Gastkommentar
„Irgendwas mit Vergewal­tigung“: Wie Rechtspopu­listen mit sexuali­sierter Angst mobil machen

Ein Gastkommentar von Aras Karasun

Bei der AfD gehört ja das Thema „fremdländisch-sexualisierte Gewalt und sexueller Neid“ im Zusammenhang mit Migration schon länger zu den Hauptsäulen deren Politpropaganda.

Nahezu in allen Reden, Foren und Social-Media-Auftritten der AfD steht die „sexualisierte Gewalt durch migrantische Männer“ nonstop im Vordergrund. Die wiederholte Botschaft und Behauptung dahinter ist, dass die Gesellschaft schutzlos sei, die „sog. Altparteien“ versagen würden oder sogar Teil einer Verschwörung seien, während die AfD sich als Kraft darstellt, die „Frauen vor Vergewaltigung schützen wolle“.

Der Fall Lisa und die Dynamik moderner Desinformation

Selbst russische Medien wie etwa RT, propagandistisch sehr eng mit der AfD verbunden, machten sich das zunutze. Der „Fall Lisa“ aus dem Jahr 2016. Das war damals ein riesiges Thema, das für extreme Spannungen gesorgt und die russischsprachige Community in Deutschland sowie die Politik massiv aufgewühlt hat.

Eine 13-jährige Russlanddeutsche (Lisa) aus Berlin verschwand für ca. 30 Stunden. Es verbreitete sich rasch das Gerücht – massiv befeuert von russischen Staatsmedien (wie RT) und rechtspopulistischen Kreisen –, das Mädchen sei von „Südländern“ bzw. Migranten und Flüchtlingen entführt und vergewaltigt worden.

Daraufhin kam es zu großen Demonstrationen innerhalb der russischen Community und von Russlanddeutschen vor dem Kanzleramt und in anderen Städten, weil vermutet wurde, die deutsche Polizei wolle den Fall vertuschen. Sogar der russische Außenminister Lawrow schaltete sich damals diplomatisch ein.

Die Staatsanwaltschaft konnte den Fall aber durch die Auswertung von Handydaten und Zeugenaussagen schnell aufklären. Das Mädchen war in der fraglichen Nacht freiwillig bei ihrem volljährigen Freund untergetaucht. Eine Vergewaltigung oder Entführung durch „Südländer-Migranten“ hatte nie stattgefunden.

Die historischen Wurzeln im amerikanischen Ku-Klux-Klan

Dieses Muster, die Verbindung von rassistischer Propaganda, pornografisch-sexualisierter Gewalt, Rassismus und dem Versprechen, eine bestimmte Gruppe von Frauen müsse vor Vergewaltigung geschützt werden, ist jedoch nicht neu. Es hat seine Ursprünge unter anderem in einem Stummfilm aus dem Jahre 1915, der den Ku-Klux-Klan propagandistisch aufbereitete, und wurde bereits vor über 100 Jahren als rassistisches Propagandamittel eingesetzt.

Der Ku-Klux-Klan war 1915 wegen Mitgliedermangels nahezu bedeutungslos geworden. Mit dem Stummfilm „The Birth of a Nation“ ist jedoch die simple Darstellung von weißen Rittern, die durch die Gegend ritten und zufällig weiße Frauen vor Vergewaltigung beschützten und abends in gemütlicher Runde die Kreuze anzündeten, massiv viral gegangen und kam beim Publikum sehr gut an.

Nach dem Erfolg des Films erhielt der Ku-Klux-Klan großen Zulauf und wuchs in den 1920er Jahren auf mehrere Millionen Mitglieder an. Das Muster, sexualisierte Angst und rassistischer Neid, erwies sich damals wie heute als äußerst wirksames Mittel zur Mobilisierung der dummen Massen. Daraus folgte damals eine Welle von Lynchmorden und Hinrichtungen.

Unter anderem saß ein 14-jähriger Junge namens George z. B. unschuldig in einer Todeszelle. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort und hatte die falsche Hautfarbe. Man beschuldigte ihn, zwei weiße Mädchen ermordet zu haben. Beweise? Keine. Nur ein erzwungenes Geständnis, erpresst von der Polizei, ohne Eltern, ohne Anwalt. Ein rein weißes Gericht brauchte gerade einmal zehn Minuten, um ein Kind zum Tode zu verurteilen.

Am Tag der Hinrichtung führten die Wärter einen verängstigten, 40 Kilo schweren Jungen zum elektrischen Stuhl. Er ist so winzig, dass die Apparatur der Erwachsenen nicht passt. Also nehmen sie eine dicke Bibel und nutzen sie als Sitzerhöhung. Als der Strom eingeschaltet wird, rutscht die viel zu große Todesmaske von seinem Gesicht und gibt den Blick frei auf ein Kind, das weint. Es dauerte genau 70 Jahre, bis ein Gericht das Urteil offiziell aufhob und feststellte: George Stinney Jr. war unschuldig. Es war ein Justizmord aus purem Rassismus.

Filmszene aus „Carolina Skeletons“ (1991), die die Hinrichtung des 14-jährigen George Stinney Jr. nachstellt. (Screenshot/Youtube)

 

Das antisemitische Hetzblatt Der Stürmer als Vorläufer

Die Ursprünge des fremden oder zum Fremden stigmatisierten Vergewaltigers liegen aber nicht nur in den Südstaaten der USA, sondern auch vor allem in Deutschland.

Diese rassistische Vorstellung hat eine noch viel ältere antisemitische Vorgeschichte. Bereits im Mittelalter wurden Juden in Europa immer wieder durch antisemitische Legenden als angebliche Vergewaltiger, Kindesentführer oder als Bedrohung für christliche Frauen und Kinder diffamiert.

Das antisemitische Hetzblatt „Der Stürmer“ in der NS-Zeit spezialisierte sich ebenso auf pornografisch-sexualisierte Vergewaltigungserzählungen und machte sie zu einem Hauptbestandteil seiner antisemitischen Hetze.

Jüdische Männer wurden darin mit dämonischen, triebgesteuerten Darstellungen und anonymen Leserbriefen als sexuelle Gefahr und als angebliche Vergewaltiger diffamiert, untermalt von nötigen Porno-Karikaturen. Diese Auflagen wurden sogar als Sondernummern gekennzeichnet, da sie nachweislich den größten Verkaufserfolg als Masturbationsvorlagen hatten.

Genauso wie damals im Stürmer ist es auch heute so, dass die besonders bizarr ausgeschmückten Vergewaltigungsberichte die meisten Klickzahlen bringen. Das rassistische Bild des angeblich fremdkulturellen oder fremdreligiösen und fremdrassigen Mannes, der weiße Frauen verfolge, wurde anscheinend in der Geschichte bis heute immer wieder benutzt, um rassistische Bewegungen als vermeintliche „Schutzmacht der Frauen“ zu inszenieren.

Daher muss man natürlich feststellen, dass gleichrassige Vergewaltigungen weder beim Ku-Klux-Klan noch beim Stürmer oder bei der AfD kaum oder gar nicht thematisiert wurden. Es ging in diesem „Genre“ offensichtlich und ausschließlich um „fremdrassige Vergewaltiger“.

Aktuelle Ausprägungen und Vorfälle im Jahr 2026

Dieses Bild von vergewaltigenden Migranten ist aber auch 2026 brandaktuell und nicht ein Relikt aus den Südstaaten oder der NS-Zeit.

Erst dieses Jahr hat Angela, eine 17-Jährige, einen gleichaltrigen Jungen (Onur) erstochen. Direkt danach behauptete sie, sie hätte sich nur gegen eine „versuchte Vergewaltigung“ gewehrt. Sie wurde von der Staatsanwaltschaft freigelassen, ohne die Indizien zu prüfen. Wahrscheinlich hatte der Staatsanwalt auch das Bild der „ewigen Vergewaltiger-Migranten“ im Kopf.

Der Schock kam bei der Auswertung ihres Handys. Die Ermittler fanden heraus, dass sie vorher im Netz gegoogelt hatte, wie man jemanden gezielt tötet. Die Vergewaltigung war offenbar nur eine schlechte Notlüge, um einen geplanten Mord zu vertuschen. Als die Polizei sie wegen Mordverdachts wieder verhaften wollte, war sie natürlich schon untergetaucht.

Auch der Film, den Elon Musk auf X zur Verfügung stellte, hat das Thema – man ahnt es – „migrantische Vergewaltigung“. Ein Mann macht Jagd auf „Vergewaltiger-Migranten“ und bringt gleich deren Familien auch um … Der Film wirkt wie eine Anleitung zum Rechtsterrorismus.

Die minderjährige Lisa, die minderjährige Messermörderin Angela, die AfD, Elon Musk, der Ku-Klux-Klan und der „Stürmer“-Herausgeber Julius Streicher hatten etwas gemeinsam. Alle wussten: irgendwas mit Vergewaltigung, irgendwas mit Migranten, Schwarzen, Juden und Vergewaltigung. Angebliche Fremdlinge und Vergewaltigung werden als rassistisches Narrativ von der breiten Masse akzeptiert.

Manchmal ist es schwer zu glauben, dass exakt dieses alte, wiedergekäute Propagandamuster, die Verbindung von Rassismus, sexualisierter Angst und Sexualneid-Gefühlen, auch heute noch durch die AfD eine so starke Wirkung entfalten konnte.

 


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Balkankriege
Srebrenica: Albrights und Soros‘ Kampf für die Muslime

Wenn die Weltöffentlichkeit am heutigen Jahrestag des Massakers von Srebrenica der Opfer gedenkt, blickt sie auf eine Geschichte zurück, die bis heute polarisiert.

Vor allem in der muslimischen Welt werden die ehemalige US-UN-Botschafterin Madeleine Albright und der Milliardär und Philanthrop George Soros oft kritisch gesehen – meist geprägt durch die spätere westliche Außenpolitik der späten 1990er-Jahre oder geopolitische Debatten der Gegenwart.

Doch ein weitgehend vergessenes, historisch dokumentiertes Kapitel des Bosnienkriegs (1992–1995) zeigt ein völlig anderes Bild: Jahre bevor die internationale Gemeinschaft nach jahrelangem Zögern endlich eingriff, führten Albright und Soros einen erbitterten, oft einsamen Kampf gegen die ethnischen Säuberungen an bosnischen Muslimen. Ihre eindringlichen Warnungen blieben ungehört – ein historisches Versäumnis, das das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg hätte verhindern können.

Eine gelähmte Weltordnung

Als 1992 der Krieg in Bosnien und Herzegowina ausbrach, reagierte die internationale Gemeinschaft mit einer Mischung aus Überforderung und kollektiver Lähmung. Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens begannen ultranationalistische bosnisch-serbische Truppen unter der Führung von Radovan Karadžić und General Ratko Mladić mit der systematischen Vertreibung und Ermordung der bosniakischen (muslimischen) Bevölkerung.

Die Europäische Union und die Vereinten Nationen setzten primär auf Diplomatie, Verhandlungen und ein striktes Waffenembargo gegen die gesamte Region. Was theoretisch wie eine Friedensmaßnahme klang, entpuppte sich in der Praxis als Todesurteil für die bosnischen Muslime: Während die serbischen Truppen über die massiven Waffenbestände der ehemaligen Jugoslawischen Volksarmee (JNA) verfügten, waren die Verteidiger Bosniens kaum bewaffnet und von jeglichem Nachschub abgeschnitten.

Die UN errichtete zwar sogenannte „Schutzzonen“ – darunter auch Srebrenica –, verweigerte den dort stationierten Blauhelmsoldaten jedoch das robuste Mandat, diese Zonen auch militärisch effektiv gegen Angriffe zu verteidigen.

Madeleine Albrights Kampf gegen das Pentagon: Der „Powell-Doktrin“-Konflikt

In Washington war die Clinton-Regierung in den Anfangsjahren tief gespalten. Auf der einen Seite stand das mächtige Pentagon unter der Führung von General Colin Powell, dem Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff. Powell vertrat die nach ihm benannte „Powell-Doktrin“:

Die USA sollten militärisch nur dann intervenieren, wenn vitale nationale Sicherheitsinteressen auf dem Spiel standen, ein klares politisches Ziel existierte und eine überwältigende militärische Übermacht eingesetzt werden konnte. Ein humanitärer Einsatz in Bosnien passte nicht in dieses Schema.

Auf der anderen Seite stand Madeleine Albright, die frisch ernannte US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Als Geflüchtete, die vor den Nationalsozialisten und später vor den Kommunisten aus der Tschechoslowakei geflohen war, sah Albright im Zögern des Westens eine moralische Bankrotterklärung. Sie lieferte sich im Lagezentrum des Weißen Hauses legendäre, hitzige Wortgefechte mit der Militärführung. In ihren Memoiren hielt sie ihren berühmten Ausspruch an Powell fest:

„Wozu haben wir eigentlich dieses großartige Militär, von dem Sie immer sprechen, wenn wir es nicht einsetzen können?“

Albright argumentierte leidenschaftlich, dass die Androhung und der gezielte Einsatz von NATO-Luftangriffen der einzige Weg seien, um die serbische Belagerung von Städten wie Sarajevo zu brechen und die Zivilbevölkerung vor dem Genozid zu schützen. Während westliche Diplomaten in Genf und New York endlose Resolutionen verfassten, warnte Albright unmissverständlich, dass das Zögern des Westens wie ein Freifahrtschein für Massenmorde wirke.

Sie wurde in dieser Phase von Kritikern oft als „Kriegstreiberin“ beschimpft – doch die Geschichte sollte ihr auf tragische Weise recht geben.

Aus den Fehlern und dem quälend langen Zögern in Bosnien zog Albright später radikale Konsequenzen: Als US-Außenministerin setzte sie sich Ende der 1990er-Jahre im Kosovokrieg von Beginn an vehement für eine kompromisslose NATO-Intervention ein, um ein „zweites Srebrenica“ an der albanisch-muslimischen Bevölkerung im Kosovo im Keim zu ersticken.

Sie trieb die 78-tägige NATO-Bombardierung Jugoslawiens im Jahr 1999 ohne UN-Mandat voran. Kritiker und Medien nannten den Kosovokrieg damals sogar ganz offiziell „Madeleines Krieg“ (Madeleine’s War).

31. März 1999: US-Präsident Bill Clinton wird von Außenministerin Madeleine Albright, CIA-Direktor George Tenet, dem Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff, General Hugh Shelton, und weiteren Beratern zur Lage im Kosovo informiert.Foto: William J. Clinton Presidential Library

Die private Intervention: George Soros’ 50-Millionen-Dollar-Rettungsanker

Während Albright im bürokratischen Apparat Washingtons und der UN durch die militärische Führung blockiert wurde, handelte der Milliardär und Philanthrop George Soros auf rein humanitärer Ebene.

Schockiert über die Tatenlosigkeit der westlichen Regierungen, entschied sich Soros im Dezember 1992 zu einem für eine Einzelperson beispiellosen Schritt: Er stellte 50 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen zur Verfügung, um ein exklusives Nothilfeprogramm für die belagerte Bevölkerung in Bosnien aufzubauen.

Unter den Bedingungen der grausamen Belagerung von Sarajevo, bei der die serbischen Truppen die Wasser-, Gas- und Stromzufuhr der Stadt komplett gekappt hatten, reichte Geld allein nicht aus. Soros’ Stiftung, die Open Society Foundations, transportierte unter Lebensgefahr Ingenieure und hochkomplexe Bauteile in die belagerte Stadt.Das Herzstück dieser Hilfe war der Bau einer Wasserfilteranlage, die bombensicher geschützt in einem ehemaligen Luftschutzbunker von Sarajevo installiert wurde.

Diese Anlage war imstande, zehntausende Bürger täglich mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, ohne dass sie sich an den von serbischen Scharfschützen ins Visier genommenen öffentlichen Brunnen in Lebensgefahr begeben mussten. Darüber hinaus finanzierte die Stiftung Generatoren für Krankenhäuser, reaktivierte Gasleitungen im bitteren Winter und unterstützte die unabhängige Zeitung Oslobođenje, damit die freie Berichterstattung in der belagerten Stadt nicht erstarb.

Laut dem Almanac of American Philanthropy belegen die Daten rückblickend eine historische Tatsache: Soros’ schnelles, unbürokratisches und rein privat finanziertes Eingreifen in Bosnien in den kritischen Wintern von 1992 bis 1994 rettete mehr zivile Leben als die logistischen Bemühungen aller westlichen Nationalstaaten zusammen.

Parallel zu dieser Logistik nutzte Soros seine globale mediale Reichweite und veröffentlichte flammende Essays in der New York Times und der Washington Post. Soros, der als Kind den Holocaust im besetzten Budapest überlebt hatte, zog direkte Parallelen zu den 1930er-Jahren. Am 18. Dezember 1992 erklärte er öffentlich:

„Mein Herz ist bei den Menschen, die vergewaltigt, geplündert und ermordet werden – nur weil sie bosnische Muslime sind. Die zivilisierte Welt muss sie beschützen, wenn wir selbst zivilisiert bleiben wollen.“

George Soros im Gespräch mit Ingenieuren und Arbeitern, die im November 1993 die Gasleitungen für die belagerte Bevölkerung von Sarajevo (Bosnien und Herzegowina) instand setzten – eine Maßnahme im Rahmen seines 50-Millionen-Dollar-Hilfsprogramms während des Krieges. (Foto: Screenshot/Open Society Foundation/B.Vuco)

August 1995: Die Aufklärungsbilder, die das Schweigen brachen

Die Tragödie gipfelte im Juli 1995. Die UN-Schutzzone Srebrenica fiel kampflos, während die dort stationierten niederländischen UN-Blauhelme von den serbischen Truppen überrannt wurden.

Innerhalb weniger Tage wurden über 8.000 bosniakische Männer und Jungen systematisch exekutiert.In den ersten Tagen nach dem Fall versuchten die Täter, die Spuren des Massenmords zu verwischen, indem sie die Leichen mit Bulldozern in improvisierten Massengräbern verscharrten und die Weltöffentlichkeit belogen.

Hier nutzte Albright die Kapazitäten der US-Geheimdienste und forderte die Freigabe von hochauflösenden Aufklärungsaufnahmen an.

Am 10. August 1995 trat Madeleine Albright vor den UN-Sicherheitsrat. In einer dramatischen, internen Sitzung zeigte sie den Mitgliedern geheime Satellitenbilder, die unter anderem Gefangene auf einem Fußballfeld zeigten. Gleichzeitig präsentierte sie freigegebene Aufnahmen von U-2-Spionageflugzeugen, auf denen die frisch aufgewühlte Erde über den Massengräbern deutlich zu erkennen war.

Vor den Weltmedien erklärte sie unmittelbar nach der Sitzung unmissverständlich:

„Es gibt überwältigende Beweise dafür, dass in dieser Region großflächige Gräueltaten an wehrlosen Zivilisten abseits des Schlachtfelds begangen wurden… Dies ist ein Fall, der eindeutig vom Kriegsverbrechertribunal untersucht werden muss.“

Dieser Moment brach die jahrelange diplomatische Lähmung im Westen. Die Bilder ließen keinen Raum mehr für Ausflüchte. Sie zwangen die Clinton-Regierung und die NATO schlussendlich zu den massiven Luftangriffen („Operation Deliberate Force“), die Albright und Soros bereits drei Jahre zuvor gefordert hatten.

Die Militäroperation zwang die serbische Führung an den Verhandlungstisch und führte schließlich zum Abkommen von Dayton – doch für die Opfer von Srebrenica kam dieses Einsehen Jahre zu spät.

In Bosnien und Herzegowina ist ihr damaliger Einsatz bis heute unvergessen.„Aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte war sie eine wahre Kämpferin für die Gerechtigkeit; sie konnte Ungerechtigkeit einfach nicht ertragen. Sie verstand zutiefst, dass Bosnien bitteres Unrecht widerfahren war, und sie suchte unermüdlich nach Wegen, dieses Unrecht zu korrigieren. Sie wurde in jenen dunklen Jahren zu unserer Stimme in der Welt“, so der damalige bosnische Außen- und Premierminister Haris Silajdžić im Jahr 2022, als Albright verstarb.

Ein Tag gegen das Vergessen

Die Aufarbeitung dieses Versagens reicht bis in die unmittelbare Gegenwart. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat eine historische Resolution verabschiedet, die den 11. Juli offiziell zum „Internationalen Tag des Gedenkens an den Völkermord von Srebrenica“ erklärt.

Diese Resolution ist ein entscheidender Schritt im Kampf gegen den bis heute in Teilen des Balkans verbreiteten Revisionismus und die Leugnung des Genozids.

Der historische Rückblick zeigt eine fundamentale Lektion: Geschichte ist selten schwarz-weiß. Auch wenn spätere politische Weichenstellungen dazu geführt haben, dass beide Figuren im Nahen Osten und in Teilen der islamischen Welt heute höchst kritisch gesehen werden.

So eckte Soros im jüdischen Staat selbst immer wieder an, da er die israelische Politik gegenüber den Palästinensern wiederholt scharf kritisierte und seine Stiftung die Blockade sowie das militärische Vorgehen im Gazastreifen offiziell als völkerrechtswidrige „kollektive Bestrafung“ der Zivilbevölkerung anprangerte. Dennoch bleibt die historische Wahrheit auf dem Balkan unumstößlich.

Als Bosniens Muslime vor der existenziellen Vernichtung standen und die mächtigsten Staaten der Erde wegschauten, waren es eine US-Diplomatin und ein Milliardär, die zu ihren lautesten, entschlossensten und effektivsten Verteidigern wurden. Am heutigen Gedenktag von Srebrenica bleibt diese Allianz eine mahnende Erinnerung daran, dass politisches Zögern im Angesicht von Menschenrechtsverbrechen niemals neutral ist – es trägt immer einen verheerenden menschlichen Preis.

 


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31 Jahre Srebrenica: Warum das Gedenken heute wichtiger ist denn je

Bosnien
31 Jahre Srebrenica: Warum das Gedenken heute wichtiger ist denn je

Morgen am 11. Juli 2026 jährt sich das Massaker von Srebrenica zum 31. Mal. Im Sommer 1995 verübten bosnisch-serbische Truppen unter den Augen der Weltöffentlichkeit den schwersten Völkermord auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Über 8.300 bosnisch-muslimische Männer und Jungen wurden innerhalb weniger Tage systematisch exekutiert. Mehr als drei Jahrzehnte später ist das Trauma in Bosnien und Herzegowina unvergessen und die damaligen Ereignisse senden brandaktuelle Warnsignale in das Europa der Gegenwart.

Das kollektive Versagen der Weltgemeinschaft im Jahr 1995

Die Tragödie von Srebrenica bleibt untrennbar mit dem Versagen der internationalen Staatengemeinschaft verbunden. Im Frühjahr 1993 hatten die Vereinten Nationen die ostbosnische Enklave offiziell zur UN-Schutzzone erklärt. Tausende geflüchtete Bosniaken suchten im Vertrauen auf dieses Versprechen Schutz im Stützpunkt Potočari, der von niederländischen UN-Blauhelmsoldaten bewacht wurde.

Als die Einheiten der bosnisch-serbischen Armee unter General Ratko Mladić am 6. Juli 1995 den Angriff begannen und die Stadt unter Dauerbeschuss nahmen, blieb die dringend angeforderte Luftunterstützung der NATO aus. Am 11. Juli fiel die Enklave kampflos.

Was folgte, war eine logistisch geplante Vernichtungsaktion: Frauen und Kleinkinder wurden unter Zwang deportiert, während Männer und Jungen im Alter zwischen 13 und 78 Jahren systematisch selektiert, abtransportiert und in den umliegenden Wäldern und Fabrikhallen ermordet wurden. Bis heute sind nicht alle Opfer identifiziert, da die Täter die Massengräber später mit Baggern aushoben und die Überreste auf weit entfernte Gebiete verteilten, um das Ausmaß des Verbrechens zu vertuschen.

Hasan Hasanovic und das Zeugnis gegen das Vergessen

Hinter den abstrakten Opferzahlen stehen tausende Einzelschicksale, die das Grauen greifbar machen. Eines davon ist das des Überlebenden Hasan Hasanović. Als die serbischen Truppen Srebrenica einnahmen, floh er gemeinsam mit seinen Brüdern Hajro und Hasib in die umliegenden Berge, um das freie bosnische Territorium zu erreichen. Es war ein tagelanger Todesmarsch durch unwegsames Gelände, belagert von serbischen Jagdkommandos.

Beide Brüder verloren auf der Flucht ihr Leben. Hasanović hielt jedoch ein Versprechen, das er seiner Mutter gegeben hatte: Mindestens zwei Söhne sollten die Freiheit erreichen. Er ließ den Leichnam seines getöteten Bruders Hasib nicht zurück, sondern trug ihn über 20 Kilometer weit durch die Wälder bis in die sichere Zone. Hasib wurde später das erste namentlich erfasste und begrabene Opfer des Genozids.

Seine bewegende Geschichte hat Hasanović im Buch „Srebrenica. Kein Vergessen. Kein Vergeben“ festgehalten. Dieses Werk ist ein unverzichtbares Zeugnis über die Geschehnisse zwischen 1992 und 1995 und bietet Erzählungen aus erster Hand. Für Hasanović ist das Schreiben ein Akt des Widerstands gegen die Normalisierung von Hass. Er mahnt eindringlich, dass das Erinnern an die Opfer nicht nur eine historische Pflicht ist, sondern eine notwendige Abwehrhaltung gegen heutige Ideologien, die sich in antimuslimischem Rassismus und rechtsextremer Hetze manifestieren.

Genozid-Leugnung als politische Waffe im Jahr 2026

Obwohl internationale Strafgerichte die Massaker unmissverständlich als Genozid eingestuft und die Hauptverantwortlichen zu lebenslanger Haft verurteilt haben, ist der Frieden auf dem Westbalkan im Jahr 2026 extrem fragil. In Serbien und im serbischen Teil Bosniens, der Republika Srpska, wird der Völkermord von den politischen Eliten bis heute geleugnet oder systematisch verharmlost.

Diese Weigerungshaltung spiegelt sich auch im Bildungssystem wider, wo das Thema aus den Lehrplänen verbannt wird. Verschärft wird die Situation durch anhaltende separatistische Bestrebungen radikaler Nationalisten, die eine Abspaltung von Bosnien-Herzegowina vorantreiben und dabei moralische Rückendeckung von rechtsextremen Gruppierungen aus ganz Europa erhalten. Die Spaltung der Gesellschaft verfestigt sich dadurch im Alltag der nachfolgenden Generationen.

EU verurteilt Genozid-Leugnung scharf

Unterstreichend für diese anhaltende Problematik verurteilte die Europäische Union am Freitag vor dem Jahrestag offiziell jegliche Form der Leugnung. In einer gemeinsamen Erklärung der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas und der Erweiterungskommissarin Marta Kos hieß es unmissverständlich, dass es in Europa keinen Platz für Genozid-Leugnung, Revisionismus oder die Verherrlichung verurteilter Kriegsverbrecher gebe.

Die EU-Vertreterinnen bezeichneten das Massaker als eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte und erinnerten an den Beschluss der UN-Generalversammlung vor zwei Jahren, den 11. Juli als internationalen Gedenktag zu verankern. Gleichzeitig riefen sie die politischen Führer der Region dazu auf, Verantwortung statt Spaltung und den Dialog statt der Konfrontation zu wählen.

Von Srebrenica bis Christchurch: Die Kontinuität des Hasses

Das Gedenken an Srebrenica besitzt im Jahr 2026 eine globale Relevanz, die weit über den Balkan hinausreicht. Ideologische Muster des antimuslimischen Rassismus, die damals zur Entmenschlichung der bosnischen Muslime führten, finden sich heute in den Manifesten moderner rechtsextremer Terroristen weltweit wieder.

So beriefen sich die Attentäter von Christchurch und Utøya in ihren Schriften explizit auf die serbischen Nationalisten der Balkankriege und verherrlichten die verurteilten Kriegsverbrecher von damals. Auch in Deutschland zeigen die rassistisch motivierten Anschläge von Halle und Hanau, wohin eine ungebremste gesellschaftliche Hetze und die Normalisierung von Hass führen können.

Das Erinnern an den Völkermord von Srebrenica ist daher kein Blick zurück in die Historie, sondern eine dauerhafte Mahnung für die Gegenwart, antimuslimischen Verschwörungstheorien und rechtsextremer Ideologie in einer offenen Gesellschaft entschlossen entgegenzutreten.

NATO-Gipfel
Yücel: An der Türkei kommt man nicht mehr vorbei

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Es muss für die türkische Opposition unter dem Doppelgespann Ekrem İmamoğlu und Özgür Özel mittlerweile frustrierend sein. Jahrelang erklärt man dem Publikum, die Türkei stehe kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps, außenpolitischen Isolation, verliere ihre Verbündeten, verärgere Europa, nerve die USA und tanze Russland auf der Nase herum.

Dann findet ein NATO-Gipfel statt – und ausgerechnet diejenigen, die gestern noch den Untergang prognostizierten, entdecken plötzlich, dass man an Ankara gar nicht mehr vorbeikommt oder dass man das Narrativ schleunigst ändern muss.

Wankelmütige Außenpolitik der CHP in der Kritik

Das sticht förmlich ins Auge, weshalb sogar innerhalb der Oppositionspartei CHP Kritik laut wird. So verurteilte Faik Tunay (CHP-Abgeordnete) die Wankelmütigkeit und den mangelnden klaren Kurs der türkischen Opposition in der Außenpolitik. In seiner konkreten Kritik gegenüber Özgür Özel und Ekrem İmamoğlu, warf er diesen vor, keine feste Linie zu vertreten und ihre Meinung je nach Situation oder Stimmung extrem zu wechseln:

So gebe man sich vor dem NATO-Gipfel pro-westlich und behaupte, man würde die Beziehungen zur NATO verbessern, wenn man an die Macht käme. Sobald aber die Delegation da sei und die Regierung sich von der besten Seite zeige und die Gäste gut bewirte, schlage die Stimmung plötzlich ins Gegenteil um – hin zu einer anti-westlichen Haltung und einer Annäherung an China und Russland.

Tunay warf der Opposition vor, mit dieser wankelmütigen Politik nicht einmal einen Tante-Emma-Laden führen zu können, geschweige denn ein Land. Ein erstaunlicher Befund und Sinneswandel, nicht nur bei der Opposition, sondern auch in Europa. Offenbar hat der Bosporus über Nacht seine geografische Lage geändert. Oder die Landkarte.

Staaten verfolgen Interessen, keine Freundschaften

Die eigentliche Pointe lautet nämlich nicht, dass Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf einmal ein Liebling westlicher Hauptstädte geworden ist. Das behauptet niemand mit ernsthaftem Blick auf die Weltpolitik. Die Pointe ist viel banaler: Staaten schließen keine Freundschaften, sie verfolgen Interessen. Das ist keine türkische Erfindung, sondern der erste Satz jedes halbwegs brauchbaren Lehrbuchs der Diplomatie und Geopolitik.

Und genau hier beginnt in vielerlei Hinsicht das eigentliche Drama. Seit Jahrzehnten ist die Türkei NATO-Mitglied, kontrolliert die Meerengen, sichert die Südostflanke des Bündnisses und verfügt über eine der größten Armeen der Allianz. Zuvor, vor dem Gipfel galt das als selbstverständlich. Heute wird dieselbe strategische Lage plötzlich als persönlicher Zaubertrick Erdoğans beschrieben. Als hätte er Anatolien heimlich zwischen Island und Grönland verlegt.

Erdogan beim Treffen mit Mark Carney am 7. Juli 2026 in Ankara

Doppelte Standards im westlichen Realismus

Die zweite bemerkenswerte Eigenheit mancher Kommentatoren besteht darin, dass sie geopolitischen Realismus ausschließlich bei der Türkei empörend finden. Wenn Washington mit Saudi-Arabien kooperiert, nennt man das Pragmatismus. Wenn Deutschland Gas aus Katar bezieht, spricht man von Versorgungssicherheit. Wenn Israel aus strategischen Gründen unterstützt wird, heißt es Staatsräson. Wenn aber die NATO mit der Türkei zusammenarbeitet, obwohl innenpolitische Kritik besteht, soll plötzlich ein moralischer Skandal vorliegen?

Die Moral scheint wie die Haltung äußerst dehnbar zu sein – zumindest wenn es um die Türkei geht. Besonders unterhaltsam wird es dort, wo juristische Verfahren automatisch zu politischen Urteilen verklärt werden. Natürlich darf und muss man über Rechtsstaatlichkeit, Verhältnismäßigkeit und richterliche Unabhängigkeit diskutieren. Das gehört zu einer Demokratie.

Weniger überzeugend ist jedoch die Vorstellung, jede Anklage sei automatisch politisch motiviert, sobald der Angeklagte Oppositioneller ist – und jede Anklage in westlichen Staaten selbstverständlich ein Triumph des Rechtsstaats. Eine erstaunlich dehnbare Rechtsphilosophie.

Sicherheitspolitik bestimmt das strategische Denken

Der eigentliche Elefant im Raum bleibt ohnehin die Sicherheitspolitik. PKK-Terror, der Syrienkonflikt, die Flüchtlingsfrage, das östliche Mittelmeer oder der Ausbau der türkischen Rüstungsindustrie tauchen in vielen westlichen Betrachtungen allenfalls als Randnotiz auf und die türkische Opposition macht darum einen ganz großen Bogen, nach dem man zuvor der Rüstungsindustrie nicht einmal zutraute, Angelfaden herzustellen.

Dabei prägen genau diese Themen seit Jahren das strategische Denken Ankaras – unabhängig davon, welche Partei gerade regiert. Vielleicht liegt darin das Missverständnis bzw. das selbstfabrizierte Dilemma. Wer internationale Politik ausschließlich durch die moralische oder politische Brille betrachtet, wundert sich regelmäßig über die harte Realität. Wer sie dagegen als Wettbewerb nationaler Interessen versteht, wundert sich höchstens darüber, warum manche Beobachter sich immer noch überrascht zeigen, eine abrupte Kehrtwende vollziehen oder gar in Schnappatmung geraten.

Die Geografie, in der die Türkei liegt, ist eben starr und nicht dehnbar wie die Moral und Haltung manch eines Moral- oder Politpredigers. Sie lässt sich weder wegkommentieren noch per Leitartikel verschieben. Der Bosporus liest keine deutschen Kolumnen, noch hat sie es nötig, sich etwas über Rechtsstaatlichkeit sagen zu lassen. Und die türkische Landkarte hat bis heute jede politische Mode überlebt, die Europa, Israel oder die USA ihr aufzustülpen versuchte.


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New York
Israelisches Konsulat verurteilt New Yorks First Lady Rama Duwaji

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New York – Das israelische Konsulat in New York hat die Ehefrau des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani, Rama Duwaji, in einer offiziellen Erklärung scharf verurteilt.

Hintergrund der diplomatischen Spannungen ist die aktive Teilnahme der aus Syrien stammenden Duwaji an einem Solidaritäts-Workshop zur Unterstützung von Palästinensern auf der französischen Insel Korsika. Bei dieser Veranstaltung soll Maria, die Mutter von Jesus, explizit als eine „palästinensische Frau, die unter Besatzung gebar“ dargestellt und geehrt worden sein.

Das israelische Konsulat reagierte mit deutlichen Worten auf diese Darstellung und warf Duwaji vor, eine falsche und gefährliche Erzählung gegen Israel zu verbreiten. In der offiziellen Stellungnahme hieß es, die Gleichsetzung oder Darstellung von Maria als Palästinenserin stelle eine bewusste historische Verzerrung dar. Zudem handele es sich um einen zynischen Versuch, die biblische Geschichte Jesu für zeitgenössische geopolitische und politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Die diplomatische Vertretung betonte in ihrer Erklärung die historischen Fakten aus ihrer Sicht: Jesus sei Jude gewesen und im historischen Land Judäa von seiner jüdischen Mutter Maria geboren worden. Jeder Versuch, ihn als Sohn einer palästinensischen Mutter darzustellen oder gar zu implizieren, er sei Muslim gewesen, verfälsche die Geschichte grundlegend und entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage. Dass nun die First Lady der Metropole New York eine solche politische Narrative aktiv unterstütze, stoße auf scharfe Ablehnung.

Der Vorfall sorgt in den USA und in internationalen politischen Kreisen für erhebliche Diskussionen. Kritiker werfen der Bürgermeistergattin vor, durch die Teilnahme an solchen Veranstaltungen die ohnehin aufgeheizte Debatte um den Nahostkonflikt weiter zu polarisieren. Unterstützer von Duwaji hingegen betonen die Meinungsfreiheit und das Recht, auf die humanitäre Lage der palästinensischen Bevölkerung aufmerksam zu machen. Die Debatte zeigt erneut, wie tief die Gräben bei historischen und religiösen Narrativen im Kontext des Nahostkonflikts verlaufen.

Die aktuellen Spannungen reihen sich in eine Serie von Kontroversen ein, da das Verhältnis zwischen Duwaji und israelischen Institutionen bereits seit Monaten als stark belastet gilt. Bereits im März dieses Jahres leitete das israelische Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten rechtliche Schritte ein, um ein Einreiseverbot gegen die Bürgermeistergattin zu erwirken. Als Begründung für diesen Schritt wurden ihre Aktivitäten in den sozialen Medien angeführt. Duwaji soll dort Beiträge positiv interagiert, geliked oder geteilt haben, die die Angriffe vom 7. Oktober verharmlosten oder feierten.

Zuletzt sorgte im Mai ein Vorfall in einem Café im New Yorker Stadtteil Brooklyn für mediale Aufmerksamkeit. Die amtierende Miss Israel, Melanie Shiraz, die sich zu diesem Zeitpunkt für eine Veranstaltung des israelischen Konsulats in der Metropole aufhielt, konfrontierte Duwaji dort zufällig. Laut Angaben von Shiraz brach die First Lady das Gespräch abrupt ab und verweigerte ein gemeinsames Foto, sobald sie erfuhr, dass es sich bei ihrer Gesprächspartnerin um eine Israelin handelte.

New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani bemühte sich angesichts der anhaltenden Debatten wiederholt um Schadensbegrenzung und distanzierte sich von den Kontroversen um seine Ehefrau. Er betonte in mehreren Stellungnahmen, dass Rama Duwaji eine Privatperson und eigenständige Künstlerin sei, die keinerlei offizielle Funktion oder politische Rolle in seiner städtischen Verwaltung innehat.

 


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Glücksspielbranche
Online-Slots: Langsame Spins ändern Prioritäten deutscher Spieler

Online-Casino-Slots unterliegen in Deutschland strengen Limits. Spielrunden müssen im Durchschnitt mindestens fünf Sekunden dauern und es darf höchstens 1 € gesetzt werden. Das wirkt sich direkt auf die Wahrnehmung seitens der Spieler aus.

Mobile-Apps reagieren direkt und Videoclips starten ohne Wartezeit. Daran ist man in der heutigen Schnelllebigkeit des Internets gewöhnt. Wenn sich dann Drehungen im Online-Casino nicht schnell hintereinander auslösen lassen, kann sich der Blick der Nutzer verändern. Viele achten jetzt viel genauer auf die Benutzeroberfläche und Hinweise zu Boni. Auch die spezifischen Slot-Regeln rücken immer weiter in den Vordergrund.

Im ersten Moment wirkt die Regel technisch, aber sie verändert die Wahrnehmung 

Ein Slot, der nicht nur aus schnellen Wiederholungen besteht, muss in jeder einzelnen Runde mehr liefern. Animationen, der Sound, die Symbole und die Anzeige wirken länger auf den Spieler ein. Auf diese Weise fällt es sehr viel schneller auf, wenn etwas nicht passt. Nur besonders laut oder bunt aufzutreten reicht für Betreiber heute nicht mehr aus. Oberflächen müssen gut lesbar bleiben, der Einsatz muss stets sichtbar sein und das Rundenergebnis darf nicht zwischen Effekten verschwinden. Hinweise zu Regeln und Funktionen sollten auch nicht erst nach einer langen Suche und mehreren Klicks auftauchen.

Vor allem Willkommensboni rücken stärker in den Blick. Online-Vergleichsportale ordnen solche Aktionen nach Betrag, Form und den wichtigsten Bedingungen ein. Wer sich dort zum Beispiel über einen 25€ Gratis Casino Bonus ohne Einzahlung informiert, findet typischerweise Informationen dazu, ob für die Aktivierung eine Einzahlung nötig ist, welche Spiele zugelassen sind, wie lange der Bonus gilt und ob Umsatzbedingungen oder Auszahlungslimits greifen. Der Blick auf den Betrag allein beantwortet diese Fragen nicht. Die 5-Sekunden-Regel macht solche Bedingungen nicht automatisch einfacher, bremst aber den reinen Schnellklick-Charakter. Dadurch wird wichtiger, was Nutzer vor und während des Spiels sehen.

Zahlen der GGL zeigen, dass virtuelle Automatenspiele kein kleines Nebenthema sind

Laut offiziellen Angaben der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder lagen die Spieleinsätze bei virtuellen Automatenspielen in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres (2026) bei rund 1,201 Milliarden €. Der gesamte Bereich länderübergreifender gefährlicher Glücksspiele kam auf 3,842 Milliarden €. Davon entfielen 3,220 Milliarden € auf das Angebot im Netz.

Ob einzelne Angebote verständlich, fair erklärt oder verbraucherfreundlich sind, bestätigen diese Werte nicht. Aber sie zeigen, dass es um einen wirtschaftlich relevanten Markt geht. Wenn viele Einsätze online stattfinden, wird die Gestaltung der ersten Sekunden zu mehr als einer Designfrage.

Ein Spielbild, ein Button, ein Betrag und ein kurzer Hinweis stehen auf dem Smartphone oft nebeneinander. Mehr Platz ist nicht. Wer dort nicht erkennt, was gilt, kann ein Angebot schnell falsch einschätzen. Deshalb stehen Bonusangebote stärker unter Beobachtung. Ein Betrag kann Aufmerksamkeit erzeugen und ein moderner Spielscreen kann Vertrauen erwecken. Beides ersetzt aber keine verständlichen Regeln.

Mobile Gewohnheiten prägen den ersten Eindruck

Bitkom meldete 2025, dass 52 % der Deutschen zumindest hin und wieder Computer- oder Videospiele spielen. Casual Games führen bei den Genres mit 76 %. Außerdem spielen 88 % der Gamer auf dem Smartphone. Casual Games führen bei den Genres mit 76 %. Außerdem spielen. Kurze digitale Runden, klare Buttons und schnelle Rückmeldungen sind also längst eingeübt.

Online-Slots greifen optisch teilweise ähnliche Muster auf. Sie arbeiten mit Kacheln, Symbolen, Animationen und kurzen Reaktionen. Das kann vertraut wirken, ändert aber nichts am Kern. Bei einem Casual Game können Geschick, Timing oder Strategie eine Rolle spielen. Bei virtuellen Automatenspielen entscheidet der Zufall.

Der 5-Sekunden-Takt macht diese Grenze sichtbarer, wenn man genauer hinschaut. Ein Spin ist kein Level, kein Match und keine Aufgabe, die durch Können besser gelöst wird. Er ist eine zufallsbasierte Runde mit festgelegtem Ablauf.

Gerade deshalb ist Lesbarkeit wichtig. Wenn Slots wie kurze Mobile-Games wirken, müssen Regeln, Einsatz und Bonuslogik umso klarer erkennbar sein. Sonst entsteht mehr Nähe zur Gaming-Optik, als inhaltlich gerechtfertigt ist. Ein 30€ Bonus ohne Einzahlung kann auffälliger wirken als kleinere Angebote. Für die Einordnung bleibt entscheidend, welche Regeln dahinterstehen und Vergleiche im Netz können Spielern dabei helfen, Boni besser einzuordnen.

Ein Bonus kann nur für bestimmte Spiele gelten. Manche Titel zählen nicht oder nur teilweise zu Umsatzbedingungen. Es kann Fristen geben, maximale Einsätze pro Runde oder Grenzen bei möglichen Auszahlungen. Auch eine Identitätsprüfung kann vor einer Auszahlung nötig sein.

Der langsamere Spin-Takt hilft nicht gegen jedes Missverständnis. Aber er macht deutlich, dass nicht alles nur auf Geschwindigkeit ausgelegt sein sollte. Wenn ein Spiel fünf Sekunden dauert, darf auch die Information dazu nicht auf einen halben Blick reduziert werden.

Die 5-Sekunden-Regel verändert, worauf der Blick fällt

Während eine Runde läuft, stehen Oberfläche, Einsatz, Symbole, Ton und Spielhinweise länger im Raum. Dort zeigt sich, ob ein Angebot sauber gestaltet ist oder nur schnell wirken will.

Für Nutzer sollte der erste Blick deshalb mehr leisten als Unterhaltung. Er sollte zeigen, welcher Einsatz läuft, ob Regeln auffindbar sind, wie Bonusbedingungen erklärt werden und welche Grenzen gelten. Je klarer diese Punkte sichtbar sind, desto weniger hängt die Einschätzung an Farbe, Effekt oder Bonuszahl.

Für Anbieter wird das ebenfalls wichtiger. Wer in einem regulierten Markt auffallen will, kann nicht nur auf Tempo setzen. Verständliche Oberflächen, ruhige Darstellung und transparente Angaben werden zum Teil des Angebots.

Ein Slot kann mobil aussehen, schnell reagieren und mit Effekten arbeiten. Trotzdem geht es nicht um Geschick, Fortschritt oder Spieltiefe, sondern um zufallsbasierte Runden mit Verlustrisiko. Gerade deshalb zählt, was in den ersten fünf Sekunden wirklich sichtbar wird.

Belgien: P
Brüssel: Premier De Wever am Flughafen mit Erdogan-Revolver

Brüssel – Ein höchst ungewöhnliches diplomatisches Geschenk des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat nach dem NATO-Gipfel in Ankara für erhebliche Aufregung und logistische Herausforderungen bei europäischen Regierungschefs gesorgt.

Wie belgische Medien am Donnerstag berichteten, überreichte Erdoğan den anwesenden Staats- und Regierungschefs als Erinnerung an das Treffen jeweils einen personalisierten, voll funktionsfähigen Revolver inklusive sechs Schuss Munition. Bei der Waffe handele es sich Berichten zufolge um ein historisch bedeutsames Modell, das in den 1990er-Jahren als erster moderner, in der Türkei produzierter Revolver auf den Markt kam und nun auch als Werbebotschafter für die türkische Verteidigungsindustrie dienen sollte.

Der belgische Premierminister Bart De Wever brachte das Präsent, bei dem sein Name in den Lauf eingraviert ist, unbewusst im Delegationsgepäck mit nach Hause. Das Paket wurde erst nach der Landung auf dem Militärflughafen in Melsbroek geöffnet, wo die Delegation die geladene Waffe samt Munition entdeckte. De Wever übergab den Revolver umgehend der dortigen Flughafenpolizei, die das Geschenk vorerst in einem Waffensafe sicherstellte. Das endgültige Schicksal des belgischen Präsents ist bislang noch ungeklärt.

Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf den höchst unterschiedlichen bürokratischen Umgang der europäischen Partner mit dem brisanten Gastgeschenk. Obwohl Erdoğan eine offizielle Notiz beilegte, die das Geschenk von den türkischen Exportkontrollen befreite, ließen mehrere Regierungschefs die Waffe vorsorglich direkt vor Ort zurück. Der britische Premierminister Keir Starmer erwähnte das Geschenk bereits am Mittwochabend und erklärte, er habe den Revolver in der Türkei gelassen, da eine Einfuhr nach Großbritannien illegal gewesen wäre.

Andere Staaten wählten den diplomatischen Dienstweg zur Sicherung. Ein Sprecher des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz teilte mit, dass die für Merz bestimmte Waffe an die deutsche Botschaft in Ankara übergeben wurde, um sie legal zu importieren und ordnungsgemäß in die offizielle staatliche Geschenkesammlung aufzunehmen.

Auch der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten ließ seine personalisierte Waffe bei der niederländischen Botschaft in der Türkei zurück, damit diese dort unbrauchbar gemacht und sicher gelagert werden kann.

Neben den Regierungschefs erhielten auch EU-Ratspräsident Antonio Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jeweils ein Exemplar. Ein Sprecher von der Leyens bestätigte am Donnerstag, dass die Waffe sicher transportiert und verwahrt werde. Die Kommissionspräsidentin plant demnach, den Revolver nach einer Deaktivierung an ein Militärmuseum zu spenden.

Hintergrund: Ein diplomatisches Marketing-Geschenk
 
Die Gümüşay .357 steht symbolisch für den historischen Startschuss einer gigantischen Entwicklung der Türkei zur Rüstungsgroßmacht. Vor 20 Jahren war das Land noch massiv von westlichen Waffenimporten abhängig. Der Revolver markiert den Beginn der heimischen Eigenproduktion von Handfeuerwaffen. Heute exportiert die Türkei Rüstungsgüter im Wert von 11 Milliarden Dollar jährlich (von Pistolen bis hin zu weltbekannten Kampfdrohnen) und rangiert global unter den Top-Exporteuren. Erdoğan demonstriert den NATO-Partnern damit stolz das technologische Fundament dieses Erfolgs.
 
Die Waffe wurde in den 1990er-Jahren nur in sehr geringer Stückzahl hergestellt. Heute baut die Türkei fast ausschließlich moderne, teilautomatische Pistolen. Dieser klassische Trommelrevolver ist deshalb eine absolute Sammlerkuriosität und ein historisches Statussymbol des Landes – veredelt durch die persönliche Gravur des jeweiligen Staatschefs.
 

 


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Gastkommentar
Trump und Erdoğan: Warum die Türkei zur Trumpfkarte wird

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Seit Tagen ist in westlichen Medien ein bemerkenswertes Schauspiel zu beobachten. Kaum rückte der NATO-Gipfel näher, häuften sich Analysen über die Türkei. Mal war sie „unberechenbar“, mal ein „Vertrauensproblem“, mal gar eine Gefahr für das Bündnis. Im Vordergrund stand ständig Recep Tayyip Erdoğan, der als “Autokrat” mit Trump geheime Pläne schmiedet.

Parallel dazu trat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in mehreren US-Fernsehsendern auf und warnte eindringlich vor einer militärischen Stärkung Ankaras – insbesondere mit Blick auf die F-35-Debatte.

Und dann geschah etwas Bemerkenswertes. Donald Trump trat bei Ankunft im Flughafen Esenboğa an Recep Tayyip Erdoğan beinahe freundschaftlich und herzlich heran, sprach von einer engen Zusammenarbeit und signalisierte, dass Washington seine Entscheidungen nicht nach den Wünschen Dritter treffen werde. War das ein Wink mit dem Zaunpfahl an Israel?

Auf den ersten Blick mag es so wirken, als habe Donald Trump die Türkei politisch aufgewertet. Tatsächlich jedoch nutzte er lediglich eine bereits bestehende Realität: die gewachsene strategische Bedeutung Ankaras. Indem er diese offen anerkannte, setzte er zugleich Netanjahu Grenzen. Genau hier liegt der zentrale Punkt, den viele westliche Analysen verkennen und stattdessen Erdoğan aufgreifen.

Denn nicht Trump hat die Türkei stark gemacht. Vielmehr ist es eine Kombination struktureller Entwicklungen:

Die Geografie. Der Ukrainekrieg. Die Instabilität im Nahen Osten. Die Energiepolitik Europas. Und die Rückkehr klassischer Machtpolitik.

Diese Faktoren haben die Türkei in eine Position gebracht, die sich nicht mehr ignorieren lässt. Um diese Entwicklung zu verstehen, lohnt ein Blick zurück.
Jahrzehntelang wurde Ankara im Westen oft als schwieriger und unzuverlässiger Verbündeter behandelt, obwohl die Türkei sich als Bündnispartner selten bis gar keine gravierende Fehltritte leistete.

Stattdessen stimmte Ankara den NATO-Beitrittserklärungen Schwedens und Finnland trotz massive Bedenken zu. Solange sie lediglich als südöstlicher NATO-Außenposten galt, schien diese Einordnung ausreichend. Doch die geopolitische Lage hat sich grundlegend verändert.

Heute verlaufen die zentralen Konfliktlinien genau durch jene Region, in der die Türkei seit Jahrhunderten liegt: Schwarzes Meer, Kaukasus, östliches Mittelmeer, Syrien und die Energiekorridore zwischen Asien und Europa. Aus dieser Verschiebung ergibt sich zwangsläufig eine Neubewertung. Mit einem Mal wird aus dem „schwierigen Partner“ ein unverzichtbarer Akteur. Zumindest für Washington.

Genau darin liegt die eigentliche Ironie.

In Washington wurde diese bei ahe feindselige Haltung lange Zeit auch im US-Senat beibehalten. Und heute? US-Senator Lindsey Graham, ein vehementer Verteidiger israelischer-, griechischer- und zypriotischer Interessen, der bis zuletzt gegenüber der Türkei die Krallen ausgefahren hatte, mutiert jetzt zum Schmusekater.

Viele europäische Kommentare interpretieren bis heute jede selbstbewusste türkische Außenpolitik weiterhin als Problem. Tatsächlich ist sie jedoch Ausdruck veränderter Machtverhältnisse. Staaten, deren strategischer Wert steigt, verhandeln selbstbewusster. Das gilt für die USA, für Frankreich, für Israel – und ebenso für die Türkei.

Vor diesem Hintergrund erscheinen auch Netanjahus öffentliche Warnungen in einem anderen Licht. Wenn die Türkei tatsächlich geopolitisch unbedeutend wäre, warum investiert der israelische Regierungschef dann so viel politische Energie, um vor ihrer militärischen Aufwertung zu warnen? Schon diese Frage verdeutlicht, dass Ankara heute anders wahrgenommen wird als noch vor wenigen Jahren.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Trump eine „pro-türkische“ Politik verfolgt.
Im Gegenteil: Trump verfolgt in erster Linie US-amerikanische Interessen.
Und genau deshalb ist die Türkei für ihn relevant.

Sie kontrolliert die Meerengen.
Sie verfügt über die zweitgrößte Armee der NATO.
Sie beeinflusst das Schwarze Meer.
Sie ist in Syrien, sie ist im Irak präsent.
Sie spielt im Südkaukasus eine Schlüsselrolle.
Sie ist Transitland und zunehmend Energie-Hub.

Diese Faktoren machen die Türkei zu einem strategischen Knotenpunkt, den kein US-Präsident auf Dauer ignorieren kann – unabhängig von persönlichen Sympathien gegenüber Erdoğan.

Daraus ergibt sich eine klare Schlussfolgerung.

Die eigentliche Botschaft der vergangenen Tage ist nicht, dass Washington plötzlich Ankara bevorzugt. Vielmehr zeigt sich, dass die Zeit vorbei ist, in der andere Hauptstädte selbstverständlich davon ausgehen konnten, über die strategische Rolle der Türkei mitzuentscheiden und fast schon stiefmütterlich zu behandeln.

Ob CAATSA-Sanktionen, F-35, NATO oder Nahost – am Ende entscheidet Washington nach eigenen Interessen, oft über die Köpfe europäischer Hauptstädte hinweg. Und Ankara handelt nach türkischen Interessen. Das ist weder außergewöhnlich noch skandalös. Es ist Geopolitik.

Genau darin liegt die zentrale Lehre dieses NATO-Gipfels – insbesondere für europäische Analysten und Experten, die jetzt erst eine Welt nachzeichnen, die ihr gerecht wird. Nicht Trump benutzt die Türkei als Trumpfkarte. Die internationale Machtverschiebung hat die Türkei selbst zu einer Trumpfkarte gemacht – und zwingt nun alle Akteure, ihre Strategien entsprechend anzupassen.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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F-35-Deal mit Türkei: Hegseth sagt Treffen mit Netanjahu ab

Washington – Der geplante F-35-Verkauf an die Türkei sorgt für massive diplomatische und innenpolitische Spannungen.

Wie ein israelischer Insider der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte, hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ein für Mittwoch geplantes Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz kurzfristig abgesagt.

Es wäre Hegseths erster Besuch als Pentagon-Chef in Israel gewesen. Offiziell hieß es aus israelischen Medienberichten, die Absage sei vor dem Hintergrund der akut steigenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran erfolgt. US-Präsident Donald Trump hatte parallel dazu erklärt, dass das von den USA und Israel initiierte Abkommen zur Beendigung des Iran-Konflikts vorbei sei und er keinen Dialog mit Teheran suche. Die US-Botschaft in Israel lehnte eine sofortige Stellungnahme zu den geplatzten Terminen ab.

Hintergründe des abgesagten Besuchs

Hinter den Kulissen gilt der potenzielle Rüstungsdeal mit Ankara jedoch als der eigentliche Sprengsatz für die Gespräche. Hegseth sollte direkt vom NATO-Gipfel aus der Türkei anreisen.

Dort hatte US-Präsident Donald Trump an der Seite des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan verkündet, die US-Sanktionen gegen Ankara aufheben und eine Lieferung der F-35-Tarnkappenjets definitiv in Betracht ziehen zu wollen. Trump betonte dabei die veränderte Dynamik, da sich die Beziehungen zur Türkei seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 markant verbessert hätten und sich die Türkei in vielerlei Hinsicht loyal verhalten habe.

Zerreißprobe in Washington: Widerstand im Kongress

Dass der geplatzte Besuch in Israel auch dazu dienen sollte, die massiven Bedenken der israelischen Führung zu zerstreuen, verdeutlicht die geopolitische Tragweite. Der potenzielle Jet-Verkauf führt in Washington zu einer echten innenpolitischen Zerreißprobe. Während die Trump-Administration den Deal mit dem NATO-Partner vorantreiben will, formiert sich im US-Kongress, insbesondere aufseiten der Demokraten, aber auch parteiübergreifend, erbitterter Widerstand.

Angeführt von dem Republikaner Mike Lawler und dem Demokraten Brad Sherman warnte eine Abgeordnetengruppe das Weiße Haus in einem Brief vor der antisraelischen Rhetorik Ankaras und dessen Beziehungen zum Iran. Die demokratische Abgeordnete Dina Titus hat zusammen mit 18 weiteren Abgeordneten bereits Gesetzesinitiativen gestartet, um den Transfer von F-35-Jets und Triebwerken an die Türkei gesetzlich zu blockieren.

Auch einflussreiche Senatoren wie Rick Scott betonen, dass ein Verkauf rechtlich so lange blockiert bleibt, bis die gesetzlichen Auflagen bezüglich des russischen S-400-Systems restlos erfüllt sind. Der Kongress beharrt darauf, dass der Präsident bestehende Gesetze nicht einfach per Dekret umgehen darf.

Unterstützt wird diese Blockade von mächtigen Lobbyorganisationen wie dem American Israel Public Affairs Committee (AIPAC). Diese pro-israelische Lobby übt massiven Druck auf Abgeordnete aus und argumentiert, die F-35-Lieferung würde Israels qualitative militärische Überlegenheit in der Region gefährden.

Parallel dazu fordern griechisch-amerikanische Organisationen des Hellenic Caucus den Schutz der Stabilität im Mittelmeerraum und verlangen die Einhaltung bestehender Rüstungsbeschränkungen. Zudem veröffentlichen sicherheitspolitische Think-Tanks wie die Foundation for Defense of Democracies regelmäßige Analysen, die den Kongress explizit auffordern, als gesetzliche Brandmauer gegen Trumps Pläne zu fungieren.

Netanjahu warnt vor Verschiebung der Machtverhältnisse

Israel selbst macht aus seiner Ablehnung kein Geheimnis. Ministerpräsident Netanjahu betonte in einem Interview, dass er den Verkauf von F-35-Jets an die Türkei strikt ablehne und dies auch gegenüber Trump klargestellt habe, da dies das Gleichgewicht der Kräfte im Nahen Osten zerstören würde, weil die Türkei aggressive Ambitionen habe. Israel befürchtet konkret, dass seine eigene Luftüberlegenheit durch moderne türkische Stealth-Jets bedroht werden könnte.

Die Türkei war nach dem Kauf des russischen S-400-Luftabwehrsystems aus dem F-35-Programm ausgeschlossen worden, da Washington Spionage-Risiken für die Jet-Technologie befürchtete. Ankara kritisierte den Ausschluss stets als ungerecht und argumentierte, die USA hätten der Türkei damals keine Wahl gelassen, weil sie die Lieferung von Patriot-Abwehrsystemen verweigerten.

Erdoğan betont seither, dass eine Wiederaufnahme nicht nur gerecht sei, sondern auch die NATO stärken würde. Zudem wirft die Türkei Israel regelmäßig vor, die diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran gezielt zu untergraben.  Die türkische Führung hat das Vorgehen Israels im Gazastreifen mit dem der Nazis während des Holocaust verglichen.

Obwohl Insider berichten, dass Trump fest entschlossen ist, sich hinter den Verkauf zu stellen, bleibt das Vorhaben durch die Gesetzeslage blockiert.

 


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Kommentar
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Von Polat Karaburan

Unser Bericht über die lautstarke Kritik in den sozialen Netzwerken hat eines deutlich gezeigt: Die Sympathien für den spanischen Premier Pedro Sánchez und seine klare Haltung im Nahostkonflikt sind in der muslimischen Welt riesig. Die Enttäuschung vieler Nutzer darüber, dass Sánchez am Flughafen in Ankara „nur“ von Familienministerin Mahinur Özdemir Göktaş empfangen wurde – während US-Präsident Donald Trump eine feierliche Pferde-Eskorte erhielt –, ist emotional absolut nachvollziehbar.

Ein genauerer Blick auf die Abläufe zeigt jedoch: Ankara hat hier nicht aus Missachtung gehandelt, sondern sich strikt an das weltweite Protokoll gehalten.

Der entscheidende Unterschied liegt im Charakter der Reise. Donald Trump absolvierte parallel zum NATO-Treffen einen offiziellen, bilateralen Staatsbesuch in der Türkei. Ein solches Format verlangt protokollarisch nach den höchsten staatlichen Ehren und dem persönlichen Empfang durch das Staatsoberhaupt.

Pedro Sánchez hingegen reiste – genau wie die über 30 anderen Staats- und Regierungschefs – im Rahmen einer multilateralen Delegation ausschließlich für den NATO-Gipfel an. Bei solchen Großereignissen ist es absolut standardisiert, dass die Gäste von Regierungsmitgliedern am Rollfeld begrüßt werden. Weder der deutsche Bundeskanzler noch der französische Präsident erhielten einen anderen Empfang als Sánchez. von einer „Abwertung“ kann also rein formal keine Rede sein.

Dass die türkische Führung die Arbeit von Sánchez in Wahrheit zutiefst schätzt, zeigte sich ohnehin abseits der Kameras am Flughafen: Trotz des extrem straffen Gipfel-Zeitplans räumte Recep Tayyip Erdoğan dem spanischen Premier ein exklusives, bilaterales Sondertreffen im Präsidentschaftspalast ein – eine Ehre, die keineswegs jedem Delegationsleiter zuteilwurde.

Soziale Medien leben von schnellen Symbolen und dem direkten Vergleich von Bildern. Reale Diplomatie und politische Wertschätzung bemessen sich jedoch nicht nach den Metern des roten Teppichs am Flughafen, sondern nach der Substanz der Gespräche hinter den Kulissen. Und dort haben Ankara und Madrid einmal mehr bewiesen, wie eng sie in den entscheidenden Fragen beieinanderstehen.

 

 


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