Israel
Ex-Mossad-Chef: „Ich schäme mich, Jude zu sein“

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Jerusalem – Der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Tamir Pardo, hat die israelischen Aktionen im besetzten Westjordanland scharf kritisiert.

Er verglich die jüngsten Übergriffe der Besatzer mit dem Holocaust und erklärte, er fühle sich „beschämt, Jude zu sein“. Pardo, der den Mossad von 2011 bis 2016 leitete, äußerte sich in einem Interview mit Channel 13 während einer Besichtigung palästinensischer Dörfer, die in den letzten Monaten Ziel von Angriffen wurden. Er wurde dabei von ehemaligen hochrangigen Militärvertretern wie Matan Vilnai und Amram Mitzna begleitet.

„Meine Mutter war eine Holocaust-Überlebende, und das, was ich gesehen habe, erinnerte mich an die Ereignisse, die den Juden im letzten Jahrhundert widerfahren sind“, sagte Pardo. „Was ich heute gesehen habe, hat mich beschämt, Jude zu sein.“ Er verurteilte die eskalierende Gewalt durch israelische Besatzer gegen Palästinenser und bezeichnete diese als eine „existenzielle Bedrohung“ für den Staat Israel.

Warnung vor einem „nächsten 7. Oktober“

Pardo warnte eindringlich davor, dass die Verbrechen der Siedler, denen von den Behörden oft mit Gleichgültigkeit oder gar Unterstützung begegnet werde, zum „nächsten 7. Oktober“ führen könnten.

„Es wird in einem anderen Format sein, viel schmerzhafter, weil die Region viel komplizierter ist. Der Staat hat sich entschieden, die Saat für den nächsten 7. Oktober zu säen“, warnte er. Obwohl er davon überzeugt ist, dass die israelischen Strafverfolgungsbehörden über die Situation informiert sind, hätten sie sich laut Pardo dazu entschlossen, sie „zu ignorieren“.

Bemühungen, die extremistischen Besatzer einzuschränken – von denen er sagte, einige seien bewaffnet und genössen politische Rückendeckung –, könnten interne Konflikte auslösen.

„Gegen sie vorzugehen, könnte einen Bürgerkrieg entfachen“, sagte er und verwies dabei insbesondere auf den Einfluss rechtsextremer Figuren innerhalb der Regierung wie den Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, und Finanzminister Bezalel Smotrich. „Wenn wir wollen, können wir das korrigieren, aber der Preis wird sehr hoch sein“, fügte Pardo hinzu. „Es liegt sehr in unserem Interesse, diesen Punkt nicht zu erreichen.“

Die „Korruption der israelischen Gesellschaft“

Pardo erinnerte zudem an die Warnungen des israelischen Philosophen Yeshayahu Leibowitz aus dem Jahr 1968. Leibowitz hatte in seinem Artikel „The Territories“ die Besetzung palästinensischer Gebiete und die Verhängung der Militärherrschaft über Millionen von Palästinensern kritisiert.

Er warnte damals, dass die Kontrolle über die Palästinenser letztlich zur „Korruption“ der israelischen Gesellschaft führen würde. „Die Herrschaft über die besetzten Gebiete hätte soziale Auswirkungen“, so Leibowitz damals. Er fügte hinzu: „Die für jedes Kolonialregime charakteristische Korruption würde auch im Staat Israel vorherrschen“, und forderte den Rückzug aus den besetzten Gebieten. Während Pardo früher glaubte, Leibowitz habe sich geirrt, sagt er heute, dass in dieser Warnung „viel Wahrheit steckte“.

Eskalation und Statistiken

Die Gewalt und Expansion der israelischen Siedler haben sich seit Oktober 2023 massiv verschärft. Dies umfasst die systematische Vertreibung von Palästinensern aus ihren Gemeinschaften und den zunehmenden Einsatz scharfer Munition gegen unbewaffnete Einwohner. Die „Wall and Settlement Resistance Commission“ gab an, dass israelische Siedler in diesem Jahr bereits mindestens 16 Palästinenser getötet haben.

Ein im März veröffentlichter Bericht der Vereinten Nationen dokumentierte, dass zwischen November 2024 und Oktober 2025 mehr als 36.000 Palästinenser im Westjordanland infolge einer Zunahme von Militär- und Siedlerangriffen vertrieben wurden. Im selben Zeitraum wurden 1.732 Vorfälle von Siedlergewalt dokumentiert, die zu Opfern oder Sachschäden führten – ein Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nach offiziellen palästinensischen Daten wurden seit Oktober 2023 im Westjordanland mindestens 1.154 Palästinenser durch die israelische Armee und Besatzer getötet, etwa 11.750 weitere wurden verletzt, und es kam zu fast 22.000 Verhaftungen. Zu den Verstößen zählen die Zerstörung von Eigentum, das Niederbrennen von Häusern, Zwangsvertreibungen und die Ausweitung illegaler Siedlungsaktivitäten.

Die UN betrachtet israelische Siedlungen in palästinensischen Gebieten als illegal. Derzeit leben etwa 750.000 israelische Besatzer in 141 illegalen Siedlungen und 224 Außenposten im Westjordanland, darunter etwa 250.000 in Ostjerusalem.

 


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Demografie
Deutschland: Größtes Geburtendefizit der Nachkriegszeit

Berlin – Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nach vorläufigen Ergebnissen rund 654 300 Kinder geboren. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, waren das 3,4 % Neugeborene weniger als im Vorjahr (2024: 677 117 Geburten).

Damit sank die Geburtenzahl im vierten Jahr in Folge und erreichte den niedrigsten Stand seit 1946. Die Zahl der Sterbefälle (rund 1,01 Millionen) überstieg die Zahl der Geburten im Jahr 2025 um 352 000. Das war das größte Geburtendefizit der Nachkriegszeit.

Die niedrigen Geburtenzahlen der vergangenen Jahre ergeben sich aus zwei Entwicklungen: Das Eintreten der zahlenmäßig kleinen 1990er-Geburtsjahrgänge in das wichtige fertile Alter von Anfang 30 und die seit 2022 sinkende zusammengefasste Geburtenziffer.

Die Struktur der Geburten nach der Geburtenfolge blieb im Jahr 2025 stabil. Von allen geborenen Babys waren 46,6 % die ersten Kinder, 34,8 % die zweiten Kinder und 18,6 % die dritten oder weiteren Kinder im Leben der Mutter.

Hamburg einziges Bundesland mit Geburtenanstieg im Jahr 2025

Wie in den Vorjahren sank die Geburtenzahl 2025 gegenüber 2024 in den östlichen Bundesländern mit -4,5 % stärker als in den westlichen Bundesländern mit -3,2 %. Unter den Bundesländern verzeichnete nach den vorläufigen Ergebnissen ausschließlich Hamburg mit +0,5 % einen leichten Geburtenanstieg. Den stärksten Geburtenrückgang gab es in Mecklenburg-Vorpommern mit -8,4 %.

Geburtenrückgänge auch in anderen Staaten der Europäischen Union

Einen Rückgang der Geburtenzahlen im Jahr 2025 melden laut vorläufigen Ergebnissen auch andere Staaten der Europäischen Union, darunter Frankreich, Österreich, Italien und Schweden. In Spanien, den Niederlanden und Finnland zeichnet sich dagegen eine Stabilisierung der Geburtenzahlen ab.

Annahmen zur künftigen Geburtenentwicklung in Deutschland

Nach den Ergebnissen der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung wäre ein künftiger Anstieg der Geburtenzahl in Deutschland nur bei einer deutlich steigenden zusammengefassten Geburtenziffer und mindestens moderater Nettozuwanderung möglich. Allerdings wird die Geburtenzahl auch unter diesen günstigen Annahmen voraussichtlich unter dem vergleichsweise hohen Niveau des Jahres 2021 von rund 795 000 geborenen Kindern bleiben.

Berliner Demografiegespräch am 29. April 2026 zum aktuellen Geburtenrückgang

Über die Besonderheiten des aktuellen Geburtenrückgangs in Deutschland und die Geburtenentwicklung im europäischen Kontext informieren Expertinnen und Experten des Statistischen Bundesamtes und des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung am Mittwoch, 29. April 2026, um 12:30 Uhr beim Berliner Demografiegespräch „Anhaltender Geburtenrückgang? Deutschland im europäischen Vergleich“.

Alle Informationen zur Veranstaltung sowie zur Anmeldung für die Teilnahme vor Ort oder per Livestream stellt die Hauptstadtkommunikation des Statistischen Bundesamtes unter www.destatis.de/hauptstadt bereit.

Methodische Hinweise:

Alle Ergebnisse für 2025 sind vorläufig und stammen aus der Aufbereitung der Statistiken der Geburten auf Basis von Meldungen aus den Standesämtern. Die endgültigen ausführlichen Ergebnisse und relative Indikatoren wie die zusammengefasste Geburtenziffer werden turnusgemäß im Juli 2026 vorliegen und weitere Analysen – beispielsweise nach Alter – ermöglichen.

 


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Türkei: Geburtenrate erneut gefallen

Geschichte
Einsteins Briefe: Wie die Türkei jüdische Wissenschaftler vor den Nazis rettete

Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, begann für Tausende deutsche Wissenschaftler jüdischen Glaubens eine Ära der Verfolgung.

Das im April 1933 erlassene „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ entfernte alle Beamten „nicht-arischer Abstammung“ aus dem Staatsdienst — mit einem Schlag verloren die klügsten Köpfe Deutschlands ihre Stellen, ihre Würde und ihre Heimat.

Einer der ersten, der handelte, war der jüdische Pathologe Philipp Schwartz. Er floh aus Frankfurt nach Zürich und gründete dort die „Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaftler im Ausland“ — eine Organisation, die es sich zur Aufgabe machte, verfolgten Akademikern neue Stellen zu vermitteln.

Was zunächst aussichtslos schien, sollte sich als rettende Idee erweisen: Die junge türkische Republik, gerade erst im Aufbau ihrer Universitäten, suchte dringend nach erstklassigen Professoren.

Phillip Schwartz

Einsteins Brief an die Türkei

In dieser Not wandte sich auch Albert Einstein persönlich an die türkische Führung. Am 17. September 1933 schrieb er als Ehrenpräsident der Weltvereinigung „OSE“ einen Brief an den Präsidenten des Ministerrats der türkischen Republik — und bat um Aufnahme von 40 Professoren und Ärzten aus Deutschland, die in ihrer Heimat mit Berufsverbot belegt worden waren.

„Diese Wissenschaftler sind bereit, ein Jahr lang ohne jede Vergütung in einigen Ihrer Einrichtungen gemäß den Anweisungen Ihrer Regierung zu arbeiten“, schrieb Einstein.

„Diesen Antrag unterstützend nehme ich mir die Freiheit, meine Hoffnung auszudrücken, dass bei einer Bewilligung dieser Bitte Ihrerseits eine Tat der großen Humanität vollzogen wird, dadurch aber auch einen Vorteil für Ihr eigenes Land mit sich bringt.“

Der Brief war formal an den Präsidenten des Ministerrats adressiert — İsmet İnönü. Dieser lehnte den Antrag zunächst ab und schrieb handschriftlich auf das Dokument: „Ihre Gehälter werden für uns unerschwinglich sein.“

Doch als Staatspräsident Atatürk von dem Brief erfuhr, berief er persönlich eine Besprechung ein und überstimmte İnönü. Die Einladung an die deutschen Wissenschaftler wurde ausgesprochen — und die Modernisierung der türkischen Universitäten nahm ihren Lauf.

Istanbul wird zur „besten deutschen Universität“

Philipp Schwartz reiste im Sommer 1933 nach Ankara, um persönlich mit dem türkischen Bildungsminister Reşit Galip zu verhandeln. Er hatte bescheidene Erwartungen — und verließ das Treffen mit dreißig Stellenangeboten. Bis Ende 1933 hatten bereits 42 deutsche Akademiker ihre Arbeit an der Istanbuler Universität aufgenommen — die meisten mit Fünfjahresverträgen und Gehältern, die ihren deutschen Stellen entsprachen.

Am 1. August 1933 öffnete die İstanbul Üniversitesi ihre Tore mit 27 türkischen und 38 ausländischen Professoren. Türkische Zeitungen begrüßten die neuen Professoren mit Schlagzeilen auf der Titelseite. Unter den Geretteten befanden sich Wissenschaftler von Weltrang — darunter der Chirurg Rudolf Nissen, der Ökonom Fritz Neumark, der Rechtswissenschaftler Ernst Hirsch, der Hethitologe Hans Güterbock sowie die Physiker James Franck und Max Born als Berater. Auch der Komponist Paul Hindemith und der Architekt Clemens Holzmeister fanden in der Türkei Zuflucht. 

Manche Flüchtlingsprofessoren sagten gerne, Istanbul sei „die beste deutsche Universität“ geworden — eine Anspielung auf den enormen Zustrom an Talenten und die Tatsache, dass viele Universitäten in Deutschland nicht mehr das waren, was sie einmal gewesen waren. 

Historische Aufnahme: Mustafa Kemal Atatürk mit türkischen und deutschen Exil-Wissenschaftlern nach der großen türkischen Universitätsreform 1933.

Ein vergessener Retter: Philipp Schwartz

Hinter diesem historischen Kapitel steht vor allem ein Mann, dessen Name kaum bekannt ist: Philipp Schwartz. Der jüdische Pathologe, der 1933 aus Frankfurt fliehen musste, wurde zum Initiator der deutschen Wissenschaftsemigration in die Türkei und gilt heute als „vergessener Retter“. 

In seinen Memoiren beschrieb Schwartz die Ankunft in Istanbul mit Worten, die den Geist dieser außergewöhnlichen Episode einfangen: „Ich und meine Freunde wussten, dass wir gleichzeitig eine wichtige Mission übernommen hatten: den wahren deutschen Geist und die deutsche Kultur zu vertreten. Die Last dieser Mission gab uns nicht nur ein Gefühl des Stolzes, sondern auch Sicherheit.“

Die türkische Regierung unter Atatürk unterstützte das Programm mit 2,4 Millionen türkischen Pfund bis 1938 und beherbergte zwischen 1933 und 1945 rund 800 deutschsprachige Experten. Wikipedia

Ein bleibendes Erbe

Die Wissenschaftler, die in Istanbul Zuflucht fanden, hinterließen ein bleibendes Erbe. Sie strukturierten die Istanbuler Universität grundlegend um, führten europäische akademische Standards, Forschungsmethoden und pädagogische Praktiken ein und bildeten eine neue Generation türkischer Akademiker, Ärzte, Juristen und Ingenieure aus. 

Der britische Historiker Prof. Norman Stone, der 2001 einen Vortrag zu diesem Thema an der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ankara hielt, erklärte: Die „Notgemeinschaft“ habe bereits 1933 die ersten deutschen Hochschullehrer in die Türkei vermittelt. Bis 1937 hätten 350 deutsche Wissenschaftler eine Anstellung an türkischen Universitäten erhalten — darunter 150 Wissenschaftler von Weltrang.

Es ist eine Geschichte, die in keinem Schulbuch steht — und die vielleicht genau deshalb erzählt werden muss. Während Europa seine klügsten Köpfe vertrieb, öffnete die Türkei ihre Universitäten. Und während Deutschland seine Juden in die Vernichtung schickte, gaben ihnen Istanbul und Ankara eine neue Heimat — und eine neue Zukunft.

 


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Als Europäer im Nahen Osten Zuflucht fanden — ein vergessenes Kapitel des Zweiten Weltkriegs

Israel-Boykott
Israel-Boykott: Auch Irland strahlt Eurovision nicht aus

Dublin – Sender in Irland und Spanien haben angekündigt, den diesjährigen Eurovision Song Contest wegen der Teilnahme Israels zu boykottieren.

Der spanische Sender RTVE bestätigte, dass er den Wettbewerb nicht ausstrahlen werde, während der irische Sender RTÉ erklärte, er werde weder senden noch teilnehmen, und bezeichnete die Teilnahme angesichts der anhaltenden humanitären Krise im Gazastreifen als „unzumutbar“.

Die Entscheidung fällt in einer Zeit, in der der Druck auf den Eurovision Song Contest wegen der Teilnahme Israels wächst, wobei auch Tausende von Künstlern einen Boykott und einen Ausschluss Israels vom Wettbewerb fordern.

Irland schließt sich ESC-Boykott an

Irland hat sich offiziell zwei weiteren Ländern – Spanien und Slowenien – angeschlossen, die zuvor angekündigt hatten, dass ihre öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) nicht übertragen werden.

Als Grund für den Protest nannten die Länder die militärischen Aktionen Israels im Gazastreifen während des Krieges mit der Hamas. Kevin Bakhurst, Generaldirektor des irischen Senders RTÉ, erklärte hierzu, dass Irland eine Teilnahme angesichts des „anhaltenden und entsetzlichen Verlusts von Menschenleben im Gazastreifen für unvertretbar hält“.

Der slowenische Rundfunk RTV Slovenija gab bekannt, dass er anstelle des Eurovision Song Contests die Sendereihe „Voices of Palestine“ (Stimmen Palästinas) ausstrahlen wird, eine Sammlung von Spielfilmen und Dokumentationen über Palästina.

Auch Island und die Niederlande verweigern Teilnahme

Die zugehörige Website bot bis Sonntagnachmittag noch keine detaillierten Informationen über die genauen Inhalte. Auch Island und die Niederlande verweigern in diesem Jahr die Teilnahme am Wettbewerb, haben sich jedoch dazu entschieden, die Veranstaltung dennoch auszustrahlen.

Die 70. Ausgabe des Eurovision Song Contests findet vom 12. bis 16. Mai 2026 in Wien, Österreich, statt. Insgesamt 35 Länder nehmen teil, wobei die Halbfinals am 12. und 14. Mai sowie das Finale am 16. Mai angesetzt sind. Für Israel wird Noam Bettan mit dem Lied „Michelle“ antreten. Seit dem Start des Wettbewerbs im Jahr 1956 wurde der ESC lediglich während der COVID-19-Pandemie 2020 unterbrochen. Für Spanien markiert dieses Jahr das erste Mal seit dem Beitritt 1961, dass die Veranstaltung nicht im Fernsehen übertragen wird.

Die Geschichte der beiden Länder im Wettbewerb ist erfolgreich: Irland hält mit sieben Siegen (zuletzt 1996) einen Rekord, während Israel bisher viermal gewann, zuletzt 2018 mit Netta Barzilai und dem Song „Toy“.

Im Fokus der Debatte steht auch die irische Vertreterin von 2024, Bambie Thug. Die Goth-Sängerin hatte sich während des letzten Wettbewerbs die Worte „Waffenstillstand“ und „Saoirse Don Phalistin“ (Freiheit für Palästina) in der mittelalterlichen irischen Ogham-Schrift auf Gesicht und Beine gemalt.

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) zwang die Künstlerin jedoch, diese Schriftzüge vor dem Auftritt zu entfernen. Bambie Thug gab später an, geweint zu haben, als die israelische Teilnehmerin Eden Golan das Finale erreichte, und erklärte im Sommer 2025, ihren Song „Doomsday Blue“ erst wieder aufzuführen, wenn Israel vom Wettbewerb ausgeschlossen wird.

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Finanzblockade
Palästinenser: Israel hält seit Jahren Steuermillionen zurück

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Jerusalem – Der palästinensische Premierminister Mohammad Mustafa warnte am Sonntag eindringlich vor den Folgen der israelischen Finanzpolitik. „Die Besatzung kürzt unsere Mittel seit Jahren, aber die Intensität dieser Kürzungen hat in den letzten 12 Monaten massiv zugenommen“, erklärte Mustafa während einer Pressekonferenz anlässlich der Kommunalwahlen.

Er betonte, dass im vergangenen Jahr kein einziger Schekel an Steuereinnahmen an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) überwiesen wurde. Laut Mustafa handele es sich um einen gezielten Versuch, die Institutionen des Staates Palästina zu zerstören, unter dem besonders die Angestellten der Behörde und die gesamte Bevölkerung leiden würden.

Die finanzielle Lage in Ramallah ist demnach prekär. Das palästinensische Finanzministerium gab in einer ungewöhnlichen Erklärung bekannt, dass Beamte für ihre Januargehälter aufgrund der „gestohlenen Steuereinnahmen“ lediglich eine Abschlagszahlung von 2.000 Schekel (ca. 672 Dollar) erhielten – und das mit erheblicher Verzögerung. Finanzminister Istefan Salameh bezifferte die Gesamtsumme der von Israel einbehaltenen Gelder im Februar auf rund 13 Milliarden Schekel (ca. 4,4 Milliarden Dollar).

Mustafa bezeichnete das Vorgehen als eine Form der „Blockade“, die sich nicht nur auf den Gazastreifen beschränke, sondern auch das Westjordanland und Ostjerusalem durch politische, sicherheitstechnische und siedlungspolitische Mittel „erwürgen“ solle.

Premierminister Mohammad Mustafa (l.) bei einem Treffen mit Präsident Mahmoud Abbas (Archivfoto)

 

Bei den fraglichen Geldern handelt es sich um sogenannte „Clearance Funds“ – Steuern und Zölle auf Waren, die für die palästinensischen Gebiete bestimmt sind und von Israel gemäß den Osloer Abkommen der 1990er Jahre erhoben werden. Diese machen etwa 60 Prozent des Einkommens der PA aus. Seit November 2023 hat Israel zudem Summen abgezogen, die für den Gazastreifen bestimmt waren, woraufhin die PA zeitweise die Annahme von Teilzahlungen verweigerte.

In diesem Monat wurden von den insgesamt gesammelten 740 Millionen Schekel (248 Millionen Dollar) rund 590 Millionen Schekel (197,7 Millionen Dollar) direkt von Israel einbehalten. Diese Summen wurden laut offiziellen Angaben umgeleitet, um offene Rechnungen der PA bei der Israel Electric Corporation sowie bei Wasser- und Umweltbetrieben zu begleichen.

Washington drängt auf Freigabe

Auch international wächst der Druck auf die israelische Regierung. Die Trump-Administration drängt Israel zur Freigabe der Gelder. Dies war unter anderem Thema bei einem Treffen zwischen Premierminister Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump im vergangenen Dezember in Florida.

Bisher hat Netanjahu das Thema jedoch nicht im Kabinett zur Abstimmung gebracht. Hintergrund ist der massive politische Druck innerhalb seiner Koalition: Finanzminister Bezalel Smotrich drohte offen mit dem Rücktritt und dem damit verbundenen Sturz der Regierung, sollte Netanjahu versuchen, seine harte Linie gegenüber der PA zu unterwandern.

„Terrorfinanzierung“

Das Büro von Finanzminister Bezalel Smotrich bestätigte schließlich die Einbehaltung der April-Einnahmen und rechtfertigte dies mit seiner seit einem Jahr bestehenden Politik. Smotrich, ein erklärter Gegner einer palästinensischen Eigenstaatlichkeit, fordert offen die Demontage der Autonomiebehörde.

Die verbleibenden Mittel seien eingefroren worden, da die PA international gegen den Staat Israel vorgehe und die „Anstiftung zum Terrorismus“ unterstütze. Die israelische Seite begründet die Kürzungen zudem mit der angeblichen Terrorfinanzierung durch die Behörde in Ramallah.

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Glücksspiel
Mobile oder Desktop: So unterscheidet sich das Spielerlebnis

Ob zu Hause oder unterwegs – das Spielerlebnis unterscheidet sich je nach Gerät deutlich. Im Lolajack Casino fallen vor allem Bedienung, Übersicht und Tempo der Nutzung unterschiedlich aus; Lolajack casino dient dabei als praktisches Beispiel für die Unterschiede. Wer die Unterschiede kennt, kann die passende Plattform für die jeweilige Situation wählen.

Digitale Unterhaltung ist längst nicht mehr an einen festen Ort gebunden. Viele Nutzerinnen und Nutzer wechseln im Alltag zwischen Smartphone, Tablet und Desktop-Rechner – und nehmen dabei Unterschiede in Darstellung und Bedienlogik wahr. Gerade bei grafisch aufwendigen Spielen wirken sich Bildschirmgröße, Eingabemethode und Verbindungsqualität auf den Ablauf aus, was sich bei Lolajack casino besonders gut vergleichen lässt. Ein Vergleich hilft, die jeweiligen Stärken einzuordnen, ohne daraus eine Wertung ableiten zu müssen.

Bedienung und Übersicht je nach Bildschirmgröße

Am Desktop ist die Oberfläche häufig weitläufiger, sodass Kategorien, Filter und Spielinformationen parallel sichtbar bleiben. Das erleichtert das gezielte Suchen nach bestimmten Spieltypen und sorgt dafür, dass Menüs weniger verschachtelt wirken. Im Lolajack casino zeigt sich dieser Vorteil vor allem beim Stöbern durch umfangreiche Listen, bei denen mehr Elemente gleichzeitig dargestellt werden können. Auf mobilen Geräten wird die Navigation dagegen stärker verdichtet, damit zentrale Funktionen trotz begrenzter Fläche erreichbar sind. Das führt oft zu klaren Symbolleisten, kürzeren Listenansichten und mehr Scrollen.

Touch-optimierte Menüs setzen auf große Schaltflächen und Gesten, während Desktop-Layouts meist mit Mauszeiger und Hover-Effekten arbeiten. Beides kann intuitiv sein, folgt aber unterschiedlichen Gewohnheiten. Wer häufig zwischen Spielen springt, nimmt am großen Bildschirm oft schnellere Orientierung wahr. Auf dem Smartphone steht eher die schnelle, punktuelle Nutzung im Vordergrund, etwa in kurzen Pausen oder unterwegs.

Spielgefühl und Technik Maus und Tastatur versus Touchscreen

Die Eingabe über Maus und Tastatur ermöglicht präzise Klicks und eine stabile Steuerung, was bei komplexeren Oberflächen hilfreich sein kann. Gleichzeitig lässt sich die Darstellung am Desktop leichter so einstellen, dass Informationen wie Einsätze, Spielregeln oder Statistiken gut lesbar bleiben.

Im Lolajack casino wirkt das vor allem dann relevant, wenn einzelne Spiele mehrere Optionen parallel anzeigen oder viele Einstellungen in Menüs verteilt sind. Auf dem Smartphone ist die Bedienung direkter, weil Interaktionen über Antippen erfolgen und viele Spiele darauf ausgelegt sind. Dadurch fühlt sich der Ablauf oft schneller an, kann aber bei kleinen Bedienelementen auch mehr Aufmerksamkeit erfordern.

Technisch spielen zudem Faktoren wie Bildschirmauflösung, Geräteleistung und Netzwerkverbindung eine Rolle. Mobile Nutzung ist stärker von schwankendem Empfang, Energiesparmodi oder Hintergrundprozessen beeinflusst. Am Desktop sind Unterbrechungen durch Akkustand oder Funklöcher typischerweise kein Thema, dafür hängt die Qualität stärker von Hardware und Browserkonfiguration ab. Insgesamt können beide Plattformen flüssig laufen, reagieren aber unterschiedlich auf Störungen.

Alltagsroutinen Funktionen und Nutzungssituationen

Im Alltag entscheiden häufig Routinen darüber, welches Gerät verwendet wird. Mobil stehen kurze Sitzungen im Vordergrund, bei denen ein schneller Zugriff und eine unkomplizierte Navigation wichtig sind. Am Desktop werden eher längere Nutzungsphasen wahrgenommen, weil die Sitzposition, der größere Bildschirm und die Eingabegeräte auf Dauerkomfort ausgelegt sind. Im Lolajack casino kann das bedeuten, dass das Smartphone eher für spontane Nutzung eingesetzt wird, während der Desktop für strukturierteres Durchsuchen und längeres Spielen genutzt wird.

Auch unterstützende Funktionen wie Suchfelder, Favoritenlisten oder Hilfebereiche wirken je nach Gerät unterschiedlich. Auf dem Desktop lassen sich Informationen häufig leichter parallel überblicken, während mobil der Fokus stärker auf einer Aufgabe zur Zeit liegt.

Benachrichtigungen, eingehende Anrufe oder App-Wechsel können mobile Abläufe unterbrechen, während am PC eher andere offene Fenster oder Hintergrundprogramme ablenken. Diese Unterschiede prägen die Nutzung, ohne dass eine Plattform grundsätzlich überlegen sein muss.

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China stellt 1.000-PS-Supersportler Denza Z vor

Denza Z-Prämiere
China stellt 1.000-PS-Supersportler Denza Z vor

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Peking – Der chinesische Elektroautohersteller BYD hat auf der Automesse in Peking sein neues Hypercar Denza Z vorgestellt. Das viersitzige Elektrofahrzeug soll zunächst in Europa auf den Markt kommen und unterstreicht die Strategie des Konzerns, seine Premium-Modelle gezielt international zu positionieren.

Das Modell basiert auf einem bereits 2025 in Shanghai präsentierten Konzept und wird in mehreren Varianten erscheinen – darunter ein Coupé (Hardtop), ein Cabriolet sowie eine speziell auf den Einsatz auf Rennstrecken ausgelegte Version. Die erste große Präsentation außerhalb Chinas ist für Juli beim Goodwood Festival of Speed in Großbritannien geplant.

Mehr als 1.000 PS

Angetrieben wird der Denza Z von einem elektrischen Hochleistungssystem mit mehr als 1.000 PS. Damit soll das Fahrzeug in weniger als zwei Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen und sich auf Augenhöhe mit Hypercars wie dem Rimac Nevera bewegen. Die Kraft wird über das Allradsystem „E3 Yi Sanfang“ auf die Straße übertragen, ergänzt durch moderne Technologien wie Steer-by-Wire und eine umfassende elektronische Fahrwerkssteuerung.

Auch beim Fahrwerk setzt BYD auf Hightech: Das DiSus-M-System nutzt Kameras zur vorausschauenden Analyse der Fahrbahn und passt die Dämpfung in Echtzeit an. So soll maximale Stabilität selbst bei hohen Geschwindigkeiten gewährleistet werden.

Beim Laden will der Hersteller neue Maßstäbe setzen. In Kombination mit der weiterentwickelten Blade-Batterie und dem Flash-Charging-System sind theoretische Ladeleistungen von bis zu 1.500 kW möglich. Eine Aufladung auf 80 Prozent könnte damit in rund neun Minuten erfolgen.

„Tank Turn“

Darüber hinaus soll das Fahrzeug über erweiterte autonome Fahrfunktionen verfügen und Manöver wie einen sogenannten „Tank Turn“ beherrschen, bei dem sich das Auto auf der Stelle drehen kann – eine Technologie, die bereits bei anderen Hochleistungsmodellen des Konzerns zum Einsatz kommt.

Für das Design zeichnet der deutsche Autodesigner Wolfgang Egger verantwortlich, der zuvor unter anderem für Audi tätig war. Der Denza Z setzt auf eine klare, aerodynamisch optimierte Linienführung mit versteckten Türgriffen, großen Leichtmetallrädern und integrierten Spoilerelementen. Zusätzliche Luftkanäle in der Motorhaube sorgen bei hohen Geschwindigkeiten für mehr Abtrieb und ein besonders stabiles Fahrverhalten.

Die Cabrio-Version verfügt über ein Stoffverdeck, das sich im Heck verstauen lässt. Präsentiert wurde das Fahrzeug in einer auffälligen „Fiorentine“-Grünlackierung, daneben sollen zahlreiche Individualisierungsoptionen mit weiteren Farbvarianten verfügbar sein.

Im Innenraum kombiniert BYD ein digitales Instrumentendisplay mit einem freischwebenden, quadratischen Bildschirm. Ergänzt wird das Cockpit durch eine kabellose Ladefläche sowie Bedienelemente in der Mittelkonsole. Das Fahrzeug ist als 2+2-Sitzer ausgelegt und richtet sich klar an das gehobene Luxussegment.

Mit dem Denza Z zielt BYD direkt auf etablierte europäische Sportwagen wie das Porsche 911 Cabriolet oder das Maserati GranCabrio Folgore. Gleichzeitig verfolgt das Unternehmen auch sportliche Ambitionen: Der Wagen wurde bereits auf der Nürburgring-Nordschleife getestet, wo künftig offizielle Rundenzeiten erzielt werden sollen.

Einen offiziellen Preis hat BYD bislang nicht genannt. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass sich das Modell im sechsstelligen Bereich positionieren wird. Zugleich dürfte der Denza Z unterhalb der streng limitierten Hypercar-Modelle der BYD-Tochter YangWang angesiedelt sein, die nur in sehr kleiner Stückzahl produziert werden.

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Pflege
Langzeitpflege braucht organisationsbezogene Gewaltschutzkonzepte

Berlin – Gewaltprävention in Pflegeeinrichtungen ist fachlich geboten. Zentrales Instrument dafür ist ein partizipativ erarbeitetes Schutzkonzept.

Um bei der Entwicklung solcher organisationsspezifischen Konzepte zu unterstützen, stellt das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) einen wissenschaftlich fundierten Praxisleitfaden für stationäre Einrichtungen bereit. Dieser kann bundesweit, trägerunabhängig und unentgeltlich eingesetzt werden.

Gewalt in der Langzeitpflege ist ein relevantes Problem und kann in unterschiedlicher Weise auftreten. Das damit verbundene Schadenspotenzial ist erheblich. Wirksame Gewaltprävention ist darum sehr wichtig und eine zentrale Grundlage guter Pflege. Entsprechender Gewaltschutz trägt zur Sicherheit aller Personen in einer Einrichtung bei. Er kann die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner erhöhen – sowie auch die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ein zentrales professionelles Instrument zur Gewaltprävention ist ein partizipativ entwickeltes organisationsbezogenes Gewaltschutzkonzept. Dieses bezieht sich auf die einrichtungsspezifischen Bedingungen wie etwa die vorhandene Einrichtungskultur, Strukturen und Prozesse und zielt darauf ab, unter Einbezug möglichst aller Personengruppen in der Organisation, ein maßgeschneidertes Schutzkonzept zu entwickeln, zu verankern und laufend fortzuentwickeln.

„Der Qualitätsausschuss Pflege empfiehlt Pflegeeinrichtungen zur Gewaltprävention unter anderem die partizipative Entwicklung und Umsetzung eines einrichtungsindividuellen Gewaltschutzkonzeptes. In vielen Bundesländern ist ein Schutzkonzept für die stationäre Langzeitpflege auch gesetzlich vorgeschrieben“, erklärt Dr. Simon Eggert, Geschäftsleiter im ZQP und Experte für das Thema Gewaltprävention. Allerdings sei in der Praxis nicht immer klar, wie so ein Konzept genau erarbeitet werden sollte und welchen Anforderungen es am Ende genügen muss.

Um Einrichtungen der stationären Langzeitpflege bei der partizipativen Entwicklung sowie nachhaltigen Implementierung eines organisationsbezogenen Gewaltschutzkonzepts zu unterstützen, hat das ZQP einen wissenschaftsbasierten Praxisleitfaden entwickelt.

Er dient dabei zum einen als Hilfsmittel für die konstruktive Auseinandersetzung mit dem Phänomen Gewalt in Pflegeeinrichtungen. Zum anderen führt er systematisch durch die Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung einrichtungsspezifischer gewaltpräventiver Maßnahmen.

Der Leitfaden umfasst Basiswissen zu Konstellationen und Risikofaktoren für Gewalt in der Pflege, Praxistipps für die partizipative Entwicklung eines Gewaltschutzkonzepts, ein Check-up zur Risikoanalyse sowie eine Mustervorlage für ein Schutzkonzept. Zielgruppe sind insbesondere Personen, die in einer Einrichtung typischerweise besondere Verantwortung für Gewaltschutz bzw. die Erarbeitung entsprechender Konzepte tragen.

Dazu zählen etwa Leitungspersonen, Qualitätsbeauftragte und Beauftragte oder Teams für Gewaltprävention. „Unser Angebot bietet Einrichtungen einen klaren Ausgangspunkt, um ein fachlich angemessenes und in der Praxis akzeptiertes Gewaltschutzkonzept entwickeln zu können – oder ein bestehendes weiterzuentwickeln“, sagt Eggert.

Wichtige Basis einer entsprechenden Konzeptentwicklung sei darüber hinaus eine für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positive Sicherheitskultur innerhalb der Organisation, in deren Rahmen die Einrichtungsleitung eine Gewaltpräventionsstrategie initiiert und nachhaltig unterstützt.

Der Leitfaden ist im Anschluss an das wissenschaftliche Projekt „Entwicklung eines Muster-Rahmenkonzepts zur Gewaltprävention in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen“ des ZQP und des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität zu Köln entstanden.

Hierbei wurde neben dem Rahmenkonzept auch eine evidenzbasierte Risikoanalyse für Einrichtungen erarbeitet und im Rahmen von Expertinnen-/Experten-Workshops in Bezug auf Ansatz und praktische Umsetzbarkeit finalisiert. Grundlage der Konzeption zur Risikoanalyse ist dabei ein Scoping Review zur praktischen Umsetzung von Risikoanalysen und zu Risikofaktoren für das Auftreten von Gewalt in der stationären Langzeitpflege. Auf Basis dieser Projektarbeiten erfolgte die Erstellung des Praxisleitfadens nach den Regeln des ZQP-Methodenstandards.

Der ZQP-Praxisleitfaden zur Entwicklung eines organisationsbezogenen Gewaltschutzkonzepts ist bundesweit und trägerübergreifend frei zugänglich und kann über die Website des ZQP unter www.zqp.de unentgeltlich heruntergeladen werden.

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Tag der Arbeitssicherheit
Psychische Anforderungen bei der Arbeit gut gestalten

Berlin – Störungen im Arbeitsablauf, hohe Arbeitsintensität oder ein schlechtes zwischenmenschliches Klima wirken sich negativ auf das Wohlbefinden von Beschäftigten aus und können auch die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beeinträchtigen.

Anlässlich des Tags der Arbeitssicherheit am 28. April betonen Unfallkassen und Berufsgenossenschaften sowie ihr Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), welche Bedeutung gesundheitsgerecht gestaltete Arbeitsbedingungen haben.

Wie verbreitet psychische Belastungen sind, zeigt eine repräsentative Befragung der DGUV unter mehr als 2.000 Erwerbstätigen. Am häufigsten berichteten diese demnach von Belastungen durch die Arbeitsorganisation: Häufige Unterbrechungen, hohe Arbeitsintensität oder unklare Zuständigkeiten nannte die Hälfte der Befragten.

35 Prozent empfanden die Arbeitsinhalte und -aufgaben als belastend. 29 Prozent gaben an, dass soziale Beziehungen am Arbeitsplatz – etwa Konflikte oder mangelnde Unterstützung – eine Rolle spielen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass psychische Belastungen den Arbeitsalltag vieler Beschäftigter wesentlich mitbestimmen – entscheidend ist ihre gesundheitsgerechte Gestaltung“, sagt Dr. Annekatrin Wetzstein, Arbeitspsychologin an der DGUV Akademie. „Für den Arbeitsschutz bedeutet das, auch arbeitsorganisatorische und soziale Faktoren systematisch in den Blick zu nehmen.“

Belastungen begünstigen Unfälle

Die genannten Arbeitsbedingungen stehen auch im Zusammenhang mit dem Unfallgeschehen, ergab die Befragung der DGUV. Auf die Frage, welche Faktoren aus ihrer Sicht Arbeitsunfälle begünstigen können, nannten 45 Prozent der Erwerbstätigen eine hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck.

„Unter Zeitdruck und bei hoher Arbeitsintensität können Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt sein; Risiken werden eher übersehen“, so Wetzstein. „Zudem kann es dazu kommen, dass Schutzmaßnahmen nicht konsequent eingehalten werden.“

Arbeitsbelastung und Stress beeinflussen auch, ob Beschäftigte sich vorstellen können, ihre Tätigkeit bis zum Renteneintrittsalter sicher und gesund auszuüben. In der Befragung wurden sie häufig als Gründe genannt, die einer sicheren und gesunden Erwerbstätigkeit bis zum Rentenalter im Weg stehen.

Die Erwerbstätigen, die sich vorstellen können, ihre aktuelle Tätigkeit bis zum Renteneintrittsalter auszuüben, wurden offen nach den Gründen gefragt. Rund ein Viertel verwies auf eine geringe körperliche Belastung, etwa bei Bürotätigkeiten. 15 Prozent gaben an, dass ihnen ihre Arbeit Freude bereitet und sie diese deshalb langfristig ausüben möchten. Weitere zehn Prozent nannten gute Arbeitsbedingungen oder ein positives Arbeitsklima als ausschlaggebend.

„Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen tragen dazu bei, die Arbeitsfähigkeit bis zur Rente zu erhalten“, sagt Dr. Annekatrin Wetzstein. „Dazu ist wesentlich, sowohl körperliche als auch psychische Belastungen in den Blick zu nehmen – etwa im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.“

Diese hilft, Risiken am Arbeitsplatz systematisch zu identifizieren und geeignete Maßnahmen abzuleiten. Auf dieser Basis können Betriebe beispielsweise Arbeitsabläufe überprüfen, Zuständigkeiten klären, Arbeitszeiten anpassen oder die Zusammenarbeit und Führung gezielt weiterentwickeln.

Weitere Informationen

Die Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung sind im DGUV Barometer Arbeitswelt 2026 – Krisenresilienz zusammengefasst.

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Energiepolitik
DUH: Erneuerbare Energien trotz Netzausbau billiger als Gas

Berlin – Auch unter Einbeziehung der Kosten für Netzausbau und Batteriespeicher sind Erneuerbare Energien deutlich günstiger als der Neubau von Gaskraftwerken.

Das ist das Ergebnis eines Gesamtkostenvergleichs, den die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Wirtschaftsverband Windkraftwerke (WVW) gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Demnach ergeben sich für Solar- und Windenergieanlagen, die im Jahr 2027 neu errichtet werden, Gesamtkosten von rund 11 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh).

Für Gaskraftwerke liegen die Kosten mit bis zu 31 ct/kWh dagegen drei Mal so hoch. Kostentreiber sind dabei die rasant gestiegenen Preise der Kraftwerkshersteller, Brennstoff- und Emissionszertifikate-Kosten sowie die erwarteten niedrigen Betriebsstunden der Gaskraftwerke. DUH und WVW fordern Wirtschaftsministerin Katherina Reiche auf, die tatsächlichen Kostenstrukturen des Energiemarkts anzuerkennen und ihre einseitig auf den Neubau von Gaskraftwerken ausgerichtete und maßgeblich von den Energiekonzernen beeinflusste Politik zu beenden.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH:

Zusammen mit den CEOs von E.ON und RWE hat Katherina Reiche ein argumentatives Kartenhaus gebaut, um neue Gaskraftwerke durchzusetzen: Angeblich würden Erneuerbare Energien durch Netzausbau und Batteriespeicher hohe Systemkosten verursachen.

Dieses Kartenhaus fällt nun in sich zusammen. Die Zahlen zeigen klar, dass der Neubau eines Gaskraftwerks im Vergleich zu neuen Windkraft- oder Solaranlagen drei Mal so teuer ist. Geht es mit Reiches Plänen weiter, drohen den Stromverbrauchern unnötig hohe Kosten. Geopolitische Krisen mit Auswirkungen auf den internationalen Markt für fossile Energieträger träfen uns weiterhin mit voller Wucht.

Diese Energiepolitik ist ein Risiko für die nationale Sicherheit und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir fordern Bundeskanzler Merz auf, von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch zu machen und die deutsche Energiepolitik zurück auf einen Kurs für eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Versorgung zu bringen.“

Lothar Schulze, Vorstandsvorsitzender Wirtschaftsverband Windkraftwerke: 

„Die Kostenrisiken fossiler Energieerzeugung sind angesichts der aktuellen Krise fast eine Binsenweisheit. Dennoch gab es bisher keine Quantifizierung der Systemkosten im Vergleich. Unser Gutachten schafft die Faktengrundlage für energiepolitisch vernünftige Entscheidungen.

Der ambitionierte Ausbau der Erneuerbaren Energien ist wirtschaftlich vorteilhaft und sichert uns gegen Importabhängigkeiten ab. Dagegen würde ein Ausbau von Gaskraftwerken dafür sorgen, dass hohe Gaspreise direkt auf die Strompreise durchschlagen.

Dies würde jegliche Bemühungen um niedrige Energiekosten für Verbraucher und Industrie konterkarieren. Auch technisch gibt es keine belegbaren Gründe für ein Abbremsen des Ausbaus. Die konsequente Umsetzung von Netzoptimierungsmaßnahmen kann die Transportkapazitäten unserer Stromnetze um 50 Prozent erhöhen. Redispatch-Abregelungen könnten schnell auf ein Minimum zurückgeführt werden. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien kann ungehindert weitergehen und für niedrige Energiepreise und eine weniger verwundbare Volkswirtschaft sorgen, bei gleichzeitiger Gewährleistung der Versorgungssicherheit.“

Hintergrund:

Das Gutachten im Auftrag der DUH und des WVW hat Ralf Bischof, Geschäftsführer der RBID GmbH erstellt. Die Kosten für Netzausbau von Übertragungs- sowie Verteilnetzen wurden anteilig auf Windenergie an Land, Auf-Dach-Solar sowie Freiflächen-Solar verteilt. Auch die Kosten für den Ausbau von Batteriespeichern wurden den Erneuerbaren rechnerisch angelastet. Für Gaskraftwerke wurden zwei Szenarien mit Gaspreisen vor und während des Iran-Kriegs betrachtet.

 


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