Friedensprozess
US-Außenminister Pompeo: Weitere arabische Länder normalisieren Beziehungen zu Israel

Dubai – Laut dem US-Außenminister Mike Pompeo werden weitere arabische Länder Friedensabkommen mit Israel schließen. „Washington wird sich weiterhin für den Frieden in der Region einsetzen und dabei die Bedrohung durch den Iran im Auge behalten“, sagte Pompeo gegenüber dem TV-Sender „Al Arabiya“ in einem Exklusivinterview. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich andere Nationen den Emiratis, Bahrainis und Sudanesen anschließen und den rechtmäßigen Platz Israels unter den Nationen anerkennen werden“, so Pompeo. „Sie werden es tun, weil es das Richtige für ihre Nation ist, weil es den Wohlstand und die Sicherheit für ihr Land erhöht“, fügte Pompeo hinzu. Die USA habe sich bemüht, auch zwischen Palästina und Israel ein Friedensabkommen zu schaffen, die palästinensische Regierung  habe sich jedoch geweigert, so Pompeo. Israel hatte im September in Washington mit Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) Abkommen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen unterzeichnet. Nun hoffen die Emirate, F-35-Jets von den USA erwerben zu können. Aus der Sicht Abu Dhabis war das Teil des Normalisierungsdeals mit Israel. Im Oktober kündigte auch der Sudan seine Absicht an, die Beziehungen zu Israel zu normalisieren. Sudan wurde daraufhin aus einer US-Terrorliste gestrichen. auf der außerdem noch der Iran, Nordkorea und Syrien stehen. Im Gegenzug kündigte Israel an, die Annektierung von Gebieten im besetzten Westjordanland auszusetzen, das die Palästinenser für einen eigenen Staat beanspruchen.

Auch interessant

– Wirtschaft – Türkei und Katar wollen enge Wirtschaftsbeziehungen weiter stärken

Der bilaterale Handel zwischen Katar und der Türkei wird trotz COVID-19 weiter expandieren, sagte ein offizieller Vertreter am Mittwoch auf einem Webinar des Finanzzentrums von Katar (QFC).

Türkei und Katar wollen enge Wirtschaftsbeziehungen weiter stärken
 

Rassismus
23.11.1992: Der rassistische Brandanschlag von Mölln

Von Kemal Bölge Vor genau 28 Jahren, in der Nacht auf den 23. November 1992: In der schleswig-holsteinischen Stadt Mölln werfen die 19-jährigen Neonazis Lars C. und der 25-jährige Michael P. in ihrem rassistischen Wahn Brandsätze in zwei Häuser in der Ratzeburger Straße und in der Mühlenstraße. Die Mörder müssen gewusst haben, dass dort türkische Familien wohnen. Durch den Brandanschlag sterben in der Mühlenstraße zwei Mädchen – die 10-jährige Yeliz Arslan und die 14-jährige Ayşe Yılmaz – und die 51-jährige Bahide Arslan. Neun Menschen werden bei diesem feigen Anschlag verletzt. Die perfiden Täter rufen nach der Tat anonym bei der Feuerwehr und Polizei an, um auf die brennenden Häuser aufmerksam zu machen und beenden das Gespräch mit „Heil Hitler“. Einige Tage nach dem Brandanschlag werden die Neonazis von der Polizei festgenommen, die die Sicherheitsbehörden der Skinhead-Szene zuordnen. Vor dem Oberlandesgericht in Schleswig-Holstein wird Michael P. wegen dreifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft und Lars C. zu 10 Jahren Haft nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. In seiner Urteilsbegründung sah es das Gericht als erwiesen an, dass die beiden Angeklagten das Abbrennen der beiden Häuser nicht nur gewollt, sondern auch in Kauf genommen hätten. Die verurteilten Täter werden nach wenigen Jahren in Haft vorzeitig auf freien Fuß gesetzt. Lars C. im Jahre 2000 und Michael P. 2007. Schon vor diesem rassistischen Anschlag in Mölln hatte es Anschläge und Angriffe auf MigrantInnen sowie Asylbewerberheime gegeben. Eine Welle von rassistisch motivierten Anschlägen und Angriffen durchzog Deutschland und in der Nacht des 29. Mai 1993 zündeten vier Neonazis das Haus der türkischen Familie Genç an. Durch den Brand des dreigeschossigen Hauses starben die 27-jährige Gürsün Genç, die 18-jährige Hatice Genç, die 12-jährige Gülistan Öztürk, die 4-jährige Saime Genç und die 9-jährige Hülya Genç. Nach Ansicht des Juristen Mehmet Daimagüler, der im Münchner NSU-Prozess die Angehörigen zweier Opfer vertreten hatte, habe sich in „Deutschland im Umgang mit rassistischem Terror in den letzten 25 Jahren kaum etwas verändert.“ Im Andenken an die Opfer von rassistisch motiviertem Terror.

Zum Thema

– Solingen-Überlebende ruft zur Versöhnung auf – Mevlüde Genc: „Lasst uns zum Guten nach vorne schauen. Dem Hass muss Einhalt geboten werden.“

Gedenken an die Opfer des Brandanschlages von Solingen – Mevlüde Genc (75): „Lasst uns zum Guten nach vorne schauen. Dem Hass muss Einhalt geboten werden.“

Mevlüde Genc: „Lasst uns zum Guten nach vorne schauen. Dem Hass muss Einhalt geboten werden.“

Corona-Pandemie
Top-Virologe Kekulé: Weltweit keine Massenausbrüche unter Maskenträgern

Osnabrück – Top-Virologe Alexander Kekulé hat sich nach einer Buch-Pause mit Forderungen nach schärferen Anti-Corona-Maßnahmen bis zum Jahreswechsel in die Lockdown-Debatte eingeschaltet. „Beim nächsten Bund-Länder-Treffen am Mittwoch braucht es unbedingt neue Anti-Corona-Beschlüsse. Dazu sollte gehören, dass an allen weiterführenden Schulen die Klassen sofort geteilt werden und auf Wechselunterricht umgestellt wird“, sagte Kekulé im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Zweitens sollten die Weihnachtsferien bundesweit eine Woche vor dem 24. Dezember beginnen. Dadurch würde man auch die außerschulischen Kontakte deutlich reduzieren“, so der Virologe in der „NOZ“. Das könne einen wertvollen Puffer schaffen, um bis zum Jahreswechsel zurück in den grünen Bereich zu kommen. „Das große Problem ist nicht der Kontakt im Unterricht selbst, wenn die Schüler Masken tragen, sondern unkontrollierte Treffen nach Schulschluss. Dabei wird das Virus massiv verbreitet. Und das muss gestoppt werden!“ Anders als weiterführende Schulen sollten Kitas und Grundschulen „unter strengster Beobachtung durchgängig geöffnet bleiben“, betonte der Professor der Universität Halle-Wittenberg, dessen Buch „Corona-Kompass“ am Montag erscheint. Denn es sei in Studien „hinlänglich bewiesen“, dass „Kinder bis zehn, zwölf Jahren das Virus selbst bei einer Ansteckung kaum weitergeben“. Neben Wechselunterricht für weiterführende Schulen und einem Vorziehen der Ferien forderte Kekulé eine deutliche Ausweitung der Maskenpflicht. „Wo sich zwei Menschen verschiedener Haushalte in Innenräumen begegnen, müssen Mund und Nase bedeckt werden. Das heißt: Maskenpflicht im Büro, im Taxi, für Handwerker, die zu mehreren im Lieferwagen sitzen“, sagte der Virologe und Mikrobiologe. Zu denken sei auch an die Paketzusteller, die vor Weihnachten verstärkt unterwegs sein würden. „Auch für sie muss gelten: Maske auf im Treppenhaus.“ „Man kann es nicht oft genug sagen, aber es gibt weltweit keinen Massenausbruch unter Maskenträgern!“, begründete Kekulé seine Forderung. 80 Prozent der Infektionen gingen auf Mehrfachansteckungen zurück. „Das Unterbinden von Superspreading-Ereignissen ist absolut entscheidend.“ Die von Kanzlerin Angela Merkel geforderte Begrenzung der Familienkontakte auf einen anderen Haushalt beziehungsweise auf einen Spielkameraden lehnte der Wissenschaftler hingegen strikt ab. Das Konzept habe in Kanada nur für kurze Zeit funktioniert und dann für „enorme Verwerfungen“ gesorgt, sagte der Forscher. „Das Problem liegt auf der Hand: Bei Familien mit mehreren Kindern kommt es selbst bei nur einem Freund entweder zur Mischung verschiedener Blasen, oder alle anderen Familienmitglieder müssten sich isolieren“, sagte Kekulé und ergänzte: „Unsere Bundeskanzlerin ist seit Wochen eine der vernünftigsten Stimmen im Land, aber dieser Vorschlag ist nicht wirksam, nicht durchsetzbar und nicht notwendig.“ Eine besserer Alternative wäre es laut Kekulé, die Zahl der Menschen aus verschiedenen Haushalten, die sich weiterhin treffen dürfen, von zehn auf fünf zu halbieren. „Dafür würde ich plädieren. Viele Familien machen das ja schon jetzt, weil sie wissen, dass es vernünftig ist.“ Es gebe „überhaupt keinen Grund für Corona-Fatalismus!“, ergänzte der Forscher. Entscheidend werde sein, „dass an Weihnachten und Silvester Vernunft herrscht und katastrophale Massenausbrüche verhindert werden“. Wenn das gelinge, „bin ich überzeugt, dass wir im Januar auf eine Langzeitstrategie umschalten können, ja müssen, und das normale Leben zurückkehrt.“ Und das heiße: offene Restaurants, Theater und Fitnessclubs, „aber natürlich unter Auflagen. Dazu gehören Masken, Tests und eine elektronische Registrierung aller Teilnehmer, um bei Ausbrüchen sofort eingreifen zu können.“ Trotz der ersten Anträge auf eine Impfstoffzulassung werde es „mindestens bis Juni dauern“, bis breite Bevölkerungsteile geimpft sein werden und sich erste Effekte einer Herdenimmunität zeigen, sagte Kekulé. Die rasanten Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung seien zwar das ersehnte Licht am Ende des Tunnels. „Aber das muss uns Ansporn sein, Infektionen bis dahin umso entschlossener zu verhindern und nicht lockerzulassen. Es ist wie im Krieg: Am letzten Tag vor Kriegsende erschossen zu werden ist das Tragischste und Überflüssigste, was einem passieren kann“, so Kekulé. „Die Corona-Qualen haben absehbar ein Ende. Bis es endlich so weit ist, müssen wir uns umso konsequenter zusammenreißen.“

Aserbaidschan
Bergkarabach: Iranischer Scharfschütze zielt auf Alijew

Dschäbrajil – Ein mutmaßlicher Scharfschütze der IRGC, der iranischen Revolutionsgarde, veröffentlichte in den sozialen Medien provokante Zoom-Fotos des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew und seiner Frau Mehriban Alijewa bei ihrem Besuch der Brücken von Choda Afarin in der befreiten Zone Dschäbrajil in Bergkarabach. Medienberichten zufolge, handelt es sich bei dem Sniper um einen Grenzschützer der IRGC. Der von Alijew und seiner Frau besuchte Ort ist ein Grenzgebiet zwischen Bergkarabach und dem Iran. Aserbaidschaner kritisierten in den sozialen Medien die Veröffentlichung der Fotos, während Armenier sagten, der Scharfschütze hätte das Paar erschießen sollen. Weder Aserbaidschan noch der Iran haben sich bisher zu dem Vorfall geäußert. Die aserbaidschanische Armee befreite Ende Oktober das Stadtzentrum von Dschäbrajil und einige Dörfer. Am Montag begannen Alijew und seine Frau mit dem Besuch von Regionen, die vor kurzem von fast drei Jahrzehnten armenischer Besatzung befreit worden waren.

Corona-Pandemie
Kontraste: Aussicht auf Impfstoff beflügelt Verbraucher

Die Aussicht auf einen Corona-Impfstoff beflügelt die Stimmung der Deutschen – und das trotz des neuerlichen Teil-Lockdowns. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der SCHUFA, die dem ARD-Magazin Kontraste vorab vorliegt. Hierfür wurden 500 Verbraucher ab 18 Jahren befragt. 51 Prozent von ihnen gaben zwar an, eher sorgenvoll oder ängstlich in die Zukunft zu schauen – im September hatten sich aber mit 66 Prozent noch deutlich mehr Deutsche so pessimistisch geäußert. Die SCHUFA führt diese Entwicklung auf die Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff zurück: 83 Prozent der Verbraucher glauben, dass sich mit dem Impfstoff die wirtschaftliche Gesamtsituation verbessern wird. Fast jeder Zweite denkt das auch in Bezug auf seine persönliche wirtschaftliche Lage. Bei den jungen Erwachsenen ist der Stimmungswandel besonders deutlich: Blickten im September noch 68 Prozent der Jugendlichen sorgenvoll in die Zukunft, sind es jetzt nurmehr 39 Prozent.

Reform der Grundsicherung
NRW für Abmilderung von Sanktionen für Hartz IV-Empfänger

NRW und drei weitere Bundesländer unternehmen einen gemeinsamen Vorstoß zur Reform der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV). Dabei soll „die Leistung und Lebensleistung“ der Arbeitsuchenden stärker als bisher berücksichtigt werden, heißt es in einem Eckpunktepapier der Arbeitsminister aus NRW, Bayern, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Das Papier liegt der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vor. Die Strafen für Hartz IV-Empfänger, die sich nicht an die Vorgaben der Jobcenter halten, sollen demnach zwar abgemildert, aber nicht komplett gestrichen werden. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2019 die möglichen Sanktionen gegen Hartz IV-Empfänger eingeschränkt und die bei Pflichtverletzungen drohenden Leistungskürzungen für teilweise verfassungswidrig erklärt. Die vier Länderminister bemühen sich nun um eine „verfassungssichere Lösung“: Die Leistungen des Hartz IV-Regelsatzes sollen „künftig nicht um mehr als 30 Prozent gemindert“ werden. Zusätzlich ist eine Härtefallprüfung vorgesehen. Grundsätzlich möchten die Minister aber an den Sanktionen festhalten und Menschen, die eine „zumutbare Arbeit beharrlich ablehnen“, sogar härter bestrafen – bis hin zum vollständigen Wegfall von Leistungen. Die vier Länder sind sich darin einig, dass sich das Prinzip „Fordern und Fördern“ bei der Grundsicherung bewährt habe. Sie schlagen allerdings mehr „positive Anreize“ vor, um die Akzeptanz von Hartz IV in der Bevölkerung zu verbessern. Angedacht sind: – Ein höherer Vermögens-Grundfreibetrag. „Anerkennung der Lebensleistung bedeutet für mich auch, dass die Menschen nicht jeden selbst verdienten Groschen, den sie über die Jahre abgezwackt haben, aufbrauchen müssen, bevor sie Anspruch auf staatliche Hilfe bekommen“, sagte NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) der WAZ. – Die Einkommens-Freibeträge für Erwerbsaufstocker sollen erhöht werden. Davon könnten Menschen profitieren, die arbeiten und dennoch zusätzlich auf Grundsicherung angewiesen sind. Sie sollen dadurch Anreize erhalten, mehr zu arbeiten. – Eigentümer von Immobilien, die ihre Arbeit verlieren, sollen besser als bisher davor geschützt werden, ihr Eigentum verkaufen zu müssen, um von diesem Geld ihren den Lebensunterhalt zu bestreiten.

"Krieg gegen Kinder"
426 Millionen Kinder wachsen in bewaffneten Konflikten auf

Weltweit wachsen rund 426 Millionen Kinder in bewaffneten Konflikten auf, täglich werden 25 Kinder durch Waffengewalt getötet oder verstümmelt: Das geht aus dem neuen Bericht „Krieg gegen Kinder“ hervor, den Save the Children zum Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November veröffentlicht. Die gefährlichsten Staaten für Kinder waren 2019 Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Irak, Jemen, Mali, Nigeria, Somalia, Sudan, Südsudan, Syrien und die Zentralafrikanische Republik. „Hinter den nackten Zahlen verbergen sich schreckliche Kinderschicksale. Viele sind Opfer von Menschen, die internationale Regeln missachten und von Regierungen, die ein Auge zudrücken. Der Krieg gegen Kinder muss gestoppt werden – Mädchen und Jungen müssen in Sicherheit und Frieden aufwachsen können“, fordert Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland. Seit dem Jahr 2010 wurden insgesamt 93.236 Kinder weltweit getötet oder verstümmelt, das entspricht einer durchschnittlichen Zahl von 25 Kindern pro Tag. Im Jahr 2019 waren es 10.300 Kinder. Mehr als ein Drittel von ihnen wurde Opfer von Explosivwaffen. In Afghanistan, Irak und Syrien war der Anteil deutlich höher. Die Zahl der Kinder, die in Konfliktgebieten leben, stieg von 415 Millionen im Jahr 2018 auf 426 Millionen an. Das ist fast jedes fünfte Kind. 160 Millionen wuchsen zudem in Gebieten mit hoher Konfliktintensität auf. Sogar inmitten der Corona-Pandemie setzen Konfliktparteien ihre Angriffe fort. Der UN-Generalsekretär hatte im März zu einer weltweiten Waffenruhe aufgerufen, unterstützt wurde der Aufruf von 170 Staaten. Dennoch wurden seitdem mindestens 177 Kinder im Jemen getötet oder verstümmelt, dutzende weitere in Afghanistan, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie der Bericht weiter hervorhebt, stieg 2019 die Zahl der von der UNO verifizierten Verbrechen an Kindern auf ein Rekordhoch von 26.233. Die Dunkelziffer dürfte aber noch deutlich höher liegen – vor allem für sexuelle Gewalt. Insgesamt wurden seit 2005 mehr als 250.000 Verbrechen an Kindern verzeichnet. Sechs schwere Verbrechen definiert die UNO: Tötung und Verstümmelung von Kindern, Rekrutierung von Kindern und deren Einsatz durch Streitkräfte und bewaffnete Gruppen, Entführungen, Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser, die Verweigerung des Zugangs zu humanitärer Hilfe, Vergewaltigungen oder andere sexuelle Gewalt gegen Kinder. „Dieses Wochenende treffen sich die Reichsten und Mächtigsten der Welt zum G-20-Gipfel in Saudi-Arabien – während im benachbarten Jemen Millionen von Kindern nicht wissen, woher sie ihre nächste Mahlzeit bekommen sollen und ob sie den nächsten Luftangriff oder Artilleriebeschuss überleben werden“, sagt Susanna Krüger. „Die Regierenden können ihren Einfluss und ihre Stimme nutzen, um diesen Krieg gegen Kinder zu stoppen.“ Der Bericht stellt außerdem fest:
  • Mehr als 3 Millionen Kinder lebten 2019 in einem Gebiet, in dem seit 18 Jahren oder länger Gewalt herrscht.
  • Die Zahl der von bewaffneten Gruppen rekrutierten Kinder stieg um 639 auf 7.855. Allein in der Demokratischen Republik Kongo wurden im Jahr 2019 mehr als 3.100 Kindersoldaten rekrutiert.
  • In 4.402 Fällen wurde Kindern der Zugang zu humanitärer Hilfe verwehrt – sechsmal häufiger als 2018.
Dem Einsatz von sogenannten Explosivwaffen ist in dem Bericht ein Schwerpunkt gewidmet. Save the Children fordert die Staatengemeinschaft auf, den Einsatz und den Handel mit diesen Waffen einzuschränken und Verletzungen internationaler Vereinbarungen zu bestrafen. Die Kinderrechtsorganisation fordert die Regierungen auf, eine politische Erklärung unter Federführung Irlands zu unterstützen, die verlangt, gegen die Verwendung von Explosivwaffen in besiedelten Gebieten vorzugehen. Darüber hinaus fordert Save the Children, dass Kinderschutzprogramme in der humanitären Hilfe kontinuierlich und verstärkt gefördert werden, inklusive psychologischer Unterstützung für Kinder und ihre Familien.

Auch interessant

– Terrorismus – Düsseldorf: Jesiden fordern von PKK Freilassung verschleppter Kinder

Während die auch in Deutschland als Terrororganisation eingestufte PKK in großen Teilen der hiesigen Medien und bei Politikern eine gewisse Sympathie genießt, bleiben die Hilferufe verschiedener Minderheiten aus den Regionen im Norden Syriens und des Irak in Deutschland weitgehend ungehört.

Düsseldorf: Jesiden fordern von PKK Freilassung verschleppter Kinder

Corona-Krise
Europa: Alle 17 Sekunden stirbt ein Mensch an Corona

Genf – Europa ist wieder einmal das Epizentrum der Covid-19-Pandemie. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag warnte, stirbt in Europa alle 17 Sekunden ein Mensch an Corona. Hans Kluge, der WHO-Regionaldirektor für Europa, überbrachte die ernüchternde Botschaft bei einem Briefing am Donnerstag. „Europa ist für 28 Prozent der weltweiten Fälle und 26 Prozent der Todesfälle in der Region insgesamt verantwortlich“, sagte er in der Informationsveranstaltung. „Letzte Woche wurden in Europa über 29.000 neue Todesfälle bei Covid-19 registriert. Das ist eine Person, die alle 17 Sekunden stirbt“. In der letzten Woche sei die Zahl der Todesfälle um 18 Prozent gestiegen, so Kluge. Es gibt jedoch einige vielversprechende Anzeichen dafür, dass die Maßnahmen, die Regierungen ergriffen haben, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, Wirkung zeigen. Die Zahl der wöchentlichen Coronavirus-Fälle in Europa ging in der vergangenen Woche zum ersten Mal seit drei Monaten zurück. Die wöchentlichen Neuinfektionen gingen um 10 Prozent auf 1,8 Millionen zurück. Dr. Kluge deutete an, dass die strikten Sperrmaßnahmen, die in einer Reihe von europäischen Ländern, darunter Großbritannien, Frankreich und Spanien, wieder eingeführt wurden, Wirkung zeigen. Er warnte die Länder jedoch davor, politische Vorteile über das Leben zu stellen, indem sie die Beschränkungen zu früh aufheben. „Zu oft haben wir die negativen Auswirkungen einer zu raschen Lockerung gesehen“, sagte er. Selbst wenn die Fälle zurückgehen, ist das Bild in ganz Europa immer noch düster, sagte der WHO-Regionalchef bei der Informationsveranstaltung. „Es mehren sich die Signale im Zusammenhang mit den überlasteten Gesundheitssystemen mit Berichten, dass z. B. in Frankreich die Intensivstationen seit 10 Tagen zu über 95 Prozent ausgelastet sind“, warnte Dr. Kluge. „Inzwischen sind über 15,7 Millionen Covid-19-Fälle und fast 355.000 Todesfälle an die WHO gemeldet worden, wobei allein im November in der Europäischen Region der WHO über 4 Millionen Fälle mehr gemeldet wurden“, sagte er. In einer Botschaft der Hoffnung betonte Dr. Kluge, dass es Licht am Ende des Tunnels gibt. „Wir haben die Mittel, um das Virus zu bekämpfen, nicht die Menschen“, sagte er. Günstige Interventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, wie das Tragen von Masken, Handhygiene und Maßnahmen zur sozialen Distanzierung, funktionieren nach wie vor und sollten auch weiterhin durchgesetzt werden, bis ein Impfstoff und bessere Therapeutika zur Verfügung stehen.      

Serbien
Vučić: Ärzte kämpfen um das Leben des Patriarchen

Belgrad – Der serbische Präsident, Aleksandar Vučić, sagte am Donnerstag, dass der Gesundheitszustand des Patriarchen Irinej kritisch sei und dass die Ärzte um sein Leben kämpften. „Er war in einem besseren Zustand, als die Medien berichteten, dass er verstorben sei. Er wurde vor 55 Minuten intubiert“, sagte er gegenüber Reportern. Irinej befinde sich in einem schwierigen Zustand. Vučić fügte hinzu, dass es schwierig sei, irgendetwas vorherzusagen, außer „für seine Gesundheit zu beten“. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche gab heute Morgen auf ihrer Website bekannt, dass sich der Zustand des Patriarchen aufgrund der Coronavirus-Infektion verschlechtert habe. Er sei ins Militärkrankenhaus von Karaburma eingeliefert worden. Neben serbischen Ärzten kümmern sich auch russische medizinische Experten um seine Gesundheit, wie auf der Website der Kirche veröffentlicht wurde. „Am 19. November 2020 hat sich der allgemeine Gesundheitszustand Seiner Heiligkeit Irinej, des serbischen Patriarchen, als Folge des COVID-19 verschlechtert. Das ständige Team medizinischer Experten überwacht zusammen mit den Ärzten aus der Russischen Föderation den allgemeinen Zustand und den klinischen Zustand Seiner Heiligkeit des serbischen Patriarchen Irinej. Die Öffentlichkeit soll weiter über den Gesundheitszustand Seiner Heiligkeit informiert werden“, heißt es auf der Website der Kirche weiter. „Bezüglich der falschen Nachrichten über den angeblichen Tod Seiner Heiligkeit des serbischen Patriarchen Irinej teilen wir der Öffentlichkeit mit, dass laut dem offiziellen Bericht des Rates der Ärzte, die sich um die Gesundheit des Oberhauptes unserer Kirche kümmern, sein Zustand gegenüber dem Bericht, den wir heute Morgen veröffentlicht haben, unverändert ist. Eine solche unmoralische Berichterstattung und absichtliche Täuschung der gesamten Öffentlichkeit, sogar von bestimmten kirchlichen Würdenträgern sowie einigen Medien, denen man bis zu einem gewissen Grad trauen kann, ist unmoralisch“, erklärte die serbisch-orthodoxe Kirche. Alle weiteren Informationen über seinen Gesundheitszustand werden von der serbisch-orthodoxen Kirche nach Rücksprache mit den Ärzten, die den Patriarchen behandeln, veröffentlicht, hieß es weiter. Unterdessen ist auch das Oberhaupt der orthodoxen Kirche Griechenlands, Erzbischof Hieronymos II. (82), mit einer Corona-Infektion in ein Athener Krankenhaus gebracht worden. Er habe bislang nur leichtes Fieber, berichten griechische Medien am Donnerstag. Hieronymos II. forderte die Menschen auf, die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten, berichtet Kathpress.

„Grauen Wölfe“
ATIB: „Deutschland ist nun Vaterland“

Nach dem der Bundestag einer Prüfung eines möglichen Verbots von türkischen Vereinen zugestimmt hat, regt sich besonders bei einem Verband Widerstand: Der Vorsitzende der „Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa“, kurz ATİB, weist die Unterstellungen gegen seinen Verband entschieden zurück. ATİB habe sich schon vor Jahrzehnten von der „Graue Wölfe-Bewegung“ losgesagt. Der 1987 gegründete Verein stehe für ein friedliches Zusammenleben und achte die Werte des Grundgesetzes. In einem gemeinsamen Antrag mit dem Titel „Nationalismus und Rassismus die Stirn bieten – Einfluss der „Graue Wölfe-Bewegung“ zurückdrängen“ haben die Fraktionen der CDU/CSU, der SPD, der FDP und der Grünen die Bundesregierung aufgefordert, ein Verbot der sogenannten „Grauen Wölfe“ zu prüfen. Der Vorschlag wurde in einer halbstündigen Debatte gegen die Stimmen der AfD-Fraktion angenommen. Die Anträge der AfD sowie der Linkspartei, die beide ein Verbot forderten, wurden dagegen abgelehnt. Den Antrag der AfD lehnten alle übrigen Fraktionen ab. Dem Antrag der Linken stimmten nur die Grünen zu, die übrigen Fraktionen votierten dagegen. Den Mitgliedern der „Grauen Wölfe“ wird vorgeworfen, einer nationalistischen und rassistischen Ideologie anzuhängen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beziffert die Zahl der Anhänger in Deutschland auf etwa 11.000. Die Behörden sehen bei den Sympathisanten eine Gefährdung der inneren Sicherheit. Ein mögliches Verbot soll „geprüft“ werden In dem Antrag wird die Bundesregierung aufgefordert: „1. gemeinsam mit unseren europäischen und internationalen Partnern alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um den Einfluss der „Ülkücu“-Bewegung in Europa zurückdrängen; 2. die Aktivitäten der Ülkücü-Bewegung insbesondere in Deutschland fortlaufend genau zu beobachten und ihnen mit den Mitteln unseres Rechtsstaates entschlossen entgegenzuwirken; 3. gegen die Vereine der Ülkücü-Bewegung Organisationsverbote zu prüfen, um jeder sich gegen die Werte unseres Grundgesetzes, den Gedanken der Menschenwürde und der Völkerverständigung richtenden Aktivität rechtsstaatlich konsequent entgegenzutreten; 4. Programme über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und die Bundeszentrale für politische Bildung sowie Informationsmaterial des Bundesamtes für Verfassungsschutz im Rahmen der bestehenden Finanzierung aufzulegen bzw. zu verstetigen, um Öffentlichkeit, Vereine, Verbände und Institutionen über die Ziele und Methoden der Bewegung im Sinne der Demokratiebildung aufzuklären; 5. alle gesetzlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um der regen Agitation der Ülkücü-Bewegung im Internet rechtsstaatlich und konsequent entgegenzutreten; 6. Solidarität mit von den Grauen Wölfen verfolgten Personen und Gruppen in Deutschland, Europa und der Türkei zu zeigen und diese best-möglich zu unterstützen.“ Bereits wenige Tage zuvor wurden die sogenannten „Grauen Wölfe“ in Frankreich und den Niederlanden verboten. In Österreich dagegen wurde schon im Februar dieses Jahres ein Verbot der Symbole der Bewegung beschlossen. ATIB-Vorsitzender weist Vorwürfe entschieden zurück: „Wir stellen uns gegen jede Art von Rassismus, Diskriminierung und Terror“ Die „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa“ (ATİB), die in dem Antrag erwähnt wird und erstmals auch im diesjährigen Verfassungsschutzbericht auftaucht, bestreitet allerdings vehement, der Bewegung der „Grauen Wölfen“ anzugehören. ATİB, die 1987 gegründet wurde, hatte sich von einem weiteren Verband, der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“ (ADÜTDF), die ebenfalls in dem Antrag Erwähnung findet, bereits frühzeitig gelöst. Verbandsvorsitzender Durmuş Yıldırım wies in einem Gespräch mit der Zeitschrift „Perspektif“ darauf hin, dass ATİB in keinerlei Extremismus verwickelt sei. Seit der Gründung der religiösen und kulturellen Vereinigung sei ATİB an keiner einzigen Gewalttat involviert gewesen und habe stets das Zusammenleben sowie die verfassungsmäßigen Werte in Deutschland verteidigt. „Wir stellen uns gegen jede Art von Rassismus, Diskriminierung und Terror. Ganz gleich aus welcher Richtung diese kommen.“ Der Vorsitzende sagte außerdem, dass der Verband die gegen sie gerichteten Beschuldigungen im Antrag des Bundestages ablehne. „Wir werden gegen diese Verleumdungen, die wir auf keinen Fall akzeptieren und billigen, vorgehen.“ Darüber hinaus sagte Yıldırım, dass die ATİB nach wie vor bereit stehe, die Vorwürfe von einer unabhängigen, wissenschaftlichen Kommission untersuchen zu lassen: „Wir sind ein transparenter und offener Verband“, so Yıldırım. Gegen den Verbotsantrag werde der Dachverband die bereits angetretenen juristischen Schritte fortsetzen und sei zudem mit verschiedenen Wissenschaftlern in Kontakt. Çelebi: „Unsere Werte und religiösen Überzeugungen lehren uns Loyalität gegenüber Deutschland“ Schon im September hatte sich der Ehrenvorsitzende der ATİB, Musa Serdar Çelebi, in einem offenen Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gewandt. Darin unterstreicht der ehemalige Vorstandsvorsitzende die Heterogenität des Verbandes und weist auf die Integrationserfolge hin. Çelebi:
„Auch Menschen verschiedener ethnischer Zugehörigkeit, u.a. Kurdische Mitglieder, und unterschiedlicher politischer Anschauungen partizipieren friedlich an der Vereinsagenda. Mit Verbänden verschiedener religiöser Ausrichtung, wie z.B. den Alevitisch/Bektaschi, führt sie freundschaftliche Beziehungen, die in der Organisation gemeinsamer Veranstaltungen und/oder Rituelle Ausdruck findet und damit bestärkt wird.“
Aufgrund der ausdrücklichen überparteiischen und gemäßigten Position des Verbandes, so Çelebi weiter, sei ATİB sowohl bei deutschen als auch nichtdeutschen Gesprächspartnern ein gern gesehener Kooperations- und Dialogverbündeter. „Deutschland ist nun Vaterland.“ Die Werte und religiösen Überzeugungen lehrten die Mitglieder der ATİB Loyalität gegenüber dem Staate, „dass wir freiwillig aufsuchten und in dem wir in Frieden leben“. Der offene Brief im Wortlaut: Offener Brief des ATIB Ehrenvorsitzenden Musa Serdar Çelebi an den Deutschen Innenminister Horst Seehofer Kriftel, den 9. September 2020 Sehr geehrter Herr Horst Seehofer, Aufgrund der Aufführungen des Bundesamtes für Verfassungsschutz im Jahresbericht 2019 hinsichtlich der Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V. (ATIB), sehe ich mich als ehemaliger Vorstandsvorsitzender dazu verpflichtet, diesbezüglich Stellung zu nehmen. ​Die ATIB wurde 1987 von den Vereinen gegründet, die sich zuvor von der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealisten Vereine in Deutschland e.V.“ (ADUTDF) abgespaltet hatten. Die Gesamtheit der im Nachhinein eingeleiteten Initiativen und Arbeiten der ATIB orientieren sich ausnahmslos an ihrem Gründungszweck und ihren Grundprinzipien der friedlichen Koexistenz und proaktiven Bildungs- und Integrationsförderung der Türkischen Bevölkerung zur aktiven Teilhabe am und der Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens in der Bundesrepublik Deutschland, bei gleichzeitiger Bewahrung der religiösen und kulturellen Andersartigkeit. Von diesen Grundlagen hat sich ATIB zu keinem Zeitpunkt abgewandt. Zum Zwecke der Selbstbestimmung bezüglich dem oben genannten besonderen Augenmerk ihrer gesellschaftspolitischen Tätigkeit, hat sich ATIB als Verband zum einen von jeder parteilichen Zugehörigkeit losgemacht und jede organische Verbindung danach vermieden. Zum anderen hat ATIB den Rechtsextremismus samt ihrer gesellschaftlichen Zentrifugaltendenz und die daraus entspringende Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung bei jeder Gelegenheit wörtlich, schriftlich sowie tatsächlich vehement abgelehnt und ihn proaktiv aus Ihren Kreisen abzuwehren gekonnt. Dies gilt für jedes Gedankengut, das die territoriale und gesellschaftliche Integrität bedroht. Nicht zuletzt deshalb wird ATIB nicht nur von der hiesigen Türkischen Bevölkerung respektiert. Auch Menschen verschiedener ethnischer Zugehörigkeit, u.a. Kurdische Mitglieder, und unterschiedlicher politischer Anschauungen partizipieren friedlich an den Vereinsagenda. Mit Verbänden verschiedener religiöser Ausrichtung, wie z.B. den Alevitisch/Bektaschi, führt sie freundschaftliche Beziehungen, die in der Organisation gemeinsamer Veranstaltungen und/oder Rituelle Ausdruck findet und damit bestärkt wird. Aufgrund der ausdrücklichen überparteiischen und gemäßigten Disposition des Verbandes in der Zivilgesellschaft, ersuchen Deutsche Gemeindeführungen bei kulturellen Veranstaltungen und/oder Projekten bevorzugt die Zusammenarbeit mit den entsprechenden ATIB-Ortsvereinen, wenn sie denn nicht bereits schon als Gemeindepartnerverein agieren. Natürlich kann die persönliche Bindung zu Mutterland Türkei nicht abgestritten werden. Dort befinden sich die Wurzeln der Menschen, die damals unter dem Joch der instabilen sicherheitspolitischen Lage, Freiheit von jeglichem Missstand suchend Zuflucht in der jungen Demokratie Deutschland fanden. In einem vollkommen neuen affirmativen Kontext konnten folgende Generationen nach der Freiheit zur gleichberechtigten Selbstbestimmung und gleichgestellten Teilhabe an der Gesellschaft streben. ATIB hat sich das Letztere im Rahmen von Recht und Ordnung zur Aufgabe gemacht und ist in der Vermittlerposition dabei selbst in jeder Hinsicht evolviert bzw. progressiert. Deutschland ist nun Vaterland. Nicht nur lehren uns die Werte sowie religiöse Überzeugung, die uns innewohnen, Loyalität gegenüber dem Staate, dass wir freiwillig aufsuchten und in dem wir in Frieden leben. Aktiv involviert sind insbesondere die späteren Generationen, die bei oder nach der Gründung der ATIB in Deutschland zur Welt kamen, nun als Berufsausgebildete bzw. Hochschulabsolventen, als Arbeitnehmer oder sogar als Arbeitgeber, vor allem aber als Bürger dieses Landes und ihrer Rechte und ihren Pflichten bewusst mit beiden Beinen im Leben stehen. Etwas Wesentliches ist dazu parallel geschehen: aus der Kausalität der wechselseitigen Wandlungs- und Wirkungsprozesse zwischen der hiesigen Türkischen Bevölkerung und der ATIB, gingen unvermeidlicher Weise dynamische innere Vorantriebs- und Autokontrollmechanismen hervor, die es dem Verband heute nahezu unmöglich machen, einen riesen Schritt zurück in der Entwicklung in Richtung engstirnigem oder extremem Interessenausgleich zu tun. Dennoch muss unterstrichen werden, dass der ideelle bzw. ideologische Hintergrund zu keiner Zeit friedensbedrohend war, zumal dieser in den 33 Jahren wenigstens einmal in Gewalt hätte umschlagen müssen. Umso frustrierender und bedauernswerter ist die degradierende und wahrheitsferne Kategorisierung der ATIB im Bericht unter „Sicherheitsgefährdende und Extremistische Bestrebungen von Ausländern“, die die jahrzehnte-lange Arbeit im Sinne allumfassender, inklusiver, freiheitlicher, gleichheitlicher, gerechter, vielfältiger demokratischer Strukturen negiert und eben die Dynamiken und Netzwerke nährt, die er einzudämmen versucht. Dazu gehören inländische oder ausländische populistische und extremistische Gruppen und Ihr Stereotypdenken. Somit birgt der Bericht die immense Gefahr der Selbstbewahrheitung, indem es vor allem die junge Generation der Deutschen Türken im allgemeinen in ihrem, in dem heutzutage extrem polarisierten Kontext ohnehin sehr schweren konstruktiven Einsatz entmutigt und sie zugunsten eben der extremen Randgruppierungen schwächt. Auf welchen legitimen Beweisen und verallgemeinerbaren Beobachtungen der Verfassungsschutzbericht 2019 beruht, ist für die ATIB-Familie sowie für mich als Gründer und langjähriger Vorsitzender daher nicht nachvollziehbar. Für uns ist der Bericht fern von ‚Wissen und Aufklärung‘. Als ATIB sind wir aber zu jedem Zeitpunkt zur aktiven Zusammenarbeit gegen alle unfreiheitlichen Bestreben durch z.B. bewusstseinsbildende Maßnahmen jeglicher Art bereit. Hiermit müssen wir die Schwärzung unseres Verbandes nocheinmal vehement ablehnen und bitten daher dringend um Richtigstellung. Hochachtungsvoll, ​Musa Serdar Çelebi