Militäroffensive in Syrien
Kommentar: Opposition betet gemeinsam mit Erdogan für die Armee

Irre nicht wahr? Die europäische Staatengemeinschaft steht offenbar geschlossen hinter einer Gruppierung, die unter dem umfirmierten Namen SDF (Demokratische Kräfte Syriens) in Nordsyrien operiert und US-Präsident Trump "Verrat" an den "Kurden" vorwirft. Das ist harter Tobak, dass muss die türkische Bevölkerung, dass muss die Türkei, dass muss der türkische Präsident Erdoğan noch verdauen. Ein Kommentar,

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Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Erst Fakten, dann die Moral V.

Irre nicht wahr? Die europäische Staatengemeinschaft steht offenbar geschlossen hinter einer Gruppierung, die unter dem umfirmierten Namen SDF (Demokratische Kräfte Syriens) in Nordsyrien operiert und US-Präsident Trump „Verrat“ an den „Kurden“ vorwirft. Das ist harter Tobak, dass muss die türkische Bevölkerung, dass muss die Türkei, dass muss der türkische Präsident Erdoğan noch verdauen.

Aber nun mal zu den Fakten: entgegen der hiesigen Darstellung von Teilen der Terror-sympathisierenden Gesellschaftsschichten in Europa und deren Medien, hat die Türkei seit 2011, lange, sehr lange die Nationalismus-Show der YPG (Syrische Volksverteidigungseinheiten), dann die der umfirmierten SDF, mitverfolgt. Und ja, teilweise hat man sogar beide Augen zugedrückt, in der Hoffnung, die westliche Staatengemeinschaft hat sich unter Kontrolle und begehen keine Fehler.

Seit mehreren Monaten hat die Türkei aber auf gut Deutsch die Schnauze voll. Sie hat den USA eindeutig klargemacht, dass das Treiben im syrischen Grenzgebiet nicht mehr toleriert wird. Nun ist Schluss mit lustig. Inzwischen steht die gesamte politische Struktur in der Türkei, bis auf eine einzige Ausnahme, hinter der Militäroperation. Sie twittern alle, die türkische Armee solle ihre Mission erfolgreich beenden und wohlbehalten zurückkehren. Sogar das Oppositionsbündnis von CHP und IYI mit Ausnahme der HDP, beten für die Armee. In Deutschland werden demnächst die türkischen Staatsbürger in den Moscheen genauso Bittgebete richten. Wenn es um das Land geht, lässt sich die Bevölkerung nicht auseinander dividieren, aber das wird Europa auch noch lernen müssen.

(Foto: Screenshot/Twitter)

Es geht hier um einen völkerrechtlich anerkannten Staat, eine Autorität, einem Bündnispartner und nicht um irgend eine drittklassige Gruppierung, völkerrechtlich anerkannte Ordnung oder Organisation, die, für wen auch immer und wo auch immer, die Drecksarbeit abgenommen hat. Dieser Bündnispartner hat als einziger mit Bodentruppen die IS wie auch die SDF samt YPG von bestimmten Regionen in Nordsyrien vertrieben und die Ordnung wiederhergestellt. Keine andere europäische oder US-amerikanische Bodentruppe hat sich aktiv daran beteiligt. Man hat sich mit mörderischen Luftschlägen begnügt. All jene, die derzeit den moralischen Finger erheben, sollten jetzt den Atem anhalten und nicht in Schnappatmung geraten.

Es ist unerheblich, ob man Lepra (in diesem Fall der IS) mit Cholera (in diesem Fall die SDF) bekämpft. Letztendlich sind sie Geißeln der Menschheit. Syrien hat schon genug Todesopfer zu verzeichnen und die IS ist wie die SDF, hoffentlich bald von der Landkarte getilgt.

Und doch haben Berufs-emphatische Journalisten in den westlichen Staaten ein ambivalentes Verhältnis zur Türkei. Die Journalie hat den Fehler begangen, unablässig die Wahrheit über die „Kurden“ in Syrien zu verheimlichen, stattdessen als Opfer und Helden darzustellen. Nun sind sie quasi gezwungen, diese Unwahrheit weiter beizubehalten und vom „Verrat“ an „Kurden“ zu berichten. Würde man die Wahrheit schreiben, wäre es ja um die sogenannten „Kurden“ schlecht bestellt. Nun ist es soweit und man behält die Berichterstattung dementsprechend aufrecht.

Das mag sein, aber der Fehler darf nicht fortgesetzt werden. Wird es fortgesetzt, werfe ich diesen Journalisten Aktivismus vor. Es darf nicht sein, dass die Forderung nach Terrorbekämpfung die SDF ausklammert. Sie ist aus den genannten und bekannten Gründen nichts anderes als die IS. Wenn jemand moralisch einen Fehler begangen hat, dann die Staatengemeinschaft und die Medien, die sich mit diesem Abschaum namens SDF abgegeben haben. Abschaum, weil inzwischen unüberhörbar gerade diejenigen die Staatengemeinschaft dazu aufrufen, endlich gegen die SDF Schritte zu unternehmen, die von diesen Gruppierungen direkt betroffen sind. Es sind nicht nur Araber, Sunniten oder Turkmenen, sondern Christen, sprich Assyrer oder Jesiden.

Wenn es nur beim Unterstützen der SDF im Kampf gegen die IS geblieben wäre, hätte die Türkei dem Treiben noch lange zugeschaut. Offenbar war dem dann nicht mehr so. Nationalismus im Frühstadium ist eine Geißel der Menschheitsgeschichte und die sah man mittlerweile im „Rojava“ im Galopp auf die Syrer zukommen. Wenn jemand einen moralischen Fehler begangen hat und die Verantwortung für die militärische Offensive tragen muss, dann die Staatengemeinschaft, die die Saat dazu gelegt hat.

Man spricht oder wirft hier einem Staat namens Türkei vor, ungeachtet der Zustände in Syrien, eine militärische Offensive vom Zaun zu brechen? Dann werfe ich der Staatengemeinschaft und den Medien vor, all die Menschen auf dem Gewissen zu haben, die vor der Offensive und während der Offensive gestorben sind oder noch sterben werden. Es starben bislang wegen diesen Terrororganisationen in der Türkei nicht wenige Menschen, die von der IS, PKK, YPG oder SDF getötet wurden. Diese Menschen waren Einwohner eines Bündnispartners, eines NATO-Partners, eines Landes, das bestrebt ist in die Europäische Union aufgenommen zu werden.

Was nun irre ist? Wenn Befürworter der PYD, PKK, SDF oder YPG in den hiesigen Medien, in der Politik und in der Gesellschaft vom „Verrat“ an „Kurden“ sprechen! Es wurde lediglich eine von der EU und USA anerkannte Terrorgruppe fallen gelassen, so wie einst in Afghanistan die Mudschahedin, die dann in der Taliban aufgingen und in der Gegenwart umfirmiert auch als Al-Qaida oder IS seit längeren in Syrien und im Irak operieren.

Das Schlimme daran ist, dass eigentlich die USA und die Europäische Gemeinschaft die Türkei regelrecht verraten haben; das ist das schlimmste was einem Staat von anderen Staaten oder Staatengemeinschaften angetan werden kann, als von einem Staat an eine Gruppe oder Organisation wie die der SDF in Syrien.
Das ist ein Verrat, eine Vergewaltigung an 82 Millionen Bürger in der Türkei, darunter auch sehr viele Kurden. Dass das mal klar ist: Die hier Angesprochenen sind die eigentlichen Verantwortlichen dieser türkischen Militärmission, die weitere Todesopfer fordern wird oder bereits gefordert hat!


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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