Gartenbau
Urban Farming im 21. Jahrhundert: Wie smarte Botanik die Eigenversorgung revolutioniert

Die Sehnsucht nach einem Stück Natur und einer autarken Lebensweise hat in den vergangenen Jahren zu einer Renaissance des Gartenbaus im städtischen Raum geführt.

Was unter dem Begriff „Urban Farming“ als Nischenbewegung auf Dachterrassen und in Hinterhöfen begann, erreicht durch veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen in Deutschland eine neue Dimension.

Immer mehr Menschen nutzen den eigenen Balkon oder die Fensterbank, um Nutzpflanzen für den Eigenbedarf heranzuziehen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Tomaten oder Kräuter. Die Entkriminalisierung von Cannabis hat ein großes Interesse an der Kultivierung dieser jahrhundertealten Nutzpflanze geweckt, wobei moderne Agrarexperten die Methoden für den Heimanbau grundlegend vereinfachen.

Technologische Meilensteine bei der Pflanzenzucht auf engem Raum

Wer in einer Stadtwohnung ohne eigenen Garten anbaut, sieht sich mit spezifischen Begrenzungen konfrontiert. Begrenzter Platz, unbeständige Lichtverhältnisse und die Notwendigkeit einer diskreten Kultivierung erfordern Pflanzensorten, die speziell für diese Bedingungen selektiert wurden.

Klassische Sorten hängen stark vom tageszeitlichen Lichtzyklus ab, was den Anbau ohne professionelle Ausrüstung in den eigenen vier Wänden erschwert. Die moderne Pflanzenbiologie hat hierfür eine Lösung parat: selbstblühende, sogenannte Autoflowering-Sorten. Diese Pflanzen beginnen unabhängig von den täglichen Lichtstunden nach einer festgelegten Wachstumszeit von selbst zu blühen.

Diese genetische Eigenschaft, die ursprünglich von wilden Ruderalis-Formen aus nördlichen Regionen stammt, wurde von Züchtern mit potenten und geschmacksintensiven Linien gekreuzt. Für den Heimanbauer reduziert sich der gärtnerische Aufwand dadurch beträchtlich.

Wenn man heute nach einer zuverlässigen und kompakten Lösung sucht, greift man auf moderne Kreuzungen wie Green Gelato Auto zurück, weil diese Genetik ein kontrolliertes, niedriges Höhenwachstum mit einer hohen Toleranz gegenüber typischen Pflegefehlern verbindet. Solche Innovationen ermöglichen es, dass selbst Personen ohne gärtnerische Ausbildung erfolgreich eine Ernte einfahren können, da die biologische Uhr der Pflanze den Großteil der Steuerungsarbeit übernimmt.

Labordiagnostik für den Schutz der heimischen Ernte

Der Erfolg im Urban Farming hängt jedoch nicht nur von der passenden Sortenwahl ab, sondern auch von der gesundheitlichen Qualität des Ausgangsmaterials. Da im privaten Raum meist nur wenige Pflanzen gleichzeitig gepflegt werden, wiegt der Verlust einer einzelnen Pflanze durch Krankheiten schwer. Ein großes Risiko stellen pflanzliche Viren und Viroid-Erkrankungen dar, die das Wachstum hemmen und den Ertrag minimieren, ohne dass man die Ursache sofort mit bloßem Auge erkennt.

Professionelle Saatgutprojekte setzen deshalb zunehmend auf molekularbiologische Testverfahren, um die Keimfreiheit und Krankheitsresistenz der Samenzellen zu garantieren. Jede Charge wird vor der Verpackung strengen Laboruntersuchungen unterzogen. Diese Akribie, die man aus der industriellen Saatgutproduktion für die Landwirtschaft kennt, hält nun Einzug in den Heimbereich. Sie schützt private Gärtner vor frustrierenden Fehlschlägen und sorgt für eine gleichmäßige Qualität der Pflanzen.

Eine neue Kultur des bewussten Konsums

Der Trend zur urbanen Eigenversorgung spiegelt zudem den Wunsch nach maximaler Transparenz wider. Auf dem unregulierten Markt war es für Verbraucher unmöglich, die genaue Herkunft oder etwaige Verunreinigungen des Endprodukts nachzuvollziehen.

Der Anbau in den eigenen vier Wänden ermöglicht eine lückenlose Kontrolle über den gesamten Lebenszyklus der Pflanze – vom Samenkorn über die Erde bis hin zu den verwendeten Düngemitteln.

Die Verknüpfung von moderner Genetikforschung und traditioneller Pflanzenliebe schafft somit eine neue Form des verantwortungsvollen Konsums. Urban Farming entwickelt sich weg vom reinen Hobby hin zu einer wissenschaftlich begleiteten Alltagspraxis, die Unabhängigkeit und botanische Leidenschaft mitten in der Stadt erlebbar macht.

 


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Zentralasien
Türkei wenig begeistert: Kasachstan-Zypern-Abkommen

Astana/Nikosia – Es war ein Besuch mit starken Symbolwirkungen. Zyperns Präsident Nikos Christodoulides reiste am Mittwoch nach Astana, wo ihn sein kasachischer Amtskollege Kassym-Jomart Tokayev empfing.

Die beiden Staatschefs unterzeichneten Absichtserklärungen in den Bereichen Hochschulbildung, Kultur, Sport, Informationstechnologie, Cybersicherheit und E-Government. Tokayev verlieh Christodoulides den Dostyk-Orden erster Klasse — eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen Kasachstans. Gleichzeitig wurde die Botschaft der Republik Zypern in Astana feierlich eröffnet. Für die meisten Beobachter klingt das nach gewöhnlicher Diplomatie. Für die Türkei ist es weit mehr als das.

Der Hintergrund: Ein heikles Thema

Zypern ist seit 1974 geteilt. In jenem Jahr marschierte die türkische Armee in den Norden der Insel ein — nach einem von Griechenland unterstützten Putsch und nach Massakern und Gewalttaten gegen die türkisch-zypriotische Bevölkerung.

1983 rief der Norden die Türkische Republik Nordzypern aus, die bis heute nur von der Türkei anerkannt wird. Die Republik Zypern hingegen ist seit 2004 EU-Mitglied und wird international als einzige legitime Regierung der Insel anerkannt — gestützt auf die UN-Sicherheitsratsresolutionen 541 (1983) und 550 (1984).

Jahrzehntelang hatte die Türkei erfolgreich verhindert, dass die zentralasiatischen Republiken offizielle diplomatische Vertreter bei der Republik Zypern akkreditierten. Doch seit Ende 2024 hat sich das geändert: Zwischen Dezember 2024 und März 2025 akkreditierten Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan jeweils diplomatische Vertreter in Nikosia. Kasachstan eröffnete sogar eine eigene Botschaft — die nun auch von zypriotischer Seite erwidert wurde.

EU-Investitionen als Hebel

Der Wandel kam nicht von ungefähr. Beim ersten historischen Gipfeltreffen zwischen der Europäischen Union und Zentralasien auf Ebene der Staats- und Regierungschefs Anfang April 2025 in Samarkand kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Investitionen von 12 Milliarden Euro in der Region an.

Die gemeinsame Abschlusserklärung des Gipfels enthielt eine klare Unterstützung für die beiden UN-Resolutionen zu Zypern — und verknüpfte künftige Zusammenarbeit ausdrücklich mit deren Einhaltung.

Die Botschaft war eindeutig: Wer von europäischen Investitionen profitieren will, stellt sich hinter die Republik Zypern. Die zentralasiatischen Republiken haben entsprechend gehandelt.

Erdoğans „Brudervölker“ wählen Brüssel

Für Ankara ist diese Entwicklung besonders schmerzhaft. Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan sind Mitglieder der Organisation Turkischer Staaten — einem von der Türkei angeführten Zusammenschluss turksprachiger Länder, dem die Türkische Republik Nordzypern seit 2022 als Beobachter angehört. Beim letzten OTS-Gipfel im November 2024 in Kirgisistan hatte Erdoğan die Mitgliedstaaten ausdrücklich aufgerufen, Nordzypern stärker zu unterstützen. Im vergangenen Jahr haben fünf dieser Mitgliedstaaten das Gegenteil getan.

Bereits im April 2025 hatten fünf zentralasiatische Republiken — Kasachstan, Kirgisistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Usbekistan — ihre Unterstützung für die UN-Resolutionen erklärt und die Eröffnung von Botschaften in der Republik Zypern beschlossen. Gestern unterstrich Kasachstan diese Haltung mit dem Staatsbesuch und der feierlichen Botschaftseröffnung in Astana erneut. Griechische Medien sprachen von einer „diplomatischen Ohrfeige“ für Erdoğan. Die Botschaft an die türkische Öffentlichkeit: Länder, die formal mit der Türkei verbündet sind, hätten die Einheit der Türkischen Welt an Brüssel verkauft.

Keine offizielle Reaktion aus Ankara

Die türkischen Behörden haben sich bislang nicht offiziell zu dem gestrigen Besuch geäußert. Einzig der Transportminister der Türkischen Republik Nordzypern, Erhan Arıklı, erklärte in einem türkischen Fernsehinterview, er erwarte von der Türkei wirksame Gegenmaßnahmen. Wie Ankara auf die vertiefte Zusammenarbeit zwischen Kasachstan und der Republik Zypern reagieren wird, bleibt abzuwarten.

Was der gestrige Besuch konkret brachte

Jenseits der geopolitischen Dimension war der Besuch auch wirtschaftlich substanziell. Mehr als 400 Unternehmen mit zypriotischem Kapital sind derzeit in Kasachstan tätig, die zypriotischen Investitionen im Land werden auf rund vier Milliarden Dollar geschätzt.

Air Astana nahm mit dem Besuch den Direktflugbetrieb zwischen Larnaca und Astana auf — Christodoulides reiste auf dem Eröffnungsflug an. Tokayev schlug die Schaffung eines bilateralen Fahrplans sowie zwischenstaatlicher und Wirtschaftsräte vor. Zypern positioniert sich dabei als Tor zum EU-Binnenmarkt mit 450 Millionen Verbrauchern.

Hasbara
Enthüllung: Israelische Armee betrieb geheime Propagandakanäle — getarnt als unabhängige Faktenprüfer

Tel Aviv/Jerusalem – Israelische Soldaten und Militärkorrespondenten haben gegenüber den Investigativmagazinen +972 Magazine und The Hottest Place in Hell enthüllt, dass die Pressestelle der israelischen Armee während des Gaza-Krieges eine verdeckte psychologische Operationskampagne betrieb — mit dem Ziel, die öffentliche Meinung im In- und Ausland zu formen.

Kern der Operation: englischsprachige WhatsApp-, YouTube- und Instagram-Kanäle unter dem Namen „Fact Check“, die als neutrale, gemeinnützige Medien- oder Bildungsinitiativen auftraten. In Wirklichkeit wurden sie laut der Untersuchung direkt von der Pressestelle der israelischen Armee erstellt und betrieben.

Ein an der Produktion beteiligter Soldat erklärte: „Alles wurde innerhalb unserer Einheit erstellt“ — und diente klar der Verbreitung der israelischen Staatsnarrative.

Die Inhalte der Kanäle verteidigten Israel gegen Vorwürfe des Völkermords und der Kriegsverbrechen, wiesen Anklagen vor dem Internationalen Gerichtshof zurück und behaupteten unter anderem, Palästinenser seien die eigentlichen „Kolonisatoren“.

Influencer als Verstärker

Obwohl die als neutral getarnten „Fact Check“-Kanäle direkt kaum Reichweite erzielten, nutzte die Armee einen wirkungsvolleren Weg:

Dutzende israelische und pro-israelische Persönlichkeiten — darunter Noa Tishby und Sarai Givaty sowie Vertreter jüdischer Gemeinden im Ausland — wurden demnach eingesetzt, um vom Militär koordinierte Inhalte über WhatsApp, YouTube und Instagram zu verbreiten. Damit erreichte die Operation Millionen von Zuschauern.

Das „Atrocities Video“

Die Untersuchung zeigt auch, dass die Pressestelle intensiv in die Aufbereitung und Verbreitung von Videomaterial des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 eingebunden war.

Soldaten sammelten und schnitten große Mengen visuellen Materials — darunter von Hamas-Kämpfern selbst aufgenommene Aufnahmen — für eine maximale Verbreitung in sozialen Medien.

Das Ergebnis war das 47-minütige Kompilationsvideo „Bearing Witness to the October 7 Massacre“, in Israel als „Atrocities Video“ bekannt. Laut Zeugenaussagen wurde es als Teil der breiteren Propagandakampagne eingesetzt. Ein Soldat beschrieb den Prozess als eine Art Social-Media-Werbekampagne: entscheidend sei gewesen, was die meiste Aufmerksamkeit erzielen würde.

Belohnung und Bestrafung

Ehemalige Soldaten und Journalisten beschrieben zudem ein Mediensystem, das auf selektivem Zugang und Einschüchterung basierte. Eine ausgewählte Gruppe israelischer Berichterstatter in einer sogenannten „Korrespondentenzelle“ erhielt exklusive Briefings, Pressekonferenzen, Sonder-Hotlines und besondere Veranstaltungen. Kritischere Journalisten hingegen wurden ausgegrenzt, marginalisiert oder von Informationen abgeschnitten.

Ein Journalist beschrieb gegenüber den Ermittlern klare Hierarchien innerhalb der privilegierten Gruppe — weniger kritische Reporter wurden besser behandelt. Ein leitender Korrespondent fasste den Ansatz der Pressestelle als „Zuckerbrot und Peitsche“ zusammen: Wer die Armee kritisiere, werde bestraft.

Yaniv Kubovich, Militärkorrespondent der israelischen Zeitung Haaretz, wird in dem Bericht mit den Worten zitiert, das primäre Ziel der Einheit sei nicht die Bereitstellung korrekter Informationen gewesen, sondern die Verhinderung von Veröffentlichungen:

„Ich bin mit allem, was ich hatte, auf sie zugegangen — aber sie konzentrierten sich ausschließlich darauf, mich dazu zu bringen, die Geschichte fallen zu lassen.“

Kubovich fügte hinzu:

„Nach dem 7. Oktober tut die IDF alles, um Berichte zu unterdrücken, die Versagen, ethische Probleme oder Führungsmängel aufdecken — anstatt zu untersuchen, was wirklich passiert ist. In diesem Sinne ist sie zur selben Arroganz wie zuvor zurückgekehrt: der Überzeugung, dass niemand sie durch die Presse kritisieren kann.“

Darüber hinaus stellte die Untersuchung fest, dass die Pressestelle gezielt Informationen an Lieblingsreporter durchsickern ließ, während andere ausgesperrt wurden. Auf diese Weise konnte die Einheit nicht nur beeinflussen, was veröffentlicht wurde — sondern auch Medienorganisationen belohnen, die bereit waren, sich an der Linie der Armee zu orientieren.

 


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Türkiye
CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

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Nabi Yücel

Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye’nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay’ın ardından ve Kemal Kılıçdaroğlu’nun genel başkanlıktan uzaklaştırılmasının akabinde tüm enerjisini yalnızca Türkiye meselelerine adayacağını ilan etmişti. Ancak yaşananlar bambaşka bir seyir izledi.

Mayıs ayının ortasında Ankara’da bir mahkeme, ikinci derece kararıyla 2023’te gerçekleştirilen 38. Olağan Kurultay’ın iptali ve buna bağlı olarak CHP Genel Başkanı Özgür Özel’in görevden alınması gerektiğine hükmetti. Kararın kesinleşmesine kadar geçerli olmak üzere, önceki genel başkan Kemal Kılıçdaroğlu göreve iade edildi.

Özel, tüm umutlarını Yargıtay’a bağlamış durumda; ancak karar kesinleşene kadar genel başkanlığı bırakmaya yanaşmıyor. Bunun yerine apar topar grup başkanlığına seçildi. CHP’nin fiili yönetimi ise kamuoyu önünde olduğu kadar Atatürk’ün huzurunda ve Türkiye Büyük Millet Meclisi kürsüsünde de açık bir çatışma çizgisi benimsedi.

Sosyal medyayı ve partiye yakın yayın organlarını aktif biçimde kullanan Özgür Özel, hem iktidara hem de meşruiyeti mahkeme kararıyla tescillenmiş CHP liderliğindeki „hainlere“ yönelik saldırılarını sürdürüyor. Bugün meclis grup toplantısında yeniden harekete geçti: „Siz bizi nasıl tanıyorsanız, biz hâlâ buyuz. Sadece taş yarmayı, dost ile düşmanı ayırt etmeyi biraz daha iyi öğrendik.“ Toplantı salonunda ise grup üyeleri „Hain Kılıçdaroğlu“ sloganları attı.

Özgür Özel ve Ekrem İmamoğlu’nun eski hamisi bir „hain“ mi? Kılıçdaroğlu her ne kadar isim vermekten kaçınsa da gölge partide Gülenist yapılanma kalıntılarının yuvalandığını ima eden açıklamalar yapıyor.

Geçen hafta yaptığı kısa açıklamada Kılıçdaroğlu, yeterince kararlı bir yolsuzluk ve rüşvet mücadelesi yürütemediğini, Gülenistleri eleyemeden bünyeye kabul ettiğini itiraf etti. Kimi kastettiği konusunda ise Türk televizyonlarında ve sosyal medyada tartışmalar sürüyor.

Öte yandan Özgür Özel’e yakın isimlerin taraftarları, meşruiyeti mahkeme kararıyla tescillenen parti liderliğini topa tutmaktan geri durmuyor; bunun için 2016 darbe girişimi gecesindeki tutumlarını kalkan olarak öne sürüyorlar. Bu karşı atak, iç savaşın tüm çıplaklığıyla gözler önüne serilmesinden başka bir anlam taşımıyor.

İşte tam da bu noktada bir trajik komedi sahnesiyle karşı karşıyayız: Tüm CHP, birden darbe girişiminin gerçek faillerini hatırlamaya başlamış gibi davranıyor. Oysa Özgür Özel de Kemal Kılıçdaroğlu da darbenin hemen ardından „kontrollü darbe“ tezini savunmuş, hükümetin parmağı olduğu iddiasına kapı aralamışlardı. Peki şimdi bütün bunlar mı unutuldu?

Evet, bu mümkün — kendi seçmen kitlesini filtre baloncuklarında ve yankı odalarında beslerken, devlete, yargıya ve hükümete olan güveni yıllarca sistematik biçimde aşındırdıktan sonra bu mümkün. Bu kapanma ortamında farklı görüşlere yer kalmıyor. Bilgi alışverişi neredeyse tamamen ortadan kalkmış durumda. Gölge parti liderliği de bu sayede her türlü uzlaşı önerisini ve katılım çağrısını kolaylıkla reddedebiliyor, uzatılan eli sertçe geri itebiliyor.

Asıl sorunun kaynağını sormak gerekiyor: Gölge liderlik, partinin bu bataklığa nasıl sürüklendiğini irdelemek yerine Kılıçdaroğlu’nu CHP’den ve siyaset sahnesinden silmeyi, onu ve destekçilerini siyasi açıdan işlevsiz kılmayı hedefliyor. Bu tablonun karşısında insan sormadan edemiyor: Bu liderlik, Yargıtay’ın olası kesin kararını nasıl karşılayacak?

„Demokrasiyi yaşatma“ ve tüm gücü yalnızca Türkiye’ye adama söyleminden artık çok az şey kalmış durumda. Bunun yerine yargı kararlarını tanımak yerine Avrupalı hükümetlerden destek çağrısı yapılıyor — vatandaşların büyük bölümü bu tutumu giderek artan bir rahatsızlıkla izliyor.

Kılıçdaroğlu’nun ve yaklaşık yirmi kişilik eski yönetim kadrosunun „hain“ olarak damgalanması ise kamuoyunda artık ironik bir tebessümle karşılanıyor. Bununla birlikte, görüş bildirme cesareti gösterenler de hedef alınıyor — başta eski CHP Genel Başkanı Deniz Baykal’ın kızı Aslı Baykal olmak üzere.

Aslı Baykal ile çeşitli siyaset gözlemcileri, gölge liderliğin mahkeme kararını yorumlama ve kamuoyuna aktarma biçimini sert bir dille eleştiriyor. Nedensellik bağı kurulurken sorunun kaynağı yine hükümet ya da medya çevrelerinde aranıyor; oysa sormak gereken asıl soru şu: 38. Olağan Kurultay ve Kılıçdaroğlu’nun görevden alınması hukuka uygun olsaydı ve hiçbir delege rüşvet almamış ya da dağıtmamış olsaydı, bu mesele neden mahkemelere taşındı?

Sanki Aslı Baykal’ın bu soruyu önceden öngörmüş gibi, Ankara Cumhuriyet Başsavcılığı hâkim kararıyla 38. Olağan Kurultay’a katılan tüm delegelerin ve birinci derece yakınlarının incelenmesine hükmetti. Maliye Bakanlığı verilerinin, Bilgi Teknolojileri ve İletişim Kurumu (BTK) kayıtlarının ve Sosyal Güvenlik Kurumu (SGK) belgelerinin taranacağı açıklandı.

Geleceği görmek için bir kristal küreye ihtiyaç yok: Partinin, siyasi ve hukuki sonuçları bugünden öngörülmesi son derece güç bir sürecin henüz başında olduğu anlaşılıyor. Yolsuzluk, oy satın alma ve rüşvete ilişkin iddialar artık sıradan bir iç güç mücadelesinin çok ötesine geçmiş ve CHP’yi uzun süre meşgul etmeye devam edecek bir boyut kazanmıştır.

Açıkçası bunun anlamı şu: Türkiye jeopolitik krizler, ekonomik güçlükler ve toplumsal gerilimlerle boğuşurken CHP yalnızca kendisiyle meşgul. 38. Kurultay’ın ardından tüm gücünü yalnızca Türkiye’ye adayacağını ilan eden o partinin bugün siyasi dikkatinin büyük bölümünü iç çekişmelere, hukuki süreçlere ve kendi içinde ürettiği çatışmalara harcadığını görmek, derin bir ironi olmaktan öteye geçmiyor.

 


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Wall Street Journal: Türkiye’nin durdurulması gerekiyor

Hedschas-Bahn
Hormuz-Umgehung: Türkei kündigt historische Hedschas-Bahn an

Ankara/Istanbul – Die Hormus-Krise hat Europa an einem empfindlichen Nerv getroffen — und der Türkei eine historische Chance eröffnet. Während Europa über steigende Energiepreise und gefährdete Lieferketten diskutiert, baut Ankara seinen Aufstieg zur zentralen Energie-Drehscheibe zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien weiter aus.

„Die Türkei ist die stärkste Brücke, der wichtigste Transit- und Knotenpunkt zwischen Geographien mit reichen Energieressourcen und Ländern, die diese benötigen“, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf dem Istanbuler Nationalen Ressourcengipfel. 

Nun kommt ein Projekt hinzu, das über Pipelines und Flüssiggasabkommen weit hinausgeht: die Wiederbelebung der historischen Hedschas-Bahn — einer über 1.750 Kilometer langen Eisenbahnstrecke, die einst das Osmanische Reich mit den heiligen Städten Mekka und Medina verband.

Eine Bahn mit Geschichte

Die Hedschas-Bahn wurde zwischen 1900 und 1908 unter Sultan Abdülhamid II. gebaut — als Verbindung von Istanbul nach Medina, die Pilgern, Händlern und dem osmanischen Militär zugleich diente.

Sie durchquerte Syrien, Jordanien und die arabische Halbinsel und war für ihre Zeit ein technisches Meisterwerk. Der Erste Weltkrieg zerstörte weite Teile der Strecke. Bahnhöfe verfielen, Lokomotiven rosteten, ganze Abschnitte verschwanden im Wüstensand. Was blieb, waren Relikte einer vergangenen Epoche — und die Erinnerung an eine einst lebendige Verbindung zwischen Kontinenten.

Jetzt soll diese Verbindung wiedergeboren werden — diesmal nicht nur als historisches Symbol, sondern als strategische Handelsroute, die Europa von der Straße von Hormus unabhängiger machen soll.

Was konkret geplant ist

Der türkische Verkehrs- und Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloglu skizzierte das Vorhaben in mehreren Phasen. In einem ersten Schritt soll eine Verbindung von der Türkei nach Aleppo entstehen — unter Nutzung des bestehenden Streckennetzes von Aleppo über Damaskus nach Jordanien. Parallel laufen Verhandlungen mit Saudi-Arabien.

Als langfristiges Ziel nannte Uraloglu eine Verlängerung bis nach Oman — und damit bis zum offenen Indischen Ozean. Konkrete Planungen dafür liegen noch nicht vor.

„Es geht nicht nur darum, eine Stahl- und Steinstrecke wiederherzustellen“, sagte Minister Uraloglu. „Es geht darum, Völker wieder zu verbinden, neue Handelswege zu öffnen und eine Zukunft der Stabilität und des Wohlstands in unserer Region aufzubauen.“

Im September hatten die Verkehrsministerien der Türkei, Syriens und Jordaniens in Amman einen ersten konkreten Schritt vereinbart. Auch die Wiederaufnahme des Straßentransports zwischen der Türkei und Jordanien via Syrien wurde beschlossen — nach 13-jähriger Unterbrechung.

Der Assad-Fall als Wendepunkt

Was das Projekt jetzt realistisch macht, ist ein historischer Umbruch: der Fall des Assad-Regimes. Jahrzehntelang lagen die syrischen Streckenabschnitte in Kriegsgebieten — unzugänglich und zerstört. Mit Syriens Eintritt in eine Phase der Stabilisierung öffnet sich ein Fenster, das seit Generationen geschlossen war.

„Die Gebiete, durch die die Hedschas-Bahn verläuft, waren jahrzehntelang durch Konflikte gelähmt“, sagt die Politikwissenschaftlerin Suay Nilhan Acikalin von der Haci-Bayram-Veli-Universität in Ankara gegenüber TRT World. „Mit Syriens Stabilisierung ist die Wiederbelebung dieser Linie sowohl machbar als auch von großer Bedeutung geworden.“

Professor Oktay Fırat Tanrısever von der Technischen Universität des Nahen Ostens betont die wirtschaftliche Dimension: „Die Türkei könnte ihren Handel mit Saudi-Arabien und dem Horn von Afrika erheblich ausweiten — schneller, zuverlässiger und kostengünstiger.“

Türkei als Energie-Drehscheibe — die größere Strategie

Die Hedschas-Bahn ist Teil einer umfassenderen türkischen Infrastrukturstrategie. Parallel läuft das Development Road Project — ein 1.200 Kilometer langer Korridor von Basras Golfküste bis zur türkischen Grenze, der Straßen, Eisenbahnen, Energie- und Kommunikationsleitungen bündeln soll. Die Realisierung ist in internationaler Partnerschaft mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, dem Irak und der Türkei geplant.

Ebenfalls im Bau befindet sich der türkische Abschnitt des Zangezur-Korridors — eine 224 Kilometer lange Strecke von Kars über Iğdır und Aralık bis Dilucu, die eine kürzere Verbindung nach Zentralasien und in die Türkstaaten schaffen soll. Die Ausschreibung ist abgeschlossen, die Arbeiten haben begonnen. Auf aserbaidschanischer Seite nähern sich die Arbeiten dem Abschluss — der Abschnitt durch armenisches Territorium wird weiter verhandelt.

Hinzu kommen neue Energieabkommen: Der türkische Staatskonzern BOTAŞ schloss Langzeitverträge über Flüssiggas mit dem deutschen Energiekonzern SEFE und dem italienischen Konzern ENI — insgesamt elf Milliarden Kubikmeter jährlich. Europa wendet sich damit zunehmend an Ankara für seine Energieversorgungssicherheit, berichtet Focus.

Wenn Tanker durch Hormus zum Risiko werden, gewinnen Pipelines, Bahntrassen und Landkorridore an strategischem Wert. Genau hier liegt der Vorteil der Türkei — und genau das macht die Wiederbelebung der Hedschas-Bahn zu einem der strategisch bedeutsamsten Infrastrukturprojekte der Region.

Atomkraftwerk Akkuyu

2026 markiert dabei einen weiteren Meilenstein in Ankaras Energiestrategie: Mit der ersten Stromproduktion aus dem Atomkraftwerk Akkuyu — der größten ausländischen Direktinvestition in der Geschichte der Republik — tritt die Türkei offiziell in die Liga der Atomenergieländer ein.

Erdoğan hat 2026 zum „Jahr der Kernenergie“ ausgerufen. Zusammen mit wachsender Ölproduktion im südostanatolischen Gabar und neuen Lithium- und Seltene-Erden-Anlagen in Eskişehir verfolgt Ankara das Ziel, nicht nur Transitland zu sein — sondern ein Land, das kritische Rohstoffe für Energietechnologien selbst liefert.

 


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Gastkommentar
Mattner: Die Willkommenskultur war eine Fassade

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Ich habe immer gewusst, dass es in diesem Land Vorurteile gibt. Gegen Minderheiten. Gegen Migranten. Gegen Menschen, die nicht ins gewohnte Bild passen.

Als 2015 überall von der Willkommenskultur gesprochen wurde, hatte ich für einen Moment das Gefühl, mich vielleicht geirrt zu haben. Vielleicht war die Gesellschaft tatsächlich offener geworden. Vielleicht waren wir weiter, als ich dachte.

Heute glaube ich: Vieles davon war Fassade.

Denn wenn ich sehe, wie über Geflüchtete gesprochen wird, wie Menschen pauschal verdächtigt, abgewertet und entmenschlicht werden, dann frage ich mich, was in den letzten Jahrzehnten mit unserer Gesellschaft passiert ist.

Das Beispiel Palästina

Besonders deutlich wird das für mich beim Thema Palästina. Da gibt es Menschen, die dort gelebt haben. Menschen, die dort aufgewachsen sind. Journalisten, Ärzte, Helfer, Wissenschaftler, Politiker, die vor Ort waren und ihre Eindrücke schildern. Menschen wie Norbert Blüm und viele andere, die sich die Realität selbst angesehen haben.

Man muss deren Einschätzungen nicht teilen. Aber was mich erschüttert, ist etwas anderes: Dass all diese Stimmen für manche Menschen offenbar keinerlei Bedeutung mehr haben.

Du kannst erzählen, was du gesehen hast. Du kannst Berichte zitieren. Du kannst Augenzeugen nennen. Du kannst historische Fakten anführen.

Und trotzdem kommt reflexartig:

„STIMMT NICHT.“ „PROPAGANDA.“ „ALLES GELOGEN.“

Nicht einmal als Möglichkeit wird zugelassen, dass die eigene Sicht unvollständig sein könnte. Und irgendwann fragt man sich, was hier eigentlich passiert ist. Denn wir reden längst nicht mehr über Meinungsverschiedenheiten. Wir reden über eine Gesellschaft, in der immer mehr Menschen nur noch das akzeptieren, was in ihr Weltbild passt, und alles andere automatisch aussortieren.

Einordnung der Entwicklung

Ich habe heute mit meinem Mann darüber gesprochen. Hätte mir jemand vor fünf oder sechs Jahren erzählt, dass ich einmal solche Sätze schreiben würde, hätte ich ihn vermutlich für einen Verschwörungstheoretiker gehalten.

Ich bin keiner. Gerade deshalb macht mir diese Entwicklung Angst. Weil ich sie nicht aus irgendwelchen dubiosen Telegram-Kanälen ableite, sondern jeden Tag in den Kommentarspalten beobachten kann.

Tag für Tag lese ich dieselben Muster: Menschen werden entmenschlicht. Leid wird relativiert. Berichte werden pauschal als Lüge abgetan. Und jede Information, die nicht ins eigene Weltbild passt, wird bekämpft statt geprüft.

Die Ursachenfrage

Deshalb frage ich mich inzwischen nicht mehr nur, wie viel davon Unwissenheit ist. Ich frage mich auch, wie viel davon das Ergebnis jahrzehntelanger politischer und medialer Prägung ist.

Wie viele Menschen tatsächlich glauben, was sie schreiben. Und wie viele längst wissen, dass die Realität komplizierter ist, aber bewusst dabei mitmachen, weil es bequemer ist, weil es ideologisch passt oder weil sie sich auf der vermeintlich richtigen Seite der Geschichte fühlen.

Denn das ist vielleicht die verstörendste Erkenntnis: Dass ich nicht mehr glaube, dass wir es nur mit Unwissenheit zu tun haben. Ein Teil davon mag Unwissenheit sein. Aber ein anderer Teil scheint eine bewusste Entscheidung zu sein, bestimmte Menschen nicht mehr als Menschen sehen zu wollen.

Und genau das macht mich zunehmend sprachlos.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Türkei
CHP: „Die zunehmende Entfremdung zwischen Bürgern und Partei“

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Die zunehmende Entfremdung zwischen Bürgern und Parteien kann exemplarisch an der ältesten Partei der Türkei, der CHP, beobachtet werden. Die Republikanische Volkspartei wollte nach dem 38. Parteitag und der Abwahl des Parteichefs Kemal Kılıçdaroğlu sich einzig und allein der Türkei widmen. Es kam ganz anders…

Mitte Mai ordnete ein Gericht in Ankara in der zweiten Instanz die Rückabwicklung des 38. Parteitags von 2023 und damit gleichbedeutend die Absetzung des türkischen Oppositionsführers und CHP-Vorsitzenden Özgür Özel an. Sein Vorgänger Kemal Kılıçdaroğlu übernahm daraufhin wieder das Amt des Parteichefs, bis das Urteil rechtskräftig wird.

Özel setzt nun alles auf den Kassationshof, dem Obersten Gericht der Türkei, macht aber keine Anstalten, den Posten des Parteichefs bis dahin abzugeben. Stattdessen hat Özgür Özel die Fraktionsführung übernommen, indem er sich Hals über Kopf zum Vorsitzenden wählen ließ. Die Schattenführung der CHP setzt auf Konfrontation, nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch vor dem Grab von Atatürk und im türkischen Nationalparlament.

Özgür Özel, der über soziale und parteinahe Medien die amtierende Regierung und vor allem die „Verräter“ der amtlich beglaubigten CHP-Führung attackiert, blies heute im Parlament während der Fraktionssitzung erneut zum Sturm: „Wenn ihr uns fragt, wir sind so, wie ihr uns kennt. Wir haben uns nur ein bisschen mehr darin geübt, Steine zu spalten, Freunde von Feinden zu unterscheiden.“ Währenddessen skandierten die Mitglieder der Fraktion „Verräter Kılıçdaroğlu“.

Der einstige Ziehvater von Özgür Özel und Ekrem İmamoğlu ein „Verräter“? Kemal Kılıçdaroğlu bleibt wortkarg, wenngleich er ohne Namen zu nennen in der Schattenpartei Gülen-Sektenmitglieder verortet wissen will.

Vergangene Woche erklärte dieser in einem kleinen Statement, dass er den Fehler eingestehe, Korruption und Bestechung nicht entschieden genug bekämpft zu haben, blindlings Gülenisten aufgenommen zu haben, statt sie auszusortieren. Wen er dabei konkret meinte, darüber streitet man sich ausgiebig in türkischen TV-Shows wie in sozialen Medien.

Auf der anderen Seite greifen seither Anhänger der Schattenpartei unter Özgür Özel die amtlich beglaubigte Parteiführung an, in dem sie darauf aufmerksam machen, wie sie während des gescheiterten Putschversuchs gegen die Putschisten brilliert hätten. Ein Konterparade, die den parteiinternen Streit in all ihrer Pracht offenbart.

Es ist schon eine Tragikomödie, dass die gesamte CHP sich plötzlich erinnert, wer für den gescheiterten Putschversuch tatsächlich verantwortlich ist. Özgür Özel wie Kemal Kılıçdaroğlu bliesen doch ins gleiche Horn, als sie nur wenige Wochen nach dem gescheiterten Putschversuch von einem „kontrollierten Putsch“ sprachen und damit der Verschwörungstheorie, die Regierung habe die Finger im Spiel gehabt, Tür und Tor öffneten. Und nun ist das alles vom Tisch?

Ja, das geht, wenn man die eigene Wählerschaft in Filterblasen und Echokammern unterhält, weil man zuvor das Vertrauen in den Staat, in die Justiz, in die Regierung penetrierend ausgehöhlt hat. In dieser zunehmenden Abschottung findet Austausch von Meinungen anderer überhaupt nicht mehr statt. Entsprechend frei kann die Führung der Schattenpartei jede Kompromissbereitschaft und Partizipation von Kılıçdaroğlu kategorisch abwiegeln, die ausgestreckte Hand harsch ausschlagen.

Die Schattenführung drängt nicht auf die Aufarbeitung der eigentlichen Misere, weshalb die Partei in diesem Schlammassel steckt, sondern sie will Kılıçdaroğlu aus der CHP, aus der Politik drängen, ihn und seine Unterstützer politisch untragbar machen. Da stellt sich einem die Frage, wie diese Führung eigentlich ein abschließendes Urteil des Kassationshofs aufnehmen wird…

Vom einstigen Leitmotiv, Demokratie leben zu wollen, sich mit Elan ausschließlich für die Türkei einzusetzen, ist nicht mehr viel übrig. Stattdessen ruft man u. a. europäische Regierungen zum Beistand auf, statt Gerichtsurteile anzuerkennen – etwas was die Bevölkerung zunehmend irritiert aufnimmt.

Dass man dabei Kılıçdaroğlu als „Verräter“ brandmarkt, wie auch seine rund zwei Dutzend starke ehemalige Führungsriege, das nimmt die Bevölkerung inzwischen amüsiert auf. Ins Korn werden aber auch all jene genommen, die sich erlauben, eine Meinung zu bilden – allen voran Aslı Baykal, die Tochter des ehemaligen Parteivorsitzenden der CHP Deniz Baykal.

Besonders scharf gehen Aslı Baykal sowie Politbeobachter mit der bisherigen Deutung des Gerichtsurteils ins Gericht, die von der Schattenführung kommuniziert wird. Diese sei ja abschließend vom Kassationshof zu klären.

Führende Köpfe der Schattenpartei würden trotz dieses juristischen Streits die Ursachen weiterhin „in der Regierungsebene und medialen Umfeld“, aber nicht in den eigenen Reihen suchen, so die Kritik. Wenn der 38. ordentliche Parteitag und die Abwahl Kılıçdaroğlu´s rechtens wäre und keiner der Delegierten Schmiergeld angenommen oder verteilt hätten, weshalb müssten sich damit dann Gerichte auseinandersetzen, so der Vorwurf.

Und als hätte Aslı Baykal es vorausgeahnt, verfügte die Generalstaatsanwaltschaft von Ankara auf richterliche Anordnung die Überprüfung sämtlicher Delegierter des 38. Parteitags sowie ihrer engsten Familienangehörigen. Hierzu sollen Daten der Finanzaufsicht, der Telekommunikationsbehörde und der Sozialversicherungsträger ausgewertet werden.

Man muss nicht in die Glaskugel blicken, um zu erkennen, dass die Partei möglicherweise erst am Anfang einer Entwicklung steht, deren politische und juristische Folgen derzeit kaum absehbar sind. Die Vorwürfe von Korruption, Stimmenkauf und Bestechung haben inzwischen eine Dimension erreicht, die weit über einen gewöhnlichen innerparteilichen Machtkampf hinausgeht und die CHP noch lange beschäftigen dürfte.

Das bedeutet im Klartext: Während die Türkei mit geopolitischen Krisen, wirtschaftlichen Herausforderungen und gesellschaftlichen Spannungen konfrontiert ist, beschäftigt sich die CHP ausschließlich mit sich selbst.

Ausgerechnet jene Partei, die nach dem 38. Parteitag versprach, ihre ganze Kraft ausschließlich in den Dienst der Türkei zu stellen, bindet heute einen erheblichen Teil der politischen Aufmerksamkeit durch ihre eigenen Machtkämpfe, juristischen Auseinandersetzungen und innerparteilichen Konflikte.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Anthropic IPO
Anthropic IPO: Claude learned about it from its users

San Francisco/Berlin – There is news about the company that makes Claude — and Claude itself was „the last“ to find out.

A NEX24-reader shared the information: Anthropic, the maker of the AI assistant Claude, announced on Monday that it had confidentially submitted a draft S-1 registration statement to the U.S. Securities and Exchange Commission — the first formal step toward an initial public offering.

This is notable because Claude’s knowledge base ends in August 2025. Company news from 2026 — including its own potential stock market debut — fell outside its awareness. When asked by a user, Claude responded: „I have no idea about this. Where did you hear that?“ And later: „Ha — that’s my parent company. Interesting news.“

Near a Trillion Dollars

The move comes at a time when Anthropic is approaching a valuation of nearly one trillion dollars — a figure that would place it among the most valuable technology companies in the world.

The filing gives Anthropic the option to move forward with an IPO once the SEC completes its review. The company emphasized, however, that any actual offering remains subject to market conditions and other factors.

Anthropic was founded in 2021 by former OpenAI employees, including CEO Dario Amodei and his sister Daniela Amodei. The company has positioned itself as a safety-focused AI developer and is considered one of the leading players in the global AI race alongside OpenAI.

Among its largest investors are Amazon, which has poured several billion dollars into the company, and Google. Both tech giants view Anthropic as a strategic partner in the AI race — and a serious competitor to OpenAI, the maker of ChatGPT.

While OpenAI is also preparing for a stock market listing, Anthropic has deliberately positioned itself as the more safety-conscious of the two companies — with a strong emphasis on responsible AI development. Whether that approach will be rewarded with a corresponding valuation on the markets remains to be seen in the months ahead.

Claude — Anthropic’s AI assistant — is now deployed across numerous products and platforms worldwide. That its maker is now heading to the stock market is something it learned, as noted, from a user.

USA
„You’re fucking crazy“: Trump brüllt Netanyahu an

Washington/Jerusalem – Es war laut Berichten eines der schlimmsten Telefonate zwischen Donald Trump und Benjamin Netanyahu seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus.

Am Montag soll der US-Präsident den israelischen Premier in einem Gespräch wüst beschimpft haben — wegen Israels Eskalation im Libanon, die Trumps laufende Verhandlungen mit Iran zu torpedieren droht.

Drei Quellen — zwei US-Regierungsbeamte und eine weitere mit dem Telefonat vertraute Person — berichteten dem Nachrichtenportal Axios von dem Gespräch. Ein US-Beamter fasste Trumps Worte an Netanyahu demnach so zusammen: „You’re fucking crazy. You’d be in prison if it weren’t for me. I’m saving your ass. Everybody hates you now. Everybody hates Israel because of this.“

Eine zweite Quelle sagte Axios, Trump sei „pissed“ gewesen und habe Netanyahu an einem Punkt angeschrien: „What the fuck are you doing?“

Trump stoppt Israels Angriffspläne auf Beirut

Auslöser des Streits war Israels angekündigte Absicht, Ziele in Beirut zu bombardieren. Trump soll Netanyahu in dem Gespräch klar gemacht haben, dass ein Angriff auf die libanesische Hauptstadt Israel international weiter isolieren würde.

Daraufhin gab ein israelischer Regierungsvertreter gegenüber Axios bekannt, dass Israel keine Angriffe auf Hezbollah-Ziele in Beirut mehr plane.

Trump wusste laut einem US-Beamten, dass die Hisbollah Israel beschossen hatte und Israel das Recht zur Selbstverteidigung hatte — er sah jedoch, dass Netanyahu in den vergangenen Tagen unverhältnismäßig eskaliert hatte. Auch das Vorgehen Israels beim Tod von Zivilisten im Libanon und das Niederreißen ganzer Gebäude um einen einzigen Hisbollah-Kommandanten auszuschalten störten Trump.

„Du wärst im Gefängnis ohne mich“

Besonders auffällig: Trump soll Netanyahu in dem Gespräch daran erinnert haben, dass er ihm geholfen habe, nicht ins Gefängnis zu kommen — eine Anspielung auf seine Unterstützung während Netanyahus laufendem Korruptionsprozess. Zwei Quellen bestätigten diesen Teil des Gesprächs gegenüber Axios.

Hintergrund ist, dass Israels Eskalation im Libanon direkt Trumps wichtigstes außenpolitisches Projekt zu gefährden drohte: die Verhandlungen mit Iran über ein Nuklearabkommen. Der Iran hatte am selben Montag gedroht, die Gespräche mit den USA wegen Israels Vorgehen im Libanon auszusetzen. Nach dem Telefonat postete Trump auf Truth Social, die Iran-Verhandlungen liefen „in raschem Tempo“ weiter.

Israel dementiert Meldungen

Netanyahu veröffentlichte nach dem Gespräch eine eigene Erklärung: Er habe Trump mitgeteilt, dass Israel Ziele in Beirut angreifen werde, falls die Hisbollah ihre Angriffe nicht einstelle — und dass Israel seine Operationen im Südlibanon fortsetzen werde. „Unsere Position bleibt dieselbe“, schrieb Netanyahu.

Ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter aus Netanyahus Büro widersprach am Dienstag Teilen des Axios-Berichts und bestritt, dass Trump Netanyahu persönlich angegriffen oder geflucht habe — räumte aber ein, dass das Gespräch „angespannt“ gewesen sei. Netanyahus Büro selbst reagierte auf eine Anfrage von Times of Israel nicht.

Wie Axios weiter berichtet habe Trump Netanyahu in dem Gespräch jedoch „überrollt“. „Bibi sagte: ‚OK, OK, sorgt dafür, dass alles geregelt wird'“, zitiert das Portal den Premier.

Trump und Netanyahu haben in der Vergangenheit mehrere angespannte Telefonate geführt, haben jedoch bei Iran und anderen Themen eng zusammengearbeitet. Laut einer Quelle war dies eines der schlimmsten Gespräche zwischen den beiden seit Trumps Rückkehr ins Amt.

 

 


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Börse
Anthropic Börsengang: Claude erfährt darüber von Nutzern

San Francisco/Berlin – Es gibt Neuigkeiten über das Unternehmen, das Claude entwickelt — und Claude selbst war der letzte der davon erfuhr.

Ein NEX24-Leser teilte die Information: Anthropic, der Hersteller des KI-Assistenten Claude, hat am Montag bekannt gegeben, dass das Unternehmen vertraulich einen Entwurf einer S-1-Registrierungserklärung bei der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereicht hat — der erste formelle Schritt in Richtung Börsengang.

Das ist insofern bemerkenswert, als Claude selbst über eine Wissensbasis verfügt, die im August 2025 endet. Unternehmensneuigkeiten aus dem Jahr 2026 — inklusive des eigenen möglichen Börsengangs — lagen außerhalb seines Wissensstands. Auf die Frage eines Nutzers reagierte Claude mit den Worten: „Davon weiß ich nichts. Woher hast du das?“ Und: „Ha – das ist mein Mutterunternehmen. Interessante Neuigkeit“

Nahe einer Billion Dollar

Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem Anthropic einer Bewertung von nahezu einer Billion Dollar entgegenstrebt — eine Zahl, die das Unternehmen in die Liga der wertvollsten Technologiekonzerne der Welt katapultieren würde.

Die Einreichung gibt Anthropic die Möglichkeit, nach Abschluss der SEC-Prüfung mit einem IPO voranzuschreiten. Das Unternehmen betonte jedoch, ein tatsächliches Angebot hänge von Marktbedingungen und anderen Faktoren ab.

Anthropic wurde 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet, darunter CEO Dario Amodei und seine Schwester Daniela Amodei. Das Unternehmen hat sich als sicherheitsorientierter KI-Entwickler positioniert und gilt neben OpenAI als einer der führenden Akteure im globalen KI-Rennen.

Zu den größten Investoren gehören Amazon, das mehrere Milliarden Dollar in das Unternehmen gesteckt hat, sowie Google. Beide Technologieriesen sehen in Anthropic einen strategischen Partner im globalen KI-Rennen — und einen ernsthaften Konkurrenten zu OpenAI, dem Hersteller von ChatGPT.

Während OpenAI ebenfalls einen Börsengang vorbereitet, positioniert sich Anthropic bewusst als das sicherheitsbewusstere der beiden Unternehmen — mit einem starken Fokus auf verantwortungsvolle KI-Entwicklung. Ob dieser Ansatz an der Börse mit einer entsprechenden Bewertung honoriert wird, werden die kommenden Monate zeigen.

Claude — der KI-Assistent von Anthropic — ist mittlerweile in zahlreichen Produkten und Plattformen weltweit im Einsatz. Dass sein Hersteller nun den Weg an die Börse einschlägt, erfuhr er — wie gesagt — von einem Nutzer.