Kunst
Zwischen Anatolien und Frankfurt: Die transformative Musik des Halil Kıratlı

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Frankfurt – Eine Frau sitzt im Feld. Ihr Rock ist weit ausgestellt, ein Tuch bedeckt ihr Haar, vor ihr steht ein golden glänzendes Saxofon.

Doch was aus dem Instrument strömt, gehört längst nicht mehr allein in diese ländliche Landschaft. Rote und violette Linien steigen wie Klangwellen in den Himmel, Häuser geraten ins Wanken, ein Drache oder Fabelwesen scheint sich aus der Musik zu lösen. Darüber schweben Planeten, Sterne und eine Rakete. Die Grenze zwischen Dorf, Kosmos und Traum ist aufgehoben.

Das Bild stammt von dem türkischen Künstler Halil Kıratlı, der heute in Frankfurt am Main lebt. Kıratlı lässt in dieser Arbeit zwei Welten aufeinanderprallen, die auf den ersten Blick kaum zusammengehören: die bäuerliche Lebenswelt Anatoliens und die Bildsprache einer urbanen, globalisierten Gegenwart.

Im Zentrum steht die Musikerin. Sie wirkt auf den ersten Blick wie eine Figur aus einer Erinnerung: die Kleidung, die Körperhaltung, die Landschaft und die Felder verweisen auf ein ländliches Leben. Doch dann fällt der Blick auf das Saxofon. Es ist nicht bloß ein Musikinstrument, sondern der Motor des gesamten Bildes. Aus seinem Schalltrichter scheint sich eine andere Wirklichkeit zu ergießen.

Musik als Kraft, die die Welt verändert

Kıratlı malt keinen realistischen Klang. Er macht Musik sichtbar.
Die farbigen Ströme, die aus dem Saxofon hervorkommen, ziehen sich über das Bild und verwandeln die Landschaft. Gebäude stehen schief, als würden sie von den Schwingungen erfasst. Eine Rakete steigt in den Himmel. Ein Planet schwebt über der Szenerie. Selbst die Sterne wirken weniger wie astronomische Objekte als wie Zeichen einer persönlichen Mythologie.

Gerade diese Mischung macht die Arbeit so eigenwillig. Sie erzählt nicht einfach von einem Dorf in der Türkei. Sie erzählt von Erinnerung, Fantasie und dem Wunsch, Grenzen zu überschreiten. Die Frau mit dem Saxofon wird dabei zur Vermittlerin zwischen den Welten. Sie sitzt fest auf dem Boden – und ihre Musik reicht bis in den Weltraum.

Zwischen anatolischem Bildgedächtnis und Underground

Kıratlıs Bildsprache verweigert sich einer klaren Zuordnung. Sie ist weder klassische Volksmalerei noch reine Pop-Art. Auch surrealistische Elemente finden sich darin, ohne dass das Werk einfach als Surrealismus abgeheftet werden könnte. Die handgezeichneten Linien, die dicht ausgearbeiteten Flächen und die kräftigen Farben erzeugen vielmehr den Eindruck einer ganz eigenen, privaten Bilderwelt.

Gerade darin liegt etwas zutiefst „Underground“-haftes: Das Bild scheint sich nicht darum zu kümmern, ob seine Motive zusammenpassen. Eine Dorfbewohnerin mit Saxofon? Ein startendes Raumschiff über einem Feld? Häuser, die wie Spielzeug in eine imaginäre Strömung geraten? Warum eigentlich nicht? Kıratlı erlaubt sich eine Freiheit, die in der Gegenwartskunst keineswegs selbstverständlich ist: Er muss seine Fantasie nicht rational erklären.

Frankfurt im Hintergrund

Dass der Künstler heute in Frankfurt lebt, verleiht der Arbeit eine zusätzliche Ebene. Frankfurt ist eine Stadt der Hochhäuser, des Finanzwesens, der internationalen Mobilität und der Migration. Anatolische Dorfwelten und die urbane Realität Deutschlands liegen für viele Menschen mit türkischen Wurzeln nicht in getrennten Universen. Sie existieren gleichzeitig – in Erinnerungen, Familiengeschichten, Bildern und persönlichen Biografien.

Kıratlı macht aus diesem Nebeneinander keine nüchterne Dokumentation. Er übersetzt es in eine fantastische Bildsprache.So kann das Feld im Vordergrund für Herkunft und Erinnerung stehen, während der Himmel zum Raum des Möglichen wird. Die Rakete ist dann nicht nur eine Rakete. Sie kann für Aufbruch stehen, für Entfernung, für Migration – oder schlicht für die kindliche Lust, die eigene Welt zu verlassen. Und vielleicht ist genau diese Offenheit die Stärke des Bildes.

Eine Frau, die nicht nur zuhört

Bemerkenswert ist auch die Rolle der Frau. Sie ist nicht Staffage und nicht bloß Teil einer folkloristischen Szene. Sie macht etwas. Sie erzeugt den Sturm, der das gesamte Bild bewegt.

Das traditionelle Bild der Dorfbewohnerin wird damit aufgebrochen. Ihre Musik besitzt eine geradezu kosmische Wirkung. Während sie scheinbar unbeirrt auf ihrem Instrument spielt, gerät um sie herum die Wirklichkeit in Bewegung.Man könnte sagen: Kıratlı gibt dieser Frau eine Stimme – oder genauer: einen Klang.
Und dieser Klang ist laut genug, um bis zu den Sternen zu reichen.

Eine Kunst der Zwischenräume

Kıratlıs Arbeit lädt dazu ein, über die geografischen Grenzen hinauszusehen. Türkei und Deutschland, Dorf und Großstadt, Vergangenheit und Zukunft, Realität und Fantasie: Das Bild entscheidet sich für keine dieser Seiten. Es bringt sie zusammen.
Vielleicht liegt darin auch die besondere Qualität von Kunst aus einer Migrationsgesellschaft. Sie muss nicht erklären, zu welcher Welt ein Mensch gehört. Sie kann zeigen, dass mehrere Welten gleichzeitig existieren.

Die Frau im Feld spielt Saxofon. Über ihr schwebt der Kosmos. Zwischen den Häusern fließt Musik wie ein Fluss. Und irgendwo zwischen Anatolien und Frankfurt beginnt eine neue, eigensinnige Welt. Halil Kıratlı malt sie nicht, als wolle er sie beweisen. Er malt sie, als hätte sie schon immer existiert.

Kemal Bölge

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Israel
Netanjahu zum 7. Oktober: „Sie haben mich nicht geweckt“

Tel Aviv – Im Vorfeld der anstehenden Parlamentswahlen in Israel hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schwere Vorwürfe gegen die eigene Armee- und Geheimdienstführung erhoben.

In Medienauftritten und Beiträgen in den sozialen Netzwerken erklärte Netanjahu, hochrangige Sicherheitsbeamte hätten ihn am Morgen des 7. Oktober 2023 vorsätzlich nicht rechtzeitig über die kritischen Anzeichen des bevorstehenden Großangriffs der Hamas informiert.

Gezieltes Vorenthalten von Informationen vorgeworfen

Netanjahu behauptet, die Führungsriege der israelischen Verteidigungskräfte (IDF) habe befürchtet, er würde als Regierungschef umgehend die gesamten Streitkräfte mobilisieren und die Luftwaffe aktivieren. Die Verantwortlichen hätten dies vermeiden wollen, um eine aus ihrer Sicht unkontrollierte Eskalation zu verhindern.

„Wenn sie mich geweckt hätten, wäre alles völlig anders verlaufen“, erklärte Netanjahu. Es habe sich um ein katastrophales Versagen der Sicherheitsbehörden gehandelt, er schloss jedoch die Vermutung von gezieltem Verrat aus. Nach Angaben Netanjahus sei er erst gegen 06:29 Uhr telefonisch über erste Raketeneinschläge informiert worden.

Streit um den offiziellen Zeitablauf

Die Veröffentlichung seines offiziellen Tagesablaufs durch das Büro des Premierministers (PMO) befeuerte die Diskussionen weiter. Dokumenten zufolge fand das erste direkte persönliche Lagebriefing zwischen Netanjahu und dem IDF-Chef Herzi Halewi erst knapp drei Stunden nach Beginn der Hamas-Invasion statt. Medien und Kritiker hinterfragen seither, warum in dieser entscheidenden Phase wertvolle Zeit verstrich.

Ehefrau Sara Netanjahu befeuert die Kontroverse

Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch Äußerungen von Sara Netanjahu, der Ehefrau des Ministerpräsidenten. Sie warf Teilen der Opposition sowie ehemaligen Sicherheitschefs öffentlich vor, im Vorfeld der Ereignisse Vorwissen über die Pläne der Hamas gehabt zu haben. Diese Anschuldigungen wurden von Oppositionsvertretern umgehend als haltlose und gefährliche Verschwörungstheorie zurückgewiesen.

Empörung bei Opposition und Opferverbänden

Die Reaktionen der politischen Gegner fielen scharf aus. Yair Golan, Vorsitzender der Oppositionspartei The Democrats, warf dem Regierungschef vor, sich jeglicher politischer Verantwortung zu entziehen und die Schuld auf jene Generäle abzuwälzen, die das Land am 7. Oktober verteidigen mussten.

Angehörigenverbände der Opfer erneuerten vor diesem Hintergrund ihre Forderung nach der unverzüglichen Einsetzung einer unabhängigen staatlichen Untersuchungskommission, deren Einrichtung von der Regierung Netanjahu bisher konsequent verweigert wird.

 


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Gastbeitrag
Kommentar: Wenn „Islamismus“ zum politischen Generalschlüssel wird

Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Es ist wieder soweit. CDU, FDP und andere Parteien haben ein neues altes Lieblingswort entdeckt: Islamismus. Und plötzlich ist er überall. Er sitzt angeblich in Moscheevereinen, Verbänden, Jugendorganisationen, sozialen Netzwerken, Universitäten und selbstverständlich dort, wo sich Muslime politisch äußern.

Wer religiös konservativ ist, steht unter Beobachtung. Wer sich organisiert, könnte „politischen Islam“ betreiben. Wer gesellschaftliche Forderungen formuliert, wird vielleicht „legalistisch“ aktiv. Und wer widerspricht, beweist damit möglicherweise erst recht, wie gefährlich das Problem ist. Willkommen in der wunderbaren Welt eines Begriffs, der inzwischen so dehnbar geworden ist, dass man fast alles in ihn hineinwerfen kann.

„Islamismus ist eine extremistische Ideologie“, heißt es dann. Aha. Dann definieren wir doch einmal. Wo beginnt der Islamismus? Beim Terrorismus? Bei der Ablehnung der Demokratie? Bei Gewalt? Bei der Forderung nach einem Gottesstaat? Oder beginnt er bereits bei einer Frau mit Kopftuch, einem konservativen Imam, einer muslimischen Jugendorganisation oder einem Verband, dessen politische Auffassungen den selbsternannten Verteidigern der „liberalen Gesellschaft“ nicht gefallen?

Das Verwirrspiel mit den Kategorien

Genau hier beginnt das Problem. Denn inzwischen wird munter zwischen Islamismus, politischem Islam, legalistischem Islamismus, religiösem Fundamentalismus und Terrorismus hin- und hergesprungen, als seien das lediglich verschiedene Entwicklungsstufen derselben Krankheit. Heute „politischer Islam“. Morgen „legalistischer Islamismus“. Übermorgen „verfassungsfeindliche Bestrebung“. Und irgendwann reicht dann offenbar schon die falsche theologische Meinung, um auf einer politischen Verdachtsliste zu landen.

Natürlich gibt es Extremisten. Natürlich gibt es Terroristen, die ihre Gewalt religiös legitimieren. Natürlich gibt es Organisationen und Bewegungen, die demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien ablehnen. Das zu leugnen wäre absurd. Aber ebenso absurd ist es, aus der Existenz extremistischer Gruppen eine begriffliche Generalvollmacht abzuleiten, mit der man ganze gesellschaftliche Milieus unter Generalverdacht stellen kann.

Denn „Islamismus“ ist längst nicht mehr nur eine analytische Kategorie. Der Begriff ist zu einem politischen Werkzeug geworden, den man aus der Kiste hervorkramt. Zu einer Fremdzuschreibung, mit der Außenstehende – häufig aus einer sicherheitspolitischen oder islamkritischen Perspektive – alles Mögliche etikettieren, was ihnen am Islam oder an muslimischem Leben politisch, kulturell oder normativ missfällt.

Der perfekte Verdachtszirkel

Der religiöse Muslim ist zu konservativ. Der politische Muslim ist zu politisch. Der organisierte Muslim ist verdächtig. Der unorganisierte Muslim ist angeblich nicht integriert. Und wenn er sich gegen diese Zuschreibungen wehrt, dann hat man endlich den „Beweis“, dass Kritik an ihm offenbar nicht erwünscht sei. So funktioniert ein perfekter Verdachtszirkel.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Rolle jener „muslimischen“ Stimmen, die inzwischen regelmäßig als Kronzeugen gegen andere Muslime auftreten. Eren Güvercin, Murat Kayman oder Seyran Ateş gehören zu jenen Akteuren, deren Einschätzungen im politischen und medialen Betrieb besondere Aufmerksamkeit genießen. Nicht, weil ihre Aussagen automatisch richtiger wären als die anderer Muslime. Sondern weil sie häufig genau das bestätigen, was Teile des politischen Establishments ohnehin hören möchten:

Das Problem sind nicht etwa gesellschaftliche Ausgrenzung, fehlende politische Teilhabe oder antimuslimische Diskriminierung. Nein. Das Problem sind offenbar immer wieder die Muslime selbst – und natürlich dieser mysteriöse „Islamismus“, der irgendwo zwischen Moschee, Moscheeverein, Familienleben und Terrorzelle lauert.

Wenn aus Analyse Stimmungsmache wird

Doch eine Demokratie sollte vorsichtiger sein. Denn Begriffe sind niemals harmlos. Wer Menschen mit Begriffen kategorisiert, schafft politische Realitäten. Wer Organisationen als „islamistisch“ bezeichnet, muss erklären können, warum.

Wer von „legalistischem Islamismus“ spricht, muss überprüfbare Kriterien nennen. Wer den Begriff „politischer Islam“ verwendet, sollte zunächst einmal erklären, warum christliche, jüdische oder andere religiös motivierte politische Bewegungen nicht automatisch unter vergleichbaren Verdachtsbegriffen subsumiert werden.

Und vor allem: Wer Terrorismus, Extremismus, konservative Religiosität und politische Organisation in einen gemeinsamen begrifflichen Topf wirft, darf sich anschließend nicht wundern, wenn aus wissenschaftlicher Analyse politische Stimmungsmache wird. Der Staat hat das Recht und die Pflicht, tatsächlichen Extremismus zu bekämpfen. Aber er hat nicht das Recht, aus religiöser oder politischer Unbequemlichkeit eine Sicherheitsgefahr zu konstruieren.

Zwischen einem Terroristen und einem konservativen Muslim liegen Welten. Zwischen einer extremistischen Organisation und einem religiösen Verband liegen Welten. Zwischen politischem Engagement und Demokratiefeindlichkeit liegen Welten.

Der politische Generalschlüssel

Wer diese Unterschiede nicht mehr erkennen will, braucht keinen präzisen Begriff wie „Islamismus“. Er braucht lediglich einen politischen Generalschlüssel. Und genau dazu ist der Begriff inzwischen vielerorts geworden: Ein Generalschlüssel, der Türen öffnet, die eigentlich verschlossen bleiben müssten.

Die Tür zum Generalverdacht. Die Tür zur politischen Ausgrenzung. Die Tür zur gesellschaftlichen Stigmatisierung. Und irgendwann vielleicht auch die Tür zu einer Demokratie, die glaubt, sich verteidigen zu müssen, indem sie jene unter Verdacht stellt, die sie eigentlich durch gleiche Rechte und gleiche Maßstäbe schützen sollte.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Gibt es religiösen Extremismus? Natürlich gibt es ihn. Die entscheidende Frage lautet: Wer entscheidet, wer „Islamist“ ist – nach welchen Kriterien und mit welchen Konsequenzen?

Solange darauf keine präzisen und überprüfbaren Antworten gegeben werden, sollte man sehr vorsichtig sein, wenn Politiker und selbsternannte Experten wieder einmal „den Islamismus“ entdeckt haben. Denn ein Begriff, der alles bedeuten kann, bedeutet am Ende meistens vor allem eines: Dass derjenige, der ihn verwendet, die Macht hat zu entscheiden, wer dazugehört.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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Rüstungsexporte
Deutschland: Rüstungsexporte nach Israel mehr als verdreifacht

Berlin – Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 Rüstungsexporte nach Israel im Wert von rund 799,3 Millionen Euro genehmigt. Damit liegt der Genehmigungswert deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Die Linke kritisiert die Entwicklung und spricht mit Blick auf die deutsche Nahostpolitik von Doppelmoral.

Fast 800 Millionen Euro im ersten Halbjahr

Nach vorläufigen Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums wurden von Januar bis Juni 2026 Ausfuhrgenehmigungen für Rüstungsgüter nach Israel im Wert von 799.340.076 Euro erteilt. Israel lag damit auf Platz sechs der Empfängerländer deutscher Rüstungsexporte. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 waren es rund 86,8 Millionen Euro.

Auch nach dem zeitweisen Exportstopp der Bundesregierung im August 2025 wurden die Genehmigungen wieder ausgeweitet. Damals hatte die Bundesregierung angekündigt, vorerst keine Rüstungsgüter mehr zu genehmigen, die im Gazastreifen eingesetzt werden könnten. Im November 2025 erklärte sie, die Beschränkungen aufzuheben und wieder zur Einzelfallprüfung zurückzukehren.

Linke spricht von Doppelmoral

Die Linke kritisiert die deutsche Exportpolitik scharf. Parteichef Jan van Aken hatte bereits im Februar gefordert, Rüstungsexporte in Staaten, denen Kriegsverbrechen vorgeworfen werden, grundsätzlich stärker einzuschränken. Die derzeitige Entscheidungsstruktur öffne „der Doppelmoral Tür und Tor“, sagte van Aken.

Die Linksfraktion hatte zudem wiederholt parlamentarisch nach Umfang und Zusammensetzung der deutschen Rüstungsexporte nach Israel gefragt. Für den Zeitraum von November 2025 bis März 2026 hatte die Bundesregierung bereits Genehmigungen von rund 167,4 Millionen Euro ausgewiesen.

Die aktuellen Zahlen für das erste Halbjahr 2026 zeigen nun einen erheblichen weiteren Anstieg. Der Wert von knapp 800 Millionen Euro entspricht mehr als dem Dreifachen des gesamten Vergleichswerts von rund 260 Millionen Euro, auf den sich die bisherige Debatte teilweise bezog.

Ein Großprojekt beeinflusst die Statistik

Allerdings weist das Bundeswirtschaftsministerium selbst darauf hin, dass die Genehmigungswerte durch einzelne oder mehrere Großprojekte erheblich beeinflusst werden können. Das Ministerium weist ausdrücklich auf diesen statistischen Effekt hin.

 


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Kritik an Deutschland nach Staatsbürgerschaft für IDF-Soldaten

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Berlin – Der Fall des im Oktober 2025 freigelassenen Rom Braslavski sorgt für eine internationale Debatte. In einem gemeinsamen Podcast mit Israels rechtsextremem Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir forderte der deutsch-israelische Staatsbürger, palästinensische Gefangene persönlich exekutieren zu dürfen.

Online wächst der Druck auf die Bundesregierung, die Braslavskis Einbürgerung im Zuge von Befreiungsbemühungen im Eilverfahren durchgesetzt hatte.

Der Fall der ehemaligen Geisel Rom Braslavski (22) droht für die deutsche Bundesregierung zu einer diplomatischen und innenpolitischen Belastungsprobe zu werden. In der ersten Folge seines neuen Video-Podcasts „October 8“ äußerte Braslavski extreme Gewaltphantasien gegenüber palästinensischen Häftlingen.

Die Aufzeichnung, in der auch Israels rechtsextremer Nationaler Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir zu Gast war, sorgt in den sozialen Netzwerken weltweit für massive Empörung und wirft scharfe Fragen an die deutsche Asyl- und Staatsbürgerschaftspolitik auf

.„Ich will keinen Strick, ich mache es mit meinen eigenen Händen“

Braslavski, der am 7. Oktober 2023 beim Nova-Musikfestival als Sicherheitsmann arbeitete (während er regulär als Logistik-Soldat im Heimaturlaub war), verbrachte 738 Tage in der Gefangenschaft des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) im Gazastreifen. Nach seiner Freilassung im Oktober 2025 wandte er sich nun im Gespräch direkt an den umstrittenen Minister Ben-Gvir.

Sollte Israel die Todesstrafe für palästinensische Gefangene einführen, wolle Braslavski der Henker sein. „Lassen Sie mich derjenige sein, der sie aufhängt“, forderte Braslavski im Podcast. „Ich will keinen Strick… Mit meinen eigenen Händen werde ich jeden Terroristen im Staat Israel hinrichten.“ Anstatt die Gewaltphantasien zu bremsen, reagierte Ben-Gvir begeistert.

Er versprach, „Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen“, um Braslavski diesen Wunsch zu erfüllen, und fügte hinzu, dass die öffentliche Hinrichtung palästinensischer Gefangener durch ehemalige Geiseln einer seiner „größten Träume“ sei. In derselben Podcast-Folge nutzte Ben-Gvir die Plattform zudem, um tägliche Luftangriffe und die gezielte Tötung von „30 bis 40 Palästinensern pro Nacht“ im Gazastreifen zu fordern.

Kritik an deutscher Staatsbürgerschafts-Politik flammt auf

Das Video löste im Internet eine Welle der Verurteilung aus, die sich insbesondere gegen die Bundesrepublik Deutschland richtet. Das Auswärtige Amt hatte im Rahmen diplomatischer Bemühungen zur Freilassung von Geiseln mit deutschen Vorfahren Braslavskis Einbürgerung massiv beschleunigt und ihm im Eilverfahren einen deutschen Pass ausgestellt.

Kritiker werfen der Bundesregierung nun in Tausenden Beiträgen eine eklatante Doppelmoral vor. Erst kürzlich hatte Deutschland seine Gesetze verschärft, um Personen, die online israelkritische Äußerungen tätigen, die Einbürgerung konsequent zu verweigern oder den Pass zu entziehen.

Dass nun ein frischgebackener deutscher Staatsbürger im israelischen Rundfunk offen zur eigenhändigen, illegalen Tötung von Gefangenen aufruft, ohne dass Berlin Konsequenzen zieht, wird in den sozialen Medien scharf verurteilt.

Trauma contra Rechtsstaatlichkeit

Unterstützer Braslavskis halten der Kritik entgegen, dass seine Äußerungen vor dem Hintergrund schwerster psychischer Traumata betrachtet werden müssen. Braslavski hatte nach seiner Freilassung öffentlich über schwerste Misshandlungen, systematischen Hunger und sexuelle Folter während seiner zweijährigen Tunnel-Haft berichtet. Er gab an, täglich unter schweren Panikattacken und unerträglichen Flashbacks zu leiden.

Dennoch bleibt die mediale Dimension für Berlin brisant: Der Fall Braslavski zeigt exemplarisch, wie die Vergabe von Pässen aus außenpolitischen Nützlichkeitserwägungen im Nachgang mit den strengen, moralischen Maßstäben kollidiert, die das deutsche Innenministerium im Inland anlegt. Eine offizielle Stellungnahme der Bundesregierung zu den Aussagen ihres Staatsbürgers steht bislang aus.

 


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– Israel –
Ben-Gvir über inhaftierte Palästinenser: „Sie pinkeln sich vor Angst in die Hosen“

Der rechtsextreme israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, hat mit neuen, drastischen Äußerungen über den Umgang mit palästinensischen Häftlingen für erhebliche internationale Empörung gesorgt.

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Gaza-Konflikt
Israels Verteidigungsminister Katz fordert Massenvertreibung aus dem Gazastreifen

Tel Aviv – Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat sich erneut für eine großangelegte Übersiedlung der palästinensischen Bevölkerung aus dem Gazastreifen ausgesprochen. Nach Auffassung des Politikers gebe es auf lange Sicht keine reale Lösung für das Küstengebiet ohne eine solche Migration.

Israel sei demnach vollkommen darauf vorbereitet, die Menschen auf dem See-, Luft- oder jedem anderen erdenklichen Weg aus dem Gebiet zu transportieren, sofern sich die entsprechenden Rahmenbedingungen ergäben. Da Ägypten eine Durchreise über sein Territorium ablehne, müsse der Abtransport über andere Wege organisiert werden, so Katz in einem TV-Interview.

Zur Begründung seiner Pläne behauptete Katz, dass angeblich rund 80 Prozent der Palästinenser im Gazastreifen den Wunsch hegten, das Gebiet zu verlassen. Dies werde seinen Angaben zufolge fortlaufend in Umfragen überprüft. Die Ausreise werde jedoch derzeit von der Hamas verhindert. Zudem gebe es aktuell keine Aufnahmeländer, die bereit seien, die Menschen bei sich aufzunehmen.

Weiter führte der israelische Verteidigungsminister aus, dass potenzielle Aufnahmestaaten für eine Bereitschaft die Unterstützung der USA zur Bedingung machten. US-Präsident Donald Trump habe das entsprechende Vorhaben bislang nicht abgesagt, sondern lediglich eingefroren. Grund dafür sei der erhebliche diplomatische Druck der arabischen Staaten gewesen, die bei der US-Administration interveniert hätten.

Katz zeigte sich jedoch überzeugt, dass der Zeitpunkt für eine Umsetzung kommen werde. Sobald deutlich werde, dass die Hamas ihren Verpflichtungen nicht nachkomme, rechne die israelische Führung mit grünem Licht aus Washington, um das Vorhaben militärisch, territorial und in weiteren Bereichen voranzutreiben und der erzwungenen Migration Dynamik zu verleihen.

 


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Islamwissenschaft
Interview mit Dr. Ahmet Inam: Das neue Standardwerk „Der Islam – Aus den Überlieferungen“

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Mit dem siebenbändigen Großprojekt „Der Islam – Aus den Überlieferungen“ hat die Abteilung „Übersetzung und Edition“ der DITIB-ZSU GmbH ein umfassendes Standardwerk ins Deutsche übertragen. Im NEX24-Interview spricht Abteilungsleiter Dr. Ahmet Inam über die Herausforderungen der Übersetzung prophetischer Überlieferungen, die Wissenslücke im deutschsprachigen Raum und die Ziele des Mammutprojekts.

Herr Inam, könnten Sie sich kurz vorstellen?

Gerne. Mein Name ist Ahmet Inam und ich bin 1976 in Herne geboren. Ich bin verheiratet, habe drei Töchter, einen Schwiegersohn und eine Katze.
1995 habe ich mein Abitur abgeschlossen und 1997 mein Studium an der Ruhr-Universität Bochum begonnen.

Bis zum Jahr 2000 studierte ich Sozialwissenschaften, doch da mich dieser Studiengang nicht wirklich erfüllte, wechselte ich zu Islamwissenschaften und Orientalistik mit dem Nebenfach Politikwissenschaften. Politikwissenschaften gab ich ebenfalls später auf und wählte den Studiengang Religionswissenschaften. Islamwissenschaften/Orientalistik und Religionswissenschaften schloss ich mit meinem Bachelor ab. Anschließend studierte ich Islamwissenschaften im Master.

Einige Jahre später schloss ich meine Promotion zum Themenbereich „Sünde im Koran” an der Goethe-Universität in Frankfurt ab. Ich war zwei Jahre lang wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und übernahm 2017 die Verantwortung der neu gegründeten Abteilung „Übersetzung und Edition“ bei der DITIB-ZSU GmbH.

Und aus dieser Abteilung kam das Werk „Der Islam – Aus den Überlieferungen“ unter Ihrer Leitung heraus?

Richtig, zusammen mit Übersetzern und hervorragenden Redaktionskollegen.

Warum wurde „Hadislerle İslam“ bzw. „Der Islam – Aus den Überlieferungen“ ins Deutsche übersetzt?

Das siebenbändige Werk „Der Islam – Aus den Überlieferungen“ ist nicht nur in der Türkei, sondern aufgrund der vielen Übersetzungen in andere Sprachen auch international bekannt. Es wurde von der Diyanet, also dem Präsidium für Religionsangelegenheiten, herausgegeben.

An diesem Werk haben über 80 Wissenschaftler mitgewirkt, die hauptsächlich Experten im Bereich der Hadîswissenschaften sind. Allein dieser Aufwand, die große Beteiligung von mehreren Hadîswissenschaftlern und die sehr breit gefächerten Themen waren Grund genug für eine Übersetzung.

Ein weiterer Grund ist die Absicht hinter diesem Werk. Es soll den Menschen nicht nur die Hadîse näherbringen, sondern sie auch aus den Überlieferungen, der zweiten Hauptquelle, heraus über den Islam informieren. Das Werk schlägt eine Brücke zwischen klassischem, universalem Religionswissen und den praktischen Herausforderungen der Gegenwart.

Und um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde bewusst auf eine rein wissenschaftliche Fachsprache verzichtet. Der Stil ist so gewählt, dass er wissenschaftlich fundiert, aber dennoch für die Allgemeinheit leicht verständlich und nachvollziehbar bleibt.

Und warum besteht im deutschsprachigen Raum Bedarf für ein solches Werk?

Weil die islamische und insbesondere die wissenschaftliche Literatur in Deutschland, die die islamische Perspektive einnimmt, nicht nur sehr spärlich ist, sondern sich auch auf bestimmte Themen beschränkt. Ein Werk, das alle wichtigen Themen des Islam miteinbezieht, sich mit aktuellen Themen befasst und zum Denken anregt, gibt es in dieser Form nicht.

Ist die Übersetzung eines Hadîs lediglich eine Übertragung von Wörtern in eine andere Sprache, oder geht es dabei auch um die Vermittlung von Bedeutung und kulturellem Kontext?

Es ist eine untrennbare Synthese aus beidem. Die präzise, wortwörtliche Übertragung einer Überlieferung ist in den Hadîswissenschaften von fundamentaler Bedeutung, da es sich um die Worte des Propheten Muhammad (s.a.s.) handelt. Auf die Relevanz dieser Genauigkeit wiesen nicht nur die Prophetengefährten (Sahâba), deren Nachfolger (Tâbiʿûn) und spätere Hadîsgelehrte hin, sondern der Prophet selbst.

Da es um das Fundament der Religion ging, warnte er Fälscher und jene, die in seinem Namen lügen, eindringlich vor den Strafen des Höllenfeuers. Eine fundierte Einführung in die Hadîswissenschaften (ʿUlûm al-Hadîs) bietet die Muqaddima (Einleitung) des besprochenen Werkes, verfasst von Prof. Dr. Mehmet Görmez, dem international anerkannten Gelehrten und ehemaligen Präsidenten des türkischen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten (Diyanet).

Doch die alleinige, wortwörtliche Übertragung reichte natürlich nicht aus. Es liegt in der Natur des Menschen, die Worte geliebter Personen, in diesem Fall des geliebten Propheten, nicht nur zu lesen, sondern in ihrer Tiefe richtig zu begreifen. Dieses korrekte Verständnis ist die Voraussetzung dafür, das prophetische Wissen in die Praxis umzusetzen und den zeitgenössischen Herausforderungen sowie (gute und schlechte) Neuerungen im Einklang mit Koran und Sunna zu begegnen.

Diese tiefgehende Sensibilität und die Hingabe an das prophetische Wort formten die islamische Geistesgeschichte. Aus diesem Impuls heraus entstand bereits in der Frühzeit die islamische Jurisprudenz (Fiqh). Diese Wissenschaft befasst sich mit allen Facetten des religiösen, weltlichen, öffentlichen und privaten Lebens und schöpft ihre Normen primär aus dem Koran und den Hadîsen.

Und aus diesen genannten Gründen – der bestmöglichen Bewahrung des exakten Wortlauts einerseits und der Vermittlung der lebendigen, praxisorientierten Botschaft andererseits – wurden über die Jahrhunderte hinweg zahlreiche methodische Ansätze entwickelt, um Hadîse nicht nur sprachlich zu übersetzen, sondern sie für nachfolgende Generationen und andere Kulturkreise im vollen Umfang ihres Kontextes verständlich und anwendbar zu machen.

Diesen Anspruch verfolgt auch das vorliegende Werk. Durch eine innovative Methodik bereitet es die zentralen Themen des Islam – von Glaubensgrundlagen und ritueller Praxis über Gesellschaft, Tugendhaftigkeit bis hin zum Jenseits – systematisch auf. Es möchte den nachfolgenden Generationen genau jene Lebendigkeit und Dynamik weitervermitteln, die die prophetische Tradition seit jeher auszeichnet.

An wen richtet sich dieses Werk und wer kann davon profitieren?

Es richtet sich sowohl an die breite Bevölkerung als auch an Akademiker. Wie bereits erwähnt, ist der Stil des Werkes einfach und leicht verständlich. Es werden nicht nur Angaben zu den Koranversen und Hadîse gemacht, sondern auch Gelehrtenmeinungen mit Quellenangaben miteinbezogen. Profitieren wird jeder, der das Werk liest – selbst jene mit Vorbehalten.

Was möchten Sie einem Muslim, der dieses Werk auf Deutsch liest, oder einem deutschsprachigen Leser, der den Islam kennenlernen möchte, mit auf den Weg geben?

Es ist kein Buch, das man einfach in einem Rutsch durchliest. Immerhin sind es sieben Bände. Wer dies dennoch möchte, kann es natürlich machen. Viel besser ist es, nach einem Kapitel innezuhalten, die Gedanken schweifen zu lassen oder – das wäre mein ganz besonderer Tipp – sich mit Freunden oder der Familie in einem kleinen Lesekreis darüber auszutauschen.

Egal, ob der Leser selbst Muslim ist oder sich einfach nur für den Islam interessiert: Man muss beim Lesen dieses Werks nicht jedem einzelnen Punkt zustimmen. Mein Rat ist es aber, dass man unvoreingenommen an das Werk herangeht und es als großes Gesamtbild betrachtet.

Wenn man sich darauf einlässt, wird jeder Leser – ganz unabhängig vom eigenen Hintergrund – die Kernbotschaften, die Schönheit und die tiefen Lehren des Islam wunderbar verstehen und für sich mitnehmen können.

Was ist das nächste Ziel? Welche Werke werden derzeit übersetzt?

Derzeit übersetzen wir verschiedene Bücher und Werke. Es gibt Bücher für Kinder, von denen einige in den nächsten Monaten erscheinen sollten. Darüber hinaus werden in den nächsten Monaten ein rein wissenschaftliches Werk über die Geschichte des Hadîs sowie zwei Werke über den geliebten Propheten Muhammad (s.a.s.) erscheinen. Aktuell übersetzen wir Biografien über die vier sogenannten rechtgeleiteten Kalifen.

Auch ein Buch des international anerkannten Experten für osmanische Geschichte Halil Inalcik wurde übersetzt und lektoriert. Es fehlen derzeit nur noch die letzten Kontrollen.

Für mich von großer Bedeutung ist außerdem eine Tafsîr, also eine Koranexegese-Übersetzung. Sie besteht aus fünf Bänden und wurde ebenfalls vom selben Präsidium herausgegeben. Auch hier gibt es nicht nur einen Autor, sondern vier namhafte Wissenschaftler und Theologen aus der Türkei. Der erste Band ist bald fertig und wenn Allah will, dürfte das Gesamtwerk in zwei bis drei Jahren fertig sein.

Das Interview führten Dursun Atak und Mehmet Çevik


Zum Autor

Dr. Ahmet Inam ist Islam- und Religionswissenschaftler. Er promovierte 2015 an der Frankfurter Goethe-Universität am „Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam“ mit dem Titel „Die theologischen, juristischen und sozialen Dimensionen der Sünde im Koran“. Er ist Autor des Buchs „Der Islam – Eine Binnenperspektive“ (Ditibverlag, 2020).


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Hollywood
Nach Israel-Kritik: Über 170 jüdische Kulturschaffende verteidigen Mark Ruffalo

Los Angeles – Der Schauspieler Mark Ruffalo, der in den USA seit langem als einer der lautstärksten Kritiker der israelischen Regierungspolitik in Hollywood gilt und eine zentrale Stimme für die Rechte der Palästinenser in der US-Filmindustrie darstellt, erhält massive Unterstützung aus der eigenen Branche.

In einem offenen Brief stellen sich mehr als 170 jüdische Kulturschaffende hinter den Marvel-Star und weisen Vorwürfe des Medienkonzerns Paramount entschieden zurück, Ruffalo bediene antisemitische Stereotype. Der Vorfall markiert eine erneute Zuspitzung der Debatte über Meinungsfreiheit und politischen Einfluss innerhalb der amerikanischen Unterhaltungsindustrie.

Kritik an Fusionsplänen und Oracle-Verflechtungen

Auslöser der Auseinandersetzung war eine Kontroverse um die geplante Fusion der Branchenriesen Paramount und Warner Bros. In einem Social-Media-Beitrag hatte Ruffalo den Deal scharf kritisiert und den Eigentümern schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Israel-Gaza-Konflikt gemacht.

Dabei verwies er unter anderem auf die technologische Verflechtung des Softwarekonzerns Oracle mit dem israelischen Militär und warf den Verantwortlichen vor, Systeme der Unterdrückung mitzufinanzieren. Paramount reagierte darauf mit dem Vorwurf der Untergrabung ethischer Standards und der Verbreitung antisemitischer Rhetorik.

In ihrem gemeinsamen Schreiben weisen die Unterzeichner – darunter namhafte Regisseure, Autoren und Schauspieler wie Hannah Einbinder, Joel Coen, Todd Haynes, Ilana Glazer, Tony Kushner, Emma Seligman, Jane Schoenbrun und Wallace Shawn – diesen Vorwurf geschlossen zurück.

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Wachsender internationaler Druck auf Israel

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Untermauert wird diese internationale Empörung durch die anhaltend katastrophalen Zahlen vom Kriegsschauplatz. Nach offiziellen Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza stieg die Zahl der dokumentierten palästinensischen Todesopfer seit dem 7. Oktober 2023 auf mittlerweile 73.470.

Weitere 174.540 Menschen wurden verletzt. Diese Bilanz schließt bereits über 1.300 Todesopfer ein, die durch fortlaufende Verstöße seit dem unter US-Vermittlung ausgehandelten Waffenstillstand vom Oktober 2025 registriert wurden.

Unabhängige Demografen und internationale Hilfsorganisationen gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Opferzahl die Marke von 100.000 Menschen längst überschritten hat. Die offiziellen Statistiken erfassen ausschließlich Leichen, die physisch in den verbliebenen, betriebsbereiten Krankenhäusern eingeliefert und registriert werden konnten.

Mindestens 9.500 Menschen gelten weiterhin als vermisst und liegen größtenteils unter den Trümmern eingestürzter Gebäude begraben, ohne dass Rettungskräfte zu ihnen vordringen können. Eine umfassende demografische Analyse des renommierten Max-Planck-Instituts für demografische Forschung schätzte die Gesamtzahl der getöteten Palästinenser bereits für Ende 2025 auf bis zu 125.915 Menschen, da sie auch die unregistrierten Verstorbenen unter den Schuttbergen einberechnete.

Hinzu kommen tausende indirekte Todesfälle, die durch Hungersnöte, das zusammengebrochene Gesundheitssystem und den Mangel an medizinischer Versorgung als Folge der jahrelangen Blockade verursacht wurden.

 


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Balkan
Bosnien: Serbische Mladić-Anhänger skandieren Völkermord-Parolen

Zvornik – Nach dem Tod des wegen Völkermords verurteilten bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladić sind in der bosnischen Stadt Zvornik erneut Tausende seiner Anhänger zu einer Gedenkveranstaltung durch die Straßen gezogen.

In den sozialen Medien verbreitete Aufnahmen zeigen überwiegend junge Teilnehmer, die Mladićs Namen skandieren, sein Porträt zeigen und serbische sowie Flaggen der Republika Srpska tragen. Die Prozessionen führten auch an einer Moschee im Stadtzentrum vorbei. Mehrere Medien berichteten über die Aufmärsche.

Bei den jüngsten Aufmärschen wurde zudem die Parole „Nož, žica, Srebrenica“ gerufen – auf Deutsch etwa „Messer, Stacheldraht, Srebrenica“. Die Parole nimmt Bezug auf den Völkermord von Srebrenica und wird seit Jahren von serbischen Nationalisten zur Verherrlichung beziehungsweise Verhöhnung des Massakers verwendet. Mehrere bosnische Medien berichteten über die Rufe in Zvornik.

Parole erinnert an den Völkermord von Srebrenica

Im Juli 1995 ermordeten bosnisch-serbische Einheiten unter dem Kommando Mladićs in und um Srebrenica mehr als 8.000 bosniakische Männer und Jungen. Das Internationale Strafgericht für das ehemalige Jugoslawien und später das Nachfolgegericht in Den Haag stuften die Verbrechen als Völkermord ein.

Mladić wurde 2017 unter anderem wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die aktuellen Bilder aus Zvornik sind auch deshalb besonders brisant, weil die Stadt selbst während des Bosnienkriegs Schauplatz schwerer Verbrechen gegen die bosniakische Bevölkerung war. Hunderte Menschen wurden getötet und Tausende vertrieben.

Auch junge Menschen bei den Aufmärschen

Auf den verbreiteten Aufnahmen sind zahlreiche junge Menschen zu sehen. Die italienische Zeitung La Repubblica berichtete, ein großer Teil der Teilnehmer wirke zu jung, um den Krieg selbst erlebt zu haben.

Die Aufmärsche begannen unmittelbar nach dem Tod Mladićs am Donnerstag. Auch in anderen Städten der Republika Srpska kam es zu Veranstaltungen zu seinen Ehren. In Zvornik versammelten sich am Freitag zudem mehr als 2.000 Menschen an einem Denkmal für gefallene serbische Kämpfer, um Mladić die Ehre zu erweisen. Dabei wurden Kerzen angezündet und zahlreiche Flaggen der Republika Srpska sowie Bilder des Generals gezeigt.

Ratko Mladić war am 27. August im Alter von 84 Jahren in UN-Haft in Den Haag gestorben. Er hatte bis zuletzt jede Schuld zurückgewiesen.

 


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Naher Osten
MEMO: „Die Türkei gewinnt den Machtkampf gegen Israel“

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London – Die Türkei befindet sich im regionalen Machtgefüge des Nahen Ostens in einer Position der Stärke und setzt sich im strategischen Wettbewerb mit Israel zunehmend durch – ganz ohne einen direkten Waffengang

Zu diesem Schluss kommt eine ausführliche Analyse des Fachjournals Middle East Monitor. Angesichts der jüngsten militärischen Zwischenfälle in Syrien und verhängter Warnungen zwischen Ankara und Tel Aviv wird in internationalen Sicherheitskreisen intensiv über die Gefahr einer direkten militärischen Konfrontation auf syrischem Boden debattiert.

Der Bericht betont jedoch eindringlich, dass die größte Stärke Ankaras nicht in einem Sieg auf dem Schlachtfeld liege, sondern in der stetigen Einschränkung der israelischen Fähigkeit, die Region einseitig nach eigenen Interessen zu gestalten. Ein offener Krieg würde diese mühsam erarbeiteten Vorteile massiv gefährden und den bisherigen strategischen Erfolg ins Gegenteil verkehren.

Die Kernursache der wachsenden Spannungen liege in den grundlegend konträren Zielen, die beide Staaten auf syrischem Territorium verfolgen. Während die Türkei die vollständige Wiederherstellung der territorialen Integrität und die Konsolidierung einer funktionierenden Zentralregierung in Damaskus anstrebe, verfolge Tel Aviv ein entgegengesetztes Modell.

Für Ankara sei ein stabiles Syrien essenziell, um die 900 Kilometer lange gemeinsame Grenze zu sichern, bewaffnete Gruppen zu integrieren, das Wiedererstarken des IS sowie PKK-naher Strukturen zu unterbinden und die geordnete Rückkehr von Flüchtlingen zu ermöglichen. Israel hingegen definiere seine Sicherheit primär über ein geschwächtes syrisches Staatswesen mit eingeschränkter Luftverteidigung und ohne schwere Waffen im Umfeld der besetzten Golan-Höhen.

Diese strukturellen Gegensätze führten in der Vergangenheit wiederholt zu militärischen Eskalationen. Bereits im April 2025 hatte Israel Luftangriffe auf syrische Stützpunkte wie T-4, Palmyra und Hama durchgeführt, kurz nachdem türkische Militärdelegationen vor Ort Möglichkeiten einer vertieften Verteidigungskooperation evaluiert hatten.

Ein ähnliches Muster habe sich beim jüngsten Schlag gegen den Militärflugplatz Abu al-Duhur am 18. August wiederholt. Während Israel von einer unmittelbar bevorstehenden türkischen Truppenstationierung sprach, wurde die Existenz einer festen Basis von syrischer und türkischer Seite vehement dementiert.

Trotz der operativen Unsicherheiten habe Israel damit signalisiert, dass es bereit sei, militärische Gewalt gegen die von der Türkei unterstützte Erholung der syrischen Streitkräfte einzusetzen.

Nach Einschätzung der Analysten stellen diese Luftschläge zwar eine Herausforderung dar, sie liefern jedoch keinen Grund für einen Kriegseintritt. Israel sei zwar in der Lage, Landebahnen zu bombardieren, könne jedoch weder einen stabilen syrischen Staat aufbauen noch die geographische Nähe der Türkei oder den enormen Bedarf der Regierung von Ahmed al-Sharaa an türkischem Handel, Training, Energie und Wiederaufbau aufheben. Solange verhindert werde, dass Syrien in ein direktes türkisch-israelisches Schlachtfeld verwandelt wird, arbeite die Zeit klar für Ankara.

Der eigentliche Erfolg der türkischen Strategie beruhe auf dem Prinzip der sogenannten vernetzten Eindämmung (networked containment). Hierbei handle es sich nicht um eine offensive Seeblockade oder einen Ring aus Militärbasen, sondern um ein dichtes Geflecht aus diplomatischen Initiativen, Institutionen und defensiven Partnerschaften.

Über das Ausbildungszentrum Camp TURKSOM in Somalia sowie das Abkommen zwischen Mersin und Port Sudan im Jahr 2025 baue Ankara seine logistische und maritime Präsenz an den strategischen Nadelöhren des Roten Meeres und am Golf von Aden konsequent aus. Diese Präsenz diene der indirekten Einflussnahme auf globale Handelsrouten, ohne den freien Schiffsverkehr zu blockieren.

Auch auf diplomatischer Ebene schaffe Ankara Tatsachen, die den israelischen Handlungsspielraum verengen. Im Libanon sondiere die türkische Führung Initiativen, die einen israelischen Rückzug aus dem Südsektor an ein striktes staatliches Waffenmonopol der libanesischen Armee koppeln könnten.

Dies würde sowohl die autonome Stellung der Hisbollah schwächen als auch die Rechtfertigung für dauerhafte israelische Interventionen entziehen. Gleichzeitig biete das Gemeinsame Verteidigungsabkommen von Mekka zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan ein regionales Abschreckungspotenzial. Dieses Bündnis sei bewusst weder gegen Israel noch gegen den Iran gerichtet, sondern diene als defensive Abschreckung zur Stärkung der regionalen Autonomie.

Besonders deutlich werde der Vorteil der türkischen Diplomatie im Verhältnis zu den USA. Die Beziehungen zwischen Ankara und Washington gestalten sich derzeit so positiv wie seit Jahren nicht mehr, was sich unter anderem im Besuch von US-Präsident Donald Trump im Juli und den zugesagten Erleichterungen bei Verteidigungssanktionen zeigte.

Beide Nationen teilen das Ziel eines vereinten und stabilen Syriens. Nach dem Vorfall in Abu al-Duhur bezeichnete der US-Sondergesandte Tom Barrack den Angriff offen als „unnötige Eskalation“ und warnte vor einem gefährlichen Provokationsspiel Israels, das darauf abzielen könnte, die Türkei in einen Konflikt zu locken.

Ein von der Türkei gewählter Krieg würde diese mühsam aufgebauten Erträge schlagartig vernichten. Selbst ein lokal begrenzter Konflikt würde Syrien erneut verwüsten, den staatlichen Wiederaufbau stoppen, Investitionen blockieren und Raum für terroristische Gruppierungen schaffen. Damit würde Ankara genau jene Regierung schwächen, zu deren Schutz es angetreten ist.

Zudem würden arabische Partner wie Saudi-Arabien oder Pakistan im Falle eines aktiven Waffengangs Distanz wahren, um ihre eigenen Beziehungen zu den USA nicht zu gefährden. Auf dem Schlachtfeld wiederum würde die Türkei auf ein Terrain geraten, auf dem Israel durch Luftüberlegenheit, Aufklärungsnetzwerke und direkte US-Unterstützung seine größten taktischen Stärken ausspielen kann.

Die Analyse unterstreicht abschließend, dass Zurückhaltung keineswegs mit Passivität gleichzusetzen sei. Das Recht auf Selbstverteidigung zum Schutz des eigenen Personals bleibe unberührt, müsse jedoch strikt von einem offensiven Feldzug getrennt werden. Die stärkste Position der Türkei liege in einer durch Macht gestützten „strategischen Geduld“:

Einer Strategie, die Israel ohne Krieg abschreckt, Syrien stärkt, ohne es in ein Protektorat zu verwandeln, und regionale Partnerschaften vertieft, ohne diese in ein starres Anti-Israel-Bündnis zu zwängen. Ankara sollte den politischen Wettbewerb, den es derzeit gewinnt, nicht durch den Eintritt in einen Krieg aufs Spiel setzen, den Israel militärisch besser vorzubereiten versteht.


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