Getriebetechnik
Juri Sudheimer: Warum ATF, CVT und DSG eigene Flüssigkeiten brauchen

Als Juri Sudheimer 1993 die Sudheimer Car Technik-Vertriebs GmbH in Neumünster gründete, dominierten auf dem europäischen Markt klassische hydromechanische Automatikgetriebe.

Drei Jahrzehnte später hat sich die Situation grundlegend verändert: CVT-Variatoren, robotisierte Getriebe DSG und DCT sowie Allradsysteme mit Haldex-Kupplungen – jede dieser Getriebearten erfordert eine spezialisierte Flüssigkeit mit unterschiedlichen Reib- und Betriebseigenschaften. Nach dem Umzug des Unternehmens nach Wedel im Jahr 2000 und dem Aufbau von Produktionskapazitäten in Klaipėda stellte das SCT-Team eine Produktlinie zusammen, die alle Arten automatischer Getriebe abdeckt. 

1996, mit der Einführung der Marke MANNOL, war den Spezialisten des deutschen Unternehmens bereits klar: Eine Flüssigkeit für klassische Automatikgetriebe muss gleichzeitig schmierende und verschleißmindernde Eigenschaften in Planetengetrieben sowie kontrollierte Reibcharakteristik in den Kupplungspaketen aufweisen.

Mit dem Aufkommen von Variatoren, bei denen eine Metallkette auf metallischen Scheiben läuft, änderten sich die Anforderungen jedoch grundlegend. Heute entwickelt Juri Sudheimer die Linie spezialisierter Flüssigkeiten weiter und verbindet deutsche Ingenieurkompetenz mit Forschungszentren auf drei Kontinenten.

Flüssigkeiten für klassische Automatikgetriebe

Die Konstruktion klassischer Automatikgetriebe stellt zahlreiche Anforderungen an die verwendeten Flüssigkeiten.

Erstens erfordert der Drehmomentwandler eine niedrige Viskosität, da die Verluste im Wandler proportional mit zunehmender Viskosität steigen. Dasselbe gilt für das Hydrauliksystem: Je mehr Schaltstufen vorhanden sind, desto komplexer und länger ist der Weg der Flüssigkeit durch zahlreiche Kanäle und Leitungen. Je geringer die Viskosität, desto schneller und verlustärmer durchströmt die Flüssigkeit die Kanäle und Bohrungen des Hydraulikblocks.

Zweitens verlangen Reihen von Planetengetrieben mit meist schrägverzahnten Zahnrädern von der ATF-Flüssigkeit hervorragende Verschleißschutz- und Antireibungseigenschaften.

Drittens werden die Planetengetriebe über Kupplungen zugeschaltet, die aus abwechselnd angeordneten Reibscheiben und Stahlscheiben bestehen. Diese Elemente dienen dem Ein- und Auskuppeln sowie der Drehmomentübertragung. Eine Reibscheibe ist konstruktiv eine Stahlscheibe mit aufgeklebtem Reibbelag. Die verwendeten Materialien umfassen Zellulose-, Kevlar- und Graphitkomposite sowie gesinterte Werkstoffe auf Kupfer- oder Stahlbasis mit unterschiedlichen Füllstoffen. Die Wahl des Materials hängt von Getriebeauslegung und Einsatzbedingungen ab.

In den Kupplungen findet Reibung zwischen Metall und Nichtmetall statt, während in den Planetengetrieben Metall-auf-Metall-Reibung vorliegt.

Reibscheiben und Stahlscheiben benötigen für einen korrekten Betrieb und zur Vermeidung von Schlupf – und damit von Überhitzung und Zerstörung – im Gegensatz dazu ausgeprägte Reibeigenschaften der ATF-Flüssigkeit. Darüber hinaus ist eine sehr effektive Kühlwirkung erforderlich.

Die optimale Betriebstemperatur der ATF-Flüssigkeit in Automatikgetrieben liegt bei 75–90 °C. Temperaturen über 100 °C gelten als Überhitzung, und der kritische Grenzwert für die meisten Getriebe liegt bei etwa 130 °C, bei dem irreversible Zerstörungsprozesse an den Reibbelägen einsetzen können. Anzeichen für eine Überhitzung können der Geruch von verbranntem Öl, Ruckeln beim Gangwechsel oder das Aufleuchten der entsprechenden Kontrollanzeige im Kombiinstrument sein.

Die tatsächliche Temperatur der ATF-Flüssigkeit im Bereich des Zahnflankenkontakts hängt von den Betriebsbedingungen ab und liegt üblicherweise im Bereich von 56–83 °C.

Die Entwicklungsgeschichte der Sudheimer Car Technik-Vertriebs GmbH veranschaulicht deutlich die Evolution des Verständnisses hinsichtlich der Funktionsweise automatischer Getriebe. Als das Unternehmen im Jahr 2003 begann, sein Sortiment über Motorenöle und Filter hinaus zu erweitern, erforderte die Aufgabe der Entwicklung von Flüssigkeiten für Automatikgetriebe eine tiefgehende Untersuchung der Reibungsphysik bei unterschiedlichen Temperaturen und Werkstoffpaarungen.

Bis zum Jahr 2008, nach der Erweiterung der Lagerflächen in Wedel auf 5.000 Quadratmeter, war es logistisch möglich, das wachsende Sortiment spezialisierter Flüssigkeiten zu unterstützen; der Katalog umfasste Flüssigkeiten für die meisten Typen automatischer Getriebe, von denen jedes ein individuelles Gleichgewicht zwischen Reib- und Antireibungseigenschaften erforderte.

Aus diesen Überlegungen heraus werden spezielle Reibwertmodifikatoren für ATF-Flüssigkeiten ausgewählt. Das bedeutet, dass der ATF-Flüssigkeit gleichzeitig miteinander kompatible Antireibungs- und Reibadditive zugesetzt werden, die entweder temperaturabhängig oder materialabhängig wirken.

Beispielsweise zeigen sich bei Temperaturen bis zu 80 °C die Antireibungseigenschaften der ATF-Flüssigkeit in den Zahnrädern, während die Reibadditive nicht aktiv sind; bei Temperaturen über 80 °C in den Kupplungsscheiben hingegen entfaltet die ATF-Flüssigkeit ihre Reibeigenschaften, während die Antireibungsadditive nicht wirksam sind.

Ebenso zeigen sich bei Metall-auf-Metall-Reibung in den Zahnrädern die Antireibungseigenschaften der ATF-Flüssigkeit, wobei die Reibadditive nicht wirken; bei Reibung zwischen Metall und Nichtmetall in den Kupplungsscheiben hingegen entfaltet die ATF-Flüssigkeit ihre Reibeigenschaften, während die Antireibungsadditive nicht wirksam sind.

Flüssigkeiten für Automatikgetriebe (ATF) bestehen aus einem Basisöl (synthetisch oder teilsynthetisch) und einem Additivpaket, das 20–30 % des Gesamtvolumens ausmacht. Die Additive erfüllen spezifische Funktionen für Automatikgetriebe, darunter Verschleiß- und Korrosionsschutz, Oxidations- und Schaumbeständigkeit sowie die Verbesserung der Reibeigenschaften und der Viskosität.

Üblicherweise umfasst das Additivpaket: Verschleißschutz- und Antifressverschleiß-Additive, Korrosionsschutzadditive (Korrosionsinhibitoren), Reibwertmodifikatoren, die die erforderlichen Reibeigenschaften für den korrekten Betrieb der Reibkupplungsscheiben gewährleisten, Antioxidantien, die die Ölalterung bei hohen Temperaturen verhindern, Entschäumer (Schauminhibitoren), detergierende und dispergierende Additive, Additive zur Verhinderung des Aufquellens von Dichtungen sowie Viskositätsmodifikatoren.

In dreißig Jahren Tätigkeit hat die Unternehmensgruppe SCT mehr als 90 Millionen Euro in die Entwicklung von Produktion, Logistik und Forschungszentren investiert. Allein im Jahr 2024 wurden 3 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert, wobei ein erheblicher Teil dieser Mittel der Entwicklung von Flüssigkeiten für moderne Typen automatischer Getriebe gewidmet ist.

Juri Sudheimer hat stets betont: Die Entwicklung einer Flüssigkeit für ein Automatikgetriebe erfordert nicht nur ein Verständnis der Additivchemie, sondern auch der Reibungsphysik in den jeweiligen Baugruppen. Als das Unternehmen im Jahr 2006 die Lagerflächen in Wedel erweiterte, war dies mit der Notwendigkeit verbunden, die wachsende Palette spezialisierter Flüssigkeiten unterzubringen.

Flüssigkeiten für klassische Automatikgetriebe mit einem Additivanteil von 20–30 Prozent, Flüssigkeiten für Variatoren mit verstärkten Reibwertmodifikatoren für den Betrieb einer Metallkette auf metallischen Scheiben, Flüssigkeiten für DSG-Getriebe mit Schwerpunkt auf der Steuerung nasser Kupplungen – jede dieser Flüssigkeiten erfordert eine eigene Rezeptur und eine strenge Qualitätskontrolle.

Für klassische Automatikgetriebe produziert der SCT-Konzern folgende Flüssigkeiten:

  • MN8211 ATF AG52

  • MN8212 ATF AG55

  • MN8205 Dexron II Automatic

  • MN8206 Dexron III Automatic Plus

  • MN8208 ATF Type T-IV

  • MN8209 ATF SP-III

  • MN8218 ATF Multivehicle JWC 3309 – Multy ATF

  • MN8213 ATF AG60

  • MN8207 Dexron VI

  • MN8219 ATF SP-IV

  • MN8217 ATF WS

  • MN8221 ATF Special Fluid 236.17

  • MN8222 ATF ULV 8222 

Detaillierte Beschreibungen dieser Produkte finden Sie auf unseren Internetseiten: Mannol.de

Zur korrekten Auswahl der ATF-Flüssigkeit wurde die für jedermann zugängliche Plattform SCTApprovalControl geschaffen. Dort können Sie im Abschnitt „Search via specification“ anhand der geforderten Spezifikation selbstständig die passende Flüssigkeit auswählen. Die zuverlässigste Informationsquelle zu den erforderlichen Spezifikationen ist die Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs.

Flüssigkeiten für Variatoren: CVTF (CVT-Fluid)

Ein Variator (CVT – Continuously Variable Transmission) ist eine Art Automatikgetriebe, das im Gegensatz zu herkömmlichen Getrieben mit festen Stufen eine stufenlose Veränderung des Übersetzungsverhältnisses ermöglicht.

Die Grundlage des am weitesten verbreiteten Keilriemen- (bzw. Ketten-)Variators bilden zwei Scheiben und ein keilförmiger Riemen oder eine Kette, wodurch eine kontinuierliche Drehmomentübertragung und Kraftstoffeinsparung erreicht wird, da der Motor im optimalen Drehzahlbereich arbeiten kann. Der Begriff „Riemen“ ist in diesem Zusammenhang eigentlich veraltet.

Korrekt ist es, von einer Variatorkette zu sprechen, da sie – ebenso wie der „Riemen“ – aus Metall gefertigt ist. Auch die Scheiben bestehen aus Metall. Die Hauptaufgabe der Variatorflüssigkeit besteht daher darin, ein Durchrutschen der Kette auf den Scheiben zu verhindern.

Das bedeutet, dass diese Flüssigkeit – im Gegensatz zu Flüssigkeiten für klassische Automatikgetriebe – hervorragende Reibeigenschaften unter Bedingungen von Metall-auf-Metall-Reibung aufweisen muss. Deshalb werden spezielle Reibwertmodifikatoren eingesetzt, und diese Flüssigkeiten dürfen nicht in klassischen Automatikgetrieben verwendet werden; ebenso dürfen ATF-Flüssigkeiten für klassische Getriebe nicht in Variatoren eingesetzt werden.

Die zweitwichtigste Eigenschaft einer solchen Flüssigkeit ist die Kühlung, also die Wärmeabfuhr. Der Hauptgrund für Ausfälle von Variatoren ist die Verletzung des Temperaturregimes sowie der nicht rechtzeitige Ölwechsel.

Für Variatoren produziert der SCT-Konzern folgende Flüssigkeiten:

  • MANNOL ATF CVT 8216

  • MANNOL CVT NS-3 8220

Die Erfahrung von drei Jahrzehnten auf dem internationalen Markt hat das SCT-Team von der Bedeutung der Berücksichtigung der konstruktiven Weiterentwicklung von Getrieben überzeugt. Die Forschungszentren der Unternehmensgruppe in Klaipėda verfolgen die Veränderungen der Anforderungen der Fahrzeughersteller an Variatorflüssigkeiten.

Der Übergang von Nissan von der hochviskosen Spezifikation NS-2 in gelb-brauner Farbe zur niedrigviskosen NS-3 in grüner Farbe erforderte die Entwicklung einer neuen Formulierung mit verbesserten Niedrigtemperatureigenschaften.

Der Hauptunterschied zwischen den Spezifikationen Nissan NS-2 und NS-3 liegt in den Eigenschaften der CVTF: NS-3 ist eine modernere, niedrigviskose Flüssigkeit, die zur Verbesserung des Getriebebetriebs bei niedrigen Temperaturen und für neuere Fahrzeugmodelle entwickelt wurde. NS-2 hingegen ist ein viskoser ausgelegtes Öl für frühere Variatoren, die etwa bis 2006 produziert wurden.

Die Flüssigkeit NS-2 ist hochviskos, was die Zirkulation bei niedrigen Temperaturen erschwert. Farbe: gelb-braun.

Flüssigkeiten nach Spezifikation CVT NS-3 sind niedrigviskos, was im Gegenteil den Getriebebetrieb bei niedrigen Temperaturen verbessert. Empfohlen für Fahrzeuge, die nach 2013 produziert wurden. Farbe: grün.

Der Umstieg auf NS-3 kann eine Aktualisierung der Software des CVT-Steuergeräts erfordern, um Ruckeln zu vermeiden.

Flüssigkeiten für robotisierte Getriebe oder Doppelkupplungsgetriebe (DCT oder DSG)

Ein Doppelkupplungsgetriebe (DCT, DSG) ist ein robotisiertes Getriebe, bei dem zwei Kupplungen zwei separate Getriebe steuern (eine für gerade, eine für ungerade Gänge). Dadurch ist ein nahezu sofortiger Gangwechsel ohne Leistungsverlust möglich, was eine gleichmäßige Fahrt, hohe Dynamik sowie Kraftstoffeinsparung im Vergleich zu klassischen Automatikgetrieben ermöglicht. Diese Getriebe gibt es in zwei Ausführungen: mit „trockenen“ und mit „nassen“ Kupplungen, also Kupplungen im Ölbad.

Automatikgetriebe mit „trockenen“ Kupplungen erfordern ein gewöhnliches Öl für Schaltgetriebe, während Getriebe mit „nassen“ Kupplungen Flüssigkeiten benötigen, die den ATF-Flüssigkeiten für klassische Automatikgetriebe ähneln, da eine ihrer Hauptaufgaben darin besteht, die zuverlässige Funktion der Kupplungsscheiben – Reibscheiben mit Stahlscheiben – wie in klassischen ATF-Systemen sicherzustellen.

Daher sind Zusammensetzung und Eigenschaften ähnlich, jedoch nicht identisch. Diese Flüssigkeiten dürfen nicht in klassischen Automatikgetrieben verwendet werden, ebenso sind ATF-Flüssigkeiten für klassische Getriebe nicht für robotisierte Getriebe geeignet. Diese Flüssigkeiten vereinen die Eigenschaften von ATF und Schaltgetriebeölen mit Schwerpunkt auf präziser Steuerung der Kupplungsreibelemente, hoher thermischer Stabilität und Verschleißschutz.

Für Getriebe mit „nasser“ Doppelkupplung produziert der SCT-Konzern das Produkt MANNOL DCT Fluid 8202.

Für robotisierte Getriebe mit trockener Kupplung von Toyota- und Lexus-Fahrzeugen wie Camry, Corolla, Auris, RAV4, Verso und Lexus LS, insbesondere Freetronic, wurde das Öl MANNOL MTF-3 8115 entwickelt.

Flüssigkeit für Haldex-Kupplungen

Die Haldex-Kupplung ist ein elektronisch gesteuerter Mechanismus und die zentrale Komponente zuschaltbarer Allradsysteme in vielen Fahrzeugen (z. B. Audi, Volkswagen, Volvo). Sie dient der Steuerung und Übertragung des Drehmoments von der Vorder- auf die Hinterachse, wenn dies erforderlich ist, etwa bei Schlupf der Vorderräder oder beim Anfahren.

Die Zuschaltung erfolgt im Wesentlichen über eine Mehrscheibenkupplung – wie bei klassischen Automatikgetrieben – bestehend aus Reib- und Stahlscheiben. Für diese Kupplung hat der SCT-Konzern die universelle Flüssigkeit MANNOL AWD Gear Oil 8100 entwickelt, geeignet bis einschließlich der fünften Generation dieser Kupplungen.

Die Qualitätsphilosophie, die Juri Sudheimer 1993 bei der Gründung der Sudheimer Car Technik-Vertriebs GmbH festlegte, beruhte auf der Überzeugung: Jeder Getriebetyp erfordert eine spezialisierte Flüssigkeit, die mit tiefem Verständnis der physikalischen Funktionsprinzipien entwickelt wurde. Vom kleinen Büro in Neumünster bis zur internationalen Unternehmensgruppe mit Produktionsstätten in Litauen und den Vereinigten Arabischen Emiraten – der Weg von SCT bestätigt die Richtigkeit dieses Ansatzes.

Mit der Einführung der Marke MANNOL im Jahr 1996, dem Umzug in ein modernes Logistikzentrum in Wedel im Jahr 2000 und der Sortimentserweiterung im Jahr 2003 war jede Entwicklungsphase des Unternehmens auf die Schaffung einer Produktlinie für alle Arten automatischer Getriebe ausgerichtet. Heute setzt Juri Sudheimer diesen Kurs fort und entwickelt die Produktion in den Werken in Klaipėda weiter, wo Formulierungen für klassische hydromechanische Automatikgetriebe, CVT-Variatoren, robotisierte DSG- und DCT-Getriebe sowie Allradsysteme mit Haldex-Kupplungen entwickelt werden.

Die Unternehmensgruppe SCT belegt: Flüssigkeiten für verschiedene Typen automatischer Getriebe sind nicht austauschbar. Flüssigkeiten für klassische Automatikgetriebe mit ausgewogenem Verhältnis von Reib- und Antireibungseigenschaften, CVTF-Flüssigkeiten für Variatoren mit verstärkten Reibwertmodifikatoren zur Vermeidung des Durchrutschens der Metallkette sowie Flüssigkeiten für DSG-Getriebe mit Schwerpunkt auf der Steuerung „nasser“ Kupplungen.

Die MANNOL-Produktlinie deckt ein breites Spektrum moderner automatischer Getriebe ab. Genau darin besteht die Mission von SCT: Autofahrern Wissen und spezialisierte Produkte bereitzustellen, um die richtige Flüssigkeit auszuwählen und maximalen Schutz sowie Langlebigkeit für Automatikgetriebe jeder Art zu sicherzustellen.

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Mekka-Pakt: Experte warnt Türkei vor Saudi-Falle

Mekka – Nach dem historischen Abschluss des gemeinsamen Verteidigungspakts zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan in der saudi-arabischen Metropole Mekka warnen regionale Beobachter vor den weitreichenden strategischen Risiken für Ankara.

Die geopolitische Allianz, die als direkte Reaktion auf die jüngsten militärischen Eskalationen zwischen den USA, Israel und dem Iran geschmiedet wurde, sieht gegenseitige Beistandsgarantien im Falle eines bewaffneten Angriffs vor. Doch während Befürworter von einem historischen Meilenstein der islamischen Einheit sprechen, warnt der renommierte irakisch-kurdische Kommentator und Analyst Dana Nawzar Jaf vor einer strategischen Falle für die türkische Außenpolitik.

Der Preis der Allianz: Keine Ernte saudi-arabischer Fehler

Laut einer aktuellen Analyse von Jaf habe Saudi-Arabien im vergangenen Jahrzehnt zahlreiche geopolitische Fehler begangen, während die Türkei im selben Zeitraum strategisch meist die richtigen Weichen gestellt habe.

Nun, da die „Erntezeit“ der regionalen Krisenpolitik gekommen sei, solle die Türkei laut Jaf jedoch dringend aufpassen, nicht die negativen Folgen der saudi-arabischen Fehlkalkulationen mitzutragen. Zwar befürworte der Analyst jede Form der muslimischen Einheit, doch dürfe diese Allianz keinesfalls gegen die eigenen strategischen Interessen der beteiligten Akteure missbraucht werden.

Die Skepsis richte sich insbesondere gegen die langfristige geopolitische Ausrichtung Riads. Bisher gebe es laut Jaf keinerlei Anzeichen für einen echten strategischen Wandel in der saudi-arabischen Führung.

Es bleibe völlig unklar, ob das Königreich das Werben um eine Normalisierung mit Israel und das geplante Einlenken in die umstrittenen Abraham-Abkommen („Epstein Accords“) nun endgültig ad acta gelegt habe.

Solange Saudi-Arabien keinen fundamentalen Kurswechsel vollziehe und sich von den desaströsen regionalen Wagnissen distanziere, die es unter der Führung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) eingegangen war, müsse die Türkei als Bedingung für ihre Unterstützung auf eine strategische Kehrtwende Riads pochen.

Das Erfolgsmodell des türkischen Spagats in Gefahr

Besonders schützenswert sei laut der Analyse der smarte Balanceakt, den Ankara in den letzten Jahren im Nahen Osten etabliert habe.

Selbst während der intensivsten Phasen des iranischen Stellvertreterkrieges und der jüngsten Eskalation im Persischen Golf, bei der Teheran nach US-amerikanischen und israelischen Luftschlägen die saudischen Öl-Infrastrukturen und den Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz angriff, sei der Luftraum über der Türkei der einzig stabile und sichere der gesamten Region geblieben.

Das System basiere darauf, dass die Türkei zwar mit keinem Akteur bedingungslos verbündet, aber eben auch für niemanden der primäre Feind sei. Ankara habe es meisterhaft verstanden, für alle Seiten das „kleinere Übel“ darzustellen. Dies erkläre das Paradoxon, warum der Iran die Türkei als engsten Nachbarn schätze, obwohl Ankara ein erklärter Verbündeter der USA ist – und warum Russland die türkische Souveränität respektiere, während das Land gleichzeitig ein vollwertiges NATO-Mitglied darstellt.

Dieser hart erarbeitete diplomatische Schutzschild dürfe nun nicht leichtfertig für ein Bündnis aufs Spiel gesetzt werden, das für die Türkei zur Falle werden könnte. Als warnendes Beispiel zieht Jaf das militärische Versagen der von Saudi-Arabien angeführten, 34 Nationen umfassenden Koalition (darunter auch Pakistan) im Jemen-Konflikt gegen die Huthi-Milizen heran.

Wenn ein solches Riesenbündnis dort gescheitert sei, werde der formelle Beitritt der Türkei am Boden keine fundamentale Wende bringen – wohl aber drohe die Gefahr, Ankara in einen regionalen Sumpf zu ziehen, den das Land bisher geschickt umgangen habe.

Zudem erinnerte Jaf daran, dass es in der Region zwar viele Rivalen, aber letztlich nur einen wahren Feind gebe, und das sei Israel. Die Türkei müsse den Fokus zwingend auf diesem Ziel behalten, anstatt sich für die Sicherheitsinteressen Riads instrumentalisieren zu lassen, die bereits aus Teheran als wirkungsloser „Papiertiger“ verspottet werden.

 


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Slowenien: Ex-Premier Golob nennt Netanjahu „Kriegsverbrecher“

Ljubljana/Tel Aviv – Nach dem jüngsten Regierungswechsel in Slowenien ist ein heftiger diplomatischer Schlagabtausch zwischen dem ehemaligen slowenischen Premierminister Robert Golob und dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu entbrannt.

Hintergrund sind durchgesickerte Tonaufnahmen, in denen Netanjahu den slowenischen Ex-Premier als den angeblich feindseligsten Staatschef Europas beschimpfte.

Golob reagierte prompt und erklärte öffentlich, dass die Angriffe eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers, dessen Regierung Zehntausende unschuldige Kinder in Gaza getötet habe, ihm lediglich zeigten, dass seine Administration historisch auf der richtigen Seite gestanden habe.

Politische Einflussnahme und drastische US-Sanktionen

In den Aufnahmen versuchte Netanjahu zudem, die slowenische Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH), Beti Hohler, als politisch gesteuerte Marionette darzustellen, die von Golob gezielt ausgewählt worden sei. Hohler gehörte zu den IStGH-Richtern, die den internationalen Haftbefehl gegen Netanjahu formell bestätigten.

Die Vorwürfe entbehren jedoch der rechtlichen Grundlage, da Hohler in einem regulären Verfahren mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit von den Vertragsstaaten des Gerichts gewählt wurde. Die Konsequenzen für die Juristin sind dennoch drastisch:

Nach der Ausstellung des Haftbefehls verhängte die US-Regierung unter Donald Trump harte Sanktionen gegen die Richterin. In der Folge wurden ihre Konten und Kreditkarten gesperrt, zudem verlor sie den Zugriff auf US-Dienste wie Amazon, Apple, PayPal und Airbnb, was ihr Privatleben massiv einschränkt.

Golob warf Netanjahu vor, das internationale Rechtssystem mit solchen Strafmaßnahmen diskreditieren zu wollen, um von den eigenen Verbrechen abzulenken.

Radikale Kehrtwende unter der neuen Rechtsregierung

Unter der Führung von Robert Golob hatte sich Slowenien in den vergangenen Jahren zu einem der entschiedensten europäischen Kritiker der israelischen Militäroperation entwickelt.

Das Land anerkannte im Jahr 2024 den Staat Palästina, drängte innerhalb der Europäischen Union vehement auf ein umfassendes Waffenembargo und verhängte im Sommer 2025 als erster EU-Staat ein vollständiges Verbot für den Import, Export und Transit von Waffen mit Israel. Zudem belegte die damalige Regierung Netanjahu sowie dessen rechtsextreme Minister Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir mit einem strikten Einreiseverbot.

Diese kompromisslose Haltung ist mit dem Amtsantritt der neuen rechtskonservativen Regierung unter Premierminister Janez Janša jedoch Geschichte. Die neue Administration in Ljubljana vollzog eine radikale außenpolitische Kehrtwende, hob das historische Waffenembargo sowie die Einreiseverbote gegen die israelische Führung umgehend wieder auf und kündigte die Eröffnung einer eigenen Botschaft in Israel an.

Während die neue Regierung diesen Schritt mit der Wiederherstellung eines normalen politischen Dialogs begründet, kritisieren Golob und die linke Opposition den Kurswechsel scharf als moralischen Offenbarungseid und einen schweren außenpolitischen Fehler.

 

 


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Dr. Reinhard Heß: Warum die AfD auf den Sieg zusteuert

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Ein Blick auf die aktuelle politische Landkarte der Bundesrepublik lässt wenig Raum für Optimismus. Es sind subjektive Beobachtungen des Weges, den unser Land gerade beschreitet – doch angesichts der aktuellen Entwicklungen scheint es ratsam, zur Unzeit nicht zu schweigen.

Zu viele Faktoren deuten derzeit darauf hin, dass die politischen Dynamiken in Deutschland zunehmend zugunsten der AfD arbeiten und das demokratische System vor eine historische Zerreißprobe stellen.

Das Komplizenprinzip und die politische Trägheit

Die in der AfD versammelten rechtsextremen, demokratie- und verfassungsfeindlichen Kräfte agieren mit einer absoluten Entschlossenheit, ihren Weg bis zum Ende fortzusetzen.

Mangels politischer Alternativen und aufgrund ihrer fortgeschrittenen gesellschaftlichen Stigmatisierung bleibt ihnen kaum eine andere Option, als diese Richtung beizubehalten, um ihre Existenz zu sichern. Es herrscht eine Dynamik, die man als Komplizenprinzip beschreiben kann.

Demgegenüber steht eine Mehrheit der Bevölkerung, die in einer besorgniserregenden politischen Trägheit verharrt. Weite Teile der Gesellschaft scheinen darauf zu vertrauen, dass die Bedrohung für die Demokratie von selbst verschwinden wird – ein gefährlicher Trugschluss, den die deutsche Geschichte bereits vor 1933 widerlegt hat.

Während etablierte Parteien mit starken Umfrageeinbrüchen kämpfen, verzeichnet die AfD seit Jahren eine kontinuierliche Verfestigung. Warnungen vor dieser Entwicklung wurden in der Vergangenheit, insbesondere aus Kreisen der Wirtschaft, oft mit dem Argument abgetan, ein wirtschaftlicher Aufschwung würde das Problem von selbst lösen.

Diese Fehleinschätzung offenbart eine gefährliche Arroganz von Eliten aus Wirtschaft und Wissenschaft. Oftmals verleitet die eigene Fachkompetenz dazu, auch die komplexen Netzwerke des politischen Systems fälschlicherweise als durchschaut zu betrachten.

Historische Beispiele wie das des sowjetischen Physikers und Friedensnobelpreisträgers Andrej Sacharow zeigen, dass herausragende Expertise auf einem Gebiet keineswegs vor fatalen politischen Fehleinschätzungen und der Verbreitung nationalistischer Stereotype schützt.

Das Versagen von Politik und Justiz

Die deutsche Politik hat im Umgang mit der AfD auf ganzer Linie versagt. Es gelang ihr nicht, die Bewegung in ihrer Entstehungsphase wirksam einzudämmen oder ihr politisch den Boden zu entziehen.

Im Gegenteil: Die oft als perspektivlos kritisierte Politik der Ära Merkel hat die Partei aus einer Phase der Stagnation befreit und zu ihrer heutigen Stärke beigetragen. Auch die Justiz agiert in diesem Kontext zögerlich.

Aus der Perspektive juristischer Laien drängt sich der Eindruck auf, dass das Rechtssystem erst dann greift, wenn eine verfassungsfeindliche Kraft bereits groß genug ist, um die demokratische Ordnung real zu gefährden – ein Eingreifen, das metaphorisch erst dann erfolgt, wenn die Bedrohung bereits unmittelbar exekutiert wird.

Zusätzlich verliert die aktuelle Bundesregierung dramatisch an Rückhalt, während handwerkliche Fehler und interne Intrigen das Vertrauen der Bürger erschüttern. Zwar würde die AfD die bestehenden Probleme keineswegs lösen, doch der lähmende Phlegmatismus der politischen Führung treibt ihr unaufhaltsam Wähler zu, die das Gefühl eint, dass es so nicht weitergehen kann.

Verstärkt wird dies durch das Fehlen eines verbindenden Narrativs für das wiedervereinte Deutschland. Nach dem historischen Meilenstein der Wiedervereinigung wurde es versäumt, eine gemeinsame Identität zu stiften, die den Spaltungsversuchen von innen und außen wirksam Paroli bieten könnte.

Der Verlust des Gemeinwohls

Ein grundlegendes Problem der Gegenwart liegt im schwindenden Altruismus innerhalb der Gesellschaft. Das Prinzip des Gemeinwohls gerät zunehmend in den Hintergrund, während ein ausgeprägter Gruppenegoismus dominiert.

Viele gesellschaftliche Akteure fordern vehement ihre Partikularrechte ein, versäumen es jedoch gleichzeitig, das übergeordnete System zu verteidigen, welches diese Rechte überhaupt erst garantiert.

Ohne eine Rückbesinnung auf gemeinsame Werte droht sich die Gesellschaft weiter zu zersplittern. Sollte Deutschland die Fähigkeit zur grundlegenden Selbstkritik und demokratischen Selbstbefreiung nicht wiederfinden, drohen dem Land Verhältnisse, wie man sie derzeit bereits in den tief gespaltenen Vereinigten Staaten beobachten kann.

 

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


ZUM AUTOR

 

PD Dr. Michael Reinhard Heß, geboren in Offenbach am Main, ist ein renommierter Turkologe, der an der Universität Frankfurt am Main Geschichte, Turkologie, Islamkunde und Griechische Philologie studierte. Nach seiner Promotion und Habilitation wirkt er seit 2005 als Privatdozent für Turkologie an der Freien Universität Berlin und hat über 130 wissenschaftliche Arbeiten verfasst, darunter Beiträge zur türkischen Literatur und Kulturgeschichte. Als Übersetzer und Gründer des Verlags Gulandot widmet er sich der Förderung türkischer Literatur in deutscher Sprache, etwa durch Werke zu Imadeddin Nasimi oder der kulturellen Bedeutung von Schuscha.


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Ich habe heute ein Bild gesehen. Bevor ich so etwas veröffentliche, mache ich etwas völlig Verrücktes: Ich recherchiere. Wer ist der Mann? Hat er das wirklich gesagt? Ist das Zitat authentisch? Die Antwort lautet: Ja. Deshalb habe ich auch die wertende Überschrift entfernt.

Die braucht es nämlich gar nicht, denn das Originalzitat reicht völlig aus. Yehuda Shimon ist ein israelischer Anwalt und eine bekannte Persönlichkeit der Siedlerbewegung. Ein Anwalt.

Es gibt Berufe, bei denen ich davon ausgehe, dass ein Mindestmaß an ethischem Kompass vorhanden sein sollte – Ärzte, Richter und Juristen allgemein gehören für mich dazu. Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht altmodisch.

Wenn ein Jurist Menschenleben aufrechnet

Und dann sagt ausgerechnet ein solcher Jurist öffentlich: „Ein jüdisches Leben ist mehr wert als zehn Millionen palästinensische Leben.“ Das muss man erst einmal sacken lassen. Natürlich empfindet jeder Mensch mehr für seine eigene Familie oder sein eigenes Land, das ist völlig normal.

Aber zwischen dem Gefühl „Ich fühle mit meinen Landsleuten“ und der Aussage „Zehn Millionen andere Menschen sind weniger wert als einer von uns“ liegen moralische Galaxien. Ich persönlich mache diesen Unterschied nicht. Ob ein Mensch in Tel Aviv, Gaza, Hamburg oder Lagos stirbt – jedes verlorene Leben ist eines zu viel.

Das Schweigen der doppelten Standards

Was mich aber mindestens genauso beschäftigt, ist die Reaktion darauf – oder besser gesagt: das weitgehende Ausbleiben einer Reaktion. Spielen wir doch einmal das beliebte Spiel „Was wäre, wenn…?“. Was wäre wohl passiert, wenn ein palästinensischer Anwalt vor laufender Kamera gesagt hätte: „Ein palästinensisches Leben ist mehr wert als zehn Millionen jüdische Leben.“

Wie lange hätte es wohl gedauert, bis sämtliche Talkshows Sondersendungen veranstaltet hätten? Wie viele Leitartikel wären geschrieben worden und wie viele Politiker hätten sich gegenseitig mit ihrer Empörung überboten? Ich vermute, es hätte ungefähr bis zur nächsten vollen Stunde gedauert.

Hier dagegen erntet die Aussage vor allem Achselzucken, vielleicht noch ein paar Erklärungsversuche, ein bisschen Kontext oder ein wenig Relativierung. Man kennt das inzwischen. Offenbar hängt die Empörung heute nicht mehr davon ab, was gesagt wird, sondern wer es sagt.

Für mich bleibt der Maßstab jedenfalls derselbe: Wer Menschenleben so kalt gegeneinander aufrechnet, hat jeden moralischen Kompass verloren. Und wenn ausgerechnet ein Anwalt das tut, ist das nicht nur eine persönliche Entgleisung. Es ist ein moralischer Offenbarungseid, denn ein juristisches Examen ersetzt eben keinen Charakter.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Susanne Mattner wurde im Ruhrgebiet geboren und studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowohl in den USA als auch an der Universität Dortmund. Nach ihren Studienstationen verbrachte sie in den 1990er-Jahren auch einige Zeit im Nahen Osten. Nach ihren längeren Auslandsaufenthalten lebt sie heute verheiratet in Hamburg. In ihren Beiträgen verfolgt sie aufmerksam das internationale Zeitgeschehen mit einem geschulten Blick für mediale Narrative. Ihre Schwerpunkte liegen auf geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, gesellschaftlichen Debatten sowie der kritischen Analyse doppelter Standards in der Berichterstattung.


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Neues Tropen-Virus in Deutschland nachgewiesen: Alarm in der Landwirtschaft

Stuttgart/Zürich – Ein neuartiges, tropisches Rindervirus breitet sich derzeit unbemerkt von der großen Öffentlichkeit in Süddeutschland und der Schweiz aus. Nach offiziellen Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, wurde der Erreger erstmals bei Rindern in Baden-Württemberg und grenznahen Schweizer Kantonen nachgewiesen.

Das tückische Virus, das zur sogenannten Simbu-Serogruppe gehört, wirft in der Veterinärmedizin viele Fragen auf und versetzt die heimische Landwirtschaft in Alarmbereitschaft.

Übertragung durch Mücken und Klimawandel im Fokus

Der Erreger wird nicht von Tier zu Tier übertragen, sondern durch winzige Gnitzen. Diese extrem kleinen Bartmücken profitieren massiv von den zunehmend milden Wintern und den heißen Sommermonaten in Mitteleuropa, wodurch sie sich rasant nach Norden ausbreiten.

Während das Virus nach derzeitigem Wissensstand für den Menschen und für Verbraucher beim Konsum von Milch und Fleisch weitgehend ungefährlich sein dürfte, stellt es für die betroffenen Viehbestände eine erhebliche Bedrohung dar.

Das tatsächliche gesundheitliche Potenzial für den Menschen muss laut Forschern zwar noch abschließend untersucht werden, für die Landwirtschaft zeichnen sich jedoch bereits konkrete Schäden ab. 

Infektionen bei trächtigen Tieren führen häufig zu schweren Fehlbildungen bei Kälbern und Lämmern oder zu Totgeburten, was für die betroffenen Betriebe immense wirtschaftliche Schäden bedeutet.

Behörden schlagen Alarm und fordern Wachsamkeit

Da es sich um ein völlig neues Phänomen in diesen Breitengraden handelt, stehen Tierärzte und Labore vor einer großen Herausforderung. Das Friedrich-Loeffler-Institut hat die Landwirte und Tierärzte in ganz Deutschland zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen.

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Während politische Debatten und das aktuelle Sommerwetter die Schlagzeilen der Republik beherrschen, schwelt im ländlichen Raum die Sorge vor einer großflächigen Epidemie, die die ohnehin kriselnde Agrarbranche hart treffen könnte.

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„Kein Problem zu klein“: New Yorks erster muslimischer Bürgermeister geht mit Reparatur-Videos viral

New York – Kostenlose Abendbetreuung für Familien, rabattierte kommunale Supermärkte und ein milliardenschweres Entlastungspaket für Kleinunternehmer: New Yorks erster muslimischer und demokratisch-sozialistischer Bürgermeister Zohran Mamdani lässt nach seinen sozialpolitischen Erfolgen nun mit einem viralen Social-Media-Trend aufhorchen

Bürger markieren das Stadtoberhaupt direkt in ihren Beiträgen, um auf Missstände in ihren Vierteln aufmerksam zu machen. Das Rathaus reagiert oft so verblüffend schnell, dass die Vorher-Nachher-Videos im Netz Millionen Klicks generieren – und der Bürgermeister packt bei den Reparaturen oft sogar selbst mit an.

Soziale Medien als direkter Draht zum Rathaus

Die Dynamik des Trends nahm rasant an Fahrt auf, als ein TikTok-Nutzer den offiziellen Account von Bürgermeister Zohran Mamdani in einem Video markierte, das tiefe Schlaglöcher auf einer lokalen Straße zeigte.

Die Reaktion folgte prompt: Noch am selben Tag rückten städtische Bautrupps an, um den Asphalt komplett zu erneuern. Ein kurz darauf veröffentlichtes Follow-up-Video, das die blitzschnelle Reparatur feierte, ging plattformübergreifend viral.

Seitdem häufen sich die Fälle. New Yorker nutzen die Reichweite von Plattformen wie TikTok und X zunehmend als digitalen Kummerkasten. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Straßenschäden. Hyperlokale Probleme, die im bürokratischen Alltag sonst oft untergehen, rücken so direkt ins Blickfeld der Entscheider.

Dass sich Mamdani in mehreren Clips selbst mit Schaufel oder Werkzeug an den Arbeiten beteiligt, verleiht den Beiträgen zusätzliche Authentizität und sorgt für eine enorme algorithmische Reichweite.

Spielplätze und Hitzeschutz im Fokus

Wie effektiv dieser unkonventionelle Kommunikationsweg ist, zeigen jüngste Beispiele abseits des Straßenverkehrs. Nachdem Anwohner per Brief- und Social-Media-Kampagne auf eine akute Gefahrenstelle an einem öffentlichen Spielplatz hinwiesen, wurde die Anlage innerhalb kürzester Zeit instand gesetzt.

Auch angesichts einer drohenden Extremwetterlage mit Rekordtemperaturen reagierte die Stadtverwaltung präventiv und installierte im Prospect Park in Rekordzeit temporäre Trinkwasserbrunnen, um Parkbesuchern eine kostenlose Abkühlung zu ermöglichen.

Das Prinzip: „Kein Problem ist zu klein“

Hinter den öffentlichkeitswirksamen Aktionen steht eine klare politische Leitlinie der aktuellen Administration unter Mamdani: Kein Problem der Bürger sei zu unbedeutend, um ignoriert zu werden. Die blitzschnellen Reaktionen sorgen nicht nur für spürbare Verbesserungen im Alltag, sondern haben eine digitale Kettenreaktion in Gang gesetzt.

Es entsteht ein hocheffizienter Kreislauf aus Mängelmeldung, prompter Reaktion und videografischer Dokumentation, der immer mehr Einwohner zur digitalen Bürgerbeteiligung motiviert.

Nahtlose Fortsetzung einer populären Reformpolitik

Für den Bürgermeister der Metropole, der international auch für seine klare Haltung gegen Israels Vorgehen im Gaza-Krieg im Fokus steht, reiht sich die Social-Media-Aktion nahtlos in eine Reihe populärer Maßnahmen ein.

Während Kritiker über eine perfekt inszenierte PR-Kampagne debattieren, verweist das Rathaus auf die tieferliegende Philosophie der Bürgernähe.

Diese zeigte sich bereits bei wegweisenden Projekten wie der kostenlosen Abendbetreuung für Familien oder den Plänen für fünf kommunale Supermärkte mit 30 Prozent Rabatt auf Grundnahrungsmittel, die ab 2027 spürbare Entlastungen bringen sollen.

Zusammen mit der Initiative „OPEN for Small Business“ zur Unterstützung von 180.000 Kleinunternehmern und dem gleichzeitigen Abbau eines 12-Milliarden-Dollar-Defizits untermauert die Verwaltung damit ihren Anspruch, dass große Strukturreformen und die Behebung kleinster alltäglicher Probleme im Rathaus denselben Stellenwert besitzen.

 


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Überraschender Bürokratieabbau – Mamdani entlastet 180.000 Kleinbetriebe

„Palestine Convoy“
Bosnien: Fahrzeugkolonne mit über 500 Aktivisten nach Palästina unterwegs

Sarajewo – Mehr als 500 Aktivisten aus über 20 Ländern sind von Srebrenica in Bosnien und Herzegowina im Rahmen des internationalen Konvois „Palestine Convoy“ zu einer Fahrzeugkolonne in Richtung Palästina aufgebrochen.

Die Organisatoren wählten den Ort des Starts bewusst: Von der Stätte des Völkermords von Srebrenica aus wollen sie nach eigenen Angaben ein Zeichen gegen das Leid der Palästinenser in Gaza und im Westjordanland setzen. Inzwischen hat der Konvoi die südosttürkische Stadt Adana erreicht.

Der Arzt und Konvoi-Sprecher Hüseyin Durmaz erklärte gegenüber türkischen Medien, die Teilnehmer hätten in Srebrenica der Opfer des Genozids gedacht und für sie gebetet.

„Wir glauben, dass alle Formen von Ungerechtigkeit miteinander verbunden sind. Damals konnten wir nicht eingreifen und nicht helfen. Deshalb wollen wir heute angesichts dessen, was in Gaza, im Westjordanland und in Palästina geschieht, nicht schweigen.“

Durmaz betonte außerdem, einer der Schwerpunkte der Initiative sei das Westjordanland.

„Wir wollen nicht, dass das Westjordanland zu einem neuen Gaza wird. Es ist unsere Pflicht, das zu verhindern.“

Über Albanien und Griechenland in die Türkei

Nach dem Start in Bosnien führte die Route über Albanien und Griechenland, bevor der Konvoi am Grenzübergang İpsala die Türkei erreichte. Nach Angaben der Organisatoren reisen inzwischen mehr als 500 Aktivisten mit 17 Bussen und zahlreichen weiteren Fahrzeugen. In mehreren türkischen Städten wurden sie von Bürgern und zivilgesellschaftlichen Organisationen empfangen.

Zuletzt erreichte der Konvoi die südosttürkische Stadt Adana. Vor der Zentralmoschee versammelten sich zahlreiche Menschen zu einem Solidaritätsprogramm mit Koranrezitationen, Gebeten und Redebeiträgen.

„Wir werden Gaza nicht allein lassen“

Der Vorsitzende der Ülfet-Bildungs- und Hilfsorganisation, Gazi Kılıçparlar, erklärte gegenüber türkischen Medien, die Initiative wolle auf das Leid der Palästinenser aufmerksam machen und deren Anliegen auf internationaler Ebene sichtbar halten.

„Unser Ziel ist das Westjordanland, Jerusalem und die Al-Aqsa-Moschee. Wir werden die gerechte Sache Palästinas überall zur Sprache bringen.“

Auch der Mufti der Provinz Adana, Mehmet Taşçı, begrüßte die Teilnehmer und bezeichnete die Fahrt als Gewissensreise.

„Wir sind hier, wir werden euch nicht allein lassen. Wir werden weiterhin an der Seite unserer Brüder und Schwestern in Gaza stehen.“

Der islamische Theologe Dr. İdris Polat bezeichnete den Konvoi gegenüber türkischen Medien als weit mehr als eine gewöhnliche Reise.

„Dies ist eine Reise der Einheit. Sie bringt die Gemeinschaft wieder zusammen und vereint die Menschen gegen das Unrecht.“

„Gewaltfreier, aber entschlossener Widerstand“

Vorstandsmitglied Davut Daşkıran sagte gegenüber türkischen Medien, die Teilnehmer setzten bewusst auf zivilen und friedlichen Protest.

„Wir führen einen gewaltfreien, aber entschlossenen Widerstand. Wir sprechen die universelle Sprache des Gewissens und nicht die radikale Sprache, die Israel hören möchte.“

Zugleich rief Daşkıran dazu auf, die Aktion in den sozialen Medien zu unterstützen. Jede Veröffentlichung helfe dabei, die internationale Aufmerksamkeit für die Lage der Palästinenser zu erhöhen.

Ziel ist das Westjordanland

Nach Angaben der Organisatoren verfolgt der Konvoi drei zentrale Ziele: Er wolle verhindern, dass das Westjordanland das Schicksal des Gazastreifens teile, die humanitäre Lage in Gaza trotz zwischenzeitlicher Waffenruhen im internationalen Fokus halten und den friedlichen Druck für ein Ende der Besatzung aufrechterhalten.

Die Initiative versteht sich nach eigenen Angaben als parteipolitisch unabhängige zivile Bewegung. Die Route soll über die Türkei, den Irak und Jordanien bis in das besetzte Westjordanland führen. Die Ankunft in Grenznähe ist nach Angaben der Organisatoren für die zweite Augusthälfte geplant.

 


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Sabra-Bombardierung
Gaza: Historisches Massenbegräbnis für über 100 geborgene Opfer

Gaza-Stadt – Tausende Menschen haben sich am Dienstag in Gaza-Stadt zu einem Massenbegräbnis versammelt, das palästinensische Behörden und Helfer als die größte Trauerfeier in der Geschichte des Gazastreifens bezeichnen.

Beigesetzt wurden die sterblichen Überreste von 112 Angehörigen der Familien Abu Sharia und al-Hasayna, die nach fast drei Jahren unter den Trümmern eines israelischen Angriffs geborgen werden konnten. Die Opfer waren im November 2023 ums Leben gekommen, als ein Wohnkomplex im Stadtteil Sabra bombardiert wurde.

Nach palästinensischen Angaben kamen bei dem Angriff vom 22. November 2023 insgesamt 308 Mitglieder der beiden Familien ums Leben, darunter 40 Kinder, 30 Frauen und sieben Menschen mit Behinderungen. Erst vor wenigen Wochen konnten Rettungsteams mehr als 100 Leichen aus den Trümmern bergen. Nach Angaben palästinensischer Behörden gelten weiterhin rund 157 Menschen als vermisst. Sie befänden sich entweder noch unter den Trümmern oder seien bislang nicht aufgefunden worden.

Zur Trauerfeier versammelten sich nach Berichten Tausende Menschen. Reihen von mit palästinensischen Flaggen bedeckten Särgen wurden durch Gaza-Stadt getragen. Große Banner mit den Fotos zahlreicher Opfer begleiteten den Trauerzug. Gleichzeitig forderten Teilnehmer ein Ende des Krieges im Gazastreifen.

Eine der größten Trauerfeiern seit Kriegsbeginn

Der palästinensische Zivilschutz bezeichnete die Beisetzung als eine der größten Trauerfeiern im Gazastreifen seit Beginn des Krieges. Sprecher Mahmoud Basal erklärte gegenüber Al Jazeera, Gaza stehe ein „außergewöhnliches und schmerzhaftes“ Ereignis bevor. Der Trauerzug mache das Ausmaß der menschlichen Verluste sichtbar, während zahlreiche Familien jahrelang darauf hätten warten müssen, ihre Angehörigen würdevoll beerdigen zu können.

Auch Mustafa Barghouti, Generalsekretär der Palästinensischen Nationalen Initiative, erklärte gegenüber Al Jazeera, es könne sich möglicherweise um die größte Beerdigung in der palästinensischen Geschichte handeln.

Der palästinensische Forscher Mahmoud Hamed al-Aila sagte Al Jazeera, Gaza hole die Leichen seiner Kinder nach Jahren des Krieges und der Zerstörung erst jetzt unter den Trümmern hervor. Er fragte, welches Herz einen solchen Schmerz ertragen könne.

Familien suchten mit bloßen Händen nach ihren Angehörigen

Mehrere Aktivisten schilderten gegenüber Al Jazeera die schwierigen Bergungsarbeiten.

Mohammed Haniyah erklärte, zahlreiche weitere Leichen seien inzwischen verwest oder befänden sich noch immer unter den Trümmern. Ali Abo Rezeq erklärte. die Beerdigung habe das Ausmaß der früheren Massaker auf erschütternde Weise sichtbar gemacht. Was bislang oft nur als Zahl wahrgenommen worden sei, liege nun in Form von Särgen vor den Menschen. Wegen des Mangels an schwerem Bergungsgerät hätten Familien vielerorts mit bloßen Händen nach ihren Angehörigen gesucht.

Auch Blogger wie Malik Al-Shanbari und Khaled Safi beschrieben die Trauerfeier gegenüber Al Jazeera nicht nur als Beerdigung, sondern als erneutes Zeugnis des Ausmaßes der Tragödie, die der Krieg hinterlassen habe.

Ramy Abdu, Vorsitzender des Euro-Med Human Rights Monitor, erklärte, dass sich schätzungsweise noch rund 200 Mitglieder der Familie Abu Sharia unter den Trümmern befänden. Ihre sterblichen Überreste könnten inzwischen bereits verwest sein.

Leichen erst Jahre später geborgen

Nach Angaben von CBS News konnten Bergungsteams das zerstörte Gelände im Stadtteil Sabra erst Mitte Juli erreichen. In den vergangenen Wochen seien dort verweste menschliche Überreste geborgen und identifiziert worden.

Während der Trauerfeier warf ein Angehöriger Blütenblätter auf die mit Flaggen bedeckten Särge. Frauen und Kinder verfolgten die Zeremonie von teilweise zerstörten Gebäuden aus. Im Hintergrund war ein Banner mit den Gesichtern zahlreicher getöteter Kinder zu sehen.

Mahmoud Basal fragte während seiner Ansprache:

„Warum werden Kinder in Gaza getötet? Warum werden Frauen in Gaza getötet? Warum werden Massaker an unschuldigen Menschen in Gaza verübt?“

Auf dem Rednerpult stand nach Angaben von CBS News in arabischer und englischer Sprache der Satz:

„Stop the genocide in Gaza.“

Israel weist Genozid-Vorwürfe zurück

Das israelische Militär erklärte in einer Stellungnahme gegenüber CBS News, es richte seine Angriffe nicht bewusst gegen die Zivilbevölkerung und ergreife nach eigenen Angaben alle möglichen Maßnahmen, um zivile Opfer zu vermeiden.

Zugleich warf die Armee der Hamas vor, systematisch aus dicht besiedelten Wohngebieten sowie aus ziviler Infrastruktur heraus zu operieren und die Bevölkerung als Schutzschild für militärische Aktivitäten zu missbrauchen.

Der Begriff „Völkermord“ wird inzwischen nicht nur von palästinensischen Politikern und Aktivisten verwendet. Auch Organisationen wie Amnesty International sowie eine unabhängige Untersuchungskommission der Vereinten Nationen kommen zu dem Schluss, dass Israel im Gazastreifen einen Völkermord begehe

Israel weist Vorwürfe eines Völkermordes im Gazastreifen weiterhin entschieden zurück und verweist auf den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 als Auslöser des Krieges. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden seitdem mehr als 70.000 Palästinenser getötet.

 


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Wahlsieg für Abdul El-Sayed
USA: Weiterer muslimischer Politiker gewinnt wichtige Vorwahl

Michigan – Nach Zohran Mamdani hat mit Abdul El-Sayed ein weiterer muslimischer Politiker einen wichtigen Wahlsieg in den USA errungen. Der progressive Demokrat setzte sich trotz millionenschwerer Unterstützung seines Gegners durch die pro-israelische Lobbyorganisation AIPAC durch.

El-Sayed gilt als scharfer Kritiker der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen und fordert seit Jahren, amerikanische Steuergelder stärker in Schulen, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur zu investieren, anstatt Waffenlieferungen ins Ausland zu finanzieren – unabhängig davon, ob diese nach Israel, Ägypten oder in andere Staaten gehen.

Mit seinem Erfolg bei der demokratischen Vorwahl für den US-Senat in Michigan gelang dem 41-jährigen Arzt und früheren Gesundheitsdirektor des Wayne County einer der aufsehenerregendsten Siege der bisherigen Vorwahlsaison. Im November tritt El-Sayed gegen den republikanischen Kandidaten Mike Rogers an. Beobachter gehen davon aus, dass das Rennen in Michigan zu den wichtigsten Senatswahlen des Landes gehören wird und Auswirkungen auf die Mehrheitsverhältnisse im US-Senat haben könnte.

Rekordausgaben gegen El-Sayed

Internationale Aufmerksamkeit erhielt die Vorwahl jedoch nicht allein wegen des Wahlergebnisses, sondern vor allem wegen des außergewöhnlich teuren Wahlkampfs. Nach Unterlagen der US-Wahlkommission investierte die mit AIPAC verbundene Super PAC „United Democracy Project“ rund 30,6 Millionen US-Dollar in den Wahlkampf gegen El-Sayed.

Berichten zufolge stieg das gesamte externe Finanzvolumen zugunsten seiner demokratischen Konkurrentin Haley Stevens und gegen El-Sayed durch weitere politische Aktionskomitees und externe Organisationen auf insgesamt mehr als 54 bis 60 Millionen Dollar. Mehrere US-Medien bezeichneten den Wahlkampf deshalb als eine der teuersten Vorwahlen in der Geschichte des Landes.

El-Sayed hatte den massiven Mitteleinsatz seiner Gegner während des gesamten Wahlkampfs wiederholt kritisiert. Er warf AIPAC und weiteren politischen Aktionskomitees vor, mit beispiellosen Summen Einfluss auf die Wahl nehmen zu wollen. Nach seinem Sieg erklärte er vor Anhängern, niemand habe vorher damit gerechnet, dass gegen seine Kandidatur derart hohe Beträge eingesetzt würden.

Man habe gewusst, dass Geld fließen werde, jedoch nicht, dass die Gegenseite den eigenen Wahlkampf um ein Vielfaches übertreffen würde. Trotzdem sei seine Bewegung weiterhin erfolgreich gewesen.

Mehrere Medien werteten das Ergebnis deshalb als Rückschlag für AIPAC. Besonders in Israel fand der Wahlausgang große Beachtung. Die israelische Zeitung Haaretz schrieb in einem Meinungsbeitrag unter der Überschrift „El-Sayed’s small victory spells big trouble for Israel“, der Wahlsieg des Demokraten könne sich langfristig als problematisch für Israel erweisen.

Die Zeitung begründete diese Einschätzung unter anderem mit dem wachsenden Einfluss progressiver Politiker innerhalb der Demokratischen Partei, die eine kritischere Haltung gegenüber der israelischen Regierung vertreten.

Viele Wähler lehnten den Einfluss von AIPAC ab

Auch andere Medien stellten den Zusammenhang zwischen El-Sayeds Wahlsieg und dem schwindenden Einfluss der pro-israelischen Lobbyorganisation in Teilen der demokratischen Wählerschaft her.

Während des Wahlkampfs erklärten mehrere Wähler in Fernsehinterviews, sie unterstützten El-Sayed gerade deshalb, weil dieser keine Gelder von AIPAC annehme. Für sie sei seine Unabhängigkeit gegenüber großen Lobbyorganisationen ein entscheidender Grund gewesen, ihm ihre Stimme zu geben.

Steuergelder lieber für Schulen als Waffen

Der Demokrat selbst machte während seiner gesamten Kampagne deutlich, dass seine politischen Prioritäten vor allem im Inland lägen. Wiederholt kritisierte er die aus seiner Sicht hohen amerikanischen Militärausgaben im Ausland, während gleichzeitig zahlreiche Probleme innerhalb der Vereinigten Staaten ungelöst blieben.

In einem Interview erklärte El-Sayed:

„Ich bin dagegen, vor allem weil ich einfach nicht verstehe, warum irgendjemand es für richtig hält, unsere Steuergelder ins Ausland zu schicken, um ausländische Streitkräfte zu finanzieren, während unsere eigenen Kinder kaum in funktionierende Schulen gehen können.“

In einem weiteren Fernsehinterview präzisierte er seine Position und machte deutlich, dass sich seine Haltung nicht ausschließlich auf Israel beziehe.

„Ich halte nichts von bedingungsloser militärischer Auslandshilfe. Das gilt für Israel ebenso wie für Ägypten, aus dem meine Familie ausgewandert ist. Ich bin der Meinung, dass unsere Kinder ein Recht auf unsere Steuergelder haben.“

Im selben Interview sagte El-Sayed außerdem, man habe zugesehen, wie Israel einen Völkermord und im Grunde Apartheid begangen sowie die USA in einen Krieg hineingezogen habe, den sie nicht zu führen hätten. Deshalb verstehe er nicht, warum man Geld in dieses Land sende, um dessen Militär zu finanzieren.

Israel weist den Vorwurf eines Völkermordes zurück. Auch die Vereinigten Staaten haben diese Einordnung bislang nicht übernommen.

Während des Wahlkampfs argumentierte El-Sayed mehrfach, Milliardenbeträge amerikanischer Steuergelder sollten nach seiner Auffassung stärker in das eigene Land investiert werden. Er sprach sich unter anderem für höhere Investitionen in Schulen, das Gesundheitswesen, bezahlbaren Wohnraum sowie die Infrastruktur aus und stellte diese Forderungen den amerikanischen Militärhilfen für andere Staaten gegenüber.

Trump erhebt schwere Vorwürfe

El-Sayeds Positionen zur amerikanischen Außenpolitik wurden im Wahlkampf immer wieder zum zentralen Angriffspunkt seiner politischen Gegner. Während Unterstützer seine Forderung nach einer stärkeren Konzentration auf innenpolitische Investitionen begrüßten, warfen Kritiker ihm vor, mit seiner Haltung gegenüber Israel antisemitische Ressentiments zu bedienen.

Besonders deutlich äußerte sich US-Präsident Donald Trump unmittelbar nach der Vorwahl. Bei einer Veranstaltung in Las Vegas bezeichnete Trump den demokratischen Kandidaten als einen „Hasser von Juden“ und „Hasser Israels“.

„Die Umfragen lagen gestern Abend wieder falsch, als sie einen Erdrutschsieg für einen Judenhasser und Israel-Hasser prognostizierten.“

Trump setzte seine Kritik fort und erklärte, El-Sayed hasse sowohl Juden als auch Israel.

Trump bezeichnete El-Sayed darüber hinaus als einen „man of hate“ und erklärte, dieser liebe keineswegs alle Menschen, obwohl er dies inzwischen behaupte. Später fügte Trump hinzu, El-Sayed hasse Juden und Israel „with a burning passion in his heart“.

Bereits zuvor hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social den Wahlsieg El-Sayeds kommentiert und erklärt, dessen Erfolg sei letztlich ein Vorteil für die Republikaner bei der Senatswahl im November.

El-Sayed auf einer Wahlkampfveranstaltung 2026 (Screenshot/X)

El-Sayed weist Antisemitismus-Vorwürfe zurück

El-Sayed wies die Vorwürfe entschieden zurück. Er betonte mehrfach, seine Kritik richte sich nicht gegen das Judentum oder jüdische Menschen, sondern gegen politische Entscheidungen und Lobbyorganisationen.

Bei einer öffentlichen Veranstaltung erklärte er:

„Ich liebe das Judentum, und ich liebe das jüdische Volk.“

Anschließend wandte er sich gegen die Gleichsetzung von Kritik an AIPAC oder der israelischen Regierung mit Antisemitismus. Kritik an einer Lobbyorganisation oder an der Politik eines Staates dürfe nicht automatisch als Feindseligkeit gegenüber einer Religion oder einer gesamten Bevölkerungsgruppe verstanden werden.

Diese Unterscheidung werde nach seiner Auffassung häufig bewusst verwischt. AIPAC sei eine politische Interessenvertretung. Israel sei ein souveräner Staat mit einer gewählten Regierung. Beides repräsentiere nicht sämtliche jüdischen Menschen weltweit.

Auch in einem Fernsehinterview nach seinem Wahlsieg ging El-Sayed auf die Antisemitismusvorwürfe ein. 

Sein Engagement für die jüdische Sicherheit sei dasselbe wie für die Sicherheit seiner eigenen Kinder. El-Sayed betonte weiter, man trage die Verantwortung, Antisemitismus in jeder Form zu bekämpfen, wo immer er auftrete. Dies gelte in gleicher Weise für die Bekämpfung von Islamophobie

Mit diesen Aussagen versuchte El-Sayed nach eigenen Angaben deutlich zu machen, dass der Kampf gegen Antisemitismus und der Kampf gegen Islamfeindlichkeit gleichermaßen zu seinen politischen Grundüberzeugungen gehörten.

El-Sayed auf einer Wahlkampfveranstaltung 2026 (Screenshot X)

Glückwünsche von Mamdani

Unterstützung erhielt El-Sayed nach seinem Wahlsieg auch von New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani. Bei einer Pressekonferenz gratulierte der progressive Demokrat seinem Parteikollegen und erklärte, dessen Wahlkampf habe sich auf drei zentrale Themen konzentriert: den Einfluss von Geld auf die Politik zu begrenzen, die finanzielle Situation der Bürger zu verbessern und eine allgemeine Krankenversicherung („Medicare for All“) voranzubringen.

Mamdani hob außerdem hervor, dass El-Sayed seine Vorwahl trotz eines regelrechten Trommelfeuers millionenschwerer Gegenkampagnen gewonnen habe. Nach seinen Worten habe sich der Demokrat gegen mehr als 60 Millionen US-Dollar an Ausgaben durch externe Organisationen behauptet, die sich gegen seine Kandidatur richteten.

Mit Humor reagierte Mamdani zugleich auf eine Äußerung des republikanischen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Mike Johnson. Dieser hatte mehrere progressive Demokraten als „Mini-Mamdanis“ bezeichnet. El-Sayed verdiene diese Bezeichnung jedoch nicht, sagte der New Yorker Bürgermeister scherzend. Er könne „deutlich mehr heben als ich“, erklärte Mamdani und fügte hinzu, El-Sayed sei „in keiner Weise ein Mini-Mamdani.“

Der Wahlsieg El-Sayeds wird deshalb von zahlreichen politischen Beobachtern als weiterer Erfolg des progressiven Flügels innerhalb der Demokratischen Partei eingeordnet. Mehrere US-Medien verwiesen darauf, dass sich progressive Kandidaten inzwischen verstärkt mit Forderungen wie einer allgemeinen Krankenversicherung („Medicare for All“), einer Begrenzung des Einflusses großer Lobbyorganisationen sowie einer kritischeren Haltung gegenüber der israelischen Regierung profilieren.

(Archivfoto: Screenshot)

AIPAC könnte erneut Millionen investieren

Auch AIPAC selbst dürfte den Wahlausgang noch nicht als abgeschlossen betrachten. Nach übereinstimmenden US-Medienberichten prüft die pro-israelische Lobbyorganisation bereits weitere finanzielle Unterstützung im bevorstehenden Senatswahlkampf gegen El-Sayed. Demnach werde erwogen, auch im November erneut erhebliche Summen einzusetzen, um einen Sieg des Demokraten zu verhindern.

Entscheidung fällt im November

Für El-Sayed beginnt damit unmittelbar nach der gewonnenen Vorwahl der nächste Wahlkampf. Im November tritt er gegen den Republikaner Mike Rogers an, einen früheren FBI-Agenten und ehemaligen Kongressabgeordneten, der von Präsident Donald Trump unterstützt wird.

Die Senatswahl in Michigan zählt bereits jetzt zu den am genauesten beobachteten Rennen der Vereinigten Staaten. Beobachter gehen davon aus, dass ihr Ausgang entscheidenden Einfluss auf die Mehrheitsverhältnisse im US-Senat haben könnte.

Unabhängig vom Ergebnis im November gilt die demokratische Vorwahl bereits jetzt als eine der außergewöhnlichsten der vergangenen Jahre. Noch nie hatte AIPAC nach übereinstimmenden Medienberichten einen derart hohen Betrag in eine einzelne Vorwahl investiert.

Dass sich El-Sayed trotz dieser beispiellosen finanziellen Unterstützung seiner Gegnerin durchsetzen konnte, wird deshalb von zahlreichen amerikanischen und israelischen Medien als politisch bedeutendes Signal innerhalb der Demokratischen Partei bewertet.

Der in den USA geborene Arzt ist Sohn ägyptischer Einwanderer. Vor seiner Kandidatur für den US-Senat leitete er als Gesundheitsdirektor das Gesundheitsamt des Wayne County in Michigan.

 

 


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