Boxgeschichte
Muhammad Ali zum 84.: „The Greatest“ und sein Weg zum Islam

Muhammad Ali zum 84. Geburtstag: Warum der stolze Muslim und Box-Held „The Greatest“ bleibt. Ein Leben zwischen Weltruhm, Glauben und politischem Widerstand.

Teilen

Phoenix – Es gibt Sportler, es gibt Legenden, und es gibt Muhammad Ali. Am heutigen 17. Januar wäre der Mann, der sich selbstbewusst „The Greatest“ nannte, 84 Jahre alt geworden.

Ali war weit mehr als ein Schwergewichts-Champion; er war ein globaler Botschafter für Menschenwürde, ein religiöser Sucher und eine politische Provokation, die das 20. Jahrhundert nachhaltig prägte.

Als Cassius Marcellus Clay Jr. im Jahr 1942 in den rassistisch geprägten Südstaaten der USA geboren wurde, ahnte niemand, dass dieser Junge eines Tages das Gesicht des Widerstands werden würde. Sein Weg begann mit einer gestohlenen Fahrrad-Geschichte, die ihn in den Boxstall führte, und erreichte 1960 den ersten Höhepunkt mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille in Rom.

Der sportliche Aufstieg: Vom „Loudmouth“ zum Weltmonarchen

Alis Karriere im Profiboxen war geprägt von einer bis dahin ungesehenen Eleganz im Schwergewicht. Er tanzte durch den Ring und „stach wie eine Biene“. 1964 schockierte er die Welt, als er den als unbesiegbar geltenden Sonny Liston entthronte. Doch Alis sportlicher Weg war kein reiner Triumphzug; er war geprägt von epischen Schlachten und bitteren Rückschlägen.

Unvergessen bleibt der „Rumble in the Jungle“ 1974 in Zaire gegen George Foreman, wo Ali seine „Rope-a-Dope“-Taktik erfand und den Titel zurückholte. Er bestritt legendäre Kämpfe gegen Joe Frazier, darunter den „Thrilla in Manila“, und musste schmerzhafte Niederlagen gegen Ken Norton oder Leon Spinks hinnehmen.

Doch Ali kam immer wieder zurück. Sein sportliches Vermächtnis ist jedoch untrennbar mit seiner dreieinhalbjährigen Zwangspause verbunden. 1967 wurde ihm der Weltmeistertitel am grünen Tisch entzogen und seine Lizenz gesperrt – nicht weil er im Ring verloren hatte, sondern weil er außerhalb des Rings Haltung bewies.

Politik und Religion: Der Bruch mit dem Establishment

Mitten in seiner Blütezeit traf Ali eine Entscheidung, die sein Leben veränderte. Er konvertierte zum Islam und legte seinen „Sklavennamen“ Cassius Clay ab. „Ich bin Muhammad Ali, ein freier Name“, verkündete er stolz.

In dieser Zeit war seine enge Freundschaft mit Malcolm X prägend, der ihm half, sein politisches Bewusstsein zu schärfen. Später distanzierte sich Ali jedoch von der radikalen Ideologie der Nation of Islam und wandte sich dem orthodoxen sunnitischen Islam zu, in dem er eine universelle Botschaft des Friedens fand.

Muhammad Ali (l.) mit dem Bürgerrechtler Malcolm X, New York 1963. (Screenshot/Youtube)

Sein größter politischer Kampf war die Verweigerung des Militärdienstes im Vietnamkrieg. Ali begründete dies mit einer Klarheit, die das weiße Amerika erzürnte:

„Ich habe keinen Streit mit den Vietcong. Kein Vietcong hat mich jemals Nigger genannt.“

Ali hielt den USA den Spiegel vor: Warum sollte er für eine Freiheit in Asien kämpfen, die ihm und seinen schwarzen Mitbürgern in Louisville verwehrt blieb? Er riskierte eine Gefängnisstrafe und verlor Millionen an Einnahmen, doch er gewann die moralische Hoheit.

Privatleben: Die Familie hinter dem Champion

Hinter dem öffentlichen Giganten stand ein bewegtes Privatleben. Ali war insgesamt viermal verheiratet. Seine erste Ehe mit Sonji Roi scheiterte schnell an religiösen Differenzen. Mit seiner zweiten Frau, Belinda Boyd (später Khalilah Ali), hatte er vier Kinder. Es folgte die Ehe mit Veronica Porché, aus der zwei Töchter hervorgingen – darunter Laila Ali, die später selbst eine erfolgreiche Box-Weltmeisterin wurde.

Seine vierte Ehefrau, Yolanda „Lonnie“ Ali, begleitete ihn schließlich durch seine schwersten Jahre, als die Parkinson-Erkrankung seinen Körper zunehmend schwächte. Ali war Vater von insgesamt neun Kindern und legte in seinen späten Jahren großen Wert darauf, ein liebevoller und präsenter Familienvater zu sein, weit weg vom Getöse der Pressekonferenzen.

Ein ewiges Erbe der Souveränität

Muhammad Ali verstarb im Juni 2016, doch seine Botschaft ist heute aktueller denn je. Er bewies, dass man ein Champion sein kann, ohne seine Seele zu verkaufen. Sein Kampf gegen Parkinson wurde zu seiner letzten großen Bühne, auf der er mit zitternden Händen 1996 das olympische Feuer in Atlanta entzündete – ein Moment, der die Welt zu Tränen rührte.

Er lehrte uns, dass wahre Stärke in der Sanftmut liegt und dass man für seine Überzeugungen alles riskieren muss. Heute, an seinem 84. Geburtstag, erinnern wir uns an einen Mann, der bewies, dass man fliegen kann wie ein Schmetterling, wenn man den Mut hat, fest auf dem Boden seiner Prinzipien zu stehen.

Auch interessant

Microsoft feuert Israel-Chef Haimovich: Azure speicherte 200 Millionen Stunden palästinensischer Telefongespräche

Tel Aviv/Redmond – Microsoft hat seinen Israel-Chef Alon Haimovich sowie mehrere leitende Manager der israelischen Niederlassung entlassen. Das berichtete die israelische Wirtschaftszeitung Globes am...

Griechische Besetzung Westanatoliens (1919–1922): Krieg, Flucht und Zerstörung

Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge Am 15. Mai 1919 landeten unter dem Schutz alliierter Kriegsschiffe etwa 12.000 Soldaten der griechischen Okkupationsarmee im Hafen von Izmir....

Susanne Mattner zur Israel-Klage gegen die New York Times

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Israel verklagt die New York Times. Der Grund: Der Pulitzer-Preisträger Nicholas Kristof hatte in einem aufwendig recherchierten Artikel dokumentiert, wie...

Israel laut globaler Umfrage „weltweit unbeliebtestes Land“

Jerusalem - Israel ist laut einer im Mai 2026 veröffentlichten internationalen Wahrnehmungsstudie das weltweit am negativsten bewertete Land. Das geht aus dem „Global Country Perceptions...

Flotilla-Skandal: Sánchez fordert EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir

Madrid - Der jüngste Vorfall auf dem Mittelmeer sorgt für schwere diplomatische Verwerfungen zwischen Europa und Israel. Nachdem das israelische Militär die internationale Hilfsflotte „Global...

Headlines

Israel: Knesset-Abgeordneter heißt Tötung von Zivilisten gut

Jerusalem – „In Jenin gibt es keine unschuldigen Zivilisten. In Jenin gibt es keine unschuldigen Kinder." Mit diesen Worten...

Flotilla-Skandal: Sánchez fordert EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir

Madrid - Der jüngste Vorfall auf dem Mittelmeer sorgt für schwere diplomatische Verwerfungen zwischen Europa und Israel. Nachdem das israelische...

Susanne Mattner zur Israel-Klage gegen die New York Times

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Israel verklagt die New York Times. Der Grund: Der Pulitzer-Preisträger Nicholas Kristof hatte in einem...

Kuba an USA: Wenn wir sterben, dann sterben wir

Havanna/Washington – Die Spannungen zwischen den USA und Kuba haben ein neues Niveau erreicht. Lianys Torres Rivera, Kubas ranghöchste...

Meinung

Israel: Knesset-Abgeordneter heißt Tötung von Zivilisten gut

Jerusalem – „In Jenin gibt es keine unschuldigen Zivilisten. In Jenin gibt es keine unschuldigen Kinder." Mit diesen Worten sorgte Yitzhak Kroizer, Knesset-Abgeordneter der...

Flotilla-Skandal: Sánchez fordert EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir

Madrid - Der jüngste Vorfall auf dem Mittelmeer sorgt für schwere diplomatische Verwerfungen zwischen Europa und Israel. Nachdem das israelische Militär die internationale Hilfsflotte „Global...

Odadaki Son Yetişkin Olarak Türkiye

Konuk Yazar Nabi Yücel Mevcut durumda Türkiye, Orta Doğu'nun – ve çok daha ötesinin – jeopolitik manzarasında neredeyse nesli tükenmekte olan diplomatik bir tür; yani...

Araştırma: Dini İnanç, Gençleri Kaygı Bozukluklarından Koruyan Temel Bir Faktör

Almanya - Bochum Ruhr Üniversitesi (RUB) tarafından yürütülen güncel bir araştırma, dini inancın çocukların ve gençlerin ruh sağlığı için kritik bir koruyucu faktör olduğunu...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...