Brandanschlag von Solingen
Trauer in NRW: Mevlüde Genç im Alter von 80 Jahren gestorben

Mevlüde Genç, Überlebende des rassistischen Brandanschlags von Solingen 1993, ist am 30. Oktober 2022 gestorben.

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Solingen – Mevlüde Genç, Überlebende des rassistischen Brandanschlags von Solingen 1993, ist am Sonntag (30. Oktober 2022) im Alter von 80 Jahren gestorben.

Vor fast 30 Jahren verlor sie bei einem feigen rechtsradikalen Brandanschlag in Solingen zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte.

In der Nacht zum 29. Mai 1993 drangen vier deutsche Rechtsradikale in das Haus der türkischen Großfamilie Genc ein und legten im Flur das Feuer, welches zum Tod von fünf unschuldigen Menschen im Alter von vier bis 27 Jahren führen sollte. 14 weitere Familienmitglieder wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Mevlüde Genc, damals 40 Jahre alt, hatte allen Grund, wütend zu sein; wütend auf die Täter, wütend auf Deutschland, wütend auf die Politik. Dennoch trägt sie keinen Funken Hass in ihrem Herzen und entschied sich trotz der schmerzlichen Erfahrung für den Weg der Versöhnung. Sie engagiert sich seitdem für ein friedliches Miteinander.

„Ich spüre keinen Hass. Es waren Einzeltäter, nicht die Deutschen“, sagte sie in einem Gespräch mit dem Kölner Stadtanzeiger. Sie empfinde niemandem gegenüber Hass.

„Nur den vier jungen Männern gegenüber, die damals meinen Kindern den Tod gebracht haben, empfinde ich in meinem Innersten eine Abneigung. Sonst nicht. Dieses Land gehört auch uns“, so Genc in einem Interview mit der freien Journalistin Ayten Hedia.

„Nach 1993 ist meine Welt zusammengebrochen, ich habe meine Kinder verloren. Es ist nicht einfach gewesen, den Schmerz zu ertragen. Mit dem Älterwerden ist der Schmerz sogar schwerer geworden. Ich kann ihn nicht mehr tragen. Ich habe fünf meiner Kinder an einem Tag verloren und am selben Tag in Särge gelegt. So etwas ist nicht einfach. Ich habe nachts geweint und mich tagsüber um meine anderen Kinder gekümmert. Ich habe meine Tränen nicht gezeigt“, sagte Genc im Gespräch mit Hedia weiter. Sie danke dem deutschen Staat, er sei immer für sie da gewesen.

Sie habe sich immer nur gewünscht, dass ihre Kinder in Deutschland aufwachsen wie alle anderen und dass „der Hass nicht Eingang findet in ihre Herzen“.

„Ich bete dafür, dass wir alle gute Menschen sind, verzeihen können und tolerant sind“, so Genc gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger.
In ihrer Rede zum 25. Jahrestag des Anschlags in Solingen sagte sie: „Lasst uns zum Guten nach vorne schauen. Dem Hass muss Einhalt geboten werden.“


Auszeichnungen für Bemühungen zur Versöhnung

Für ihre Bemühungen um Versöhnung wurde ihr 1996 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Jahre 2003 wurde sie bei den Deutsch-Türkischen Kulturwochen der Friedrich-Ebert-Stiftung zudem mit dem Freundschaftspreis ausgezeichnet.

Die Begründung der Jury:

„Mevlüde Genc hat ihrer Heimatstadt Solingen trotz allem die Treue gehalten und kämpft seither gegen Rassismus. Sie gründete u. a. einen Kindergarten und unterstützt vor allem das Bewusstsein, das bereits bei kleinen Kindern von Anfang an geschult werden sollte – nämlich dass Rassismus in Deutschland keine Chance haben darf. Für dieses Engagement und den Mut, trotz allem weiterzumachen, aufzustehen und etwas zu tun, verleiht die DTF seinen diesjährigen Preis in der Kategorie ‚Solidarität‘ an Mevlüde Genc.“

Aufgrund ihrer versöhnlichen Haltung wurde zudem die in NRW seit 2018 verliehene „Mevlüde-Genç-Medaille“ nach ihr benannt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bewundert Haltung von Mevlüde Genc

„Auf eine unmenschliche Tat haben Sie mit menschlicher Größe reagiert. Dafür bewundern wir Sie“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Rede zum 25. Jahrestag.

 

 

 

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