Sepang
Toprak Razgatlıoğlu kämpft mit der MotoGP-Umstellung

Die ersten Testtage in Sepang (Malaysia) machen deutlich: Der Weg an die Weltspitze der Prototypen-Klasse erfordert eine radikale Neuausrichtung seines Fahrstils.

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Sepang – Der mit Spannung erwartete Wechsel des Jahres ist vollzogen: Toprak Razgatlıoğlu, der mehrfache Superbike-Weltmeister und der wohl talentierteste Schützling der türkischen Motorsport-Legende Kenan Sofuoğlu, ist offiziell in der MotoGP angekommen.

Doch die ersten Testtage in Sepang (Malaysia) machen deutlich: Der Weg an die Weltspitze der Prototypen-Klasse erfordert eine radikale Neuausrichtung seines Fahrstils.

Willkommen in der Champions League

Wer die MotoGP betritt, verlässt die Welt der herkömmlichen Rennräder und betritt das Terrain der „Formel 1 auf zwei Rädern“. Während Toprak in der WorldSBK jahrelang bewiesen hat, dass er der beste Pilot auf modifizierten Straßenmaschinen ist, sind die MotoGP-Bikes reine Prototypen – kompromisslose Hochleistungsmaschinen, die keine Fehler verzeihen.

Der Unterschied ist gewaltig: Toprak muss lernen, dass sein spektakulärer „Stop-and-Go“-Stil, bei dem er die Konkurrenz auf der Bremse förmlich zerlegte, in der Königsklasse nicht funktioniert. Gegenüber Speedweek gab er heute ein bemerkenswert ehrliches Fazit zu seinem Lernprozess ab:

„Ich habe gelernt – aber nicht viel“

Nach den ersten intensiven Runden auf seiner neuen Maschine gab sich Razgatlıoğlu gegenüber Speedweek gewohnt ehrlich und bescheiden. Der Umstieg von der seriennahen Superbike-Maschine auf den reinrassigen MotoGP-Prototypen erweist sich als größere Umstellung als von vielen Fans erhofft. Toprak analysiert seine aktuelle Situation kritisch:

„Ich habe hier schon gelernt – aber nicht viel. Es bleibt dabei, dass ich noch nicht in der Lage bin, den MotoGP-Stil zu fahren. Es ist noch ein ganz anderes Fahren. Gefragt ist hier mehr der Stil einer Moto2. Es geht darum, sehr gefühlvoll ans Gas zu gehen. Die Reifen sind enorm empfindlich. Und natürlich der Kurvenspeed.“

Die technischen Welten: WorldSBK vs. MotoGP

Um zu verstehen, warum das „Phänomen Toprak“ momentan noch im Mittelfeld der Zeitenliste feststeckt, muss man die Unterschiede der Meisterschaften betrachten:

Der Kampf gegen die eigenen Instinkte

Warum ist die Umstellung so schwer? Der Vergleich der Meisterschaften macht es deutlich:

WorldSBK (Superbike-WM): Hier fuhr Toprak Maschinen wie die Yamaha R1 oder die BMW M1000RR. Diese Bikes basieren auf Modellen, die man beim Händler kaufen kann. Sie nutzen Pirelli-Reifen, die viel Feedback geben und einen aggressiven Fahrstil unterstützen. Toprak konnte hier mit dem Hinterrad in der Luft in die Kurven stechen – sein Markenzeichen.

MotoGP: Hier sitzt er auf der Pramac-Yamaha M1. Ein Prototyp mit komplexer Aerodynamik und extrem sensiblen Michelin-Reifen. Wer hier zu aggressiv bremst, zerstört die Balance und verliert den nötigen Kurvenspeed. Toprak muss nun lernen, „rund“ zu fahren – ein Stil, der eher an die kleinere Moto2-Klasse erinnert, in der flüssige Bewegungen entscheidend sind.

Toprak weiß, dass er seinen Instinkt umerziehen muss: „Ich glaube, es wird fünf Rennen dauern, dann haben wir einen Weg gefunden. Ich hoffe sehr, dass der Lernprozess schnell ist.“

Der Architekt hinter dem Erfolg: Kenan Sofuoğlu

Dass Toprak überhaupt in der Position ist, um den MotoGP-Thron zu kämpfen, verdankt er maßgeblich seinem Mentor Kenan Sofuoğlu. In der Türkei ist Sofuoğlu weit mehr als nur ein Manager; er ist das Fundament des modernen türkischen Motorradsports.

Kenan Sofuoğlu ist der erfolgreichste Pilot in der Geschichte der Supersport-Weltmeisterschaft (WorldSSP). Mit insgesamt fünf Weltmeistertiteln (2007, 2010, 2012, 2015, 2016) setzte er Maßstäbe, die bis heute unerreicht sind. Nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport übernahm er die Ausbildung junger Talente und baute ein professionelles System auf, um türkische Fahrer in die Weltspitze zu bringen.

Als Mentor ist Sofuoğlu für seine Disziplin bekannt. Er hat Toprak geformt, ihn taktisch geschult und den Wechsel in die MotoGP minutiös vorbereitet.

Für Sofuoğlu ist das Projekt Razgatlıoğlu die Krönung seines Lebenswerks: Er will beweisen, dass sein Schützling nicht nur in der Superbike-Klasse dominieren kann, sondern auch die „Königsklasse“ des Motorradsports versteht. Das Ziel ist klar: Der erste türkische MotoGP-Weltmeister der Geschichte.

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