Christenfeindlichkeit
Israel: Schrecklicher Angriff auf französische Nonne

Jerusalem – In Israel gab es einen weiteren Angriff auf Christen. Wenige Wochen nachdem ein israelischer Soldat im Südlibanon eine Jesusstatue mit einem Vorschlaghammer zerstört hatte, sorgt ein neuer Vorfall für internationale Empörung:

In Jerusalem wurde eine französische katholische Nonne und Archäologieforscherin auf offener Straße brutal angegriffen. Der Vorfall hat eine breite Debatte über die wachsende Christenfeindlichkeit in Israel ausgelöst.

Das Video des Angriffs zeigt, wie ein Mann der Nonne von hinten auf dem Berg Zion folgt — in unmittelbarer Nähe des von Juden verehrten Grabes König Davids und des Abendmahlssaals, dem christlichen Ort des Letzten Abendmahls. Der Angreifer, der dem äußeren Erscheinungsbild nach jüdisch ist, stößt die Frau mit voller Kraft zu Boden, sodass sie nur knapp mit dem Kopf einen Steinblock verfehlt.

Nachdem er einige Schritte weitergegangen ist, kehrt er zurück und tritt auf die am Boden liegende Nonne ein. Erst als ein Passant eingreift, lässt er von ihr ab. Das Gesicht der Nonne wurde aufgeschürft, schwere Verletzungen wurden nicht gemeldet.
Die israelische Polizei verhaftete einen 36-jährigen Mann und erklärte, sie verfolge „null Toleranz gegenüber Gewaltakten“ und nehme jede Gewalttat, „die durch möglicherweise rassistische Motive motiviert ist und gegen Geistliche gerichtet ist“, mit „äußerster Schwere“.

In sozialen Medien wird laut israelischen Journalisten der Name Yonah Schreiber mit dem Verdächtigen in Verbindung gebracht — von offizieller Seite wurde dies jedoch noch nicht bestätigt. Laut Berichten israelischer Journalisten soll Schreiber einer der Gründer des rechtsradikalen Vereins „Der jüdische Sieg“ sein — gemeinsam mit dem rechten Aktivisten Moshe Miron, der dafür bekannt ist, bei Demonstrationen mit dem Schild „Linke sind Verräter“ aufzutreten.

Das französische Konsulat verurteilte den Angriff scharf und erklärte auf X:

„Frankreich fordert, dass der Täter der Aggression für diese Tat zur Rechenschaft gezogen wird und dass Gerechtigkeit geschieht.“

Der Direktor der Französischen Schule für Biblische und Archäologische Forschung in Jerusalem, Pater Olivier Poquillon, bestätigte dass die Nonne Forscherin an seiner Einrichtung sei und erwarte eine entschiedene Reaktion der Behörden.

Die Hebräische Universität Jerusalem erklärte in einer Stellungnahme, die die Jerusalem Post zitierte: „Dies ist kein Einzelfall, sondern Teil eines beunruhigenden Musters wachsender Feindseligkeit gegenüber der christlichen Gemeinschaft und ihren Symbolen.“

Die Nonne sei eine „geschätzte akademische Partnerin bei der Erforschung des Erbes dieses Landes“ gewesen. „Ein Angriff auf ihre Wissenschaftler ist ein Angriff auf die globale wissenschaftliche Gemeinschaft.“

Auch das israelische Außenministerium meldete sich zu Wort und bezeichnete den Angriff als „schändliche Tat, die in direktem Widerspruch zu den Werten des Respekts, des Zusammenlebens und der Religionsfreiheit steht, auf denen Israel gegründet wurde.“

Erzbischof Atallah Hanna, Oberhaupt einer griechisch-orthodoxen Kirche in Jerusalem, warnte auf Facebook: „Der Angriff auf eine Nonne in der Stadt Jerusalem erfolgt inmitten eskalierender Verstöße gegen christliche Einrichtungen in der Stadt.“ Solche Angriffe seien „keine Einzelfälle mehr, sondern Teil eines wiederkehrenden Musters, das die christliche Präsenz bedroht.“ Er forderte internationale Maßnahmen.

Ein Muster wachsender Christenfeindlichkeit

Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Übergriffen ein, die Experten als systematisches Muster bezeichnen. Das Religious Freedom Data Centre (RFDC), ein Netzwerk israelischer Freiwilliger, verzeichnete allein im ersten Quartal dieses Jahres 31 Vorfälle der Belästigung von Christen — überwiegend Anspucken oder die Beschädigung von Kircheneigentum.

Das RFDC betonte jedoch, die tatsächliche Dunkelziffer sei weit höher, da orthodoxe Gemeinden Vorfälle häufig nicht meldeten. Ein Kloster in Mea Shearim erklärte gegenüber der Organisation: „Die Wahrheit ist, wir haben das Haus kaum verlassen. Wenn wir doch ausgingen, spuckten Kinder und verfluchten den Namen des Herrn Jesus. Ich kann nicht sagen, wie oft das vorgekommen ist.“

Wadie Abunassar, Medienkoordinator des Holy Land Christian Forum, bezeichnete Angriffe auf Christen als wachsendes Phänomen. Die schnelle Reaktion auf den Angriff auf die Nonne führte er darauf zurück, dass er auf Video festgehalten wurde. Er äußerte „große Wut auf das System und große Trauer, weil ich das Gefühl habe, dass dies nicht bald enden wird.“

Palästinensische Christen im Westjordanland, deren Gemeinden zu den ältesten der Welt gehören, sehen sich seit Jahren zunehmendem Druck durch israelische Siedler ausgesetzt. Kirchenführer in Jerusalem haben die israelischen Behörden wiederholt aufgefordert, entschieden gegen solche Angriffe vorzugehen.
Blockade heiliger Stätten und der Fall Pizzaballa

Der Angriff ereignete sich zudem kurz nachdem israelische Behörden den Zugang zu heiligen Stätten für Muslime und Christen unter Berufung auf Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg eingeschränkt hatten. Für internationales Aufsehen sorgte bereits der Fall des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, dem am Palmsonntag der Zugang zur Grabeskirche verweigert worden war.

Israelischer Soldat zerstörte Jesusstatue im Libanon

Der Vorfall folgt auf den bereits international verurteilten Fall eines israelischen Soldaten, der im vergangenen Monat im Südlibanon eine Jesusstatue mit einem Vorschlaghammer zerstört hatte. Dieser Soldat sowie ein weiterer, der den Angriff filmte, wurden zu 30 Tagen Haft verurteilt. Premierminister Benjamin Netanyahu erklärte damals, er sei „bestürzt und traurig“ über den Vorfall.

 

Hormus-Krise
Streit mit Merz: USA ziehen Truppen aus Deutschland ab

Berlin/Washington – Das US-Verteidigungsministerium hat den Abzug von rund 5.000 amerikanischen Soldaten aus Deutschland angeordnet.

Der Befehl kam von Verteidigungsminister Pete Hegseth und soll innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate umgesetzt werden. Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte in einer Stellungnahme: „Diese Entscheidung folgt einer gründlichen Überprüfung der militärischen Aufstellung des Ministeriums in Europa und berücksichtigt die Anforderungen des Operationsgebiets sowie die Lage vor Ort.“

Strafe für fehlende Iran-Unterstützung

Hochrangige Beamte des Pentagons bezeichneten den Schritt als klares Signal für Präsident Trumps Unzufriedenheit mit dem Niveau der Unterstützung, das europäische Verbündete im US-Iran-Krieg geleistet haben.

Trump hat die deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und andere NATO-Staatschefs öffentlich dafür kritisiert, dass sie sich nicht direkt an der US-Militärkampagne gegen den Iran beteiligen.

Der Abzug wurde einen Tag angekündigt, nachdem Trump Merz scharf angegriffen hatte. Merz hatte zuvor erklärt, die USA würden vom Iran „gedemütigt“ und verfügten über keine klare Strategie im Iran-Konflikt. Trump reagierte auf Social Media und schrieb, Merz mache „einen schrecklichen Job“ und habe „Probleme aller Art“ — unter anderem bei der Einwanderung und der Energiepolitik.

Trump hat zudem angedeutet, auch US-Truppen aus Italien und Spanien abziehen zu wollen — ebenfalls Länder die sich geweigert haben, ihre Militärbasen und ihren Luftraum für US-Operationen gegen den Iran zur Verfügung zu stellen.

Massive US-Präsenz in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg

Die USA unterhalten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Kalten Krieg eine gewaltige Militärpräsenz in Deutschland. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums waren im vergangenen Dezember mehr als 36.000 aktive Soldaten auf Stützpunkten in ganz Deutschland stationiert — dazu kamen knapp 1.500 Reservisten und 11.500 Zivilangestellte. Nur Japan beherbergt mehr US-Truppen als ein ausländisches Land.

Deutschland ist zudem Sitz des Hauptquartiers des US European Command und des Africa Command. Die Ramstein Air Base gilt als zentraler Knotenpunkt für US-Operationen in Europa und darüber hinaus.
Landstuhl bleibt unberührt

Pentagon-Beamte betonten, dass der Abzug das Landstuhl Regional Medical Center nicht betreffen werde. Das Krankenhaus in Rheinland-Pfalz ist das größte US-Militärkrankenhaus im Ausland und hat seit Beginn des Iran-Krieges zahlreiche durch iranische Angriffe verwundete US-Soldaten versorgt.

Fokus auf Heimatverteidigung und Indo-Pazifik

Einige der aus Deutschland abgezogenen Kräfte sollen in die USA zurückkehren und von dort in andere Regionen verlegt werden. Pentagon-Beamte beschrieben den Schritt als Teil einer breiteren Neuausrichtung auf die Prioritäten des Pentagons — die Heimatverteidigung der USA und die Indo-Pazifik-Region.

Trump, ein langjähriger Kritiker der NATO-Allianz, hat in den vergangenen Wochen wiederholt auf Verbündete eingeschlagen, die sich geweigert haben, an Operationen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus teilzunehmen. Der Abzug aus Deutschland gilt als bisher schwerste konkrete Konsequenz dieser Spannungen.

Gewerkschaften
Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance

Bielefeld – Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der „Neuen Westfälischen“ ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke

„In den Gewerkschaften nicht. Das ist auch ein hoffnungsloses Feld für sie. Wir sind sehr klar zur AfD aufgestellt, da hätte sie keine Chance.“

Man sei dort so klar gegen sie aufgestellt, dass sie keine Chance hätte. Dennoch versuche die Partei, in der Arbeitswelt stärker Fuß zu fassen, erzielt dabei laut seiner Einschätzung bisher aber nur sehr bescheidene Ergebnisse. Mit Blick auf die fast abgeschlossenen Betriebsratswahlen betont er: „In den Verdi-Branchen ist es keiner AfD-nahen, rechten Liste gelungen, Mandate zu erzielen.“

Er räumt jedoch ein, dass durchaus Gewerkschaftsmitglieder die AfD wählen und die Partei versuchen werde, weiter Einfluss zu gewinnen. „Im Osten erleben wir das schon“, schildert er die Lage und führt aus, dass AfD-Politiker bei Krankenhausschließungen oft als Erste vor Ort seien, um solche Themen gezielt zu besetzen.

Der Kampf um die Meinungshoheit in den Betrieben fange seiner Meinung nach gerade erst an. Obwohl Alice Weidel „neoliberal und arbeitnehmerfeindlich bis in die Knochen“ sei, scheue die AfD keinen Sozialpopulismus. Dies mache die Partei letztlich gefährlich.

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Gastkommentar
Antisemitismus: „Alles wird in einen Topf geworfen“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Antisemitismus habe eine Normalisierung erfahren, kritisiert der Zentralrat der Juden. Laut einer aktuellen Umfrage ist fast jede zweite jüdische Gemeinde von Vorfällen betroffen, weshalb viele ihre Identität verbergen. Auch wenn der Wert derer, die sich unsicher fühlen, seit 2024 leicht von 82 auf 68 Prozent gesunken ist, bleibe die Lage für Jüdinnen und Juden in Deutschland zutiefst bedrückend, berichtet die Tagesschau.

Ich finde es zutiefst beunruhigend, dass Menschen sich hier wieder verstecken müssen. Und gleichzeitig frage ich mich: In was für einer Debatte sind wir eigentlich gelandet, wenn plötzlich alles in einen einzigen Topf geworfen wird?

Wenn jedes kritische Wort zur israelischen Regierung oder zum militärischen Vorgehen sofort als Antisemitismus abgestempelt wird – was bleibt dann noch von einer ehrlichen Diskussion übrig? Eine Debatte, die nur noch aus Schlagworten besteht, ist wie ein Nebel, in dem niemand mehr klar sieht.

Ja, Antisemitismus ist real. Ja, jüdische Menschen müssen geschützt werden. Aber ist wirklich jede Kritik daran gleich Hass auf Juden? Oder machen wir es uns gerade viel zu einfach, indem wir komplexe Zusammenhänge plattbügeln?

Der Bericht zeigt, wie viele jüdische Gemeinden betroffen sind, wie Menschen sich zurückziehen, ihre Identität verstecken. Das ist erschütternd. Aber genau deshalb muss man doch differenzieren, statt alles wie mit einem Vorschlaghammer gleichzusetzen.

Und dann diese Reaktionen: lachende Emojis unter solchen Beiträgen. Ernsthaft? Wie kalt kann man sein? Das ist kein Witz, das ist kein Meme – das ist die Realität von Menschen.

Währenddessen passiert etwas anderes, fast im Schatten dieser lauten Debatte: Muslimfeindlichkeit und Araberfeindlichkeit wachsen weiter. Still, aber spürbar. Wie ein Hintergrundrauschen, das immer lauter wird, bis es irgendwann nicht mehr zu überhören ist.

Es gibt Stimmen, die ständig über Islamismus sprechen und dabei den Islam gleich mitverurteilen. Aber was richtet das an? Was macht das mit Menschen, die einfach nur ihr Leben leben wollen?

Mein Mann kann sich nicht verstecken. Er kann seine Identität nicht ablegen wie eine Jacke an der Garderobe. Man sieht ihm an, dass er Araber ist – an seinem Aussehen, an äußeren Merkmalen. Und genau deshalb ist er diesem Klima direkt ausgesetzt. Er kann nicht untertauchen, selbst wenn er wollte. Wie soll man sich schützen, wenn man gar keine Möglichkeit hat, unsichtbar zu werden?

Und während wir hier diskutieren, spitzt sich die Lage international weiter zu: Gaza, Westjordanland, Libanon, Syrien. Täglich neue Bilder, täglich neue Gewalt. Glaubt wirklich jemand, dass das keine Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat?
Vielleicht sollten wir uns fragen: Wem nützt es, wenn wir alles vereinfachen? Wem nützt es, wenn wir Begriffe so lange dehnen, bis sie ihre eigentliche Bedeutung verlieren?

Eine Gesellschaft, die nur noch in Schwarz und Weiß denkt, verliert die Fähigkeit, Grautöne zu erkennen. Und genau dort liegt oft die Wahrheit.

Wenn wir es ernst meinen, dann müssen wir genauer hinschauen. Müssen unterscheiden. Müssen aushalten, dass Dinge kompliziert sind. Und vor allem: müssen wir jede Form von Menschenfeindlichkeit benennen – ohne Scheuklappen und ohne Doppelstandards


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Europarat: Deutschland missbraucht Antisemitismus-Begriff

Gaza
Ärzte ohne Grenzen: „Israel benutzt Wasser als Waffe“

Genf – Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat einen erschütternden Bericht veröffentlicht, der dokumentiert wie israelische Behörden den Zugang zu Wasser als Waffe gegen die palästinensische Bevölkerung in Gaza einsetzen.

Der Bericht mit dem Titel „Water as a Weapon: Israel’s Destruction and Deprivation of Water and Sanitation in Gaza“ beschreibt ein systematisches, wiederholtes und kumulatives Muster der Zerstörung und Verweigerung von Wasserinfrastruktur — und fordert Israel auf, die Wasserversorgung sofort wiederherzustellen.

„Die israelischen Behörden wissen, dass ohne Wasser das Leben endet — und dennoch haben sie die Wasserinfrastruktur in Gaza absichtlich und systematisch zerstört, während sie gleichzeitig konsequent wasserrelevante Lieferungen blockiert haben“, erklärte Claire San Filippo, MSF-Notfallmanagerin.

Neunzig Prozent der Infrastruktur zerstört

Israel hat nach MSF-Angaben nahezu 90 Prozent der Wasser- und Sanitärinfrastruktur in Gaza zerstört oder beschädigt — darunter Entsalzungsanlagen, Bohrlöcher, Pipelines und Abwassersysteme. MSF-Teams dokumentierten, wie israelisches Militär gezielt Wassertankwagen beschoss oder Bohrlöcher zerstörte, die für Zehntausende Menschen überlebenswichtig waren.

Gewalttätige Vorfälle ereigneten sich häufig während der Wasserverteilung — dabei wurden Palästinenser und Hilfsarbeiter verletzt und Ausrüstung beschädigt.

Ein zehnjähriger Junge in der Warteschlange erschossen

Besonders erschütternd ist das Zeugnis der Palästinenserin Hanan aus Gaza-Stadt:

„Mein Enkel war in Nuseirat, im Juli 2025. Er ging um Trinkwasser zu holen. Er stand mit anderen Kindern in der Schlange — und sie töteten ihn. Er war zehn Jahre alt. Wasser holen sollte nicht gefährlich sein.“

Es ist kein Einzelfall. MSF dokumentierte zahlreiche Vorfälle bei denen Palästinenser beim Versuch Wasser zu beschaffen verletzt oder getötet wurden.

MSF: Größter Wasserproduzent nach lokalen Behörden

Nach den lokalen Behörden ist MSF der größte Produzent und einer der wichtigsten Wasserverteiler in Gaza. Dennoch konnte die Organisation zwischen Mai und November 2025 bei jeder fünften Wasserverteilung nicht ausreichend Wasser liefern — die Tankwagen reichten schlicht nicht aus.

Israelische Militärevakuierungsbefehle sperrten MSF-Teams zudem aus Gebieten aus, in denen sie zuvor Hunderttausende Menschen mit Wasser versorgt hatten.

Blockade lebensrettender Hilfsgüter

Seit Oktober 2023 werden Strom, Treibstoff und wichtige Hilfsgüter — darunter Generatoren, Ersatzteile, Motoröl, Wasserentsalzungsanlagen, Pumpen, Chlor und andere Wasseraufbereitungschemikalien — stark eingeschränkt oder vollständig blockiert.

Ein Drittel der MSF-Anfragen zur Einfuhr kritischer Wasser- und Sanitärgüter wurde abgelehnt oder blieb unbeantwortet. Selbst bereits genehmigte Lieferungen wurden häufig an der Grenze zurückgewiesen.

„Wir brauchen Wasser“, sagt Ali, ein vertriebener Palästinenser in einem Lager in Deir Al-Balah. „Es macht keinen Sinn. Es ist als ob wir die Welt um das Lebensnotwendigste bitten würden.“

Katastrophale Folgen für Gesundheit und Würde

Die Folgen der Wasserverweigerung sind weitreichend — besonders für Frauen und Menschen mit Behinderungen. Der Zugang zu grundlegender Hygiene wie sauberem Wasser, Seife, Windeln und Menstruationsprodukten ist extrem schwierig geworden. Menschen sind gezwungen, Löcher im Sand als Toiletten zu graben, die überlaufen und das Grundwasser mit Fäkalien kontaminieren.

Der Mangel an Wasser und Hygiene führt zu einem massiven Anstieg von Krankheiten. Hauterkrankungen machten 2025 fast 18 Prozent der allgemeinen Gesundheitskonsultationen von MSF aus. Zwischen Mai und August 2025 hatten fast 25 Prozent der Menschen im vergangenen Monat eine Magen-Darm-Erkrankung erlitten.

MSF fordert sofortiges Handeln

MSF fordert die israelischen Behörden auf, die Wasserversorgung in Gaza sofort auf das erforderliche Niveau wiederherzustellen. Israels Verbündete werden aufgerufen, ihren Einfluss zu nutzen um Israel unter Druck zu setzen, den humanitären Zugang — einschließlich der Wasserinfrastruktur — nicht länger zu behindern.

Der Bericht kommt zu dem Schluss dass die systematische Wasserverweigerung kein isoliertes Phänomen ist, sondern Teil eines umfassenderen Musters — neben der direkten Tötung von Zivilisten, der Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen und der massenhaften Vertreibung der Bevölkerung.

 


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Global Sumud Flotilla
Gaza-Hilsflotte: Türkei fordert sofortige Freilassung der Aktivisten

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Ankara – Nach dem gewaltsamen Stopp der „Global Sumud Flotilla“ in internationalen Gewässern nahe Kreta verschärft die Türkei ihren Ton gegenüber Tel Aviv massiv. Während das Außenministerium von einem „Akt der Piraterie“ spricht, verurteilte das türkische Parlament die Intervention einstimmig als Kriegsverbrechen und fordert die sofortige Freilassung aller festgesetzten Teilnehmer.

Das türkische Parlament verabschiedete am Donnerstag eine interfraktionelle Resolution, in der die Freilassung von 175 pro-palästinensischen Aktivisten gefordert wird, darunter 20 türkische Staatsbürger. Die Abgeordneten bezeichneten das Abfangen der Flotte in internationalen Gewässern nahe Kreta als „Piraterie“ und warnten Israel, dass man die Verantwortlichen vor internationalen Gerichten zur Rechenschaft ziehen werde.

„Ein klarer Bruch des Völkerrechts“

In der vom Parlamentspräsidenten Numan Kurtulmuş unterzeichneten Resolution heißt es, Israel habe erneut „eklatant gegen internationales Recht verstoßen“ und die Liste seiner Kriegsverbrechen erweitert. Die „Global Sumud Flotilla“, eine rein zivile und friedliche Initiative, sei angegriffen worden, um dringend benötigte humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen zu verhindern.

Das Parlament betonte, dass alle politischen Parteien geschlossen hinter den rechtswidrig festgehaltenen Bürgern stehen. Man werde weltweit führend aktiv werden, um eine juristische Aufarbeitung der Verbrechen der israelischen Besatzungsmächte sicherzustellen.

Außenministerium spricht von Piraterie

Parallel dazu verurteilte das türkische Außenministerium den Angriff in einer offiziellen Stellungnahme scharf. Außenminister Hakan Fidan hielt dazu ein Telefonat mit seinem spanischen Amtskollegen José Manuel Albares Bueno ab, da die Flotte ursprünglich von Spanien aus gestartet war. Fidan unterstrich, dass der Eingriff vor der Küste Kretas das Leben von Zivilisten zahlreicher Nationalitäten gefährdet habe.

„Durch den Angriff auf die Flottille, deren Mission es ist, auf die humanitäre Katastrophe in Gaza aufmerksam zu machen, hat Israel humanitäre Prinzipien verletzt“, erklärte das Ministerium. Dieser Akt der Aggression stelle zudem eine schwere Verletzung der Freiheit der Schifffahrt auf hoher See dar.

Hintergründe zum Vorfall

Die israelische Marine hatte die Schiffe der Flottille am späten Mittwochabend abgefangen. Nach Angaben der Organisatoren wurde der Konvoi in internationalen Gewässern umzingelt, die Kommunikation gestört und insgesamt 21 Schiffe beschlagnahmt. 17 weiteren Schiffen gelang nach dem Vorfall die Flucht in griechische Gewässer.

Die Flottille, bestehend aus rund 100 Booten und fast 1.000 Aktivisten, hat das Ziel, die seit 2007 bestehende Blockade des Gazastreifens zu brechen und einen humanitären Korridor auf dem Seeweg zu eröffnen. 

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Orthodoxer Jude an Trump: „Zerstöre Israel vollständig!“

Israel-Kritik
Europarat: Deutschland missbraucht Antisemitismus-Begriff

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Brüssel – In einer ungewöhnlich deutlichen Rüge hat der Menschenrechtskommissar des Europarates, Michael O’Flaherty, die deutsche Bundesregierung vor einer Instrumentalisierung des Antisemitismus-Begriffs gewarnt.

In einem Memorandum kritisiert er, dass legitime Kritik an der Politik des Staates Israel zunehmend kriminalisiert und die Meinungsfreiheit in Deutschland massiv eingeschränkt werde. Der Bericht des Kommissars folgt auf eine mehrtägige Reise durch Deutschland im Oktober 2025, bei der O’Flaherty zahlreiche Gespräche mit Regierungsvertretern, NGOs und Vertretern von Minderheiten führte.

Seine Bilanz fällt ernüchternd aus: Deutschland nutze eine zu weite Auslegung des Antisemitismus-Begriffs, um „kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen“. 

Breite Zustimmung für O’Flahertys Rüge

Die Kritik des Kommissars stieß international und bei Menschenrechtsorganisationen auf breite Zustimmung. Experten wiesen darauf hin, dass die von Deutschland favorisierte IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus in der Praxis oft dazu führe, dass jede Form von Israel-Kritik unter Generalverdacht gestellt werde.

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung hatten auch die Vereinten Nationen (UN) den Umgang deutscher Behörden mit Palästina-Demonstrationen scharf kritisiert und von einer „unverhältnismäßigen Einschränkung der Versammlungsfreiheit“ gesprochen.

O’Flaherty untermauerte dies in seinem Bericht mit Hinweisen auf „übermäßige Gewaltanwendung“ durch Sicherheitskräfte bei solchen Protesten.

Ein langjähriger Mahner

Michael O’Flaherty ist kein Unbekannter in dieser Debatte. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2024 und erneut in einem Brief an die Bundesregierung im Juni 2025 äußerte er tiefe Besorgnis darüber, dass der Kampf gegen Antisemitismus dazu missbraucht werde, antimuslimische Narrative zu verstärken.

Er betonte stets, dass der Schutz jüdischen Lebens – den er ausdrücklich als vorbildlich in Deutschland würdigte – nicht auf Kosten der Grundrechte anderer Minderheiten gehen dürfe. Sein aktuelles Memorandum warnt davor, dass der Fokus auf den sogenannten „importierten Antisemitismus“ von den anhaltenden Problemen mit rechtsextremer Gewalt ablenke, die statistisch gesehen weiterhin die größte Bedrohung darstelle.

Reaktionen aus der deutschen Politik

Die Reaktionen in Berlin fielen gespalten aus:

Zustimmung von den Grünen und Linken: Vertreter der Grünen, wie der Bundestagsabgeordnete Max Lucks, forderten eine „selbstkritische Überprüfung“ der deutschen Polizeipraxis und betonten, dass Menschenrechte universell gelten müssten.

Ablehnung durch die Union: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. Er betonte, dass der Schutz Israels zur deutschen Staatsräson gehöre und man keine Relativierung von Antisemitismus dulden werde.

Kritik der Bundesregierung: Aus dem Innenministerium verlautete, dass die Einschätzungen des Europarates die „komplexe Sicherheitslage“ in Deutschland verkennten und man weiterhin konsequent gegen jede Form von Judenhass vorgehen werde.

Der Bericht des Europarates markiert einen Wendepunkt in der internationalen Wahrnehmung der deutschen Debattenkultur und dürfte den Druck auf die Bundesregierung, ihre Strategie im Umgang mit Israel-Kritik zu überdenken, massiv erhöhen. 

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Ex-Mossad-Chef: „Ich schäme mich, Jude zu sein“

Zionismus
Orthodoxer Jude an Trump: „Zerstöre Israel vollständig!“

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Austin/Texas – In der hitzigen Debatte um den Nahostkonflikt sorgt ein Video für Aufsehen, in dem ein Vertreter der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaft eine radikale Forderung an den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump richtet.

Diese Stimmen kommen aus dem Herzen der anti-zionistischen Haredi-Gemeinschaft, die seit Jahrzehnten zu den schärfsten Kritikern des israelischen Staates zählt. Ihre Opposition ist tief in ihrem Glauben verwurzelt: Sie lehnen die Existenz Israels ab, da sie die Gründung eines jüdischen Staates vor der Ankunft des Messias als religiösen Frevel betrachten. 

Um diesen Protest zu unterstreichen, verweigern sie konsequent den Wehrdienst und treten immer wieder mit lautstarken Demonstrationen in Erscheinung, bei denen sie die Auflösung des Staates fordern.

Die Ablehnung des Zionismus durch Gruppen wie Neturei Karta hat eine lange Tradition. Schon in den Gründungsjahren Israels erklärten ihre Anführer:

„Der Zionismus ist eine Rebellion gegen Gott. Die wahre jüdische Identität basiert auf der Thora, nicht auf Nationalismus oder Landbesitz.“

Oft wird in diesen Kreisen betont, dass der Staat Israel das jüdische Volk nicht schütze, sondern durch seine politische Existenz erst in Gefahr bringe. Ein bekanntes älteres Zitat der Gruppe lautet:

„Wir beten täglich für die friedliche Demontage des Staates Israel, damit Juden und Araber wieder wie in der Vergangenheit in Frieden zusammenleben können.“

Ein brisanter Appell in Texas

Der jüngste Vorfall ereignete sich in der Zentrale von Infowars in Austin, Texas. Dort wandte sich ein orthodoxer Jude in einem Video direkt an Donald Trump, um eine klare Grenze zwischen seinem Glauben und der politischen Ideologie des Zionismus zu ziehen.

„Unsere Botschaft an die Amerikaner, meine Botschaft an den ehrenwerten Präsidenten Trump ist, dass er den großen Unterschied zwischen echten Juden und falschen Juden erkennen sollte“. Er fuhr fort, dass die einzige wirkliche Hilfe für die Juden darin bestehe, Israel vollständig zu zerstören. „Das ist die größte Hilfe“, betonte der Mann eindringlich.

Auch dem amerikanischen Volk gegenüber äußerte er dieselbe Bitte, den Unterschied endlich anzuerkennen. „Bitte erkennen Sie den Unterschied an, dass dieser – dieser schreckliche Staat kein jüdischer Staat ist und keine Hilfe für die Juden darstellt“. Er erklärte weiter, dass das Gegenteil der Fall sei und bezeichnete den Staat als das größte Problem. 

„Staat ist Gefahr Nummer eins“

In seiner weiteren Ausführung erklärte er dem amerikanischen Volk, dass dieser „schreckliche Staat“ den Juden weltweit mehr schaden als nützen würde. Er ging sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnete die Existenz Israels als die „Gefahr Nummer eins“ – sowohl für das jüdische Volk als auch für die gesamte Welt.

„Es ist die Gefahr Nummer eins für das jüdische Volk, und nicht nur für das jüdische Volk, es ist auch die Gefahr Nummer eins für die Welt“.

Diese Sichtweise verdeutlicht den tiefen Graben zwischen dem Zionismus und dem orthodoxen Anti-Zionismus. Während Zionisten Israel als den notwendigen Schutzraum und die nationale Heimstätte definieren, sehen diese religiösen Gruppen darin lediglich eine säkulare Rebellion gegen Gott.

Wo der Zionismus auf militärische Stärke setzt, fordern diese Juden eine Rückkehr zum rein spirituellen Dasein im Exil. Sie erinnern dabei oft an historische Positionen ihrer Anführer, nach denen der Zionismus die wahre jüdische Identität durch Nationalismus ersetze und so den Weltfrieden gefährde.

 


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Ex-Mossad-Chef: „Ich schäme mich, Jude zu sein“

Israel
Todesstrafe in Israel: Wer ist Ben-Gvir?

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner

Das israelische Parlament hat den Weg für ein Gesetz geebnet, das die Todesstrafe für Terrorakte vorsieht, die sich gegen den Staat Israel richten. Besonders brisant: In den besetzten Gebieten soll die Todesstrafe als zwingende Rechtsfolge verankert werden, was in der Praxis fast ausschließlich Palästinenser betreffen wird.

62 Abgeordnete der Knesset, darunter Ministerpräsident Netanjahu, unterstützten diesen hochexplosiven Vorstoß der rechtsextremen Partei Otzma Jehudit von Polizeiminister Itamar Ben-Gvir, während 48 Parlamentarier gegen die Vorlage stimmten.

Itamar Ben-Gvir ist nicht irgendein Minister, sondern eine der umstrittensten Figuren der israelischen Regierung. Er ist Minister für nationale Sicherheit und steht seit Jahren für extrem nationalistische, antiarabische und autoritäre Positionen. Seine politische Karriere ist geprägt von Provokationen, Verurteilungen und offen diskriminierenden Aussagen.

Ben-Gvir stammt aus dem Umfeld der verbotenen kahanistischen Bewegung „Kach“, die die Vertreibung von Arabern propagierte und in Israel sowie mehreren anderen Staaten als extremistisch eingestuft wurde. Bereits in jungen Jahren fiel er durch radikale Aktionen auf.

2007 wurde Ben-Gvir wegen Anstiftung zu Rassismus und Unterstützung einer extremistischen Organisation verurteilt. Dieser Punkt ist zentral: Es handelt sich nicht nur um Kritik politischer Gegner, sondern um ein gerichtliches Urteil.

Immer wieder sorgte er mit Aussagen über arabische Bürger Israels und Palästinenser für Empörung. 2023 erklärte er sinngemäß, sein Recht auf Bewegungsfreiheit im Westjordanland sei wichtiger als das der Araber. Kritiker sahen darin die offene Behauptung ethnisch unterschiedlicher Rechte.

Zuvor forderte er mehrfach die Ausweisung „illoyaler“ arabischer Bürger Israels. Auch das wird von vielen Juristen und Menschenrechtsorganisationen als klar diskriminierende Haltung bewertet.

Bei Spannungen in Sheikh Jarrah trat Ben-Gvir demonstrativ vor Ort auf und rief palästinensischen Bewohnern zu: „Wir sind hier die Hausherren.“ Für viele Beobachter steht diese Szene sinnbildlich für koloniale Machtdemonstration und die Entrechtung der Palästinenser.

Auch im Gaza-Krieg fiel Ben-Gvir durch radikale Forderungen auf. Er sprach sich für eine Wiederbesetzung Gazas sowie die „freiwillige Auswanderung“ der palästinensischen Bevölkerung aus. Kritiker werten solche Aussagen als Euphemismus für Vertreibung.

Besonders deutlich zeigte sich seine politische Linie auch beim Thema Todesstrafe. Ben-Gvir unterstützte offen Gesetzesinitiativen zur Einführung beziehungsweise Ausweitung der Todesstrafe für Terroristen und feierte entsprechende Vorstöße öffentlich als notwendigen Schritt.

Menschenrechtsorganisationen warnten davor, dass die Todesstrafe in einem hochpolitisierten Konfliktumfeld vor allem als Instrument der Vergeltung und ethnisch selektiven Härte eingesetzt werden könnte.

Für zusätzliche Empörung sorgte ein weiterer symbolischer Auftritt: Ben-Gvir lief zeitweise mit einem kleinen Galgen als Anstecker beziehungsweise Symbol an seiner Kleidung herum. Kritiker sahen darin eine bewusste Verherrlichung staatlicher Tötung und eine enthemmte Drohgebärde gegenüber politischen Gegnern und Palästinensern.

Ein weiteres Beispiel für das politische Umfeld, in dem Ben-Gvir sich bewegte, war die berüchtigte „Hochzeit des Hasses“. Bei einer Feier im Umfeld jüdischer Extremisten, an der Ben-Gvir anwesend war, zeigten Gäste Messer, Gewehre und Brandbomben. Zudem wurde ein Foto des palästinensischen Kleinkinds Ali Dawabsheh, das bei einem Brandanschlag getötet worden war, mit einem Messer attackiert. Ben-Gvir war auf Video lachend bei der Feier zu sehen. Er erklärte später, er habe diese Szene nicht bemerkt. Der Vorfall löste international Entsetzen aus und wurde zu einem Symbol der Enthemmung extremistischer Gewaltfantasien.

Auch persönliche Gewalt- und Einschüchterungsvorfälle begleiteten seine Karriere.

2021 wurde gegen Ben-Gvir ermittelt, nachdem Videoaufnahmen zeigten, wie er bei einem Streit in einer Tiefgarage eine Pistole auf unbewaffnete arabische Sicherheitskräfte richtete. Er erklärte später, er habe sich bedroht gefühlt. Der Vorfall löste selbst innerhalb Israels scharfe Kritik aus.

2022 beteiligte er sich in Sheikh Jarrah an Zusammenstößen zwischen Siedlern und palästinensischen Bewohnern, zog erneut eine Waffe und forderte die Polizei auf, auf palästinensische Steinwerfer zu schießen. Für Kritiker war dies ein besonders drastisches Beispiel dafür, wie Ben-Gvir politische Eskalation und bewaffnete Machtdemonstration miteinander verbindet.

Bereits in seiner Jugend wurde er mit Aktionen aus dem Umfeld extremistischer Straßengewalt in Verbindung gebracht. Ehemalige Weggefährten berichteten von Sachbeschädigungen, rassistischen Parolen und Angriffen auf Eigentum arabischer Familien. Auch wenn nicht jeder einzelne Vorwurf juristisch aufgearbeitet wurde, zeigt sich darin das Milieu, aus dem seine politische Karriere hervorging.

International gilt Ben-Gvir als Symbol des extremen Rechtsrucks in Israel. Selbst ehemalige Sicherheitsbeamte, Oppositionspolitiker und Teile der israelischen Öffentlichkeit werfen ihm vor, Spannungen gezielt anzuheizen statt Sicherheit zu schaffen.

Wer verstehen will, warum Israels Regierung weltweit zunehmend unter Druck gerät, muss sich mit Figuren wie Ben-Gvir beschäftigen.

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Ex-Mossad-Chef: „Ich schäme mich, Jude zu sein“

USA
US-Aserbaidschaner verurteilen Mamdani-Äußerungen

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NYC – New York – Anlässlich des 111. Jahrestages der armenischen Tragödie von 1915 veröffentlichte New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani ein Statement auf X, in dem er die Ereignisse als „Völkermord“ bezeichnete und die Handlungen Aserbaidschans in Bergkarabach 2020 und 2023 als „Fortsetzung einer völkermörderischen Kampagne“ darstellte.

Auf die Leiden der aserbaidschanischen Zivilbevölkerung — darunter dutzende dokumentierte Massaker und die Vertreibung von rund einer Million Menschen — ging Mamdani dabei nicht ein. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.
Aserbaidschanische Amerikaner starten Unterschriftenaktion

Die aserbaidschanisch-amerikanische Gemeinschaft reagierte mit einem offenen Brief an Mamdani und startete eine Unterschriftenaktion auf Change.org. Die Unterzeichner erklärten, Mamdanis Statement biete eine „einseitige und in wesentlichen Punkten irreführende Darstellung des Konflikts“ und übergehe etablierte Grundsätze des Völkerrechts — darunter Souveränität, territoriale Integrität und anerkannte Grenzen.

Der Brief erinnerte daran, dass während des ersten Karabach-Krieges rund eine Million aserbaidschanische Zivilisten vertrieben wurden und dass das Massaker von Chodschali im Februar 1992 — bei dem Hunderte aserbaidschanische Zivilisten getötet wurden — in jeder ehrlichen Diskussion des Konflikts Erwähnung finden müsse.

„Eine glaubwürdige öffentliche Darstellung muss sowohl historische als auch jüngste Entwicklungen anerkennen, damit das Leid aller Opfer anerkannt wird“, heißt es in dem Schreiben.

Die Unterzeichner forderten Mamdani auf, ein überarbeitetes Statement zu veröffentlichen, das Leid der aserbaidschanischen Zivilbevölkerung anzuerkennen sowie unbelegte Behauptungen über die Ereignisse in Karabach 2023 zurückzunehmen oder klarzustellen — insbesondere angesichts der Erkenntnisse einer UN-Mission vom 2. Oktober 2023, die nach dem Waffenstillstand keine Berichte über Gewalt gegen Zivilisten bestätigen konnte.

Aserbaidschanische Diaspora in Europa verurteilt Statement

Auch aserbaidschanische Diasporaorganisationen aus ganz Europa schlossen sich der Kritik an. In einer gemeinsamen Erklärung bezeichneten sie Mamdanis Aussagen als „einseitig“ und als Verzerrung grundlegender Prinzipien des Völkerrechts. Die Charakterisierung aserbaidschanischer Handlungen als „Aggression“, „Zwangsumsiedlung“ oder „Völkermord“ wiesen sie als „haltlos und realitätsfern“ zurück.

Die Organisationen forderten eine Entschuldigung sowie einen ausgewogeneren Ansatz auf Grundlage der UN-Charta und der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.
Aserbaidschanisches Außenministerium: „Entzündliches und historisch falsches Statement“

Das aserbaidschanische Außenministerium verurteilte Mamdanis Äußerungen in scharfen Worten. Sprecher Aykhan Hajizada erklärte auf X:

„Öffentliche Persönlichkeiten sollten verantwortungsvoll handeln, keine Fehlinformationen verbreiten und zur Versöhnung beitragen — anstatt durch politisch motivierte und historisch falsche Aussagen die Spaltung zu vertiefen. Wir lehnen Ihr entzündliches Statement ab.“

Hajizada betonte, Aserbaidschan habe 2020 „innerhalb seines international anerkannten souveränen Territoriums, im Einklang mit dem Völkerrecht und den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gehandelt.“ Die Maßnahmen von 2023 beschrieb er als „Antiterrormaßnahmen“, die zur „Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung Aserbaidschans nach drei Jahrzehnten illegaler Besatzung“ geführt hätten.

Den Begriff „Vertreibung“ wies er zurück — armenischen Bewohnern seien „Reintegration, volle Gleichberechtigung und Sicherheitsgarantien“ angeboten worden. Das Statement Mamdanis solle „unverzüglich entfernt werden“.

Türkisch-amerikanische Gemeinschaft protestiert am Times Square

Am 26. April versammelten sich Mitglieder der türkisch-amerikanischen Gemeinschaft am Times Square in New York City, um gegen Mamdanis Statement zu protestieren. Unterstützt von verschiedenen türkischen Vereinen brachten die Demonstranten ihre Unzufriedenheit über die politische Natur des Posts zum Ausdruck und forderten eine ausgewogenere historische Perspektive.

Das türkische Außenministerium hatte Mamdanis Äußerungen bereits zuvor verurteilt und erklärt: „Die Atmosphäre des Friedens und der Versöhnung, die im Südkaukasus entsteht, ist eine starke Antwort an jene, die versuchen, Feindseligkeit aus der Geschichte zu schüren.“

Ankara betonte, dass das Thema nicht als politisches Instrument missbraucht werden dürfe, da dies den konstruktiven Dialog untergrabe. Die Türkei habe ihre Archive für Forscher geöffnet und den Vorschlag einer gemeinsamen historischen Kommission mit Armenien unterbreitet — eine Initiative, die auf einer fairen und evidenzbasierten Aufarbeitung beruhe.

Jüdische Gemeinschaft Aserbaidschans: „Falsch, entzündlich und friedensschädlich“

Auch die sephardisch-jüdische Gemeinschaft Bakus — der Hauptstadt Aserbaidschans — meldete sich zu Wort. Rabbiner Zamir Isayev, ein prominenter Vertreter der aserbaidschanischen Sepharden, erklärte, die Gemeinschaft „lehne Mamdanis Aussagen entschieden ab“.

„Versuche, die Wiederherstellung der aserbaidschanischen Souveränität als ‚Völkermord‘ darzustellen, sind falsch, entzündlich und schädlich für den Frieden“, so Isayev. „In einer Zeit, in der Aserbaidschan und Armenien auf den lang ersehnten Frieden zugehen, müssen Amtsträger mit Genauigkeit, Ausgewogenheit und Verantwortung sprechen — und keine Feindseligkeit wiederbeleben.“

 


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