Ci-Nex Film Review
Die Größe zählt (nicht) – Ant-Man

In vielen Belangen geht Marvel in „Ant-Man“ einen Schritt zurück. Weg von Göttern und Weltzerstörern, wieder hin zu menschlichen Kontrahenten ohne eigene Superkräfte. Eine „Gegnerabteilung“, die in der letzten Zeit in die TV-Abteilung „Agent Carter“, „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“ und vor kurzem Netflix „Daredevil“ abgeschoben schien.

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Die Größe zählt (nicht) – Ant-Man

Review von Julius Zunker
Mit Ant-Man setzt Marvel endlich wieder die Hürden für einen der Helden des „Marvel Cinematic Universe“ tiefer an. Nicht die Welt in Gänze ist in Gefahr, sondern es steht zu verhindern, dass ein gefährliches Stück Technologie in die falschen Hände gerät. Der darum gesponnene Film hat zwar ein paar Längen, ist jedoch noch immer einer der „nur“ guten Marvelfilme. Viel davon verdankt er „Ant-Man“ Paul Rudd persönlich, aber auch der restliche Cast schafft es den Film auf ein mit Witz und Charme belegtes Niveau zu heben, ohne dabei in Albernheiten zu verfallen.
In vielen Belangen geht Marvel in „Ant-Man“ einen Schritt zurück. Weg von Göttern und Weltzerstörern, wieder hin zu menschlichen Kontrahenten ohne eigene Superkräfte. Eine „Gegnerabteilung“, die in der letzten Zeit in die TV-Abteilung „Agent Carter“, „Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.“ und vor kurzem Netflix „Daredevil“ abgeschoben schien.
Dabei spielt „Ant-Man“ nur kurz nach den Ereignissen aus „Avengers 2“ und kurz vor dem im nächsten Jahr erscheinenden „Captain America 3: Civil War“. Elemente aus dem letzten Abenteuer der Avengers wurden bereits schon im letzten Viral für „Ant-Man“ eingewoben und finden auch im Film eine ähnlich subtile Verwendung. Sie werfen allerdings auch deutliche Schatten für kommende Ereignisse voraus. Nicht nur entfernen sich die Avengers weiter voneinander und vertrauen einander seit „Avengers: Age of Ultron“ nur noch bedingt über den Weg, auch Kräfte, die vielleicht hätten zu ihnen gehören können, stehen den Avengers misstrauisch gegenüber.
So findet Dr. Hank Pym (im Film der „originale“ Ant-Man, gespielt von Michael Douglas) deutliche Worte auf Scott Langs / Ant-Mans (Paul Rudd) Frage, warum denn nicht einfach die Avengers über die Gefahren der Erfindung seines ehemaligen Schülers Darren Cross (Corey Stoll) informiert werden. Die Gründe für Dr. Pyms Antwort finden sich bereits in den ersten Momenten des Films. In der Baustelle des späteren S.H.I.E.L.D. Hauptquartiers treffen 1989 Dr. Hank Pym (ein gruselig verjüngerter Michael Douglas), eine dezent gealterte Peggy Carter (Hayley Atwell), Howard Stark („Mad Men“ John Slattery) und S.H.I.E.L.D. Agent Mitchell „Mitch“ Carson (Martin Donovan) aufeinander und sofort bricht Streit um Pyms Superserum aus. Ein Streit, der genau die Ereignisse in Bewegung setzt, die „Ant-Man“ 26 Jahre später vorantreiben. Hauptcharakter Scott Lang aber hat eigentlich zunächst ganz andere Sorgen. Grade noch im Gefängnis nun ohne Bleibe muss der ehemalige Ingenieur bei seinem vormaligen Zellengenossen Luis (Michael Peña) einziehen. Scotts Plan ist es von nun an die Finger von kriminellen Unternehmungen zu lassen.
Auch wenn ihm das merklich schwer fällt, denn immer machen seine Worte deutlich, dass er im Innersten sehr stolz auf seine Brüche ist, obwohl sie ihn ins Gefängnis brachte und von seiner Familie entfremdeten. Den Kontakt zu seiner Tochter Cassie (eine unglaublich niedliche Abby Ryder Fortson) wiederherzustellen ist nun sein erklärtes Ziel. Doof nur, dass er nicht nur Job um Job verliert, sobald seine Vergangenheit zu Tage tritt, sondern dass Maggie (Judy Greer), die Mutter seiner Tochter, ausgerechnet mit dem toughen Cop Paxton (Bobby Cannavale) zusammen ist. Nach dem Geburtstag seiner Tochter lässt er sich dann auch auf einen Plan seines Mitbewohners Luis ein und beschließt mit Hilfe von Luiz Freunden Kurt (David Dastmalchian) und Dave (T.I.) in das Haus irgendeines alten Millionärs einzubrechen und dessen Tresor auszuräumen. In dem (extrem und merkwürdig) gut gesicherten Tresor finden sich jedoch keine Dinge von Wert, sondern nur ein komischer Anzug in Retrodesign und einige Flaschen. Scott nimmt frustriert den Anzug mit, testet diesen später daheim und findet sich plötzlich geschrumpft in der Badewanne wieder.
Zu allem Überfluss redet auch noch durch das Intercom seines Helms ein alter Mann mit ihm.Die Geschichte um Dr. Pym, seine Tochter Hope van Dyne (eine zunächst schrecklich ernste Evangeline Lilly), den ehemaligen Ersatzsohn Darren Cross und die Hintergründe um den Ur-Ant-Man werden schön in die Handlung um Scott eingewoben. Auch die in der Gegenwart liegenden Ereignisse sind liebevoll in Szene gesetzt und haben, verglichen mit anderen Marvel Filmen, sehr viel Wärme ohne dabei albern zu wirken. Diese geht insbesondere von Hauptdarsteller Paul Rudd aus. Aber den muss man ja auch einfach mögen. Überzeugend kommt auch besonders die Performance von Michael Douglas als Hank Pym an. Auch wenn die Arbeit, die die Maske geleistet hat um ihn für die erste Szene zu verjüngen, irgendwie gruslig ist. Wenn er kurz darauf mit gewohntem Alter und Bart wieder auftritt wirkt das deutlich beruhigender. Ebenfalls nachvollziehbar spielt Corey Stoll seine Rolle als Damian Cross / Yellowjacket. Auch hier findet sich endlich wieder ein Gegner, der eben nicht von Grund auf böse ist, sondern schlussendlich durch seine Forschung und durch Dr. Pyms Ablehnung finstere Seiten entwickelte.
Die Spezialeffekte in „Ant-Man“ sind gewohnt gut, liegen allerdings besonders bei den Ameisen, die Ant-Man zu Diensten sind, eher auf der Comic-Seite und erscheinen im Vergleich zu bisherigen Marvel Filmen deutlich weniger realistisch (sofern man derlei über Filme um Götter und Männer in fliegenden Anzügen sagen darf). So richtig aufdrehen darf das Special-Effects-Team aber erst im großen Finalen zwischen Dr. Pyms alter Firma und Cassies Kinderzimmer. Hierbei fliegen nicht nur die Fetzen (und Spielzeuge), es gibt auch genug zu lachen (dank der ständigen Größenwechsel zwischen Ant-Man und Yellowjacket) und es geht sogar hinab ins subatomare (auch wenn Dr. Pym genau davor warnt). Alles in allem ist „Ant-Man“ ein guter Marvel Film, der nicht enttäuscht. Er überrascht aber auch nicht. Regisseur Peyton Reed leistet solide Arbeit, aber immer wieder treten Momente zu Tage, die vermuten lassen, wie viel besser der Film mit Edgar Wright (Shaun of the Dead, Hot Fuzz, The World’s End) sowohl als Drehbuchautor und Regisseur hätte werden können. Vielleicht wirkt auch deswegen das Ende von „Ant-Man“ etwas abrupt und man kommt nicht umhin zu vermuten, dass der Film wichtiges für kommende Ereignisse im MCU uns Zuschauern vorenthält. Ach und nicht vergessen: Bis zum Ende des Abspanns sitzenbleiben.

Julius Zunker

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