Türkei
Türkischer Schauspieler Kadir Inanir gestorben

Istanbul – Die türkische Kinowelt steht unter Schock: Der legendäre Schauspieler Kadir İnanır ist im Alter von 77 Jahren im Krankenhaus verstorben. Der unvergessene Star des Yeşilçam-Kinos erlag den Folgen einer schweren Lungenentzündung.

Der Ausnahmekünstler wurde am 14. Mai aufgrund gesundheitlicher Probleme ins Krankenhaus eingeliefert. Nach der Diagnose einer Lungenentzündung verschlechterte sich der Zustand des 77-Jährigen drastisch, woraufhin er am 21. Mai im Acıbadem-Fulya-Krankenhaus entubiert werden musste.

Trotz aller intensivmedizinischen Bemühungen verstarb der Schauspieler am heutigen Freitag an akutem Atemversagen. Besonders tragisch: Erst vor drei Tagen, am 23. Juni, war bereits seine ältere Schwester Altun Arıca in ihrer Heimatstadt Fatsa verstorben.

Beileid aus der Politik

Gesundheitsminister Kemal Memişoğlu drückte der Familie und der Kunstszene über die sozialen Netzwerke sein tiefes Beileid aus: „Mit großer Trauer habe ich vom Tod des Kinokünstlers Kadir İnanır erfahren. Ich wünsche ihm Gottes Gnade und seiner Familie, seinen Fans sowie unserer Kunstgemeinschaft mein herzliches Beileid.“

Eine Ikone des türkischen Kinos
Kadir İnanır wurde am 15. April 1949 in Ordu geboren. Nach seiner Schulzeit absolvierte er die Fakultät für Kommunikationswissenschaften (Abteilung Radio- und Fernsehen) an der Marmara-Universität. Seine Karriere begann nach dem Gewinn eines Fotoroman-Wettbewerbs im Jahr 1968.

Nach ersten kleinen Nebenrollen gelang ihm 1970 an der Seite von Türkan Şoray in dem Film „Kara Gözlüm“ unter der Regie von Atıf Yılmaz der große Durchbruch. Das Duo Şoray und İnanır prägte in den folgenden Jahrzehnten als absolutes Traumpaar das kollektive Gedächtnis des türkischen Kinos und machte İnanır zu einem der größten und einflussreichsten männlichen Hauptdarsteller des Landes.

 

Gewerkschaft
Nach fast 20 Jahren: IG Metall-Vorstand Urban tritt zurück

0

Frankfurt – Es ist ein Einschnitt für die Gewerkschaftsbewegung: Hans-Jürgen Urban, geschäftsführender Vorstand der IG Metall, zieht sich nach bald zwanzig Jahren von seinem Posten zurück und geht am 30. Juni in den Ruhestand – und das, obwohl er noch bis 2027 hätte weitermachen können.

„Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, noch zu bleiben. Aber der Kampf um die Zukunft des Sozialstaates, der Demokratie und der Gewerkschaften wird weit länger dauern als bis zu unserem Gewerkschaftstag 2027. Auf diesem hätte ich altersbedingt ohnehin nicht mehr kandidieren können“, sagte Urban der Frankfurter Rundschau (Samstagsausgabe).

Der Ausstieg biete seinem Nachfolger die Möglichkeit, an der Programmatik mitzuarbeiten, die dieser dann verantwortlich mitumzusetzen habe, erklärte der Soziologe, der bei der IG Metall verantwortlich ist für die Themen Sozialpolitik sowie Arbeitsgestaltung und Qualifizierungspolitik. Und weiter: „Ich werde in wenigen Tagen 65 Jahre alt und die Rente erst ab 67 habe ich nie akzeptiert.“

Die Reformpläne der Bundesregierung in Sachen Rente, Gesundheit und Arbeitszeit kritisierte Urban scharf. „Wir erleben ein eklatantes Strategieversagen von Politik und Unternehmern. In den Betrieben werden Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und andere Kompromisse infrage gestellt. Die Krise zulasten der abhängig Beschäftigten lösen zu wollen, ist keine Zukunftsstrategie“, sagte Urban. Notwendig seien neue umweltverträgliche Produkte und Produktionsverfahren, neue Märkte und Lieferketten. Was stattdessen geschehe, sei „ein Rückfall in aggressive Klassenpolitik gegen die Beschäftigten. Das wird scheitern“.

Die SPD forderte er auf, „sich klipp und klar“ an die Seite der abhängig Arbeitenden zu stellen. Es gehe darum, neue politische Mehrheiten zu erschließen und neue Perspektiven aufzuzeigen. Einen Bruch der Regierungskoalition lehnte Urban im Interview allerdings ab. „Einfach nur die Koalition zu beenden, wäre ein halsbrecherisches Risiko. Profitieren würde davon vermutlich der rechte Rand“, so der Gewerkschafter.

 

 

AUCH INTERESSANT

Israel-Politik: Wagenknecht wirft Deutschland Doppelmoral vor

Türkei-Besuch
Polnischer Präsident Nawrocki auf Türkisch: „Merhaba Asker!“

Ankara – Ein sympathischer Protokollbruch sorgt derzeit in den sozialen Netzwerken für Begeisterung: Beim offiziellen Staatsbesuch in Ankara begrüßte der polnische Präsident Karol Nawrocki die türkische Ehrenwache auf Türkisch.

Was wie ein moderner Social-Media-Hit wirkt, ist in Wahrheit Ausdruck einer tiefen, über sechs Jahrhunderte alten Verbindung zwischen beiden Nationen. Neben neuen milliardenschweren Wirtschaftszielen stand vor allem eine historisch beispiellose Solidarität im Mittelpunkt.

Es war der Moment des zweitägigen Staatsbesuchs, der sofort viral ging: Als der polnische Präsident Karol Nawrocki vom 23. bis 24. Juni 2026 in der türkischen Hauptstadt empfangen wurde, schritt er traditionell die Front der Ehrengarde ab.

Doch statt der üblichen Übersetzung rief Nawrocki der Presidential Guard mit kräftiger Stimme ein fehlerfreies „Merhaba Asker“ entgegen – zu Deutsch: „Hallo Soldaten“. Die sichtlich erfreute Reaktion der Soldaten und die anschließende Dynamik in den Netzwerken zeigten sofort, dass dieser Besuch weit über die übliche, steife Staatsdiplomatie hinausging.

Zuvor war Nawrocki mit einer feierlichen Zeremonie am Präsidentschaftskomplex empfangen worden, eskortiert von Kavallerie-Einheiten und begleitet von den Nationalhymnen beider Länder sowie 21 Ehrensalutschüssen. Neben den aktuellen politischen Delegationen waren auch Soldaten in historischen Uniformen vertreten, die symbolisch für die 16 historischen türkischen Staaten standen.

Neue wirtschaftliche Horizonte und die NATO-Allianz

Hinter den herzlichen Bildern stecken jedoch handfeste geopolitische und wirtschaftliche Interessen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan zog eine äußerst positive Bilanz der bisherigen Zusammenarbeit.

Nachdem das ursprünglich gesetzte Ziel von 10 Milliarden Dollar Handelsvolumen erfolgreich geknackt wurde, vereinbarten beide Staatschefs nun eine neue Zielmarke von 15 Milliarden Dollar. Insbesondere polnische Investitionen in der Türkei und das Engagement türkischer Bauunternehmer in Polen – die dort aktuell Projekte im Wert von rund 9 Milliarden Dollar umsetzen – bilden das Fundament dieser Partnerschaft.

Darüber hinaus wollen beide Länder im Rahmen der sogenannten „Drei-Meere-Initiative“, einer strategischen Infrastruktur-Plattform im Bereich Transport und Energie, noch enger kooperieren. Als zwei der wichtigsten Säulen der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur betonten die beiden NATO-Partner zudem die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie massiv zu stärken.

Neben dem Ukraine-Krieg und regionalen Sicherheitsfragen sprach Erdoğan auch die Lage im Nahen Osten an und betonte die Erwartung, dass Polen seine Unterstützung für eine dauerhafte Zweistaatenlösung und die Anerkennung eines palästinensischen Staates fortsetzt.

Als Polen von der Landkarte verschwand: Die unerschütterliche Treue des Sultans

Was in Westeuropa heute kaum jemand weiß: Die Fundamente für dieses tiefe Vertrauen wurden bereits vor Jahrhunderten gelegt. Die Türkei und Polen blicken auf eine der beständigsten diplomatischen Freundschaften der Weltgeschichte zurück.

Als Polen am Ende des 18. Jahrhunderts durch die absolutistischen Monarchien Russland, Preußen und Österreich dreimal aufgeteilt und schließlich komplett von der Landkarte ausradiert wurde, zeigte das Osmanische Reich eine historisch beispiellose Haltung: Die osmanischen Sultane waren die einzige Großmacht der damaligen Welt, welche die völkerrechtswidrige Aufteilung Polens niemals anerkannten.

Die Osmanen lehnten die imperiale russische Einflussnahme in Polen strikt ab und gingen sogar so weit, dem Russischen Zarenreich den Krieg zu erklären, um sich aktiv mit den polnischen Freiheitskämpfern und dem aufständischen Adel zu solidarisieren.

Aus dieser Zeit stammt auch eine legendäre diplomatische Anekdote: Bei offiziellen Empfängen im Sultanspalast zu Istanbul wurden die ausländischen Diplomaten einzeln ausgerufen. Kam die Reihe an Polen, blieb der Platz leer, und der osmanische Protokollchef rief laut in den Saal: „Der Gesandte aus Polen ist noch nicht eingetroffen.“ Damit signalisierte das Reich der gesamten Welt, dass Polen für die Osmanen weiterhin als freie Nation existierte.

Ein polnischer Freiheitsheld wird zum osmanischen Pascha

Diese tiefe Verbundenheit führte dazu, dass das Osmanische Reich im 19. Jahrhundert zu einem sicheren Hafen für Tausende polnische Flüchtlinge, Intellektuelle und Militärs wurde. Das faszinierendste Beispiel für diese Schicksalsgemeinschaft ist die Lebensgeschichte von General Józef Zachariasz Bem.

Geboren 1794 im polnischen Tarnów, kämpfte Bem zunächst im napoleonischen Russlandfeldzug und später als gefeierter Kommandant im polnischen Novemberaufstand von 1830 gegen die russische Besatzung. Als 1848 die ungarische Revolution gegen die Habsburger ausbrach, stellte er sich erneut in den Dienst der Freiheit und wurde zu einem der fähigsten Generäle der Revolutionsarmee.

Nach der blutigen Niederschlagung der Revolution durch österreichische und russische Truppen war Bem im eigenen Land des Todes. Er floh ins Osmanische Reich, wo ihm der Sultan sofort Asyl und Schutz vor der Auslieferung gewährte. Bem konvertierte zum Islam, nahm den Namen Murad Tevfik Pascha an und stieg in der osmanischen Armee schnell zum General auf.

Schließlich wurde er zum Gouverneur von Aleppo im heutigen Syrien ernannt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1850 modernisierte er die dortigen Verteidigungsanlagen und schützte die Region erfolgreich vor Aufständen – ein polnischer Nationalheld, der als osmanischer Pascha bleibende Spuren hinterließ.

Das virale „Merhaba Asker“ von Präsident Nawrocki in Ankara war somit weit mehr als eine gelungene PR-Aktion. Es war eine direkte Hommage an eine Jahrhunderte alte Brücke zwischen Istanbul und Warschau, die bis heute trägt.

 

 

AUCH INTERESSANT

NYC-Bürgermeister Zohran Mamdani erneuert scharfe Kritik an pro-israelischer Lobby AIPAC

Naher Osten
Israel: Abgeordneter Gideon Sa’ar fordert Anerkennung des „Völkermords an den Armeniern“

0

Tel Aviv – Inmitten einer historischen Annäherung zwischen der Türkei und Armenien sorgt ein politischer Vorstoß aus Israel für erhebliche Diskussionen. Der israelische Abgeordnete Gideon Sa’ar hat angekündigt, eine Resolution zur offiziellen Anerkennung der Ereignisse von 1915 als Völkermord auf den Weg zu bringen. Beobachter werfen der israelischen Politik jedoch vor, das Thema als strategische Waffe zu missbrauchen.

Auf der Plattform X gab Sa’ar seine Pläne bekannt: „Ich werde der israelischen Regierung bei ihrer nächsten Sitzung einen Resolutionsentwurf zur offiziellen Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch die israelische Regierung vorlegen“, schrieb der Abgeordnete.

Die Anerkennung der Geschehnisse in den letzten Jahren des Osmanischen Reiches sei sowohl eine „moralische als auch eine historische Pflicht“. Zudem müsse jede Leugnung, Verharmlosung oder Verfälschung der historischen Wahrheit entschieden verurteilt werden. Nach der Beratung im Kabinett soll die Resolution der Knesset zur Abstimmung vorgelegt werden.

Zweifel an der Aufrichtigkeit und scharfe Kritik

Internationale Beobachter und Analysten bezweifeln jedoch die Aufrichtigkeit des Zeitpunkts. Kritiker sehen darin weniger ein echtes moralisches Anliegen als vielmehr den Versuch, geopolitischen Druck auszuüben.

Der armenisch-stämmige US-Journalist Stephan Pechdimaldji brachte das Misstrauen auf X direkt auf den Punkt:

„Tun Sie dies, weil Sie wirklich daran glauben, oder ist dies nur der jüngste Versuch, den armenischen Völkermord als geopolitischen Fußball zu nutzen? Ein Völkermord ist kein Nullsummenspiel.“

In den sozialen Netzwerken löste die Ankündigung zudem eine Welle von Gegenreaktionen aus. Zahlreiche Nutzer warfen Israel Doppelmoral vor und verwiesen auf die aktuellen militärischen Handlungen im Gazastreifen. Zudem erinnerten viele Kommentatoren an die jüngere Geschichte: Im aserbaidschanisch-armenischen Krieg um Bergkarabach im Jahr 2020 gehörte Israel zu den wichtigsten Waffenlieferanten Aserbaidschans und unterstützte damit direkt die Gegenseite Armeniens.

Historische Wiederannäherung im Südkaukasus

Dass der israelische Vorstoß gerade jetzt erfolgt, kommt nicht von ungefähr. Die Region Südkaukasus erlebt derzeit eine diplomatische Dynamik, die noch vor wenigen Jahren als völlig undenkbar galt. Erst Anfang Juni festigte der armenische Premierminister Nikol Paschinjan seine Position durch einen Wahlsieg bei den Parlamentswahlen und treibt den historischen Friedenskurs im Land weiter voran.

Bereits im August 2025 hatten Armenien und Aserbaidschan unter Vermittlung der USA ein umfassendes Friedensabkommen im Weißen Haus unterzeichnet. Seither läuft die Normalisierung auf Hochtouren: Die direkten Flugverbindungen zwischen Eriwan und Istanbul wurden wieder aufgenommen. Im Juni 2025 reiste Paschinjan zudem auf offizielle Einladung nach Istanbul, um den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu treffen – ein symbolträchtiges Treffen, das den Wandel in den bilateralen Beziehungen markierte.

Medienberichten zufolge steht die seit über drei Jahrzehnten geschlossene armenisch-türkische Grenze vor der Wiedereröffnung. Geplant ist unter anderem eine umfassende Eisenbahnverbindung zwischen Armenien, Aserbaidschan und der Türkei, die bis nach Europa führen und gleichzeitig China sowie Zentralasien mit dem Mittelmeer verbinden soll. Die seit 1993 stillgelegte Bahnstrecke zwischen dem türkischen Kars und dem armenischen Gümrü soll dafür wiederbelebt werden. Erst im April 2026 trafen sich Vertreter beider Länder in Kars zu konkreten technischen Verhandlungen.

„Bergkarabach gehörte nie uns“

Diese weitreichende Annäherung hatte Paschinjan im Vorfeld des Urnengangs mit einer Aussage untermauert, die im eigenen Land für heftige politische Debatten sorgte. Bei einer Wahlkampfveranstaltung bezeichnete er die historische Bewegung zur schrittweisen Vereinigung Karabachs mit Armenien überraschend als einen „fatalen Fehler“ und erklärte unmissverständlich: „Es war nicht unseres, es war nicht unseres.“

Kritiker und die politische Opposition im Inland reagierten mit Empörung und nannten den Regierungschef daraufhin einen Verräter. Eduard Scharmasanow von der Republikanischen Partei konfrontierte Paschinjan direkt mit der harten Frage: „Wenn Karabach nicht unseres war – warum hast du dann 5.000 unserer Söhne geopfert?“

Paschinjan ließ sich von diesem Gegenwind jedoch nicht beirren, und die armenischen Wähler haben ihm mit der Wiederwahl nun ein klares Mandat für seinen pragmatischen Kurs erteilt.

Russland verliert an Einfluss – Europa gewinnt

Paschinjans Erfolg an den Wahlurnen signalisiert gleichzeitig eine tektonische Verschiebung im traditionellen russischen Einflussbereich. Sein engster Konkurrent bei der Wahl war der pro-russische, armenisch-russische Oligarch Samvel Karapetyan, dessen Partei „Strong Armenia“ laut den vorliegenden Teilergebnissen auf rund 23,5 Prozent der Stimmen kam und damit deutlich unterlag.

Armenien hatte bereits im Jahr 2024 sein langjähriges Militärbündnis mit Russland ausgesetzt, woraufhin Moskau mit empfindlichen wirtschaftlichen Restriktionen und unverhohlenen Drohungen reagierte. Russlands Präsident Wladimir Putin warnte Eriwan zuletzt eindringlich davor, dass der eingeschlagene Kurs in Richtung einer EU-Annäherung geradewegs zu einem „Ukraine-Szenario“ führen könnte.

Aus dem Westen hingegen gab es umgehend Rückendeckung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gratulierte Paschinjan nach dem Wahlsieg via X: „Der Geist der Samtenen Revolution, die Sie 2018 anführten, ist lebendig.“

Sie fügte hinzu: „Wir schätzen unsere Partnerschaft mit einem demokratischen Armenien, das sich immer mehr Europa annähert. Armenien kann auf uns zählen.“ Auch US-Präsident Donald Trump hatte Paschinjan bereits vor der Wahl öffentlich seine Unterstützung ausgesprochen – ein für Washington ungewöhnlicher Schritt, der die enorme geopolitische Bedeutung dieser Wahl einmal mehr unterstrich.

Ein delikater Balanceakt für Eriwan

Trotz der Euphorie im Westen warnen armenische Analysten vor zu einfachen, voreiligen Schlussfolgerungen. Richard Giragosian vom renommierten Regional Studies Centre in Eriwan erwartet beispielsweise, dass Paschinjan trotz seines pro-westlichen Kurses nach der Wahl zunächst nach Moskau reisen wird. Ziel sei es, Russland zu versichern, dass Armenien der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) weiterhin fest verbunden bleibt.

„Das hier ist nicht einfach ein klares EU gegen Russland – das ist vielmehr Armeniens delikater und hochkomplexer Balanceakt“, betont der Analyst mit Blick auf die künftige Außenpolitik des Landes.

AUCH INTERESSANT

Paschinjan: Bergkarabach gehörte nie uns

Gastkommentar
Pinkwashing: Die Regenbogenfahne als Feigenblatt

Ein Gastkommentar von Aras Karasun

Falls sich jemand wundert, warum die israelische Fahne erstaunlich häufig, beinahe ausschließlich gemeinsam mit der Regenbogenfahne auftaucht:

Dafür gibt es tatsächlich einen Begriff: Pinkwashing

Ähnlich wie beim „Greenwashing“ beschreibt der Begriff den Versuch von Staaten, Unternehmen oder Institutionen, durch die Betonung positiver Themen ihr Image aufzuwerten und von anderen, kontroversen Themen abzulenken.

Israel gilt als eines der bekanntesten, auffälligsten Beispiele für diesen Vorwurf. Die internationale Vermarktung von Tel Aviv als LGBTQ+-freundliche Metropole, Pride-Paraden und die gesteuerte sehr starke Sichtbarkeit der Regenbogenfahne werden von vielen Beobachtern nicht nur als Ausdruck gesellschaftlicher Offenheit gesehen. Kritisiert wird vielmehr, dass dieses progressive Image gleichzeitig dazu genutzt werde, von Vorwürfen im Zusammenhang mit Besatzung, Vertreibung, Apartheid und den Ereignissen im Gazastreifen abzulenken.

Dabei ist Pinkwashing keineswegs ein ausschließlich israelisches Phänomen.

Auch Deutschland präsentiert sich sehr gerne als Verfechter von LGBTQ+-Rechten – etwa durch Regenbogenflaggen an öffentlichen Gebäuden oder permanente moralische Appelle an andere Staaten. Gleichzeitig bestehen enge Wirtschaftsbeziehungen und Rüstungsexporte in Länder, in denen Homosexualität verfolgt oder sogar mit dem Tod bestraft wird.

Die USA nutzen LGBTQ+-Rechte regelmäßig als eine Art Verbundenheit und Symbol westlicher Werte in der Außenpolitik. Gleichzeitig gibt es im eigenen Land politische Auseinandersetzungen und Gesetze, die Rechte von Transpersonen oder die Behandlung von LGBTQ-Themen sehr stark einschränken.

Kanada der „Saubermann“ der westlichen Welt, pflegt international das Bild eines besonders offenen und progressiven Landes. Gleichzeitig weisen Kritiker darauf hin, dass dadurch ungelöste Probleme im eigenen Land – die Rechte der indigenen Bevölkerung – umso weniger Aufmerksamkeit bekommt.

Der Kern der Kritik am Pinkwashing liegt daher nicht in der Regenbogenfahne selbst. Die ursprünglichen Ideale der LGBTQ+-Bewegung – Gleichberechtigung, Freiheit und Schutz vor Diskriminierung – sind wichtige gesellschaftliche Anliegen.

Problematisch wird es dort, wo diese Symbole und Werte für andere politische Zwecke vereinnahmt werden und wurden. Wenn die Regenbogenfahne nicht mehr nur für ihre ursprünglichen Ideale steht, sondern als Mittel zur Imagepflege oder zur moralischen Selbstreinigung eingesetzt wird, sprechen wir von Pinkwashing.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


AUCH INTERESSANT

Mattner: „Die Siedlerkinder wirkten auf mich deutlich radikaler“

Gastkommentar
„Qantara“ – und das Schmusemärchen vom Zionismus

Ein Gastkommentar von Michael Thomas

Da meldet sich jetzt bei Qantara die israelische, selbstbekennende Zionistin und Historikerin Fania Oz-Salzberger zu Wort und unterbreitet uns eine Gute-Nacht-Geschichte. Ihr Spezialfach ist die Wissenschaft von der Idee.

Was man darunter verstehen muss ist das, was sie in diesem Artikel tut: Sie erläutert uns ihre Idee vom Zionismus.

Oz-Salzberger ist damit durchaus in ihrem Fach. Jede Epoche brachte in ihren jeweiligen Kulturkreisen eine Idee, eine Philosphie, eine Selbstidentifikation für sich zur Welt. Und da es ein Israel für Juden, wie es 1948 gegründet wurde, immerhin schier unendliche 2000 Jahre zuvor einmal gab, musste eine neue Idee für die Moderne her.

Aber manche Ideen sind eben krank.

So, wie die „germanische“ des Dritten Reiches bereits vom Grundsatz her falsch und daher krank war, so war auch der Zionismus vom ersten Moment an krank. Denn seine Idee kam niemals ohne Gewalt gegen Palästinenser aus. Schon Herzl schrieb, da gab es noch kein Israel, dass man die Palästinenser still und des nachts fortschleppen müsse, weil es sonst internationales Geschrei geben würde.

Da sich Oz-Salzberger selbst dazu bekennt, Zionistin zu sein, taucht natürlich auch bei ihr keine grundsätzliche und kritische Auseinandersetzung über den Zionismus auf; im Gegenteil verklärt sie ihn zum „Licht für die Welt‘.

Obschon sie tatsächlich das geisteskranke Wüten israelischer „Siedler“ im Westjordanland benennt und auch als Terrorismus bezeichnet, enthält ihr Text kein einziges Wort, ja keine einzige Silbe zu den Schrecken der Vertreibung, mit der dies Israel seinen Auftakt nahm.

Und nehmen musste, weil die Vision des Zionismus nunmal nur das Modell der totalen Herrschaft, nicht aber eines Miteinander kennt. Für sie scheint die Aussage hinter dem eisigen Schweigen seitens des offiziellen Israels dazu in Stein gehauen.

Es wird einfach so getan, als habe es all diese entsetzliche Gewalt nie gegeben. Obschon sich der Zionismus darüber im Land entfaltet hatte und bis heute mit gleichen Denkmustern arbeitet, tut auch Oz-Salzberger so, als wenn die Kämpfe von geradezu bösartigen Palästinensern einseitig begonnen worden wären.

„Dutzende Zivilisten in Israel wurden durch Raketen des Iran und der Hisbollah getötet, das Gefühl der Sicherheit ist erschüttert.“

Für Oz-Salzberger gibt es, wie für jeden Zionisten, keine Vorgeschichte. Für sie begann alles mit dem Überfall der Hamas auf Israel an diesem 7. Oktober. Das kann bedeuten, dass für sie, was sehr seltsam wäre, da sie Historikerin ist, alles vorherige nicht nennenswert wäre.

Kein besonderes Vorkommnis. Gewissermaßen „normales Geschäft“. Dabei kennt die Geschichte diverse Massaker, die Israel verübt hat, sie kennt den immensen Landraub, sie kennt Tausende von Folterungen und willkürliche Erschießung.

Dies achselzuckend hinzunehmen, nicht als Grund für diesen Angriff anzuerkennen verrät eine extremistische Einstellung. Auch wenn sie sich selbst eine „liberale, humanistische Zionistin“ nennt, hat sie offenbar die gleichen, selektiven Wahrnehmungsmuster im Kopf wie alle anderen Zionisten auch.

‚Meine Güte.“ scheint sie zu denken, „Wer will sich schon groß über ein paar Tausend tote Palästinenser aufregen? Wir brauchen doch ihr Land.“

Das wirkt, als wolle sie sagen, dass das Aufstellen von Fallen gegen Ratten und das Totschlagen lästiger Fliegen schließlich nichts Bemerkenswertes sei. Da scheint es nur allzu konsequent, dass sie aus diese blinden Flecken einen verstörenden Schluss zieht:

„Ja, Yahya Sinwar und Hassan Nasrallah waren Schurken, die sich ein Attentat auf ihr Leben redlich verdient hatten.“

Als ich das las, war ich bestürzt.

Einen solchen Satz kann man definitiv nicht ohne die vollständige Verblendung eines geradezu kranken Geistes schreiben. Es wäre sicherlich völlig nutzlos, ihr erklären zu wollen, dass man mit ihrer eigenen Idee die gesamte, israelische Regierung sofort würde vollständig hinrichten müssen. Und noch lebende Mitglieder vorangegangener Regierungen gleich mit.

Wenn Sinwar und Nasrallah „Schurken“ waren und den Tod verdient hatten, was ist dann eine Regierung, die Hunderten von Kindern gezielt in den Kopf schießen und Gefangenen Stöcke in den Anus treiben lässt? Um nur willkürlich zwei Beispiele israelischer Scheußlichkeiten zu nennen, deren Liste und Zahl unerträglich lang ist?

Der übrige Text ihres Artikels ergeht sich über den Extremismus der aktuellen, faschistischen Regierung, die das Ende einer Demokratie und die Beseitigung der letzten, politischen Vielfalt herbeiführt und somit auch die Gruppe bedroht, zu der sie sich selbst zählt: vorgeblich „humanistische“ und liberale Zionisten.

Sie erklärt uns recht gut mit ihrem Artikel, dass auch diese Gruppe weder mit Geschichtsklitterung, noch mit dem Landraub Israels ein größeres Problem hätte, solange es keine hässlichen Bilder davon gibt.

Man muss nicht nur lesen, was sie schreibt, sondern vor allem auch, was sie nicht schreibt. Auch für Oz-Salzberger gibt es offenbar gar kein Problem mit dem Landraub und der Vertreibung. Sie akzeptiert die entsprechende Vergangenheit achselzuckend und scheint zu empfinden, dass dies halt der natürliche Weg zur Machtentfaltung Israels wäre.

So sagt sie:

„Die Frage lautet daher nicht, ob Israel in Zukunft stärker oder schwächer sein wird oder ob sich die Länder des Nahen Ostens selbst stabilisieren können, während sie Israel in Schach halten. Die Frage ist, ob Israel es schafft, das Land zu bleiben, das wir von früher kennen.“

Ob Israel das Land sein kann, das man von früher kennt, fragt sie sich, die „humanistische“ und liberale Zionistin. Das Land meint sie, das jahrzehntelang ganz nach Belieben stahl, folterte, zerstörte und tötete.

Das ist es, was sie sagt.

Es mag ja hart klingen, aber sich selbst als „humanistischen“ und „liberalen Zionisten“ zu bezeichnen wirkt auf mich verstörend, weil nachhaltig unglaubhaft. Es ist tatsächlich ein Widerspruch in sich selbst.

Wir sollten ihren Artikel sehr aufmerksam lesen, da wir an ihm lernen können, wie der politische und engagierte Zionismus funktioniert und am Ende des Tages doch die gleiche Idee verfolgt, wie der extremistische Zionismus.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

AUCH INTERESSANT

Sprachtest fürs Strandbad: Wenn Bürokratie und Ausgrenzung die Sicherheit ersetzen

Automobilindustrie
Automobilbranche im Wandel: Trends und Entwicklungen

Die Automobilindustrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Digitalisierung, Elektromobilität, nachhaltige Produktion und intelligente Assistenzsysteme verändern den Markt schneller als jemals zuvor.

Hersteller investieren Milliardenbeträge in neue Technologien, während Verbraucher zunehmend Wert auf Umweltfreundlichkeit, Konnektivität und innovative Mobilitätslösungen legen. Gleichzeitig sorgen neue Wettbewerber aus Asien und den USA für einen intensiven Konkurrenzkampf und beschleunigen den technologischen Fortschritt.

Die zunehmende Digitalisierung verändert jedoch nicht nur die Automobilbranche, sondern auch das Freizeitverhalten vieler Menschen. Neben Streaming-Diensten, E-Sport und Gaming gewinnen auch Online Sportwetten Schweiz im Bereich der digitalen Unterhaltung an Bedeutung. Parallel dazu investieren Automobilhersteller verstärkt in digitale Plattformen, vernetzte Fahrzeuge und moderne Online-Dienste, um ihren Kunden ein umfassendes digitales Erlebnis zu bieten.

Elektromobilität bleibt der wichtigste Wachstumstreiber

Kaum ein Trend prägt die Automobilbranche derzeit so stark wie die Elektromobilität. Immer mehr Hersteller erweitern ihre Modellpalette um vollelektrische Fahrzeuge und investieren gleichzeitig in leistungsfähigere Batterietechnologien. Höhere Reichweiten, kürzere Ladezeiten und sinkende Produktionskosten sollen Elektroautos für eine noch größere Zielgruppe attraktiv machen.

Auch die Ladeinfrastruktur entwickelt sich kontinuierlich weiter. Schnellladestationen entlang wichtiger Verkehrsachsen sowie intelligente Ladelösungen für Privathaushalte erleichtern den Umstieg auf emissionsfreie Mobilität. Viele Experten gehen davon aus, dass Elektrofahrzeuge in den kommenden Jahren einen immer größeren Anteil am Gesamtmarkt einnehmen werden.

Software wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor

Moderne Fahrzeuge sind längst rollende Computer geworden. Zahlreiche Steuergeräte, Sensoren und Kameras arbeiten permanent zusammen und ermöglichen Funktionen, die vor wenigen Jahren noch als Zukunftsmusik galten. Over-the-Air-Updates sorgen dafür, dass Fahrzeuge regelmäßig neue Funktionen erhalten, ohne dass ein Werkstattbesuch erforderlich ist.

Hersteller entwickeln zunehmend eigene Betriebssysteme und digitale Ökosysteme, um ihre Fahrzeuge stärker mit Smartphones, Smart Homes und Cloud-Diensten zu vernetzen. Dadurch entstehen völlig neue Möglichkeiten für Navigation, Unterhaltung und Fahrzeugmanagement.

Autonomes Fahren rückt näher

Auch das autonome Fahren macht große Fortschritte. Bereits heute unterstützen zahlreiche Assistenzsysteme den Fahrer beim Einparken, Spurhalten oder auf der Autobahn. Künstliche Intelligenz verarbeitet dabei riesige Datenmengen in Echtzeit und erhöht sowohl Komfort als auch Sicherheit.

Vollautonome Fahrzeuge befinden sich zwar noch in der Entwicklung, doch Testprojekte in verschiedenen Ländern zeigen, dass die Technologie kontinuierlich verbessert wird. Besonders im öffentlichen Nahverkehr sowie im Lieferverkehr könnten autonome Fahrzeuge künftig eine wichtige Rolle spielen.

Nachhaltigkeit wird zum zentralen Thema

Neben der Elektrifizierung gewinnt auch die nachhaltige Produktion immer mehr an Bedeutung. Hersteller setzen verstärkt auf recycelte Materialien, klimaneutrale Fertigung und ressourcenschonende Lieferketten. Ziel ist es, den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs möglichst umweltfreundlich zu gestalten.

Auch Batterierecycling entwickelt sich zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Nickel und Kobalt sollen zukünftig verstärkt wiederverwendet werden, um die Abhängigkeit von neuen Rohstoffquellen zu reduzieren.

Chinesische Hersteller erhöhen den Wettbewerbsdruck

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche chinesische Automarken ihre internationale Expansion vorangetrieben. Dank moderner Technik, attraktiver Preise und hoher Innovationsgeschwindigkeit gewinnen sie zunehmend Marktanteile in Europa.

Für etablierte Hersteller bedeutet dies einen erheblichen Wettbewerbsdruck. Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen sie ihre Entwicklungszyklen verkürzen, Kosten senken und gleichzeitig innovative Technologien schneller auf den Markt bringen.

Vernetzte Fahrzeuge verändern den Alltag

Die Vernetzung moderner Fahrzeuge eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Smartphones dienen als digitaler Autoschlüssel, Navigationssysteme berücksichtigen Verkehrsdaten in Echtzeit und Infotainment-Systeme bieten Zugriff auf zahlreiche Streaming- und Online-Dienste.

Zukünftig könnten Fahrzeuge sogar untereinander kommunizieren und vor Gefahrenstellen oder Staus warnen. Diese sogenannte Car-to-Car-Kommunikation gilt als wichtiger Baustein für mehr Verkehrssicherheit und effizienteren Straßenverkehr.

Neue Mobilitätskonzepte gewinnen an Bedeutung

Neben dem klassischen Fahrzeugverkauf setzen viele Hersteller verstärkt auf Mobilitätsdienstleistungen. Carsharing, Fahrzeug-Abonnements und flexible Leasingmodelle sprechen insbesondere jüngere Kunden an, die kein eigenes Auto besitzen möchten.

Auch Ride-Sharing-Dienste sowie digitale Mobilitätsplattformen werden immer wichtiger und ergänzen den öffentlichen Nahverkehr in vielen Großstädten. Dadurch verändert sich das Mobilitätsverhalten nachhaltig.

Künstliche Intelligenz revolutioniert die Produktion

Nicht nur die Fahrzeuge selbst werden intelligenter, sondern auch ihre Herstellung. Moderne Fabriken setzen zunehmend auf Robotik, künstliche Intelligenz und automatisierte Qualitätskontrollen. Produktionsprozesse werden effizienter, Fehler reduziert und Lieferketten besser gesteuert.

Gleichzeitig können digitale Zwillinge und Simulationen Entwicklungszeiten verkürzen und neue Fahrzeugmodelle schneller marktreif machen.

Die Automobilbranche befindet sich in einem historischen Wandel. Elektromobilität, Digitalisierung, autonomes Fahren und nachhaltige Produktion verändern die gesamte Industrie grundlegend. Gleichzeitig sorgen neue Wettbewerber und innovative Technologien für einen intensiven Innovationsdruck. Für Verbraucher bedeutet diese Entwicklung mehr Auswahl, höhere Sicherheit und moderne digitale Funktionen. Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Technologien sich langfristig durchsetzen und wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird.

 

AUCH INTERESSANT

Autonomes Fahren: Erster Level-4-TÜV-Test in Berlin

AIPAC-Kritik
NYC-Bürgermeister Zohran Mamdani erneuert scharfe Kritik an pro-israelischer Lobby AIPAC

0

New York – Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat seine deutlichen Worte gegen das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) untermauert. Nachdem er die pro-israelische Lobbyorganisation zuvor als „Monster“ bezeichnet hatte, legte er nun im Rathaus nach und warf der Gruppe vor, einen „Status quo der Unmoral“ im Gazastreifen und der gesamten Region zu unterstützen.

Mamdani, der erste muslimische Bürgermeister New Yorks, verdeutlichte die Dringlichkeit seiner Kritik mit drastischen Zahlen aus dem Konfliktgebiet.

„Ich möchte mich unmissverständlich ausdrücken. Wir sprechen hier von einem Status quo, in dem täglich Kinder getötet werden“, so der Bürgermeister im Rathaus. Seit dem im vergangenen Oktober vereinbarten Waffenstillstand seien weit über 1.000 Palästinenser durch das israelische Militär getötet worden. Er verwies dabei auch konkret auf den jüngsten Tod des Al-Jazeera-Journalisten Ahmed Wishah, der am vergangenen Samstag bei einem israelischen Luftangriff ums Leben kam.

„Wenn ich über AIPAC spreche, dann spreche ich über eine Organisation, die diesen Status quo unterstützt und jeden Versuch bekämpft hat, den Menschen Sicherheit zu bringen – nicht nur in Palästina, sondern ehrlich gesagt in weiten Teilen der Region. Und das ist ein Status quo der Unmoral. Ich werde das nicht akzeptieren“, betonte Mamdani.

Wer sich frage, wie ein solches Ausmaß an Tod und Zerstörung in Übersee möglich sei, müsse laut dem Bürgermeister auch die Akteure beim Namen nennen, die dies politisch und finanziell erst zulassen.

Die Verteidigung dieses Systems erfolgt laut Mamdani auf zwei Wegen: Einerseits durch direkte Wahlkampfspenden, wie man sie aktuell im 13. New Yorker Wahlbezirk beobachten könne. Andererseits spiele verdecktes Geld eine entscheidende Rolle. AIPAC nutze zunehmend Strategien, bei denen Gelder über andere Organisationen und Schein-PACs umgeleitet werden. Die Identität der tatsächlichen Spender werde dadurch bewusst verschleiert und oft erst weit nach den Wahlen offengelegt.

Rabbi bezeichnet Vorwürfe als unaufrichtig

Während US-Abgeordnete wie Josh Gottheimer dem Bürgermeister vorwarfen, mit seinen Äußerungen Antisemitismus zu betreiben, sprangen ihm andere jüdische und politische Führer zur Seite. Moshe Indig, ein chassidischer Rabbiner und Anführer der antizionistischen Satmar-Bewegung in Brooklyn, wies die Antisemitismus-Vorwürfe gegenüber Politico als unaufrichtig zurück.

Es gehe den Kritikern lediglich darum, dass der Bürgermeister sich gegen die zionistische Regierung und die Machenschaften der AIPAC stelle. Auch politische Verbündete wie die Abgeordneten Claire Valdez und Antonio Reynoso unterstützten den Kurs des Bürgermeisters und betonten, dass die Lobby seit zweieinhalb Jahren das Vorgehen in Gaza decke und viele Demokraten aus Angst vor dem Verlust von Spendengeldern schweigen würden.

Im New Yorker Vorwahlkampf, insbesondere im 13. Distrikt, ist die Haltung zu Israel zu einem zentralen Streitthema geworden. Unterlagen der Bundeswahlkommission zeigen, dass ein Super-PAC der AIPAC kürzlich über 600.000 Dollar mobilisiert hat, um Werbekampagnen für den etablierten Abgeordneten Adriano Espaillat zu finanzieren, während die von Mamdani unterstützte Gegenkandidatin Darializa Avila Chevalier wegen ihrer Teilnahme an pro-palästinensischen Protesten scharf angegriffen wird.

Historische Wurzeln der AIPAC-Kritik

Die aktuellen Auseinandersetzungen in New York knüpfen an eine jahrzehntelange, historische Debatte in den USA über den Einfluss pro-israelischer Lobbyarbeit an. Bevor das heute mächtige AIPAC die politische Bühne dominierte, lag die Hauptarbeit beim Jewish Zionist Council bzw. dem American Zionist Council (AZC).

Bereits unter der Präsidentschaft von John F. Kennedy geriet diese Struktur ins Visier der US-Regierung. Justizminister Robert F. Kennedy leitete in den Jahren 1962 und 1963 eine umfassende Untersuchung ein, die zu dem Ergebnis kam, dass das Komitee seine Position kompromittiert habe. Die Kennedy-Administration drängte die Organisation massiv dazu, sich offiziell als „ausländischer Agent“ (foreign agent) registrieren zu lassen, um die finanziellen Verbindungen und Hintergründe offenzulegen.

Anstatt sich dieser Registrierung zu beugen, löste sich der Rat freiwillig auf. Isaiah L. Kenen, der in den 1950er Jahren als Washingtoner Vertreter für das AZC tätig gewesen war, spaltete daraufhin das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) ab, um die eigentliche Lobbyarbeit formell von den Dachverbänden zu trennen. Trotz der damaligen Bemühungen der Kennedy-Regierung entzog sich AIPAC bis heute einer solchen Registrierung und entwickelte sich seit den 1980er Jahren zu einer der einflussreichsten Lobbys in Washington.

Gleichzeitig war das Verhältnis zwischen Präsident Kennedy und der israelischen Führung ohnehin von tiefem Misstrauen geprägt. Kennedy sah die nukleare Rüstung als eine der größten Herausforderungen für die amerikanische Vormachtstellung an und war fest entschlossen, seinen Einfluss zu nutzen, um den Bau einer israelischen Atombombe zu verhindern. Der geheime Reaktor im israelischen Dimona war erst zwei Monate vor Kennedys Amtsantritt im Januar 1961 entdeckt worden und blieb bis zu seinem Tod ein zentraler geopolitischer Streitpunkt.

 


AUCH INTERESSANT

Die Lavon-Affäre: Wie eine False-Flag-Operation zum Krieg und zur israelischen Atombombe führte

Strandbad in Halle
Sprachtest fürs Strandbad: Wenn Bürokratie und Ausgrenzung die Sicherheit ersetzen

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

In einem Strandbad in Halle (Sachsen-Anhalt) werden Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse künftig nicht mehr eingelassen. Die Begründung: Sicherheit. Badegäste müssten die Regeln verstehen und Anweisungen von Rettungsschwimmern befolgen können. Auslöser war offenbar ein Vorfall, bei dem ein Kleinkind aus tiefem Wasser gerettet werden musste.

Und genau hier fangen bei mir die Fragen an.

Sind wir in Deutschland wirklich so unflexibel geworden, dass wir Warnhinweise, Badeordnungen und Sicherheitsregeln nicht in mehreren Sprachen bereitstellen können? Wirklich? Das soll in einem der wirtschaftsstärksten Länder der Welt nicht möglich sein?

In praktisch jedem Urlaubsland, in das Deutsche reisen, findet man Hinweisschilder in mehreren Sprachen. Ob Spanien, Griechenland, Italien, Kroatien oder die Türkei – dort erwartet niemand von deutschen Touristen, erst einmal einen Sprachtest abzulegen, bevor sie an den Strand dürfen. Dort übersetzt man wichtige Informationen. Ganz selbstverständlich. Weil man verstanden hat, dass Sicherheit durch Verständlichkeit entsteht und nicht durch Ausgrenzung.

Aber in Deutschland lautet die Lösung offenbar: „Wer nicht genug Deutsch spricht, bleibt draußen.“

Und nein, bevor jetzt wieder die üblichen Kommentare kommen: Mir ist völlig klar, dass Sicherheit wichtig ist. Natürlich müssen Menschen Gefahrenhinweise verstehen. Natürlich müssen Rettungsschwimmer sich verständigen können. Das bestreitet doch niemand. Aber die Frage ist doch: Warum wird die Verantwortung ausschließlich auf die Besucher abgewälzt?

Warum werden nicht mehrsprachige Schilder aufgestellt? Warum gibt es keine Sicherheitsinformationen auf Englisch? Warum keine Piktogramme? Warum keine QR-Codes mit Übersetzungen? Warum nicht die einfachsten Lösungen, die überall auf der Welt längst Standard sind?

Stattdessen wird eine ganze Gruppe von Menschen unter Generalverdacht gestellt. Und dann kommt noch etwas hinzu, das man zumindest ansprechen muss:

Ausgerechnet Sachsen-Anhalt. Ausgerechnet ein Bundesland, in dem die AfD besonders stark ist.

Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass jeder Verantwortliche dort aus politischen Motiven handelt. Das behaupte ich gar nicht. Aber wer glaubt, dass gesellschaftliche Stimmungen und politische Debatten keinerlei Einfluss auf solche Entscheidungen haben, macht es sich aus meiner Sicht zu einfach.

Mich würde wirklich interessieren, in welchem anderen Land Menschen wegen fehlender Kenntnisse der Landessprache pauschal von einem Strandbad ausgeschlossen werden. Ich habe davon bisher noch nie gehört.

Für mich hat das einen diskriminierenden Beigeschmack. Einen sehr starken sogar.

Und bevor jetzt jemand sagt, das habe doch nichts mit Diskriminierung zu tun: Wenn Menschen nicht aufgrund ihres Verhaltens ausgeschlossen werden, sondern aufgrund einer Eigenschaft, die häufig mit Herkunft oder Migration zusammenhängt, dann darf man zumindest die Frage stellen, ob hier nicht eine Grenze überschritten wird.

Besonders absurd finde ich übrigens die Kommentare mancher selbsternannter Patrioten. Die erzählen etwas von Integration und Anpassung, schaffen es aber oft selbst kaum, zwei Sätze Englisch zu sprechen. Ausgerechnet diejenigen, die ständig von deutscher Leitkultur reden, scheitern häufig an einer Sprache, die heute weltweit als Standard gilt. Dabei würde wahrscheinlich schon Englisch für einen Großteil der Fälle ausreichen.

Sicherheit erreicht man durch Kommunikation. Nicht durch Ausschluss. Und wenn die Lösung eines Problems darin besteht, Menschen auszusperren, statt Informationen zugänglich zu machen, dann ist das für mich keine Sicherheitsmaßnahme, sondern ein Armutszeugnis.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


AUCH INTERESSANT

Mattner: „Die Siedlerkinder wirkten auf mich deutlich radikaler“

Gastkommentar
Politsatire in der Türkei: Wenn der Bankräuber die interne Ermittlung leitet

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Es gibt politische Debatten, bei denen man sich fragt, ob man gerade einer Parteiversammlung, einem Gerichtsverfahren oder einer Folge von Monty Python beiwohnt. Der aktuelle Streitfall der CHP um Kompetenzgerangel und Wählergunst gehört zweifellos in diese Kategorie.

Dieselben Menschen, die gestern noch empört erklärten, die Justiz habe die Demokratie mit Füßen getreten, erklären gegenwärtig mit bemerkenswerter Gelassenheit und Dreistigkeit, dieselben Delegierten, die damals 2023 Kemal Kılıçdaroğlu vom Thron stießen und Özgür Özel ins Amt hievten, sollten selbstverständlich erneut abstimmen dürfen, wer der eigentliche Herr im Hause wird – und zwar sofort. Also dieselben Delegierten, genau jene, die das verbockt haben, um die sich die ganze Affäre überhaupt dreht und seither mehrere Gerichte beschäftigt.

Man stelle sich das in anderen Bereichen vor. Ein Schiedsrichter bricht ein Fußballspiel ab, weil mehrere Spieler beim Doping erwischt wurden. Die unterlegene Mannschaft lässt per Kapitän erklären: „Kein Problem, wir spielen einfach noch einmal.” — „Mit denselben Spielern?” — „Natürlich. Wo wäre sonst die Fairness?”

Die eigentliche Meisterleistung besteht darin, dass aus den Delegierten in manchen Kommentarspalten inzwischen politische Heilige geworden sind. Gestern als Mittäter eines gigantischen Manipulationsapparats bloßgestellt, heute in den Augen eines Özgür Özel die reinste Verkörperung des Volkswillens.

Fast könnte man glauben, zwischen den seither abgehaltenen Kurultays habe eine wundersame Läuterung stattgefunden — wie aus Saulus Paulus wurde, wurde von beeinflussten Delegierten der unfehlbare Hüter der Demokratie namens Özgür Özel gewählt.

Über die Gerichtsentscheidung selbst kann man denken, was man will. Man kann sie kritisieren, für politisch motiviert oder schlicht für falsch halten. Aber man kann nicht im selben Satz behaupten, die Vorwürfe seien völlig bedeutungslos, und im nächsten Moment verlangen, die Delegierten sollten genau so weitermachen wie bisher.

Denn dann stellt sich eine einfache Frage: Wenn die Vorwürfe bedeutungslos sind, warum gibt es überhaupt eine Debatte? Und wenn sie schwerwiegend sind — warum sollen ausgerechnet die Akteure, die im Zentrum dieser Vorwürfe stehen, die Sache wieder selbst in die Hand nehmen und bereinigen?

Der Witz an der Geschichte ist, dass manche Beobachter tatsächlich glauben, Legitimität funktioniere wie eine Waschmaschine: Man wirft eine umstrittene Wahl hinein, drückt auf „Kurultay 3.0”, und heraus kommt eine strahlend weiße Demokratie mit Persilschein – Schleudergang inklusive.

Noch kurioser wird es, übertragen auf Deutschland: Man stelle sich vor, ein Gericht stellt fest, dass bei einer Parteivorsitzendenwahl Delegierte durch Posten oder sonstige Anreize beeinflusst wurden — und die Parteiführung antwortet: „Um das Vertrauen wiederherzustellen, lassen wir exakt dieselben Leute noch einmal abstimmen.”

Der politische Gegner müsste gar nichts mehr sagen, denn die Politsatire schriebe sich beinahe von selbst. Aber merkwürdigerweise greifen hiesige Politiker nicht die Satire auf, sondern machen sich noch zu Komplizen der CHP-Delegierten.

Am Ende bleibt eine Frage, die erstaunlich selten gestellt wird: Wenn das eigentliche Problem nicht die Person des Vorsitzenden war, sondern die Integrität des Delegiertenkörpers selbst — warum tut man dann so, als könne genau dieser Delegiertenkörper die Integritätsfrage der Partei selbst lösen, in dem man einen schnellen Kurultay erzwingt? Das erinnert an einen Bankräuber, der nach seiner Festnahme erklärt: „Selbstverständlich werde ich die interne Untersuchung der Bank sofort selbst leiten. Vertraut mir.”

Vielleicht liegt genau hier der Kern der Sache. Eine Demokratie lebt nicht nur davon, dass am Ende Stimmen gezählt werden. Sie lebt davon, dass die Menschen daran glauben und vertrauen können, der Weg zur Auszählung sei sauber gewesen. Wenn dieser Weg infrage gestellt wurde, kann nicht ernsthaft erwartet werden, dass die bloße Wiederholung desselben Vorgangs mit denselben Akteuren alle Zweifel verschwinden lässt.

Man könnte genauso versuchen, einen schiefen Turm dadurch zu begradigen, in dem man einfach noch ein Stockwerk begradigt draufsetzt. Politisch mag das bequem sein, aber demokratisch und vor allem moralisch ist es nicht.

Am Ende bleibt eine Frage, die erstaunlich selten gestellt wird: Wenn das eigentliche Problem nicht die Person des Vorsitzenden war, sondern die Integrität des Delegiertenkörpers selbst — warum tut man dann so, als könne genau dieser Delegiertenkörper die Integritätsfrage der Partei selbst lösen, in dem man einen schnellen Kurultay erzwingt?


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


AUCH INTERESSANT

Mattner: „Man muss Israel nicht hassen, um diese Politik zu verurteilen“