Israel
Kommentar: „Der Zionismus besteht aus Lügen“

Ein Gastkommentar Michael Thomas

Seit vielen Jahren bereits bin ich über die dröhnende Stille, die das „Thema Israel“ innerhalb jüdischer Gemeinden umfängt, sehr verwundert. Denn es ist sehr wohl ein Thema.

Ich bilde mir nicht ein, jüdische Spiritualität und Schriften durchdrungen zu haben oder besondere Kenntnisse darin zu besitzen.

Was sagt die Schrift zim „Existenzrecht“? Was sagen die Gelehrten?

Aber eines immerhin weiß ich:

Die Existenz eines „jüdischen Staates“ ist unter jüdischen Gelehrten nicht unumstritten. Es gibt unter ihnen nicht wenig Stimmen, die das Existenzrecht Israels aus religiösen Gründen unter Hinweis auf die Schrift ablehnen. Manche gehen so weit zu sagen, dass es ihrer Exegese nach einen solchen Staat nicht geben dürfe. Sie verweisen dabei auf Kesubot 111a in der Tora. (1.)

Gerade ultraorthodoxe Juden wollen hierin ein göttliches Gebot sehen, keinesfalls aus eigenem Antrieb, sondern ausschließlich nur auf direkten Befehl Gottes einen neuen Staat Israel zu gründen – und sie sehen diesen Befehl als bisher nicht erteilt. Infolgedessen betrachten viele von ihnen die Existenz des „jüdischen Staates Israel“ als Sakrileg und lehnen ihn ab. 

Hier ist besonders die Gruppe „Neturai Karta“ (aus dem Aramäischen „Wächter der Stadt“ [Jerusalem]) zu erwähnen, die seit den 40’er Jahren des letzten Jahrhunderts engagiert gegen den Staat Israel und insbesondere gegen den Zionismus zu Felde ziehen. (2.)

Man versucht sie mit dem Vorwurf zu isolieren, sie hätten angeblich den Holocaust geleugnet, weil ihre Vertreter an einer Versammlung zusammen mit anderen teilgenommen hatten, die als Holocaustleugner bekannt sind. Allerdings hat „Neturai Karta“ auf dieser Versammlung den Holocaust unter Hinweis auf eigene Opfer anerkannt.

Basierend auf einem anderen, jüdischen Grundgedanken gründete der Jude und bekennende Antizionist Richard Silverstein die Bewegung „Tikun Olam“, was in etwa „Die Welt zu einem besseren Ort machen“ bedeutet. (3.)

Silverstein sieht die Realität der Politik Israels hart mit den „Mizwot“, den Geboten des Judentums kollidieren und engagiert sich als Journalist intensiv im Kampf gegen den Zionismus, der seiner Auffassung nach in direktem Widerspruch zu den Schriften und dem Glauben steht.

Anzumerken ist, dass sich innerhalb des Judentums massive, auch spirituelle, ganz grundsätzliche Kritik an der bloßen Existenz Israels nicht nur auf diese beiden Aktionen bzw. Gruppen reduziert, sondern dass es eine Vielzahl solcher und ähnlicher Aktivitäten unterschiedlicher Nuancierung gibt. Auch in Israel selbst gibt es kontroverse Diskussionen, auch wenn diese zwar den Staat Israel als solchen, keineswegs jedoch dessen Politik infrage stellen.

Nicht allein durch die teilweise extremen, manipulatorischen Bemühungen der israelischen Politik, sondern auch durch die tätige Mithilfe ihrer „Freunde“ konnten unter anderem auch die Stimmen von „Neturai Karta“ und „Tikun Olam“ beispielsweise bisher immer erstickt und der öffentlichen Wahrnehmung entzogen werden.

Es wurde das Bild eines gewissermaßen monolithischen Blocks „der Juden“ erzeugt, die vorgeblich ausnahmslos nichts sehnlicher wünschen, als einen stark militarisierten, „jüdischen Staat Israel“, dessen angeblich einzige Überlebenschance im ewigen Kampf liegen würde.

Differenzierung findet auch und gerade in Deutschland nicht statt. Im Gegenteil wird dieses falsche Bild „der Juden“ betoniert und direkt auf Israel bezogen. Weder der Zentralrat der Juden Deutschlands, der zwar von der Regierung finanziert wird, allerdings nur einen Teil der jüdischen Gemeinschaften repräsentiert, noch die Bundesregierung selbst hat jemals auf die offenen Fragen von Juden reflektiert, inwiefern Israel als Staat existieren dürfe. Oder ob die aktuelle Kriegspolitik Israels spirituell vertretbar wäre.

Aber bereits vor vielen Jahren begann diese Phalanx des eisenharten Schweigens dazu zunächst in den USA zu zerbrechen. Immer und immer mehr vor allem junge Juden konfrontierten die Älteren in ihren Gemeinden mit der Frage, ob die anhaltende Gewalt und Ungerechtigkeit Israels mit dem Glauben vereinbar wären. Erste Risse zeigten sich, kritische und ablehnende Gruppen erhielten Zulauf.

Wie ich schon vor langer Zeit in einem Essay eines Juden aus den USA las, versuchten viele Ältere, die noch persönliche Holocausterfahrung hatten, diese Diskussion aus Angst zu erdrücken. Ihnen schien, trotz wahrgenommener Fehler und Schieflagen in Israel, dies Land als möglicher Fluchtpunkt und sicherer Hafen erstrebenswert zu sein.

Diese innere Haltung und die Angst, die daraus spricht, allen volltönenden Versprechen zum Trotz doch wieder zum Ziel von Vertreibung und Vernichtung werden zu können, kann und konnte ich menschlich immer nachvollziehen und verstehen. Vergessen wir nicht, dass der Pogrom im nationalsozialistischen Deutschland letztlich nur einer von vielen in der Geschichte war und manchen davon immer Phasen der Reue und Versprechungen gefolgt waren.

Unter dem Eindruck der zurückliegenden Jahre voller Zerstörung, Tod und Leid, gewinnen diese grundsätzlichen Diskussion um das „Existenzrecht Israels“ gerade auch innerhalb des Judentums allerdings deutlich an Lautstärke und Einfluss. Heute mehren sich die Reihen jüdischer Gelehrter, die diese ganz grundlegenden Fragen stellen – und sich zu organisieren beginnen.

Inwiefern sie eines Tages den grundsätzlichen Streit um die religiöse Zulässigkeit eines Israels innerhalb der jüdischen Weltgemeinschaft zum Gegenstand einer Auseinandersetzung machen können oder werden, wird heute niemand erahnen können.

Allerdings ist die bloße Existenz einer nunmehr größeren Organisation, die sich jetzt mit der Jewish Diaspora Movement (JDM) gegründet hat und ein starkes Anwachsen erfährt, ein extrem wichtiger Kontrapunkt gegen zionistische Behauptungen. (4.)

Denn dort versammelt sich spirituelle Kompetenz in den Personen von Rabbis, die nicht vom Tisch gefegt und ignoriert werden kann. Mit der JDM wird nun laut, was ich seit mindestens zwanzig Jahren und mehr vermisse: eine hör- und sichtbare Diskussion von Juden unter Juden über ganz grundlegende Fragen in Bezug auf Israel.

Flankiert wird sie durch weitere, jüdische Organisationen, die aus ihrem Entsetzen über die aktuelle Lage und die anhaltend aggressive Kriegs- und Eroberungspolitik dieses Israels die Abwanderung von Juden aus dem Land unterstützen. Solche, die vielleicht zu einem Israel stehen, aber keineswegs zu diesem konkreten Staat.

Nichtjuden steht meines Erachtens mangels Studium und Kenntnis der Schriften keine Teilnahme an dieser religiös zu führenden Diskussion zu – und selbstverständlich werde und würde ich mich aus Respekt daran niemals beteiligen.

Aber natürlich beobachte ich sie.

Und ihre bloße Existenz sagt mir unter Hinweis auf Gelehrte, dass der Zionismus aus Lügen besteht. Ich halte die Organisation JDM zusammen mit Richard Silverstein und Neturai Karta für einen Beweis, dass der Zionismus keineswegs die, wie behauptet, logische und legitime Folgerung aus dem jüdischen Glauben und somit identitätsstiftend sei.

Zusammen mit den Bestimmungen des Völkerrechts, dem ja beispielsweise auch mit Artikel 25 Grundgesetz Deutschland unterworfen ist, ergeben antizionistische Überlegungen eine neue Sichtweise, die der Darstellung der deutschen Regierung beispielsweise auf breiter Front widerspricht, die sich ausschließlich nur auf das verschobene Bild eines Judentums bezieht, wie es der israelischen Politik dient.

Hier wird ein fundamentales Umdenken, eine tiefgreifende Revision unseres bisherigen Umgangs mit diesem Israel sofort dann zwingend notwendig, wenn wir unser Verhalten tatsächlich an der historischen Schuld Deutschlands an Juden ausrichten wollen. Wir müssen es nämlich auch an den Juden ausrichten, die die Existenz Israels ablehnen. Sobald wir diese Opposition ignorieren, unterscheiden wir zwischen „guten, echten“ und „bösen, falschen“ Juden.

Und genau das steht uns nicht zu.

  1. https://www.sefaria.org/Ketubot.111a.3?lang=bi

  2. https://www.zeit.de/politik/ausland/2010-07/Neturei-Karta-Israel

  3. https://www.richardsilverstein.com

  4. Jewish groups launch new diaspora movement rejecting Israel’s ethno-nationalism

 


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.
 

Rechtsextremismus
„Wo wohnen hier noch Scheißtürken?“

Ludwigsburg – Viele Jahre vor der NSU oder den Ermordungen türkischer Familien in Solingen oder Mölln, Anfang der 1990er, kam es bereits in den frühen 1980er-Jahren zu zahlreichen tödlichen Angriffen rechtsradikaler Gruppen auf Migranten, insbesondere  Türken.

Anfang der 1980er Jahre machten Neonazis bundesweit Jagd auf türkische Migranten. Im Jahr 1981 war der 44-jährige Seydi Battal Koparan das „erste“ Opfer eines rassistisch motivierten Mordes mit türkischer Herkunft.

Am 31. Dezember 1980 wurde der 44-jährige türkische Gastarbeiter Seydi Battal Koparan vor den Augen seines geistig behinderten Sohnes durch Mitglieder der rechtsradikalen Motorrad-Gang „Stander Greif“ mit Eisenstangen ins Koma geprügelt. Der „Stander Greif“ gilt als Nachfolger der 1980 verbotenen rechtsterroristischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“.

Damaligen Medienberichten zufolge erlitt Koparan durch Stiefeltritte und Faustschläge Rippenbrüche. Durch Schläge mit Eisenstangen sei ihm zudem die Schädeldecke eingeschlagen worden. Seinem behinderten Sohn schlugen die Angreifer zwei Zähne aus und seine Augen blutig. Koparan erlag fünf Stunden später seinen Verletzungen.

Der Spiegel 05.07.1982

Koparan befand sich in der Silvesternacht mit Freunden auf der Suche nach seinem geisteskranken Sohn. Dabei betrat er auch die Gastwirtschaft „Krone“ in Gündelbach im Kreis Ludwigsburg. Dieses Lokal war die Stammkneipe der rechtsradikalen Motoradgang „Stander Greif MC“. Diese Gruppe galt als Nachfolger der 1980 verbotenen rechtsterroristischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“.

„Scheißtürken, macht dass ihr wegkommt, haut ab“, rief die Frau des Wirten.

Koparan und seine Freunde hätten anschließend das Lokal verlassen und draußen den verlorenen Sohn gefunden. Sechzig Angreifer seien der Gruppe aus dem Lokal gefolgt und hätten sie draußen brutal angegriffen. Koparan, sein Sohn, und auch seine Freunde, wurden dabei schwer verletzt. Nach dem Angriff seien die Rechtsradikalen grölend durch den Ort gezogen und riefen „wo wohnen hier noch Scheißtürken?“.

Nur drei der Täter wurden damals in Verbindung mit dem Mord verhaftet. Einer der Täter erhielt eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren und ein zweiter bekam ein Jahr und neun Monate. Der Dritte wurde freigesprochen.

 


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– Rechtsextremismus –
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„Ich bin ein Mensch wie Du“. Das waren die letzten Worte von Ufuk Şahin, der vor 37 Jahren in Berlin Reinickendorf im Alter von 24 Jahren von einem Rassisten mit einem Messer ermordet wurde.

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Kapitalmärkte
Iran-Krieg: Der neue Stresstest für Schwellenländer

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Von Dr. Johannes Feist

Der Ölpreis bleibt Ende Mai ein wichtiges Signal für die Kapitalmärkte. Das Marktbild hat sich seit Ende April jedoch verändert. Nach dem Preissprung im April preisen Investoren nicht mehr nur die Eskalation rund um Iran und die Straße von Hormus ein, sondern zunehmend auch die Möglichkeit einer Deeskalation.

Zugleich rückten wechselnde Berichte über Fortschritte und Rückschläge in den US-Iran-Gesprächen sowie über eine mögliche Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus in den Fokus der Märkte.

Auch die großen Zentralbanken haben ihre April-Entscheidungen inzwischen getroffen. Die Fed hielt den Zielkorridor für die Federal Funds Rate bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die EZB ließ ihre Leitzinsen ebenfalls unverändert und verwies auf höhere Energiepreise, stärkeren Inflationsdruck und eine belastete Wirtschaftsstimmung infolge des Kriegs im Nahen Osten.

Die Bank of Japan hielt ebenfalls an ihrem geldpolitischen Kurs fest und verwies in ihrem April-Ausblick auf Risiken aus der Nahostlage für Finanz- und Devisenmärkte sowie für Konjunktur und Preise. 

Für Emerging Markets ist dieser Blick jedoch nur der erste Schritt. Entscheidend ist nicht allein, wie stark Ölpreise, Zinsen oder Wechselkurse schwanken. Entscheidend ist, wie Kapital auf diese Schwankungen reagiert.

Kapital kann Wachstum finanzieren, Investitionen ermöglichen und Stabilität schaffen. Es kann sich in Stressphasen aber auch schnell zurückziehen und damit jene Verwundbarkeit verstärken, die es zuvor überdeckt hat.

Kapital ist nicht homogen

Kapital ist nicht homogen. Kapital von Banken, Pensionsfonds, Hedgefonds, passiven Fonds sowie lokalen Kredit- und Leasinganbietern folgt unterschiedlichen Regeln. Manche Finanzierungsquellen sind langfristig gebunden und orientieren sich an realen Zahlungsströmen.

Andere reagieren täglich auf Marktpreise, Liquidität und globale Risikoindikatoren. In ruhigen Phasen fällt dieser Unterschied kaum auf. Wenn Ölpreise, Währungen und Zinserwartungen stark schwanken, entscheidet genau dieses Verhalten darüber, ob Kapital stabilisiert oder Stress verstärkt.

Was der IWF über Kapitalflüsse in Schwellenländer zeigt

Der Internationale Währungsfonds hat diesen Strukturwandel im April deutlich beschrieben. Emerging Markets haben seit der globalen Finanzkrise erhebliche grenzüberschreitende Portfoliozuflüsse erhalten, weitgehend vermittelt über Nichtbank-Finanzintermediäre.

Diese Zuflüsse schaffen Chancen, erhöhen aber auch die Sensitivität gegenüber globaler Risikostimmung. Laut IWF reagieren Hedgefonds und Investmentfonds stärker auf globale Risikoänderungen als andere Nichtbank-Investoren; unter den Investmentfonds zeigen passive Fonds und ETFs die höchste Sensitivität. Länder, die stärker von solchen Investoren abhängen, können in Phasen globalen Marktstresses verschärfte Finanzierungsbedingungen erleben. 

Damit verschiebt sich die Analyse. Es genügt nicht mehr zu fragen, ob Kapital in einen Markt fließt. Wichtiger ist die Frage, welches Kapital fließt: Bleibt es investiert, wenn der Dollar steigt? Passt seine Laufzeit zu den Cashflows der Realwirtschaft?

Beruht es auf einer langfristigen Kreditbeziehung oder auf täglicher Handelbarkeit? Entscheidend ist, wie Kapital unter Druck reagiert: Bleibt es verfügbar, verteuert es sich nur – oder zieht es sich abrupt zurück?

Der IWF warnt im Global Financial Stability Report zudem vor erhöhten Stabilitätsrisiken durch den Krieg im Nahen Osten. Er verweist auf mehrere Kanäle, über die sich Stress verstärken kann: höheren Inflationsdruck, verschärfte Finanzierungsbedingungen, Kapitalabflüsse, Währungsdruck und abrupte Anpassungen in risikobehafteten Positionen.

Für Emerging Markets ist diese Kombination besonders relevant, weil externe Finanzierung dort oft stärker von globaler Liquidität und Risikobereitschaft abhängt als in entwickelten Märkten. 

Von Marktvolatilität zur Realwirtschaft

Die aktuelle Marktphase testet deshalb nicht nur Konjunktur- und Inflationsprognosen. Sie testet auch die Qualität der Finanzierung. Kapital, das in guten Zeiten reichlich vorhanden ist, aber in schwierigen Phasen schnell verschwindet, hat eine andere Wirkung als Kapital, das an reale Zahlungsströme, längere Laufzeiten und klare Sicherheiten gebunden ist.

Das eine kann Wachstum kurzfristig beschleunigen. Das andere kann Finanzierung über einen Zyklus hinweg verlässlicher machen – vorausgesetzt, Laufzeit, Sicherheiten und Quelle der Rückzahlung passen zur finanzierten Aktivität.

Für die Realwirtschaft ist dieser Unterschied konkret. Kleine und mittlere Unternehmen brauchen Finanzierungen, die zu ihren Einnahmen, Investitionen und Rückzahlungsprofilen passen. Wer Maschinen, Fahrzeuge, Lagerbestände oder Betriebsmittel finanziert, kann nur begrenzt mit Kapital arbeiten, das sich bei jedem globalen Stresssignal neu sortiert.

Die OECD zeigt in ihrem aktuellen SME-Finance-Scoreboard, dass neue Kredite an kleine und mittlere Unternehmen zwar wieder zulegen, der gesamte Bestand an KMU-Krediten aber weitgehend stagniert. Diese schwache Kreditentwicklung belastet Liquidität und Investitionen. Zugleich bleiben die Kreditkosten für KMU im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie hoch, während Banken in einem unsicheren Umfeld weiter an strengen Kreditstandards festhalten. 

Stabil ist ein Markt daher nicht schon deshalb, weil Kapital verfügbar ist. Stabiler wird er, wenn Finanzierung zur wirtschaftlichen Realität passt: zur Laufzeit der Investition, zu realen Cashflows und zur Fähigkeit, auch dann belastbar zu bleiben, wenn globale Investoren defensiver werden. Die Finanzierungsstruktur sollte Risiken früh sichtbar machen, bevor sie zu Ausfällen werden.

Was Anleger prüfen sollten

Für Anleger bedeutet das: Die klassische Analyse anhand von Land, Rating und Renditeaufschlag reicht nicht mehr aus. Ein Markt kann auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, weil Renditen hoch sind und Kapitalzuflüsse robust wirken. Gleichzeitig kann er verwundbar bleiben, wenn ein großer Teil dieser Finanzierung schnell handelbar, kurzfristig oder stark von globalen Risikoindikatoren abhängig ist.

Die Diskussion springt häufig zwischen zwei Polen: Emerging Markets als Wachstumschance oder Emerging Markets als Krisenrisiko. Beides greift zu kurz. Entscheidend ist die Struktur der Finanzierung. Wer stellt Kapital bereit? Wie lange bleibt es? Welche Risiken trägt es? Wie schnell werden Probleme sichtbar? Und wie stark hängt die Finanzierung von Marktliquidität ab?

Was die Ausschläge am Ölmarkt offenlegen

Die jüngsten Ausschläge am Ölmarkt legen diese Fragen offen. Sie zeigen nicht nur, welche Länder Energie importieren oder exportieren. Sie zeigen auch, welche Kapitalstrukturen Belastungen aushalten und welche den Schock verstärken können. Das ist für Investoren ebenso wichtig wie für Aufsichtsbehörden und politische Entscheidungsträger. Denn Kapitalflüsse sind nicht automatisch stabilisierend. Sie stabilisieren nur dann, wenn sie zu den realen Finanzierungsbedarfen passen.

In den kommenden Monaten dürfte diese Unterscheidung wichtiger werden. Wenn Ölpreise, Zinsen und Währungen weiter stark schwanken, wird Kapital selektiver. Dann zählt, ob Finanzierung verlässlich genug ist, um Investitionen, Beschäftigung und unternehmerische Aktivität auch in einem schwierigeren Umfeld zu ermöglichen.

Die Lehre aus der aktuellen Marktphase lautet daher: Entscheidend ist die Qualität des Kapitals. Herkunft, Laufzeit, Risikosensitivität und Nähe zur Realwirtschaft bestimmen, ob es im Stress stabilisiert oder den Druck erhöht.

Der aktuelle Stresstest liegt deshalb nicht nur im Ölpreis. Er liegt in der Struktur der Finanzierung.

 


Dr. Johannes Feist
Dr. Johannes Feist ist CEO von MK Global Kapital. Zuvor war er in verschiedenen leitenden Funktionen bei der KfW tätig. Er verfügt über langjährige Erfahrung in Entwicklungsfinanzierung, Fonds- und Kreditstrukturen sowie in der Arbeit mit Finanzinstitutionen in Schwellen- und Frontier-Märkten.
 
 

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Wirtschaft
Asiatische Zentralbanken reagieren auf Iran-Krise

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Von James Syme

Der Konflikt, in dessen Zentrum Iran steht, stellt einen außergewöhnlich negativen Angebotsschock dar, mit gravierenden Folgen für einige Schwellenländer. Seitdem hat sich die Lage weiter verschlechtert.

Die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus hat die Ölpreise zwischenzeitlich wieder auf über 120 US-Dollar je Barrel getrieben und den Schock weit über die Energiemärkte hinaus auf Währungen, Zinsmärkte und Wachstumserwartungen in ganz Asien ausgeweitet.

Inflation und Währungsdruck nehmen zu

Der zuvor beschriebene Übertragungsmechanismus ist nun deutlich erkennbar. Asien ist in hohem Maße von Energie aus dem Nahen Osten abhängig; die Region ist mit einer anhaltenden Störung der Energieversorgung konfrontiert, die faktisch wie eine Wachstumsbremse wirken würde.

Höhere Kraftstoff- und Transportkosten schlagen sich rasch in der Gesamtinflation nieder, schwächen die Leistungsbilanzen und setzen die Währungen anhaltend unter Druck. Politische Entscheidungsträger müssen zunehmend einen Ausgleich zwischen nachlassendem Wachstum und der Notwendigkeit finden, die Inflation einzudämmen und die außenwirtschaftliche Stabilität zu wahren – in einem ohnehin schwierigen globalen geldpolitischen Umfeld.

Die Devisen- und Anleihemärkte reagierten als Erste. Seit der Eskalation des Konflikts haben die indische Rupie, die indonesische Rupiah und der philippinische Peso an Wert verloren.

Die Optionsmärkte preisen mittlerweile nennenswerte Wahrscheinlichkeiten für weitere Abwertungen in den nächsten drei Monaten ein, was darauf hindeutet, dass Anleger ohne klare Deeskalation nur mit begrenzter kurzfristiger Entlastung rechnen. Zugleich deuten die Anleihemärkte trotz nachlassender Wachstumsdynamik auf restriktivere Finanzierungsbedingungen hin.

Zentralbanken greifen ein

Die offiziellen Reaktionen unterstreichen das Ausmaß des Schocks. Die Reserve Bank of India hat eine spezielle Dollar-Swap-Fazilität für Ölraffinerien eingerichtet, ihre Spot-FX-Interventionen* verstärkt und den Offshore-Derivatehandel eingeschränkt. Zugleich räumte sie ein, dass die Wachstumsrisiken inzwischen nach unten gerichtet sind.

Die Bank Indonesia hat ihre Interventionen sowohl am Onshore- als auch am Offshore-Markt verstärkt und zugleich die Vorschriften für Dollarkäufe verschärft, um Kapitalabflüsse einzudämmen.

Die philippinische Zentralbank hat eine Reihe von Leitzinserhöhungen signalisiert, um die Inflation trotz nachlassender Konjunktur einzudämmen, während Thailand seine Wachstumsprognosen deutlich gesenkt hat, da sich die Inflationserwartungen nach oben verschoben haben. In der gesamten Region haben multilaterale Institutionen ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigiert und ihre Inflationsprognosen angehoben.

Aktienmärkte haben die neue Realität noch nicht vollständig eingepreist

Die Aktienmärkte haben diese Realität noch nicht angemessen eingepreist. Die Bewertungen an mehreren asiatischen Märkten unterstellen weiterhin ein relativ stabiles Gewinnwachstum, wobei der Margendruck durch höhere Inputkosten, eine schwächere Binnennachfrage oder restriktivere Finanzierungsbedingungen bislang nur begrenzt berücksichtigt wird.

Wir gehen davon aus, dass anhaltende Terms-of-Trade-Schocks in energieimportierenden Volkswirtschaften in der Regel erst mit einer gewissen Verzögerung auf die Profitabilität der Unternehmen durchschlagen, insbesondere dort, wo sich Währungen anpassen und der fiskalische Spielraum begrenzt ist.

Wir sind der Ansicht, dass die Devisen- und Anleihemärkte den Aktienmärkten bei der Einpreisung der Folgen der Störung in der Straße von Hormus voraus. Vor diesem Hintergrund bleiben wir in Indien deutlich untergewichtet, haben kein Engagement in den Philippinen und in Thailand und sind in Korea und Taiwan weiterhin untergewichtet, obwohl wir dort in erheblichem Umfang in weltweit führende Halbleiterunternehmen investiert sind.

Unsere Portfolioausrichtung bleibt darauf fokussiert, die am stärksten exponierten Energieimporteure zu meiden und Märkte zu bevorzugen, die außenwirtschaftlich robuster aufgestellt sind, stärker gegen wirtschaftspolitische Zwänge abgeschirmt sind oder direkt von höheren Energiepreisen profitieren. Wir bleiben deutlich übergewichtet in Brasilien, Mexiko und China.

 


James Syme, Senior-Fondsmanager bei J O Hambro

 


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Glücksspiel
Progressive Jackpots: Casino einfach verstehen

Progressive Jackpots erzeugen bei jedem Dreh eine steigende Spannung, da ein gemeinsamer Gewinnpool im Spiel kontinuierlich anwächst. Viele Nutzer beobachten fasziniert, wie sich die Summe erhöht, was das Spielen zu einem besonderen Erlebnis macht und Spinboss Casino als Teil dieses Geschehens erscheinen lässt. Bei Spinboss Casino liegt die Faszination weniger in einem Versprechen als in der Dynamik eines stets wachsenden Hauptgewinns, der sichtbar erlebt wird.

Moderne progressive Jackpots sind längst ein fester Bestandteil der digitalen Slotwelt und genießen bei Einsteigern sowie erfahreneren Spielern große Beliebtheit. Statt fester Hauptgewinne entwickeln sie sich je nach Aktivität im Spielbetrieb und bieten mit jedem Einsatz ein Stück mehr Nervenkitzel.

Der steigende Pot ist jederzeit sichtbar und hebt sich klar von traditionell aufgebauten Jackpot-Systemen ab. Diese Dynamik prägt nicht nur die Atmosphäre, sondern verleiht den Automaten einen Eventcharakter, der den eigenen Spielmoment mit besonderen Erwartungen auflädt.

Durch das kollektive Zusammenwirken zahlreicher Spieler wächst der Pool rein durch die dauerhafte Teilnahme – unabhängig davon, wie hoch die individuellen Einsätze sind. So wird jede Session von der Möglichkeit geprägt, Teil eines außergewöhnlichen Moments zu werden, sollte der Jackpot geknackt werden.

Dabei steht das gemeinsame Mitfiebern im Vordergrund, auch wenn letztlich jeder Einzelne für sich die Walzen dreht. Progressive Slots sind so konzipiert, dass sowohl Spannung als auch Zugänglichkeit Hand in Hand gehen, wodurch sie beständig viele neue Anhänger finden.

Der progressive Jackpot im Alltag erklärt

Im Gegensatz zu klassischen Jackpot-Varianten, bei denen ein fixer Maximalgewinn ausgeschüttet wird, wächst der progressive Jackpot kontinuierlich mit jedem Einsatz. Meist fließt ein kleiner Anteil jeder Runde in einen zentralen Topf, der für alle Teilnehmer sichtbar angezeigt wird.

In vielen Fällen speisen dabei gleich mehrere Slots einen gemeinsamen Pool, sodass der Betrag schneller anwachsen kann als bei Einzelautomaten. Der aktuelle Stand ist meist prominent ins Spiel integriert und sorgt dafür, dass die Entwicklung transparent und nachvollziehbar bleibt. Diese offene Kommunikation über die Höhe und den Verlauf des Hauptgewinns trägt maßgeblich zur Faszination am Format bei.

Viele progressive Automaten bieten verschiedene Jackpothöhen an – von Mini- über Minor- bis hin zu Major- und Grand-Gewinnen –, wobei die exakten Auslösungsmechanismen von Spiel zu Spiel unterschiedlich sein können.

Welche Voraussetzungen notwendig sind, lässt sich schnell den Info- oder Hilfeseiten entnehmen, oft genügt auch ein Blick in das Paytable. Interessant ist, dass die Steigerung des Topfes einzig über die Summe aller gespielten Runden geschieht; das eigene Spieltempo bleibt dabei ohne Einfluss. Je breiter das Netzwerk, desto dynamischer wächst der zentrale Jackpot – das sorgt für zusätzliche Abwechslung auch bei wechselnder Spielweise.

Warum progressive Slots echte Publikumslieblinge sind

Im Mittelpunkt steht die sichtbar wachsende Jackpot-Anzeige, die jedem Spiel eine besondere Dramatik verleiht und einen echten Event-Charakter schafft. Jede einzelne Runde bekommt das Flair eines möglichen großen Moments, da der Höchstgewinn mit jedem Spin näher rückt.

Die Spannung erwächst vor allem aus der Interaktion vieler Teilnehmer, wodurch das Spielerlebnis als kollektive Erfahrung wahrgenommen wird. Selbst wenn man allein spielt, trägt der Gedanke an einen gemeinsam gespeisten Pool zur Atmosphäre bei. Daneben bleiben grundlegende Spielelemente wie Walzensymbolik und klassische Bonusfunktionen erhalten, sodass auch Vertrautes im Vordergrund steht. Spinboss Casino wird in diesem Zusammenhang oft genannt, weil die transparente Anzeige den Verlauf des Pots jederzeit nachvollziehbar macht.

Viele progressive Slots kombinieren Mehrstufigkeit und Zusatzfeatures, etwa durch Freispielrunden, Bonussymbole oder Multiplikatoren, was für zusätzliche Spannung sorgt. Das alltägliche Spielerlebnis erhält so einen abwechslungsreichen Charakter, der über den reinen Gewinn hinaus Freude bereiten kann.

Manche Nutzer fühlen sich vor allem vom Hochklettern der Anzeige angesprochen, andere schätzen die unkomplizierte Nähe zu beliebten Slot-Mechaniken. Besonders lebendig werden progressive Gewinne, wenn einzelne Spieleinsätze den Pot auf Rekordniveau bringen und dadurch rege Diskussionen oder gesteigerte Aufmerksamkeit entstehen. Das Zusammenspiel aus einfachen Regeln und wandelbarem Potenzial liegt im Trend, denn es vereint Zugänglichkeit mit erlebbarer Spannung.

Tipps für die Auswahl und gewohnte Spielroutinen

Bei der Auswahl eines progressiven Automaten empfiehlt sich ein prüfender Blick auf Einsatzhöhen und Teilnahmebedingungen, um die eigene Erwartungshaltung einschätzen zu können.

Manche Titel verlangen einen Mindesteinsatz für die Chance auf den Hauptjackpot, andere gewähren allen Nutzern gleichberechtigt die Teilnahme. Ebenso kann die Entscheidung, ob ein Automat zum Netzwerk- oder zu einem Einzeltopf gehört, das Spielerlebnis beeinflussen – etwa durch unterschiedlich schnelle Jackpot-Wachstumsraten.

Zusätzliche Elemente wie Freispiele, Sonderfunktionen oder progressive Bonusrunden verändern zudem das Spielgefühl und sorgen für unterschiedliche Dynamik. Spinboss Casino bietet dafür eine gute Orientierung, wenn die Slot-Übersicht Bedingungen und Mechaniken klar zusammenfasst.

Für eine angenehme Spielerfahrung spielt die individuelle Session-Planung eine zentrale Rolle. Viele erfahrene Teilnehmer setzen gezielt kürzere Abschnitte oder klare Pausen, um das Vergnügen im Rahmen zu halten und frische Perspektiven zu behalten.

Besonders abwechslungsreich wird es, verschiedene Slot-Typen auszuprobieren und so unterschiedliche Jackpot-Mechaniken kennenzulernen, ohne den fortlaufenden Gewinn zum Selbstzweck zu machen. Die visualisierte Höhe ist stets eine Momentaufnahme, die durch den ständigen Zustrom vieler Nutzer schnell variieren kann. Spinboss Casino kann dabei als Referenz dienen, um unterschiedliche Spielmodelle einzuordnen und die eigene Routine passend auszurichten.

 


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Konsum
Zwischen Regulierung und Freiheit: Konsumdebatten in Europa und der Türkei

Gesellschaftliche Debatten über Konsumverhalten haben in den vergangenen Jahren deutlich an Intensität gewonnen. Themen wie:

  • Gesundheitsschutz
  • individuelle Freiheit
  • staatliche Regulierung

stehen zunehmend im Mittelpunkt politischer und gesellschaftlicher Diskussionen. Sowohl in Europa als auch in der Türkei wird kontrovers darüber diskutiert, wie stark Staaten in persönliche Konsumentscheidungen eingreifen sollten und welche Verantwortung Politik, Wirtschaft und Verbraucher tragen.

Dabei geht es längst nicht mehr ausschließlich um klassische Tabak- oder Alkoholprodukte. Auch neue Konsumformen, digitale Vermarktungsstrategien und internationale Lifestyle-Trends verändern die Diskussionen.

Gleichzeitig stehen Regierungen vor der Herausforderung, gesundheitliche Risiken zu begrenzen, ohne dabei individuelle Freiheiten übermäßig einzuschränken. Die folgenden Abschnitte gehen noch ein wenig genauer auf das Thema ein.

Neue Konsumtrends und regulatorische Entwicklungen

Die zunehmende Globalisierung hat dazu geführt, dass sich Konsumtrends heute wesentlich schneller verbreiten als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Besonders soziale Medien und digitale Plattformen beeinflussen Kaufverhalten, Lifestyle-Entscheidungen und gesellschaftliche Wahrnehmungen. Dadurch entstehen regelmäßig neue Märkte und Produktkategorien, die politische und rechtliche Diskussionen auslösen.

Ein Beispiel dafür sind E-Zigaretten, die sowohl in Europa als auch in der Türkei kontrovers diskutiert werden. Befürworter betrachten sie häufig als mögliche Alternative zu klassischen Tabakprodukten, während Kritiker auf gesundheitliche Risiken und den steigenden Konsum unter jungen Menschen hinweisen. Viele Staaten reagieren daher mit strengeren Werbevorschriften, Alterskontrollen oder Einschränkungen beim Verkauf bestimmter Produkte.

Auch internationale Unterschiede spielen eine wichtige Rolle. Während einige europäische Länder stärker auf Regulierung setzen, verfolgen andere Staaten liberalere Ansätze. In der Türkei wiederum stehen gesundheitspolitische Ziele häufig im Zusammenhang mit gesellschaftlichen und kulturellen Debatten über Konsumverhalten und öffentliche Verantwortung.

Gesundheitspolitik und gesellschaftliche Verantwortung

Die Diskussion über Konsumfreiheit wird häufig eng mit gesundheitspolitischen Fragen verknüpft. Manche Regierungen argumentieren, dass bestimmte Regulierungen notwendig seien, um langfristige Gesundheitskosten zu reduzieren und öffentliche Gesundheitssysteme zu entlasten. Kritiker solcher Maßnahmen warnen hingegen vor übermäßiger staatlicher Kontrolle privater Lebensentscheidungen.

Besonders deutlich zeigt sich diese Debatte bei Produkten mit potenziellen
Gesundheitsrisiken. Warnhinweise, Steuererhöhungen oder Werbeverbote zählen
mittlerweile in vielen Ländern zu den wichtigsten Instrumenten staatlicher Regulierung. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Druck auf Unternehmen, transparenter über Inhaltsstoffe und gesundheitliche Auswirkungen ihrer Produkte zu informieren.

Auch Bildung und Aufklärung spielen eine zentrale Rolle. Viele Gesundheitsexperten betonen, dass langfristige Veränderungen weniger durch Verbote als vielmehr durch bessere Informationsangebote erreicht werden könnten. Besonders junge Menschen gelten als wichtige Zielgruppe präventiver Maßnahmen.

Debatten über Ernährung, Alkohol und gesellschaftlichen Wandel

Nicht nur Tabakprodukte oder neue Konsumformen stehen im Mittelpunkt gesellschaftlicher Diskussionen. Auch Ernährung und Lebensstil gewinnen zunehmend politische Bedeutung. Themen wie Abnehmen, gesunde Ernährung und der Umgang mit Alkohol beschäftigen sowohl Medien als auch politische Institutionen.

Besonders in urbanen Gesellschaften verändert sich das Verhältnis zu Ernährung und Körperbild deutlich. Fitness- und Gesundheitskultur beeinflussen zunehmend dasKonsumverhalten vieler Menschen. Gleichzeitig wächst die Zahl kommerzieller Angebote rund um Diäten, Nahrungsergänzungsmittel und Lifestyle-Produkte. Alkohol bleibt dabei ein kontrovers diskutiertes Thema.

Während alkoholische Getränke in vielen europäischen Ländern fest in gesellschaftlichen Traditionen verankert sind, wird der Konsum zugleich zunehmend kritisch betrachtet. Gesundheitliche Risiken, Jugendschutz und soziale Folgen führen regelmäßig zu politischen Diskussionen über Werbung, Besteuerung und öffentliche Einschränkungen.

Auch kulturelle Unterschiede spielen dabei eine wichtige Rolle. In der Türkei wird Alkohol häufig nicht nur aus gesundheitlicher Perspektive diskutiert, sondern auch im Zusammenhang mit religiösen, gesellschaftlichen und politischen Wertvorstellungen. Dadurch entstehen Debatten, die weit über reine Konsumfragen hinausgehen.

Zuckerhaltige Getränke und staatliche Eingriffe

Ein weiteres stark diskutiertes Thema betrifft zuckerhaltige Getränke. Viele Regierungen betrachten den hohen Zuckerkonsum inzwischen als bedeutendes gesundheitliches Problem, da er mit Übergewicht, Diabetes und anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. In mehreren Ländern wurden deshalb Zuckersteuern eingeführt oder strengere Kennzeichnungspflichten beschlossen.

Befürworter solcher Maßnahmen argumentieren, dass wirtschaftliche Anreize das
Konsumverhalten positiv beeinflussen könnten. Kritiker sehen darin hingegen eine
Einschränkung individueller Entscheidungsfreiheit und warnen vor übermäßiger Regulierung alltäglicher Konsumgewohnheiten. Besonders internationale Getränkehersteller geraten zunehmend unter Druck, ihre Produkte anzupassen oder alternative Varianten anzubieten.

Wie sehen die Konsumdebatten der Zukunft aus?

Die Diskussionen über Konsumfreiheit und Regulierung dürften in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Technologische Entwicklungen, internationale Märkte und soziale Medien verändern Konsumverhalten schneller als jemals zuvor. Gleichzeitig wächst der politische Druck, gesundheitliche Risiken und gesellschaftliche Folgekosten stärker zu begrenzen.

Besonders junge Generationen beeinflussen diese Entwicklung maßgeblich. Nachhaltigkeit, Gesundheit und bewusster Konsum spielen für viele Menschen eine zunehmend wichtige Rolle. Dadurch verändern sich auch Märkte und Unternehmensstrategien.

 


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Israel-Kritik
Israel-Kritiker Hüseyin Dogru: Jetzt auch Rentenkonto seiner Mutter gesperrt

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Berlin – Die Ausweitung der EU-Sanktionen gegen den Berliner Journalisten und Israel-Kritiker Hüseyin Dogru nimmt eine neue Dimension an. Wie Dogru auf X mitteilte, hat die Bank Comdirect nun auch das Konto seiner Mutter gesperrt — einer Rentnerin.

Als Begründung nennt die Bank ein „bestehendes Kontrollverhältnis über die Gelder durch Ihren Sohn“. Verfügungen über das Konto und ein Wertpapierdepot seien nur noch mit Freigabe der Deutschen Bundesbank im Einzelfall möglich.

„Deutschlands kollektive Bestrafung meiner Familie geht weiter“, schrieb Dogru auf X. „Sie haben jetzt auch das Bankkonto meiner pensionierten Mutter eingefroren und behaupten, ich würde auch dieses Konto kontrollieren. Ihre Ersparnisse sind nicht mehr zugänglich — gleichzeitig hat sie keinerlei offizielle Mitteilung deutscher Behörden erhalten. Keine Anklage, kein rechtsstaatliches Verfahren.“

Yanis Varoufakis, ehemaliger Finanzminister Griechenlands und Mitgründer der Partei MeRA25, teilte Dogrus Tweet. Varoufakis gehört zu den Erstunterzeichnern einer internationalen Solidaritätskampagne, die zum ersten Jahrestag der EU-Sanktionen gegen Dogru gestartet wurde und die sofortige Aufhebung der Maßnahmen fordert.

Ein Fall, der sich zuspitzt

Die Sperrung des Mutterkontos ist die jüngste Eskalation in einem Fall, der seit Monaten Juristen und Bürgerrechtler beschäftigt. Im März waren zunächst die Konten von Dogrus Ehefrau gesperrt worden — damals mit der Begründung der Sanktionsumgehung.

Die Sperrung wurde später aufgehoben. Nun trifft es die Mutter des Journalisten, obwohl diese nach Angaben Dogrus keine offizielle Benachrichtigung irgendeiner deutschen Behörde erhalten hat.

„Es scheint, als bestehe der einzige ‚Beweis‘ hinter dieser außergerichtlichen finanziellen Zerstörung darin, dass sie Mitglieder meiner Familie sind“, erklärte Dogru.
Dem Journalisten stehen derzeit monatlich lediglich 506 Euro zur Verfügung. Geld- oder Sachspenden sind ihm untersagt, da sie als Sanktionsumgehung gewertet werden.

Unter den finanziellen Restriktionen leiden vor allem seine Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder — der Familie fehlen nach eigenen Angaben die Mittel für Miete und täglichen Bedarf.

Russland-Sanktionsliste

Die EU hatte Dogru auf ihre Russland-Sanktionsliste gesetzt — offiziell wegen angeblicher Nähe zu russischen Desinformationsnetzwerken.

Öffentliche Belege für konkrete Verbindungen nach Moskau wurden bislang nicht vorgelegt. Dogru bestätigt, früher für das von Russland finanzierte Format Redfish gearbeitet zu haben — er habe diese Zusammenarbeit jedoch unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine beendet.

Dogru selbst ist überzeugt, dass nicht seine angebliche Russland-Nähe, sondern seine scharfe Israelkritik der eigentliche Grund für die Sanktionen ist — ein Vorwurf, den er seit Beginn des Verfahrens öffentlich erhebt.

Zu den Unterzeichnern der Solidaritätserklärung gehören neben Varoufakis auch der Musiker Brian Eno, Schauspieler Dieter Hallervorden, Schriftstellerin Daniela Dahn sowie die Politiker Gregor Gysi, Sahra Wagenknecht, Martin Sonneborn und Pablo Iglesias. Ein Rechtsgutachten der ehemaligen EuGH-Richterin Ninon Colneric und der Rechtswissenschaftlerin Alina Miron kommt zu dem Schluss, dass die EU-Sanktionen gegen geltendes europäisches Recht verstoßen könnten.

 


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Kindesmisshandlungen in Israel
Israel: Pädophilenring in Siedlungen — rituelle Gruppenvergewaltigungen

Jerusalem – Israel wird von zwei schwerwiegenden Enthüllungen erschüttert. Der staatliche Sender Kan 11 und die auflagenstarke Tageszeitung Israel Hayom haben unabhängig voneinander ein Netzwerk organisierter, ritueller Kindesmisshandlung enthüllt — mit Gruppenvergewaltigungen, religiösen Zeremonien als Deckmantel und systematischer Vertuschung durch Polizei und Gemeinschaften.

Die israelische Polizei bestätigte gegenüber Israel Hayom: „Das Thema ist bekannt und wird untersucht. Naturgemäß können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Details nennen.“

Kan 11: Organisierter Missbrauch im Siedlungsblock Gush Etzion

Am 25. Mai 2026 strahlte der israelische öffentlich-rechtliche Sender Kan 11 im Rahmen seiner Investigativsendung „Zman Emet“ eine Dokumentation aus, die ein Netzwerk organisierten Kindesmissbrauchs im Siedlungsblock Gush Etzion im Westjordanland aufdeckte.

Die Untersuchung zeigte, dass mehrere Frauen unabhängig voneinander dieselben Täter und dieselben Orte benannten. Dokumentiert wurden Übergriffe in Synagogen, Wäldern und auf Friedhöfen — begangen von Personen mit religiöser oder gemeinschaftlicher Autorität, die ihre Stellung nutzten, um Gehorsam zu erzwingen und Opfer zum Schweigen zu bringen.

Die Dokumentation löste öffentliche Empörung aus — insbesondere über das Versagen der Strafverfolgungsbehörden und eine Gemeinschaftskultur, die den Ruf der Gemeinschaft über den Schutz der Kinder stellte.

Israel Hayom: Rituelle Gruppenvergewaltigungen — Zeugenaussagen von mehr als zehn Frauen

Bereits im April 2025 hatte die Journalistin Na’am Barkan für Israel Hayom einen monatelangen Investigativbericht veröffentlicht, der auf Interviews mit mehr als zehn Frauen im Alter von 20 bis 45 Jahren basierte.

Die Frauen kamen aus verschiedenen Regionen Israels, kannten sich nicht gegenseitig und schilderten dennoch erschreckend ähnliche Erlebnisse: organisierte, rituelle Gruppenvergewaltigungen in der Kindheit — begangen von Männern, die sie kannten, darunter Rabbiner und enge Familienangehörige.

„Vielleicht weiß die Welt von Vergewaltigung, von Inzest — aber das hier weiß die Welt nicht“, sagte eine der Frauen, die im Bericht unter dem Pseudonym Emuna auftritt.

Die Zeremonien: Religiöse Symbolik als Waffe

Laut den von Israel Hayom dokumentierten Zeugenaussagen fanden die Missbrauchshandlungen im Rahmen von Zeremonien statt, bei denen religiöse Texte, Gebete und Symbole gezielt eingesetzt wurden.

Ayala — ein Pseudonym — schilderte folgendes: „Es war immer ein dunkler Ort. Sechs bis neun Männer waren dort. Sie fesselten mich ans Bett, standen im Kreis, murmelten Gebete oder Segenssprüche, und da war der Rabbiner, der immer die Situation anführte und sagte, was zu tun sei. Es gab eine Zeremonie, und jeder von ihnen vergewaltigte mich.“

Eine andere Frau, Limor genannt, beschrieb Zeremonien im Wald: „Das Pentagramm war mit einer Hacke in den Boden gezeichnet, darum Kerzen in einem Kreis. Der Rabbiner segnete: ‚Gelobt sei, der Verbotenes erlaubt.‘ Männer um ihn herum beteten mit Tallit. Manchmal waren sie in Schwarz gekleidet, der Rabbiner trug einen weißen Umhang. Dort waren auch Jungen um 16 oder 17 Jahre, die an den Zeremonien teilnahmen.“

Limor berichtete weiter: „Einmal baten sie mich, ein Loch zu graben, und legten mich hinein. Manchmal injizierten sie mir etwas und sagten: ‚Jetzt wirst du dich besser fühlen‘, und mein Körper wurde schlaff. Sie lasen Psalmen wiederholt: ‚Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.‘ Sie sagten zu mir: ‚Du bist besonders, du bist auserwählt‘ — und dann… Ich erinnere mich an einen Lulav, Chanukka-Kerzen, ein Schofar.“

Amuna schilderte eine Zeremonie in der Synagoge ihres Wohnorts: „Mein Vater war dort, meine Mutter war dort, ein Rabbiner aus der Siedlung. Ich war an einen Tisch gefesselt, blickte auf das Fenster und stellte mir vor, wie ich hindurch springe… Sie öffneten eine Torarolle und lasen die Geschichte von der Bindung Isaaks. Dann taten sie das, was sie vorlasen — an mir. Sie fesselten mich, legten mir das Messer an die Kehle, und Gott sagte, das Messer zu senken. Danach folgte eine Vergewaltigung.“

Noya: Die Überlebende, die vergessen wollte

Noya wurde nach eigenen Angaben von pädagogischem Personal, das sich um sie kümmerte, missbraucht. Diese Personen luden weitere Männer ein, an rituellen Misshandlungen teilzunehmen. Extreme sensorische Reize wurden eingesetzt, um eine Bewusstseinsspaltung zu erzwingen.

„Ich sagte mir selbst, dass mir nichts passiert ist. Ich hatte eine Mante, die ich ohne Unterlass wiederholte: schweigen, verstecken, verschwinden, bewegen, tarnen, abschalten, verbergen, wegwerfen, trennen, vergessen. Und ich vergaß wirklich — für einige Jahre.“

Polizei schloss Fälle — Gemeinden schwiegen

Im Bericht von Israel Hayom werden mehrere Namen von Rabbinern erwähnt, die in verschiedenen Aussagen unabhängig voneinander auftauchten. Trotzdem wurden Anzeigen, die bei verschiedenen Polizeiwachen im ganzen Land erstattet wurden, allesamt relativ schnell geschlossen.

Auch als früher Verdacht auf ein Kindesmissbrauchsnetzwerk in Jerusalem aufkam — die sogenannte Nachlaat-Affäre, die 2019 öffentlich wurde — kamen die Ermittler zu keinen strafrechtlich relevanten Ergebnissen.

Korin, deren Tochter Eden betroffen ist, beschrieb die Situation so: „Es gibt eine ganze Gemeinschaft, die das verbirgt, und offenbar haben viele Menschen etwas zu verbergen. Eden sprach von sechs Männern, die an der Vergewaltigung teilnahmen — und alle müssen dieses Geheimnis bewahren. Es ist schwer, gegen eine ganze Gemeinschaft anzukämpfen.“

Experten: „Dieses Phänomen ist weit verbreitet“

Mehrere führende israelische Psychologen und Traumaexperten bestätigten gegenüber Israel Hayom die Glaubwürdigkeit der Aussagen. Dr. Anat Gur, Psychotherapeutin und Leiterin des Traumaprogramms an der Bar-Ilan-Universität, erklärte:

„Organisierte Vergewaltigung von Kindern ist eines der erschreckendsten Phänomene, auf die ich stoße. Es ist wahrscheinlich weit verbreiteter als wir denken. Es findet an Orten statt, an denen man es am wenigsten erwartet.“

Prof. Daniel Brom, klinischer Psychologe und Gründer des Israelischen Zentrums für Psychotrauma in Jerusalem, erklärte:

„Seit 1990 bin ich immer wieder auf Kinder und Erwachsene gestoßen, die von organisiertem Missbrauch durch Männer berichten, die nicht nur sexuell missbrauchen, sondern auch ihre Taten fotografieren. Ich habe keinen Zweifel, dass das Phänomen des sadistischen organisierten Missbrauchs im Staat Israel existiert.“

Dr. Joianna Silberg, internationale Expertin für dissoziative Störungen bei Kindern und Jugendlichen, begleitete über fünf Jahre lang die Behandlung von 70 Kindern in Israel, die mutmaßlich Opfer organisierten Missbrauchs wurden. Sie erklärte: „Ich hatte die Hoffnung, dass es in Israel ein Verständnis dafür geben würde, dass dies ein internationales Phänomen ist. Aber als eine Beschwerde einging und ein Fall in Israel eröffnet wurde — führte die Polizei die Untersuchung nicht wie erforderlich durch.“

Boaz, ein leitender Therapeut in der religiösen Gemeinschaft, der anonym blieb, sagte: „Die Täter sind meistens keine Randgestalten der Gemeinschaft. Eine Patientin sagte mir: ‚Verstehen Sie — er ist derjenige, der an Rosch ha-Schana das Schofar bläst.‘ Das Schofar ist das Rohr — der Mann, der als am spirituell würdigsten gilt, bläst das Schofar, weil er Gott am nächsten ist. Und er sagt ihr, dass sie das Böse sei und dass er ihr helfe, in diesem Leben zu sühnen. Verstehen Sie die Perversion?“

Israel Hayom: kein Einzelfall, ein Muster

Die Journalistin Barkan betont in ihrem Bericht, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Die Frauen kommen aus verschiedenen Landesteilen, aus religiösen und ultraorthodoxen Gemeinschaften, aber auch aus säkularen Kreisen. Die Schilderungen der rituellen Misshandlungen — Pentagramme, Kreise aus Kerzen, Rabbiner in weißen Gewändern, Gebete während der Taten, Drohungen gegen Geschwister — wiederholen sich auffällig und unabhängig voneinander.

Das israelische Recht kennt noch keinen spezifischen Straftatbestand für diese Form organisierten Missbrauchs. Auf Basis bestehender Gesetze — darunter Menschenhandel und Vergewaltigungstatbestände — sind die Strafverfolgungsbehörden jedoch zur Untersuchung verpflichtet.

 


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Kriegsverbrechen
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Den Haag/Doha – Was Fatou Bensouda, frühere Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs, in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit Al Jazeera schilderte, klingt wie ein Spionagethriller — und ereignete sich lange vor dem 7. Oktober 2023 und dem aktuellen Gaza-Krieg:

Ermittlungen gegen Israel wegen Kriegsverbrechen in den besetzten palästinensischen Gebieten sind keine neue Erscheinung — die palästinensische Behörde wandte sich bereits 2009 erstmals an den Gerichtshof.

Der damalige Mossad-Chef Yossi Cohen suchte sie persönlich auf, forderte sie auf, ihre Ermittlungen gegen Israel einzustellen — und drohte ihr, dass die Fortführung der Untersuchungen Konsequenzen für ihre Familie haben könnte. „Er tat es. Er tat es tatsächlich“, sagte Bensouda auf die Frage, ob Cohen ihr gegenüber genau das angedeutet habe.

Bensouda war von 2012 bis 2021 Chefanklägerin des IStGH in Den Haag. 2015 eröffnete sie eine Voruntersuchung zur Lage in Palästina — ein Schritt, der Israel und die USA in helle Aufregung versetzte.

Männer vor ihrer Haustür

Kurz nach Eröffnung der Voruntersuchung erschienen unbekannte Männer an ihrer Privatadresse in Den Haag. „Sie kamen direkt zu meinem Haus“, sagte Bensouda gegenüber Al Jazeera. „Ich verstand die Botschaft, die sie schickten.“

Die Männer übergaben ihr einen Umschlag mit 500 Dollar und deuteten an, er stamme von jemandem, dem sie geholfen habe. Bensouda interpretierte die Geste als Demonstration: Die Absender wussten, wo sie wohnte.

Sie meldete den Vorfall dem IStGH-Sicherheitsdienst und den niederländischen Behörden. Ermittler verfolgten laut ihrer Aussage Telefonnummern, die mit den Besuchern in Verbindung standen, zurück nach Israel — weitere Konsequenzen seien jedoch ausgeblieben. „Ich fühlte mich allein gelassen. Ich fühlte mich ohne Rückhalt“, sagte sie.

Treffen mit dem Mossad-Chef

In der Folge kam es zu mehreren direkten Begegnungen mit dem damaligen Mossad-Direktor Yossi Cohen — darunter ein Treffen in einem New Yorker Hotel während der UN-Generalversammlung.

Bensouda schilderte, wie die Kontakte zunächst freundlich begannen: ein Versuch, sie auf seine Seite zu ziehen. Mit der Zeit wurden die Forderungen direkter. „Was klar war: Sie wollten nicht, dass die Ermittlungen zur Lage in Palästina weitergehen. Das ist der Kern der Sache“, sagte Bensouda.

Cohen habe ihr gegenüber angedeutet, Israel könne sich „um sie kümmern“ — und darauf hingewiesen, dass die Fortführung der Ermittlungen die Sicherheit ihrer Familie gefährden könnte. Bensouda wertete die Begegnungen als direkte Bedrohung ihrer Person und ihrer Familie.

Überwachung des Ehemanns

Die Einschüchterungskampagne beschränkte sich nicht auf direkte Gespräche. Bensouda berichtete auch von Versuchen, ihren Ehemann zu überwachen und zu kompromittieren — durch Fotos und Tonaufnahmen. Sie vermutete einen Zusammenhang mit ihrer späteren Aufnahme auf die US-Sanktionsliste. „Ich glaube, es hatte auch mit den Sanktionen zu tun“, sagte sie.

US-Sanktionen unter Trump

Im September 2020 verhängte die erste Trump-Administration Sanktionen gegen Bensouda und einen weiteren IStGH-Beamten — nachdem der Gerichtshof Ermittlungen zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen durch US-Streitkräfte in Afghanistan und durch israelische Streitkräfte in den besetzten palästinensischen Gebieten aufgenommen hatte.

Die Sanktionen umfassten Kontosperrungen und Restriktionen, die nach Bensoudas Angaben ihr berufliches und privates Leben erheblich beeinträchtigten.

Ihr Konto bei der UN Federal Credit Union wurde sofort gesperrt. Hotelbuchungen wurden unmöglich, ebenso Überweisungen in IStGH-Mitgliedstaaten. Niederländische Banken, die US-Finanzregeln unterliegen, zogen nach. Die Bank, bei der sie ihre Hypothek hielt, schloss ihr Konto. Selbst ihr in Gambia lebender Sohn verlor seinen Bankzugang.

„Die Menschen denken, wenn man sanktioniert wird, kann man nicht mehr in die USA einreisen. Aber es geht weit darüber hinaus“, sagte Bensouda.

Schließlich arrangierte das IStGH-Sekretariat mit niederländischen Behörden, dass eine bereits mit dem Gericht zusammenarbeitende Bank ihr Gehalt weiter empfangen konnte. Doch selbst danach schlugen Überweisungen an Familienmitglieder mitunter fehl, wenn Korrespondenzbanken die Abwicklung verweigerten.

Biden hob die Sanktionen 2021 kurz nach seinem Amtsantritt auf. Ihr Nachfolger Karim Khan engte die Afghanistan-Ermittlungen später auf Taliban und Islamischen Staat ein und stellte den US-Strang faktisch ein. Trump reaktivierte die Sanktionspolitik nach seiner Rückkehr ins Amt — per Dekret, das wirtschaftliche und reisebezogene Sanktionen gegen alle IStGH-Mitarbeiter autorisiert, die an Ermittlungen gegen US-Bürger oder amerikanische Verbündete wie Israel beteiligt sind.

Betroffen sind seitdem unter anderem Khan selbst, seine beiden Stellvertreter und acht Richter.

„Es wird Versuche geben, den Gerichtshof zu zerstören“

Bensouda wies Vorwürfe zurück, der IStGH richte sich unverhältnismäßig gegen Afrika. Viele der Untersuchungen seien auf ausdrücklichen Wunsch afrikanischer Staaten eingeleitet worden.

„Die Menschen vergessen immer, dass der IStGH nicht nach Afrika gegangen ist, um zu ermitteln. Es war Afrika, das zum IStGH kam.“

Vergangene Woche hielt Bensouda eine Grundsatzrede beim Rights Forum in Den Haag und rief die Europäische Union auf, den IStGH aktiv vor Sanktionen und Druck zu schützen. Konkret forderte sie die Aktivierung der sogenannten Blocking Statute — einer EU-Verordnung, die europäische Unternehmen und Einzelpersonen vor den extraterritorialen Auswirkungen ausländischer Sanktionen schützt.

„Es wird Versuche geben, den Gerichtshof zum Zerfall zu bringen und verschwinden zu lassen“, sagte Bensouda. „Aber ich weiß, dass es noch Menschen, Institutionen und Länder gibt, die Gerechtigkeit wollen.“

 


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Osnabrück
Frieden und Vielfalt in Osnabrück: Das Akyürek-Fest begeistert Tausende

Von Yasin Baş

Die Stadt Osnabrück hat den verstorbenen Yılmaz Akyürek, einen der ersten türkischen Gastarbeiter in der Hasestadt, mit einem großen „Kultur- und Friedensfest“ geehrt.

Tausende Besucher strömten zum mittlerweile fünften „Akyürek-Fest“, das die Stadt in Kooperation mit dem Büro für Friedenskultur zu Ehren des 2007 verstorbenen Brückenbauers ausrichtete. Akyürek war 1999 mit der Ehrenmedaille der Stadt Osnabrück ausgezeichnet worden.

(Foto: Emily Ates)

Das Festival fand auf dem Yılmaz-Akyürek-Platz statt, einer zentralen Kreuzung zwischen Iburger Straße und Im Brink, die bereits 2008 nach dem engagierten Bürger benannt wurde. Für die türkischstämmigen Osnabrücker ist der Platz zu einem wichtigen Symbol der Anerkennung geworden.

Oberbürgermeisterin Pötter: „Ein Fest der Begegnung“

Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) betonte in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung des Festes:

„Diese Veranstaltung steht für Zusammenhalt, Respekt und gelebte Vielfalt. Sie bringt Menschen aus der Nachbarschaften und der gesamten Region zusammen – ganz im Sinne von Yılmaz Akyürek.“

Sie würdigte den Verstorbenen als eine Persönlichkeit, die sich mit ganzer Kraft für die Integration von Zugewanderten, den interkulturellen Austausch und den Brückenschlag zwischen den Religionen eingesetzt habe.

Akyürek habe sein Leben dem gegenseitigen Kennenlernen und der Versöhnung gewidmet. Pötter weiter: „Wir ehren heute sein Andenken – und ich bin überzeugt, dass wir damit genau das tun, was ihn glücklich machen würde: Wir reden miteinander, wir lernen uns kennen, wir feiern gemeinsam und profitieren von der Vielfalt unserer Kulturen.“ Die bunte Veranstaltung sei ein unverzichtbarer Beitrag für die Friedensstadt Osnabrück.

(Foto: Emily Ates)

Töchter erinnern an den Brückenbauer

Im Namen der Familie sprach Yılmaz Akyüreks Tochter Tülin Akyürek, die als Unternehmerin in Köln lebt. Sie dankte der Stadt und dem Büro für Friedenskultur für die Organisation und Ausrichtung des Festes.

Ihr Vater sei weit über die Grenzen Osnabrücks als hilfsbereiter und weitsichtiger Mensch bekannt gewesen. „Er hat unermüdlich Brücken gebaut. Er war überzeugt, dass wir alle voneinander lernen können – egal welche Herkunft, welche Sprache oder welchen Glauben wir haben. Für ihn war Vielfalt kein Problem, sondern ein Geschenk, für das man dankbar sein sollte.“

Akyürek war viele Jahre Vorsitzender des „Türkischen Elternvereins Osnabrück“ (1977–1985) und setzte sich besonders für die Bildung türkischer und zugewanderter Schüler ein. Mehr als zwei Jahrzehnte engagierte er sich aktiv im Ausländerbeirat der Stadt.

Im Namen der Familie sprach Yılmaz Akyüreks Tochter Tülin Akyürek (Foto: Emily Ates)

Bunte Show, begeisterte Besucher, internationale Gäste

Das Bühnenprogramm begeisterte Jung und Alt: Besonders die Folklore-Tanzgruppe der Jugendabteilung der DİTİB-Moschee aus der Frankenstraße erntete großen Applaus. Schüler aus umliegenden Schulen sowie weitere Künstler trugen Lieder auf Gitarre und Saz vor, während internationale Musik- und Tanzgruppen für ein weltoffenes Flair sorgten.

Zahlreiche Vereine und städtische Einrichtungen präsentierten sich zudem auf Ständen. Unter den Gästen waren auch Vertreter der Partnerstädte Osnabrücks – aus der Türkei war die Stadt Çanakkale offiziell vertreten. Das Fest endete mit sportlichen und kulturellen Vorführungen verschiedener Organisationen und Vereine – ganz im Sinne des großen Versöhners und Vorbilds Yılmaz Akyürek.

 


Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.


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