Energiepolitik
Türkei plant milliardenschwere Treibstoffpipeline für NATO-Ostflanke

Ankara schlägt eine 1,2-Milliarden-Dollar-Pipeline für die NATO-Ostflanke vor — ein weiterer Schritt beim Aufstieg der Türkei zur zentralen Energie-Drehscheibe

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Ankara – Die Türkei schlägt den NATO-Verbündeten den Bau einer 1,2 Milliarden Dollar teuren Militär-Treibstoffpipeline vor — von der Türkei über Bulgarien bis nach Rumänien. Das berichtete Bloomberg am 15. Mai unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der Vorschlag soll noch vor dem NATO-Gipfel im Juli präsentiert werden, den die Türkei in Ankara ausrichten wird. Es wäre das zweite Mal nach dem Istanbuler Gipfel 2004, dass Ankara den wichtigsten Jahresgipfel des Bündnisses beherbergt.

Die geplante Pipeline würde ausschließlich militärischen Zwecken dienen — technische Details und Kapazitäten werden nach Angaben der Quellen als Verschlusssache behandelt. Laut Bloomberg könnte die türkische Route bis zu fünfmal günstiger sein als alternative Vorschläge über Griechenland oder Rumäniens westliche Nachbarn, die auf Seetransport angewiesen wären.

Reaktion auf Ukraine-Krieg und Hormus-Krise

Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Russlands Angriff auf die Ukraine und die jüngsten Verwerfungen im Nahen Osten — darunter die faktische Schließung der Straße von Hormus infolge US-israelischer Angriffe auf Iran — haben NATO-Planer aufgeschreckt.

Das bestehende NATO-Pipelinesystem, das sogenannte NATO Pipeline System (NPS), ist rund 10.000 Kilometer lang und versorgt zwölf Mitgliedsstaaten — endet aber im Osten bislang in Deutschland. Polen und Rumänien drängen seit Jahren auf eine Verlängerung nach Osten.

Die türkische Initiative ergänzt diese Bemühungen und positioniert Ankara als zentrales Bindeglied in der Verteidigungslogistik des Bündnisses.

Türkei als Energie-Drehscheibe — eine historische Chance

Der Pipeline-Vorschlag fügt sich in eine größere strategische Agenda ein. Die Hormus-Krise hat schonungslos offenbart, wie verwundbar Europas Energieversorgung trotz aller Diversifizierungsbemühungen weiterhin ist. Während Europa über höhere Spritpreise und mögliche Engpässe diskutiert, sieht Ankara darin eine historische Gelegenheit.

Die Türkei verfügt bereits heute über ein dichtes Netz an Pipelines und Energieinfrastruktur: die TANAP-Pipeline aus Aserbaidschan, TurkStream für russisches Gas, die Iran-Türkei-Gasleitung sowie LNG-Terminals an Mittelmeer und Marmarameer.

Der Mittelmeerhafen Ceyhan ist Endpunkt wichtiger Öl- und Gasleitungen aus Aserbaidschan, dem Irak und Zentralasien.

Hinzu kommen neue Projekte: Der türkische Staatskonzern BOTAŞ schloss einen 20-Jahres-Vertrag über jährlich vier Milliarden Kubikmeter US-amerikanisches LNG, ergänzt durch eine Vereinbarung mit dem australischen Produzenten Woodside Energy. Ankara bindet damit US-Energieinteressen ein, bedient Europas Wunsch nach weniger Russland-Abhängigkeit — und positioniert sich selbst als unverzichtbaren Transitstaat.

Gleichzeitig gewinnt der sogenannte Mittlere Korridor an Bedeutung — eine Handelsroute von China über Zentralasien, den Kaukasus und die Türkei bis nach Europa. Experten zufolge könnte sich die Transportzeit zwischen Asien und Europa auf dieser Route von mehr als einem Monat auf rund zwei Wochen reduzieren.

Europas neues Dilemma

Für Europa entsteht daraus ein Dilemma. Einerseits könnte die Türkei helfen, die Energieversorgung breiter aufzustellen — der Thinktank Gulf Research Center schätzt, dass Öltransporte über Pipelines bis zu 40 Prozent günstiger sein könnten als über den Suezkanal.

Andererseits droht eine neue strategische Abhängigkeit. Kritiker warnen, Europa verlagere seine Abhängigkeit lediglich von Moskau nach Ankara — zumal rund 40 Prozent der türkischen Gasimporte weiterhin aus Russland stammen, berichtet Focus.

 


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