Berlin – Der Konflikt im Nahen Osten und dessen wirtschaftliche Folgen für Europa sorgen für neue diplomatische Spannungen. Bei seinem Besuch in Südkorea hat der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt, dass die stark gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Krieges Europa in den vergangenen acht Monaten mehr als 100 Milliarden Euro gekostet haben. Zugleich erteilte er militärischen Lösungen eine Absage und rief alle Konfliktparteien zu Verhandlungen auf. Teheran reagierte darauf mit massiven Drohungen.
Wirtschaftliche Belastung und Absage an militärische Optionen
Merz betonte vor Journalisten, dass sich die Summe aus den Mehrkosten zusammensetze, die europäische Verbraucher und Unternehmen seit Ausbruch des Krieges im Februar aufbringen mussten. Deutschland und Europa hätten daher ein direktes wirtschaftliches Interesse an einer raschen Beendigung des Konflikts.
„Dieser Konflikt kann nicht militärisch gelöst werden“, unterstrich der Kanzler mit Blick auf anhaltende Berichte über mögliche neue US-Militäroktionen oder strategische Beratungen nach den US-Zwischenwahlen. Der Appell zur diplomatischen Deeskalation richte sich ausdrücklich an alle Beteiligten, einschließlich Israel.
Scharfe Reaktionen und Drohungen aus Teheran
Die Äußerungen des Bundeskanzlers stießen in der iranischen Führung auf heftige Ablehnung und wurden von spöttischen Tönen begleitet. Mohsen Rezaei, der Sicherheitschef des Landes, warf Europa auf der Plattform X vor, nun über wirtschaftliche Folgen zu klagen, obwohl es den Krieg zu Beginn unterstützt habe.
Auch der iranische Außenminister Abbas Araghchi reagierte unmissverständlich auf die genannten Zahlen. Die Summe von 100 Milliarden Euro sei „nichts im Vergleich zu dem verheerenden Schlag“, den Irans Streitkräfte im Falle neuer Angriffe gegen diejenigen führen würden, die das Land zu schädigen versuchen. „Rote Linien sind Vergangenheit“, so Araghchi.
Debatte um drohende Eskalation
Die diplomatischen Reaktionen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Spekulationen über eine mögliche Neuauflage oder Ausweitung von Luftangriffen auf iranische Infrastruktur. Während westliche Sicherheitsexperten und Politiker wie US-Senator Chris Murphy vor den unkalkulierbaren Risiken einer militärischen Eskalation und der Destabilisierung der Region warnen, bleibt die Suche nach einem gangbaren diplomatischen Verhandlungsweg vorerst schwierig.
When Israel-US bombings of Iran began last year, Mr. Merz hailed them. „Doing Europe’s dirty work“ 100bn Euro is nothing compared to the Earth-shattering blow Iran’s Powerful Armed Forces will deal against those who dare harm our people. Red lines are a thing of the past.
— Seyed Abbas Araghchi (@araghchi) October 31, 2026

