Gaza-Krieg
„Manchmal ist es notwendig zu töten, um das Morden zu verhindern“

ein Gastkommentar von Nabi Yücel

„Manchmal ist es notwendig zu töten, um das Morden zu verhindern“. Über diesen markanten Spruch sinnierten im SPIEGEL-Talk der Historiker Michael Wolffsohn und die Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal. Beide entschieden damit gottgleich über das Leben anderer Menschen; der Palästinenser. Nichts Neues im Westen!

Es gibt Ereignisse der jüngeren Geschichte, die lassen auch jetzt noch einem keine Ruhe, weil es in Erinnerung ruft, wie es beginnt und endet. Und die Tatsache, dass Israel derzeit von einer kleinen Gruppe fanatischer rechtsextrem-religiöser Parteien geführt wird und seit Jahren Araber in Israel unter der Apartheid leiden, Palästinenser in besetzten Gebieten Grausamkeiten ausgesetzt sind, zeigt, dass der Expansionskurs – ich sage inzwischen Panzionismus – nach der Nakba fortgesetzt wird.

Nie lagen hehre Ziele des Wertewestens und höllische Realität weiter auseinander als in Israel. Das sticht gegenwärtig markant hervor. Deswegen muss man sich über den Götter-Diskurs im SPIEGEL-Talk auch nicht wirklich wundern, deren Motto lautet: wer bis drei den Gazastreifen nicht verlassen hat, ist selbst Schuld. Der Terrorismus der Hamas war und ist nicht die Begründung der gegenwärtigen Untaten, sondern lediglich eine willkommene Rechtfertigung. Nimmt man nämlich die idealistische Spitze weg, die viele kriegslüsterne Aktivisten in Deutschland der israelischen Regierung andichten, so bleibt der nackte Terror übrig, den wir heute Live verfolgen können.

Palästina war, schon bevor Israel gegründet wurde, ein Gewaltraum. Ein Raum in der Palästinenser zu Brettfiguren reduziert wurden, die man nach belieben verschieben, umstoßen, aus dem Brett beiseiteschieben konnte. Das Gewaltmonopol lag bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg in der Hand von politischen Revolutionären, deren Konterfei in Fahndungslisten im britischen Mandatsgebiet ausgehängt wurden; damals als Terroristen gesucht, heute Helden Israels.

Sie ergriffen die Gelegenheit und setzten sie mit unvorstellbarer Gewalt gegen alle Widersacher durch. Die Machtergreifung der ersten Generation von Israelis in Palästina hatte nur zu einem Zeitpunkt erfolgen können, als keine Institution, keine Regel, kein zivilisatorischer Rahmen mehr funktionierte oder von der UN wie auch der zivilisierten Wertegemeinschaft durchgesetzt wurde. Auch gegenwärtig gelten keinerlei Regeln, keinerlei zivilisatorische Rahmenbedingungen, an die sich die israelische Regierung zu halten hat. Es wurde ihr schon bei der Gründung des Staates in die Wiege gelegt.

Wenn die erste Generation der Israelis keine Probleme mit hohen Opferzahlen hatte, weil sie damit durchkamen, wieso sollten die nächsten Generationen in Israel Mitleid oder gar Mitgefühl mit Palästinensern hegen? Sie, die Extremisten und Konservativen in Israel, brauchen den religiösen Militarismus, um ihre „Feinde“ zu überwinden, wie damals vor dem UN-Teilungsplan für Palästina bis zum Waffenstillstand, währenddessen die israelische Staatsgründung erfolgte. Und, sie brauchen diesen Militarismus auch heute und in Zukunft, um einen zusammenhängenden Staat zu erreichen. Darin hatten und haben Palästinenser, schon gar nicht Palästina in Zukunft einen Platz.

Weshalb erwarten wir dann ausgerechnet von Europa und den Vereinigten Staaten, von diesen Wertegemeinschaften mit hehren Anforderungen und Zielen gegenüber Drittländern, dass sie angesichts der Massaker, Gräueltaten, Völkerrechtsbrüchen und Kriegsverbrechen einschreiten? Was konnten diese zivilisierten Wertegemeinschaften bislang erreichen, außer Israel Zeit zu verschaffen, um dann den Tatsachen ins Auge zu sehen?

Gewalt war und ist für Israel selbstverständlich. Sie ist ein Teil der Landesgeschichte und folglich ein so normales Mittel der Politik, dass es keinerlei Rechtfertigung braucht und sich nicht erklären muss. Das machen schon andere für Israel. Von den Einzelschicksalen vertriebener Berber und Palästinenser mal abgesehen, kann man die Monotonie der palästinensischen Opferzahlen nach Terror und Willkürherrschaft, die nüchtern heruntergespult werden und immer sofort in die Tausende gehen, nicht wirklich verstehen.

Auch dann nicht, wenn ausgerechnet Historiker und Menschenrechtsaktivisten als moralische Autoritäten das Töten für gerechtfertigt halten, um in Zukunft das Töten zu verhindern. Diese Autoritäten in Deutschland, Europa und USA sehen wie Israel alle Palästinenser als potenzielle Widerstandskämpfer und deshalb ist das auch nicht wirklich verwunderlich, wie sie reagieren und was sie von sich geben.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

Zum Thema

– Gaza-Krieg – Israels Plan der ethnischen Säuberung

Das durchgesickerte Dokument wurde für eine Organisation namens „The Unit for Settlement – Gaza Strip“ erstellt und war eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Israels Plan der ethnischen Säuberung

Gaza-Konflikt
Kommentar: Wie Armenien vom Krieg im Nahen Osten profitiert

ein Gastkommentar von Adil Shamiyev Nach den jüngsten Terroranschlägen der Hamas auf israelische Zivilisten ist es wichtig, die Reaktionen der verschiedenen Nationen und Gemeinschaften zu analysieren. Während die Weltgemeinschaft Terrorakte und Gewalt gegen unschuldige Zivilisten mit überwältigender Mehrheit verurteilt, gab es in bestimmten Kreisen, insbesondere im Iran und in Armenien, beunruhigende Jubelmeldungen. Armenische Telegram-Kanäle und Nutzer sozialer Medien reagierten mit beunruhigendem Jubel auf das Versagen der israelischen Sicherheitsdienste bei der Verhinderung der Terroranschläge. Sie zogen Parallelen zwischen dem aserbaidschanischen und dem israelischen Militär und behaupteten, dass dieser jüngste Angriff den Mythos der militärischen Unbesiegbarkeit Israels erschüttert habe. Diese Rhetorik hat Fragen über die Absichten und Zugehörigkeit bestimmter armenischer Gruppen aufgeworfen. Die armenische Geheimarmee zur Befreiung Armeniens (ASALA) hat sich zu einem entsetzlichen Akt des Vandalismus bekannt (Quelle), bei dem die Fassade einer jüdischen Synagoge in Eriwan, Armenien, vor dem Terroranschlag mit roter Farbe beschmiert wurde. Dieser Akt des Antisemitismus ist zutiefst besorgniserregend und zeigt, wie weit solche Gefühle in Armenien und seinen Diasporagemeinden verbreitet sind. (Antisemitismus in Armenien) Noch besorgniserregender ist die historische Verbindung zwischen armenischen Terrororganisationen wie ASALA und dem Iran sowie ihre Verbindungen zu palästinensischen Terrorgruppen. Die 1975 gegründete ASALA führte ihre Ausbildung im Bekaa-Tal an der Seite palästinensischer Terrororganisationen durch, die gegen Israel kollaborierten. In den 1980er Jahren arbeiteten der türkische und der israelische Geheimdienst bei der Bekämpfung armenischer Terroristen in der von Syrien besetzten Bekaa-Ebene im Libanon zusammen. (Quelle) Armenische Lobbygruppen haben sich als geschickt darin erwiesen, Beziehungen zu verschiedenen Interessengruppen in den Vereinigten Staaten (Quelle), Russland, den Ländern der Europäischen Union, dem Iran (Quelle) und dem Nahen Osten zu pflegen. Diese Lobbyarbeit hat es den Armeniern sogar ermöglicht, offene Beziehungen zur Hisbollah (Quelle) zu unterhalten, obwohl diese als terroristische Organisation eingestuft wird und sich gegen die Interessen der USA stellt. Dem verstorbenen Zbigniew Brzezinski zufolge gehören die Armenier zu den drei einflussreichsten ethnischen Lobbygruppen innerhalb des politischen Systems der USA. Der Iran hat Armenien als Basis für illegale Bankgeschäfte  genutzt (Quelle)und Hunderte von Unternehmen in dem Land gegründet, sowohl unter falschem Vorwand als auch legal, um Sanktionen zu umgehen. Diese historische Zusammenarbeit zwischen Armenien und dem Iran hat die Unterstützer Eriwans in den Vereinigten Staaten nicht abgeschreckt. Im Mai 2002 verhängten die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen die armenische Firma Lysine Open Joint Stock Co. und ihren früheren Eigentümer Armen Sarkisyan wegen ihrer Beteiligung an der Weitergabe von Massenvernichtungswaffentechnologie an den Iran, insbesondere im Zusammenhang mit der Weitergabe von biochemischer Ausrüstung. Darüber hinaus wurden 2007 bei zwei separaten Anschlägen militanter Schiiten im Irak Waffen sichergestellt, die zum tragischen Tod des US-Soldaten Matthew Straughter führten, wobei sechs weitere Personen verletzt wurden. Diese Waffen wurden nach Armenien zurückverfolgt. Die Schwere dieser Vorfälle veranlasste die damalige Außenministerin Condoleezza Rice zu einem Gespräch mit Präsident Sargsian während der UN-Generalversammlung. In ihren Gesprächen wurden Bedenken über diese beunruhigenden Transfers geäußert. Es ist jedoch erwähnenswert, dass Präsident Sargsian jegliche Beteiligung an diesen Transfers bestritt und beteuerte, dass sie nicht stattgefunden hätten. In Anbetracht dieser besorgniserregenden Tatsachen ist es nicht unvernünftig zu fragen, ob der Iran bei dem jüngsten Terroranschlag gegen Israel eine Rolle als Drahtzieher und Sponsor gespielt hat. Die Feierlichkeiten in Armenien über den vermeintlichen Erfolg Irans bei diesem Vorhaben geben Anlass zu ernster Besorgnis über die Beteiligung armenischer Elemente im Nahen Osten an solchen Anschlägen. Die Drohung des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) an Aserbaidschan nach dem Terroranschlag gegen Israel ist eine äußerst beunruhigende Entwicklung. Solche Drohungen verschärfen nicht nur die Spannungen in einer ohnehin schon instabilen Region, sondern unterstreichen auch das komplexe Geflecht geopolitischer Dynamiken, das hier im Spiel ist. Der Iran hat vor kurzem seine Zusammenarbeit mit Armenien ausgeweitet, indem er ein Konsulat in der Stadt Kapan eröffnete und Drohungen gegen Aserbaidschan zum Schutz Armeniens aussprach. Abschließend ist zu sagen, dass die jüngsten Terroranschläge der Hamas gegen israelische Zivilisten allgemein verurteilt werden sollten, und dass diejenigen, die sich an solchen schrecklichen Ereignissen erfreuen, eine genaue Überprüfung verdienen. Die Verbindungen zwischen armenischen Gruppen, dem Iran und palästinensischen Terrororganisationen bedürfen einer gründlichen Prüfung, da sie zu regionaler Instabilität und Gewalt beitragen können. In Anbetracht der früheren Erfahrungen, als der Iran Armenien für seine zerstörerischen Aktivitäten im Nahen Osten nutzte. In Anbetracht der früheren Erfahrungen, als der Iran Armenien für seine zerstörerischen Aktivitäten im Nahen Osten nutzte, ist es zwingend erforderlich, dass die internationale Gemeinschaft wachsam bleibt und sich mit möglichen Verbindungen zwischen Armenien, dem Iran und Terroranschlägen befasst.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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– Gaza-Krieg – Israels Plan der ethnischen Säuberung

Das durchgesickerte Dokument wurde für eine Organisation namens „The Unit for Settlement – Gaza Strip“ erstellt und war eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Israels Plan der ethnischen Säuberung

Gesundheit
Zuckerhaltige Getränke – oft unterschätzte Risiken für die Gesundheit

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung gehört neben reichlich Bewegung zu den wichtigsten Maßnahmen zum Schutz der eigenen Gesundheit und zur Reduzierung von Erkrankungsrisiken.

Vor allem das sogenannte metabolische Syndrom, das zu den bedeutendsten und verbreitetsten „Wohlstandskrankheiten“ gehört, ist nahezu immer darauf zurückzuführen, dass diesen beiden Aspekten zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde und eine zu hohe Kalorienaufnahme mit zu geringer körperlicher Aktivität zusammentraf.

Das Bewusstsein für diese Problematik wächst zwar, doch nach wie vor ließen sich zahlreiche Fälle von Bluthochdruck, Übergewicht oder Störungen des Zucker- und Fettstoffwechsels vermeiden, wenn konsequenter auf eine entsprechende Ernährung und auf regelmäßige sportliche Aktivitäten geachtet würde. Ein besonders wichtiger Punkt, der dabei oftmals unterschätzt wird, ist der Einfluss der Getränke, die im Laufe des Tages konsumiert werden.

Erheblicher Teil der täglichen Kalorienaufnahme entfällt auf Getränke

Dass man mit dem Essen mehr oder weniger große Kalorienmengen zu sich nimmt, scheint selbstverständlich. Schließlich dient die Nahrungsaufnahme dazu, die für den Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit notwendigen Mengen an Energie, Mineralstoffen und Vitaminen bereitzustellen, und eine unzureichende Ernährung führt zu Hunger und abnehmender körperlicher Leistungsfähigkeit.

Stark unterschätzt wird im Vergleich dazu jedoch, welche Mengen an Kalorien viele Menschen täglich nicht mit ihrem Essen, sondern mit verschiedensten Getränken zu sich nehmen. Wer abnehmen und sich gesund ernähren möchte, sollte vor allem zuckerhaltige Getränke meiden. Auch für die Zahngesundheit ist es sinnvoll, so weit wie möglich auf Softdrinks und Ähnliches zu verzichten.

Selbst diejenigen, die ihre Zähne regelmäßig und gründlich mit einer Schallzahnbürste pflegen und besonders darauf bedacht sind, typische Fehler beim Zähneputzen zu vermeiden, können sich nicht in jeder Situation der schädlichen Wirkung von zuckerhaltigen Getränken auf ihre Zähne entziehen, sodass es am besten ist, komplett darauf zu verzichten. Abgesehen von zahnschädigenden Effekten und vom hohen Energiegehalt gibt es auch Hinweise auf weitere negative Auswirkungen auf die Gesundheit. So deuten Forschungsergebnisse beispielsweise darauf hin, dass Frauen, die häufig gezuckerte Drinks zu sich nehmen, ein höheres Risiko für das Auftreten von Darmkrebserkrankungen vor dem 50. Lebensjahr haben.

Prävention und Aufklärung sind notwendig

Angesichts der gesundheitlichen Risiken, die mit dem Konsum gesüßter Getränke verbunden sind, kommt der Aufklärung über dieses Thema in Schulen und Kindergärten große Bedeutung zu. Kinder und Jugendliche sollten frühzeitig darüber informiert werden, dass neben Alkohol auch Zucker in Getränken schädlich für die Gesundheit sein kann.

Je besser es gelingt, schon bei Schulkindern ein Bewusstsein für eine gesunde Ernährung und eine körperlich aktive Lebensweise zu entwickeln, desto größer sind die Chancen, dass möglichst viele von ihnen als Erwachsene kein metabolisches Syndrom entwickeln. Sowohl Kinder als auch Erwachsene tun sich allerdings oft schwer damit, ihren täglichen Bedarf an Getränken überwiegend mit Wasser zu decken.

Das gilt vor allem für diejenigen, die bisher relativ viele gesüßte Getränke konsumiert und nur selten oder gar kein pures Wasser getrunken haben. Hier können Tipps weiterhelfen, die vor allem für aktive Sportler wichtig sind, darüber hinaus aber auch alle anderen Menschen dabei unterstützen können, mehr Wasser zu trinken.

Schon morgens empfiehlt sich ein Glas Wasser als erstes Getränk direkt nach dem Aufstehen; außerdem hat es sich bewährt, jede Mahlzeit mit wenigstens einem Glas Wasser zu kombinieren. Tagsüber sollte eine Flasche Wasser jederzeit in Reichweite sein; alternativ kommt dafür auch eine Kanne mit ungesüßtem Tee infrage. So wird es leichter zur Gewohnheit, zwischendurch immer wieder ein paar Schlucke Wasser zu trinken und damit nicht erst zu warten, bis sich ein deutliches Durstgefühl einstellt.

Gaza-Krieg
Israels Plan der ethnischen Säuberung

ein Gastbeitrag von Nabi Yücel Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte: „Wir sind das Volk des Lichts, und sie sind das Volk der Dunkelheit… Wir werden die Prophezeiung Jesajas erfüllen.“ Offensichtlich wird die „Prophezeiung“ gegenwärtig im Gazastreifen gegen Palästinenser umgesetzt: Ethnische Säuberung. Netanjahus Aussage von vergangener Woche mit Hinzuziehen der Prophezeiung Jesajas wurde in der Südhalbkugel und Asien scharf verurteilt, weil es sich hierbei um eine konkrete Andeutung zur Säuberung des palästinensischen Volkes aus Kanaa (Galiläa) handle. Gegner wiederum warfen den Kritikern vor, die Aussage bzw. das Rezitieren der Prophezeiung falsch interpretiert zu haben und beziehen sich dabei auf die Eingrenzung der Hamas. Netanjahu hatte in der Rede auch erklärt, „alle Hamas-Mitglieder sind todgeweiht – über der Erde, unter der Erde, in Gaza und außerhalb von Gaza.“ Beinahe einen Monat halten die Bombardements der israelischen Streifkräfte inzwischen an, bei der bislang insgesamt über 18.000 Tonnen Sprengstoff auf den Gazastreifen einschlugen –  nicht nur auf den Norden, sondern auch auf den Süden des 14 km breiten und 45 km langen Streifens. Über 32.000 Wohnungen wurden dabei zerstört, über 8.700 Menschen, darunter über 3.000 Kinder wurden getötet. Die Anzahl der noch Verschütteten kann nicht beziffert werden, da auch Helfer, Sanitäter sowie Krankenwagen, aber auch Journalisten sowie UN-Helfer unter Beschuss geraten. Zudem werden immer mehr Krankenhäuser getroffen, zuletzt am vergangenen Montag das Türkisch-Palästinensische Freundschafts-Krankenhaus in Gaza, das aufgrund der Zerstörung ihren Betrieb nur bedingt wiederaufnehmen kann. Das heißt, offensichtlich sind nicht nur die Hamas „todgeweiht“, sondern Zivilisten, Journalisten und Helfer von internationalen Organisationen, die sich im Gazastreifen aufhalten.   „Schlimmer als im Krieg“ erklärte Dr. Subhi Skaik im Jahre 2018 als Direktor des Schifa-Krankenhauses in Gaza-City die Bombardements damals. Heute erklärt er als Direktor des Türkisch-Palästinensischen Freundschafts-Krankenhaus, es handle sich um die „Hölle auf Erden.“ Haben die Kritiker von Netanjahu doch recht, wenn sie behaupten, mit der Prophezeiung Jesajas habe Netanjahu eine Passage angedeutet, in der ein Volk in Kanaan samt Vieh niedergemetzelt, Häuser und Höfe niedergebrannt werden, die vor ein Paar Jahrtausenden dem Volk der Juden Leid zugefügt hat? Am 17. Oktober veröffentlichte das Misgav Institute for National Security & Zionist Strategy ein Positionspapier (PDF), in dem es sich für die „Umsiedlung und endgültige Ansiedlung der gesamten Gaza-Bevölkerung“ ausspricht. Der Bericht plädiert dafür, den gegenwärtigen Moment auszunutzen, um ein seit langem gehegtes zionistisches Ziel zu erreichen, nämlich die Vertreibung der Palästinenser aus dem Land des historischen Palästina. Der Untertitel des Berichts macht deutlich: „Derzeit besteht die einmalige und seltene Gelegenheit, in Abstimmung mit der ägyptischen Regierung den gesamten Gazastreifen zu evakuieren.“ Bemerkenswert dabei ist, dass es für die Organisation „The Unit for Settlement – Gaza Strip“ bestimmt war und publik wurde. Das Misgav-Institut wird vom ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater von Netanjahu, Meir Ben Shabbat, geleitet, der in israelischen Sicherheitskreisen nach wie vor einflussreich ist. Inmitten dieser Bombardements, bei der ja laut der israelischen Regierung gezielt die Hamas vernichtet werden soll, wurde nun ein weiteres in englischer Sprache übersetztes offizielles Dokument publik, berichtet ein israelisches Online-Magazin – hier englischer Medienbericht sowie von Wikileaks. Die Empfehlung wird sogar von Gila Gamliel (Likud), der israelischen Ministerin für Geheimdienste, geteilt, mit dessen Logo das Dokument amtlich verziert wurde.
c.    Option C: Die Evakuierung der Zivilbevölkerung aus Gaza in den Sinai
Die „Umsiedlung“ findet laut der Empfehlung in drei Phasen statt: Die Errichtung von Zeltstädten im Sinai südwestlich des Gazastreifens; die Schaffung eines humanitären Korridors zur Unterstützung der Bewohner und schließlich; den Bau von Städten im nördlichen Sinai. Gleichzeitig wird innerhalb Ägyptens südlich der Grenze zu Israel eine mehrere Kilometer breite Sicherheitszone eingerichtet, damit die evakuierten Bewohner nicht zurückkehren können. Darüber hinaus fordert das Dokument den Aufbau einer Zusammenarbeit mit möglichst vielen Ländern, damit diese die aus Gaza vertriebenen Palästinenser aufnehmen. Unter anderem werden Kanada, europäische Länder wie Griechenland und Spanien sowie nordafrikanische Länder genannt. Insbesondere Spanien stellt sich hierbei extrem quer – ob die Regierung zuvor Kenntnis darüber erlangte und deshalb die spanische geschäftsführende Ministerin für Sozialrechte, Ione Belarra, Anklage gegen Netanjahu vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag fordert? Es ist also nicht nur die Ansammlung von theoretischen Annahmen, die darauf hindeuten, dass die israelische Regierung den Plan der ethnischen Säuberung des Gazastreifens – sogar von Westjordanland mithilfe bewaffneter Siedler – verfolgt, es gibt auch den Ist-Zustand des Gazastreifens im Hier und Jetzt sowie die schriftlichen Handreichungen einer israelischen Denkfabrik mit nahtloser Beziehung zur Regierung sowie die des Ministeriums für Geheimdienste, die das bisherige Vorgehen der israelischen Streitkräfte in Gaza auf Befehl von Netanjahu und seines Kabinetts erklären und das ganze abrunden. Im Ergebnis zeigt alles auf einen Soll-Zustand hin, in der alle Palästinenser aus dem Gazastreifen vertrieben werden sollen. Und, es gibt genug andere starke Indizien dafür, dass die Pläne der israelischen Regierung auch der deutschen Regierung bekannt waren. Im Überbietungswettbewerb, wer Israel am nächsten zur Seite steht und sich uneingeschränkt solidarisiert, kamen die Zivilisten in Gaza bislang überhaupt nicht vor, während sie vom israelischen Verteidigungsminister Joaw Galant zu „Tieren“, zu einer Herde eines minderwertigen Volkes degradiert wurden, die man am besten mit freundlicher Empfehlung europäischer Führer in die ägyptische Wüste treibt. An vorderster Front Völkerrechtlerin Annalena Baerbock (Grüne), die kurz nach Wiederaufflammen des Konflikts zuerst einmal nach Kairo flog, gefolgt von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), um das Thema der „temporären Grenzöffnung“ mit Abd al-Fattah al-Sisi nach fruchtlosem Verlauf erneut zu erörtern. Im Hintergrund dröhnten derweil Stimmen, darunter die des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages Michael Roth (SPD), und anderer Claqueure, die sich über die verweigernde Haltung Ägyptens beklagten und dabei auf Sinai als Lösung deuteten. Allen voran US-Präsident Joe Biden, der nach dem Treffer einer Bombe auf das Baptisten-Krankenhaus in Gaza-City kurzerhand vom ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah al-Sisi und dem jordanischen König Abdullah II. bin al-Hussein kurzfristig ausgeladen wurde, vermochte es trotz eines gestrigen Telefonats mit al-Sisi nicht, Ägypten umzustimmen, damit die Palästinenser in Gaza ihre Wohnorte räumen und in die Sinai-Wüste in Ägypten umsiedeln, wo nach manchen Zeitungsberichten vorübergehend Zeltstädte für sie errichtet werden könnten, während Israel die belagerte Enklave bombardiert. Doch wenn es einen Plan gab und die Nordhalbkugel mehr oder weniger in die israelischen Pläne eingeweiht war, dann fällt damit auch die Berufung auf das Recht auf Selbstverteidigung, die mit diesem Dokument und all den Gegebenheiten unterstrichen wird, wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Dann ist es schlichtweg eine ethnische Säuberung und nach Auffassung von UN-Experten sowie 800 Wissenschaftlern und Juristen des Völkerrechts, der Konfliktforschung und der Völkermordforschung sogar ein Völkermord, der an Palästinensern im Gazastreifen stattfindet. Dann ist auch jeder Vorwurf des Antisemitismus nur ein Herrschaftsinstrument, den die europäischen Regierungen sowie die Bundesregierung derzeit gegen palästinensische Solidaritätskundgebungen mit Bezug zu Antizionismus und Israel-Kritik auffährt.
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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– Gaza-Konflikt – Bericht: Israel will gesamte Gaza-Bevölkerung umsiedeln

Das durchgesickerte Dokument wurde für eine Organisation namens „The Unit for Settlement – Gaza Strip“ erstellt und war eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Bericht: Israel will gesamte Gaza-Bevölkerung umsiedeln

Energiepolitik
Lindner stellt Kohleausstieg 2030 infrage

Köln – Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) stellt den Kohleausstieg öffentlich in Frage. „Solange nicht klar ist, dass Energie verfügbar und bezahlbar ist, sollten wir die Träume von einem Ausstieg aus dem Kohlestrom 2030 beenden“, sagte Lindner dem „Kölner Stadt-Anzeiger„. Für das Klima bringe dieses Datum ohnehin nichts, da die in Deutschland eingesparten CO2-Emissionen aufgrund der europäischen Regeln zum Beispiel in Polen zusätzlich anfallen dürften. Außerdem setzt Linder auf deutsches Erdgas. „Die inländische Gasförderung muss intensiviert werden. Generell kann man physikalische Knappheit nicht mit Geld lösen“, sagte Lindner. Er plädiert für den Neubau von Großkraftwerken zusätzlich zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Auf die Frage, ob Deutschland neue Gaskraftwerke als Reserve im Energiemix brauche, sagte der FDP-Politiker: „Darauf wird es hinauslaufen, aber die Frage ist, wie dies so effizient marktwirtschaftlich gelingt, dass die Strompreise nicht weiter steigen.“

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– Türkei – Erdogan: Akkuyu Atomkraftwerk wird 10 Prozent des Energiebedarfs decken

Das sich im Bau befindende Kernkraftwerk Akkuyu werde nach der Inbetriebnahme zehn Prozent des türkischen Energiebedarfs decken, sagte Recep Tayyip Erdogan in seiner Rede während der Fraktionssitzung der regierenden AKP

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E-Mobilität
E-Bike im Winter: So lassen sich Akku-Schäden vermeiden

Die Achillesferse von E-Bikes ist der Akku – besonders im Winter. Denn in der kalten Jahreszeit entlädt er sich schneller, und die Reichweite sinkt. Auch Schäden an Bike und Akku sind möglich, erklärt das Infocenter der R+V Versicherung. Touren mit dem E-Bike sind auch im Winter problemlos möglich. „Radfans sollten jedoch einplanen, dass die Leistung der Akkus bei Kälte sinkt“, sagt E-Mobilitätsexperte Markus Jatzkowski von der R+V Versicherung. Daher empfiehlt es sich, den Akku nur während der Fahrt der Kälte auszusetzen. Das beugt großen Reichweiteverlusten und möglichen Schäden vor. „Auch gibt es Neoprenhüllen, um den Akku vor kaltem Wind und Eis zu schützen“, rät der Experte. Akku bei Raumtemperatur laden und lagern Am besten ist es, den Akku nach der Fahrt immer mit ins Haus zu nehmen. „Man sollte ihn vor dem Aufladen aber erst an die Zimmertemperatur gewöhnen lassen“, so Jatzkowski. Wer das E-Bike in der kalten Jahreszeit nicht nutzt, bewahrt den Akku möglichst witterungsgeschützt und bei einer Raumtemperatur bis 20 Grad Celsius auf. Sinnvoll ist es, ihn zu etwa 60 Prozent aufzuladen, denn: „Auch ungenutzte Akkus entladen sich mit der Zeit, daher ist ein gelegentliches Nachladen empfehlenswert.“ Das E-Bike winterfest machen Das Elektrobike wird längere Zeit nicht genutzt? Dann steht es idealerweise an einem durchlüfteten, trockenen Standort. Nässe kann auf Dauer zu Schäden wie Rost führen. Markus Jatzkowski empfiehlt, das Rad vor der Winterpause gut zu reinigen und von Matsch, Salz oder Rollsplitt zu befreien. Auch eine gelegentliche Prüfung des Reifendrucks ist wichtig: „Haben Reifen nicht mindestens den Minimaldruck, können sie Schaden nehmen.“ Weitere Tipps:
  • Während der Fahrt im Winter nicht durchgehend den Eco Modus nutzen, da sonst die Akkuzellen schneller auskühlen. Bei stärkerer Unterstützung durch den Motor wird gleichzeitig auch der Akku intensiver erwärmt.
  • Kontakte des Bikes und Akkus mit dünnflüssigem Pflegespray einsprühen. Schmutz und Wasser sorgen ansonsten für Kontaktverlust und Korrosion.
  • Auch das Display oder die Bedieneinheit des Fahrrads pflegen, wenn sie längerer Zeit Frost ausgesetzt sind.
  • Einige Hausratversicherungen bieten einen speziellen Schutz für E-Bikes an, der auch Schäden durch Feuchtigkeit oder Verschleiß am Akku begleicht.

NRW
NRW-Polizei fordert härtere Maßnahmen gegen Clan-Kriminalität

Essen – Schärfere Instrumente im Kampf gegen die Clankriminalität fordert die Gewerkschaft der Polizei in NRW (GdP). „Wir müssen die Einnahmequellen dicht machen“, sagt der Landesvorsitzende Michael Mertens der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Ein Werkzeug dafür sei die Beweislastumkehr, wie sie etwa in Italien praktiziert wird. Dort muss ein Beschuldigter nachweisen, wo er das Geld für den Barkauf einer Villa oder eines Luxusautos herhat. In Großbritannien gelten mit der „Unexplained Wealth Order“ ähnliche Regeln. Im Zweifel können Villa oder Auto beschlagnahmt werden. Zwar hat sich Deutschland bereits in diese Richtung bewegt. Seit 2017 muss ein Richter nur noch überzeugt sein, dass ein Vermögen aus einer Straftat stammt, allerdings seien die Details „rechtlich zu kompliziert“, sagt Mertens der WAZ. Viel zu oft bekämen „die anderen“ das beschlagnahmte Vermögen zurück. Ein ständiges Netzwerk aller Einrichtungen, die an der Bekämpfung der Kriminalität mitwirken, schlägt der Polizeigewerkschafter weiterhin vor. „Nennen wir es eine Taskforce“, sagt Mertens. Dazu gehören verschiedene Polizeibehörden, Staatsanwaltschaft und Zoll ebenso wie Steuerfahnder. „Es darf nicht darum gehen, wer welche Ressourcen zur Verfügung stellt.“ Auch müssten Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften wie die zur Bekämpfung von Clankriminalität in Duisburg in allen Bundesländern ausgebaut werden. „Es muss mehr Aussteigerprogramme geben“, lautet die dritte Forderung des Gewerkschaftschefs. „Kurve kriegen“ ist das bekannteste Hilfsangebot, es richtet sich an junge Intensivtäter und ihre Familien. „Aber was macht jemand, der seinem kriminellen Umfeld den Rücken kehren will?“, fragt Mertens. „Die Menschen sind ja in ihren Familien auch gebunden.“ Hier sieht er Potenzial. Am Montag findet der erste „Internationale Kongress zur Bekämpfung der Clankriminalität“ in Düsseldorf statt. Experten tauschen sich auf Einladung von Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) darüber aus, wie man diese Form der Organisierten Kriminalität besser bekämpfen kann.

Gaza-Konflikt
Bericht: Israel will gesamte Gaza-Bevölkerung umsiedeln

ein Gastbeitrag von Nabi Yücel

Israel begeht seit 22 Tagen eklatante Kriegsverbrechen im Gazastreifen. Die westliche Welt, von Politikern bis hin zu den Medien, habe sich für die Legitimierung eines monströsen Massakers mobilisiert, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan am Samstag auf einer Massenkundgebung in Istanbul in Zusammenhang mit dem Gaza-Konflikt.

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat in Jerusalem wirft Israel „Kriegsverbrechen“ vor. Menschenrechtsorganisationen sprechen inzwischen von ethnischen Säuberung bis hin zum Genozid. Eine überwältigende Mehrheit der UN-Generalversammlung forderte jüngst einen „sofortigen und dauerhaften humanitären Waffenstillstand zwischen israelischen Streitkräften und Hamas-Kämpfern in Gaza.“ Unterdessen Netanjahu so:

Ich sage Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger Israels, meinen Kolleginnen und Kollegen hier, und Ihnen allen die Worte des Propheten Jesaja: Ein jeder half seinem Nächsten, und ein jeder sagte zu seinem Bruder: ‚Sei getrost‘. Das Volk Israel lebt – und gemeinsam werden wir siegen.

Recht hat also Erdoğan, was die Kriegsverbrechen Israels angeht, die vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seinem Kabinett zu verantworten sind und von den USA wie auch vereinzelten Ländern der EU mitgetragen werden. Ich gehe sogar soweit und fordere die deutsche Generalstaatsanwaltschaft auf, nach dem Weltrechtsprinzip Netanjahu und sein Kabinett wegen Kriegsverbrechen anzuklagen. Das wurde ja in Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Syrien praktiziert, das wird auch in Zusammenhang mit Gaza gehen. Anwälte hätten wir ja genug.

Mehr als 250 britische und niederländische Anwälte und Rechtswissenschaftler forderten jeweils ihre Regierung auf, in Gaza auf einen Waffenstillstand zu drängen. Die britische wie niederländische Regierung müsse „dringende Maßnahmen“ ergreifen, um sicherzustellen, dass sie ihren Verpflichtungen aus den Genfer Konventionen nachkommt, Verstöße gegen das internationale humanitäre Recht nicht zu fördern oder zu unterstützen.“

Weltweit fanden erneut Demonstrationen für einen Waffenstillstand und ein Ende der Gewalt statt. Nicht die größte wie z.B. in London oder Istanbul, aber die wohl mutigste überhaupt fand in Tel Aviv, bei der die Menschen einen Waffenstillstand, ein Ende der Blockade und die Freilassung der Geiseln forderten. Darüber verlieren deutsche ÖRR nur selten ein Wort. Jene Stimmen werden umgedeutet, um die peinliche deutsche Nullsummenvision von Israel-„Solidarität“ aufrechtzuerhalten,

Ich fordere daher auch alle auf, aus der Komfortzone heraus deutlich Stellung zu beziehen. Es bringt den gegenwärtig geschundenen palästinensischen Zivilisten in Gaza nicht viel, wenn man wie die Imamin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, Seyran Ates, die Tore der Moschee schließt und vorgibt einer Bedrohungslage ausgesetzt zu sein und stramm an der Seite Israels stehe. Denn, das ist geradezu zynisch und steht in keinem Verhältnis zu dem, was in Gaza seit 22 Tagen passiert. Die Palästinenser können keine Türen oder Tore verschließen, um sich vor Übergriffen zu schützen oder haben nicht die Möglichkeit, sich von Dritten schützen zu lassen, geschweige denn einen Iron Dome, der sie vor Raketen oder Bomben schützt. Sie sind potentiell gefährdet und berufen sich nicht bloß auf ein Magengefühl, es ist Realität. Die andere Realität heißt aber auch Hamas.

Hamas – Terrororganisation

Unrecht hat Erdoğan, wenn er trotzig die Hamas als „Widerstandsbewegung“ bezeichnet, weil man seine Bemühungen um einen Waffenstillstand kategorisch in den Wind geschlagen hat. Wer Terror verbreitet, die Tötung von Zivilisten nicht nur in Kauf nimmt, sondern gezielt gegen Zivilisten vorgeht, den nennt man Terrorist und Hamas ist eine Terrororganisation. Da gibt es nichts zu beschönigen.

Die Hamas ist terroristisch und das nicht erst seit dem 7. Oktober. Auch die vielen Selbstmordattentate in israelischen Städten in den Neunzigern waren Terrorismus. Und meines Erachtens auch der wahllose Beschuss israelischer Städte durch Raketen, die schon aufgrund ihrer Bauart nicht zielgenau zwischen militärischen oder zivilen Zielen unterscheiden können. Die Hamas-Ideologen haben auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie Zivilisten angreifen, sondern das Ganze mit einem theologisch-intellektuellen Taschenspielertrick gerechtfertigt.

Man hat kurzerhand den Umstand, dass die israelische Gesetzeslage jeden Bürger unbesehen des Geschlechts zu einem dreijährigen Militärdienst verpflichtet, jeden israelischen Staatsbürger zu einem militärischen Ziel erklärt. Mit einer solch verqueren Logik kann man praktisch jedes Kind als künftigen potenziellen Soldaten betrachten.

Israelische Regierung und Gaza als Petrischale

Eine ganz anderer Antrieb der Terrorismus begünstigt ist natürlich die, dass auf der anderen Seite eine israelische Staatsräson existiert, die in den letzten zwei Jahrzehnten gar kein Interesse daran hatte, der Hamas einen Weg zurück aus dem Terrorismus zu ermöglichen. Israel kennt es aus seiner eigenen Geschichte, dass Terroristen – die Gründerväter Israels waren steckbrieflich gesuchte Terroristen – einen Wandel zu Staatsmännern durchlaufen können. Und die Möglichkeit hätte durchaus auch in Palästina bestanden. Nur hatte man daran kein Interesse.

Ex-US-Präsident Jimmy Carter erklärte 2013 in einem TV-Interview, er habe sich mehrmals mit der Hamas-Führung getroffen und sie sei bereit gewesen, die Existenz Israels zu akzeptieren. Aber Netanyahu habe die die „Ein-Staaten-Lösung“ verfolgt, was die Verhandlungen hierzu unmöglich gemacht habe und „eine Katastrophe“ für Israel“ bedeuten würde.

Gaza als Petrischale zur Heranzüchtung eines permanenten kontrollierten Bedrohungsszenarios kam den israelischen Regierungen der letzten zwei Jahrzehnte also sehr gelegen, wenn nicht gar gewollt, um unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung eine expansionistische Siedlungspolitik so weit voranzutreiben, dass eine Zwei-Staaten-Lösung faktisch verunmöglicht wird. Israelischer Staat und terroristische Hamas standen also bislang in einem symbiotischen Verhältnis.

Datenleak – Umsiedlung und endgültige Ansiedlung der gesamten Gaza-Bevölkerung

Das geht auch aus einem Bericht hervor, die die israelische Denkfabrik Misgav-Institut mit Verbindungen zum israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am 17. Oktober veröffentlichte, in dem sie die „einzigartige und seltene Gelegenheit“ für die „Umsiedlung und endgültige Ansiedlung der gesamten Gaza-Bevölkerung“ in Ägypten befürwortete. Das durchgesickerte Dokument wurde für eine Organisation namens „The Unit for Settlement – Gaza Strip“ erstellt und war eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Es geht also um die Ausweitung von israelischen Siedlungsgebieten auf fremdem Territorium, die man laut dem Bericht für wenige Milliarden US-Dollar umsetzen könne und kaum der Rede wert sei. Der Plan, Ägypten als willigen Aufnahmeland für 2,3 Millionen Palästinenser aus dem Gazastreifen zu gewinnen und im Gegenzug die marode ägyptische Wirtschaft zu stützen, den Sessel des ägyptischen Diktators al-Sisi zu sichern, fiel jedoch trotz des immensen Drucks und Besuchsaufkommens aus den USA und Europa ins Wasser.

Nun scheint der israelische Ministerpräsident die Palästinenser aus Gaza herausbomben zu wollen, ungeachtet dessen, was so alles im Bombenhagel getroffen wird, während al-Sisi sich mit aller Macht dagegenstemmt, weil 110 Millionen Ägypter genau das von ihm erwarten. Dabei zündelt Netanjahu nicht nur, er will offensichtlich alle bedrohen, die nicht Spuren, inklusive al-Sisi.

Wenn aber Gazastreifen als solches eine Bedrohung für Israel darstellt, was ist mit dem Westjordanland, in der die palästinensischen Fatah-Bewegung die Kontrolle ausübt und bereits jetzt unter der israelischen Siedlungs- und Apartheidspolitik leidet? Welche Gebiete in Palästina, in Syrien bzw. Jordanien wären als nächstes im Visier israelischer Denkfabriken, die Netanjahu eine weitere Prophezeiung aus der Thora in die Wiege legen?


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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Türkei
Feierlichkeiten zu 100 Jahre Republik Türkei

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Ankara/Berlin – Anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung Türkischen Republik, fanden heute sowohl in der Türkei als auch im Ausland zahlreiche Veranstaltungen statt.

In einer Mitteilung des Präsidiums für Kommunikation heißt es: „Der 100. Jahrestag unserer Republik wird im In- sowie Ausland mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Das Präsidium für Kommunikation bringt die Bürgerinnen und Bürger mit speziellen Veranstaltungen zum 100. Jahrestag der Republik im ganzen Land, insbesondere in Istanbul, Ankara und Izmir, zusammen. In diesem Rahmen wurden digitale Ausstellungen und dreidimensionalen Shows in Istanbul organisiert, Großbildschirme auf dem Taksim-Platz, in Bakırköy und am Hafen von Kadıköy aufgestellt.

Die ʻRecep Tayyip Erdoğan Sonderausstellungʼ, der Ausstellungsbereich ʻJahrhundert von Türkiye von der Vergangenheit bis zur Gegenwartʼ und die Installation ʻJahrhundert von Türkiyeʼ können noch bis zum 8. November besichtigt werden, während der ʻJahrhundert von Türkiye Monolithʼ und der ʻSchwimmende Pier zum 100-jährigen Jubiläum am Bosporusʼ noch bis zum 1. November zu sehen sind.“

Informationen zu den Veranstaltungen unter https://www.yuzuncuyil.gov.tr

Sonderveranstaltungen zu den 100-Jahr-Feierlichkeiten der Republikgründung finden auch in den diplomatischen Vertretungen der Türkei im Ausland statt. Jubiläumsfeiern werden sowohl in den 14 Generalkonsulaten als auch in der türkischen Botschaft in Berlin organisiert. In der deutschen Hauptstadt gibt das Staatliche Symphonieorchester von Istanbul ein Konzert. Ferner öffnet eine Ausstellung ihre Pforten für Besucher.

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Kemal Bölge

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Gaza-Krieg
Erdogan: „Hamas ist keine Terrororganisation“

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ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Wenn die anerkannten Spielregeln nach eigenen Gutdünken um modelliert werden, weil man davon keine eigenen Vorteile erzielen kann, wird z. B. die moralische Keule zu einem Boomerang. In der Türkei wird derzeit hitzig darüber debattiert, ob die palästinensische Organisation Hamas im Gazastreifen eine Terrororganisation ist oder nicht. Angestoßen hatte die Debatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, der bei einer Rede von einer Befreiungsorganisation sprach, die ihr Volk und das Land verteidige.

Nun, in dieser Frage entscheidet die türkische Gesellschaft, was moralisch erwünscht ist oder nicht. Was die Gesellschaft dazu braucht, sind Spielregeln, womit sie in der Lage wären, die Entscheidungssituation scharf herauszuarbeiten.

Heißt das moralische Gebot „Verhältnismäßigkeit“, muss man bei Konflikten die Tötung von Zivilisten, die Zerstörung von zivilen Infrastrukturen oder Krankenhäusern sanktionieren. Wer noch bei Verstand ist, zerbombt nicht eine Fläche von rund 340 km², in der 2,3 Millionen Menschen leben, um danach dafür belangt zu werden. Das heißt, unerwünschte, von Spielregeln erfasste Handlungen werden nicht belohnt, sondern sanktioniert.

Die Spielregel der Erde heißt Völkerrecht. Es legt die rechtlichen Verpflichtungen der Staaten in ihrem Verhalten untereinander und in ihrer Behandlung von Einzelpersonen innerhalb der Staatsgrenzen fest. Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die israelische Regierung sich derzeit an keines der aufgestellten Regeln des Völkerrechts hält; sich im Grunde auf die Stufe von „Schurkenstaaten“ oder „Achse des Bösen“ begeben hat.

Interessanterweise haben die USA und einige europäische Staaten diese Regeln ebenfalls quasi für null und nichtig erklärt und unterstützen die israelische Regierung bei ihren Regelbrüchen, und verteidigen das auch noch. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, der sich zuvor als Linienrichter feilgeboten hatte, um eine gemeinsame Einigung zu erreichen, scheint die Faxen dicke zu haben und dreht den Spieß um. Erdoğan erkennt die Hamas nicht als Terrororganisation an.

Vor dieser Entscheidung hatten die westlichen Spielverderber sich sogar darüber echauffiert, dass der Schiedsrichter António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, sich über die Fouls Israels aufgeregt hatte. Kompliziert, oder?

Nein! Wie gesagt gibt es Spielregeln, womit die Gesellschaften der Erde in der Lage sind, die Entscheidungssituation scharf herauszuarbeiten und Stellung zu beziehen. In der Türkei wird das derzeit in sozialen Medien herausgearbeitet, und zwar in Zusammenhang mit der türkischen Doppelmoral innerhalb der Opposition bzw. Oppositionellen.

Gestartet hatte diese Debatte darüber der türkische Journalist Emre Efser, der auf X (vormals Twitter) eine Gleichung aufstellte, die nun von weiteren Nutzern in abgewandelter Form weitergeführt wird.

Die Gleichung lautet: „Hamas terör örgütü değildir. Olsaydı İsmail Saymaz desteklerdi.“ was soviel heißt wie „Hamas ist keine Terrororganisation. Wenn, dann hätte İsmail Saymaz [Journalist] diese unterstützt.“

Und wie lauten die abgewandelten Form davon, die Nutzer derzeit teilen?

„Hamas ist keine Terrororganisation. Wenn, dann hätte Kemal Kılıçdaroğlu diese beim Namen genannt.“

„Hamas ist keine Terrororganisation. Wenn, dann hätten die USA und Israel diese unterstützt.“

„Hamas ist keine Terrororganisation. Wenn, dann hätte Pervin Buldan sich an ihr angelehnt.“

„Hamas ist keine Terrororganisation. Wenn, dann hätte Washington ein Preis verliehen und der Führer im Élysée Palace empfangen worden.“

„Hamas ist keine Terrororganisation. Wenn, dann hätte Ayşenur Arslan in der Halk TV den Terroristen Tipps und Tricks verraten.“

„Hamas ist keine Terrororganisation. Wenn, dann hätte die Initiative Akademiker für den Frieden eine Petition verfasst.“

Wie gesagt, wer sich nicht an die Spielregeln hält – ob in der Türkei oder in Deutschland, die er selbst zuvor hochgehalten hat, dem fällt früher oder später alles auf die eigenen Füße.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.