Gastbeitrag
Kommentar: „Ist die Türkei ein Rechtsstaat?“

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

In der Türkei kristallisieren sich zwei Lager, die sich nicht nur in einem Punkt vehement widersprechen. Das erste Lager sagt: „Die Justiz ist vollkommen unabhängig.“ Das zweite Lager sagt: „Die Justiz wird vom Präsidenten per Fernbedienung gesteuert.“ Beide Lager haben etwas gemeinsam: Sie vereinfachen die Wirklichkeit bis zur Unkenntlichkeit.

Folgt man der ersten Version, dann ist die türkische Justiz eine Art juristisches Shangri-La. Richter treffen Entscheidungen ausschließlich auf Grundlage von Recht, Gesetz und Gewissen. Beförderungen, Versetzungen, Massenstrafverfahren? Reine Zufälle. So zufällig wie Schneefall in der Sahara.

Folgt man der zweiten Version, dann sitzt irgendwo im Präsidentenpalast ein Beamter mit einer Fernbedienung: Taste 1 für Freispruch, Taste 2 für Untersuchungshaft, Taste 3 für „erneut verhaften, morgen nochmal verhandeln“. Die Richter wären demnach lediglich Statisten in schwarzen Roben.

Das Problem ist nur: Beide Meinungen erklären die Realität nicht besonders gut.

Denn merkwürdigerweise gewinnt die Opposition in der Türkei immer wieder Prozesse, auch und vor allem bei zuwiderlaufenden Verordnungen und Gesetzen, dass der amtierende Regierung unter Recep Tayyip Erdoğan unterschrieben oder abgesegnet hat. Ebenso gewinnen Kommunen gegen Ministerien, Bürger gegen Behörden, Journalisten gegen den Staat.

Sogar das Verfassungsgericht hat sich gelegentlich immer wieder erlaubt, Entscheidungen zu treffen, die nicht unbedingt Jubelstürme in Regierungskreisen ausgelöst haben. Das ist natürlich unergründlich für jene, die jeden türkischen Richter oder Staatsanwalt für einen Parteifunktionär halten, weshalb das ein Tabuthema bleibt.

Gleichzeitig gibt es aber auch Verfahren, bei denen selbst wohlwollende Beobachter die Augenbrauen heben. Verfahren, die genau dann erstaunlich schnell werden, wenn die politische Bedeutung steigt. Als hätte die türkische Justiz einen eingebauten Turbo, der nur bei Oppositionspolitikern aktiviert wird. Das kann von einem Beobachter so subjektiv empfunden worden sein, aber auch den Tatsachen entsprechen – aber ist das ein Freibrief, um die türkische Justiz zu verunglimpfen?

Denn hier beginnt die eigentliche Tragikomödie. Während die einen behaupten, die Türkei sei kein Rechtsstaat, zeigen sie auf Europa, dass Reich vollkommener Rechtsstaatlichkeit. Dort sei die Justiz rein, unberührt und über jeden Zweifel erhaben.

Als hätten Richter in Berlin, Paris oder Madrid nie Zeitung gelesen, nie Nachrichten geschaut und nie politische Präferenzen gehabt. Schon vergessen, welche Vorwürfe hier erhoben werden? Wiederum andere behaupten, Europa sei keinen Deut besser als die Türkei.

Beides ist ungefähr so überzeugend wie die Behauptung, alle Schiedsrichter seien entweder vollkommen objektiv oder vollständig gekauft. Die Wahrheit ist viel banaler: Menschen sind Menschen, Richter sind Menschen, Staatsanwälte sind Menschen und auch Staatsbedienstete sind Menschen, Menschen aus der Mitte der Gesellschaft.

All sie kochen mit demselben Wasser, ob in der Türkei, in Deutschland oder in Mali, ist vollkommen egal. Menschen leben also nicht im Vakuum, was auch auf die staatlichen Organe umgemünzt werden kann.

Der Unterschied zwischen einem starken und einem schwachen Rechtsstaat besteht deshalb nicht darin, dass die Menschen dort bessere Engel wären. Sondern darin, wie viele Hürden ein System errichtet, damit persönliche, politische oder ideologische Vorlieben möglichst wenig Schaden anrichten.

Der deutsche Richter wird nicht automatisch zum Heiligen, sobald er die Robe anzieht. Der türkische Richter wird nicht automatisch zum Parteisoldaten, sobald er vereidigt wird. Die eigentliche Frage lautet vielmehr: Wer zahlt den Preis, wenn ein Richter oder Staatsanwalt gegen die Erwartungen der Mächtigen entscheidet?

Wenn die Karriere darunter leidet, die Versetzung kommt, dann kann die Debatte über Rechtsstaatlichkeit beginnen. Wenn nichts passiert, ist die Debatte schlichtweg abgehoben, zu politisch aufgeladen. Sie verlangt eigentlich eine Differenzierung. Sie verlangt Zahlen, Urteilsbegründungen, den Rechtsweg, Mechanismen zur Ernennung und nicht die einfache Erklärung, es sei entweder eine Diktatur oder Schlaraffenland.

Und so stehen sich die Lager weiterhin gegenüber: Die einen rufen „die türkische Justiz ist vollkommen unabhängig!“ und die anderen rufen „die türkische Justiz ist vollkommen kontrolliert!“, während irgendwo ein Richter in Anatolien gerade einen Nachbarschaftsstreit über einen Obstbaum verhandelt und sich wahrscheinlich fragt, warum ausgerechnet er zum Hauptdarsteller im globalen Kampf um Demokratie und Autoritarismus geworden ist.

Die ehrlichste Beschreibung der Lage ist, dass die Justiz weder so unabhängig, wie ihre Verteidiger behaupten, noch so allmächtig kontrolliert, wie ihre Kritiker behaupten. Aber in Zeiten politischer Polarisierung verkauft sich eine Grauzone eben schlechter als eine Verschwörung. Und so bleibt der Rechtsstaat – in der Türkei wie anderswo – oft weniger eine juristische Kategorie als eine Glaubensfrage. Je nachdem, ob das Urteil gerade die eigene Seite trifft.


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Weltflüchtlingstag
UN: 37 bis 42 Millionen Kinder und Jugendliche waren 2024 weltweit auf der Flucht

Berlin – 37 bis 42 Millionen Kinder und Jugendliche waren 2024 laut UN-Angaben weltweit auf der Flucht. Doch das sind nur grobe Schätzungen. Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni fordert die Kindernothilfe hier dringend mehr Klarheit, damit kein geflüchtetes Kind unsichtbar und damit ungeschützt bleibt.

In vielen Ländern, so die Kinderrechtsorganisation, würden Daten über vertriebene Minderjährige nicht routinemäßig erhoben und ausgewertet. Warum sie ihre Heimat verlassen müssen, ob sie auf der Flucht hungern, krank sind, zur Schule gehen oder ausgebeutet werden, könne in vielen Fällen nicht beantwortet werden. „Ohne schützendes Umfeld sind Kinder und Jugendliche extremen Gefahren ausgesetzt. Wenn sie dann noch nicht einmal erfasst werden, öffnet das Kinderrechtverletzungen Tür und Tor“, warnt Kindernothilfe-Vorstand Carsten Montag.

Dort, wo UN-Erhebungen vorliegen, beobachtet die Kindernothilfe alarmierende Entwicklungen. So habe sich die Zahl gewaltsam vertriebener Kinder seit 2010 fast verdreifacht – sie lag 2024 weltweit bei geschätzten 48,7 Millionen. Zwei Drittel von ihnen stammten aus nur fünf Ländern: Afghanistan, Syrien, Venezuela, Ukraine und Südsudan. Für Vertreibungen innerhalb der Landesgrenzen sei heute überwiegend der Klimawandel verantwortlich. Gar keine konkreten Zahlen gebe es überdies zu der extrem gefährdeten Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten.

„Wir wissen auf das Quartal genau, wie viele Menschen ein Smartphone besitzen. Aber wenn es um Kinder geht, die vor Krieg, Dürre und Epidemien fliehen müssen, versagen unsere Statistiken“, kritisiert Carsten Montag. Angesichts der heutigen technischen Möglichkeiten sei es beschämend, dass Millionen Kinder und Jugendliche auf der Flucht unter dem Radar der Behörden blieben. „Sichtbarkeit ist der erste Schritt zum Kinderschutz. Dafür muss sich die Bundesregierung nachdrücklich einsetzen, auf EU-Ebene und darüber hinaus.“

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Antisemitismus
Zentralrat der Juden sieht „neue Normalität“ des Judenhasses in Deutschland

Berlin – Angesichts neuer Zahlen zu antisemitischen Straftaten in Deutschland hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, vor einer gesellschaftlichen Gewöhnung an den Hass auf Juden gewarnt.

„Die inzwischen fast alltägliche Präsenz des Judenhasses führt zur Bildung einer ’neuen Normalität‘, in der jüdisches Leben aus der Öffentlichkeit gedrängt wird und nur unter immensen Schutzanstrengungen möglich ist“, sagte Schuster im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz). „Der RIAS-Jahresbericht muss deshalb Weckruf und Auftrag für Politik und Zivilgesellschaft sein. Denn um diesen Trend umzukehren, sind enorme Anstrengungen nötig.“

Am Mittwoch hatte der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) seinen Jahresbericht für 2025 vorgestellt. Demnach wurden im vergangenen Jahr bundesweit 8.725 Vorfälle registriert. Das waren neun mehr als im Jahr davor. Im Durchschnitt kommt es damit zu etwa 24 Taten pro Tag.

„8.725 antisemitische Vorfälle, ca. 24 pro Tag – das sind keine statistischen Ausreißer, es ist die bedrückende Realität in Deutschland“, sagte Zentralratspräsident Schuster gegenüber noz. „Der Jahresbericht 2025 von RIAS macht deutlich: Statt einer Beruhigung der Lage erleben wir eine Verfestigung des Antisemitismus auf Rekordniveau.“

Antisemitismus sei ein reales und ernstes Problem, das konsequent benannt und bekämpft werden müsse, die Kommentatorin Susanne Mattner. 

„Gleichzeitig darf der Vorwurf nicht so weit gefasst werden, dass berechtigte Kritik an Regierungsentscheidungen oder militärischen Maßnahmen pauschal delegitimiert wird.“ Eine differenzierte Unterscheidung zwischen antisemitischen Ressentiments und sachlicher Kritik an israelischer Politik sei deshalb unverzichtbar, so Mattner.

In den vergangenen Jahren sei immer wieder der Eindruck entstanden, dass Kritik an konkreten Entscheidungen der israelischen Regierung nicht selten vorschnell als antisemitisch eingeordnet werde.

„Dadurch kann eine offene politische Debatte erschwert werden, obwohl Kritik an staatlichem Handeln in einer Demokratie grundsätzlich legitim sein sollte.“

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Fashion
Basic-Outfits stilvoll aufwerten: Einfache Tricks für mehr Persönlichkeit im Look

Basic-Outfits gehören zu den beliebtesten Looks im Alltag. Sie sind unkompliziert, zeitlos und lassen sich vielseitig kombinieren. Schon kleine Veränderungen bei Accessoires, Farben oder Materialien können einem Outfit mehr Persönlichkeit verleihen und den eigenen Stil gekonnt unterstreichen.

Die perfekte Basis: Warum zeitlose Basics unverzichtbar sind

Ein guter Look beginnt nicht mit auffälligen Trendteilen, sondern mit den richtigen Basics. Ein schlichtes T-Shirt, eine gut sitzende Jeans, ein klassischer Blazer oder ein zeitloses Hemd lassen sich immer wieder neu kombinieren und passen zu vielen Gelegenheiten.

Dabei lohnt es sich, auf Qualität statt auf eine große Menge an Kleidung zu setzen. Hochwertige Materialien sehen oft länger gut aus und tragen sich angenehmer. Ebenso wichtig ist die Passform: Kleidung, die gut sitzt, wirkt meist deutlich stilvoller als das teuerste Trendteil in der falschen Größe.

Accessoires als Stil-Booster einsetzen

Oft sind es die kleinen Details, die ein Outfit besonders machen. Dezenter Schmuck kann elegante Akzente setzen, während auffälligere Stücke gezielt zum Blickfang werden. Auch Taschen und Gürtel sind weit mehr als praktische Begleiter, sie können einem schlichten Look Struktur und Charakter verleihen. Abgerundet wird das Outfit durch Accessoires wie Sonnenbrillen oder Uhren, die den persönlichen Stil unterstreichen und selbst einfachen Kombinationen eine individuelle Note geben.

Mit Farben und Materialien Akzente setzen

Wer überwiegend neutrale Farben trägt, kann mit einzelnen Farbakzenten spannende Kontraste schaffen. Ebenso sorgen unterschiedliche Materialien für mehr Abwechslung.

Die Kombination aus Denim, Strick, Leder oder Baumwolle verleiht einem Outfit zusätzliche Tiefe und macht den Look interessanter. Ein farbiger Schal, eine auffällige Tasche oder ein gemusterter Blazer können einen schlichten Look deutlich aufwerten. Gleichzeitig wirkt ein Outfit oft besonders harmonisch, wenn Farben und Materialien bewusst aufeinander abgestimmt sind.

Schuhe als Stilfaktor nutzen

Schuhe beeinflussen die Wirkung eines Outfits oft stärker als gedacht. Während Sneaker für einen entspannten und modernen Look sorgen, wirken Loafer oder elegante Stiefeletten deutlich klassischer.

Bereits ein Wechsel der Schuhe kann denselben Basic-Look komplett verändern und an verschiedene Anlässe anpassen. Gleichzeitig sollten Schuhe nicht nur optisch zum Outfit passen, sondern auch zum persönlichen Stil.

Neue Inspiration für den eigenen Stil finden

Wer frischen Wind in seine Garderobe bringen möchte, muss nicht sofort neue Kleidung kaufen. Oft lohnt es sich, bestehende Lieblingsstücke neu zu kombinieren oder sich von aktuellen Styling-Ideen inspirieren zu lassen. Hilfreiche Anregungen bietet beispielsweise der Beitrag auf NEX24.

Stilvoll einkaufen und passende Accessoires auswählen

Neben der richtigen Kombination spielen ausgewählte Accessoires eine wichtige Rolle für einen individuellen Look. Wer auf der Suche nach stilvollen Ergänzungen für seine Garderobe ist, findet auf eZebra eine große Auswahl an Produkten, die sich ideal mit zeitlosen Basics kombinieren lassen.

Schon mit wenigen Veränderungen lassen sich schlichte Outfits damit deutlich aufwerten. Oft reichen gut gewählte Accessoires, passende Schuhe oder interessante Materialkombinationen aus, um dem eigenen Stil mehr Ausdruck zu verleihen.

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Glücksspielbranche
Bund und Länder prüfen 2026 Werberegeln für Online‑Glücksspiel

Hendrik Streeck (CDU), der Drogen- und Suchtbeauftragte der Bundesregierung, hat Mitte Mai vor einem massiven Vollzugsproblem mit illegalem Glücksspiel gewarnt und schnelles Handeln von Bund und Ländern gefordert.

Obwohl Streecks Aufforderung vehement ist, drehen sich Bundes- und Länderverantwortliche schon lange um dieses Thema. Bis zum 31. Dezember 2026 soll es nämlich einen Abschlussbericht zur Evaluation des Glücksspielstaatsvertrags 2021 geben. Und was danach geregelt wird, ist noch völlig unklar.

Drei Studien laufen bis zum Jahresende in Berlin

Der Glücksspielstaatsvertrag sieht vor, dass Ende Dezember 2026 eine Evaluation stattfindet. Bis dahin hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) drei Studien in Auftrag gegeben: Über technische Spielerschutzmaßnahmen, über die Ausmaße des Schwarzmarktes und über die Auswirkungen von Werbung.

Besonders die letzte stellt eine politische Herausforderung dar. Die Berliner Marktforschungsgesellschaft eye square untersucht diesen Aspekt, nachdem ihr im Dezember 2023 der Auftrag erteilt wurde. Dabei wird sie von einem Expertengremium unter Leitung von Prof. Gerhard Bühringer von der TU Dresden begleitet.

Untersucht wird, wie Werbung auf vulnerable Personengruppen wirkt und ob die Werbevorschriften des GlüStV ihre Doppelrolle leisten können. Spielinteressierte sollen in den lizenzierten Markt gelenkt werden, ohne dass neue Klientel angesprochen wird.

Wann eine umfassendere Anpassung des Staatsvertrags in Kraft tritt, ist offen.Eine kleinere Reform ist seit Mai 2026 in Kraft und verpflichtet Internetprovider zur DNS-Sperre nicht lizenzierter Glücksspielseiten.

Boni und Gratisdrehungen im Visier

Eye square erfasst über TV-Spots hinaus auch Online-Werbung, Sportsponsoring und Sonderwerbemaßnahmen, darunter ausdrücklich Boni und Rabatte. Lizenzierte Spielotheken arbeiten regelmäßig mit Aktionen, die ohne eigene Einzahlung starten. Klassisch sind Freispiele für einen festgelegten Slot, gekoppelt an Umsatzbedingungen und einen Maximalbetrag bei der Auszahlung. Vergleichbar funktionieren No Deposit Bonus Codes, mit denen sich nach Registrierung ein kleines Startguthaben aktivieren lässt. Reguliert sind beide Formen über den GlüStV, im Erhebungskonzept der Studie tauchen sie unter den Sonderwerbemaßnahmen auf.

Die Studie soll eine Trennlinie zwischen zwei Wirkungen ziehen. Welche Werbung lenkt Spielinteressierte in den lizenzierten Markt, welche zieht Personen an, die bisher nicht spielten? Auf diese Frage hat die Politik bisher keine belastbare Antwort.

Zwölf Bundesligisten setzen weiter auf einen Wettpartner

Zwölf von achtzehn Klubs der Fußball-Bundesliga sind nach Angaben des Deutschen Sportwettenverbands (DSWV) mit einem Sportwetten-Anbieter als Sponsor verbunden, mal als Trikotbrust-Logo, mal als Ärmel- oder Bandenwerbung, mal digital. Tipico ist seit 2024 Hauptpartner der 3. Liga des DFB, das Logo erscheint auf den Ärmeln aller Vereine der Liga.

Die Konstellation wackelt in Einzelfällen. Der VfB Stuttgart hat seinen Trikotsponsor zur Saison 2025/26 von Winamax auf die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) umgestellt. Hintergrund waren auch europäische Auswärtsspiele in Ländern wie Spanien, in denen Glücksspiel-Logos auf der Brust verboten sind. Die Spielergewerkschaft VDV hat im Herbst öffentlich gegen Glücksspielwerbung im DFB-Umfeld Stellung bezogen und auf die hohe Suchtgefahr bei Sportwetten hingewiesen.

Premier League verbietet 2026/27 Glücksspiel auf der Trikotbrust

Die englische Premier League hat beschlossen, ab der Saison 2026/27 keine Glücksspielanbieter mehr auf der Trikotbrust zuzulassen. Die Niederlande sind seit Juli 2025 noch strenger. Dort ist jegliches Sportsponsoring durch Glücksspielunternehmen untersagt. Italien hatte schon 2018 mit dem Dekret „Dignità“ ein Totalverbot für Glücksspielwerbung verhängt.

Die deutsche Regelung liegt zwischen diesen Polen. Werbung im Fernsehen und Internet ist ausschließlich zwischen 21 und 6 Uhr erlaubt, im Stadionumfeld nur als Dachmarkenwerbung ohne Quotenangaben. Dazu kommen Pflichthinweise auf Suchtrisiken und das Verbot, Minderjährige anzusprechen. Ob die eye square-Daten am Ende den deutschen Mittelweg stützen oder einen Schritt Richtung niederländisches Modell empfehlen, lässt sich erst nach Vorlage des Endberichts beantworten.

Was können Sachsen und Thüringen blockieren?

Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD vom April 2025 hat das Thema ins politische Programm gehoben, ohne konkrete Maßnahmen zu benennen. Zeile 2901 nennt das Ziel, gemeinsam mit den Ländern die Bekämpfung illegalen Glücksspiels zu verbessern. Das ist die ganze Vereinbarung.

Im März 2026 hat die GGL Zahlen vorgelegt, eine Studie auf Basis der Blockchain Research Lab-Methodik beziffert den Schwarzmarktanteil am deutschen Online-Glücksspiel auf 22,97 Prozent. Im selben Monat hat GGL-Vorstand Ronald Benter beim 23. Symposium Glücksspiel an der Universität Hohenheim deutlich gemacht, was er von der laufenden Evaluierung erwartet. Wer an den gesetzgeberischen Entscheidungen rütteln wolle, brauche Evidenz, nicht Lobbypapiere.

Die Industrie liefert Gegenforderungen. Der DSWV will eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft gegen ausländische Anbieter und mehr Druck auf Werbeplattformen über den Digital Services Act. Suchtprävention und Spielergewerkschaft laufen in die andere Richtung und fordern ein weitergehendes Werbeverbot, insbesondere im Sport. Welche Linie sich in den Staatskanzleien durchsetzt, hängt auch davon ab, wie eindeutig die eye square-Daten ausfallen.

Eine Änderung des Staatsvertrags benötigt die Zustimmung aller 16 Landesparlamente. In Sachsen und Thüringen sind die Mehrheitsverhältnisse fragil. Nach Vorlage des Endberichts im Dezember beginnt eine Konsultationsphase zwischen den Staatskanzleien. Eine umfassendere Staatsvertragsanpassung dürfte frühestens 2027 zur Ratifizierung anstehen.

Internetprovider sperren erste Domains

Die im Mai eingeführte Sperrpflicht richtet sich gegen Domains, die von der GGL als unerlaubt eingestuft werden. Zugangsanbieter müssen die Auflösung der Adressen unterbinden. Die Frist zur technischen Umsetzung ist im Staatsvertrag geregelt, Umgehungen über VPN-Dienste oder eigene DNS-Resolver bleiben außerhalb der Reichweite. Wie stark die Maßnahme den Schwarzmarktanteil tatsächlich drückt, gehört zu den offenen Fragen, die der Endbericht beantworten soll.

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Israel-Kritik
Luxemburgischer Außenminister: Israelkritik ist kein Antisemitismus

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Paris – In der französischen Hauptstadt haben israelische und palästinensische Vertreter der Zivilgesellschaft gemeinsam mit Ministern aus mehreren Ländern an der Konferenz „Paris Call for Peace“ teilgenommen — einem Treffen im Institut du Monde Arabe, das konkrete Schritte hin zu einer Zwei-Staaten-Lösung fördern soll.

Rund 400 Teilnehmer kamen zusammen, darunter Minister aus Andorra, Belgien, Brasilien, Kanada, Island, Luxemburg, Monaco und der Europäischen Union.

Es war jedoch eine Aussage des luxemburgischen Außenministers Xavier Bettel, die besondere Aufmerksamkeit erregte.

„Ich bin nicht der Meinung, dass man als Antisemit gilt, wenn man heute die israelische Regierung kritisiert“, sagte Bettel auf der Konferenz

Die Aussage fällt in eine anhaltende Debatte: Kritiker werfen seit Jahren vor, dass der Vorwurf des Antisemitismus gezielt eingesetzt werde, um legitime Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterdrücken.

„Ich halte diese Einschätzung für nachvollziehbar“, so die Kommentatorin Susanne Mattner gegenüber NEX24. In den vergangenen Jahren sei immer wieder der Eindruck entstanden, dass Kritik an konkreten Entscheidungen der israelischen Regierung nicht selten vorschnell als antisemitisch eingeordnet werde.

„Dadurch kann eine offene politische Debatte erschwert werden, obwohl Kritik an staatlichem Handeln in einer Demokratie grundsätzlich legitim sein sollte.“
Antisemitismus sei ein reales und ernstes Problem, das konsequent benannt und bekämpft werden müsse.

„Gleichzeitig darf der Vorwurf nicht so weit gefasst werden, dass berechtigte Kritik an Regierungsentscheidungen oder militärischen Maßnahmen pauschal delegitimiert wird.“ Eine differenzierte Unterscheidung zwischen antisemitischen Ressentiments und sachlicher Kritik an israelischer Politik sei deshalb unverzichtbar, so Mattner.

Außenminister Bettel kritisierte zudem US-Präsident Donald Trumps sogenanntes „Board of Peace“ — jenes Gremium, das über die Zukunft einer Region entscheide, ohne die betroffene Region am Tisch zu haben. Er bekräftigte seine Unterstützung für die Vereinten Nationen als legitimen Rahmen für internationale Friedensbemühungen.

Frankreich als Gastgeber — mit klarer Botschaft

Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot, der die Konferenz ausrichtete, wandte sich direkt an die versammelten Vertreter der Zivilgesellschaft:

„Der Pariser Appell, den Sie heute lancieren, wird vom Schicksal der Männer und Frauen Ihrer beiden Völker geleitet. Er wird in keiner Weise von politischen oder wirtschaftlichen Interessen angetrieben. Was Sie in den Mittelpunkt Ihrer Empfehlungen gestellt haben, ist in erster Linie der Mensch.“

Frankreich habe die Konferenz ins Leben gerufen, nachdem der israelisch-iranische Krieg eine ursprünglich von Saudi-Arabien und Frankreich geplante internationale Konferenz zur Zwei-Staaten-Lösung verdrängt hatte. Paris werde alles in seiner Macht Stehende tun, um Lösungen zu unterstützen — „indem wir die Bemühungen wiederbeleben und die Zivilgesellschaft in den Mittelpunkt dieses Prozesses stellen.“

EU investiert 20 Millionen Euro in Friedensarbeit

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, die ebenfalls an der Konferenz teilnahm, unterstrich die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Arbeit für dauerhaften Frieden. Die EU arbeite derzeit mit 88 israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaftsorganisationen zusammen — in den Bereichen Dialog, Stärkung der Rolle von Frauen und Unterstützung unabhängiger Medien.

Insgesamt habe die EU bislang mehr als 20 Millionen Euro für Friedensarbeit an der Basis mobilisiert.

„Zivilgesellschaft ist kein Nachgedanke in der Diplomatie — sie ist unverzichtbar für den Aufbau von Frieden“, erklärte Kallas. „Frieden entsteht sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben. Und er ist dauerhafter, wenn die Zivilgesellschaft mit am Tisch sitzt.“

Die Konferenz fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Lage vor Ort nach eigenen Angaben der Veranstalter „wieder ins Stocken geraten“ sei. Umso wichtiger sei es, internationale Bemühungen nicht einschlafen zu lassen — und den Menschen in der Region zu zeigen, dass ihre Stimmen gehört werden.

 


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Çelebi Holding
Geopolitisches Beben: Wie die türkische Çelebi Holding über Nacht fast 500 Millionen Dollar in Indien verlor

Istanbul / New-Delhi – Die türkische Çelebi Holding habe durch den plötzlichen Entzug ihrer Betriebslizenz in Indien einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von 400 bis 500 Millionen US-Dollar erlitten. 

Dies erklärte die Vorstandsvorsitzende Canan Çelebioğlu erstmals in einem Interview mit dem Wirtschaftssender Bloomberg HT. Der staatliche Eingriff sei im Nachgang des viertägigen militärischen Konflikts zwischen Indien und Pakistan im vergangenen Jahr nach einem Anschlag in der Kaschmir-Region erfolgt.

Da die türkische Regierung in diesem Konflikt Pakistan politisch unterstützte, habe die indische Führung mit wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen gegen türkische Unternehmen reagiert und unter anderem zu einem Reiseboykott aufgerufen.

Sicherheitsfreigabe aus Gründen der nationalen Sicherheit entzogen

Das indische Büro für Zivilluftfahrtsicherheit (BCAS) habe der Tochtergesellschaft Çelebi Airport Services India bereits im Mai 2025 die notwendige Sicherheitsfreigabe entzogen. Als offizielle Begründung seien Gefahren für die nationale Sicherheit angeführt worden, ohne jedoch konkrete Beweise oder Daten vorzulegen, wie das Unternehmen betont. 

Infolgedessen hätten die Boden- und Frachtdienste des türkischen Unternehmens an insgesamt neun indischen Großflughäfen – darunter Delhi, Mumbai, Bengaluru, Hyderabad und Chennai – mit sofortiger Wirkung eingestellt werden müssen. Die Verträge mit den jeweiligen Flughafenbetreibern seien am selben Tag aufgelöst worden und die staatlichen Behörden hätten sämtliche logistische Ausrüstung des Konzerns vor Ort beschlagnahmt. so Çelebioğlu im Interview.

Ein schwerer Schlag für den globalen Expansionskurs

Für Çelebi sei der indische Markt kein Nebenschauplatz sondern ein Kernstück der globalen Wachstumsstrategie gewesen. Das Unternehmen war seit 2009 in Indien aktiv und habe dort laut eigenen Angaben weit über 250 Millionen Dollar in die dortige Infrastruktur investiert.

Çelebioğlu betonte in dem Interview weiter, dass der Verlust nicht nur finanziell, sondern auch emotional extrem schmerzhaft sei. Sie habe Indien stets als ihre zweite Heimat betrachtet und jahrelang gegen bürokratische Hürden, sowie kulturelle Unterschiede gekämpft, um den Sektor dort modernisiert aufzubauen. 

10.000 Mitarbeiter per Dekret an Konkurrenz übertragen

Der Abbruch der operativen Tätigkeit sei innerhalb von nur 24 Stunden verlaufen. Die rund 10.000 indischen Angestellten der Çelebi Holding seien am Tag des Lizenzentzugs per Regierungsbeschluss auf andere lokale Dienstleister übertragen worden. Laut den Angaben von Çelebioğlu sei damit ein über 17 Jahre hinweg aufgebauter Unternehmenswert vollständig vernichtet worden.

Ein Eilverfahren der türkischen Holding vor dem High Court in Delhi habe keinen Erfolg gebracht. Das Gericht habe die Klage gegen den Lizenzentzug abgewiesen und die Rechtmäßigkeit der Regierungsmaßnahme bestätigt.

 


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Indien: Boykott-Aufrufe gegen Türkei wegen Waffenlieferungen an Pakistan

Trump-Abkommen
Yair Golan: Netanyahu ist gut für Hamas, Iran und die Hisbollah

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Tel Aviv – Das überraschende Friedensabkommen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Iran hat die innenpolitische Landschaft in Israel in ein politisches Beben gestürzt.

Da der weitreichende Deal direkt zwischen Washington und Teheran vereinbart wurde, sieht sich die israelische Führung mit dem Vorwurf konfrontiert, komplett isoliert zu sein. Nun meldet sich Yair Golan mit einer beispiellos scharfen Abrechnung zu Wort.

Golan, der als ehemaliger stellvertretender Generalstabschef der Armee (IDF) und aktueller Chef des links-liberalen Parteienbündnisses „Die Demokraten“ zu den profiliertesten Sicherheitsdenkern des Landes gehört, wählte drastische Worte für die aktuelle Lage. Er sprach von einem „harten Morgen für Israel“, an dem die Bürger zu einem Abkommen erwachen mussten, das vollkommen über die Köpfe der israelischen Führung hinweg ausgehandelt wurde.

„Militärische Erfolge mit einer Unterschrift ausgelöscht“

Besonders schwer wiegt laut Golan der geopolitische Kontrast zwischen dem Einsatz der Streitkräfte und dem Ergebnis der politischen Führung. Mit einer einzigen Unterschrift von US-Präsident Trump seien gewaltige militärische Erfolge ausgelöscht worden, die zuvor „mit dem Mut unserer Piloten und dem Blut unserer Kämpfer errungen wurden“.

Währenddessen habe Premierminister Benjamin Netanjahu lediglich tatenlos am Rand gestanden – von Golan als „machtlos, krank, isoliert und einflusslos“ beschrieben.

Das Abkommen selbst greife die eigentlichen Gefahrenquellen nicht an. Laut Golan pumpe der von Trump unterzeichnete Deal „Milliarden an das Regime der Ayatollahs“, lasse die nuklearen Infrastrukturen unangetastet und verändere nichts an der ballistischen Bedrohung durch iranische Raketen. Stattdessen reiche der Deal dem „mörderischen Regime in Teheran einen Rettungsanker“.

Der Mythos vom „Mr. Security“ ist zerstört

Für den Oppositionsführer ist diese Entwicklung das logische Resultat einer jahrelangen politischen Fehlkalkulation. Netanjahu habe der israelischen Öffentlichkeit über Jahre hinweg die Illusion eines „Mr. Security“ verkauft.

In der Realität sei er jedoch zum „Vater des größten strategischen Fehlschlags in der Geschichte Israels“ geworden. Golan verwies in diesem Zusammenhang auf Netanjahus frühere Strategie, die Hamas als vermeintliches politisches Gegengewicht zu stärken, den Zufluss katarischer Gelder nach Gaza zu erlauben und gleichzeitig die diplomatische Bühne sowie internationale Allianzen sträflich zu vernachlässigen.

In einer bemerkenswerten verbalen Zuspitzung fasste Golan die Rolle des Premierministers zusammen:

„Netanjahu ist gut für Hamas. Netanjahu ist gut für den Iran. Netanjahu ist gut für Hisbollah. Netanjahu ist nicht gut für Israel.“

Rücktritt als Sicherheitsnotwendigkeit

Der Premier, der der Bevölkerung stets einen „absoluten Sieg“ versprochen hatte, beende seine Amtszeit nun in einem Szenario, in dem Israels Feinde stärker und das Land selbst schwächer dastehe. Die über Jahrzehnte mühsam aufgebaute Abschreckung erodiere vor den Augen der Welt.

Aus diesem Grund fordert der ehemalige General eine sofortige politische Konsequenz. Die Ablösung Netanjahus sei unter diesen Umständen längst kein normaler politischer Prozess mehr, sondern eine „existenzielle Sicherheitsnotwendigkeit“ für das Überleben des Staates Israel.

Yair Golan ist einer der profiliertesten Politiker Israels und der aktuelle Vorsitzende der links-liberalen Partei „Die Demokraten“. Als Generalmajor der Reserve der israelischen Streitkräfte (IDF) gilt er als eine der führenden Figuren des liberal-demokratischen Oppositionsbündnisses gegen die Regierung Netanjahu.

Eine lange militärische Karriere

Vor seinem Wechsel in die Politik diente Golan insgesamt 38 Jahre lang in den israelischen Streitkräften. Zu seinen wichtigsten Stationen und hochrangigen Kommandos gehörten unter anderem:

  • Stellvertretender Generalstabschef der IDF (bis 2017)
  • Kommandeur des Nordkommandos
  • Kommandeur des Heimatfront-Kommandos
  • Leiter der Operationsdirektion der IDF

In der israelischen Öffentlichkeit wird Golan weithin als Kriegsheld anerkannt. Dies verdankt er insbesondere seinem mutigen Einsatz am 7. Oktober 2023. Am Morgen des verheerenden Hamas-Angriffs fuhr der bereits pensionierte General eigenmächtig und wiederholt direkt in die aktiven Kampfgebiete im Süden Israels um fliehende Zivilisten des Nova-Musikfestivals sowie Bewohner der betroffenen Kibbuze zu retten.

Der Weg in die Politik und die Gründung der „Demokraten“

Im Jahr 2019 vollog Golan den Schritt in die Politik und wurde für das Demokratische Bündnis sowie später für die links-gerichtete Meretz-Partei in die Knesset gewählt. In den Jahren 2021 und 2022 bekleidete er zudem das Amt des stellvertretenden Wirtschaftsministers in der 36. israelischen Regierung.

Im Mai 2024 wurde er schließlich zum Vorsitzenden der israelischen Arbeitspartei gewählt. Mit dem Ziel die zersplitterten Kräfte des links-liberalen Lagers zu bündeln leitete er im Juli 2024 die Fusion der Arbeitspartei mit der Meretz-Partei ein. Daraus entstand die neue vereinte Fraktion „Die Demokraten“.

Politische Positionen und Kontroversen

Golan gilt als einer der schärfsten Kritiker der rechts-religiösen Koalition unter Benjamin Netanjahu. Zu seinen politischen Kernpositionen gehören:

Die Palästinenserfrage: Er plädiert nachdrücklich für eine klare zivile Trennung von den Palästinensern und unterstützt langfristig eine Zweistaatenlösung. Eine Annexion von Millionen Palästinensern würde nach seiner Auffassung den demokratischen Charakter Israels zerstören.

Innenpolitik: Golan setzt sich vehement für den Schutz demokratischer Institutionen ein. Er fordert die Einführung der Wehrpflicht für ultraorthodoxe Jugendliche und will die staatliche Finanzierung von Siedlungen im Westjordanland stoppen.

Aufgrund seiner rhetorischen Direktheit gilt Golan in Israel jedoch auch als polarisierende Figur. Bereits im Jahr 2016 zog er in einer Rede zum Holocaust-Gedenktag als aktiver Soldat Parallelen zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen im heutigen Israel und dem Deutschland der 1930er Jahre.

Diese Äußerung kostete ihn nach allgemeiner Einschätzung die Beförderung zum höchsten Amt des Generalstabschefs. Zuletzt geriet er durch seine Kritik an den zivilen Opfern des Gaza-Krieges erneut in das Visier rechter Regierungsmitglieder.

 


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Mattner: „Man muss Israel nicht hassen, um diese Politik zu verurteilen“

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Ich habe gerade den Tagesschau-Bericht „Im Westjordanland bauen israelische Siedler neue Häuser und Siedlungen“ über das Westjordanland gesehen. Und was mich inzwischen fast genauso wütend macht wie die Zustände vor Ort, sind die Menschen, die das alles immer noch relativieren. Wie oft wollen wir uns das eigentlich noch anschauen?

Neue Siedlungen. Immer mehr Landnahme. Immer mehr Gewalt. Menschen werden vertrieben, eingeschüchtert oder getötet. Und eine Siedlerin stellt sich vor die Kamera und sagt über ihren Schwager, der einen jungen Palästinenser erschossen hat, er habe richtig gehandelt.

Man stelle sich für einen Moment vor, jemand aus irgendeinem anderen Konflikt würde einen solchen Satz sagen. Der Aufschrei wäre gewaltig.

Hier dagegen wird diskutiert, eingeordnet, relativiert, abgelenkt und beschwichtigt.
Immer wieder dieselben Reflexe:

„Das ist kompliziert.“
„Man muss beide Seiten sehen.“
„Aber Hamas …“

Nein. Nicht jede Situation wird dadurch kompliziert, dass man sich weigert, sie klar zu benennen. Es gibt Dinge, die man nicht relativieren muss. Es gibt Dinge, die man verurteilen kann, ohne vorher zehn Fußnoten und zwanzig Entschuldigungen zu formulieren.

Ein Mitarbeiter der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem sagt in dem Bericht:

„Die Regierung, die Armee und die Siedler sind eins.“

Wer den Bericht sieht, wer die Entwicklung der letzten Jahrzehnte verfolgt hat und wer die Realität im Westjordanland kennt, versteht, warum ein solcher Satz überhaupt ausgesprochen wird.

Was mich zunehmend fassungslos macht, ist die deutsche Debatte. Dieses krampfhafte Wegsehen. Diese Angst, offensichtliches Unrecht als Unrecht zu benennen. Diese Bereitschaft, Dinge zu akzeptieren, die man bei jedem anderen Staat längst als Skandal bezeichnen würde.

Man muss Israel nicht hassen, um diese Politik zu verurteilen.
Man muss nur noch ein Mindestmaß an moralischer Konsequenz besitzen.
Wer heute noch jede Kritik reflexhaft abwehrt, trägt vielleicht keinen Stein, keine Waffe und keinen Uniformrock. Aber er hilft dabei, dass die Verantwortlichen immer weitermachen können, ohne ernsthaften Druck fürchten zu müssen.

Das Unrecht geschieht nicht im Verborgenen. Es geschieht vor den Augen der Welt.
Und viel zu viele haben sich daran gewöhnt.


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Tucker Carlson: Iran ist beliebter als zuvor

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Washington – Der US-amerikanische Politkommentator Tucker Carlson erklärte in einem Video, dass der Iran in Teilen der arabischen Welt beliebter geworden sei als noch zu Beginn des Krieges — obwohl Iran gleichzeitig arabische Länder bombardiere und destabilisiere.

„Wie kann das sein?“, fragte Carlson — und gab die Antwort selbst: Iran habe eine klare Haltung zur Tötung palästinensischer Zivilisten eingenommen und seine Waffenstillstandsverhandlungen an einen Waffenstillstand im Libanon geknüpft.

Das möge bei den meisten Amerikanern nicht ankommen, sagte Carlson, aber im Nahen Osten und im Rest der Welt — der zuschaue, wie Israel den Libanon zerstöre — sei diese Botschaft angekommen.

„Warum bombt ihr Beirut? Unklar.“

Besonders scharf kritisierte Carlson Israels Vorgehen im Libanon. Israel töte Christen en masse, zerstöre christliche Dörfer und bombardiere Beirut — „keine traditionelle Hochburg der Hisbollah“. „Warum bombt ihr Beirut? Unklar“, sagte Carlson. „Aber es passiert, und der Rest der Welt schaut genau hin.“

Er betonte, der Libanon sei ein Land, das viele Menschen kennen — „wahrscheinlich das schönste Land der Welt, mit einigen der kultiviertesten Menschen der Welt. Es ist nicht Jemen, es ist der Libanon. Es liegt am Mittelmeer.“

Die Welt schaue in Entsetzen zu, und niemand unternehme etwas dagegen. „Die USA sind Komplizen. Die USA helfen dabei, dass es geschieht — egal was man euch sagt. Das sind amerikanische Waffen und Waffensysteme, die benutzt werden um Christen im Libanon zu töten.“

Iran tut laut Carlson mehr als die USA oder die Golfstaaten

Wer tue denn etwas dagegen, fragte Carlson. Seine Antwort: Iran. „Ich hasse es, das zu sagen. Ich wünschte, es wäre nicht so. Ich wünschte, es wäre nicht Iran, der hier eingreift — aber so ist es.“

Iran tue mehr als jedes andere Land — mehr als die USA, mehr als die Golfstaaten — indem er die Wiedereröffnung der Straße von Hormus an ein Ende der israelischen Bombardierungen im Libanon knüpfe.

„In den Augen der Region, egal was die Araber an Iran hassen mögen — und es gibt viel, was sie hassen — stehen sie einzigartig für die Palästinenser ein, gegen den Massenmord in Gaza, den Völkermord in Gaza.“

„Es ist Völkermord nach jeder Definition“

Carlson verwendete das Wort Völkermord ohne Einschränkung: „Die Geschichte wird es so festhalten. Es ist Völkermord. Es ist eine Staatspolitik, ein Volk auszulöschen und aus einem Land zu vertreiben. Es ist Völkermord nach jeder Definition — und es ist das Größte, was derzeit in der Geschichte passiert.“

Er fragte, wie die Welt dabei zusehen und nichts tun könne. Wie die USA das unterstützen könne. „Wie sind die USA zum einzigen Land auf dem Planeten geworden — neben Israel —, das diesen Völkermord billigt?“ Das seien Fragen, die normale Menschen sehr bald stellen würden — manche stellten sie bereits jetzt.

Das Gegenteil von dem, was erwartet wurde

Carlson zog abschließend eine bittere Bilanz: Man habe einen Regimewechselkrieg gegen Iran begonnen, seinen Staatsführer getötet, Schulen bombardiert, Schiffe versenkt und die Streitkräfte des Landes dezimiert — und am Ende werde Iran stärker und die Angreifer schwächer.

„Nur im echten Leben gibt es solche Ironien — aber sie sind überall. Das ist die Geschichte des Lebens. Das Gegenteil passiert.“

 


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