Berlin-Wahl
Nach Wahlsieg in Berlin: Zentralrat der Juden warnt vor Linke-Regierung

Berlin – Die Linke ist bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September stärkste Kraft geworden. Nach dem Wahlsieg fordert der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, SPD und Grüne auf, keine Regierung unter Beteiligung der Linken zu bilden. Schuster begründet seine Warnung mit Vorgängen im Berliner Wahlkampf, die er als antisemitische Grenzüberschreitungen bezeichnet.

„Dass eine Partei, auf deren Wahlkampfbühne offen der Tod von Menschen gefordert wurde, als Siegerin aus der Wahl hervorgeht, beunruhigt mich zutiefst“, erklärte Schuster. Er verwies dabei insbesondere auf eine Wahlkampfveranstaltung, bei der zur Intifada und zum Tod israelischer Soldaten aufgerufen worden sei. Nach seinen Angaben habe das Publikum dazu gesungen und getanzt.

Schuster appellierte deshalb an SPD und Grüne, der Linken nicht ins Rote Rathaus zu verhelfen. Er warf der Partei vor, antisemitische Positionen in den eigenen Reihen zu dulden und beim Kampf gegen Judenhass keine Glaubwürdigkeit mehr zu besitzen.

Linke weist Vorwürfe zurück

Die Linke weist die Vorwürfe zurück. Bodo Ramelow erklärte, er habe „null Verständnis“ für Schusters Forderung. Er verwies unter anderem auf die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp und deren angekündigten Maßnahmen gegen Antisemitismus. Auch Heidi Reichinnek betonte, die Linke habe eine klare Haltung gegen Antisemitismus. Personen, die diese Grenze überschritten, hätten keinen Platz in der Partei.

Auch bei den Grünen und der SPD ist eine Zusammenarbeit mit der Linken nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Vor der Wahl hatten beide Parteien allerdings Bedingungen für eine mögliche Koalition formuliert. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf erklärte, mit ihm werde es keine Koalition geben, „an der Antisemiten beteiligt sind“. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte ebenfalls, Antisemiten werde es mit ihm nicht im Senat geben.

Wahlsieg trotz monatelanger Debatte über Gaza

Der Berliner Wahlausgang wird zugleich unterschiedlich bewertet. Der Journalist Loren Balhorn argumentiert, die wochenlange Debatte in deutschen Medien über einen angeblichen Antisemitismus der Linken im Zusammenhang mit ihrer Haltung zu Palästina habe der Partei letztlich nicht geschadet.

Balhorn schreibt, die Versuche des deutschen „Medienestablishments“, die Linke wegen ihrer – aus seiner Sicht eher zurückhaltenden – Unterstützung Palästinas als antisemitisch darzustellen, seien gescheitert. Aus seiner Sicht zeige das Berliner Wahlergebnis vielmehr, dass die Verurteilung der israelischen Kriegspolitik und der Situation in Gaza für die Linke keine politische Belastung mehr darstelle. Seine Einschätzung steht damit deutlich im Gegensatz zur Bewertung des Zentralrats der Juden.

Dabei ist die politische Ausgangslage nach der Wahl noch offen. Die Linke kam laut Reuters auf 25,3 Prozent und wurde damit stärkste Kraft. Eine Regierung könnte sie gemeinsam mit SPD und Grünen bilden; die Gespräche darüber stehen noch bevor.

Wahlen
Wahlniederlagen der CDU: Prien stützt Merz – AfD zeigt sich gesprächsbereit

Berlin – In der CDU beginnt die Aufarbeitung der beiden Niederlagen des gestrigen Wahlsonntags. Bundesbildungsministerin und stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU Karin Prien gab sich selbstkritisch, ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass man auch in Zukunft auf Bundeskanzler und CDU-Parteichef Friedrich Merz setze.

„Ich sehe nicht, dass der Austausch einer Führungspersönlichkeit eine Veränderung bringen würde, es sei denn, es gibt ein anderes personelles Angebot. Aber das sehe ich auch nicht“, äußerte sich Prien im Fernsehsender phoenix. Fakt sei jedoch, dass man aktuell als Partei für viele Menschen nicht attraktiv sei. „Darauf müssen wir Antworten finden“, so Prien. Es gelte neue Akzeptanz „und auch wieder mehr Glaubwürdigkeit“ bei den Bürgern zu finden.

Die Reformpolitik der Bundesregierung müsse jedoch trotz der deutlichen Wahlniederlagen der vergangenen Wochen beibehalten werden. Allerdings ließ Prien die Bereitschaft der Christdemokraten erkennen, gerade im Sozialbereich über Änderungen diskutieren zu wollen.

„Über die Ausgestaltung der Rente nach 45 Beitragsjahren wird man sprechen müssen“, meinte die CDU-Politikerin, fügte jedoch hinzu: „Die Reform muss kommen und sie darf nicht auf die Knochen der jungen Menschen gehen.“

Die Notwendigkeit der Veränderung bei den Sozialsystemen aufgrund der demografischen Entwicklung sei von ihrer Partei aber nicht ausreichend deutlich gemacht worden. „Das haben wir offensichtlich nicht vermocht zu vermitteln. Das ist nicht nur eine Frage der Kommunikation, sondern auch eine Frage der Empathie.“

Die Ergebnisse der gestrigen Wahlen bezeichnete Prien als „tektonische Verschiebung im gesamten Parteiensystem“. Parteien an den Rändern würden immer stärker. „Jetzt ist es Aufgabe der demokratischen Mitte, dafür Sorge zu tragen, dass wir uns eben nicht zerreiben.“ Die CDU müsse aus den vergangenen Ergebnissen rasch lernen und sich breiter aufstellen.

AfD gesprächsbereit

Der Parteivorsitzende der AfD, Tino Chrupalla, hat nach dem Wahlsieg seiner Partei in Mecklenburg-Vorpommern erklärt, seine Partei sei gesprächsbereit. Bei phoenix sagte Chrupalla:

„Wir haben natürlich trotzdem den Regierungsauftrag und wir sind trotzdem zu Gesprächen bereit. Ich denke, das ist wichtig und das erwarten die Bürger, dass wir jetzt die Probleme lösen.“

Es gehe um Inhalte, erklärte Chrupalla weiter. So gäbe es „vielleicht auch Überschneidungen im sozialen Bereich, wo man mit der SPD durchaus mitstimmen kann.“ Dies habe man bereits in der Vergangenheit so gehalten und im Bundestag und in Landtagen „guten Anträgen zugestimmt“. Dies erwarte der Wähler.

Münster
Sachbeschädigung an Moschee in Ahlen: Polizei prüft politischen Hintergrund

Ahlen – In der Nacht zu Dienstag ist es an einer Moschee in der Rottmannstraße im westfälischen Ahlen zu einer Sachbeschädigung gekommen. Ein bislang unbekannter Täter warf nach Angaben der Sicherheitsbehörden eine Glasflasche gegen das Gebäude. Ein möglicher politisch motivierter Hintergrund wird derzeit von den Ermittlern geprüft.

Wie die Polizei mitteilte, habe sich der Vorfall am frühen Dienstagmorgen (15. September) gegen 01:10 Uhr ereignet. Nach bisherigen Erkenntnissen habe der Unbekannte mit einer Glasflasche gezielt ein Fenster der Moschee beschädigt.

Ein Aufmerksam gewordener Zeuge habe beobachtet, wie der Tatverdächtige unmittelbar nach der Tat mit einem Fahrrad vom Tatort flüchtete. Seine Fluchtroute habe ihn auf den Parkplatz eines Supermarktes an der nahegelegenen Ostbredenstraße geführt.

Lautstarker Streit auf Supermarkt-Parkplatz

Auf dem Parkplatz soll der Täter laut Zeugenaussagen mit einem weiteren, bislang ebenfalls unbekannten Mann in eine heftige und lautstarke Auseinandersetzung geraten sein. Im Anschluss an den Streit sei der Verdächtige mit seinem Fahrrad wieder in Richtung der Rottmannstraße davongefahren.

Der gesuchte Haupttäter wird von Zeugen wie folgt beschrieben:

  • Alter: ca. 30 Jahre alt
  • Erscheinungsbild: hellbrauner Bart
  • Bekleidung: komplett schwarz gekleidet, mit übergezogener Kapuze

Staatsschutz ermittelt: Polizei sucht Schlüsselzeugen

Ob der Sachbeschädigung an dem muslimischen Gotteshaus eine politische oder religiöse Motivation zugrunde liegt, sei nach Angaben der Behörden derzeit Gegenstand der laufenden Ermittlungen. In solchen Fällen übernimmt routinemäßig der Staatsschutz die Bearbeitung.

Die Polizei ist bei der Aufklärung des Vorfalls auf der Suche nach weiteren Hinweisen aus der Bevölkerung. Insbesondere der unbeteiligte Mann, mit dem der Täter auf dem Supermarktparkplatz in Streit geriet, wird dringend gebeten, sich als wichtiger Zeuge zur Verfügung zu stellen.

Sachdienliche Hinweise zum Täter, zum Tathergang oder zum Fluchtweg nimmt die zuständige Polizeidienststelle unter der Telefonnummer 0251 275-0 entgegen.

 

Netflix-Serie Fauda
Fauda und die Macht der Narrative: Mattner über die Frage der Deutungshoheit

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Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Nachdem ich jetzt eine ganze Reihe von Einschätzungen zu Fauda gelesen habe, die mir überwiegend ziemlich emotional und auch ziemlich eindimensional vorkamen, habe ich tatsächlich versucht, mich einmal möglichst unvoreingenommen mit der Serie auseinanderzusetzen. Nicht mit der Frage: „Wer ist hier der Gute und wer der Böse?“, sondern mit einer etwas interessanteren Frage: Welche Realität konstruiert diese Serie eigentlich – und wem überlässt sie dabei die Deutungshoheit?

Menschliche Figuren ohne erzählerische Gleichberechtigung

Denn eines muss man Fauda durchaus zugutehalten: Die Serie zeichnet Palästinenser nicht ausschließlich als eindimensionale Bösewichte. Es gibt palästinensische Figuren mit Familien, Beziehungen, Ängsten, Trauer und nachvollziehbaren persönlichen Motiven.

Die Serie versucht also durchaus, Komplexität herzustellen. Aber genau hier beginnt für mich die eigentliche Problematik. Denn eine Figur menschlich zu zeichnen, bedeutet noch lange nicht, ihr auch erzählerische Gleichberechtigung zu geben. Man kann dem „Feind“ ein Gesicht geben, seine Familie zeigen, seine Motive erklären und ihn sogar sympathisch erscheinen lassen – und ihn anschließend trotzdem wieder in die dramaturgisch vorgesehene Funktion zurückführen: Bedrohung. Gegner. Terrorist. Zielperson. Oder etwas zugespitzt: Man gibt ihm ein Gesicht – aber nicht unbedingt die Deutungshoheit über seine eigene Geschichte.

Und genau diese Unterscheidung halte ich für zentral. Denn Fauda erzählt den Konflikt überwiegend aus israelischer Perspektive. Das ist zunächst völlig legitim. Jede fiktionale Erzählung darf einen bestimmten Blickwinkel einnehmen. Problematisch wird es dort, wo diese Perspektivierung beim Zuschauer den Eindruck einer umfassenden Realität erzeugt.

Denn wenn ich einen asymmetrischen Konflikt erzähle, dabei aber die strukturelle Asymmetrie weitgehend ausblende, entsteht plötzlich ein scheinbar symmetrisches Narrativ: Hier die israelischen Sicherheitskräfte. Dort die palästinensischen Kämpfer. Hier die Angst vor Terror.

Dort die Bereitschaft zur Gewalt. Und die politische Realität, die diesem Verhältnis zugrunde liegt, wird zur Kulisse. Besatzung? Checkpoints? Siedlungen? Enteignungen? Militärische Kontrolle? Das alltägliche Leben unter dieser Realität? All das wird nicht annähernd mit derselben erzählerischen Intensität behandelt wie das israelische Sicherheits- und Trauma-Narrativ.

Und genau dadurch entsteht eine bemerkenswerte Verschiebung der Perspektive. Der Palästinenser bekommt eine Biografie, aber die Besatzung bekommt keinen vergleichbaren Stellenwert als strukturelle Ursache. Der Israeli bekommt Trauma, Zweifel, Familie und moralische Konflikte – und bleibt trotzdem derjenige, dessen Perspektive die Handlung organisiert. Das ist für mich keine plumpe Schwarz-Weiß-Malerei. Es ist subtiler. Und gerade deshalb ist es interessanter.

Staffel 5 und die Verschiebung des Deutungsrahmens

Und Staffel 5 verschärft dieses Narrativ offenbar noch einmal. Die Screenshots aus der Analyse von Middle East Eye fand ich dabei besonders aufschlussreich. Azad Essa beschreibt dort vier zentrale Motive der fünften Staffel: Europa erscheint als von Muslimen bedroht, palästinensische Solidarität wird mit Terrorismus verknüpft,

Hamas scheint praktisch überall präsent zu sein – und die Zerstörung Gazas verschwindet aus dem erzählten Kontext. Das ist schon eine ziemlich bemerkenswerte diskursive Konstruktion. Denn plötzlich lautet die Botschaft sinngemäß: Die Bedrohung ist überall. Hamas ist überall. Der Feind kann überall sein.

Und Israel befindet sich permanent in einer Art Belagerungszustand. Das ist dramaturgisch natürlich ausgesprochen praktisch. Wenn der Feind überall ist, muss man nicht mehr allzu ausführlich erklären, warum dieser Konflikt überhaupt existiert. Dann wird aus politischer Geschichte eine Bedrohungserzählung. Aus Besatzung wird Sicherheitsproblem. Aus palästinensischem Widerstand wird Terrorismus. Und aus politischer Solidarität kann im schlimmsten Fall ein Verdachtsmoment werden.

Gerade die von Middle East Eye hervorgehobene Verbindung zwischen Palästina-Solidarität und Terrorismus halte ich deshalb für einen Punkt, über den man durchaus diskutieren sollte. Denn damit verändert sich nicht nur die Darstellung einzelner Figuren.

Es verändert sich der gesamte Deutungsrahmen. Wer für Palästina demonstriert, erscheint nicht mehr zwangsläufig als jemand, der gegen Besatzung oder für palästinensische Rechte eintritt. Er kann innerhalb dieses Narrativs plötzlich als jemand erscheinen, der einer terroristischen Ideologie gefährlich nahekommt. Und das ist politisch und gesellschaftlich eine ziemlich folgenreiche Setzung.

Die Asymmetrie der Erinnerung und emotionale Identifikation

Am auffälligsten ist für mich allerdings Gaza. Denn hier wird die Asymmetrie der Erinnerung besonders deutlich. Der 7. Oktober wird zum zentralen traumatischen Referenzpunkt. Israelische Opfer werden sichtbar. Israelisches Trauma wird erzählt. Israelische Angst wird emotional nachvollziehbar gemacht.

Die anschließende Realität Gazas hingegen – zumindest so, wie sie in der von Essa kritisierten Darstellung erscheint – verschwindet weitgehend aus dem narrativen Fokus. Und damit entsteht ein bemerkenswerter Effekt: Der 7. Oktober wird zur historischen Zäsur, aber das, was danach in Gaza geschah, wird nicht in vergleichbarer Weise zum Bestandteil der Erzählung. Das ist keine neutrale Perspektive. Das ist Erinnerungspolitik innerhalb einer fiktionalen Erzählung.

Und natürlich kann man argumentieren: Fauda ist ein Thriller und kein Geschichtsbuch. Absolut. Aber genau deshalb sollte man sich anschauen, welche politischen Vorstellungen durch Unterhaltung normalisiert werden. Denn Millionen Menschen sehen keine wissenschaftliche Analyse des Nahostkonflikts. Sie sehen eine spannende Serie.

Und wenn diese Serie über Stunden ein bestimmtes Weltbild emotional plausibel macht, funktioniert Narrativität eben nicht nur über Argumente, sondern über Identifikation. Man fühlt mit dem israelischen Agenten. Man versteht seine Angst. Man versteht seine Wut. Man versteht seinen Wunsch nach Vergeltung. Und irgendwann fühlt sich seine Perspektive nicht mehr wie eine Perspektive an. Sie fühlt sich wie die Realität an. Genau darin liegt meines Erachtens die eigentliche politische Wirkung solcher Erzählungen.

Ein Nebendarsteller der eigenen Geschichte

Deshalb würde ich Fauda auch nicht einfach als „israelische Propaganda“ abtun. Das wäre mir tatsächlich zu simpel. Die Serie ist wesentlich ambivalenter und zeigt auch israelische Figuren moralisch widersprüchlich, traumatisiert und teilweise durchaus problematisch. Aber: Ambivalenz ist nicht automatisch Ausgewogenheit. Und Komplexität innerhalb einer Perspektive ist noch lange keine Gleichberechtigung der Perspektiven.

Aus palästinensischer Sicht bleibt deshalb eine ziemlich fundamentale Frage: Warum darf die palästinensische Figur zwar Mensch sein, aber die politische Realität, in der dieser Mensch lebt, nicht in vergleichbarer Weise zum Ausgangspunkt der Erzählung werden? Denn dann entsteht ein interessantes Paradox: Der Palästinenser darf weinen.

Er darf lieben. Er darf Kinder haben. Er darf traumatisiert sein. Aber sobald es um die großen politischen Zusammenhänge geht, wird er wieder zum Sicherheitsproblem. Der Israeli hingegen darf gleichzeitig Mensch, Opfer, Täter, Zweifler, Familienvater, Agent und moralisch ambivalente Figur sein. Und genau darin liegt die narrative Asymmetrie. Oder, etwas böser formuliert: Der Palästinenser bekommt in Fauda eine menschliche Nebenrolle. Der Israeli bekommt die Deutungshoheit über das Drehbuch.

Und vielleicht ist genau das die spannendere Kritik an Fauda. Nicht die Frage, ob die Serie spannend ist – das ist sie offensichtlich. Nicht einmal die Frage, ob sie „pro Israel“ ist. Sondern: Welche Wirklichkeit wird durch diese Serie emotional plausibel gemacht – und welche Wirklichkeit bleibt außerhalb des Bildausschnitts?

Denn eine wirklich multiperspektivische Erzählung müsste nicht nur fragen: „Wie fühlt es sich an, wenn ein Israeli Angst vor Terror hat?“ Sie müsste genauso fragen: „Wie fühlt es sich an, wenn ein Palästinenser sein gesamtes Leben unter einer politischen und militärischen Realität verbringt, die in dieser Erzählung selbst kaum sichtbar wird?“

Und genau an diesem Punkt wird Fauda für mich politisch interessant. Denn vielleicht ist das eigentliche Problem der Serie gar nicht, dass sie eine israelische Geschichte erzählt. Sondern dass sie eine israelische Geschichte erzählt, die stellenweise so umfassend wirkt, dass man beinahe vergessen könnte, dass es noch eine andere Geschichte gibt. Und die ist nicht weniger real, nur weil sie nicht im Drehbuch steht.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Susanne Mattner wurde im Ruhrgebiet geboren und studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowohl in den USA als auch an der Universität Dortmund. Nach ihren Studienstationen verbrachte sie in den 1990er-Jahren auch einige Zeit im Nahen Osten. Nach ihren längeren Auslandsaufenthalten lebt sie heute verheiratet in Hamburg. In ihren Beiträgen verfolgt sie aufmerksam das internationale Zeitgeschehen mit einem geschulten Blick für mediale Narrative. Ihre Schwerpunkte liegen auf geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, gesellschaftlichen Debatten sowie der kritischen Analyse doppelter Standards in der Berichterstattung.


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„Scam Empire“
Türkei: Israel-nahes Betrügernetzwerk zerschlagen

Istanbul – Türkische Sicherheitskräfte haben nach eigenen Angaben ein mit Israel in Verbindung stehendes, betrügerisches Handelsnetzwerk aufgedeckt.

Wie Medien unter Berufung auf den türkischen Justizminister Akın Gürlek berichten, soll das Netzwerk in den vergangenen zwei Jahren Opfer in Europa, Ostasien und Afrika um mindestens 266 Millionen US-Dollar gebracht haben.

Nach Angaben des Justizministers habe sich die großangelegte Ermittlung gegen insgesamt 42 Callcenter gerichtet, die von 28 verschiedenen Firmen betrieben worden seien. Im Visier der Justiz stünden derzeit 239 Tatverdächtige.

Ein organisiertes Betrugsnetzwerk, das es auf Opfer in zahlreichen Ländern abgesehen habe, sei aufgedeckt worden, nachdem festgestellt worden sei, dass Personen mit Verbindungen nach Israel die Haupteigentümer und wirtschaftlichen Endbegünstigten der betroffenen Unternehmen gewesen seien, erklärte Gürlek laut Medienberichten.

Razzien in Istanbul und Muğla unter Einbindung von Interpol

Die Razzien seien in den frühen Morgenstunden an 236 Adressen in den Provinzen Istanbul und Muğla durchgeführt worden. Die Operation habe in enger Koordination zwischen den türkischen Polizeibehörden, dem nationalen Nachrichtendienst MIT (Milli İstihbarat Teşkilatı) sowie der internationalen Polizeiorganisation Interpol stattgefunden.

Nach Angaben türkischer Offizieller stehe der Polizeieinsatz in direktem Zusammenhang mit einem internationalen Kriminellen-Netzwerk, das in Ermittlerkreisen als „Scam Empire“ (Reich des Betrugs) bekannt sei. Dieses Syndikat habe über das vergangene Jahrzehnt hinweg von verschiedenen Ländern aus operiert.

Das Ausmaß der Machenschaften war zuvor durch Recherchen des Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) enthüllt worden. Das Journalisten-Netzwerk hatte offengelegt, wie Tätergruppen von Israel und Europa aus hunderte Menschen durch fingierte Telefon-Investments systematisch um ihre Ersparnisse gebracht haben sollen. Die finanziellen Verluste der einzelnen Opfer hätten sich dabei auf Summen von 10.000 US-Dollar bis hin zu mehreren hunderttausend Dollar belaufen.

Gefälschte Gewinne und Verdeckung der Spuren

Das kriminelle Netzwerk habe seine Opfer gezielt über Kundendienstmitarbeiter angeworben, die eine Vielzahl unterschiedlicher Sprachen beherrscht hätten. Auf den von den Verdächtigen kontrollierten Investmentplattformen seien den Opfern frei erfundene Gewinne angezeigt worden, um sie dazu zu verleiten, immer größere Geldbeträge einzuzahlen, erläuterte der Justizminister die vermutete Masche.

Sobald die Gelder eingezahlt worden seien, habe man sie unverzüglich auf ausländische Bankkonten sowie in verdeckte Kryptowährungs-Wallets weitergeleitet, um eine Rückverfolgung durch Finanzbehörden zu erschweren. Als einen der mutmaßlichen Drahtzieher hätten die türkischen Behörden einen Mann mit den Initialen Y.A. identifiziert, bei dem es sich um einen israelischen Staatsbürger handele, der zusätzlich einen portugiesischen Pass besitze.

Die Methodik ist in der Branche nicht neu: Bereits im Jahr 2016 hatte die Nachrichtenagentur Reuters über NRGbinary berichtet, ein israelisches Handelsunternehmen für Finanzmarkt-Produkte, das Anleger in Europa um Millionen geprellt haben soll. Israel verbot das Unternehmen noch im selben Jahr.

In einer weiteren OCCRP-Recherche aus dem Jahr 2025 wurden zwei ähnliche Tätergruppen mit Callcentern in Israel, Osteuropa und Georgien untersucht. Deren Mitarbeiter sollen weltweit mindestens 32.000 Personen um insgesamt mehr als 275 Millionen US-Dollar erleichtert haben.

Verlegung der Callcenter in die Türkei zur Tarnung

Mit der Ermittlung vertraute türkische Offizielle erklärten gegenüber Journalisten, dass die Callcenter-Agenten – wie in den OCCRP-Recherchen dokumentiert – mit falschen Identitäten und gefälschten Dokumenten agiert haben sollen. Die Ermittler gehen davon aus, dass einige in Israel ansässige Netzwerke aufgrund der zunehmenden Spannungen zwischen den Regierungen in Ankara und Tel Aviv versucht haben könnten, ihre Operationsbasis in die Türkei zu verlegen, um einer Aufdeckung im Heimatland zu entgehen.

Das Schema habe dabei meist demselben Muster gefolgt: Die Hintermänner gründen im Zielland eine Tarnfirma, die im Grunde als Callcenter fungiert. Anschließend werden gezielt Mitarbeiter angeworben, die Muttersprachler oder fließend in Sprachen wie Japanisch, Hindi, Französisch oder Spanisch sind.

Die Angestellten seien unter Bezeichnungen wie „Conversion Agent“ (Anwerber) oder „Retention Agent“ (Kundenbetreuer für Folgezahlungen) eingestellt worden.

Bewerber hätten eine einwöchige Schulung durchlaufen müssen. In dieser Zeit habe jeder Mitarbeiter ein Pseudonym erhalten und sei angewiesen worden, sich eine gefälschte Vita zuzulegen, berichtete ein türkischer Offizieller. Diese erfundenen Geschichten hätten Details enthalten, die potenzielle Opfer beeindrucken und Vertrauen schaffen sollten – etwa die Behauptung, einen Abschluss der Universität Oxford zu besitzen.

Lügendetektoren und striktes Hebräisch-Verbot

Bevor neue Mitarbeiter ihre Arbeit hätten aufnehmen dürfen, hätten sie sich laut Behördenangaben sogar einem Lügendetektortest (Polygraph) unterziehen müssen. Damit habe das Syndikat sicherstellen wollen, dass keine Verbindungen zu Strafverfolgungsbehörden oder Geheimdiensten bestünden.

Innerhalb der Büroräume hätten extrem strenge Sicherheits- und Verhaltensregeln gegolten. Das Sprechen der hebräischen Sprache sei im Büro strikt untersagt gewesen. Anstatt des tatsächlichen Firmennamens hätten sich die Anrufer als Vertreter wechselnder Investmentplattformen vorgestellt, deren Namen von den israelischen Organisatoren fortlaufend ausgetauscht worden seien.

Eine der eisernsten Regeln innerhalb der Organisation habe jedoch gelautet: Israelische Staatsbürger durften unter keinen Umständen als Opfer ins Visier genommen werden.

Die türkischen Ermittler kämen zu dem Schluss, dass diese weltweit agierenden Betrugsnetzwerke eine Art Zweckbündnis eingegangen seien – ein Modell, das von den Ermittlern als Symbiose zum beiderseitigen Vorteil zwischen den israelischen Betrugsbossen und den Interessen des Raumes beschrieben werde.

 


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Gastkommentar
Die Grundlagen der Menschenrechte und der Menschenwürde

Ein Gastbeitrag von Çağıl Çayır

Menschenrechte erscheinen heute häufig als selbstverständliche Grundlage einer modernen Gesellschaft. Jeder Mensch besitzt Würde, unabhängig von Herkunft, Religion, Sprache, gesellschaftlichem Rang oder politischer Zugehörigkeit. Doch philosophisch stellt sich eine grundlegende Frage: Warum besitzt der Mensch überhaupt eine unantastbare Würde?

Eine Antwort darauf reicht weit hinter die modernen Menschenrechtserklärungen zurück. Die Idee der Menschenwürde entstand nicht erst mit der Aufklärung. Ihre Wurzeln liegen in antiken Vorstellungen des Naturrechts, in der Vorstellung des Menschen als Geschöpf Gottes und später in theologischen und philosophischen Debatten über die Einheit des Menschengeschlechts.

Der Mensch als Geschöpf

Eine der stärksten Begründungen universaler Menschenwürde liegt in der Vorstellung, dass der Mensch seinen Wert nicht selbst erwerben muss. Wenn Gott als Schöpfer aller Menschen gedacht wird, kann menschliche Würde nicht von Staat, Herkunft, Besitz oder gesellschaftlicher Anerkennung verliehen werden. Der Mensch besitzt Würde, weil er Mensch ist.

Darin liegt eine philosophisch weitreichende Konsequenz. Politische Herrschaft kann die Rechte eines Menschen verletzen, aber sie kann ihn nicht erst zum Menschen machen. Sein grundlegender Wert liegt damit vor der staatlichen Ordnung und entzieht sich im Prinzip ihrer Verfügungsgewalt. Gerade diese Vorstellung begrenzt politische Macht.

Naturrecht und universale Menschheit

Aus dieser Grundlage entwickelte sich über Jahrhunderte das Naturrechtsdenken. Bestimmte Rechte und Pflichten sollten nicht deshalb gelten, weil ein Herrscher sie angeordnet hatte, sondern weil sie aus der Natur des Menschen und einer übergeordneten Ordnung hervorgingen.

Von besonderer Bedeutung wurde im 16. Jahrhundert die Schule von Salamanca. In der Auseinandersetzung mit der spanischen Expansion nach Amerika stellten Denker wie Francisco de Vitoria grundlegende Fragen: Haben fremde Völker eigene Rechte? Dürfen sie allein deshalb unterworfen werden, weil sie keine Christen sind? Verliert ein Mensch seine natürlichen Rechte durch einen anderen Glauben?

Damit wurde eine Frage formuliert, die für die spätere Menschenrechtsgeschichte entscheidend werden sollte: Gelten grundlegende Rechte nur für die eigene Gemeinschaft oder für den Menschen als Menschen?

Francis Bacon: Liebe, Nachbarschaft und gemeinsame Abstammung

Auch bei Francis Bacon (1561–1626) begegnet uns zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein bemerkenswerter Gedankengang. In seinem Dialog An Advertisement Touching an Holy War untersucht Bacon die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein Krieg überhaupt als gerecht oder „heilig“ bezeichnet werden könnte.

Dabei führt er drei Gesetze an, deren Bedeutung weit über die unmittelbare Kriegsfrage hinausweist: die „lex charitatis“, das Gesetz der Liebe; die „lex proximi“, das Gesetz des Nächsten beziehungsweise der Nachbarschaft; und die „lex filiorum Adae de massâ unâ“, das Gesetz der Kinder Adams aus einer einzigen Masse.

Gerade die letzte Formulierung besitzt eine bemerkenswerte universalistische Kraft. Die Menschen erscheinen zunächst nicht als Engländer oder Türken, Christen oder Muslime, Freunde oder Feinde, sondern als Kinder Adams aus einer einzigen Masse. Vor allen politischen, religiösen und kulturellen Unterscheidungen steht damit ihre gemeinsame Menschlichkeit.

Die drei Gesetze lassen sich als aufeinander bezogene Ebenen lesen: Die Liebe verpflichtet den Menschen gegenüber dem anderen; die Nachbarschaft erweitert seine Verantwortung über das eigene Selbst hinaus; die gemeinsame Abstammung führt schließlich alle Menschen auf einen gemeinsamen Ursprung zurück. Bacon formuliert damit noch keine moderne Menschenrechtstheorie. Dennoch berührt seine Argumentation eine ihrer späteren Grundfragen: Welche Verpflichtungen bestehen gegenüber einem Menschen allein aufgrund der Tatsache, dass er Mensch ist?

Gerade im Zusammenhang mit der Diskussion eines „heiligen Krieges“ erhält diese Frage besondere Schärfe. Die Bezeichnung des anderen als Fremden oder Feind hebt seine Zugehörigkeit zur gemeinsamen Menschheit nicht auf.

Von der Naturordnung zum modernen Menschenrecht

Die Aufklärung entwickelte solche Gedanken in neuen philosophischen Formen weiter. Menschenrechte wurden zunehmend aus Vernunft, Freiheit, Gleichheit und menschlicher Autonomie begründet. Die amerikanischen und französischen Menschenrechtserklärungen des 18. Jahrhunderts machten aus philosophischen Forderungen politische Programme.

Dabei verschwand die ältere religiöse Grundlage keineswegs vollständig. Religiöse und säkulare Begründungen der Menschenwürde bestanden zunehmend nebeneinander. Das zeigt sich auch im deutschen Grundgesetz. Bereits seine Präambel spricht vom Bewusstsein der „Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Artikel 1 stellt anschließend fest:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Das Grundgesetz schreibt damit keine bestimmte Religion vor. Dennoch steht seine Ordnung historisch nicht in einem weltanschaulich leeren Raum. Nach den Verbrechen des Nationalsozialismus sollte der Wert des Menschen gerade der freien Verfügung staatlicher Macht entzogen werden.

Warum Menschenwürde mehr als Mehrheitsentscheidung sein muss
Hier liegt das philosophische Problem jeder rein politischen Begründung der Menschenwürde. Wenn Würde ausschließlich durch gesellschaftlichen Konsens verliehen würde, könnte ein anderer gesellschaftlicher Konsens sie theoretisch wieder entziehen.

Der Anspruch der Menschenwürde ist jedoch gerade stärker: Ein Mensch besitzt sie auch dann, wenn eine Mehrheit sie ihm abspricht. Religiöse Naturrechtslehren begründen dies durch Gott und die Schöpfungsordnung. Kant begründet die besondere Stellung des Menschen auf andere Weise, insbesondere durch Vernunft und die Forderung, den Menschen niemals bloß als Mittel, sondern immer zugleich als Zweck zu behandeln.

Moderne Menschenrechtsphilosophien haben weitere Begründungsmodelle entwickelt. Sie unterscheiden sich erheblich. Gemeinsam ist ihnen jedoch der Versuch, die Würde des Menschen jenseits bloßer Willkür und Macht zu verankern.

Menschenrechte müssen universal sein

Der eigentliche Prüfstein eines Menschenrechts liegt deshalb nicht allein darin, wie eine Gesellschaft mit ihren eigenen Angehörigen umgeht. Entscheidend ist auch ihr Umgang mit dem Fremden, dem Andersgläubigen und demjenigen, der außerhalb der Mehrheit steht.

Eine Menschenwürde, die nur dem eigenen Volk, der eigenen Religion oder der eigenen gesellschaftlichen Gruppe zukommt, wäre keine universale Menschenwürde. Hier erhält Bacons Gedanke von den „Kindern Adams aus einer einzigen Masse“ seine besondere Bedeutung. Noch bevor der moderne Begriff universaler Menschenrechte seine heutige Gestalt annahm, wird eine anthropologische Grundlage ausgesprochen, die jede dauerhafte Trennung der Menschheit in grundsätzlich höher- und minderwertige Gruppen infrage stellt.

Die Geschichte zeigt allerdings eine erhebliche Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Gerade das christliche Europa, in dem wichtige naturrechtliche Grundlagen universaler Menschenrechte entstanden, war zugleich von Religionskriegen, Judenverfolgungen, konfessioneller Unterdrückung, Zwangskonversionen und Vertreibungen geprägt. Philosophische Universalität bedeutete keineswegs automatisch gesellschaftliche Toleranz.

Ein notwendiger Blick über Europa hinaus

Deshalb darf auch die Geschichte der Menschenrechte nicht als geradlinige europäische Erfolgsgeschichte erzählt werden. Ein bemerkenswerter Vergleich ergibt sich mit dem Osmanischen Reich.

Während im christlichen Europa grundlegende Gedanken des Naturrechts und der Menschenwürde formuliert wurden, war die praktische Toleranz gegenüber unterschiedlichen Religionsgemeinschaften im Osmanischen Reich zeitweise stärker ausgeprägt als in zahlreichen europäischen Staaten.

Während Juden und Muslime etwa auf der Iberischen Halbinsel Vertreibung und Konversionsdruck erfuhren, fanden viele sephardische Juden Aufnahme im Osmanischen Reich; orthodoxe, armenische und jüdische Gemeinschaften konnten dort über lange Zeiträume fortbestehen.

Gerade hier treffen philosophische Idee und historische Erfahrung aufeinander. Was Salamanca im Naturrecht diskutierte und Bacon mit der Liebe, der Nachbarschaft und den Kindern Adams aus einer einzigen Masse auf eine universale menschliche Grundlage bezog, musste sich in der Wirklichkeit daran messen lassen, ob der Andersgläubige tatsächlich als Mensch und Nachbar bestehen durfte.

Die Geschichte der Menschenrechte gehört deshalb keiner einzelnen Nation, Religion oder Zivilisation. Sie ist die Geschichte einer immer wieder neu gestellten Frage: Was schuldet der Mensch dem Menschen?

Die vielleicht einfachste Antwort liegt bereits in ihrem Ausgangspunkt: Der andere besitzt seine Würde nicht erst dann, wenn er uns gleicht. Er besitzt sie, weil er mit uns Mensch ist.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Çağıl Çayır hat sich als Kölner Geschichtsstudent auf historisch-vergleichende Kulturwissenschaft und Wissenschaftsgeschichte spezialisiert und studiert aktuell Philosophie im Master an der Universität Wuppertal. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf Wissenschaftstheorie und Seinsphilosophie. Seine Arbeiten erscheinen international in renommierten Fach- und Populärmedien.Er engagiert sich wissenschaftlich wie gesellschaftlich für eine intellektuelle Völkerverständigung. Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Gesellschaft Bonn sowie Gründer der Kultur-Akademie Çayır und der Çayır Kultur Akademisi auf YouTube.Seine größte Weisheit lautet: „Liebe ist die Lektion der Geschichte.“


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Ed Sheeran Tournee
Lewis Hamilton unterstützt Pro-Palästina-Rapper Macklemore

London – Der siebenfache Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton hat sich öffentlich hinter den US-amerikanischen Rapper Macklemore gestellt. Anlass sind die jüngsten Auseinandersetzungen um Auftritte des Musikers im Rahmen der Nordamerika-Tournee des britischen Sängers Ed Sheeran.

Pro-palästinensische Äußerungen führen zu Konzertabsage

Macklemore war von den verbleibenden Auftritten der Tournee ausgeschlossen worden, nachdem er während eines Konzerts im US-Bundesstaat New Jersey pro-palästinensische Parolen auf der Bühne geäußert hatte. Stadionbesitzer Robert Kraft sowie weitere Führungskräfte der Veranstaltungsorte reagierten auf die Äußerungen und die anschließenden Kontroversen mit dem sofortigen Ausschluss des Musikers von der Tour.

Macklemore reagierte auf die Absage mit einer ausführlichen Stellungnahme auf der Plattform Instagram. Darin begründete er seine Haltung ausführlich, sprach sich für die Rechte der palästinensischen Zivilbevölkerung aus und verurteilte die humanitäre Lage im Gazastreifen. Zugleich stellte der Rapper klar, dass die persönliche Freundschaft zu Ed Sheeran trotz der unterschiedlichen Standpunkte und der veranstaltenden Entscheidungen unberührt fortbestehe.

Kommentar unter Instagram-Beitrag

Lewis Hamilton reagierte direkt auf den Beitrag des Musikers und kommentierte die öffentliche Stellungnahme auf Instagram mit den Worten: „Thank you for using your voice, standing with you.“

Hamilton, der sich seit Jahren regelmäßig zu gesellschaftspolitischen Themen, Menschenrechten und Antirassismus äußert, schloss sich damit weiteren prominenten Unterstützern wie Greta Thunberg, Paloma Faith oder der irischen Rap-Gruppe Kneecap an. Der britische Rennfahrer nutzt seine globale Reichweite in der Formel 1 immer wieder, um auf soziale Ungerechtigkeiten, Rassismus und humanitäre Krisen aufmerksam zu machen.

Reaktionen und Umfeld der Entscheidung

Der Ausschluss Macklemores löste in den sozialen Medien und in der Musikbranche eine breite Debatte über Meinungsfreiheit, politische Äußerungen von Künstlern auf der Bühne und die Rolle von Sponsoren sowie Stadionbetreibern aus. Robert Kraft, der Besitzer des Gillette Stadiums und der New England Patriots, begründete die Schritte mit der Verantwortung gegenüber dem Publikum und den Partnern der Veranstaltungsreihe.

Trotz der Absagen und der öffentlichen Kritik kündigte Macklemore an, sich auch künftig nicht das Wort verbieten zu lassen und seine Reichweite weiterhin für gesellschaftspolitische Fragen sowie humanitäre Anliegen zu nutzen.

 


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Dokumentarfilm „NAZA“
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Tel Aviv – Aktivisten haben in der zentralisraelischen Stadt Savyon vor dem Haus der Eltern der Filmemacherin Rachel Szor (auch als Rachel Tzur geführt) protestiert.

Die Mitregisseurin des Dokumentarfilms „NAZA“ hielt sich zu diesem Zeitpunkt im Ausland auf. Wie israelische Medien berichten, versammelten sich die Demonstranten aus dem Umfeld der rechtsextremen Partei Otzma Yehudit und forderten unter anderem die Todesstrafe für Verräter.

Parolen und Gegendemonstration vor dem Elternhaus

Zudem trugen sie Spruchbänder mit Vorwürfen des Verrats an den israelischen Streitkräften (IDF). Vor Ort kam es zu Spannungen, als sich auch Gegendemonstranten einfanden. Die Polizei schritt ein, um eine Eskalation zu verhindern.

Der Protest folgte auf Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Dieser kündigte an, zwei Gesetzesentwürfe auf den Weg bringen zu wollen, die sich gegen Personen richten, denen die Diffamierung israelischer Soldaten vorgeworfen wird. Die Äußerungen bezogen sich unter anderem auf die Macher der Dokumentation.

Netanjahu erklärte am Mittwoch zudem, er wolle neue Gesetze durchsetzen, die es ermöglichen, Personen die Staatsbürgerschaft zu entziehen, die israelische Soldaten „diffamieren“. Dies stellt eine weitere Eskalation der Kampagne gegen die Filmemacher dar, die sich Drohungen von hochrangigen Regierungs- und Militärvertretern ausgesetzt sehen. Zudem stehen rechtliche Schritte und Prüfungen durch die Militärstaatsanwaltschaft sowie den Inlandsgeheimdienst Schin Bet im Raum.

Auszeichnung in Venedig und internationale Produktion

Der 80-minütige Dokumentarfilm „NAZA“, der von Rachel Szor und Yuval Abraham gedreht wurde, feierte beim 83. Internationalen Filmfestival in Venedig Premiere, wurde mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und erhielt eine rund 25-minütige Standing Ovation.

Abraham und Szor, die bereits Teil des Regieteams hinter „No Other Land“ waren, produzierten das Werk in internationaler Kooperation mit der britischen Zeitung The Guardian, dem Produzenten James Wilson sowie dem Oscar-Preisträger Jonathan Glazer („The Zone of Interest“).

Aussagen von Militärangehörigen und Akronym für Begleitschäden

Das Werk basiert auf dreijährigen verdeckten Interviews mit 24 israelischen Soldaten und Geheimdienstoffizieren. In den Gesprächen schildern die Befragten die internen Prozesse bei der Zielauswahl sowie die Handhabung ziviler Opferquoten bei Luftangriffen im Gaza-Streifen.

Der Titel „NAZA“ bezieht sich auf ein hebräisches Militär-Akronym für zivile Begleitschäden. Die Informanten berichten unter anderem über den Einsatz KI-gestützter Zielsysteme auf Basis abgefangener Handydaten sowie über Angriffe auf Wohnhäuser. Um die Identität der Informanten zu schützen, wurden die Gesichter und Stimmen der Soldaten digital unkenntlich gemacht. Das israelische Militär wies die Vorwürfe einer gezielten Tötungspolitik gegenüber Zivilisten im Vorfeld der Veröffentlichung zurück.

 


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Ahilik kehrt zurück
Türkei entdeckt die Wirtschaftsmoral des Mittelalters neu

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Gewinn machen, aber nicht um jeden Preis: Die Türkei greift derzeit auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, die genau solche Regeln für Handel und Handwerk formulierte. Ahilik verband Ausbildung, Berufsehre, Qualität, Ehrlichkeit und gegenseitige Hilfe – und wird von der türkischen Regierung heute wieder stärker ins Zentrum gerückt.

Es gibt historische Begriffe, die plötzlich erstaunlich modern klingen. Ahilik gehört dazu. Im mittelalterlichen Anatolien war es ein System, das Handwerk, Ausbildung, Berufsethos, gegenseitige Hilfe und soziale Verantwortung miteinander verband. Der Händler sollte nicht betrügen, der Handwerker keine minderwertige Ware verkaufen, der Meister seinen Lehrling ausbilden und die Gemeinschaft notfalls denjenigen auffangen, der in Schwierigkeiten geriet.

Und nun entdeckt auch der türkische Staat diese alte Idee wieder.

Das ist keine bloße Folkloreveranstaltung. Die türkische Regierung baut das Thema tatsächlich institutionell aus. Das Handelsministerium organisiert die Ahilik-Woche, vergibt das „Ahi Esnaf Beratı“ an Händler und Handwerker und verbindet die Tradition mit Bildungsangeboten, Unternehmertum und der Förderung des Kleingewerbes. 2026 findet bereits die 39. Ahilik-Woche statt.

Auch die Größenordnung des heutigen Handwerks ist beträchtlich. Nach Angaben des Handelsministeriums gibt es in der Türkei mehr als 2,2 Millionen Handwerker und Kleingewerbetreibende in 184 Berufsgruppen.

Genau deshalb ist Ahilik auch politisch interessant: Die Regierung verbindet die historische Tradition mit einem Leitbild für das heutige Wirtschaftsleben.

Gewinn ja – aber nicht um jeden Preis

An Ahilik lässt sich eine wirtschaftspolitische Botschaft hängen: Gewinn ja – aber nicht um jeden Preis. Keine Wucherei, keine Täuschung, keine schlechte Ware und keine hemmungslose Spekulation. Dafür stehen Solidarität, Berufsehre, Ausbildung und gesellschaftliche Verantwortung.

Das klingt fast wie ein Gegenentwurf zu einer Wirtschaft, in der der Kunde am Ende nur noch fragt, ob er beim Kauf eines Produkts gerade betrogen, übervorteilt oder inflationsbedingt enteignet wurde. Und genau hier wird es für die Regierung Erdoğan politisch interessant.

Denn Ankara versucht, Ahilik nicht nur als historische Erinnerung zu behandeln, sondern als gesellschaftliches Leitbild. Handelsminister Ömer Bolat spricht ausdrücklich von Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Solidarität und guter Moral in Handel und Wirtschaft.

Das Ministerium verbindet die Tradition außerdem mit Berufsausbildung, Unternehmertum, Kooperativen und staatlicher Unterstützung des Kleingewerbes. Seit 2024 werden Unternehmer, die nach Ahilik-Grundsätzen arbeiten, mit einem offiziellen „Ahi Esnaf Beratı“ ausgezeichnet. Doch hier beginnt die historische Ironie.

Das Mittelalter brauchte kein Ministerium

Das mittelalterliche Ahilik war gerade deshalb interessant, weil es nicht einfach ein staatliches Moralprogramm war. Es war eine Form gesellschaftlicher Selbstorganisation.

Die Handwerker kontrollierten sich gegenseitig. Meister bildeten Lehrlinge aus. Berufsverbände regelten Qualität und Berufszugang. Die Gemeinschaft half ihren Mitgliedern. Der Staat arbeitete mit diesen Strukturen, aber Ahilik entstand nicht als Marketingkampagne eines Ministeriums.

Heute hingegen kommt der Staat mit großem Protokoll: Ministerium, Kommission, Ahilik-Woche, Zertifikate, Siegerehrungen, Symposium und Fernsehübertragung.

Das offizielle Programm der Ahilik-Woche 2026 umfasst unter anderem Koranrezitationen, Gebete, Predigten in Moscheen, ein Ahilik-Symposium sowie Auszeichnungen für den „Ahi des Jahres“, den „Gesellen des Jahres“ und den „Lehrling des Jahres“. Dazu kommen Konzerte und weitere Veranstaltungen.

Das Mittelalter hätte vermutlich weniger Bühnenprogramm gebraucht. Der eigentliche Test wäre ein anderer. Der eigentliche Test beginnt im Alltag Wenn Ankara Ahilik wirklich wiederbeleben möchte, müsste es nicht nur Ahi-Wochen veranstalten.

Es müsste die Prinzipien ernst nehmen: ehrliche Preise, faire Konkurrenz, gute Berufsausbildung, Schutz vor Wucher, Qualität, soziale Verantwortung und vor allem Vertrauen zwischen Verkäufer und Käufer. Das ist schwieriger als ein Fest in Kırşehir. Denn Ahilik war ursprünglich keine Nostalgieveranstaltung. Es war ein Verhaltenskodex für das Wirtschaftsleben.

Und genau darin liegt die Pointe:

Die türkische Regierung möchte eine mittelalterliche Tradition wiederbeleben, die sagt:

Der Handel hat eine Moral.

Eine ziemlich unbequeme Botschaft – gerade für eine Regierung, die gleichzeitig mit Inflation, Preissteigerungen, Marktaufsicht und der Frage kämpfen muss, wie viel staatliche Kontrolle eine Wirtschaft verträgt. Ahilik könnte deshalb mehr sein als osmanisch-islamische Folklore.

Es könnte der Versuch sein, dem Kapitalismus wieder ein Gewissen anzunähen.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Naher Osten
Bericht: Israel soll Türkei Aufteilung Syriens angeboten haben

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Ankara – Israel soll der Türkei Berichten zufolge einen weitreichenden Deal zur Aufteilung von militärischen Einflusszonen in Syrien angeboten haben. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe demnach vor Wahlen vorgeschlagen, das syrische Staatsgebiet in eine nördliche und eine südliche Einfluss- beziehungsweise Aktivitätssphäre zu gliedern. Ankara habe diesen Vorstoß jedoch umgehend und entschieden abgelehnt.

Vorgeschlagene Demarkationslinie und militärische Sperrzonen

Wie türkische Medien unter Berufung auf ungenannte Quellen berichten, sei der Vorschlag über ein Drittland an die Türkei übermittelt worden. Demnach habe Israel angestrebt, eine militärische Aktivitätszone entlang der Linie Homs, Quneitra, Tartus, Damaskus und Daraa zu etablieren.

Im Gegenzug habe die israelische Seite zugesichert, türkische Militäraktionen in Regionen wie Aleppo, Hama, al-Hasaka, Deir ez-Zor und Raqqa nicht zu behindern. Zudem habe Netanjahu gefordert, dass Ankara weder dem Aufbau eines israelischen Militärkorridors von den Golan-Höhen nach as-Suwaida noch der Errichtung einer israelischen Luftverteidigungszone im Süden des Landes widerspreche.

Geplante Operation in Damaskus vorerst gestoppt

Darüber hinaus heben die Berichte hervor, dass Netanjahu ursprünglich auch Optionen für ein militärisches Eingreifen in der syrischen Hauptstadt Damaskus geprüft habe, um politisches Kapital für den Wahlkampf zu schlagen. Diese Pläne seien jedoch vorerst ausgesetzt worden, nachdem Vorbereitungen für einen Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Damaskus bekannt geworden seien. Die israelische Führung habe befürchtet, durch diesen Schritt in eine politisch schwierige Lage zu geraten.

Aserbaidschan als möglicher Vermittler im Gespräch

Welcher Staat als Vermittler auftrat und wann sowie auf welcher Ebene die Verhandlungen stattfanden, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Beobachter vermuten jedoch Aserbaidschan hinter der Vermittlerrolle.

Ankara habe das Angebot laut den Berichten jedoch mit dem Verweis abgelehnt, dass Syrien allein den Syrien gehört.

Vom pragmatischen Ausgleich zur strategischen Rivalität

Die geopolitischen Beziehungen zwischen der Türkei und Israel in Bezug auf Syrien haben sich in den letzten Jahren von einer pragmatischen Abstimmung hin zu einer offenen strategischen Rivalität verschärft. Syrien bildet dabei den zentralen Schauplatz, auf dem beide Staaten ihre jeweiligen nationalen Sicherheitsinteressen und Einflusszonen durchzusetzen versuchen.

Auf türkischer Seite steht dabei die Sicherung der eigenen Nordgrenze im Vordergrund. Hauptziel Ankaras ist es, die Kontrolle über den Norden Syriens zu behalten. Gleichzeitig verfolgt Ankara das Ziel, durch kontrollierte Pufferzonen die Rückkehr syrischer Geflüchteter zu ermöglichen.

Israels Interessen konzentrieren sich hingegen vor allem auf den Süden des Landes. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Sicherung der eigenen Nordgrenze sowie der Pufferzone im Bereich der Golan-Höhen. Israel interveniert regelmäßig militärisch, um das Festsetzen feindlicher Akteure, etwa pro-iranischer Gruppen oder radikal-islamistischer Fraktionen, im Südwesten Syriens zu unterbinden.

Um flexibel auf drohende Sicherheitsrisiken reagieren zu können, beansprucht Tel Aviv die strategische Handlungsfreiheit und Lufthoheit über weiten Teilen Süd- und Zentralsyriens. Zudem versucht Israel in Regionen wie Quneitra, Daraa und as-Suwaida seinen Einfluss auszuweiten und Partnerschaften mit lokalen Gruppen, darunter Teile der drusischen Bevölkerung, aufzubauen.

Wachsende Gefahr von Konfrontationen und unvereinbare Konzepte

Diese unterschiedlichen Zielsetzungen führen zu deutlichen Spannungsfeldern. Nach den Umbrüchen in Syrien geraten die Interessen der Türkei im Norden und der Landesmitte zunehmend in Konflikt mit den israelischen Sicherheitsansprüchen im Süden. Israels Warnungen bezüglich einer Ausweitung türkischer Militärstützpunkte weiter nach Süden verdeutlichen die wachsende Gefahr unkoordinierter militärischer Aktionen.

Zudem offenbart sich eine grundlegende strategische Unvereinbarkeit: Während Ankara Syrien als geschlossenen Staat im eigenen Einflussbereich konsolidieren möchte, setzt Israel primär auf die Durchsetzung eigener entmilitarisierter Pufferzonen, was von türkischer Seite als Verletzung der syrischen Souveränität gewertet wird.

 


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