Kriminalität
Montenegro: Mafiaboss Binali Camgöz an Türkei ausgeliefert

Istanbul – Die montenegrinischen Behörden haben Binali Camgöz, den Chef eines in İzmir ansässigen Verbrechersyndikats, nach umfangreichen diplomatischen Bemühungen unter Leitung des türkischen Geheimdienstes an die Türkei ausgeliefert. Der montenegrinische Justizminister Bojan Bozovi erklärte gegenüber Medienvertretern, dass Camgöz eine Bedrohung für die innere und nationale Sicherheit Montenegros darstelle. Er fügte auf der Pressekonferenz hinzu, dass die Entscheidung des ehemaligen Justizministers Andrej Milovic vom 22. Januar 2024 widerrufen wurde und eine Entscheidung getroffen wurde, die die Auslieferung von Camgoz an die Türkei ermöglicht. Er wies darauf hin, dass er auch das Schreiben der Türkei berücksichtigt habe, in dem garantiert werde, dass Camgoz in diesem Land nicht unmenschlich behandelt werde. Er betonte, dass die Auslieferungsentscheidung endgültig sei und nicht angefochten werden könne. Der ehemalige Justizminister lehnte noch im Januar die Auslieferung von Camgoz an die Türkei ab, wo er unter anderem wegen zweier Morde, Bildung einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzung, Bedrohung, Verstoßes gegen das Waffengesetz, bewaffneten Raubüberfalls und versuchten Mordes angeklagt ist. Das Justizministerium begründete die Entscheidung, Camgoz nicht auszuliefern, mit seiner Behinderung und seiner kurdischen Volkszugehörigkeit, die ihn zur Zielscheibe von Verfolgung machen könnten, so die Erklärung im Januar. „Montenegro entwickelt sich zu einem Land mit starken Institutionen, Rechtsstaatlichkeit und einem glaubwürdigen und international respektierten Staat. Niemand wird jemals stärker sein als der Staat. Montenegro, ein sicheres Zuhause für seine Bürger und alle wohlmeinenden Menschen und Touristen und kein Hort der Kriminalität, ist unsere gemeinsame Aufgabe“, so Aleksa Bečić, Stellvertretender Premierminister von Montenegro, in einer Stellungnahme nach der Auslieferung. Wer ist Binali Camgöz? Der 1970 in Izmir geborene kurdischstämmige Binali Camgöz ist der Anführer eines der größten Syndikate der organisierten Kriminalität in der Türkei. Seine Familie stammt Medienberichten zufolge aus der osttürkischen Stadt Erzurum. In der kriminellen Welt unter dem Decknamen „Deniz“ bekannt, hat sich Camgöz seit den 1990er Jahren in der Türkei mit Drogen- und Waffenhandel und verschiedenen Aktivitäten der organisierten Kriminalität einen Namen gemacht. Diese hochkarätige kriminelle Figur, die seit Jahren im Visier der internationalen Sicherheitsdienste steht, wurde weltweit mit einem roten Fahndungsaufruf von Interpol gesucht. Camgöz hat ein umfangreiches Vorstrafenregister mit 41 Straftaten und landesweiten Haftbefehlen für 25 verschiedene Straftaten. Zuletzt war er für die Morde an zwei Personen in der westlichen Provinz İzmir am 4. und 6. Juni 2022 verantwortlich. Außerdem wird Camgöz‘ Name mit dem Fall von Jovan Vukotic in Verbindung gebracht, einem serbischen Bandenführer, der am 8. September 2022 im Istanbuler Stadtteil Şişli ermordet wurde.

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– Türkei – Istanbul: Drogenboss Jovan Vukotic erschossen

Jovan Vukotic, der Chef der Skaljari-Drogenbande, einer der berüchtigtsten Drogenbanden des Balkans, ist bei einem bewaffneten Anschlag in Istanbul getötet worden.

Istanbul: Drogenboss Jovan Vukotic erschossen
   

Türkei
Volleyballstar Victoria Lopez tot aufgefunden

Bursa – Die ehemalige puertoricanische Volleyballspielerin der Texas Longhorns, Pilar Marie Victoria Lopez, 28, wurde in ihrer Wohnung in Bursa, Türkei, tot aufgefunden. Die Außenangreiferin sollte in dieser Saison für den Klub Nilüfer Belediyespor im türkischen Bursa spielen. Ihre Leiche wurde entdeckt, nachdem sie nicht zum Mannschaftstraining erschienen war, was bei ihren Mannschaftskameraden und den Vereinsverantwortlichen Besorgnis auslöste. Als wiederholte Versuche, sie zu kontaktieren, unbeantwortet blieben, suchten Beamte ihre Wohnung in der Besevler Mahallesi auf. Sie verschafften sich mit Hilfe eines Schlüsseldienstes Zutritt zu ihrer Wohnung und fanden Lopez regungslos in ihrem Bett. Das medizinische Personal bestätigte ihren Tod noch vor Ort. Kenan Dastan, der Clubmanager von Nilufer Belediyespor, erklärte: „Wir haben mehrmals versucht, sie anzurufen, aber als wir sie nicht erreichen konnten, gingen wir in ihre Wohnung. Wir fanden sie leblos in ihrem Bett. Es ist ein verheerender Verlust für uns alle.“ Der Verein sprach ihrer Familie, Verwandten und Freunden sein Beileid aus. „In der kurzen Zeit, in der wir die Gelegenheit hatten, mit ihr zu arbeiten, werden wir uns immer an ihre Beiträge zu unserem Team und unserer Gemeinschaft erinnern“, hieß es weiter. Keine Anzeichen für ein Verbrechen beim Tod der jungen Volleyballspielerin Die Behörden untersuchen derzeit die Ursache für den Tod von Lopez. Die ersten Ermittlungen ergaben keine Anzeichen für ein Verbrechen; es gab kein gewaltsames Eindringen und die Wohnung wies keine Anzeichen eines Kampfes auf. Lopez, die vor kurzem von Beziers Volley in Frankreich zu Nilüfer Belediyespor gewechselt war, hatte Berichten zufolge Medikamente gegen Schlafprobleme eingenommen. Es ist jedoch noch unklar, ob dies bei ihrem plötzlichen Tod eine Rolle spielte. Die Staatsanwaltschaft von Bursa hat eine formelle Untersuchung eingeleitet. Zur Klärung der genauen Todesursache wird eine Autopsie durchgeführt. „Wir warten auf die Ergebnisse der Autopsie, um zu verstehen, was passiert ist“, fügte Dastan hinzu.
 
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Landtagswahl
AfD will mit BSW-Chefin Sarah Wagenknecht reden

Dresden – Der sächsische AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban hat nach den Zugewinnen für seine Partei im Freistaat deutlich gemacht, dass die AfD für Gespräche mit anderen Parteien offen sei und setzt dabei auch auf das BSW. „Ich bin nach diesem Ergebnis heute Abend bereit, mit jeder Partei und jedem Politiker im sächsischen Landtag zu reden, der etwas Gutes für Sachsen tun will“, erklärte Urban im Fernsehsender phoenix. In vielen Kommunen des Landes arbeite man mit anderen Parteien gut zusammen. Insofern setze er auf einen Sinneswandel der übrigen Fraktionen im Landtag, die vor der Wahl erklärt hatten, nicht mit der AfD reden zu wollen. „Ich hoffe, die Gesprächsbereitschaft ändert sich noch“, so der AfD-Politiker. „Selbstverständlich“ werde man auch mit dem BSW reden. „Wenn man Schnittmengen hat, dann sollte man das gemeinsam machen, und das muss man nicht unbedingt in einer Koalition machen.“ Es gehe dann im Landtag darum, Mehrheiten für wichtige Themen und Herausforderungen zu finden. Urban kündigte an, dass man im neu konstituierten Parlament sehr schnell einen Corona-Untersuchungsausschuss einsetzen werde. „Es ist dringend notwendig, dass diese Zeit endlich aufgearbeitet wird.“

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– Landtagswahl – Sahra Wagenknecht (BSW): „Die Ampel wurde abgewählt“

Für die BSW-Vorsitzende Sahra Wagenknecht steht die Landtagswahl in Thüringen im Zusammenhang mit der Politik der Ampel-Koalition

Sahra Wagenknecht (BSW): „Die Ampel wurde abgewählt“

Landtagswahl
Sahra Wagenknecht (BSW): „Die Ampel wurde abgewählt“

Erfurt – Für die BSW-Vorsitzende Sahra Wagenknecht steht die Landtagswahl in Thüringen im Zusammenhang mit der Politik der Ampel-Koalition: „Es ist ja nun ein offenes Geheimnis, dass diese Wahlergebnisse, zumindest auch bei der Ampel, mit deren Politik zu tun hat und dass auch die CDU-Politik, die ja auf noch mehr Aufrüstung setzt, auf noch mehr Waffenlieferungen an die Ukraine, jetzt hier in Thüringen nicht unbedingt die Mehrheit der Menschen hinter sich hat“, sagte sie im Interview mit dem TV-Sender phoenix. Und weiter: „Die Ampel wurde abgewählt wegen ihrer Politik in Deutschland, aber ganz sicher auch wegen ihrer Außenpolitik. Ich finde, eine Landesregierung kann und sollte hier auch offensiv agieren.“ Es sei ein urdemokratisches Anliegen, dass eine Landesregierung auch außenpolitisch das Wort ergreife und zum Ausdruck bringe, was die Menschen möchten. Landespolitik könne in der gesellschaftlichen Debatte viel verändern und habe immer auch bundespolitische Implikationen. „Und darum geht es ja, dass Druck auf die Bundesregierung ausgeübt wird, dass Herr Scholz nicht mal eben so auf einem Nato-Gipfel beiläufig eine hochgefährliche Entscheidung trifft, nämlich dass diese Raketen nach Deutschland kommen“, so Wagenknecht weiter zu phoenix. Auch in der Ukraine-Frage sei Druck nötig, da die Menschen erwarteten, dass sich hier etwas verändere.

Asylpolitik
NRW-Integrationsministerin Josefine Paul ist für Reform des Abschiebesystems

Düsseldorf – Die NRW-Ministerin für Flucht und Integration, Josefine Paul, spricht sich bei phoenix für eine Reform des Abschiebesystems aus. Im Interview bei phoenix stellt die NRW-Ministerin klar, dass nach dem Anschlag in Solingen der Sachverhalt und die „berechtigten Fragen“ geklärt werden müssen. „Daraus müssen aber auch Perspektiven entwickelt werden, nicht nur für die Landesbehörden, sondern insgesamt für das sehr komplizierte System, das wir hier haben“, so Josefine Paul mit Blick auf Abschiebeverfahren. Die Innenministerinnen und Innenminister der Länder hätten bei ihrer Frühjahrstagung einen Beschluss gefasst, dass die Zuständigkeiten für Dublin-III-Überstellungen eigentlich aus einer Hand und damit auf Bundesebene erfolgen müssen. Deshalb sei es gut, dass der Bund jetzt direkt reagiere und in Gespräche gehe, um das Recht durchzusetzen und Rücküberstellungen auch faktisch möglich zu machen und die Frage der Abschiebungen damit besser geklärt werde. Der Ausschuss für Inneres und Heimat ist am Freitag zu einer Sondersitzung zusammengekommen, um über den mutmaßlichen IS-Terroranschlag in Solingen zu beraten. Zur heutigen Abschiebung der 28 Straftäter nach Afghanistan sagte die Ministerin: „Menschen, die hier Gefährder sind, schwere Straftäter sind, die können hier nicht bleiben. Vor diesem Hintergrund gab es auch einen Straftäter aus Nordrhein-Westfalen, der auch auf diesem Flug gewesen ist“, so die Fluchtministerin weiter.

Türkei
E-Autos: TOGG kündigt günstigeres SUV-Model an

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Bursa – TOGG-Chef Gürcan Karakas ein günstigeres SUV-Model angekündigt.

„Es ist kein einziges Unternehmen auf der Welt bekannt, das in seinem ersten Produktionsjahr 20.000 Fahrzeuge hergestellt und alle verkauft hat“, so Karakas.

Das Modell mit der Bezeichnung T8X, ein Sport Utility Vehicle (SUV) im B-Segment, soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen.

Karakas erläuterte die Strategie des Unternehmens während einer Testfahrt auf dem TOGG-Campus in Bursa, im Nordwesten der Türkei. Seit seiner Gründung im Jahre 2019 hat sich TOGG als führender Hersteller von Elektroautos in der Türkei etabliert und den bisherigen Marktführer TESLA von der Spitzenposition verdrängt.

„Derzeit bauen wir die Infrastruktur auf und wollen Ende dieses Jahres mit der Vorbestellung des T10X in Europa beginnen und 2025 mit der Auslieferung des neuen Modells starten“, so Karakas.

„Mehr als 80 % der Verkäufe entfallen auf das Spitzenmodell. Von April 2023 bis zum Jahresende haben wir 20.000 Fahrzeuge ausgeliefert, was die Leistungsfähigkeit unseres Landes im Automobilsektor unter Beweis stellt“, sagte Karakas.

Er wies darauf hin, dass die gesamte für das Jahr geplante Produktion innerhalb von 18 Stunden nach dem Start ausverkauft war, womit die Türkei ihre Bereitschaft für Elektrofahrzeuge unter Beweis stellt.

„Es ist kein einziges Unternehmen auf der Welt bekannt, das in seinem ersten Produktionsjahr 20.000 Fahrzeuge produziert und alle verkauft hat, zumindest soweit wir wissen. Deshalb ist dies ein bemerkenswerter Erfolg für unser Land und für jeden von uns und ein erfreulicher Anfang“, fügte er hinzu.

Karakas erklärte weiter, dass TOGGs Zielmarktstrategie für das Ausland nach der Beobachtung der Marktdynamik überarbeitet wurde.

Ursprünglich war geplant, von den skandinavischen Ländern aus in die Niederlande und nach Belgien zu gehen, aber die Pläne haben sich geändert.

„Deshalb haben wir beschlossen, in die europäischen Märkte einzusteigen, insbesondere in das Dreieck Deutschland, Frankreich und Italien, das den größten europäischen Automarkt darstellt, da wir von unserer Erfahrung und von uns als Unternehmen überzeugt sind“, sagte er.

TOGG bringt B-Segment-SUV T8X im Jahr 2025 auf den Markt

Karakas äußerte sich zuversichtlich über den künftigen Erfolg von TOGG und verwies auf die laufenden Bemühungen zur Entwicklung neuer Modelle über das SUV-Modell T10X und die Limousine T10F hinaus.

„Unsere Reise endet nicht mit dem T10F. Wir bereiten uns bereits auf die Markteinführung des T8X SUV im nächsten Jahr vor, mit dem wir auf unseren Erfolgen aufbauen wollen“, schloss er.

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– E-Mobilität –
VERY: Weiteres türkisches E-Auto in den Startlöchern

Mit dem Amperino C100 steht nach dem ersten türkischen E-Auto TOGG nun ein weiteres einheimisches Elektroauto in den Startlöchern.

VERY: Weiteres türkisches E-Auto in den Startlöchern

 

 

Salwan Momika
Schweden: Zwei Männer wegen Koranverbrennung angeklagt

Stockholm – Zwei Männer, Salwan Momika und Salwan Najem, wurden wegen Hassverbrechen im Zusammenhang mit verschiedenen Vorfällen angeklagt, bei denen Kopien des Korans in Schweden verbrannt wurden. Die von der schwedischen Staatsanwaltschaft erhobenen Anklagen beziehen sich auf Vorfälle, die sich im vergangenen Jahr in Stockholm und Malmö ereignet haben. Den Männern wird vorgeworfen, zu Rassenhass und Diskriminierung angestiftet zu haben. Salwan Momika lebte jahrelang als irakischer Flüchtling in Schweden und wurde durch seine provokativen Aktionen gegen das heilige Buch des Islam bekannt. Er löste in mehreren Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit Empörung und Unruhen aus. Salwan Najem, ein schwedischer Staatsbürger, wurde wegen eines ähnlichen Vorfalls in Stockholm angeklagt. Auch ihm wurde vorgeworfen, ein Exemplar des Korans verbrannt und zum Hass aufgestachelt zu haben. „Meiner Meinung nach fallen die Äußerungen und Handlungen der Männer unter die Bestimmungen zur Agitation gegen eine ethnische oder nationale Gruppe, und es ist wichtig, dass diese Angelegenheit vor Gericht verhandelt wird“, sagte Oberstaatsanwältin Anna Hankkio in einer Erklärung. Der Erklärung zufolge besteht das Beweismaterial größtenteils aus Videoaufzeichnungen der Ereignisse. Momika, ein christlicher Iraker, hatte 2021 eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Die Anklagen gegen die beiden Männer haben sowohl im Inland als auch international eine heftige Debatte ausgelöst. Einige haben ihr Recht auf freie Meinungsäußerung verteidigt, andere haben ihr Vorgehen als beleidigend und respektlos gegenüber Muslimen in aller Welt verurteilt. Es wird erwartet, dass der Fall in den kommenden Monaten vor Gericht kommt.

EU-Meeting
EU-Mitgliedschaft ist ein strategisches Ziel für die Türkei

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Brüssel – Der türkische Außenminister Hakan Fidan hofft, Fortschritte bei der Verbesserung der schwierigen Beziehungen zwischen Ankara und der Europäischen Union zu erzielen, nachdem er am Donnerstag zum ersten Mal seit fünf Jahren an einem Treffen der EU-Minister in Brüssel teilnahm. Während des etwa zweistündigen Treffens führte Fidan bilaterale Gespräche mit seinen Gesprächspartnern. Fidan sagte nach dem Treffen: „Das Treffen ist wichtig für die Wiederbelebung unserer Beziehungen zur EU. Die Türkei wurde eine Zeit lang nicht zu solchen Treffen eingeladen. Die Tatsache, dass wir dieses Mal nach Brüssel eingeladen wurden, ist natürlich eine positive Entwicklung.“ Der seit zwei Jahrzehnten andauernde Beitrittsprozess der Türkei wurde aufgrund von Bedenken der EU bezüglich politischer Streitigkeiten im östlichen Mittelmeer und über Zypern eingefroren. Fidan: „Wir glauben, dass es im Interesse aller ist, die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU wiederzubeleben.“ Die Türkei habe jedoch betont, dass „die Herstellung einer Verbindung zwischen dem Zypernproblem und den Beziehungen zwischen der Türkei und der EU keine gesunde Methode ist und keine Ergebnisse bringen wird“. Die EU-Mitgliedschaft sei weiterhin ein strategisches Ziel für die Türkei. „Ein weiteres vorrangiges Thema ist die Visumfrage. Unsere Arbeit an der Liberalisierung der Visabestimmungen geht weiter. Wir haben 66 Kriterien erfüllt, es fehlen nur noch 6 Kriterien. Wir arbeiten mit unseren zuständigen Institutionen zusammen, um diese zu erfüllen. Bis die Visaliberalisierung erreicht ist, arbeiten wir weiter daran, die Schwierigkeiten und Hindernisse zu beseitigen, die unsere Bürger bei der Beantragung von Schengen-Visa erleben. Wir setzen unsere Kontakte mit der EU und den Mitgliedstaaten fort, um eine allgemeine Einführung von Mehrfacheinreise- und Langzeitvisa zu erreichen“ so Fidan weiter.

Gaza-Krieg
Israel: Denn sie wissen nicht, was sie tun …

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Vor mehr als vierzig Jahren hatte ich zusammen mit einigen französischen und deutschen Freunden an einem warmen Septemberabend in Paris eine lustige Zeit. Wir rannten die Treppe zur ersten Etage des Eiffelturms hoch und bestaunten das Lichtermeer. Aus dem Augenwinkel heraus erkannte ich einen Mann mit langen Schläfenlocken im Mantel und mit dem charakteristischen Hut, der zwar leise, aber aufgeregt nach seinen beiden Söhnen rief, während sein Blick, der Angst verriet, immer wieder zu uns herüberflog. Er scheuchte seine Söhne zum Lift. Ich sprach ihn an. Wir waren nur eine lustige Truppe und hatten schließlich keine Absichten, ihn zu stören oder zu ängstigen. Der Mann wurde immer nervöser, Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Hastig teilte er mir mit, dass es gar nicht um uns persönlich ginge. Aber seine ganze Familie sei in Auschwitz ums Leben gekommen und er könne nichts gegen seine Gefühle gegen alles Deutsche unternehmen. Das sei nun mal so, da könne man gar nichts machen und da öffneten sich auch schon die Türen zum Lift, in den er förmlich mit seinen Kindern hineinsprang und den Blick abwendete, bis sich die Tür wieder zugeschoben hatte. Nur wenige Jahre später nahm ich in einer freundlichen Familie in der englischen Provinz Unterkunft und verlebte einige Wochen auf dem englischen Land. Eines Tages trat die Dame des Hauses erstaunlich verlegen und ganz ohne ihre ansonsten offene und humorvolle Art zu mir und bat mich inständigst, ich möge mir bitte für den nächsten Abend nichts vornehmen. Meinen Fragen, worum es sich denn wohl handele, wich sie mit noch weiter anwachsender Verlegenheit aus und bedeutete mir nur, es sei wirklich wichtig. Also fand ich mich am späten Nachmittag ein und sollte im bequemsten Sessel des Wohnzimmers Platz nehmen. Langsam war ich wirklich beunruhigt, und sollte recht damit behalten. Eine Zeit später schellte es an der Tür, Penny öffnete und insgesamt sechs Menschen betraten das Haus. Vorneweg schob man einen Rollstuhl ins Wohnzimmer, in dem ein älterer Mann saß, dem sowohl beide Arme als auch beide Beine fehlten. Ohne große Erklärung oder gar Begrüßung blickte er mir starr in die Augen und fragte ebenso leise wie scharf, wo mein Vater im Zweiten Weltkrieg gewesen sei. Nach bestem Wissen beantwortete ich ihm diese Frage; er war, tuberkulosekrank, untergewichtig, „nichtarisch“ und viel zu jung als „letztes Aufgebot“ in die SS gezwungen und an die Ostfront gekarrt worden, wo seine Einheit kaum zwei Wochen später von Russen aufgerieben und in Gefangenschaft geführt wurde. Ohne jede sichtliche Regung nickte der alte Mann im Rollstuhl nur kurz und knapp und verließ zusammen mit seiner ganzen Begleitung das Haus, ohne auch nur noch ein Wort zu verlieren. Nach vielleicht zehn Minuten war der Spuk vorbei. Penny schämte sich in Grund und Boden. Sie hockte mit rotem Kopf auf einem Schemel vor mir wie ein Schulmädchen und erklärte mir den Zusammenhang. Dieser Mann war der letzte Überlebende ihres Familienzweiges, der in der Schicksalsnacht von Coventry durch ein höllisches, deutsches Bombardement zusammen mit der ganzen Stadt vollständig vernichtet wurde. Diese Nacht hatte aus ihm einen lebenden Torso gemacht, der nicht vergessen konnte. Überall begegnete ich dem Blick der Menschen, die den deutschen Stempel auf meiner Stirn selbst nachts leuchten sahen, den ich zu tragen schien. Es half nichts, überhaupt nichts, dass ich anfangs noch versuchte, den Menschen klar zu machen, dass meine eigene Familie in weiten Teilen vernichtet worden war, auch wenn wir keine Juden waren oder sind. Als “Beifang“ sozusagen, weil das Vermögen meines nach Deutschland migrierten Urgroßvaters verlockte, der ein überaus erfolgreicher Unternehmer war. Seinem Leichtsinn, seinem blinden Glauben verdankten letztlich neun Familienmitglieder ihren Tod. Er glaubte, als Nichtjude, als „Hoflieferant des Kaisers“, der er gewesen war, würde ihm schon nichts widerfahren. Die überlebenden Familienmitglieder, insgesamt drei, waren im Grunde nur wandelnde Trümmer. Ich selbst ertappe mich jedesmal, wenn ich über einen deutschen Friedhof laufe, dabei, wie ich mir Grabsteine genauer ansehe: „Geboren 1912? Einer von denen, die begeistert Hitlerfähnchen geschwungen und Juden den Tod gewünscht hatten?“ Mit dieser Geschichte betrachtet man Orte wie Bergen-Belsen etwa mit ganz anderen Augen und anderen Gefühlen, mit dieser Geschichte fühlt man die Vergangenheit und sieht die vielen Menschen schemenhaft vor sich über die Wege zu ihrem Tod laufen. Nicht aus religiösen Gründen heraus, sondern durch den gemeinsam durchlebten Wahnsinn fühlte ich mich Juden immer auf besondere Weise verbunden. Und nun geschieht das alles noch einmal. Alles wieder von vorn, alles ist auf Anfang gesetzt und lässt ein schreckliches Ende erahnen. Selbst, wenn das furchtbare Gemetzel in Gaza und im Westjordanland heute beendet würde, wird irgendwann in den folgenden vierzig oder fünfzig Jahren ein junger Isaak irgendwo erleben, wie vor ihm ausgespuckt wird. Weil er Isaak heißt und Israeli ist. Ob er Schläfenlocken oder einen Davidstern trägt, wird unwichtig sein. Man wird in ihm sein Volk sehen, dass seine Scharfschützen nicht einmal, sondern zur Sicherheit mehrfach in Kinderköpfe hat schießen lassen. Isaak wird in den Augen der anderen für eine bizarre Freude am Schmerz der Vergewaltigten der Foltercamps stehen und seine Tränen werden die Menschen nur noch mehr anstacheln, ihm die Taten seiner Vorfahren wie Erbrochenes vor die Füße zu werfen. Man wird ihn durch die Straßen so jagen, wie ich als junger Deutscher in England vor johlenden Rotten floh, die es dem „Nazi“ zeigen wollten. Man wird Isaak fragen, ob er in einer dieser „Siedlungen“ lebe, die den Palästinensern mit Kugeln, Zündeleien, Granaten und Flüchen gestohlen worden sind. Ich sehe an mir, dass das furchtbare Leid weder vergessen, noch vergeben wird oder werden könnte. Allen internationalen Eiden, Schwüren, Versprechen und Hymnen zum Trotz steht Deutschland noch heute und für die nächsten hunderten von Jahren für die industrielle Vernichtung von Menschen – und Israel wird genau das gleiche Schicksal erleben. Die Scharfschützen der israelischen Armee, die heute belustigt in Dessous getöteter, palästinensischer Frauen in Kameras schauen, werden ihren Kindern Schmerz, Schuld und Scham vererben. Wenn sie heute einen behinderten, freundlichen Jungen von einem Kampfhunde zerfleischen und zum Sterben zurücklassen, wird eines Tages ein junger Isaak dafür zusammengeschlagen. Es wird keine Rolle spielen, ob seine Eltern gegen die heutige Regierung protestiert haben und er den Dienst in dieser Armee verweigert hat. Er wird den Schmerz der Toten und Gefolterten fühlen und zugefügt bekommen. Es wird in fünfzig oder mehr Jahren sogar auch völlig gleichgültig sein, ob Israel nach dem letzten Schuss innehält oder sogar umkehrt und sich ein langer Frieden anschließt, denn die Wunden sind geschlagen, der Hass ist gesät, die Feuer werden weiterbrennen, selbst wenn die Ruinen nicht mehr qualmen, denn niemand kann die Toten von heute mehr vergessen. Isaak wird eines fernen Tages dafür leiden. Wer diese unzweifelhaft eintretende Zukunft nicht sieht, wer immer denkt, ein zuckersüßer Friede werde eines Tages die Gräber für immer ins Vergessen versinken lassen, der irrt und hat aus der Geschichte nichts gelernt. Schon heute gilt Israel als der Staat auf der Welt, der am meisten verachtet wird. Daran ändern weder die Beschwichtigungen noch die Manipulationen oder die Lügen all seiner Verbündeten irgendetwas. Es sind Millionen, die heute gegen den Willen ihrer Regierungen oder „Regierungen“ zumindest heimlich die Faust in der Tasche ballen, die angesichts der angerichteten Verbrechen heiße Tränen vergießen und die Bilder nicht mehr ertragen können. Sie werden ihren Hass, ihre Wut, ihre Enttäuschung und ihren Schmerz ebenso mit ihrer Milch ihren Kindern zu trinken geben, wie es die Welt angesichts des Dritten Reiches tat. Es sind Millionen, die beinahe nur darauf warten, irgendwann Isaak zu treffen. Isaak, der selbst an dem, was sein Volk heute tut, völlig unschuldig sein wird. Und in mehr als vierzig Jahren wird Isaak zusammen mit israelischen und französischen Freunden lachend die Treppen des Eiffelturms heraufstürmen, nur um oben einen Mann mit Turban zu treffen, der schwitzend nach seinen Kindern ruft, um den Turm fluchtartig zu verlassen. Dann wird Isaak noch Glück gehabt haben, denn vielleicht holt ihn weniger Jahre später die Rotte Jugendlicher irgendwo anders doch auf seiner wilden Flucht ein, die es einem „Zionisten“ besorgen wollen. Man hat mir all die vielen Jahre gesagt, dass ich dem Mann vom Eiffelturm kein Verständnis hätte entgegenbringen sollen. Dass ich schließlich niemandem seiner Familie jemals etwas angetan hätte, viel zu jung für diese Verantwortung war und somit seine Verachtung, seinen Hass, seinen Ekel, seine Angst nicht verdient hatte. Doch wer so denkt, hat nie auf seiten der Verfolgten, der Gejagten, der Vernichteten gestanden. Mein eigener Onkel verlebte das letzte Kriegsjahr in einem teilweise zerbombten Kohlenkeller. Wenn er Glück hatte, steckte ihm ein heimlicher Freund etwas verschimmeltes Brot durchs Loch oder er konnte eine Ratte erlegen, Wasser gab es in dem Gemäuer genug. Nur durch bloßes Glück entging er im letzten Moment der SS. Später erlitt er Gewaltausbrüche und trank sich beinahe zu Tode. Isaak wird das in vierzig, fünfzig oder sechzig Jahren erfahren und lernen und verstehen, wie sich der Schmerz anfühlt, den sein Volk heute den Palästinensern antut. Dies Leid ist herzzerreißend, überwältigend und gefährlich. Es vergeht nicht, sondern kann und wird zu Verzweiflung, Wut und grenzenlosem Zorn werden. Wir sollten uns heute schon mal Erklärungen und Entschuldigungen ausdenken, wenn Isaak in vierzig, fünfzig oder sechzig Jahren im Krankenhaus nach einem schweren Übergriff erwacht, weshalb ihm das widerfahren musste. Weil wir es so gewollt haben. Deshalb.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor 

Michael Thomas ist Privatier, Fotograf, leidenschaftlich an Ägyptologie und Literatur interessiert, mit der er vor vielen Jahren als Autor regional einige Beachtung fand. Er verfolgt interessiert das Weltgeschehen durch Beobachtung internationaler Presse. Seinen Fokus legt er insbesondere auf die Palästinafrage und auf die islamische Welt.

Mode
Warum sind Leinenkleider im Sommer so beliebt?

Leinenkleider sind im Sommer ein absolutes Must-have in vielen Kleiderschränken. Aber was macht diesen natürlichen Stoff so besonders, dass er bei hohen Temperaturen so angenehm zu tragen ist?
Leinen – ein Naturtalent für heiße Tage
Leinen, gewonnen aus den Fasern der Flachspflanze, ist seit Jahrhunderten für seine besonderen Eigenschaften geschätzt. Im Sommer kommt diese Naturfaser besonders zum Tragen:
  • Hervorragende Atmungsaktivität: Leinenfasern haben eine poröse Struktur, die eine optimale Luftzirkulation ermöglicht. Schweiß wird schnell aufgenommen und verdunstet, wodurch ein kühlendes Tragegefühl entsteht.
  • Hohe Feuchtigkeitsaufnahme: Leinen kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Das hält die Haut trocken und verhindert ein unangenehmes Kleben.
  • Wärmeableitend: Leinen leitet Körperwärme effektiv ab, was besonders bei hohen Temperaturen angenehm ist.
  • Robust und langlebig: Leinen ist ein sehr robustes Material, das bei richtiger Pflege lange hält. Es wird mit jedem Waschen weicher und bekommt eine schöne, lebendige Optik.
Leinenkleider – vielseitig und stilvoll
Neben den praktischen Eigenschaften überzeugen Leinenkleider auch durch ihre Vielseitigkeit und ihren natürlichen Charme. Ob als luftiges Sommerkleid, elegante Tunika oder lässige Hose – Leinen passt zu jedem Anlass und lässt sich wunderbar kombinieren. Die natürliche Farbpalette von Leinen, von sanften Creme- und Beige-Tönen bis hin zu kräftigem Blau und Grün, unterstreicht den natürlichen Look und passt perfekt zu einem entspannten Sommerstyle.
Warum Sie sich ein Leinenkleid zulegen sollten
  • Komfort: Leinenkleider bieten höchsten Tragekomfort bei Hitze.
  • Nachhaltigkeit: Leinen ist ein natürlicher und nachhaltiger Stoff.
  • Vielseitigkeit: Leinen passt zu vielen Stilen und Anlässen.
  • Langlebigkeit: Ein Leinenkleid hält viele Sommer lang.
Fazit
Leinenkleider sind aus gutem Grund im Sommer so beliebt. Ihre natürlichen Eigenschaften machen sie zum perfekten Begleiter für heiße Tage. Wer Wert auf Komfort, Nachhaltigkeit und einen natürlichen Look legt, sollte unbedingt ein Leinenkleid in seinen Kleiderschrank hängen.
Zusätzliche Tipps für die Suche:
  • Spezifische Modelle: Suchen Sie nach bestimmten Modellen wie Leinen-Maxikleider, Leinen-Tuniken oder Leinen-Hosen.
  • Farben: Geben Sie die gewünschten Farben an, z.B. „weißes Leinenkleid“ oder „blaues Leinenkleid“.
  • Anlässe: Definieren Sie, für welchen Anlass Sie das Kleid suchen, z.B. „Leinenkleid für den Strand“ oder „Leinenkleid für die Arbeit“.
Mit diesen Tipps finden Sie garantiert das perfekte Leinenkleid für Ihren Sommer!

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