Griechenland
Posthumes Gedenken an Mufti Mehmet Emin Ağa

Ein Religionsgelehrter mit charismatischer Ausstrahlung und Verteidiger demokratischer Grundrechte der türkischen Minderheit verstarb vor 15 Jahren.

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Xanthi/İskeçe – Im Andenken an den 15. Todestag des langjährigen Muftis von İskeçe (Xanthi), Mehmet Emin Ağa, findet am Donnerstag (9. September) um 18 Uhr Ortszeit eine Gedenkzeremonie auf dem Friedhof des Stadtviertels Aşağı Mahalle statt. Ağa wurde am 3. September 1931 im Dorf Şahin, das zur Stadt İskeçe gehört, geboren.

Während des Zweiten Weltkriegs musste er die Schule im nordöstlichen Teil Griechenlands abbrechen und eine bulgarische Schule besuchen, da Westthrakien von Bulgarien besetzt wurde. Nach Beginn des griechischen Bürgerkriegs war er gezwungen, seine Schulausbildung zu beenden. Sein Hang für die islamische Religion schien ihm schon von klein auf in die Wiege gelegt, denn sein Vater war ebenfalls Mufti.

Beim damaligen Mufti von İskeçe, Sabri Efendi, lernte er Arabisch und vertiefte seine Kenntnisse der islamischen Religion. In Gümülcine (Komotini) absolvierte er eine Ausbildung an einer religiösen Schule (Medresse) und unterstützte die Gründung der Şahin-Medresse, wo er im Anschluss ein Vierteljahrhundert als Hodscha tätig war.

Der durch demokratische Wahlen ins Amt gewählte Mufti

Nach dem Tod des Muftis von Gümülcine wurde Ağa vom Gouverneur kommissarisch zum Mufti ernannt. Er nahm die Ernennung unter der Bedingung an, dass der Mufti unter Anwendung des Mufti-Gesetzes von 1920 durch demokratische Wahlen bestimmt werden sollte. Als die griechischen Behörden gesetzeswidrig damit begannen, die Religionsgelehrten selbst zu bestimmen, trat Ağa aus Protest von seinem Amt zurück.

Von der griechischen Polizei geschlagen und rechtswidrig aus dem Amtssitz geworfen

Am 17. August 1990 wählten in der Region İskeçe die Mitglieder von 120 Moschee-Gemeinden Mehmet Emin Ağa zum Mufti. Wenige Tage später verschickten die Behörden ein Schreiben, in dem er seines Amtes enthoben und an seiner Stelle ein anderer Mufti ernannt worden sei.

Obwohl er die Behörden auf seine demokratische Wahl durch 120 Moschee-Gemeinden hinwies, wurde Ağa unter Gewaltanwendung von etwa 20 griechischen Polizisten aus dem Amtssitz des Muftis hinausgeworfen. Dabei wurde er so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Daraufhin versammelte sich eine Menschenmenge, um gegen die gesetzeswidrige Absetzung des Muftis und die Gewaltanwendung der Polizei zu protestieren, beidem 35 Westthrakientürken Verletzungen erlitten. Als Zeichen des Protests wurden für 45 Tage die Moscheegemeinden geschlossen.

Der furchtlose Mufti setzte sich für die Rechte der türkischen Minderheit in Griechenland ein

Wegen angeblicher „Amtsaneignung“ wurde Mehmet Emin Ağa vor Gericht angeklagt und zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Von den zehn Monaten verbrachte er sechseinhalb Monate im Gefängnis und wurde wegen gesundheitlicher Probleme vorzeitig aus der Haft entlassen und die restliche Strafe in eine Geldstrafe umgewandelt. Der furchtlose Mufti galt als entschiedener Verteidiger der demokratischen Grundrechte der türkischen Minderheit in Westthrakien, der im Alter von 75 Jahren in den frühen Morgenstunden des 9. September 2006 verstarb.

Kemal Bölge/Xanthi

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