Hindu-Nationalismus
Indien: Schwangere Frau der „unteren Kaste“ getötet

Die Gewalt gegen Dalits* in Indien nimmt weiter zu. In jüngster Zeit häuften sich Fälle, in denen Angehörige der sogenannten "Unberührbaren" bei Gewaltattacken zu Tode kamen. Hindu-Nationalisten setzten sich jedoch dafür ein, das Land bis zum Jahr 2021 frei von Muslimen und Christen zu machen.

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Berlin (ots) – Die Gewalt gegen Dalits* in Indien nimmt weiter zu. In jüngster Zeit häuften sich Fälle, in denen Angehörige der sogenannten „Unberührbaren“ bei Gewaltattacken zu Tode kamen. Das berichtet das christliche Werk Geschenke der Hoffnung, das sich als Teil des „Dalit Freedom Networks“ für die Rechte dieser Menschen einsetzt.

Ein besonders grausamer Vorfall ereignete sich vor kurzem im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh. Beim Müllaufsammeln stieß eine Schwangere unbeabsichtigt gegen einen abgestellten Eimer, der einer Frau aus einer höheren Kaste gehörte.

Die Frau war über diese „Verunreinigung“ so erbost, dass sie gemeinsam mit ihrem Sohn die Müllsammlerin heftig attackierte. Sowohl die werdende Mutter als auch ihr acht Monate altes ungeborenes Kind erlagen später den Verletzungen.

„Was für uns unvorstellbar klingen mag, ist in Indien leider grausamer Alltag: Dalits sind vielerorts immer noch Menschen zweiter Klasse“, sagt Bernd Gülker, geschäftsführender Vorstand von Geschenke der Hoffnung. Besonders hart treffe es die Christen unter ihnen: Sie seien mit einem doppelten Stigma belegt. Nach Angaben des katholischen Nachrichtenportals „Global Sister Network“ habe es allein in diesem Jahr bereits 600 Attacken gegen Christen gegeben.

Morddrohungen gegen Vorkämpfer der Dalit-Bewegung

In Indien arbeitet Geschenke der Hoffnung mit der Gemeindebewegung „Good Shepherd Church of India and Associated Ministries“ zusammen. Sie betreibt inzwischen 107 englischsprachige Schulen auf christlicher Basis. Einer der Mitinitiatoren der „Good Shepherd“-Schulen, Kancha Ilaiah Shepherd, sieht sich seit einiger Zeit Mordaufrufen ausgesetzt. In einer Ansprache hatte ein Parlamentsmitglied dazu aufgerufen, den Vorkämpfer der Dalit-Bewegung öffentlich zu hängen. Ilaiah gilt als Vorkämpfer für die Rechte der Dalits. Die Mordaufrufe stehen in Zusammenhang mit seinem jüngsten Buch, in dem er die wohlhabende Handelskaste Indiens als „soziale Schmuggler“ bezeichnet, weil sie niedere Kasten und die Dalits vom Wirtschaftssystem ausschließen würden.

Menschenrechte gelten auch für Dalits

„Die derzeitige Situation erfüllt uns mit großer Sorge.“ Westliche Regierungen, aber auch in Indien tätige Unternehmen, sollten ihrer Verantwortung gerecht werden und sich für die Einhaltung der Menschenrechte in dem Land starkmachen. „Sie gelten genauso auch für die Dalits. Laut der indischen Verfassung ist die Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit verboten, alle Inder sind gleich!“ Hindu-Nationalisten setzten sich jedoch dafür ein, das Land bis zum Jahr 2021 frei von Muslimen und Christen zu machen, so Gülker.

Dalit ist die heute gängige Bezeichnung der Nachfahren der indischen Ureinwohner, die nach der religiös-dogmatischen Unterscheidung im Hinduismus zwischen rituell „reinen“ und „unreinen“ Gesellschaftsgruppen als „Unberührbare“ aus dem Kastensystem der kriegerischen indoarischen Einwanderer bzw. Eroberer bis heute oft ausgeschlossen sind. Die Problematik um die Gruppe der Dalits ordnet sich in einem größeren Zusammenhang in die politischen Diskurse in Südasien um „Arier“ und „Draviden“ ein.

Der im Westen oftmals gebrauchte Begriff „Kastenlose“ ist unpräzise, da die Unberührbaren durchaus einer Kaste (Jati) angehören, wenn auch keiner Varna. In der westlichen Welt, insbesondere im deutschen Sprachraum, werden sie teilweise auch als Paria bezeichnet. (Wikipedia)

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