Energiepolitik
Die globale Energiewende: Das Comeback der Kernenergie

Von  Serge Nussbaumer

Die globale Energiewende tritt in eine neue Phase ein. Jahrzehntelang galt die Kernenergie als Auslaufmodell: Sie war zu teuer, zu riskant und politisch unerwünscht.

Doch mit der zunehmenden Elektrifizierung und dem wachsenden Energiehunger durch Digitalisierung, Elektromobilität und Industrieproduktion wird deutlich: Wind und Sonne allein können keine stabile, CO₂-arme Stromversorgung garantieren. Die derzeitigen Speicherlösungen reichen nicht aus und fossile Energieträger verlieren klimapolitisch weiter an Legitimation.

In diesem Spannungsfeld erlebt die Kernenergie ein Comeback. Weltweit planen über 20 Staaten den Neubau oder die Reaktivierung von Reaktoren. Besonders gefragt sind Small Modular Reactors (SMRs): kompakte, standardisierte Anlagen, die sicherer sind und geringere Baukosten haben.

Länder wie Frankreich, Kanada, Polen und Südkorea setzen auf diesen Technologiesprung, während die USA milliardenschwere Förderprogramme für nukleare Innovationen auflegen. Auch in Europa formiert sich eine pragmatischere Haltung, und selbst in Deutschland werden die Stimmen lauter, die eine Neubewertung fordern.

Der technische Fortschritt und der geopolitische Druck hinsichtlich der Energieunabhängigkeit treiben zugleich den Uranmarkt. Die Preise für das Spaltmaterial haben sich seit 2020 mehr als verdoppelt.

Produzenten wie Cameco (Kanada) oder Kazatomprom (Kasachstan) profitieren davon, während Explorationsunternehmen in Australien, Namibia und Kanada neue Projekte anstoßen. Für Investoren trägt Uran wieder Züge eines strategischen Rohstoffs.

Ob Kernenergie tatsächlich das Rückgrat einer klimaneutralen Zukunft sein wird, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar, ohne sie wird die Energiewende schwieriger, teurer und riskanter. Die Frage, ob die nächste Phase der Transformation technisch geführt oder politisch blockiert wird, bewegt sich zwischen Ideologie und Realismus.


Serge Nussbaumer, Head of Public Solutions bei Maverix Securities    

ZUM THEMA

– Energiepolitik – Türkei plant Kauf von US-Atomreaktoren

Die türkische Regierung führt Gespräche mit den USA über den Kauf kleinerer Kernreaktoren, da das Land sich schrittweise von Kohle als Energielieferant abwenden will.

„Es besteht ein ernsthaftes Interesse an der Kernenergie als Ersatz für Kohlekraftwerke“, sagte Justin Friedman, leitender Berater für kommerzielle Wettbewerbsfähigkeit in der Kernenergie im US-Außenministerium, am Dienstag in einem Interview mit Bloomberg in Ankara. Friedman sagte, dass bis zu 35 kleine modulare Reaktoren (SMR) gekauft werden könnten, und verwies auf die türkischen Bestrebungen, bis 2050 eine Stromerzeugungskapazität von 20 Gigawatt aus Kernkraft zu erreichen.
Türkei plant Kauf von US-Atomreaktoren

Ms Rachel
Zionismus: Todesdrohungen gegen Youtuberin Rachel Griffin Accurso

New Yok – In einer erschreckenden Eskalation von Online-Belästigungen hat die beliebte Pädagogin und Youtuberin Rachel Griffin Accurso, weithin bekannt als Ms. Rachel, bekannt gegeben, dass sie sich gezwungen sah, private Sicherheitskräfte für ihre Familie anzuheuern, nachdem sie einer Flut von Morddrohungen und Einschüchterungsversuchen durch eine pro-israelische Interessengruppe ausgesetzt war. Die 39-jährige Pädagogin, deren sanfte Lieder und interaktive Videos Millionen von kleinen Kindern weltweit begeistern, berichtete am Donnerstag in einer emotionalen Instagram-Erklärung von ihren Qualen und hob dabei die tiefgreifenden Auswirkungen auf ihr Privatleben und ihre beiden kleinen Söhne hervor. „Ich hätte nie gedacht, dass meine Stimme für die Kinder dieser Welt zu so etwas führen würde“, schrieb Accurso in ihrem Beitrag, begleitet von einem Foto, auf dem sie eines ihrer Kinder im Arm hält. „Wir haben Drohbriefe, Anrufe und Nachrichten erhalten, die uns um unsere Sicherheit fürchten lassen. Mein Sohn hat zufällig mitbekommen, wie wir darüber gesprochen haben, und hat die ganze Nacht geweint und meine Hand festgehalten, weil er Angst hatte, dass mir etwas zustoßen könnte.“ Auslöser für die Drohungen war Accursos lautstarke Fürsprache für palästinensische Kinder während der anhaltenden Militäroperationen Israels im Gazastreifen. In den letzten Monaten nutzte sie ihre Plattform – mit über 10 Millionen YouTube-Abonnenten und Milliarden von Aufrufen –, um auf die humanitäre Krise aufmerksam zu machen, unter anderem durch Gebete für die Kinder im Gazastreifen und Spendenaktionen für Hilfsorganisationen. In einem ergreifenden Video rezitierte sie unter Tränen ein Gebet: „Bitte hört auf, ihnen wehzutun“, in Anspielung auf den gemeldeten Tod Tausender palästinensischer Kinder. Diese Bekundungen von Mitgefühl, betont sie, entspringen ihrem Engagement, ihrem jungen Publikum Inklusivität und Anti-Hass-Prinzipien zu vermitteln, und nicht etwa politischen Motiven.
Wer ist Ms. Rachel?
Rachel Griffin Accurso eroberte während der COVID-19-Pandemie mit ihrem YouTube-Kanal „Songs for Littles“ die digitale Szene. Dort spielt sie die Rolle von Ms. Rachel – einer fröhlichen Lehrerin, die Gebärdensprache verwendet und Babys und Kleinkindern durch rhythmische Lieder, Puppenspiel und spielerisches Lernen dabei hilft, Sprachkenntnisse aufzubauen. Als ehemalige Vorschullehrerin mit einem Master-Abschluss in Musikpädagogik der Vanderbilt University legt Accurso in ihren Inhalten den Schwerpunkt auf Emotionsregulation, Vielfalt und Freundlichkeit, was bei erschöpften Eltern weltweit großen Anklang findet. Ihr Kanal ist zu einem globalen Phänomen geworden und hat ihr Auftritte in Shows wie Sesame Street und Partnerschaften mit großen Marken eingebracht. Accurso, die mit einem Musikerkollegen verheiratet ist und zwei Söhne hat (von denen einer sie zu ihrer Ausrichtung auf Kleinkinder inspirierte), positioniert sich seit langem als neutrale, kindzentrierte Persönlichkeit. „In meiner Arbeit geht es darum, jedem Kind eine Stimme zu geben, egal woher es kommt“, sagte sie 2023 in einem Interview mit dem Magazin Parents.
Die Gegenreaktion: Von Empathie zu Vorwürfen des  Antisemitismus
Accursos Probleme begannen letzten Monat, als die pro-israelische Überwachungsgruppe StopAntisemitism sie für ihre jährliche Auszeichnung „Antisemit des Jahres“ nominierte. In der Nominierung wurde ihr vorgeworfen, „Hamas-nahe Propaganda” zu verbreiten, indem sie die Notlage palästinensischer Familien hervorhob und Israels Bombardierung des Gazastreifens kritisierte, die laut den Gesundheitsbehörden in Gaza zu über 40.000 Todesfällen geführt hat, darunter eine unverhältnismäßig hohe Zahl von Kindern. Die Direktorin von StopAntisemitism, Liora Rez, eskalierte die Kampagne, indem sie einen Brief an die US-Generalstaatsanwältin Pam Bondi schrieb und eine Untersuchung durch die Bundesbehörden forderte, um zu klären, ob Accurso von der Hamas „bezahlt” wurde und damit gegen das Gesetz zur Registrierung ausländischer Agenten (FARA) verstieß. Kritiker der Gruppe, darunter auch Accurso, argumentieren, dass solche Etikettierungen Vorwürfe des Antisemitismus als Waffe einsetzen, um abweichende Meinungen zu Israels Politik zum Schweigen zu bringen – eine Taktik, die von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International als eine Form der „Verleumdungskampagne“ gegen pro-palästinensische Stimmen verurteilt wird. Accurso, die jüdische Familienmitglieder hat, betonte in ihrer Erklärung, dass ihre Unterstützung für Gaza nicht antijüdisch, sondern pro-menschlich sei:
„Ich habe so viel Mitgefühl für eine israelische Mutter, die darauf wartet, dass ihr Kind nach Hause kommt, und ich habe so viel Mitgefühl für die Menschen in Gaza, die ihre Familien verlieren.”
Die Bemühungen der Gruppe gingen über Nominierungen hinaus: Sie überschütteten die Medien mit unbegründeten Behauptungen und setzten Accursos Geschäftspartner unter Druck, ihre Beziehungen zu ihr abzubrechen. Medien wie die New York Post verstärkten diese Darstellung und veröffentlichten Artikel, in denen sie ihre Motive trotz fehlender Beweise in Frage stellten. Accurso beschrieb die Folgen als verheerend: „Sie haben versucht, unser Leben zu ruinieren, unsere Partner dazu zu bringen, uns fallen zu lassen, und uns ohne Beweise schwerer Verbrechen zu beschuldigen.“ Eine Welle der Unterstützung Accursos Enthüllung hat eine heftige Gegenreaktion gegen StopAntisemitism ausgelöst, wobei sich Social-Media-Nutzer, andere Kreative und Aktivisten zu ihrer Verteidigung zusammengeschlossen haben. Hashtags wie #StandWithMsRachel und #ProtectTheChildren waren auf X (ehemals Twitter) und Instagram im Trend und erzielten Millionen von Aufrufen. Prominente Stimmen, darunter die Schauspielerin Alyssa Milano und die Autorin Roxane Gay, verurteilten die Drohungen als „als Aktivismus getarntes Mobbing“. Eltern überschütteten die Kommentarbereiche mit Dankesbotschaften und erzählten, wie Rachels Videos ihnen in schwierigen Zeiten Trost gespendet hatten. „Sie lehrt unsere Kinder, in einer Welt, die alles andere als freundlich ist, freundlich zu sein”, schrieb eine Mutter. Die Spendenaktionen für Gaza, die Accurso aufgrund der Kritik vorübergehend ausgesetzt hatte, erlebten einen Aufschwung, da Fans in ihrem Namen spendeten. StopAntisemitism hat auf Anfragen nach einer Stellungnahme zu den Sicherheitsbedrohungen nicht reagiert, aber in einer Erklärung auf seiner Website verteidigte die Gruppe ihre Mission als „Aufdeckung von Antisemitismus in all seinen Formen“. Accurso verspricht unterdessen, ihre Arbeit unbeirrt fortzusetzen. „Ich werde weiterhin für die stimmlosen Kinder sprechen, denn das ist die Aufgabe einer Lehrerin“, schloss sie ihren Beitrag. Da die Grenzen zwischen Online-Engagement und realen Gefahren zunehmend verschwimmen, erinnert Accursos Geschichte eindringlich an die Gefahren, denen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ausgesetzt sind, die festgefahrene Narrative in Frage stellen. Vorerst bleibt die Familie unter Schutz und hofft, dass der Sturm vorüberzieht, damit Rachel wieder das tun kann, was sie am besten kann: einer Generation, die Hoffnung braucht, Schlaflieder singen.

Kryptowährungen
Auf der Suche nach Anbietern, die Bitcoin akzeptieren: Das sind die Vorteile

Der Bitcoin hat sich längst von einem reinen Investment- und Spekulationsobjekt zu einer ernstzunehmenden Zahlungsmethode entwickelt. Das ist auch der Grund, warum sich immer mehr Unternehmen, angefangen von internationalen E-Commerce-Marken bis zu lokalen Dienstleistern, für Kryptowährungen geöffnet haben. Doch warum entscheiden sich Firmen überhaupt dafür, Bitcoin als Zahlungsmethode zu akzeptieren? Schließlich gibt es ja viele andere Wege, um Geld zu transferieren. Doch bei genauerer Betrachtung wird klar, dass der Bitcoin den einen oder anderen Vorteil mit sich bringt, der einzigartig ist.
Bitcoin als moderne Zahlungsmethode
Wer sich auf die Suche nach Unternehmen begibt, die den Bitcoin akzeptieren, der wird schnell ein Muster erkennen: Häufig sind es Anbieter, die technologisch aufgeschlossen sind und ihren Kunden bewusst moderne Alternativen anbieten möchten. Zahlungen in der Kryptowährung Bitcoin haben in den vergangenen Jahren nicht nur an Popularität gewonnen, sondern auch an Stabilität. Da klassische Online Zahlungsmethoden, dazu gehören etwa Kreditkarten, PayPal oder Überweisungen, teilweise hohe Gebühren verursachen, lange Abwicklungszeiten aufweisen oder starke regionale Einschränkungen haben, wird stets der Bitcoin als attraktive Ergänzung gewählt. Zugleich hat sich eine völlig neue Zielgruppe entwickelt, die bewusst nach Shops, Dienstleistern und Plattformen sucht, die Zahlungen mit Kryptowährungen akzeptieren. Für diese Nutzer zählt vor allem die unkomplizierte Abwicklung: Eine Zahlung mit Bitcoin ist innerhalb weniger Minuten bestätigt, unabhängig von Landesgrenzen oder Banköffnungszeiten. Für den Verbraucher entsteht ein Gefühl von Freiheit, vor allem auch, weil die Transaktion anonym bleibt. Das erklärt auch, wieso viele Online Casinos mit guter Coinpoker Erfahrungen und Bewertung Bitcoin und Co. als Zahlungsmethode akzeptieren. Denn die Online Glücksspielbranche hat verstanden, dass Anonymität und Sicherheit zwei wesentliche Punkte sind, wie man Leute gewinnen kann. Es gibt kaum noch neue Online Casinos, die auf Bitcoin oder andere Kryptowährungen verzichten.
Geringere Gebühren und schnellere Abwicklung
Einer der größten Vorteile für Unternehmen, die den Bitcoin akzeptieren, liegt im Bereich der Transaktionskosten. Während Kreditkartenanbieter oder Zahlungsdienstleister oftmals mehrere Prozent pro Zahlung verlangen, sind Gebühren bei Bitcoin im Normalfall wesentlich geringer. Auch Konsumenten profitieren von den niedrigeren Gebühren, denn niedrigere Kosten geben Unternehmen häufig als günstigere Preise oder bessere Angebote weiter. Hinzu kommt auch die Geschwindigkeit. Wer schon einmal größere Summen per internationaler Überweisung verschicken wollte, der weiß, dass das Geld mehrere Tage unterwegs sein kann. Die Transaktion mit der Kryptowährung Bitcoin ist hingegen meist innerhalb weniger Minuten vollständig abgewickelt. Das macht die Kryptowährung besonders in globalen Geschäftsbeziehungen attraktiv.
Hohe Sicherheit: Ein Vorteil für beide Seiten
Sowohl Kunden als auch Anbieter profitieren von der Sicherheitsarchitektur, die die Blockchain mit sich bringt. Zahlungen mit der Kryptowährung Bitcoin sind kryptografisch abgesichert und können nicht rückgängig gemacht oder manipuliert werden. Das schützt Händler vor Betrugsversuchen, etwa dem klassischen „Chargeback“, bei dem eine Zahlung von Seiten des Kunden nachträglich storniert wird. Für den Konsumenten entsteht ebenfalls ein Plus an Sicherheit: Der Kunde bleibt anonym und da keine sensiblen Bankdaten hinterlegt werden müssen, sinkt das Risiko von Datendiebstählen, Hacks oder Phishing Angriffen. Der Kunde zahlt direkt aus seinem Wallet und behält damit die volle Kontrolle über seine Informationen.
Mehr Unabhängigkeit und internationale Reichweite
Der Bitcoin ist universell. Ganz egal, ob man in Europa, den USA oder Asien kauft: Die Zahlungsabwicklung funktioniert überall gleich. Das ist ein enormer Vorteil, der nicht nur von Reisenden genutzt wird, sondern auch von internationalen Käufern, die bei Anbietern aus anderen Ländern bestellen wollen, ohne sich mit Währungsumrechnungen herumschlagen zu müssen. Unternehmen wiederum öffnen sich damit einem globalen Markt. Denn sie können neue Kunden aus Regionen erreichen, in denen herkömmliche Zahlungsmethoden kaum verbreitet sind oder zu hohe Gebühren verursachen. Vor allem im digitalen Handel bedeutet das eine deutliche Erweiterung der wirtschaftlichen Reichweite.
AUCH INTERESSANT

– Airlines News – Türkei: Pegasus kauft tschechische Fluggesellschaft Czech Airlines

Der Deal, der beide Fluggesellschaften sowie deren Verbindlichkeiten und Forderungen umfasst, ist ein wichtiger Schritt in der globalen Wachstumsstrategie von Pegasus

Türkei: Pegasus kauft tschechische Fluggesellschaft Czech Airlines

Airlines News
Türkei: Pegasus kauft tschechische Fluggesellschaft Czech Airlines

Istanbul – In einem mutigen Schritt zur Festigung seiner Präsenz in Mittel- und Osteuropa gab die türkische Billigfluggesellschaft Pegasus Airlines am Montag bekannt, dass sie eine endgültige Vereinbarung zur Übernahme von Czech Airlines (CSA) und deren Tochtergesellschaft Smartwings von Prague City Air im Wert von 154 Millionen Euro (ca. 180 Millionen US-Dollar) unterzeichnet hat. Der Deal, der beide Fluggesellschaften sowie deren Verbindlichkeiten und Forderungen umfasst, ist ein wichtiger Schritt in der globalen Wachstumsstrategie von Pegasus und soll vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen im Jahr 2026 abgeschlossen werden. Durch die Übernahme werden Smartwings, die größte Charterfluggesellschaft der Tschechischen Republik, und die traditionsreiche Marke Czech Airlines in das Portfolio von Pegasus integriert. Während der Name CSA nach der Einstellung des Flugbetriebs im Oktober 2024 offiziell eingestellt wurde, plant Pegasus, die eigenständige Marke Smartwings neben der eigenen Marke beizubehalten, um eine widerstandsfähigere und diversifiziertere Fluggesellschaftsgruppe zu schaffen. Zusammen verfügen die Unternehmen über eine Flotte von 47 Flugzeugen, wodurch Pegasus seine operative Präsenz auf dem Freizeit- und Linienflugmarkt in ganz Europa ausbauen kann. Güliz Öztürk, CEO von Pegasus, lobte die Vereinbarung als „neues Kapitel” in den Expansionsbemühungen des Unternehmens. „Diese strategische Partnerschaft mit Czech Airlines und Smartwings eröffnet spannende Möglichkeiten zum Aufbau eines stärkeren, technologieorientierten Flugliniennetzwerks, während gleichzeitig das Erbe dieser traditionsreichen Fluggesellschaften gewürdigt wird”, erklärte Öztürk in einer an der Istanbuler Börse veröffentlichten Erklärung. Dieser Schritt steht im Einklang mit dem Bestreben von Pegasus, über seine traditionellen Routen im Mittelmeerraum und im Nahen Osten hinauszuwachsen und die etablierten Drehkreuze von Smartwings in Prag und wichtige mitteleuropäische Ziele zu erschließen. Die Verkäufer, darunter die Aktionäre von Czech Airlines und die Gründer von Smartwings, bezeichneten die Entscheidung als natürliche Entwicklung nach fast drei Jahrzehnten des Aufbaus der Fluggesellschaften. „Wir sind zuversichtlich, dass Pegasus als dynamischer europäischer Marktführer die Gruppe zu neuen Höhen führen wird“, erklärten sie in einer gemeinsamen Erklärung. Finanzielle Details zeigen, dass der Betrag von 154 Millionen Euro den gesamten Unternehmenswert einschließlich Verbindlichkeiten abdeckt, wobei der Abschluss von der Genehmigung durch die tschechischen Behörden und Regulierungsbehörden in anderen Ländern, in denen Smartwings tätig ist, abhängt. Die Pegasus-Aktien stiegen nach Bekanntgabe der Nachricht im Istanbuler Handel um etwa 3 %, was den Optimismus der Anleger hinsichtlich der internationalen Expansion der Fluggesellschaft widerspiegelt. Diese Transaktion erfolgt inmitten einer Konsolidierungswelle im europäischen Luftverkehrssektor, wo Billigfluggesellschaften nach Skaleneffekten streben, um steigende Treibstoffkosten und Wettbewerbsdruck zu bewältigen. Für den tschechischen Markt bedeutet die Transaktion eine Finanzspritze für Smartwings, das mit den Herausforderungen der Erholung nach der Pandemie und geopolitischen Veränderungen zu kämpfen hat, die sich auf den regionalen Reiseverkehr auswirken.
Über Pegasus Airlines
Pegasus Airlines, die erste Billigfluggesellschaft der Türkei, wurde 1990 als Charterfluggesellschaft gegründet, als türkische Unternehmen Net Holding und Silkar eine Partnerschaft mit der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus eingingen. Am 15. April 1990 nahm sie den kommerziellen Betrieb mit zwei Boeing 737-400 auf, die vor allem für Pauschalreisen eingesetzt wurden. Im Jahr 2005 wurde die Fluggesellschaft von der ESAS Holding, die sich im Besitz der Familie Şevket Sabancı befindet, übernommen und zu einer Low-Cost-Fluggesellschaft mit Linienverkehr umpositioniert. Im November desselben Jahres wurden die Inlandsflüge wieder aufgenommen, wodurch sich Pegasus schnell zur viertgrößten Fluggesellschaft der Türkei nach Kapazität entwickelte. Pegasus hat seinen Hauptsitz im Istanbuler Stadtteil Kurtköy und hat sich zu einem regionalen Kraftpaket mit einer modernen Flotte von rund 117 Flugzeugen entwickelt, darunter Modelle des Typs Airbus A320neo und A321neo, deren Durchschnittsalter unter fünf Jahren liegt. Die Fluggesellschaft bedient über 150 Ziele in 54 Ländern, darunter Europa (einschließlich wichtiger Drehkreuze wie London, Paris und Berlin), der Nahe Osten, Nordafrika, Russland, der Kaukasus und Teile Asiens. Mit einem Schwerpunkt auf Punkt-zu-Punkt-Strecken, hochfrequenten Flügen und erschwinglichen Tarifen beförderte Pegasus jährlich Millionen von Passagieren und legte dabei besonderen Wert auf Pünktlichkeit und Innovation durch sein Vielfliegerprogramm Pegasus BolBol.

Orbán in der Türkei
Orbán dankt Türkei: „Wir würden in Migration versinken“

Ankara – Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán bedankte sich während seines offiziellen Besuchs in Ankara am Montag in ungewöhnlich deutlichen Worten bei der Türkei und erklärte, sein Land und die gesamte Europäische Union seien der Türkei für ihre Rolle bei der Eindämmung der illegalen Migration zu großem Dank verpflichtet. An der Seite von Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte Orbán wörtlich:
„Ohne die Türkei würden wir in illegaler Migration versinken. Jedes Jahr werden Hunderttausende an ihren Grenzen aufgehalten, und Millionen werden daran gehindert, weiter nach Europa vorzudringen. Ungarn steht an der Seite der Türkei und wird dafür sorgen, dass ihre Bemühungen anerkannt werden. Vielen Dank, Herr Präsident.“
Die Äußerungen des ungarischen Regierungschefs kommen zu einem Zeitpunkt, an dem das Migrationsabkommen zwischen der EU und der Türkei aus dem Jahr 2016 – das Milliarden Euro als Gegenleistung dafür vorsieht, dass Ankara Migranten auf seinem Staatsgebiet behält – erneut unter Druck gerät. Trotz häufiger Spannungen zwischen Brüssel und Erdoğan hat sich Orbán wiederholt als einer der wenigen verlässlichen Verbündeten des türkischen Präsidenten innerhalb der Europäischen Union positioniert. Orbán signalisierte auch, dass Budapest weiterhin jeden Versuch ablehnen werde, die finanzielle Unterstützung für die Grenzschutzbemühungen der Türkei zu kürzen oder umzuleiten. Ungarn und die Türkei haben in den letzten Jahren ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit und Energie vertieft, wobei Orbán die Migrationspolitik Ankaras häufig als „Schutzschild Europas” lobte. Erdoğan begrüßte seinen „lieben Freund“ und betonte die Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit in wichtigen Bereichen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Anschluss an die 7. Sitzung des Hochrangigen Strategischen Kooperationsrats Türkei-Ungarn hob Erdoğan die starke Partnerschaft zwischen den beiden Ländern hervor, insbesondere in den Bereichen Energiesicherheit, Handelsausbau und Verteidigung. Erdoğan betonte, dass das Ziel eines jährlichen Handelsvolumens von 6 Milliarden US-Dollar bald erreicht sei, und schlug vor, es auf 10 Milliarden US-Dollar anzuheben, da noch ungenutztes Potenzial vorhanden sei. Er lobte auch die Fortschritte bei den Partnerschaften in der Verteidigungsindustrie, die sich seiner Meinung nach positiv auf Handel und Investitionen auswirken.
Mit Herrn Orbán stehen wir kurz davor, unser Ziel eines Handelsvolumens von 6 Milliarden US-Dollar zu erreichen. Angesichts des starken Handelspotenzials zwischen uns haben wir darüber diskutiert, unser Volumenziel auf 10 Milliarden US-Dollar anzuheben. Wir sehen die positiven Auswirkungen unserer Partnerschaften in der Verteidigungsindustrie, die wir durch konkrete Projekte vorantreiben, auf Handel und Investitionen. Angesichts der sich verändernden Sicherheitslage in Europa prüfen wir Projekte, die unsere Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie auf eine neue Ebene heben werden, darunter auch die gemeinsame Produktion.“
Im Jahr 2025, das zum „Türkei-Ungarischen Jahr der Wissenschaft und Innovation“ erklärt wurde, führten beide Seiten 28 gemeinsame Maßnahmen durch und stellten Mittel für Kooperationsprojekte bereit. Der Besuch baut auf jahrelangen engeren Beziehungen auf, wobei Ungarn sich als einer der treuesten EU-Verbündeten der Türkei gegen Sanktionen und Migrationsdruck positioniert. In seiner Erklärung wurden keine direkten Zitate von Erdoğan zum Thema Migration hervorgehoben, obwohl die Tagesordnung auch die Zusammenarbeit im Bereich Sicherheit umfasste.

Airlines
Turkish Airlines und South African Airways schließen Codeshare-Abkommen

Genf – In einem Schritt, der die Flugverbindungen zwischen Afrika und Europa neu definieren soll, hat Turkish Airlines, die nationale Fluggesellschaft der Türkei, ein wegweisendes Codeshare-Abkommen mit South African Airways (SAA), dem Stolz der südafrikanischen Luftfahrt, unterzeichnet. Der Vertrag, der vor der eleganten Kulisse Genfs unterzeichnet wurde, verspricht ab dem 1. März 2026 nahtlose Verbindungen für Passagiere zwischen den Kontinenten. Die Vereinbarung wurde von Prof. Ahmet Bolat, Vorstandsvorsitzender und Vorsitzender des Exekutivkomitees von Turkish Airlines, und Prof. John Lamola, CEO von South African Airways, unterzeichnet. An der Zeremonie nahmen Führungskräfte beider Fluggesellschaften teil und unterstrichen damit ihr verstärktes Engagement für kommerzielle Synergien und mehr Komfort für die Passagiere. „Diese Partnerschaft ist ein bedeutender Schritt zur weiteren Stärkung unserer Präsenz auf dem afrikanischen Markt und zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Südafrika“, erklärte Bolat bei der Unterzeichnung.
„Als größte nicht-afrikanische Fluggesellschaft, die in Afrika tätig ist, legen wir großen Wert auf nachhaltige Partnerschaften, die die Konnektivität verbessern und langfristigen Mehrwert für unsere Gäste schaffen.“
Im Rahmen der Vereinbarung wird Turkish Airlines ihren Code „TK“ auf Flügen der SAA an wichtigen afrikanischen Drehkreuzen wie Johannesburg, Kapstadt, Durban, Port Elizabeth, Windhoek, Harare, Victoria Falls und Mauritius anbringen. Diese Strecken eröffnen Passagieren von Turkish Airlines die Möglichkeit, die wichtigsten Reiseziele im südlichen Afrika mit bequemen Umstiegen über Johannesburg zu erkunden. Im Gegenzug wird SAA ihren Code „SA“ auf ausgewählten Flügen von Turkish Airlines zwischen Istanbul und Johannesburg, Kapstadt, Durban, Frankfurt, Paris und London anbringen. Dadurch können SAA-Reisende das umfangreiche europäische und globale Streckennetz von Turkish Airlines nutzen, das koordinierte Flugpläne und mehr Reiseoptionen ohne umständliche separate Buchungen bietet. Die Zusammenarbeit kommt für beide Fluggesellschaften zu einem entscheidenden Zeitpunkt. SAA hat in den letzten Jahren eine umfassende Umstrukturierung durchlaufen und baut seine Präsenz auf dem gesamten Kontinent aggressiv aus, während Turkish Airlines seinen Kurs als globale Luftfahrtmacht fortsetzt. „South African Airways begrüßt diese Codeshare-Partnerschaft als strategischen Schritt zum Ausbau sicherer, zuverlässiger und wettbewerbsfähiger Flugdienste für unsere Kunden“, erklärte Lamola.
„Turkish Airlines ist eine angesehene globale Fluggesellschaft, und diese Zusammenarbeit spiegelt unser gemeinsames Engagement für die Stärkung der Verbindungen zwischen Afrika und der Türkei wider, während wir gleichzeitig den Tourismus, den Handel und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern.“
Branchenanalysten begrüßen Vereinbarung
Branchenanalysten begrüßen die Vereinbarung als einen Gewinn für Reisende, die kostengünstige und effiziente Reisen suchen. Durch die Bündelung ihrer Ressourcen wollen die Fluggesellschaften die Flugpreise durch verstärkten Wettbewerb senken und reibungslosere Flugpläne mit einheitlichen Gepäckbestimmungen und Vorteilen im Rahmen von Treueprogrammen anbieten. So können Vielflieger nun Meilen im gesamten Streckennetz beider Fluggesellschaften sammeln und einlösen, was den Wert von Programmen wie Miles&Smiles von Turkish Airlines und Voyager von SAA erhöht. Dieses Codeshare-Abkommen baut auf dem bereits beeindruckenden Afrika-Geschäft von Turkish Airlines auf, das Passagiere zu 65 Zielen in 41 Ländern befördert und damit alle anderen nicht-afrikanischen Fluggesellschaften weit übertrifft. Die Hinzufügung der SAA-Strecken wird Istanbul als wichtige Brücke zwischen dem Globalen Norden und den pulsierenden Landschaften des südlichen Afrikas, von den tosenden Victoriafällen bis zum kosmopolitischen Treiben in Kapstadt, weiter festigen.
Erholung des Flugverkehrs nach der Pandemie
Angesichts der Erholung des Flugverkehrs nach der Pandemie signalisieren solche Allianzen einen breiteren Trend hin zu gemeinschaftlichem Wachstum in Schwellenländern. Angesichts der steigenden Nachfrage nach umweltbewusstem und inklusivem Reisen betonten beide Fluggesellschaften ihr Engagement für Nachhaltigkeit, einschließlich treibstoffsparender Betriebsabläufe und gemeindeorientierter Initiativen. Turkish Airlines ist mittlerweile die Fluggesellschaft mit den meisten Zielen weltweit, bedient über 350 Städte in 131 Ländern und hat einen Guinness-Weltrekord für die Verbindung der meisten Nationen aufgestellt. Die Fluggesellschaft hat außerdem zahlreiche renommierte Auszeichnungen erhalten, darunter die Auszeichnung als Europas beste Fluggesellschaft (zum neunten Mal), Weltbeste Business Class-Bordverpflegung, Europas beste Business Class und Europas beste Economy Class bei den Skytrax World Airline Awards 2025 – eine Bestätigung für ihre unerschütterliche Exzellenz in Sachen Service und Innovation.

Gastkommentar
Özgür Çelik: „Im Schatten der radikalen Verlierer“

Ein Gastkommentar von Özgür Çelik Der zeitgenössischen Angst begegnet man heute nicht mehr mit Sandsäcken und Luftschutzsirenen, sondern mit Push-Nachrichten, Kameras an jeder Ecke und einem diffusen Gefühl, dass die eigentliche Gefahr überall und nirgends zugleich lauert. Der Terror hat seine spektakuläre Sichtbarkeit eingebüßt und ist stattdessen in den Alltag eingesickert: als gedämpfte Alarmbereitschaft in Bahnhöfen, als misstrauischer Blick im Flugzeug, als politische Rhetorik, die Sicherheit verspricht und dabei Unsicherheit verlängert. Die Gesellschaft hat gelernt, mit der Möglichkeit der Katastrophe zu leben, sie zu normalisieren, sie in statistische Wahrscheinlichkeit zu verwandeln. Und gerade in dieser Gewöhnung liegt eine neue, weit gefährlichere Form der Ohnmacht verborgen. Hans Magnus Enzensberger schien diesen Mechanismus bereits zu ahnen, als er den „radikalen Verlierer“ beschrieb – nicht als bloße Randfigur, sondern als Symptom einer tieferliegenden zivilisatorischen Erschöpfung. Der radikale Verlierer ist kein Produkt eines bestimmten Glaubens oder einer bestimmten Nation; er ist das Kind einer Weltordnung, die ständig Gewinner produziert und noch mehr Verlierer. Er entsteht dort, wo Menschen lernen, sich ausschließlich über Erfolg zu definieren, und jedes Scheitern als endgültige Demütigung erleben müssen. In einer globalisierten Ökonomie des Vergleichs wird das eigene Leben zum Wettbewerb, und wer nicht mithalten kann, beginnt, die Welt selbst als Zumutung zu empfinden. Hier berühren sich Enzensbergers Gedanke und Huntingtons These vom „Kampf der Kulturen“ auf eigentümliche Weise. Was vordergründig als Zusammenstoß von Religionen, Traditionen und Wertesystemen erscheint, ist in der Tiefe oft ein Konflikt um Anerkennung, Würde und Sichtbarkeit. Der sogenannte Kampf der Kulturen wird gespeist von Millionen biografischer Niederlagen, von zerbrochenen Aufstiegsversprechen, von Gesellschaften, die Integration predigen und Ausgrenzung praktizieren. Der radikale Verlierer ist weniger der Soldat einer fremden Zivilisation als das verzweifelte Produkt einer Welt, die ihm keinen Platz zugesteht. In Europa, besonders aber in Gesellschaften wie der deutschen oder der türkischen, die zwischen Ost und West, Vergangenheit und Gegenwart, Säkularismus und Tradition oszillieren, zeigt sich dieser Widerspruch besonders deutlich. Die Kinder der Migration lernen früh, in zwei Welten zu leben, in keiner ganz zu Hause. Sie werden aufgefordert, sich anzupassen, aber selten wirklich eingeladen, dazuzugehören. Gleichzeitig klammern sich Mehrheitsgesellschaften an ein Bild von kultureller Reinheit, das längst nur noch eine Illusion ist. So entsteht ein Raum der Kränkung, in dem Identität zur Waffe werden kann – gegen andere, aber letztlich gegen das eigene Selbst. Der radikale Verlierer ist in diesem Sinn kein monströser Fremdkörper, sondern ein Zerrbild unserer eigenen Werte. Er glaubt, was wir predigen: dass das Leben ein Wettkampf sei. Er zieht daraus nur eine andere, düstere Konsequenz. Wenn er nicht gewinnen kann, will er wenigstens zerstören – und sei es sich selbst. Seine Tat ist nicht die Tat des Starken, sondern das Aufbäumen des endgültig Ausgeschlossenen. Sie ist ein verzweifelter Ruf nach Bedeutung in einer Welt, die Bedeutung nur noch in Zahlen, Klicks und Trophäen misst. Und so bleibt die unbequeme Erkenntnis, dass keine Mauer, keine Überwachung, kein militärischer Schlag diesen Konflikt wirklich lösen kann. Denn der wahre Kampf der Kulturen verläuft nicht zwischen Nationen oder Religionen, sondern zwischen dem Bild, das wir vom Menschen haben, und der Wirklichkeit, in der wir ihn leben lassen. Solange Erfolg als einzig legitimes Lebensziel gilt, wird es Verlierer geben – und unter ihnen jene, die radikal werden. Die eigentliche Frage ist daher nicht, wie wir sie besiegen, sondern was in unserer Zivilisation geschehen ist, dass wir sie immer wieder hervorbringen.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Autor

Özgür Çelik studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Fachgebiete sind die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie zwischen der EU und der Türkei, türkische Politik, die türkische Migration und Diaspora in Deutschland
 

Film
Julian Assange: The Six Billion Dollar Man

Los Angeles – In einer filmischen Wiederauferstehung einer der polarisierendsten Figuren des 21. Jahrhunderts hat Regisseur Eugene Jareckis explosiver neuer Dokumentarfilm „The Six Billion Dollar Man“ Julian Assange zurück ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit katapultiert. Der Film, der bei seiner Premiere auf den Filmfestspielen von Cannes 2025 begeistert aufgenommen wurde, zeichnet nicht nur den mutigen Kampf des WikiLeaks-Gründers gegen seine Auslieferung und Inhaftierung nach, sondern entfacht auch erneut dringende Debatten über Pressefreiheit, staatliche Übergriffe und die wahren Kosten der Wahrheitsfindung in einer Zeit der Überwachung und Geheimhaltung. Als spannender Hightech-Thriller inszeniert – komplett mit düsteren CCTV-Aufnahmen aus Assanges Haft, nie zuvor gesehenen WikiLeaks-Archiven und brisanten Beweisen für Machenschaften hinter den Kulissen – zeichnet das 129-minütige Epos Assanges unwahrscheinlichen Weg vom zurückgezogen lebenden australischen Hacker zum Blitzableiter der Informationsrevolution nach. WikiLeaks wurde 2006 als gemeinnützige Plattform für Whistleblower gegründet und veröffentlichte unter Assanges Leitung eine Flut von geheimen Dokumenten, die mutmaßliche Gräueltaten des US-Militärs, diplomatische Doppelzüngigkeit und Korruption in Unternehmen aufdeckten. Der Titel des Films „6 Milliarden Dollar“ bezieht sich nicht auf kybernetische Verbesserungen à la der Fernsehserie aus den 1970er Jahren, die den Namen inspirierte, sondern symbolisiert den schwindelerregenden geschätzten wirtschaftlichen Wert des Zugangs zu den Enthüllungen der Leaks, verbunden mit ihren weltweiten politischen Auswirkungen – von der Auslösung der Aufstände des Arabischen Frühlings bis hin zu endlosen juristischen Vendetten der Weltmächte. „Die Zahl verdeutlicht die Kühnheit von Assanges Handeln: Er hat nicht nur Geheimnisse preisgegeben, sondern auch den Preis für Transparenz in einer Welt quantifiziert, die diese verzweifelt verbergen will“, erklärte Jarecki kürzlich in einem Interview mit The Hollywood Reporter und betonte, wie der Film anhand von privilegiertem Insider-Material die „prekäre Lage von Journalisten“ angesichts zunehmender Bedrohungen für die vierte Gewalt analysiert. In Anlehnung an Oscar-prämierte Vorgänger wie Laura Poitras‘ Citizenfour (über Edward Snowden) hält sich Jareckis Werk nicht zurück und porträtiert Assange nicht als makellosen Helden, sondern als „Märtyrer, der inhaftiert und überwacht wird, weil er es gewagt hat, die Verfehlungen intriganter Regierungen, Oligarchen und Ideologen aufzudecken“. Im Kern ist „The Six Billion Dollar Man“ eine forensische Enthüllung von Assanges erschütternder Odyssee durch die Mühlen der internationalen Justiz. Sie beginnt im Jahr 2010, dem annus mirabilis der vielbeachteten Datenveröffentlichungen von WikiLeaks, darunter das berüchtigte Video „Collateral Murder“ – eine unbearbeitete Hubschrauberaufnahme, die zeigt, wie US-Soldaten im Irak unbewaffnete Zivilisten und Reuters-Journalisten erschießen, eine Geschichte, die die Mainstream-Medien nur schwer zu veröffentlichen vermochten. Diese „Bombe, die auf die offizielle Geschichte der Vereinigten Staaten gefallen ist“, wie der verstorbene Medienkritiker Danny Schechter es im Film nennt, zog den Zorn von drei aufeinanderfolgenden US-Präsidenten auf sich: Obama, Trump und Biden. Unter Trump wurde angeblich ein bizarrer Deal über 6 Millionen Dollar mit Ecuador – Assanges Asylgeber – ausgehandelt, um ihn aus der ecuadorianischen Botschaft in London zu vertreiben, wo er sich seit 2012 versteckt hielt, um sich den schwedischen Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe (die später fallen gelassen wurden) zu entziehen. Die eindringlichsten Szenen des Films zeigen das Chaos bei Assanges Verhaftung am 11. April 2019 in London. Nachdem Ecuador ihm plötzlich sein Asyl entzogen hatte – Berichten zufolge hatten Botschaftsmitarbeiter laute Musik gespielt und Wände mit Fäkalien beschmiert, um seine Ausreise zu beschleunigen –, stürmte die britische Polizei die Botschaft und schleppte den zerzausten damals 47-jährigen Assange in Handschellen hinaus. Im Mai desselben Jahres wurde er wegen Verstoßes gegen die Auflagen seiner Kaution aus dem Jahr 2012 zu 50 Wochen Haft verurteilt, blieb jedoch in Untersuchungshaft im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh und kämpfte gegen die Auslieferungsanklage der USA nach dem Spionagegesetz wegen „Verschwörung zur Beschaffung und Weitergabe geheimer Informationen zur nationalen Verteidigung”. Was folgte, war eine zermürbende fünfjährige Ungewissheit: 1.901 Tage in einer Art Einzelhaft, in der sich Assanges Gesundheitszustand verschlechterte und Selbstmordgefahr bestand, wie ein britisches Gericht 2021 feststellte. Die seit 2018 unter Verschluss gehaltene US-Anklage stützte sich auf Aussagen von zweifelhaften Informanten wie Siggi the Hacker – einem isländischen ehemaligen WikiLeaks-Freiwilligen, der wegen Anwerbung von Kindern und der Erschießung eines Freundes aus Spaß verurteilt worden war – der später zugab, Verbrechen gegen Assange erfunden zu haben. Die Freiheit kam unerwartet am 24. Juni 2024, dank eines unter der Biden-Regierung ausgehandelten Plädoyerabkommens. Assange bekannte sich in einem abgelegenen Gerichtssaal in Saipan in einem Punkt des schweren Verbrechens für schuldig und erhielt eine Strafe von 62 Monaten – genau die Zeit, die er bereits in Belmarsh verbüßt hatte. Das US-Justizministerium erklärte sich nach jahrelanger Verfolgung bereit, weitere Anklagen fallen zu lassen, sodass der gebürtige Australier einen Privatjet vom Londoner Flughafen Stansted nehmen und nach Canberra zurückkehren konnte, wo Premierminister Anthony Albanese dies als „willkommene Entwicklung” begrüßte. Die Lösung, die durch den diplomatischen Druck Australiens und Bidens Bereitschaft im April 2024, das Verfahren einzustellen, vorangetrieben wurde, markierte eine deutliche politische Kehrtwende – möglicherweise zeitlich abgestimmt, um einem umstrittenen US-Wahlzyklus zuvorzukommen. Assanges Frau Stella bezeichnete dies als „das Ende eines Albtraums”, während Kritiker die Einigung als stillschweigendes Eingeständnis verurteilten, dass die Strafverfolgung von Verlegern die Meinungsfreiheit einschränkt. Cannes krönte die Premiere des Films mit zwei Auszeichnungen und verstärkte damit seine sensationelle Wirkung. Am 23. Mai 2025 gewann „The Six Billion Dollar Man“ den Sonderpreis der Jury „L’Œil d’Or“ zum 10-jährigen Jubiläum des Preises – eine feste Größe des französischen Festivals, mit der herausragende Dokumentarfilme ausgezeichnet werden –, während „Imago“ den Hauptpreis gewann.
Artemis Rising Docu Award
Einige Tage zuvor wurde Jarecki als Preisträger mit dem Golden Globes‘ Artemis Rising Docu Award ausgezeichnet, einer neuen Auszeichnung für Dokumentarfilme, die von einer Jury verliehen wird, der unter anderem die Oscar-Produzentin Geralyn White Dreyfous und die Schauspielerin Tessa Thompson angehören. „Wir sind stolz darauf, seinen außergewöhnlichen Beitrag zu würdigen“, sagte Helen Hoehne, Präsidentin der Golden Globes. Assange selbst nahm an der Premiere an der Riviera teil, seinem ersten großen öffentlichen Auftritt seit seiner Freilassung, und posierte in einem seltenen Moment der Genugtuung für Fotos. Seit Cannes hat der Dokumentarfilm Festivals wie DOC NYC (wo es zu einer Fragerunde mit Jarecki und Produzentin Kathleen Fournier kam) und das IDFA in Amsterdam im Sturm erobert und eine makellose Bewertung von 8,5/10 auf IMDb sowie überschwängliche Kritiken erhalten.
Rotten Tomatoes: „Mitreißende Collage“
Rotten Tomatoes lobt ihn als „mitreißende Collage“, die „die Fakten der Assange-Saga in einer zeitgemäßen und pointierten Stellungnahme gegen eine Welt zusammenführt, in der die Mächtigen die Massen manipulieren“. The Film Verdict bezeichnet ihn als „Meisterwerk“ und lobt seine kapitelweise Struktur, die zwischen Assanges frühen Hackerangriffen und der Belagerung der Botschaft hin- und herwechselt. Selbst Skeptiker wie der Kritiker von Slate, der das „bejahende Argument“ für die Enthüllungen von WikiLeaks hervorhebt, räumen ein, dass der Film eindrucksvoll zeigt, wie Regierungen „ihre eigenen Gesetze beugen“, um Dissens zum Schweigen zu bringen. Mit einem Trailer, der vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde und Assanges trotzige Voiceovers inmitten von glitchigen digitalen Montagen zeigt, positioniert sich The Six Billion Dollar Man als sicherer Oscar-Kandidat in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“. Jarecki, dessen frühere Werke wie „Why We Fight“ und „The Trials of Henry Kissinger“ sich mit den Schattenseiten des amerikanischen Imperiums befassten, zog sich aus dem Sundance 2025 zurück, um Assanges Plädoyer-Vereinbarung einzubeziehen und so die „unerwarteten Entwicklungen“ der Erzählung sicherzustellen. Wie ein Jurymitglied in Cannes sagte, ist dies „ein Muss in einer Zeit, in der die Wahrheit mehr denn je bedroht ist“. In einer Zeit von Deepfakes und KI-gestützter Desinformation kommt „The Six Billion Dollar Man“ sowohl als Elegie als auch als Warnung daher: Was passiert, wenn die Architekten der Enthüllung selbst zu Gejagten werden? Für Assange, der mittlerweile 54 Jahre alt ist und sich in Australien ein neues Leben aufbaut, liegt die Antwort vielleicht in der letzten, eindringlichen Zeile des Films, die seine eigenen Worte widerspiegelt: „Die Verteidigung der Wahrheit ist bedroht, aber sie hält stand.“ Mit der sich zuspitzenden Preisverleihungssaison spitzt sich auch der Kampf zu, den der Film verewigt. Der US-Kinostart ist für Anfang 2026 über einen unabhängigen Verleiher geplant, was verspricht, die 6-Milliarden-Dollar-Debatte – und Assanges unnachgiebiges Vermächtnis – weiter am Leben zu erhalten.

Polen
Wegen Gaza: Sopot beendet Städtepartnerschaft mit Israels Aschkelon

Warschau – Die polnische Küstenstadt Sopot ist die erste Gemeinde des Landes, die ihre Partnerschaft mit einer israelischen Stadt offiziell beendet hat. Als entscheidenden Grund für diesen Schritt nannte sie den anhaltenden Krieg im Gazastreifen. Vertreter der Stadtverwaltung gaben die Entscheidung nach einer Abstimmung im Stadtrat Anfang dieser Woche bekannt und erklärten, dass eine weitere Zusammenarbeit mit Aschkelon – seit 1992 Partnerstadt von Sopot – nicht mehr mit den Werten der Stadt vereinbar sei. In einer öffentlichen Erklärung betonten lokale Vertreter, dass die humanitäre Lage in Gaza und das Ausmaß des Leidens der Zivilbevölkerung eine zentrale Rolle bei ihrer Entscheidung gespielt hätten. „Wir können nicht ignorieren, was gerade passiert“, sagten Mitglieder des Rates und wiesen darauf hin, dass die Partnerschaft ursprünglich auf kulturellem Austausch, Jugendprogrammen und Gemeinschaftsbeziehungen beruhte, die seit der Eskalation der Gewalt alle praktisch ausgesetzt sind. Die Beendigung der Partnerschaft ist weitgehend symbolisch, stellt jedoch einen seltenen Fall dar, in dem eine polnische Kommunalverwaltung offiziell Stellung zu dem Konflikt bezieht. Polen unterhält seit jeher enge diplomatische Beziehungen zu Israel, und Städtepartnerschaften werden in der Regel als unpolitisch angesehen. Die Entscheidung fällt zu einem Zeitpunkt, an dem immer mehr Länder, Organisationen und Menschenrechtsgruppen Israels Vorgehen im Gazastreifen verurteilen. Mehrere große Menschenrechtsorganisationen – darunter Amnesty International – sind zu dem Schluss gekommen, dass das Ausmaß und die Art der Gewalt einem Völkermord an den Palästinensern gleichkommen.
Türkei: Haftbefehl gegen Benjamin Netanjahu 
Gleichzeitig handeln einige Staaten entsprechend dieser Einschätzung: Die Staatsanwaltschaft in Istanbul in der Türkei hat kürzlich Haftbefehle gegen Benjamin Netanjahu und mehrere hochrangige israelische Beamte erlassen und sie wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 ist die Zahl der zivilen Todesopfer in Gaza sprunghaft angestiegen: Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza und internationaler Beobachtungsstellen wurden Zehntausende Palästinenser getötet – darunter viele Frauen und Kinder – und noch viel mehr verletzt oder vertrieben. Eine Studie aus Deutschland geht von mehr als 100.000 Opfern aus. Für viele Menschen in Sopot und darüber hinaus sendet die Entscheidung, die Partnerschaft zu beenden, eine Botschaft aus: dass kulturelle Bindungen nicht bestehen bleiben können, wenn humanitäre Prinzipien auf dem Spiel stehen. Kritiker argumentieren jedoch, dass solche Gesten wenig Einfluss auf den Verlauf des Konflikts haben – und warnen davor, dass eine Trennung der Beziehungen einen Kanal für den Dialog zwischen den Gemeinschaften verschließen könnte, der einst darauf abzielte, Verständnis aufzubauen.
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Die bloße Leugnung oder Infragestellung des Existenzrechts des Staates Israel ist in Deutschland keine Straftat und darf auf Demonstrationen nicht pauschal verboten werden.

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Wirtschaft
Wirtschaftsaufschwung abgesagt? Deutsche Unternehmer bleiben pessimistisch

Die deutsche Wirtschaft bleibt nicht nur im Jahr 2025 angeschlagen – man geht derzeit auch davon aus, dass es im kommenden Jahr nicht unbedingt besser wird. Die Wirtschaftsweisen rechnen inzwischen nur noch mit einem Wachstum von gerade einmal 0,9 Prozent. Dass hier dann gleichzeitig die Kritik an der Bundesregierung lauter wird, ist nicht überraschend. Denn viele Experten sehen die Regierung eher als Teil des Problems und nicht als Lösung.
Das Geschäftsklima hat sich verschlechtert
In den Führungsetagen deutscher Unternehmen hat sich die Stimmung im November unerwartet verschlechtert. So ist der Ifo-Geschäftsklimaindex von 88,4 Punkten auf 88,1 Punkte gesunken. Das hat das Münchner Ifo-Institut nach seiner monatlichen Befragung von rund 9000 Manager mitgeteilt. Die Ökonomen sind im Vorfeld mit einem leichten Anstieg auf 88,5 Punkte ausgegangen. Zwar haben viele Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas besser bewertet, doch gleichzeitig haben die Sorgen über die kommenden Monate erneut zugenommen. „Die deutsche Wirtschaft zweifelt an einer baldigen Erholung“, so der Ifo-Präsident Clemens Fuest. Im Verarbeitenden Gewerbe ist die Entwicklung ebenfalls schwach geblieben. „Insbesondere die Erwartungen bekamen einen deutlichen Dämpfer“, betonte Fuest. Auch Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe fand klare Worte: „Die deutsche Wirtschaft kommt nicht vom Fleck.“ Viele Betriebe haben noch immer Probleme im Bereich der Planungssicherheit und der anhaltende Kostendruck belastet die Produktionsabläufe wie etwa Investitionen. Ökonomen sparen nicht mit Kritik an der Regierung Der LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch sprach angesichts der aktuellen Datenlage von einer weiteren Enttäuschung. Für ihn sei die leichte Verbesserung der Lageeinschätzung nahezu ohne Bedeutung: „Der Anstieg war minimal und das erreichte Niveau bleibt unterirdisch“, sagte er. Vom politisch angekündigten „Herbst der Reformen“ sei so gut wie nichts geblieben. „Leider ist die Politik Teil des Problems. Es wäre besser, wenn sie Teil der Lösung werden würde“, so der Analyst. Ähnlich kritisch äußerte sich Alexander Krüger, der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Er warnte vor den Folgen eines unzureichenden fiskalischen Impulses: „Man möchte sich gar nicht ausmalen, was geschieht, wenn der Schub durch das Fiskalpaket weitgehend ausbleibt.“ Aus seiner Sicht sei es umso wichtiger, dass die Bundesregierung gegen die strukturellen Standortnachteile vorgeht. „Auf den ausgebliebenen Herbst der Reformen darf nicht ein Winter mit Tiefschlaf folgen.“ Viele Experten fordern bereits Maßnahmen, die von geringerer Bürokratie über steuerliche Anreize bis hin zu stabilen Energiekosten reichen. Doch noch hakt es bei der Umsetzung. Tatsächlich hat die Politik in den letzten Jahren mehrmals unter Beweis gestellt, dass auf das falsche Pferd gesetzt wurde. Ein gutes Beispiel mag der deutsche Glücksspielstaatsvertrag sein. Anfangs war man überzeugt, das bundesweit regulierte Glücksspiel würde sich vorteilhaft für Spieler auswirken, mit der Zeit hat man erkannt, dass die Zahl der Deutschen, die nach Casinos suchen, in denen OASIS nicht aktiv ist, wächst. Denn der deutsche Glücksspielstaatsvertrag beinhaltet abseits von OASIS auch ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro (plattformübergreifend) sowie auch ein Verbot von Live Casino Spielen.
Unterschiedliche Entwicklung in den Branchen: Einzelhandel ist schwach, Tourismus zieht an
Im Dienstleistungssektor hat sich das Klima etwas gebessert, doch die Erholung verläuft nicht überall gleich. Vor allem im Bereich Transport und Logistik ist es laut Ifo zu einem spürbaren Rückschlag gekommen. Gleichzeitig hat der Tourismus erkennbar zugelegt und aufgezeigt, dass die Reiselust vieler Menschen klar gestiegen ist. Im Handel hingegen hat sich der Abwärtstrend fortgesetzt. Das Ifo-Institut hat von einem enttäuschenden Start in das Weihnachtsgeschäft berichtet: „Insbesondere der Einzelhandel zeigte sich zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts enttäuscht.“ Auch im Baugewerbe hat sich die Stimmung weiter verschlechtert. Die schwache Nachfrage sei dort „ein bestimmender Engpass“, was angesichts hoher Zinsen, teurer Materialien und anhaltender Unsicherheit auch nicht überraschend ist.
Leichte Bewegung, aber keine Trendwende
Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im Frühjahr und einer weitgehenden Stagnation im Sommer ist die Bundesbank der Meinung, dass die deutsche Wirtschaft im Schlussquartal 2025 wieder leicht wachsen könnte. Die Hoffnung liegt vor allem auf die staatlichen Mehrausgaben für Infrastrukturprojekte und Verteidigung, die im Jahr 2026 dann zusätzliche Impulse setzen sollen. Ein kräftiger Aufschwung ist aber noch lange nicht in Sicht. Belastend wirken vor allem die neuen US Zölle, die wichtige Branchen wie Automobilbau und Maschinenbau treffen, sowie auch die zunehmenden Wettbewerbsnachteile im globalen Umfeld. Die exportorientierte Industrie kämpft mit einer schwächeren Nachfrage in vielen internationalen Märkten. Für viele Ökonomen bleibt das Gesamtbild also unverändert: Die deutsche Wirtschaft steckt fest und eine nachhaltige Erholung ist erst möglich, wenn strukturelle Reformen, Investitionen und eine verlässliche Standortpolitik zusammenkommen. Bis dahin wird es für die Unternehmen und Beschäftigten ein Jahr der Unsicherheiten bleiben.
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