Syrien
Damaskus: Al-Scharaa warnt vor Krieg gegen Israel

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Damaskus – Die syrische Führung soll Washingtoner Kreisen zufolge unmissverständlich klar gemacht haben, dass der Wille zur Vermeidung eines erneuten Krieges keineswegs mit mangelnder Entschlossenheit zur Selbstverteidigung gegenüber Israel verwechselt werden dürfe. Hintergrund sind die anhaltenden und sich zuspitzenden israelischen Angriffe sowie Vorstöße auf syrisches Staatsgebiet.

Berichten des in London ansässigen Magazins Al Majalla zufolge erklärten syrische Regierungsvertreter gegenüber dem US-Sondergesandten Tom Barrack, dass Damaskus zwar weiterhin an einer verhandelten politischen Lösung festhält, im Ernstfall jedoch auf eine langwierige Konfrontation eingestellt ist.

Ungenannten Quellen des Magazins zufolge stellten syrische Vertreter zudem die Frage, inwiefern das Vorgehen Israels überhaupt ein echtes Bekenntnis zu einer politischen Einigung oder einem Sicherheitsabkommen erkennen lasse. Das Treffen, in dessen Rahmen dieser Schlagabtausch stattfunden haben soll, ging am 21. Oktober über die Bühne und umfasste Gespräche Barracks mit Präsident Ahmed al-Scharaa und Außenminister Asaad al-Schaibani.

Schweres Erbe und militärisches Ungleichgewicht

Diese Warnung kommt aus einem Staat, dessen Bevölkerung nach jahrzehntelanger, erbarmungsloser Diktatur, Massenmorden, Folter und Vertreibung bereits einen verheerenden Krieg durchlebt hat. Nach dem lang ersehnten Sturz von Machthaber Assad sehnen sich die Syrer verzweifelt nach Frieden, Wiederaufbau und einer echten Perspektive für die Zukunft.

Große Teile Syriens liegen nach wie vor in Trümmern. Die militärische Infrastruktur des Landes wurde unmittelbar nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 durch israelische Luftangriffe weiter massiv zerschlagen. Flugplätze, Luftabwehrsysteme, Waffenlager und Marineeinheiten gerieten ins Visier – Berichten zufolge unter Einsatz von Koordinaten, die von hochrangigen Funktionären des alten Regimes geliefert worden waren, um das Land bewusst wehrlos zurückzulassen.

Israel beanspruchte für sich, 70 bis 80 Prozent der strategischen Militärkapazitäten des Vorgängerregimes vernichtet zu haben, wenngleich diese Angaben nicht unabhängig verifiziert werden konnten. Jede neue bewaffnete Auseinandersetzung ginge folglich mit einem extremen militärischen Ungleichgewicht einher und würde einen ohnehin schwer gezeichneten Staat weiterer Zerstörung aussetzen.

Anhaltende Provokationen und akute Eskalationsgefahr

Trotz permanenter und schwerwiegender Provokationen setzt die Regierung in Damaskus weiter konsequent auf Verhandlungen, um einen neuen verheerenden Flächenbrand abzuwenden. Knapp zwei Jahre nach dem Sturz Assads dringen israelische Besatzungstruppen jedoch fortwährend in syrische Dörfer vor, errichten Checkpoints und verhaften Einwohner. Jüngste Proteste gegen diese Verletzungen der Souveränität machten nur einen Bruchteil des angestauten öffentlichen Zorns deutlich, während das Land gleichzeitig mühsam um seine Erholung ringt.

Wie Al Majalla zudem berichtet, konnte am 20. Oktober eine unmittelbare Eskalation im Süden Syriens nur durch dringende Vermittlungsbemühungen in letzter Sekunde abgewendet werden. Der Bericht bringt die akute Gefahr mit angeblichen Vorbereitungen von Gruppierungen um Scheich Hikmat al-Hijri in Suwayda in Verbindung, die demnach Angriffe auf Regierungspositionen geplant hatten, um eine staatliche Reaktion zu provozieren – die wiederum als willkommener Vorwand für ein offenes israelisches Eingreifen dienen sollte.

Geopolitische Risiken und europäische Dimension

Die Gefahrenmomente reichen weit über eine direkte militärische Konfrontation hinaus. Ein ausgeweiteter Krieg könnte radikalen Banden und anderen externen Akteuren neue Einfallstore öffnen, um die erneute Destabilisierung auszunutzen. Jede Welle neuer Zerstörungen droht zudem eine neue, gigantische Flüchtlings- und Vertreibungswelle auszulösen.

Ein solches Szenario würde unweigerlich auch spürbare politische Erdbeben in Europa auslösen. In einem ohnehin hochgradig angespannten politischen Klima erhielten rechtsextreme Kräfte neue Munition, um anti-islamische Stimmungen und Migrationsängste auszuschlachten. Dies wiederum würde vor allem Wladimir Putin in die Karten spielen, indem die Spaltungen innerhalb der europäischen Gesellschaften vertieft und deren Handlungsfähigkeit gegenüber Aggressionen massiv geschwächt wird.

Die übermittelte Botschaft aus Damaskus markiert demnach unmissverständlich die Grenzen der Geduld und Zurückhaltung. Eine kriegsgeplagte Bevölkerung darf nicht vor die Wahl gestellt werden, entweder permanent die Verletzung der eigenen Souveränität hinzunehmen oder in den nächsten katastrophalen Konflikt gestürzt zu werden. Die Verhinderung dieses Altszenarios erfordert wirksamen Druck auf Israel, die militärische Eskalation einzustellen und den Syrern jenen Frieden zu gewähren, den sie für den dringend notwendigen Wiederaufbau benötigen.

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Erdgas-Gipfeltreffen
Putin-Rede beim Gipfeltreffen: Europa schadet sich selbst

Moskau – Auf dem 8. Gipfeltreffen des Forums der Erdgas exportierenden Länder (GECF) – an dem unter anderem auch der iranische Präsident Massud Peseschkian teilnahm –, hat der russische Präsident Wladimir Putin eine scharfe Abrechnung mit der europäischen Energiepolitik vorgenommen.

Vor den Delegierten betonte Putin in Moskau, dass Russland als unangefochtener Schlüsselakteur auf dem globalen Gasmarkt über die weltweit größten Erdgasreserven verfügt. Er warf den europäischen Staaten vor, ihrer eigenen Wirtschaft und dem sozialen Sektor massiven Schaden zuzufügen, indem sie sich systematisch von verlässlichen russischen Energielieferungen ausschließen.

Nord-Stream-Sabotage und Warnung vor Marktausschluss

Im Zentrum seiner Ausführungen stand die anhaltende geopolitische Konfrontation rund um den globalen Gashandel. Putin bezeichnete die Sabotage an den Nord-Stream-Erdgasleitungen unmissverständlich als einen direkten Terrorakt. Jeder Versuch, Russland politisch oder wirtschaftlich vom globalen Gasmarkt auszuschließen, werde unweigerlich schwerwiegende Folgen nach sich ziehen – insbesondere drastisch steigende Energiekosten für andere Länder, die den weltweiten Wettbewerb belasten.

Der russische Staatschef ging zudem auf die strukturellen Veränderungen des Marktes ein. Auch wenn jedes Land seinen Energiemix selbst bestimme, mache Erdgas nach wie vor ein Viertel des globalen Energiegleichgewichts aus.

Die Rolle des Erdgases als Eckpfeiler des globalen Energiesektors und des internationalen Handels werde in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Als Hauptproblem, mit dem der internationale Gasmarkt aktuell konfrontiert ist, identifizierte Putin akute Versorgungsengpässe, die durch den politischen Abzug erheblicher Gasmengen aus dem etablierten Markt entstehen.

Mögliche Arktis-Kooperation mit den USA und Kritik am EU-Kurs

Flüssigerdgas (LNG) nimmt inzwischen eine dominierende Rolle ein und macht etwa die Hälfte des globalen Gashandels aus. Vor diesem Hintergrund schlug Putin auch überraschende Töne bezüglich internationaler Kooperationen an: Moskau prüfe derzeit die Möglichkeit einer wirtschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten in der Arktis, ungeachtet der ansonsten tiefen geopolitischen Zerwürfnisse.

Die aktuellen Aussagen knüpfen nahtlos an die langjährige Kritik des Kremls an. Bereits in der Vergangenheit hatte Putin der EU vorgeworfen, mit der Abkehr von langfristigen Lieferverträgen hin zu börsenbasierten Spotmärkten und LNG-Importen ein „strategisches Eigentor“ geschossen zu haben.

Während Europa versucht, seine Unabhängigkeit von russischen Pipeline-Lieferungen zu wahren, zeigt die anhaltende Marktkonfrontation, wie sensibel und anfällig das europäische Energiesystem für globale Krisen, veränderte Handelsströme und Preisschwankungen bleibt.

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Putin an Europa: „Ihr habt bekommen, was ihr wolltet“

Vorwürfe gegen Israel
UN-Bericht: Schwere Vorwürfe gegen Israel wegen Völkermords und Kriegsverbrechen

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New York – Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hat ihren neuesten, umfassenden Bericht zu den palästinensischen Gebieten vorgelegt. Darin erhebt das Gremium schwerste rechtliche Vorwürfe gegen Israel und wirft den israelischen Sicherheitskräften gezielte Angriffe auf die Zivilbevölkerung vor. Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass im besetzten Westjordanland sowie im Gazastreifen internationalrechtliche Grenzen massiv überschritten wurden.

Systematische Angriffe und schwere Vorwürfe im Westjordanland

Im Zentrum des Berichts stehen gravierende Anschuldigungen, die weit über konventionelle Konflikte hinausgehen. Die Kommission hält fest, dass Israel im Gazastreifen Handlungen begeht, die den Tatbestand des Völkermords erfüllen, und verweist dabei auf die systematische Zerstörung der Lebensgrundlagen sowie den massiven Einsatz schwerer, ungelenkter Munition in dicht besiedelten Gebieten.

Für das Westjordanland dokumentieren die Ermittler zudem, dass israelische Operationen und Handlungen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft werden müssen. Dazu zählen laut dem Bericht insbesondere Ausrottung, Folter, Vergewaltigung und andere Formen sexualisierter Gewalt sowie gezielte Verfolgung aus ethnischen und nationalen Gründen.

Frühere Berichte und der Einsatz Künstlicher Intelligenz

Der Bericht schließt damit an frühere Untersuchungen und Warnungen an, die das UN-Gremium in den vergangenen Jahren geäußert hatte. Bereits in früheren Berichten hatte die Kommission wiederholt festgestellt, dass israelische Militäroperationen in Gaza und im Westjordanland sowie die anhaltende Siedlungspolitik und die damit verbundene Siedlergewalt auf eine systematische Verdrängung der palästinensischen Bevölkerung abzielen.

Kritisiert wird zudem der kontinuierliche Einsatz Künstlicher Intelligenz und automatisierter Zielerfassungssysteme wie „Gospel“ oder „Lavender“, deren Vereinbarkeit mit dem humanitären Völkerrecht von Anfang an international heftig umstritten war.

Auch auf die veränderten und deutlich ausgeweiteten Einsatzregeln der israelischen Streitkräfte wird im aktuellen Dokument eingegangen. Demnach hat sich die Schwelle für den Einsatz tödlicher Gewalt im Westjordanland seit Oktober 2023 massiv gesenkt. Die Kommission dokumentierte zahlreiche Fälle, in denen unbewaffnete Zivilisten – darunter viele Minderjährige und Kleinkinder – ohne Vorwarnung oder erkennbare Bedrohung durch Scharfschützen oder Luftangriffe getötet wurden.

Zusätzliche Kritik richtet sich gegen den Mangel an juristischer Aufarbeitung: Israelische Behörden hätten in den allermeisten untersuchten Fällen keine effektiven Untersuchungen eingeleitet, Täter nicht zur Rechenschaft gezogen und Opfern beziehungsweise deren Angehörigen jegliche Wiedergutmachung verweigert.

Auch Kritik an palästinensischen Sicherheitskräften

Neben den primär gegen israelische Stellen gerichteten Vorwürfen nimmt der UN-Bericht auch das Verhalten der palästinensischen Sicherheitskräfte im Westjordanland in den Blick. Die Kommission wirft diesen vor, im Rahmen politischer Unterdrückung exzessive Gewalt gegen die eigene Zivilbevölkerung eingesetzt, regierungskritische Journalisten, Aktivisten sowie friedliche Demonstranten eingeschüchtert und willkürlich festgenommen zu haben.

Die Vereinten Nationen fordern in ihren Empfehlungen ein sofortiges Ende der völkerrechtswidrigen Handlungen, die strikte Einhaltung der internationalen Menschenrechtsstandards sowie eine lückenlose und unabhängige Aufarbeitung aller Verbrechen. Mitgliedstaaten werden aufgefordert, alle verfügbaren diplomatischen und rechtlichen Mittel zu nutzen, um die Straffreiheit zu beenden und die Einhaltung des Völkerrechts durchzusetzen.

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Balkankrieg
UN-Blauhelme im Bosnienkrieg: Als Skandinavier zurückschossen

Während das kollektive Gedächtnis des Bosnienkrieges von passiven Blauhelmen geprägt ist, die Massakern tatenlos zusahen, schuf das nordische Bataillon Nordbat 2 einen radikalen Gegenentwurf. Ausgestattet mit schwerer Panzerung und einer Kultur der Auftragstaktik traten schwedische und dänische Soldaten starren UN-Vorgaben entgegen – und schossen im Ernstfall kompromisslos zurück.

Während des Höhepunktes des Bosnienkrieges im Jahr 1993 waren UN-Friedenstruppen in der Region durch extrem restriktive Einsatzregeln gefesselt, die sie in kritischen Momenten zu strikter Neutralität und Passivität verdammten. Doch das skandinavische UN-Bataillon Nordbat 2 – bestehend aus schwedischen, dänischen und norwegischen Soldaten im umkämpften Raum um Tuzla – weigerte sich, diese Rolle zu akzeptieren.

Bereits bei der Aufstellung bewies der schwedische Kommandeur, Oberst Ulf Henricsson, Weitsicht: Gegen den Willen der pazifistischen Heimatpolitik, die eine rein symbolische Präsenz wünschte, bestand er auf schwerer militärischer Ausrüstung. Die Truppen wurden mit schwedischen Schützenpanzern (Pbv 302) mit 20-mm-Maschinenkanonen, finnischen Sisu-Radpanzern und einer dänischen Kompanie modernisierter Leopard-1-Kampfpanzer bestückt.

Henricsson ließ der heimischen Presse damals unmissverständlich ausrichten, er habe Leichensäcke eingepackt und seine Männer angewiesen, den Schutz von Zivilisten über jede bürokratische Vorgabe zu stellen.

Auftragstaktik und das Prinzip Eigeninitiative

Die operative Stärke der Einheit wurzelte in einer jahrzehntelang trainierten Doktrin der schwedischen Streitkräfte: der sogenannten Auftragstaktik. Soldaten und Offiziere waren darauf gedrillt, dass Zögern die einzige Todsünde ist und Befehle im Ernstfall ignoriert werden dürfen, wenn es dem Erfolg der Mission dient.

Als ein schwedischer Zug unter Captain Stewe Simson kurz nach der Verlegung einen verlassenen Krankenhauskomplex sicherte, riegelten kroatische Milizen die einzige Zufahrtsstraße ab und forderten per Ultimatum die Übergabe dreier muslimischer Krankenschwestern. Simson lehnte ab, lehnte sich gegen die feindliche Übermacht auf, bereitete seine Männer auf den Kampf vor und hielt die Stellung durch eine angespannte Nacht hindurch, bis die Milizen unverrichteter Dinge abzogen.

Wenn feindliche Kräfte unschuldige Flüchtlinge bedrohten oder Hilfskonvois blockierten, bog Nordbat 2 die Befehlskette regelmäßig um. Befehle aus der UN-Zentrale wurden bei Bedarf schlicht ignoriert – historisch verbürgt sind Fälle, in denen Funker den Kontakt zum Hauptquartier so lange als gestört meldeten, bis eine kritische Situation eigenverantwortlich gelöst war.

Kommandeur Henricsson ging sogar so weit, feindliche Posten an Panzersperren eigenhändig mit einem schweren Maschinengewehr im Anschlag zum Öffnen der Schranken zu zwingen. Wegen ihrer Entschlossenheit, auf Angriffe nicht mit Rückzug, sondern mit sofortigem Gegenschlag zu reagieren, erarbeitete sich die Truppe in UN-Kreisen rasch den treffenden Spitznamen „Shootbat“. (frei übersetzt: „Baller-Bataillon“)

Feldwebel Magnus Ernström von Nordbat 2 Ende Oktober 1993, zur Zeit des Massakers von Stupni Do in Bosnien. (Unbekanntes Gruppenmitglied in der 2. Wachmannschaft, Begleitgruppe BA01/Försvarsmakten)

Operation Bøllebank: 72 Granaten im Geschützturm

Der Höhepunkt dieser kompromisslosen Haltung markierte die sogenannte Operation Bøllebank der dänischen Panzerkompanie. Nachdem bosnisch-serbische Einheiten einen finnischen Beobachtungsposten unter Beschuss genommen hatten, wurden die dänischen Leopard-1-Panzer in einen gezielten Hinterhalt gelockt.

Die Reaktion der Einheiten war unerbittlich: Die Besatzungen erhielten den Befehl, die serbischen Panzerabwehr- und Artilleriestellungen zu neutralisieren. Die Leopard-Panzer eröffneten ein so präzises und heftiges Gegenfeuer, dass im Verlauf des Gefechts exakt 72 Hauptgeschütze abgefeuert wurden.

Auf die späte Frage des NATO-Kommandeurs für Südeuropa, Admiral Leighton Smith, warum man in diesem Gefecht exakt diese Menge verschossen habe, folgte die legendäre Antwort einer dänischen Kanonierin: „Weil wir nicht mehr Munition hatten.“ Ein serbisches Munitionslager wurde getroffen, was eine gewaltige Sekundärexpression auslöste.

Der Kontrast: Einheitskultur statt Srebrenica-Desaster

Der bemerkenswerte Weg von Nordbat 2 verdeutlicht im Nachhinein den dramatischen Kontrast zu anderen Blauhelm-Kontingenten, die starr an den Anweisungen festhielten.

Während beispielsweise das hochprofessionelle niederländische Bataillon im selben regionalen Verantwortungsbereich in Srebrenica durch strikte Mikromanagement-Vorgaben aus der Heimat und die Weigerung, Konfrontationen einzugehen, letztlich handlungsunfähig blieb, bewies das skandinavische Kontingent das genaue Gegenteil.

Die schwedischen und dänischen Einheiten zeigten, dass das UN-Mandat sehr wohl Raum für effektiven Schutz bot – vorausgesetzt, es gab Befehlshaber und Soldaten, die den moralischen Mut besaßen, die Fesseln des bürokratischen Apparats abzuschütteln und den Opfern echten Schutz zu garantieren.

Späte Anerkennung und offizielle Auszeichnungen

Obwohl das eigenmächtige und harte Vorgehen der Skandinavier während des Einsatzes für heftigen Ärger und scharfe Rügen in der reglementierten UN-Bürokratie sorgte, folgte später die verdiente offizielle Anerkennung. Oberst Ulf Henricsson wurde für seine kompromisslose Haltung und seinen unermüdlichen Einsatz unter anderem mit der schwedischen Verdienstmedaille des Oberbefehlshabers ausgezeichnet.

Auch Schlüsselpersonen der dänischen Panzereinheit – wie Oberstleutnant Lars R. Møller und Eskadronchef Carsten Rasmussen – erhielten für ihren Mut bei Operation Bøllebank hohe Ehrenmedaillen, unter anderem vom dänischen Königshaus überreicht.

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– Balkankriege –
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Wenn die Weltöffentlichkeit am heutigen Jahrestag des Massakers von Srebrenica der Opfer gedenkt, blickt sie auf eine Geschichte zurück, die bis heute polarisiert.

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Israel-Wahlen
Vorwurf des Hochverrats: Avigdor Lieberman fordert Ermittlungen gegen Benjamin Netanjahu

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Tel Aviv – Der israelische Oppositionsleiter und Chef der säkular-nationalistischen Partei Yisrael Beiteinu, Avigdor Lieberman, fordert eine strafrechtliche Untersuchung gegen Premierminister Benjamin Netanjahu.

Der schwere Vorwurf: Netanjahu versuche, das Land vor den anstehenden Wahlen gezielt in einen Krieg mit dem Iran zu ziehen, um eine drohende Niederlage abzuwenden.

In einem offiziellen Schreiben an die Regierungsbeauftragte für Rechtsfragen erhob Lieberman am Montagmorgen schwere Anschuldigungen gegen das Staatsoberhaupt. Netanjahu habe im vergangenen Monat massiven Druck auf die Spitzen der israelischen Sicherheitsbehörden ausgeübt, um Militäraktionen durchzusetzen, die zu einer gravierenden Fehleinschätzung gegenüber Teheran führen könnten.

Vorwurf des Hochverrats kurz vor den Wahlen

Lieberman warf dem Premierminister vor, aus reiner Angst vor einem Machtverlust das Leben von IDF-Soldaten aufs Spiel zu setzen. Der Versuch, den Staat Israel kurz vor den Wahlen in einen Krieg zu verwickeln, gepaart mit der Bereitschaft, Soldatenleben zu opfern, stelle einen Verrat am Staat, seiner Sicherheit und seinen Truppen dar.

Die Anschuldigungen wiegen besonders schwer, da Lieberman keineswegs dem linken oder taubenhaften Spektrum angehört. Der in der Sowjetunion geborene Politiker gilt seit Jahrzehnten als einer der einflussreichsten und eigenwilligsten Akteure des israelischen Establishments.

Als rechtsnationaler Hardliner vertritt er seit jeher extrem aggressive Positionen gegenüber dem Iran, der Hamas und der Hizbullah und machte in der Vergangenheit mit radikalen Vorschlägen wie obligatorischen Loyalitätseiden für Nicht-Juden sowie umstrittenen Gebietsaustausch-Plänen auf sich aufmerksam.

Ein säkularer Hardliner im Bruch mit Netanjahu

Gleichzeitig unterscheidet sich Liebermans Profil drastisch von Netanjahus religiös-rechten Bündnispartnern. Lieberman steht für einen strikten Säkularismus und bekämpft vehement die Privilegien der ultraorthodoxen Parteien.

Er fordert zivile Eheschließungen, öffentlichen Nahverkehr am Sabbat sowie das Ende der Wehrpflichtbefreiung für ultraorthodoxe Männer. Einst Netanjahus enger Weggefährte und Büroleiter, brach er vor Jahren mit dem Premierminister und verweigerte mehrfach den Eintritt in dessen Koalitionen – ein Schritt, der die anhaltende politische Krise im Land maßgeblich prägte

.Dass nun ausgerechnet ein als säkularer Rechtsaußen geltender Sicherheitspolitiker dem Premierminister Hochverrat und eine gezielte Kriegseskalation vorwirft, unterstreicht die dramatische Zuspitzung des Machtkampfs vor dem Urnengang. Aus der Staatskanzlei des Premierministers liegt bislang keine offizielle Stellungnahme vor.

Netanjahu warnt vor Atomkrieg

Parallel zu den juristischen Vorwürfen sorgt eine digitale Wahlkampfoffensive Netanjahus für scharfe Kritik. Über seine Social-Media-Kanäle verbreitete der Ministerpräsident eine KI-generierte Grafik, die einen Atompilz über der Skyline von Tel Aviv zeigt. Gezeigt wurde zudem die Warnung eines rechten Kommentators vor einem „zweiten Holocaust“, sollte die Bevölkerung nicht für Netanjahu stimmen.

Opposition wirft Netanjahu Hysterie und Kontrollverlust vor

Die Reaktion der Opposition ließ nicht auf sich warten. Gadi Eisenkot, Chef der Jaschar-Partei, bezeichnete Netanjahu angesichts der Veröffentlichung der Atombomben-Grafik als „hysterisch“ und warf ihm vor, mit Falschbehauptungen und Panikmache von eigenen Sicherheitsfehlern abzulenken.

Auch Yair Golan von den Demokraten zeigte sich schockiert und forderte, Netanjahu von den sozialen Medien fernzuhalten, da dieser offensichtlich die Kontrolle verloren habe. Naftali Bennett warnte, der Premierminister versuche der Bevölkerung einzureden, dass ohne ihn der Untergang bevorstehe – dies sei eine gefährliche Lüge.

Oppositionsführer Jair Lapid griffen die Kampagne ebenfalls scharf an. Netanjahu sei „komplett von den Gleisen abgekommen“. Lapid verwies sarkastisch auf Netanjahus Ankündigungen, Vorbereitungen für eine Umgehungswirtschaft und globale Bankensanktionen zu treffen sowie auf US-Sicherheits- und Militärhilfen zu verzichten. Zudem stehe Netanjahus Kurs für eine zunehmende Isolierung Israels, wirtschaftliche Verarmung und eine Vorzugsbehandlung der ultraorthodoxen Klientel.

Militärführung widerspricht Kriegsszenario

Netanjahu selbst wies die Anschuldigungen zurück und behauptete bei einem Besuch einer Arrow-Raketenabwehrbatterie, Geheimdiensthinweise deuteten auf mögliche Angriffe des Iran hin, um die Wahlen zu stören. Dem widersprachen jedoch hochrangige Sicherheitskreise:

Sowohl Verteidigungsminister Israel Katz als auch Generalstabschef Eyal Zamir und Gadi Eisenkot stellten klar, dass vor den Wahlen weder eine operative Notwendigkeit noch eine unmittelbare iranische Bedrohung bestehe, die einen Militärschlag rechtfertigen würde. Während die Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen ohne klare Mehrheiten prognostizieren, blickt das Land unter beispielloser politischer Spannung auf den morgigen Wahltag.

 

Brasilien-Wahl
Trotz Vorwürfen der Meta-Drosselung: Lula sichert sich historischen Wahlsieg in Brasilien

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Brasilia – Luiz Inácio Lula da Silva hat die dramatische Stichwahl um die Präsidentschaft in Brasilien gewonnen und sich eine weitere Amtszeit an der Spitze des südamerikanischen Landes gesichert. Der Sieg gegen seinen rechtsextremen Herausforderer Flávio Bolsonaro beendet einen extrem polarisierten Wahlkampf, der bis zuletzt von schweren Vorwürfen gegen den Tech-Konzern Meta überschattet worden war.

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse brachen in zahlreichen Großstädten des Landes Jubelstürme aus. Allein auf der symbolträchtigen Avenida Paulista in São Paulo feierten Zehntausende Anhänger den Ausgang der Wahl.

Lulas Triumph löste auch international rasche Reaktionen aus: Führende Politiker wie Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, Kanadas Premierminister Mark Carney, Paraguays Präsident Santiago Peña sowie US-Politiker Bernie Sanders gratulierten dem Linkspolitiker und würdigten den Wahlausgang als Stärkung der brasilianischen Demokratie. 

„Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden! Herzlichen Glückwunsch, Präsident Lula“, schrieb der Oberbürgermeister von New York, Zohran Mamdani, auf X.

Der Triumph ist zugleich eine Absage an die Einflussnahme aus den USA: Lula gilt als einer der schärfsten Kritiker von US-Präsident Donald Trump in der Region. Im Wahlkampf hatte er Trumps Handelspolitik scharf verurteilt und betont, dass Brasilien „niemands Hinterhof“ sei. Trump wiederum hatte den Wahlkampf genau verfolgt und den Zwischenerfolg von Lulas Herausforderer Flávio Bolsonaro nach der ersten Wahlrunde noch als „großartigen Sieg“ bezeichnet.

Vom Fabrikarbeiter an die Staatsspitze

Für viele Brasilianer ist der erneute Wahlsieg Lulas weit mehr als nur ein politisches Comeback – er symbolisiert den Aufstieg der klassischen Arbeiterschicht. Lula wuchs in ärmsten Verhältnissen auf und arbeitete bereits im Kindesalter als Schuhputzer und Straßenhändler. Später absolvierte er eine Lehre zum Metallarbeiter und Dreher in der Automobilindustrie von São Paulo. Ein Arbeitsunfall an einer Hydraulikpresse, bei dem er im Alter von 19 Jahren seinen kleinen Finger verlor, prägt sein Auftreten bis heute.

In den 1970er-Jahren stieg er als gewählter Gewerkschaftsführer an die Spitze der Metallarbeiterbewegung auf und forderte während der damaligen Militärdiktatur mit historischen Streiks das Regime heraus. Aus dieser Bewegung heraus gründete er 1980 die Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores, PT) und stieg schließlich vom einfachen Fabrikarbeiter bis zum Präsidenten auf – eine Biografie, die im heutigen politischen Establishment Lateinamerikas nahezu einzigartig ist.

Vorwurf der Reichweiten-Drosselung: Streit mit Meta überschattet Wahlkampf

Im Zentrum der dramatischen Schlussphase des Wahlkampfs stand jedoch eine juristische und politische Auseinandersetzung mit dem US-Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp. Lulas Wahlkampfteam hatte Meta beschuldigt, durch algorithmische Manipulationen und plötzliche Reichweiten-Drosselungen gezielt pro-Lula-Inhalte zu unterdrücken, während Beiträge des Bolsonaro-Lagers bevorzugt ausgespielt worden seien. Unter anderem fehlten bei Beiträgen des amtierenden Präsidenten zeitweise Interaktions- und Teilen-Buttons.

Lulas Partei zog daraufhin vor das oberste Wahlgericht Brasiliens (TSE), das Meta unter Androhung hoher Tagesstrafen dazu verpflichtete, die Gleichbehandlung beider Kandidaten unverzüglich sicherzustellen. Während der US-Konzern die Vorwürfe einer bewussten Beeinflussung zurückwies und von technischen Fehlern sprach, machten Proteste vor Firmengebäuden die Rolle digitaler Plattformen zum zentralen Thema. In seinen ersten Erklärungen nach dem Sieg sprach Lula explizit davon, dass das Land Versuchen der Einflussnahme über globale digitale Netzwerke erfolgreich getrotzt habe.

Herausforderungen für die neue Amtszeit

Mit dem Wahlsieg steht Lula vor der Aufgabe, ein tief gespaltenes Land zu befrieden. Neben der gesellschaftlichen Versöhnung stehen die wirtschaftliche Stabilisierung sowie der Schutz des Amazonas-Regenwaldes ganz oben auf seiner Agenda. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie die Opposition auf das Ergebnis reagiert und welche rechtlichen Nachspiele die Streitigkeiten um die Rolle der Social-Media-Giganten im Wahlkampf haben werden.

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Türkei
Erdoğan entlässt Chefberater Oktay Saral im Kopftuch-Streit mit Aserbaidschan

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Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seinen Chefberater Oktay Saral entlassen. Saral hatte das Kopftuchverbot an Schulen in Aserbaidschan kritisiert und Baku aufgefordert, es zurückzunehmen. Berichten zufolge hatte die aserbaidschanische Seite seine Ablösung verlangt. Offiziell haben weder Ankara noch Baku Gründe für den Schritt genannt.

Saral bestätigte die Entlassung am Sonntag. „Ich habe absoluten Respekt vor der Entscheidung des Präsidenten“, sagte er Middle East Eye. Dem Journalisten Talat Atilla sagte er laut der Zeitung Karar: „Wir sind nicht an Ämter gebunden. Unser Präsident hat mich ernannt, auf seine Anweisung bin ich ausgeschieden.“ Er habe „keinen Groll gegen niemanden“. Auf die Frage, ob seine Äußerungen zu Aserbaidschan der Grund gewesen seien, antwortete er: „Ja, so scheint es.“ Und weiter: „Wichtig ist die Republik Türkei.“

Streit um das Kopftuch

Aserbaidschans Regierung hatte im September eine Regelung beschlossen, die Kleidung verbietet, die „nicht mit dem Prinzip des Säkularismus vereinbar“ sei. Das Wort Kopftuch kommt darin nach Angaben der Zeitung The National nicht ausdrücklich vor.

Weil die Vorschriften zusätzliche Kleidungsstücke einschränken, wird sie aber als faktisches Kopftuchverbot an Grund- und weiterführenden Schulen kritisiert. Das staatliche Fernsehen erklärte, die Regeln sollten Versuche stoppen, der nationalen Identität arabisch-persische Werte hinzuzufügen.

Vor dem aserbaidschanischen Konsulat in Istanbul gab es Proteste. Das Innenministerium in Baku gab an, 37 Menschen seien festgenommen worden, weil sie beim Widerstand gegen die Umsetzung die öffentliche Ordnung gestört hätten. NetBlocks meldete Einschränkungen bei TikTok, Instagram und X bei mehreren Internetanbietern. Videos zeigten weinende Schülerinnen, die nach eigenen Angaben nicht in die Klassenzimmer gelassen worden seien.

Saral schrieb in sozialen Medien: „Dass kopftuchtragenden Schülerinnen in Aserbaidschan das Recht auf Bildung verwehrt wird, ist inakzeptabel!“ Das Kopftuch sei „kein Hindernis, sondern eine Pflicht des Glaubens“. Das Recht auf Bildung dürfe „keiner ideologischen Zwangsmaßnahme geopfert werden“. Man erwarte, dass Aserbaidschan „so schnell wie möglich“ von diesem Fehler abrücke. Die AKP-Abgeordnete Zehranur Aydemir sprach von einer „Verletzung der Religionsfreiheit und des Rechts auf Bildung“.

Reaktion aus Baku

Die Partei Neues Aserbaidschan (YAP) von Präsident Ilham Aliyev verurteilte Saral und AKP-Politiker, die Aserbaidschans Praxis kritisiert hatten. Hochrangige türkische Vertreter sollten die Souveränität, die Verfassungsordnung und die inneren Angelegenheiten des Landes respektieren.

Die AKP solle ihre Äußerungen aufgeben. Die YAP nannte die türkischen Kommentare „populistisch und unverantwortlich“. Kein Staat der islamischen Welt habe das Recht, anderen muslimischen Völkern seinen Willen zu diktieren, hieß es. Türkei und Aserbaidschan sollten „hegemoniale Tendenzen in der islamischen Welt“ vermeiden.

Middle East Eye berichtete am 20. Oktober, Baku habe Ankara aufgefordert, Saral von seinem Posten zu entfernen. Zudem solle die Türkei juristisch gegen Beiträge in sozialen Medien vorgehen, die Aliyev beleidigten, und bestimmte Konten sperren. Drei Beamte und eine weitere Quelle hätten die Forderung bestätigt. Offiziell bestätigt wurde sie von keiner Regierung.

Außenminister Hakan Fidan sagte bei einem Besuch in Baku, die Probleme sollten im Dialog gelöst werden. Es gebe „absolut keinen Anlass“, sie zu Propaganda in sozialen Medien zu machen. Sein Besuch löste laut Middle East Eye feindselige Berichte in aserbaidschanischen Medien aus. Frühere türkische Versuche, die Spannungen zu entschärfen, seien gescheitert.

Gipfel der Turkstaaten

Die Entlassung fällt in die Woche, in der die Türkei Gastgeber des Gipfels der Organisation der Turkstaaten sein soll. Erdoğan lud Aliyev am Donnerstag telefonisch ein. Beide Seiten ließen offen, ob Aliyev kommt. Türkische Beamte fürchteten Berichten zufolge, er könnte wegen der Proteste in der Türkei fernbleiben. Eine aserbaidschanische Quelle sagte Middle East Eye: „Sarals Entfernung würde Aliyev ermutigen, am Gipfel teilzunehmen.“ Vor der Entscheidung habe die Wahrscheinlichkeit „unter fünfzig Prozent“ gelegen.

Die Türkei hatte Kopftücher in den 1990er-Jahren an Schulen, Universitäten und im öffentlichen Dienst verboten. Aserbaidschan hat 10,4 Millionen Einwohner, die Mehrheit gehört dem schiitischen Islam an. Beide Länder verbindet ein Verteidigungspakt und ein Handelsvolumen von Milliarden Dollar, und sie bezeichnen ihre Beziehung oft als „eine Nation, zwei Staaten“.

Der Analyst Sabir Askeroglu sieht den Schaden eher auf gesellschaftlicher Ebene durch schwindendes Vertrauen als in den Beziehungen der Staaten. Vasif Huseynov vom staatlichen Zentrum für Analyse internationaler Beziehungen sagte, die Regeln schützten nationale Werte und den Säkularismus, die türkische Erfahrung mit Kopftuchverboten sei auf Aserbaidschan nicht übertragbar.

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Druck aus Aserbaidschan: Netanjahu blockiert „Völkermord-Resolution“

Israel-Wahlen
Israel: Netanjahu warnt vor Atomkrieg bei Wahlniederlage

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Tel Aviv – Zwei Tage vor der Parlamentswahl in Israel hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine KI-generierte Grafik verbreitet, die einen Atompilz über Tel Aviv zeigt. Dazu teilte er die Warnung des rechten Kommentators Yuval Bloomberg vor einem „zweiten Holocaust“, falls die Wähler einen Regierungschef wählten, der die Aufgabe gegenüber Iran nicht zu Ende bringe.

Oppositionspolitiker Jair Lapid reagierte mit mehreren Beiträgen und sagte im Fernsehen, Netanjahu sei „komplett von den Gleisen abgekommen“.

Netanjahu hatte die Grafik am Sonntag auf X geteilt. Sie zeigt eine Pilzwolke über der Skyline einer Großstadt. In dem Beitrag, den er weiterverbreitete, heißt es, der Staat Israel befinde sich in „realer und greifbarer existenzieller Gefahr“. Wenn die Iraner Atomwaffen erhielten, werde „nichts anderes mehr eine Rolle spielen“. Wer einen Regierungschef wähle, der die Aufgabe gegenüber Iran nicht zu Ende bringen könne, setze sich und seine Familie der „Gefahr eines zweiten Holocaust“ aus. Haaretz fasste den Vorgang so zusammen, Netanjahu warne vor einem „zweiten Holocaust“, falls er verliere.

Die Debatten um die Katar-Affäre und die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe nannte der Autor einen „riesigen Nebelvorhang“, der von dem einen Thema ablenken solle, das alles andere überrage. Bloomberg schrieb außerdem: „Wir haben noch zwei Jahre Trump, um die Aufgabe im Iran zu beenden, und es ist nicht vorherzusehen, was danach kommt.“

Reaktionen aus der Opposition

Der Chef der Partei Jaschar, Gadi Eisenkot, nannte Netanjahu laut Berichten „hysterisch“ und warf ihm Lügen und Angstmache vor. Das Volk werde ihn an der Wahlurne zurückweisen. Der Vorsitzende der Demokraten, Yair Golan, schrieb, der Ministerpräsident habe das Bild einer Atombombe über Tel Aviv veröffentlicht, und forderte, Netanjahu von den sozialen Medien fernzuhalten. Netanjahu wies Vorwürfe zurück, er treibe eine Erneuerung des Krieges gegen Iran voran, um die Wahl zu beeinflussen.

Nach den letzten Umfragen vor der Wahl, die Haaretz zusammenfasst, liegt Eisenkot vor Netanjahu, beide verfehlen demnach eine Mehrheit.

Lapid: „Insgesamt logisch“

Lapid griff Netanjahus Wahlkampf in mehreren Beiträgen auf X an. „Netanjahus Kampagne: Der Staat Israel ist in Vernichtungsgefahr, deshalb habe ich beschlossen, auf die amerikanische Sicherheitsunterstützung zu verzichten, mich Sanktionen zu unterwerfen, die die Wirtschaft zerstören werden, und alle katarischen Agenten in meinem Büro zu belassen. Insgesamt logisch“, schrieb er sarkastisch.

In einem weiteren Beitrag warnte Lapid, Netanjahu habe den Polizeichef nur eingeladen, damit der Staat aufhöre, über ein Interview zu sprechen. Darin habe Netanjahu die Fassung verloren und angekündigt, dass Israel im Falle seiner Wahl auf Sanktionen zusteuere, auf eine Wirtschaft wie die des Iran und Nordkoreas, und auf die Kündigung der Sicherheitsabkommen mit den USA.

Netanjahu habe zudem versprochen, die Hamas in Gaza zu vernichten und die Wirtschaft in Israel wieder aufzubauen, so Lapid. „Und seitdem stützt er die Hamas in Gaza und zerstört die Wirtschaft in Israel.“

Zugespitzt formulierte er Netanjahus Kampagne so: „Wählt mich, und ihr bekommt ein isoliertes, gewalttätiges, gehasstes Land mit einer zerstörten Wirtschaft, Sanktionen, die zu wahnsinnigen Preiserhöhungen führen, und ohne militärisches Bündnis mit den Vereinigten Staaten.“ Dann folgte laut Lapid ein „Bonus“: „Die Haredim werden nicht eingezogen, und Deri erhält Dutzende Milliarden Schekel.“

In einem Interview mit dem Fernsehsender Kanal 12 sagte Lapid: „Netanjahu ist komplett von den Gleisen abgekommen.“

Was Netanjahu zu Sanktionen gesagt haben soll

Lapids Angriffe beziehen sich auf Aussagen Netanjahus, über die am 23. Oktober berichtet wurde. Laut dem Axios-Journalisten Barak Ravid sagte er, Israel müsse sich auf „Bankensanktionen“ und eine „Umgehungswirtschaft“ vorbereiten. Auch die US-Sicherheitshilfe sei „vorbei“. Ynet gab die Aussage so wieder, dass die Hilfe bald enden werde, die Berichte weichen hier also voneinander ab. Die Times of Israel berichtete, er habe von der Vorbereitung auf globale Sanktionen und von Blockchain-Technik zu deren Umgehung gesprochen. Wirtschaftswissenschaftler, die Bank of Israel und Oppositionsführer kritisierten den Plan scharf.

Außerdem soll Polizeichef Daniel Levy Netanjahu und den Minister Itamar Ben-Gvir getroffen haben, ohne dass Opposition oder Wahlkommission dabei waren. Die Generalstaatsanwältin hatte Einwände, die Zentrale Wahlkommission genehmigte das Treffen.

Warnungen vor Angriffen Irans

Netanjahu sagte am Sonntag an einer Arrow-Raketenabwehrbatterie: „Wir haben Geheimdiensthinweise, dass Iran und seine Stellvertreter uns mit Angriffen herausfordern könnten, um die Wahlen zu stören.“ Er fügte hinzu: „Testet uns nicht.“

Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Samstag im Sender Kan, Israel habe vor der Wahl keine Kampagne gegen Iran begonnen und beginne auch keine. Er warf der Opposition vor, mit gegenteiligen Andeutungen unverantwortlich zu handeln. Eisenkot sagte am Donnerstag, es gebe keine direkte, unmittelbare iranische Bedrohung, die vor der Wahl einen Krieg erfordere. Generalstabschef Eyal Zamir soll laut Kanal 13 in einer nicht öffentlichen Sitzung gesagt haben, er sehe keinen operativen Bedarf für einen Schlag gegen Iran vor der Wahl.

Gewählt wird am Dienstag.

Psychologie
Netflix-Neuauflage: Streit um das Stanford-Prison-Experiment

Los Gatos – Netflix hat am 21. Oktober die Serie „The New Stanford Prison Experiment“ veröffentlicht. In sechs Folgen werden 30 Freiwillige zufällig in Wärter und Gefangene eingeteilt und in einem echten Gefängnis untergebracht. Die Produktion greift damit ein Experiment von 1971 auf. Es steht bis heute in Lehrbüchern und wurde in Deutschland durch den Kinofilm „Das Experiment“ (2001) bekannt. Sein wissenschaftlicher Wert wird jedoch von Kritikern in Zweifel gezogen.

Gedreht wurde nach Angaben der Stanford Daily in einem stillgelegten Trakt des Cherokee County Adult Detention Center im US-Bundesstaat Georgia. Die Serie ist nicht geskriptet. Die Produzenten hätten sich für ein echtes Gefängnis entschieden, um eine realistische Umgebung zu schaffen. Die Gruppe sei zudem vielfältiger zusammengesetzt als beim Original: Die Produktion nennt Unterschiede bei Herkunftsort, Geschlecht, politischer Überzeugung, sozialem Hintergrund und Lebenserfahrung. Auf der Plattform lautet die zentrale Frage: „Korrumpiert Macht?“

Sechs Tage im Keller

Das Original leitete der Psychologe Philip Zimbardo im August 1971 an der Stanford University. Von 75 Bewerbern wählte er 24 Männer aus. Je die Hälfte wurde zufällig zu Wärtern und Gefangenen bestimmt. Das Scheingefängnis entstand im Keller der Jordan Hall, des Psychologiegebäudes der Universität.

Geplant waren ein bis zwei Wochen. Zimbardo beendete das Experiment nach sechs Tagen. Zuvor hatte Christina Maslach das Scheingefängnis besucht. Laut Darstellungen des Experiments war sie entsetzt, dass Wärter Gefangenen Säcke über den Kopf zogen, und stellte Zimbardo wegen der Zustände und der Moral der Studie zur Rede. Auch Eltern, die ihre Söhne am Besuchstag nur kurz und unter Aufsicht sehen durften, machten sich Sorgen. Einige hätten Anwälte einschalten wollen.

Lange galt der Versuch als Beleg dafür, dass Menschen in bestimmten Rollen und Umgebungen Grausamkeit entwickeln können.

Wachen mit einem Gefangenen während des Stanford-Gefängnis-Experiments.

Kritik am Original

Seit Jahren wird diese Lesart bestritten. Der Forscher Thibault Le Texier wertete für eine 2019 in der Fachzeitschrift „American Psychologist“ erschienene Studie Archivmaterial aus und sprach mit 15 Teilnehmern. Er kam zu dem Schluss, die Wärter seien nicht sich selbst überlassen gewesen.

Zimbardo habe ihnen bei der Einweisung am 14. August die Ziele der Studie erklärt, sie hätten außerdem konkrete Hinweise und Taktiken erhalten. Zimbardo erklärte später, es habe „keine formalen oder detaillierten Anweisungen“ gegeben, wie man ein wirksamer Wärter sei. Das Archivmaterial widerspreche dem, so Le Texier. Zimbardo und Kollegen nannten die Kritik größtenteils persönlich motiviert und warfen Le Texier vor, gegenteilige Daten zu ignorieren.

Auch zum Fall des Gefangenen Douglas Korpi gibt es Streit. Er verließ das Experiment nach etwa 36 Stunden nach einem scheinbaren Zusammenbruch. In einem Interview von 2017 sagte Korpi, er habe den Zusammenbruch vorgetäuscht, um für das Graduate Record Exam zu lernen, einen Zulassungstest für Aufbaustudiengänge. Zimbardo erklärte 2018, der Zusammenbruch müsse als echt gewertet werden, und er halte das Interview von 2017 für eine Lüge. Le Texier führt Korpis Aussage als Argument gegen die Darstellung vom „Zusammenbruch“ an.

Eine teilweise Wiederholung gab es 2002 mit der BBC Prison Study der Psychologen Alex Haslam und Steve Reicher. Den Wärtern wurde dort nicht vorgegeben, wie sie sich verhalten sollen, sie sollten selbst herausfinden, wie sie das Gefängnis führen. Die Ergebnisse stellten laut den Autoren die Vorstellung infrage, dass Menschen mechanisch in Rollen hineinrutschen, und hoben die Rolle von Führung hervor.

Die BBC strahlte dazu eine Dokureihe mit dem Titel „The Experiment“ aus. 2018 erklärten Zimbardo, Reicher und Haslam gemeinsam, beide Experimente seien gültig. Sie räumten zugleich ein, dass das Verhalten auch andere Ursachen gehabt haben könne, und sprachen sich für weitere Wiederholungen aus.

Netflix verweist auf Sicherheitsvorkehrungen

Executive Producerin Jane Lipsitz räumte laut Stanford Daily die Empörung über das Projekt ein. „Wenn wir einfach das Original nachstellen würden, wäre das unvertretbar“, sagte sie. Ihr Team habe mehr als ein Jahr an der Serie gearbeitet. Anders als 1971 gebe es andere Teilnehmer, Sicherheitsvorkehrungen und Umstände. Man wolle fragen, ob Macht Menschen zwangsläufig verändere.

Die Produktion nennt Einwilligung der Teilnehmer, psychologische Tests, ein Codewort zum Ausstieg sowie Psychologen und einen Sanitäter, die rund um die Uhr erreichbar seien. Produzenten und Psychologen hätten das Geschehen beobachtet und hätten eingreifen können, wenn das Wohl eines Teilnehmers gefährdet gewesen wäre.

Kritik kommt auch aus Stanford selbst. Die Studentin Anh-Thu Dang sagte der Stanford Daily, die Serie gebe „der psychologischen Fakultät von Stanford einen schlechten Ruf“. Es sei unfair, die Fakultät über das Original zu definieren, da sie heute zu ethischer und offener Wissenschaft arbeite. Das Psychologische Institut wollte sich auf Anfrage der Stanford Daily nicht äußern, mehrere Professoren ebenfalls nicht.

Der deutsche Film

In Deutschland kennen viele das Thema vor allem aus dem Kinofilm „Das Experiment“ von Oliver Hirschbiegel aus dem Jahr 2001. Moritz Bleibtreu spielt darin einen früheren Journalisten, der sich als Taxifahrer für ein bezahltes Gefängnis-Experiment meldet. Wärter missbrauchen dort nach und nach die Gefangenen, die Wissenschaftler greifen nicht ein, die Gewalt eskaliert.

Der Film beruht auf Mario Giordanos Roman „Black Box“ und ist vom Stanford-Experiment inspiriert. Er ist eine fiktive Geschichte, keine Verfilmung der Ereignisse von 1971. 2010 erschien eine US-Neuverfilmung mit Adrien Brody und Forest Whitaker.

Krise im Nahen Osten
Türkei: Bunker und Kampfdrohnenpläne befeuern Kriegsspekulationen

Ankara – Die Türkei baut Schutzräume in allen 81 Provinzen, der Generalstabschef nennt Produktionsziele von Millionen Drohnen, und die Lage in der Region bleibt angespannt. In sozialen Medien bringen Beobachter beides miteinander in Verbindung und spekulieren über einen möglichen Krieg.

Auslöser der Debatte ist eine Äußerung von Generalstabschef Selçuk Bayraktaroğlu. Bei der Übung Denizkurdu-I/2026 sagte er am 24. September an Bord der TCG Anadolu: „In fünf Jahren lautet das Ziel 5 Millionen UAVs, in zehn Jahren sollen 10 Millionen UAVs produziert werden.“ Die Produktionskapazität der türkischen Rüstungsindustrie reiche aus, dieses Ziel zu erreichen. An der Übung nahmen nach seinen Angaben rund 14.000 Soldaten, 100 Schiffe und 50 Flugzeuge teil. Gezeigt wurden unter anderem Drohnen vom Typ Kalkan sowie das Kamikaze-Boot Pirana.

Zugleich läuft der Bau von Schutzräumen. Berichten zufolge hatte Präsident Recep Tayyip Erdoğan ein landesweites Programm genehmigt, mit dem die Wohnungsbaubehörde TOKİ beauftragt wurde. Schutzräume sollen demnach in allen 81 Provinzen entstehen, zum Schutz vor Kriegen, Naturkatastrophen und nuklearen Bedrohungen. Die bestehende Infrastruktur gilt als unzureichend. Viele vorgeschriebene Schutzräume in Großgebäuden wurden laut den Berichten als Parkplätze oder Lager genutzt. Als Vorbild sollen Modelle aus Japan und der Schweiz dienen.

Beobachter in sozialen Medien sehen in den beiden Meldungen ein Zeichen, dass sich das Land auf einen Konflikt vorbereite.

Was die Regierung sagt

Die Regierung weist Kriegsspekulationen zurück. Das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation der Kommunikationsdirektion des Präsidialamts erklärte am 30. März 2026, die Türkei habe „von Beginn an“ erklärt, keine Kriegspartei zu sein. Behauptungen, das Land werde an der Seite Irans in den Krieg eintreten oder in den Libanon einmarschieren, bezeichnete es als Desinformation und Teil psychologischer Kriegsführung. Die Öffentlichkeit solle „unbegründeten Behauptungen“ keinen Glauben schenken und nur offizielle Mitteilungen beachten.