Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
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Ein Gastkommentar von Susanne Mattner
Keine Sorge – er war gar nicht gemeint
Was für eine Erleichterung. Mohammed al-Wahidi, der Organisator des Public Viewings, bei dem Menschen zwischen Schuttbergen für neunzig Minuten versuchten, sich an etwas zu erinnern, das früher einmal “Normalität” hieß, wurde zwar durch einen israelischen Drohnenangriff getötet – aber immerhin war er laut israelischer Armee gar nicht das Ziel. Na dann. Da kann man den Sarg ja fast wieder abbestellen.
Das ist ungefähr so beruhigend, wie wenn der Pilot nach der Bruchlandung durchsagt:
“Sehr geehrte Fluggäste, wir möchten Sie darüber informieren, dass der Berg eigentlich gar nicht auf unserem Flugplan stand.”
Die Menschen sitzen auf Trümmern und schauen Fußball. Nicht, weil Ruinen die schönste Kulisse sind, sondern weil selbst zwischen Betonstaub und eingestürzten Häusern das Bedürfnis nach einem Hauch von Alltag größer ist als jede Zerstörung. Der Organisator schafft für ein paar Stunden einen Ort, an dem nicht Explosionen, sondern Tore bejubelt werden. Und dann kommt eine Drohne vorbei und beendet die Veranstaltung.
Aber Entwarnung: Nicht absichtlich.
Vielleicht gibt es demnächst neue Kategorien:
Das Letzte scheint inzwischen die Premium-Version der Humanität zu sein.
Vielleicht sollten Grabsteine künftig standardisiert werden:
“Hier ruht Mohammed al-Wahidi. Offiziell kein Ziel.”
Oder Todesanzeigen:
“Wir trauern um unseren Vater, Bruder und Freund. Immerhin bestätigt eine Militärpressestelle, dass sein Tod nicht geplant war.”
Wie tröstlich.
Man muss diese Kommunikationsstrategie bewundern. Andere entschuldigen sich für kalten Kaffee oder eine verspätete Lieferung. Hier lautet die Botschaft:
“Der Tote war leider nicht vorgesehen.”
Ach so. Dann ist der Tod vermutlich administrativ ungültig. Vielleicht war das Ganze einfach ein Bedienfehler. Wie beim Navi:
“Sie haben Ihr Ziel verfehlt. Bitte wenden.”
Nur dass Menschen sich leider nicht neu berechnen lassen.
Das Ganze erinnert an einen Chirurgen, der das falsche Bein amputiert und anschließend erklärt:
“Keine Sorge, das kranke Bein war eigentlich schon vorgesehen.”
Oder an einen Busfahrer, der jemanden überfährt und anschließend sagt:
“Sie waren ehrlich gesagt gar nicht die Person, die ich treffen wollte.”
Die Logik bleibt dieselbe: Hauptsache, die Absicht klingt sauber. Das Ergebnis scheint zweitrangig. Man fragt sich inzwischen, ob das eigentliche Ziel manchmal nur noch dazu dient, den Kollateralschaden sprachlich einzurahmen.
Aus
“Ein Mensch wurde getötet.”
wird
“Ein Mensch wurde versehentlich getötet.”
und daraus
“Er war gar nicht das Ziel.”
Der Einschlag bleibt derselbe. Nur die Pressemitteilung federt ihn etwas weicher ab. Vielleicht gibt es bald auch Bonuspunkte: Jeder zehnte unbeabsichtigte Tote erhält eine besonders ausführliche Erklärung. Oder eine Urkunde. „Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden irrtümlich getötet. Die Verantwortlichen bedauern ausdrücklich, dass Sie nicht auf der eigentlichen Liste standen.“
Wie beruhigend. Dann können wir uns ja alle wieder entspannt zurücklehnen. Schließlich scheint inzwischen nicht mehr entscheidend zu sein, dass jemand tot ist – sondern ob anschließend bestätigt wird, dass er eigentlich gar nicht gemeint war.
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Israelisches Konsulat verurteilt New Yorks First Lady Rama Duwaji
Während die Weltöffentlichkeit am jüngsten Jahrestag des Genozids von Srebrenica vor allem der über 8.000 systematisch ermordeten muslimischen Männer und Jungen gedenkt, bleibt das Schicksal der Frauen und Mütter oft im Schatten der Geschichte.
Doch im Juli 1995 ging ein einziges, schockierendes Schwarz-Weiß-Foto um den Globus, das zum ultimativen Symbol für die Verzweiflung der bosnischen Muslime und das Totalversagen der Vereinten Nationen wurde. Es zeigt eine junge Frau, die sich in einem Waldstück erhängt hat.
Die Mehrheit der Menschen hat die Hintergründe zu diesem Bild heute vergessen oder noch nie etwas darüber gehört – doch damals zwang genau diese Aufnahme die US-Regierung unter Bill Clinton zum militärischen Umdenken
Als die ultranationalistischen bosnisch-serbischen Truppen unter General Ratko Mladić im Juli 1995 die UN-Schutzzone Srebrenica kampflos überrannten, flüchteten zehntausende Zivilisten in das UN-Lager Potočari.
Dort spielten sich apokalyptische Szenen ab: Die serbischen Soldaten trennten systematisch alle Männer von den Frauen und Kindern. Unter den Deportierten befand sich auch die 31-jährige bosnische Muslimin Ferida Osmanović zusammen mit ihren beiden Kindern Damir (13) und Fatima (10).
Augenzeugen berichteten später, dass Ferida mit ansehen musste, wie ihr 37-jähriger Ehemann Selman von den serbischen Einheiten brutal weggezerrt und auf Lastwagen abtransportiert wurde. In dem Moment, als ihr bewusst wurde, dass sie ihren Mann niemals wiedersehen würde, zerbrach sie an der psychischen Last und der totalen Hoffnungslosigkeit.
Nachdem sie mit den anderen Frauen in ein Flüchtlingslager am Flughafen von Tuzla evakuiert worden war, schlich sie sich in der darauffolgenden Nacht unbemerkt in ein nahegelegenes Waldstück. Dort nahm sie sich mit einem improvisierten Strick aus Kleidungsstücken das Leben.Am nächsten Morgen entdeckte der kroatische Kriegsfotograf Darko Bandić, der für die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtete, die Verstorbene. Er drückte auf den Auslöser.
Das Bild einer anonymen Frau in weißem Rock und roter Strickjacke, die leblos von einem Baum hängt, ging unter dem Titel „The Hanging Woman“ (Die erhängte Frau) auf den Titelseiten der Weltpresse viral.„Was soll ich ihr sagen?“
Während das Bild weltweit Entsetzen auslöste, blieb die Identität der Frau monatelang ungeklärt; auf ihrem provisorischen Grab in Tuzla stand anfangs lediglich das Holzschild „Anonym: Srebrenica“.
Doch die politische Sprengkraft des Fotos im Westen war monumental.Die Washington Post druckte das Foto groß auf ihrer Titelseite ab. Am selben Tag kam es im Oval Office des Weißen Hauses zu einem folgenschweren Treffen. Der damalige US-Vizepräsident Al Gore trat aufgebracht vor Präsident Bill Clinton, legte ihm die Zeitung auf den Tisch und konfrontierte ihn direkt mit der Aufnahme.
Gore sagte laut Protokollberichten wörtlich:
„Meine 21-jährige Tochter hat mich heute nach diesem Bild gefragt. Was um alles in der Welt soll ich ihr sagen? Warum passiert so etwas und wir tun absolut nichts dagegen? Meine Tochter ist schockiert, dass die Welt das zulässt. Und ich bin es auch.“
Clinton, dessen bisherige Statements zum Fall von Srebrenica von Kritikern oft als rein juristisch und zögerlich kritisiert worden waren, geriet durch diese emotionale Intervention seines Vizepräsidenten und die Welle der öffentlichen Empörung massiv unter Zugzwang.
Das Bild von Ferida Osmanović entlarvte die moralische Bankrotterklärung der westlichen Beschwichtigungspolitik und beschleunigte im Pentagon die Planungen für die darauffolgenden NATO-Luftangriffe, die den Bosnienkrieg schließlich beendeten.
Erst im April 1996, fast ein Jahr nach der Tat, gelang es Investigativjournalisten der britischen Zeitung The Guardian, die verwaisten Kinder ausfindig zu machen und der namenlosen Toten ihr Gesicht und ihre Geschichte zurückzugeben.
Ihr Ehemann Selman wurde, wie von ihr befürchtet, in den Feldern um Srebrenica exekutiert; seine sterblichen Überreste wurden Jahre später in einem der zahlreichen Massengräber identifiziert.
Das Foto von Ferida Osmanović bleibt bis heute eines der schmerzhaftesten Dokumente der jüngeren europäischen Geschichte. Es beweist auf tragische Weise, dass die Opfer eines Genozids nicht nur diejenigen sind, die durch Kugeln sterben, sondern auch jene, die an dem unerträglichen Schmerz über den Verlust ihrer Liebsten und dem Gefühl des totalen Verlassenseins durch die Weltgemeinschaft zerbrechen.
Srebrenica: Albrights und Soros‘ Kampf für die Muslime
Trump machte in dem Gespräch deutlich, dass die anhaltende israelische Militärpräsenz in den beiden Nachbarstaaten die ohnehin kritische Lage im Nahen Osten unnötig anheize und Friedensbemühungen blockiere.
Scoop: Trump tells Netanyahu to move forces out of Syria and Lebanon https://t.co/1UECA8GBnz
— Axios (@axios) July 14, 2026
Trump über NATO-Gipfel: Wegen Erdogan gekommen
New York – Der neue New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat mit der Einführung des stadtweit ersten „Parents‘ Night Out“-Programms eine weitreichende Entlastung für Familien auf den Weg gebracht.
Das kostenlose Angebot, das vom NYC Parks Department betrieben wird, ermöglicht es Eltern in allen fünf Stadtbezirken (Brooklyn, Manhattan, Queens, Bronx und Staten Island), ihre Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren ab 16:00 Uhr in städtischen Freizeitzentren abzugeben.
Vier Stunden lang werden die Kinder von sogenannten Urban Park Rangers mit Sport, Kunst und Naturaktivitäten betreut, wobei auch ein gemeinsames Abendessen im Programm enthalten ist. Um 20:00 Uhr holen die Eltern ihre Kinder wieder ab.
„Jeder Elternteil weiß, dass sich ein paar Stunden für sich selbst wie ein Luxus anfühlen können“, erklärte Bürgermeister Mamdani bei der Vorstellung der Initiative. „Das sollte aber nicht so sein. Deshalb starten wir das allererste ‚Parents‘ Night Out‘ in New York City, damit Eltern ein wenig Zeit für sich haben – um ins Kino zu gehen, Besorgungen zu machen oder ein Date zu haben, ohne sich Sorgen darüber machen zu müssen, wer auf die Kinder aufpasst oder wie viel es kosten wird.“
Laut Mamdani gehe es bei der Erschwinglichkeit einer Stadt nicht nur um das Senken von Kosten, sondern auch darum, den Menschen ihre Zeit zurückzugeben.
Das Programm markiert einen konkreten Wendepunkt in einer monatelangen, erbitterten Debatte. Konservative Kreise und rechte Kommentatoren hatten Mamdani seit seiner Amtseinführung Anfang des Jahres heftig attackiert.
Auslöser war seine damalige Antrittsrede, in der er versprach, die „Frömmigkeit des rücksichtslosen Individualismus durch die Wärme des Kollektivismus“ zu ersetzen. Politische Beobachter und prominente Kritiker wie Donald Trump brandmarkten diese Rhetorik umgehend als „unamerikanisch“ und diffamierten den demokratischen Sozialisten Mamdani verbal als „Kommunisten“.
In der New Yorker Realität zeigt sich die politische Stoßrichtung nun jedoch in Form von direkter finanzieller Entlastung. Private Kinderbetreuung kostet in New York City aktuell mindestens 20 bis 30 US-Dollar pro Stunde. Für viele einkommensschwache Familien und die Mittelschicht war ein freier Abend ohne teuren Babysitter bisher finanziell schlicht unmöglich.
Kritiker hatten im Vorfeld gemutmaßt, dass solche kostenfreien Sozialprogramme die Metropole in den Ruin treiben würden. Die aktuellen Wirtschaftsdaten für das Halbjahr 2026 zeichnen jedoch ein anderes Bild.
Mamdanis Administration gelang es im Mai, ein von der Vorgängerregierung geerbtes Haushaltsdefizit von über 12 Milliarden US-Dollar komplett auszugleichen – primär durch Effizienzsteigerungen und eine stärkere Besteuerung von Spitzenverdienern, ohne die lokalen Grundsteuern anzuheben.
Zudem verzeichnet das NYPD, die New Yorker Polizei, für das erste Halbjahr 2026 einen historischen Tiefststand bei der Gesamtkriminalität und einen Rückgang der Mordrate um über 25 Prozent, was der neuen Stadtführung trotz des scharfen politischen Gegenwinds der Opposition eine stabile Basis im Amt verschafft.
In den sozialen Netzwerken und lokalen Foren in New York wird die Initiative derweil intensiv diskutiert. Während das konservative Lager weiterhin vor einer „Zentralisierung des Familienlebens“ warnt, überwiegt in den Kommentarspalten der betroffenen Bürger breite Erleichterung.
Die Rückmeldungen verdeutlichen, dass das Programm den Alltag der Familien an ganz pragmatischen Punkten entlastet.Viele Eltern betonen in ihren Beiträgen, dass es bei dem Angebot nicht bloß um klassische Freizeitgestaltung geht, sondern um dringend benötigte Freiräume im Alltag.
Eine Mutter fasst die Situation prägnant zusammen:
„Es ist nicht nur gut für die Kinder wegen des Sports und der kreativen Aktivitäten. Diese vier Stunden ermöglichen es einer Mutter, einfach mal in Ruhe zu duschen, einkaufen zu gehen oder ein Nickerchen zu machen. Ein paar Stunden zu haben, um durchzuatmen oder Dinge zu erledigen, ohne ständig die Kleinen managen zu müssen, kann ein echter Lebensretter sein. Und es ist einfach großartig, dass die Kinder dort coole neue Dinge lernen und ausprobieren können“.
Diese Einschätzung teilen zahlreiche Familien, für die das kostenlose Angebot eine spürbare finanzielle Erleichterung bedeutet. In einem viel beachteten Kommentar aus Brooklyn heißt es, dass die politische Rechte zwar über „Kollektivismus“ schimpfe, das Programm in der Realität jedoch genau das sei, wofür man gerne Steuern zahle.
Wenn Kinder vier Stunden lang sicher betreut würden, Sport treiben und ein warmes Abendessen bekämen, während die Eltern nach Monaten wieder Zeit für Besorgungen oder ein gemeinsames Gespräch fänden, handele es sich schlicht um funktionierende Kommunalpolitik.
Ergänzend weisen andere Stimmen in den Foren darauf hin, dass das Programm auch eine soziale Schutzfunktion übernimmt. Gerade in sozial benachteiligten Stadtteilen wie der Bronx oder Teilen von Queens biete das strukturierte Abendprogramm der Parks den Jugendlichen eine sichere und sinnvolle Alternative zur Straße, was wiederum den langfristigen Präventionskurs der neuen Stadtführung unterstützt.
Die Einführung von „Parents‘ Night Out“ ist kein isoliertes Projekt, sondern die direkte Fortsetzung einer weitreichenden Reform der New Yorker Kommunalpolitik. Bereits am 23. April wurde berichtet, dass die Administration unter Bürgermeister Zohran Mamdani in Partnerschaft mit Gouverneurin Kathy Hochul ein 1,21 Milliarden US-Dollar schweres Budget für universelle Kinderbetreuung freigegeben hat.
Jene Initiative konzentrierte sich primär auf den Ausbau von festen „2-K“- und „3-K“-Betreuungsplätzen für Säuglinge und Kleinkinder in reaktivierten Zentren wie der Atlantic Avenue in Brooklyn, wobei der Zugang explizit unabhängig vom Einwanderungsstatus der Familien gestaltet wurde.
Mit dem jetzigen Start des Abendprogramms in den städtischen Parks setzt die Stadtführung das im Frühjahr ausgegebene Ziel um, Familien im Alltag spürbar um teure Betreuungskosten zu entlasten und das Konzept des kollektiven Schutzes in den Bezirken zu verankern.
NEW PROGRAM: New York City Parks and Mayor Zohran Mamdani are looking to get parents to go for a night out. – https://t.co/o0ibGMy9Kc pic.twitter.com/5PTFfaWIab
— News 12 New York (@News12) July 13, 2026
NYC-Bürgermeister Zohran Mamdani erneuert scharfe Kritik an pro-israelischer Lobby AIPAC
Madrid – Während die spanische Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez politisch und international immer wieder polarisiert, verzeichnen die offiziellen Wirtschaftsdaten des Landes eine deutliche Stabilisierung.
Nach aktuellen Daten des spanischen Arbeitsministeriums ist die registrierte Arbeitslosigkeit im Juni 2026 um 28.739 Personen im Vergleich zum Vormonat gesunken. Damit liegt die Gesamtzahl der Arbeitslosen in Spanien nun bei knapp 2,29 Millionen – der niedrigste Wert, der seit Januar 2008, unmittelbar vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise, gemessen wurde.
Besonders getragen wurde die Entwicklung durch den Dienstleistungs- und Tourismussektor zu Beginn der Sommersaison, gefolgt von Rückgängen der Arbeitslosenzahlen in der Industrie und im Baugewerbe. Ein historischer Tiefststand wurde zudem bei der Jugendarbeitslosigkeit registriert, die auf 159.800 betroffene Personen sank.
Parallel zum Rückgang der Arbeitslosenzahlen erreichte die Zahl der aktiven Beitragszahler zur Sozialversicherung in Spanien einen historischen Meilenstein. Erstmals in der Geschichte des Landes überschritt die Zahl der erwerbstätigen Menschen die Marke von 22 Millionen.
Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo betonte in diesem Zusammenhang, dass rund 68,3 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Lohn und Brot stehen – die höchste jemals gemessene Beschäftigungsquote in der Geschichte des südeuropäischen Landes.
Die makroökonomischen Erfolge spiegeln sich auch im allgemeinen Wirtschaftswachstum wider. Die spanische Regierung hat Ende Juni ihre BIP-Wachstumsprognose für das Jahr 2026 offiziell auf 2,6 Prozent angehoben. Spanien trotzt damit den weltweiten geopolitischen Spannungen und den Unsicherheiten auf den Energiemärkten deutlich besser als die anderen drei großen Wirtschaftsmächte der Eurozone – Deutschland, Frankreich und Italien –, die aktuell mit Wachstumsraten von teils unter einem Prozent kämpfen.
Laut Berichten der Europäischen Kommission und von Analysten der Großbank Goldman Sachs wächst die spanische Wirtschaft damit rund dreimal so schnell wie der Durchschnitt der restlichen Eurozone.
Trotz der positiven Dynamik betonen Wirtschaftsanalysten, dass das Land weiterhin vor strukturellen Aufgaben steht. Spanien verzeichnet im EU-Vergleich nach wie vor eine der höchsten Arbeitslosenquoten, auch wenn die Gesamentendenz deutlich nach unten zeigt.
Zudem belasten die anhaltend hohen Energiepreise sowie eine angespannte Situation auf dem inländischen Wohnungsmarkt die Reallöhne der Bürger.Die vorgelegten Arbeitsmarkt- und Wachstumsdaten verdeutlichen jedoch, dass die spanische Wirtschaft seit dem Amtsantritt der aktuellen Regierung im internationalen Vergleich an struktureller Widerstandskraft gewonnen hat.
Spain unemployment falls below 2.3 million for first time since January 2008
— PiQ (@PiQMarkets) July 2, 2026
Spain’s registered unemployment dropped to 2,291,982 in June, the lowest level since January 2008. Social Security membership also reached a record high, with wholesale and retail trade leading monthly…
Pedro Sánchez‘ Flugzeug: Notlandung in der Türkei
München – KI-Agenten werden für immer mehr Menschen zu einem festen Bestandteil des Online-Shoppings. In Deutschland haben die Nutzer:innen von KI-Einkaufshilfen in den vergangenen neun Monaten deutlich zugenommen auf 52 Prozent im Jahr 2026. Bei einer vergleichbaren Befragung im September 2025 lagen sie noch bei 44 Prozent.
Weitere 28 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, sie auszuprobieren, wie die aktuelle Deloitte-Studie „The state of Agentic Commerce in Europe“ darlegt. Im europäischen Vergleich zeigen sich dabei merkliche Unterschiede (vgl. Abbildung 1): Während Spanien mit 67 Prozent KI-Shoppern unter den Befragten an der Spitze liegt, bildet Großbritannien mit 48 Prozent das Schlusslicht.
Deutschland bewegt sich im unteren Mittelfeld. Grundlage der Studie ist eine im Mai 2026 durchgeführte Online-Befragung von 13.500 Konsument:innen in 15 europäischen Ländern, 1.500 davon in Deutschland.
„Die KI bewegt sich mit Siebenmeilenstiefeln durch den Handel und verändert, wie Menschen Produkte entdecken, vergleichen und Kaufentscheidungen treffen“, sagt Egbert Wege, Handelsexperte und Partner bei Deloitte. „Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wie umfassend die KI Einkäufe künftig übernehmen und steuern wird. Der Handel muss nun nicht nur die Aufmerksamkeit der Menschen, sondern auch der KI gewinnen.“
Wer bereits KI beim Online-Einkauf eingesetzt hat, verwendet die Technologie zunehmend häufiger (75%). Mehr als die Hälfte (56%) dieser Nutzer:innen bevorzugen KI-Agenten gegenüber anderen digitalen Hilfsmitteln, und für fast ebenso viele (51%) sind sie bereits ein unverzichtbarer Bestandteil des Einkaufserlebnisses.
Dieser Trend zeigt sich über alle Altersgruppen hinweg. Besonders häufig kommen KI-Agenten für den Vergleich von Preisen (32%) sowie von Produkten (24%) und für das Zusammenfassen von Produktbewertungen (22%) zum Einsatz. Deutlich geringer ist hingegen die Bereitschaft, Kaufentscheidungen vollständig an die KI zu übertragen: Europaweit wollen dies bislang lediglich acht Prozent der KI-Nutzer:innen (vgl. Abbildung 2), in Deutschland sogar nur knapp sechs Prozent.
Wie stark Verbraucher:innen KI im Einkauf nutzen, hängt wesentlich vom Vertrauen in die Technologie ab. Besonders offen zeigen sich junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren: Sie vertrauen KI-Tools bereits mehr (39%) als Mitarbeitenden im stationären Handel (34%) und sind trotz bestehender Datenschutzbedenken eher bereit, persönliche Daten zu teilen.
Mit zunehmendem Alter nimmt die Skepsis gegenüber KI-Anwendungen hingegen zu. Zu den häufigsten Vorbehalten europäischer Verbraucher:innen zählen Datenschutz- und Sicherheitsbedenken (37%), die Sorge vor Manipulation (32%) sowie der Verlust des menschlichen Kontakts (30%).
Die Studienergebnisse deuten zudem auf einen Zusammenhang zwischen der Bereitschaft zur Datenfreigabe und der Verbreitung von KI-Nutzung in den einzelnen Ländern hin. In Deutschland haben Datenschutzbedenken im Zusammenhang mit KI-gestützten Einkaufshilfen deutlich abgenommen: Nannten im Jahr 2025 noch 52 Prozent der Befragten Datenschutz als ihr Hauptbedenken, sind es 2026 nur noch 30 Prozent.
„Verbraucherinnen und Verbraucher sammeln zunehmend positive Erfahrungen mit der KI und legen ihre Bedenken ab. Dennoch entsteht Akzeptanz nicht durch leistungsfähige Technologie allein. Unternehmen müssen KI-Anwendungen transparent, sicher und nachvollziehbar gestalten, denn am Ende entscheidet das Vertrauen der Menschen über den Erfolg von KI im Handel“, sagt Egbert Wege.

Bursa – Gegen den landesweit bekannten türkischen Rockmusiker und Gründer der prominenten Hilfsorganisation „Ahbap“, Haluk Levent, liegen schwerwiegende juristische Vorwürfe und Ermittlungen vor, die am Sonntag zu seiner Festnahme in der Türkei führten.
Die Ermittler der Abteilung für Finanzkriminalität der Generaldirektion der Polizei Istanbul griffen den Sänger im westtürkischen Bursa auf, nachdem dieser laut Behördenangaben trotz einer bestehenden Ausreisesperre konkrete Fluchtvorbereitungen ins Ausland getroffen hatte.
Berichten zufolge hatte Levent seine Mobiltelefone abgeschaltet und war bereits auf dem Weg in Richtung İzmir, als der Zugriff erfolgte. Er wurde für die weiteren Vernehmungen umgehend in die Zentrale der Istanbuler Polizei überführt. Die umfassenden Ermittlungen der Justiz teilen sich im Wesentlichen in zwei große Komplexe auf, welche die Unregelmäßigkeiten rund um seine Hilfsorganisation sowie private finanzielle Delikte umfassen.
Im Rahmen einer großangelegten Untersuchung der Generalstaatsanwaltschaft Istanbul bezüglich der Verwendung der Spendengelder, die insbesondere nach den verheerenden Erdbeben vom Februar 2023 für die Opfer gesammelt wurden, werden Haluk Levent schwere Straftaten zur Last gelegt.
Die Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Vereinsgesetz, Geldwäsche sowie der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Die Staatsanwaltschaft wirft Levent und weiteren Beschuldigten vor, Spendengelder der Organisation systematisch auf Privatkonten umgeleitet und die Vereinskassen geleert zu haben.
Laut den offiziellen Angaben der Strafverfolgungsbehörden nutzte Levent hierfür unter anderem die Konten von engen Mitarbeitern, darunter das seiner Assistentin Y. K., wodurch ein illegaler Geldabfluss in Höhe von rund 120 Millionen Türkischen Lira aus dem Verein stattgefunden haben soll.
Besonders schwer wiegt zudem der Verdacht des massiven illegalen Glücksspiels. Die Ermittler stellten fest, dass über die Konten eines anderen Gründungsmitglieds der Ahbap-Stiftung, A. Ç., im Zeitraum zwischen 2020 und 2026 Wetten im astronomischen Gesamtwert von 990 Millionen Türkischen Lira platziert wurden. Die Justizbehörden betonen, dass hierbei enorme Summen – schätzungsweise rund 390 Millionen Türkische Lira – verspielt und verloren wurden.
Da Levent nachweislich keine eigenen privaten Bankkonten mehr nutzen konnte und parallel erhebliche geschäftliche Probleme hatte, sehen die Ermittler hierin den dringenden Verdacht, dass die Erdbeben-Spenden der Bürger direkt zur Finanzierung dieser Wetten zweckentfremdet wurden. Darüber hinaus erstreckt sich das Verfahren auf einen mutmaßlichen Immobilienbetrug mit einem Schadensvolumen von schätzungsweise 60 Millionen US-Dollar.
Dabei sollen im Namen des Vereins Immobilien von Erdbebenopfern unter dem falschen Versprechen von großzügigen Spenden erworben, die Liegenschaften anschließend jedoch auf Privatpersonen überschrieben worden sein. Die Affäre eskalierte endgültig, nachdem Levent Anfang Juli 2026 angekündigt hatte, den Vereinsvorsitz in den kommenden Monaten nach einer letzten Prüfung durch die Inspektoren des Innenministeriums niederlegen zu wollen.
Als die Justizbehörden Hinweise auf eine bevorstehende Flucht über den Seeweg erlangten, wurde der Haftbefehl vollstreckt.
Völlig unabhängig von der Affäre um die Hilfsorganisation geriet Haluk Levent bereits im Juni 2026 wegen privater Wirtschaftsdelikte rechtskräftig in die Schlagzeilen. Das Istanbuler Anadolu 24. Strafvollstreckungsgericht verurteilte den Sänger zu einer immensen Geldstrafe von insgesamt rund 70 Millionen Türkischen Lira.
Die Strafe setzt sich aus zwei Einzelentscheidungen zusammen, wobei rund 50 Millionen Türkische Lira auf einen ungedeckten Scheck aus dem Juni 2025 und circa 20 Millionen Türkische Lira auf einen weiteren ungedeckten Scheck aus dem Mai 2025 entfallen. Der Vorwurf lautet auf das wiederholte Ausstellen von ungedeckten Schecks im Rahmen seiner privaten, kommerziellen Handelsgeschäfte. Zudem belegte das Gericht den Künstler mit einem strikten Verbot, künftig neue Scheckhefte zu beantragen oder Scheckkonten zu eröffnen.
Haluk Levent hatte diese Strafe vor seiner Festnahme medial bestätigt und erklärt, dass die Summe auf eigenen Wunsch in 24 Monatsraten abbezahlt werde. Er betonte dabei vehement, dass seine privaten Handelsgeschäfte strikt von der Ahbap-Stiftung zu trennen seien und der Verein keinen finanziellen Schaden erlitten habe.Im Zuge der sich zuspitzenden öffentlich ausgetragenen Debatten und der polizeilichen Ermittlungen im Juli 2026 kursierten im Internet via Social Media auch heftige Gerüchte über einen vermeintlichen illegalen Drogenkonsum des Musikers.
Nach Informationen aus Justizkreisen befindet sich der Musiker nach seiner Festnahme auf der Autobahn bei Bursa weiterhin im offiziellen Polizeigewahrsam. Er wurde am Sonntagabend in die Istanbuler Sicherheitsdirektion überführt, wo die Vernehmungen durch die Abteilung für Finanzkriminalität andauern. Nach Abschluss der polizeilichen Befragung soll Levent in den kommenden Tagen dem Haftrichter vorgeführt werden, der über eine formelle Untersuchungshaft entscheiden wird.
🔴 #SONDAKİKA | Gözaltına alınan Haluk Levent, gözaltı işlemlerinin ardından sağlık kontrolüne götürülüyor.
— ibrahim Haskoloğlu (@haskologlu) July 12, 2026
Haluk Levent’in kullandığı belirtilen hesaplardan 2020-2026 yılları arasında yaklaşık 990 milyon TL tutarında bahis oynandığı belirtiliyor. https://t.co/enZlsxwleV pic.twitter.com/yPW9iVIhks
Globaler Siegeszug: Türkische Drama-Serie „Sins & Roses“ in über 20 Länder exportiert
Ein Gastkommentar von Nabi Yücel
Nach nunmehr 10 Jahren hoffe ich, dass die Türken reifer geworden sind; wobei der Staat das nicht so sieht… vielleicht aus gutem Grund, denn es gibt immer noch diese Geistesblitze, die von einem „kontrollierten Putschversuch“ sprechen:
Zehn Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei wird noch immer leidenschaftlich über dessen Folgen diskutiert. Über Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und die politische Entwicklung des Landes. Damit kommen wir stets zum Ergebnis des Putschversuch und damit zu dem unweigerlichen Zirkelschluss, dass es keiner gewesen sei, weil ja dass der Plan Erdoğans war – Pinky und der Brain lassen Grüßen.
Diese Meinung teilte bereits früh die türkische Oppositionspartei CHP, aus opportunistischen Gründen. Aus denselben Gründen wird das auch nie vom Staat in jüngster Zeit vollumfänglich offengelegt, was zwischen dem 15. und 16. Juli 2016 passiert ist und welche notwendigen Entscheidungen getroffen werden mussten. Aber welcher Opportunismus wiegt schwerer?
Was dabei von Menschen erstaunlich selten thematisiert wird, ist eine viel grundlegendere Frage, die ich aus meiner Sicht erörtern möchte: Vor welchem Dilemma stand denn der türkische Staat am 15. Juli überhaupt?
In der Nacht des 15. Juli 2016 rollten Panzer durch Ankara und Istanbul. Kampfjets bombardierten das türkische Parlament, den Polizeihauptsitz, den Hauptsitz der Sondereinsatzkräfte des Militärs, Kampfhubschrauber beschossen mit ihren schweren Kalibern den Sitz des türkischen Nachrichtendienstes, wichtige Verkehrsknotenpunkte und weitere staatliche Einrichtungen. Nach offiziellen Angaben kamen 35 Militärflugzeuge, 37 Hubschrauber, 74 Panzer, 246 gepanzerte Fahrzeuge und Tausende Soldaten zum Einsatz. Mehr als 250 Menschen starben, über 2.000 wurden verletzt.
Unabhängig davon, wie man die spätere Politik der türkischen Regierung bewertet, handelte es sich um einen bewaffneten Umsturzversuch historischen Ausmaßes. Die eigentliche sicherheitspolitische Frage beginnt jedoch bereits Stunden zuvor.

Versetzen wir uns für einen Moment nicht in die Rolle eines Politikers, sondern in die eines Nachrichtendienstes, des militärischen Abschirmdienstes, des Generalstabs, der Regierung.
Am Nachmittag gehen Hinweise auf ungewöhnliche militärische Aktivitäten ein – erst beim MIT, dann beim Generalstab. Es besteht der Verdacht eines bevorstehenden Staatsstreichs. Doch niemand weiß mit Sicherheit, welche Einheiten wo beteiligt sind, wie tief ein mögliches Netzwerk reicht oder welche Kommandeure loyal bleiben. Vor allem, ein Teil der Streitkräfte befindet sich im Jahresurlaub.
Was tut ein Staat? Greift er sofort zu und riskiert, dass lediglich ein kleiner Teil der Beteiligten festgenommen wird, während weitere, der größere Teil von Mitverschwörern innerhalb von Armee, Justiz oder Verwaltung unerkannt bleiben und weiterhin eine unmittelbare Gefahr darstellen? Oder wartet er ab, bis sich die Strukturen offenbaren – in dem Wissen, dass jede Minute des Zuwartens Menschenleben kosten kann? In Anbetracht der Tatsache, dass die vorherigen Putsche kampflos erfolgten, kann man sich die Entscheidung wohl selbst denken!
Das ist kein politisches, sondern zunächst ein sicherheitspolitisches Dilemma. Ein politisches Dilemma wurde es ja bereits, als man zuvor Schulen, Verlage und Zeitungen der Gülen-Sekte staatlich verordnet schloss, Richter und Staatsanwälte entließ, Generäle und Offiziere in den frühen Ruhestand versetzte – und das unter enormen gesellschaftlichen Erschütterungen. Welche Probleme mag erst ein sicherheitspolitisches Dilemma schaffen?
Wer daraufhin ausschließlich fordert, der Staat hätte früher eingreifen müssen, beantwortet nur die Hälfte dieser Frage. Ein sofortiger Zugriff hätte den konkreten Putsch möglicherweise verhindert. Gleichzeitig hätte er aber ebenso bedeuten können, dass bislang unbekannte Beteiligte im Staatsapparat verborgen geblieben wären und weiterhin eine potenzielle Gefahr dargestellt hätten.
Ein späteres Eingreifen wiederum konnte unter Umständen größere Teile eines Netzwerks sichtbar machen – allerdings um den Preis eines bereits begonnenen Umsturzversuchs, der Opfer nicht ausschließt. Genau diese Abwägung gehört zum Kern staatlicher Sicherheitsentscheidungen.
Sie ist keine türkische Besonderheit. Während des „Deutschen Herbstes“ 1977 standen auch deutsche Sicherheitsbehörden vor der Frage, wie lange Terrornetzwerke beobachtet werden können, bevor ein Zugriff erfolgen muss. Der NSU-Skandal ist meiner Meinung nach ebenfalls einer dieser staatlichen Sicherheitsentscheidungen geschuldet, weshalb die Papierschredder angeschmissen werden mussten, nach dem Dutzende Opfer in Kauf genommen wurden.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erweiterten zahlreiche westliche Demokratien ihre Sicherheitsgesetze erheblich und nahmen tiefgreifende Eingriffe in Freiheitsrechte in Kauf, um weitere Anschläge zu verhindern.
Auch die viel diskutierte Hannibal-Doktrin der israelischen Streitkräfte entstand aus einer Logik extremer Gefahrenabwehr. Unabhängig von ihrer rechtlichen oder moralischen Bewertung zeigt sie ein universelles Prinzip staatlichen Handelns: In existenziellen Krisen müssen Regierungen Entscheidungen treffen, bei denen es keine vollkommen risikofreie Option gibt. Das Ergebnis ist bekannt, wenngleich die israelische Regierung dies vor der eigenen Bevölkerung erfolgreich deckeln konnte. Warum sollte ausgerechnet ein bewaffneter Putsch eine Ausnahme von diesem Grundsatz sein?
Damit ist keineswegs gesagt, dass sämtliche Entscheidungen nach dem 15. Juli richtig oder verhältnismäßig waren. Über den anschließenden Ausnahmezustand, die Massenentlassungen, die Verhaftungen und die tiefgreifenden Veränderungen des politischen Systems wird bis heute – zu Recht – kontrovers diskutiert. Doch diese Diskussion sollte nicht den Blick auf die Ausgangslage verstellen.
Bis heute wird darüber debattiert, weshalb der Putsch nicht – wie frühere Militärputsche – in den frühen Morgenstunden begann, sondern bereits gegen 21 Uhr. Nach offizieller Darstellung hatten Teile der Putschisten befürchtet, entdeckt worden zu sein, und zogen ihren Zeitplan vor.
Ob dies die vollständige Erklärung ist, bleibt Gegenstand historischer Forschung. Taktisch erscheint diese Darstellung jedenfalls nachvollziehbar, denn ein erfolgreicher Putsch lebt vom Überraschungsmoment – und kaum jemand würde freiwillig den Zeitpunkt wählen, an dem Millionen Menschen noch wach sind, Fernsehsender senden und soziale Medien funktionieren. Dabei würde man sprichwörtlich die Hosen runter lassen. Aber etwas hat die Putschisten dazu getrieben, sich die Blöße zu geben. Das war meiner Meinung nach der sicherheitspflichtige Plan des Staates.
Vielleicht erklärt genau dieses Dilemma auch die Reaktion der türkischen Opposition, den Unterschied zwischen der Wahrnehmung in Europa und derjenigen in der Türkei. Während in Europa häufig die Folgen des Putschversuchs im Mittelpunkt stehen, richtet sich der Blick in der Türkei vielfach auf die Frage, wie ein mutmaßlich über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk überhaupt in der Lage sein konnte, staatliche Institutionen zu unterwandern und einen bewaffneten Umsturzversuch einzuleiten. Beide Perspektiven sind legitim. Eine vollständige Analyse entsteht jedoch erst, wenn beide Fragen nebeneinander gestellt werden.
Der 15. Juli war nicht nur der Beginn einer politischen Entwicklung. Er war zunächst ein Tag, in der ein Staat innerhalb weniger Stunden Entscheidungen treffen musste – unter Zeitdruck, mit unvollständigen Informationen und ohne zu wissen, wie tief die eigene staatliche Sicherheitsarchitektur von der Gülen-Sekte bereits unterwandert war.
Geschichte wird häufig im Rückspiegel geschrieben. Verantwortung dagegen entsteht immer im Augenblick der Entscheidung. Insofern war es auch verständlich, dass die türkische Oppositionspartei CHP in ihrer Geschichte von einem kontrollierten Putschversuch sprach, wenngleich man aus opportunistischen Gründen damit etwas anderes suggerierte.
Ich denke aber, dass die damalige türkische Regierung, wenn sie denn von der CHP geführt worden wäre, dieselben Entscheidungen getroffen hätte und einen „kontrollierten Putschversuch“ zugelassen hätten, um die staatliche Sicherheitsarchitektur von der Sekte zu befreien – sprich einen Hardreset, dessen Folgen kalkulierbar bleiben.
Insofern vernehme ich diese Geschichte, die noch immer aus manchen Mündern zu hören ist, mit einem leichten Schmunzeln, weil politische Äußerungen eine geringe Halbwertzeit haben, wogegen staatliche Sicherheitsentscheidungen die existenzielle Grundlage der Türkei bilden.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
Idriz: Millionen friedliche Muslime bleiben unsichtbar
Ein Gastkommentar von Aras Karasun
Bei der AfD gehört ja das Thema „fremdländisch-sexualisierte Gewalt und sexueller Neid“ im Zusammenhang mit Migration schon länger zu den Hauptsäulen deren Politpropaganda.
Nahezu in allen Reden, Foren und Social-Media-Auftritten der AfD steht die „sexualisierte Gewalt durch migrantische Männer“ nonstop im Vordergrund. Die wiederholte Botschaft und Behauptung dahinter ist, dass die Gesellschaft schutzlos sei, die „sog. Altparteien“ versagen würden oder sogar Teil einer Verschwörung seien, während die AfD sich als Kraft darstellt, die „Frauen vor Vergewaltigung schützen wolle“.
Selbst russische Medien wie etwa RT, propagandistisch sehr eng mit der AfD verbunden, machten sich das zunutze. Der „Fall Lisa“ aus dem Jahr 2016. Das war damals ein riesiges Thema, das für extreme Spannungen gesorgt und die russischsprachige Community in Deutschland sowie die Politik massiv aufgewühlt hat.
Eine 13-jährige Russlanddeutsche (Lisa) aus Berlin verschwand für ca. 30 Stunden. Es verbreitete sich rasch das Gerücht – massiv befeuert von russischen Staatsmedien (wie RT) und rechtspopulistischen Kreisen –, das Mädchen sei von „Südländern“ bzw. Migranten und Flüchtlingen entführt und vergewaltigt worden.
Daraufhin kam es zu großen Demonstrationen innerhalb der russischen Community und von Russlanddeutschen vor dem Kanzleramt und in anderen Städten, weil vermutet wurde, die deutsche Polizei wolle den Fall vertuschen. Sogar der russische Außenminister Lawrow schaltete sich damals diplomatisch ein.
Die Staatsanwaltschaft konnte den Fall aber durch die Auswertung von Handydaten und Zeugenaussagen schnell aufklären. Das Mädchen war in der fraglichen Nacht freiwillig bei ihrem volljährigen Freund untergetaucht. Eine Vergewaltigung oder Entführung durch „Südländer-Migranten“ hatte nie stattgefunden.
Dieses Muster, die Verbindung von rassistischer Propaganda, pornografisch-sexualisierter Gewalt, Rassismus und dem Versprechen, eine bestimmte Gruppe von Frauen müsse vor Vergewaltigung geschützt werden, ist jedoch nicht neu. Es hat seine Ursprünge unter anderem in einem Stummfilm aus dem Jahre 1915, der den Ku-Klux-Klan propagandistisch aufbereitete, und wurde bereits vor über 100 Jahren als rassistisches Propagandamittel eingesetzt.
Der Ku-Klux-Klan war 1915 wegen Mitgliedermangels nahezu bedeutungslos geworden. Mit dem Stummfilm „The Birth of a Nation“ ist jedoch die simple Darstellung von weißen Rittern, die durch die Gegend ritten und zufällig weiße Frauen vor Vergewaltigung beschützten und abends in gemütlicher Runde die Kreuze anzündeten, massiv viral gegangen und kam beim Publikum sehr gut an.
Nach dem Erfolg des Films erhielt der Ku-Klux-Klan großen Zulauf und wuchs in den 1920er Jahren auf mehrere Millionen Mitglieder an. Das Muster, sexualisierte Angst und rassistischer Neid, erwies sich damals wie heute als äußerst wirksames Mittel zur Mobilisierung der dummen Massen. Daraus folgte damals eine Welle von Lynchmorden und Hinrichtungen.
Unter anderem saß ein 14-jähriger Junge namens George z. B. unschuldig in einer Todeszelle. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort und hatte die falsche Hautfarbe. Man beschuldigte ihn, zwei weiße Mädchen ermordet zu haben. Beweise? Keine. Nur ein erzwungenes Geständnis, erpresst von der Polizei, ohne Eltern, ohne Anwalt. Ein rein weißes Gericht brauchte gerade einmal zehn Minuten, um ein Kind zum Tode zu verurteilen.
Am Tag der Hinrichtung führten die Wärter einen verängstigten, 40 Kilo schweren Jungen zum elektrischen Stuhl. Er ist so winzig, dass die Apparatur der Erwachsenen nicht passt. Also nehmen sie eine dicke Bibel und nutzen sie als Sitzerhöhung. Als der Strom eingeschaltet wird, rutscht die viel zu große Todesmaske von seinem Gesicht und gibt den Blick frei auf ein Kind, das weint. Es dauerte genau 70 Jahre, bis ein Gericht das Urteil offiziell aufhob und feststellte: George Stinney Jr. war unschuldig. Es war ein Justizmord aus purem Rassismus.

Die Ursprünge des fremden oder zum Fremden stigmatisierten Vergewaltigers liegen aber nicht nur in den Südstaaten der USA, sondern auch vor allem in Deutschland.
Diese rassistische Vorstellung hat eine noch viel ältere antisemitische Vorgeschichte. Bereits im Mittelalter wurden Juden in Europa immer wieder durch antisemitische Legenden als angebliche Vergewaltiger, Kindesentführer oder als Bedrohung für christliche Frauen und Kinder diffamiert.
Das antisemitische Hetzblatt „Der Stürmer“ in der NS-Zeit spezialisierte sich ebenso auf pornografisch-sexualisierte Vergewaltigungserzählungen und machte sie zu einem Hauptbestandteil seiner antisemitischen Hetze.
Jüdische Männer wurden darin mit dämonischen, triebgesteuerten Darstellungen und anonymen Leserbriefen als sexuelle Gefahr und als angebliche Vergewaltiger diffamiert, untermalt von nötigen Porno-Karikaturen. Diese Auflagen wurden sogar als Sondernummern gekennzeichnet, da sie nachweislich den größten Verkaufserfolg als Masturbationsvorlagen hatten.
Genauso wie damals im Stürmer ist es auch heute so, dass die besonders bizarr ausgeschmückten Vergewaltigungsberichte die meisten Klickzahlen bringen. Das rassistische Bild des angeblich fremdkulturellen oder fremdreligiösen und fremdrassigen Mannes, der weiße Frauen verfolge, wurde anscheinend in der Geschichte bis heute immer wieder benutzt, um rassistische Bewegungen als vermeintliche „Schutzmacht der Frauen“ zu inszenieren.
Daher muss man natürlich feststellen, dass gleichrassige Vergewaltigungen weder beim Ku-Klux-Klan noch beim Stürmer oder bei der AfD kaum oder gar nicht thematisiert wurden. Es ging in diesem „Genre“ offensichtlich und ausschließlich um „fremdrassige Vergewaltiger“.

Dieses Bild von vergewaltigenden Migranten ist aber auch 2026 brandaktuell und nicht ein Relikt aus den Südstaaten oder der NS-Zeit.
Erst dieses Jahr hat Angela, eine 17-Jährige, einen gleichaltrigen Jungen (Onur) erstochen. Direkt danach behauptete sie, sie hätte sich nur gegen eine „versuchte Vergewaltigung“ gewehrt. Sie wurde von der Staatsanwaltschaft freigelassen, ohne die Indizien zu prüfen. Wahrscheinlich hatte der Staatsanwalt auch das Bild der „ewigen Vergewaltiger-Migranten“ im Kopf.
Der Schock kam bei der Auswertung ihres Handys. Die Ermittler fanden heraus, dass sie vorher im Netz gegoogelt hatte, wie man jemanden gezielt tötet. Die Vergewaltigung war offenbar nur eine schlechte Notlüge, um einen geplanten Mord zu vertuschen. Als die Polizei sie wegen Mordverdachts wieder verhaften wollte, war sie natürlich schon untergetaucht.
Auch der Film, den Elon Musk auf X zur Verfügung stellte, hat das Thema – man ahnt es – „migrantische Vergewaltigung“. Ein Mann macht Jagd auf „Vergewaltiger-Migranten“ und bringt gleich deren Familien auch um … Der Film wirkt wie eine Anleitung zum Rechtsterrorismus.
Die minderjährige Lisa, die minderjährige Messermörderin Angela, die AfD, Elon Musk, der Ku-Klux-Klan und der „Stürmer“-Herausgeber Julius Streicher hatten etwas gemeinsam. Alle wussten: irgendwas mit Vergewaltigung, irgendwas mit Migranten, Schwarzen, Juden und Vergewaltigung. Angebliche Fremdlinge und Vergewaltigung werden als rassistisches Narrativ von der breiten Masse akzeptiert.
Manchmal ist es schwer zu glauben, dass exakt dieses alte, wiedergekäute Propagandamuster, die Verbindung von Rassismus, sexualisierter Angst und Sexualneid-Gefühlen, auch heute noch durch die AfD eine so starke Wirkung entfalten konnte.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
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