Brasilien-Wahl
Trotz Vorwürfen der Meta-Drosselung: Lula sichert sich historischen Wahlsieg in Brasilien

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Brasilia – Luiz Inácio Lula da Silva hat die dramatische Stichwahl um die Präsidentschaft in Brasilien gewonnen und sich eine weitere Amtszeit an der Spitze des südamerikanischen Landes gesichert. Der Sieg gegen seinen rechtsextremen Herausforderer Flávio Bolsonaro beendet einen extrem polarisierten Wahlkampf, der bis zuletzt von schweren Vorwürfen gegen den Tech-Konzern Meta überschattet worden war.

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse brachen in zahlreichen Großstädten des Landes Jubelstürme aus. Allein auf der symbolträchtigen Avenida Paulista in São Paulo feierten Zehntausende Anhänger den Ausgang der Wahl.

Lulas Triumph löste auch international rasche Reaktionen aus: Führende Politiker wie Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, Kanadas Premierminister Mark Carney, Paraguays Präsident Santiago Peña sowie US-Politiker Bernie Sanders gratulierten dem Linkspolitiker und würdigten den Wahlausgang als Stärkung der brasilianischen Demokratie. 

„Das vereinte Volk wird niemals besiegt werden! Herzlichen Glückwunsch, Präsident Lula“, schrieb der Oberbürgermeister von New York, Zohran Mamdani, auf X.

Der Triumph ist zugleich eine Absage an die Einflussnahme aus den USA: Lula gilt als einer der schärfsten Kritiker von US-Präsident Donald Trump in der Region. Im Wahlkampf hatte er Trumps Handelspolitik scharf verurteilt und betont, dass Brasilien „niemands Hinterhof“ sei. Trump wiederum hatte den Wahlkampf genau verfolgt und den Zwischenerfolg von Lulas Herausforderer Flávio Bolsonaro nach der ersten Wahlrunde noch als „großartigen Sieg“ bezeichnet.

Vom Fabrikarbeiter an die Staatsspitze

Für viele Brasilianer ist der erneute Wahlsieg Lulas weit mehr als nur ein politisches Comeback – er symbolisiert den Aufstieg der klassischen Arbeiterschicht. Lula wuchs in ärmsten Verhältnissen auf und arbeitete bereits im Kindesalter als Schuhputzer und Straßenhändler. Später absolvierte er eine Lehre zum Metallarbeiter und Dreher in der Automobilindustrie von São Paulo. Ein Arbeitsunfall an einer Hydraulikpresse, bei dem er im Alter von 19 Jahren seinen kleinen Finger verlor, prägt sein Auftreten bis heute.

In den 1970er-Jahren stieg er als gewählter Gewerkschaftsführer an die Spitze der Metallarbeiterbewegung auf und forderte während der damaligen Militärdiktatur mit historischen Streiks das Regime heraus. Aus dieser Bewegung heraus gründete er 1980 die Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores, PT) und stieg schließlich vom einfachen Fabrikarbeiter bis zum Präsidenten auf – eine Biografie, die im heutigen politischen Establishment Lateinamerikas nahezu einzigartig ist.

Vorwurf der Reichweiten-Drosselung: Streit mit Meta überschattet Wahlkampf

Im Zentrum der dramatischen Schlussphase des Wahlkampfs stand jedoch eine juristische und politische Auseinandersetzung mit dem US-Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp. Lulas Wahlkampfteam hatte Meta beschuldigt, durch algorithmische Manipulationen und plötzliche Reichweiten-Drosselungen gezielt pro-Lula-Inhalte zu unterdrücken, während Beiträge des Bolsonaro-Lagers bevorzugt ausgespielt worden seien. Unter anderem fehlten bei Beiträgen des amtierenden Präsidenten zeitweise Interaktions- und Teilen-Buttons.

Lulas Partei zog daraufhin vor das oberste Wahlgericht Brasiliens (TSE), das Meta unter Androhung hoher Tagesstrafen dazu verpflichtete, die Gleichbehandlung beider Kandidaten unverzüglich sicherzustellen. Während der US-Konzern die Vorwürfe einer bewussten Beeinflussung zurückwies und von technischen Fehlern sprach, machten Proteste vor Firmengebäuden die Rolle digitaler Plattformen zum zentralen Thema. In seinen ersten Erklärungen nach dem Sieg sprach Lula explizit davon, dass das Land Versuchen der Einflussnahme über globale digitale Netzwerke erfolgreich getrotzt habe.

Herausforderungen für die neue Amtszeit

Mit dem Wahlsieg steht Lula vor der Aufgabe, ein tief gespaltenes Land zu befrieden. Neben der gesellschaftlichen Versöhnung stehen die wirtschaftliche Stabilisierung sowie der Schutz des Amazonas-Regenwaldes ganz oben auf seiner Agenda. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie die Opposition auf das Ergebnis reagiert und welche rechtlichen Nachspiele die Streitigkeiten um die Rolle der Social-Media-Giganten im Wahlkampf haben werden.

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Türkei
Erdoğan entlässt Chefberater Oktay Saral im Kopftuch-Streit mit Aserbaidschan

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Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seinen Chefberater Oktay Saral entlassen. Saral hatte das Kopftuchverbot an Schulen in Aserbaidschan kritisiert und Baku aufgefordert, es zurückzunehmen. Berichten zufolge hatte die aserbaidschanische Seite seine Ablösung verlangt. Offiziell haben weder Ankara noch Baku Gründe für den Schritt genannt.

Saral bestätigte die Entlassung am Sonntag. „Ich habe absoluten Respekt vor der Entscheidung des Präsidenten“, sagte er Middle East Eye. Dem Journalisten Talat Atilla sagte er laut der Zeitung Karar: „Wir sind nicht an Ämter gebunden. Unser Präsident hat mich ernannt, auf seine Anweisung bin ich ausgeschieden.“ Er habe „keinen Groll gegen niemanden“. Auf die Frage, ob seine Äußerungen zu Aserbaidschan der Grund gewesen seien, antwortete er: „Ja, so scheint es.“ Und weiter: „Wichtig ist die Republik Türkei.“

Streit um das Kopftuch

Aserbaidschans Regierung hatte im September eine Regelung beschlossen, die Kleidung verbietet, die „nicht mit dem Prinzip des Säkularismus vereinbar“ sei. Das Wort Kopftuch kommt darin nach Angaben der Zeitung The National nicht ausdrücklich vor.

Weil die Vorschriften zusätzliche Kleidungsstücke einschränken, wird sie aber als faktisches Kopftuchverbot an Grund- und weiterführenden Schulen kritisiert. Das staatliche Fernsehen erklärte, die Regeln sollten Versuche stoppen, der nationalen Identität arabisch-persische Werte hinzuzufügen.

Vor dem aserbaidschanischen Konsulat in Istanbul gab es Proteste. Das Innenministerium in Baku gab an, 37 Menschen seien festgenommen worden, weil sie beim Widerstand gegen die Umsetzung die öffentliche Ordnung gestört hätten. NetBlocks meldete Einschränkungen bei TikTok, Instagram und X bei mehreren Internetanbietern. Videos zeigten weinende Schülerinnen, die nach eigenen Angaben nicht in die Klassenzimmer gelassen worden seien.

Saral schrieb in sozialen Medien: „Dass kopftuchtragenden Schülerinnen in Aserbaidschan das Recht auf Bildung verwehrt wird, ist inakzeptabel!“ Das Kopftuch sei „kein Hindernis, sondern eine Pflicht des Glaubens“. Das Recht auf Bildung dürfe „keiner ideologischen Zwangsmaßnahme geopfert werden“. Man erwarte, dass Aserbaidschan „so schnell wie möglich“ von diesem Fehler abrücke. Die AKP-Abgeordnete Zehranur Aydemir sprach von einer „Verletzung der Religionsfreiheit und des Rechts auf Bildung“.

Reaktion aus Baku

Die Partei Neues Aserbaidschan (YAP) von Präsident Ilham Aliyev verurteilte Saral und AKP-Politiker, die Aserbaidschans Praxis kritisiert hatten. Hochrangige türkische Vertreter sollten die Souveränität, die Verfassungsordnung und die inneren Angelegenheiten des Landes respektieren.

Die AKP solle ihre Äußerungen aufgeben. Die YAP nannte die türkischen Kommentare „populistisch und unverantwortlich“. Kein Staat der islamischen Welt habe das Recht, anderen muslimischen Völkern seinen Willen zu diktieren, hieß es. Türkei und Aserbaidschan sollten „hegemoniale Tendenzen in der islamischen Welt“ vermeiden.

Middle East Eye berichtete am 20. Oktober, Baku habe Ankara aufgefordert, Saral von seinem Posten zu entfernen. Zudem solle die Türkei juristisch gegen Beiträge in sozialen Medien vorgehen, die Aliyev beleidigten, und bestimmte Konten sperren. Drei Beamte und eine weitere Quelle hätten die Forderung bestätigt. Offiziell bestätigt wurde sie von keiner Regierung.

Außenminister Hakan Fidan sagte bei einem Besuch in Baku, die Probleme sollten im Dialog gelöst werden. Es gebe „absolut keinen Anlass“, sie zu Propaganda in sozialen Medien zu machen. Sein Besuch löste laut Middle East Eye feindselige Berichte in aserbaidschanischen Medien aus. Frühere türkische Versuche, die Spannungen zu entschärfen, seien gescheitert.

Gipfel der Turkstaaten

Die Entlassung fällt in die Woche, in der die Türkei Gastgeber des Gipfels der Organisation der Turkstaaten sein soll. Erdoğan lud Aliyev am Donnerstag telefonisch ein. Beide Seiten ließen offen, ob Aliyev kommt. Türkische Beamte fürchteten Berichten zufolge, er könnte wegen der Proteste in der Türkei fernbleiben. Eine aserbaidschanische Quelle sagte Middle East Eye: „Sarals Entfernung würde Aliyev ermutigen, am Gipfel teilzunehmen.“ Vor der Entscheidung habe die Wahrscheinlichkeit „unter fünfzig Prozent“ gelegen.

Die Türkei hatte Kopftücher in den 1990er-Jahren an Schulen, Universitäten und im öffentlichen Dienst verboten. Aserbaidschan hat 10,4 Millionen Einwohner, die Mehrheit gehört dem schiitischen Islam an. Beide Länder verbindet ein Verteidigungspakt und ein Handelsvolumen von Milliarden Dollar, und sie bezeichnen ihre Beziehung oft als „eine Nation, zwei Staaten“.

Der Analyst Sabir Askeroglu sieht den Schaden eher auf gesellschaftlicher Ebene durch schwindendes Vertrauen als in den Beziehungen der Staaten. Vasif Huseynov vom staatlichen Zentrum für Analyse internationaler Beziehungen sagte, die Regeln schützten nationale Werte und den Säkularismus, die türkische Erfahrung mit Kopftuchverboten sei auf Aserbaidschan nicht übertragbar.

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Druck aus Aserbaidschan: Netanjahu blockiert „Völkermord-Resolution“

Israel-Wahlen
Israel: Netanjahu warnt vor Atomkrieg bei Wahlniederlage

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Tel Aviv – Zwei Tage vor der Parlamentswahl in Israel hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine KI-generierte Grafik verbreitet, die einen Atompilz über Tel Aviv zeigt. Dazu teilte er die Warnung des rechten Kommentators Yuval Bloomberg vor einem „zweiten Holocaust“, falls die Wähler einen Regierungschef wählten, der die Aufgabe gegenüber Iran nicht zu Ende bringe.

Oppositionspolitiker Jair Lapid reagierte mit mehreren Beiträgen und sagte im Fernsehen, Netanjahu sei „komplett von den Gleisen abgekommen“.

Netanjahu hatte die Grafik am Sonntag auf X geteilt. Sie zeigt eine Pilzwolke über der Skyline einer Großstadt. In dem Beitrag, den er weiterverbreitete, heißt es, der Staat Israel befinde sich in „realer und greifbarer existenzieller Gefahr“. Wenn die Iraner Atomwaffen erhielten, werde „nichts anderes mehr eine Rolle spielen“. Wer einen Regierungschef wähle, der die Aufgabe gegenüber Iran nicht zu Ende bringen könne, setze sich und seine Familie der „Gefahr eines zweiten Holocaust“ aus. Haaretz fasste den Vorgang so zusammen, Netanjahu warne vor einem „zweiten Holocaust“, falls er verliere.

Die Debatten um die Katar-Affäre und die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe nannte der Autor einen „riesigen Nebelvorhang“, der von dem einen Thema ablenken solle, das alles andere überrage. Bloomberg schrieb außerdem: „Wir haben noch zwei Jahre Trump, um die Aufgabe im Iran zu beenden, und es ist nicht vorherzusehen, was danach kommt.“

Reaktionen aus der Opposition

Der Chef der Partei Jaschar, Gadi Eisenkot, nannte Netanjahu laut Berichten „hysterisch“ und warf ihm Lügen und Angstmache vor. Das Volk werde ihn an der Wahlurne zurückweisen. Der Vorsitzende der Demokraten, Yair Golan, schrieb, der Ministerpräsident habe das Bild einer Atombombe über Tel Aviv veröffentlicht, und forderte, Netanjahu von den sozialen Medien fernzuhalten. Netanjahu wies Vorwürfe zurück, er treibe eine Erneuerung des Krieges gegen Iran voran, um die Wahl zu beeinflussen.

Nach den letzten Umfragen vor der Wahl, die Haaretz zusammenfasst, liegt Eisenkot vor Netanjahu, beide verfehlen demnach eine Mehrheit.

Lapid: „Insgesamt logisch“

Lapid griff Netanjahus Wahlkampf in mehreren Beiträgen auf X an. „Netanjahus Kampagne: Der Staat Israel ist in Vernichtungsgefahr, deshalb habe ich beschlossen, auf die amerikanische Sicherheitsunterstützung zu verzichten, mich Sanktionen zu unterwerfen, die die Wirtschaft zerstören werden, und alle katarischen Agenten in meinem Büro zu belassen. Insgesamt logisch“, schrieb er sarkastisch.

In einem weiteren Beitrag warnte Lapid, Netanjahu habe den Polizeichef nur eingeladen, damit der Staat aufhöre, über ein Interview zu sprechen. Darin habe Netanjahu die Fassung verloren und angekündigt, dass Israel im Falle seiner Wahl auf Sanktionen zusteuere, auf eine Wirtschaft wie die des Iran und Nordkoreas, und auf die Kündigung der Sicherheitsabkommen mit den USA.

Netanjahu habe zudem versprochen, die Hamas in Gaza zu vernichten und die Wirtschaft in Israel wieder aufzubauen, so Lapid. „Und seitdem stützt er die Hamas in Gaza und zerstört die Wirtschaft in Israel.“

Zugespitzt formulierte er Netanjahus Kampagne so: „Wählt mich, und ihr bekommt ein isoliertes, gewalttätiges, gehasstes Land mit einer zerstörten Wirtschaft, Sanktionen, die zu wahnsinnigen Preiserhöhungen führen, und ohne militärisches Bündnis mit den Vereinigten Staaten.“ Dann folgte laut Lapid ein „Bonus“: „Die Haredim werden nicht eingezogen, und Deri erhält Dutzende Milliarden Schekel.“

In einem Interview mit dem Fernsehsender Kanal 12 sagte Lapid: „Netanjahu ist komplett von den Gleisen abgekommen.“

Was Netanjahu zu Sanktionen gesagt haben soll

Lapids Angriffe beziehen sich auf Aussagen Netanjahus, über die am 23. Oktober berichtet wurde. Laut dem Axios-Journalisten Barak Ravid sagte er, Israel müsse sich auf „Bankensanktionen“ und eine „Umgehungswirtschaft“ vorbereiten. Auch die US-Sicherheitshilfe sei „vorbei“. Ynet gab die Aussage so wieder, dass die Hilfe bald enden werde, die Berichte weichen hier also voneinander ab. Die Times of Israel berichtete, er habe von der Vorbereitung auf globale Sanktionen und von Blockchain-Technik zu deren Umgehung gesprochen. Wirtschaftswissenschaftler, die Bank of Israel und Oppositionsführer kritisierten den Plan scharf.

Außerdem soll Polizeichef Daniel Levy Netanjahu und den Minister Itamar Ben-Gvir getroffen haben, ohne dass Opposition oder Wahlkommission dabei waren. Die Generalstaatsanwältin hatte Einwände, die Zentrale Wahlkommission genehmigte das Treffen.

Warnungen vor Angriffen Irans

Netanjahu sagte am Sonntag an einer Arrow-Raketenabwehrbatterie: „Wir haben Geheimdiensthinweise, dass Iran und seine Stellvertreter uns mit Angriffen herausfordern könnten, um die Wahlen zu stören.“ Er fügte hinzu: „Testet uns nicht.“

Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Samstag im Sender Kan, Israel habe vor der Wahl keine Kampagne gegen Iran begonnen und beginne auch keine. Er warf der Opposition vor, mit gegenteiligen Andeutungen unverantwortlich zu handeln. Eisenkot sagte am Donnerstag, es gebe keine direkte, unmittelbare iranische Bedrohung, die vor der Wahl einen Krieg erfordere. Generalstabschef Eyal Zamir soll laut Kanal 13 in einer nicht öffentlichen Sitzung gesagt haben, er sehe keinen operativen Bedarf für einen Schlag gegen Iran vor der Wahl.

Gewählt wird am Dienstag.

Psychologie
Netflix-Neuauflage: Streit um das Stanford-Prison-Experiment

Los Gatos – Netflix hat am 21. Oktober die Serie „The New Stanford Prison Experiment“ veröffentlicht. In sechs Folgen werden 30 Freiwillige zufällig in Wärter und Gefangene eingeteilt und in einem echten Gefängnis untergebracht. Die Produktion greift damit ein Experiment von 1971 auf. Es steht bis heute in Lehrbüchern und wurde in Deutschland durch den Kinofilm „Das Experiment“ (2001) bekannt. Sein wissenschaftlicher Wert wird jedoch von Kritikern in Zweifel gezogen.

Gedreht wurde nach Angaben der Stanford Daily in einem stillgelegten Trakt des Cherokee County Adult Detention Center im US-Bundesstaat Georgia. Die Serie ist nicht geskriptet. Die Produzenten hätten sich für ein echtes Gefängnis entschieden, um eine realistische Umgebung zu schaffen. Die Gruppe sei zudem vielfältiger zusammengesetzt als beim Original: Die Produktion nennt Unterschiede bei Herkunftsort, Geschlecht, politischer Überzeugung, sozialem Hintergrund und Lebenserfahrung. Auf der Plattform lautet die zentrale Frage: „Korrumpiert Macht?“

Sechs Tage im Keller

Das Original leitete der Psychologe Philip Zimbardo im August 1971 an der Stanford University. Von 75 Bewerbern wählte er 24 Männer aus. Je die Hälfte wurde zufällig zu Wärtern und Gefangenen bestimmt. Das Scheingefängnis entstand im Keller der Jordan Hall, des Psychologiegebäudes der Universität.

Geplant waren ein bis zwei Wochen. Zimbardo beendete das Experiment nach sechs Tagen. Zuvor hatte Christina Maslach das Scheingefängnis besucht. Laut Darstellungen des Experiments war sie entsetzt, dass Wärter Gefangenen Säcke über den Kopf zogen, und stellte Zimbardo wegen der Zustände und der Moral der Studie zur Rede. Auch Eltern, die ihre Söhne am Besuchstag nur kurz und unter Aufsicht sehen durften, machten sich Sorgen. Einige hätten Anwälte einschalten wollen.

Lange galt der Versuch als Beleg dafür, dass Menschen in bestimmten Rollen und Umgebungen Grausamkeit entwickeln können.

Wachen mit einem Gefangenen während des Stanford-Gefängnis-Experiments.

Kritik am Original

Seit Jahren wird diese Lesart bestritten. Der Forscher Thibault Le Texier wertete für eine 2019 in der Fachzeitschrift „American Psychologist“ erschienene Studie Archivmaterial aus und sprach mit 15 Teilnehmern. Er kam zu dem Schluss, die Wärter seien nicht sich selbst überlassen gewesen.

Zimbardo habe ihnen bei der Einweisung am 14. August die Ziele der Studie erklärt, sie hätten außerdem konkrete Hinweise und Taktiken erhalten. Zimbardo erklärte später, es habe „keine formalen oder detaillierten Anweisungen“ gegeben, wie man ein wirksamer Wärter sei. Das Archivmaterial widerspreche dem, so Le Texier. Zimbardo und Kollegen nannten die Kritik größtenteils persönlich motiviert und warfen Le Texier vor, gegenteilige Daten zu ignorieren.

Auch zum Fall des Gefangenen Douglas Korpi gibt es Streit. Er verließ das Experiment nach etwa 36 Stunden nach einem scheinbaren Zusammenbruch. In einem Interview von 2017 sagte Korpi, er habe den Zusammenbruch vorgetäuscht, um für das Graduate Record Exam zu lernen, einen Zulassungstest für Aufbaustudiengänge. Zimbardo erklärte 2018, der Zusammenbruch müsse als echt gewertet werden, und er halte das Interview von 2017 für eine Lüge. Le Texier führt Korpis Aussage als Argument gegen die Darstellung vom „Zusammenbruch“ an.

Eine teilweise Wiederholung gab es 2002 mit der BBC Prison Study der Psychologen Alex Haslam und Steve Reicher. Den Wärtern wurde dort nicht vorgegeben, wie sie sich verhalten sollen, sie sollten selbst herausfinden, wie sie das Gefängnis führen. Die Ergebnisse stellten laut den Autoren die Vorstellung infrage, dass Menschen mechanisch in Rollen hineinrutschen, und hoben die Rolle von Führung hervor.

Die BBC strahlte dazu eine Dokureihe mit dem Titel „The Experiment“ aus. 2018 erklärten Zimbardo, Reicher und Haslam gemeinsam, beide Experimente seien gültig. Sie räumten zugleich ein, dass das Verhalten auch andere Ursachen gehabt haben könne, und sprachen sich für weitere Wiederholungen aus.

Netflix verweist auf Sicherheitsvorkehrungen

Executive Producerin Jane Lipsitz räumte laut Stanford Daily die Empörung über das Projekt ein. „Wenn wir einfach das Original nachstellen würden, wäre das unvertretbar“, sagte sie. Ihr Team habe mehr als ein Jahr an der Serie gearbeitet. Anders als 1971 gebe es andere Teilnehmer, Sicherheitsvorkehrungen und Umstände. Man wolle fragen, ob Macht Menschen zwangsläufig verändere.

Die Produktion nennt Einwilligung der Teilnehmer, psychologische Tests, ein Codewort zum Ausstieg sowie Psychologen und einen Sanitäter, die rund um die Uhr erreichbar seien. Produzenten und Psychologen hätten das Geschehen beobachtet und hätten eingreifen können, wenn das Wohl eines Teilnehmers gefährdet gewesen wäre.

Kritik kommt auch aus Stanford selbst. Die Studentin Anh-Thu Dang sagte der Stanford Daily, die Serie gebe „der psychologischen Fakultät von Stanford einen schlechten Ruf“. Es sei unfair, die Fakultät über das Original zu definieren, da sie heute zu ethischer und offener Wissenschaft arbeite. Das Psychologische Institut wollte sich auf Anfrage der Stanford Daily nicht äußern, mehrere Professoren ebenfalls nicht.

Der deutsche Film

In Deutschland kennen viele das Thema vor allem aus dem Kinofilm „Das Experiment“ von Oliver Hirschbiegel aus dem Jahr 2001. Moritz Bleibtreu spielt darin einen früheren Journalisten, der sich als Taxifahrer für ein bezahltes Gefängnis-Experiment meldet. Wärter missbrauchen dort nach und nach die Gefangenen, die Wissenschaftler greifen nicht ein, die Gewalt eskaliert.

Der Film beruht auf Mario Giordanos Roman „Black Box“ und ist vom Stanford-Experiment inspiriert. Er ist eine fiktive Geschichte, keine Verfilmung der Ereignisse von 1971. 2010 erschien eine US-Neuverfilmung mit Adrien Brody und Forest Whitaker.

Krise im Nahen Osten
Türkei: Bunker und Kampfdrohnenpläne befeuern Kriegsspekulationen

Ankara – Die Türkei baut Schutzräume in allen 81 Provinzen, der Generalstabschef nennt Produktionsziele von Millionen Drohnen, und die Lage in der Region bleibt angespannt. In sozialen Medien bringen Beobachter beides miteinander in Verbindung und spekulieren über einen möglichen Krieg.

Auslöser der Debatte ist eine Äußerung von Generalstabschef Selçuk Bayraktaroğlu. Bei der Übung Denizkurdu-I/2026 sagte er am 24. September an Bord der TCG Anadolu: „In fünf Jahren lautet das Ziel 5 Millionen UAVs, in zehn Jahren sollen 10 Millionen UAVs produziert werden.“ Die Produktionskapazität der türkischen Rüstungsindustrie reiche aus, dieses Ziel zu erreichen. An der Übung nahmen nach seinen Angaben rund 14.000 Soldaten, 100 Schiffe und 50 Flugzeuge teil. Gezeigt wurden unter anderem Drohnen vom Typ Kalkan sowie das Kamikaze-Boot Pirana.

Zugleich läuft der Bau von Schutzräumen. Berichten zufolge hatte Präsident Recep Tayyip Erdoğan ein landesweites Programm genehmigt, mit dem die Wohnungsbaubehörde TOKİ beauftragt wurde. Schutzräume sollen demnach in allen 81 Provinzen entstehen, zum Schutz vor Kriegen, Naturkatastrophen und nuklearen Bedrohungen. Die bestehende Infrastruktur gilt als unzureichend. Viele vorgeschriebene Schutzräume in Großgebäuden wurden laut den Berichten als Parkplätze oder Lager genutzt. Als Vorbild sollen Modelle aus Japan und der Schweiz dienen.

Beobachter in sozialen Medien sehen in den beiden Meldungen ein Zeichen, dass sich das Land auf einen Konflikt vorbereite.

Was die Regierung sagt

Die Regierung weist Kriegsspekulationen zurück. Das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation der Kommunikationsdirektion des Präsidialamts erklärte am 30. März 2026, die Türkei habe „von Beginn an“ erklärt, keine Kriegspartei zu sein. Behauptungen, das Land werde an der Seite Irans in den Krieg eintreten oder in den Libanon einmarschieren, bezeichnete es als Desinformation und Teil psychologischer Kriegsführung. Die Öffentlichkeit solle „unbegründeten Behauptungen“ keinen Glauben schenken und nur offizielle Mitteilungen beachten.

Westbank-Krise
Linken-Politikerin zu Israel: Bundesregierung mitverantwortlich für „die nächsten Verbrechen“

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Berlin – Israel bereitet eine vollständige Abriegelung des Westjordanlands vor. Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Lea Reisner, macht die Bundesregierung dafür mitverantwortlich: Sie trage Mitverantwortung für die „nächsten Verbrechen gegen die Palästinenser*innen“.

Auf X schrieb Reisner:

„Die Bundesregierung ist mitverantwortlich für die nächsten Verbrechen gegen die Palästinenser*innen.“ Man werde „wieder besorgte Worte der Bundesregierung hören, denen wieder keine Taten folgen“. Es brauche einen „Stopp der Waffenlieferungen, Sanktionen und die Anerkennung Palästinas“.

Anlass ist die Meldung, Israel bereite eine „vollständige Abriegelung“ des Westjordanlands vor.

Hintergrund: Großoperation in Hebron

Auslöser ist ein Anschlag an einem israelischen Militärkontrollpunkt bei Hebron am Freitag. Dabei sind zwei israelische Soldaten getötet worden. Die beiden mutmaßlichen palästinensischen Schützen seien erschossen worden.

Israels Militär kündigte am späten Freitag eine „Anti-Terror“-Operation im Raum Hebron an. Beteiligt seien Soldaten, Polizei und weitere Sicherheitskräfte. Sie solle „mehrere Tage“ dauern. Zusätzlich seien Einsätze in „Dutzenden“ weiteren Gebieten im Westjordanland geplant.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ordnete eine vollständige Abriegelung des Westjordanlands an. Die Streitkräfte würden in dem Hebroner Viertel, aus dem die mutmaßlichen Täter stammten, „von Haus zu Haus“ gehen. Er sagte: „Wir werden daran arbeiten, diesen Ort zu zerstören und ihn vollständig zu verändern.“

Netanjahu kündigte außerdem „umfangreiche Verhaftungswellen“ an. Man werde Hamas-Kämpfer verfolgen, „wo immer sie sind und zu jeder Zeit“. Die Operation soll nach seinen Angaben Abrisse und Zwangsvertreibungen umfassen. Das Vorgehen entspricht laut Al Jazeera den Methoden, die zuvor in Flüchtlingslagern im Norden des Westjordanlands angewendet wurden.

Hunderte Häuser durchsucht, rund 300 Familien vertrieben

Nach Angaben der Palästinensischen Gefangenengesellschaft durchsuchten israelische Kräfte bis Samstagmorgen Hunderte Häuser im Raum Hebron. Dutzende davon seien in militärische Verhörzentren umgewandelt worden. Im Viertel al-Dschalda seien rund 300 palästinensische Familien vertrieben worden, berichteten Al-Jazeera-Reporter vor Ort. Auf Aufnahmen, die Palästinenser auf Telegram verbreiteten, seien Soldaten, Militärfahrzeuge, Einkaufswagen und andere Gegenstände zu sehen, die Straßen blockierten.

Israelische Bulldozer hätten zudem ein dreistöckiges Gebäude in Hebron zerstört. Weitere palästinensische Familien im Gebiet Ein Deir Bahha und Umgebung seien aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen.

Der palästinensische Aktivist und Politikanalyst Issa Amro aus Hebron sagte, knapp 800.000 Palästinenser im Gouvernement Hebron stünden „unter Belagerung“. Seit Samstagmorgen seien „alle Ein- und Ausgänge geschlossen“. Viele vertriebene Familien hätten die Häuser bereits in der Nacht verlassen, „ohne genügend Waren oder Kleidung mitzunehmen, ohne die Schulranzen der Kinder“. Er sagte Al Jazeera: „Sie liefen voller Angst, ohne zu wissen, wohin.“

Auch im Norden des Westjordanlands gingen die Razzien weiter. Israelische Kräfte drangen laut Al Jazeera in mindestens 15 Ortschaften ein, darunter Nablus, Dschenin, Tubas und Kalkilia. Zwischen Freitag und Samstagmorgen seien etwa 70 Menschen festgenommen und Hunderte weitere verhört worden, so die Gefangenengesellschaft.

Al-Jazeera-Reporterin Nour Odeh berichtete aus Ramallah von „viel Angst“ im gesamten besetzten Gebiet. Die Menschen blieben weitgehend von den Straßen fern. Es gebe „große Furcht“, dass das Vorgehen, das Netanjahu als erfolgreiches Modell aus den Flüchtlingslagern Tulkarem und Dschenin bezeichnet habe, auch in Hebron „Monate außerhalb der Häuser“ bedeuten könnte, „und möglicherweise den Verlust der Häuser durch massive Abrisse“.

Kritik von B’Tselem, Wahl am Dienstag

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem warnte, die geplante Offensive der Regierung komme „kollektiver Bestrafung und Handlungen, die Kriegsverbrechen darstellen könnten“, gleich.

Die Abriegelung erfolgt wenige Tage vor der Parlamentswahl in Israel am kommenden Dienstag. Laut der Times of Israel hatte Israel bereits zuvor geplant, das besetzte Gebiet im Zusammenhang mit der Wahl abzuriegeln.

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Israel-Krise
Israel: Netanjahu empfiehlt Krypto gegen Sanktionen und mögliche Krise

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Tel Aviv – Angesichts wachsender internationaler Spannungen, drohender Handelsbeschränkungen und des zunehmenden Drucks auf das israelische Bankensystem hat Premierminister Benjamin Netanjahu einen bemerkenswerten Schritt veranlasst:

Offiziellen Berichten zufolge soll eine umfassende Strategie auf Basis von Blockchain-Technologie und Kryptowährungen ausgearbeitet werden, um Israel im Ernstfall vor potenziellen wirtschaftlichen Sanktionen und restriktiven Maßnahmen im globalen Zahlungsverkehr zu schützen.

Der Vorstoß verdeutlicht die Sorge der israelischen Regierung vor einer wirtschaftlichen Isolation, die durch eine Kombination aus politischem Druck westlicher Staaten, gezielten Handelsregulierungen und internationalen Boykottbewegungen droht.

Während traditionelle Finanzwege bei schärferen Sanktionen durch den Ausschluss aus dem internationalen SWIFT-System oder Kontensperren gefährdet sein könnten, sollen digitale Währungen und dezentrale Ledger-Technologien alternative Kanäle für den Außenhandel und staatliche Transaktionen öffnen.

Einordnung durch Experten: Parallelen zu Russland und dem Iran

Besondere Beachtung fand das Vorhaben in Fachkreisen. Der israelische Geopolitik-Analyst und Strategieforscher Dr. Shaiel Ben-Ephraim – ein ehemaliger Geheimdienstoffizier der IDF-Einheit 8200 und früherer Diplomat des israelischen Außenministeriums – bewertete die entsprechenden Einlassungen Netanjahus als äußerst aufschlussreich.

Nach Ansicht von Ben-Ephraim offenbart der Plan drei wesentliche Aspekte:

  1. Sanktionsumgehung nach Muster von Autokratien: Netanjahu bereite Israel offenkundig auf eine Zukunft vor, in der das Land ähnlichen wirtschaftlichen Restriktionen ausgesetzt sein wird wie Russland oder der Iran. Die Annahme sei, dass Israel das Überleben unter Sanktionen ähnlich wie diese Staaten bewerkstelligen könne.

  2. Erosion des US-Bündnisses: Der Premierminister scheine einzukalkulieren, dass Israel die aktive und bedingungslose amerikanische Unterstützung verliert oder sich dieser nicht mehr sicher sein kann.

  3. Funktionsweise für eine Elite: Eine Blockchain-gestützte Notfallökonomie sei in der Praxis kaum darauf ausgelegt, die gesamte Bevölkerung vor Armut zu schützen, sondern diene primär einer politischen und wirtschaftlichen Elite dazu, handlungsfähig zu bleiben.

Kritiker wie Ben-Ephraim warnen daher, dass ein solcher Kurs das Land langfristig in eine isolierte Kleptokratie verwandeln könnte, während die Regierung ihre militärische Linie im Gazastreifen und im Westjordanland ungeachtet internationaler Verurteilungen fortsetzt.

Wachsender Druck: Handelssanktionen und europäische Initiativen

Die Diskussion um mögliche finanzielle und wirtschaftliche Strafmaßnahmen findet vor dem Hintergrund einer spürbaren Abkühlung der Beziehungen zu mehreren westlichen Partnern statt. Bereits zuvor hatten zwölf westliche Staaten – darunter Großbritannien, Frankreich, Kanada, Spanien, Schweden und die Niederlande – angekündigt oder beschlossen, den Handel mit Waren aus israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland einzuschränken. Die Regierungen begründeten diesen Schritt damit, dass der fortgesetzte Siedlungsausbau und die Gewalt radikaler Siedler eine Zwei-Staaten-Lösung systematisch untergraben.

Israel reagierte auf diese nationalen Alleingänge scharf. Unter anderem wurden diplomatische Gegenmaßnahmen ergriffen, wie die angekündigte Schließung des britischen Konsulats in Ostjerusalem und der Ausschluss britischer Vertreter aus internationalen Gremien.

In israelischen Medien wie der Tageszeitung Yedioth Ahronoth wurde das Vorgehen der westlichen Staaten als schwerer diplomatischer Rückschlag für die Regierung Netanjahu gewertet. Die Sorge geht in Tel Aviv vor allem dahin, dass europäische Unternehmen aus Angst vor rechtlichen Grauzonen und bürokratischem Aufwand künftig gänzlich auf den Import israelischer Produkte verzichten könnten – ein schleichender Boykott, der weit über die eigentlichen Siedlungswaren hinausreicht.

Die Rolle der BDS-Bewegung und globaler Boykotts

Neben staatlichen Sanktionen und Handelsbeschränkungen blickt Israel seit Jahren mit großer Sorge auf zivilgesellschaftliche Kampagnen. Im Zentrum steht dabei die international agierende BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions). Die palästinensisch geleitete Organisation ruft weltweit zu wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Boykotts gegen Israel auf, bis das Land das Völkerrecht einhält und die Besatzung der palästinensischen Gebiete beendet.

Während Befürworter von BDS die Kampagne als gewaltfreies Mittel zur Durchsetzung von Menschenrechten betrachten, stuft die israelische Regierung die Organisation als antisemitisch und als strategische Delegitimierungskampagne ein. Israel hat in den vergangenen Jahren massiv diplomatische und finanzielle Ressourcen mobilisiert, um den Einfluss von BDS einzudämmen, und in einigen westlichen Ländern – darunter auch in Deutschland – wurden politische Beschlüsse gefasst, die bestimmte Aktivitäten der Bewegung kritisieren oder staatliche Förderungen für BDS-nahe Organisationen untersagen.

Dezentrale Absicherung für den Ernstfall

Die nun bekannt gewordenen Pläne zur Nutzung von Kryptowährungen und Blockchain-Technologien zeigen, dass sich Israel intensiv auf Szenarien vorbereitet, in denen traditionelle diplomatische und finanzielle Kanäle versagen könnten.

Durch den Einsatz fälschungssicherer und dezentraler Netzwerke hofft die Regierung, den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr und die Beschaffung kritischer Güter auch bei schärferen westlichen Wirtschaftssanktionen oder logistischen Blockaden aufrechtzuerhalten. Ob und in welchem Umfang ein solcher digitaler Schutzschild im Ernstfall greifen kann, bleibt angesichts der globalen Regulierung von Kryptowährungen jedoch umstritten.

 


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Israel verurteilt Sanktionen aus Europa

Frankreich
Paris: Bürgermeister verurteilt „islamfeindlichen Angriff“

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Paris – „Rassistisch“ und „islamfeindlich“: Mit diesen deutlichen Worten hat Ali Rabeh, der Bürgermeister des Pariser Vororts Trappes, die tödlichen Schüsse von Freitagnachmittag verurteilt. Während die Ermittlungen zum genauen Motiv des Schützen laufen, spricht Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bereits von einem historischen „Wendepunkt“ für die Republik.

Der Anschlag ereignete sich am helllichten Tag im von Einwanderern geprägten Trappes auf den Außenbezirken von Paris. Laut Augenzeugen und ersten Berichten der Behörden feuerte ein Mann sporadisch aus seinem Auto heraus. Die Ziele des Schützen zeugen von brutaler Willkür: Eine Tankstelle, ein medizinisches Zentrum und ein Kinderspielplatz wurden ins Visier genommen.

Eine Person verstarb noch vor Ort. Fünf weitere Menschen wurden verletzt – darunter ein 12-jähriges Mädchen, das von acht Kugeln getroffen wurde und im Krankenhaus um ihr Leben kämpft. Die Polizei konnte kurz darauf den 39-jährigen Verdächtigen, den die Behörden als „Kevin T.“ identifizierten, festnehmen. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung stießen Ermittler auf präparierte Gaskanister.

Bürgermeister Rabeh verurteilt Medien

Für den Bürgermeister von Trappes steht das Motiv fest. Ali Rabeh betonte vor Journalisten, dass der Täter gezielt das Feuer eröffnet habe, um Menschen „afrikanischer Herkunft“ zu töten. Der Angriff sei ein Akt puren Rassismus und gelebter Islamophobie.

Rabeh verurteilte im Zuge dessen auch die Rolle der Medien und warnte vor der dramatischen Konsequenz zugespitzter Rhetorik. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) bezog er sich auf einen Auftritt beim Nachrichtensender BFM und erklärte: „Wenn man auf seinen Sendern sagen lässt, dass ‚Trappes wie Kabul‘ sei, beschränkt man sich nicht darauf, eine Stadt und ihre Bewohner zu stigmatisieren. Man nährt die Vorstellung eines Kreuzzugs. Worte haben dramatische Konsequenzen.“

Auch die französische Staatsspitze schaltete sich sofort ein und hob den Vorfall auf die höchste politische Ebene. Präsident Emmanuel Macron trat sichtlich bewegt vor die Presse und stützte die rassistische Einordnung, indem er die Bluttat als „terroristischen und rassistischen“ Angriff verurteilte.

Macron verurteilt Tat

Für den Staatschef markiert dieser Freitag einen tiefen Einschnitt in der jüngeren Geschichte des Landes: „Es ist das erste Mal, dass wir einen terroristischen Akt erleben, der geplant war, um unsere Landsleute, unsere Kinder, aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion zu töten“, so Macron vor Reportern. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Unternehmen übernommen.

Die Schüsse von Trappes treffen Frankreich in einer Phase extremer gesellschaftlicher Zerrissenheit. Nach gewaltsamen landesweiten Protesten am vergangenen Wochenende war die Stimmung im Land ohnehin aufgeheizt. Die kommenden Tage werden zeigen, wie die französische Politik auf diesen von den lokalen Behörden als „islamfeindlich“ bezeichneten Angriff reagiert – und ob die Justiz die Behauptungen über das rassistische Motiv im Zuge des Verfahrens offiziell bestätigt.

 


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Verkehrssicherheit
Zeitumstellung: Erhöhtes Risiko für Wildunfälle Besondere Aufmerksamkeit während der Dämmerung

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München – Mit der Zeitumstellung am Wochenende müssen sich Autofahrerinnen und Autofahrer vor allem in den frühen Morgen- und Abendstunden wieder vermehrt auf Wildwechsel einstellen. Worauf zu achten ist und wie man sich im Ernstfall richtig verhält, hat der ADAC zusammengestellt.

Laut dem Gesamtverband der Versicherer (GDV) kam es im Jahr 2024 zu rund 276.000 Wildunfällen mit Pkw, das entspricht einem Unfall alle zwei Minuten. Gerade die Phase um die Zeitumstellung stellt ein besonders großes Risiko dar. Der Berufsverkehr fällt in die Dämmerung und damit in eine Zeit, in der Wildtiere auf Nahrungssuche und daher besonders aktiv sind.

Autofahrer sollten deshalb insbesondere bei schlechter Sicht, nasser Fahrbahn und in Waldabschnitten besonders aufmerksam fahren. Wichtig ist, ein ausreichender Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen und den Fahrbahnrand im Blick zu behalten. Taucht ein Tier auf, sollte man das Fernlicht ausschalten, die Geschwindigkeit reduzieren und hupen, damit sich das Wild gegebenenfalls aus der Starre löst. Außerdem sollte man stets mit weiterem Wildwechsel rechnen.

Läuft ein Tier unmittelbar auf die Fahrbahn, gilt: nicht ausweichen und stark bremsen. So lassen sich schwere Unfälle im Gegenverkehr oder an einem Baum vermeiden.

Kommt es zur Kollision, sollte eine Warnweste angezogen, die Unfallstelle mit Warnblinker und Warndreieck abgesichert und die Polizei verständigt werden. Verletzte oder getötete Tiere in keinem Fall anfassen. Für die Schadenregulierung benötigt man außerdem eine Wildschadenbescheinigung.

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Gaza
Nisreen Skaik aus Gaza – 11-jährige YouTuberin für globalen Creator-Award nominiert

Gaza – Ein Lichtblick inmitten von Zerstörung und Belagerung: Die elfjährige Nisreen Skaik aus dem Gazastreifen ist weltweit als Finalistin in der Junior-Kategorie der renommierten Digital Content Creator Awards 2026 ausgewählt worden. Ein Video, das den Moment ihrer Nominierung im engsten Familienkreis zeigt, berührt derzeit Menschen rund um den Globus.

Online hat sich die junge Schülerin unter dem Namen „Das Mädchen mit dem schönen Lächeln“ eine breite Aufmerksamkeit aufgebaut. Mit ihren Beiträgen leistet sie eine außergewöhnliche Form der Dokumentation: Mitten aus dem Alltag im kriegsgeplagten Gazastreifen zeigt sie ungeschönt, wie das Leben für Minderjährige unter den Bedingungen von anhaltender Belagerung, Vertreibung und militärischer Gewalt aussieht.

Ihre Videos erzählen von den täglichen Überlebenskampf, kleinen Momenten der Hoffnung wie dem Pflanzen von Gemüse im eigenen Garten, aber auch von der allgegenwärtigen Zerstörung. Die Bekanntgabe der Nominierung am 12. Oktober löste bei ihr und ihrer Familie Tränen der Rührung und unbändige Freude aus. Die offiziellen Gewinner des globalen Awards sollen am 12. Dezember 2026 verkündet werden.

Die Realität einer ganzen Generation in Zahlen

Nisreen Skaiks Erfolg steht jedoch in einem schmerzhaften Kontrast zu der humanitären Katastrophe, die Kinder in dem Küstenstreifen durchleben müssen. Berichte internationaler Organisationen und der Vereinten Nationen zeichnen seit Beginn der eskalierenden Gewalt im Oktober 2023 ein erschreckendes Bild über die Opferzahlen unter Minderjährigen.

Nach Angaben von UN-Einrichtungen und offiziellen Erhebungen wurden bis Mitte 2026 schätzungsweise mehr als 21.000 Kinder im Gazastreifen getötet, während Zehntausende weitere schwere Verletzungen erlitten. UNICEF-Angaben zufolge beläuft sich die Gesamtzahl der getöteten oder verletzten Kinder im Zuge der anhaltenden Kampfhandlungen mittlerweile auf über 64.000. Selbst nach vereinbarten Waffenruhen fordert die humanitäre Krise weiterhin fast täglich junge Opfer.

Zwischen Trauma und digitalem Überleben

Trotz dieser erdrückenden Statistiken und des Zusammenbruchs der grundlegenden Infrastruktur – darunter Schulen, Krankenhäuser und die medizinische Versorgung – nutzen junge Stimmen wie Nisreen Skaik digitale Plattformen, um der Welt die Gesichter und Geschichten hinter den nackten Zahlen zu zeigen. Sie machen auf das Schicksal einer Generation aufmerksam, die unter extremen Traumata, Mangelernährung und ständiger Vertreibung aufwachsen muss.

Die Nominierung für die Digital Content Creator Awards ist daher weit mehr als nur eine Ehrung für kreative Medienarbeit. Sie fungiert als internationales Sprachrohr für Hunderttausende Kinder in Gaza, deren alltägliche Realität ansonsten im globalen Nachrichtenstrom untergehen würde.

 


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