Israel
Knessetabgeordneter Golan bezeichnet Siedler als „Untermenschen“

Tel Aviv – Der israelische Knessetabgeordnete Yair Golan bezeichnete die in der illegalen Westjordanland-Siedlung Homesh lebenden Siedler am Mittwoch als „Untermenschen“. „Das sind keine Menschen, das sind Untermenschen, sie sind verachtenswert“, so der stellvertretende Wirtschaftsminister und Mitglied der linken Meretz-Partei. Golan warf den Siedlern vor, palästinensisches Eigentum zu zerstören. „Jetzt rufen die Siedler ‚Scham und Schande‘, weil sie evakuiert werden sollen“, so Golan. „Sie erwähnen nicht, dass diese Leute, die sich dort [in Homesh] niederlassen wollen, im [palästinensischen] Dorf Burka randalieren, Grabsteine zerschlagen und ein Pogrom veranstalten. Wir, das jüdische Volk, das im Laufe der Geschichte unter Pogromen gelitten hat, führen jetzt Pogrome gegen andere durch“, so der israelische Minister weiter. Golans Äußerungen wurden in Israel jedoch scharf verurteilt. Die Likud-Partei forderte Golans Rücktritt. Selbst Politiker der Mitte und der Linken bezeichneten seine Äußerungen als unangemessen. Premierminister Naftali Bennett, der die rechtsgerichtete Jamina-Partei leitet, erhob ebenfalls schwere Vorwürfe. Golans Worte seien „schockierend, beleidigend und grenzen an Verleumdung“, sagte Bennett. „Diejenigen, die sich in Judäa und Samaria niederlassen, sind die Pioniere von heute. Wir haben kein fremdes Land eingenommen, wir haben das Land unserer Vorfahren zurückerobert“, so Bennet. Golan, ehemaliger Vize-Generalstabschef der IDF, betonte in einem Interview, dass sich die Siedler nach israelischem Recht illegal auf dem Homesh-Hügel aufhielten. „Als ich die Abteilung Judäa und Samaria [besetztes Westjordanland] [der Armee] befehligte, habe ich niemanden dort siedeln lassen“, sagte Golan. Das Land, auf dem die Siedler ihre Häuser gebaut haben, gehöre Palästinensern aus dem Dorf Burka im Norden des besetzten Westjordanlands. Auch die IDF beschuldigte Siedler aus Homesh, „Eigentum zu zerstören und palästinensische Flaggen am Rande des Dorfes Burka zu verbrennen“. Wie die israelische Tageszeitung The Jerusalem Post berichtet, beschuldigte die NRO Yesh Din die Siedler zudem, Gräber auf dem palästinensischen Dorffriedhof geschändet zu haben. Golan twitterte später, dass er keine pauschale Anschuldigung erhoben habe. „Meine Worte bezogen sich auf diejenigen, die Gräber schänden, unschuldige Menschen angreifen und Eigentum zerstören“, stellte Golan klar. „Was ist die richtige Art, mit solchen Leuten umzugehen? Welches sind die richtigen Worte, um sie zu nennen? Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen: Das ist nicht unser Judentum.“

Literatur
Cevdet Kudret-Literaturpreis 2021 für Dr. Atiye Gülfer Gündoğdu von der Uni Köln

Der Cevdet Kudret-Literaturpreis, der nach dem 1992 verstorbenen und bis dahin führenden Literaturhistoriker und Schriftsteller der Türkei benannt ist, geht in der Sparte “Untersuchung und Forschung” 2021 an Dr. Atiye Gülfer Gündoğdu. Die Preisträgerin, die seit letztem Jahr am Orientalischen Institut der Universität zu Köln forscht und unterrichtet, wurde für ihr Werk „Yazının Önünde: Edebi Metnin Anlamının Teşekkülünde Okurun Rolü“ [Vor dem Schreiben: Die Rolle der Leser*innen bei der Bedeutungsbildung des literarischen Textes] ausgezeichnet. Das Werk mit dem Titel „Yazının Önünde“ wurde im Juni 2021 im Hece-Verlag veröffentlicht. Es handelt sich um die 2017 angenommene, überarbeitete und neu editierte Doktorarbeit von Gündoğdu. Urteil der Jury: Besondere Erzählstruktur, die die Beziehung der Leser*innen an die Materie stets lebendig hält Die Jury, die sich aus Armağan Ekici, Besim Dellaloğlu, Hatice Aynur, Sevengül Sönmez und Tuncay Birkan zusammensetzt, urteilte:
„Ausgehend von der hermeneutischen Denktradition sowie der Rezeptionstheorie, hat die Autorin die bedeutende Rolle der Romane von Ahmet Mithat Efendi in der Entstehung der Figur des modernen ‘Lesers’ in der Osmanischen Literatur untersucht. Dabei hat sie nicht nur die gegebene Theorie an den Forschungsgegenstand angewandt, sondern auch eine Erzählstruktur geschaffen, die zu dem Forschungsfeld selbst beitragen kann und mit der sie das Interesse der Leser*innen an ihren Thesen stets lebendig und wachzuhalten vermag.“
Die Cevdet Kudret-Literaturpreise werden in Kooperation mit der Familie Cevdet Kudrets und der Istanbuler Mimar Sinan Universität der Bildenden Künste vergeben. „Ich fühle mich geehrt, dass meine Arbeit von der angesehenen Auswahlkommission für den Cevdet Kudret Literaturpreis gewürdigt wurde. Auch die sorgfältige Begründung für die Auszeichnung ist für mich sehr wertvoll“, so Dr. Gündoğdu gegenüber NEX24. Forschungsaufenthalt an der Universität Washington Dr. Atiye Gülfer Gündoğdu wurde am 17. März 1986 in Adapazarı/Sakarya in der Türkei geboren. Sie absolvierte die Hochschule für Fremdsprachen in Kocaali und die Fakultät für türkische Sprache und Literatur der Universität des 19. Mai in Samsun. Ihren Masterabschluss erhielt sie 2012 mit ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel „Geciktirilmiş Öykü Tekniği Üzerine Bir Karşılaştırma: Tristram Shandy Beyefendi’nin Hayatı ve Görüşleri / Karı Koca Masalı“. Daraufhin promovierte die junge Akademikerin an derselben Universität, wo sie 2017 ihren Doktortitel erlangte. Ihre Dissertation trug den Titel: „Edebî Metnin Anlamının Teşekkülünde Okurun Rolü“. Während ihrer Promotion befand sich Gündoğdu für ein Forschungsjahr als Gastwissenschaftlerin an der University of Washington. Von 2018 bis 2021 war die Literaturwissenschaftlerin als Lehrpersonal in der Fakultät für türkische Sprache und Literatur der Universität des 19. Mai Samsun tätig. Seit dem Wintersemester 2021/2022 forscht und lehrt die Wissenschaftlerin am Orientalischen Seminar der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln. Yasin Baş/Köln

Auch interessant

– „Wutbürger“ – Buchrezension: „Gefährliche Bürger“ – Die neue Rechte greift nach der Mitte

„Giesa erklärt auf nachvollziehbare und sachlich korrekte Weise Kontinuitäten und Parallelitäten innerhalb der deutschen Rechten und zeichnet diese von der Weimarer Zeit bis in die 1990er Jahre nach.“

Buchrezension: „Gefährliche Bürger“ – Die neue Rechte greift nach der Mitte

Russland
Putin-Sprecher bezeichnet Impfgegner als „gefährliche Irre“

Moskau – Diejenigen, die sich weigern, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und aktiv versuchen, andere davon zu überzeugen, die Impfung abzulehnen, sind „gefährliche Irre“, sagte der Pressesprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dmitri Peskow sprach in einer speziellen Fernsehsendung über das zweite Jahr mit Covid-19, zusammen mit anderen Regierungsvertretern. Auf die Frage, was er von Impfgegnern halte, ließ der Putin-Sprecher keine Zweifel aufkommen. „Diejenigen, die sich weigern, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und aktiv versuchen, andere davon zu überzeugen, die Impfung abzulehnen, sind gefährliche Irre. Das sind zwei Worte. Ein Wort allein kann es nicht ausdrücken“, sagte er der TV-Moderatorin Nailya Asker-Zade. Der Gesundheitsminister des Landes, Michail Muraschko, bezeichnete diejenigen, die sich weigern, sich impfen zu lassen, als „unvernünftig“, während Anna Popowa, die Leiterin der russischen Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor, behauptete, die Impfgegner seien „von Angst getrieben“. Wie der russische Nachrichtensender RT berichtet, befragte die Moderatorin in der Sendung auch einige Mediziner nach ihrer Meinung über die Impfgegner-Bewegung. Andrei Shkoda, der Chefarzt des Moskauer Städtischen Klinischen Krankenhauses bezeichnete das Phänomen als „militante Ignoranz“, während der stellvertretende Chefarzt einer anderen Moskauer medizinischen Einrichtung, Sergey Tsarenko, die Gegner schlichtweg als „Idioten“ bezeichnete. Russland kämpft zur Zeit mit einer Welle von Corona-Infektionen, die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist jedoch sehr gering. Laut Muraschko haben nur 62 Prozent der Russen über 60 Jahren ihre erste Dosis erhalten. Damit liegt das Land weit hinter dem Ziel einer Impfquote von 80 Prozent mit vollständigem Impfschutz.

Auch interessant

– Corona-Pandemie – Ex-US-Präsident Donald Trump ruft zur Corona-Impfung auf

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump, der den Amerikanern zuvor vorgeschlagen hatte, sich zur Behandlung von COVID-19 Bleichmittel zu injizieren, hat scheinbar einen Kurswechsel vollzogen und sich öffentlich für Impfungen ausgesprochen.

Ex-US-Präsident Donald Trump ruft zur Corona-Impfung auf
   

Corona-Pandemie
Kinderärzte fordern allgemeine Impfpflicht „sofort“

Osnabrück – Kinderärztepräsident Thomas Fischbach fordert „eine allgemeine Impfpflicht, und zwar sofort!“, um die Impflücke bei den Erwachsenen zu schließen. Die Politik habe sich viel zu lange vor dem unbequemen Thema gedrückt und wolle die Impfpflicht nun auf die lange Bank schieben, beklagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Das wäre fatal, denn umso länger müssen Kinder und Jugendliche unter den Einschränkungen leiden.“ Fischbach ergänzte: „Kinder dürften nicht länger dafür herhalten müssen, die wirklich Gefährdeten, also ungeimpfte Erwachsene, zu schützen. Denn das ist unanständig.“ Die Impfquote bei den Jugendlichen ab zwölf Jahren sei mit über 60 Prozent bemerkenswert hoch, betonte der BVKJ-Präsident weiter. Auch das spreche dafür, Schulen offen zu halten. Der Verbandschef ist zudem erbost über einen fortdauernden Mangel an Corona-Impfstoff für Minderjährige. „Es kann nicht sein, dass die Impfzentren bei der Biontech-Zuteilung bevorzugt würden und für die Kinderarztpraxen nur der Überschuss bleibt“, sagte Fischbach der NOZ. Biontech ist der einzige Impfstoff, der zurzeit für Minderjährige zugelassen ist. „Ich bekomme die Hälfte von dem, was ich verimpfen könnte“, klagte der Pädiater mit einer Praxis in Solingen, der auch regelmäßig in Impfzentren impft. „Wir brauchen einen höheren Biontech-Anteil, das liegt doch auf der Hand, stattdessen wird weiter nur der Mangel verwaltet.“ Auch das zeige, dass Kinder in der Pandemie zurückstecken müssten.

Auch interessant

– Corona-Pandemie – Türkei beginnt Impfkampagne mit eigenem Impfstoff Turkovac

Die Türkei hat am Donnerstag mit der Verabreichung des eigenen Impfstoffs Turkovac begonnen.

Türkei beginnt Impfkampagne mit eigenem Impfstoff Turkovac

ARD-DeutschlandTrend
73 Prozent halten Russland für nicht vertrauenswürdig

Bei der Frage nach internationalen Partnern für Deutschland hat Russland unter den Bundesbürgerinnen und –bürgern an Vertrauen verloren. Das hat eine repräsentative Umfrage von infratest dimap unter 1.325 Wahlberechtigten für den ARD-DeutschlandTrend von Montag bis Mittwoch dieser Woche ergeben. Aktuell sagt jeder Sechste (17 Prozent), das Land sei ein Partner, dem Deutschland vertrauen kann (-11 im Vgl. zu August 2019); drei von vier Deutschen (73 Prozent) halten Russland für keinen vertrauenswürdigen Partner. Noch hinter diesem Urteil zurück steht China: Derzeit halten 7 Prozent die Volksrepublik für einen vertrauenswürdigen Partner (-21 im Vgl. zu Februar 2019); 83 Prozent sind der Meinung, Deutschland könne China nicht vertrauen. Eine gegenläufige Entwicklung ist bei den USA zu beobachten: 56 Prozent der Deutschen bewerten sie als vertrauenswürdigen Partner. Das sind 37 Prozentpunkte mehr als im August 2019, also noch vor dem Regierungswechsel von Donald Trump zu Joe Biden. Weiterhin hoch ist das Vertrauen der Deutschen in Frankreich: 81 Prozent halten das Nachbarland für einen vertrauenswürdigen Partner (-8). Großbritannien kommt auf 46 Prozent, Polen auf 35 Prozent, die Ukraine auf 30 Prozent. Mehrheit für Nord Stream 2 Eine Mehrheit der Deutschen ist dafür, dass die russische Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 den Betrieb aufnimmt. An der Pipeline, die Erdgas aus Russland direkt nach Deutschland liefern soll, haben neben den USA auch verschiedene europäische Staaten Kritik geübt. Unter den Bundesbürgerinnen und -bürgern aber befürworten es 60 Prozent, wenn Deutschland an dem Projekt festhält. 28 Prozent sind dagegen. Anhänger fast aller im Bundestag vertretenen Parteien sind mehrheitlich für einen Start der Erdgas-Pipeline. Nur unter Grünen-Anhängern ergibt sich ein anderes Bild: Hier sind 55 Prozent dagegen, dass Deutschland an Nord Stream 2 festhält, und 34 Prozent dafür. Nach dem russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine wird auch über mögliche neue Sanktionen gegen Russland diskutiert. Die Deutschen sind in dieser Frage geteilter Meinung. 47 Prozent befürworten es, wenn die USA und die EU die Sanktionen gegen Russland weiter verschärfen; 41 Prozent stimmen dieser Aussage eher nicht zu. Jeder zweite Deutsche (50 Prozent) kann nicht verstehen, dass Russland sich vom Westen bedroht sieht; 41 Prozent hingegen haben dafür sehr wohl Verständnis (+1 im Vgl. zu Dezember 2018). Zwei Drittel (65 Prozent) sind der Meinung, europäische Staaten sollten bei der Vermittlung im Ukraine-Konflikt eine stärkere Rolle einnehmen; jeder Vierte (24 Prozent) stimmt dem eher nicht zu. Befragungsdaten
  • Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland
  • Fallzahl: 1.325 Befragte;
  • Erhebungszeitraum: 03.01.2022 bis 05.01.2022
  • Erhebungsverfahren: Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung
  • Schwankungsbreite: 2* bis 3** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 10% ** bei einem Anteilswert von 50% Die Fragen im Wortlaut:
  • Geben Sie bitte zu den folgenden Ländern an, ob das jeweilige Land ein Partner für Deutschland ist, dem man vertrauen kann oder nicht.
  1. Die USA
  2. Russland
  3. Ukraine
  4. Frankreich
  5. Großbritannien
  6. China
  7. Polen
  • Bitte geben Sie zu den folgenden Ansichten zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine an, ob Sie ihnen eher zustimmen oder eher nicht zustimmen.
  1. Ich kann nachvollziehen, dass sich Russland vom Westen bedroht sieht.
  2. Europäische Staaten sollten bei der Vermittlung im Ukraine-Konflikt eine stärkere Rolle einnehmen.
  3. Ich fände es richtig, wenn die USA und die EU die Sanktionen gegenüber Russland weiter verschärfen würden.
Mit der Pipeline NordStream 2 soll künftig Erdgas aus Russland direkt nach Deutschland geliefert werden. Sollte Deutschland aus Ihrer Sicht an dem Projekt NordStream 2 weiter festhalten oder nicht?

Auch interessant

– Türkisch-armenische Beziehungen – Armenien hebt Embargo für Waren aus der Türkei auf

Im Zuge der Wiederannäherung zwischen der Türkei und Armenien hat Jerewan angekündigt, ihr Embargo gegen türkische Waren ab Anfang 2022 aufzuheben.

Armenien hebt Embargo für Waren aus der Türkei auf

Griechenland
Türkische Städtenamen und die demografische Entwicklung in Westthrakien

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge Vor etwas mehr als 100 Jahren stellte die türkische Volksgruppe in Westthrakien die Bevölkerungsmehrheit. Durch die systematische Ansiedlung von Griechen aus anderen Landesteilen Griechenlands und Pontus-Griechen aus der ehemaligen Sowjetunion wurde die türkische Volksgruppe zur Minderheit im eigenen Land. Hier ein Vergleich der Bevölkerungszahl aus dem Jahr 1896. Damals lebten im Sandschak des Osmanischen Reiches in Gümülcine (das heutige Komotini), Dedeağaç (Alexandroupolis), Edirne und Selanik (Thessaloniki) 206.914 türkische Muslime, 20.671 Bulgaren, 15.241 Griechen, 912 Roma, 360 Armenier, 339 Juden und 235 Ausländer. Tabelle aus Alp, Ilker: Batı Trakya Türkleri (S. 615). Der Begriff Kaza steht im Deutschen für Landkreis. Die Zahlen sind nach den entsprechenden Landkreisen und Bevölkerungsgruppen aufgeteilt. Bei der türkischen Bevölkerungsgruppe ergibt sich eine Gesamtbevölkerung von 129.120, die griechische Volksgruppe mit 33.910, die Bulgaren mit 26.266, die Juden 1.480 und die Armenier 923. Bevölkerungsverschiebung begann bereits in den 20er-Jahren Anhand der dritten Tabelle wird die demografische Entwicklung der türkisch-muslimischen und griechischen Bevölkerungsgruppen in Westthrakien noch deutlicher. Für Leser, die der türkischen Sprache nicht mächtig sind, möchte ich diese Tabelle erläutern. Ganz links sind die Jahre angegeben und gleich rechts die Bevölkerungsentwicklung in Griechenland insgesamt. Rechts davon ist die Gesamtbevölkerungszahl Westthrakiens aufgelistet, daneben die Bevölkerungszahl der türkisch-muslimischen Bevölkerung. Rechts ist der prozentuale Anteil der türkisch-muslimischen Bevölkerung und ganz rechts der griechische Bevölkerungsanteil in Westthrakien und der prozentuale Anteil. Ich hatte zu Beginn dieses Artikels die Auffassung vertreten, dass die türkische Minderheit, die einst die Bevölkerungsmehrheit in Westthrakien stellte, heute zur Minderheit im eigenen Land geworden ist. Diese These wird durch die Tabelle (S. 103) des Akademikers Ahmet Serdar bestätigt, weil durch die Ansiedlung von Griechen bereits in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und in den 90er-Jahren aus der ehemaligen UdSSR mittlerweile die griechische Bevölkerung die Mehrheit in Westthrakien stellt. Griechenland setzt Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nicht um Zur türkisch-muslimischen Minderheit in Westthrakien: Es gibt dazu zahlreiche Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), bei dem die ethnische und religiöse Identität der türkisch-muslimischen Minderheit seitens des Gerichts anerkannt wurde. Leider weigert sich Griechenland seit nunmehr 14 Jahren, die Urteile des höchsten europäischen Gerichts umzusetzen. Griechenland nimmt EU-Gelder gerne in Anspruch, aber wenn es darum geht, Urteile des EGMR umzusetzen, weigert sich Athen, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Griechenland ist das einzige Land in Europa, das ethnische Minderheiten nicht anerkennt. Pomaken sind türkischer Herkunft Griechische Regierungen haben in Westthrakien stets nach der lateinischen Redewendung „Divide et impera“ (Teile) gehandelt und versuchen die Bevölkerungszahl der türkischen Volksgruppe klein zu halten. Es ist immer von „muslimischen Griechen“ die Rede, obwohl sich die Türken in Westthrakien zu ihrer türkischen Identität bekennen. Dann werden die Türken noch einmal in Pomaken und Roma unterteilt. Pomaken haben von ihrer Herkunft betrachtet türkische Wurzeln. Wenn sich jemand als Roma betrachtet, ist das in Ordnung, aber man kann meines Erachtens die Menschen nicht zwingen, eine ethnische Identität anzunehmen, die sie gar nicht wollen. Westthrakien gehört zu den ärmsten Regionen der EU Die Regionen Westthrakien und Ostmazedonien gehörten nach einer Meldung der griechischen Zeitung Kathimerini 2017 zu den ärmsten Regionen in Griechenland. Demnach haben diese beiden Regionen das geringste Bruttosozialprodukt (46 pct). 4 von 13 Regionen Griechenlands gehören EU-weit zu den 20 ärmsten Regionen in den Mitgliedsstaaten der EU. Ostmazedonien und Thrakien rangieren auf dem 11. Platz, gefolgt vom Epirus auf dem 13. Platz, die nördliche Ägäis auf Rang 14 und Westmazedonien auf dem 17. Platz. Die Gesamtstaatsverschuldung Griechenlands stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2021 auf 366,26 Milliarden Euro und soll bis 2026 auf 379,49 Milliarden Euro ansteigen. Immer mehr Menschen wandern vom Land in die Städte und von ärmeren Regionen in Städte, in dem das Bruttoinlandsprodukt höher bzw. die Aussicht auf Arbeit wahrscheinlicher ist. Diese Entwicklung trifft nicht nur auf Griechenland zu, sondern ist ein Problem vieler Länder.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar

Auch interessant

– Tourismus – Türkei: Griechenland ist ein Partner

Die Türkei sieht Griechenland als Partner und nicht als Rivalen und will die Beziehungen in allen Bereichen verbessern, so der türkische Tourismusminister.

Türkei: Griechenland ist ein Partner

Türkei
Oppositionspolitiker verurteilt „größte Strompreiserhöhung in der Geschichte der Türkei“

Ankara – Der Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei hat am Dienstag die Regierung für die „größte Strompreiserhöhung“ in der Geschichte des Landes scharf kritisiert. In einer Rede vor der Parlamentsfraktion der Republikanischen Volkspartei (CHP) sagte Kemal Kilicdaroglu, die Entscheidung zur Erhöhung der Strompreise sei von Präsident Recep Tayyip Erdogan und nicht von „ausländischen Mächten“ getroffen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Anadolu. Die Regierung hatte in der vergangenen Woche überarbeitete Stromtarife für 2022 angekündigt und die Preise für Haushalte um 50 Prozent und für Unternehmen um 125 Prozent erhöht. „Wer hat die größte Strompreiserhöhung in der Geschichte der türkischen Republik vorgenommen? Diese Frage stelle ich meinen Brüdern, die für die AK-Partei (Gerechtigkeit und Entwicklung) gestimmt haben“, erklärte Kilicdaroglu. „Wurde dies von einer ausländischen Macht beschlossen? Welche ausländische Macht hat das getan“, fuhr er fort. Mit Blick auf Präsident Erdogan fügte er hinzu: „Sie haben das getan. Diese Preiserhöhung war Ihre Entscheidung.“ Durmus Yilmaz, ein ehemaliger Zentralbankchef, schrieb auf Twitter, die Regierung verurteile die türkische Bevölkerung zu „tiefer Armut“ und warnte vor „großen sozialen Problemen“.

Auch interessant

– Wahlen 2023 – Türkei: Oppositionspolitiker Kilicdaroglu verspricht Lösung der Wirtschaftsprobleme

Der türkische Oppositionschef versprach bei einem Treffen mit seinen Anhängern in der südtürkischen Stadt Mersin die „wirtschaftlichen Probleme des Landes“ zu lösen und sich für ein „Ende der Polarisierung im Land“ einzusetzen.

Türkei: Oppositionspolitiker Kilicdaroglu verspricht Lösung der Wirtschaftsprobleme

Rassismus
Asamoah bezeichnet Affenlaute als „das Schlimmste“

Hamburg – Der rassistische Vorfall in einem Drittligaspiel zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück im Dezember hat den früheren Fußballprofi und deutschen Nationalspieler Gerald Asamoah „tief getroffen“. Besonders die Affenlaute erinnern ihn an seine eigene Profizeit. „Diese Laute sind das Schlimmste. Es sind verstörende Erinnerungen“, schreibt Asamoah in einem Gastbeitrag für den stern. Der ehemalige deutsche Nationalspieler schildert die Verletzungen, die rassistische Äußerungen bei ihm in seiner aktiven Zeit ausgelöst haben: „Oft höre ich dann selbst von Leuten, die sich für fortschrittlich halten: „Ach komm‘, stell‘ Dich doch nicht so an.“ Aber das sind nicht einfach irgendwelche Beleidigungen. Du wirst zu einem Tier abgewertet! Zu einem Affen, der seine Bananen fressen soll! Nur weil Deine Hautfarbe anders ist, sprechen Dir diese Leute ab, ein gleichwertiger Mensch zu sein, überhaupt ein Mensch zu sein!“ Das Gleiche gelte für das N-Wort, das für „jahrhundertelange systematische Unterdrückung“ stehe. Den Spielabbruch und die Reaktion der Zuschauer, die sich mit dem Profi Aaron Opoku im Stadion solidarisierten, hält Asamoah für einen „historischen Moment im deutschen Profi-Fußball“. Dass „alle gemeinsam“ aufgehört haben zu spielen“, sei ein „großes, ein selbstloses Zeichen. Ein Zeichen, das mir Hoffnung macht“. Asamoah, der als Teammanager für seinen Herzensklub Schalke 04 arbeitet, sieht in der Reaktion der Fans im Stadion eine „positive Entwicklung“. Er plädiert dafür, auch den „eher leisen und für viele unangenehmen strukturellen Rassismus“ in den Blick zu nehmen. Wir alle müssten uns fragen: „Tun wir wirklich genug dafür, damit Rassismus in unserer Gesellschaft keine Chance hat?“

Auch interessant

– Fremdenfeindlichkeit – Gegen Rassismus: Hans Sarpei wünscht Spiel in Ghana

Der ehemalige Fußballprofi Hans Sarpei sieht den Deutschen Fußball-Bund im Kampf gegen Rassismus stärker in der Pflicht.

Gegen Rassismus: Hans Sarpei wünscht Spiel in Ghana

Corona-Pandemie
NRW gegen Schulschließungen

Bielefeld – Die Landesregierung von NRW hat sich im Vorfeld der für Mittwoch geplanten Kultusministerkonferenz, auf der über die Lage und Zukunft der Schulen beraten werden soll, gegen eine Schließung der Einrichtungen ausgesprochen. Ein Sprecher des Schulministeriums sagte der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen, dass landesweite Schulschließungen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vermieden werden müssten. Zudem gebe es für landesweite Schulschließungen keine infektionsschutzrechtliche Grundlage. Ein Aussetzen des Schulbetriebes würde zudem zwangsläufig auch ein Aussetzen aller Schultestungen bedeuten – und damit eine weniger kontrollier- und einschätzbare Infektionslage. Stark-Watzinger appelliert an Länder: Schulen auch mit Omikron offen halten Bundesbildungsministerin hofft auf klares Signal der Kultusministerkonferenz am Mittwoch – Schulen „keine Pandemietreiber“ Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hat vor der Kultusministerkonferenz an diesem Mittwoch an die Bildungsminister der Länder appelliert, weiterhin auf Schulschließungen zu verzichten. „Ich hoffe sehr, dass sich die Kultusministerkonferenz dafür aussprechen wird, die Schulen auch mit Omikron offen zu halten. Wir unterstützen als Bund mit allem, was notwendig ist, um das zu ermöglichen. Die Schulen sind durch Testen, Maskentragen und Hygienemaßnahmen weitgehend sichere Orte. Sie wirken stabilisierend und sind bisher keine Pandemietreiber“, sagte Stark-Watzinger der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Präsenzunterricht müsse trotz Omikron „absolute Priorität haben“. „Wir haben gesehen, dass gerade die Kinder, die besondere Unterstützung brauchen, bei Schulschließungen und Distanzunterricht benachteiligt werden. Es sind erhebliche Lernlücken entstanden. Präsenzunterricht ist daher eine Frage der Chancengerechtigkeit. Wir müssen das Recht auf Bildung, das das Bundesverfassungsgericht noch einmal unterstrichen hat, garantieren“, sagte Stark-Watzinger der NOZ. Wichtig sei, dass das Impfen mit mobilen Teams an den Schulen stärker vorangetrieben werde.

Auch interessant

– Corona-Pandemie – Türkei: Gesundheitsminister Koca ruft erneut zur Booster-Impfung auf

Der türkische Gesundheitsminister hat die Bevölkerung erneut aufgerufen, sich impfen zu lassen.

Türkei: Gesundheitsminister Koca ruft erneut zur Booster-Impfung auf

Türkei
Veranstaltung zu Ehren des Menschenrechtlers Dr. Sadık Ahmet

Ankara/Gümülcine – Das Amt für Auslandstürken und verwandte Gemeinschaften (YTB) führt im Andenken und zum Geburtstag des Menschenrechtlers, Politikers und Gründers der Partei für Freundschaft, Gleichheit und Frieden (DEB), Dr. Sadık Ahmet, am 7. Januar 2022 im Konferenzsaal der Volksbibliothek des Präsidialamtes in Ankara ein Gedenkprogramm durch. Im Rahmen der Veranstaltung soll zu Ehren des „Helden von Gümülcine“ ein von der YTB vorbereitetes Buch über Ahmet vorgestellt werden. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung durch das staatliche türkische Volksmusikchor (Devlet Türk Halk Müziği Korosu). Es sollen Lieder gesungen werden, die der Mediziner zu Lebzeiten gerne gehört hat. Türkische Post PTT ehrt Dr. Sadık Ahmet mit zwei Sonderbriefmarken Ferner ist ein Auftritt eines Schulchors aus Westthrakien geplant, der den Sadık Ahmet Marsch anklingen lassen soll. Die türkische Post (PTT) hat sich eine ganz besondere Ehrung für Ahmet einfallen lassen und bringt zwei Sonderbriefmarken zum Arzt aus Gümülcine heraus. Während der Gedenkstunde sollen nach Angaben des Veranstalters Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy und der Präsident des Amtes für Auslandstürken Abdullah Eren eine Rede halten. Sadık Ahmet erblickte am 7. Januar 1947 im Dorf Sirkeli/Gümülcine das Licht der Welt. Nach der Grundschule in Sirkeli, besuchte dieser die Celal-Bayar-Schule der türkisch-muslimischen Minderheit in Westthrakien, in dem er auch sein Abitur absolvierte. Der Chirurg aus Komotini, der sich den Menschenrechten der türkischen Minderheit verschrieb An den Universitäten in Ankara und Thessaloniki studierte er Medizin, die er 1974 abschloss und ab 1984 als Chirurg arbeitete. Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Arzt, widmete sich Ahmet den gesellschaftlichen Problemen der türkischen Minderheit im nordöstlichen Teil Griechenlands. Ein wesentliches Merkmal dieser Problematik besteht darin, dass Athen sich weigert die Türken in Westthrakien als ethnische Minderheit anzuerkennen und stattdessen den Begriff „griechische Muslime“ verwendet, obwohl diese Menschen sich als Türken muslimischen Glaubens betrachten. Bei einem dubiosen Verkehrsunfall im Dorf Susurköy (Sostis) am 24. Juli 1995, der noch immer nicht vollständig aufgeklärt werden konnte, kam Sadık Ahmet ums Leben. Kemal Bölge

Zum Thema

– Griechenland – Gedenkzeremonie für den Menschenrechtsaktivisten und Politiker Dr. Sadık Ahmet

Im Andenken an den Menschenrechtsaktivisten, Politiker und Gründer der Partei für Freundschaft, Gleichheit und Frieden (DEB), Dr. Sadık Ahmet, findet heute in der griechischen Stadt Komotini (Gümülcine) eine Gedenkzeremonie statt.

Gedenkzeremonie für den Menschenrechtsaktivisten und Politiker Dr. Sadık Ahmet