"Rassekundliches Wissenschaftsverständnis"
Mehr als 1.000 Schädel aus der Kolonie Deutsch-Ostafrika in Depot in Berlin gefunden

In deutschen Depots lagern weit mehr Schädel und Knochen aus den deutschen Kolonien, als bislang bekannt. Alleine im Zentraldepot der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) befänden sich noch immer 1.003 Schädel aus dem Gebiet des heutigen Ruanda und 60 Schädel aus Tansania - darunter 10 Schädel von Kindern.

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Leipzig (nex) – In deutschen Depots lagern weit mehr Schädel und Knochen aus den deutschen Kolonien, als bislang bekannt. Nach Informationen des ARD-Magazins „FAKT“ befinden sich alleine im Zentraldepot der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) noch immer 1.003 Schädel aus dem Gebiet des heutigen Ruanda und 60 Schädel aus Tansania – darunter 10 Schädel von Kindern.

„FAKT“ liegen exklusiv Listen aus den Beständen der Stiftung vor, die eine enorme Menge von Schädeln aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika (heutiges Ruanda und Tansania) verzeichnen. Die menschlichen Überreste kamen zu der Zeit nach Deutschland, als beide Länder zum deutschen Kolonialreich gehörten. Teilweise stammen die Schädel von Aufständischen, die während der damaligen Kolonialkriege von deutschen Truppen hingerichtet und deren Körperteile zu Forschungszwecken nach Berlin geschickt worden sind.

Konfrontiert mit den „FAKT“-Recherchen bestätigt der Präsident der SPK, Hermann Parzinger, die fragwürdigen Bestände. „Diese Dinge wollen wir schlicht und ergreifend nicht in unseren Sammlungen haben“, sagte Parzinger gegenüber „FAKT“. „Wir haben da kein Problem, diese Dinge zurückzugeben.“ Der SPK-Chef distanziert sich ausdrücklich von dem Geist, der den Sammlungen zugrunde liege.

„Diese Schädelsammlungen wurden angelegt aufgrund eines rassischen, rassekundlichen Wissenschaftsverständnisses“, so Parzinger weiter zu „FAKT“. „Das ist etwas, was man meiner Meinung nach restituieren muss.“

Auch die ehemalige Entwicklungsministerin, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) fordert eine Rückgabe der Gebeine. „Es braucht jetzt einen Auftrag an die beteiligten Universitäten und Institutionen, in einer würdevollen Form diese Gebeine in die jeweiligen Länder wieder zurückzuführen und damit auch ein Signal zu setzen.“

Wieczorek-Zeul war die erste deutsche Politikerin, die sich für die Gräueltaten während der deutschen Kolonialzeit entschuldigt hatte. Zu den aktuellen Schädelfunden sagte sie gegenüber „FAKT“: „Es ist unerträglich. Vor allem unerträglich, dass es so lange braucht.“


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