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Vermisste Erdbeben-Kinder: Türkei prüft Epstein-Files

Die Nachricht schlägt in der Türkei deshalb so hohe Wellen, weil sie eine Verbindung zu einem ungeklärten Kapitel herstellt: Den vermissten Kindern des Marmara-Erdbebens von 1999.

(Foto: nex24)
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Istanbul – Die Veröffentlichung von über drei Millionen Dokumentenseiten aus dem Umfeld des Jeffrey-Epstein-Netzwerks Ende Januar 2026 hat eine internationale Lawine losgetreten.

In der Türkei hat das Material eine besonders schmerzhafte Wunde aufgerissen: Die Generalstaatsanwaltschaft in Ankara hat in dieser Woche (Stand: 03.02.2026) offizielle Ermittlungen eingeleitet, um Hinweisen auf eine mögliche Verschleppung türkischer Kinder nachzugehen. Dabei rückt ein nationales Trauma wieder in den Fokus: das Schicksal der vermissten Kinder nach dem Erdbeben von 1999.

Ermittlungen in Ankara: Die Faktenlage

Die aktuelle Untersuchung basiert auf konkreten Aussagen in den freigegebenen Dokumenten. Eine Belastungszeugin, in den Akten als „Survivor 102“ geführt, gibt an, dass das Netzwerk Kinder aus der Türkei, der Tschechischen Republik und Asien für den systematischen Missbrauch rekrutiert habe.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun Fluglisten und Zeugenaussagen, um festzustellen, ob es personelle Überschneidungen zwischen den Akteuren des Epstein-Rings und Organisationen gibt, die damals in der Türkei tätig waren. Es geht hierbei nicht um bloße Vermutungen, sondern um die rechtliche Aufarbeitung eines der dunkelsten internationalen Kriminalfälle der Moderne.

Das Trauma von 1999 und die öffentliche Dynamik

Die Nachricht schlägt in der Türkei deshalb hohe Wellen, weil sie eine Verbindung zu einem ungeklärten Kapitel herstellt: den vermissten Kindern des Marmara-Erdbebens von 1999. Seit 27 Jahren fordern betroffene Familien Aufklärung über den Verbleib von Kindern, die aus den Trümmern gerettet wurden, danach aber spurlos aus Krankenhäusern oder Sammelstellen verschwanden.

In sozialen Netzwerken wird die Veröffentlichung der Akten als langersehnter „Schlüssel“ für das Rätsel von 1999 gesehen. Während Kritiker vor voreiligen Schlüssen oder der Verbreitung von Verschwörungstheorien warnen, argumentieren Betroffene, dass das Misstrauen gegenüber damaligen Strukturen erst durch solche internationalen Enthüllungen eine Bestätigung findet.

Die Epstein-Akten wirken wie ein Katalysator für einen Schmerz, der nie geheilt ist.

Begriffliche Unschärfe und die Suche nach Wahrheit

Die Herausforderung für Ermittler und Medien besteht nun darin, die „begriffliche Unschärfe“ der Millionen Dokumentenseiten zu sortieren. Nicht jeder Name in den Akten ist ein Täter, und nicht jeder Flugbericht belegt ein Verbrechen.

Dennoch ist die Forderung nach Transparenz berechtigt. Die Verbindung zwischen internationalem Menschenhandel und lokalen Krisensituationen (wie Naturkatastrophen) ist ein bekanntes Muster, das nun lückenlos untersucht werden muss.

Eine Chance auf Gewissheit

Die Epstein-Akten sind ein Dokument „internationaler Dunkelheit“. Für die Türkei bietet sich nun jedoch die Chance, durch die offiziellen Ermittlungen in Ankara Licht in ein dunkles Kapitel der eigenen Geschichte zu bringen.

Sollten sich auch nur Bruchstücke der Vermutungen bestätigen, wäre dies eine späte, aber notwendige Gerechtigkeit für die Familien der Vermissten. Es ist die Suche nach Fakten in einer Zeit, in der die Dynamik der Empörung so groß ist wie nie zuvor.

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