palästinensern als mit Israelis.

Beobachter sprechen inzwischen von einem möglichen Bruch des jahrzehntelangen pro-israelischen Konsenses in Teilen der amerikanischen Gesellschaft – insbesondere unter jüngeren Wählern.

 


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Historischer Umbruch in den USA: Sympathien für Palästinenser übersteigen erstmals die für Israel

Israel
Microsoft feuert Israel-Chef Haimovich: Azure speicherte 200 Millionen Stunden palästinensischer Telefongespräche

Tel Aviv/Redmond – Microsoft hat seinen Israel-Chef Alon Haimovich sowie mehrere leitende Manager der israelischen Niederlassung entlassen. Das berichtete die israelische Wirtschaftszeitung Globes am 13. Mai.

Haimovich, der die Niederlassung vier Jahre lang geführt hatte, scheidet offiziell zum 31. Mai aus dem Unternehmen aus. Microsoft hatte seinen Abgang zuvor öffentlich bekannt gegeben, ohne Gründe zu nennen. Bis zur Bestellung eines Nachfolgers wird Microsoft Israel von Microsoft Frankreich geführt.

Hintergrund ist eine interne Untersuchung, die Microsoft im Laufe des Jahres 2025 eingeleitet hatte. Im Zentrum stehen Vorwürfe, die israelische Militärgeheimdiensteinheit 8200 — Israels Signals-Intelligence-Direktion — habe Microsofts Azure-Clouddienste genutzt, um rund 200 Millionen Stunden abgefangener Telefongespräche palästinensischer Zivilisten aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen zu speichern.

Besonders brisant: Die genutzten Azure-Server standen in Europa — konkret in den Niederlanden — und könnten Microsoft damit EU-rechtlichen Risiken ausgesetzt haben.

Wie die Enthüllung begann

Ausgangspunkt war ein gemeinsamer Bericht des britischen Guardian, des israelisch-palästinensischen Magazins +972 und des hebräischsprachigen Portals Local Call aus dem Jahr 2025.

Die Recherche legte offen, dass die israelische Armee Microsofts Azure-Plattform für eine Massenüberwachung palästinensischer Zivilkommunikation nutzte — in einem Ausmaß, das nach Einschätzung von +972 „wahrscheinlich eine der weltweit größten und aufdringlichsten Sammlungen von Überwachungsdaten über eine einzelne Bevölkerungsgruppe“ darstellt.

Bereits im September 2025 reagierte Microsoft-Präsident Brad Smith mit einer öffentlichen Erklärung: Das Unternehmen habe der israelischen Verteidigungsbehörde bestimmte Cloud-Dienste entzogen.

„Wir stellen keine Technologie zur Massenüberwachung von Zivilisten zur Verfügung. Dieses Prinzip haben wir in jedem Land der Welt angewendet“, sagte Smith. Die interne Überprüfung habe die missbräuchliche Nutzung von Azure-Speicher und KI-Diensten für Überwachungszwecke bestätigt.

Das Treffen mit Nadella

Besondere Brisanz erhält der Fall durch ein Treffen, das nach Dokumenten aus dem Jahr 2021 stattgefunden haben soll:

Laut Berichten, die der Guardian einsehen konnte, vereinbarte Microsoft-CEO Satya Nadella damals mit Yossi Sariel, dem damaligen Kommandeur der Einheit 8200, einen eigens abgeschirmten Bereich innerhalb von Azure für „sensible Aufgaben“.

Haimovich soll an diesem Treffen teilgenommen und die daraus entstandene Partnerschaft anschließend beaufsichtigt haben. Ab 2022 nutzte die Einheit 8200 diese gesonderte Azure-Umgebung zur Speicherung der abgefangenen Telefonaufzeichnungen.

Die interne Untersuchung soll zu dem Schluss gekommen sein, dass Haimovich und sein Team Microsoft-Konzernzentrale in Redmond nicht vollständig darüber informiert hatten, wie die israelische Armee die Technologie tatsächlich nutzte.

Druck von innen und außen

Microsoft-Mitarbeiter der Gruppe „No Azure for Apartheid“ übten scharfe Kritik. „Microsoft hat versucht, sich still von Alon Haimovich zu verabschieden, der die Entwicklung von Azure-Tools für das israelische Militär beaufsichtigte, die dabei halfen, den ersten KI-gestützten Genozid zu beschleunigen“, erklärte die Gruppe.

Mitarbeiter, die intern auf Missstände hingewiesen hätten, seien laut der Gruppe verhaftet, verfolgt, entlassen und sanktioniert worden.

Microsoft selbst äußerte sich bislang nicht zu den konkreten Gründen für Haimovichs Entlassung. Beobachter weisen darauf hin, dass das Unternehmen seinen Vertrag mit dem israelischen Verteidigungsministerium noch in diesem Jahr erneuern muss — und der Fall die Verhandlungsposition beider Seiten erheblich beeinflusst.

 


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Israel verklagt New York Times wegen Vergewaltigungs-Bericht

Energiepolitik
Türkei plant milliardenschwere Treibstoffpipeline für NATO-Ostflanke

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Ankara – Die Türkei schlägt den NATO-Verbündeten den Bau einer 1,2 Milliarden Dollar teuren Militär-Treibstoffpipeline vor — von der Türkei über Bulgarien bis nach Rumänien. Das berichtete Bloomberg am 15. Mai unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der Vorschlag soll noch vor dem NATO-Gipfel im Juli präsentiert werden, den die Türkei in Ankara ausrichten wird. Es wäre das zweite Mal nach dem Istanbuler Gipfel 2004, dass Ankara den wichtigsten Jahresgipfel des Bündnisses beherbergt.

Die geplante Pipeline würde ausschließlich militärischen Zwecken dienen — technische Details und Kapazitäten werden nach Angaben der Quellen als Verschlusssache behandelt. Laut Bloomberg könnte die türkische Route bis zu fünfmal günstiger sein als alternative Vorschläge über Griechenland oder Rumäniens westliche Nachbarn, die auf Seetransport angewiesen wären.

Reaktion auf Ukraine-Krieg und Hormus-Krise

Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Russlands Angriff auf die Ukraine und die jüngsten Verwerfungen im Nahen Osten — darunter die faktische Schließung der Straße von Hormus infolge US-israelischer Angriffe auf Iran — haben NATO-Planer aufgeschreckt.

Das bestehende NATO-Pipelinesystem, das sogenannte NATO Pipeline System (NPS), ist rund 10.000 Kilometer lang und versorgt zwölf Mitgliedsstaaten — endet aber im Osten bislang in Deutschland. Polen und Rumänien drängen seit Jahren auf eine Verlängerung nach Osten.

Die türkische Initiative ergänzt diese Bemühungen und positioniert Ankara als zentrales Bindeglied in der Verteidigungslogistik des Bündnisses.

Türkei als Energie-Drehscheibe — eine historische Chance

Der Pipeline-Vorschlag fügt sich in eine größere strategische Agenda ein. Die Hormus-Krise hat schonungslos offenbart, wie verwundbar Europas Energieversorgung trotz aller Diversifizierungsbemühungen weiterhin ist. Während Europa über höhere Spritpreise und mögliche Engpässe diskutiert, sieht Ankara darin eine historische Gelegenheit.

Die Türkei verfügt bereits heute über ein dichtes Netz an Pipelines und Energieinfrastruktur: die TANAP-Pipeline aus Aserbaidschan, TurkStream für russisches Gas, die Iran-Türkei-Gasleitung sowie LNG-Terminals an Mittelmeer und Marmarameer.

Der Mittelmeerhafen Ceyhan ist Endpunkt wichtiger Öl- und Gasleitungen aus Aserbaidschan, dem Irak und Zentralasien.

Hinzu kommen neue Projekte: Der türkische Staatskonzern BOTAŞ schloss einen 20-Jahres-Vertrag über jährlich vier Milliarden Kubikmeter US-amerikanisches LNG, ergänzt durch eine Vereinbarung mit dem australischen Produzenten Woodside Energy. Ankara bindet damit US-Energieinteressen ein, bedient Europas Wunsch nach weniger Russland-Abhängigkeit — und positioniert sich selbst als unverzichtbaren Transitstaat.

Gleichzeitig gewinnt der sogenannte Mittlere Korridor an Bedeutung — eine Handelsroute von China über Zentralasien, den Kaukasus und die Türkei bis nach Europa. Experten zufolge könnte sich die Transportzeit zwischen Asien und Europa auf dieser Route von mehr als einem Monat auf rund zwei Wochen reduzieren.

Europas neues Dilemma

Für Europa entsteht daraus ein Dilemma. Einerseits könnte die Türkei helfen, die Energieversorgung breiter aufzustellen — der Thinktank Gulf Research Center schätzt, dass Öltransporte über Pipelines bis zu 40 Prozent günstiger sein könnten als über den Suezkanal.

Andererseits droht eine neue strategische Abhängigkeit. Kritiker warnen, Europa verlagere seine Abhängigkeit lediglich von Moskau nach Ankara — zumal rund 40 Prozent der türkischen Gasimporte weiterhin aus Russland stammen, berichtet Focus.

 


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Türkei baut Europas größte Speicher-Pipeline für erneuerbare Energien

Gastkommentar
Susanne Mattner zur Israel-Klage gegen die New York Times

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Israel verklagt die New York Times. Der Grund: Der Pulitzer-Preisträger Nicholas Kristof hatte in einem aufwendig recherchierten Artikel dokumentiert, wie palästinensische Gefangene in israelischen Hafteinrichtungen systematisch sexuell misshandelt werden — darunter der Einsatz von Hunden.

Nicht irgendwelche anonymen Quellen haben das berichtet. Nicht Hamas-Propaganda. Sondern namentlich bekannte Opfer, unabhängige Untersuchungen von AP, CNN, der Washington Post — und die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem, die solche Fälle bereits 2024 und 2026 konkret dokumentiert hatte.

Die Reaktion Israels: Verleumdungsklage.

Ich habe diese Entwicklung verfolgt und frage mich seitdem, was eigentlich noch gesagt werden darf — und von wem.

Natürlich muss man die Verbrechen des 7. Oktober benennen. Natürlich waren die Morde, Entführungen und sexuellen Gewalttaten grausam. Darüber gibt es nichts zu diskutieren.

Aber inzwischen wirkt die öffentliche Debatte wie ein politisches Zauberstück aus einem schlechten Las-Vegas-Keller: „Achtung, bitte alle nur auf diese Hand schauen — und die andere ignorieren wir einfach komplett.“

Berichte über misshandelte palästinensische Gefangene? Puff — antisemitisch.

UN-Berichte? Puff — Hamas-Propaganda.

Aussagen israelischer Menschenrechtsaktivisten? Puff — selbsthassende Juden.

Israelische Ex-Soldaten, die öffentlich Alarm schlagen? Wahrscheinlich auch heimlich Hamas-Mitglieder mit Mossad-Ausweis rückwärts auf links getragen.

Und jetzt verklagt man also Medien, weil sie über Vorwürfe berichten. Klar. Wenn man lange genug auf den Rauchmelder einschlägt, verschwindet vielleicht irgendwann das Feuer. Genialer Plan.

Das Ganze erinnert langsam an einen Mann, der mit Benzinkanister durchs Wohnzimmer läuft, während hinter ihm die Gardinen brennen — und der hysterisch schreit: „WER HAT DIESEN FOTOAPPARAT HIER REINGELASSEN?!“

Besonders faszinierend ist ja diese Vorstellung, dass wirklich ALLE lügen: die UN, Ärzte, Hilfsorganisationen, Journalisten, ehemalige Gefangene, israelische Aktivisten, internationale Beobachter — ein gigantisches weltweites Verschwörungstheater offenbar. Aber die Regierung, die gerade selbst untersucht wird, die sagt natürlich die reine Wahrheit.

Ja gut. Und Marlboro empfiehlt wahrscheinlich auch Lungenyoga.

Und irgendwo sitzt dann jemand mit ernstem Gesicht vor den Bildern zerstörter Städte, hungernder Kinder und Berichten über Misshandlungen — und erklärt: „Also solange das nicht von meinem Lieblingssprecher bestätigt wurde, sehe ich da keinen Handlungsbedarf.“

Vielleicht ist das inzwischen die eigentliche Krankheit unserer Zeit. Nicht Hass. Nicht einmal Gewalt. Sondern diese groteske Fähigkeit, menschliches Leid nur dann wahrzunehmen, wenn es politisch ins eigene Wohnzimmer passt.

Menschenrechte sind offenbar für manche wie Netflix-Passwörter geworden: Man teilt sie nur mit der eigenen Familie.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Antisemitismus: „Alles wird in einen Topf geworfen“

Kuba-Krise
Kuba an USA: Wenn wir sterben, dann sterben wir

Havanna/Washington – Die Spannungen zwischen den USA und Kuba haben ein neues Niveau erreicht. Lianys Torres Rivera, Kubas ranghöchste Diplomatin in Washington, hat in einem am 14. Mai veröffentlichten Interview mit dem US-Nachrichtenportal The Hill offen vor den Folgen eines amerikanischen Militäreinsatzes gewarnt.

„Es könnte ein großer Fehler sein. Es könnte ein Blutbad werden“, sagte sie. „Wir wollen keine Kubaner sterben sehen — und auch keine amerikanischen Soldaten.“

Das Interview fand zu einem der angespanntesten Momente in den US-kubanischen Beziehungen statt — einen Tag nachdem CIA-Direktor John Ratcliffe Havanna besucht hatte, um Verhandlungen zu führen, und dabei unmissverständlich klargestellt hatte: Das Zeitfenster für Gespräche werde nicht für immer offenbleiben.

Kuba bereitet sich auf Invasion vor

Torres Rivera erklärte, die kubanische Regierung habe ihre Vorbereitungen auf einen möglichen US-Angriff deutlich intensiviert. „Wir bereiten uns darauf vor, mehr als je zuvor. Wir können nicht naiv sein“, sagte sie. Die Vorbereitungen seien rein defensiver Natur — Kuba habe keine Absicht, als erste Partei gegen US-Territorium oder die amerikanische Bevölkerung vorzugehen.

Kubas Regierung hat das Jahr 2026 offiziell zum „Jahr der Verteidigungsvorbereitung“ erklärt. In diesem Rahmen finden im ganzen Land verstärkte Militärübungen der Zivilbevölkerung statt — mit Gewehren, Drohnen und Panzerabwehrminen.

Bereits im Januar 2026 waren 32 kubanische Militärangehörige bei der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Kräfte ums Leben gekommen — ein Ereignis das die Beziehungen zwischen Havanna und Washington nachhaltig erschüttert hatte.

Díaz-Canel: „Wenn wir sterben müssen, sterben wir“

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel hatte sich kurz zuvor in einem seltenen Interview mit dem US-Sender NBC News geäußert. „Wir werden uns verteidigen, und wenn wir sterben müssen, sterben wir“, sagte er. Torres Rivera bekräftigte diese Haltung und betonte, Kubas Souveränität, Unabhängigkeit und Recht auf Selbstbestimmung seien nicht verhandelbar.

Gleichzeitig unterstrich die Diplomatin, dass Kuba keine Bedrohung für die USA darstelle. „Wir sind eine kleine Insel, die nur in Ruhe gelassen werden will, um ihre Zukunft so zu gestalten, wie Kubaner es wollen“, sagte sie.

Stromausfälle und innere Schwäche

Torres Rivera räumte ein, dass die kubanische Bevölkerung unter schweren wirtschaftlichen Bedingungen leide — darunter Stromausfälle von bis zu 20 Stunden täglich. Sie warnte Washington jedoch davor, daraus falsche Schlüsse zu ziehen.

„Wenn man 20 Stunden Stromausfall erlebt, hat man Beschwerden und äußert sie“, sagte sie. Dies bedeute aber nicht, dass das kubanische Volk seine Heimat im Falle einer Invasion nicht verteidigen werde.

Beobachter weisen darauf hin, dass die kubanische Führung das Bild einer äußeren Bedrohung traditionell nutzt, um innenpolitischen Zusammenhalt zu erzeugen — gerade in Phasen wirtschaftlicher Schwäche.

Gleichzeitig zeigen die jüngsten Entwicklungen, dass die Spannungen real sind: Trump hatte per Dekret kubanische Rohölimporte stark eingeschränkt und neue Sanktionen gegen kubanische Einrichtungen verhängt.

 


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Israel verklagt New York Times wegen Vergewaltigungs-Bericht

Osnabrück
90. Geburtstag: Bürgermeisterin Westermann ehrt Osnabrücker Urgestein Ramazan Çığır

Von Yasin Baş

Eine besondere Ehrung für ein besonderes Leben: Osnabrücks Bürgermeisterin Eva-Maria Westermann (CDU) besuchte als Vertreterin von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (Grüne) Ramazan Çığır an dessen 90. Geburtstag in seiner Wohnung.

Der 1936 im türkischen Mesudiye (Ordu) an der Schwarzmeerküste geborene Çığır lebt seit 60 Jahren in Deutschland, davon 56 Jahre in Osnabrück. Bei der Zusammenkunft mit seiner Frau Naime, seinem Sohn Mümin, Schwiegertochter Ayşe und Enkel Selim überreichte Westermann Blumen und würdigte seine Lebensleistung.

Was wie ein üblicher Glückwunsch klingt, war weit mehr: Die Begegnung wurde zu einer respektvollen Hommage an ein Leben voller Arbeit, Entbehrung und Integration – und ein lebendiges Zeugnis der deutsch-türkischen Migrationsgeschichte, die 1961 mit dem sogenannten „Anwerbeabkommen“ seinen Lauf nahm.

Von Mesudiye über Köln nach Osnabrück

Mit bewegenden Worten blickte Ramazan Çığır bei dem Treffen auf seinen Werdegang zurück. 1966, genau vor 60 Jahren, kam er aus dem Dorf Erik in der Provinz Ordu über Samsun und Istanbul nach Deutschland.

Seine erste Station war das Ford-Werk in Köln. „Wir kamen mit nichts, nur mit unseren Händen und der Hoffnung auf ein besseres Leben“, erinnerte sich der 90-Jährige. Später zog es ihn nach Werl in der Nähe von Dortmund, ehe er für eine kurze Zeit in die Türkei zurückkehrte.

Über Österreich, wo er zwei Jahre lebte, gelangte er schließlich mit Unterstützung seines damals bereits in Osnabrück ansässigen Verwandten und Bürgermedaillenträgers Yılmaz Akyürek in die Friedensstadt. Nach dem 2007 verstorbenen Akyürek ist übrigens ein Platz in Osnabrück benannt. Er war ein geschätzter Bürger der Stadt, der sich intensiv für die Integration der türkischen Mitbürger sowie für den interkulturellen und interreligiösen Dialog einsetzte.

Die Stadt Osnabrück verleiht jährlich den mit 1.000 Euro dotierten „Yılmaz-Akyürek-Preis für Integration“, um sein Engagement zu würdigen, und richtet zudem alle zwei Jahre das interkulturelle „Akyürek-Fest“ aus, an dem bereits bekannte Persönlichkeiten wie Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) oder der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff (CDU) teilnahmen.

Zurück zu Ramazan Çığır: Seit 1970 lebt die Familie Çığır in Osnabrück. Heute zählt sie bereits vier Generationen. „Es macht mich stolz zu sehen, wie sich hier alles entwickelt hat“, sagte Çığır mit bewegter Stimme. Sein Sohn Mümin übersetzte die Worte des Vaters ins Deutsche.

Mit dem Drahtesel täglich zum Gebet

Trotz seiner 90 Jahre ist Çığır erstaunlich rüstig. Jeden Tag, so erzählte er der Bürgermeisterin, fahre er mit dem Fahrrad die wenigen Kilometer zur Moschee, um zu beten. „Das gibt mir Kraft und Struktur“, erklärte er. „Solange ich das noch kann, bin ich zufrieden.“ Diese Disziplin zeigte sich Westermann sichtlich beeindruckt.

Mehr als ein Geburtstagsgruß: Ein Symbol der Wertschätzung

Die Geschichte von Ramazan Çığır ist exemplarisch für die erste Generation türkischer Gastarbeiter, die in den 1960er Jahren nach Deutschland kamen. Schwerstarbeit, Sprachbarrieren, Heimweh, all das prägte ihren Alltag. Viele von ihnen legten den Grundstein für den Wohlstand, von dem heute viele profitieren.

Dass ausgerechnet die Bürgermeisterin sich die Zeit für einen persönlichen Besuch nahm, wertete der 90-Jährige als starkes Signal der Anerkennung. „Ich habe mich sehr gefreut, dass sie gekommen ist“, sagte Çığır gerührt. „Manchmal fühlt man sich im Alter unbeachtet. Aber heute wurde mir gezeigt: Ich bin nicht vergessen.“

„Einfach nur dankbar“

Westermanns Besuch war keine routinemäßige Pflichtveranstaltung. Sie hörte zu, fragte nach und dankte für den unermüdlichen Einsatz, den Çığır und viele seiner Landsleute über die Jahrzehnte gezeigt hätten.

„Menschen wie Sie haben unsere Stadt mit aufgebaut. Dafür sind wir sehr dankbar“, so die Bürgermeisterin. „Es ist wichtig, dass wir das auch zeigen – nicht nur mit Worten, sondern auch durch Gesten und durch solche Begegnungen.“

Tränen der Rührung, innige Umarmungen und herzliches Lachen wechselten sich bei dem einstündigen Besuch ab. Sichtlich bewegt sagte Ramazan Çığır zum Abschluss: „Ich bin einfach nur dankbar – für mein Leben hier, für meine Familie und für diese Ehre. Mehr kann man sich im Alter nicht wünschen.“

 


Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.

 


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TÜV: Führerscheinreform darf Sicherheit nicht gefährden

Vittorio Pisani Gemälde
Izmir: Das griechische Massaker in den Gemälden eines Augenzeugen

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Der 15. Mai 1919 gilt als eines der traumatischsten Daten der modernen türkischen Geschichte. Mit der Landung der griechischen Armee in Izmir begann nicht nur eine militärische Okkupation, sondern auch eine Welle von massenhaften Gewaltverbrechen gegen die türkische Bevölkerung der Stadt.

Die Ereignisse auf dem Konak-Platz und entlang der Küste wurden damals nicht nur von Einheimischen, sondern auch von ausländischen Beobachtern dokumentiert. Einer dieser Zeugen war der italienische Maler Vittorio Pisani, der viele Jahre in Izmir gelebt hatte. Was er am 15. Mai sah, verarbeitete er später in eindrucksvollen Aquarellen und Gemälden.

Ein italienischer Künstler in Izmir

Vittorio Pisani lebte über viele Jahre mit seiner Familie in Izmir und kannte das soziale Leben der Stadt sehr gut. In einem später überlieferten Schreiben erklärte er: „Nachdem ich fünfzehn Jahre mit meiner Mutter, meinem Vater und meinem Bruder in Izmir gelebt hatte, wurde ich Zeuge der griechischen Besetzung Izmirs und musste die Türkei verlassen und nach Italien zurückkehren.“

Diese Aussage gilt als das wichtigste schriftliche Zeugnis dafür, dass Pisani die Ereignisse persönlich miterlebt hat.

Der Morgen des 15. Mai 1919

Am frühen Morgen landeten griechische Truppen in Izmir. Große Menschenmengen versammelten sich am Hafen und entlang der Straßen. Während Teile der griechischen Bevölkerung die Besetzung feierten, herrschten unter den Türken Angst und Unsicherheit.

Nach den ersten Schüssen eskalierte die Situation rasch. Türkische Soldaten wurden trotz ihrer Kapitulation misshandelt, geschlagen oder erschossen. Auch Zivilisten gerieten ins Visier bewaffneter Gruppen.

Pisani hielt genau diese Szenen fest:
– unbewaffnete osmanische Soldaten, die durch die Straßen geschleift wurden,
– Angriffe auf türkische Zivilisten,
– öffentliche Erschießungen,
– Panik und Chaos auf dem Konak-Platz.

Das berühmteste Gemälde

Das bekannteste Werk Pisani zeigt die Ereignisse auf dem Konak-Platz während der ersten Stunden der Besetzung. Das Bild zeigt griechische Soldaten, die auf wehrlose Türken einschlagen, verletzte Menschen am Boden sowie fliehende Zivilisten.

Besonders auffällig sind die dunklen Rot- und Grautöne, mit denen Pisani die Atmosphäre von Gewalt, Rauch und Verzweiflung darstellt. Das Gemälde verherrlicht keinen Krieg, sondern zeigt die menschliche Tragödie.

Historische Bedeutung

Die Werke Vittorio Pisanis besitzen bis heute große historische Bedeutung. Sie stellen nicht nur Kunstwerke dar, sondern auch visuelle Zeugnisse der Gewalt während der Besetzung Westanatoliens. Da nur wenige Fotografien aus jener Zeit existieren, helfen seine Bilder dabei, die Atmosphäre und die Ereignisse des 15. Mai 1919 besser zu verstehen.

Der Türkische Befreiungskrieg war nicht nur ein militärischer Kampf, sondern auch eine Zeit großen menschlichen Leids für die Bevölkerung Anatoliens. Die Werke Vittorio Pisanis gehören zu den eindrucksvollsten bildlichen Zeugnissen dieser Epoche. Seine Gemälde zeigen Angst, Chaos, Gewalt und Verzweiflung – und bewahren die Erinnerung an die tragischen Ereignisse von Izmir.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Algerien gedenkt: Als Frankreich 45.000 Menschen massakrierte

Israel-Kritik
Sánchez zum ESC-Boykott: „Auf der richtigen Seite der Geschichte“

Madrid – „Este año no estaremos en Eurovisión“ — dieses Jahr werden wir nicht bei Eurovision dabei sein. Mit diesen Worten auf X hat der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez den Boykott seines Landes beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien persönlich begründet.

„Aber wir tun es mit der Überzeugung, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Aus Kohärenz, Verantwortung und Menschlichkeit“, schrieb er.

Es sind Worte, die über den Musikwettbewerb hinausweisen — und die niemanden überraschen, der Sánchez‘ Haltung der vergangenen Monate verfolgt hat. Der spanische Regierungschef gehört zu den wenigen westlichen Politikern, die Israels Vorgehen im Gaza-Krieg offen und wiederholt als unverhältnismäßig bezeichnet haben — und dafür weltweit gefeiert werden.

Von „völkermordender Staat“ bis zum EU-Vorstoß

Im Mai 2025 löste Sánchez einen diplomatischen Eklat aus, als er Israel während einer Parlamentssitzung als „völkermordenden Staat“ bezeichnete — das erste Mal, dass er diesen Begriff öffentlich verwendete.

Israel bestellte daraufhin die spanische Botschafterin in Jerusalem ein. Sánchez ließ sich davon nicht beirren.

Im April 2026 ging er einen Schritt weiter: Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Gibraleón kündigte er an, Spanien werde der EU vorschlagen, das Assoziierungsabkommen mit Israel vollständig zu beenden. „Die Regierung Spaniens wird Europa den Vorschlag unterbreiten, die Assoziierung mit Israel zu beenden“, erklärte er. Er betonte dabei, Spanien sei ein „Freund Israels“ — aber kein Freund der Politik seiner Regierung.

Spaniens Außenminister José Manuel Albares brachte die Haltung seiner Regierung wenige Tage später beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg auf den Punkt:

„Wenn wir heute nicht in der Lage sind, Israel zu sagen, dass die Achtung der Menschenrechte und die Einhaltung des Völkerrechts Bedingungen sind — dann werden wir unsere Glaubwürdigkeit verlieren.“

„Die EU muss gegenüber Israel dieselben Maßstäbe anlegen wie gegen Russland“, so Albares.

Boykott als politisches Signal

Der spanische Sender RTVE hatte bereits Ende April angekündigt, den Eurovision Song Contest 2026 weder auszustrahlen noch daran teilzunehmen — zum ersten Mal seit Spaniens Beitritt zum Wettbewerb im Jahr 1961.

Als Grund nannte RTVE die anhaltende humanitäre Krise im Gazastreifen und die Teilnahme Israels.

Spanien gehört damit zu einer Gruppe von fünf Ländern, die Israel beim diesjährigen Wettbewerb die Gefolgschaft verweigern — wobei die Formen unterschiedlich sind: Spanien und Irland strahlen den Contest weder aus noch nehmen sie teil. Slowenien nimmt nicht teil, zeigt stattdessen eine Dokumentationsreihe über Palästina. Island und die Niederlande nehmen ebenfalls nicht teil, übertragen den Wettbewerb aber dennoch.

Sánchez‘ Tweet macht nun deutlich, dass er den Boykott nicht als politische Entscheidung betrachtet — sondern als Frage der historischen Positionierung. „Kohärenz, Verantwortung und Menschlichkeit“ — mit diesen drei Worten fasst er zusammen, was andere Regierungen bisher nicht auszusprechen wagten.

Beobachter weisen darauf hin, dass Sánchez damit auch innenpolitisch punktet: Er führt seine sozialistische Partei in ein Wahljahr und hat die klare Israel-kritische Haltung zu einem Markenkern seiner Außenpolitik gemacht — mit wachsendem Rückhalt in der spanischen Bevölkerung und Anerkennung weit über Europa hinaus.

 


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Spanien: Israel sollte wie Russland behandelt werden

Israel vs New York Times
Israel verklagt New York Times wegen Vergewaltigungs-Bericht

New York/Jerusalem – Drei Tage nach Erscheinen eines erschütternden Berichts über systematische sexuelle Gewalt gegen palästinensische Gefangene in israelischen Hafteinrichtungen — darunter der dokumentierte Einsatz von Hunden — hat die israelische Regierung einen außergewöhnlichen Schritt angekündigt:

Premierminister Benjamin Netanyahu und Außenminister Gideon Saar haben gemeinsam die Einleitung einer Verleumdungsklage gegen die New York Times angeordnet.

„Unter meiner Führung wird Israel nicht schweigen“, schrieb Netanyahu auf X. „Wir werden diese Lügen vor dem Gericht der öffentlichen Meinung und vor dem ordentlichen Gericht bekämpfen.“

Was der Artikel behauptete

Ausgangspunkt ist ein Meinungsbeitrag des zweifachen Pulitzer-Preisträgers Nicholas Kristof, der am 11. Mai in der New York Times erschien. Kristof stützte sich auf Interviews mit palästinensischen Männern und Frauen und dokumentierte ein Muster systematischer sexueller Gewalt — durch Soldaten, Siedler, Verhörspezialisten des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet und vor allem durch Gefängnispersonal.

Zu den geschilderten Fällen gehörte der des 46-jährigen palästinensischen Journalisten Sami al-Sai, der beschrieb, wie er nackt ausgezogen, geblendet und gefesselt wurde — bevor ein Militärhund auf ihn losgelassen wurde, angeleitet von einem auf Hebräisch sprechenden Hundeführer.

Ein weiterer Palästinenser, der Funktionär Mohammad Matar, schilderte, wie er von Siedlern ausgezogen und mit einem Stock traktiert wurde, während diese Witze über seine Vergewaltigung machten. „Sechs Monate lang konnte ich nicht darüber sprechen — nicht einmal mit meiner Familie“, sagte er.

Kristof betonte ausdrücklich, es gebe keine Beweise dafür, dass israelische Führungskräfte Vergewaltigungen direkt anordnen — wohl aber hätten israelische Behörden einen Sicherheitsapparat aufgebaut, in dem sexuelle Gewalt laut einem UN-Bericht zu einem „Standardverfahren“ geworden sei.

NYT steht hinter dem Bericht

Israel hatte den Artikel zunächst als „Blutlüge“ bezeichnet — ein Begriff mit schwerer historischer Last, der auf das mittelalterliche antisemitische Märchen anspielt, Juden würden christliche Kinder für rituelle Zwecke ermorden.

Kritiker werfen der israelischen Regierung vor, den Begriff missbräuchlich einzusetzen, da die Vorwürfe auf Zeugenaussagen, unabhängigen Untersuchungen und Berichten israelischer Menschenrechtsorganisationen beruhen — darunter B’Tselem, die bereits im August 2024 und erneut im Januar 2026 konkrete Fälle sexuellen Missbrauchs durch Militärhunde dokumentiert hatte.

Die New York Times wies Rückzugsgerüchte umgehend zurück und verteidigte den Bericht. NYT-Sprecherin Danielle Rhoades Ha erklärte, die Klagedrohung sei „Teil eines bewährten politischen Drehbuchs, das darauf abzielt, unabhängige Berichterstattung zu untergraben und Journalismus zum Schweigen zu bringen, der nicht in ein bestimmtes Narrativ passt.“

Die Zeugenaussagen seien mit anderen Zeugen, Familienangehörigen, Anwälten und unabhängigen Berichten abgeglichen worden.

Rechtlich schwieriges Terrain

Die Klage wirft erhebliche juristische Fragen auf. Eine ausländische Regierung kann technisch gesehen gegen ein US-Medienunternehmen klagen — doch US-Medien genießen durch den Ersten Verfassungszusatz weitreichenden Schutz, insbesondere wenn sie von Regierungsbehörden angegangen werden.

In welchem Gericht die Klage eingereicht werden soll, war zunächst nicht bekannt. Netanyahu selbst gab zu, dass es ihm bei der Klage nicht allein um den rechtlichen Ausgang geht — sondern um eine Botschaft.

Es ist nicht das erste Mal dass Netanyahu rechtliche Schritte gegen die Times in Erwägung zog. Bereits im vergangenen Jahr hatte er öffentlich geprüft, ob ein Land die New York Times verklagen könne — damals nach einem Bericht über Hunger in Gaza.

 


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