Ukraine-Krieg
Henry Kissinger spricht sich gegen Putin-Sturz aus

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New York – Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger hat sich in einem stern-Gespräch für einen weiteren Dialog mit Russland und auch mit dessen Präsidenten Wladimir Putin ausgesprochen. Kissinger sagte:
„Eines Tages wird der Krieg beendet sein. Und nach diesem Krieg wird die Beziehung zwischen der Ukraine und Russland neu definiert werden. Auch Europa wird seine Beziehung mit Russland neu definieren müssen, denn Russland wird weiterhin ein wichtiger Faktor in den internationalen Beziehungen sein. Sollte Russland als Resultat des Krieges auseinanderbrechen, würde das zu Chaos in Zentralasien und im Mittleren Osten führen.“
Auf die Frage, ob Frieden erst nach Putins Absetzung möglich sei, sagte Kissinger: „Es ist wahrscheinlich, dass ein Friedensvertrag mit Putin gemacht werden muss. Sollte er gestürzt werden, würde das die Verhandlungen sicherlich erleichtern. Aber sollten alle Ziele erreicht sein, hätte eine Fortsetzung des Krieges, nur um Putin zu stürzen, sicherlich keine öffentliche Unterstützung, egal, wie unbeliebt Putin gerade ist.“ Der Politikwissenschaftler, der zahlreiche US-Präsidenten in führender Position beriet, warb zudem für ein umfangreiches neues Hilfsprogramm für die Ukraine:
„Nach dem Krieg ist ein Wiederaufbauplan für die verwüstete Ukraine essenziell. Ich hoffe, dass die Staaten der Atlantischen Allianz dabei zusammenarbeiten. In diesem Sinn brauchen wir einen Marshallplan. Und in einem tieferen Sinn könnte ein hoffnungsvolles Experiment entstehen: Russland wird verstanden haben, dass ein Angriff auf Europa das Ziel verfehlt. Die Nato tritt geschlossen auf, mit der Unterstützung der USA. Da wird sich Europa fragen müssen: Wie soll die langfristige Beziehung mit Russland aussehen? Muss sie allein auf militärischer Abschreckung basieren – oder ist ein Miteinander auf Grundlage kühler Entscheidungen möglich?“
Zur Frage, ob die Ukraine EU-Mitglied werden solle, sagte Kissinger: „2014 schrieb ich einen Artikel in der „Washington Post“, in dem ich davor warnte, die Ukraine zum Nato-Mitglied zu machen. Damals dachte ich, die Ukraine könnte eine Brückenfunktion zwischen Russland und der EU einnehmen. Ich dachte, sie könnte eine Rolle wie Finnland spielen – mit einem starken Bekenntnis zur eigenen Verteidigung, aber auch einer Bereitschaft zum Dialog. Das ist nun nicht mehr möglich. Die Ukraine ist praktisch gesehen ein Nato-Mitglied, und es wird schwer, das rückgängig zu machen. Eine Lösung, die mir vorschwebt, wären Rüstungsbeschränkungen entlang der Grenzen zwischen der EU und Russland, verbunden mit einem Bekenntnis zu gegenseitiger Zurückhaltung, aber das bedarf einer großen intellektuellen Anstrengung.“ Freilich rief Kissinger auch zu entschiedenem Widerstand gegen russische Atom-Drohungen auf: „Es ist eine sehr fragile Lage, wenn Atommächte sich im Konflikt befinden über ein nichtnukleares Land. Was die atomaren Drohungen Russlands angeht – da dürfen wir auf keinen Fall klein beigeben. Aus zwei Gründen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass seit dem Zweiten Weltkrieg Unmengen ausgegeben wurden, um die Atomwaffen zu verbessern, und trotzdem hat kein Land sie seither eingesetzt, denn niemand sieht sich in der Lage, die Folgen zu kontrollieren. Sollte Putin diese Grenze überschreiten, muss er zurückgewiesen werden. Einem Friedensvertrag zuzustimmen, der unter der Drohung des Einsatzes atomarer Waffen zustande kommt, ist undenkbar. Das würde die Welt verändern.“

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NATO-Gipfeltreffen
NATO: Türkei kündigt Treffen mit Schweden und Finnland an

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Istanbul – Der türkische Präsident Recep Tayyip wird am Dienstag in Madrid mit dem NATO-Chef und den Staats- und Regierungschefs von Schweden und Finnland zusammentreffen, so Präsidentensprecher İbrahim Kalin in einem Interview mit dem TV-Sender Haber Türk.

Bereits gestern kündigten auch Schwedens Premierministerin Magdalena Andersson und NATO-Chef Jens Stoltenberg ein Treffen mit Erdogan in Madrid in der kommenden Woche an.

„Ich hatte heute ein gutes Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Erdogan über den schwedischen NATO-Beitritt. Wir waren uns einig, dass es wichtig ist, im Vorfeld des NATO-Gipfels nächste Woche in Madrid Fortschritte zu erzielen. Ich freue mich auf das Treffen mit Präsident Erdogan und anderen führenden Vertretern der Alliierten“, so Anderson in einem Tweet am Samstag. Am selben Tag schrieb Stoltenberg auf Twitter:
Gutes Gespräch mit Präsident @RTErdogan unseres geschätzten Verbündeten #Türkei, um die #NATO-Bewerbungen von #Finnland und #Schweden zu besprechen. Wir haben vereinbart, die Gespräche nächste Woche in Brüssel und Madrid fortzusetzen.
Schweden und Finnland haben im vergangenen Monat als Reaktion auf den Einmarsch Russlands in der Ukraine den Beitritt zum Verteidigungsbündnis beantragt, sind aber auf den Widerstand der Türkei gestoßen, die sie der Unterstützung terroristischer Gruppen beschuldigt. Damit Schweden und Finnland Teil der Militärallianz werden, müssen alle 30 bisherigen Mitgliedsstaaten einer Aufnahme zustimmen. Die Türkei wirft Finnland und Schweden vor, nicht entschlossen genug gegen die PKK-Terrororganisation im skandinavischen Exil vorzugehen. „Die NATO ist eine Sicherheitsorganisation, keine terroristische Organisation“, so der türkische Staatschef. „Die Türkei kann Schwedens NATO-Bewerbung nicht unterstützen, während ihr staatliches Fernsehen Interviews mit Terroristenführern ausstrahlt, und dasselbe gilt für Finnland“, fügte er hinzu. Die Türkei ist seit 1952 Mitglied der NATO und unterhält nach den USA die zweitgrößte Armee des Militärbündnisses. Im Nahen Osten ist das Land der wichtigste strategische Partner der USA.

Gastbeitrag
„Die Türkei hat uns sehr viel zu verdanken“

Ein Gastbeitrag von M. Teyfik Oezcan

In den letzten Tagen registrieren wir erneut verbale Giftpfeile aus der Türkei, die das Ziel haben, „Avrupali Türkleri“ zu dämonisieren und eine immer wiederkehrende Neiddebatte loszutreten. Kennt Ihr den Film „Dağ sıçanı her gün selamlıyor”, auf Deutsch “Täglich grüßt das Murmeltier”? So fühlt es sich permanent an.

Bevor ich auf die Kernpunkte eingehe, möchte ich vorab mit einem Missverständnis aufräumen:

Wir, in Europa geborene Menschen mit türkischen Wurzeln, entsprechen nicht mehr Euren gängigen Klischees und Stereotypen. Wir verstehen uns weder als „Gurbetci“, noch „Almanci“ oder „Diaspora Türkleri“. Das entspricht nicht unserem Selbstverständnis. „Diaspora Türkleri“ waren wir zu keinem Zeitpunkt, und „Gurbetci“ oder „Almanci“ sind Relikte aus dem letzten Jahrtausend.

Ihr könnt uns respektvoll als „Avrupali Türkler“ klassifizieren!

Wir interpretieren unsere Identität auf der Grundlage unseres aktuellen Lebensmittelpunktes und unserer historischen Wurzeln, was uns im Gegensatz zu vielen Menschen in der Türkei mit Stolz erfüllt.

Eure herablassenden Gedankengänge tangieren uns nicht und sind für uns ein unerschütterlicher Beweis für unser Lebenswerk. Euer Neid ist der Schatten, den unser Erfolg wirft.

Anstatt darüber nachzudenken, wo die Türkei heute wäre ohne die „Avrupali Türkler“, werdet ihr von Eurer persönlichen Unzufriedenheit getrieben.

Die Türkei hätte sich ohne uns in vielen Bereichen, wie Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Politik, Sport sowie Kunst und Kultur nicht so weit entwickelt. Seit über 60 Jahren hat der direkte und indirekte Kapitalfluss von Europa in die Türkei die 1.000 Milliarden Euro Schallmauer durchbrochen und dadurch Eure Lebensqualität signifikant verbessert.

Ferner hat der Brain-Drain von Europa in die Türkei Eure Wirtschaft und Wissenschaft massiv gefördert und damit die wirtschaftliche Kompetenz sowie Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und in der Konsequenz eine große Anzahl an Arbeitsplätzen in der Türkei geschaffen, was man nicht monetär in Euro und TL aufwiegen kann.

Es gibt noch eine Vielzahl an relevanten Themen, auf die ich jetzt nicht eingehen möchte.

Fakt ist, dass die Türkei und ihre Bewohner uns sehr viel zu verdanken haben. Wir erwarten keine Ehrerbietung, aber wir erwarten Respekt, Anstand und Wertschätzung für unsere bisherigen Leistungen, insbesondere die der ersten Generation.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar

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Energiepolitik
Energiesicherheit: Probleme in Deutschland sind hausgemacht

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Russland hat seine Drohung wahr gemacht und liefert zurzeit 60 Prozent weniger Erdgas durch die Pipeline Nord Stream 1. Eine weitere Drosselung hätte dramatische Folgen für die deutsche Wirtschaft und die Verbraucher.

Durch Ostseepipeline fließt deutlich weniger russische Gas

Für Deutschland zählt die Energiesicherheit zu den wesentlichen Eckpfeilern einer wachstumsorientierten Wirtschaft, die hierzulande nicht umsonst als Staatspolitik gilt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte am Donnerstag die zweite Krisenstufe im Notfallplan Gas ausgerufen.

Als Gründe gelten die seit Juni durch Russland gedrosselten Gaszufuhren und die enorm gestiegenen Preise am Gasmarkt. Der russische Energiekonzern Gazprom hatte seine Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 deutlich reduziert.

Durch die Gaspipeline fließen zurzeit etwa 40 Prozent der Maximalkapazität. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die daraufhin verhängten Sanktionen gegen Moskau haben die Energieabhängigkeit Europas von russischem Erdgas, insbesondere Deutschlands, deutlich werden lassen.

Gelingt die Energieunabhängigkeit von Russland?

Die Bundesregierung hat zwar konkrete Gespräche mit Vertretern anderer Staaten und Gasunternehmen geführt und Vereinbarungen getroffen, um unabhängiger von russischen Gasimporten zu werden, aber es darf ernsthaft bezweifelt werden, dass beispielsweise Gasimporte aus Norwegen, Katar oder den USA den Gasbedarf Deutschlands decken können.

2021 bezog Deutschland etwa 55 Prozent seiner Gaslieferungen aus Russland, die im April 2022 auf 35 Prozent sank. Durch Gaslieferungen aus anderen Ländern, insbesondere durch den Kauf von verflüssigtem Erdgas (LNG), will die Ampel-Koalition die Abhängigkeit von russischem Erdgas bis Jahresende auf 30 Prozent verringern.

Hat die Bundesregierung die Energiekrise nicht vorausgesehen?

Die berechtigte Frage wäre, wie es so weit kommen konnte, dass der Bundeswirtschaftsminister die zweite Stufe des Notfallplans Gas ausgerufen hat.

Denn vor wenigen Tagen hatte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, in einer eindringlichen Botschaft die Reduzierung der Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 um 60 Prozent als „dramatisch“ bezeichnet und vor Lieferengpässen gewarnt, die für deutsche Wirtschaft und die Verbraucher „schwere Folgen“ haben könnten.

Es war vorhersehbar, dass Russland im Rahmen des Ukraine-Krieges die Energieabhängigkeit Europas und vor allem Deutschlands als Instrument einsetzt, um diese Länder zu schwächen oder zu Zugeständnissen zu bewegen.

Ölkrise von 1973 zeigte die Energiedependenz der Industriestaaten

Bereits die Ölkrise von 1973 hatte den Industrieländern ihre Abhängigkeit vom „schwarzen Gold“ aufzeigt, als die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) eine Drosselung der Erdölproduktion ankündigte und infolgedessen die Preise enorm anstiegen und die Wirtschaft in eine Rezession stürzte.

Spätestens seit der erwähnten Ölkrise von 1973 sollte den Regierungen klar geworden sein, dass die Energiesicherheit von strategischer Bedeutung ist und vor allem eins ist, eine Sicherheitspolitik.

Hausgemachte Probleme zur Energiesicherheit

Die Probleme wegen der Energiesicherheit in Deutschland sind hausgemacht, denn die früheren Bundesregierungen haben sich durch langfristige Verträge und dem Bau von Pipelines in Energieabhängigkeit von Russland begeben.

Selbst wenn es Deutschland in ein paar Jahren gelingen sollte, auf russisches Erdgas ganz zu verzichten, müssen die Steuerzahler für die Zahlungsverpflichtungen aus den langfristigen Verträgen aufkommen.

Energiewende wurde verschlafen

Aus Bequemlichkeit und vor allem wegen der günstigen Anschaffung von fossilen Energien wie Gas und Kohle haben die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft jahrzehntelang es versäumt, die Energiewende einzuleiten.

Apropos Kernenergie: Es kommt noch hinzu, dass unter der Regierung von Angela Merkel voreilig der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen wurde, obwohl schon damals klar war, dass diese Entscheidung ernsthafte Risiken wegen der Stromversorgung mit sich bringt, denn noch immer importieren deutsche Energieversorger Atomstrom aus den Nachbarländern Deutschlands.

Bei der Stromversorgung lag der Anteil von Nuklearenergie in Deutschland 2021 bei 12,1 Prozent, Kohle 29 Prozent, Erdgas 15,2 Prozent und von erneuerbaren Energien 40,4 Prozent.

Kann Kohle eine Alternative zu Erdgas sein?

Die Gasspeicher in Deutschland sind im Augenblick zu 56 Prozent gefüllt, was nach Ansicht von Energieexperten für 4-6 Wochen ausreicht. Der eigentliche Plan der Bundesregierung bestand darin, die Gasspeicher im Herbst auf 80-90 Prozent zu füllen, aber dieses Vorhaben dürfte angesichts reduzierter Gaslieferungen aus Russland nicht zu bewerkstelligen sein.

Wirtschaftsminister Habeck hat zum Energiesparen aufgefordert und wegen der gedrosselten Gaslieferungen sollte mehr Kohle verfeuert werden, um damit Strom zu erzeugen. Die Grünen waren es, die den Ausstieg aus der Kohleverstromung vehement eingefordert haben und ausgerechnet der grüne Wirtschaftsminister fordert als Alternative zum Gas die Verfeuerung von Kohle.

Die Kohleverstromung mag eine Möglichkeit sein, um die derzeitige Energiekrise zu verringern, aber sie gilt vor allem als klimaschädlichster Energieträger.

Bundesregierung ist gefordert

Deutschland hat sich durch langfristige Energielieferverträge in Abhängigkeit zu Russland begeben, weil die Lieferkonditionen für die fossilen Brennstoffe günstig waren, wovon deutsche Unternehmen als Wettbewerbsvorteil profitiert haben.

Aber auch für die Verbraucher hatten davon einen Nutzen. Durch den Russland-Ukraine-Krieg hat sich die Sicherheitsarchitektur in Europa verändert und dies hat auch Auswirkungen auf die Energiesicherheit in Deutschland und Europa. Die Energieknappheit führt zu höheren Preisen, was die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in Deutschland ein großer Nachteil ist.

Bundeskanzler Scholz und seine Regierung sind in der Pflicht, Deutschlands Energiesicherheit weiterhin zu gewährleisten, damit es hier nicht zu ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten für Unternehmen und Verbraucher kommt.

Erschienen auf TRT Deutsch


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar


Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Er schreibt als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, die Beziehungen EU-Türkei, die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei, Südosteuropa, die Kaukasusregion sowie die deutsche Innenpolitik.


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Mögliche Corona-Herbstwelle
Mehrheit für Maskenpflicht in Innenräumen ab Herbst

Berlin – Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hält sich offen, ab Herbst wieder eine Maskenpflicht in Innenräumen einzuführen. Derzeit spricht sich eine Mehrheit (63 Prozent) der Bundesbürger:innen für diese Maßnahme aus. Die Anhänger:innen der Regierungsparteien sind sich bei dieser Frage uneinig. Den größten Zuspruch für eine Maskenpflicht gibt es unter den Anhänger:innen der Grünen (82 Prozent) und der SPD (78 Prozent). Unter den Anhänger:innen der FDP unterstützen 43 Prozent diese Maßnahme. Den geringsten Zuspruch hat eine Maskenpflicht ab Herbst in Innenräumen unter den Anhänger:innen der AfD (30 Prozent). Während sich 77 Prozent der über 65-Jährigen für eine Maskenpflicht in Innenräumen ab Herbst aussprechen, sind es in der untersten Altersgruppe (18-34-Jährige) nur 48 Prozent, so die Umfrageergebnisse des DeutschlandTrend. Länder drängen Bund zur Vorbereitung Angesichts einer möglichen Corona-Welle im Herbst haben mehrere Länder die Regierung aufgefordert die gesetzlichen Voraussetzungen für schärfere Schutzmaßnahmen zu schaffen. Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern drängen den Bund angesichts einer drohenden Corona-Welle im Herbst, schnell die gesetzlichen Voraussetzungen für schärfere Schutzmaßnahmen zu schaffen. Noch vor der Sommerpause müsse die Regierung eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes vorlegen, heißt es in einem Beschlussentwurf, berichtete die tagesschau.  Dies sei nötig, um auf einen Anstieg der Infektionen im Herbst mit geeigneten Gegenmaßnahmen reagieren zu können. „Dazu zählen insbesondere Maskenpflicht in Innenräumen, 3G/2G-Zugangsregeln, Testpflichten, Personenobergrenzen und Kontaktbeschränkungen“, heißt es in dem Vorschlag der vier Länder, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Inflation
Mietwagen um fast 50 Prozent teurer

Wiesbaden – Mietwagen verteuern sich in Deutschland zunehmend. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, erhöhten sich die Preise für Mietwagen in Deutschland im Mai 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat um 48,7 Prozent. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise insgesamt sind im gleichen Zeitraum um 7,9 Prozent gestiegen. Überdurchschnittliche Preisanstiege bei Mietwagen sind bereits seit Längerem zu beobachten: Insbesondere seit Mai 2021 müssen die privaten Haushalte für das Mieten von Kraftfahrzeugen in Deutschland zweistellige Teuerungsraten hinnehmen. Die Gründe für den deutlichen Preisanstieg ab Mitte 2021 sind vielfältig, z. B. hatten viele Anbieter von Mietwagen im ersten Corona-Jahr ihre Fahrzeugflotten verkleinert. In den rund 4 400 Unternehmen in Deutschland, die Mietwagen anbieten, arbeiteten im Jahr 2020 rund 31 900 Beschäftigte. Sie erwirtschafteten einen Umsatz von rund 34,7 Milliarden Euro. In 2020 lag die Preisentwicklung bei Mietwagen im Jahresdurchschnitt mit 0,8 Prozent nur knapp über der Gesamtteuerung mit 0,5 Prozent.

Balkan
Serbien: Erdogan erster Staatsgast nach Vucics Wiederwahl

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Belgrad – Bei einem kürzlichen Besuch des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu wurde der bevorstehende Besuch Erdogans in Serbien angekündigt. Der Staatssekretär des Außenministeriums, Nemanja Starović, erklärte am Freitag, dass über das Datum des Besuchs des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Serbien intensiv verhandelt wird und betonte, dass der „bevorstehende Besuch“ sehr wichtig sein wird. „Recep Tayyip Erdoğan wird somit der erste ausländische Staatsgast, der Belgrad in der zweiten Amtszeit von Präsident Vučić besucht „, sagte Starović gegenüber dem Sender RTS. Er betonte die Bedeutung eines „besonderen Vertrauensverhältnisses“ zwischen den beiden Präsidenten. „Der Besuch Erdoğans wird sicherlich eine gute Gelegenheit sein, globale politische und sicherheitspolitische Fragen zu erörtern und dabei zu berücksichtigen, dass sich die Türkei sehr für eine Friedenslösung zwischen Russland und der Ukraine einsetzt und dass unsere Positionen sehr einheitlich sind, da wir uns auch für eine friedliche Lösung einsetzen“, so Starovic. „Wir erwarten Gespräche über zahlreiche Themen im Bereich der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und den endgültigen Abschluss eines Abkommens, das die Einreise unserer Bürger mit Personalausweisen in die Türkei ermöglichen wird“, sagte Starovic. Er erklärte, dass in diesem Sommer etwa 300.000 serbische Touristen in der Türkei erwartet werden, und dass andererseits die Zahl der türkischen Touristen in Serbien jedes Jahr steigt. Zum Besuch des türkischen Außenministers Mevlüt Çavuşoğlu in Belgrad sagte Starovic, dass es sehr wichtig sei, einen kontinuierlichen und sinnvollen Dialog mit der Türkei zu führen. Er betonte, dass es unmöglich sei, dauerhaften Frieden, Stabilität und Wohlstand auf der Balkanhalbinsel ohne gute Beziehungen zwischen Ankara und Belgrad zu gewährleisten, und fügte hinzu, dass die Türkei nun ihre wirtschaftliche Präsenz auf dem Balkan ausbauen wolle.

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Niedersachsen
Sportlerin wegen ihres Kopftuchs disqualifiziert

Köln – Eine jugendliche Karateka wurde bei den Budo German Open in Oldenburg-Ofenerdiek (Niedersachsen) aufgrund ihrer religiösen Kopfbedeckung disqualifiziert. Das sorgte für Entrüstung und Kritik. Auch der Bund der Muslimischen Jugend, kurz BDMJ, protestierte in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung gegen die Benachteiligung der jungen muslimischen Sportlerin. Bei dem BDMJ handelt es sich um den Jugendverband der zahlenmäßig größten islamischen Religionsgemeinschaft in Deutschland, der Türkisch-Islamischen Union (DITIB). BDMJ:
Vergangenen Samstag wurde eine 16-jährige Sportlerin aufgrund ihres Kopftuchs von der offenen Deutschen Meisterschaft der International Budo Federation (IBF) disqualifiziert. Bundeshauptkampfrichter und technischer Direktor des IBF schloss sie von der Wertung aus – mit Verweis auf die Wettkampfordnung. Die Forderung auf Einblick in die Wettkampfordnung lehnte er ab. Wir sind empört und enttäuscht über diesen diskriminierenden Vorfall. Wir solidarisieren uns mit der Sportlerin.
Während die Begrüßungsreden beim Sportwettkampf für ein sportliches und faires Miteinander appelliert hätten, habe antimuslimischer Rassismus dennoch Platz in den Reihen gefunden. Es sei ein Armutszeugnis, dass in Deutschland Sportlerinnen mit Kopftuch Steine in den Weg gelegt werden, so der BDMJ weiter.
„In breiten Teilen Europas gehört es zur Norm, dass Sportlerinnen mit Kopftuch unbehindert ihre Leidenschaft ausüben und ihre Leistung erbringen können. Die vorgeschobene vermeintliche Verletzungsgefahr durch das Kopftuch ist schlichtweg absurd: Wir leben im Jahr 2022. Weltbekannte Konzerne entwickeln längst optimale Kopftücher für Sportlerinnen und sogar Olympiateilnehmerinnen“
Es sei „wahlweise Ausdruck sexistischen, diskriminierenden oder machohaften Verhaltens wenn männliche Verantwortliche Sportlerinnen von Wettkämpfen ausschließen, weil die Kleidung nicht ihren antiquierten Vorstellungen entspricht“, Dieses Verhalten habe keinen Platz im zeitgemäßen Sport und sei untragbar und inakzeptabel. BDMJ:
Dieses Verhalten gehört konsequent abgestraft – nicht die junge muslimische Sportlerin! Es braucht mehr couragierte Menschen, die nicht wegschauen, die nicht schweigend Unrecht hinnehmen und die ihre Stimmen erheben. Wir begrüßen die ausgeprägte Solidarität mit der jungen Sportlerin vor Ort. Wir fordern Klarstellung seitens des IBF. Wir fordern ein Disziplinarverfahren für das Verhalten und die unsäglichen Aussagen des Bundeshauptkampfrichters. Etwaige Interpretationen der Wettkampfordnung, die das Kopftuch als Gefahr werten, sind rassistisch. Wir fordern ein diskriminierungsfreies und vielfältiges Miteinander im Sport.
  (ybas/pka)

Angriffspläne gegen Touristen
Israel warnt vor iranischen Killerkommandos in Istanbul

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Tel Aviv – Vertreter der israelischen Streitkräfte glauben, dass ein iranischer Angriff auf Israelis in Istanbul im Gange ist und in den nächsten Stunden (Freitag) stattfinden könnte. Am Freitagnachmittag trafen sich die Leiter des Verteidigungsministeriums, darunter der Chef des Mossad und der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats, um die Bedrohung für Israelis in der Türkei zu bewerten. Obwohl es den israelischen und dem türkischen Geheimdiensten bisher gelungen ist, die Pläne der in Istanbul ansässigen Zelle zu vereiteln, wurden ihre Mitglieder noch nicht verhaftet und halten sich weiterhin in der Stadt auf. Mitglieder anderer iranischer Zellen wurden Anfang dieser Woche im Zuge der Zusammenarbeit zwischen israelischen und türkischen Sicherheitsbehörden verhaftet, aber sie warnten, dass weitere Gruppen noch aktiv seien. Lapid Außenminister Jair Lapid dankte der türkischen Regierung für ihre Bemühungen, „das Leben israelischer Bürger zu schützen“. Am Montag sprach Israel die höchste Reisewarnung für Istanbul aus und Lapid rief seine Landsleute auf, „so schnell wie möglich“ aus der Türkei auszureisen. Für Israelis bestehe eine „reale und unmittelbare Gefahr“ durch iranische Agenten. Für den Rest des Landes wurde eine mittlere Reisewarnung herausgegeben, die die Israelis auffordert, nicht unbedingt notwendige Reisen zu vermeiden. Ende Mai hat der Nationale Sicherheitsrat Israels seine Reisewarnung für die Türkei überarbeitet. Anlass für die aktualisierte Warnung waren iranische Drohungen, die auf die Ermordung des iranischen Oberst Hassan Sayyad Khodaei gefolgt waren. Die Iraner haben die Tötung von Khodaei, einem hochrangigen Mitglied der Quds-Truppe der iranischen Revolutionsgarden, Israel zugeschrieben. Teheran beschuldigt Israel zudem, eine Reihe von Angriffen auf seine nukleare und militärische Infrastruktur verübt zu haben.  

Oleg Kuznetsov
„Türkei kann Transitland für russisches Gas nach Europa werden“

Ein Gastbeitrag von Prof. Oleg Kuznetsov – Historiker

In jüngster Zeit ist die Türkei zu einem der fünf Länder geworden, die in der russischen Presse weltweit am häufigsten erwähnt werden, was zweifellos auf ihre Sonderstellung in Bezug auf die militärpolitische Situation um die Ukraine zurückzuführen ist. Und das ist nicht verwunderlich, wenn wir die Äußerungen und Aktionen der politischen Führung des Landes im Zusammenhang mit dem „ukrainischen Sturm“ zusammenfassen.

Ankara, vertreten durch Präsidenten Erdogan und seine engsten Verbündeten, hat sich trotz des auf sie ausgeübten Drucks von außen wiederholt geweigert, eine Wahl zwischen Moskau und Kiew zu treffen, und sowohl Russland als auch die Ukraine als ihre Partner bezeichnet. Die Türkei ist das einzige Land unter den NATO-Mitgliedsländern, das sich den antirussischen Sanktionen nicht angeschlossen hat und darüber hinaus das Handelsvolumen im Handel mit Russland stetig erhöht, was ihm sehr oft dabei hilft, die Wirtschaftssanktionen und –beschränkungen, die auf Russland von der Europäischen Union, dem britischen Commonwealth und den Vereinigten Staaten auferlegt werden, zu umgehen (in Russland wird dies heute als „Parallelimport“ bezeichnet).

Besonders aufschlussreich war Ankaras Position in der Frage der NATO-Erweiterung auf Kosten Schwedens und Finnlands, in deren Zusammenhang Ankara, nachdem es das Thema ihres NATO-Beitritts mit ihrer Position in der Kurdenfrage verknüpft hatte, gegen ihren Beitritt zum Nordatlantik Allianz tatsächlich ein Veto einlegte. Finnland hat bereits angekündigt, dass es die Grundsätze seiner Außenpolitik nicht zugunsten der Mitgliedschaft in der NATO kompromittieren wird, und damit anerkannt, dass die Türen dieses militärisch-politischen Blocks, solange die Türkei darin ist oder solange Präsident Erdogan an der Spitze dieses Landes steht, ihm verschlossen sind.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass in der westeuropäischen Presse zunehmend Veröffentlichungen von Experten erscheinen, die Ankara vorwerfen, mit dem Kreml befreundet zu sein und der „russischen Aggression“ in der Ukraine nachzugeben.

Wenn Sie die Gesamtheit der oben genannten Ereignisse aus der Sicht Russlands betrachten, mit der ich sie betrachte, dann fallen sofort mehrere völlig rationale und sogar wirtschaftliche Gründe (oder makroökonomische Faktoren) ein, die die Position Ankaras in der Ukraine-Frage erklären. Ich werde versuchen, sie so politisch korrekt wie möglich zu formulieren, um niemandes Gefühle zu verletzen, aber gleichzeitig nicht gegen die Wahrheit und den gesunden Menschenverstand zu versündigen.

Erstens ist die Türkei aufgrund der natürlichen und klimatischen Bedingungen objektiv nicht in der Lage, ihre Ernährungssicherheit zu gewährleisten, hauptsächlich in Bezug auf die Getreideproduktion – Weizen für Brot, Gerste für Bier und Viehzucht. Dessen ist sich Erdogans Regierung durchaus bewusst. Die traditionellen Lieferanten derartiger Agrarprodukte für den türkischen Binnenmarkt waren Russland und die Ukraine, weshalb sich Ankara nicht eindeutig auf die Seite Moskaus oder Kiews stellen kann, will und wird, um die Diversifizierung der Rohstoffquellen aufrechtzuerhalten und sich nicht von der momentanen geopolitischen Lage abhängig machen.

Aus diesem Grund ist die Türkei heute der wichtigste und eigentlich einzige Moderator der Verhandlungen, auf dessen Meinung der Kreml bei der Lösung der Frage der Blockade des Exports von ukrainischem Getreide aus den Häfen der nördlichen Schwarzmeerregion, in Übereinstimmung mit zuvor abgeschlossenen internationalen Verträgen, hören könnte.

Gleichzeitig befindet sich Ankara in einer äußerst unbequemen und zweideutigen Lage: Einerseits kann es aufgrund der Getreideabhängigkeit nicht nach dem Vorbild von Ländern, die Restriktionen gegenüber Russland eingeführt haben, Druck auf den Kreml ausüben.

Andererseits kann die Türkei auch nicht ihre eigenen Interessen und ihre Ernährungssicherheit opfern, um vor dem Hintergrund von 80 Prozent Inflation nicht zusätzlich von einer Nahrungsmittelknappheit und damit einhergehenden Brotunruhen in Städten konfrontiert zu werden.

Zweitens wurde die Türkei unter den Bedingungen, als die saisonal geplanten technischen Arbeiten an der Nord Stream-Gaspipeline begannen und das Gaspumpen nach Europa durch sie erheblich reduziert wurde, für einige Zeit situationsbedingt maximal davon profitierend zum Andererseits kann die Türkei auch nicht ihre eigenen Interessen und ihre Ernährungssicherheit opfern, um vor dem Hintergrund von 80 Prozent Inflation nicht zusätzlich von einer Nahrungsmittelknappheit und damit einhergehenden Brotunruhen in Städten konfrontiert zu werden.auf die westeuropäischen Märkte. Sie hat die Möglichkeit in dieser Funktion zu bleiben, solange solcher Zustand dem Kreml und Gazprom hinter seinem Rücken entgegenkommen wird.

Die Türkei kann für den Transit durch ihr Hoheitsgebiet sowohl Sach- als auch Barzahlungen erhalten, was ihr die Möglichkeit für ein makroökonomisches Manöver unter Bedingungen einer nicht sehr stabilen Konjunktur auf dem Inlandsmarkt gibt. Die Exploration von Kohlenwasserstoffreserven auf dem türkischen Schelf in der Ägäis bedeutet keineswegs deren schnelle Entwicklung und Inbetriebnahme auf industriellem Ebene, selbst mit umfassender Unterstützung des strategischen Verbündeten Aserbaidschans, der in dieser Angelegenheit über reiche Erfahrung verfügt. Folglich ist die Loyalität gegenüber dem Kreml oder zumindest die Erhaltung und Entwicklung von Partnerschaften mit Russland heute eine Garantie für die Türkei und sogar ein Treiber für innere Stabilität.

Atomkraftwerk Akkuyu

Drittens kann man einen so globalen makroökonomischen Faktor wie den Bau des KKW Akkuyu durch Rosatom, der die Unabhängigkeit und Selbstversorgung der Türkei in der Elektrizitätsindustrie garantieren wird, nicht außer Acht lassen (Heute ist die Türkei gezwungen, Strom von fast allen ihren kleinen Nachbarn, darunter Aserbaidschan und Georgien, zu importieren). Präsident Erdogan will und wird angesichts der militärpolitischen Lage um die Ukraine ein solches strategisches Projekt und das Wohl künftiger Türkengenerationen offensichtlich nicht aufs Spiel setzen, um seinem Land nicht die geopolitische und makroökonomische Perspektive zu nehmen.

Es sei erwähnt werden, dass sich die NATO-Verbündeten der Türkei aus der oben genannten Gründen für Ankaras „abweichende Meinung“ in der Ukraine-Frage, die sich von der kollektiven Meinung anderer Mitglieder von der Union (mit der möglichen Ausnahme von Ungarn) unterscheidet, hinreichend bewusst sind und daher kommen sie auf offizieller Ebene nicht mit ihrer öffentlichen Verurteilung hervor. Sie starten keine massive Propagandakampagne gegen Ankara, um es weltweit zu diskreditieren, wie die, die sie heute gegen Russland führen. Das heißt aber nicht, dass die Türkei aufhört, eine „Achillesferse“ für die NATO zu sein, nicht nur in der Ukraine-Frage.

Verschärfung der türkisch-griechischen Beziehungen

Heute erleben wir alle eine tiefe Verschärfung der türkisch-griechischen Beziehungen, die nicht nur auf politischen oder religiösen Widersprüchen beruhen, multipliziert mit gegenseitigen historischen Missständen, die nach vielen Jahrzehnten und einem Generationswechsel vergeben und vergessen werden konnten, sondern rein pragmatische und wirtschaftliche Gründe im Zusammenhang mit der Kontrolle über neu erforschten Kohlenwasserstoffvorkommen auf dem Schelf der Ägäis, deren Besitz die Türkei zu den regionalen Führern im östlichen Mittelmeer führten und Italien diesen Status nehmen würde. Und das bedeutet eine Umverteilung der Kräftevektoren nicht nur in Westasien und dem Nahen Osten, sondern auch in Südost- und sogar Mitteleuropa.

Solche Aussichten erschrecken die NATO und sind der Hauptgrund, warum die Vereinigten Staaten zusammen mit Griechenland auf einmal die Schaffung von vier Militärstützpunkten, zwei Luftstreitkräften und zwei Marinestützpunkten, auf den Inseln des Archipels angekündigt haben. Und obwohl sie eine solche Entscheidung damit rechtfertigen, dass sie der „russischen Bedrohung“ entgegentreten und erklären, dass diese Stützpunkte in keiner Weise gegen die Türkei gerichtet sind, ist sich Ankara bewusst, dass dies nicht der Fall ist. Das Hauptziel dieses Schritts ist die Eindämmung der politischen Ambitionen der Türkei auf regionale Dominanz und Widerstand gegen ihre Ansprüche auf den Untergrund des Ägäischen Schelfs.

Es ist absolut offensichtlich, dass die Türkei allein angesichts des durch den Konflikt in der Ukraine gefestigten Europas nicht in der Lage sein wird, all ihre Wünsche und Erwartungen ohne ernsthafte Unterstützung von außen zu verwirklichen. Sie kann es hier und jetzt nur von Russland erhalten, zusammen mit dem (plus Aserbaidschan) Ankara nicht nur in der Lage sein wird, die De-facto-Ressourcen der Ägäis zu sichern, sondern auch problemlos mit deren Entwicklung und Betrieb zu beginnen.

Russland und die Türkei sind also zu maximaler Annäherung und Zusammenarbeit bei der fortschreitenden globalen Transformation der Welt verdammt.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Prof. Oleg Kuznetsov Der russische Historiker Prof. Oleg Kuznetsov verfasste etwa 170 wissenschaftliche Studien und ist Autor des Buchs „Geschichte des transnationalen armenischen Terrorismus im 20. Jahrhundert: historisch-kriminologische Forschung„.

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