Gewichtsverlust & Gesundheit
Abnehmen mit medizinischer Unterstützung: Chancen und Grenzen neuer Therapien

Alleine in Deutschland gelten mehr als 16 Millionen Menschen als stark übergewichtig. Viele davon versuchen immer wieder neue Diäten – und schaffen es doch nicht, nachhaltig abzunehmen.

Mit den Wirkstoffen Semaglutid und Tirzepatid hat sich die Aussicht auf einen dauerhaften Gewichtsverlust deutlich verbessert. Wer sie verwenden möchte, braucht allerdings Geduld und sollte sich im Klaren sein, dass sie mit Nebenwirkungen und anderen Herausforderungen verbunden sein können.

Ein Hormon als Vorbild

Sowohl Semaglutid als auch Tirzepatid ahmen körpereigene Darmhormone nach. Semaglutid (enthalten in Wegovy und Ozempic) entspricht dem Hormon GLP-1. Tirzepatid (enthalten in Mounjaro) spricht zusätzlich den Rezeptor des Hormons GIP an. Beide Botenstoffe dämpfen den Appetit und verlangsamen die Entleerung des Magens. Dadurch verringern sich Hungerattacken und das Abnehmen wird einfacher.

Beide Präparate spritzt man einmal pro Woche unter die Haut, wobei man die Dosis allmählich erhöht. Den Wirkstoff Semaglutid gibt es inzwischen auch in Form rezeptpflichtiger Tabletten.

Studien belegen die Wirkung

In der Zulassungsstudie STEP 1 verloren Teilnehmer mit Semaglutid in 68 Wochen etwa 15 Prozent ihres Körpergewichts. Für Tirzepatid ergab die Studie SURMOUNT-1 bei der höchsten Dosis durchschnittlich 21 Prozent Gewichtsverlust nach 72 Wochen. Eine reine Umstellung verschiedener Lebensgewohnheiten führt normalerweise zu Gewichtsverlusten zwischen drei und fünf Prozent.

Dazu kommen Effekte jenseits des Körpergewichts, etwa bessere Werte für Blutdruck, Blutzucker und Blutfette, wodurch das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme um ein Fünftel sinkt.

Die Realität hinter den Zahlen

Die genannten Durchschnittswerte sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass manche Menschen schwächer auf diese Behandlungen ansprechen und manche ihre Therapie abbrechen. Außerdem sollte man häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Verstopfung in Betracht ziehen.

Ärzte haben außerdem oft beobachtet, dass oft ein Viertel oder mehr des verlorenen Gewichts nicht aus Körperfett besteht, sondern aus Flüssigkeit oder Muskelmasse. Eine eiweißreiche Ernährung und Krafttraining sollten deshalb Teil einer Therapie mit Semaglutid oder Tirzepatid sein, um die Muskelmasse zu erhalten.

Der vielleicht wichtigste Einwand betrifft die lange Dauer einer solchen Therapie. Wenn der Appetit danach wieder zurückkehrt, kann auch das Gewicht wieder ansteigen. Es läuft daher in vielen Fällen auf eine sehr langfristige Therapie ohne absehbares Ende hinaus.

Abnehmspritzen sind in Deutschland für Erwachsene mit einem Body-Mass-Index ab 30 zugelassen. Bei Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes ist eine Verschreibung ab einem BMI von 27 möglich. Sie eignen sich also nicht für Normalgewichtige, die einige Kilos verlieren möchten. Oft richten sich Angebote aus dubiosen Internetquellen mit gefälschten Pens und einem unkontrollierten Wirkstoffgehalt an genau diese Gruppe.

Ärztliche Begleitung als Voraussetzung für den Erfolg

Vor dem Beginn der Therapie mit einer Abnehmspritze ist eine genaue Anamnese nötig. Danach muss der behandelnde Arzt laufend kontrollieren, ob der Patient die Behandlung verträgt.

Viele Arztpraxen und Zentren für die Gewichtsabnahme bieten heute strukturierte Programme an, die Medikamente, Ernährung und psychologische Unterstützung beinhalten. Auch der Umgang mit Essen bei verringertem Appetit will gelernt sein: Die Behandelten sollten die Größe der Portionen verringern und auf fettreiche Mahlzeiten verzichten, um das Risiko von Nebenwirkungen wie Übelkeit zu senken.

Der finanzielle Aspekt

Die monatlichen Kosten einer Abnehmspritze in Deutschland liegen je nach Präparat und Dosierung zwischen 220 und 580 Euro. Es kann sein, dass die gesetzlichen Krankenkassen diese Kosten nicht übernehmen. Vor allem sogenannte Lifestyle-Arzneimittel sind laut Sozialgesetzbuch von der Kostenübernahme ausgeschlossen.

Bei dauerhafter Anwendung summiert sich der Eigenanteil schnell auf mehrere tausend Euro im Jahr. Die Therapie wird damit für viele Übergewichtige zu einer Frage des Einkommens. Ärzte und Patientenverbände fordern seit langem, die Erstattung der Kosten neu zu regeln.

Realistische Erwartungen

Medikamente mit Semaglutid oder Tirzepatid sind ein echter Fortschritt, aber sie setzen auch Änderungen der Lebensweise voraus. Am besten funktionieren diese Therapien als Teil eines Gesamtkonzepts, das Ernährungsberatung und ein Bewegungsprogramm beinhaltet.

Eine Abnehmspritze verändert nur den Appetit. Wer sie ohne langfristigen Plan nutzt, riskiert, nach dem Absetzen wieder in alte Muster zu verfallen. Wer sie hingegen als Unterstützung versteht, kann sehr viel nachhaltiger Gewicht abnehmen als mit reiner Willenskraft.


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über Gesundheitsthemen. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung oder Diagnose durch qualifiziertes Fachpersonal. Nehmen Sie Medikamente niemals ohne vorherige Rücksprache mit einem Arzt ein.


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Siedlergewalt
Israel: Kirchenführer verurteilen Gewalt radikaler Siedler

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Jerusalem – Führende christliche Würdenträger in Jerusalem haben die zunehmende Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen palästinensische Gemeinschaften im Westjordanland in aller Schärfe verurteilt.

In einer gemeinsamen offiziellen Erklärung äußerten die Patriarchen und Oberhäupter der lokalen Kirchen ihre tiefe Besorgnis über die Sicherheitslage vor Ort. Konkreter Anlass für die Stellungnahme ist ein jüngster Angriff auf das überwiegend von christlichen Palästinensern bewohnte Dorf Taybeh.

Die Kirchenführer forderten die internationale Gemeinschaft sowie die zuständigen Behörden auf unverzüglich Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu ergreifen. Es brauche wirksame Mechanismen um die Täter für ihre Aktionen zur Rechenschaft zu ziehen und weitere Übergriffe zu verhindern. Die Geistlichen schilderten eine Welle von Brandstiftungen, Sachbeschädigungen und physischen Bedrohungen die das alltägliche Leben der Menschen in den betroffenen Regionen massiv gefährde.

Die deutliche Kritik der christlichen Würdenträger trifft auf eine ohnehin hochexplosive Debatte. Erst kürzlich hatte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu Berichte über Siedlergewalt im Westjordanland öffentlich als gesteuerte Propaganda und Falschinformationen bezeichnet. Die geschlossene Reaktion der höchsten Repräsentanten der christlichen Kirchen widerspricht dieser Darstellung nun direkt und verleiht den internationalen Forderungen nach einem Einschreiten neues Gewicht.

 

 


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Gesundheit
Schlafoptimierung im Alltag: Warum der Wahn nach dem perfekten Schlaf krank machen kann

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Berlin – Acht Stunden tief geschlafen, die REM-Phasen genau analysiert und den Schlafzyklus lückenlos getrackt: Der Wunsch nach erholsamer Nachtruhe hat sich für viele Menschen von einem natürlichen Bedürfnis zu einem durchgestylten Leistungssport entwickelt.

Unter Schlagwörtern wie „Sleepmaxxing“ fluten Anleitungen für die vermeintlich perfekte Nachtruhe die sozialen Netzwerke. Von speziellen Blaulichtfilter-Brillen über klimatisierte Kühlmatratzen und Nahrungsergänzungsmittel bis hin zum gewagten Trend des Mund-Verklebens mit Klebeband lassen Optimierer nichts unversucht um den maximalen Schlafwert herauszuholen.

Schlaf ist in einer leistungsorientierten Gesellschaft zum neuen Statussymbol avanciert. Doch Schlafmediziner und Psychologen schlagen zunehmend Alarm: Die exzessive Kontrolle und Vermessung der eigenen Nacht lässt das eigentliche Ziel der Entspannung in weite Ferne rücken und gefährdet die Gesundheit.

Wenn die Smartwatch zum Stressfaktor wird

Schlafmediziner beobachten bei immer mehr Patienten ein eigenständiges Phänomen das unter dem Fachbegriff Orthosomnie bekannt geworden ist. Der Ausdruck leitet sich vom griechischen Wort „orthos“ für richtig ab und beschreibt die krankhafte Fixierung auf das Erreichen eines theoretisch idealen Schlafs. Auslöser für diese Störung sind fast immer die detaillierten Auswertungen von Smartwatches, Schlaftrackern und speziellen Ringen.

Zeigt die dazugehörige Smartphone-App am Morgen einen niedrigen Schlaf-Score oder zu wenige Tiefschlafphasen an, reagieren Betroffene mit Frustration, Angst und Verunsicherung. Das grundlegende Problem dabei: Die Algorithmen gängiger Consumer-Gadgets basieren lediglich auf Bewegungssensoren sowie Pulsfrequenzen und sind keineswegs mit einer medizinischen Schlaflabor-Analyse vergleichbar. Sie liefern oft ungenaue Werte und spiegeln die tatsächliche Erholung des Körpers nur unzureichend wider.

Der Teufelskreis aus Kontrollzwang und Schlaflosigkeit

Diese Dauerüberwachung führt Betroffene rasch in einen teuren und belastenden Teufelskreis. Wer sich bereits tagsüber gedanklich unter Druck setzt um abends die perfekten Rahmenbedingungen für die Nachtruhe zu schaffen erzeugt unbewusst chronischen Stress.

Genau dieser Stress führt zur Ausschüttung von Botenstoffen wie Cortisol und Adrenalin. Diese Hormone versetzen das Nervensystem in erhöhte Bereitschaft, verhindern das reibungslose Einschlafen und lassen den Schlaf extrem oberflächlich werden. Wenn der besorgte Blick auf die App am nächsten Morgen dann die schlechten Messwerte schwarz auf weiß bestätigt, verstärkt sich die Unruhe für die darauffolgende Nacht weiter. Schlaf verliert dadurch seine biologische Funktion als unbewusste Erholungsphase und wird zu einer stressbeladenen Aufgabe die es zwingend zu bewältigen gilt.

Risiken durch fragwürdige Selbstexperimente

Neben den psychischen Belastungen bringt der exzessive Optimierungswahn auch handfeste körperliche Risiken mit sich. Selbstexperimente aus den sozialen Medien wie das Zukleben des Mundes mit Klebeband um die Nasenatmung zu erzwingen können insbesondere bei unentdeckten Atemwegserkrankungen oder anatomischen Besonderheiten zu gefährlichen Atemnotzuständen führen.

Zudem verleiten teure Ergänzungsmittel und hochdosierte Schlafhormone wie Melatonin zur dauerhaften Selbstmedikation. Wer dem Körper synthetische Schlafhilfen ohne medizinische Notwendigkeit zuführt riskiert die eigene Hormonregulation nachhaltig durcheinanderzubringen. Anstatt dem Körper zu helfen verlernt dieser im schlimmsten Fall die eigenständige Steuerung der Schlafphasen.

Mehr Gelassenheit für eine gesunde Nacht

Experten raten daher drastisch zu mehr Gelassenheit und einem natürlichen Umgang mit der eigenen Nachtruhe. Ein gesunder menschlicher Körper besitzt ein hochfunktionales Selbstregulierungssystem und fordert sich das benötigte Maß an Schlaf über Müdigkeit ganz von alleine ein.

Einzelne schlechte Nächte oder Phasen mit Einschlafproblemen sind absolut menschlich und richten gesundheitlich keinerlei dauerhaften Schaden an. Wer bereits unter Einschlafproblemen oder innerer Unruhe leidet sollte Smartwatches, Tracker und Telefone für einige Wochen konsequent aus dem Schlafzimmer verbannen. Der wichtigste Gradmesser für guten Schlaf ist nicht das Ergebnis einer Smartphone-App sondern das persönliche Befinden nach dem Aufstehen im Alltag.

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Studie: ChatGPT-Nutzung reduziert Gehirnaktivität erheblich

 

"Achte Front"
Netanjahu will „Propaganda gegen Israel“ bekämpfen

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Jerusalem – Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat eine umfassende Offensive im digitalen Raum angekündigt um mutmaßliche Desinformationskampagnen auf Social Media zu bekämpfen. In einem Interview mit dem Sender Channel 14 bezeichnete Netanjahu die Informationskriegsführung als die „achte Front“ Israels. Zur Abwehr der Vorwürfe will das Land verstärkt auf Künstliche Intelligenz und eigene Bot-Netzwerke setzen.

Netanjahu warf unter anderem Katar und Russland vor gezielte Desinformationsoperationen und antisemitische Bot-Netzwerke gegen Israel zu betreiben. Insbesondere Berichte über Siedlergewalt im Westjordanland bezeichnete er in diesem Zusammenhang als gesteuerte Kampagne. Die jüdischen Bewohner in Judäa und Samaria beschrieb der Premierminister hingegen als mutig und außergewöhnlich.

Auf einer Pressekonferenz betonte Netanjahu zudem die gegensätzlichen Interessen zwischen Israel und Russland. Die Interessen beider Staaten überschneiden sich laut Netanjahu keineswegs immer und geraten mitunter direkt aneinander.

Zugleich verwies der israelische Premierminister auf einen Cyberangriff gegen den russischen Tech-Konzern Yandex. Nach dem Angriff seien rund sechzig Prozent der russischen Online-Aktivitäten gegen Israel schlagartig verschwunden was das Ausmaß der digitalen Einflussnahme verdeutliche.

Katar weißt Anschuldigungen zurück

Die Vorwürfe lösten internationale Reaktionen aus. Das katarische Außenministerium wies die Anschuldigungen Netanjahus die dieser auch auf der UN-Generalversammlung gegen Katar und die Türkei erhoben hatte scharf zurück.

Netanjahu hatte beiden Ländern vor der UN vorgeworfen große Summen für die Verbreitung von Falschinformationen gegen Israel auszugeben und die Türkei zudem als Hauptverbreiter von antisemitischen Lügen kritisiert.

Ein Sprecher des katarischen Außenministeriums bezeichnete die Vorwürfe als grundlos und als Versuch von den israelischen Handlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten abzulenken. Der Wandel in der globalen öffentlichen Meinung sei kein Ergebnis von Einflusskampagnen sondern die Folge der realen Geschehnisse vor Ort.

 


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Eine mutmaßlich von der israelischen Regierung finanzierte Einflussoperation soll versucht haben, künstliche Intelligenz gezielt im Sinne der israelischen Position zu konditionieren. Wie eine detaillierte Analyse der britischen Tageszeitung The Guardian zeigt, stehe im Zentrum dieser Aktion eine Website, die sich als Thinktank namens „Hanover Institute for Public Policy“ ausgibt.

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Vintage Mode
Streetwear und Selbstvertrauen im Alltag

Mode wird oft als Nebensache abgetan. Gleichzeitig zeigen psychologische Ansätze wie Enclothed Cognition, dass Kleidung unser Auftreten und unsere Stimmung beeinflussen kann. In einer Zeit, in der mentale Gesundheit offener diskutiert wird, lohnt sich ein nüchterner Blick auf ein alltägliches Thema: Was macht ein Outfit mit uns?

Streetwear ist dabei mehr als ein Trend. Sie verbindet Komfort mit Haltung und wird für viele junge Erwachsene zur sichtbaren Form von Identität. Wer sich in seinem Look wiedererkennt, fühlt sich oft sicherer im Job, in der Uni oder im sozialen Umfeld.

Wie Kleidung das mentale Wohlbefinden beeinflussen kann

Kleidung ist Kommunikation. Wer sich in einem Outfit wohlfühlt, bewegt sich anders, spricht anders und tritt selbstbewusster auf. Das ist nicht nur subjektiv: Forschende beschreiben, dass äußere Signale das Selbstbild stabilisieren können, besonders in Phasen von Stress oder Unsicherheit.

Streetwear spielt hier eine besondere Rolle, weil sie Schutz und Ausdruck zugleich sein kann. Bequeme Schnitte geben Raum, solide Stoffe vermitteln Wertigkeit, klare Designs reduzieren das Gefühl, sich ständig erklären zu müssen.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Wer nach einer längeren Krankheitsphase oder nach einem Jobwechsel wieder unter Menschen geht, greift oft zu sicheren Outfits. Ein gut sitzender Hoodie, ein schlichtes Shirt und eine passende Hose können helfen, sich weniger beobachtet zu fühlen. Das ist kein medizinischer Effekt, aber ein psychologischer: Man startet mit einem stabileren Selbstbild in den Tag.

Wichtig bleibt: Mode ersetzt keine Therapie. Aber sie kann ein Baustein sein, um das mentale Wohlbefinden zu unterstützen, wenn sie als Werkzeug und nicht als Zwang verstanden wird.

Warum Streetwear so eng mit Identität verknüpft ist

Rollenbilder und Körpernormen werden heute stärker hinterfragt. Gleichzeitig verstärken soziale Netzwerke den Blick auf Äußerlichkeiten: Outfits sind nicht mehr nur im Freundeskreis sichtbar, sondern potenziell für viele Menschen.

Das kann Druck erzeugen, eröffnet aber auch Chancen. Streetwear ist vergleichsweise inklusiv, weil viele Teile unabhängig von Körperform funktionieren und nicht an klassische Business-Codes gebunden sind. Wer sich nicht in Anzug oder Kostüm wiederfindet, kann über Streetwear eine eigene, glaubwürdige Sprache entwickeln.

Shelby Brothers als Beispiel für eine klare Markenhaltung

In diesem Umfeld entstehen Labels, die nicht nur Kleidung verkaufen, sondern auch Werte transportieren. Ein Beispiel ist das Streetwear-Label Shelby Brothers. Die Marke setzt auf einen cleanen, selbstbewussten Look und verbindet ihn mit dem Gedanken von Brotherhood, also Zusammenhalt und Loyalität.

Für Konsumenten ist das relevant, weil Mode heute oft nach Bedeutung bewertet wird: Wofür steht ein Label, wie konsequent ist der Stil, und passt er zum eigenen Alltag? Orientierung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Wiedererkennbarkeit.

Auch die praktische Seite zählt. Passform, Material und Verarbeitung entscheiden darüber, ob ein Hoodie oder T-Shirt zum Lieblingsstück wird oder nach kurzer Zeit im Schrank verschwindet. Gerade bei Streetwear, wo Käufer häufig auf Drops und limitierte Releases achten, ist Vertrauen in Qualität ein zentraler Faktor.

Streetwear ist kein Heilmittel, aber auch nicht belanglos. Sie zeigt, wie eng Stil, Selbstbild und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sind. Wer Kleidung als Teil des eigenen Wohlbefindens versteht, kann daraus etwas Positives ziehen.

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Historische Premiere: Adidas launcht erste globale Kollektion aus der Türkei

Koalitionsgespräche
„Hufeisen auf den Kopf gefallen“: Juso-Chef Türmer rechnet nach Berlin-Wahl mit der CDU ab

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Berlin – Juso-Chef Philipp Türmer hat im phoenix-Interview die Kritik der Union an einer möglichen rot-grün-roten Koalition in Berlin zurückgewiesen.

„Ich habe den Eindruck, dass da vielen bei der Union in den letzten Tagen und Wochen ein bisschen ihr Hufeisen auf den Kopf gefallen ist. Ich würde mir wünschen, dass die CDU erst mal vor der eigenen Türe kehrt und dafür sorgt, dass sie eine klare Haltung in der Abgrenzung auch gerade auf Länderebene zur AfD hat“, sagte Türmer.

Zwar stelle sich mit Blick auf die Berliner Linke die Frage: „Sind sie denn überhaupt regierungswillig?“ Die Wahl habe aber vor allem gezeigt, dass sich die Berlinerinnen und Berliner „eine andere Regierung wünschen als die bislang von der CDU geführte Regierung“.

Ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD komme deshalb nicht infrage, auch wegen des zentralen Wahlkampfthemas Wohnen. Hier sei die Berliner CDU „politisch, personell ja fast überhaupt nicht von der Berliner Vermieterlobby zu trennen“. Türmer habe selbst erlebt, „wie da mit Zähnen und Klauen quasi die Interessen der Vermögenden verteidigt werden und man sich überhaupt nicht darum kümmert, dass viele Berlinerinnen und Berliner sich die Miete nicht mehr leisten können“.

 

Iran-Konflikt
Trump: Kein US-Einsatz gegen Iran ohne Netanjahu

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Washington – Kurz vor den entscheidenden Parlamentswahlen in Israel am 27. Oktober sorgt US-Präsident Donald Trump mit einer deutlichen Wählerempfehlung für Aufsehen. Auf seiner Plattform Truth Social sprach er dem amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu seine uneingeschränkte Unterstützung aus – und knüpfte das künftige Engagement der USA im Konflikt mit dem Iran direkt an dessen Verbleib im Amt.

In seinem Beitrag auf Truth Social warnte Trump ausdrücklich vor einem politischen Wechsel an der Spitze der israelischen Regierung. Sollte Israel eine andere Führung als Netanjahu wählen, müssten die USA die Aufgaben und Maßnahmen im Konflikt mit Teheran allein übernehmen – eine Option, die er für die US-Administration explizit ablehne.

Mit dieser Äußerung verdeutlicht Trump, dass die Sicherheitspartnerschaft zwischen Washington und Jerusalem aus seiner Sicht eng an die Person Netanjahu gebunden ist. Bereits während seiner ersten Präsidentschaftsperiode pflegten beide Politiker eine enge Allianz, die unter anderem zur historischen Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem sowie zum Abschluss der Abraham-Abkommen mit mehreren arabischen Staaten führte.

Zugleich fügt sich Trumps Ausstiegsszenario in seine außenpolitische Doktrin ein, direkte US-Militäreinsätze oder alleinige Sicherheitsgarantien ohne starke Verbündete vor Ort zu vermeiden. Seine Aussagen fallen mitten in die heiße Phase des israelischen Wahlkampfs, in dem die Bedrohung durch das iranische Atom- und Raketenprogramm sowie die zukünftige Ausrichtung der nationalen Sicherheitspolitik die zentralen Debattenthemen bilden.

Indem Trump das Engagement Washingtons als Bedingung an Netanjahus Wahlsieg knüpft, erhöht er den politischen Druck auf das israelische Wählerfeld im Endspurt vor dem Gang an die Urnen.

Ägäis-Konflikt
Griechenland und die Türkei: Der Konflikt um die Hoheitsgewässer in der Ägäis

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Immer wieder kommt es im Ägäischen Meer zu Spannungen zwischen der griechischen und der türkischen Marine. Dabei kommt es auch vor, dass die griechische Marine türkische Fischerboote attackiert, obwohl sich diese nach eigenen Angaben in internationalen Gewässern aufgehalten haben.

Nach einer Meldung der Zeitung Izmir Havadis bedrängte die griechische Küstenwache im Juni dieses Jahres türkische Fischerboote vor der Küste Bodrums. Die Besatzung des Fischerboots wurde aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Die Fischer zeigten den Soldaten der griechischen Küstenwache die Koordinaten ihres Bootes. Als ein türkisches U-Boot auftauchte, verließ das Schiff der griechischen Küstenwache die Gegend.

Von drei auf sechs Seemeilen: Griechenlands einseitige Ausweitung von 1936

Griechenland weitete seine Hoheitsgewässer in der Ägäis am 17. September 1936 durch das Gesetz Nr. 230/1936 einseitig von drei auf sechs Seemeilen aus. Diese nationale Festlegung vergrößerte den unter griechischer Hoheitsgewalt stehenden Meeresraum und verringerte entsprechend die außerhalb nationaler Hoheitsgewässer verbleibenden Seegebiete, wodurch auch die Interessen der Türkei als Nachbarstaat berührt wurden.

Griechenlands Anspruch auf zwölf Seemeilen und Artikel 300 des Seerechtsübereinkommens

Unter Berufung auf das internationale Seerechtsübereinkommen haben griechische Regierungen immer wieder auf das Recht Griechenlands hingewiesen, seine Hoheitsgewässer auch im Ägäischen Meer auf zwölf Seemeilen auszudehnen. Zur Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer von sechs auf zwölf Seemeilen erklärte der damalige griechische Außenminister Nikos Dendias in einer Rede vor dem Parlament am 26. August 2020:

„Από την πλευρά της, η Ιταλία και έμμεσα η Ευρωπαϊκή Επιτροπή που αποδέχθηκε την αποστολή, επιβεβαίωσαν το αναφαίρετο δικαίωμα της χώρας μας να επεκτείνει παντού, επαναλαμβάνω παντού, και στο Ιόνιο και στο Λιβυκό και στο Αιγαίο και νότια της Κρήτης, τα χωρικά της ύδατα.“

Deutsche Übersetzung:

„Italien und indirekt auch die Europäische Kommission, die das entsprechende Schreiben entgegengenommen hat, haben ihrerseits das unveräußerliche Recht unseres Landes bestätigt, seine Hoheitsgewässer überall – ich wiederhole: überall – auszuweiten, sowohl im Ionischen Meer als auch im Libyschen Meer, in der Ägäis und südlich von Kreta.“

In Artikel 3 des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen zur Breite des Küstenmeers steht:

„Jeder Staat hat das Recht, die Breite seines Küstenmeers bis zu einer Grenze festzulegen, die höchstens 12 Seemeilen von den in Übereinstimmung mit diesem Übereinkommen festgelegten Basislinien entfernt sein darf.“

Auf diesen Artikel 3 beruft sich Griechenland, um seine Hoheitsgewässer in der Ägäis auszuweiten. Bei dieser Argumentation wird etwas ganz Entscheidendes nicht erwähnt: Artikel 300 des Seerechtsübereinkommens (vgl. Artikel 300 des Seerechtsübereinkommens). Dort heißt es:

„Die Vertragsstaaten erfüllen die aufgrund dieses Übereinkommens übernommenen Verpflichtungen nach Treu und Glauben und üben die in dem Übereinkommen anerkannten Rechte, Hoheitsbefugnisse und Freiheiten in einer Weise aus, die keinen Rechtsmissbrauch darstellt.“

Eine Ausweitung der griechischen Hoheitsgewässer in der Ägäis auf zwölf Seemeilen würde die strategischen und maritimen Interessen der Türkei erheblich berühren. Angesichts der besonderen geografischen Verhältnisse und der Auswirkungen auf die außerhalb nationaler Hoheitsgewässer verbleibenden Seegebiete sollten beide Staaten eine einvernehmliche Lösung anstreben. Artikel 300 UNCLOS verpflichtet sie zur Ausübung ihrer Rechte nach Treu und Glauben und verbietet Rechtsmissbrauch.

Wie Tabelle 3 aufzeigt, würde Griechenland bei einer Ausweitung der Hoheitsgewässer auf zwölf Seemeilen erheblich davon profitieren und seinen Anteil von 43,5 % auf 71,5 % erhöhen – eine Veränderung um 28 Prozentpunkte. Verlierer wären sowohl die Türkei als auch die internationale Schifffahrt. Der Anteil der internationalen Gewässer würde von 49 % auf 19,7 % zurückfallen.

Die „Megali Idea“: Der griechische Irredentismus

Die Politik Griechenlands, sein Hoheitsgebiet auf Kosten von Nachbarstaaten auszuweiten, hat etwas mit dem griechischen Irredentismus zu tun. Im 19. und 20. Jahrhundert prägte die Ideologie des griechischen Nationalismus die sogenannte „Megali Idea“ („Die große Idee“). Ihr Ziel war die Vereinigung aller von Griechen besiedelten Gebiete, ein Konzept, das als „griechischer Irredentismus“ bezeichnet wird.

Der Plan sah unter anderem die Besetzung von Teilen Anatoliens auf Kosten des ehemaligen Osmanischen Reiches vor. Nach dessen Niederlage im Ersten Weltkrieg sah die griechische Regierung unter Ministerpräsident Eleftherios Venizelos die Möglichkeit gekommen, die „Megali Idea“ zu verwirklichen. Venizelos galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts als einer der wichtigsten Verfechter dieses irredentistischen Projekts. Mit seiner Umsetzung sollten das historische Byzanz wiedererrichtet, Kleinasien hellenisiert und die türkische Herrschaft auf dem Balkan sowie in Anatolien beendet werden.

Die Besetzung von Izmir und die Gewalt gegen die türkische Zivilbevölkerung

Die Besetzung der westtürkischen Stadt Izmir durch die griechische Armee am 15. Mai 1919 war ein erster Schritt zur Verwirklichung der „Megali Idea“. Bei ihrem Vormarsch bis nach Polatlı/Ankara, setzte die griechische Besatzungsarmee auf eine Politik der systematischen Zerstörung von Städten und Dörfern sowie der Infrastruktur, der Vertreibung der einheimischen Bevölkerung, der Vergewaltigung von Frauen und Mädchen und massenhafter Gewaltverbrechen gegen die türkische Zivilbevölkerung.

In der türkischen Geschichtswissenschaft und im allgemeinen Sprachgebrauch wird für die Gewaltverbrechen der griechischen Armee gegen die türkische Zivilbevölkerung der Begriff „Yunan Mezalimi“ (griechische Gräueltaten) verwendet.

Zypern 1974: Der Versuch, die Insel an Griechenland anzuschließen

Am 15. Juli 1974 initiierten Teile der griechisch-zyprischen Nationalgarde und der Terrororganisation EOKA-B einen Militärputsch auf Zypern. Der Putsch wurde von der griechischen Militärjunta in Athen unterstützt. Das Ziel bestand darin, Präsident Makarios zu stürzen und die Insel mit Gewalt an Griechenland anzuschließen (Enosis). Makarios wurde durch den Nationalisten Nikos Sampson ersetzt. Was folgte, waren systematische Massaker an der zyperntürkischen Bevölkerung, die seit 1963 in Enklaven leben musste. Um die zyperntürkische Bevölkerung zu schützen, intervenierte die türkische Armee unter Berufung auf das Garantieabkommen von 1959.

Zwölf Seemeilen als Fortsetzung der „Megali Idea“?

Der Militärputsch der griechisch-zyprischen Nationalgarde vom 15. Juli 1974 war ein weiterer Versuch, die Ideologie des griechischen Nationalismus und die irredentistische „Megali Idea“ zu verwirklichen. Die Ankündigung der griechischen Regierung, die nationalen Hoheitsgewässer von sechs auf zwölf Seemeilen auszudehnen, ist nichts anderes als die Fortsetzung des griechischen Irredentismus und der „Megali Idea“.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei


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Deutschland
Geheimdienstreform: Eine Zäsur – aber keine Lizenz zum Töten

Berlin – Deutschland plant eine umfassende Reform seiner Geheimdienste. Wie die Welt am Sonntag in ihrem Bericht vom 18. Oktober 2026 schreibt, sollen der Bundesnachrichtendienst (BND) und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) neue Befugnisse erhalten.

Gleichzeitig wird ihre Kontrolle grundlegend neu geordnet. Die Autoren Dirk Banse, Wolfgang Büscher und Uwe Müller zitieren den Präsidenten des Unabhängigen Kontrollrats (UK-Rat), Josef Hoch, der die Pläne als „eine wirkliche Zäsur“ bezeichnet.

Bislang habe der BND bei erkannten Angriffen auf Deutschland lediglich zusehen dürfen. Künftig solle er unter bestimmten Voraussetzungen aktiv eingreifen können, etwa wenn keine andere Möglichkeit zur Gefahrenabwehr besteht. Als Beispiel nennt die Zeitung den Fall der terroristischen „Sauerlandgruppe“, deren versuchte Anschläge 2007 durch gezielte Eingriffe der Sicherheitsbehörden vereitelt werden konnten.

Der BND erhalte jedoch „keine Lizenz zum Töten“, betont Hoch gegenüber der Welt am Sonntag. Der Unterschied zwischen dem Geheimdienst eines Rechtsstaats und dem einer Diktatur bleibe scharf gezogen. Selbst in Extremsituationen blieben die Mitarbeiter an deutsches Recht gebunden, so der Experte.

Zentralisierung der Kontrolle

Die Reform betrifft auch die Aufsicht. Bisher war die Kontrolle auf verschiedene Institutionen verteilt, etwa auf Datenschutzbeauftragte oder Gremien für die Fernmeldeaufklärung. Künftig soll der UK-Rat die zentrale rechtliche Aufsicht übernehmen. Hoch sieht darin einen Vorteil: „Die bisher zersplitterte Kontrolllandschaft wird nun übersichtlich.“ Die Dienste hätten dann ein Gegenüber statt mehrerer Ansprechpartner.

Der Kontrollrat erhält dafür weitreichende Rechte. Er kann jederzeit Gebäude der Dienste betreten, sich Unterlagen zeigen lassen und Mitarbeiter befragen. Zudem soll er Zugang zu Informationen ausländischer Partnerdienste erhalten. Dies sei bedeutsam, da der UK-Rat im Gegensatz zum Parlamentarischen Kontrollgremium nicht als „Dritter“ im Sinne der Third-Party-Rule gilt.

Reform mit offenen Fragen

Allerdings hat die Reform laut Welt am Sonntag auch ihren Preis. Der Kontrollrat benötigt zusätzliche Richter und Juristen. Eigentlich soll das gerichtsähnliche Kontrollorgan künftig mit drei Kammern arbeiten, doch mehrere Stellen sind noch unbesetzt. Die dritte Kammer könne deshalb vorerst nicht eingerichtet werden.

Derzeit gilt eine „Gefahr-im-Verzug“-Regelung, die den Kontrollrat faktisch zu einer Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft verpflichtet. Hoch kritisiert dies: Das Bundesverfassungsgericht habe 2020 ausdrücklich zugelassen, dass der BND in akuten Ausnahmesituationen zunächst selbst handeln könne, bevor die Kontrolle nachträglich einsetze. Der Gesetzgeber sei bisher strenger gewesen als die Vorgabe aus Karlsruhe.

Hoch betont zudem die Bedeutung des Kontrollrats als oberste Bundesbehörde, die keinem Ministerium unterstellt ist. Darin sieht er eine bewusste Sicherung des Rechtsstaats – auch für den Fall, dass eine radikale Regierung versuche, die Geheimdienste gegen politische Gegner einzusetzen.

Turgay Gülek

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BND-Skandal: Ex-Chef Hanning und seine Verbindungen zum Mossad

NAZA-Doku
Linkenpolitiker Amin Sharaf über Israel: „Wir haben ein Monster erschaffen“

Bonn – Der Bonner Kommunalpolitiker Amin Sharaf (Die Linke) hat auf der Plattform X ausführlich Stellung zu dem vieldiskutierten Dokumentarfilm „NAZA“ bezogen. In seinem Beitrag schildert er seine Eindrücke nach dem Kinobesuch und zieht tiefgreifende Vergleiche zum historischen Nationalsozialismus sowie zum Vorgehen der israelischen Armee (IDF) im Gazastreifen.

Sharaf leitete seinen Social-Media-Beitrag mit einer Beschreibung der Atmosphäre im Kinosaal ein. Er habe noch nie erlebt, dass das Publikum während des gesamten Abspanns vor Betroffenheit absolut still geblieben sei. Da über den Film bereits viel berichtet worden sei, wolle er diese Inhalte nicht wiederholen, betonte jedoch, dass ihn einige Aspekte überrascht und tief getroffen hätten.

Der Politiker schrieb daraufhin wörtlich: „Wir haben ein Monster erschaffen. #Israel ist ein Monster.“ Er führte weiter aus, er hätte nicht gedacht, wie ähnlich sich Nazi-Deutschland und Israel in ihrer „Perfektion der Vernichtung“ seien. Während die Nationalsozialisten Nummern auf die Menschen tätowierten, die sie töten wollten, nummeriere Israel heute die Häuser, die es zerstören will.

Laut Sharafs Darstellung sei diese gesamte Infrastruktur nicht erst als Reaktion auf die Ereignisse des 7. Oktobers entstanden, sondern sei bereits lange vorher vorbereitet gewesen. Er bezog sich dabei auf technische Details aus der Dokumentation und erklärte, dass jedes Mobiltelefon im Gazastreifen exakt zugeordnet, lokalisiert und abgehört werden konnte und jeder Sensor einsatzbereit gewesen sei. Vor diesem Hintergrund warf der Politiker in seinem Post die Frage auf, wie es sein könne, dass die israelische Armee (IDF) nichts von den Angriffsplanungen des 7. Oktobers gewusst habe.

Im selben Kontext äußerte er Unverständnis darüber, dass das Militär nun präzise um die Identität von Hamas-Mitgliedern wisse, weil diese beispielsweise Kontakte unter bestimmten Namen im Telefon abgespeichert hätten. In seinem X-Post hieß es dazu im O-Ton:

„Wie kann es sein, dass sie auf einmal genau wissen, wer ein Hamas-Offizier ist, weil er seine Kumpels mit ‚Hamas Ahmed‘ im Handy gespeichert hat – was Ahmed zum nächsten Ziel macht – aber vorher nichts mitbekommen haben?“

Weiter warf Sharaf den israelischen Streitkräften vor, gezielt das private Umfeld der Zielpersonen ins Visier zu nehmen. Die IDF habe sich Familienfotos angesehen, um den strategisch effektivsten Weg für die Zerstörung eines Wohnhauses zu ermitteln, und die Opfer während des Angriffs live abgehört.

Zudem behauptete er, dass das Militär bewusst gewartet habe, bis die Väter nach Hause zurückkehrten, um die gesamte Familie auszulöschen, da dies einfacher gewesen sei. Dieses System habe laut dem Film den Namen „Where‘s Daddy“ getragen.

Der Linken-Politiker verwies zudem auf Aussagen eines im Film interviewten IDF-Soldaten. Dieser habe berichtet, wie er ein früheres Konzentrationslager in Polen besuchte und damals nicht verstanden habe, wie die deutsche Bevölkerung mit dieser historischen Schuld leben konnte. Sharaf gab die Worte des Soldaten indirekt so wieder, dass dieser das heute verstehe und es ganz gut funktioniere. Auf die Frage, ob es sich um einen Genozid handele, habe der Befragte ohne Zögern mit „Ja!“ geantwortet.

Die psychologischen Mechanismen hinter den Handlungen der Beteiligten verglich Sharaf ebenfalls mit der Vergangenheit. Er hielt fest: „Jeder Interviewte sagte 2 Dinge: er hätte nur Befehle ausgeführt, das wäre seine Rolle gewesen, hinterfragen wäre nicht angebracht gewesen und er wäre ja nur ein kleines Rädchen gewesen.“

Auf diese Weise bringe man Menschen dazu, bei den furchtbarsten Verbrechen mitzuwirken, zog er eine Parallele zwischen den Jahren 1940 und 2024. Dass einige der Beteiligten unverhohlen zugegeben hätten, Spaß am Töten gehabt zu haben, gehe dabei fast unter.

Abschließend erklärte der Kommunalpolitiker, dass er eine seiner bisherigen Annahmen revidieren müsse. Er sei nach den offiziellen Erklärungen israelischer Politiker und Militärs nach dem 7. Oktober zunächst davon ausgegangen, dass die militärische Reaktion eine irrationale Handlung im Affekt, getrieben von Wut und Rache, gewesen sei. Dies treffe jedoch nicht zu.

Sharaf beendete seinen Beitrag mit den Worten: „Israel wusste von Tag Eins was es tat, tötete gezielt und gewollt. Zerstörte gezielt und geplant, Mensch um Mensch, Haus um Haus. Israel wusste von Tag Eins um die zivilen Opfer. Es nahm sie in Kauf. Sie waren #NAZA – Kollateralschäden.“

Was der Film über den Krieg in Gaza zeigt

„NAZA“ wurde von den israelischen Filmemachern Yuval Abraham und Rachel Szor inszeniert und vom britischen Guardian produziert. Der Dokumentarfilm stützt sich auf Aussagen von 24 anonymisierten Angehörigen des israelischen Militärs und der Geheimdienste. Die Interviewten schildern nach Darstellung des Films, wie Überwachungstechnologie und KI-gestützte Systeme bei der Identifizierung mutmaßlicher Hamas-Mitglieder und der Vorbereitung von Luftangriffen eingesetzt wurden.

Zu den zentralen Vorwürfen gehört, dass bei der Auswahl von Angriffszielen hohe Zahlen möglicher ziviler Todesopfer teilweise als hinnehmbarer Begleitschaden behandelt worden seien. Der Film thematisiert zudem den Einsatz umfangreicher Überwachung und digitaler Auswertung, um mutmaßliche Mitglieder bewaffneter Gruppen aufzuspüren.

Der Titel „NAZA“ verweist auf einen militärischen Begriff, der laut Berichten im Zusammenhang mit der erwarteten Zahl ziviler Opfer bei Angriffen verwendet wird. Die Regisseure wollen damit die Systeme und Entscheidungsprozesse hinter den Tötungen von Zivilisten im Gazastreifen untersuchen. Die israelische Armee hat die Darstellung zurückgewiesen und die Glaubwürdigkeit der anonymen Aussagen infrage gestellt.

Auszeichnung in Venedig und politische Reaktionen

International erhielt der Film große Aufmerksamkeit. Bei seiner Premiere im September 2026 auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig wurde er mit einer rund 25-minütigen Standing Ovation bedacht und erhielt den Spezialpreis der Jury.

In Israel löste die Veröffentlichung dagegen heftige Reaktionen aus. Netanjahu und weitere Regierungsvertreter griffen den Film und seine Macher an. Bereits im September hatte Netanjahu angekündigt, gesetzliche Schritte prüfen zu wollen, die unter anderem einen Entzug der israelischen Staatsbürgerschaft bei vermeintlicher Verleumdung der Streitkräfte ermöglichen sollten.

Eine solche Maßnahme wäre von einer gesetzlichen Grundlage abhängig; die Ankündigung allein bedeutet nicht, dass den Regisseuren die Staatsbürgerschaft entzogen wurde. Auch Morddrohungen und Einschüchterungsversuche aus dem rechten Spektrum wurden im Zusammenhang mit dem Film berichtet.

Abraham und Szor haben erklärt, dass sie sich von den Drohungen nicht von ihrer Arbeit abbringen lassen wollen. Sie begründen den Film mit der Verantwortung, als israelische Filmemacher die militärischen und politischen Strukturen hinter dem Tod palästinensischer Zivilisten zu untersuchen.

„NAZA“ soll weltweit kostenlos online zu sehen sein

Der politische Konflikt fällt mit einer internationalen Veröffentlichung des Films zusammen. Der Guardian und der Verleiher mk2 Films hatten im September angekündigt, „NAZA“ in insgesamt 56 Territorien in die Kinos zu bringen. Nach der Kinoauswertung soll der Film ab Ende November weltweit kostenlos auf der Website des Guardian abrufbar sein.

Die Regisseure und Produzenten begründen die frei zugängliche Veröffentlichung mit dem öffentlichen Interesse an den im Film behandelten Vorgängen. Die Online-Veröffentlichung soll es einem internationalen Publikum ermöglichen, die Aussagen der anonymen Militärangehörigen selbst zu sehen und sich mit den darin erhobenen Vorwürfen auseinanderzusetzen.

Damit steht „NAZA“ nicht nur für eine Auseinandersetzung über die israelische Kriegsführung im Gazastreifen. Der Fall wirft auch Fragen zum Umgang einer Regierung mit kritischen Dokumentarfilmen, zum Schutz journalistischer Quellen und zu den Grenzen staatlicher Reaktionen auf Veröffentlichungen auf, die das Handeln des Militärs infrage stellen.