Türkei
Istanbul Airport erneut zum besten Flughafen der Welt gewählt

Istanbul – Der Flughafen Istanbul ist von den Lesern des britischen Reisemagazins Condé Nast Traveller zum besten Flughafen der Welt gewählt worden. Bei den Readers’ Choice Awards 2026 belegte er mit 94,29 Punkten den ersten Platz. Das teilte der Betreiber IGA am Dienstag, 20. Oktober 2026, mit.

„Einmal mehr ist iGA Istanbul Airport der Beste der Welt!”, schrieb der Flughafen in einem Beitrag in den sozialen Medien. Man danke allen Kolleginnen und Kollegen sowie den Partnern, „vor allem aber unseren Gästen, die sich für uns entscheiden”.

Singapur und Dubai auf den Plätzen zwei und drei

Der Flughafen Istanbul, der nach Angaben des Betreibers rund 350 Ziele weltweit anfliegt, verwies damit Singapur Changi mit 93,92 Punkten auf Rang zwei, der Abstand beträgt nur 0,37 Punkte. Dubai International folgt mit 93,18 Punkten auf Rang drei, Kopenhagen mit 93,13 auf Rang vier. Zürich liegt mit 91,79 Punkten auf Platz fünf, der Hamad International Airport in Katar mit 90,45 Punkten auf Platz sechs.

Dahinter folgen Madrid-Barajas mit 90,23 Punkten, Hongkong mit 89,50 und Kapstadt mit 88,24 Punkten. Rom Fiumicino komplettiert die Top Ten mit 87,92 Punkten auf Rang zehn. Die Platzierung beruht auf den Bewertungen der Leser des Magazins.

Nicht die erste Auszeichnung

Wie die Zeitung Daily Sabah berichtet, hatten bereits die Leser der US-Ausgabe von Condé Nast Traveler den Flughafen Istanbul in den Jahren 2024 und 2025 zum besten Flughafen der Welt gewählt.

Auch im Oktober 2026 hatte der Flughafen zuvor eine Spitzenplatzierung gemeldet: Laut einem Bericht, über den Daily Sabah Mitte Oktober berichtete, ist Istanbul 2026 erstmals der am besten vernetzte Flughafen der Welt.

Er verbindet demnach 337 Ziele und stieg damit von Platz zwei im Jahr 2025 an die Spitze. IGA-Chef Selahattin Bilgen sagte dem Sender CNN zudem, man sei nach dem Überholen von Frankfurt im vergangenen Jahr auch Europas größter Frachtflughafen.

 


AUCH INTERESSANT

 

Westjordanland
Israel: US-Kongresskandidat Brad Lander bei Olivenernte festgenommen

0

Jerusalem – Der jüdische US-Kongresskandidat Brad Lander ist am Mittwoch, 21. Oktober 2026, im Westjordanland von der israelischen Armee festgesetzt worden.

Der frühere New Yorker Comptroller und Kandidat der Demokraten für den 10. Kongresswahlbezirk von New York habe gemeinsam mit Rabbinern und weiteren Freiwilligen bei der Olivenernte nahe Nahalin bei Bethlehem geholfen, als Soldaten das Gebiet abriegelten. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Rabbis for Human Rights (RHR) seien rund 80 bis 90 Menschen festgesetzt worden.

„Ich wurde von der IDF festgesetzt, zusammen mit einer Gruppe Rabbiner und Freiwilliger. Wir haben einfach nur Oliven in einem Hain geerntet”, schrieb Lander auf X. Die Besatzung sei „nach internationalem Recht ein Verbrechen”, fügte er hinzu — und: „Olivenernte ist nach keinem Gesetz, das ich kenne, ein Verbrechen.” Dazu veröffentlichte er ein Selfie aus einem Bus voller Festgesetzter.

Zwei ruhige Stunden — dann die Militärzone

Die Freiwilligen hätten Bauern zu Land begleitet, zu dem diese seit drei Jahren keinen Zugang mehr gehabt hätten, so RHR. „Nach zwei Stunden friedlicher Olivenernte kamen große Truppenkontingente und riegelten das Gebiet ab”, erklärte die Leitung der Organisation. Der Knesset-Abgeordnete Gilad Kariv, ein Reformrabbiner und früherer Kooperationspartner von RHR, schilderte den Ablauf ähnlich:

Nach zwei ruhigen Stunden hätten Armee und Polizei eine geschlossene Militärzone ausgerufen und die Freiwilligen aufgefordert, in einen vom Militär bereitgestellten Bus zu steigen. Unter den Festgesetzten soll laut Jerusalem Post auch der frühere stellvertretende Generalstaatsanwalt Yehoshua Schoffman gewesen sein.

Eine Reise mit Ansage

Lander hatte seinen Aufenthalt im Westjordanland am Montag, 19. Oktober, in einem Video angekündigt. Er habe sich der Koalition „Protect the Harvest” angeschlossen, die mehrere Organisationen vereint, darunter RHR. „Unser Ziel ist es, die Olivenernte zu schützen — und ein Licht auf die Realität der Besatzung zu werfen”, schrieb er dazu. In dem Video sagte Lander, Tausende Palästinenser seien von ihrem Land und ihren Olivenhainen vertrieben worden.

Es ist nicht Landers erste Festnahme. Im Juni 2025 war er, damals noch Comptroller und Bewerber um das Bürgermeisteramt von New York, von Bundesagenten an einem Einwanderungsgericht festgenommen worden, nachdem er sich bei einem Mann untergehakt hatte, den die Behörden festnehmen wollten.

Gewalt während der Erntesaison

Die Festsetzung fällt in eine Erntesaison, die von Gewalt geprägt ist. Zuletzt hätten maskierte Siedler die Fotojournalistin Heidi Levine von der Washington Post bei der Berichterstattung über die Ernte angegriffen, außerdem seien Diplomaten aus Frankreich, Belgien und Polen sowie ein französischer Bürgermeister attackiert worden. Die israelische Polizei nahm daraufhin zehn Verdächtige fest. Die Strafverfolgung von Siedlerangriffen gilt als selten, wie der ORF berichtet.

Die israelische Organisation Yesh Din zählt seit Beginn der Ernte Ende September mehr als 530 Vorfälle von Siedlergewalt. Nach Angaben palästinensischer Behörden wurden in dieser Zeit mindestens vier Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt.

US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die Trump-Regierung wolle „keinen neuen Funken” im Westjordanland sehen, und forderte Israel auf, gegen die Gewalt der Siedler vorzugehen. Die israelische Armee wiederum gibt laut Medienberichten an, derzeit sieben bis zehn illegale Außenposten pro Woche zu räumen und die Ernte an 85 Standorten zu koordinieren.

Eine offizielle Stellungnahme von Armee und Polizei zu Landers Festsetzung lag zunächst nicht vor. Ob er und die übrigen Festgesetzten inzwischen wieder frei sind, war zunächst unklar.

 

 


ZUM THEMA

– Siedler-Gewalt –
Israel: Radikale Siedler verletzen US-Journalistin Heidi Levine
Washington-Post-Fotografin Heidi Levine berichtet, etwa 50-mal getreten worden zu sein. Trotz ihrer deutlich sichtbaren Pressekennzeichnung wurde sie zu Boden gestoßen, beraubt und schwer misshandelt.

Israel: Radikale Siedler verletzen US-Journalistin Heidi Levine

Gewichtsverlust & Gesundheit
Abnehmen mit medizinischer Unterstützung: Chancen und Grenzen neuer Therapien

Alleine in Deutschland gelten mehr als 16 Millionen Menschen als stark übergewichtig. Viele davon versuchen immer wieder neue Diäten – und schaffen es doch nicht, nachhaltig abzunehmen.

Mit den Wirkstoffen Semaglutid und Tirzepatid hat sich die Aussicht auf einen dauerhaften Gewichtsverlust deutlich verbessert. Wer sie verwenden möchte, braucht allerdings Geduld und sollte sich im Klaren sein, dass sie mit Nebenwirkungen und anderen Herausforderungen verbunden sein können.

Ein Hormon als Vorbild

Sowohl Semaglutid als auch Tirzepatid ahmen körpereigene Darmhormone nach. Semaglutid (enthalten in Wegovy und Ozempic) entspricht dem Hormon GLP-1. Tirzepatid (enthalten in Mounjaro) spricht zusätzlich den Rezeptor des Hormons GIP an. Beide Botenstoffe dämpfen den Appetit und verlangsamen die Entleerung des Magens. Dadurch verringern sich Hungerattacken und das Abnehmen wird einfacher.

Beide Präparate spritzt man einmal pro Woche unter die Haut, wobei man die Dosis allmählich erhöht. Den Wirkstoff Semaglutid gibt es inzwischen auch in Form rezeptpflichtiger Tabletten.

Studien belegen die Wirkung

In der Zulassungsstudie STEP 1 verloren Teilnehmer mit Semaglutid in 68 Wochen etwa 15 Prozent ihres Körpergewichts. Für Tirzepatid ergab die Studie SURMOUNT-1 bei der höchsten Dosis durchschnittlich 21 Prozent Gewichtsverlust nach 72 Wochen. Eine reine Umstellung verschiedener Lebensgewohnheiten führt normalerweise zu Gewichtsverlusten zwischen drei und fünf Prozent.

Dazu kommen Effekte jenseits des Körpergewichts, etwa bessere Werte für Blutdruck, Blutzucker und Blutfette, wodurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme um ein Fünftel sinkt.

Die Realität hinter den Zahlen

Die genannten Durchschnittswerte sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass manche Menschen schwächer auf diese Behandlungen ansprechen und manche ihre Therapie abbrechen. Außerdem sollte man häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Verstopfung in Betracht ziehen.

Ärzte haben außerdem oft beobachtet, dass oft ein Viertel oder mehr des verlorenen Gewichts nicht aus Körperfett besteht, sondern aus Flüssigkeit oder Muskelmasse. Eine eiweißreiche Ernährung und Krafttraining sollten deshalb Teil einer Therapie mit Semaglutid oder Tirzepatid sein, um die Muskelmasse zu erhalten.

Der vielleicht wichtigste Einwand betrifft die lange Dauer einer solchen Therapie. Wenn der Appetit danach wieder zurückkehrt, kann auch das Gewicht wieder ansteigen. Es läuft daher in vielen Fällen auf eine sehr langfristige Therapie ohne absehbares Ende hinaus.

Abnehmspritzen sind in Deutschland für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index ab 30 zugelassen. Bei Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes ist eine Verschreibung ab einem BMI von 27 möglich. Sie eignen sich also nicht für Normalgewichtige, die einige Kilos verlieren möchten. Oft richten sich Angebote aus dubiosen Internetquellen mit gefälschten Pens und einem unkontrollierten Wirkstoffgehalt an genau diese Gruppe.

Ärztliche Begleitung als Voraussetzung für den Erfolg

Vor dem Beginn der Therapie mit einer Abnehmspritze ist eine genaue Anamnese nötig. Danach muss der behandelnde Arzt laufend kontrollieren, ob der Patient die Behandlung verträgt.

Viele Arztpraxen und Zentren für die Gewichtsabnahme bieten heute strukturierte Programme an, die Medikamente, Ernährung und psychologische Unterstützung beinhalten. Auch der Umgang mit Essen bei verringertem Appetit will gelernt sein: Die Behandelten sollten die Größe der Portionen verringern und auf fettreiche Mahlzeiten verzichten, um das Risiko von Nebenwirkungen wie Übelkeit zu senken.

Der finanzielle Aspekt

Die monatlichen Kosten einer Abnehmspritze in Deutschland liegen je nach Präparat und Dosierung zwischen 220 und 580 Euro. Es kann sein, dass die gesetzlichen Krankenkassen diese Kosten nicht übernehmen. Vor allem sogenannte Lifestyle-Arzneimittel sind laut Sozialgesetzbuch von der Kostenübernahme ausgeschlossen.

Bei dauerhafter Anwendung summiert sich der Eigenanteil schnell auf mehrere tausend Euro im Jahr. Die Therapie wird damit für viele Übergewichtige zu einer Frage des Einkommens. Ärzte und Patientenverbände fordern seit langem, die Erstattung der Kosten neu zu regeln.

Realistische Erwartungen

Medikamente mit Semaglutid oder Tirzepatid sind ein echter Fortschritt, aber sie setzen auch Änderungen der Lebensweise voraus. Am besten funktionieren diese Therapien als Teil eines Gesamtkonzepts, das Ernährungsberatung und ein Bewegungsprogramm beinhaltet.

Eine Abnehmspritze verändert nur den Appetit. Wer sie ohne langfristigen Plan nutzt, riskiert, nach dem Absetzen wieder in alte Muster zu verfallen. Wer sie hingegen als Unterstützung versteht, kann sehr viel nachhaltiger Gewicht abnehmen als mit reiner Willenskraft.


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über Gesundheitsthemen. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung oder Diagnose durch qualifiziertes Fachpersonal. Nehmen Sie Medikamente niemals ohne vorherige Rücksprache mit einem Arzt ein.


AUCH INTERESSANT

Ärzte warnen vor „Krebsdiäten“

Siedlergewalt
Israel: Kirchenführer verurteilen Gewalt radikaler Siedler

0

Jerusalem – Führende christliche Würdenträger in Jerusalem haben die zunehmende Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen palästinensische Gemeinschaften im Westjordanland in aller Schärfe verurteilt.

In einer gemeinsamen offiziellen Erklärung äußerten die Patriarchen und Oberhäupter der lokalen Kirchen ihre tiefe Besorgnis über die Sicherheitslage vor Ort. Konkreter Anlass für die Stellungnahme ist ein jüngster Angriff auf das überwiegend von christlichen Palästinensern bewohnte Dorf Taybeh.

Die Kirchenführer forderten die internationale Gemeinschaft sowie die zuständigen Behörden auf unverzüglich Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu ergreifen. Es brauche wirksame Mechanismen um die Täter für ihre Aktionen zur Rechenschaft zu ziehen und weitere Übergriffe zu verhindern. Die Geistlichen schilderten eine Welle von Brandstiftungen, Sachbeschädigungen und physischen Bedrohungen die das alltägliche Leben der Menschen in den betroffenen Regionen massiv gefährde.

Die deutliche Kritik der christlichen Würdenträger trifft auf eine ohnehin hochexplosive Debatte. Erst kürzlich hatte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu Berichte über Siedlergewalt im Westjordanland öffentlich als gesteuerte Propaganda und Falschinformationen bezeichnet. Die geschlossene Reaktion der höchsten Repräsentanten der christlichen Kirchen widerspricht dieser Darstellung nun direkt und verleiht den internationalen Forderungen nach einem Einschreiten neues Gewicht.

 

 


ZUM THEMA

– Spannungen in Jaffa –
Israel: „Sie zwangen mich, mich auszuziehen“
Nach der Festnahme von Vater Constantine, dem orthodoxen Oberhaupt in Jaffa, steht Israels Polizei wegen gezielter Erniedrigung in der Kritik.

Israel: „Sie zwangen mich, mich auszuziehen“

Gesundheit
Schlafoptimierung im Alltag: Warum der Wahn nach dem perfekten Schlaf krank machen kann

0

Berlin – Acht Stunden tief geschlafen, die REM-Phasen genau analysiert und den Schlafzyklus lückenlos getrackt: Der Wunsch nach erholsamer Nachtruhe hat sich für viele Menschen von einem natürlichen Bedürfnis zu einem durchgestylten Leistungssport entwickelt.

Unter Schlagwörtern wie „Sleepmaxxing“ fluten Anleitungen für die vermeintlich perfekte Nachtruhe die sozialen Netzwerke. Von speziellen Blaulichtfilter-Brillen über klimatisierte Kühlmatratzen und Nahrungsergänzungsmittel bis hin zum gewagten Trend des Mund-Verklebens mit Klebeband lassen Optimierer nichts unversucht um den maximalen Schlafwert herauszuholen.

Schlaf ist in einer leistungsorientierten Gesellschaft zum neuen Statussymbol avanciert. Doch Schlafmediziner und Psychologen schlagen zunehmend Alarm: Die exzessive Kontrolle und Vermessung der eigenen Nacht lässt das eigentliche Ziel der Entspannung in weite Ferne rücken und gefährdet die Gesundheit.

Wenn die Smartwatch zum Stressfaktor wird

Schlafmediziner beobachten bei immer mehr Patienten ein eigenständiges Phänomen das unter dem Fachbegriff Orthosomnie bekannt geworden ist. Der Ausdruck leitet sich vom griechischen Wort „orthos“ für richtig ab und beschreibt die krankhafte Fixierung auf das Erreichen eines theoretisch idealen Schlafs. Auslöser für diese Störung sind fast immer die detaillierten Auswertungen von Smartwatches, Schlaftrackern und speziellen Ringen.

Zeigt die dazugehörige Smartphone-App am Morgen einen niedrigen Schlaf-Score oder zu wenige Tiefschlafphasen an, reagieren Betroffene mit Frustration, Angst und Verunsicherung. Das grundlegende Problem dabei: Die Algorithmen gängiger Consumer-Gadgets basieren lediglich auf Bewegungssensoren sowie Pulsfrequenzen und sind keineswegs mit einer medizinischen Schlaflabor-Analyse vergleichbar. Sie liefern oft ungenaue Werte und spiegeln die tatsächliche Erholung des Körpers nur unzureichend wider.

Der Teufelskreis aus Kontrollzwang und Schlaflosigkeit

Diese Dauerüberwachung führt Betroffene rasch in einen teuren und belastenden Teufelskreis. Wer sich bereits tagsüber gedanklich unter Druck setzt um abends die perfekten Rahmenbedingungen für die Nachtruhe zu schaffen erzeugt unbewusst chronischen Stress.

Genau dieser Stress führt zur Ausschüttung von Botenstoffen wie Cortisol und Adrenalin. Diese Hormone versetzen das Nervensystem in erhöhte Bereitschaft, verhindern das reibungslose Einschlafen und lassen den Schlaf extrem oberflächlich werden. Wenn der besorgte Blick auf die App am nächsten Morgen dann die schlechten Messwerte schwarz auf weiß bestätigt, verstärkt sich die Unruhe für die darauffolgende Nacht weiter. Schlaf verliert dadurch seine biologische Funktion als unbewusste Erholungsphase und wird zu einer stressbeladenen Aufgabe die es zwingend zu bewältigen gilt.

Risiken durch fragwürdige Selbstexperimente

Neben den psychischen Belastungen bringt der exzessive Optimierungswahn auch handfeste körperliche Risiken mit sich. Selbstexperimente aus den sozialen Medien wie das Zukleben des Mundes mit Klebeband um die Nasenatmung zu erzwingen können insbesondere bei unentdeckten Atemwegserkrankungen oder anatomischen Besonderheiten zu gefährlichen Atemnotzuständen führen.

Zudem verleiten teure Ergänzungsmittel und hochdosierte Schlafhormone wie Melatonin zur dauerhaften Selbstmedikation. Wer dem Körper synthetische Schlafhilfen ohne medizinische Notwendigkeit zuführt riskiert die eigene Hormonregulation nachhaltig durcheinanderzubringen. Anstatt dem Körper zu helfen verlernt dieser im schlimmsten Fall die eigenständige Steuerung der Schlafphasen.

Mehr Gelassenheit für eine gesunde Nacht

Experten raten daher drastisch zu mehr Gelassenheit und einem natürlichen Umgang mit der eigenen Nachtruhe. Ein gesunder menschlicher Körper besitzt ein hochfunktionales Selbstregulierungssystem und fordert sich das benötigte Maß an Schlaf über Müdigkeit ganz von alleine ein.

Einzelne schlechte Nächte oder Phasen mit Einschlafproblemen sind absolut menschlich und richten gesundheitlich keinerlei dauerhaften Schaden an. Wer bereits unter Einschlafproblemen oder innerer Unruhe leidet sollte Smartwatches, Tracker und Telefone für einige Wochen konsequent aus dem Schlafzimmer verbannen. Der wichtigste Gradmesser für guten Schlaf ist nicht das Ergebnis einer Smartphone-App sondern das persönliche Befinden nach dem Aufstehen im Alltag.

AUCH INTERESSANT

Studie: ChatGPT-Nutzung reduziert Gehirnaktivität erheblich

 

"Achte Front"
Netanjahu will „Propaganda gegen Israel“ bekämpfen

0

Jerusalem – Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat eine umfassende Offensive im digitalen Raum angekündigt um mutmaßliche Desinformationskampagnen auf Social Media zu bekämpfen. In einem Interview mit dem Sender Channel 14 bezeichnete Netanjahu die Informationskriegsführung als die „achte Front“ Israels. Zur Abwehr der Vorwürfe will das Land verstärkt auf Künstliche Intelligenz und eigene Bot-Netzwerke setzen.

Netanjahu warf unter anderem Katar und Russland vor gezielte Desinformationsoperationen und antisemitische Bot-Netzwerke gegen Israel zu betreiben. Insbesondere Berichte über Siedlergewalt im Westjordanland bezeichnete er in diesem Zusammenhang als gesteuerte Kampagne. Die jüdischen Bewohner in Judäa und Samaria beschrieb der Premierminister hingegen als mutig und außergewöhnlich.

Auf einer Pressekonferenz betonte Netanjahu zudem die gegensätzlichen Interessen zwischen Israel und Russland. Die Interessen beider Staaten überschneiden sich laut Netanjahu keineswegs immer und geraten mitunter direkt aneinander.

Zugleich verwies der israelische Premierminister auf einen Cyberangriff gegen den russischen Tech-Konzern Yandex. Nach dem Angriff seien rund sechzig Prozent der russischen Online-Aktivitäten gegen Israel schlagartig verschwunden was das Ausmaß der digitalen Einflussnahme verdeutliche.

Katar weißt Anschuldigungen zurück

Die Vorwürfe lösten internationale Reaktionen aus. Das katarische Außenministerium wies die Anschuldigungen Netanjahus die dieser auch auf der UN-Generalversammlung gegen Katar und die Türkei erhoben hatte scharf zurück.

Netanjahu hatte beiden Ländern vor der UN vorgeworfen große Summen für die Verbreitung von Falschinformationen gegen Israel auszugeben und die Türkei zudem als Hauptverbreiter von antisemitischen Lügen kritisiert.

Ein Sprecher des katarischen Außenministeriums bezeichnete die Vorwürfe als grundlos und als Versuch von den israelischen Handlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten abzulenken. Der Wandel in der globalen öffentlichen Meinung sei kein Ergebnis von Einflusskampagnen sondern die Folge der realen Geschehnisse vor Ort.

 


AUCH INTERESSANT

 Die Methode der KI-Beeinflussung: Wie ein fiktives Institut den Diskurs steuern sollte

Eine mutmaßlich von der israelischen Regierung finanzierte Einflussoperation soll versucht haben, künstliche Intelligenz gezielt im Sinne der israelischen Position zu konditionieren. Wie eine detaillierte Analyse der britischen Tageszeitung The Guardian zeigt, stehe im Zentrum dieser Aktion eine Website, die sich als Thinktank namens „Hanover Institute for Public Policy“ ausgibt.

Israel: Fake-Thinktank soll KI-Chatbots beeinflussen

Vintage Mode
Streetwear und Selbstvertrauen im Alltag

Mode wird oft als Nebensache abgetan. Gleichzeitig zeigen psychologische Ansätze wie Enclothed Cognition, dass Kleidung unser Auftreten und unsere Stimmung beeinflussen kann. In einer Zeit, in der mentale Gesundheit offener diskutiert wird, lohnt sich ein nüchterner Blick auf ein alltägliches Thema: Was macht ein Outfit mit uns?

Streetwear ist dabei mehr als ein Trend. Sie verbindet Komfort mit Haltung und wird für viele junge Erwachsene zur sichtbaren Form von Identität. Wer sich in seinem Look wiedererkennt, fühlt sich oft sicherer im Job, in der Uni oder im sozialen Umfeld.

Wie Kleidung das mentale Wohlbefinden beeinflussen kann

Kleidung ist Kommunikation. Wer sich in einem Outfit wohlfühlt, bewegt sich anders, spricht anders und tritt selbstbewusster auf. Das ist nicht nur subjektiv: Forschende beschreiben, dass äußere Signale das Selbstbild stabilisieren können, besonders in Phasen von Stress oder Unsicherheit.

Streetwear spielt hier eine besondere Rolle, weil sie Schutz und Ausdruck zugleich sein kann. Bequeme Schnitte geben Raum, solide Stoffe vermitteln Wertigkeit, klare Designs reduzieren das Gefühl, sich ständig erklären zu müssen.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Wer nach einer längeren Krankheitsphase oder nach einem Jobwechsel wieder unter Menschen geht, greift oft zu sicheren Outfits. Ein gut sitzender Hoodie, ein schlichtes Shirt und eine passende Hose können helfen, sich weniger beobachtet zu fühlen. Das ist kein medizinischer Effekt, aber ein psychologischer: Man startet mit einem stabileren Selbstbild in den Tag.

Wichtig bleibt: Mode ersetzt keine Therapie. Aber sie kann ein Baustein sein, um das mentale Wohlbefinden zu unterstützen, wenn sie als Werkzeug und nicht als Zwang verstanden wird.

Warum Streetwear so eng mit Identität verknüpft ist

Rollenbilder und Körpernormen werden heute stärker hinterfragt. Gleichzeitig verstärken soziale Netzwerke den Blick auf Äußerlichkeiten: Outfits sind nicht mehr nur im Freundeskreis sichtbar, sondern potenziell für viele Menschen.

Das kann Druck erzeugen, eröffnet aber auch Chancen. Streetwear ist vergleichsweise inklusiv, weil viele Teile unabhängig von Körperform funktionieren und nicht an klassische Business-Codes gebunden sind. Wer sich nicht in Anzug oder Kostüm wiederfindet, kann über Streetwear eine eigene, glaubwürdige Sprache entwickeln.

Shelby Brothers als Beispiel für eine klare Markenhaltung

In diesem Umfeld entstehen Labels, die nicht nur Kleidung verkaufen, sondern auch Werte transportieren. Ein Beispiel ist das Streetwear-Label Shelby Brothers. Die Marke setzt auf einen cleanen, selbstbewussten Look und verbindet ihn mit dem Gedanken von Brotherhood, also Zusammenhalt und Loyalität.

Für Konsumenten ist das relevant, weil Mode heute oft nach Bedeutung bewertet wird: Wofür steht ein Label, wie konsequent ist der Stil, und passt er zum eigenen Alltag? Orientierung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Wiedererkennbarkeit.

Auch die praktische Seite zählt. Passform, Material und Verarbeitung entscheiden darüber, ob ein Hoodie oder T-Shirt zum Lieblingsstück wird oder nach kurzer Zeit im Schrank verschwindet. Gerade bei Streetwear, wo Käufer häufig auf Drops und limitierte Releases achten, ist Vertrauen in Qualität ein zentraler Faktor.

Streetwear ist kein Heilmittel, aber auch nicht belanglos. Sie zeigt, wie eng Stil, Selbstbild und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sind. Wer Kleidung als Teil des eigenen Wohlbefindens versteht, kann daraus etwas Positives ziehen.

AUCH INTERESSANT

Historische Premiere: Adidas launcht erste globale Kollektion aus der Türkei

Koalitionsgespräche
„Hufeisen auf den Kopf gefallen“: Juso-Chef Türmer rechnet nach Berlin-Wahl mit der CDU ab

0

Berlin – Juso-Chef Philipp Türmer hat im phoenix-Interview die Kritik der Union an einer möglichen rot-grün-roten Koalition in Berlin zurückgewiesen.

„Ich habe den Eindruck, dass da vielen bei der Union in den letzten Tagen und Wochen ein bisschen ihr Hufeisen auf den Kopf gefallen ist. Ich würde mir wünschen, dass die CDU erst mal vor der eigenen Türe kehrt und dafür sorgt, dass sie eine klare Haltung in der Abgrenzung auch gerade auf Länderebene zur AfD hat“, sagte Türmer.

Zwar stelle sich mit Blick auf die Berliner Linke die Frage: „Sind sie denn überhaupt regierungswillig?“ Die Wahl habe aber vor allem gezeigt, dass sich die Berlinerinnen und Berliner „eine andere Regierung wünschen als die bislang von der CDU geführte Regierung“.

Ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD komme deshalb nicht infrage, auch wegen des zentralen Wahlkampfthemas Wohnen. Hier sei die Berliner CDU „politisch, personell ja fast überhaupt nicht von der Berliner Vermieterlobby zu trennen“. Türmer habe selbst erlebt, „wie da mit Zähnen und Klauen quasi die Interessen der Vermögenden verteidigt werden und man sich überhaupt nicht darum kümmert, dass viele Berlinerinnen und Berliner sich die Miete nicht mehr leisten können“.

 

Iran-Konflikt
Trump: Kein US-Einsatz gegen Iran ohne Netanjahu

0

Washington – Kurz vor den entscheidenden Parlamentswahlen in Israel am 27. Oktober sorgt US-Präsident Donald Trump mit einer deutlichen Wählerempfehlung für Aufsehen. Auf seiner Plattform Truth Social sprach er dem amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu seine uneingeschränkte Unterstützung aus – und knüpfte das künftige Engagement der USA im Konflikt mit dem Iran direkt an dessen Verbleib im Amt.

In seinem Beitrag auf Truth Social warnte Trump ausdrücklich vor einem politischen Wechsel an der Spitze der israelischen Regierung. Sollte Israel eine andere Führung als Netanjahu wählen, müssten die USA die Aufgaben und Maßnahmen im Konflikt mit Teheran allein übernehmen – eine Option, die er für die US-Administration explizit ablehne.

Mit dieser Äußerung verdeutlicht Trump, dass die Sicherheitspartnerschaft zwischen Washington und Jerusalem aus seiner Sicht eng an die Person Netanjahu gebunden ist. Bereits während seiner ersten Präsidentschaftsperiode pflegten beide Politiker eine enge Allianz, die unter anderem zur historischen Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem sowie zum Abschluss der Abraham-Abkommen mit mehreren arabischen Staaten führte.

Zugleich fügt sich Trumps Ausstiegsszenario in seine außenpolitische Doktrin ein, direkte US-Militäreinsätze oder alleinige Sicherheitsgarantien ohne starke Verbündete vor Ort zu vermeiden. Seine Aussagen fallen mitten in die heiße Phase des israelischen Wahlkampfs, in dem die Bedrohung durch das iranische Atom- und Raketenprogramm sowie die zukünftige Ausrichtung der nationalen Sicherheitspolitik die zentralen Debattenthemen bilden.

Indem Trump das Engagement Washingtons als Bedingung an Netanjahus Wahlsieg knüpft, erhöht er den politischen Druck auf das israelische Wählerfeld im Endspurt vor dem Gang an die Urnen.

Ägäis-Konflikt
Griechenland und die Türkei: Der Konflikt um die Hoheitsgewässer in der Ägäis

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Immer wieder kommt es im Ägäischen Meer zu Spannungen zwischen der griechischen und der türkischen Marine. Dabei kommt es auch vor, dass die griechische Marine türkische Fischerboote attackiert, obwohl sich diese nach eigenen Angaben in internationalen Gewässern aufgehalten haben.

Nach einer Meldung der Zeitung Izmir Havadis bedrängte die griechische Küstenwache im Juni dieses Jahres türkische Fischerboote vor der Küste Bodrums. Die Besatzung des Fischerboots wurde aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Die Fischer zeigten den Soldaten der griechischen Küstenwache die Koordinaten ihres Bootes. Als ein türkisches U-Boot auftauchte, verließ das Schiff der griechischen Küstenwache die Gegend.

Von drei auf sechs Seemeilen: Griechenlands einseitige Ausweitung von 1936

Griechenland weitete seine Hoheitsgewässer in der Ägäis am 17. September 1936 durch das Gesetz Nr. 230/1936 einseitig von drei auf sechs Seemeilen aus. Diese nationale Festlegung vergrößerte den unter griechischer Hoheitsgewalt stehenden Meeresraum und verringerte entsprechend die außerhalb nationaler Hoheitsgewässer verbleibenden Seegebiete, wodurch auch die Interessen der Türkei als Nachbarstaat berührt wurden.

Griechenlands Anspruch auf zwölf Seemeilen und Artikel 300 des Seerechtsübereinkommens

Unter Berufung auf das internationale Seerechtsübereinkommen haben griechische Regierungen immer wieder auf das Recht Griechenlands hingewiesen, seine Hoheitsgewässer auch im Ägäischen Meer auf zwölf Seemeilen auszudehnen. Zur Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer von sechs auf zwölf Seemeilen erklärte der damalige griechische Außenminister Nikos Dendias in einer Rede vor dem Parlament am 26. August 2020:

„Από την πλευρά της, η Ιταλία και έμμεσα η Ευρωπαϊκή Επιτροπή που αποδέχθηκε την αποστολή, επιβεβαίωσαν το αναφαίρετο δικαίωμα της χώρας μας να επεκτείνει παντού, επαναλαμβάνω παντού, και στο Ιόνιο και στο Λιβυκό και στο Αιγαίο και νότια της Κρήτης, τα χωρικά της ύδατα.“

Deutsche Übersetzung:

„Italien und indirekt auch die Europäische Kommission, die das entsprechende Schreiben entgegengenommen hat, haben ihrerseits das unveräußerliche Recht unseres Landes bestätigt, seine Hoheitsgewässer überall – ich wiederhole: überall – auszuweiten, sowohl im Ionischen Meer als auch im Libyschen Meer, in der Ägäis und südlich von Kreta.“

In Artikel 3 des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen zur Breite des Küstenmeers steht:

„Jeder Staat hat das Recht, die Breite seines Küstenmeers bis zu einer Grenze festzulegen, die höchstens 12 Seemeilen von den in Übereinstimmung mit diesem Übereinkommen festgelegten Basislinien entfernt sein darf.“

Auf diesen Artikel 3 beruft sich Griechenland, um seine Hoheitsgewässer in der Ägäis auszuweiten. Bei dieser Argumentation wird etwas ganz Entscheidendes nicht erwähnt: Artikel 300 des Seerechtsübereinkommens (vgl. Artikel 300 des Seerechtsübereinkommens). Dort heißt es:

„Die Vertragsstaaten erfüllen die aufgrund dieses Übereinkommens übernommenen Verpflichtungen nach Treu und Glauben und üben die in dem Übereinkommen anerkannten Rechte, Hoheitsbefugnisse und Freiheiten in einer Weise aus, die keinen Rechtsmissbrauch darstellt.“

Eine Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis auf zwölf Seemeilen würde die strategischen und maritimen Interessen der Türkei erheblich berühren. Angesichts der besonderen geografischen Verhältnisse und der Auswirkungen auf die außerhalb nationaler Hoheitsgewässer verbleibenden Seegebiete sollten beide Staaten eine einvernehmliche Lösung anstreben. Artikel 300 UNCLOS verpflichtet sie zur Ausübung ihrer Rechte nach Treu und Glauben und verbietet Rechtsmissbrauch.

Wie Tabelle 3 aufzeigt, würde Griechenland bei einer Ausweitung der Hoheitsgewässer auf zwölf Seemeilen erheblich davon profitieren und seinen Anteil von 43,5 % auf 71,5 % erhöhen – eine Veränderung um 28 Prozentpunkte. Verlierer wären sowohl die Türkei als auch die internationale Schifffahrt. Der Anteil der internationalen Gewässer würde von 49 % auf 19,7 % zurückfallen.

Die „Megali Idea“: Der griechische Irredentismus

Die Politik Griechenlands, sein Hoheitsgebiet auf Kosten von Nachbarstaaten auszuweiten, hat etwas mit dem griechischen Irredentismus zu tun. Im 19. und 20. Jahrhundert prägte die Ideologie des griechischen Nationalismus die sogenannte „Megali Idea“ („Die große Idee“). Ihr Ziel war die Vereinigung aller von Griechen besiedelten Gebiete, ein Konzept, das als „griechischer Irredentismus“ bezeichnet wird.

Der Plan sah unter anderem die Besetzung von Teilen Anatoliens auf Kosten des ehemaligen Osmanischen Reiches vor. Nach dessen Niederlage im Ersten Weltkrieg sah die griechische Regierung unter Ministerpräsident Eleftherios Venizelos die Möglichkeit gekommen, die „Megali Idea“ zu verwirklichen. Venizelos galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als einer der wichtigsten Verfechter dieses irredentistischen Projekts. Mit seiner Umsetzung sollten das historische Byzanz wiedererrichtet, Kleinasien hellenisiert und die türkische Herrschaft auf dem Balkan sowie in Anatolien beendet werden.

Die Besetzung von Izmir und die Gewalt gegen die türkische Zivilbevölkerung

Die Besetzung der westtürkischen Stadt Izmir durch die griechische Armee am 15. Mai 1919 war ein erster Schritt zur Verwirklichung der „Megali Idea“. Bei ihrem Vormarsch bis nach Polatlı/Ankara, setzte die griechische Besatzungsarmee auf eine Politik der systematischen Zerstörung von Städten und Dörfern sowie der Infrastruktur, der Vertreibung der einheimischen Bevölkerung, der Vergewaltigung von Frauen und Mädchen und massenhafter Gewaltverbrechen gegen die türkische Zivilbevölkerung.

In der türkischen Geschichtswissenschaft und im allgemeinen Sprachgebrauch wird für die Gewaltverbrechen der griechischen Armee gegen die türkische Zivilbevölkerung der Begriff „Yunan Mezalimi“ (griechische Gräueltaten) verwendet.

Zypern 1974: Der Versuch, die Insel an Griechenland anzuschließen

Am 15. Juli 1974 initiierten Teile der griechisch-zyprischen Nationalgarde und der Terrororganisation EOKA-B einen Militärputsch auf Zypern. Der Putsch wurde von der griechischen Militärjunta in Athen unterstützt. Das Ziel bestand darin, Präsident Makarios zu stürzen und die Insel mit Gewalt an Griechenland anzuschließen (Enosis). Makarios wurde durch den Nationalisten Nikos Sampson ersetzt. Was folgte, waren systematische Massaker an der zyperntürkischen Bevölkerung, die seit 1963 in Enklaven leben musste. Um die zyperntürkische Bevölkerung zu schützen, intervenierte die türkische Armee unter Berufung auf das Garantieabkommen von 1959.

Zwölf Seemeilen als Fortsetzung der „Megali Idea“?

Der Militärputsch der griechisch-zyprischen Nationalgarde vom 15. Juli 1974 war ein weiterer Versuch, die Ideologie des griechischen Nationalismus und die irredentistische „Megali Idea“ zu verwirklichen. Die Ankündigung der griechischen Regierung, die nationalen Hoheitsgewässer von sechs auf zwölf Seemeilen auszudehnen, ist nichts anderes als die Fortsetzung des griechischen Irredentismus und der „Megali Idea“.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei


AUCH INTERESSANT

– Çerkezköy–Kapıkule –
Türkei: Neue Schnellzugverbindung Richtung EU offiziell gestartet

Neue Schnellzugverbindung in Thrakien gestartet: Die Strecke Çerkezköy–Kapıkule verbindet Istanbul und die EU-Grenze. Mit 275 Mio. € EU-Förderung.

Türkei: Neue Schnellzugverbindung Richtung EU offiziell gestartet