Gaza-Konflikt
Angelina Jolie macht auf Gaza-Zerstörung aufmerksam

Los Angeles – Die Oscar-Preisträgerin und ehemalige Sondergesandte des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Angelina Jolie, hat auf das Ausmaß der Zerstörungen im Gazastreifen aufmerksam gemacht. Unter Berufung auf Satellitenbilder rief sie dazu auf, die Schäden eigenständig nachzuvollziehen.

Vorher-Nachher-Aufnahmen der Region

Über das soziale Netzwerk Instagram teilte Angelina Jolie. „Man kann jetzt Google Earth öffnen und sehen, was mit Gaza gemacht wurde“, schrieb die Schauspieler in ihrem Beitrag. Die veröffentlichten Satellitenbilder vergleichen städtische Gebiete vor Beginn der Militäroperation mit Aufnahmen aus dem Sommer 2026.

Die Aufnahmen dokumentieren unter anderem Zerstörungen im Umfeld der Al-Qadisiyah-Schule in Rafah, in der Stadt Chan Yunis sowie an der Omar-Mukhtar-Straße in Gaza-Stadt. „Ganze Nachbarschaften wurden in Schutt und Asche gelegt“, erklärte Jolie. Wohngebäude, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser sowie Straßen, Wasser- und Sanitärsysteme seien flächendeckend beschädigt oder zerstört worden.

UN-Daten belegen massive Infrastrukturschäden

Jolie stützte ihre Aussagen auf Analysen der Vereinten Nationen. Demnach wiesen bis Juni 2026 rund 82 Prozent aller Strukturen im Gazastreifen Beschädigungen auf. Etwa zwei Drittel dieser betroffenen Bauwerke wurden als vollständig zerstört eingestuft.

Zudem wies Jolie auf die dramatische Lage der Zivilbevölkerung vor dem bevorstehenden Winter hin. Laut humanitären Kennzahlen benötigen derzeit rund 1,98 Millionen Menschen – was etwa 94 Prozent der Gesamtbevölkerung des Enklave entspricht – Notunterkünfte und grundlegende Hilfsgüter. Der Zugang für Hilfsgüter und Baumaterialien sei jedoch weiterhin von Beschränkungen und Verzögerungen betroffen.

Appell an die internationale Gemeinschaft

Die Satellitenbilder könnten zwar das physische Ausmaß der Zerstörung dokumentieren, nicht jedoch das menschliche Leid vor Ort abbilden, so Jolie weiter: „Was sie nicht zeigen können, ist, was es bedeutet, mittendrin zu leben, was mit den getöteten Familien geschehen ist und wie das Leben für die Überlebenden aussieht.“

Abschließend forderte die langjährige UN-Sondergesandte die ungehinderte Lieferung von Notunterkünften, medizinischer Versorgung und humanitärer Hilfe sowie die Schaffung von Bedingungen, die den Wiederaufbau von Wohnhäusern, medizinischen Einrichtungen und Schulen ermöglichen.

Angelina Jolie war von 2001 bis 2022 mehr als zwei Jahrzehnte lang als Sondergesandte für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR tätig.

 


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Israel-Krise
CIA-Analyse warnt vor Zusammenbruch Israels

Washington/Jerusalem – Ein als geheim eingestuftes Gutachten der amerikanischen Central Intelligence Agency warnt vor einer ernsthaften Gefahr des Bürgerkriegs oder gar des Staatszerfalls in Israel.

Das geht aus Berichten des US-amerikanischen Investigativmediums Drop Site News hervor, dem zwei US-Quellen den Inhalt des Dokuments beschrieben haben. Das Gutachten mit dem Titel „Fracture From Within“ — Riss von innen — wurde vom sogenannten Red Cell der CIA erarbeitet, einer Einheit die ausdrücklich damit beauftragt ist, vorherrschende Annahmen zu hinterfragen und blinde Flecken innerhalb des Geheimdienstapparats aufzudecken.

Das Dokument, das dem Vernehmen nach im August verfasst wurde, stützt sich auf eine Kombination aus öffentlich zugänglichen Informationen und US-Geheimdiensterkenntnissen. „Die Autoren dieses Gutachtens sind Israel-Experten“, sagte eine Quelle aus dem Nachrichtendienstumfeld gegenüber Drop Site News. „Das hier ist kein phantastisches Gedankenspiel — angesichts der bevorstehenden Wahlen und der Brüche in Israel sollten wir deren Schlussfolgerung ernst nehmen, dass Israel nur einen Funken von einem echten internen Konflikt entfernt ist.“

Wirtschaftskrise, Trauma und religiöse Spaltung

Als treibende Faktoren nennt das Gutachten eine volatile Mischung innenpolitischer Druckpunkte: eine schwere Wirtschaftskrise bei gleichzeitig explodierenden Militärausgaben, die Rückkehr zehntausender schwer bewaffneter Veteranen aus langen Kampfeinsätzen — viele mit ernsthaften psychischen Traumata — und eine tiefe gesellschaftliche Verbitterung über die generelle Wehrpflichtbefreiung ultraorthodoxer jüdischer Männer.

Letzteres gehört laut dem Bericht zu den schärfsten Bruchlinien in der israelischen Gesellschaft. Ultraorthodoxe Männer genießen traditionell weitgehende Befreiungen vom Militärdienst, während sie weiterhin staatliche Unterstützung erhalten.

In einer Zeit, in der Reservisten wiederholt über Monate von Familien und Berufen getrennt wurden, hat diese Regelung für massiven Unmut gesorgt. Hinzu kommt der allgemeine Preisanstieg: Die Lebensmittelkosten in Israel sind in den vergangenen zwei Jahren um 9,5 Prozent gestiegen — ein erheblicher Druck auf Haushalte, die bereits unter den wirtschaftlichen Folgen mehrerer Kriege leiden.

Netanyahu zwischen Machterhalt und Verfassungskrise

Als weiteren Destabilisierungsfaktor benennt das CIA-Gutachten Premierminister Benjamin Netanyahu selbst. Dieser kämpfe um seinen Machterhalt und schüre dabei eine Verfassungskrise. Bei den israelischen Wahlen am 27. Oktober rangeln laut aktuellen Umfragen sowohl der Netanyahu-Block als auch die Anti-Netanyahu-Parteien um die für eine Regierungsbildung notwendigen 61 Sitze — ohne dass ein Lager diese Schwelle derzeit sicher erreicht.

Bemerkenswert: Die Kritik an Netanyahu speist sich laut dem Gutachten überwiegend nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung des israelischen Vorgehens in Gaza oder Libanon — sondern aus Wut über sein Krisenmanagement und seine Verantwortung für das Versagen der Geheimdienste vor dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023.

Historische Analogien und wachsende Isolation

Die CIA-Quellen verwiesen auf historische Parallelen zu traumatisierten, bewaffneten Veteranengruppen nach großen Kriegen. „Die Freikorps Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg bestanden aus PTSD-geplagten Veteranen mit Waffen und einem Hunger nach Gewalt“, sagte eine Quelle. „Ich sage nicht, dass Israel nach Gaza das Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ist — aber bestimmte Aspekte erinnern mich daran.“

Hinzu kommt eine wachsende internationale Isolation. Innerhalb der US-amerikanischen Sicherheitsarchitektur sei Frustration über Israel unübersehbar geworden, hieß es in dem Bericht.

„Der Geheimdienst, wie Amerika, wie das Militär, wie alle, wird zunehmend frustriert über das echte und politische Kapital, das für die Stützung Israels aufgewendet wird“, sagte eine Quelle. „Wir integrieren unsere militärisch-industriellen Kapazitäten immer tiefer mit einem Land, das uns in einen Krieg hineingezogen hat, den wir verlieren — einem Land, das uns bespitzelt.“

Laut einer weiteren CIA-Einschätzung, über die das Medium Capital & Empire im Juli berichtete, betrachten israelische Regierungsvertreter selbst die Erosion des amerikanischen politischen Konsenses zugunsten Israels als langfristige Bedrohung.

Als Reaktion darauf versuche Israel, seine Bindungen an den US-amerikanischen Militär-, Geheimdienstund Rüstungsapparat so tief zu verankern, dass künftige amerikanische Regierungen sie nur schwer lösen könnten. Laut einer Pew-Studie vom Frühjahr betrachteten 60 Prozent der US-Amerikaner Israel negativ — ein Anstieg von 53 Prozent im Vorjahr.

Szenarien des Zerfalls

Das CIA-Gutachten spielte auch konkrete Eskalationsszenarien durch: Technologie- und KI-Unternehmen könnten Investitionen oder Personal aus Israel abziehen und damit die ohnehin angeschlagene Wirtschaft weiter schwächen.

Arabische Regierungen könnten den strategischen Wert einer weiteren Normalisierung mit Israel neu bewerten. Und Hamas oder Hisbollah könnten eine Phase innenpolitischer Schwäche gezielt ausnutzen. Das Dokument verwendete dabei ausdrücklich den Begriff „Bürgerkonflikt“, wie die Quellen gegenüber Drop Site News bestätigten.

Jahrzehntelang habe Israels Macht nicht nur auf Waffen und amerikanischer Unterstützung beruht, sondern auf der Projektion innerer Unzerstörbarkeit, schlussfolgert das Gutachten. Doch unter dieser Oberfläche häuften sich wirtschaftliche, politische und soziale Widersprüche an, die militärische Stärke allein nicht mehr aufzulösen vermöge.

 


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Spannungen in Jaffa
Israel: „Sie zwangen mich, mich auszuziehen“

Tel Aviv – Die israelische Polizei steht nach dem harten Vorgehen gegen einen hochrangigen christlichen Geistlichen unter erheblichem Druck. Nach der Festnahme von Vater Constantine, dem Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Jaffa, am 29. September sorgt der Fall nun für internationale Bestürzung.

Nach seiner Freilassung erhob der Geistliche schwere Vorwürfe wegen Amtsmissbrauchs, Polizeigewalt und gezielter Erniedrigung durch die Sicherheitskräfte.

Der Vorfall in Jaffa: „Ich stehe unter Schock“

Der Vorfall ereignete sich während eines Polizeieinsatzes auf offener Straße. Laut Berichten der israelischen Zeitung Haaretz kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, als Vater Constantine, der sich in seiner offiziellen klerikalen Kleidung befand, gegen das Vorgehen der Einsatzkräfte protestieren wollte.

Er habe den Beamten laut eigenen Angaben lediglich gesagt, ihr Verhalten sei „eine Schande“.

Die Situation eskalierte schnell, woraufhin die Beamten dem Geistlichen Handschellen anlegten und ihn abführten. Auf der Polizeiwache in der Salameh-Straße in Jaffa folgte laut den Aussagen des Pfarrers eine systematische Demütigung: Die Polizisten hätten ihn gezwungen, sich für eine Leibesvisitation komplett auszuziehen, während er vulgär beschimpft und verspottet worden sei.

Die israelische Polizei weist die Vorwürfe der Misshandlung zurück und wirft dem Pfarrer stattdessen die Behinderung eines Beamten im Dienst vor. Vater Constantine zeigte sich zutiefst erschüttert und betonte, dass er als Geistlicher die Pflicht habe, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen. Israelische Oppositionspolitiker sprachen angesichts des Vorfalls von einer zunehmenden Verrohung der Polizeikultur unter dem rechtsextremen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir.

Wachsende Kritik an Israels Umgang mit Christen

Dieser Vorfall reiht sich ein in eine Kette von Ereignissen, die den Umgang Israels mit der christlichen Minderheit im Land sowie in den Palästinensischen Gebieten zunehmend in die internationale Kritik rücken.

Menschenrechtsorganisationen und Kirchenvertreter beklagen seit Längerem eine spürbare Zunahme von Intoleranz und staatlicher Repression. Besonders in der Jerusalemer Altstadt und im Westjordanland wird die Religionsausübung christlicher Gemeinschaften immer wieder durch massive Sicherheitsauflagen und Absperrungen beeinträchtigt.

So kam es in der Vergangenheit mehrfach zu Vorfällen, bei denen selbst hochrangigen Kirchenvertretern der freie Zugang zu zentralen Heiligtümern während wichtiger Feiertage verwehrt wurde. Hinzu kommt eine wachsende Zahl von Übergriffen durch jüdisch-extremistische Gruppen im Kernland, die christliche Kleriker im öffentlichen Raum attackieren, anspucken oder religiöse Symbole beschädigen, ohne dass die Behörden konsequent einschreiten.

Die anhaltenden Spannungen verdeutlichen für Kritiker, dass der jüngste Übergriff in Jaffa kein Einzelfall ist, sondern symptomatisch für eine tiefere Krise im Umgang mit religiösen Minderheiten steht.

 


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Analiz
Aliyev’in Konuşması ve Türkiye: Eleştiriler Neden Asıl Meseleyi Kaçırıyor?

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Toghrul Hasanzadeh

Azerbaycan Cumhurbaşkanı İlham Aliyev’in 2 Ekim 2026’da iktidardaki Yeni Azerbaycan Partisi’nin VIII. Kurultayı’nda yaptığı konuşma, Bakü’nün çok ötesinde de tartışmalara yol açtı. Özellikle Azerbaycan’ın dışarıdan „yardım veya himayeye“ ihtiyaç duymadığı ve dış politikasını, hiç kimsenin ülkenin iç işlerine müdahale edemeyeceği şekilde yürütmesi gerektiği yönündeki sözleri dikkat çekti.

Aliyev, ülkenin kendi ordusuna, kendi kaynaklarıyla satın aldığı silahlara, ekonomik bağımsızlığına ve yıllar içinde izlenen politikaların sonucunda elde edilen bağımsızlık anlayışına vurgu yaptı. Aynı zamanda dünyada iki süper güç bulunduğunu, bunların ABD ve Çin olduğunu ve üçüncü bir süper gücün olmadığını söyledi. Bu değerlendirmesinde Rusya’dan söz etmedi. Bu da Bakü açısından oldukça doğrudan bir mesaj niteliğinde.

Bazı yorumcular Aliyev’in sözlerini Türkiye’ye yönelik bir eleştiri ve Bakü-Ankara ilişkilerinde bir soğuma işareti olarak değerlendirdi. Ancak bunu doğrudan böyle yorumlamak doğru olmaz. Aliyev konuşmasının bu bölümünde Türkiye’nin adını anmadı. Üstelik bu tür açıklamaların muhatabı olabilecek ve Ankara’dan daha yakın duran başka aktörler de bulunuyor.

Konuşmanın muhatabı kim?

Azerbaycan, tarih boyunca Güney Kafkasya’da nüfuz sahibi olmaya çalışan Rusya ve İran’ın arasında yer alıyor. Rusya-Pers savaşlarının ardından bölge, Rus ve Pers imparatorlukları arasında paylaşıldı. Bu durum 1813 tarihli Gülistan Antlaşması ve 1828 tarihli Türkmençay Antlaşması ile resmiyet kazandı.

Azerbaycan’ın 1991’de bağımsızlığını yeniden kazanmasından bu yana Tahran’la ilişkiler defalarca kriz ve normalleşme dönemlerinden geçti. Ocak 2023’te Azerbaycan’ın Tahran Büyükelçiliği silahlı bir saldırının hedefi oldu. Uzun süren görüşmelerin ardından büyükelçilik 2024 yazında yeniden faaliyetlerine başladı.

Moskova ile ilişkiler de belirgin biçimde kötüleşti. Aralık 2024’te bir Azerbaycan yolcu uçağı, Rusya toprakları üzerindeki Grozni’ye yaklaşırken düşürüldü. Bakü’nün ve çok sayıda uzmanın değerlendirmesine göre uçağın Rus hava savunması tarafından vurulduğu belirtildi. Bunun ardından diplomatik kriz yaşandı. Şubat 2025’te Bakü, „Rus Evi“nin faaliyetlerini sonlandırdı.

Gerekçeler arasında kuruluşun gerekli kaydının bulunmaması ve Azerbaycan yasalarının ihlal edildiği iddiaları yer aldı. 2025 yazında Rusya’daki Azerbaycan diasporasına mensup kişilere yönelik tutuklama dalgası da iki ülke arasındaki gerilimi daha da artırdı.

Bu çerçevede Aliyev’in ülkesinin bağımsızlığına yaptığı vurgu, öncelikle Azerbaycan dış politikasının genel çizgisinin devamı olarak görülebilir. Böyle bir coğrafi konuma sahip bir devlet için kendi hareket alanını korumak uzun vadeli stratejik bir meseledir.

Azerbaycan aynı zamanda çok sayıda ülkeyle ilişkilerini sürdürüyor. Türkiye ile yakın bir ittifakı bulunurken Rusya ve İran’la da çalışma ilişkilerini devam ettiriyor; Avrupa Birliği, İsrail, Çin ve Orta Asya ülkeleriyle iş birliği yapıyor. Bu aktörlerin çıkarları her zaman örtüşmüyor. Bu nedenle Bakü, farklı çıkarlar ve güç merkezleri arasında sürekli bir denge kurmak zorunda.

Avrupa neden bundan etkileniyor?

Azerbaycan, Rusya’nın Avrupa ve özellikle Almanya açısından önemli bir gaz tedarikçisi konumunun yerini alamaz. Ülkenin asıl önemi, kaynakların çeşitlendirilmesinde yatıyor.

Azerbaycan 2025 yılında Avrupa Birliği’ne yaklaşık 11,3 milyar metreküp doğal gaz gönderdi. Bu miktar, AB’nin toplam gaz ithalatının yaklaşık yüzde 3,9’una karşılık geliyor.

Ocak 2026’dan bu yana Azerbaycan gazı Almanya ve Avusturya’ya da ulaşıyor. Almanya açısından özellikle SOCAR ile SEFE arasında imzalanan ve yılda yaklaşık 1,5 milyar metreküpe kadar gaz tedarik edilmesini öngören on yıllık sözleşme önem taşıyor.

Azerbaycan ve Türkiye üzerinden başka önemli bağlantılar da geçiyor. Bakü-Tiflis-Ceyhan petrol boru hattı ve TANAP doğal gaz boru hattı, Hazar bölgesindeki kaynakları Avrupa pazarıyla buluşturuyor. Bakü-Tiflis-Kars demiryolu hattı ve Orta Koridor ise Orta Asya’dan Hazar Denizi, Kafkasya ve Türkiye üzerinden Avrupa’ya uzanan kara bağlantısını oluşturuyor.

2022 yılında AB ile Azerbaycan, Güney Gaz Koridoru’nun genişletilmesi ve 2027 yılına kadar yıllık en az 20 milyar metreküp gaz tedarik edilmesi konusunda anlaşmıştı. Fiili miktarlar ise şu ana kadar bu seviyenin oldukça altında kalıyor. Rusya’nın Ukrayna’ya saldırısından bu yana alternatif enerji kaynakları ve ulaşım güzergâhları Avrupa açısından daha fazla önem kazandı.

Bu nedenle Bakü ile Ankara arasındaki ilişkiler artık yalnızca bölgesel bir mesele değil. Avrupa, Kafkasya ve Orta Asya arasındaki enerji, ulaşım ve ticaret bağlantılarının istikrarı da bu ilişkilerin durumundan etkileniyor.

İki ülkeyi birbirine bağlayan nedir?

„Bir millet, iki devlet“ ifadesi çoğu zaman yalnızca siyasi bir slogan olarak görülüyor. Oysa bu ifade aynı anda iki gerçeği anlatıyor. Bir yandan iki toplum arasında güçlü bir tarihsel ve kültürel bağ bulunuyor. Diğer yandan ise kendi çıkarları olan iki egemen devlet söz konusu.

Azerbaycan’ın 1991’de bağımsızlığını yeniden kazanmasının ardından Türkiye, bağımsızlığı tanıyan ilk ülke oldu. Ankara, 1993 yılında Kelbecer’in Ermeni güçlerinin eline geçmesinin ardından Ermenistan sınırını kapattı. Türkiye ayrıca Ermenistan ile İran arasında bulunan Azerbaycan eksklavı Nahçıvan’a da destek verdi.

Sonraki yıllarda iki ülke arasındaki ilişkiler klasik diplomasinin çok ötesine geçti. Kültür, eğitim, ekonomi, ulaştırma ve çok sayıda kişisel bağ bu ilişkinin parçaları haline geldi.

2021 tarihli Şuşa Beyannamesi’nde iki bilinen ifade yan yana yer alıyor. Mustafa Kemal Atatürk’e atfedilen „Azerbaycan’ın sevinci sevincimiz, kederi kederimizdir“ sözü ile bugünkü Cumhurbaşkanı’nın babası Haydar Aliyev’in ortaya koyduğu „Bir millet, iki devlet“ ifadesi. Beyanname, her iki sözü de iki halkın milli ve manevi mirasının parçası olarak tanımlıyor.

Aynı belge ise iki ülkenin bağımsızlığını, egemenliğini ve içişlerine müdahale etmeme ilkesini de vurguluyor. Her iki tarafın bağımsız bir dış politika yürütme hakkı korunurken, ortak çıkarları ilgilendiren konularda politikaların koordinasyonu da öngörülüyor.

Bugünkü ilişkileri en iyi anlatan da tam olarak bu kombinasyon. İki toplum arasındaki yakın bağ, devletlerden birinin diğerine tabi olduğu anlamına gelmiyor.

Kardeşlikten stratejik ortaklığa

Tarihsel yakınlığın arkasında artık somut bir karşılıklı çıkarlar sistemi bulunuyor. Türkiye, Azerbaycan’ın en önemli siyasi, ekonomik, askeri ve ulaştırma ortaklarından biri haline geldi. Ankara açısından Azerbaycan, Güney Kafkasya’da önemli bir müttefik, enerji alanında önemli bir ortak ve Hazar bölgesi ile Orta Asya’ya açılan bir bağlantı noktası konumunda.

Bu bağ, 2020’deki İkinci Karabağ Savaşı sırasında özellikle belirgin hale geldi. Savaşın fiili çatışmalarını Azerbaycan ordusu yürüttü. Azerbaycan, yıllar boyunca askeri kapasitesini geliştirmiş ve farklı ülkelerden silah tedarik etmişti. Aynı zamanda Türkiye Bakü’ye önemli siyasi ve stratejik destek sağladı. Bu denklemin her iki tarafı da önem taşıyor.

Bugün Azerbaycan askeri kapasitesini geliştirmeye ve kendi savunma sanayisini büyütmeye devam ediyor. Türkiye ile iş birliği bu nedenle yalnızca hazır silah sistemlerinin satın alınması şeklinde değerlendirilemez. 2026 ADEX Savunma Fuarı’nda Türk şirketleri ile Azerbaycanlı ortakları arasında 500 milyon ABD dolarının üzerinde anlaşma ve sözleşme imzalandı.

Bunlar arasında HÜRKUŞ eğitim uçakları, Mızrak gezinen mühimmat sistemi, Antidot sistemi ve Barbaros kıyı savunma sistemi gibi ürün ve sistemler bulunuyor. Ayrıca yerel üretime ilişkin anlaşmalar ile ASELSAN ve NOVASİS’in Nahçıvan’da ortak bir tesis kurmasına yönelik bir ön protokol de imzalandı.

Dolayısıyla karşılıklı bağımlılık yalnızca tek yönlü işlemiyor. Türkiye, Azerbaycan’ın savunma kapasitesini daha bağımsız biçimde geliştirmesine katkı sağlıyor. Aynı zamanda bu ittifak, Azerbaycan’ın kendi sanayi altyapısını oluşturması için yeni imkanlar yaratıyor.

Bununla birlikte iki ülke arasında belirgin bir ekonomik ve siyasi güç farkı bulunuyor. Türkiye; nüfus, ekonomi, sanayi ve askeri kapasite bakımından Azerbaycan’dan açık şekilde daha büyük. Azerbaycan ayrıca Avrupa pazarlarına ulaşmak için önemli ölçüde Türk topraklarına, savunma alanında ise belirli teknolojiler açısından Türkiye’ye ihtiyaç duyuyor.

Bu nedenle Bakü açısından ortaklıklarını çeşitlendirmek ve stratejik ittifakın tek taraflı bir bağımlılığa dönüşmesini engellemek özellikle önemli.

Egemenlik vurgusunun Azerbaycan açısından pratik anlamı da burada ortaya çıkıyor.

Kardeşlik, her konuda aynı görüşte olmak anlamına gelmiyor

Bakü ile Ankara arasında zaman zaman farklı pozisyonlar bulunuyor. Son yıllarda bunların en görünür olduğu alanlardan biri İsrail ile ilişkiler ve Gazze savaşı oldu. Rusya, İran, enerji politikası ve bazı bölgesel krizler konusunda da iki taraf her konuda aynı düşünmüyor.

Buna rağmen iki başkent arasında açık bir siyasi çatışma bulunmuyor. Aksine iş birliği genişlemeye devam ediyor.

Bu nedenle Türkiye’de Azerbaycan hükümetini eleştiren herkesin Azerbaycan’a düşman olduğu söylenemez.

Aynı durum Azerbaycan’da Türk hükümetine yönelik eleştiriler için de geçerli. İlham Aliyev 2003’ten bu yana iktidarda, Recep Tayyip Erdoğan ise uzun yıllardır Türkiye siyasetinin belirleyici aktörlerinden biri. İki liderin gözle görülür derecede yakın bir kişisel ilişkisi bulunuyor. Ancak iki toplum arasındaki bağ bundan daha geniş ve bu siyasi ilişki olmasa da varlığını sürdürecek nitelikte.

Bu bağ; ortak tarih, dil, altyapı ve ekonomik çıkarlara dayanıyor. Bu nedenle Türkiye ve Azerbaycan, her iki ülkede de birçok kişi tarafından doğal müttefikler olarak görülüyor.

Avrupalı okuyucular açısından bu ayrım önemli. Azerbaycan’ın veya Türkiye’nin siyasi sistemini eleştirmek mümkün. Aynı zamanda iki toplum arasında özel bir tarihsel ve kültürel bağ bulunduğunu kabul etmek de mümkün.

Son haftalar ne gösteriyor?

Tek tek manşetlere değil, somut siyasi ve ekonomik adımlara bakıldığında, iki ülke arasındaki iş birliğinin zayıflamasından çok derinleştiği görülüyor.

Eylül sonu ve ekim başında Azerbaycan’da „Birlik Gücü 2026“ askeri tatbikatları gerçekleştirildi. Tatbikatlara Azerbaycan, Türkiye ve Özbekistan’dan 3.500’den fazla asker katıldı. İran, Gürcistan, Pakistan ve Orta Asya’nın çeşitli ülkelerinden temsilciler ise gözlemci olarak yer aldı.

2 Ekim’de Şuşa’da Azerbaycan, Türkiye ve Gürcistan savunma bakanlarının üçlü toplantısı da gerçekleştirildi. Görüşmelerin merkezinde askeri iş birliği ve bölgesel güvenlik vardı.

Bunun Avrupa açısından somut bir anlamı bulunuyor.

Azerbaycan, Türkiye ve Gürcistan, Hazar bölgesi ile Avrupa pazarı arasındaki en önemli bağlantılardan birinin üzerinde bulunuyor. Bu bağlantı ne kadar istikrarlı olursa enerji ve ulaştırma projeleri, özellikle de Orta Koridor için o kadar fazla imkan ortaya çıkıyor.

Ortadoğu’da, Hürmüz Boğazı çevresinde ve Basra Körfezi’nde istikrarsızlığın arttığı bir dönemde, güvenilir kara ve Hazar güzergâhları daha da önem kazanıyor.

Bu nedenle Aliyev’in egemenlik konusundaki sözleri, tek başına Azerbaycan-Türkiye ittifakında bir kriz yaşandığının göstergesi değil. İki devlet yakın müttefik olabilir ve aynı zamanda kendi bağımsız dış politikalarını yürütme hakkını savunabilir.


Köşe yazıları yazarların görüşlerini yansıtmakta olup NEX24‚ün tutumunu temsil etmeyebilir


Yazar Hakkında

Toghrul Hasanzade, Avrupa dış politikası, uluslararası ilişkiler ve eski Sovyet coğrafyası konularına odaklanan bir siyasi analist ve serbest yazardır. Europa-Universität Viadrina’da Avrupa Çalışmaları eğitimi almış ve Almanya Federal Meclisi (Deutscher Bundestag) Uluslararası Parlamento Burs Programı (IPS) bursiyeri olmuştur. Yazıları düzenli olarak Azerbaycan medyasında yayımlanmaktadır. Ayrıca, televizyon programlarında Avrupa politikası uzmanı olarak yer almaktadır.


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Gastkommentar
Alijew-Rede und die Türkei: Warum die Kritik am eigentlichen Thema vorbeigeht

Ein Gastkommentar von Toghrul Hasanzadeh

Die Rede des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev auf dem VIII. Parteitag der regierenden Partei „Yeni Azərbaycan“ am 2. Oktober 2026 hat weit über Baku hinaus für Diskussionen gesorgt. Besonders beachtet wurden seine Aussagen, Aserbaidschan brauche keine „Hilfe oder Schirmherrschaft“ von außen und müsse seine Außenpolitik so gestalten, dass sich niemand in seine Angelegenheiten einmische.

Aliyev verwies auf die eigene Armee, auf Waffen, die mit eigenen Mitteln gekauft worden seien, auf wirtschaftliche Eigenständigkeit und auf die Unabhängigkeit als Ergebnis einer langjährigen Politik. Zugleich erklärte er, es gebe in der Welt zwei Supermächte, die USA und China, eine dritte gebe es nicht. Russland nannte er in diesem Zusammenhang nicht. Auch das ist für Baku eine sehr direkte Botschaft.

Ein Teil der Kommentatoren interpretierte die Rede als Kritik an der Türkei und als Zeichen einer Abkühlung zwischen Baku und Ankara. Das ist zu direkt. Die Türkei wurde in diesem Abschnitt nicht genannt. Zudem gibt es mehrere mögliche Adressaten solcher Aussagen, die näher liegen als Ankara.

An wen richtet sich die Rede?

Aserbaidschan liegt zwischen Russland und Iran, zwei Staaten, die historisch Einfluss auf den Südkaukasus beansprucht haben. Nach den russisch-persischen Kriegen wurde die Region zwischen dem Russischen und dem Persischen Reich aufgeteilt. Festgeschrieben wurde dies durch den Vertrag von Gulistan von 1813 und den Vertrag von Turkmenchai von 1828.

Seit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Aserbaidschans im Jahr 1991 haben die Beziehungen zu Teheran wiederholt Krisen und Phasen der Normalisierung erlebt. Im Januar 2023 wurde die aserbaidschanische Botschaft in Teheran Ziel eines bewaffneten Angriffs. Nach langen Verhandlungen nahm die Botschaft im Sommer 2024 ihre Arbeit wieder auf.

Auch das Verhältnis zu Moskau hat sich deutlich abgekühlt. Im Dezember 2024 wurde ein aserbaidschanisches Passagierflugzeug beim Anflug auf Grosny über russischem Gebiet abgeschossen. Nach Einschätzung Bakus und mehrerer Experten traf es die russische Flugabwehr. Es folgte eine diplomatische Krise. Im Februar 2025 stellte Baku die Tätigkeit des „Russischen Hauses“ ein.

Als Begründung wurden unter anderem fehlende Registrierung und Verstöße gegen aserbaidschanisches Recht genannt. Im Sommer 2025 verschärfte eine Welle von Festnahmen unter Angehörigen der aserbaidschanischen Diaspora in Russland die Spannungen zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund wirken Aliyevs Aussagen über die eigene Unabhängigkeit vor allem wie eine Fortsetzung der allgemeinen Logik der aserbaidschanischen Außenpolitik. Für einen Staat mit einer solchen geografischen Lage ist es eine langfristige strategische Frage, den eigenen Handlungsspielraum zu bewahren.

Aserbaidschan pflegt gleichzeitig Beziehungen zu vielen Partnern. Es ist mit der Türkei eng verbündet, unterhält Arbeitsbeziehungen zu Russland und Iran und kooperiert mit der EU, Israel, China und den Staaten Zentralasiens. Die Interessen dieser Partner überschneiden sich nicht immer. Baku muss daher ständig zwischen unterschiedlichen Interessen und Machtzentren ausbalancieren.

Warum Europa davon betroffen ist

Aserbaidschan kann Russland als Gaslieferanten für Europa und insbesondere für Deutschland nicht ersetzen. Seine Bedeutung liegt vielmehr in der Diversifizierung.
2025 lieferte Aserbaidschan rund 11,3 Milliarden Kubikmeter Gas in die EU, etwa 3,9 Prozent der gesamten Gasimporte der Europäischen Union.

Seit Januar 2026 fließt aserbaidschanisches Gas auch nach Deutschland und Österreich. Für Deutschland ist insbesondere der Zehnjahresvertrag zwischen SOCAR und SEFE relevant, der Lieferungen von bis zu rund 1,5 Milliarden Kubikmetern pro Jahr vorsieht.

Über Aserbaidschan und die Türkei verlaufen zudem weitere wichtige Verbindungen. Die Ölpipeline Baku–Tiflis–Ceyhan und die TANAP-Gaspipeline verbinden die Ressourcen des Kaspischen Raums mit dem europäischen Markt. Die Eisenbahnstrecke Baku–Tiflis–Kars und der Mittlere Korridor bilden eine Landverbindung von Zentralasien über das Kaspische Meer, den Kaukasus und die Türkei nach Europa.

2022 vereinbarten die EU und Aserbaidschan, den Südlichen Gaskorridor auszubauen und bis 2027 mindestens 20 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr zu liefern. Die tatsächlichen Mengen liegen bislang deutlich darunter. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind alternative Energiequellen und Transportrouten für Europa wichtiger geworden.

Deshalb sind die Beziehungen zwischen Baku und Ankara längst mehr als eine regionale Angelegenheit. Von ihrer Stabilität hängen Energie-, Verkehrs- und Handelsverbindungen zwischen Europa, dem Kaukasus und Zentralasien ab.
Was die beiden Länder verbindet

Die Formel „Eine Nation, zwei Staaten“ wird häufig als politischer Slogan verstanden. Tatsächlich beschreibt sie zwei Realitäten zugleich. Zum einen gibt es eine enge historische und kulturelle Verbindung zwischen den beiden Gesellschaften. Zum anderen existieren zwei souveräne Staaten mit eigenen Interessen.

Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Aserbaidschans 1991 war die Türkei das erste Land, das die Unabhängigkeit anerkannte. 1993 schloss Ankara nach der Einnahme von Kelbadschar durch armenische Kräfte die Grenze zu Armenien. Die Türkei unterstützte außerdem Nachitschewan, die aserbaidschanische Exklave zwischen Armenien und Iran.

In den folgenden Jahrzehnten gingen die Beziehungen weit über klassische Diplomatie hinaus und umfassten Kultur, Bildung, Wirtschaft, Verkehr und zahlreiche persönliche Verbindungen.

In der Schuscha-Deklaration von 2021 stehen zwei bekannte Formeln nebeneinander. Mustafa Kemal Atatürk wird der Satz zugeschrieben: „Die Freude Aserbaidschans ist unsere Freude, sein Leid ist unser Leid.“ Heydar Aliyev, der Vater des heutigen Präsidenten, prägte die Formel „Eine Nation, zwei Staaten“. Die Deklaration bezeichnet beide Formeln als nationales und geistiges Erbe der beiden Völker.

Gleichzeitig betont dasselbe Dokument die Unabhängigkeit, die Souveränität und das Prinzip der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten. Beide Seiten behalten das Recht auf eine eigenständige Außenpolitik und verpflichten sich zugleich, in Fragen von gemeinsamem Interesse ihre Politik zu koordinieren.

Genau diese Kombination beschreibt die heutigen Beziehungen am besten. Die enge Verbindung zwischen den Gesellschaften bedeutet nicht, dass einer der beiden Staaten dem anderen untergeordnet ist.

Von der Brüderlichkeit zur strategischen Partnerschaft

Hinter der historischen Nähe steht längst ein konkretes System gegenseitiger Interessen. Die Türkei ist zu einem der wichtigsten politischen, wirtschaftlichen, militärischen und verkehrspolitischen Partner Aserbaidschans geworden. Für Ankara ist Aserbaidschan ein zentraler Verbündeter im Südkaukasus, ein wichtiger Energiepartner und eine Verbindung zum Kaspischen Raum und nach Zentralasien.

Während des Zweiten Karabachkriegs 2020 zeigte sich diese Verbindung besonders deutlich. Die eigentlichen Kampfhandlungen wurden von der aserbaidschanischen Armee geführt, die ihren militärischen Fähigkeiten über Jahre hinweg ausgebaut und Waffen aus verschiedenen Ländern beschafft hatte. Die Türkei leistete Baku zugleich wichtige politische und strategische Unterstützung. Beide Seiten dieser Gleichung sind relevant.

Heute baut Aserbaidschan seine militärischen Fähigkeiten weiter aus und entwickelt seine eigene Rüstungsindustrie. Die Zusammenarbeit mit der Türkei ist daher nicht nur als Beschaffung fertiger Waffensysteme zu verstehen. Auf der Rüstungsmesse ADEX 2026 unterzeichneten türkische Unternehmen mit aserbaidschanischen Partnern Vereinbarungen und Verträge im Wert von mehr als 500 Millionen US-Dollar.

Dazu gehören unter anderem Lieferungen von HÜRKUŞ-Ausbildungsflugzeugen, der Loitering Munition Mızrak, dem System Antidot und dem Küstenverteidigungssystem Barbaros. Darüber hinaus wurden Vereinbarungen über eine lokale Produktion sowie ein Vorprotokoll über die Errichtung eines gemeinsamen Werks von ASELSAN und NOVASİS in Nachitschewan unterzeichnet.

Damit funktioniert die gegenseitige Abhängigkeit nicht nur in eine Richtung. Die Türkei unterstützt Aserbaidschan dabei, seine Verteidigungsfähigkeiten eigenständiger zu entwickeln. Gleichzeitig schafft das Bündnis neue Möglichkeiten für den Aufbau einer eigenen industriellen Basis in Aserbaidschan.

Dennoch besteht zwischen beiden Ländern ein deutliches wirtschaftliches und politisches Gefälle. Die Türkei ist Aserbaidschan bei Bevölkerung, Wirtschaft, Industrie und militärischem Potenzial deutlich überlegen. Aserbaidschan ist zudem auf türkisches Territorium als wichtigen Zugang zu den europäischen Märkten und in bestimmten Bereichen der Verteidigung auf türkische Technologien angewiesen.

Für Baku ist es daher besonders wichtig, seine Partnerschaften zu diversifizieren und aus der strategischen Allianz keine einseitige Abhängigkeit entstehen zu lassen.
Auch deshalb hat die Rhetorik über Souveränität für Aserbaidschan eine ganz praktische Bedeutung.

Brüderlichkeit bedeutet nicht Einigkeit in allen Fragen

Zwischen Baku und Ankara gibt es zeitweise unterschiedliche Positionen. Am sichtbarsten waren sie in den vergangenen Jahren bei den Beziehungen zu Israel und beim Krieg in Gaza. Auch bei Russland, Iran, der Energiepolitik und einzelnen regionalen Krisen sehen beide Seiten manches unterschiedlich.

Auf offizieller Ebene gibt es dennoch keinen offenen Konflikt zwischen den beiden Hauptstädten. Die Zusammenarbeit wird weiter ausgebaut.
Wer in der Türkei die aserbaidschanische Regierung kritisiert, ist deshalb nicht feindlich gegenüber Aserbaidschan eingestellt.

Dasselbe gilt umgekehrt für Kritik an der türkischen Regierung in Aserbaidschan. Ilham Aliyev ist seit 2003 an der Macht, Recep Tayyip Erdoğan prägt die türkische Politik seit vielen Jahren. Beide pflegen ein erkennbar enges persönliches Verhältnis. Die Verbindung der beiden Gesellschaften reicht jedoch weiter und würde auch ohne dieses Verhältnis bestehen.

Sie stützt sich auf gemeinsame Geschichte, Sprache, Infrastruktur und wirtschaftliche Interessen. Aus diesem Grund gelten die Türkei und Aserbaidschan vielen in beiden Ländern als natürliche Verbündete.
Für europäische Leser ist diese Unterscheidung wichtig. Man kann das politische System Aserbaidschans oder der Türkei kritisch sehen und trotzdem anerkennen, dass die beiden Gesellschaften eine besondere historische und kulturelle Verbindung haben.

Was die vergangenen Wochen zeigen

Wer nicht auf einzelne Schlagzeilen, sondern auf konkrete politische und wirtschaftliche Schritte schaut, sieht eher eine Vertiefung der Zusammenarbeit.
Ende September und Anfang Oktober fanden in Aserbaidschan die Militärübungen „Einheitsstärke 2026“ mit mehr als 3.500 Soldaten aus Aserbaidschan, der Türkei und Usbekistan statt. Vertreter aus Iran, Georgien, Pakistan und mehreren zentralasiatischen Staaten waren als Beobachter anwesend.

Am 2. Oktober fand in Schuscha ein weiteres trilaterales Treffen der Verteidigungsminister Aserbaidschans, der Türkei und Georgiens statt. Im Mittelpunkt standen die militärische Zusammenarbeit und die regionale Sicherheit.
Für Europa hat das eine konkrete Bedeutung.

Aserbaidschan, die Türkei und Georgien liegen entlang einer der wichtigsten Verbindungen zwischen dem Kaspischen Raum und dem europäischen Markt. Je stabiler diese Verbindung ist, desto größer sind die Möglichkeiten für Energie- und Verkehrsprojekte, darunter auch für den Mittleren Korridor.

In einer Zeit, in der die Lage im Nahen Osten, rund um die Straße von Hormus und im Persischen Golf instabil ist, gewinnen verlässliche Land- und Kaspirouten zusätzlich an Bedeutung.

Aliyevs Aussagen über die Souveränität sind daher für sich genommen kein Hinweis auf eine Krise des aserbaidschanisch-türkischen Bündnisses. Zwei Staaten können enge Verbündete sein und gleichzeitig auf dem Recht auf eine eigenständige Außenpolitik bestehen.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Toghrul Hasanzade ist politischer Analyst und freier Autor mit Schwerpunkten in der europäischen Außenpolitik, internationalen Beziehungen und dem postsowjetischen Raum. Er hat Europäische Studien an der Europa-Universität Viadrina studiert und war Stipendiat des Internationalen Parlaments-Stipendiums des Deutschen Bundestages. Seine Texte erscheinen regelmäßig in aserbaidschanischen Medien. Zudem tritt er als Experte für europäische Politik in Fernsehsendungen auf.


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Stockholm
Medizin-Nobelpreis geht an zwei Deutsche

Stockholm – Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geht im Jahr 2026 an die deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel sowie an den US-Amerikaner Karl Deisseroth. Die Wissenschaftler werden für ihre bahnbrechenden Entdeckungen im Bereich der Optogenetik ausgezeichnet, wie das Nobelpreis-Komitee am Montag in Stockholm mitteilte.
 
Die höchste Auszeichnung in der Medizinwelt geht in diesem Jahr zu Teilen nach Deutschland. Der Biophysiker Prof. Peter Hegemann (Humboldt-Universität Berlin) und der Biologe Prof. Georg Nagel (Universität Würzburg) teilen sich den renommierten Preis gemeinsam mit dem US-Neurobiologen Prof. Karl Deisseroth von der Stanford University.
 
Die drei Wissenschaftler begründeten mit ihren Arbeiten die Methode der Optogenetik, mit der sich Nervenzellen durch Licht steuern lassen. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit insgesamt 12 Millionen Schwedischen Kronen (rund eine Million Euro) dotiert, die zu gleichen Teilen an die drei Laureaten gehen.

Durchbruch durch lichtempfindliche Proteine

Den Grundstein für das Forschungsfeld legten Hegemann und Nagel bei der Untersuchung von Grünalgen. Sie entdeckten lichtempfindliche Proteine – sogenannte Channelrhodopsine –, die als lichtgesteuerte Ionenkanäle in Zellmembranen fungieren. In Zusammenarbeit mit Deisseroth gelang es später, diese Proteine gezielt in Nervenzellen einzubringen und die Aktivität der Zellen präzise mit Lichtimpulsen zu steuern.
 
Diese Methode erlaubt es Forschern weltweit, die Funktionsweise komplexer neuronaler Netzwerke im Gehirn im Detail zu untersuchen. Durch die Optogenetik lassen sich fundamentale Prozesse wie Erinnern, Lernen oder die Entstehung von Gefühlen im lebenden Organismus erforschen.

Meilenstein für die Gehirnforschung

Nach Angaben der Nobelversammlung am Karolinska-Institut haben die drei Preisträger mit ihren Entdeckungen eine neue Ära in den Neurowissenschaften eingeläutet. Die Werkzeuge der Optogenetik gelten heute als unverzichtbar für die Erforschung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen, darunter Parkinson, Depressionen und Angststörungen.
 
Die diesjährige Verleihung hat zudem historischen Charakter: Die Vergabe des Nobelpreises jährt sich 2026 zum 125. Mal. Den allerersten Medizin-Nobelpreis der Geschichte im Jahr 1901 erhielt mit Emil von Behring ebenfalls ein deutscher Forscher. Für Deutschland ist es zudem der erste Medizin-Nobelpreis seit 13 Jahren, nachdem Thomas Südhof die Auszeichnung im Jahr 2013 erhalten hatte.
 

Raumfahrt
Türkei plant Mondmission 2027: Erdoğan setzt auf Raumfahrt

Antalya – Die Türkei unternimmt einen historisch ernsthaften Versuch, sich als feste und eigenständige Größe in der internationalen Raumfahrt zu etablieren.

Beim International Astronautical Congress (IAC 2026), der derzeit unter der Schirmherrschaft des türkischen Industrieministeriums in der südtürkischen Metropole Antalya ausgetragen wird, setzte das Land ein weltweit beachtetes diplomatisches und technologisches Zeichen.

Insgesamt 32 Minister, Parlamentarier und Leiter von Raumfahrtbehörden aus 21 Ländern unterstützten eine von der Türkei initiierte Erklärung für die friedliche Zusammenarbeit im Weltraum. Es ist das erste Mal in der Geschichte dieses Treffens überhaupt, dass sich die internationale Ministerversammlung auf eine solche gemeinsame Deklaration geeinigt und diese unterzeichnet hat. Der türkische Industrie- und Technologieminister Mehmet Fatih Kacır betonte stolz:

„Der Text wurde in enger Absprache mit unseren Partnern entwickelt. Unser Ziel ist es, einen gemeinsamen internationalen Rahmen für einen friedlichen, nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Weltraum zu schaffen.“

Er fügte hinzu, dass dieser Erfolg den „Geist von Antalya“ widerspiegele, der von gegenseitigem Respekt geprägt sei.

Eigene Mondmission für Anfang 2027 geplant

Hinter diesem diplomatischen Meilenstein steckt weit mehr als nur bürokratischer Papierkram. Die Regierung in Ankara verfolgt handfeste strategische Ziele und hat bereits konkrete Pläne für die nahe Zukunft vorgelegt: Schon Anfang des Jahres 2027 will die Türkei ihre erste eigene Raumsonde zum Mond schicken.

Das Besondere an diesem Prestigeprojekt ist der extrem hohe Grad an technologischer Unabhängigkeit. Mehr als 80 Prozent des gesamten Raumfahrzeugs werden im eigenen Land entwickelt und gebaut. Die Sonde wird zudem mit einem im Inland entwickelten Hybridantriebssystem ins All fliegen. „Diese Mission wird eine internationale Prüfung unserer technischen Fähigkeiten sein und zeigen, dass wir unsere Weltraumambitionen in konkrete Ergebnisse umsetzen können“, so Minister Kacır vor den internationalen Delegationen.

Präsident Recep Tayyip Erdoğan stellte das Nationale Weltraumprogramm ursprünglich im Februar 2021 vor und nannte damals das Jahr 2023 (zum 100-jährigen Jubiläum der Republik) als ursprüngliches Ziel für den ersten Kontakt mit dem Mond.

Von den Flugversuchen des Osmanischen Reichs zur Hightech-Industrie

Diese ambitionierte Mondmission für 2027 ist der vorläufige Höhepunkt einer langen Entwicklung, deren historische Wurzeln tief in der Kultur verankert sind. In der Türkei wird diese neue Dynamik oft symbolisch mit dem Aufstieg einer langen Pionierkraft verknüpft, die fast schon poetisch an die Visionen des legendären „Rocket-Man“ im historischen Osmanischen Reich erinnert.

Bereits im 17. Jahrhundert gab es dort Berichte über den Flugpionier Lagâri Hasan Çelebi, der sich der Überlieferung nach mit einer selbstgebauten, mit Schwarzpulver betriebenen Rakete in den Himmel katapultierte. Was damals als wagemutiges Spektakel begann, hat den Traum vom Vorstoß in ungekannte Höhen tief in der regionalen Identität verankert und gilt heute als historischer Vorläufer des modernen türkischen Forschungsdrangs.

Heute, Jahrhunderte nach den ersten osmanischen Flugversuchen, ist aus dem einstigen Traum eine florierende und hochmoderne Hightech-Industrie geworden. Aktuell operieren bereits über 300 spezialisierte Raumfahrtunternehmen in den Technoparks des Landes, die von Satellitentechnik über Antriebssysteme bis hin zu modernster Software alles entwickeln.

Ankara will festen Platz in der globalen Weltraumwirtschaft

Die Regierung plant zudem bereits die Errichtung eines dedizierten Weltraum-Technoparks in der Hauptstadt Ankara.

Der weltweite Weltraumsektor boomt: Allein im Jahr 2025 erreichte die globale Weltraumwirtschaft einen Rekordwert von 686 Milliarden US-Dollar, wovon rund vier Fünftel auf kommerzielle Aktivitäten entfallen.

Mit der erfolgreichen Ausrichtung des Weltraumkongresses in Antalya, dem jüngsten Beitritt zu den von der NASA koordinierten Artemis Accords und der strikten Roadmap für das Jahr 2027 macht Ankara unmissverständlich klar: Die Türkei fordert einen permanenten und gewichtigen Sitz am Tisch der globalen Weltraum-Nationen ein und ist bereit, die Zukunft der orbitalen Infrastruktur aktiv mitzugestalten.

 


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Erdogan und Elon Musk besprechen Raketenprogramm

Epstein-Whistleblower
Berichte über Suizid von Epstein-Whistleblower Simon Andriesz

London/Washington – Der britische Banker und Whistleblower Simon Andriesz ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Wie The Banker berichtete,  sei Andriesz durch Suizid ums Leben gekommen. Auch The Daily Beast berichtete über seinen Tod und bezeichnete ihn als Suizid.

Die Nachricht sorgt insbesondere wegen der Rolle Andriesz’ bei den Enthüllungen über die Verbindungen zwischen dem US-Handelsminister Howard Lutnick und dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein für Aufmerksamkeit.

Der Tod wurde von Andy Agathangelou, dem Gründer der Transparency Task Force, bestätigt, mit der Andriesz verbunden war. Eine separate offizielle Mitteilung zu den genauen Todesumständen liegt bislang nicht vor. Medienberichte verweisen deshalb auf die Angaben von The Banker beziehungsweise auf die Berichterstattung über seinen Tod.

Andriesz machte Lutnicks Epstein-Verbindungen öffentlich

Andriesz war früher Managing Director beim Finanzunternehmen BGC Partners, das zur Unternehmensgruppe von Lutnick gehört. Dort hatte er bereits 2016 auf mögliche Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung hingewiesen. 2017 wurde er entlassen. Nach Angaben der BBC führten Teile seiner Vorwürfe später zu einer Strafe von drei Millionen Dollar gegen BGC wegen Verstößen bei Aufsicht, Berichterstattung und Aufzeichnungen.

Andriesz wandte sich in den Jahren 2020 und 2021 außerdem an das FBI. Dabei ging es unter anderem um Vorwürfe gegen Lutnick und um dessen mögliche geschäftliche Verbindungen zu Epstein. Die BBC berichtete im Juli 2026, dass die damaligen Hinweise des Whistleblowers vom FBI nicht weiter untersucht wurden.

Neue Aufmerksamkeit erhielt Andriesz in diesem Jahr, nachdem zahlreiche Dokumente aus dem Epstein-Komplex veröffentlicht worden waren. Bei der Suche nach dem Kürzel „HWL“ – den Initialen von Howard William Lutnick – stieß er auf E-Mails aus dem Jahr 2018 zwischen Lutnick und Epstein.

Darin ging es um das digitale Werbeunternehmen AdFin. Epstein hatte Lutnick direkt nach den Aussichten des Unternehmens gefragt. Lutnick antwortete unter anderem, dass AdFin endlich Umsätze erziele und in den folgenden zwölf Monaten wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen müsse. Die BBC berichtete, dass sowohl Epstein als auch ein Unternehmen aus Lutnicks Cantor-Fitzgerald-Gruppe in AdFin investiert hatten.

E-Mails widersprachen früheren Angaben

Die E-Mails sorgten deshalb für politische Aufmerksamkeit, weil Lutnick zuvor erklärt hatte, seinen Kontakt zu Epstein nach einem Treffen im Jahr 2005 beendet zu haben. Die später veröffentlichten Dokumente zeigten jedoch Kontakte zwischen beiden Männern auch noch Jahre danach.

Lutnick räumte zudem ein, 2012 mit seiner Familie auf Epsteins Privatinsel gewesen zu sein. In einer Anhörung vor dem US-Repräsentantenhaus erklärte er allerdings, er habe zum damaligen Zeitpunkt nicht gewusst, dass Epstein ebenfalls an AdFin beteiligt gewesen sei. Auch die 2018er E-Mail habe er nach seiner Darstellung nicht im Wissen um Epsteins Beteiligung beantwortet.

Andriesz übermittelte die von ihm gefundenen Unterlagen anschließend Mitgliedern des House Oversight Committee, des wichtigsten Untersuchungsausschusses des US-Repräsentantenhauses. Lutnick wurde daraufhin im Mai zu einer nicht öffentlichen Anhörung geladen.

Demokratische Mitglieder des Ausschusses warfen ihm anschließend vor, bei seinen Angaben nicht die Wahrheit gesagt zu haben, und forderten seinen Rücktritt. Das Handelsministerium wies die Vorwürfe dagegen als parteipolitisch motivierte Ablenkung zurück.

Tod sorgt für neue Debatte

Mit dem Tod des Whistleblowers rücken nun auch die persönlichen Folgen seiner jahrelangen Auseinandersetzungen wieder in den Mittelpunkt. Andriesz hatte der BBC bereits im Sommer geschildert, welchen Preis sein Vorgehen für ihn gehabt habe.

Neben seinem beruflichen Konflikt mit seinem früheren Arbeitgeber beschäftigte er sich über Jahre mit Verfahren und Auseinandersetzungen mit Behörden und Regulierern. Die BBC berichtete zudem über seine Schilderungen zu den persönlichen Belastungen dieser Zeit.

In sozialen Netzwerken wird der Tod inzwischen auch mit den von Andriesz aufgedeckten Verbindungen rund um Epstein und Lutnick in Zusammenhang gebracht. Auf X und anderen Plattformen wird teilweise über mögliche andere Todesumstände spekuliert. Für diese Spekulationen liegen bislang jedoch keine öffentlich belegten Hinweise vor.

Fest steht: Andriesz hatte in den vergangenen Jahren mehrfach Vorwürfe gegen seinen früheren Arbeitgeber und dessen damaligen Chef Lutnick vorgebracht und später Dokumente öffentlich gemacht, die Lutnicks Kontakte zu Epstein bis mindestens 2018 belegten. Nun ist der Whistleblower im Alter von 57 Jahren gestorben. 

 


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Buchvorstellung
Towards Disaster: Eine Autobiografie zwischen Selbstrechtfertigung und Kriegsrealität

Von Kemal Bölge

Die englischsprachige Autobiografie „Towards Disaster: The Greek Army in Asia Minor in 1921“ (erstmals 1930 veröffentlicht) von Prinz Andrew von Griechenland und Dänemark ist weniger eine klassische Autobiografie als vielmehr eine militärische Rechtfertigungsschrift und ein Erinnerungsbericht über die griechische Besetzung Westanatoliens nach dem Ersten Weltkrieg.

Andrew schildert darin seine Sicht auf den Feldzug der griechischen Armee in Anatolien im Jahr 1921 und verteidigt seine eigenen Entscheidungen als Kommandeur. Eines seiner Kinder war der spätere Prinz Philip, Herzog von Edinburgh (Ehemann der verstorbenen Königin Elisabeth II.). Prinz Andrew von Griechenland und Dänemark ist der Großvater des heutigen Königs Charles III.

Die Vorgeschichte: Die „Megali Idea“ und die Besetzung Izmirs

Im 19. und 20. Jahrhundert propagierte die Ideologie des griechischen Nationalismus die „Megali Idea“ („Die große Idee“), die die Vereinigung aller von Griechen besiedelten Gebiete vorsah und als „griechischer Irredentismus“ bezeichnet wird. Dieser Plan sah die Besetzung von weiten Teilen Anatoliens zum Nachteil des früheren Osmanischen Reiches vor.

Mit der Niederlage des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkriegs sah die griechische Regierung unter Ministerpräsident Eleftherios Venizelos, der als „größter Verfechter“ des irredentistischen Plans zu Beginn des 20. Jahrhunderts gilt, die Gelegenheit gekommen, um die „Megali Idea“ zu verwirklichen. Das Buch beginnt mit dem politischen und militärischen Kontext des Krieges zwischen Griechenland und der türkischen Nationalbewegung (1919–1922).

Die Landung der griechischen Armee am 15. Mai 1919 in Izmir stellte aus türkischer Sicht eine Zäsur dar. In den ersten drei Tagen der Besetzung Izmirs wurden über 800 türkische Zivilisten Opfer von Massakern der griechischen Besatzungsarmee. Der Feldzug wurde durch den Zerfall des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg möglich. Die griechische Führung plante eine militärische Offensive tief ins anatolische Inland.

Prinz Andrew als Korpskommandeur und die Offensive auf Ankara

In seiner Autobiografie stellt Andrew seine zentrale These auf: Der Feldzug war strategisch überdehnt und politisch schlecht geplant. Der Prinz beschreibt seine Rolle als Kommandeur eines Armeekorps der griechischen Armee. Er schildert die Organisation der Truppen und logistische Probleme wie Nachschub, Entfernungen und Gelände. Ein wiederkehrendes Thema ist seine Kritik an der unrealistischen Strategie der politischen Führung und des Generalstabs.

Der Kern des Buches ist die Beschreibung der griechischen Offensive im Sommer 1921, die schließlich zur Schlacht von Sakarya führte. Andrew argumentiert, dass die griechische Armee zu weit ins Landesinnere vorgedrungen sei, die Versorgungslinien zu lang und unsicher gewesen seien und das türkische Heer unter Mustafa Kemal Atatürk defensiv gut positioniert gewesen sei. Er beschreibt die Kämpfe als äußerst verlustreich und militärisch aussichtslos.

Konflikte im Oberkommando und der Zusammenbruch

Ein entscheidender Punkt der Memoiren ist sein Streit mit dem Oberbefehlshaber Anastasios Papoulas. Andrew erhielt den Befehl, frontal anzugreifen. Er hielt den Angriff für militärisch unsinnig und setzte teilweise eigene taktische Entscheidungen um. Nach der erfolglosen Offensive gab das Oberkommando ihm eine Mitschuld am Rückzug. Im Buch verteidigt er sich ausführlich und argumentiert, er habe das Leben seiner Soldaten schützen wollen.

Der Prinz sieht mehrere Gründe für das Scheitern Griechenlands:

  • Überdehnung der Front – zu große Entfernungen von den Versorgungsbasen

  • Politische Einmischung in militärische Entscheidungen

  • Mangelhafte Koordination im Generalstab

  • Unterschätzung der türkischen Kräfte

Er beschreibt die Kampagne insgesamt als eine Bewegung „towards disaster“ – auf eine Katastrophe zu.

Gerichtsprozess, Exil und das Schweigen über Kriegsverbrechen

Obwohl das Buch hauptsächlich die Ereignisse von 1921 behandelt, weist Andrew auf die Konsequenzen hin: 1922 kollabierte die griechische Front vollständig. Nach der Niederlage kam es zu einer Revolution in Griechenland.

Andrew wurde in Athen vor ein Militärgericht gestellt, und ihm drohte wegen Hochverrats und Befehlsverweigerung die Todesstrafe. Auf massiven Druck der britischen Regierung und des Königshauses wurde er mit einem britischen Schiff nach Frankreich ins Exil gezwungen. Das Buch fungiert daher auch als Selbstverteidigung gegen die Vorwürfe, er habe zum militärischen Desaster beigetragen.

In seiner Autobiografie geht Prinz Andrew mit keinem Wort auf die systematischen Kriegsverbrechen seiner von ihm befehligten, berüchtigten Einheiten gegen die türkische Zivilbevölkerung ein. Die Schergen des Generalmajors Prinz Andrew vergewaltigten massenhaft junge Mädchen und Frauen, schlossen Dorfbewohner in Moscheen und Gebäuden ein, um diese in Brand zu stecken. Wer aus der Todesfalle zu fliehen versuchte, wurde erschossen. Diese Einheiten nannten sich selbst „Teufelsbataillone“ und verbreiteten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung.

Alle Städte und Dörfer in Westanatolien, die in die Hände dieser Besatzer kamen, wurden von diesen in Schutt und Asche gelegt. Kein Haus, keine Schule und keine Scheune blieb von diesen Todesschwadronen verschont. Schätzungen von Historikern zufolge wurden während der drei Jahre und drei Monate andauernden griechischen Besetzung Westanatoliens über 600.000 unschuldige türkische Zivilisten getötet. Weder Prinz Andrew noch ein anderer griechischer Kommandeur mussten sich für den Genozid an der türkisch-muslimischen Zivilbevölkerung vor Gericht verantworten.


Zum Autor

Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei.


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Italien
Gaza-Doku „NAZA“ schlägt „Avengers Endgame: Encore“ an Kinokassen

Rom – Der israelische Dokumentarfilm „NAZA“ über die israelischen Militäroperationen im Gazastreifen hat in Italien einen überraschenden Kinoerfolg erzielt. Die preisgekrönte Produktion spielte in den ersten beiden Tagen rund 1,1 Millionen Euro ein und lag damit deutlich vor der Wiederaufführung von „Avengers: Endgame“ mit neuen Szenen. Der Marvel-Film kam im selben Zeitraum auf rund 356.000 Euro.

„NAZA“ wurde von den israelischen Filmemachern Yuval Abraham und Rachel Szor gedreht, die bereits für den Dokumentarfilm „No Other Land“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurden. Der 80-minütige Film basiert unter anderem auf Interviews mit 24 anonymisierten israelischen Soldaten und Geheimdienstmitarbeitern. Sie schildern darin den Einsatz von Überwachungs- und KI-Systemen bei der Auswahl militärischer Ziele im Gazastreifen. Die Identitäten der Gesprächspartner wurden technisch verfremdet.

25 Minuten stehende Ovation in Venedig

Seine Weltpremiere feierte „NAZA“ beim Filmfestival von Venedig. Dort erhielt der Film den Spezialpreis der Jury. Bei der Vorführung reagierte das Publikum mit einer 25-minütigen stehenden Ovation – laut mehreren Berichten ein Rekord für das Festival.

In Italien war der Film zunächst lediglich für drei Tage angekündigt. Wegen ausverkaufter Vorstellungen wurde die Laufzeit jedoch verlängert. Nach Angaben des italienischen Verleihs sollen zudem mehr als 150 weitere Kinos den Film ins Programm aufnehmen oder ihre Laufzeit verlängern.

Scharfe Kritik aus Israel

Der Erfolg steht im Gegensatz zu den Reaktionen führender israelischer Politiker. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisierte den Film scharf und warf den Regisseuren vor, die israelischen Streitkräfte als Kriegsverbrecher darzustellen. Kulturminister Miki Zohar forderte bereits nach der Auszeichnung in Venedig, Abraham und Szor die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen, und sprach von „Verrat am Staat“.

Netanjahu kündigte anschließend an, gesetzliche Änderungen voranzutreiben, die den Entzug der Staatsbürgerschaft von Personen ermöglichen sollen, die israelische Soldaten im Ausland diffamieren. Die angekündigten Gesetzesvorhaben sind bislang nicht geltendes Recht.

Die Regisseure waren zudem Todesdrohungen und weiteren Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Nach Angaben des „Guardian“ riefen Demonstranten unter anderem vor dem Haus von Szors Eltern zur Todesstrafe für die Filmemacher auf. Rechtsextreme Aktivisten organisierten demnach Proteste an mit den Regisseuren verbundenen Adressen.

Das Committee to Protect Journalists (CPJ) verurteilte die Drohungen und warnte vor einer Einschüchterung der beiden Filmemacher.

Weltweiter Kinostart

„NAZA“ soll in den kommenden Wochen in mehr als 50 Ländern in die Kinos kommen. Im November soll der Dokumentarfilm zudem kostenlos auf der Website des „Guardian“ verfügbar werden.

Die Filmemacher erklärten, sie hätten den Film aus der Überzeugung heraus produziert, ihre Position als Israelis nutzen zu müssen, um die Strukturen hinter den Militäroperationen im Gazastreifen zu untersuchen.

Die israelischen Streitkräfte haben zentrale Darstellungen des Films zurückgewiesen und den Machern unter anderem erhebliche sachliche Fehler vorgeworfen. Die Regisseure weisen diese Kritik zurück und verweisen auf ihre Quellen und die journalistische Recherche, auf der der Film basiert.

„Erschütternd und schwer erträglich“

Inhaltlich setzt sich „NAZA“ mit der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen auseinander. Der Film basiert unter anderem auf den Aussagen von 24 anonymisierten israelischen Soldaten und Geheimdienstmitarbeitern und zeigt, wie Ziele ausgewählt und Angriffe vorbereitet wurden.

Thematisiert werden dabei unter anderem KI-gestützte Systeme zur Zielerfassung, erwartete zivile Opferzahlen, Angriffe auf Wohnhäuser und die Zerstörung ganzer Stadtviertel. Die geschilderten Vorgänge sind teilweise äußerst drastisch: Menschen, die den Film gesehen haben, beschrieben die Bilder und Aussagen als erschütternd und schwer erträglich. Im Mittelpunkt stehen auch Vorgänge, die als mögliche Kriegsverbrechen eingeordnet werden.

 


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– Nach Drohungen –
London: Israelkritische Doku NAZA wird gratis gestreamt
Nach Ausbürgerungsdrohungen und Anfeindungen: Die Venedig-Gewinner-Dokumentation „NAZA“ wird ab November weltweit gratis gestreamt.

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