US-Wahlen
Stevens stützt Republikaner Rogers: El-Sayed sammelt 1,2 Mio. Dollar

Detroit – Zwei Tage vor der Wahl in Michigan spricht die Demokratin Haley Stevens, die im August die Vorwahl gegen den israelkritischen Abdul El-Sayed verlor, eine Wahlempfehlung für den Republikaner Mike Rogers aus. Mehr als die Hälfte ihrer Mitarbeiter tritt zurück, El-Sayeds Wahlkampfteam meldet 1,2 Millionen Dollar an Spenden in vier Stunden.

Die demokratische Kongressabgeordnete Haley Stevens hat am Sonntag den Republikaner Mike Rogers für den US-Senat unterstützt und damit den israelkritischen Kandidaten ihrer eigenen Partei, Abdul El-Sayed, gegen sich aufgebracht. Stevens hatte im August die Vorwahl der Demokraten gegen El-Sayed verloren. Wenige Tage vor der Wahl am Dienstag verlassen nun nach Angaben der Detroit Free Press weit mehr als die Hälfte ihrer Kongressmitarbeiter ihr Büro.

Gemeinsamer Auftritt mit El-Sayed geplatzt

Die Wahlempfehlung folgte, nachdem Stevens bei einem Gottesdienst in der Perfecting Church im Osten Detroits neben Rogers gesessen hatte. Ein gemeinsamer Auftritt von Stevens und El-Sayed in Detroit war zuvor geplatzt. Stevens hatte verlangt, dass El-Sayed sich für eine Anzeige eines Political Action Committee entschuldigt, die hohe Lebensmittelpreise mit Hilfen für Israel in Verbindung bringt. El-Sayed, der Israels Politik scharf kritisiert, warf ihr daraufhin vor, die Vorwahl neu aufzurollen, in der beide sich Angriffe zu Israel geliefert hatten.

Als Begründung sagte Stevens laut Forbes, El-Sayed sei „immer wütender“ geworden. Sie fragte, warum es in Ordnung sei, dass Demokraten „Wut und mangelnde Freundlichkeit“ in den Wahlkampf trügen. Bei CNN sagte sie, die Entscheidung sei „eine Last von meinen Schultern“. Sie sei weiterhin eine stolze Demokratin, die wolle, dass Demokraten gewinnen.

Verlobter wählt Rogers, Mitarbeiter treten zurück

Ihr Verlobter hatte sich einige Tage zuvor festgelegt. Der Bürgerrechtsanwalt Jason Turkish sagte, er werde Rogers wählen, und nannte das „Land vor Partei“. Stevens hatte damals gesagt: „Wie viele Haushalte in Amerika sind wir ein gespaltener Haushalt.“ Sie wolle weiterhin, dass der demokratische Kandidat gewinne.

Ihr bisheriger Stabschef Justin German erklärte nach dem Rücktritt öffentlich: „Als Haley Stevens’ Stabschef seit acht Jahren spreche ich im Namen unseres Teams und unterstütze Abdul El-Sayed für den Senat aus voller Überzeugung.“ Das Team sei „schockiert und am Boden zerstört“ über ihre Entscheidung. „Seit heute Morgen haben viele Mitglieder unseres Teams gekündigt, auch ich.“ Eine Person sprach laut Detroit Free Press von einer „Massenkündigung“. Die genaue Zahl der Rücktritte ist unklar.

Aus der Partei kam scharfe Kritik. Virgie Rollins, die Vorsitzende des Black Caucus des Democratic National Committee, schrieb, Stevens habe sich „als Verräterin entpuppt“, die schwarze Bürger Michigans „für einen politischen Coup benutzt“ habe. Nach Angaben von Axios fordern die Abgeordneten Lateefah Simon, Marc Veasey und Emily Randall ihren Ausschluss aus der demokratischen Fraktion im Repräsentantenhaus.

Laut Politico wollen mindestens acht Demokraten sie bestraft sehen. Pramila Jayapal sagte, Stevens unterstütze einen Kandidaten, der „ein Abnickverein für Trumps katastrophale und gefährliche Regierung“ sei. Eine mögliche Strafe dürfte erst nach der Wahl folgen. Für einen Ausschluss ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig, und Stevens scheidet am Ende der Legislaturperiode ohnehin aus dem Kongress aus.

El-Sayeds Wahlkampfteam teilte Politico mit, es habe in den vier Stunden nach der Wahlempfehlung 1,2 Millionen Dollar eingenommen. Es sei der zweitbeste Spendentag seit seiner Nominierung im August gewesen. Der Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, stellte sich hinter El-Sayed und nannte Rogers einen „parteiischen Handlanger“.

US-Präsident Donald Trump lobte Stevens’ Schritt bei einem Auftritt in Iowa als „sehr mutig“. Er sagte, er würde sie gern in der Republikanischen Partei sehen.

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Hartmann-Äußerungen
Gastkommentar: Hartmanns Post über Elif Eralp ist „Rassismus pur“

Ein Gastkommentar von Kemal Bölge

Der Umgang mit Elif Eralp zeigt, wie schnell politische Auseinandersetzung in persönliche Herabwürdigung und rassistische Anfeindungen umschlagen kann.

Man kann unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob man eine rot-grün-rote Koalition in Berlin begrüßt oder nicht. Insbesondere die Springer-Kampfpresse hat in den letzten Wochen eine regelrechte Hetzjagd auf die Linken-Politikerin Elif Eralp und die Berliner Linke gestartet.

Der Spiegel hat ein Interview mit Frau Eralp geführt. Das Büro der Spitzenpolitikerin hat das Interview anschließend zur Autorisierung noch einmal erhalten. Das Büro bzw. Elif Eralp hat zu dem Interview Anmerkungen hinzugefügt, die zwar für die Spiegel-Redaktion bestimmt waren, nicht aber für die Veröffentlichung. Der Spiegel hat diese Notizen dennoch veröffentlicht. Das ist journalistisch schäbig und unseriös.

Waldemar Hartmann, ehemaliger Sportjournalist, verkörpert den deutschen Stammtisch wie kein Zweiter. Hartmann hat auf X einen gehässigen Post über Elif Eralp, die Linken und Berlin veröffentlicht. Er kann Eralp, die Linken und eine mögliche Koalition in Berlin kritisieren. Aber wenn er, wie er schreibt, ein Problem damit hat, wenn eine Regierende Bürgermeisterin in der deutschen Hauptstadt Elif Eralp heißt, ist das nichts anderes als Rassismus pur.

Hartmann ist das Paradebeispiel des deutschen Michels, der Migrantinnen und Migranten offen frontal angreift und rassistisch beleidigt. Nach dem Motto: „Eine Ausländerin will Regierende Bürgermeisterin in Berlin werden? Na, das geht schon mal gar nicht. Gibt es keine Deutschen, die diese Ausländerin rausschmeißen können?“

Bei Diskussionen über Migration heißt es immer wieder lapidar: „Mit denjenigen, die sich integrieren, die arbeiten und Steuern zahlen, haben wir keine Probleme. Wir meinen die anderen, die unsere Sozialsysteme ausnutzen, nicht arbeiten und nicht bereit sind, sich zu integrieren.“

Elif Eralp hat sich integriert, hat hier Abitur gemacht, Jura studiert, erfolgreich abgeschlossen und ist Volljuristin. Sie ist eine kluge und fleißige Politikerin. Eralp hat sich u. a. als Mentorin für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund engagiert, die von der Realschule ins Gymnasium wechseln wollten. Sie hat Migrantinnen und Migranten bei der Integration tatkräftig unterstützt.

Aber all das interessiert den deutschen Stammtisch nicht und ist in deren Augen nichts wert. Wenn Elif Eralp Angst vor radikalen Gruppierungen hat, wird das gleich als Schwäche aufgefasst. Der angebliche Antisemitismus der Linken wird als Grund für persönliche Angriffe genutzt, die sogar bis unter die Gürtellinie gehen.

(Screenshot/X)

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei


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Iran-Konflikt
Merz: Iran-Krieg kostete Europa mehr als 100 Milliarden

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Berlin – Der Konflikt im Nahen Osten und dessen wirtschaftliche Folgen für Europa sorgen für neue diplomatische Spannungen. Bei seinem Besuch in Südkorea hat der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt, dass die stark gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Krieges Europa in den vergangenen acht Monaten mehr als 100 Milliarden Euro gekostet haben. Zugleich erteilte er militärischen Lösungen eine Absage und rief alle Konfliktparteien zu Verhandlungen auf. Teheran reagierte darauf mit massiven Drohungen.

Wirtschaftliche Belastung und Absage an militärische Optionen

Merz betonte vor Journalisten, dass sich die Summe aus den Mehrkosten zusammensetze, die europäische Verbraucher und Unternehmen seit Ausbruch des Krieges im Februar aufbringen mussten. Deutschland und Europa hätten daher ein direktes wirtschaftliches Interesse an einer raschen Beendigung des Konflikts.

„Dieser Konflikt kann nicht militärisch gelöst werden“, unterstrich der Kanzler mit Blick auf anhaltende Berichte über mögliche neue US-Militäroktionen oder strategische Beratungen nach den US-Zwischenwahlen. Der Appell zur diplomatischen Deeskalation richte sich ausdrücklich an alle Beteiligten, einschließlich Israel.

Scharfe Reaktionen und Drohungen aus Teheran

Die Äußerungen des Bundeskanzlers stießen in der iranischen Führung auf heftige Ablehnung und wurden von spöttischen Tönen begleitet. Mohsen Rezaei, der Sicherheitschef des Landes, warf Europa auf der Plattform X vor, nun über wirtschaftliche Folgen zu klagen, obwohl es den Krieg zu Beginn unterstützt habe.

Auch der iranische Außenminister Abbas Araghchi reagierte unmissverständlich auf die genannten Zahlen. Die Summe von 100 Milliarden Euro sei „nichts im Vergleich zu dem verheerenden Schlag“, den Irans Streitkräfte im Falle neuer Angriffe gegen diejenigen führen würden, die das Land zu schädigen versuchen. „Rote Linien sind Vergangenheit“, so Araghchi.

Debatte um drohende Eskalation

Die diplomatischen Reaktionen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Spekulationen über eine mögliche Neuauflage oder Ausweitung von Luftangriffen auf iranische Infrastruktur. Während westliche Sicherheitsexperten und Politiker wie US-Senator Chris Murphy vor den unkalkulierbaren Risiken einer militärischen Eskalation und der Destabilisierung der Region warnen, bleibt die Suche nach einem gangbaren diplomatischen Verhandlungsweg vorerst schwierig.

Türkei
Selenskyj zu Arbeitsbesuch bei Erdoğan in Istanbul eingetroffen

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Istanbul – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist heute zu einem Arbeitsbesuch in Istanbul eingetroffen. Auf Einladung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan kommt der ukrainische Staatschef zu hochrangigen Gesprächen zusammen. Im Zentrum des Treffens stehen die bilateralen Beziehungen, die Sicherheit in der Schwarzmeerregion sowie der Ausbau der rüstungsindustriellen Zusammenarbeit.

Fokus auf Verteidigungskooperation und Rüstungstransfers

Wie das türkische Präsidialamt im Vorfeld mitteilte, umfassen die Beratungen neben dem fortlaufenden Krieg Russlands gegen die Ukraine vor allem konkrete Schritte zur Vertiefung der strategischen Verteidigungskooperation.

Beide Länder verbindet eine enge rüstungstechnische Partnerschaft, die zuletzt im August durch ein vom US-Kongress begleitetes Rüstungspaket massiv an Gewicht gewonnen hatte. Damals war bekannt geworden, dass die Türkei über US-Depots schwere Waffensysteme – darunter 70 taktische ATACMS-Kurzstreckenraketen und 12 M270-Mehrfachraketenwerfer im Wert von fast 300 Millionen US-Dollar – an die Ukraine transferiert. Bei dem aktuellen Treffen in Istanbul wird an diese logistische und rüstungspolitische Achse nahtlos angeknüpft.

Angesichts der anhaltenden Spannungen steht zudem der Schutz der internationalen Schifffahrtswege und Handelsrouten im Schwarzen Meer im Fokus der Verhandlungen.

Türkei als diplomatischer Vermittler

Die Türkei positioniert sich in dem Konflikt weiterhin als unverzichtbarer Akteur und Vermittler. Neben den sicherheitspolitischen Themen und potenziellen diplomatischen Auswegen aus dem Krieg wollen Erdoğan und Selenskyj auch wirtschaftliche Fragen erörtern, um die bilaterale Partnerschaft zwischen Ankara und Kiew nachhaltig zu festigen. Im Anschluss an die politischen Gespräche in Istanbul ist zudem ein Treffen Selenskyjs mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus geplant.

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US-Wahlen
Epstein: El-Sayed fordert Trump zu einem Lügendetektortest auf

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Detroit – Im Endspurt des US-Senatswahlkampfs in Michigan haben sich der demokratische Kandidat Abdul El-Sayed und US-Präsident Donald Trump erneut einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Im Zentrum steht der demokratische Senatskandidat, der gute Chancen hat, als erster muslimischer Senator in die Geschichte der USA einzuziehen.

Nach massiven verbalen Attacken und diskriminierenden Äußerungen des Präsidenten konterte El-Sayed mit einer deutlichen politischen Gegenoffensive und forderte ihn öffentlich zu einem Lügendetektortest heraus.

Eskalation im Wahlkampf und Trumps Angriffe

Auslöser für die jüngste Eskalation war ein Wahlkampfauftritt von Donald Trump in Port Huron, bei dem der US-Präsident den demokratischen Kandidaten verbal scharf attackierte. Trump bezeichnete El-Sayed als „Dschihadisten“ und behauptete, er sei „der einzige Senator, der durch einen Metalldetektor gehen müsste, bevor er in den Senat darf“.

Zudem warf Trump ihm vor, Verbindungen zur Muslimbruderschaft zu haben, und erklärte, er wolle verhindern, dass ein entsprechendes Mitglied in den US-Senat einziehe. Medienberichten zufolge gibt es jedoch keine Belege für eine Mitgliedschaft El-Sayeds in einer solchen Organisation.

Schlagfertiger Konter und scharfe Kritik

El-Sayed reagierte auf diese Angriffe während einer Veranstaltung mit einem schlagfertigen und viral gegangenen Konter. Er erklärte, er gehe gerne jeden Tag durch einen Metalldetektor, wenn im Gegenzug der Präsident einmal einen Lügendetektortest absolviere.

Bereits zuvor hatte sich der Kandidat gegen Trumps ständige Versuche gewehrt, seinen Namen absichtlich zu verunstalten. Trump hatte ihn wiederholt als „Mohammed“ oder „Abdul Ramadan“ bezeichnet und auf den richtigen Vornamen angesprochen erklärt, er nenne ihn, „wie zum Teufel ich will“. El-Sayed entgegnete darauf ironisch, er werde im Zweifelsfall eben „Senator Mohammed“ sein, und warf dem Präsidenten Doppelzüngigkeit vor, während er gleichzeitig auf umstrittene finanzielle Verflechtungen des Weißen Hauses mit ausländischen Regierungen verwies.

Die rhetorische Härte des Wahlkampfs beschränkt sich dabei nicht nur auf den Präsidenten. In einem Podcast-Interview mit dem Komiker Hasan Minhaj legte El-Sayed nach und kritisierte das politische Umfeld scharf. Er warf der aktuellen Führung vor, das Land zu dominieren, und bezeichnete Trump im Kern als uneinsichtig.

Auch Vizepräsident JD Vance und Verteidigungsminister Pete Hegseth bezog er in seine Kritik ein. Die Amerikaner hätten nach seiner Ansicht die Verantwortung, sich politischen Einschüchterungen entschieden zu widersetzen, da Mobber im Kern extrem zerbrechlich seien, sobald man ihnen entgegentrete.

Debatte um religiöse Intoleranz und Verfassungsfragen

Begleitet wird die Auseinandersetzung von einer heftigen Debatte über religiöse Intoleranz. Verfassungsrechtler wie Corey Brettschneider von der Brown University warnten vor den Aussagen der Republikaner, die versuchen würden, de facto einen verbotenen religiösen Test für öffentliche Ämter einzuführen.

So hatte unter anderem der republikanische Senator Bernie Moreno erklärt, El-Sayed habe wegen seines Glaubens in Washington nichts zu suchen. El-Sayed selbst betonte wiederholt, dass für ihn die US-Verfassung das leitende Licht sei.

Aktuelle Umfragen und Ausgangslage

Trotz der heftigen Angriffe und der aufgeladenen Stimmung zeigt sich in den Umfragen kurz vor der Wahl ein stabiles Bild. In aktuellen Erhebungen, wie jenen von Mitchell Research für CBS Detroit, führt El-Sayed mit 51 zu 44 Prozent vor seinem republikanischen Gegenkandidaten Mike Rogers.

Beobachter werten das Rennen als eines der spannendsten und richtungsweisendsten Senatsduelle des Jahres, bei dem neben Sachthemen wie den Lebenshaltungskosten vor allem Grundfragen der demokratischen Kultur auf dem Spiel stehen.

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Türkei
Türkei senkt Zuschussgrenze beim Strom auf 3.000 Kilowattstunden

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Ankara – Neue Regelung ab Januar 2027: Millionen Haushalte könnten künftig höhere Stromkosten haben. Besonders Haushalte mit Klimaanlagen und elektrischer Warmwasserbereitung stehen vor zusätzlichen Belastungen.

Die türkische Energiemarktaufsicht EPDK hat am 30. Oktober 2026 eine weitere Änderung bei der staatlichen Strompreisstützung beschlossen. Zum 1. Januar 2027 sinkt die jährliche Verbrauchsgrenze für private Haushalte von bislang 4.000 auf 3.000 Kilowattstunden (kWh).

Wer diesen Wert überschreitet, fällt grundsätzlich in die Kategorie der sogenannten Hochverbraucher und wird künftig nach dem Son-Kaynak-Tarif (SKTT) abgerechnet, sofern kein alternativer Stromliefervertrag abgeschlossen wird.

Die neue Grenze entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von lediglich 250 kWh im Monat beziehungsweise rund 8,2 kWh täglich. Nach Angaben der EPDK entspreche dies ungefähr einer monatlichen Stromrechnung von 820 TL. Der Rechnungsbetrag sei allerdings nur ein Richtwert. Ausschlaggebend sei ausschließlich die tatsächlich verbrauchte Strommenge.

Bereits Millionen Haushalte betroffen

Die Auswirkungen könnten erheblich sein. In der Türkei gibt es rund 44,2 Millionen private Stromabnehmer. Nach Einschätzung der EPDK würden künftig etwa 6,5 Millionen Haushalte, das entspreche rund 14,7 Prozent aller privaten Abnehmer, in die Gruppe der höheren Stromverbraucher fallen.

Die Entwicklung ist Teil einer schrittweisen Absenkung der Verbrauchsgrenze. Während diese 2025 noch bei 5.000 kWh gelegen habe, sei sie für 2026 bereits auf 4.000 kWh reduziert worden. Mit den nun beschlossenen 3.000 kWh werde die Grenze erneut deutlich gesenkt.

Auch der Verbrauch aus 2026 zählt

Für Verbraucher besonders wichtig: Bei der Einstufung wird nicht ausschließlich der Stromverbrauch des Jahres 2027 berücksichtigt. Auch eine Überschreitung der neuen Grenze im laufenden Jahr 2026 kann bereits Folgen haben.

Wird die Grenze beispielsweise erstmals mit einer im Oktober 2026 abgerechneten Zählerablesung überschritten, greift die neue Tarifregelung ab dem 1. Januar 2027. Erfolgt die erstmalige Überschreitung erst im Dezember, beginnt die Umstellung am 1. März 2027.

Auch im Jahr 2027 gilt eine entsprechende Übergangsregel. Wer die Grenze im Laufe des Jahres überschreitet, wird grundsätzlich ab dem ersten Tag des dritten Folgemonats in den höheren Tarif eingestuft, sofern kein anderer Stromliefervertrag abgeschlossen wurde.

Klimaanlage und Warmwasser als entscheidende Faktoren

Gerade in den Küstenregionen der Türkei dürfte die neue Grenze für viele Haushalte eine Herausforderung darstellen. Die langen, heißen Sommer mit Temperaturen von bis zu 40 Grad machen den Betrieb von Klimaanlagen für viele Menschen zu einer Frage des Wohnkomforts, teilweise auch der Gesundheit.

Hinzu kommen die winterlichen Bedingungen. Auch wenn die Temperaturen an der Mittelmeerküste selten mit jenen Mitteleuropas vergleichbar sind, können Häuser im Winter empfindlich auskühlen. In zahlreichen Wohnungen und Häusern wird zudem das Warmwasser über elektrische Boiler erzeugt.

Der Stromverbrauch hängt deshalb nicht allein von der Anzahl der Bewohner ab, sondern ebenso von der Bauweise, der technischen Ausstattung, den klimatischen Bedingungen und den individuellen Lebensumständen.

Staatliche Unterstützung bleibt – aber nicht für alle

Die neue Regelung bedeutet keine allgemeine Abschaffung der staatlichen Strompreisstützung. Die nationale Tarifstruktur bleibt bestehen. Allerdings werden Haushalte, die die festgelegte Verbrauchsgrenze überschreiten, aus der bisherigen Tarifgruppe herausgenommen und nach dem sogenannten Son-Kaynak-Tarif abgerechnet, sofern sie keinen alternativen Liefervertrag abschließen.

Bestimmte Verbrauchergruppen sind von dieser Regelung ausgenommen. Dazu gehören unter anderem Menschen, die auf elektrisch betriebene lebensnotwendige medizinische Geräte angewiesen sind.

Damit stellt sich allerdings eine grundsätzliche Frage: Reicht eine einheitliche Verbrauchsgrenze aus, um den unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebenssituationen der Bevölkerung gerecht zu werden?

Einordnung: Gleiche Regeln bedeuten nicht gleiche Belastung

Marina Bütün, langjährige Beobachterin des Lebens in der Türkei Buchautorin und Betreiberin eines Auswandererblogs, weist auf die sozialen Unterschiede hin, die eine solche pauschale Regelung mit sich bringen kann:

Grundsätzlich sei es nachvollziehbar, dass ein einheitliches System für alle Haushalte gelten solle.

„Eine pauschale Verbrauchsgrenze behandelt zwar jeden gleich, berücksichtigt aber nicht die unterschiedlichen Lebensumstände.“

Sie würde sich wünschen, dass das System dahingehend geändert würde, damit es auch den richtigen Bürgern zugute komme.

„Eine alleinerziehende Mutter, die vielleicht nur wenige Stunden arbeiten kann, mit kleinen Kindern hat einen anderen Energiebedarf als ein Zwei-Personen-Haushalt.“

Gleiches gelte für ältere oder kranke Menschen, die auf eine Klimaanlage angewiesen seien, um die extremen Temperaturschwankungen – gerade an der türkischen Süd- oder Westküste – zu bewältigen. Dort lägen die Sommertemperaturen nicht selten bei 40 Grad, während es im Winter in den Häusern ohne ausreichende Heizmöglichkeiten empfindlich kühl werden könne.

„Hinzu kommen Haushalte, die ihr Warmwasser ausschließlich mit elektrischen Boilern erzeugen.“

Im Winter sei das Wasser, trotz Solaranlage auf dem Dach, die viele nutzen, bei Regen und starken Wolken oft nicht warm. Das eigentliche Problem sei deshalb nicht die einheitliche Regelung an sich, sondern dass sie soziale und gesundheitliche Unterschiede nicht berücksichtige.

„Wer finanziell gut aufgestellt ist, kann einen höheren Stromverbrauch problemlos bezahlen.“

Für Menschen mit geringem Einkommen, die aus familiären oder gesundheitlichen Gründen mehr Energie benötigen, könne dieselbe Regelung dagegen zu einer zusätzlichen Belastung werden.

„Gleichbehandlung bedeutet eben nicht automatisch, dass alle auch gleich betroffen sind.“

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Gastkommentar
Mattner: Die meisten Opfer des islamistischen Terrors sind Muslime

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Die Opfer des islamistischen Terrors? Sehr häufig Muslime. Eine Tatsache, die in der öffentlichen Diskussion erstaunlich oft untergeht.

Eine internationale Untersuchung der Fondation pour l’innovation politique hat für den Zeitraum von 1979 bis April 2024 knapp 250.000 Todesopfer islamistischer Terroranschläge erfasst. 88,9 Prozent davon entfielen auf Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.

Und auch in Europa sind Muslime bei islamistischen Anschlägen unter den Todesopfern. London, Paris, Brüssel, Barcelona – islamistischer Terror macht keinen Halt vor der Religionszugehörigkeit seiner Opfer. Aber in Europa kommt für Muslime noch eine besondere Absurdität hinzu: Sie sind nicht nur potenzielle Opfer islamistischer Gewalt. Sie werden anschließend nicht selten auch noch zu Mitverantwortlichen erklärt.

Und damit komme ich zu etwas Persönlichem.

Mein Mann ist aus Syrien geflohen. Auch vor Islamisten und einer Ideologie, die Menschen ihre Freiheit, ihre Selbstbestimmung und nicht selten ihr Leben nimmt.
Er hat seine Heimat verlassen, um vor solchen Verhältnissen Schutz zu finden. Und dann kommt er in ein Land, in dem er sich plötzlich mit Menschen in einen Topf geworfen sieht, vor denen er selbst geflohen ist. Darüber muss man eigentlich erst einmal nachdenken.

Ein Mensch flieht vor Extremisten und muss sich am Ende dafür rechtfertigen, dass er denselben religiösen Hintergrund hat wie diejenigen, vor denen er geflohen ist.
Ein Terrorist begeht einen Anschlag, und plötzlich steht eine ganze Religionsgemeinschaft unter Rechtfertigungsdruck. Als müsste sich jeder Muslim erst einmal von einer Tat distanzieren, mit der er genauso wenig zu tun hat wie jeder andere unbeteiligte Mensch.

Man stelle sich das einmal vor: Erst flieht man vor einer Ideologie, die einen bedroht, und anschließend wird man im Zufluchtsland mit deren Anhängern gleichgesetzt.
Vielleicht sollten wir endlich anfangen, zwischen Islam, Islamismus und islamistischem Terror zu unterscheiden.

Eine Religionsgemeinschaft ist keine terroristische Vereinigung. Und Millionen Menschen unter Generalverdacht zu stellen, macht den Terrorismus nicht kleiner. Es macht lediglich unsere Gesellschaft ein Stück ungerechter. Die Opfer verdienen Mitgefühl. Alle. Unabhängig davon, welcher Religion sie angehören.

Und Menschen, die vor Extremismus geflohen sind, verdienen ganz sicher nicht, selbst unter Extremismusverdacht gestellt zu werden.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor

Susanne Mattner wurde im Ruhrgebiet geboren und studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowohl in den USA als auch an der Universität Dortmund. Nach ihren Studienstationen verbrachte sie in den 1990er-Jahren auch einige Zeit im Nahen Osten. Nach ihren längeren Auslandsaufenthalten lebt sie heute verheiratet in Hamburg. In ihren Beiträgen verfolgt sie aufmerksam das internationale Zeitgeschehen mit einem geschulten Blick für mediale Narrative. Ihre Schwerpunkte liegen auf geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, gesellschaftlichen Debatten sowie der kritischen Analyse doppelter Standards in der Berichterstattung.


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– Recherche –
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Eine neue Studie deckt massive, israelisch verknüpfte Einflusskampagnen in Europa auf. Wie gezielt mit Islamfeindlichkeit und Narrative-Warfare gearbeitet wird.

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Suizid-Krise
Rekordzahlen: Suizidrate in Deutschland auf Höchststand seit 1998

Berlin – In Deutschland ist die Zahl der registrierten Suizide im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Experten und Fachorganisationen verzeichnen den höchsten Stand seit fast drei Jahrzehnten und sehen unter anderem im wachsenden Bereich des assistierten Suizids einen wesentlichen Faktor für diese Entwicklung.

Nach den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes und Fachorganisationen wie der Deutschen Akademie für Suizidprävention (DASP) wurden im Laufe des vergangenen Jahres 11.334 Suizide in Deutschland registriert. Dies entspricht einem Anstieg von rund 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und markiert den höchsten Stand seit 1998. Damit setzt sich ein besorgniserregender Trend fort, nachdem die Zahlen über viele Jahre hinweg rückläufig waren.

Einfluss des assistierten Suizids

Ein zentraler Erklärungsansatz für die steigenden Gesamtzahlen ist die Entwicklung im Bereich der professionellen Suizidassistenz. Seit das Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung gekippt hat, verzeichnen Sterbehilfe-Organisationen kontinuierlich wachsende Inanspruchnahmen. Für das vergangene Jahr meldeten die großen Vereine insgesamt 1.287 begleitete Suizide, nach 977 im Vorjahr. Mittlerweile geht die Fachwelt davon aus, dass schätzungsweise mehr als jeder zehnte registrierte Suizid in Deutschland mit ärztlicher oder organisatorischer Assistenz erfolgt.

Geschlechtsspezifische Auffälligkeiten

Bei der genauen Analyse der Statistik zeigt sich ein zweigeteiltes Bild hinsichtlich der Geschlechter. Männer machen wie in den Vorjahren mit rund 70 bis 75 Prozent nach wie vor die absolute Mehrheit aller registrierten Suizidfälle aus. Der prozentuale Anstieg in den letzten Jahren wird jedoch in erster Linie durch Frauen angetrieben. Sowohl bei den Gesamtzahlen als auch bei den in Anspruch genommenen Formen der Suizidassistenz steigen die Wachstumsraten bei Frauen stärker, wodurch sich der Abstand in den Zuwachsraten verringert.

Fachleute fordern angesichts dieser Entwicklung eine bundesweit einheitliche, qualifizierte Erfassung der assistierten Suizide, um die Wechselwirkungen wissenschaftlich präziser zu bewerten und die Suizidprävention gezielter auszubauen.

Gender-Paradoxon des Suizids

In der wissenschaftlichen Fachliteratur wird die Tatsache, dass Männer seit Jahrzehnten den überwiegenden Teil der Suizidfälle ausmachen, intensiv diskutiert. Kriminologen und Psychologen verweisen in diesem Zusammenhang auf das sogenannte Gender-Paradoxon des Suizids.

Während Frauen statistisch gesehen deutlich häufiger Suizidversuche unternehmen – oft durch Methoden wie eine Medikamentenüberdosierung, bei denen die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs oder einer Rettung höher ist –, wählen Männer bei ihren Handlungen sehr viel häufiger hochletale Methoden wie Schusswaffen, das Erhängen oder den Sprung aus großer Höhe, bei denen die Rettungschancen extrem gering sind.

Ein weiterer entscheidender Faktor sind gesellschaftliche und kulturelle Rollenbilder. Vielfach herrscht bei Männern ein verinnerlichter Erwartungsdruck vor, stark zu sein, Probleme eigenständig zu lösen und psychische Belastungen oder Verletzlichkeit nicht nach außen zu kommunizieren. Dies führt dazu, dass Krisen oft lange verheimlicht und professionelle Hilfe, wie therapeutische oder hausärztliche Unterstützung, seltener oder erst in akuten Notsituationen in Anspruch genommen wird.

Zudem äußern sich psychische Krisen und Depressionen bei Männern im Alltag häufig anders als im klassischen medizinischen Raster. Statt der oft vermuteten Traurigkeit oder Antriebslosigkeit zeigen betroffene Männer vermehrt Symptome wie innere Unruhe, Reizbarkeit, Aggression, ein erhöhtes Risikoverhalten oder sie flüchten sich in den Konsum von Alkohol und anderen Substanzen. Fachleute fordern daher seit langem gezielte, männerspezifische Präventions- und Aufklärungsangebote, um diese tief sitzenden Hürden beim Hilfesuchverhalten abzubauen.

Hinweis: Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, sich in einer Krise befinden oder Unterstützung benötigen, gibt es kostenlose, anonyme und rund um die Uhr erreichbare Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (Deutschland: 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222).

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London – Eine neue Untersuchung legt offen, wie eine verdeckte Desinformationskampagne mit Millionenaufwand antimuslimische und rassistische Narrative in Europa und den USA verbreitete.

Experten sehen dahinter eine kalkulierte Strategie, um von der Kritik am Gaza-Krieg abzulenken und das rechte politische Spektrum im Westen einzubinden. Eine am 29. Oktober veröffentlichte Untersuchung der Digitalforensiker Marc Owen Jones und Sohan Dsouza hat eine massive, verdeckte und israelisch verknüpfte Einflusskampagne aufgedeckt, die seit Oktober 2023 über Plattformen wie Meta, YouTube und TikTok lief.

Unter dem Titel „Manufacturing the Great Replacement“ dokumentierten die Forscher mehr als 533 Millionen registrierte Werbeeinblendungen und Videoaufrufe in rund 30 Ländern, vor allem in Europa. Die geschätzten Werbeausgaben belaufen sich demnach auf über 5 bis 8 Millionen US-Dollar.

Das Kalkül hinter den Anzeigen: Verschwörungstheorien und Katar-Fokus

Die Kampagne nutzte plattformübergreifend rassistische, anti-muslimische und anti-migrantische Inhalte. Dabei wurde eine Variante der sogenannten „Großen Austausch“-Verschwörungstheorie bedient – mit dem entscheidenden Dreh, dass nicht traditionelle Figuren wie George Soros, sondern der Staat Katar als angebliche Hinterkraft inszeniert wurde, die Europa „islamisieren“ wolle.

Die Spuren zu den Urhebern führten unter anderem über technische Fehler bei Wikipedia-Bearbeitungen und Video-Metadaten zu israelischen IP-Adressen sowie Bearbeitungszeiten im israelischen Arbeitsrhythmus. Während in Europa gezielt anti-migrantische und anti-katarische Stimmungen geschürt wurden, lief in Libanon ein paralleler Zweig, der anti-iranische und anti-Hisbollah-Botschaften verbreitete, Israel in der Erzählung jedoch komplett aussparte.

Islamfeindlichkeit als strategisches Instrument im Westen

Die Enthüllungen fügen sich nahtlos in Analysen ein, die bereits im Sommer 2026 für Aufsehen sorgten. So wies unter anderem der Nahost-Experte und ehemalige US-Diplomat Josh Paul (Al Jazeera) darauf hin, dass die israelische Regierung gezielt auf antimuslimische Ängste setzt, um das Ansehen im Westen zu verteidigen.

Das dahinterliegende Kalkül: Anstatt sich mit der anhaltenden internationalen Kritik am Gaza-Krieg und völkerrechtlichen Vorwürfen auseinanderzusetzen, wird bewusst mit Ressentiments gegenüber Muslimen und Zuwanderung gespielt (Ragebaiting).

Zielgruppe sind dabei vor allem konservative und rechte Kreise im Westen, denen ein vermeintlich gemeinsamer geopolitischer Feind präsentiert wird. Kritiker und Analysten werten antimuslimische Ressentiments in diesem Kontext als ein gezielt eingesetztes „hebelartiges Werkzeug“, um politische Allianzen zu sichern, von der eigenen Isolation abzulenken und westliche Öffentlichkeiten in Fragen der Nahost-Politik zu spalten.

Angesichts drastisch gestiegener Budgets für globale Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2026 zeigen die aktuellen Berichte, wie stark digitale Kampagnen und geopolitische Interessen im Informationsraum miteinander verschränkt sind.

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Schwerer Imageschaden: Israel steigert Hasbara-Ausgaben auf über 700 Mio Dollar

Senatswahl Michigan
„Abdul Ramadan“: El-Sayed kontert Trump mit Fasten-Witz

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Detroit – Der demokratische Senatskandidat Abdul El-Sayed aus Michigan hat mit einem Witz über Lebensmittelpreise auf den Spitznamen reagiert, mit dem US-Präsident Donald Trump ihn bezeichnet: „Abdul Ramadan“.

Bei einem Wahlkampfauftritt sagte El-Sayed: „Trump nannte mich Abdul Ramadan. Ramadan ist der Monat, in dem Muslime fasten. Die Sache ist: Lebensmittel sind unter seiner Führung so teuer geworden, dass es mich nicht überraschen würde, wenn er sagt: ‚Hört zu, wir könnten einfach für alle Ramadan machen.‘ ‚Warum fastest du?‘ ‚Ich kann mir kein Essen leisten.‘“

Trump nennt El-Sayed immer wieder bei falschen Namen, darunter „Mohammed“ und „Abdul Ramadan“. Als man ihn auf den richtigen Vornamen hinwies, sagte er, er könne ihn nennen, „wie zum Teufel ich will“.

Am Donnerstag sagte er: „Wenn du schwarz bist oder wenn du jüdisch bist, und du wählst Abdul, bist du verrückt.“ El-Sayed könnte der erste muslimische Senator der US-Geschichte werden.

Auch aus Trumps Partei kamen Angriffe. Der republikanische Senator Bernie Moreno aus Ohio sagte bei einem Trump-Auftritt am Mittwoch, El-Sayed habe „nichts in der Nähe von Washington, D.C.“ zu suchen. Laut CNN argumentierte Moreno, El-Sayed solle wegen seines Glaubens von einem Amt ferngehalten werden.

Sein Gegner Mike Rogers hat nach CNN-Angaben darauf verzichtet, den Islam allgemein anzugreifen, und konzentriert sich auf El-Sayeds Politik. In der letzten Debatte warf er ihm Verbindungen zur Muslimbruderschaft vor und fragte: „Sind Sie für Amerika, oder sind Sie für diese Terrorgruppen im Ausland?“ El-Sayed hat sich von der Gruppe distanziert. Bei NBC „Meet the Press“ sagte Rogers zu Trumps Äußerungen, er habe El-Sayed „nie einen Terroristen genannt“.

Der Verfassungsrechtler Corey Brettschneider von der Brown University sprach mit Blick auf die Rhetorik von „nichts weniger als einem religiösen Test für ein Amt“. Artikel VI der US-Verfassung bestimmt, dass für ein öffentliches Amt „niemals ein religiöser Test verlangt werden“ darf. El-Sayed erwiderte bei einer Bürgerversammlung auf einen Fragesteller, der wegen seines Glaubens geteilte Loyalitäten vermutete: „Für mich ist diese Verfassung das leitende Licht.“

Gewählt wird am Dienstag. In einer Umfrage von Mitchell Research für CBS Detroit und weitere Fernsehsender vom 26. und 27. Oktober liegt El-Sayed mit 51 Prozent vor Rogers mit 44 Prozent, bei 3 Prozent Unentschlossenen. Die Fehlertoleranz beträgt 3,9 Prozentpunkte, befragt wurden 636 wahrscheinliche Wähler. Anfang Oktober hatte der Vorsprung bei 4,2 Punkten gelegen (45,6 zu 41,4 Prozent). Eine CNN/SSRS-Umfrage sah El-Sayed mit 49 zu 42 Prozent vorn.

Zu den Preisen: Laut dem US-Arbeitsministerium (Bureau of Labor Statistics) stiegen die Lebensmittelpreise in den zwölf Monaten bis September um 2,5 Prozent, die Preise für Lebensmittel im Supermarkt um 1,8 Prozent.

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