TD Bank
Internationale Wirtschaftsprüfer überprüfen Kanadas Bemühen gegen die Geldwäsche nach einer Rekordstrafe von 3 Milliarden Dollar

Der Besuch der Prüfungskommission fiel zeitlich mit der Bekanntgabe neuer Anklagen gegen Ryan Wedding durch die kanadischen Behörden zusammen.

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Internationale Wirtschaftsprüfer verbrachten im November des letzten Jahres drei Wochen in Kanada und führten dort laut Insidern mehrfache Gespräche mit den großen Finanzunternehmen des Landes und 13 verschiedenen Regierungsbehörden durch. Auch hochrangige Führungskräfte der TD Bank nahmen an diesen Gesprächen teil.

Denn gegen dieses Kreditinstitut wurde im vergangenen Jahr eine Rekordstrafe auf Grund von Geldwäsche verhängt. Die normalerweise routinemäßige, etwa alle zehn Jahre stattfindende Überprüfung sorgte in Ottawa und im gesamten Finanzsektor Torontos für erhebliche Unruhe. Ein Großteil dieser Besorgnis und der Unsicherheit am kanadischen Finanzmarkt ist vor allem auf die drei Milliarden Dollar Strafe zurückzuführen, die gegen die TD Bank verhängt wurde.

Der Besuch der Prüfungskommission fiel zeitlich mit der Bekanntgabe neuer Anklagen gegen Ryan Wedding durch die kanadischen Behörden zusammen. Der ehemalige kanadische Snowboarder und Gewinner mehrerer Medaillen bei Juniorenweltmeisterschaften befindet sich zurzeit auf der Flucht vor den zuständigen internationalen Strafbehörden, die gegen ihn Anklage wegen Kokainhandels im großen Stil erhoben haben.

Von den offiziellen Stellen des Landes wird befürchtet, dass eine negative Bewertung durch die Financial Action Task Force (FATF) erheblichen Schaden für den kanadische Finanzmarkt bedeuten könnte.

Ein solcher Bericht könnte ausländische Investoren abschrecken, Kanadas internationales Ansehen und den guten Ruf des Landes schädigen. Dieser Umstand wäre auch ein politischer Rückschlag für Premierminister Mark Carney, der gegenwärtig versucht, die Produktivität des zweitgrößten Staates der Welt wieder auf Vordermann zu bringen, um so die Abhängigkeit des Landes von den USA zu verringern.

Bereits seit 2016 sieht sich Kanada mit Vorwürfen im Bereich der Geldwäsche konfrontiert

Kanada ist im Moment damit beschäftigt, seit der letzten großen Überprüfung im Jahr 2016, echte Fortschritte in diesem Bereich nachzuweisen. In den ehemaligen Untersuchungen wurden große Lücken im kanadischen Rahmenwerk zur Bekämpfung der Geldwäsche aufgedeckt.

Eine wesentliche Schwäche besteht in der eingeschränkten Möglichkeit, in Kanada registrierte Unternehmen zu verfolgen und die tatsächlichen Kontrollinhaber persönlich zu identifizieren oder gar dingfest zu machen.

Laut Christian Leuprecht, Professor am Royal Military College of Canada und Autor von „Dirty Money: Financial Crime in Canada“, hätte das Land ausreichend Zeit gehabt, diese Probleme zu beheben. Kanada hätte in diesen fast zehn Jahren sinnvolle Reformen angehen und diese auch umzusetzen müssen. Seiner Meinung nach sind auch die Vorfälle wie die Ermittlungen gegen Ryan Wedding zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für die kanadische Finanzwelt ans Licht gekommen.

Das Büro des Premierministers leitete die betreffenden Anfragen an die zuständigen Abteilungen im Finanzministerium weiter. Deren Sprecher erklärten darauf, dass die FATF-Überprüfung noch nicht abgeschlossen sein und die internen Details als vertraulich eingestuft werden.

Mit einem endgültigen Ergebnis wird erst im Juni 2026 gerechnet. Schätzungen des Criminal Intelligence Service Canada verdeutlichen aber das Ausmaß der gegenwärtigen Probleme. Die Behörde geht davon aus, dass jährlich bis zu 113 Milliarden kanadische Dollar über anonyme Unternehmen in Kanada gewaschen werden. Diese Summe könnte bis zu fünf Prozent der gesamten kanadischen Volkswirtschaft betragen.

Experten für die Überwachung und Durchsetzung von Geldwäschebestimmungen reisten aus verschiedenen Ländern an, darunter aus Sri Lanka, Italien, Hongkong, Japan, Irland, Australien und Großbritannien, aber auch einige Vertreter der FATF waren Teil der Finanzkontrolleure.

In persönlichen Gesprächen befragten sie Unternehmen und Behörden zu den diversen Durchsetzungsvorschriften auf Bundes- und Provinzebene sowie zu den von den Unternehmen implementierten Risikokontroll- und Geldwäschebekämpfungssystemen.

Die aussagewilligen Personen sprachen in den meisten Fällen nur unter der Bedingung der Anonymität, da sie sich nicht öffentlich äußern wollten oder durften. Eine mit dem Verfahren vertraute Person gab beispielsweise an, dass sich viele Regierungsstellen und Unternehmen auf die Gespräche vorbereitet hatten, indem sie die enge Zusammenarbeit der Unternehmen mit den Strafverfolgungsbehörden in den Fokus rückten.

Tatsächlich widmete das Gremium jedoch mehr Zeit der Prüfung der internen Compliance-Strukturen der einzelnen Unternehmen. Fachkundige Compliance-Experten ließen wissen, dass die Prüfer voraussichtlich die frühere Strafe gegen die TD Bank, die in den Vereinigten Staaten bezahlt wurde, in die Gesamtbeurteilung berücksichtigen würden.

In vielen Fällen geht es um mehrere Hunderte Millionen Dollar, die mit Geldwäschenetzwerken in Verbindung stehen und auch über diese Bank transferiert wurden, darunter auch bedeutende Summen internationaler Drogenhändler.

Die TD Bank entschied sich, keine Stellungnahme zur gegenwärtigen Überprüfung abzugeben. Der kanadische Bankenverband lehnte es ebenfalls ab, Auskunft darüber zu geben, wer an den Interviews teilgenommen hatte oder welche Details besprochen wurde.

Der Verband erklärte jedoch, dass große Banken im Vorfeld der FATF-Bewertung Änderungen an Kanadas Strategie zur Bekämpfung der Geldwäsche unterstützt hatten. Dazu gehörten ein verbesserter Informationsaustausch und die Einrichtung eines bundesweiten Registers zur Erfassung von Unternehmensbeteiligungen.

Ein positives Prüfungsergebnis wäre ein Segen für den gesamten kanadischen Finanzsektor

Seit seinem Amtsantritt im März letzten Jahres hat Premierminister Mark Carney, der früher selbst Zentralbankchef des Landes war, mehrere Maßnahmen zur Stärkung des Systems präsentiert.

Er schlug eine neue Bundesbehörde zur Bekämpfung der Finanzkriminalität vor, sagte 1,8 Milliarden kanadische Dollar für die Bekämpfung krimineller Aktivitäten zu und pocht regelmäßig auf transparentere Kommunikationswege zwischen Bankenaufsichtsbehörden und Strafverfolgungsbehörden.

Eine nationale Behörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität wurde erstmals im Haushaltsplan des Jahres 2022 vorgeschlagen und im diesjährigen Haushaltsplan erneut aufgegriffen, diese wurde aber noch nicht tatsächlich gegründet. Salvator Cusimano, Geschäftsführer von Transparency International Kanada, erklärte, ein positives Ergebnis der Evaluierung sei weit über die Regulierung hinaus von Bedeutung.

Gerade in einer Zeit, in der Kanada seine internationalen Handelsbeziehungen ausbauen und ausländische Investitionen anziehen wolle, würde ein positives Ergebnis möglichen Partnern und Investoren die Gewissheit geben, dass das kanadische Finanzsystem auf Dauer vertrauenswürdig sei.

Auch die kanadische Anti-Geldwäsche-Behörde FINTRAC hat ihre Durchsetzungsmaßnahmen in den letzten Jahren erheblich verstärkt, so wurden beispielsweise die Höhe und Häufigkeit der Strafen drastisch gesteigert.

Experten aus dem Compliance-Bereich halten es für unwahrscheinlich, dass Kanada auf der berüchtigten FATF-„Grauen Liste“ landet, in der jene Länder gelistet werden, die aufgrund von Risiken im Finanzdienstleistungssektor genauer überwacht werden müssen.

Aber diese Tatsache bedeutet noch nicht, dass die Überprüfung kritik- und straffrei verlaufen wird. Angesichts der aktuellen Lage der kanadischen Banken und der möglicherweise bevorstehenden Verschärfung der Regeln achten viele Einwohner des Landes in der letzten Zeit verstärkt auf sichere Transaktionen.

Dazu gehört beispielsweise auch, dass beim Online Glücksspiel zuverlässige Zahlungsanbieter ausgewählt und vertrauenswürdige digitale E-Walltes verwenden werden, dass beim Online-Banking die bedeutend sichere Zwei-Faktor-Authentifizierung genutzt wird oder verifizierte E-Commerce-Plattformen mit schnellen, verschlüsselten Zahlungssystemen bevorzugt verwendet werden.

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