Bauen und Renovieren
Nachhaltiger bauen – warum Aluminium beim Heimwerken immer beliebter wird

Aluminium hat sich vom industriellen Werkstoff zum vertrauten Material für Haus, Garten, Werkstatt und Ausbau entwickelt. Der Trend hat gute Gründe: Alu-Profile sind leicht, stabil, sauber zu verarbeiten und langlebig. Damit passen sie zu Projekten, bei denen weniger Verschnitt, genaue Maße und haltbare Ergebnisse zählen.

Werkstoff Aluminium – leicht, stabil und vielseitig

Heimwerker setzen Aluminium ein, weil das Material viele praktische Anforderungen erfüllt. Es rostet nicht wie ungeschützter Stahl, bleibt formstabil und lässt sich mit üblichen Werkzeugen bearbeiten. Profile aus Aluminium eignen sich für Rahmen, Verkleidungen, Kanten, Regale, Leisten und kleine Konstruktionen.

Die wachsende Beliebtheit hängt auch mit der Planbarkeit zusammen. Wer ein Profil in passender Länge bestellt, spart Material, Lagerplatz und Nacharbeit. Gerade bei Projekten im Innenausbau oder beim Bau kleiner Unterkonstruktionen zählt jeder Millimeter. Alu-Winkelprofile schützen Ecken, schließen Kanten sauber ab und verbinden Bauteile zuverlässig.

Nachhaltiger bauen – warum Präzision Ressourcen spart

Nachhaltiges Bauen beginnt nicht erst bei großen Gebäuden. Auch kleine Projekte profitieren von durchdachten Materialien. Aluminium benötigt in der Primärherstellung viel Energie, besitzt aber eine hohe Lebensdauer und lässt sich gut recyceln. Der ökologische Vorteil entsteht vor allem dann, wenn Bauteile lange genutzt, sortenrein getrennt und später wieder dem Materialkreislauf zugeführt werden.

Passgenaue Profile reduzieren Fehlkäufe und Reststücke. Ein millimetergenauer Zuschnitt erleichtert die Montage und senkt das Risiko, Material durch ungenaue Sägeschnitte zu verlieren.

Alu-Profile im Baualltag – vom Innenausbau bis zur Fassade

Alu-Profile erfüllen auf dem Bau viele Aufgaben. Sie dienen als Abschlussleisten, Kantenschutz, Führungsschienen, Rahmenprofile, Unterkonstruktionen oder Einfassungen. Im Trockenbau schützen sie belastete Ecken. Im Sanitärbereich fassen sie Platten und Übergänge sauber ein. Bei Fassaden, Balkonen oder leichten Verkleidungen spielt ihre Witterungsbeständigkeit eine wichtige Rolle.

Auch im privaten Umfeld wächst das Einsatzspektrum. Alu-Profile helfen bei stabilen Werkstattlösungen, sauberen Abdeckungen und leichten Konstruktionen für Haus und Garten. Bei Sanierungen entstehen präzise Anschlüsse rund um Türen, Wandverkleidungen oder Fenster.

Profile nach Maß – Zuschnitt und Materialauswahl

Aluminiumprofile gibt es in Formen, die unterschiedliche Aufgaben im Ausbau übernehmen. Winkel schützen und stabilisieren Kanten, U-Profile fassen Platten oder Scheiben ein, Rohre und Systemprofile eignen sich für leichte Rahmen oder Unterkonstruktionen. So entsteht für viele Bauarbeiten eine saubere, planbare Lösung.

Entscheidend ist dabei die richtige Länge. Exakte Längen erleichtern die Planung, verkürzen die Nacharbeit und sorgen dafür, dass Rahmen, Abdeckungen und Einfassungen sauber sitzen. Für Heimwerker, Sanierer, Planer und kleine Betriebe ist das ein praktischer Vorteil. Tragende Bauteile brauchen weiterhin eine fachgerechte statische Prüfung, doch viele nichttragende Konstruktionen lassen sich mit Aluminiumprofilen deutlich geordneter umsetzen.

Alu-Winkel – kleine Profile mit großer Wirkung

Alu-Winkel sind Profile in L-Form. Sie werden eingesetzt, wenn Ecken stabiler werden, Kanten geschützt oder zwei Bauteile sauber verbunden werden sollen. Kleine Winkel eignen sich für feine Abschlüsse, stärkere Varianten für robustere Konstruktionen.

Viele Alu-Winkel bestehen aus der Aluminiumlegierung AlMgSi0,5 (EN AW-6060). Dieses Material ist leicht, korrosionsbeständig und lässt sich gut bearbeiten. Die Oberfläche ist pressblank, also roh und unbehandelt. Dadurch können die Profile direkt genutzt oder je nach Projekt weiterverarbeitet werden.

Aluminium und Holz – eine sinnvolle Materialfrage

Die Frage nach der Ökobilanz von Aluminium gegenüber Holz lässt sich nicht pauschal beantworten. Holz überzeugt als nachwachsender Rohstoff, benötigt aber Schutz, Pflege und eine geeignete Konstruktion. Aluminium verlangt in der Herstellung mehr Energie, bietet dafür eine lange Nutzungsdauer, hohe Maßhaltigkeit und gute Recyclingfähigkeit.

Für Heimwerker entscheidet deshalb der Einsatzort. Holz eignet sich für warme, natürliche Oberflächen und tragende Anwendungen. Aluminium überzeugt bei Kanten, Feuchträumen, Außenbereichen, Rahmen und technischen Lösungen. Wer die Materialien klug kombiniert, baut langlebiger und vermeidet unnötige Reparaturen.

Aluminium macht Heimwerken planbarer

Aluminium wird beim Heimwerken beliebter, weil es präzise, langlebig und gut zu verarbeiten ist. Alu-Profile schützen Kanten, verbinden Bauteile, fassen Flächen ein und geben leichten Konstruktionen mehr Stabilität. Passende Längen und schräge Schnitte an Ecken reduzieren Verschnitt und erleichtern saubere Ergebnisse.

Nachhaltigkeit entsteht hier im Kleinen: durch weniger Nacharbeit, lange nutzbare Bauteile und ein Material, das sich recyceln lässt. Aluminium passt damit gut zu modernen Heimwerkerprojekten, bei denen Funktion, Materialbewusstsein und saubere Ausführung im Fokus stehen.

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Namibia
Herero-Völkermord: Namibias Parlament fordert Mitsprache mit Deutschland

Windhoek/Berlin – Eine namibische Parlamentsdelegation hat bei einem offiziellen Besuch in Berlin ernsthafte Bedenken über den festgefahrenen Stand der Verhandlungen zwischen Namibia und Deutschland über Wiedergutmachung für den Völkermord an den Herero und Nama geäußert.

Der Parlamentarische Ständige Ausschuss für Internationale Beziehungen, Verteidigung und Sicherheit, geleitet von der amtierenden Vorsitzenden Utaara Mootu, traf am 6. Mai 2026 mit Mitgliedern des Deutschen Bundestages zusammen.

„Wir können keinen Prozess akzeptieren, der über unser Volk spricht, ohne seine gewählten Vertreter vollständig einzubeziehen. Das Parlament darf kein Beobachter sein — es muss ein zentraler Teilnehmer dieser Verhandlungen sein“, sagte Mootu.

€1,1 Milliarden — aber keine echten Reparationen

Der Ausschuss nahm zur Kenntnis, dass Deutschland den Völkermord 2021 offiziell anerkannt und eine Entwicklungshilfe von 1,1 Milliarden Euro über 30 Jahre zugesagt hat. Dennoch stellte er sich ausdrücklich auf die Seite der betroffenen Gemeinschaften, die dieses Angebot als unzureichend und nicht als echte Reparationen betrachten.

Deutschland betont, dass aus der Anerkennung keine rechtlichen Entschädigungsansprüche erwüchsen.

Mootu kritisierte, dass der aktuelle Verhandlungsrahmen auf Regierung-zu-Regierung-Gespräche beschränkt sei.

„Der aktuelle Ansatz entspricht nicht den demokratischen Standards, die sowohl Namibia als auch Deutschland vertreten. Ein Parlament-zu-Parlament-Prozess ist keine Option — er ist notwendig.“

Die Abgeordnete appellierte auch ans historische Gewissen: „Unser Volk stellt berechtigte Fragen. Es sieht, wie andere historische Ungerechtigkeiten weltweit behandelt wurden, und fragt, warum sein Schmerz anders behandelt wird.“ Und weiter: „Es geht nicht nur um finanzielle Verpflichtungen — es geht um Gerechtigkeit, Würde und Anerkennung. Jedes Ergebnis, das diese Prinzipien nicht widerspiegelt, wird nicht nachhaltig sein.“

Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts

Von 1884 bis 1915 war das Deutsche Kaiserreich Kolonialmacht im heutigen Namibia — der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“. Die einheimische Bevölkerung wurde durch Rassentrennung, Landenteignungen und Unterdrückung systematisch entrechtet.

Als die Herero im Januar 1904 begannen, sich gegen die Kolonialherrschaft zu wehren, entsandte Berlin Verstärkung unter Generalleutnant Lothar von Trotha. Am 2. Oktober 1904 erließ von Trotha einen förmlichen Vernichtungsbefehl gegen die Herero: „Ich glaube, dass die Nation als solche vernichtet werden muss.“

Sechs Monate später, am 22. April 1905, folgte ein zweiter Vernichtungsbefehl — diesmal gegen die Nama. Von Trotha wurde dabei vom Chef des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen und Kaiser Wilhelm II. unterstützt.

Die Herero wurden in die wasserlose Omaheke-Wüste gedrängt, von Wasserstellen verjagt und zum Verdursten gebracht. Überlebende wurden in Konzentrationslager gesperrt — die ersten ihrer Art in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, errichtet nach dem Vorbild britischer Buren-Lager.

Von den ursprünglich 60.000 bis 80.000 Herero überlebten schätzungsweise nur 16.000 bis 20.000. Rund die Hälfte der etwa 20.000 Nama fiel ebenfalls der Vernichtungspolitik zum Opfer. Insgesamt kamen zwischen 65.000 und 100.000 Menschen ums Leben — Historiker bezeichnen diese Verbrechen heute als den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. 

Jahrelanger Kampf — auch vor US-Gerichten

Deutschland bezeichnete die Verbrechen erstmals 2006 offiziell als Völkermord, lehnte Reparationszahlungen jedoch ab. 2017 reichten Nachfahren beider Volksgruppen eine Sammelklage gegen Deutschland vor einem New Yorker Gericht ein. 2019 fochten regierungsunabhängige Herero- und Nama-Verbände vor einem US-Berufungsgericht eine Nichtzuständigkeitserklärung an.

Ihr Anwalt Kenneth McCallion argumentierte: „Der Völkermord hat eine direkte Verbindung nach New York“ — unter anderem wegen des Verkaufs von Schädeln getöteter Afrikaner an das American Museum of Natural History.

Israel Kaunatjike, ein in Berlin lebender Herero-Aktivist, sprach gegenüber NEX24 von „Geheimverhandlungen, zu denen die Opferverbände nicht eingeladen sind“. Die namibische Regierung verfolge nur finanzielles Interesse an Entwicklungshilfe. „Das ist ein ‚Teile und herrsche‘, und das stört uns einfach. Unsere Anliegen werden ignoriert. Sie werden uns aber nicht bremsen können.“

Kambanda Nokokure Veii von der Ovaherero Genozid Stiftung brachte bereits in der Vergangenheit den Vergleich auf den Punkt: „Wir wollen keine Entwicklungshilfe, wir wollen Reparationen und Heilung, so wie bei den Juden. Behandelt man uns anders, weil wir Afrikaner sind?“ Ein Genozid sei ein Genozid, ganz gleich, ob an Juden oder Afrikanern verübt.

Parlament fordert Neustart

Der Ausschuss rief die namibische Regierung auf, das Parlament formell in alle laufenden und künftigen Verhandlungen mit Deutschland einzubeziehen. Eine bedeutungsvolle Lösung erfordere Transparenz, Inklusivität und ein gemeinsames Bekenntnis zur Wiedergutmachung — und müsse den Willen der betroffenen Ovaherero- und Nama-Gemeinschaften widerspiegeln.

Das Land, das einst von deutschen Siedlern enteignet wurde, gehört bis heute überwiegend weißen Großgrundbesitzern und dem namibischen Staat. Restitution oder Entschädigung für dieses Land bleibt eine der zentralen offenen Forderungen der Nachfahren.

 


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Herero-Sprecherin: „Deutschland verhält sich wie ein Vergewaltiger, der gleichzeitig Richter ist“

Israel-Kritik
Trotz US-Sanktionen: Spanien verleiht Albanese Auszeichnung

Madrid – Trotz US-amerikanischer Sanktionen und drohender Strafverfolgung in Deutschland hat Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez der UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen seines Landes verliehen.

In einer Zeremonie in Madrid überreichte Sánchez der italienischen Menschenrechtsjuristin den Orden für zivile Verdienste — den Order of Civil Merit — und würdigte damit ihre Arbeit zur Dokumentation von Verstößen gegen das Völkerrecht in Gaza.

Sánchez gilt als einer der schärfsten Kritiker der israelischen Politik innerhalb der EU und hatte zuletzt vorgeschlagen, das EU-Assoziierungsabkommen mit Israel zu kündigen.

Auch gegenüber Washington hat er klare Kante gezeigt — Spanien verweigerte den USA die Nutzung seiner Militärbasen für den Iran-Krieg. Zuletzt drohte US-Präsident Donald Trump, Spanien aus der NATO auszuschließen.

„Öffentliche Verantwortung bringt auch die moralische Pflicht mit sich, nicht wegzuschauen“, sagte Sánchez bei der Verleihung. „Es ist eine Ehre, den Orden für zivile Verdienste an eine Stimme zu verleihen, die das Gewissen der Welt hochhält.“

Guernica und Gaza

Einen Tag vor der Auszeichnung hatte Albanese das Madrider Kunstmuseum Reina Sofía besucht, um Picassos Guernica zu sehen — jenes monumentale Gemälde, das die Bombardierung der baskischen Stadt durch Nazi-Deutschland im Jahr 1937 anklagt.

Vor dem Bild sagte Albanese, die dargestellte Zerstörung sei „reminiscent of what we have seen“ in Gaza. Die Waffenruhe im Gazastreifen sei bedeutungslos, fügte sie hinzu: „Diejenigen an der Macht drängen darauf, dass die Welt den Blick von Gaza abwendet und es vergisst. Und das ist es, was der Großteil der Welt getan hat.“

Bei einer weiteren Veranstaltung in Madrid am Mittwochabend, bei der sie auch ihr Buch „When the World Sleeps: Stories, Words and Wounds of Palestine“ vorstellte, erneuerte Albanese ihre Kritik an Israel und am Versagen der internationalen Gemeinschaft. „Es gibt einen Genozid gegen das gesamte palästinensische Volk vom Fluss bis zum Meer: Das Ziel ist Zerstörung, und das Ergebnis ist ebenfalls Zerstörung“, sagte sie.

Den gegenwärtigen Moment bezeichnete sie als „Apokalypse“:

„Viele Menschen sind aufgewacht, aber es reicht nicht. Im März 2024 habe ich gesagt, dass es eine Änderung der Kriegsregeln geben würde, wenn wir Israel nicht stoppen. Und dann, sechs Monate später, geschah genau das im Libanon — und jetzt im Iran. Sie nennen es die Gaza-Doktrin.“

Albanese lobte die spanische Regierung ausdrücklich für ihre Haltung zu Gaza und ihre Bemühungen, die US-Sanktionen zu bekämpfen. Zugleich warnte sie, Israels Vorgehen habe einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen, was die Erosion des Völkerrechts betreffe.

Sánchez schreibt an die EU

Die Auszeichnung fiel nicht zufällig auf diesen Zeitpunkt. Bereits einen Tag zuvor hatte Sánchez die Europäische Kommission schriftlich aufgefordert, die sogenannte EU-Blocking-Verordnung zu aktivieren — ein Rechtsinstrument, das europäische Institutionen und Einzelpersonen vor den Auswirkungen US-amerikanischer Sanktionen schützen soll.

In seinem Schreiben forderte er Brüssel auf, sowohl den Internationalen Strafgerichtshof als auch die Vereinten Nationen vor dem amerikanischen Sanktionsdruck zu schützen. Die US-Sanktionen stellten „einen sehr beunruhigenden Präzedenzfall dar, der die unabhängige Arbeit von Institutionen gefährdet, die für die internationale Justiz unerlässlich sind“, schrieb Sánchez. „Die EU kann angesichts dieser Verfolgung nicht untätig bleiben.“

Gegenüber dem spanischen Sender RTVE kommentierte Albanese die Sanktionen gegen sie mit den Worten: „Es ist wie eine internationale Mafia — sie wollen alle zum Schweigen bringen, die ein Ende des Genozids, ein Ende der Verbrechen fordern.“

Spanien kritisiert auch Festnahme von Saif Abukeshek

Am selben Tag äußerte sich der spanische Außenminister José Manuel Albares vor dem spanischen Parlament zur anhaltenden Inhaftierung des spanisch-palästinensischen Aktivisten Saif Abukeshek durch Israel. Er bezeichnete die Festnahme als „unzulässig und inakzeptabel“.

Abukeshek sei „illegal“ in internationalen Gewässern festgenommen worden, in denen Israel „keine Jurisdiktion“ gehabt habe — während er an Bord einer humanitären Hilfsflotille nach Gaza unterwegs war.

Albares erklärte, er habe den israelischen Botschafter in Spanien einbestellt und direkt mit dem israelischen Außenminister Gideon Saar gesprochen. „Spanien hat ohne Zögern, mit vollständiger Klarheit und Entschlossenheit auf Verstöße gegen das Völkerrecht reagiert“, sagte Albares.

Sanktionen, Bankverbote, Gerichtsverfahren

Hintergrund der Auszeichnung ist eine beispiellose Repressionskampagne gegen Albanese. Im Juli 2025 setzte US-Außenminister Marco Rubio die UN-Sonderberichterstatterin auf die Specially Designated Nationals (SDN)-Liste des US-Finanzministeriums — eine Sanktionsliste, die ursprünglich für Terroristen und Diktatoren konzipiert wurde.

Auslöser waren Albaneses Berichte über die sogenannte „Genocide Economy“ sowie ihre Forderung an den Internationalen Strafgerichtshof, amerikanische und israelische Unternehmen und Einzelpersonen wegen mutmaßlicher Beihilfe zu schweren Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen.

Die Folgen für ihr Alltagsleben sind gravierend: Albanese kann weltweit keine Bankkonten eröffnen oder führen — auch nicht in ihrer Heimat Italien. Europäische Banken, darunter die Banca Etica, verweigern ihr die Kontoführung aus Angst vor US-Sekundärsanktionen, die Strafen von bis zu 20 Millionen Dollar und bis zu 30 Jahren Gefängnis vorsehen.

Sie hat öffentlich erklärt, weder ihr Gehalt empfangen noch Dienstleistungen bezahlen oder Kreditkarten nutzen zu können. Sie fühle sich behandelt wie „Bin Laden“, sagte sie in Anspielung auf die totale finanzielle Isolation.

Im Februar 2026 reichte ihre Familie Klage gegen US-Behörden ein — mit der Begründung, die Sanktionen verletzten ihre Grundrechte.

Drohende Strafverfolgung in Deutschland

Neben den US-Sanktionen sieht sich Albanese auch in Deutschland mit Restriktionen konfrontiert. Sie stand zeitweise vor der Möglichkeit einer Festnahme in Deutschland wegen ihrer Sprache — insbesondere wegen der Verwendung des Begriffs „Genozid“ im Zusammenhang mit Israels Militäroperationen in Gaza.

Sánchez‘ Entscheidung, ihr dennoch eine Staatsauszeichnung zu verleihen, wird international als klares politisches Signal gewertet: gegen die Kriminalisierung von UN-Mandatsträgern und für die Unabhängigkeit internationaler Rechtsinstitutionen.

Francesca Albanese ist seit 2022 UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage in den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten. Die italienische Rechtswissenschaftlerin hat sich zu einer der prominentesten internationalen Stimmen entwickelt, die Israels Militäroperationen in Gaza öffentlich als Genozid bezeichnet und die internationale Gemeinschaft für ihr Versagen kritisiert, diesen zu verhindern und zu ahnden.

 


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Jüdische Aktivistin: Deutschlands Israel-Politik ist Verrat

Gideon Saar in Berlin
Jüdische Aktivistin: Deutschlands Israel-Politik ist Verrat

München – Eine in Israel geborene und in Deutschland aufgewachsene jüdische Aktivistin hat in einem öffentlichen Brief auf Facebook Bundesaußenminister Johann Wadephul scharf angegriffen.

Shelly Steinberg, Mitglied der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe München, reagierte damit auf Wadephuls jüngste Äußerungen zur deutsch-israelischen Sicherheitspartnerschaft.

Auslöser war ein Treffen des Bundesaußenministers mit dem israelischen Außenminister Gideon Saar in Berlin, bei dem Wadephul erklärt hatte, Deutschland und Israel stünden sich „näher als je zuvor“ und hätten eine „ganz neue Sicherheitspartnerschaft“ begründet. Das Einstehen „für die Existenz und für die Sicherheit des Staates Israels“ gehöre zum „Wesenskern“ der Beziehungen beider Länder, so Wadephul. Der Erwerb des israelischen Raketenabwehrsystems Arrow 3 erfülle ihn „mit Demut“.

„Ich bin geschockt und traumatisiert“

Steinberg beginnt ihren Brief mit einem persönlichen Bekenntnis. Seit Jahrzehnten beobachte sie als Jüdin mit deutscher Staatsbürgerschaft Deutschlands Haltung zu Israel und Palästina. Die übliche politische Formulierung — „Ich bin besorgt“ — reiche ihr nicht mehr. „Nein, ich bin geschockt und traumatisiert“, schreibt sie.

Ihre Großeltern hätten 1935 aus Deutschland fliehen müssen. Der Großteil der restlichen Familie sei in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern ermordet worden. Ihre Großeltern hätten ihr erzählt, wie sie die Deutschen damals erlebt hätten — empathielos, gefühllos, brutal und schier unmenschlich. Das habe sie stets theoretisch nachvollziehen können. „Doch die heutige deutsche Politik lässt es mich auch praktisch sehr gut nachvollziehen.“

Obwohl sie als Jüdin mit dieser Familiengeschichte in Deutschland aufgewachsen sei, habe sie nie eine verurteilende Haltung gegenüber den Deutschen gehabt. „Das hat sich in den letzten Jahren geändert — dank Ihrer Politik.“ Die Gefühle ihrer Großeltern könne sie heute extrem nachvollziehen: „Denn alles, was sie mir erzählt haben, sehe ich jetzt live.“

„Deutschland steht wieder auf der falschen Seite der Geschichte“

Steinberg wirft der deutschen Politik vor, nie eine echte Aufarbeitung der eigenen Geschichte geleistet zu haben. „Wieder stellt sich Deutschland auf die Seite eines Völkermordes und macht sich aktiv daran mitschuldig.“ Ein Trauma, das bei ihr nie vorhanden gewesen sei, sei nun aktiviert worden.

Die Welt — und im Grunde auch sie selbst — habe Deutschland den Holocaust verziehen. Doch was werde aus diesem Vertrauensvorschuss gemacht? „Sie verraten ihn und die Verantwortung, die aus dem Holocaust hätte resultieren müssen.“ Politiker wie Wadephul suggerierten, ihre Haltung entspringe der historischen Verantwortung gegenüber den Juden.

Steinberg sieht das genau umgekehrt:

„Ihre Loyalität zu einem faschistischen, rassistischen, genozidalen Staat entspringt nicht einer historischen Verantwortung aus dem Holocaust — im Gegenteil: Sie fahren mit der Geschichte fort.“

Unter dem Deckmantel der Verantwortung gegenüber Juden würden die größten Verbrechen der Menschheit unterstützt. Das sei, so Steinberg, „perfide und in höchstem Maße antisemitisch“. Und weiter: „Wenn Sie schon nicht Unrecht von Recht unterscheiden können, dann missbrauchen Sie zumindest nicht die Juden und Jüdinnen als Schutzschild.“

Verrat am deutschen Volk

Steinberg richtet ihren Vorwurf nicht nur an die internationale Öffentlichkeit, sondern auch an die deutsche Bevölkerung selbst. Wadephul habe einen Amtseid geleistet, sämtlichen Schaden vom deutschen Volk abzuwehren.

„Nun steht Deutschland wieder einmal wegen Beihilfe zum Völkermord vor dem Internationalen Gerichtshof“, so Steinberg weiter.  „Sie begehen Verrat an der eigenen Bevölkerung — wenn Ihnen schon die Palästinenser und alle anderen Menschen, die unter Israel zu leiden haben, egal sind, dann zeigen Sie wenigstens Loyalität zur deutschen Bevölkerung.“

Täglich würden Bürger wegen ihrer kritischen Haltung zu Israel von Politikern kriminalisiert, diffamiert und drangsaliert — obwohl das Grundgesetz genau wegen eines solchen Verhaltens der politischen Führung so verfasst worden sei: als Schutz der Bürger vor willkürlichen Übergriffen.

„Das, verehrter Herr Dr. Wadephul, ist Ihr Vermächtnis — eine Beschädigung Deutschlands innen und außen.“

Den Schlusssatz des Briefes widmet Steinberg den Opfern des Konflikts: „Dennoch ist das nichts im Vergleich zu dem Preis, den die Palästinenser für Ihre Politik und Ihr menschliches Versagen bezahlen müssen. Ich hoffe, Ihnen ist klar, wie viele Menschenleben auf Ihr Konto gehen.“

Zutritt verweigert — bei einer Anti-Rechts-Veranstaltung

Steinbergs Brief ist nicht ihr erster öffentlicher Konflikt in Deutschland. Im Oktober 2025 meldete sie sich gemeinsam mit der jüdischen Künstlerin Suzanna Treumann zu einer Veranstaltung von „München ist bunt“ und „Aufstehen gegen Rassismus“ an — eine Anti-Rechts-Veranstaltung im Münchner Fat Cat.

Am Einlass wurde beiden der Zutritt verweigert. Als Begründung nannte der Veranstalter den Punkt „antisemitisch“ aus dem eigenen Vorbehaltskatalog.
Steinberg berichtete gegenüber der jungen Welt:

„Ich fragte mehrfach, ob sie mir — einer Jüdin aus Israel — ernsthaft Antisemitismus unterstellen würden.“

Nach kurzem Rückzug ins Innere der Veranstaltung blieb das Zutrittsverbot bestehen. Der angegebene Grund: Steinberg habe auf einer „Palästina spricht“-Demo gesprochen.

„Dabei habe ich nie auf so einer Demo gesprochen“, so Steinberg. Suzanna Treumann wurde der Einlass aufgrund einer sogenannten „Kontaktschuld“ verweigert. Steinberg suchte daraufhin anwaltliche Hilfe. Der Vorfall erregte bundesweit Aufmerksamkeit.

Wer ist Shelly Steinberg?

Shelly Steinberg wurde in Israel geboren und ist in Deutschland aufgewachsen — sie besitzt beide Staatsbürgerschaften. In München ist sie Mitglied der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe und tritt regelmäßig auf Demonstrationen auf.

Sie ist Unterzeichnerin eines offenen Briefes jüdischer Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler in Deutschland, der sich gegen den Bundestag-Beschluss zum Schutz jüdischen Lebens richtet — mit der Begründung, dieser gefährde die Vielfalt jüdischen Lebens, schränke die Meinungsfreiheit ein und stelle alle Juden unter Generalverdacht.

Von sich selbst sagt sie: „Ich habe beide Staatsbürgerschaften, auf die ich nie stolz war — aber noch nie habe ich mich so geschämt wie jetzt.“

 


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Iran: Juden verurteilen US-Israeli-Anschlag auf Synagoge

Israel
Schwerer Imageschaden: Israel steigert Hasbara-Ausgaben auf über 700 Mio Dollar

Jerusalem – Israel hat sein Budget für öffentliche Diplomatie auf ein historisches Rekordniveau angehoben.

Die Knesset verabschiedete im vergangenen Monat einen Nationalhaushalt für 2026, der rund 730 Millionen Dollar für sogenannte Hasbara vorsieht — den hebräischen Begriff für staatliche Öffentlichkeitsarbeit und Auslandskommunikation.

Das entspricht mehr als dem Vierfachen der 150 Millionen Dollar, die im Vorjahr dafür bereitgestellt wurden. Und dieser Vorjahresbetrag war seinerseits bereits rund zwanzigmal höher als das, was Israel vor Ausbruch des Gaza-Krieges im Jahr 2023 für solche Zwecke ausgegeben hatte. Zuerst berichtete die Jerusalem Post über die Zahlen.

Pew-Umfrage: Mehrheit der Amerikaner sieht Israel negativ

Die beispiellose Ausgabensteigerung findet vor dem Hintergrund massiv sinkender Sympathiewerte statt. Umfrage um Umfrage belegt, dass die Unterstützung für Israel in den USA — dem wichtigsten Verbündeten des Landes — deutlich zurückgegangen ist.

Eine aktuelle Erhebung des Pew Research Center ergab, dass 60 Prozent der Amerikaner Israel inzwischen negativ beurteilen — ein Anstieg von sieben Prozentpunkten innerhalb eines einzigen Jahres. Nur noch 37 Prozent haben eine positive Meinung.

Besonders bemerkenswert für ein Land, das lange auf breite parteiübergreifende Unterstützung in den USA zählen konnte: 57 Prozent der Republikaner unter 50 Jahren stehen Israel mittlerweile negativ gegenüber. Einbrüche verzeichnen auch religiös nicht gebundene Amerikaner, schwarze Protestanten und Katholiken. Selbst unter amerikanischen Juden ist die Unterstützung auf unter zwei Drittel gesunken.

Influencer, KI und ein zentrales „Media War Room“

Mit dem Geld soll eine breit angelegte Offensive gestartet werden. Einem Bericht des Middle East Eye zufolge, der vor Experten warnt, die gezielt Hasbara und Desinformation im digitalen Raum über Palästina betreiben, fließen die Mittel in mehrere Kanäle gleichzeitig: massive Werbekampagnen in sozialen Netzwerken, der Einsatz von KI-gestützten Kommunikationswerkzeugen, Influencer-Kampagnen sowie die Finanzierung ausländischer Delegationsreisen nach Israel.

Darüber hinaus soll innerhalb des Außenministeriums ein zentralisierter „Media War Room“ eingerichtet werden, der die Kommunikationsstrategie koordiniert.

Besondere Aufmerksamkeit gilt US-amerikanischen Universitäten und jüngeren Amerikanern — jenen Bevölkerungsgruppen, in denen die Sympathien für die palästinensische Seite zuletzt am stärksten gewachsen sind.

TRT World berichtete bereits im Dezember 2025 über die Pläne: Israel wolle sein Image über soziale Medien, internationale Delegationen und Influencer verbessern, so der Sender aus dem besetzten Westjordanland.

Experten: PR kann Politik nicht ersetzen

Doch Experten bezweifeln, dass Geld allein den Imageschaden beheben kann. Kritiker argumentieren, dass keine noch so intensive Kommunikationsstrategie die weltweite Empörung über Israels Vorgehen im Gazastreifen und die anhaltenden Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen ausgleichen kann.

Der Begriff „Hasbara“ ist in sozialen Netzwerken längst zu einem abwertenden Schlagwort für israelische Interessenvertretung geworden — ein Zeichen dafür, wie weit bekannt Israels Bemühungen zur Imagepflege inzwischen sind.

Reaktionen im Netz

In sozialen Netzwerken stoßen die Berichte über das Rekordbudget auf scharfe Kritik. „Man kann 730 Millionen Dollar in Hasbara stecken, aber die Geister sind aus der Flasche“, schrieb ein Nutzer auf X.

„Die Welt hat die Bilder aus Gaza gesehen. Keine Menge an Werbung, Influencern oder Spin wird das rückgängig machen können. Handlungen haben Konsequenzen, und PR kann die Realität nicht löschen.“

Ein weiterer Nutzer schrieb: „Kein Betrag an Dollar wird uns jemals vergessen lassen, was wir mit eigenen Augen gesehen haben — über zwei Jahre lang, immer noch laufend, live auf unsere Telefone gestreamt.“

 


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US-Analyst warnt: „Israel produziert mehr Radikale als es tötet“

Energiewende
Türkei baut Europas größte Speicher-Pipeline für erneuerbare Energien

Ankara – Was vor wenigen Jahren noch wie ein ambitionierter Ferntraum klang, ist inzwischen messbare Realität: Die Türkei hat sich still und leise an die Spitze Europas im Bereich der Batteriespeicher-Infrastruktur vorgearbeitet und dabei Schwergewichte wie Deutschland und Italien hinter sich gelassen. Ein neuer Bericht des Energiethinkttanks Ember dokumentiert diesen Aufstieg — und er fällt nicht zufällig mit der Ankündigung zusammen, dass die Türkei im November 2026 die UN-Klimakonferenz COP31 ausrichten wird.

221 Gigawatt in wenigen Monaten: Das Speicher-Wunder

Den entscheidenden Impuls lieferte eine gesetzliche Vorgabe aus dem Jahr 2022: Seither müssen alle neu genehmigten Wind- und Solaranlagen mit Batteriekapazität in identischer Größe ausgestattet werden. Die Reaktion des Marktes übertraf alle Erwartungen. Innerhalb weniger Monate gingen Anträge über insgesamt 221 Gigawatt ein — ein Wert, der jeden europäischen Vergleich sprengt. Davon wurden bereits 33 Gigawatt behördlich genehmigt.

Zum Vergleich: Die führenden EU-Speichermärkte Deutschland und Italien kommen jeweils auf Projektpipelines von etwa zwölf bis dreizehn Gigawatt — weniger als halb so viel wie die Türkei allein an bereits genehmigten Kapazitäten vorweisen kann. Die gesamte türkische Speicher-Pipeline entspricht dabei 83 Prozent der aktuell installierten Wind- und Solarkapazität des Landes, die sich auf rund 40 Gigawatt beläuft.

„Mit der Pflicht, Speicher mit erneuerbaren Energien zu kombinieren, hat die Türkei nicht nur ihre Ziele erhöht. Sie hat ein gewaltiges Investitionssignal gesetzt, das ihre europäischen Nachbarn übertrifft“, sagt Ufuk Alparslan, Autor des Ember-Berichts.

„Wenn die Projekte umgesetzt werden, bildet die Batterie-Pipeline der Türkei das Rückgrat eines neuen, sauberen Energie-Hubs für die gesamte Region.“
Wind und Solar: Unangefochtener Spitzenreiter in 16 Ländern

Der Bericht hebt hervor, dass sich die Stromerzeugung in der Türkei in den vergangenen drei Jahren tiefgreifend gewandelt hat. Wind- und Solarenergie kommen gemeinsam auf einen Anteil von 22 Prozent an der gesamten Stromproduktion — ein Rekordwert. Damit ist die Türkei der unbestrittene Spitzenreiter unter 16 Staaten in der Region, die den Nahen Osten, den Kaukasus und Zentralasien umfasst. Kein anderes Land in diesem gesamten Gebiet hat bislang die Marke von 20 Prozent bei Wind- und Solarenergie überschritten — die Türkei ist die einzige Ausnahme.

Der Ausbau der Solarkapazität verlief dabei besonders rasant, während das Jahr 2025 gleichzeitig Rekordinstallationen bei Windenergie verzeichnete. Diese Entwicklung half dem Land, den Druck auf Erdgasimporte abzufedern, der durch Dürre-bedingte Rückgänge bei der Wasserkraft entstanden war.

Europas größtes Solarkraftwerk steht in der Türkei

Sinnbild für diesen Wandel ist die Kalyon Karapinar Solaranlage in der zentraltürkischen Provinz Konya — die flächenmäßig größte Solaranlage Europas. Rund 3,5 Millionen Solarmodule erstrecken sich auf einer Fläche von etwa 20 Millionen Quadratmetern, was der Größe von 2.600 Fußballfeldern entspricht.

Seit dem Jahr 2023 produziert die Anlage knapp drei Milliarden Kilowattstunden Strom jährlich — genug, um eine Stadt mit zwei Millionen Einwohnern vollständig mit sauberem Strom zu versorgen.

Aufsehen erregt hat die Anlage auch wegen ihres futuristischen Kontrollgebäudes, das vom Architekturbüro Bilgin Architects entworfen wurde. Der riesige rechteckige Baukörper ist außen vollständig mit reflektierenden Silberpaneelen verkleidet, im Inneren öffnet sich ein begrünter Innenhof unter freiem Himmel.

Bilder der Anlage verbreiteten sich in sozialen Netzwerken rasch viral — ein Reddit-Nutzer schlug vor, das Gebäude könnte als Kulisse für einen neuen James-Bond-Film dienen, ein anderer bezeichnete es schlicht als „Meisterwerk“.

Ein langer Weg — und eine historische Chance

Diese Entwicklungen vollziehen sich vor einem historischen Hintergrund. Noch im Jahr 2002 wurde der türkische Stromsektor privatisiert — ein Wendepunkt, der neue Investitionen anzog und den Grundstein für die heutige Dynamik legte.

Die geografische Lage des Landes, mit hoher Sonneneinstrahlung im Vergleich zu Mitteleuropa und guten Windverhältnissen an Küsten und in Hochlagen, war von Anfang an ein natürlicher Vorteil.

Doch trotz der beeindruckenden Fortschritte bleibt die Energiewende in der Türkei unvollendet. Kohle ist nach wie vor die wichtigste Stromquelle des Landes mit einem Anteil von 34 Prozent — und zwei Drittel dieser Kohle werden importiert. Im europäischen Vergleich belegt die Türkei bei der Windstromerzeugung Platz 15, beim Gesamtanteil erneuerbarer Energien inklusive Wasserkraft und Geothermie Platz 16.

Um das selbst gesteckte Ziel von 120 Gigawatt an Wind- und Solarkapazität bis 2035 zu erreichen, müsste das Land seine aktuelle Kapazität nahezu verdreifachen.

„Die Türkei hat eine einzigartige Gelegenheit, ihre regionale Führungsrolle bei erneuerbaren Energien in einen globalen Vorteil zu verwandeln“, sagt Alparslan.

„Durch die Beschleunigung ihrer Speicherprojekte und die Modernisierung des Stromnetzes kann die Türkei ihre Kohleabhängigkeit endlich überwinden. Im Vorfeld der COP31 beweist das Land, dass es das Potenzial hat, von der Mitte des europäischen Feldes zur Vorreiterin für die gesamte Region aufzusteigen.“

 


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Die Türkei entwickelt sich zu einem wichtigen Faktor im Energiesektor

Landtagswahl
AfD stärkste Kraft: Rekordwerte bei Umfragen in Sachsen-Anhalt

Magdeburg – Vier Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD in einer aktuellen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap einen neuen Höchststand erreicht.

Mit 41 Prozent liegt die Partei weit vor allen anderen und legte gegenüber der letzten Umfrage vom September um zwei Prozentpunkte zu. Die Erhebung entstand im Auftrag der Magdeburger Volksstimme, der Mitteldeutschen Zeitung und des MDR. Befragt wurden rund 1.200 Wahlberechtigte.

Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze verliert einen Punkt und kommt auf 26 Prozent — damit büßt sie im Vergleich zur Landtagswahl 2021 elf Prozentpunkte ein. Die Linke erreicht zwölf Prozent, die SPD sieben. BSW und Grüne liegen jeweils bei vier Prozent und würden wie die mitregierende FDP den Einzug in den Landtag verpassen. Alle sonstigen Parteien kommen zusammen auf sechs Prozent.

Problemlösungskompetenz: AfD weit vorn

31 Prozent der Befragten trauen der AfD am ehesten zu, die wichtigsten Aufgaben im Land zu bewältigen — zwei Punkte mehr als im September. Die CDU verliert in dieser Kategorie zwei Punkte und kommt auf 18 Prozent. Jeder Fünfte traut keiner Partei zu, die drängenden Probleme Sachsen-Anhalts zu lösen.

Als wichtigstes Problem nennen die Befragten Flüchtlinge und Einwanderung, wenngleich dieser Wert mit 14 Prozent um sieben Punkte gesunken ist. Bildung folgt auf Platz zwei mit zwölf Prozent, Wirtschaft auf Platz drei mit zehn Prozent — ein Zuwachs von drei Punkten.

Schulze knapp vor AfD-Kandidat Siegmund

Bei einer hypothetischen Direktwahl des Ministerpräsidenten läge CDU-Chef Sven Schulze mit 36 Prozent knapp vor AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit 32 Prozent. 32 Prozent sind unentschlossen oder machen keine Angabe. Unter CDU-Anhängern würden 84 Prozent für Schulze stimmen, unter AfD-Anhängern 71 Prozent für Siegmund. Auch SPD- und Linke-Anhänger sprechen sich mehrheitlich für Schulze aus.

Bei der Frage nach der Regierungsführung nach der Wahl liegen CDU und AfD nahezu gleichauf: 44 Prozent wünschen sich eine CDU-geführte, 43 Prozent eine AfD-geführte Regierung. Letzteres bedeutet ein Plus von sechs Punkten gegenüber September.

Mehrheit unzufrieden mit Landesregierung

Die schwarz-rot-gelbe Koalition aus CDU, SPD und FDP schneidet in der Bevölkerung schlecht ab: 62 Prozent bewerten die Regierungsarbeit negativ, nur 33 Prozent positiv. Unter AfD-Anhängern sind 88 Prozent unzufrieden. Sachsen-Anhalt gehört damit im Ländervergleich zu den Bundesländern mit besonders niedrigen Zufriedenheitswerten — nur Berlin schneidet noch schlechter ab. Zuletzt war die Unzufriedenheit vor einer Landtagswahl im Jahr 2006 ähnlich hoch.

Stimmung von Sorge geprägt

Die allgemeine Stimmungslage im Land hat sich verschlechtert. Nur noch 13 Prozent blicken zuversichtlich auf die Lage — ein Rückgang von sieben Punkten. 79 Prozent äußern Beunruhigung, acht Punkte mehr als zuletzt.

Das Vertrauen in den Staat ist gering: Lediglich 16 Prozent haben großes Vertrauen darin, dass der Staat seine Aufgaben erfüllt. Unter AfD-Anhängern sind es nur drei Prozent.

Auffällig ist der wirtschaftliche Pessimismus innerhalb der AfD-Wählerschaft: Nur 49 Prozent der AfD-Anhänger bewerten ihre persönliche wirtschaftliche Lage positiv — gegenüber 85 Prozent unter CDU-Anhängern.

Infratest dimap weist darauf hin, dass Wahlumfragen generell mit Unsicherheiten behaftet sind. Nachlassende Parteibindungen und kurzfristige Wahlentscheidungen erschweren die Datengewichtung.

Führerscheinreform
TÜV: Führerscheinreform darf Sicherheit nicht gefährden

Berlin – Die finalen Eckpunkte zur Reform der Fahrausbildung setzen aus Sicht des TÜV-Verbands wichtige Impulse für eine Modernisierung des Führerscheinerwerbs. Der TÜV-Verband unterstützt das Ziel, die Fahrausbildung günstiger zu machen.

Entscheidend wird sein, die Maßnahmen so umzusetzen, dass Effizienzgewinne möglich sind, ohne das erreichte Verkehrssicherheitsniveau zu gefährden. „Das erreichte Verkehrssicherheitsniveau von Fahranfängerinnen und Fahranfängern ist ein großer Erfolg“, sagt Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband.

„Die Reform muss dieses Niveau langfristig sichern und weitervorantreiben. Kostensenkungen dürfen nicht zulasten der Verkehrssicherheit gehen. Am Ende zählt, dass junge Menschen sicher am Straßenverkehr teilnehmen können.“

Anpassungen der Prüfinhalte und Prüfungsdauer: Effizienz und Qualität sichern

Die geplante Verkürzung bei der Fahrzeit der praktischen Prüfung sowie eine Verschlankung des Fragenkatalogs für die theoretische Prüfung sind aus Sicht des TÜV-Verbands vertretbar, sofern die Kürzungen gezielt statt pauschal erfolgen. „Führerscheinprüfungen bewerten sichere Fahrkompetenz und Regelkenntnis – das muss vollständig gewährleistet bleiben“, sagt Zaneta.

„Entscheidend ist, dass aus einer Verschlankung keine Verwässerung wird.“ Die Überarbeitung der Prüfinhalte und Prüfdauer sollte differenziert umgesetzt werden und sicherheitsrelevante Inhalte sollten vollständig erhalten bleiben. Zugleich gibt Zaneta zu bedenken, dass durch die Maßnahmen keine spürbaren Kosteneinsparungen zu erwarten sind, da die Prüfgebühren nur einen geringen Anteil an den Gesamtkosten des Führerscheinerwerbs ausmachen.

Lernstandskontrollen als Chance für mehr Prüfungserfolg

Nach Ansicht des TÜV-Verbands weisen die Reformpläne zur Fahrausbildung an einer Stelle Ergänzungsbedarf auf: Verpflichtende Lernstandskontrollen sind weiterhin nicht vorgesehen. Anhand dieser Kontrollen lässt sich der Lernfortschritt systematisch überprüfen und frühzeitig erkennen, ob Fahrschüler:innen ausreichend auf die Prüfung vorbereitet sind. Ohne diese Orientierung drohen mehr Fehlversuche in den Prüfungen.

„Wenn die Ausbildung an Tiefe verliert, wird sich das in steigenden Nichtbestehensquoten niederschlagen“, sagt Zaneta. „Lernstandskontrollen helfen, genau das zu vermeiden und Fahrschülerinnen und Fahrschüler gezielt auf die Prüfung vorzubereiten.“ Der TÜV-Verband plädiert dafür, verpflichtende Lernstandskontrollen im weiteren Verfahren verbindlich zu verankern.


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Rüstungsnews
Türkei exportiert erstmals unbemannten Kampfjet Kizilelma nach Indonesien

Istanbul – Der türkische Drohnenhersteller Baykar hat auf der Rüstungsmesse SAHA 2026 in Istanbul seinen ersten Exportvertrag für den unbemannten Kampfjet Bayraktar Kizilelma unterzeichnet.

Abnehmer ist Indonesien. Das Rahmenabkommen mit dem indonesischen Unternehmen PT Republik Aero Dirgantara sieht die Lieferung einer ersten Staffel von zwölf Maschinen ab 2028 vor, mit einer Option auf weitere 48 Flugzeuge sowie den Aufbau einer lokalen Produktions- und Wartungsanlage in Indonesien.

„Wir haben erstmals einen Exportvertrag für den Bayraktar Kizilelma unterzeichnet — gemeinsam mit Indonesien“, sagte Baykar-Chef und SAHA-Istanbul-Vorsitzender Haluk Bayraktar bei der Unterzeichnung. „Wir sind stolz darauf, im Namen unseres Landes und unserer Brudernation Indonesien.“

Dritte Baykar-Plattform für Jakarta

Der Vertrag ist der vorläufige Höhepunkt einer wachsenden Rüstungspartnerschaft zwischen Ankara und Jakarta. Indonesien hatte bereits im vergangenen Jahr Abkommen für den Bayraktar TB2 und den Bayraktar Akinci unterzeichnet.

Der Kizilelma ist damit die dritte Baykar-Plattform im bilateralen Verteidigungsrahmen. Bayraktar betonte, der TB2 sei inzwischen das meistexportierte unbemannte Luftfahrzeugsystem seiner Klasse weltweit. Mit dem Kizilelma stoße Baykar nun in die Technologie unbemannter Kampfjets vor. 

„Der Bayraktar Kizilelma absolvierte seinen Erstflug im Jahr 2022. Seitdem wurden intensive Flugaktivitäten durchgeführt. Die Serienproduktion wurde letztes Jahr abgeschlossen — unser Ziel in diesem Jahr ist es, den Kizilelma in den Dienst der Türkei zu stellen“, so Bayraktar.

Norman Joesoef, Vorsitzender der Republikorp Group, begrüßte das Abkommen und erklärte, sein Unternehmen freue sich auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit.

Über den finanziellen Umfang des Vertrages machten weder Baykar noch die indonesische Seite öffentliche Angaben. Bei Baykar-Gesamtexporterlösen von 2,2 Milliarden Dollar im Jahr 2025 gilt der Kizilelma als das hochwertigste Produkt im Portfolio des Unternehmens.

Technische Daten

Der Bayraktar Kizilelma verfügt über ein maximales Startgewicht von 8.500 Kilogramm und eine Nutzlastkapazität von 1.500 Kilogramm. Das Fluggerät ist mit einem niedrigen Radarquerschnitt, hoher Manövrierfähigkeit und einem Active Electronically Scanned Array (AESA)-Radarsystem ausgestattet.

Der Kampfradius beträgt 500 Seemeilen bei einer Reisegeschwindigkeit von Mach 0,6 und einer Höchstgeschwindigkeit von Mach 0,9. Die Dienstgipfelhöhe liegt bei 45.000 Fuß. Das System kann Luft-Luft-Raketen, gelenkte Munition, Standoff-Waffen und Marschflugkörper tragen und ist zu autonomem Start, Landung, Reiseflug und Rollbewegungen fähig. Baykar arbeitet zudem daran, den Kizilelma trägertauglich zu machen.

Weltpremiere im Luftkampf

Am 29. November 2025 schrieb der Kizilelma Luftfahrtgeschichte: Als weltweit erstes unbemanntes Kampfflugzeug überhaupt zerstörte er ein jetgetriebenes Hochgeschwindigkeitsziel mit einer Luft-Luft-Rakete außerhalb der Sichtweite — ein Manöver, das bis dahin ausschließlich bemannten Kampfjets vorbehalten war.

Der Test fand über dem Schwarzen Meer nahe der türkischen Küstenstadt Sinop statt und wurde von mehreren unabhängigen Rüstungsmedien weltweit bestätigt.
Bei dem Testszenario erfasste das von Aselsan entwickelte MURAD-AESA-Radar an Bord des Kizilelma das Ziel, woraufhin die Maschine die Gökdogan-Rakete — entwickelt vom staatlichen Forschungsinstitut TÜBİTAK SAGE — abfeuerte und das Ziel präzise traf.

Damit vollendete die Türkei erstmals in ihrer Luftfahrtgeschichte eine vollständig einheimische Luft-Luft-Abschuss-Kette: türkisches Fluggerät, türkisches Radar, türkische Rakete.

Vergleichsprogramme wie der US-amerikanische XQ-58A Valkyrie, Chinas GJ-11 oder Russlands S-70 Okhotnik haben bislang keinen verifizierten Luft-Luft-Abschuss gegen ein jetgetriebenes Ziel öffentlich demonstriert.

Baykar-Vorstandschef Selçuk Bayraktar erklärte: Bislang habe weltweit keine unbemannte Plattform auf Luftziele feuern können. Die Türkei habe damit die Türen zu einer neuen Ära in der Luftfahrt geöffnet.

Auch Aselsan mit Verträgen

Parallel dazu unterzeichnete der türkische Rüstungselektronikkonzern Aselsan auf der SAHA 2026 zwei Verträge mit indonesischen Behörden. Die Abkommen umfassen unbemannte Marineplattformen für die indonesische Marine sowie missionskritische Kommunikationssysteme für die indonesischen Streitkräfte — beide auf Basis von Aselsan-Eigenentwicklungen.

Rüstungs-Powerhouse

Der türkische Verteidigungssektor hat sich zu einer globalen Macht im Bereich der Waffenentwicklung und -herstellung entwickelt – eine Transformation, die aus der Not heraus entstanden ist.

Die Branche gewann nach den westlichen Waffenembargos infolge der Invasion Zyperns 1974 an Dynamik, die Ankara dazu zwangen, in heimische Kapazitäten zu investieren.

Was als einfache Montagelinien begann, hat sich in den letzten zehn Jahren dank staatlicher Anreize und eines Booms in Forschung und Entwicklung explosionsartig entwickelt und die Türkei bis 2024 zum 13. größten Waffenexporteur der Welt gemacht.

Heute liefert sie Hightech-Ausrüstung wie Bayraktar TB2-Drohnen — die sich in der Ukraine und in Libyen im Einsatz bewährt haben — in über 30 Länder, neben Korvetten nach Pakistan und Indonesien und T129-Kampfhubschraubern auf die Philippinen und nach Nigeria, und festigt damit ihre Rolle als Brücke zwischen Ost und West in der Verteidigungsinnovation.

 


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Justiz
Griechenland ermittelt gegen Israels Verteidigungsminister Katz wegen Kriegsverbrechen

Athen – Griechische Justizbehörden haben eine Voruntersuchung gegen den israelischen Verteidigungsminister Israel Katz eingeleitet.

Grundlage ist eine förmliche Strafanzeige, die die Hind Rajab Foundation (HRF) gemeinsam mit griechischen Anwälten am 21. Januar 2026 bei den zuständigen Athener Behörden eingereicht hatte — zeitgleich mit dem offiziellen Besuch von Katz in Griechenland.

Die Voruntersuchung wird seither vom 32. Vorermittlungsreferat in Athen geführt. Am 5. Mai 2026 legte Anwalt Thanasis Kampagiannis, Mitglied des Vorstands der Athener Rechtsanwaltskammer, vor dem Staatsanwalt des Obersten Gerichtshofs Griechenlands Zeugnis ab. Gleichzeitig übermittelte die HRF ergänzendes Beweismaterial an die griechischen Behörden.

Vorwürfe: Kriegsverbrechen, Folter, Völkermord

Den Beschwerdeführern zufolge soll Katz als Teilnehmer und Anstifter Mitverantwortung für schwere Verbrechen nach internationalem Recht tragen. Die Anzeige nennt Kriegsverbrechen, Folter, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Völkermord im Zusammenhang mit den Militäroperationen in Gaza.

Besonderes Gewicht legen die Anzeigenden auf Katz‘ Rolle bei der Einschränkung humanitärer Hilfslieferungen sowie auf seine Anweisungen im Rahmen von Militäroperationen, die Zivilisten betrafen.

Als Grundlage für die griechische Zuständigkeit verweisen die Beschwerdeführer auf die griechische Verfassung, die Genfer Konventionen sowie das Römer Statut des Internationalen Strafgerichtshofs, das Griechenland 2011 in nationales Recht überführt hat. Demnach sind griechische Behörden bei Anwesenheit eines Verdächtigen auf griechischem Boden zur Prüfung verpflichtet.

Flotilla und festgenommene Aktivisten

Ein zentraler Anklagepunkt betrifft die Abfangaktion gegen die Global Sumud Flotilla im Oktober 2025 — eine humanitäre Initiative zur Durchbrechung der Gaza-Blockade. Dabei sollen griechische Staatsangehörige an Bord gewaltsam festgesetzt und widerrechtlich festgehalten worden sein.

Die HRF hebt hervor, dass zuletzt weitere humanitäre Schiffe abgefangen wurden und zwei Teilnehmer — Thiago Avila und Saif Abu Keshek — in internationalen Gewässern nahe der griechischen Küste festgenommen wurden.

Breiteres Muster internationaler Strafverfolgung

Der Fall gegen Katz steht nicht allein. Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat im Jahr 2024 Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sowie gegen den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant erlassen — wegen des Vorwurfs von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza. Katz trat das Amt des Verteidigungsministers von Gallant an und setzte laut Anzeige dieselbe Politik fort.

Die HRF erklärte, der Fall gegen Katz sei Teil einer umfassenderen Strategie, Einzelpersonen in jedem Land zur Verantwortung zu ziehen, in dem eine Strafverfolgungszuständigkeit bestehe. Die Stiftung fordert von den griechischen Behörden eine gründliche, unparteiische und unabhängige Untersuchung aller vorgeworfenen Verbrechen.

Wer war Hind Rajab?

Namengeberin der Stiftung ist Hind Rajab, ein sechsjähriges palästinensisches Mädchen aus Gaza. Sie wurde am 29. Januar 2024 getötet — zusammen mit fünf Familienangehörigen, deren Fahrzeug von israelischen Panzern beschossen wurde.

Hind hatte während des Angriffs über Stunden hinweg telefonischen Kontakt zu Rettungskräften gehalten. Zwei Sanitäter des Palästinensischen Roten Halbmonds, die zu ihrer Rettung ausgesandt worden waren, kamen ebenfalls ums Leben.

Der Fall erregte weltweit Aufmerksamkeit und wurde zum Symbol für das Schicksal der Zivilbevölkerung in Gaza. Die nach ihr benannte Stiftung wurde gegründet, um systematisch rechtliche Schritte gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher einzuleiten.

 


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