Istanbul. Die Türkei und die Europäische Union (EU) treiben gemeinsam den Ausbau einer neuen Handelsroute zwischen Europa und Zentralasien voran.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am vergangenen Samstag gemeinsam mit EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos den ersten Abschnitt einer neuen Bahnstrecke eingeweiht.
Die 153 Kilometer lange Verbindung soll künftig Istanbul mit der bulgarischen Grenze verbinden und die Fahrzeit von vier Stunden auf 90 Minuten verkürzen. Die Güterkapazität auf der Schiene soll von 1,5 auf 9,5 Millionen Tonnen jährlich steigen.
Der Ausbau ist Teil des sogenannten Mittleren Korridors, einer Route, die Europa über den Südkaukasus mit Zentralasien verbinden soll. Die EU sieht in dem Projekt die Chance, ihre Energie- und Rohstofflieferungen unabhängiger von Russland zu gestalten. Kommissarin Kos betonte laut F.A.Z., man habe „auf die harte Art gelernt, dass übermäßige Abhängigkeiten uns verletzbar machen“. Bis 2022 spielte der Mittlere Korridor kaum eine Rolle. Erst der Krieg in der Ukraine habe die Route attraktiv gemacht.
Nach Einschätzung der Weltbank könnte sich das Handelsvolumen bis 2040 mehr als verdreifachen. Die Lieferzeiten könnten halbiert werden, den beteiligten Ländern winkten zusätzliches Wirtschaftswachstum und rund zwei Millionen Arbeitsplätze. Allerdings gibt es noch erhebliche Hindernisse: An der türkisch-georgischen Grenze lag die Abfertigungskapazität 2023 bei nur einem Zug pro Tag, bis 2030 sollen es zwölf sein. Weitere Investitionen in Elektrifizierung, Digitalisierung und Signalsysteme sind nötig.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte den Mittleren Korridor in ihrer Rede zur Lage der Union als „neues internationales Konnektivitätsprojekt“ bezeichnet und angekündigt, zwölf Milliarden Dollar an staatlichen und privaten Investitionen zu mobilisieren.
Ein Großteil des Handels läuft derzeit noch an der Türkei vorbei, da Güter von Georgien aus über das Schwarze Meer verschifft werden. Grund dafür sind laut F.A.Z. „Ineffizienzen und Infrastrukturlücken“ in der Türkei. Ein Friedensschluss zwischen Armenien und Aserbaidschan könnte die Position der Türkei auf dem Korridor erheblich verbessern.
Die USA haben in Aussicht gestellt, den geplanten Transportkorridor durch Armenien als „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ zu betreiben.
Yasin Bas
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