Ein Gastkommentar von Kemal Bölge
Der Umgang mit Elif Eralp zeigt, wie schnell politische Auseinandersetzung in persönliche Herabwürdigung und rassistische Anfeindungen umschlagen kann.
Man kann unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob man eine rot-grün-rote Koalition in Berlin begrüßt oder nicht. Insbesondere die Springer-Kampfpresse hat in den letzten Wochen eine regelrechte Hetzjagd auf die Linken-Politikerin Elif Eralp und die Berliner Linke gestartet.
Der Spiegel hat ein Interview mit Frau Eralp geführt. Das Büro der Spitzenpolitikerin hat das Interview anschließend zur Autorisierung noch einmal erhalten. Das Büro bzw. Elif Eralp hat zu dem Interview Anmerkungen hinzugefügt, die zwar für die Spiegel-Redaktion bestimmt waren, nicht aber für die Veröffentlichung. Der Spiegel hat diese Notizen dennoch veröffentlicht. Das ist journalistisch schäbig und unseriös.
Waldemar Hartmann, ehemaliger Sportjournalist, verkörpert den deutschen Stammtisch wie kein Zweiter. Hartmann hat auf X einen gehässigen Post über Elif Eralp, die Linken und Berlin veröffentlicht. Er kann Eralp, die Linken und eine mögliche Koalition in Berlin kritisieren. Aber wenn er, wie er schreibt, ein Problem damit hat, wenn eine Regierende Bürgermeisterin in der deutschen Hauptstadt Elif Eralp heißt, ist das nichts anderes als Rassismus pur.
Hartmann ist das Paradebeispiel des deutschen Michels, der Migrantinnen und Migranten offen frontal angreift und rassistisch beleidigt. Nach dem Motto: „Eine Ausländerin will Regierende Bürgermeisterin in Berlin werden? Na, das geht schon mal gar nicht. Gibt es keine Deutschen, die diese Ausländerin rausschmeißen können?“

Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
Zum Autor
Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei

