Ankara – Zum Europatag am 9. Mai hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan eine Botschaft an die europäischen Völker gerichtet, in der er die historischen Wurzeln der europäischen Integration würdigt und gleichzeitig eine engere Einbindung der Türkei in die europäische Architektur anmahnt.
Schuman-Erklärung als gemeinsames Fundament
Erdoğan erinnerte daran, dass die Schuman-Erklärung, die vor 76 Jahren die Grundlagen der europäischen Integration legte, in der Türkei seit der Anerkennung ihrer EU-Kandidatur im Jahr 1999 ebenfalls als Europatag begangen wird.
Die damaligen Ideen hätten es den europäischen Ländern ermöglicht, Unterschiede und Feindseligkeiten zu überwinden und sich nach einem verheerenden Krieg für Frieden, Sicherheit und Wohlstand zusammenzufinden.
Die Türkei leiste als Kandidatenland, NATO-Verbündeter und Partner mit langjähriger Erfahrung im EU-Acquis konkrete Beiträge zur Bewältigung aktueller Herausforderungen, betonte Erdoğan.
Die globalen Auswirkungen des Ukraine-Krieges hätten einmal mehr bewiesen, wie bedeutend die Türkei für die EU in den Bereichen Sicherheit, Migration, Lieferketten und Energie sei. „Die Europäische Union braucht die Türkei mehr als die Türkei die EU — und dieser Bedarf wird künftig noch weiter wachsen“, erklärte er.
Aufruf zu Solidarität und Weitblick
Der Krieg in der Ukraine, der mitten in Europa vor den Augen der Welt andauere, sei eine Warnung an die EU, so Erdoğan. Es brauche jetzt Solidarität, Zusammenarbeit und vor allem einen mutigen und weitblickenden Ansatz — ähnlich dem Geist, der einst die europäische Integration begründet habe.
Für beide Seiten sei es in einer zunehmend komplizierter werdenden Welt von Vorteil, sich auf gemeinsame Nenner statt auf Unterschiede zu konzentrieren und die Beziehungen in allen Bereichen auszubauen, betonte er.
Die Türkei sei bereit, ihre Beziehungen zur EU auf einer „Win-Win-Basis“ voranzutreiben — auf Grundlage gegenseitiger Verpflichtungen und einer echten Vollmitgliedschaftsperspektive.
Ankara erwartet aufrichtigeren Kurs von Brüssel
Den EU-Beitrittsprozess, den die Türkei trotz aller Hindernisse geduldig und entschlossen verfolge, sollte die EU mit einem konstruktiven Ansatz fördern, mahnte Erdoğan. Dies sei auch im Interesse der EU selbst — für ihre Glaubwürdigkeit und ihre Zukunftspläne. Ankara erwarte von Brüssel denselben aufrichtigen Willen, den die Türkei ihrerseits zeige.
Zum Abschluss seiner Botschaft wünschte Erdoğan, dass der Europatag Frieden, Wohlstand und Solidarität in der gemeinsamen Region bringen möge, und richtete Grüße an die europäischen Völker sowie an die türkischen Bürgerinnen und Bürger.
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