Khamenei-Begräbnis
Trump über Khamenei: „Ich dachte, sie hassen ihn?“

Washington – US-Präsident Donald Trump hat sich über das immense Ausmaß der Trauerbekundungen beim Begräbnis des verstorbenen iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei überrascht gezeigt. In einem Interview äußerte er deutliche Zweifel an seinen bisherigen Einschätzungen über die Stimmung im Iran.

Millionen Menschen sind in den vergangenen Tagen auf den Straßen von Teheran und im gesamten Iran zusammengekommen, um Abschied von Ayatollah Ali Khamenei zu nehmen. Die gewaltige Resonanz und die Bilder von weinenden Menschenmassen stießen im Weißen Haus jedoch auf sichtbare Skepsis.

Trump zeigt sich von Menschenmassen „schockiert“

Gegenüber dem US-Nachrichtenportal Axios erklärte US-Präsident Donald Trump, dass er die Zeremonien in Teheran aufmerksam verfolgt habe. Die schiere Größe der Menschenmenge habe ihn völlig unvorbereitet getroffen.

„Ich dachte, die Menschen hassen ihn?“, so Trump im Gespräch mit Axios.

Der US-Präsident gab offen zu, von den weinenden Massen „schockiert“ gewesen zu sein, da er im Vorfeld fest davon ausgegangen war, dass der verstorbene iranische Führer in der eigenen Bevölkerung extrem unpopulär und unbeliebt sei. Laut Berichten soll Trump die Tränen der Trauernden zudem als „gefälscht“ (fake) bezeichnet haben, während gleichzeitig auf den Straßen der iranischen Hauptstadt vereinzelte Parolen gegen die USA zu hören waren.

Gespräche während der Trauerfeierlichkeiten pausiert

Hinter den Kulissen scheint die Lage trotz der rhetorischen Spannungen pragmatisch geregelt worden zu sein. Trump soll gegenüber den Reportern im selben Kontext erklärt haben, er hätte zwar theoretisch die Möglichkeit gehabt, vor Ort „jeden auszuschalten“, fügte jedoch hinzu: „Aber dann ist niemand mehr übrig, mit dem man verhandeln kann.“

Die diplomatischen Gespräche zwischen Washington und Teheran wurden für die Dauer der Trauerfeiligkeiten offiziell pausiert. Beide Seiten vereinbarten für den Zeitraum der Zeremonien eine temporäre Waffenruhe, um einen reibungslosen Ablauf des Begräbnisses zu gewährleisten.

Hochrangige internationale Delegationen bei den Beisetzungsfeierlichkeiten im Iran

Die jüngsten Staatsbegräbnisfeierlichkeiten für den ehemaligen Obersten Führer des Iran, Ali Khamenei, zogen zahlreiche internationale Spitzenpolitiker und hochrangige Regierungsdelegationen an. Nach einer monatelangen Verzögerung durch den US-Israel-Krieg kamen hochrangige Vertreter aus der gesamten Region in Teheran zusammen.

Zu den wichtigsten ausländischen Staats- und Regierungschefs gehörten der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif sowie Armeechef Feldmarschall Asim Munir. Aus den Nachbarstaaten reisten zudem der tadschikische Präsident Emomali Rahmon, der armenische Premierminister Nikol Paschinjan und der georgische Präsident Mikheil Kavelashvili an.

Der Irak war durch Präsident Nizar Amidi sowie den Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan, Nechirvan Barzani, vertreten. Als offizieller Gesandter des russischen Präsidenten Wladimir Putin reiste der ehemalige Präsident und stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, an.

Auch der einflussreiche ehemalige Präsident Turkmenistans, Gurbanguly Berdymukhamedov, gehörte zu den Gästen.

Ergänzt wurde der Kreis der Trauergäste durch eine Delegation aus China sowie überraschend auch aus Saudi-Arabien. Die Präsenz der saudi-arabischen Vertretung gilt als außergewöhnlich, da die beiden Regionalmächte aufgrund tiefgreifender religiöser Unterschiede – dem schiitischen Iran auf der einen und dem sunnitischen Saudi-Arabien auf der einen Seite – traditionell als erbitterte geopolitische Rivalen gelten.

Hochkarätige Vertretung aus der Türkei

Die Türkei schickte ebenfalls eine hochkarätige Vertretung nach Teheran, angeführt von Vizepräsident Cevdet Yılmaz und dem stellvertretenden Außenminister Musa Kulaklıkaya. Begleitet wurde die Staatsdelegation von einer ungewöhnlich breiten Allianz türkischer Parlamentarier, die sowohl das Regierungslager als auch fast das gesamte Spektrum der Oppositionsparteien (darunter die CHP, die Saadet Partisi und die Yeniden Refah Partisi) umfasste. Diese parteiübergreifende Präsenz verdeutlicht, dass die gemeinsame Ablehnung der US-amerikanischen und israelischen Militärkampagne in der Region einen der seltenen Konsenspunkte in der ansonsten tief gespaltenen politischen Landschaft der Türkei darstellt.

Zudem entsandten die afghanischen Taliban ihren Außenminister, während hochrangige Gesandte der regionalen verbündeten Gruppierungen Hamas und Hisbollah ebenfalls vor Ort waren. 

Auf iranischer Seite leiteten Präsident Masoud Pezeshkian und Parlamentssprecher Mohammad Bagher Qalibaf die Trauergebete. Für innenpolitische Spekulationen sorgte jedoch ein prominentes Fehlen: Khameneis Sohn und offizieller Nachfolger als Oberster Führer, Mojtaba Khamenei, war nicht anwesend. Er wurde seit den militärischen Angriffen im vergangenen Februar verletzungsbedingt nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.  

 


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ArchiveGenocide.com
Gaza: Neues Portal archiviert Horroraufnahmen des Krieges

Gaza – Es ist ein Projekt von beispiellosem und zutiefst verstörendem Ausmaß: Unter dem Namen ArchiveGenocide.com haben Aktivisten eine gigantische, frei zugängliche Online-Datenbank gestartet, die das Grauen des Gazakrieges unzensiert dokumentiert.

Wer die Startseite der Plattform aufruft, wird sofort mit einer unmissverständlichen und drastischen Warnung konfrontiert: Die Seite zeigt unzensierte Bilder von Tod, schwersten Verstümmelungen und extremer Gewalt. Der Inhalt ist von einer derart grauenhaften, herzzerreißenden Brutalität, dass er selbst abgehärtete Betrachter nach wenigen Augenblicken an ihre psychischen Grenzen bringt. Wie unerträglich das dokumentierte Material ist, zeigt die Reaktion eines Nutzers stellvertretend für Tausende im Netz:

„Ich habe es genau 5 Sekunden ausgehalten“, schreibt der User BostonPatriot auf X. „Ich habe selbst drei Töchter. Ein kleines, blutüberströmtes Mädchen auf einem Tisch vor Schmerz schreien zu sehen, während ihre Angehörigen versuchen, sie zu trösten, ist einfach unerträglich. Aber es muss geteilt werden.“

„Ich zögere, Ihnen zu gratulieren, denn das Ausmaß des Grauens in diesen Videos ist unglaublich herzzerreißend. Dennoch mussten diese Videos gezeigt werden. Jeder, der zur Menschheit gehört, sollte entsetzt sein und sich schämen, wenn er Israel unterstützt. Gott segne Sie und machen Sie weiter so. Unterzeichnet von einem dreimaligen Trump-Wähler“, so ein weiterer Nutzer.

Bisher waren die zehntausenden Opfer dieses Konflikts für viele Menschen im Westen oft nur anonyme Zahlen in den Nachrichten, da etablierte Großmedien aus ethischen Gründen oder zum Schutz der Zuschauer meist auf die Verbreitung solch schockierender, expliziter Bilder und Videos verzichten.

(Foto: Dr Mimi Syed/Volksgrant)

 

Das neue Projekt bricht dieses mediale Tabu radikal. Ziel der Macher ist es, die Verbrechen für die Nachwelt und für spätere juristische Prozesse zu sichern, bevor die Beweise von den Algorithmen der großen Social-Media-Konzerne gelöscht werden oder durch die Zerstörung von Smartphones und Festplatten vor Ort verloren gehen.

Das Ausmaß: 2,4 Terabyte unzensiertes Beweismaterial

Angekündigt wurde die Plattform am 2. Juli 2026 von dem bekannten Recherche-Account Israel Exposed. Zum Start umfasst die durchsuchbare Datenbank exakt:

  • 64.537 Videos
  • 17.905 Fotos

Über 300 verifizierte Quellen, darunter namhafte palästinensische Journalisten und Fotografen vor Ort wie Motaz Azaiza, Plestia Alaqad, Wael Al Dahdouh und Bisan Owda.

Zusammengenommen bietet das Archiv Zugriff auf mehr als 82.000 einzelne visuelle Beweismittel aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland. Der große technische Vorteil für Journalisten, Menschenrechtler und Ermittler: Man muss nicht mehr – wie bisher – riesige, unübersichtliche Datenarchive herunterladen.

Die Webseite hat das Material in einer gridbasierten, filterbaren Benutzeroberfläche sortiert. Nutzer können die Dateien gezielt nach Datum, Medientyp, Quelle und geografischer Lage durchsuchen und jedes Video einzeln herunterladen.

Ein 6- oder 7-jähriges Mädchen mit einer Schusswunde am Kopf.
(Foto: Mimi Syed)

Minutengenaue Ortung und juristische Relevanz

ArchiveGenocide.com ist jedoch mehr als nur eine ungeordnete Sammlung von Schockbildern. Das Projekt verfügt über eine integrierte Geolokalisierung, die in Zusammenarbeit mit dem Open-Source-Ermittler Abu Location betrieben wird.

Dadurch kann fast jedem Video und Foto der exakte Aufnahmeort zugewiesen werden – ein entscheidender Faktor, um eine lückenlose Chronologie von Angriffen zu erstellen. Zudem leitet die Seite auf eine interaktive Live-Karte weiter, die via Liveuamap Angriffe und Truppenbewegungen im Minutentakt aufzeichnet.

Nach Angaben der Betreiber dienen die Rohdaten, die insgesamt rund 2,4 Terabyte umfassen und dezentral über Torrent-Netzwerke gegen Server-Takedowns geschützt sind, bereits als Beweismittel für internationale Gerichte. Das Material wurde laut der About-Seite der Plattform unter anderem an den Internationalen Strafgerichtshof (IGH), die Hind Rajab Foundation sowie an das südafrikanische Anwaltsteam übermittelt, das die Völkermord-Klage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof (IKG) führt.

Massiver Zuspruch im Netz bei gleichzeitiger emotionaler Wucht

In den sozialen Netzwerken verbreitet sich der Link zur Seite derzeit rasant. Tausende Nutzer fordern dazu auf, die Datenbank zu teilen und zu spiegeln, um die Zensur der Plattform-Algorithmen zu brechen. Viele Kommentatoren betonen, dass die Seite der ultimative Augenöffner für all jene sei, die die Augen vor dem Leid der Zivilbevölkerung und insbesondere der Kinder in Gaza verschließen.

Gleichzeitig löst das Projekt eine Debatte über die immense psychische Belastung beim Sichten des Materials aus. Mediziner und Beobachter loben zwar die historische Wichtigkeit dieser Archivierung, warnen jedoch zeitgleich vor den potenziellen Traumata für normale Betrachter.

Dennoch herrscht in den Kommentarspalten Einigkeit darüber, dass das Wegsehen angesichts der schieren Dimension der Katastrophe keine Option mehr sein darf.

 

 


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– De Volkskrant –
Getötete Kinder in Gaza: Pressepreis für Recherche

Die niederländische Zeitung De Volkskrant ist für eine umfangreiche investigative Recherche über die medizinische Lage und Schussverletzungen bei Kindern im Gazastreifen mit dem European Press Prize 2026 ausgezeichnet worden.

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Vaterstetten-Skandal
Skandal in München: Warum Täter die Lücken kennen

Ein Gastkommentar von Aras Karasun

Es geht leider um dieselbe bekannte Sicherheitslücke. Ein Sexualstraftäter fällt irgendwo in der Jugendarbeit auf oder wird sogar wegen solcher Taten verurteilt, zieht in ein anderes Bundesland, tritt einem neuen Verein oder einer anderen Einrichtung bei und kann dort weitermachen, als wäre nichts gewesen. Auch wenn die Politik diese Sicherheitslücken ignoriert. Die Täter sind über diese Lücken bestens informiert.

Gibt es dagegen eine 100-prozentige Lösung? Nein. Aber in diesem Bereich wird noch nicht einmal eine 30-, 50- oder 70-prozentige Lösung angestrebt.

Nach wie vor kommen zwischen den Bundesländern sowie in Vereinen und Einrichtungen sicherheitsrelevante Hinweise nicht an. Dazu kommt, dass ein erweitertes Führungszeugnis nicht in jedem Fall verlangt wird und ohnehin nur einen Teil der Vorgeschichte zeigt. Verbindliche staatliche Kontrollen im Vereinswesen gibt es nur punktuell, vieles bleibt den Vereinen und Einrichtungen selbst überlassen.

Das ist auch eines der „Geschenke“ des Rechtspopulismus an unsere Gesellschaft. Dank 50 Jahren rechtspopulistischer Narrative wird Kriminalität im öffentlichen Diskurs zuerst in sogenannten Problembezirken und bei Migranten gesucht oder mit Rassismus durchtränkten Klischees erklärt.

Doch der Blick in den Spiegel und genaues Hinsehen sollten gerade dort stattfinden, wo sich jemand nach außen als „Saubermann“ gibt und Orte, eine heile, idyllische Welt vorgaukeln. Genau dort wird am schnellsten vertuscht, geleugnet oder weggeschaut, wie auch im neuen Skandal in München.

Laut Recherchen des Magazins „Focus“ soll beim SC Baldham-Vaterstetten ein vorbestrafter Jugendbetreuer über Monate hinweg Kinder missbraucht haben. Internen Dokumenten zufolge wird den Vereinsverantwortlichen vorgeworfen, die Vorfälle bewusst vertuscht zu haben, während auch die lokale Politik und die zuständige Polizei trotz frühzeitiger Hinweise tagelang nicht eingeschritten sein sollen.

Warum werden diese Muster trotz bekannter Lücken nicht ernster genommen?

Was spricht dagegen, eine parteiübergreifende Kommission aus Politik, Justiz, Psychologie und Sicherheitsbehörden einzusetzen, um ein einheitliches, modernes Kinderschutzkonzept zu entwickeln? Wir haben 2026, nicht 1926.

So wie bei öffentlichen Veranstaltungen Sicherheitskonzepte Pflicht sind, sollte auch jede Einrichtung und jeder Verein, der mit Kindern arbeitet, verbindliche, nachvollziehbare und juristisch bindende Schutzkonzepte mit klaren Kontrollen vorlegen müssen.

Es gab bereits in den 90er-Jahren freiwillige Pilotprojekte, etwa Regeln gegen Einzelgespräche zwischen Lehrkräften, Trainern und Schülern oder die Vorgabe, eine zweite erwachsene weibliche oder männliche Lehrperson im Raum zu haben.
Die Prävention ist und war schon immer möglich. Wenn solche Maßnahmen vom Staat ignoriert werden, ist das ein strukturelles Versagen.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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–  Gastkommentar –
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Israel-Boykott
US-Kirche wirft Israel Völkermord in Gaza vor

Milwaukee – In der US-amerikanischen Kirchenlandschaft zeichnet sich eine dramatische Verschiebung der öffentlichen Meinung ab. Die Generalversammlung der Presbyterian Church (U.S.A.) – der größten presbyterianischen Glaubensgemeinschaft in den Vereinigten Staaten – hat mit einer überwältigenden Mehrheit von 454 zu 15 Stimmen eine Resolution verabschiedet, die das militärische Vorgehen Israels im Gazastreifen offiziell als Völkermord einstuft.

Der Beschluss beschränkt sich jedoch nicht nur auf politische Rhetorik, sondern fordert von der Kirchenleitung und ihren Mitgliedern handfeste Konsequenzen. So wird die politisch und geografisch breit aufgestellte Glaubensgemeinschaft dazu aufgerufen, im US-Kongress massiv für ein totales Waffenembargo gegen Israel zu werben und israelische Produkte konsequent zu boykottieren, die zum Krieg beitragen.

Wie tief die Emotionen innerhalb der Kirche sitzen, verdeutlichte der palästinensisch-amerikanische Pfarrer Dr. Fahed Abu Akel, ein ehemaliger Moderator der PCUSA, der selbst die Vertreibung der Palästinenser im Zuge der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 (die sogenannte „Nakba“) überlebt hat:

„Wir haben viel zu lange geschwiegen, während die meisten Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Moscheen und Kirchen zerstört wurden – darunter orthodoxe, katholische und baptistische Gotteshäuser“, erklärte Abu Akel gegenüber Medien sichtlich bewegt. „Und all das geschieht mit Waffen und Dollars aus amerikanischer Produktion. Im Namen des lebendigen Christus dürfen wir zu diesem Unrecht nicht länger schweigen.“

Auch Pastorin Addie Domske unterstrich die Tragweite des Beschlusses. Während viele einzelne Presbyterianer den Begriff Genozid schon seit Beginn der Konfrontation privat genutzt hätten, erlaube es die offizielle Erklärung der Gesamtkirche nun, sich wesentlich geschlossener und effektiver an der weltweiten BDS-Bewegung zur Befreiung Palästinas zu beteiligen.

Finanzieller Entzug: Kirche stößt Aktien von Palantir und General Electric ab

Bereits zwei Tage vor der historischen Genozid-Erklärung hatte die Synode einstimmig beschlossen, sämtliche kirchlichen Finanzanlagen aus zwei großen US-Technologie- und Rüstungskonzernen abzuziehen: Palantir Technologies und General Electric (GE) Aerospace. Beide Unternehmen stehen laut Berichten der Vereinten Nationen und internen Analysen der Kirche in direkter Verbindung mit schweren Menschenrechtsverletzungen:

Palantir Technologies: Dem Software- und KI-Spezialisten wird vorgeworfen, die israelischen Streitkräfte nach dem 7. Oktober 2023 aktiv zu unterstützen. UN- und Medienberichte von Sendern wie Al Jazeera legen nahe, dass Palantir-Systeme massiv zur Datenanalyse genutzt werden, um digitale „Todeslisten“ für das israelische Militär in Gaza zu erstellen. Zudem prangert die Kirche die Rolle des Unternehmens bei Abschiebungen durch die US-Einwanderungsbehörde ICE im Zuge eines landesweiten Vorgehens gegen Migranten an.

GE Aerospace: Der Konzern liefert Triebwerke und Schlüsselkomponenten für Kampfjets und Hubschrauber der israelischen Armee, die bei militärischen Angriffen zum Einsatz kommen, die von Menschenrechtsorganisationen als Kriegsverbrechen eingestuft werden. Darüber hinaus verwies die Kirche darauf, dass GE-Materialien in mutmaßliche Kriegsverbrechen im Jemen durch die königliche saudi-arabische Luftwaffe verwickelt sind sowie bei der Zwangsdeportation und Umerziehung der uigurischen Minderheit in China eine Rolle spielen.

Der Desinvestition ging ein zweijähriger Prüfprozess voraus. Die zuständige Ausschussvorsitzende des Committee on Mission Responsibility Through Investment (MRTI), Marcella Glass, betonte, dass man seit 2024 den direkten Dialog gesucht und Aktionärsresolutionen eingebracht habe. Da sich jedoch keines der Unternehmen bereit erklärte, die Verträge mit völkerrechtlich beschuldigten Kunden einzufrieren oder die Geschäftspraxis zu ändern, zog die Kirche die Reißleine. Eine Rückkehr auf die Investmentliste erfolge erst, wenn diese Praktiken nachweislich beendet werden.

Wissenschaftler schließen sich an und prangern „Scholasticide“ an

Der Beschluss der presbyterianischen Kirche steht in einer Reihe mit weiteren scharfen Protesten akademischer und religiöser Organisationen in den USA. Fast zeitgleich verabschiedete die American Academy of Religion (AAR) – eine weltweite Vereinigung von rund 6.000 Religionswissenschaftlern – auf ihrer Jahrestagung in Atlanta eine Solidaritätserklärung für Gaza.

Mit einer Mehrheit von 98 Prozent der Stimmen verurteilten die Wissenschaftler die israelische Kriegsführung ebenfalls als Genozid. Dabei prägten sie den Begriff „Scholasticide“ (Bildungsmord). Damit bezeichnen die Gelehrten die aus ihrer Sicht gezielte und flächendeckende Zerstörung des palästinensischen Bildungssystems durch das israelische Militär.

Diese Vorwürfe reihen sich ein in die wachsende internationale Kritik. So hatte bereits im vergangenen Jahr die 500-köpfige International Association of Genocide Scholars, der auch renommierte Holocaust-Experten angehören, Israel des Völkermords bezichtigt.

Erst kürzlich berichtete eine UN-Kommission, dass israelische Einheiten unter Einsatz von Präzisionswaffen, Drohnen und Scharfschützen gezielt auf die lebenswichtigen Organe palästinensischer Kinder geschossen hätten. Durch den Einsatz von Waffen mit hoher Sprengkraft auf Wohngebäude, Schulen und Flüchtlingslager werde die Existenz der Bevölkerung in Gaza als Gruppe nachhaltig zerstört. Das israelische Außenministerium wies diese Anschuldigungen umgehend als „schändliches Propagandastück“ und „böswillige Verleumdung“ zurück.

Vertreibung und Hunger: Die humanitäre Katastrophe in Zahlen

Die Resolutionen reagieren auf das immense menschliche Leid in der Region. Seit dem Ausbruch des Krieges im Gazastreifen infolge der Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 wurden nach Angaben des von der Palästinensischen Autonomiebehörde geführten Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 73.000 Palästinenser getötet.

Fast ein Drittel der gemeldeten Opfer sind laut einer Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrates Kinder. Zudem sind laut Angaben der Vereinten Nationen rund zwei Millionen Gazaner innerhalb des Enklaven-Gebiets auf der Flucht. Die Zivilbevölkerung leidet dramatisch unter Hunger, Dehydrierung, unzureichenden Unterkünften, katastrophalen sanitären Bedingungen und anhaltenden gesundheitlichen Risiken.

Politischer Sprengstoff im US-Kongress und jahrzehntelange Tradition

Die Dynamik spiegelt sich zunehmend auch in der US-Politik wider. Erst kürzlich debattierte das US-Repräsentantenhaus über einen überparteilichen Zusatzantrag zur Kürzung der US-Finanzhilfen für Israel. Dieser Vorstoß wurde maßgeblich vom republikanischen Abgeordneten Thomas Massie aus Kentucky angeführt, erhielt im Parlament jedoch paradoxerweise vor allem von den oppositionellen Demokraten Unterstützung.

Für die presbyterianische Kirche ist dieser wirtschaftliche und theologische Widerstand gegen die israelische Besatzungspolitik kein Neuland. Bereits 2014 zog die Glaubensgemeinschaft als erste große Institution weltweit Gelder aus Unternehmen ab, die von der Besetzung palästinensischer Gebiete profitierten (darunter Caterpillar, Hewlett-Packard und Motorola Solutions).

Im Jahr 2022 stufte sie Israel offiziell als Apartheidstaat ein und trennte sich 2024 konsequent von israelischen Staatsanleihen, während sie gleichzeitig den christlichen Zionismus verurteilte.

Zusätzlich zur aktuellen Genozid-Resolution stimmten die Delegierten mit 447 zu 21 Stimmen für die Ratifizierung der Erklärung Kairos Palestine II: A Moment of Truth: Faith in a Time of Genocide. Dieses historische Dokument, das im November 2025 von der christlichen Gemeinschaft in Palästina verfasst wurde, ruft die Weltgemeinschaft zu einer drastischen Verschärfung der internationalen BDS-Bemühungen (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) gegen Israel auf.

Beobachter wie Bob Ross vom kirchlichen Palestine Justice Network sehen in den extrem deutlichen Abstimmungsergebnissen ein unübersehbares Signal für einen tiefgreifenden Wandel an der amerikanischen Basis.

Da die presbyterianischen Mitglieder quer durch alle politischen Lager und Regionen der USA vertreten sind, zeige sich hier ein massiver Riss im bisherigen gesellschaftlichen Konsens. Der wirtschaftliche und moralische Druck großer Institutionen, so die Hoffnung der Initiatoren, könne langfristig dazu beitragen, den Weg für eine Befreiung Palästinas zu ebnen.

 


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Türkei
Rekordaustritte aus Oppositionspartei CHP

Ankara – Die neuesten offiziellen Mitgliederstatistiken des türkischen Kassationsgerichts (Yargıtay Cumhuriyet Başsavcılığı) für den Juli 2026 sorgen in der politischen Landschaft der Türkei für ein echtes Beben.

Trotz der massiven Erfolge der säkularen CHP bei den vergangenen Kommunalwahlen zeigen die frisch veröffentlichten Daten einen völlig überraschenden Trend: Während die regierende AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan ihre Vormachtstellung zementiert, blutet die Opposition regelrecht aus.

Die nackten Zahlen offenbaren ein dramatisches Ungleichgewicht, das in dieser Deutlichkeit kaum jemand auf dem Schirm hatte. Aktuell kommt die AKP auf eine gigantische Basis von 11.709.913 registrierten Mitgliedern, nachdem sie im vergangenen Jahr noch einmal satte 166.612 Neuzugänge verbuchen konnte. Demgegenüber steht die größte Oppositionspartei, die CHP, mit gerade einmal 1.879.973 Mitgliedern.

Das bedeutet im Klartext: Die AKP verfügt derzeit über rund 6,2-mal so viele Mitglieder wie die CHP. Statt eines herbeigeredeten Machtwechsels an der Basis hat sich der Vorsprung der Regierungspartei im vergangenen Jahr sogar noch leicht vergrößert.

CHP im freien Fall – Kleinstparteien überraschen

Für die CHP sind die neuen Statistiken ein absoluter Tiefschlag. Die Partei verzeichnete mit einem Minus von 42.784 Mitgliedern den mit Abstand größten absoluten Rückgang unter allen großen politischen Kräften des Landes. Der kommunale Rückenwind scheint komplett verpufft zu sein.

Doch nicht nur die CHP schwächelt im Oppositionslager: Die kriselnde İYİ Parti verlor weitere 6.706 Mitglieder, und auch die ehemaligen AKP-Abspaltungen DEVA und Gelecek Partisi befinden sich weiter im unaufhaltsamen Sinkflug nach unten.

Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es dagegen echte Überraschungssieger. Die islamisch-konservative Saadet Partisi legte einen spektakulären Sprint hin und wuchs um fast 20 Prozent auf mittlerweile über 374.000 Mitglieder an.

Auch die Yeniden Refah P artisi setzt ihren rasanten Aufstieg ungebremst fort und hat mit nunmehr 783.085 registrierten Unterstützern die magische Marke von einer Dreiviertelmillion überschritten.

 


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CHP: „Die zunehmende Entfremdung zwischen Bürgern und Partei“

Gastkommentar
Susanne Mattner fordert Parteiverbot für AfD

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

An diesem Wochenende stellt die AfD ihre Führung neu auf. Unter den Kandidaten für den Bundesvorstand finden sich erneut Politiker, die für einen völkisch-nationalistischen Kurs stehen oder diesem nahestehen. Wer jetzt noch behauptet, das seien bloße Einzelfälle oder Missverständnisse, verschließt die Augen vor der Realität.

Für mich ist die AfD eine Partei, die rassistische und völkisch-nationalistische Positionen normalisiert. Eine Partei, deren führende Köpfe seit Jahren mit Ausgrenzung, Feindbildern und einem ethnisch geprägten Volksverständnis Politik machen. Das ist keine Entgleisung Einzelner mehr – das ist Programm.

Deshalb halte ich auch das Gerede, man müsse die AfD “inhaltlich stellen”, für naiv. Wie genau soll das funktionieren? Wie begegnet man einer Partei, deren politisches Fundament auf einem völkischen Verständnis von Nation und Gesellschaft aufbaut? Indem man selbst anfängt, ihre Narrative zu übernehmen?

Genau das erleben wir doch seit Jahren. Andere Parteien verschärfen ihre Sprache, übernehmen Forderungen der AfD und hoffen, ihr damit Stimmen abzunehmen. Das Ergebnis? Die AfD wird stärker und ihre Positionen werden immer normaler. Diese Strategie ist nicht nur gescheitert – sie hat dazu beigetragen, die Grenzen des Sagbaren immer weiter nach rechts zu verschieben.

Ebenso unerquicklich ist die Behauptung, auf den Demonstrationen gegen die AfD liefen nur Linksextreme herum. Das ist schlicht Unsinn. Dort stehen Menschen, die sich Sorgen um unsere Demokratie machen. Menschen wie ich. Familien, Rentnerinnen, Rentner, Handwerker, Studierende, Unternehmerinnen und Unternehmer – Bürgerinnen und Bürger aus der Mitte der Gesellschaft, die nicht bereit sind zuzusehen, wie demokratische Grundwerte Stück für Stück ausgehöhlt werden.
Was mich allerdings wirklich enttäuscht, sind die Millionen Menschen, die diese Partei wählen.

Ich weiß, dass viele Menschen wirtschaftliche Sorgen haben. Ich weiß, dass steigende Mieten, Inflation und Zukunftsängste real sind. Und ich weiß auch, dass es Menschen gibt, denen es in Deutschland alles andere als gut geht.

Aber wir leben trotz aller Krisen in einem der sichersten, wohlhabendsten und freiesten Länder der Welt. Wer einmal über unsere Grenzen hinausschaut, erkennt schnell, auf welch hohem Niveau wir oft jammern. Das soll keine Probleme kleinreden. Aber es erklärt für mich nicht, warum man ausgerechnet einer Partei seine Stimme gibt, die mit Ausgrenzung, Ressentiments und einem völkischen Weltbild Politik macht.

Für die Sorgen vieler Menschen habe ich Verständnis. Für diese Wahlentscheidung habe ich keines.

Ich bin überzeugt, dass die Voraussetzungen für ein Parteiverbot gegeben sind. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir nicht mehr über ein mögliches Verbot diskutieren, sondern endlich handeln sollten. Für mich ist es nicht fünf vor zwölf, sondern längst fünf nach zwölf.

Ja, ich habe Angst vor dieser Partei. Nicht, weil ich Angst vor demokratischer Konkurrenz habe. Sondern weil ich Angst davor habe, was passiert, wenn Menschen, die unsere demokratischen Institutionen verächtlich machen und immer weiter nach rechts verschieben, noch mehr Macht erhalten.

Unser Grundgesetz enthält die Möglichkeit eines Parteiverbots nicht zufällig. Die Mütter und Väter unserer Verfassung haben aus dem Scheitern der Weimarer Republik gelernt. Sie wussten, dass Demokratie sich gegen diejenigen verteidigen können muss, die sie von innen heraus beseitigen wollen. Wer ein Parteiverbot deshalb pauschal als undemokratisch bezeichnet, hat das Prinzip der wehrhaften Demokratie nicht verstanden.

Und dann ist da noch dieses ewige Gerede von der angeblich abgeschafften Meinungsfreiheit. Ehrlich gesagt kann ich es kaum noch hören. Ich fühle mich in meiner Meinungsfreiheit nicht eingeschränkt. Ich schreibe öffentlich, was ich denke. Zu politischen Themen. Zum Nahostkonflikt. Zur AfD. Zu allem, was mich bewegt. Und wie Millionen andere Menschen in diesem Land kann ich das völlig frei tun.
Ja, ich erlebe heftigen Widerspruch. Aber genau das ist Demokratie.

Was mich allerdings erschüttert, ist die Intensität, mit der Teile der pro-israelischen Bubble versuchen, andere Stimmen mundtot zu machen. Ich habe in den vergangenen Monaten erlebt, wie massiv Druck aufgebaut wird: öffentliche Diffamierungen, organisierte Kampagnen, persönliche Angriffe und der Versuch, Menschen gesellschaftlich zu isolieren, wenn sie eine andere Sicht auf den Nahostkonflikt vertreten. Nicht die Auseinandersetzung mit Argumenten steht im Mittelpunkt, sondern häufig die Zerstörung der Glaubwürdigkeit des Gegenübers. Diese Vehemenz habe ich persönlich in dieser Form selbst bei Diskussionen mit AfD-Anhängern nur selten erlebt. Das überrascht mich bis heute.

Und genau deshalb ist es mir wichtig, den Unterschied klar zu benennen: Das ist keine staatliche Zensur. Es klingelt weder der Bundeskanzler an meiner Tür noch der Verfassungsschutz. Es sind Teile unserer Gesellschaft, die glauben, andere Menschen hätten ihre Meinung besser nicht öffentlich zu äußern.

Wer so handelt, hat aus meiner Sicht ein Problem mit demokratischer Debattenkultur. Demokratie bedeutet nicht, dass nur die eigene Haltung ausgesprochen werden darf. Demokratie bedeutet, andere Meinungen auszuhalten, ihnen zu widersprechen und sie mit Argumenten zu bekämpfen – nicht mit Einschüchterung oder dem Versuch, Menschen aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen.

Und wer ernsthaft glaubt, Deutschland sei ein Land ohne Meinungsfreiheit, sollte einmal den Blick in autoritär regierte Staaten richten. Dort verschwinden Journalistinnen und Journalisten im Gefängnis. Dort werden Oppositionelle verfolgt. Dort riskieren Menschen ihre Freiheit oder ihr Leben für einen kritischen Satz.
In Deutschland dagegen wird der Begriff “Meinungsdiktatur” häufig schon dann bemüht, wenn jemand Gegenrede erfährt. Das ist nicht nur historisch ahnungslos. Es verharmlost auch das Schicksal all jener, die tatsächlich unter Zensur und politischer Verfolgung leben.

Demokratie bedeutet nicht, dass jede Meinung Zustimmung bekommt. Demokratie bedeutet, dass jeder sie frei äußern darf – und dass jeder das Recht hat, ihr entschieden zu widersprechen. Genau das unterscheidet eine freie Gesellschaft von einer Diktatur.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Kallas-Besuch
Krah: Türkei ist strategischer Gamechanger jeder Europapolitik

Brüssel – Die innenpolitischen Nachwehen des hochrangigen EU-Staatsbesuchs in Ankara erreichen die deutsche Bundespolitik.

Nachdem die neue Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, Kaja Kallas, am Dienstag die unverzichtbare Rolle der Türkei für die europäische Sicherheitsarchitektur hervorgehoben hatte, meldete sich nun der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah auf der Plattform X zu Wort.

Er sieht in der Kehrtwende der Brüsseler Spitzenpolitik eine Bestätigung seiner eigenen außenpolitischen Positionen.„Als ich 2023 sagte: ‚Präsident Erdogan ist nicht unser Feind!‘ gab es noch viel Unverständnis“, erklärte Krah in seinem Beitrag.

Mittlerweile habe jedoch selbst die EU-Chefdiplomatische Kallas die fundamentale Relevanz der Türkei erkannt. Das Land sei laut Krah der „strategische Gamechanger jeder Europapolitik“. Von einer engen und pragmatischen Zusammenarbeit werde Deutschland letztlich am meisten profitieren.

Krah wirbt für eine engere geopolitische und wirtschaftliche Partnerschaft zwischen Deutschland und der Türkei. Er bezeichnet die Türkei als „idealen Partner“ für Stabilität und Migration, lobt deren wirtschaftliches Potenzial und hat in der Vergangenheit auch mehrfach den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan als Vorbild für eine entschlossene Politik gelobt.

„Erdogan ist nicht dein Feind“, so Krah in einem Video an seine Follower 2023. Erdogan sei von den Menschen wiederholt zum Präsidenten der Türkei gewählt worden und „seine Bilanz als türkischer Präsident“ könne sich sehen lassen. Er setze sich, im Gegensatz zu deutschen Politikern, stets „für türkische Interessen ein“, so der EU-Politiker. Aus diesem Grund würden deutsche Politiker ihn nicht mögen.

Krah:

„Sie sollten sich für deutsche Interessen einsetzen, dann hätten sie auch kein Problem mit Erdogan. Wir brauchen in Deutschland Politiker, die sich für deutsche Interessen einsetzen und die dann Diplomatie mit türkischen Politikern betreiben, die sich für türkische Interessen einsetzen. Aber wir brauchen nicht deutsche Politiker, die nicht einmal wissen, was deutsche Interessen sind und dann ihre türkischen Kollegen ablehnen, weil er das tut, wofür er gewählt ist, nämlich sich für türkische Interessen einsetzen.“

Deutschland und die Türkei seien seit Jahrhunderten befreundete Partner und arbeiteten zusammen, betonte Krah weiter. Dies habe „beiden Ländern immer geholfen“. Daran wolle die AfD anknüpfen. Patrioten seien „niemals Feinde“.

Brüsseler Kehrtwende in Ankara

Hintergrund von Krahs Äußerungen ist das jüngste Spitzentreffen im türkischen Präsidentschaftskomplex, bei dem eine hochrangige EU-Delegation unter der Führung von Kallas demonstrativ die Nähe zu Ankara suchte.

Angesichts der globalen Krisenherde in der Ukraine und im Nahen Osten vollzieht Brüssel derzeit einen spürbaren Kurswechsel hin zu einer vertieften strategischen Partnerschaft mit der türkischen Führung. Kallas hatte nach ihren Gesprächen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan ausdrücklich betont, dass die Türkei ein „Schlüsselpartner in den Bereichen Sicherheit, Migration und Energie sowie ein EU-Kandidatenland“ sei.

Zudem hob die EU-Führung das massive Gewicht Ankaras beim Schutz der NATO-Ostflanke sowie bei der Sicherung alternativer Handelsrouten wie dem „Mittleren Korridor“ hervor, welcher Asien und Europa unter Umgehung Russlands verbindet.

Vorbereitung auf den NATO-Gipfel

Die veränderten geopolitischen Realitäten zwingen die europäischen Akteure zu einer pragmatischen Realpolitik, die Akteure wie Krah bereits in der Vergangenheit eingefordert hatten.

Die Stimme der Türkei gewinnt auf der internationalen Bühne zunehmend an Gewicht – insbesondere mit Blick auf die strategische Neuordnung in Syrien, dem Gazastreifen und dem Iran. Die intensiven diplomatischen Abstimmungen dienen auch als direkte Vorbereitung auf den bevorstehenden NATO-Gipfel, der vom 7. bis 8. Juli in Ankara stattfinden wird.

Das Treffen in der kommenden Woche gilt als richtungsweisend für die Stabilisierung der transatlantischen Beziehungen und unterstreicht die Rolle der Türkei als unverzichtbarer Akteur an der Schnittstelle zwischen Europa und dem Nahen Osten. 

 


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Gaza-Krieg
Gaza-Kinder: „Wir könnten jeden Moment sterben“

Gaza – In den vergangenen 1.000 Tagen haben Kinder im Gazastreifen Freunde und Familienmitglieder, ihre Häuser und Schulen sowie ihr Gefühl von Sicherheit verloren. Trotz der angekündigten Waffenruhe ist der Krieg lange nicht vorbei. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Gewalt und der katastrophalen humanitären Lage in dem besetzten Gebiet fordern Kinder ihre Rechte ein und berichten von ihren Hoffnungen.

„Wir könnten jeden Moment sterben“, sagt die 14-jährige Amani*. „Ich hoffe, dass der Krieg aufhört, damit ich meine Schulbildung in Gaza fortsetzen kann. Ich möchte in Liebe und Frieden leben.“ Amani ist damit nicht allein – nach Angaben der Vereinten Nationen haben 96 Prozent der Kinder im Gazastreifen das Gefühl, ihr Tod könne jederzeit bevorstehen.

Die Bilanz der vergangenen 1.000 Tage ist verheerend: Laut den Vereinten Nationen wurden mindestens 21.000 Kinder von den israelischen Streitkräften getötet. Die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher sein. Allein seit der Verkündung der Waffenruhe im Oktober wurden weitere 275 Kinder getötet.

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht einer UN-Untersuchungskommission wirft israelischen Sicherheitskräften vor, palästinensische Kinder im Gazastreifen gezielt angegriffen zu haben, was zu Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen geführt habe.

Neben der Gewalt geht auch die Vertreibung weiter: Rund 800.000 Kinder – etwa vier von fünf – mussten mindestens einmal ihr Zuhause verlassen. Die sogenannte „Gelbe Linie“, die den Gazastreifen seit der Waffenruhe teilt, verschärft das Problem und drängt die Bewohner*innen auf weniger als 40 Prozent des Gebiets zurück. Über 7.000 Kinder wurden auf der Flucht oder bei Angriffen von ihren Familien getrennt. Schätzungsweise 370.000 Häuser wurden beschädigt, was fast 77 Prozent aller Wohneinheiten des Küstenstreifens entspricht.

Gleichzeitig verschärft sich die Hungerkrise. Rund 245.000 Kinder sind von Mangelernährung bedroht oder bereits betroffen. Während die Not wächst, kommt weiterhin viel zu wenig humanitäre Hilfe bei den Familien an. Lebensmittel sind knapp oder für die meisten Familien unbezahlbar.

Der Krieg hat Kindern im Gazastreifen auch ihr Recht auf Bildung genommen. Alle 625.000 Schulkinder können seit drei Jahren nicht mehr regulär zur Schule gehen. Doch ihre Träume geben sie nicht auf:

„Das Wichtigste ist, dass wir Kinder gehört werden, damit die Menschen wissen, was wir durchmachen“, sagt die 16-jährige Reem*. Sie möchte Ärztin werden. „Ich habe viele, viele Träume. Schon vor dem Krieg habe ich immer davon geträumt, zu reisen und im Ausland zu studieren. Daran hat sich nichts geändert. Ich halte immer noch an diesem Traum fest.“

Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, sagt: „1.000 Tage Krieg haben Kindern ihre Sicherheit, ihre Bildung und oft auch ihre Familien genommen. Was ihnen niemand nehmen konnte, ist ihre Hoffnung. Dass Kinder im Gazastreifen heute von Frieden träumen müssen, statt ihre Zukunft zu planen, ist auch Zeichen eines politischen Versagens der internationalen Gemeinschaft. Kinder brauchen keinen weiteren Tag voller Gewalt. Sie brauchen einen endgültigen Waffenstillstand, Schutz und eine Chance auf ein Leben in Würde.“

Save the Children fordert Regierungen weltweit auf, Waffenlieferungen an Israel unverzüglich auszusetzen. Es darf keine Unterstützung für völkerrechtswidriges Vorgehen gegen die palästinensische Bevölkerung geben. Verantwortliche für Verbrechen an Kindern müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Der Zugang zu humanitärer Hilfe für die Menschen im Gazastreifen muss uneingeschränkt gewährleistet werden.

„Ich wünsche mir, dass der Krieg aufhört, dass jeder von uns nach Hause zurückkehren kann und dass unser Leben wieder so wird, wie es früher war“, sagt die 14-jährige Bissan*.

Save the Children ist seit 1953 in den besetzten Palästinensischen Gebieten tätig. Gemeinsam mit lokalen Partnern hat die Kinderrechtsorganisation im Jahr 2025 fast 890.000 Menschen dort unterstützt, darunter fast 430.000 Kinder.

*Namen zum Schutz geändert


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Antimuslimischen Rassismus
Idriz: Millionen friedliche Muslime bleiben unsichtbar

Ein Gastkommentar Von Benjamin Idriz

Heute ist der Tag gegen antimuslimischen Rassismus. Ich bin gespannt, ob heute ein hochrangiger Politiker öffentlich den antimuslimischen Rassismus thematisiert.

Aus diesem Anlass möchte ich ein Beispiel aus einer aktuellen deutschen Talkshow aufgreifen. Es zeigt, wie Islamfeindlichkeit – bewusst oder unbewusst – öffentlich befördert werden kann und wie die Angst vor dem Islam industrialisiert wird.

Angst gehört zu den stärksten Gefühlen des Menschen. Doch Angst kann auch künstlich erzeugt, gezielt verstärkt und politisch oder wirtschaftlich genutzt werden. Sie kann zu einem Geschäftsmodell werden. Genau das geschieht vielerorts mit dem Thema Islam.

Kritik am Islam und an Muslimen – wie an jeder Religion – gehört zu einer freien Gesellschaft. Problematisch wird es dort, wo Angst nicht mehr aus Fakten entsteht, sondern systematisch produziert, wiederholt und vermarktet wird. Wo aus Einzelfällen ein Gesamtbild entsteht.

Die Macht der Bilder im Fernsehen

Ich sah – wie Millionen andere – eine politische Talkshow zur besten Sendezeit. Während über den Islam und Muslime in Deutschland diskutiert wurde, zeigte die Regie im Hintergrund Bilder einer Demonstration mit Parolen. Eine Diskussionsteilnehmerin deutete auf diese Bilder und sagte sinngemäß: „So demonstrieren Islamisten auf deutschen Straßen.“

Ich erkannte sofort, dass diese Aufnahmen gar nicht aus Deutschland stammten, sondern aus einem muslimisch geprägten Land. Dennoch widersprach niemand. Der Moderator griff die Aussage nicht auf. Die Redaktion blendete keine Korrektur ein. Die Sendung ging einfach weiter.

Für Millionen Zuschauer war damit eine Botschaft gesetzt: So sieht Deutschland aus.

Die wenigsten Menschen werden nach der Sendung recherchieren, woher diese Bilder tatsächlich stammten. Sie vertrauen darauf, dass eine öffentlich ausgestrahlte Sendung sorgfältig recherchiert wurde. Bilder besitzen eine Macht, die Worte oft nicht haben. Sie prägen unser Gedächtnis, erzeugen Gefühle, und Gefühle werden später häufig mit Wirklichkeit verwechselt.

Es braucht nicht einmal eine bewusste Lüge. Manchmal genügt eine falsche Bildauswahl, eine ungenaue Formulierung oder eine fehlende Einordnung. Aus einem Ereignis irgendwo auf der Welt wird im Kopf vieler Zuschauer eine Realität vor der eigenen Haustür.

Wenn das Extreme zur Normalität wird

Das Gefährliche daran ist nicht der einzelne Fehler. Das Gefährliche ist die ständige Wiederholung.

Tag für Tag erscheinen Meldungen über Extremismus, Kriege oder Gewalt. Sobald Muslime beteiligt sind, entsteht schnell der Eindruck, dies sei typisch für den Islam. Gleichzeitig bleiben Millionen friedlicher Muslime unsichtbar. Niemand berichtet darüber, dass sie morgens zur Arbeit gehen, ihre Kinder zur Schule bringen, sich ehrenamtlich engagieren, Steuern zahlen, Kranke pflegen, Unternehmen führen, Nachbarn helfen oder gemeinsam mit Christen, Juden und Menschen ohne Religion das gesellschaftliche Leben gestalten.

Das Normale ist keine Nachricht. Das Extreme schon. So entsteht ein verzerrtes Bild.

Der wirtschaftliche und politische Nutzen der Angst
Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Mechanismus: Angst verkauft sich. Schlagzeilen über Bedrohungen erzeugen Aufmerksamkeit. Videos mit Empörung werden häufiger angeklickt. Bücher über angebliche Gefahren verkaufen sich besser als Bücher über gelingendes Zusammenleben.

In sozialen Netzwerken belohnen Algorithmen vor allem Inhalte, die starke Emotionen auslösen. Wut, Angst und Empörung verbreiten sich schneller als Sachlichkeit. Je größer die Angst, desto höher die Reichweite. Je höher die Reichweite, desto größer der wirtschaftliche Gewinn.

Auch politisch ist Angst ein wirksames Mittel. Wer Menschen verunsichert, kann ihnen einfache Antworten anbieten. Komplexe Probleme wie Migration, Integration oder gesellschaftlicher Wandel werden dann auf eine einzige Ursache reduziert: den Islam. So wird der Islam zum Sündenbock.

Dabei geraten die tatsächlichen Ursachen aus dem Blick: soziale Ungleichheit, fehlende Bildung, politische Fehler, internationale Konflikte, Einschränkungen demokratischer Prinzipien oder wirtschaftliche Krisen. Ein Sündenbock hat einen Vorteil: Wer einen Schuldigen gefunden hat, muss die Wirklichkeit nicht mehr differenziert betrachten.

Besonders tragisch ist, dass Extremisten auf beiden Seiten voneinander leben. Beide brauchen einander. Beide nähren sich gegenseitig. Beide leben davon, dass Brücken zerstört werden. Die große Mehrheit friedlicher Menschen wird dabei zwischen den Fronten aufgerieben.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


ZUM AUTOR

Benjamin Idriz dürfte der einzige Imam Deutschlands sein, der promovierter islamischer Theologe ist und zugleich auf deutsch schreibt. Beides – die Praxisbezogenheit des Seelsorgers und die wissenschaftliche Vertrautheit mit den Quellen – zeichnet sein neues Buch aus. Mit diesen Qualitäten ragt es aus einer wahren Flut von Veröffentlichungen aller Art über die „Frauenfrage“ im Islam wohltuend heraus.

Der Autor ist seit vielen Jahren weit über die oberbayerische Kleinstadt Penzberg, wo er als Imam wirkt, und über München, wo er das „Münchner Forum für Islam“ initiiert hat, bekannt: Sein Wirken und Schaffen gilt einem authentischen Islamverständnis, das mit den Wertvorstellungen der deutschen und europäischen Gesellschaft unserer Zeit nicht nur kompatibel ist, sondern die gemeinsamen Werte aus den Quellen des Islams – dem Koran und der Tradition der Propheten – ableitet.

Buch: Wie verstehen Sie den Koran, Herr Imam?: Grundgedanken für einen Islam heute und hier


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Die meisten Menschen beginnen erst dann über digitale Sicherheit nachzudenken, wenn bereits etwas passiert ist – eine Login‑Benachrichtigung, die nicht von ihnen stammt, eine Transaktion, die sie nicht erkennen, eine Nachricht, die harmlos wirkte, bis sie es nicht mehr war.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Schaden oft schon eingetreten. Die Methoden, mit denen heute von gewöhnlichen Kontoinhabern gestohlen wird, sind weder grob noch zufällig. Sie sind gezielt, vorbereitet und im Moment des Geschehens tatsächlich schwer zu erkennen.

Es ist bemerkenswert, dass viele Menschen, die erhebliche langfristige Ersparnisse verwalten, trotz der zunehmenden Verbreitung des digitalen Bankings weiterhin ein Schweizer Bankkonto bevorzugen – nicht aus Gewohnheit, sondern wegen der regulatorischen Tiefe, die damit einhergeht. Diese Entscheidung sagt einiges darüber aus, wie Menschen Vertrauen gewichten, wenn es um hohe Werte geht. Doch bevor man darauf eingeht, lohnt es sich zu verstehen, wie die aktuellen Bedrohungen überhaupt aussehen.

Die Angriffe, die gerade stattfinden

Das gängige Bild von Finanzbetrug – ein technisch versierter Angreifer, der in die Systeme einer Bank einbricht – ist heute größtenteils überholt. Die Angriffe, die derzeit den größten Schaden verursachen, gehen nicht über die Bank. Sie gehen über dich.

Das ist als Social Engineering bekannt. Dabei wird eine glaubwürdige Situation geschaffen, die dich dazu bringt, den Zugang selbst preiszugeben. Ein Beispiel: Eine anrufende Person stellt sich als Betrugsanalyst deiner Bank vor, erwähnt eine kürzliche Transaktion und erklärt, dass dein Konto markiert wurde.

Um die verdächtige Aktivität zu stoppen, bittet man dich, einen Einmalcode vorzulesen, der dir gerade per SMS zugeschickt wurde. Was nicht erwähnt wird: Der Code wurde von den Betrügern selbst ausgelöst, und indem du ihn laut vorliest, gibst du ihnen direkten Zugang zu deinem Konto.

Phishing funktioniert auf ähnliche Weise, nutzt jedoch E‑Mails oder Nachrichten. Das Phishing von heute ist dank besserer Recherche deutlich ausgefeilter als die offensichtlichen Betrugs-E-Mails von vor zehn Jahren. Angreifer recherchieren ihre Zielpersonen inzwischen regelmäßig im Voraus und finden Details wie Berufsbezeichnung, Arbeitgeber, den Namen einer Führungskraft sowie aktuelle Aktivitäten heraus.

Anschließend verfassen sie Nachrichten, die gerade genug dieser Informationen enthalten, um glaubwürdig zu wirken. Ein Finanzprofi, der eine E‑Mail erhält, in der sein Unternehmen korrekt genannt und auf ein echtes Projekt Bezug genommen wird, ist wesentlich eher bereit zu handeln als jemand, der nur eine generische Warnung bekommt.

Finanzkonten ziehen besonders viele dieser Angriffe an – aus einem einfachen Grund: Der Zugriff auf Geld ist sofort nützlich. Außerdem gibt es zwischen Banken und Kunden routinemäßig Kommunikation, sodass es eine vertraute Vorlage gibt, die sich leicht imitieren lässt.

Wie große Finanzinstitute zurückschlagen

In den großen Finanzinstituten findet derzeit ein bedeutender Wandel statt – und er hat nichts mit stärkeren Passwörtern oder strengeren Login‑Regeln zu tun. Es geht darum, von einem reaktiven zu einem vorausschauenden Ansatz überzugehen, bei dem potenzielle Probleme erkannt werden, bevor sie kritisch werden.

Traditionelle Sicherheitssysteme reagieren auf klar definierte Bedingungen. Prädiktiver Schutz funktioniert anders: Er erstellt für jeden Nutzer ein Profil normaler Aktivitäten und markiert alles, was deutlich davon abweicht. Ein abendlicher Login von einem unbekannten Gerät, gefolgt von einer hohen Überweisung auf ein bislang ungenutztes Konto, wirkt beispielsweise verdächtig – selbst wenn das Passwort korrekt war. Das System kann die Transaktion dann pausieren und den Kontoinhaber benachrichtigen.

Zentral ist dabei die Verhaltensanalyse. Diese Systeme verfolgen im Detail, wie eine Person ihr Konto nutzt – wann sie sich üblicherweise einloggt, welche Geräte sie verwendet, wie sie navigiert und welche Arten von Transaktionen sie durchführt – und bauen über die Zeit eine Basislinie auf. Jede Abweichung von dieser Basislinie wird als potenzielles Signal behandelt, was weniger Fehlalarme und eine schnellere Erkennung echter Bedrohungen bedeutet.

Maschinelles Lernen hat diesen Ansatz erheblich verfeinert. Diese Systeme aktualisieren sich nicht mehr in periodischen Abständen – sie passen sich kontinuierlich an, was entscheidend ist, da sich auch die Angriffsmethoden schnell verändern. Einige Institute analysieren inzwischen Muster über ganze Transaktionsnetzwerke hinweg, anstatt jede Transaktion einzeln zu prüfen. Dadurch werden bestimmte Arten von Betrug sichtbar, die bei einer Analyse auf Kontoebene vollständig unentdeckt bleiben würden.

Auch die Authentifizierung hat sich verändert. Anstatt bei jedem Login das gleiche Prüfungsniveau anzuwenden, passen sich die Anforderungen nun dynamisch an, je nachdem, wie die Sitzung aussieht. Ein routinemäßiger Login von einem bekannten Gerät verlangt wenig. Ein Login, der gleich mehrere gewohnte Muster durchbricht, verlangt mehr. Das bedeutet: Der Alltag bleibt reibungslos, während die genauere Prüfung sich auf die Sitzungen konzentriert, die sie wirklich benötigen.

Das Argument für etablierte Infrastruktur

Hier ist ein Gedanke, der sich lohnt: Wenn die digitale Landschaft sich wirklich unsicher anfühlt, beginnen viele Menschen nach etwas zu suchen, das nicht so leicht kompromittiert werden kann. Und das führt sie oft zurück zu Institutionen mit tief verwurzelter Compliance und langjähriger regulatorischer Aufsicht.

Für langfristige Ersparnisse und Vermögenserhalt gibt es einen Grund, warum viele Nutzer ein Schweizer Bankkonto weiterhin als Maßstab für Sicherheit betrachten. Es ist nicht nur Tradition – es ist die dahinterliegende Architektur. Das Schweizer Bankwesen arbeitet unter einigen der strengsten regulatorischen Rahmenbedingungen der Welt, mit multijurisdiktionaler Compliance, rigorosen KYC‑Protokollen (Know Your Customer) und robusten Datenschutzstandards, die in jede Ebene integriert sind.

Dukascopy Bank steht beispielsweise für genau diese Mischung aus Schweizer Compliance‑Tradition und moderner digitaler Infrastruktur. Für Anleger, die sich Sorgen über die Verwundbarkeit rein digital‑nativer Plattformen machen, bietet die Verwahrung von Vermögenswerten innerhalb eines regulierten Schweizer Bankenumfelds eine zusätzliche Ebene institutioneller Glaubwürdigkeit – eine, die weit über einen einfachen Login‑Bildschirm hinausgeht.

Das bedeutet nicht, dass Schweizer Banken gegen die oben beschriebenen digitalen Bedrohungen immun wären – keine Institution ist das. Allerdings schafft die Compliance‑ und Aufsichtsstruktur ein hohes Maß an Verantwortlichkeit und Widerstandsfähigkeit, das viele neuere Plattformen schlicht noch nicht entwickeln konnten.

Was Sie jetzt sofort tun können

Der institutionelle Schutz deckt nicht die Lücke ab, die durch direkte Zielangriffe entsteht. Einige konsequente Gewohnheiten können jedoch einen echten Unterschied machen:

Behandeln Sie Dringlichkeit als Warnsignal, nicht als Grund, schneller zu handeln. Social Engineering erzeugt fast immer ein Gefühl von Zeitdruck. Echte Bankmitteilungen erfordern selten eine sofortige Reaktion, die normale Verifizierungsschritte umgeht.

Rufen Sie selbst zurück. Wenn Sie einen Anruf von jemandem erhalten, der vorgibt, von Ihrer Bank zu sein, beenden Sie das Gespräch und wählen Sie die Nummer, die auf der offiziellen Website Ihrer Bank steht. Verwenden Sie niemals eine Nummer, die Ihnen der Anrufer nennt.

Überprüfen Sie Ihre Konten regelmäßig. Betrug, der innerhalb weniger Stunden erkannt wird, lässt sich viel leichter beheben als Betrug, der erst Wochen später auffällt. Viele Institute setzen Fristen, wie lange nach einem Vorfall eine Beschwerde eingereicht werden kann.

Achten Sie darauf, was öffentlich über Sie sichtbar ist. Die Recherchephase eines gezielten Angriffs beginnt oft mit Informationen, die bereits öffentlich sind – etwa Arbeitgeber, Berufsbezeichnung oder Aktivität im beruflichen Netzwerk. Weniger Sichtbarkeit bedeutet eine kleinere Angriffsfläche.

Die Quintessenz

Die Bedrohungen für persönliche Finanzen sind heute gezielter und sorgfältiger geplant als noch vor wenigen Jahren. Finanzinstitute haben entsprechend reagiert: Verhaltensmodellierung, kontinuierliche Anomalieerkennung und adaptive Authentifizierung stellen echte Verbesserungen gegenüber älteren Ansätzen dar.

Allerdings sind die technischen Schutzmechanismen und die Verantwortungsebenen zwei verschiedene Dinge – und beide sind wichtig. Die eine Frage lautet, wie gut ein Sicherheitssystem unter normalen Bedingungen funktioniert. Die andere ist, wozu eine Institution verpflichtet ist, wenn es versagt. Für alle, die darüber nachdenken, wo sie langfristige Vermögenswerte aufbewahren möchten, lohnt es sich, beide Fragen zu stellen.

 


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