Çerkezköy–Kapıkule
Neue Zugstrecke: Türkei wird neues Drehkreuz der Weltwirtschaft

Istanbul. Die Türkei und die Europäische Union (EU) treiben gemeinsam den Ausbau einer neuen Handelsroute zwischen Europa und Zentralasien voran.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am vergangenen Samstag gemeinsam mit EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos den ersten Abschnitt einer neuen Bahnstrecke eingeweiht.

Die 153 Kilometer lange Verbindung soll künftig Istanbul mit der bulgarischen Grenze verbinden und die Fahrzeit von vier Stunden auf 90 Minuten verkürzen. Die Güterkapazität auf der Schiene soll von 1,5 auf 9,5 Millionen Tonnen jährlich steigen.

Der Ausbau ist Teil des sogenannten Mittleren Korridors, einer Route, die Europa über den Südkaukasus mit Zentralasien verbinden soll. Die EU sieht in dem Projekt die Chance, ihre Energie- und Rohstofflieferungen unabhängiger von Russland zu gestalten. Kommissarin Kos betonte laut F.A.Z., man habe „auf die harte Art gelernt, dass übermäßige Abhängigkeiten uns verletzbar machen“. Bis 2022 spielte der Mittlere Korridor kaum eine Rolle. Erst der Krieg in der Ukraine habe die Route attraktiv gemacht.

Nach Einschätzung der Weltbank könnte sich das Handelsvolumen bis 2040 mehr als verdreifachen. Die Lieferzeiten könnten halbiert werden, den beteiligten Ländern winkten zusätzliches Wirtschaftswachstum und rund zwei Millionen Arbeitsplätze. Allerdings gibt es noch erhebliche Hindernisse: An der türkisch-georgischen Grenze lag die Abfertigungskapazität 2023 bei nur einem Zug pro Tag, bis 2030 sollen es zwölf sein. Weitere Investitionen in Elektrifizierung, Digitalisierung und Signalsysteme sind nötig.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte den Mittleren Korridor in ihrer Rede zur Lage der Union als „neues internationales Konnektivitätsprojekt“ bezeichnet und angekündigt, zwölf Milliarden Dollar an staatlichen und privaten Investitionen zu mobilisieren.

Ein Großteil des Handels läuft derzeit noch an der Türkei vorbei, da Güter von Georgien aus über das Schwarze Meer verschifft werden. Grund dafür sind laut F.A.Z. „Ineffizienzen und Infrastrukturlücken“ in der Türkei. Ein Friedensschluss zwischen Armenien und Aserbaidschan könnte die Position der Türkei auf dem Korridor erheblich verbessern.

Die USA haben in Aussicht gestellt, den geplanten Transportkorridor durch Armenien als „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ zu betreiben. 

Yasin Bas


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Türkei: Neue Schnellzugverbindung Richtung EU offiziell gestartet

Türkei
Kommentar: „Die AKP steckt in ihrer schwersten Krise“

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge

İsmail Saymaz und Murat Ağırel sind investigative Journalisten in der Türkei. Beide schreiben über aktuelle Themen, über die Sorgen der Menschen und über Korruption, Vetternwirtschaft und die Skandale der Mächtigen im Land. Für kritische Journalisten kann es gefährlich sein, über Verstrickungen von Ministern und Mitgliedern der seit fast 25 Jahren regierenden AK Partei (AK Parti) zu berichten.

Seit Wochen erschüttert ein Finanzskandal die Türkei. Fonds versprachen hohe Gewinne und lockten damit viele Anleger an. Es besteht der Verdacht, dass Aktien künstlich verteuert wurden. Als Anleger ihr Geld zurückforderten, konnten viele Fonds nicht mehr zahlen. Hunderttausende Menschen sind betroffen, während die Behörden den Fall untersuchen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, und es gab bereits mehrere Festnahmen.

Wenn die Aufklärer zu Angeklagten werden

Als die beiden Journalisten İsmail Saymaz und Murat Ağırel sowie Şaban Sevinç über den Manipulationsskandal berichteten, richteten sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht gegen die Verantwortlichen des Fonds-Skandals, sondern gegen die drei Journalisten. Laut Staatsanwaltschaft bestehe der Verdacht der „Verbreitung von Falschinformationen“.

Alle drei Journalisten wurden von der Polizei festgenommen und einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehle erließ. Man könnte meinen, man befinde sich im falschen Film. Doch es ist die bittere Realität.

Wenn die Opposition ins Visier gerät

Seit Monaten ermitteln Staatsanwaltschaften im ganzen Land gegen oppositionelle Stadtverwaltungen wegen angeblicher Korruption. Vor laufenden Kameras wurden vom Volk gewählte Bürgermeister von der Polizei abgeführt. Nach dem obligatorischen Gesundheitscheck und der Befragung erließ der Richter – wie könnte es anders sein – Haftbefehl.

Es grenzte offenbar an Majestätsbeleidigung, dass die Menschen in diesen Städten nicht die AK Partei, sondern die Opposition gewählt hatten. Die AK Partei stand Gewehr bei Fuß. Die seit einem Vierteljahrhundert regierende Partei hat die Gewaltenteilung und damit, so die Kritik, die Grundlagen des demokratischen Rechtsstaats ausgehöhlt. Das System der Checks and Balances – der gegenseitigen Kontrolle staatlicher Gewalten – funktioniert in der Türkei kaum noch.

Zweierlei Maß für Regierung und Opposition

Die AK Partei steckt in ihrer schwersten Krise seit ihrem Machtantritt im Jahr 2002. Die frühere Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya soll gemeinsam mit ihrem Mann in den Fonds-Skandal verwickelt sein. Unter massivem Druck musste sie als stellvertretende Vorsitzende der AK Partei zurücktreten; inzwischen wurde sie aus der Partei ausgeschlossen.

Was folgte, waren jedoch keine öffentlich bekannt gewordenen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen Sayan Kaya, sondern ein Anruf der Staatsanwaltschaft. Eure Hoheit ließ dem verdutzten Ermittler mitteilen, dass sie derzeit keine Zeit für eine „Befragung“ habe. Vor ihrer Haustür standen auch keine Polizeieinheiten, um das Haus der ehemaligen Ministerin zu durchsuchen.

Wäre ein Oppositionspolitiker in den Fonds-Skandal verwickelt, hätte die Polizei dessen Haus oder Wohnung vermutlich längst in einer nächtlichen, filmreifen Aktion gestürmt. Sayan Kaya meidet die Öffentlichkeit. Eine Aussage in einem Gerichtsgebäude kommt offenbar nicht infrage.

Auf Veranlassung aus dem Präsidentenpalast sollte die ehemalige Familienministerin nicht in einem Gerichtsgebäude aussagen, sondern in den riesigen Verwaltungsgebäuden der Turkuvaz-Mediengruppe in Istanbul. Zufälligerweise gehört diese Mediengruppe Berat Albayrak, dem Schwiegersohn von Präsident Erdoğan.

Die Quittung für investigative Arbeit

Die beiden Journalisten İsmail Saymaz und Murat Ağırel bekamen die Folgen ihrer investigativen Arbeit unmittelbar zu spüren. Wie bei schweren Straftätern wurde gegen beide Hausarrest angeordnet; außerdem wurden ihnen auf richterliche Anordnung elektronische Fußfesseln angelegt.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei.


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Türkei: Neue Schnellzugverbindung Richtung EU offiziell gestartet

Völkermord-Vorwurf gegen Israel
Nobelpreisträgerin Navi Pillay: „Israel begeht einen Völkermord“

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Genf– Israel hat im Gazastreifen Völkermord an den Palästinensern begangen, erklärte die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für die besetzten palästinensischen Gebiete, einschließlich Ost-Jerusalem, und Israel bereits im September 2025 in einem Bericht.

Die Kommission fordert Israel und alle Staaten auf, ihren rechtlichen Verpflichtungen nach dem Völkerrecht nachzukommen, um den Völkermord zu beenden und die Verantwortlichen zu bestrafen.

„Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass Israel für die Begehung von Völkermord in Gaza verantwortlich ist“, sagte Navi Pillay, damalige Vorsitzende der Kommission.

„Es ist eindeutig, dass eine Absicht besteht, die Palästinenser in Gaza durch Handlungen zu vernichten, welche die in der Völkermordkonvention festgelegten Kriterien erfüllen. Die Verantwortung für diese Scheußlichkeiten liegt bei den israelischen Behörden auf höchster Ebene“

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Mamdani nennt Netanjahu „Architekt eines schrecklichen Völkermordes“

Iran-Krieg
Iran droht mit Angriffen auf internationale Internetkabel und KI-Zentren

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Teheran – Iran hat mit Angriffen auf wichtige digitale Infrastruktur in der Golfregion gedroht, falls die USA und Israel den Krieg wieder aufnehmen. Mohsen Rezaee, ein führender iranischer Sicherheitsvertreter, nannte dabei Unterseekabel, Rechenzentren und Einrichtungen für künstliche Intelligenz als mögliche Ziele.

Zugleich wird in Iran über Gebühren und Genehmigungspflichten für internationale Datenkabel diskutiert, die durch iranische Gewässer verlaufen. Die Bedeutung der Infrastruktur reicht weit über die Region hinaus: Nach Angaben der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) werden mehr als 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs über Unterseekabel übertragen.

Rezaee droht mit Angriffen auf digitale Infrastruktur

Rezaee erklärte laut Berichten, dass bei einer Wiederaufnahme der Kampfhandlungen auch amerikanisch verbundene Unterseekabel, Rechenzentren und KI-Einrichtungen in der Region ins Visier genommen werden könnten. Den Wert der betreffenden Technologieinfrastruktur bezifferte er auf mehr als zwei Billionen US-Dollar.

Die Zahl stammt aus Rezaees eigener Darstellung und ist keine unabhängig bestätigte Bewertung. Seine Drohung macht jedoch deutlich, dass Iran im Fall einer erneuten militärischen Eskalation auch digitale Infrastruktur als möglichen Angriffspunkt betrachtet.

Die Äußerungen erfolgten vor dem Hintergrund der festgefahrenen Gespräche zwischen Washington und Teheran über die Straße von Hormus. Rezaee hatte die amerikanische Antwort auf iranische Forderungen als unzureichend bezeichnet. Nach einem Bericht der Associated Press warnte er zugleich vor Angriffen auf regionale digitale Infrastruktur, sollte der Krieg erneut aufflammen.

Warum Unterseekabel für die Weltwirtschaft unverzichtbar sind

Unterseekabel bilden das Rückgrat der internationalen digitalen Kommunikation. Die Glasfaserverbindungen auf dem Meeresboden transportieren Daten zwischen Kontinenten und ermöglichen unter anderem internationale Finanztransaktionen, Cloud-Dienste, Videokonferenzen und die Kommunikation zwischen Rechenzentren.

Auch Unternehmen, Behörden und zahlreiche öffentliche Dienstleistungen sind auf funktionierende internationale Datenverbindungen angewiesen. Störungen können deshalb nicht nur den Internetzugang beeinträchtigen, sondern auch Banken, Handel, Unternehmen und staatliche Einrichtungen treffen.

Die Internationale Fernmeldeunion, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, bezeichnet Unterseekabel als zentrale Infrastruktur der globalen digitalen Wirtschaft. Nach ihren Angaben laufen mehr als 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs über diese Leitungen. Weltweit existieren Hunderte aktive und geplante Kabelsysteme, die Länder und Kontinente miteinander verbinden.

Eine Beschädigung bedeutet nicht automatisch, dass ein ganzes Land vom Internet abgeschnitten wird. Die Folgen hängen davon ab, welche Kabel betroffen sind, welche Ausweichverbindungen bestehen und wie schnell Reparaturen durchgeführt werden können. Wo nur wenige Leitungen verfügbar sind, können Ausfälle jedoch besonders schwerwiegende Auswirkungen haben.

Straße von Hormus als strategischer Engpass

Die Straße von Hormus ist nicht nur für den Transport von Erdöl und Flüssiggas von großer Bedeutung. Durch den Persischen Golf verlaufen auch internationale Datenkabel, darunter die Systeme FALCON und Gulf Bridge International (GBI).

Damit berührt die geopolitische Bedeutung der Meerenge auch die digitale Infrastruktur. Wer Einfluss auf die Bedingungen für den Betrieb, die Wartung oder die Reparatur von Kabeln in einem bestimmten Seegebiet ausübt, kann für die Betreiber und die angeschlossenen Staaten zu einem wichtigen Faktor werden.

Gleichzeitig sind die rechtlichen Möglichkeiten eines Küstenstaates nicht unbegrenzt. Welche Genehmigungen und Gebühren zulässig sind, hängt unter anderem davon ab, wo eine Leitung verläuft und welche Regeln des internationalen Seerechts gelten. Die bloße Lage eines Kabels in der Region bedeutet daher nicht, dass Iran uneingeschränkt über das gesamte System verfügen kann.

Teheran diskutiert Gebühren für internationale Datenkabel

Neben der Drohung mit möglichen Angriffen wird in Iran auch über eine stärkere Regulierung der Unterseekabel diskutiert. Ein Bericht der mit den Revolutionsgarden verbundenen Nachrichtenagentur Tasnim hatte bereits im Mai Vorschläge aufgegriffen, internationale Kabelbetreiber zur Zahlung von Durchleitungsgebühren zu verpflichten und sie iranischen Genehmigungs- und Kontrollregeln zu unterwerfen.

Betroffen wären demnach auch große Technologieunternehmen wie Google, Meta, Microsoft und Amazon, soweit ihre Dienste oder die von ihnen genutzte Infrastruktur auf entsprechende Kabelverbindungen angewiesen sind. Die Kabel werden allerdings vielfach von internationalen Betreiberkonsortien und Telekommunikationsunternehmen betrieben, nicht von einzelnen Internetkonzernen allein.

Der Vorschlag wurde in Medienberichten als Versuch beschrieben, aus Irans geografischer Lage zusätzlichen wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu gewinnen. Ob und in welcher Form entsprechende Gebühren oder Genehmigungspflichten tatsächlich eingeführt werden, ist von der Diskussion über solche Vorschläge zu unterscheiden.

Digitale Infrastruktur wird zum geopolitischen Faktor

Die aktuellen Drohungen zeigen, wie eng die Sicherheit digitaler Verbindungen mit internationalen Konflikten verknüpft ist. Während Staaten ihre Abhängigkeit von stabilen Datenverbindungen verringern und zusätzliche Routen schaffen wollen, bleiben wichtige Kabelsysteme geografisch konzentriert und damit anfällig für Störungen.

Die Internationale Fernmeldeunion (ITU), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, weist darauf hin, dass Unterseekabel nicht nur durch gezielte Angriffe, sondern auch durch Schiffsanker, Fischerei und Naturereignisse beschädigt werden können. Reparaturen sind aufwendig und können längere Zeit in Anspruch nehmen. Zusätzliche Kabelrouten und internationale Zusammenarbeit können dazu beitragen, die weltweite Datenkommunikation widerstandsfähiger zu machen.

Sollte der Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel erneut eskalieren, könnte damit neben der Energieversorgung auch die digitale Verbindung zwischen Ländern und Kontinenten stärker unter Druck geraten.

NAZA-Doku
Netanjahu fordert Ermittlungen gegen Soldaten aus Gaza-Dokumentarfilm „NAZA“

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Tel Aviv – Der preisgekrönte Dokumentarfilm „NAZA“ wirft Fragen zur israelischen Kriegsführung im Gazastreifen auf. Anhand von Aussagen von 24 anonymisierten Soldaten und Geheimdienstmitarbeitern beleuchtet das Werk den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Überwachungssystemen bei der Auswahl militärischer Ziele sowie den Umgang mit erwarteten zivilen Opfern.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nun angeordnet, die Identitäten der im Film interviewten Militärangehörigen offenzulegen und sie strafrechtlich verfolgen zu lassen. Er wirft den Beteiligten schwere Verstöße gegen die Informationssicherheit, strafrechtlich relevante Verleumdung und eine Schädigung der diplomatischen und sicherheitspolitischen Interessen Israels vor. Die israelische Armee weist die Vorwürfe des Films zurück.

Netanjahu verlangt Offenlegung der Identitäten

In einem Schreiben forderte Netanjahu am Sonntag die israelische Militärführung, den Inlandsgeheimdienst Shin Bet und die Generalstaatsanwaltschaft auf, die Identitäten der interviewten Soldaten und Offiziere zu ermitteln und mögliche Straftaten zu verfolgen.

Der Regierungschef erklärte, es bestehe der Verdacht, dass die Verantwortlichen des Films schwerwiegende Straftaten begangen hätten, indem sie hochgradig geheime Informationen offengelegt und die Informationssicherheit einer besonders sensiblen Nachrichtendiensteinheit verletzt hätten. Zudem hätten sie Israels diplomatische und sicherheitspolitische Interessen geschädigt.

Die Anschuldigungen sind zunächst Vorwürfe der Regierung. Ob die Interviewten tatsächlich strafbare Handlungen begangen haben, ist damit nicht festgestellt. Die Forderung richtet sich gegen die anonymen Quellen des Films und betrifft damit auch den Schutz von Informanten, auf deren Aussagen journalistische Recherchen beruhen.

Was der Film über den Krieg in Gaza zeigt

„NAZA“ wurde von den israelischen Filmemachern Yuval Abraham und Rachel Szor inszeniert und vom britischen Guardian produziert. Der Dokumentarfilm stützt sich auf Aussagen von 24 anonymisierten Angehörigen des israelischen Militärs und der Geheimdienste. Die Interviewten schildern nach Darstellung des Films, wie Überwachungstechnologie und KI-gestützte Systeme bei der Identifizierung mutmaßlicher Hamas-Mitglieder und der Vorbereitung von Luftangriffen eingesetzt wurden.

Zu den zentralen Vorwürfen gehört, dass bei der Auswahl von Angriffszielen hohe Zahlen möglicher ziviler Todesopfer teilweise als hinnehmbarer Begleitschaden behandelt worden seien. Der Film thematisiert zudem den Einsatz umfangreicher Überwachung und digitaler Auswertung, um mutmaßliche Mitglieder bewaffneter Gruppen aufzuspüren.

Der Titel „NAZA“ verweist auf einen militärischen Begriff, der laut Berichten im Zusammenhang mit der erwarteten Zahl ziviler Opfer bei Angriffen verwendet wird. Die Regisseure wollen damit die Systeme und Entscheidungsprozesse hinter den Tötungen von Zivilisten im Gazastreifen untersuchen. Die israelische Armee hat die Darstellung zurückgewiesen und die Glaubwürdigkeit der anonymen Aussagen infrage gestellt.

Auszeichnung in Venedig und politische Reaktionen

International erhielt der Film große Aufmerksamkeit. Bei seiner Premiere im September 2026 auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig wurde er mit einer rund 25-minütigen Standing Ovation bedacht und erhielt den Spezialpreis der Jury.

In Israel löste die Veröffentlichung dagegen heftige Reaktionen aus. Netanjahu und weitere Regierungsvertreter griffen den Film und seine Macher an. Bereits im September hatte Netanjahu angekündigt, gesetzliche Schritte prüfen zu wollen, die unter anderem einen Entzug der israelischen Staatsbürgerschaft bei vermeintlicher Verleumdung der Streitkräfte ermöglichen sollten.

Eine solche Maßnahme wäre von einer gesetzlichen Grundlage abhängig; die Ankündigung allein bedeutet nicht, dass den Regisseuren die Staatsbürgerschaft entzogen wurde. Auch Morddrohungen und Einschüchterungsversuche aus dem rechten Spektrum wurden im Zusammenhang mit dem Film berichtet.

Abraham und Szor haben erklärt, dass sie sich von den Drohungen nicht von ihrer Arbeit abbringen lassen wollen. Sie begründen den Film mit der Verantwortung, als israelische Filmemacher die militärischen und politischen Strukturen hinter dem Tod palästinensischer Zivilisten zu untersuchen.

„NAZA“ soll weltweit kostenlos online zu sehen sein

Der politische Konflikt fällt mit einer internationalen Veröffentlichung des Films zusammen. Der Guardian und der Verleiher mk2 Films hatten im September angekündigt, „NAZA“ in insgesamt 56 Territorien in die Kinos zu bringen. Nach der Kinoauswertung soll der Film ab Ende November weltweit kostenlos auf der Website des Guardian abrufbar sein.

Die Regisseure und Produzenten begründen die frei zugängliche Veröffentlichung mit dem öffentlichen Interesse an den im Film behandelten Vorgängen. Die Online-Veröffentlichung soll es einem internationalen Publikum ermöglichen, die Aussagen der anonymen Militärangehörigen selbst zu sehen und sich mit den darin erhobenen Vorwürfen auseinanderzusetzen.

Damit steht „NAZA“ nicht nur für eine Auseinandersetzung über die israelische Kriegsführung im Gazastreifen. Der Fall wirft auch Fragen zum Umgang einer Regierung mit kritischen Dokumentarfilmen, zum Schutz journalistischer Quellen und zu den Grenzen staatlicher Reaktionen auf Veröffentlichungen auf, die das Handeln des Militärs infrage stellen.

 


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London: Israelkritische Doku NAZA wird gratis gestreamt

Israel
Israel-Critical Political Analyst Dr. Ori Goldberg Dies

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Tel Aviv – The renowned Israeli political scientist, Middle East expert, and prominent government critic Dr. Ori Goldberg has passed away at the age of 50 after a severe battle with cancer.

This was confirmed by his eldest daughter, Avigail. In international journalism and academic circles, Goldberg was regarded as one of the most prominent Jewish-Israeli voices opposing the official military and geopolitical strategies of Tel Aviv. His death has triggered deep condolences among analysts, human rights activists, and journalists worldwide.

Academic Background and Military Consulting

Goldberg possessed a profound understanding of the Israeli security apparatus, which he would later criticize so fiercely. He earned his doctorate from Tel Aviv University, focusing on the history and ideology of the Shiite revolutionary movement in Iran. Later, he served as a Fox International Fellow at the prestigious Yale University and taught as a professor at academic institutions including Reichman University and the Israeli National Defense College. His expertise was highly sought after, leading him to serve in the past as a national security advisor and senior research fellow at the IDF’s Dado Center.

A Courageous Voice Within Israeli Civil Society

Rather than representing the official state line, Goldberg transformed into one of the sharpest critics from within Israeli civil society. He published as a freelance commentator and author for international media outlets such as Al Jazeera, New Lines Magazine, The Nation, and South Africa’s Daily Maverick.

His essays for the left-leaning, Tel Aviv-based +972 Magazine—which is operated jointly by Israeli and Palestinian journalists—gained particular recognition. Goldberg also leaves behind an important academic legacy, including his books Faith and Politics in Iran, Israel and the Islamic State and Understanding Shi’i Leadership.

Critique of the Gaza War and Regional Escalation

In his analyses, Goldberg tirelessly warned against a perpetual war and denounced what he described as the moral decay of Israeli society. Particularly since the outbreak of the Gaza war, he criticized the dehumanization of the Palestinian population and accused the Israeli leadership of deliberately fueling the escalatory spiral with Iran and in Lebanon for domestic political gains.

Through his unique Jewish-Israeli perspective, he remained until the very end an irreplaceable and courageous voice for moderation, international law, and empathy in the Middle East.

 

Israel
Israelkritischer Polit-Analyst Ori Goldberg gestorben

Tel Aviv – Der renommierte israelische Politikwissenschaftler, Nahost-Experte und prominente Regierungskritiker Dr. Ori Goldberg ist im Alter von 50 Jahren nach einer schweren Krebserkrankung verstorben. Dies bestätigte seine älteste Tochter Avigail.

Während Goldberg im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannt war, galt er im internationalen Journalismus und in akademischen Kreisen als eine der profiliertesten jüdisch-israelischen Stimmen gegen die offizielle Militär- und Geopolitik Tel Avivs. Sein Tod löste bei Analysten, Menschenrechtlern und Journalisten weltweit große Bestürzung aus.

Goldberg war ein fundierter Kenner des israelischen Sicherheitsapparats, den er später so scharf kritisierte. Er promovierte an der Universität Tel Aviv über die Geschichte und die Denkschule der schiitischen Revolutionsbewegung im Iran. Später war er als Fox International Fellow an der renommierten Yale University tätig und lehrte als Professor an akademischen Einrichtungen wie der Reichman University sowie dem Israeli National Defense College.

Seine Expertise war so gefragt, dass er in der Vergangenheit auch als nationaler Sicherheitsberater und leitender Forschungsmitarbeiter am Dado Center der israelischen Verteidigungskräfte tätig war.

Anstatt jedoch die offizielle Staatslinie zu vertreten, wandelte sich Goldberg zu einem der schärfsten Kritiker aus dem Inneren der israelischen Zivilgesellschaft. Er publizierte als freier Kommentator und Autor für internationale Medien wie Al Jazeera, New Lines Magazine,

The Nation und die südafrikanische Daily Maverick. Besondere Bekanntheit erlangten seine Essays für das linksgerichtete, in Tel Aviv ansässige und von israelischen sowie palästinensischen Journalisten gemeinsam betriebene +972 Magazine. Goldberg hinterlässt zudem ein wichtiges akademisches Erbe, darunter seine Fachbücher Faith and Politics in Iran, Israel and the Islamic State und Understanding Shi’i Leadership.

In seinen Analysen warnte Goldberg unermüdlich vor einem ewigen Krieg und prangerte an, was er als moralischen Verfall der israelischen Gesellschaft bezeichnete. Insbesondere seit dem Ausbruch des Gaza-Kriegs kritisierte er die Dehumanisierung der palästinensischen Bevölkerung und warf der israelischen Führung vor, die Eskalationsspirale mit dem Iran und im Libanon aus innenpolitischem Kalkül gezielt anzuheizen.

Durch seine jüdisch-israelische Perspektive blieb er bis zuletzt eine unersetzliche und mutige Stimme der Mäßigung, des Völkerrechts und der Empathie im Nahen Osten.

 


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Nach Israel-Kritik: Über 170 jüdische Kulturschaffende verteidigen Mark Ruffalo

Çerkezköy–Kapıkule
Türkei: Neue Schnellzugverbindung Richtung EU offiziell gestartet

Edirne – In der türkischen Region Thrakien hat eine neue Schnellzugverbindung den Betrieb aufgenommen. Nach der offiziellen Eröffnung des 153 Kilometer langen Streckenabschnitts Çerkezköy–Kapıkule am 9. Oktober durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan fuhren am 10. Oktober 2026 die ersten Fahrgastzüge.

Die Verbindung verkürzt die Reisezeit zwischen Çerkezköy und Edirne nach Angaben des türkischen Verkehrsministeriums auf 54 Minuten. Zugleich ist die Strecke Teil eines größeren Eisenbahnprojekts, das Istanbul mit der bulgarischen Grenze verbinden und den Personen- und Güterverkehr zwischen der Türkei und der Europäischen Union verbessern soll, berichtet Anadolu.

Sechs Schnellzugfahrten täglich

Der erste Zug in Richtung Çerkezköy verließ den Bahnhof Edirne am 10. Oktober um 9 Uhr. Nach Angaben von Verkehrsminister Abdulkadir Uraloğlu werden auf der Verbindung täglich sechs Schnellzugfahrten in beide Richtungen angeboten.

Die Züge fahren von Çerkezköy nach Edirne um 10.45 Uhr, 15 Uhr und 19.30 Uhr. In der Gegenrichtung starten sie um 9 Uhr, 13 Uhr und 17.45 Uhr. Unterwegs halten sie in Büyükkarıştıran, Lüleburgaz und Babaeski. Die Verbindung führt damit durch mehrere Orte in Thrakien, bevor sie Edirne erreicht.

Nach Angaben des Verkehrsministeriums verfügen die Züge insgesamt über 411 Sitzplätze, darunter zwei für Rollstuhlnutzer vorgesehene Plätze. Die Reisezeit zwischen Çerkezköy und Edirne beträgt demnach 54 Minuten.

Für Reisende aus Istanbul ist weiterhin ein Umstieg vorgesehen. Zwischen Halkalı und Uzunköprü verkehren Regionalzüge, mit denen Fahrgäste nach Çerkezköy gelangen und dort in die Schnellzüge nach Edirne umsteigen können. In der Gegenrichtung ist der Umstieg ebenfalls in Çerkezköy möglich. Zusammen mit den sechs Schnellzugfahrten verkehren auf den genannten Verbindungen täglich acht Personenzüge in beiden Richtungen. Anadolu Ajansı

153 Kilometer lange Strecke mit neuer Infrastruktur

Der Abschnitt Çerkezköy–Kapıkule ist der längste Teil des insgesamt 229 Kilometer langen Projekts Halkalı–Kapıkule. Die Strecke wurde für eine Entwurfsgeschwindigkeit und einen Betrieb von bis zu 200 Kilometern pro Stunde ausgelegt. Sie ist zweigleisig, elektrifiziert und signaltechnisch ausgerüstet.

Zu den Bauwerken entlang der Strecke gehören nach Angaben Erdoğans 31 Brücken, acht Tunnel in offener Bauweise mit einer Gesamtlänge von 2.520 Metern, zwei Viadukte, 114 Unter- und Überführungen sowie 175 Durchlässe. Insgesamt wurden im Rahmen des Projekts 353 Kilometer Schienen verlegt.

Mit der Inbetriebnahme werden die Provinzen Tekirdağ, Kırklareli und Edirne an das türkische Schnellzugnetz angebunden. Der neue Abschnitt reicht bis Kapıkule an der Grenze zu Bulgarien. Der Ausbau des gesamten Korridors soll damit eine moderne Eisenbahnverbindung zwischen Istanbul, Thrakien und dem europäischen Schienennetz schaffen.

(Foto: Screenshot/X)

Kürzere Reisezeiten und mehr Kapazität für Güter

Bei der Eröffnungsfeier erklärte Erdoğan, dass sich mit der Fertigstellung der gesamten Verbindung die Fahrzeit für Reisende zwischen Halkalı und Kapıkule von vier Stunden auf eine Stunde und 30 Minuten verkürzen solle. Für den Gütertransport werde eine Reduzierung von acht Stunden und 30 Minuten auf drei Stunden und 30 Minuten erwartet.

Nach den von Erdoğan genannten Prognosen soll sich die Kapazität der Eisenbahnstrecke etwa vervierfachen. Die jährliche Zahl der beförderten Fahrgäste könne von 600.000 auf drei Millionen steigen. Beim Gütertransport werde eine Zunahme von 1,5 Millionen auf 9,5 Millionen Tonnen pro Jahr erwartet.

Erdoğan bezeichnete die Verbindung als strategisches Verkehrsprojekt. Sie werde, so seine Aussage, die Produktion Anatoliens mit den europäischen Märkten verbinden und als logistisches Rückgrat dazu beitragen, die türkischen Exportziele zu erreichen. Er erwarte außerdem Impulse für Handel, Tourismus, Produktion und Beschäftigung in Thrakien und im übrigen Land.

Die genannten Kapazitäts- und Zeitwerte beziehen sich auf die Wirkung des gesamten Projekts Halkalı–Kapıkule. Die nun aufgenommenen Fahrgastverbindungen verkehren zunächst zwischen Çerkezköy und Edirne.

EU beteiligt sich mit 275 Millionen Euro

Auch die Europäische Union sieht in dem Projekt eine wichtige Verbindung zwischen Europa und der Türkei. Die EU-Kommissarin für Erweiterung, Marta Kos, nahm an der Eröffnung teil. Sie bezeichnete die Strecke in einem Beitrag auf X als Symbol für das Potenzial der Zusammenarbeit zwischen der EU und der Türkei.

Kos zufolge handelt es sich um das größte Infrastrukturprojekt, das bisher im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit zwischen der EU und der Türkei durchgeführt wurde. Die EU-Kommission beziffert ihren Zuschuss für den Abschnitt Çerkezköy–Kapıkule auf 275 Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Instruments für Heranführungshilfe IPA II gemeinsam mit türkischen Mitteln. 

Kos erklärte, die Verbindung könne Menschen und Unternehmen näher zusammenbringen, das gegenseitige Vertrauen stärken und gute nachbarschaftliche Beziehungen fördern. Gemeinsam mit Erdoğan und Verkehrsminister Uraloğlu habe sie außerdem über den Ausbau von Verkehrs- und Energieverbindungen von der EU über die Türkei und den Südkaukasus bis nach Zentralasien gesprochen.

Die Europäische Kommission ordnet das Vorhaben in ihre überregionale Konnektivitätsagenda ein. Die Strecke soll die Verbindungen entlang des sogenannten Mittleren Korridors stärken, der Europa über die Türkei und den Südkaukasus mit Zentralasien verbindet.

Mart Kos (Foto: Screenshot/X)

Das türkische Eisenbahnnetz ist deutlich gewachsen

Die neue Verbindung steht auch für den Ausbau der türkischen Eisenbahninfrastruktur unter der seit 2002 regierenden AK-Partei von Erdoğan. Zu Beginn dieser Regierungszeit verfügte das Land zwar bereits über ein konventionelles Eisenbahnnetz, ein Hochgeschwindigkeitszugnetz gab es damals jedoch noch nicht.

Nach Angaben des türkischen Verkehrsministeriums betrug die Gesamtlänge des Schienennetzes 2002 rund 10.948 Kilometer. Ende 2024 waren es 13.919 Kilometer. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 3.000 Kilometern. Davon entfielen 2.251 Kilometer auf Hochgeschwindigkeitsstrecken, die seit 2002 neu aufgebaut wurden.

Auch die bestehende Infrastruktur wurde modernisiert. Nach Angaben des Verkehrsministeriums stieg die Länge der elektrifizierten Strecken von 2.122 Kilometern im Jahr 2002 auf 7.274 Kilometer. Das signalisierte Netz wuchs demnach von 2.505 auf 8.419 Kilometer. Die Zahlen zeigen, dass der Ausbau nicht nur neue Strecken umfasst, sondern auch die technische Modernisierung bereits vorhandener Verbindungen.

Die Entwicklung geht über einzelne Schnellzugprojekte hinaus. Die türkische Regierung verfolgt das Ziel, das Eisenbahnnetz weiter auszubauen und mehr Provinzen direkt an den Schnellzugverkehr anzuschließen. Verkehrsminister Uraloğlu nannte als Ziel, die Zahl der direkt an das Schnellzugnetz angebundenen Provinzen bis 2028 von elf auf 27 zu erhöhen. Die geplante Gesamtlänge des Schienennetzes soll ebenfalls weiter steigen.

Weitere Bauarbeiten zwischen Istanbul und Kapıkule

Mit der Eröffnung des Abschnitts Çerkezköy–Kapıkule ist das Gesamtprojekt Halkalı–Kapıkule noch nicht vollständig abgeschlossen. Nach Angaben des Verkehrsministeriums werden die Bauarbeiten am Abschnitt Ispartakule–Çerkezköy sowie an der Verbindung zwischen Ispartakule und Halkalı fortgesetzt.

Erst mit der Fertigstellung der übrigen Abschnitte soll die durchgehende moderne Eisenbahnverbindung von Halkalı in Istanbul bis Kapıkule an der bulgarischen Grenze vollständig zur Verfügung stehen. Der nun begonnene Fahrgastbetrieb zwischen Çerkezköy und Edirne ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

Gesellschaft
Studie: Deutsche blicken pessimistisch in die Zukunft

Berlin – Die Deutschen sehen der Zukunft einer aktuellen Umfrage zufolge mit großer Skepsis entgegen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) berichtet, hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Zeitung eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt. Demnach blicken nur 29 Prozent der Befragten den kommenden zehn Jahren mit Hoffnungen entgegen. 36 Prozent geben an, dass die Befürchtungen überwiegen.

Die Ergebnisse markieren einen deutlichen Wandel im Stimmungsbild. Im Jahr 1990 sahen noch 60 Prozent der Bevölkerung der Zukunft hoffnungsvoll entgegen, 2011 waren es 46 Prozent. Der Anteil derer, die mit Befürchtungen in die kommenden Jahre schauen, ist im gleichen Zeitraum von 16 auf 36 Prozent gestiegen.

Studie: Deutsche blicken pessimistisch in die Zukunft

Die Studie zeigt ein tiefes Unbehagen gegenüber der gesellschaftlichen Entwicklung. 74 Prozent der Befragten erwarten, dass die Gesellschaft in zehn Jahren politisch deutlich gespaltener sein wird als heute. Fast ebenso viele, 73 Prozent, gehen davon aus, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. 70 Prozent befürchten, dass die Zukunft unsicherer und weniger berechenbar wird. 62 Prozent erwarten zunehmende Spannungen zwischen Deutschen und Zuwanderern.

Auch die Folgen der Alterung der Gesellschaft bereiten der Bevölkerung Sorgen. 64 Prozent der Befragten gaben an, dass immer mehr Ältere Mühe haben werden, die Gesellschaft zu verstehen, und dass die wachsende Zahl älterer Menschen große Probleme mit sich bringen werde.

Nur wenige positive Erwartungen

Die Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung bei den meisten Themen mit einer Verschlechterung rechnet. 65 Prozent erwarten, dass die soziale Absicherung in zehn Jahren schlechter sein wird als heute, 62 Prozent befürchten eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung, 59 Prozent rechnen mit sinkendem Wohlstand und Lebensstandard. Nur bei drei Themen überwiegen positive Erwartungen: Bei der Ausstattung der Bundeswehr (69 Prozent erwarten eine Verbesserung), der Verkehrsinfrastruktur (41 Prozent) und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (30 Prozent).

Corona und Ukraine-Krieg als Verstärker der Unsicherheit

Als ein Grund für die pessimistische Stimmung gilt die Verunsicherung infolge der Corona-Krise und des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Auf die Frage, ob man heute in einer besonders unsicheren Zeit lebe, antworteten 72 Prozent der Befragten mit Ja. Im Jahr 2019 lag dieser Wert bei 45 Prozent.

Alterung der Gesellschaft verstärkt den Pessimismus

Ein weiterer Faktor ist laut der Analyse die Alterung der Gesellschaft. Während 49 Prozent der unter Dreißigjährigen den kommenden zehn Jahren mit Hoffnungen entgegensehen, sind es bei den Sechzigjährigen und Älteren nur 19 Prozent. Diese Unterschiede zwischen den Altersgruppen seien bis zu einem gewissen Grad naturgegeben, schreibt die F.A.Z. Eine alternde Gesellschaft sei auch eine Gesellschaft, die zunehmend zum Pessimismus neige.

Technologie bleibt ein Hoffnungsträger

Trotz der düsteren Stimmung zeigt die Umfrage auch Lichtblicke. Die Zustimmung zu der Aussage, dass technologische Neuerungen unheimlich seien, ist von 51 Prozent im Jahr 2019 auf 43 Prozent im September 2026 gesunken. Die Vorstellung, dass künstliche Intelligenz die Menschheit auslöschen könnte, halten nur 28 Prozent der Befragten für realistisch, 53 Prozent für unrealistisch.

Bemerkenswert ist auch, dass die Bürger ihren eigenen Vorhersagen wenig zutrauen. Auf die Frage, ob es möglich sei, die Zukunft vorauszusagen, antworteten nur zehn Prozent mit Ja, 81 Prozent verneinten dies.

Yasin Bas

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In Deutschland lernen immer mehr Schüler Türkisch

Bildung
Deutschland als Magnet für ausländische Studierende: Zahlen auf Rekordhoch

Berkin – Deutschland bleibt für junge Menschen aus dem Ausland ein begehrtes Studienziel. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) berichtet, waren im Wintersemester 2025/26 rund 500.000 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben, so viele wie nie zuvor. Damit gehört Deutschland neben den USA, Großbritannien und Australien zu den vier beliebtesten Gastländern weltweit und liegt innerhalb Europas auf Platz eins.

Indien und China als wichtigste Herkunftsländer

Besonders deutlich fällt der Zuwachs aus Asien aus. Nach Angaben der F.A.Z. kamen 2025 rund 60.000 Studierende aus Indien nach Deutschland, ein neuer Höchststand. Auch die Zahl der Studierenden aus China bleibt hoch. Fachlich konzentrieren sich viele von ihnen auf die MINT-Fächer sowie auf Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften.

Ein wesentlicher Grund für die Attraktivität Deutschlands sind die im internationalen Vergleich niedrigen Studienkosten. Während in Großbritannien oder den USA hohe Gebühren anfallen, sind die Kosten an deutschen Hochschulen vergleichsweise gering. Hinzu kommt der gute Ruf vieler Universitäten und die enge Verbindung von Forschung und Lehre. Auch die Möglichkeit, nach dem Abschluss bis zu 18 Monate in Deutschland zu bleiben, um eine passende Stelle zu finden, macht das Land für internationale Absolventen interessant.

Auch Studierende aus der Türkei zieht es nach Deutschland

Neben Indien und China bleibt auch die Türkei ein wichtiges Herkunftsland. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gehören türkische Studierende seit Jahren zu den größten Gruppen ausländischer Studierender in Deutschland. Viele von ihnen entscheiden sich für ein Studium in den Bereichen Ingenieurwesen, Wirtschaft oder Sozialwissenschaften. Neben den vergleichsweise niedrigen Studienkosten spielt für viele auch die bereits bestehende türkische Community in Deutschland eine Rolle, die den Start erleichtert.

Die F.A.Z. weist allerdings auch auf Herausforderungen hin. Die Zeitung weist auf die „exorbitanten Mieten“ hin. Zudem berichtet die F.A.Z. von Schwierigkeiten bei der Integration und geringen Sprachkenntnissen.

Yasin Bas

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